La Palma Aktuell
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Nachrichtenarchiv Dezember 2004


Freitag 31.12.04 - 18:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 18 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 73% Luftdruck 1019 hPa

Machen wir Schluss für dieses Jahr

Vielleicht ist ja immer diese kleine Hoffnung im Hinterkopf, mit dem Ende eines Jahres auch viel Unverdautes und Komisches einfach abzuschließen. Gute Vorsätze habe ich nie, ich will mich nicht gleich am nächsten Tag wieder enttäuschen. Dann kommen die berühmten Jahresrückblicke, Freddy stolpert über den Tigerkopf, Politiker sprechen versöhnliche Worte (dieses Mal nicht über Leitkultur, sondern Köhler rutscht doch tatsächlich der Satz raus: Wir sind eine Welt). Morgen ist ein anderer Tag, eine neue Geschichte, eine neue Welt und wir fangen ganz neu und sauber an. 12 Trauben, bei jedem Glockenschlag eine, da bleibt vor lauter Schlucken ja keine Zeit mehr, nach hinten oder gar nach vorne zu sehen. Das ist überhaupt das Gefühl, welches mich am meisten an 2004 erinnert, wenn ich meine Gedanken soweit zurückschicke, bis es im Hals knackt.- Keine Zeit.

Das hört sich verwunderlich an auf einem beschaulichen Eiland wie La Palma. Aber auch hier tut sich viel und wer im Geschäft bleiben will oder muss, der kann ordentlich hinlangen, sonst überholt ihn der Fortschritt ganz nachhaltig. La Palma hat Fahrt aufgenommen und wenn es schnell genug geworden ist, dann hebt es ab. Das waren nicht meine Worte, sondern die eines der Hauptprotagonisten unserer Golfhotelfraktion. Das sind zwar nur 10 Köpfe des politischen Hochamts, 84990 Palmeros denken anders, aber die zukünftige Entwicklung dieser Insel war das bestimmende Thema und wird es auch die nächsten Jahre noch bleiben. Es wird Zeit, dass die Herde dem Schäfer sagt wo es langgeht, so habe ich irgendwann mal die Demokratie verstanden.

Vielen Dank Ihnen allen dafür, dass Sie La Palma und uns Ihre Aufmerksamkeit geschenkt haben, meine schlechten Launen ertragen haben und meinen freiheitlichen Stil der Kommaregeln. Vielen Dank unseren Gästen, die fast ausnahmslos unsere Gedanken einer Tourismusmanufaktur teilen und ihr sauer verdientes Geld hier netto auf der Insel ausgegeben haben. Es hat mir großen Spaß und Freude bereitet mit Ihnen, bekannt oder unbekannt. Machen wir weiter so, für mich und fast alle Palmeros ist es eine große Ehre, wenn Sie uns Ihre Zeit widmen. Bis morgen: Mathias Siebold



Freitag 31.12.04 - 09:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 15 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 71% Luftdruck 1020 hPa

Bananenmuseum fast eröffnet

In Tazacorte hat man sich mächtig ins Zeug gelegt, um das Bananenmuseum noch vor dem Jahresende zu eröffnen. Das ist auch gelungen, zumindest konnten gestern Abend Offizielle, Honoratioren, politisch Verpflichtete und ein paar Schaulustige bereits die Räume besuchen. Allerdings schließt man jetzt erst mal wieder die Pforten und will sich dann um die Öffnungszeiten Gedanken machen. Die angekündigte Cafeteria sucht noch einen Pächter, es wirkt schon wie ein richtiger Schnellschuss, um eben noch einen Zeitplan eingehalten zu haben. Die Umgebung hätte nicht besser ausgewählt werden können, rund herum findet man ausschließlich das, um was es im Museum geht, Bananen. Nächste Woche ist das Museum aber auch für das Publikum offen, die Öffnungszeiten sind allerdings noch nicht bekannt.

Kurz noch Nachrichten zur Wetterfront. Das Azorenhoch bleibt weiter unser bestimmender Faktor. Allerdings bewegt sich die Kernzone des Hochdruckgebietes so weit nach Nordosten, dass uns in den nächsten Tagen Wind aus östlichen und später sogar südöstlichen Richtungen erreichen wird. Theoretisch kann dann sogar "Calima" kommen, die Luft die uns erreicht, bestreicht zuvor den afrikanischen Kontinent, wird trockener und es erreichen uns weniger Wolken. Das bedeutet aber nicht, dass es wärmer wird, die Luft über Nordafrika ist sogar kälter als über dem Atlantik. Aber wir werden mehr Sonnenscheinstunden erhalten und damit höhere Tagestemperaturen. Der Wind wird etwas nachlassen, nachts bleibt es aber Schiesser-verdächtig kalt. Allen, die heute Nacht den Jahreswechsel auf der Plaza von Los Llanos im kleinen Schwarzen und feinem Zwirn feiern wollen, rate ich dringend an, darunter Angora Unterwäsche zu tragen.



Donnerstag 30.12.04 - 19:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 21 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 76% Luftdruck 1018 hPa

Besuchen Sie La Palma, solange es noch steht

Würde man den anerkannten geologischen Fachzeitschriften "Bild" und "Focus" Glauben schenken, dann wäre die Überschrift ja tatsächlich ernst zu nehmen. Leider haben beide Zeitungen im Sensationsrausch vergessen zu recherchieren, von der Bild ist man das gewohnt, aber das der Fakten, Fakten, Fakten Focus munter und ungeprüft das nachplappert, was die Bild vorsetzt, zeugt von dem hehren Journalismus den man dort wohl künftig pflegen will. Die Bild und Focus Schlagziele lautet: Versinkt die Insel? La Palma akut bedroht Auf der Kanareninsel braut sich etwas Grausiges zusammen - eine riesige Bergflanke könnte einstürzen. Regelmäßig packt man, meist zur Gurkenzeit, diese Geschichte aus, die auf einer Studie von Simon Day beruht, nach der die steilen Hänge der Cumbre Vieja irgendwann in den Atlantik rutschen könnten. Bei manchen Zeitungen herrscht nun der Druck, noch schlimmere Szenarien zeichnen zu müssen, als die schreckliche Katastrophe in Asien. 120.000 Tote sind nicht genug, wir können über etwas noch schlimmeres berichten! Weil in vielen Zeitungen nicht recherchiert, sondern nur kopiert, wird über alle fehlenden Zusammenhänge gütlich hinweggesehen und munter los katastrophiert. Es ist journalistisch und moralisch ungeheuer verwerflich, aus wissenschaftlichen Thesen, akute Bedrohungszustände zu konstruieren. Ich werde mir jetzt die Zeit nehmen, dazu etwas zu erklären, Zeit die sich die Journalisten des Focus und der Bild leider nicht genommen haben.

Wir müssen das mal kurz auseinander halten. Auch weniger sensationslustige Kollegen von Simon Day vertreten die These, dass die steilen Hänge der Cumbre Vieja irgendwann mal in den Atlantik rutschen können. Nimmt man den worst case an, dann wird man die Auswirkungen im gesamten atlantischen Raum spüren. Was aber alles geschehen muss, damit Teile, oder gar die gesamte Flanke der Cumbre Vieja ins Meer rutschen, das geht auf der Suche nach Sensationsmeldungen verloren. Selbst Simon Day nennt als Vorraussetzung mehrere heftige Vulkanausbrüche und die auch noch an der richtigen Stelle, damit die Hänge der Cumbre Vieja instabil werden könnten. Bislang haben die sieben Vulkanausbrüche seit 1470 es nicht geschafft, Teile der Westseite ins Wanken zu bringen. Der kilometerlange Riss, auf den Simon Day seine Theorie mit stützt, ist nach Untersuchungen kanarischer Vulkanologen wie Juan Carlos Carracedo und Nemesio Pérez, viel älter als angenommen und nicht erst in der Neuzeit entstanden. Die Ränder des Risses sind bereits so verwittert, dass der letzte größere Vulkanausbruch (1949 San Juan) nicht dafür verantwortlich sein kann. (Der Teneguía 1971 wird nicht als großer Vulkanausbruch geführt.)

Um überhaupt in die Richtung einer Instabilisierung der Cumbe Vieja zu gelangen, müssen also große vulkanische Eruptionen her. Diese geschehen aber nicht unangemeldet, sondern kündigen sich oft jahrelang vorher an. Man misst die seismischen Geschehen, also Erdstöße, welche durch aufsteigendes Magma verursacht werden. Unter den Kanaren befindet sich ein so genannter "Hotspot", das ist ja auch der Grund dafür, warum es uns überhaupt gibt. Selbst wenn nun ungewöhnlich viele Erdstöße gemessen werden, heißt das immer noch nicht, dass eine Eruption zwingend stattfindet. Es kann auch sein, dass die Magma sich in den unterirdischen Kavernen ausdehnt und wieder zur Ruhe kommt, wie das im Moment auf Tenerife der Fall ist. Zusätzlich kann man an den Gasemissionen messen, wie aktiv die Magma in den unteren Schichten ist. Die Zusammensetzung von Kohlendioxyd, Schwefel und anderen Gasen, lässt gute Schlüsse zu, ob die vulkanische Tätigkeit zunimmt oder nicht. Die dritte Methode ist die Beobachtung von Erddeformationen, die auch immer vor Vulkanausbrüchen zu beobachten sind. Die sind allerdings dann die letzten und akuten Melder einer bevorstehenden Eruption. Auf La Palma sind in letzter Zeit überhaupt keine seismischen Vorkommnisse gemessen worden. Die Gasemissionen nehmen seit der Eruption des Teneguía ab und zu Erddeformationen ist es schon gar nicht gekommen. Juan Carlos Carracedo ist der Auffassung, dass La Palma sich am Anfang einer vulkanischen Ruhephase befindet. Diese wird nicht ewig andauern, aber wir müssen begreifen, in geologischen Zeiträumen zu denken. Akut besteht überhaupt kein Grund, auch nur annähernd beunruhigt zu sein. Was in 1.000 Jahren, 10.000 Jahren oder 100.000 Jahren geschieht, das wissen wir nicht und jeder seriöse Vulkanologe mutmaßt darüber auch nicht.

Manche Zeitungen bemühen sich ja, dieses auch zum Ausdruck zu bringen, aber manche können der Sensationsgier nicht widerstehen. Einen Zusammenhang mit der unvorstellbaren Flutkatastrophe in Asien herzustellen und für eigene, journalistische Mache zu benutzen, ist nicht einfach nur grenzwertig, sondern disqualifiziert sich ganz einfach selbst. Da nützt es dem Focus auch nicht, sich auf eine Bild Meldung zu berufen, man hat diese einfach wiederholt und eine akute Bedrohung aus einer nicht unumstrittenen These gebaut. Wir schlafen hier alle verdammt ruhig und gut. Ich habe eh mein eigenes Vorwarnsystem: Erst wenn Bild und Focus mich mit gut recherchierten Berichten überraschen, dann sollten wir uns um unsere Cumbre Vieja Gedanken machen. Wo ist also das Problem?



Donnerstag 30.12.04 - 09:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 16 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 74% Luftdruck 1022 hPa

Kanaren anstatt Phuket ?

Ein ganz heißes Thema, immer ganz nahe an der Grenze der Moral. Die großen Reiseveranstalter suchen nun für die kommenden Monate Alternativziele für die Gäste, welche eigentlich nach Thailand oder Sri Lanka reisen wollten. Die Kanaren bieten sich da bevorzugt an, Kapazitäten sind reichlich vorhanden und man wird Niemanden aus moralischen Gründen wieder wegschicken. So böse das klingt, es haben immer Regionen einen touristischen Aufschwung erlebt, wenn irgendwo anders auf der Welt das Elend, aus welchem Grund auch immer, eine Urlaubsreise verbietet. Um das ganz klar auszudrücken, niemand der Hoteliers auf Gran Canaria, Fuerteventura, Tenerife oder Lanzarote reibt sich die Hände, der Vorwurf, am Leid anderer zumindest inaktiv zu verdienen, bleibt aber stehen.

Niemand kann und wird von uns verlangen, dass wir es ablehnen, als Alternativziel zu den verwüsteten Regionen Asiens zu dienen. Niemand trägt Schuld oder ist verantwortlich für Naturkatastrophen, verdienen aber eigentlich Unbeteiligte daran mehr Geld als sonst, dann entsteht ein sofortiger Zusammenhang und man betritt den konturenlosen Bereich der Moral. Wie wäre es denn, wenn die Hoteliers der nun zu suchenden Alternativziele, einen beträchtlichen Teil ihres Mehrverdienstes dort wieder hinschicken, wo das Geld jetzt viel nötiger gebraucht wird? Zuviel verlangt, oder nur die Träume eines unverbesserlichen Idealisten? Es geht ja nicht nur um die Kanaren, viele andere Regionen stehen vor der gleichen Verlockung. Mal sehen, ob auch noch andere auf die Idee kommen, nicht durch das Leid anderer mehr verdienen zu wollen, als ohne die Katastrophe. Wir auf La Palma sind ja fein raus, es ist nicht anzunehmen, dass unsere raue und kalte Insel ein geeignetes Alternativziel ist. Unser Gewissen sollte ruhen können, tut es aber nicht.



Mittwoch 29.12.04 - 18:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 14 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 74% Luftdruck 1025 hPa

Die Mandelbäume wollen nicht mehr warten

Der Winter hat kalendarisch gerade eben erst angefangen, da beeilen sich die ersten Mandelbäume schon wieder den Frühling zu verkünden. In den hohen Zonen von Tijarafe, Puntagorda, aber auch oberhalb von El Paso beginnt bereits jetzt, eines der eindrucksvollsten Naturschauspiele der Insel, die Mandelblüte. Längst ist die volle Pracht nicht erreicht, aber man kann schon ahnen, dass es dieses Jahr wieder bunt werden wird, die reichlichen Niederschläge haben nach dem letzten trockenen Winter dem Bestand an Mandelbäumen La Palma sehr gut getan. Es ist beeindruckend, wie aus den scheinbar verkrüppelten und blattlosen Zweigen, plötzlich Blüten in wunderschönen Farben von weiß bis rosa sprießen. Kaum eine andere Pflanze bietet ein solch deutliches Bild von Wiedergeburt. Wüsste man es nicht besser, dann hielte man fast alle Mandelbäume in der Winterbrache für abgestorben, bis die erste Blüte das genaue Gegenteil beweist.

Die Mandelbäume auf La Palma werden nur noch selten bewirtschaftet. Lediglich für den privaten Konsum und lokale Hersteller von Süßigkeiten verarbeiten noch unsere eigenen Mandeln. Exportiert wird nicht mehr, das gleiche Problem wie bei fast allen anderen landwirtschaftlichen Produkten, wir sind zu teuer. Viele der Mandelbäume werden nun auch nicht mehr gepflegt und beschnitten, was dazu führt, dass die Bäume zusehends verwildern. Mit flächendeckenden Aktionen seitens des Landwirtschaftsrates wird immer wieder versucht dagegen anzugehen und man schickt Arbeiter in die Landschaft um die Bäume zu beschneiden. Geerntet wird trotzdem immer seltener, aber das hindert die Bäume nicht daran zu blühen.


Mandelblüte auf La Palma



Mittwoch 29.12.04 - 09:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 14 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 74% Luftdruck 1025 hPa

Gefühlte Gäste

Die am 25.12 versprochene Positivversion der Touristenzahlen hat nicht lange auf sich warten lassen. Wie nicht anders zu erwarten, haben wir laut unserer inseleigenen Behörde ein Plus von 9% in diesem Sektor. Dieses Plus geht ausschließlich auf das Konto der nationalen Besucher von der iberischen Halbinsel und den anderen kanarischen Inseln. Es wird die Zahl von 200.000 kanarischen Touristen genannt, die in diesem Jahr bei uns Urlaub gemacht haben und von 43.000 Gästen vom spanischen Mutterland. Diese Zahlen entbehren jeder Grundlage, die werden nach einem festgelegten Schlüssel ermittelt, der aussagt, dass in jedem Flieger, der aus Tenerife oder Madrid zu uns kommt, 30% Touristen sind. Jeder, der die Situation kennt oder öfter mal zwischen den Inseln hin und her fliegt, weiß dass das nicht so ist. Ich kann aber auch nicht sagen, ob das vielleicht 10% sind oder nur 5%. Wir haben dieses Jahr sicherlich ein Plus an Besuchern von den anderen Kanaren und vom spanischen Festland. Weil man aber schon letztes Jahr mit Zahlen gearbeitet hat, die weit weg von jeglicher Realität sind, muss man halt um das Plus auszudrücken, noch mal was drauflegen.

Allerdings ist der Ton, mit dem Jaime Sicilia, unser Tourismusrat diese Zahlen verkündet, ein deutlich zurückhaltender, als noch im Sommer. In dieses leise Hurra mischt er auch die Schwierigkeiten der Branche und erkennt, dass man mit der Aufstockung der Bettenzahl, die Auslastung der einzelnen Anlagen stark nach unten gedrückt hat. Er nennt deutlich die Misserfolge auf der Suche nach neuen Märkten und weist auf das Scheitern des Versuchs hin, Engländer und Italiener im größeren Stil für unsere Insel zu begeistern. Wer aufmerksam zwischen den Zeilen liest, der erkennt in der positiven Meldung ein langsames Umdenken. Es ist sehr schwer, den seit langem lautstark verkündeten Tourismusboom nun wieder in reelle Zahlen zu kleiden, ohne sich völlig unglaubwürdig zu machen. So ist, alles in allem die Meldung doch etwas Positives. Man hat die Situation wohl erkannt, darf sie aber (noch) nicht beim Namen nennen, die möglichen Investoren sollen nicht verprellt werden. Kein einfacher Job die Politik.



Dienstag 28.12.04 - 19:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 19 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 78% Luftdruck 1023 hPa

Erneute Diskussion um die Fischfarmen vor Tazacorte

Immer wieder entkommen tausende an Doraden (Goldbrasse - Sparua aurata), die in Schwimmkäfigen vor Puerto de Tazacorte auf ein Verkaufsgewicht von einem Kilo gemästet werden. Anfangs war das sehr zur Freude der Hobbyangler, die ohne Mühe diese Fische zu tausenden gefangen haben. Der Betreiber der Fischfarmen und auch der Fischereirat der Insel beruhigten immer wieder, das ist kein Problem, die Doraden sind vor unseren Küsten nicht lebensfähig und sterben ein paar Tage nach dem sie den Käfigen entwischt sind. Eine Bedrohung der heimischen Meeresfauna und Flora sei auszuschließen hieß es immer wieder, die Doraden können sich nicht vermehren, da sie allesamt vom gleichen Geschlecht sind und außerdem seinen sie keine Raubfische. Das ist halt einfach nicht richtig, die Dorade ist kein Vegetarier, sondern ernährt sich von Schalentieren und kleinen Fischen.

Nun sind die ersten Doraden in der marinen Schutzzone aufgetaucht und es werden jetzt erneut die gleichen Fragen gestellt. Warum entkommen überhaupt so viele Fische aus den Schwimmkäfigen und was passiert, wenn die Doraden sich doch als überlebensfähiger zeigen, als uns die beruhigenden Worte wissen lassen. Gerade auf La Palma ist man in letzter Zeit notgedrungener Maßen viel hellhöriger geworden, was die negativen Folgen angeht, die fremde Spezies auf unsere Biodiversität haben können. Auf der anderen Seite geht es um ein gutes Geschäft und man hat vor, die Fischfarmen noch deutlich auszubauen. Inzwischen will man die Zulassung für die Aufzucht von Lubinen (Wolfsbarsche - Dicentrarchus labrax) neu überprüfen. Diesen flotten Jäger gibt es auch nicht vor unseren Küsten und der wird als viel gefräßiger eingeschätzt, als die vergleichsweise harmlose Dorade. Alternativ denkt man jetzt an die Aufzucht von heimischen Fischen wie dem Medregal (Bernsteinmakrele - Seriola dumerili) und dem Bocinegro (Meerbrasse - Sparus pagrus pagrus). Davor warnen wiederum andere Meeresbiologen, entkommen bei einer Havarie der Käfige mehrere 10.000 hier heimischer Fische auf einmal, dann fressen die innerhalb kürzester Zeit alles andere auf, was man in Mühe in der marinen Schutzzone wieder heranziehen will. Schöne Bescherung, jetzt hätte man endlich mal einen neuen Einkommenszweig für diese Insel und da bleiben uns die Hurrarufe gleich wieder im biodiversen Hals stecken.

Für alle "residenten" Leser: Médicos del Mundo España haben ein Spendenkonto für die Flutopfer in Asien eingerichtet: La Caixa 2100 4466 99 0200020000 Referencia: Asia. Wo man in Deutschland spenden kann, das ist ja wohl bekannt.



Dienstag 28.12.04 - 09:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 15 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 71% Luftdruck 1025 hPa

Außenhandelsbademeister

Noch nie in der Geschichte La Palmas war der Importüberschuss so groß, wie im Jahr 2004. Die letzten Wochen des Jahres sind in dieser Statistik geschenkt, da wird sich nichts mehr ändern. Die Zahlen stammen vom Hafen der Hauptstadt und sprechen eine deutliche und unangenehme Sprache. In diesem Jahr hat La Palma Ware im Gewicht von 730.000 Tonnen importiert, aber lediglich 200.000 Tonnen an Gütern in den Rest der Welt verschickt. Zieht man davon noch die Bananen ab, das sind immerhin 150.000 Tonnen, dann haben wir wohl wenig Güter, mit denen wir außerhalb irgend jemanden beglücken können. Es ist normal, dass eine Insel nie alles selbst produzieren kann und auf Import angewiesen ist, aber diese Schere ist eindeutig zu groß.

Der Aufruf, wieder selbst mehr zu produzieren und auf regionale Produkte zu setzen, ist plötzlich in aller Munde und drückt die Diskussion um Golfplätze und Hotels fast an den Rand. Das ist vernünftig, da muss dran gearbeitet werden, dass eine Insel die landwirtschaftlich geprägt ist und keinen Mangel an gutem Boden, Wasser und Arbeitskräften hat, wieder deutlich mehr in Richtung Selbstversorgung geht. Die andere Seite, der Export, auch da kann man an dem Importüberschuss arbeiten. Es gibt genügend Verbraucher in Mitteleuropa, die eine ganze Reihe an Produkten La Palmas gerne auch als Angebot in ihrer Umgebung hätten. Ein Importeur wäre gefragt, der sich um das kleine, aber feine Angebot dieser Insel bemüht. Es muss doch möglich sein, wenigstens in den größeren Städten Mitteleuropas Läden zu haben, in denen man das hervorragende Salz La Palmas erwerben kann, unseren Wein, die weltberühmten Zigarren, den Mojo, den Ziegenkäse und und und. Vielleicht sollten wir lieber Prosecco produzieren und singlegerechte Fertiggerichte und könnten uns so in den Blickwinkel der Verbraucher bringen, aber das liegt uns nicht, La Palma war noch nie marktorientiert und verbrauchergerecht. Also, mutige Importeure dieser Welt, schaut auf diese Insel!



Montag 27.12.04 - 18:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 21 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 71% Luftdruck 1020 hPa

Heute ein Gastkommentar von Helge Becker, z.Zt. La Palma

Großes Seglertreffen vom 24.12.2004 bis 27.12.2004; ein voller Erfolg!?

Kurz nach unserem Eintreffen auf der Insel erfuhren wir von dem traditionellen Seglertreffen im Hafen von Santa Cruz. Als Norddeutsche mit einem endemischen Hang zur Seefahrt, machten wir uns dann am frühen Morgen des 25.12.2004 auf, die angekündigten 8 bzw. 10 Schiffe zu besichtigen. Außerdem wollten wir gerne den avisierten Weihnachtsmarkt besuchen und vielleicht Urlaubsmitbringsel käuflich erstehen.
Gegen 10.00 Uhr trafen wir dann ein und es lagen nur 3 ( in Worten "drei" ) Großsegelschiffe an der Pier. Die Prince William aus Glasgow, die Eendracht aus den Niederlanden und das allseits bekannte Beck's Schiff, die Alexander von Humboldt aus Deutschland. Im Sicherheitsbereich des Hafens lag weiterhin ein Kreuzfahrer der TUI, den man ohne Bordausweis nicht besichtigen bzw. besuchen konnte.

Die Besatzungen der Segler waren sehr nett und erklärten bereitwillig den meist deutschen oder englischen Landratten, seemännische Begriffe, wie Back - und Steuerbord, Mast, Fahrt über Grund usw.
Die Residentenband spielte mit Rock'n Roll auf und die Stimmung stieg über den Gefrierpunkt. Ein ganz besonderer Leckerbissen war dann noch der angekündigte Weihnachtsmarkt auf der Hafenmole. Die meist endemisch deutschen Marktbeschicker hatten ihre Tarotkarten, Aloe Vera-Cremes und Schaffelldecken eingepackt und nach Santa Cruz gebracht. Dort war zumindestens der Wiedererkennungswert ziemlich hoch, aber mit Weihnachten hatte der Markt nichts zu tun. Außerordentlich verwunderlich fand ich aber, dass einer meiner deutschen Landsleute, auf dem Markt Pfeifen verkaufte, die offensichtlich dem Verzehr von Rauschgift dienen. Die Crack-Pfeifen konnte man für die Summe von 6 Euronen erstehen. Ob die benötigten Drogen noch unter dem Ladentisch verkauft wurden, habe ich nicht erfragt.

Am 26.12.2004 gegen 17.00 Uhr trafen dann die Alexander von Humboldt und die Eendracht im Hafen von Tazacorte ein. Die Prince William fand den Weg nach Tazacorte leider nicht... Dieser Teil des Programms war eine Neuerung, um dem Hafen von Tazacorte den ihm zustehenden Stellenwert zu verschaffen. Das ist bei 2 von 10 Schiffen, also immerhin 20 Prozent, auch voll gelungen.
Die Insel zeigte sich von ihrer besten Seite. Die Sonne schien und das Einlaufen der Schiffe, leider aufgrund des mangelnden Windes mit Motor, war schon beeindruckend. Auch die vielen interessierten Besucher waren eine eindrucksvolle Kulisse.

Die Jachtbesitzer waren von dem Schauspiel jedoch wenig beeindruckt. Keine Begleitschiffe, kein Begrüßungshorn und auch keine Band, die die Schiffe empfing. Das für 18.00 Uhr angekuendigte "Große Willkommen" bestand darin, dass Teile der üblichen Verdächtigen ihre Sonnenbrillen auspackten und noch einige Crackpfeifen unter die Leute bringen wollten.
Uns ist klar, dass wir uns auf einer kleinen Insel befinden und wir keine Hanse-Sail Atmosphäre erwarten können. Aber liebe Organisatoren, dass war nicht so doll und ich befürchte, dass bei dem ausgetüfteltem Programm, demnächst nur noch die fliegenden Händler das große Seglertreffen bestreiten.


tallships in Tazacorte La Palma


Santa Cruz de La Palma tallships



Montag 27.12.04 - 09:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 14 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 71% Luftdruck 1021 hPa

Sieglein, Sieglein an der Wand...

Noch hängt das Siegel tatsächlich an der Wand und ziert noch keine Produkte dieser Insel. Es geht mal wieder um das, vielleicht irgendwann mal berühmte Siegel des Weltbiosphärenreservates. Das Konsortium, welches über die Vergabe der Siegel an Produzenten heimischer Produkte entscheidet, hat kein leichtes Spiel. Schließlich erhofft man sich durch das Tragen der Plakette einen Vorteil gegenüber anderen Produkten, die sich nicht mit dem Siegel schmücken dürfen. Grundsätzlich muss aber überhaupt entschieden werden, welche Produktgruppen dafür in Frage kommen. Honig, Käse, Gofio, Mojo und Wasser, da ist man sich eigentlich einig. Bei diesen Produkten ist nur noch die Frage, welche Anforderungen stellt man an den Herstellungsprozess. Lässt man es zu, dass Käse der aus Milch von Ziegen gewonnen wird, die zwar hier geboren sind, aber nicht der endemischen Rasse angehören auch das Siegel tragen dürfen, oder bedarf es für die Ziegen auch einen Ahnenpass, der die reine Rasse bestätigt.

Da wird so viel Käse produziert, es geht natürlich darum, dass bestimmte Produzenten sich einen Vorteil verschaffen wollen gegenüber den Unreinen, die auch Ziegen aus Fuerteventura in ihren Herden haben. Die Überlegungen gehen aber weiter. Kann man auch Bananen das Siegel des Weltbiosphärenreservates verleihen, die alles andere als "Bio" und "Sphäre" sind, oder Zigarren, die doch eigentlich gesundheitsbedenklich sind? Antonio San Blas, Direktor des Konsortiums der Lord Siegelbewahrer muss ein feines Händchen beweisen und höllisch aufpassen, dass dieses Siegel, noch bevor es irgendein Produkt ziert, nicht bereits das erste Eigentor vorbereitet. In ganz gewissen Kreisen ging schon mal die Idee um, von Weltbiosphärenreservatshotels zu sprechen. Ich bin immer noch viel zu beseelt vom friedlichen Geist eines kleinen Inselreservates, um da jetzt Namen zu nennen. Ich glaube auch nicht, dass dieser Vorschlag noch mal außerhalb geschlossener Bodegas oder ohne den Genuss erheblicher Mengen autochthoner Getränke fällt.



Sonntag 26.12.04 - 19:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 23 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 73% Luftdruck 1019 hPa

Brisa

So nennt man hier verniedlichend den Fallwind, der bei hohen Windgeschwindigkeiten des Nordostpassats die Wolken bis ins Aridanetal trägt. Der niedrige Grat der Cumbre Vieja dient dazu dem Nordostpassat als Ventil. Eingezwängt vom Massiv der Caldera auf der einen Seite und der Cumbre Nueva auf der anderen Seite, sucht sich der Nordostpassat die einfachste Stelle, um auf die andere Seite zu gelangen. Je nach Windgeschwindigkeit brausen dann heftige Böen ins Aridanetetal herab, die zum Teil auch noch Sprühregen mit sich bringen. Dabei muss der Nordost noch nicht mal heftig wehen, die Düsenwirkung der Cumbre Nueva potenziert die Windgeschwindigkeit. Dabei entstehen regelrechte Windkanäle, die wiederum davon abhängig sind, wie weit nördlich der Passat dreht. Da machen wenige Grade weiter Ost oder Nord, plötzlich in manchen Regionen aus Flauten heftige Winde. Allerdings sorgt der stärkere Nordostpassat auch dafür, dass sich auf der Westseite keine Wolken halten und spätestens ab Mittag das gesamte Aridanetal in Sonnenschein glänzt.

Das Azorenhoch, verantwortlich für unseren Nordostpassat, ist derzeit extrem stabil und ist ein bisschen südlicher gerückt. Damit kommen wir voraussichtlich bis fast in die Kernzone dieses Hochdruckgebietes und in den nächsten Tagen kann der Luftdruck bei uns, bis auf ungewöhnliche 1030 hPa ansteigen. Das geht wohl bis locker in das neue Jahr so weiter, das Azorenhoch lässt momentan kein Tiefdruckgebiet zu uns heran. Für die Westseite ist die nächsten Tage kein Regen in Aussicht, die Sylvesterparty auf der Plaza von Los Llanos kann wohl ungepanscht von Wasser über die Bühne gehen. Allerdings bleiben die Nachttemperaturen weiter im Keller, man sollte seine Kleidung dementsprechend anpassen.



Sonntag 26.12.04 - 10:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 15 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 66% Luftdruck 1021 hPa

Vom Fischer zum Fischzüchter

Die Bruderschaft der Fischer Tazacortes, "Cofradía de Pescadores de Nuestra Señora del Carmen" hat nun einen neuen Vorschlag gemacht, Puerto de Tazacorte als Standort für die Fischerei zu erhalten. Man will, wie schon die private Firma "Aquibg S.L.", auch vor Tazacorte große Schwimmkäfige installieren und selbst Fische züchten. Die normale Fischerei gibt nicht mehr genügend her und wenn man so weiter macht, dann gibt es in kürzester Zeit keine Fischfangflotte mehr in Tazacorte. Bislang rettete man sich von Jahr zu Jahr mit den großen sommerlichen Thunschwärmen, diese zogen 2004 aber unerreichbar für die Fischer von Tazacorte an La Palma vorbei. Der ambulante Verkauf von Makrelen und ab und an einem Edelfisch, ernährt keine 24 Boote mit etwas mehr als 50 Fischern.

Die Krise der Fischerei vor der Küste Tazacortes hat viele Ursachen. Die Überfischung ist zwar gestoppt, aber die Raubzüge von früher hinterlassen immer noch riesige Lücken in den, traditionell gefangenen und beliebten Fischarten. Die dagegen geschaffene Schutzzone zeigt zwar erste positive Veränderungen, aber bis man diese Zone wieder für den kontrollierten Fang öffnen kann, bis dahin kann sich kein Fischer über Wasser halten. Es gibt aber noch ein weiteres Problem für die Fischer von Tazacorte. Längst importiert La Palma Edelfische aus der ganzen Welt. Praktisch, immer verfügbar und vor allem viel, viel billiger als unsere per Hand mit der Grundangel aus der Tiefe gezogenen Alfonsiños, Congrios, Samas und Merluzas. Nur wenige Gastronomen und Haushalte sind noch bereit, für einen wirklich frischen Fisch mehr als das doppelte auszugeben, was ein gefrorenes Stück Importfisch kostet. Der Gast honoriert es in den seltensten Fällen, oft ist das Gegenteil der Fall, nicht selten fühlt sich der Gast übervorteilt, wenn er 12 bis 15 Euro pro Kilo für den Fisch im Rohzustand rausrücken soll. Im Haushalt werden die fleißigen Omas immer seltener, die kundig dieses atlantische Geschenk ausnehmen, schuppen, putzen und dann fachgerecht zubereiten.

Wenn wir nun als logische Konsequenz daraus, aus den Fischern Fischzüchter machen, dann ist so etwas wohl notwendiger Strukturwandel. Ob dann später überhaupt noch Fischer in den Atlantik hinausfahren, dass wird sich zeigen. Heftig diskutiert man im Moment darüber, welche Fische denn in den schwimmenden Käfigen gezogen werden sollen. Die Doraden, welche in den Käfigen der Firma "Aquibag" heranwachsen, gehen fast alle in den Export und werden gut bezahlt. Allerdings kommen Doraden hier eigentlich gar nicht vor und Umweltschützer sowie die Hüter der "Endemie" (neue Worte braucht das Land) warnen davor, dass eine Massenflucht der Tiere, falls so ein Käfig mal kaputt geht, die autochthone Meeresflora und Fauna nachhaltig schädigen könnte. Andere Biologen behaupten genau das Gegenteil, die Doraden sind hier gar nicht lebensfähig und können nur durch Fütterung überleben, würden also sehr schnell sterben und keine Gefahr für andere Meerestiere darstellen. Züchtet man allerdings hier vorkommende Fische in großen Mengen, dann besteht bei einer Havarie wohl das Problem, dass diese Massen an heimischen Fischen schon das ausgeklügelte System der Meereswelt vor unserer Küste in Schieflage bringt. Gut, dass ich kein Meeresbiologe bin und keine Antworten geben muss, sondern Fragen stellen darf. Manchmal versaut man sich die Freude an einer schönen Mahlzeit ganz nachhaltig, wenn man zu viel Hintergrundwissen mitbringt.



Samstag 25.12.04 - 17:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 20 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 68 Luftdruck 1017 hPa

Weihnachtliches Großseglertreffen dieses Jahr auch in Puerto de Tazacorte

Ein richtig schönes Geschenk machen uns die Veranstalter des nun bereits traditionellen Treffens von Großsegelschiffen auf La Palma. Seit gestern liegen die Fernweh und Nostalgie versprühenden Schiffe in Santa Cruz. Morgen werden sie sich auf den Weg um die Insel machen um dann zum ersten Mal in Puerto de Tazacorte weiter zu feiern. Wir von der Westseite müssen nun nicht mehr extra auf die andere Seite fahren, nein die Segler kommen zu uns und beleben unseren tristen und kaum benutzten Hafen von Tazacorte hoffentlich mal. Am 27. verlassen die Schiffe dann endgültig La Palma um nach El Hierro zu segeln. Das komplette Programm und viele Photos gibt es auf der eigens dafür erstellten Webseite www.tallshipslapalma.com



Samstag 25.12.04 - 10:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 14 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 72 Luftdruck 1019 hPa

Enttäuschende Zahlen im Tourismus

In den ersten elf Monaten des Jahres besuchten 7,6% weniger internationale Gäste La Palma, als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Damit ist unsere Insel die negative Spitze im Vergleich mit den anderen Kanaren, insgesamt verliert die Region 4,6% an internationalen Touristen. Die Zahlen stammen von der regionalen Tourismusbehörde und werden sicher noch von unserer inseleigenen Behörde positiv bearbeitet und dann als gute Meldung wieder in den Zeitungen auftauchen. Man ist hier seitens der Tourismusbehörde längst dazu übergegangen, Leute von den anderen Kanaren, die aus irgendeinem Grund nach La Palma fliegen, als Touristen zu bezeichnen. Dann kann man insgesamt ein Plus vermelden und den möglichen Investoren die Hotels und Golfplätze auf La Palma bauen wollen, eine nachhaltige Zukunft vorgaukeln.

Der Versuch, durch großartige Hotelbauten am klassischen Sonne und Strand Tourismus teilzuhaben, kommt 15 Jahre zu spät. Inzwischen hat diese schnelllebige Branche längst andere und deutlich billigere Regionen für den Strandtourismus aufgetan und wer auf den Kanaren seine Hotels noch voll bekommen will, der muss kräftig mit den Preisen runter, sonst knallen ihm die großen Reiseveranstalter die Türe zu. Die furchtbar schlechte Auslastung des neuen Luxushotels im Süden der Insel, ist bester Beweis dafür, dass es keinen wachsenden Markt mehr auf diesem Sektor gibt. Nun kann unsere Inselregierung ruhig noch acht bis zehn neue Hotels planen, es wird aber sehr schwierig werden, neue Investoren dafür zu finden. Mehr Gäste gibt es eh nicht. Die Italiener sind nicht wiedergekommen, die Engländer schicken im Winter nur noch einen Charter anstatt zwei wie versprochen und der einzige Wachstumsmarkt Russland, dem können wir nichts bieten, die wollen kilometerlange Sandstrände und Einkaufspassagen. Es wird schleunigst Zeit, sich wieder dem Publikum zuzuwenden, welches uns seit fast zwei Jahrzehnten treu besuchen kommt. Wenn wir so weitermachen, Hotels, Golfplätze und touristische Infrastruktur für Massentourismus bereitstellen, dann verscheuchen wir unsere letzten Gäste die wir noch haben. Die kommen uns deshalb besuchen, weil wir bislang ohne die negativen Begleiterscheinungen von Massentourismus glänzen können. Es wird spannend die nächsten Jahre auf La Palma.



Freitag 24.12.04 - 17:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 21 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 72% Luftdruck 1017 hPa

Ein fröhliches Weihnachtsfest für alle (II)

Der erste Glühwein zeigt seine versöhnliche Wirkung und ich bin bereit für das Fest aller Feste. Wir waren mit unseren Kindern in Los Llanos um die berühmte Krippe (Belen) zu begutachten. Die größte Stadt der Insel ist ja über viele Kontinente (mindestens zwei) bekannt, immer die schönste und aufwendigste Krippenkonstruktion zu haben. Das ist auch dieses Jahr nicht anders, Los Llanos sticht wieder alle anderen Gemeinden aus. Vielleicht ist das diesjährige Thema nicht ganz so prickelnd, La Palma zeigt La Palma.

Die monatelange Detailarbeit ist bewundernswert, was da fleißige Hände in unendlicher Geduld auf die Bühne bringen, ist mehr als großartig. Allerdings müssen wir auch da wieder einen Skandal melden, in der diesjährigen Krippendarstellung fehlt eine ganz endemische, emblematische, autochthone oder eigentlich nur wichtige Person: Der Mann der seine Notdurft entrichtet. (Die Worte, "Der Typ der kackt" wurden zensiert) In all den Jahren gab es immer eine Figur, die hinter irgendeinem Busch oder irgendwo in deutlich hockender Stellung dem Stoffwechsel seinen freien Gang lässt. Dieses Jahr ist Los Llanos frei von Flatulenzen und anderen Körperwinden. Es war wirklich lustig die Leute zu beobachten, jeder war erst mal fasziniert und dann sucht jeder den, vorher beschriebenen Mann, kann ihn nicht finden und ist enttäuscht. Los Llanos ist inzwischen die einzige Großstadt dieser Insel und dabei so konsequent konservativ, dass wir ketzerische Geister aus El Paso alle unsere Vorurteile sogar schriftlich bestätigt bekommen.

Unsere kleine Welt funktioniert. Don Camillo und Peppone servieren dann einen Glühwein und alles ist vergessen. Hier kann man nachts spazieren gehen und außer einem Gruß passiert einem nichts. Hier kann man arbeiten und leben, das Wort "mobbing" hat noch keinen Importeur für La Palma interessieren können. Wir feiern Weihnachten in tiefster Verneigung vor den Menschen dieser Insel. Danke, dass wir hier leben dürfen und Gastgeber haben die uns in einer Art und Weise dulden, die ohne Vergleich ist.










Freitag 24.12.04 - 10:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 16 Grad, Niederschlag: 0,5 mm, Luftfeuchte 71 Luftdruck 1016 hPa

Ein fröhliches Weihnachtsfest für alle

Der Kloß im Hals kann nicht durch nachrückende Lebkuchen und Polverones verdrückt werden, gestern sind 13 Menschen beim Versuch gestorben, aus Marokko zu uns zu kommen. Verdurstet und erfroren auf einem kleinen Fischerboot, welches am Montag dieser Woche nahe El Aiun in Richtung kanarische Inseln ablegte. Dreißig Menschen, fast alle aus Gambia, überlebten diesen Höllenritt und werden jetzt in den Krankenhäusern von Fuerteventura behandelt. Es beruhigt wenig, dass wir diese Leute wenigstens gesund wieder dahin schicken, wo sie hergekommen sind.

Eigentlich wollte ich ein paar nette, Glühwein geschwängerte Zeilen zu Weihnachten schreiben, Frohsinn und Fröhlichkeit, für alle die es sich leisten können. Die anderen müssen leider draußen bleiben, sie sind ja selber Schuld, wer ist denn heute noch so blöd und lässt sich in Afrika zur Welt bringen. Daran werden wir alle nichts ändern und feiern heute ein Fest zu Ehren eines Mannes, der nach heutigen Maßstäben als hoffnungsloser Idealist abgekanzelt würde. Dreizehn tote Afrikaner sind längst kein Grund mehr, den Tagesablauf zu unterbrechen, das sind bedauerliche Kollateralschäden, gedeckt und erklärt von freiheitlich demokratischen Grundgedanken und christlicher Leitkultur. Pech gehabt, wer zu weit weg parallel lebt, der muss halt damit rechnen aussortiert zu werden. Soll er doch in Afrika bleiben und selbst dafür sorgen, dass dort blühende Landschaften entstehen. Ich hätte wohl besser heute Morgen anstatt eines Kaffees einen Glühwein trinken sollen, vielleicht wäre es mir dann möglich gewesen, das Bild mit den dreizehn Toten auf der Hafenmole anders zu deuten. Ich wünsche allen, wirklich allen, ein geruhsames Fest und lassen Sie sich von mir nicht die Feiertagslaune verderben. Spätestens heute Nachmittag bekomme ich meinen ersten Glühwein, das ist Tradition bei uns, auch bei über 20 Grad, dann wird das schon wieder werden.



Donnerstag 23.12.04 - 19:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 17 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 73 Luftdruck 1015 hPa

Hafen von Santa Cruz wird moderner und größer

Für die nächsten zwei Jahre will die zuständige Hafenbehörde von Tenerife etwa 7,2 Millionen Euro zur Verfügung stellen, um den Hafen unserer Hauptstadt auf den neuesten Stand zu bringen. Die wenigsten wissen es, der Hafen von Santa Cruz de La Palma gehört mit zu den "Häfen von Tenerife" :Autoridad Portuaria de Santa Cruz de Tenerife. Den größten Happen wird die Verlängerung der Hafenmole verschlingen, diese soll um 136 Meter in der Länge dazu gewinnen, dann könnte, wenn sie es denn wollte, sogar die Queen Mary 2 bei uns anlegen. Gleichzeitig bereitet man sich aber auch für die Aufnahme von Containerschiffen des "Panamax" Typ vor. Die sind größer als die Containerschiffe, die bislang von La Palma aus über Tenerife unsere Frachtnabelschnur zur Welt bedeuten.

Das ist eigentlich gar nicht so interessant, läge da nicht die Vermutung dahinter, dass unser Hafen doch irgendwann einen internationalen Status erhält. Warum gibt die Hafenbehörde so viel Geld aus, um für Schiffe benutzbar zu sein, die so groß sind, dass diese sich sonst nicht die Mühe machen, jeden kleinen Hafen eines Archipels anzulaufen. Aber das sind nur Vermutungen. Keine Vermutung ist die Tatsache, dass man unseren Hafen auch für den größten Trimaran der Welt fit machen will. 143 Meter lang, kann er 1.350 Passagiere aufnehmen und zusätzlich 400 Autos. Die Reederei Olsen ließ diese enorme Schnellfähre in Australien bauen und soll in Kürze den Fährverkehr zwischen den Kanaren aufnehmen. Es war nie ganz klar, ob uns dieser 42 Knoten schnelle Raser auch anlaufen wird, oder nur auf anderen Routen eingesetzt werden soll. Vielleicht weiß da ja die Hafenbehörde deutlich mehr als wir, es würde uns schon gewaltig ärgern, wenn unsere Insel da wieder mal außen vor bliebe.





Donnerstag 23.12.04 - 09:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 14 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 78 Luftdruck 1017 hPa

Die Hüter des reinen Himmels

Es gibt furchtbar interessante Einrichtungen und Institutionen auf La Palma, eine davon ist die: Oficina Técnica de Protección de Calidad del Cielo (OTPC). Auf deutsch, technisches Büro zum Schutze der Himmelsqualität. Das muss man erst mal erklären. Um die großen Hochleistungsteleskope zu uns nach La Palma zu locken, hat die Inselregierung einige Versprechen unterschreiben müssen, die verhindern sollen, dass wir vor lauter Beleuchtung auf der Insel den Astrophysikern auf dem hohen Berg in die Linse leuchten. Daraus entstand das Himmelsgesetz (Ley de Cielo), dieses soll die Lichtverschmutzung in Grenzen halten und dass wir uns daran auch halten, darüber wacht das Büro mit dem lustigen Namen.

Noch vor Weihnachten gibt es jetzt einen auf die Zipfelmütze, man hat uns wieder mal in flagranti dabei ertappt, wie wir kilowattweise Licht verplempern. Die neue Jahrtausendbrücke über den Barranco bei Los Tilos wird von mächtigen Strahlern beleuchtet, damit das emblematische Bauwerk auch nachts richtig in Szene gesetzt werden kann. Die Lichtquellen liegen auf beiden Seiten der Schlucht und leuchten auch nach oben und damit in das Interessengebiet der Astrophysiker. Das war es aber noch nicht, diese riesigen Lichtkanonen stellen nach Aussage des Büros der Himmelswacht auch eine Gefährdung der Biodiversität dar. Das bläulich-weiße Licht lockt Unmengen von Mücken und Insekten an, diese wiederum entsprechend viele Fledermäuse, die dort eigentlich überhaupt nichts zu suchen haben. Also Licht aus, lasst Astrophysiker, Mücken und Fledermäuse in Ruh, jeder soll sein artgerechtes Umfeld haben. Wir sparen dabei ja auch noch Strom und könnten dieses Geld dann für das Umsiedlungsprogramm der Fledermäuse nehmen, die aus dem nicht benutzten Friedhof von Los Llanos in neue Quartiere sollen. Manchmal ist mir das alles viel zu kompliziert, aber jetzt ist erst mal Weihnachten, da lassen wir es noch mal kräftig leuchten und gönnen den Fledermäusen noch einen ordentlichen Happen.



Mittwoch 22.12.04 - 18:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 18 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 76 Luftdruck 1017 hPa

54600

Das ist die wichtigste Zahl des heutigen Tages. Die Weihnachtslotterie hat wie alle Jahre ihren Geldsegen wieder über Spanien ausgeschüttet und auf die Losnummer 54600 entfielen 390 Millionen Euro. Das ist der so genannte "Gordo", was auf deutsch der Dicke bedeutet und jedes Jahr aus Neue, fast alle Spanier am 22. Dezember immer wieder in Spannung versetzt. Nun bekommt aber nicht einer alleine die 390 Millionen, sondern es gibt den "Gordo" 1.950 mal, also bekommt jeder der ein Los für 20 Euro mit der Nummer 54600 hat, die Summe von 200.000 Euro. Um es noch komplizierter zu machen, eigentlich kostet ein Los 200 Euro, dieses lässt sich aber in "décimos" (Zehntel) teilen und normalerweise kauft auch jeder nur einen dieser Coupons. Von jedem Los gibt es 195 Serien mit der gleichen Nummer, teilbar durch zehn, also 1.950 mögliche Gewinner. Danach gibt es noch den zweiten Preis (96.000 Euro), den Dritten (48.000), zwei mal den vierten Preis (20.000 Euro) und vier mal den fünften Preis (4.800 Euro) und unzählige Trostpreise von 1.000 oder 100 Euro, die nach dem gleichen Schema verteilt werden. Es gewinnen so sehr viele Menschen Summen, die man nicht dazu benutzen, kann den Rest des Lebens auf der faulen Haut zu sitzen, aber 1.950 Leute können sich plötzlich ein Haus kaufen und andere 15.600 Menschen haben richtig was in der Hand um die Wirtschaft anzukurbeln. Insgesamt wurden heute 1.800 Millionen Euro an Gewinnen über Spanien ausgeschüttet.

Genauso interessant wie die Prämierung der Gewinne ist die Ziehung selbst. Seit 1771 werden die prämierten Losnummern von Schülern der Klosterschule "San Ildefonso" gesungen. Im wahrsten Sinne des Wortes, die Loskugeln kommen aus einer riesigen Trommel, erst eine Kugel mit der Losnummer und dann aus einer anderen Kugel mit den Prämien. Die Notare drücken dann Kindern dieser Schule die Kugeln in die Hand und die Losnummern und die Prämienkategorie werden dann in festgelegtem Singsang verkündet. Das gehört zu Spanien wie der König und das Meer, am 22.Dezember jeden Jahres hört man überall auf den Straßen die Stimmen der Kinder von San Ildefonso aus unzähligen Radios und Fernsehapparaten klingen. Das ist übrigens der einzige Tag im Jahr, an dem wir uns die nur teilweise beliebten Pesetas zurückwünschen. Da man in Spanien kein Umlaute kennt, spricht man den Euro: Ä-uro aus, das klingt dann gesungen etwa so melodisch, als würde Rammstein Weihnachtslieder singen. Macht aber nichts, wir haben uns längst daran gewöhnt Geld auszugeben, dessen Namen wir eigentlich gar nicht aussprechen können. Der junge Mann, der den Haupttreffer verkünden durfte, war übrigens der elfjährige Mohamed El Chaouti aus Marokko. Die Spanier mögen die Marokkaner eigentlich gar nicht besonders, 1.950 Iberer denken da ab heute etwas pragmatischer. Die Weihnachtslotterie als Werkzeug der Völkerverständigung, da kann es nur Gewinner geben.



Mittwoch 22.12.04 - 08:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 14 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 74 Luftdruck 1016 hPa

Alle Jahre wieder

Es gibt gar nicht genügend Flugzeuge um kurz vor großen Feiertagen die große innerkanarische Völkerwanderung zu bewältigen. Jedes Jahr das gleiche Spiel, drei Tage vor Weihnachten bricht der Flugverkehr innerhalb der Inseln fast zusammen. Dabei sind die Flieger nicht mal völlig ausgebucht, nie gab es ein größeres Angebot von einer der Kanaren auf eine Andere zu fliegen. Die zum Teil deutlichen Verspätungen entstehen beim Einchecken, während des Fluges innerhalb des kanarischen Archipels können kaum Verspätungen auftreten, dazu sind die Entfernungen zu kurz. Immer vor großen Feiertagen fliegen nicht nur die, mit einer kleinen Sporttasche gerüsteten Pendler und Geschäftsleute, nun fliegt die gesamte Familie mitsamt Hausstand und komplettem Geschenkereservoir für 4 Elternteile, 7 Brüder und Schwestern, 26 Enkel und 178 Cousinen und Cousins.

Im normalen Flugbetrieb zwischen den Inseln hat kaum jemand Gepäck und die Abfertigung ist ein Kinderspiel. Nun stehen Schlangen vor der "Facturación" und laut wird mit den bemitleidenswerten Damen am Schalter diskutiert, der Sack Kartoffeln und der ganze Jamón Serrano sind natürlich Reiseproviant für 30 Minuten Flug und müssen dringend mit in die Kabine. 20 Kilo Freigepäck sind dieser Tage eine lockere Richtschnur, wie viel Gepäck jeder Fluggast mindestens in jeder Hand tragen können muss. Was da an Waren, Geschenken und Lebensmittel in diesen Tagen von einer Insel zur Anderen geflogen wird, das ist für Anhänger mitteleuropäischer Leidkulturen nicht vorstellbar. Das Einchecken und Beladen der Maschinen dauert nun so lange, dass kaum ein Flieger rechtzeitig auf die Piste kommt und auf jeder Station, die so eine fleißige ATR 72 anfliegt, beginnt das gleiche Spiel von vorne. Flugpläne und Slots sind in diesen Tagen eine ungewisse Größe, das ist aber nicht schlimm. Hauptsache die Kartoffeln sind mit an Bord und der Käse und der Wein und der Schinken und die Oma und wenn dann der Pilot auch noch reinpasst, dann kann Weihnachten gar nichts mehr schief gehen.



Dienstag 21.12.04 - 19:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 19 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 78 Luftdruck 1014 hPa

Wollema se neilasse?

Die Diskussion um Immigration und Parallelgesellschaften ist keine deutsche Domäne, auch hier wird heftig darüber diskutiert, wie viele "extranjeros" sich man leisten kann, ohne die gesellschaftlichen Strukturen zu gefährden. Da ist keine einfache Antwort zu finden, besonders nicht, wenn man genauso wie Deutschland und andere wohlhabende Regionen der Welt, dringend auf Einwanderung angewiesen ist. Am liebsten hätten es natürlich alle Länder, dass man sich aussuchen könnte, wer denn nun genehm ist und wer nicht. Auch auf La Palma ist das so und trägt auch ähnlich historische Verantwortungen mit sich wie Deutschland. Dort sind es die deutschstämmigen aus den östlichen Ländern, hier sind es die nahezu 35.000 Palmeros, die Anfang bis Mitte des letzten Jahrhunderts diese Insel aus Armut verlassen haben. Auch wenn die Ursache eine andere ist, man kann sich selbst oder seiner historischen Verantwortung nicht die Tür zuknallen. Nun kommen die Kinder und Enkel der Emigranten zurück und fordern ihr Recht.

Auch auf La Palma ist die Gruppe der Einwanderer aus Südamerika auf dem Weg zu einer so genannten Parallelgesellschaft. Trotz gleicher Sprache und Religion finden die Rückwanderer aus Venezuela, Argentinien, Kolumbien und Kuba nur schwer in den inneren Zirkel der palmerischen Gesellschaft. Das hat nichts mit Ausländerfeindlichkeit zu tun, man erkennt das Recht dieser Leute hier zu leben wohl an, aber es sind in den letzten Jahren so viele geworden, dass so mancher Palmero um seine über Jahrhunderte ertrotzte Ruhe fürchtet. Nun kapselt sich die eingeschworene Gemeinde ab und macht die Geschäfte unter seinesgleichen, die Immigranten ihrerseits und schwupps, da ist es passiert, man lebt parallel. (Ich kann gar nicht genug bekommen von der deutschen Erfindung des Wortes Parallelgesellschaft, man muss sich das mal bildlich vorstellen...)

Nächste Geschichte, nun wird Integration gefordert, wer sich anpasst der ist willkommen, wer nicht, der muss draußen parallelisieren. Schon machen Worte wie "Multikulti ist tot" die Runde und bevor einer neben mir wohnt, den ich aus irgendwelchen Gründen nicht assimilieren kann, schmeißen wir alle Gedanken an Miteinander und Christentum in unseren eigenen endemischen Brutofen und kochen uns daraus eine Leitkultur. Soweit ist es auf La Palma noch nicht und ich hoffe sehr auf intelligentere Diskussionen als in Deutschland. Ich frage mich wirklich, ob wir denn den Geldbeschaffungsdrang eines Laurenz Meyer mit in diese Leitkultur integrieren sollen und wie das denn ist mit den Jahren 1933 bis 1945, gibt es die dann nicht mehr oder werden nur Schindlers und Stauffenbergs aus dieser Zeit gefiltert. Wir haben auch unsere fragwürdige Vergangenheit und sollten nie zu stolz auf unsere Werte sein, miteinander und lernen, das hat auch was mit leiten und Kultur zu tun. - So viel harter Tobak, dafür gibt es ein schönes Photo als Belohnung, von der kleinen Insel ohne Leitkultur.


La Palma



Dienstag 21.12.04 - 08:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 16 Grad, Niederschlag: 1 mm, Luftfeuchte 75 Luftdruck 1015 hPa

Pappenheimer

Seit nunmehr drei Jahren wird auf ganz freiwilliger Basis auf La Palma Papier und Pappe in gesonderten Containern gesammelt und das immer erfolgreicher. Anfänglich gab es nur an ganz ausgewählten Standorten so einen grauen Sammelbehälter, inzwischen gehören diese finalen Stationen der Verpackung aber schon zum Alltag und keiner kann sich mehr herausreden. Die Palmeros sind auf Grund dieser hervorragenden Versorgung mit Sammelbehältern von Altpapier, die Oberpappenheimer Spaniens geworden. Mit 16 Kilo pro Einwohner an gesammeltem Material, steht La Palma weit über dem nationalen Durchschnitt von gerade mal 7 Kilo.

Auch auf der Insel selbst gibt es deutliche Unterschiede. In den Metropolen wird deutlich mehr Papier gesammelt als in den ländlichen Zonen. Breña Baja mit Los Cancajos steht ganz vorne mit 26 Kilo pro Einwohner und Jahr, gefolgt von Santa Cruz und Los Llanos. Schlusslicht bilden die ländlichen Regionen des Nordens, das liegt aber eher an der Verfügbarkeit der Sammelbehälter. Gerade im Norden sind viele Gemeinden sehr weitläufig besiedelt und der Weg zum nächsten Container ist zu Fuß nur unter starkem Umweltbewusstseinsdruck zu bewältigen. Die Anzahl der aufgestellten Container wird nach Einwohnerzahl der Gemeinden ermittelt und das kommt Flächenregionen halt nicht sehr entgegen. - Warum es so viel Altpapier auf La Palma gibt, das beweist uns die Zeitung "Diario de Avisos", just in jenem Artikel, aus dem ich diese Zahlen gefischt habe. Dort steht zu lesen: "Mit 1.211 Tonnen hat man 80% mehr Pappe gesammelt als noch vor einem Jahr, das entspricht einem Zuwachs von etwa 80%". Ich habe das jetzt nicht nachgerechnet, ich finde meinen Taschenrechner gerade nicht.



Montag 20.12.04 - 17:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 24 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 73 Luftdruck 1016 hPa

Beslan lässt grüßen

Alljährlich findet in der großen Schule von El Paso eine Feuerwehrübung statt mit Evakuierung und dem üblichen Schläuche ausrollen. Das ist auch so vorgeschrieben und wird von den Schülern immer als guter Grund, dem Schulalltag ein Schnippchen zu schlagen, gerne hingenommen. Für dieses Jahr hat man sich Besonderes vorgenommen und alle möglichen Hilfs und Rettungsorganisationen mit in diese Übung integriert. Guardia Civil, Policia Local, Geas, Aea, Protección Civil, Rotes Kreuz und auch noch private Hilfsdienste, waren heute in El Paso versammelt. Es wurde kein einfacher Brand simuliert, sondern ein terroristischer Anschlag auf die Schule, mit Opfern und Tätern, Helfern und Polizeikräften. Die Kinder wurden instruiert wie sie sich verhalten sollen, die Polizei spielte sich selbst sowie die Bösen und freiwillige Schüler und Lehrer ließen sich dramatisch schminken, um den Helfern eine möglichst eindrucksvolle Kulisse zu geben.

Natürlich wird morgen in der Zeitung stehen, alles hat vorzüglich funktioniert und man ist den möglichen Bedrohungen gewachsen. Das ist natürlich nicht so einfach, aber es ist mutig und bemerkenswert, wie die zuständigen Behörden kein Tabu aus den schrecklichen Horrorszenen machen, die wir alle aus Beslan vor Augen haben. Mir kam auch sofort der Gedanke, hier bei uns auf La Palma, was soll denn das, bei uns kann doch so etwas nicht passieren. Gerade deshalb ziehe ich meinen Hut vor der Zivilcourage der Verantwortlichen, es passiert halt nicht immer nur das, was man sich vorstellen kann. Vielleicht dient es unseren Kindern auch nur dazu, die Bilder von Beslan irgendwie übersetzen zu können, vielleicht dient es auch nur dazu, den Leuten aus Beslan zu zeigen, euer Leid ist bei uns angekommen, es kann überall passieren, nicht nur bei euch. Was es bringt, das weiß niemand, aber Tun ist immer besser als nichts tun. Komisch, heute will mir einfach kein lustiger Satz dazu einfallen.



Montag 20.12.04 - 08:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 16 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 73 Luftdruck 1018hPa

Bananen satt

Es ist eine traurige Tatsache, dass ausgerechnet eine grüne und landwirtschaftlich geprägte Insel wie La Palma, schon lange nicht mehr genügend Obst und Gemüse produziert um sich selbst zu versorgen. Ausgenommen natürlich die Bananen, bei einer erwarteten Produktion von 150.000.000 Kilo dieses Jahr, müsste jeder Palmero pro Jahr fast 2 Tonnen Bananen futtern, um dem Berg an gelben Früchten Herr zu werden. Aber die Bananen sind eine Geschichte für sich und werden nur für den Export produziert und darüber hinaus vom spanischen Staat mit Hilfen gesponsert. Bei anderen Feldfrüchten, Obst und Gemüse sieht es ganz anderes aus, obwohl wir Wasser, Land und Arbeitskräfte für eine Vollversorgung reichlich haben. Es ist nur eine Frage der Rentabilität, keinem Landmann ist es zuzumuten, Produkte anzubauen, die er später mit Verlust auf den Markt werfen muss. Das Problem ist seit langem bekannt, politisch kann man da wenig unternehmen, das ist eine Frage des Kaufverhaltens und des Angebotes.

Selbst bei einem Produkt wie den Kartoffeln, früher wurde die berühmte Knolle aus La Palma auch auf die anderen Inseln exportiert, produzieren wir nicht mehr genug, um den Eigenbedarf zu decken. Auf La Palma werden 5.300 Tonnen Kartoffeln angebaut, 8.200 Tonnen werden konsumiert. Bei Tomaten schaffen wir es nur zur Hälfte unseren Bedarf zu decken, bei Orangen sieht die Zahl nicht so drastisch aus. Wir produzieren 2.260 Tonnen und der Bedarf liegt bei 2.650 Tonnen, allerdings haben wir früher noch Zitrusfrüchte exportiert, das geht nun nicht mehr. Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen, wir sind jedes Jahr ein bisschen weiter von unserem Ziel, der Selbstversorgung mit landwirtschaftlichen Produkten, entfernt. Es wird eine große und spannende Aufgabe, die Verbraucher wieder an heimische und damit fast immer teurere Produkte heranzuführen. Da sind auch die Händler gefragt, diese Produkte besonders zu bewerben und bevorzugt anzubieten. Die Kette SPAR, auf La Palma in der Hand des Unternehmens von Tomás Barretto, geht da als einer der ganz wenigen mit gutem Beispiel voran.



Sonntag 19.12.04 - 18:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 23 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 78% Luftdruck 1017 hPa

Gute Wetterprognosen für die Feiertage

Der Nordostpassat ist seit ein paar Tagen wieder mächtiger Herrscher unseres Wetters. Mit mehr Kraft als vorhergesehen braust der Wind über die Cumbre Nueva und hinterlässt die berühmten Fallwinde im Aridanetal. Allerdings sorgt der starke Wind auch für sonniges Wetter im Westen, die Temperaturen kletterten heute auf 25 Grad, diese spürt man aber nur an windgeschützten Stellen, der bekannte Windchill sorgt dafür, dass wir dennoch mit Jacke rumlaufen müssen. Das Azorenhoch sitzt bombenfest an seinem Platz und im Kern herrscht dort ein Hochdruck von fast 1040 hPa. Das lässt uns hoffen, die spannenden Tage bis nächstes Jahr trockenen Fußes zu begehen. Der Wind soll schwächer werden und in großen Höhen teilweise südöstliche Richtungen einschlagen. Weniger Wind heißt aber auch für die Westseite mehr Wolken, man kann nicht alles haben, besonders nicht alles auf einmal.



Sonntag 19.12.04 - 09:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 16 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 75% Luftdruck 1021 hPa

Jahresendrallye

Langsam wird es ernst, es bleiben nur noch ein paar Tage um alles noch zu erledigen, was dieses Jahr unbedingt noch getan werden muss. Die Politiker gehen mit gutem Beispiel voran und verabschieden den Inselhaushalt in Rekordzeit und ohne Gegenstimme. Kein Problem, ist ja auch nicht ihr Geld. Die Brücke wird schnell noch eingeweiht und spätestens ab Montag steht ein ganzes Land ohne Regierung da, das dauert dann bis einen Tag nach "Reyes", dem 6. Januar. Den Leuten auf der Straße geht es nicht anders. Besuch hat sich angesagt über die ersten der drei Feiertagswellen und dafür muss eingekauft werden. Familie kommt und die eigene Frau war am Telefon nicht geistesgegenwärtig genug, Krankheit, Siechtum oder Armut vorzugaukeln, also kommt die Mischpoke. Zwischendrin müssen noch die Geschenke strategisch zwischengelagert werden, unsere Kinder kennen doch längst jeden Winkel des Hauses besser als wir und ich will ihnen die Enttäuschung, dass es keinen Hubschrauber und kein Islandpony gibt, nicht schon vor Weihnachten präsentieren.

Bei aller Predigt zur Bescheidenheit und allem Jammern über Flaute und kein Geld, verwundern mich die unendlich langen Schlangen in den Supermärkten und die vielen großen Jeeps, die in zweiter und dritter Reihe vor einschlägigen Spielwarenläden halten. Dabei findet die Schlacht um die passenden Präsente für Kinder und schlimmere Verwandte jedes Jahr früher statt, wer jetzt noch nicht versorgt ist, der kann böse Überraschungen erleben. Da bin ich außen vor, die beste Ehefrau aller Zeiten kauft bereits seit drei Monaten ein. Gut, dass Schuhe, Puppen und esoterisches Holzspielzeug kein Haltbarkeitsdatum haben, wobei bei meiner kleinen Tochter solche Angaben ohnehin reine Makulatur sind. Die nächsten Wochen werden hart, Weihnachtsfeiern reizen die Leber, Weihnachtslieder im Supermarkt die Nerven und wenn ich dann daran denken, dass zum Jahreswechsel auch noch angemessen gefeiert werden soll, dann mache ich mir über die Gesamtsituation ernsthafte Sorgen. Während in Mitteleuropa mit dem Neujahrstag das ganze Brimborium vorbei ist, müssen wir ja noch bis zum 6. Januar die Festtagsstimmung aufrecht erhalten. Ich glaub ich weiß jetzt, was mit abendländischer Leitkultur gemeint ist, da müssen sich ja Parallelgesellschaften bilden, keiner der aus dem Morgen oder Mittagsland kommt, würde sich solchen kollektiven Massenhysterien jemals aussetzen.



Samstag 18.12.04 - 19:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 20 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 83% Luftdruck 1019 hPa

Islas Airways erhöht die Anzahl der Flüge nach Tenerife

Seit dem Frühjahr 2003 macht die kleine Fluggesellschaft Islas Airways, der bislang in Monopolstellung den kanarischen Flugverkehr beherrschenden Binter Canarias, einige Konkurrenz. Bislang sind es zwar lediglich 10% des Passagieraufkommens innerhalb der kanarischen Inseln, aber die Tendenz ist steigend. Im Juni dieses Jahres hat es zwar mal Ärger zwischen der Geschäftsleitung und den Piloten gegeben, diese meldeten sich alle für eine Woche krank und umgingen so einen Streik. Die Geschäftsleitung lenkte ein, man befürchtete einen großen Imageschaden, das hat sich aber nicht bewahrheitet und nun meldet die Islas Airways eine Erhöhung der Flugbewegungen zwischen La Palma und Tenerife ab Januar 2005. Man kann dann acht mal pro Tag mit der Islas Airways von La Palma auf unsere große Schwesterinsel fliegen und genau so oft auch wieder zurück. Mit den zwölf bereits bestehenden Verbindungen welche die Binter Canarias anbietet, kann man dann unter 20 Flügen pro Tag nach Tenerife wählen. Wollen wir eigentlich so oft dorthin?

Islas Airways ist ein Familienbetrieb und wurde von Francisco González gegründet, einem der vielen Auswanderer der kanarischen Inseln, die in Venezuela ihr Glück suchten. Dort besitzt Francisco González die Fluggesellschaft "Santa Bárbara Airlines" hat also Ahnung von diesem Geschäft und auch den nötigen finanziellen Rückhalt so ein Unternehmen zu betreiben. Die Geschichte der Islas Airways ist somit ein ganz hervorragendes Beispiel für die heutige Situation auf den Kanaren. Viele Rückwanderer, oder deren Kinder kommen nun auf die Inseln ihres Ursprunges zurück und investieren hier ihr in Südamerika erworbenes Vermögen. Sehr zum Missfallen der dortigen Regierungen und sehr zur Freude der kanarischen Inseln.



Samstag 18.12.04 - 10:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 16 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 80% Luftdruck 1021 hPa

Hörgeräteakustiker verzweifeln auf La Palma

Es ist nichts besonderes passiert. Ein ganz normales, vorweihnachtliches Wochenende bricht an. Abends hat man sich verabredet und genießt davor noch den obligatorischen Gang durch die kulturellen Veranstaltungen des Ortes. Die Krippe wird feierlich und mit viel Gesang eröffnet, das Altersheim zeigt seine Aquarelle und anschließend gibt es noch ein Konzert. Interesse heuchelnd zieht man von Event zu Kultur und gräbt sich langsam durch den Ort, um zum eigentlichen Ziel dieses Abends zu gelangen, Tasca Barbanera. So ganz viel Zeit kann man sich nicht lassen, wer nach acht Uhr kommt, hat kaum noch eine Chance gemeinsam mit seinen Freunden einen Tisch zu teilen. Wer zuviel Kultur in sich eindringen lässt, der muss später am Tresen stehen, zweite Reihe natürlich, die vordere Front ist längst von Banausen besetzt.

Wir sind pünktliche Banausen oder gehen einfach so früh los, dass wir noch in den kulturellen Hotspots des Gemeindelebens wahrgenommen werden und dennoch einen Tisch bei Carlos ergattern. Jahrelange Übung ergibt eine wunderbare Synthese zwischen kulturellem Aufnahmevermögen und pragmatischem Kneipendrang. Da muss man sich schon irgendwann definitiv entscheiden. Entweder man geht ins Konzert und hätte später bei Carlos etwas darüber zu berichten, oder man geht gleich zu Carlos und grinst alle an, die kulturschwanger wieder aus dem Lokal stolpern müssen, weil längst kein Platz mehr ist. Das ist aber gar nicht so schlimm, es hätte eh keinen Sinn bei Carlos über den sanften und gelungenen Übergang des Largo ins Crescendo zu reüssieren, keiner weiß was das bedeutet und keiner würde es hören. Vielleicht ist das auch gut so, wer aus dem Konzertsaal ohne akustische Aufwärmphase in die Tasca Barbanera geht, der erleidet zwangsläufig einen Hörsturz.

Es ist so laut bei Carlos, dass man sich keine Gedanken mehr über den Inhalt seiner Aussage machen muss, es versteht eh keiner, was der andere sagt und man hat sich allgemein darauf verständigt, einfach nur noch zu nicken um dann selbst etwas in den Raum zu brüllen. Auf die Frage, wie geht es denn deiner Mutter, kommt erst das Nicken und dann die Antwort, mein Auto springt in letzter Zeit auch schlecht an. Das ist alles gewollt und nur wer am lautesten brüllt, der hat eine Chance eine weitere Runde an Getränken zu ordern. Das will aber auch gut überlegt sein, ein Getränkewechsel mitten im Abend ist unmöglich, der wahnsinnig flinke Kellner kann das akustisch längst nicht mehr verarbeiten und bringt immer wieder die gleichen Gedecke. Macht nichts, es brodelt, es lebt. Ich habe einen Platz am Freitagabend bei Carlos an einem Tisch und werde diesen Stuhl nicht wieder hergeben, bis mich die Müdigkeit aus diesem Tempel der Kommunikation treibt. Rechte Hand die Gabel, linke Hand das Glas, den Kellner immer im Auge und viele Leute reden auf mich ein. Zustimmendes Nicken reicht, dann muss man selber etwas erzählen, ganz egal was, es versteht eh keiner mehr. Kommunikation in Reinkultur hat nichts damit zu tun, dass man hofft, sein Gegenüber hätte irgend etwas von dem begriffen, was man erzählen wollte. Ich bin, also rede ich, (brülle in diesem Fall). Leben und leben lassen kann so herrlich und so einfach sein und hat mehr mit Verständnis, als mit Verständigung zu tun. Vielleicht haben Sie mich ja trotzdem verstanden, wenn nicht, dann können wir ja bei Carlos mal darüber schweigen...



Freitag 17.12.04 - 19:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 20 Grad, Niederschlag: 1 mm, Luftfeuchte 81% Luftdruck 1019 hPa

Auch in der Wissenschaft scheint die Wahrheit subjektiv

Wir reden mal wieder über unsere Nachbarinsel Tenerife, dort gibt es seit Mai diesen Jahres Aufregung um eine möglicherweise bevorstehende Eruption. Viel diskutiert, von Laien wie Fachleuten, breitgetreten in der Presse der Presse und wir stehen am Ende von so viel Information wieder mal ganz dumm da. In den Nachrichten von letzter Woche habe ich ja über die Gashöhle bei Benijos berichtet, die laut Aussage der Behörden vulkanischen Ursprungs ist. Nicht beunruhigend, normal für eine Vulkaninsel, wo Magma und Wasser sich treffen, da ist auch heißer Dampf. Das ist Theorie des Nemesio Pérez vom Comité Científico-Técnico, welches zur Untersuchung der "vulkanologischen Krise" auf Tenerife eingesetzt worden ist.

Nun meldet sich eine andere Koryphäe der Vulkanologie zu Wort und wischt die Theorie eines Nemesio Pérez mit augenscheinlicher Arroganz vom Tisch der Weisen. Dr. Juan-Carlos Carracedo kommt nun wieder mit der "Käsetheorie" zurück. Er behauptet, der aufsteigende Dampf bei Benijos stammt aus einem unterirdischen Sammelbecken, in den die nahe Käsefabrik ihr heißes Wasser vom Saubermachen kippt und jede Menge an Putzmittel und Resten der Käsezubereitung. Den Artikel veröffentlichte Juan-Carlos Carracedo in der regionalen Zeitung "El DÍA" und er widerspricht damit den offiziellen Stellen. Carracedo ist eigentlich international der bekannteste Vulkanologe der Kanaren, liegt aber immer im Streit mit den zuständigen Behörden. Zu Beginn der "Vulkanischen Krise", wurden alle Geo-Wissenschaftler der Inseln eingeladen, an einer Expertenrunde teilzunehmen. Carracedo erschien einmal und danach nie wieder und bemängelte später öffentlich die Kompetenz der dort tätigen Geologen.

Wenn nicht mal die Fachleute vulkanische Gase von Putzrückständen unterscheiden können, dann müssen wir Laien doch an der Seriosität jeglicher Aussage der Wissenden zweifeln. In den Dämpfen von Benijos wurde kein Schwefel gefunden, das spricht gegen den Vulkan. Allerdings auch keine Rückstände von Chlor oder anderen Reinigungssubstanzen, das spricht gegen die Theorie mit der Käsefabrik. Der Dampf von Benijos bleibt weiter ohne wissenschaftliche Deutung, Scully und Mulder wären jetzt gefragt, vielleicht kocht sich da tief in der Höhle ein Marsmännchen seine Kohlendioxydsuppe. Vielleicht ist es auch nur ein albernes Kinderspiel zweier spät pubertierender Wissenschaftler, die ihre gegenseitige Missachtung damit zum Ausdruck bringen, immer dem zu widersprechen, was der andere gerade gesagt hat. Als Laie kann man sich jetzt aussuchen, was man glauben soll. Übrig bleibt ein ungutes Gefühl und das Wissen, dass nicht nur die Wahrheit subjektiv sein kann, sondern auch die Wissenschaft.


Carracedos Graphik für die Ursache der konspirativen Rauchzeichen. Aus EL DÍA



Freitag 17.12.04 - 08:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 17 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 78% Luftdruck 1019 hPa

Potemkinsche Firma gibt endlich auf

Seit mehr als zwei Jahren besetzt die Firma "Sotexcan" den größten Teil des Gebäudes der alten Zigarettenfabrik in El Paso und hat bislang außer Polemik nicht ein Stück produziert, geschweige denn verkauft. Seinerzeit war man angetreten um Einwegtextilien herzustellen und sprach von mehr als 20 Produktionslinien und mehr als 200 Arbeitsplätzen. Zuletzt hatte man einen Webstuhl ältester Herstellung am laufen, als Vorzeigemaschine und 15 Angestellte, die den ganzen Tag nicht wussten, was sie machen sollten. In Wirklichkeit wollte diese Firma nie irgendetwas herstellen, sondern wartete auf Subventionen seitens der EU, man sprach von 7 Millionen Euro, die wohl einziger Grund dieser Firmengründung waren. Keine Subvention, keine Firma, es klappt halt doch nicht alles, was sich Ex-Minister im innersten Kreis mit ihren Konsorten so ausdenken und das ist gut so.

Das Verschwinden dieser Firma ist auch eine Bestätigung für den Bürgermeister von El Paso. Jesús Manuel Rodríguez ist einer der wenigen Politiker dieser Insel ist, der sich gegen die Willkür und Geldbeschaffungsmaßnahmen der alles beherrschenden Coalición Canaria öffentlich auflehnt und nun einen ersten Punktsieg einstreichen kann. Mit dem Verschwinden der Firma Sotexcan würde im Kernbereich der Sonderhandelszone "ZEC" endlich wieder Platz für Firmen bereitstehen, die wirklich auf La Palma produzieren wollen. Bislang haben die beiden Institutionen, welche das riesige Areal der ehemaligen Zigarettenfabrik vermarkten (ITC und Sodecan), alle Mitbewerber wieder nach Hause geschickt mit dem Hinweis auf die großartige Firma Sotexcan, die 80% der Einrichtungen belegt. Bleibt noch zu erwähnen, dass die Firma außer 350.000 Euro Mietschulden, wohl nichts auf La Palma hinterlässt. Saludos Amigos!



Donnerstag 16.12.04 - 19:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 20 Grad, Niederschlag: 2 mm, Luftfeuchte 82% Luftdruck 1016 hPa

Verdoppelung der Inflationsrate innerhalb eines Jahres auf den Kanaren

Das hört sich erst mal gar nicht gut an und wenn man diese Zeile so stehen lässt, dann müsste man sich Sorgen um uns machen. Ist aber nicht so, denn trotz einer Verdopplung liegt nun die aufgelaufene Quote für das Jahr bei 2.8%, letztes Jahr lag sie noch bei 1,4%. Damit liegen die Kanaren traditionell immer unter dem nationalen Schnitt, der nun bei 3,5% liegt. Guckt man aber noch genauer hin, dann können wir uns wieder ganz entspannt zurücklehnen. Die Inflation geht ganz allein auf Kosten zweier Posten, Transport +8%, wegen des hohen Ölpreises und bei alkoholischen Getränken und Zigaretten +10,5% wegen Erhöhung der Steuern. Kleider und Schuhe wurden auch noch teurer, +3%, viele andere Sparten melden aber sogar einen Preisrückgang.

Das Gejammer um zu hohe Preise kennt man hier natürlich auch, aber ich kenne nicht viele Produkte, die wirklich teurer geworden sind. In vielen Branchen gibt es der Markt auch gar nicht her, die Preise zu erhöhen. Auf dem Lebensmittelsektor hat ein größerer Konkurrenzkampf die Preise flach gehalten, Gastronomie und Dienstleistungen im Allgemeinen konnten sich auch keine Preiserhöhungen erlauben. Als Beispiel nenne ich mal unser Angebot, seit 6 Jahren kosten nun die Mietwagen genau das gleiche Geld und die Ferienhäuser sind noch länger unverändert im Preis geblieben, einige sind sogar billiger geworden. Das geht nicht nur uns so, die Marktwirtschaft greift auch bis nach La Palma und regelt so den Preis.

HIER noch eine nette Geschichte von einem Kollegen, der auf der Suche nach den angekündigten Winzern der kanarischen Inseln war, die angeblich im KaDeWe ihre Weine präsentieren.



Donnerstag 16.12.04 - 08:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 16 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 77% Luftdruck 1015 hPa

Tazacorte, mehr Museen als Kirchen

Bananenmuseum, Mojomuseum, Kaffeelikörmuseum und nun arbeitet man auch noch an einem Meeresmuseum. Das ist eine lobenswerte Entwicklung und trägt sehr zur steigenden touristischen Attraktivität Tazacortes bei. In Zukunft wird also der geneigte Gast durch eine Vielzahl von Museen im Aridanetal schlendern können, angefangen vom Seidenmuseum in El Paso, über die Ausstellungen in Los Llanos bis hinunter ans Meer nach Puerto de Tazacorte um dann am Meer, mehr übers Meer zu lernen. Allerdings trägt das neueste Projekt auch etwas Polemik mit sich herum, denn es stellt zugleich das definitive Aus eines anderen ambitiösen Projektes dar.

Puerto de Tazacorte ist Der Fischereihafen der Westseite und bedient seit ewigen Zeiten das gesamte Aridanetal und den Nordwesten der Insel mit Frischfisch. Es gab aber immer ein großes Problem, wohin mit dem ganzen Fisch wenn man mal zuviel gefangen hatte. Das Angebot an Fisch und Meeresfrüchten ist sehr schwankend, das hängt von den Jahreszeiten ab, vom Wetter und auch davon, ob gerade wieder das Patrouillenboot vor Tazacorte kreuzt. Mal gibt es zu viel Fisch, mal zu wenig. Dieses Manko wollte man mit einer großen Kühlhalle überwinden, das Geld hat man der Provinzregierung abspenstig gemacht und seit guten fünf Jahren steht das fertige Kühlhaus in Puerto de Tazacorte, wurde aber nie genutzt. Keiner war bereit die Betriebskosten zu übernehmen, nicht die Gemeinde, nicht die Inselregierung und auch nicht die Fischereigenossenschaft. So ist das zukünftige Meeresmuseum ein Recyclingprodukt aus kühlen Träumen früherer Legislaturperioden. Mit weiteren 600.000 Euro will man nun aus dem Kühlhaus einen Wissenstempel machen und ich kann nur hoffen, dass man sich dieses mal vorher überlegt, wer denn das Personal und den Strom für den späteren Betrieb übernimmt. - Nicht richtig ist die Meldung, dass man in Zukunft jegliche Installation auf La Palma die nicht funktioniert, gleich in ein Museum umwandeln will. Ein Kläranlagenmuseum in Tazacorte wird uns also erspart bleiben, genauso wie ein Rathausmuseum in unserer Hauptstadt Santa Cruz.



Mittwoch 15.12.04 - 18:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 22 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 82% Luftdruck 1009 hPa

Verwilderte Hunde machen Jagd auf Ziegen

Unangenehme Überraschungen erleben immer mehr Ziegenhalter in der Gegend zwischen den höher gelegenen Regionen von Las Manchas und Fuencaliente. Dort tummeln sich viele verwilderte Hunde und scheinen nun immer häufiger ihren Diätplan an das verfügbare Nahrungsangebot anzupassen. Es ist immer mal vorgekommen, dass ein Zicklein von einem Streuner gerissen wurde, aber in der letzten Zeit ist es zu wahren Gemetzeln gekommen, die eher an ein Wolfsrudel erinnern, als an ausgesetzte Ex-Schoßhündchen. In den der Naturschutzbehörde vorliegenden Anzeigen wird von nächtlichen Attacken berichtet, in denen 40 Ziegen auf einmal den Hunden zum Opfer fielen. Insgesamt wird von drei solchen Vorfällen erzählt, alle in der Umgebung der Müllverbrennungsanlage von Mendo.

Da liegt auch ein Stück der Erklärung für solche unheimlichen Angriffe. Normalerweise überleben ausgesetzte oder entlaufene Hunde, besonders ehemalige Stubentiere, in der freien Natur nicht lange. Hunger und daraus folgende Krankheiten dezimieren die Zahl der unglücklichen Geschöpfe eigentlich so drastisch, dass es bislang nie zu Problemen kam. Nun aber haben viele der Hunde in der Umgebung der Müllverbrennungsanlage und dem daraus entstandenen Nahrungsangebot, gute Überlebenschancen erhalten und sich bereits auch wieder vermehrt. Zumeist Podencos, die hier zur Jagd benutzten Hunde bilden nun immer größere Rudel und sind längst daran gewohnt, sich nicht mehr auf Menschen zu verlassen, sondern dass sie sich selbst um ihren Lebensunterhalt selbst kümmern müssen. Die nicht sonderlich bedrohlich aussehenden Podencos sind äußerst geschickte Jäger und die Rudeljagd ist ihnen nicht fremd. Die Ziegenhirten sind nun sauer auf die neu entstandene Nahrungskette und fordern nun ihrerseits zur Jagd, auf die verwilderten Hunde. Menschen jagen auch in Rudeln, das werden die Podencos bald zu spüren bekommen und das mit Ziegenhirten nicht gut Ziegenessen ist.



Mittwoch 15.12.04 - 08:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 15 Grad, Niederschlag: 2 mm, Luftfeuchte 80% Luftdruck 1009 hPa

Bridge over deep Barranco

Es ist soweit, am Samstag wird die längste Einbogenbrücke Europas eröffnet. Hoher Besuch hat sich dazu angekündigt, die Ministerin Magdalena Álvarez Arza aus Madrid, wird das emblematische Bauwerk einweihen. Damit ist der seit mehr als einem Jahrzehnt andauernde Ausbau der Verbindung Santa Cruz nach Barlovento abgeschlossen. In der nahen Gemeinde San Andrés y Sauces wird aus diesem Anlass am Freitagabend schon ein großes Fest gefeiert, es sind zwar nur 3 Minuten, die man jetzt näher an der Hauptstadt liegt, aber diese Brücke ist ein wirklich monumentales Bauwerk und wie gesagt, in Europa einzigartig. Ich bin mal gespannt, wer als Erster über die Brücke geschickt wird, Frau Ministerin, Herr Architekt, der Bürgermeister, oder irgendein ahnungsloser Tourist, der sich wundert warum alle ihn angaffen. Spaß beiseite, es sind bereits so viele Leute über die eigentlich noch gesperrte Brücke gefahren und gelaufen, dass es sich bei der nun stattfindenden Eröffnung nur noch um einen Protokollakt handelt.

Mit der enormen Brücke endet aber auch die Phase der großen Infrastrukturmaßnahmen, die aus europäischen FEDER-Fonds gesponsert, unsere Wirtschaft in nie da gewesene Sphären geleiten soll. Da ist der Hafen von Puerto de Tazacorte, der neue Cumbre-Tunnel und eben der Ausbau der Verbindung Santa Cruz nach Barlovento. Ganz grob geschätzt, wurden in den drei Projekten etwas mehr als 100 Millionen Euro verbaut. Von weiteren Großbauten aus EU-Kassen ist derzeit nichts in Planung, jetzt müssen wir erst mal unsere neue Bewegungsfreiheit ausgiebig nutzen und sind doch tatsächlich 15 Minuten schneller in Los Sauces, wenn man in El Paso losfährt. Wenn ich jetzt täglich zweimal nach Los Sauces fahre, dann habe ich 30 Minuten Plus auf meinem Zeitkonto, was ich mit diesem temporären Nettogewinn anfange, das weiß ich noch nicht, darüber muss ich erst mal eine halbe Stunde nachdenken.



Dienstag 14.12.04 - 19:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 16 Grad, Niederschlag: 17 mm, Luftfeuchte 83% Luftdruck 1003 hPa

Wetterwechsel meldet Vollzug

Einen harten Tag hatten heute alle Reiseleiter und was da sonst noch in der touristischen Branche den sonnenhungrigen Gästen die Stirn bieten musste. Man hat wenig Möglichkeiten, mit nassen Füßen, Parka um den fröstelnden Leib und Regenschirm in der Hand, das "Herzlich Willkommen auf La Palma" so auszusprechen, dass niemand der Gäste sich verhohnepiepelt fühlt. Hat dennoch alles geklappt, ich habe ganz und gar auf die Trumpfkarte des ganz schnellen Wetterwechsels gesetzt. Da kann man sich hübsch ein Eigentor setzen, aber pünktlich um 16:00 Uhr drehte der Wind tatsächlich auf Nord und blies die fetten Regenwolken nun an die Nordseite der Insel. Allen Leuten, die lediglich für eine Woche auf der Insel waren und nun abreisen, kann man nur hinterher rufen: Wir können auch anders, gebt der Insel noch eine Chance. Letztes Jahr haben wir zu dieser Zeit um Regen gefleht!

Es wird noch etwa zwei Tage kalt bleiben, bis das Tief ganz verschwindet, die Bewölkung wird die Sonne nicht gleich wieder zu uns durchdringen lassen. Regen ist auf der Westseite nach Dienstplan nun erst mal nicht mehr vorgesehen. Pfeift der nun aufkommenden Nordostwind aber ganz gewaltig, dann kann es noch zu Sprühregen auf der Westseite kommen. Da aber Sprühregen bei uns keine Niederschläge sind, sondern "Serena" genannt werden, können wir für die Westseite nun Entwarnung verkünden. Für die nächste Zeit, bitte ganz vorsichtig betrachten, sieht es richtig gut aus. Vielleicht hält ja dann der Nordostpassat sogar bis zu den Feiertagen und wer weiß, vielleicht sogar bis nächstes Jahr. Aber das ist nur so dahingedacht, jede Wettervorhersage über einen längeren Zeitraum als vier Tage, ist ein ganz gefährliches Spiel. Ich hatte heute den ganzen Tag die Kamera dabei und hoffte ein Photo vom schneebedeckten Gipfel des Roque machen zu können, aber der zierte sich gewaltig und verbarg sich hinter hohen Regenwolken.


Barranco de las Angustias La Palma

Der Fluss trägt seine erdige Fracht in den Atlantik



Dienstag 14.12.04 - 08:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 15 Grad, Niederschlag: 26 mm, Luftfeuchte 81% Luftdruck 1002 hPa

Lokale Welle der Vernunft

In der südlichsten Gemeinde der Insel Fuencaliente, kritisieren nun nach den Räten der bürgerlichen Partido Popular, auch die Gemeinderatsmitglieder der regionalen Coalición Canaria die Pläne für eine Umgestaltung des Küstenstreifens. In diesen Plänen, die nicht nur für Fuencaliente gelten, spricht man von einer "Regeneration" der Küstenlandschaft, ein zunächst gut klingendes Vorhaben, allerdings mit rein merkantilem Hintergrund. Hinter der "Regeneration" verbirgt sich nichts anderes, als die Vorbereitung zur späteren touristischen Nutzung. Um Investoren gefällig zu sein, die ihr Geld vielleicht in Hotels und Golfplätze auf dieser Insel stecken wollen, muss die Küstenlinie frei von störenden einheimischen Siedlungen sein. La Bombilla, Playa Nueva, La Zamora, Punta Larga und die Hütten am Leuchtturm passen nicht ins Bild einer hochglanzsüchtigen Investorenwelt, die schon viel größeren Regionen dieser Welt ihren börsenabhängigen Stempel aufgedrückt haben.

Niemanden hier stören diese, zum Teil nicht ganz legale Siedlungen. Im Gegenteil, viele Gäste genießen diese fröhliche Unordnung und die Palmeros selbst besuchen dort ihre Freunde und verbringen unbeschwerte Sommer an ihrer Küste. Zusehend gewinnt die Ablehnung gegen die pomadigen Pläne, unseren Küstenstreifen investorenkonform zu gestalten, auch in der politischen Welt mehr Rückhalt. Bislang nur lokal und auf einer Ebene, auf der keine wirklichen Entscheidungsträger sitzen, aber immerhin, ein Anfang ist gemacht. Es wird noch lange dauern, bis dieser erste Funken der Vernunft sich auch in die hohen Etagen dieser Inselregierung schleicht. In gut zwei Jahren sind wieder Wahlen, bis dahin wird es noch kein Konzern geschafft haben, aus unserer wilden und nicht regelkonformen Küste, eine universell verkaufbare Kulisse zu formen. Ich bin mir sicher, die zukünftige touristische Entwicklung dieser Insel wird in Kürze viel öffentlicher diskutiert werden und damit auch zum Wahlkampfthema werden. Man hat uns zu oft gesagt und es uns auch spüren lassen, dass wir der Störfaktor für eine glänzende Zukunft des internationalen Massentourismus sind. Es wird dieser Inselregierung und den Investoren aber nicht gelingen, eine störrische Bevölkerung auszuwechseln, vielleicht aber umgekehrt.


nicht tauglich für Hochglanzbroschüren, die wilde Küste dieser Insel



Montag 13.12.04 - 18:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 16 Grad, Niederschlag: 21 mm, Luftfeuchte 80% Luftdruck 1000 hPa

Regen, Schnee, Gewitter und Hagel

Das Wetter bleibt heute das bestimmende Thema und auch wir kommen nicht daran vorbei. Das Tief aus Nordwest will sich noch so richtig austoben und hat die gesamte Palette an fiesen Nebeneffekten ausgepackt, die eigentlich nicht in unsere Breiten gehören. Gegen Mittag frischte der Wind auf, kein Sturm aber doch genug, um den Regen unter Türschwellen, Fensterstöcke und überall dorthin zu drücken, wo man ihn gar nicht vermutet. Auf dem Roque und hinab bis 1.400 Meter hat es geschneit, darunter hagelte es kurz, alles untermalt mit einer prächtigen Kulisse aus Donner und Blitzen. Auch wenn es nur ein oder zweimal im Jahr vorkommt, so ein fettes Tief aus Nordwest, hinterlässt es doch markante Spuren in den Gesichtern der Gäste und Kratzer in der Psyche des schuldigen Reiseleiters.

Es ist nicht leicht, Gästen zu erklären die nur eine Woche auf dieser Insel sind, dass die ganzen Reiseführer nicht völligen Blödsinn erzählen, oder die Himmelsrichtungen verwechselt haben. Die Regel sagt, etwa 300 Tage im Jahr haben wir Nordostpassat und da ist das Wetter auf der Westseite deutlich besser als auf der Ostseite, immer aus touristischer Sicht gesehen. Das Jahr hat aber mehr als nur 300 Tage und die restlichen guten zwei Monate haben wir Wind aus südlichen Richtungen der uns den Calima bringen kann, oder eben Wind aus westlichen Richtungen, der dann alles umkehrt und der Westseite den Regen bringt. Manchmal denke ich, das ist die Rache der Leute auf der Ostseite, die uns auch mal zeigen wollen wo der Nebel hängt und uns verpimpelte Westseitler mal heftig nass machen. In Demut ziehe ich meinen nicht vorhandenen Hut und will auch nie wieder über die Ostseite lästern. Aber dieses Versprechen gilt nur bis übermorgen, da dreht der Wind wieder auf Nordost und wir auf der Westseite vergessen unheimlich schnell und nachhaltig.



Montag 13.12.04 - 08:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 14 Grad, Niederschlag: 11 mm, Luftfeuchte 78% Luftdruck 1005 hPa

Grüne Insel

In schöner Regelmäßigkeit besuchen uns diesen Winter Tiefdruckgebiete aus westlichen Richtungen und machen den extrem trockenen Winter des letzten Jahres schon fast wieder vergessen. Diesen Winter sind wir voll im Soll mit dem Regen und was die Westseite angeht, sind die Niederschläge auch von hoher Qualität. Das soll heißen, es fiel immer nur so viel Regen, wie der Boden aufnehmen konnte und das kostbare Nass rauschte nicht ungenutzt in den Atlantik. Niederschläge von mehr las 100 mm innerhalb kurzer Zeit bringen dem Boden auch nicht mehr als 30 mm an einem Tag, im Gegenteil, die daraus rührende Erosion schädigt den Boden mehr, als eventuelle Trockenheit.

Das ist das Positive aus der Sicht der Flora und Landwirtschaft dieser Insel, grüner als dieses Jahr hat sich La Palma selten präsentiert und wir können uns auf eine prächtige Mandelblüte freuen. Für die Gäste unserer Insel sieht das natürlich etwas anders aus, bei 14 Tagen Urlaub kam diesen Winter noch keiner ohne ein paar Tage Regen davon. Allerdings regnete es auch nie länger als drei Tage und aller Voraussicht nach, dreht der Wind auch morgen Abend wieder auf Nordost und lässt die Westseite ohne weitere Niederschläge. Heute wird es sicherlich noch Schauer geben, der gefürchtete Nordwestwind ist aber bislang ausgeblieben, Weit draußen auf dem Meer können wir im Moment gerade Wetterleuchten beobachten, in unserer Region ein ziemlich seltenes Phänomen. - Ich schulde Ihnen noch die Zahl der Arbeitslosen auf La Palma für den Monat November. Wir haben 5.871 Menschen ohne Beschäftigung letzten Monat, das sind 29 mehr als im Oktober und 418 mehr als im November des vergangenen Jahres. Keine aufregenden Zahlen, sie liegen genau im Mittel der Zahlen des gesamten kanarischen Archipels.



Sonntag 12.12.04 - 17:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 21 Grad, Niederschlag: 15 mm, Luftfeuchte 76% Luftdruck 1005 hPa

"Tabacos Brisas" Eine Erfolgsgeschichte aus El Paso

Es ist lange her, dass gewerbsmäßig in El Paso Zigarren hergestellt wurden. Zwar beherrschten immer noch ein paar Ältere diese, aus Kuba zu uns gekommene Handfertigkeit, aber man überließ es den vielen Manufakturen auf der Ostseite der Insel, Tabak in seine höchste Genussform zu bringen. Nach der Schließung der Reynolds Zigarettenfabrik in El Paso bemühte man sich seitens der Inselregierung und der Gemeinde in El Paso, den vielen Entlassenen durch praktische Umschulungsmöglichkeiten neue Berufsfelder zu ergreifen. In so genannten "Talleres", vielleicht am besten als Werkstatt mit Ausbildungscharakter zu bezeichnen, konnten die frischen Arbeitslosen für ein Jahr in gesponserten Firmen arbeiten, mit der Hoffnung, dass sich viele dieser Leute dann mit der Idee und dem Können in die Selbstständigkeit begeben. In vielen Fällen gelang das nicht, aber mit der Seidenwerkstatt und der Zigarrenmanufaktur doch und sogar erfolgreich.

Seit nun mehr fast zwei Jahren gibt es die Firma "Tabacos Brisas", dort drehen acht ex-arbeitslose Frauen nun auf eigene Rechnung ihre "Puros" und verkaufen inzwischen inselweit ihre beliebten Zigarren. Gäste und Interessierte dürfen dort auch bei der Arbeit zugucken, man kann seine Zigarren bei der Entstehung beobachten und dann auch gleich kaufen. Dieser Erfolg wurde nun auch mit einem Gründerpreis der kanarischen Inseln belohnt, dafür gibt es zwar kein Geld, aber Lorbeeren schmücken auch und es tut immer gut, wenn einem auf die Schultern geklopft wird. Leider ist die Werkstatt der sechzehn flinken Hände ziemlich versteckt in El Paso und man muss einen kleinen holperigen Weg gehen, um an die beliebten Zigarren zu gelangen. Inzwischen sorgt ein großes Hinweisschild für etwas mehr Klarheit, aber manch Mitteleuropäer lässt sich durch den schlechten Weg dorthin wieder abschrecken. - Suchen Sie die alte Straße nach Los Llanos, das erste Gebäude rechter Hand ist das "Recinto Ferial", oben Plaza unten Festräume und die Guardia Civil. Laufen Sie auf der Straße bis ans Ende des Gebäudes und dann rechts auf den Schotterweg nach oben, dort finden Sie "Tabacos Brisas". - Auch wenn Sie selbst nicht rauchen, Zigarren aus La Palma sind ein ganz echtes und authentisches Mitbringsel dieser Insel und sicher haben Sie jemandem in Ihrem Bekanntenkreis, dem Sie immer schon mal eine Zigarre verpassen wollten. Diese darf ruhig aus El Paso sein.


Tabacos Brisas El Paso La Palma



Sonntag 12.12.04 - 09:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 17 Grad, Niederschlag: 18 mm, Luftfeuchte 74% Luftdruck 1008 hPa

Atlantische Grüße

Mit einem Tag Verspätung hat uns nun der Regen erreicht und hüllt die Insel in ganz tief liegende Wolken. Der Wind hat so weit auf West gedreht, dass wir uns auf reichlich Niederschläge einrichten können, zumindest auf der Westseite. Noch ist der Wind in den unteren Luftschichten sehr zahm, das kann sich aber noch ändern in den nächsten Stunden. Das nationale meteorologische Institut hat vorsichtshalber für die Kanaren Sturmwarnung gegeben, aber das machen die eigentlich inzwischen bei jedem Tiefdruckgebiet, welches uns aus westlichen Richtungen erreicht. Dieses Jahr gab es noch überhaupt keinen Sturm und bis auf lokal begrenzte schwere Schauer, haben wir bislang alle Tiefs aus West gut überstanden.

Der Wind kann aber noch kommen und dann erwarten wir unseren berüchtigten horizontalen Regen. Trotz einer schützenden Pergola von mehr als 2 Metern Länge klatscht dann der Regen an die Fenster und scheint alle Gesetze der Schwerkraft auszuhebeln. Der Regenschirm ist dann kein Instrument mehr, welches einem vor Regen schützt, man weiß eh nicht in welche Richtung man dieses gute Stück halten soll und nach dem dritten Versuch sich dahinter zu verbergen, fliegt er auf und davon. An solchen Tagen gibt es nur eins, heißen Tee, die Füße hoch legen, den Heizlüfter an, ein Südseebuch vor die Nase und auf Nordostpassat warten. (Man kann auch solch perverse Sachen machen wie ich und Biathlon im Fernsehen gucken, das kommt hier mitten im Atlantik besonders gut) Am Mittwoch können wir damit rechnen, wieder unsere normale Wetterlage begrüßen zu dürfen.





Samstag 11.12.04 - 17:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 21 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 71% Luftdruck 1009 hPa

Kläranlage von Puerto de Tazacorte wird erweitert

Dieser Ausbauschritt ist zwar noch keine definitive Lösung für ein übel riechendes Problem, aber immerhin meint man damit die nächsten paar Jahre bestehen zu können, bis eine große und moderne Anlage endlich alles schluckt, was andere verdaut haben. Die jetzige Kläranlage funktionierte nie so richtig und war bei starken Regenfällen, aber auch im Sommer wenn viele Gäste den kleinen Ort Puerto de Tazacorte besuchten, immer hoffnungslos überlastet. Zuweilen musste man ungeklärte Abwässer in die nahen Ausläufer des Barrancos de las Angustias leiten, das hat nicht nur den Anwohnern gestunken, sondern inselweite Proteste zur Folge gehabt. Die Gemeinde von Tazacorte hat sich strikt geweigert Geld für eine Sanierung der Anlage auszugeben, das sei Provinzsache, wir haben kein Geld.

Die Provinzregierung hat nun in einem Eilverfahren die Summe von 180.000 Euro locker gemacht, das soll ausreichen, mehrere Auffangbecken zu bauen um bei besonders hoher Auslastung eine Art Warteschleife für humanoide Hinterlassenschaften einzurichten. Dazu kommt noch eine neue und viel stärkere Turbine, die den eigentlichen Klärprozess deutlich beschleunigen soll. Auf La Palma sind die wenigen größeren Orte sehr schnell gewachsen, die vorhandenen Kläranlagen reagieren einfach nicht von selbst auf einen heftigen Bevölkerungszuwachs. Das geht nicht nur Tazacorte so, Los Llanos steht vor ähnlichen Problemen, aber auch da wartet man auf Geld von außen, das Eigene scheint zu fein zu sein, sich mit den Resten von sich selbst beschmutzen zu wollen. Kläranlagen sind hier kein Wahlkampfthema, eher mal was für zwischendurch. Wer kann denn von unseren Politikern erwarten, diese Art von Problemen in die Hand zu nehmen oder gar in den Mund?



Samstag 11.12.04 - 09:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 16 Grad, Niederschlag:2 mm, Luftfeuchte 74% Luftdruck 1012 hPa

Back to the roots

Regionale Versorgung und den Multis mal ein Schnippchen schlagen, das ist nicht nur unsere Hoffnung, immer mehr Verbände und Organisationen erkennen die Möglichkeiten auf lokaler Ebene etwas zu bewegen inzwischen auch an. Die Coordinadora de Organizaciones de Agricultores y Ganaderos, kurz "COAG" genannt, hat nun auf einer Pressekonferenz zusammen mit dem Landwirtschaftsrat der Insel diese Idee öffentlich verkündet. Die "COAG" ist die Dachorganisation der landwirtschaftlichen Interessenverbände der kanarischen Inseln. In einfachen Worten geht es darum, diese Insel wieder unabhängiger von Einfuhren aus anderen Regionen zu machen. Das hier erwirtschaftete Geld, soll in den eigenen Rehen bleiben.

Das ist nicht nur ein bisschen schön Reden und Wichtigtuerei, das ist ein ganz großes Ziel und eine hervorragende Möglichkeit, La Palma eine solide und machbare, (man könnte jetzt das Wort nachhaltig gebrauchen) Zukunft zu ermöglichen. Selbstversorgung zu einem hohen Grad in der Landwirtschaft gehört allemal in dieses Programm. Dazu muss natürlich die Kette, Landwirt - Händler - Verbraucher wieder ins Laufen gebracht werden und jeder von uns bereit sein, auch mal ein paar Cent mehr auszugeben, weil es von hier ist. Damit ermöglichen wir dann dem Landwirt, Produkte zu liefern, deren Anbau sich auch wieder lohnt. Das betrifft aber nicht nur die Landwirtschaft, es lässt sich auf viele Bereiche der Wirtschaft ausdehnen. Tourismus zum Beispiel, anstatt internationale Hotelketten die Einkünfte wieder von der Insel tragen zu lassen, könnte das vom Gast gezahlte Geld ja auch in der Region bleiben, in dem man selbst organisiert und direkt verkauft. Natürlich wird es nie ein Auto "made in La Palma" geben, aber es gibt so viele Möglichkeiten, die eigene Region und damit sich selbst, eine Chance zu geben, bevor man Lidl oder Aldi zu Hilfe rufen muss. Das haben wir nicht nötig und wenn die hiesige Presse bereits solche Ideen verbreitet, dann freue ich mich auf die kommenden guten zwei Jahre bis zur nächsten Wahl. Jetzt muss man nur noch darauf warten, dass die Politiker diese Vorschläge als ihre eigenen deklarieren können, dann kann noch was daraus werden.



Freitag 10.12.04 - 18:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 18 Grad, Niederschlag:4 mm, Luftfeuchte 75% Luftdruck 1012 hPa

Der Vulkan war´s und nicht der Käse

Die Dampfschwaden, die seit ein paar Tagen in der Nähe des Ortes Benijos bei La Orotava aus einer kleinen Höhle aufsteigen, haben nichts mit der Käserei in der Umgebung zu tun, sondern sind geothermischen Ursprungs. Das lassen jetzt die öffentlichen Stellen verlauten und bereiten damit den wüsten Spekulationen und Diskussionen über gärende Molke ein Ende. Der Käse ist vom Tisch und nun kann man sich ernsthaft damit befassen, was denn nun die Ursache für die dampfende Höhle ist. Sicher ist nur eins, wenn 31 Grad warmer Wasserdampf aufsteigt, muss irgendwo ganz tief Wasser verdampfen. Nach Aussagen der Wissenschaftler ist das auf einer Vulkaninsel völlig normal, Tenerife ist ähnlich wie La Palma mit vielen wassergefüllten Kavernen durchsetzt. Dort wo nun Magma an Wasser stößt, verdampft dieses und der Dampf sucht sich seinen Weg durch das poröse Basaltgestein.

Das allergrößte Teil dieses Dampfes gelangt allerdings nie an die Oberfläche, sondern kondensiert im Inneren der Insel bereits wieder. Nur dort, wo ein einfacher und schneller Weg an die Oberfläche möglich ist, kann man diesen Dampf dann auch sehen. In vielen hohen Regionen der Insel gibt es diese "Fumerolas", wie man die Dampfschwaden hier nennt und auch Quellen, die Wasser mit Temperaturen von über 40 Grad aus dem Boden rieseln lassen. Die Aufregung die jetzt entstanden ist rührt daher, weil man just in dieser Region noch nie eine Fumerola gesehen hat. Allerdings sagen die Wissenschaftler auch, es gibt noch viele weitere dieser natürlichen Dampfbäder, nur liegen die meist in unbewohnten Zonen und man hat sie schlicht und ergreifend noch nicht gefunden. Ein bisschen beunruhigt ist man nun wieder, dass die falschen Zeitungen daraus ein neues Gefahrenpotential für Tenerife bauen könnten. Benijos liegt auf fast tausend Meter Höhe, aber darunter liegt das ganze Orotavatal mit zig tausenden von touristischen Unterkünften.

Wir als Laien sind immer leicht zu beunruhigen und man muss verschiedene Stimmen dazu hören, um sich ein Bild machen zu können. Viel Qualm um ein bisschen, nicht mal heißen Dampf. Die vielen Thermalbäder dieser Welt haben keinen anderen Ursprung, Wasser wird im Erdinneren erhitzt und steigt mit Mineralien versetzt an die Oberfläche. Wäre es bei Benijos nicht so lausig kalt, dann hätte man den Dampf wahrscheinlich nicht mal entdecken können. Bei uns auf La Palma wäre man froh, ein bisschen Dampf und eine heiße Quelle zu entdecken, man lässt es sich ja sogar einen Haufen Geld kosten, die berühmte "Fuente Santa" bei Fuencaliente wieder in Gang zu bringen. Allerdings will sich diese Quelle einfach nicht finden lassen, wir haben eine zuwenig, Tenerife eine zuviel. Man ist aber inzwischen hoch sensibilisiert auf Tenerife, seit Mai diesen Jahres hat die Häufigkeit der Eruptionen vulkanischen Ursprungs deutlich zugenommen und auch die sonst so spröden Wissenschaftler konnten nicht ausschließen, dass es zu einem Austritt von Magma an die Oberfläche kommen kann. Inzwischen hat die Häufigkeit der Minibeben, Menschen spüren diese gar nicht, wieder stark abgenommen und man war auf dem Weg zurück zur Normalität. Ein bisschen Dampf hat wieder mal viel Wind gemacht, betrachtet man das mal ganz ruhig, dann kommt dabei nicht mehr raus, als heiße Luft.



Freitag 10.12.04 - 08:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 14 Grad, Niederschlag:0 mm, Luftfeuchte 71% Luftdruck 1015 hPa

Markthalle in Santa Cruz nicht vor April 2005 wieder offen

Glaubt man den Aussagen des noch Bürgermeisters der Hauptstadt, Carlos Cabrera, dann geht alles mit dem Umbau der Markthalle seinen Gang und bis April, spätestens Anfang Mai des nächsten Jahres, wird die Halle in wunderbarem, neuen Glanz erscheinen. Die Händler warten ungeduldig auf die Wiedereröffnung und sparen nicht mit starken Worten in Richtung Rathaus. Die Bauarbeiten an der Markthalle wurden häufig unterbrochen und man hätte längst wieder in der Halle die gewohnten Stände beziehen können, wenn alles besser geplant worden wäre. Es ist nicht ganz zu übersehen, wo denn nun tatsächlich die Ursachen für die Bauunterbrechungen gelegen haben. In Santa Cruz findet momentan ein politischer Kleinkrieg um den Bürgermeistersessel statt und es liegt mehr Polemik in der Luft als Politik.

Die Markthalle ist nicht die einzige Baustelle in Santa Cruz, über welcher der fade Duft eines fast handlungsunfähigen Rathauses liegt. Die Arbeiten am Marinemuseum, die Neugestaltung der Plaza de la Alameda und die Arbeiten in der Fußgängerzone der Calle Real, alles hat sich verzögert, weil im Rathaus nur noch um Posten gekämpft wird, anstatt das zu tun, wofür die höheren Herren bezahlt werden, zu regieren. Begonnen hat dieser unsägliche Zustand bereits kurz nach den Kommunalwahlen im Mai 2003. Auf politischen Druck der Provinzregierung entstand im Rathaus von Santa Cruz eine Koalition von Partido Popular und Coalición Canaria. Bürgermeister wurde Carlos Cabrera von den Bürgerlichen und das passt den teamunfähigen Regionalisten der Coalición Canaria von Anfang an nicht. Anstatt miteinander die Probleme des Ortes zu bewältigen, war ständiger Streit an der Tagesordnung und gipfelte mit der Kündigung der ungeliebten Koalition im Rathaus. Die Gemeinderäte der Coalición Canaria sind seit dem auf der Suche nach einem neuen Partner, große Auswahl gibt es da aber nicht. Alleine können sie auch nicht regieren und so bleibt Santa Cruz weiter ohne echte Regierung und Planung. Im Sommer nächsten Jahres steht wieder mal das größte Fest der Insel an, die "Bajada de la Virgen de las Nieves". Dieses, weit über die Grenzen der Kanaren hinaus bekannte Spektakel, findet nur alle 5 Jahre statt und bis dahin braucht Santa Cruz eine handlungsfähige Regierung. Sollte sich dieser unsägliche Streit im Rathaus noch weit ins nächste Jahr hineinziehen, dann droht diesem Fest ein planerisches Chaos. Es gibt unendlich viele Möglichkeiten sich zu blamieren, im Rathaus von Santa Cruz ist man kurz davor, alle diese Möglichkeiten auszuschöpfen.



Donnerstag 09.12.04 - 18:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 18 Grad, Niederschlag:0 mm, Luftfeuchte 74% Luftdruck 1015 hPa

Wetter und Käsevulkan

Von der Wetterfront gibt es keine so positiven Meldungen, wenn man das aus der Sicht der Gäste sieht, die bei uns auf der Insel weilen. Der Wind hat auf Nordwest gedreht und es wird uns in den nächsten Tagen wohl ein Ausläufer eines lang gezogenen atlantischen Tiefdruckgebietes erwischen. Je nachdem, wie weit der Wind aus eher westlichen, als aus nördlichen Richtungen kommt, kann es dann auch im Aridanetal zu Niederschlägen kommen. Das ist nicht ganz genau vorher zu sagen, dreht der Wind nur ein paar Grad weiter nördlich, dann fangen die hohen Berge den Regen bereits im Norden ab. Dreht der Wind aber ein bisschen weiter westlich, dann erwischt es uns. Auf jeden Fall wird der Wind kräftig auffrischen, am Wochenende wird wohl die Wahrscheinlichkeit für Regenfälle im Aridanetal am höchsten sein. Etwa ab Dienstag rechnet man dann wieder mit Wind aus nordöstlichen Richtungen, das bedeutet keine Gefahr mehr für die Westseite.

Zu dem Bericht von gestern Abend. Es gibt noch keine öffentlichen Stellungnahmen, die Messungen sind zwar alle gemacht, aber man brütet scheinbar noch, was man nach außen gelangen lassen will. In dem besagten Forum wird die These, dass der Wasserdampf mit der nahen Käserei zu tun hat. heftig kritisiert. Dass auf Tenerife und Lanzarote durch die unterirdische Magma erhitztes Wasser austritt, ist nicht weiter seltsam. Auf dem Teide selbst kann man viele dieser "Fumarolas", wie man sie hier nennt, sehen und auch riechen. Auf Lanzarote gießt man ja sogar zur Begeisterung herumstehender Touristen extra Wasser in Erdspalten, welches dann unter Getöse wieder als Dampf an die Oberfläche spritzt. Ungewöhnlich für das Austreten dieses Wasserdampfes ist die Lage, so tief und in der Umgebung hat man bislang noch keine Fumerolas gesehen. Die nächste offene Frage ist, warum enthält der Dampf keinen Schwefel, wie sonst üblich, wenn man vulkanische Ursachen vermutet. Ich warte auf die Stellungnahme der ITER (Instituto Tecnológico de Enregias Renovables), die sind für Vulkanologie auf Tenerife zuständig. Dann muss man noch das lesen, was die Spezialisten aus dem Forum dazu sagen und etwa in der Mitte, findet man dann die Vernunft.



Donnerstag 09.12.04 - 08:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 18 Grad, Niederschlag:0 mm, Luftfeuchte 70% Luftdruck 1017 hPa

Ein Hafen sucht dringend Schiffe

Puerto de Tazacorte bleibt weiter der beschauliche Fischereihafen mit zwei Ausflugsbooten und kein Fracht oder Fährschiff will sich für unseren Hafen der Westseite begeistern. Seit dem 10.12. 2002, Tag der Eröffnung des Hafens, haben lediglich zwei Schiffe dort angelegt. Die finnische "Kristina Regina" besuchte uns an genau diesem Tag und vor ein paar Monaten kam noch die "Garajonay Express" aus La Gomera, mit 120 Rentnern auf Kaffeefahrt. Man hatte sich das anders vorgestellt und einen regen Fährverkehr mit Tenerife erhofft und sogar auf das eine oder andere Frachtschiff und auf Kreuzfahrer.

Dabei hat La Palma einen großen und funktionierenden Hafen in Santa Cruz und der liegt einfach eine ganze Fahrstunde näher an Tenerife, als Puerto de Tazacorte. Die Kreuzfahrer brauchen andere Infrastrukturen und sind meistens einfach viel zu groß, um im Hafen von Tazacorte anzulegen. Alles was über 170 Meter lang ist kann eh nicht anlegen und mit 1.500 Besuchern auf einmal, wäre der kleine Ort hoffnungslos überlastet. Für Frachtschiffe gibt es keine Rampen oder Kräne, irgendwie müsste ja das Frachtgut auf das Schiff. Es bleibt die Hoffnung auf Ausflugsverkehr von den anderen Inseln, man verhandelt mit zwei Reedereien darüber. Unbeirrt hält man aber an den Träumereien fest, dort auch große Schiffe begrüßen zu dürfen und die Provinzregierung macht nun drei Millionen Euro locker um die Hafeneinfahrt von großen Felsen zu befreien, dass auch Schiffe mit einem Tiefgang von sieben Meter in den Hafen einlaufen können. Die Fischer spotten bereits, man hätte die drei Millionen auch gleich direkt in den Atlantik werfen können. Stimmt nicht so ganz, das viele Geld in der Hafeneinfahrt hätte den Tiefgang ja noch weiter beschränkt.



Mittwoch 07.12.04 - 20:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 19 Grad, Niederschlag:0 mm, Luftfeuchte 71% Luftdruck 1019 hPa

Käse oder Vulkan

Es ist wieder mal was los auf unserer großen Nachbarinsel Tenerife. Seit Mai dieses Jahres munkelt man über eine bevorstehende Eruption an der Nordwestflanke des höchsten Berges Spaniens, dem Teide. Drastische Häufungen von kleinen Beben und ein deutlicher Anstieg der Gasemissonen in einem definierten Bereich, sollen auf eine oberirdische Entladung vom Magma hindeuten. Der Fall der Fälle will aber einfach nicht eintreten, die Situation scheint sich sogar wieder beruhigt zu haben, die kleinen Beben vulkanischen Ursprungs nehmen seit nun mehr 2 Monaten wieder deutlich ab und bei den Messungen der Gasemmissionen stellt man auch keine signifikanten Änderungen mehr fest. Das muss vorausgeschickt werden, damit man die anscheinend unsinnige Überschrift versteht.

Auf Tenerife ist man natürlich inzwischen hellhörig und auch sensibel geworden, was das Thema aktive Vulkane anbelangt und man verfolgt die Entwicklung aufmerksam. Gerade erstmal vier Wochen ist es her, dass eine normale Wolke über dem Teide einem Vulkanausbruch ähnlich sah und für mehrere Stunden fast Panikstimmung auf der Insel auslöste. Es dauerte Tage, bis man glaubhaft machen konnte, dass es sich um eine Wolke handelte und nicht um ausströmende Gase. Nun kommt die nächste Geschichte, bei Benijos, einem Ort in der Nähe von La Orotava, also eigentlich weit weg vom erwarteten vulkanischen Auftritt, hat man am Montagabend eine alarmierende Entdeckung gemacht. Aus einer kleine Höhle tritt deutlich sichtbar Wasserdampf aus, keiner der Einwohner des Ortes hat dieses Phänomen vorher jemals beobachtet.

Ganz schnell haben die Behörden reagiert und noch am gleichen Abend Wissenschaftler dorthin beordert, um dem Geschehen auf den Grund zu gehen. Diesen Minigeysir gibt es wirklich, nur ist man sich total unsicher, welchen Ursprung diese Ausschüttung von Wasserdampf hat. Die Messungen haben, neben Wasser nur noch CO2, also Kohlendioxyd entdeckt, aber keinen Schwefel und auch kein Methan. Das lässt nun wieder den Umkehrschluss zu, dass da keine vulkanische Aktivität als Ursache für diese neuerliche Aufregung auf Tenerife erklärt. Nun melden sich natürlich auch sofort die Kenner der Materie zu Wort und haben eine einfache Erklärung: In nicht mal 200 Meter Entfernung der besagten Höhle, befindet sich eine Käserei und man vermutet nun, dass man Molke, oder Abfallprodukte aus der Käseproduktion einfach weggeschüttet hat und diese nun in der kleine Höhle angefangen haben zu gären.

Ob diese Dampfwolke nun vulkanische Flatulenzen sind, oder das Ergebnis einer Schweinerei der Käsehersteller, das weiß bislang noch niemand. Aufregung ist da und jede Interessenseite erklärt sich eindeutig. Die Behörden untersuchen und lassen keine Schlussfolgerungen vorab verlauten. Das ist vernünftig und ich hoffe, dass alle Ergebnisse der Untersuchungen auch verkündet werden. Die Apokalyptiker vermuten nun, dass der Vulkan seine Vorboten aussendet und mitten im Orotavatal seine Botschaft verkündet. Käse oder Vulkan, eine nicht ganz alltägliche Frage. Morgen erfahren wir mehr. Wer der spanischen Sprache mächtig ist, der kann unter www.todogeologia.com ein sehr interessantes Forum zu diesem Thema verfolgen.


Das Photo stammt aus der Webseite www.todogeologia.com



Mittwoch 08.12.04 - 09:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 16 Grad, Niederschlag:0 mm, Luftfeuchte 67% Luftdruck 1021 hPa

Besucherzentrum auf dem Roque rückt näher

Seit nun über 20 Jahren bemüht sich die Inselregierung und die Gemeinde Garafía darum, bei den Observatorien auf dem höchsten Berg der Insel, dem Roque de los Muchachos, ein öffentliches Besucherzentrum einzurichten. Bislang hat das Instituto de Astrofísica de Canarias (IAC) es immer wieder geschafft, diese Idee zu Fall zu bringen. Man befürchtet eine Störung des Forschungsbetriebes und am liebsten würde man seitens der Wissenschaftler überhaupt keinen Besucher in der Nähe der Teleskope sehen. In den letzten Jahren ist der öffentliche und politische Druck auf die Leitung des IAC aber so groß geworden, dass endlich Gespräche darüber möglich sind und es scheint sich ein Kompromiss anzubahnen.

Es wird ein Besucherzentrum geben auf dem Roque, allerdings unter der Regie des Instituto de Astrofísica de Canarias. Die Gemeinde Garafía stellt dem Institut weitere 50.000 Quadratmeter Gelände auf dem Roque zur Verfügung, auf dem das Besucherzentrum entstehen soll. Hauptsächlich soll dort über die Forschungsarbeit der Observatorien berichtet werden, aber auch über Flora und Fauna der Hochgebirgsregion. Cafeteria und sanitäre Anlagen sind auch geplant, schön, dass menschliche Bedürfnisse nun zumindest in den Planungen bereits vorkommen. Es ist immer ein großer Eiertanz gewesen, das IAC und La Palma. Natürlich will man die Speerspitze der internationalen Astrophysik auf dieser Insel haben, da geht es um viel Geld, Ansehen und es sicherlich ein großes Privileg, dass La Palma dafür ausgesucht wurde. Aber das muss keine Einbahnstraße bleiben und es wäre eine längst überfällige Geste seitens des Institutes, dass man sich etwas aufgeschlossener gegenüber den Bewohnern und Gästen dieser Insel zeigt, wir machen schon nichts kaputt und kleben auch sicher kein Kaugummi auf eines der vielen Teleskope.



Dienstag 07.12.04 - 18:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 20 Grad, Niederschlag:0 mm, Luftfeuchte 70% Luftdruck 1019 hPa

Wie viel Wasser hat die Insel?

La Palma und sein Wasser, ein nie endendes Thema. Es ist unser Reichtum und ein Geschenk des Nordostpassats, aber wieviel haben wir davon eigentlich? Endlich hat die Inselregierung eine Studie in Auftrag gegeben, wenigstens bestimmte Wasserbestände zu analysieren, um herauszufinden, wie viel Wasser wir denn dem Inselinneren entnehmen können, ohne bleibende Schäden zu verursachen. Konkret geht es um den "Túnel de Trasvase", ein Stollen der von oberhalb Los Llanos auf die Ostseite der Insel führt. Ursprünglich gebohrt um überschüssiges Wasser von Ost nach West zu pumpen, aber man stieß auf so viel Wasser im Berg, dass man sich das mit dem Pumpen sparen konnte und nun seit gut drei Jahren aus dem Vollen schöpft.

Es weiß aber keiner, wir groß die Wasservorkommen dort im Berg sind und ob die einzelnen Kavernen miteinander verbunden sind. Es besteht die Befürchtung, dass man mit der ungezügelten Entnahme aus dem Tunnel vielen umliegenden Wasservorkommen, im wahrsten Sinne des Wortes, dieses abgraben könnte. Mal ganz banal beschrieben, man befürchtet, wenn man die Insel auf 400 Meter Höhe anbohrt, dann könnte es sein, dass alles Wasser welches darüber liegt, aus diesem Loch heraussprudelt. Das ist unwahrscheinlich, man vermutet eher, dass viele wasserführende Schichten nicht miteinander verbunden sind. Man weiß es aber nicht genau und aus diesem Grund gibt man nun 30.000 Euro aus, um etwas mehr zu erfahren über die unterirdischen Wasservorräte dieser Insel. Immerhin entnimmt man dem "Túnel de Trasvase" pro Jahr zwischen 16 und 20 Millionen Kubikmeter Wasser. Ich bin gespannt auf das Ergebnis und ob wir es überhaupt erfahren. Aber immerhin, man macht sich Gedanken die über eine Legislaturperiode hinausgehen. Chapeau! Wenn ich einen hätte.



Dienstag 07.12.04 - 08:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 15 Grad, Niederschlag:0 mm, Luftfeuchte 69% Luftdruck 1021 hPa

Mojomuseum

Interessante Pläne hört man aus Tazacorte. Bald soll das Bananenmuseum seine Pforten für das Publikum öffnen und schon nimmt man das nächste Museum ins Visier. Gleich um die Ecke soll ein Mojomuseum entstehen, um auch diesem, so typischen Produkt unserer Insel, einen kleinen Tempel zu bauen. Das Grundstück wird bereits gerodet und bald soll ein kleiner Bau von gerade mal 100 Quadratmetern dazu dienen, Gästen die Herstellung, Geschichte und auch die Herkunft dieser wunderbaren Soße näher zu bringen. Verkostung ist garantiert und man denkt auch darüber nach, die dort hergestellten Produkte an die Besucher zu verkaufen.

Grandiose Idee, mit kleinen Mitteln einen Besuchermagnet zu schaffen, das wird Tazacorte damit sicher gelingen. Bananenmuseum besuchen und anschließend gleich noch lernen wie der Mojo gemacht wird, das kann man doch allen Gästen dieser Insel eigentlich nur empfehlen. Es geht also doch, in kleinen Schritten an dem arbeiten, was wir haben und zeigen können. Bleibt hinzuzufügen, dass der Bau des Mojomuseums "lediglich" 90.000,- Euro kosten wird und die zukünftigen Angestellten des Museums aus der Schar der Arbeitslosen rekrutiert werden soll. Mal sehen, ob damit auch der Ursprung des Wortes Mojo (sprich Mocho) geklärt wird. Unstrittig ist, dass Mojo von mojar kommt, das heißt befeuchten oder nass machen. Gerätselt wird aber darüber, ob man den Vorgang des Einweichens der getrockneten Paprika damit meint, aus der man den roten Mojo macht, oder das eintunken eines Happens in die Soße, damit dieser besser schmeckt und rutscht. Wir haben Probleme...



Montag 06.12.04 - 17:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 21 Grad, Niederschlag:0 mm, Luftfeuchte 67% Luftdruck 1017 hPa

Politiker wollen sich für den Tierschutz einsetzen

Aus der Oppositionsbank heraus lässt sich vieles fordern und ich kann nur hoffen, dass die Anregungen der Partido Popular in der Inselregierung Gehör finden. Leider kommt der Vorschlag nicht so ganz freiwillig, Hintergrund ist die Auflösung der "Asosación Palmera para la Protección de los Animales", kurz APPA genannt. Die Organisation hatte sich mehr als 10 Jahre einzig aus privaten Mitteln und Spenden, um den Tierschutz auf La Palma gekümmert und nun das eigene Aus verkündet. Nicht mangelnde Tierliebe führte zu dem Entschluss, wo kein Geld ist und keine Helfer, kann nicht gearbeitet werden. Die Bürgerlichen der Partido Popular fordern nun, dass man dieser Organisation zum Überleben verhilft und mit den nötigen Mitteln unterstützt.

Gut gebrüllt und gut gemeint, aber Oppositionsparteien brüllen oft und viel und können sich ja darauf verlassen, nicht selber Hand anlegen zu müssen. Vielleicht gelingt es aber dennoch, auch weil viel in der Presse darüber geschrieben wurde, die Inselregierung dafür zu begeistern, Tierschutz im Weltbiosphärenreservat auch aus öffentlichen Mitteln zu betreiben. Die Gemeinden sind eigentlich dafür zuständig, doch fürchtet jeder Bürgermeister der nun eine Art Tierheim auf seinem Gebiet einrichtet, alle bemitleidenswerten vierbeinigen Kreaturen der ganzen Insel aufnehmen zu müssen. Das kostet auch wieder Geld, kein Nachbar will ein Tierheim in seiner näheren Umgebung haben, also sitzen wir das einfach aus und verweisen auf die Inselregierung. Ein gutes Argument brachte der Sprecher der Partido Popular in seinem Aufruf für den Tierschutz: Die Inselregierung fordert uns permanent auf, ein positives Bild dieser Insel nach außen zu tragen, um den Tourismus zu fördern. Dazu würde aber auch gehören, dass die Gäste die uns besuchen sehen, wir kümmern uns auch um unsere Tiere. Ich wünschte mir so, Soni Mayer hätte diese Worte noch vernehmen dürfen. Noch mehr wünsche ich mir aber, dass wenigstens wir noch die Eröffnung eines öffentlichen Tierheimes auf La Palma erleben können.



Montag 06.12.04 - 08:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 15 Grad, Niederschlag:0 mm, Luftfeuchte 67% Luftdruck 1019 hPa

Stabile Wetterlage

Eine knappe Woche Nordostpassat haben wir bereits wieder hinter uns und wohl noch eine Woche vor uns. Kein Tiefdruckgebiet in Sicht, welches uns in der nächsten Zeit erreichen könnte, die liegen so weit nördlich, dass das Azorenhoch einen gewaltigen Sperrriegel nach Süden hin bildet. Es muss auch noch kein Landwirt im Moment um Wasser betteln, mit den nächsten Niederschlägen können wir uns noch eine Weile Zeit lassen. Eigentlich kann man Sommerwetter zu unserer jetzigen Situation sagen, es ist halt alles nur um etwa fünf Grad kühler.

Der Wind hält sich auch in Grenzen, das ist gut, wir wissen ja, dass die gefühlte Temperatur das Entscheidende für uns ist und da ist der Wind ausschlaggebend. Die null Grad Grenze sinkt jetzt nachts bis auf 1.100 Meter ab und sorgt dort für Raureif in den Morgenstunden. Tagsüber hängt die Erwärmung von der Sonnenscheindauer ab und die wiederum davon, wie viel Sonne die niedrigen Wolken durchlassen. Das wiederum hängt vom Wind ab, bläst der Nordost zu schwach, dann kann er die tiefen Wolken auf der Westseite nicht auflösen. Die kühle Luft sorgt für hervorragende Weitsicht und wenn die Wolkenbildung es zulässt, dann kann man wunderbare Blicke auf den schneebegipfelten Teide erhaschen. Zwiebelwetter, man muss immer eine Jacke oder Pullover dabei haben, kommt die Sonne dann wieder durch, reißt man sich diese winterlichen Bekleidungsstücke schnell wieder vom Körper.

Mit den langen Unterhosen ist das etwas schwieriger, aber die darf ich eh nicht mehr anziehen, meine Töchter finden das äußerst uncool. Mein anfänglicher Versuch darauf hinzuweisen, was cool eigentlich heißt, wurde lediglich mit verächtlichen Blicken beantwortet und dem endgültigen Satz: Du bist noch lange nicht cool, nur weil dir kalt ist! Vielleicht sollte ich mal versuchen, die langen Unterhosen als Hotpants zu verkaufen. Am meisten könnte natürlich helfen, wenn einige dieser pomadigen, metrosexuellen Beaus, die bei Real Madrid Pirouetten um den Ball tanzen, endlich wieder mit langem Beinkleid auflaufen. Beckham in langen Unterhosen, das wäre meine Rettung, bis dahin muss ich frieren.



Sonntag 05.12.04 - 17:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 24 Grad, Niederschlag:0 mm, Luftfeuchte 72% Luftdruck 1017 hPa

Inselhaushalt 2005 vorgestellt

Ohne große Überraschungen präsentiert sich der Vorschlag für den Inselhaushalt 2005. Mit einer Steigerung um knappe 1,6% will man im Jahr 2005 die Summe von 89,3 Millionen Euro in den öffentlichen Kreislauf pumpen. Den größten Einzelposten mit 27 Millionen geht an den Sektor Investitionen, dichtauf gefolgt von Personalkosten, die mit 26,5 Millionen zu Buche schlagen. Der Sozialhaushalt bleibt mit 9,3 Millionen gegenüber dem Jahr 2004 gleich, für Sonderpläne am Arbeitsmarkt will man nächstes Jahr 800.000 Euro ausgeben.

Weitere fette Einzelposten sind Ausgaben für die sozioökonomische Entwicklung, dafür werden 2 Millionen bereitgestellt. Für Infrastrukturmaßnahmen im Bereich der Landwirtschaft stehen 2,8 Millionen Euro zur Verfügung und für die Verbesserung des Straßennetzes noch mal 2 Millionen. Alle weiteren Posten reichen nicht mehr an die Millionengrenze heran. Übernächste Woche soll der Haushalt bereits verabschiedet werden, bei uns wird da nicht lange gefackelt und diskutiert. Die machtlose Opposition kann jammern und zetern wie sie will, wir werden im Inselparlament in absoluter Mehrheit von der Coalición Canaria regiert und die verabschiedet so einen Haushalt schon mal in einer Viertelstunde. Wenn das der Eichel hört...



Sonntag 05.12.04 - 09:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 16 Grad, Niederschlag:0 mm, Luftfeuchte 69% Luftdruck 1020 hPa

Von der Verfassung zur Unbeflecktheit

Puente ist das Zauberwort, Brücke heißt das auf deutsch. Seit Freitagnachmittag befinden sich die kanarischen Inseln im Schwebezustand, außer Selbstständigen und den Armen des Dienstleistungssektors arbeitet niemand in diesen Tagen. Das geht noch so bis einschließlich Mittwoch dem 8. Dezember, danach arbeitet man wieder ein paar Tage, unterbrochen von diversen Weihnachtsfeiern, das Ende des Jahres ist in Sicht. Feiertage sind eine herrliche Erfindung und in Kombination mit Wochenenden lässt sich daraus ein kleiner Urlaub zimmern, eine Brücke eben. Je länger die Brücke, desto besser und dieses Mal sind es ganze fünf Tage.

Der Montag der 6. Dezember ist natürlich Nikolaus, aber das ist nicht der Grund für den Feiertag. Den Tag der Verfassung feiert man in Spanien am 6. Dezember, "Día de la Constitution", dagegen ist nicht einzuwenden, jeder Nikolaus hat Anrecht auf eine ordentliche Verfassung. Schlecht nur für die Politiker, die müssen an diesem Tag wieder ran, sich rasieren und auf öffentlichen Veranstaltungen zeigen, dass sie in bester Verfassung sind. Der Dienstag wäre dann eigentlich ein normaler Arbeitstag, aber der wird verschluckt, denn gleich am Mittwoch den 8. Dezember feiert man in allen katholischen Ländern dieser Erde eine medizinische Sensation. Das ist bei uns Katholen so, gerade weil es unmöglich ist, wird daraus etwas Besonderes. Wir sprechen von der unbefleckten Empfängnis, dem endgültigen Beweis, dass die katholische Kirche nichts von Spaß oder Freude versteht.

Ist aber auch nicht so wichtig, hier nennt man den Tag "Día de la Inmaculada" und viele Mädchen, die das unausgesprochene Pech hatten, an diesem Tag geboren worden zu sein, müssen ihr ganzes Leben die Last tragen, die Unbefleckte zu heißen. Inmaculada ist ein häufiger Name, meist in der biblischen Einheit mit Maria Inmaculada. Die Kurzform klingt schon etwas weltlicher, Ima werden diese, nur scheinbar Unberührbaren, gerufen. Bloß nicht weiter darüber nachdenken, den Feiertag genießen und den Bischof nicht länger ärgern. Nur Ketzer kämen jetzt auf die Idee, gerade an diesem Tag den Gegenbeweis anzutreten. Aber auch dafür hält die katholische Kirche Strafmaßnahmen bereit. Mädchen, die an diesem Tag gezeugt werden, ob nun mit Flecken oder nicht, die heißen dann Dolores oder Angustia. Ich will Ihnen den Weg zum Wörterbuch ersparen, Dolores heißt auf deutsch Schmerzen und Angustia ist die Todesangst. Ich muss jetzt los, wer heute nicht pünktlich in der Kirche ist, der muss am Mittwoch arbeiten...



Samstag 04.12.04 - 16:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 24 Grad, Niederschlag:0 mm, Luftfeuchte 65% Luftdruck 1018 hPa

Blätterwald

Aus nebenberuflichen Gründen lese ich extrem aufmerksam die Tagespresse der regionalen Zeitungen. Auf La Palma selbst gibt es überhaupt keine Tageszeitung, Diario de Avisos" wurde zwar in Santa Cruz de La Palma gegründet, zog aber später nach Tenerife. Die Zeitungen sind, eben dieses "Diario de Avisos", "Canarias7", "El Día", "La Opinion" und "La Provincia". Alle dieser Zeitungen haben auch online Ausgaben, die allerdings nicht alle gedruckten Artikel wiedergeben und El Día will für seine online Ausgabe Geld haben. Auffällig ist, dass in allen Zeitungen, außer der Kommentare das gleiche steht, meist sogar im Wortlaut. Den Unterschied machen die Zeitungen nur bei der Auswahl, welche Artikel gebracht werden. Dabei ist die politische Nähe zu den Parteien entscheidend.

Wirklich informieren bedeutet bei unserer Presse immer, alles zu hinterfragen und zu vergleichen, warum die eine Zeitung einen Artikel nicht bringt, die andere aber schon. Wirklich kritisch ist keine dieser Zeitungen, die Abhängigkeit von der Politik ist bei regionalen Blättern so groß, dass keiner es wagen kann, das Nest zu sehr zu beschmutzen. Vielleicht einzig in "El Día" erscheinen auch mal Artikel, die nicht der Leitlinie unserer großen Vorsitzenden entspricht. Am nächsten Tag wird aber auch wieder alles ungeprüft nachgeplappert, was der politische Salbentopf hergibt. Überregionale Zeitungen gibt es in Spanien viele und auch hervorragende, aber die interessieren sich für uns erst, wenn der Vulkan ausbricht.

Es gibt aber auch Licht in der Pressewelt, keine Tageszeitung, aber immerhin ein endemisch palmerisches Blättchen, welches alle 14 Tage erscheint und keinen Maulkorb trägt. "La Voz de La Palma" heißt dieses rebellische Blatt und hat nicht richtig hohe Auflagen. Sie ist aber für die politische Riege Pflichtlektüre, eben weil die in dem Blatt lesen können, wie Menschen das sehen und nicht abhängige Journalisten. Es ist die einzige Zeitung, die jemals die Zahlen unserer Tourismusbehörde hinterfragt hat und den Schwindel mit den vielen kanarischen Touristen, die uns angeblich besuchen, beim Namen nennt. Ich liebe diese Zeitung, alle 14 Tage gibt sie mir das Gefühl, nicht alleine zu sein. Leider hat dieses Blatt keine online Ausgabe, aber wer hier ist, der soll sich ruhig mal dieses Blättchen holen. Die Zeitung steht immer so ein bisschen vor dem Aus, da können ein paar neue Leser nicht schaden. Na ja, spanisch sollte man schon können, aber beides lohnt sich, spanisch, wie auch die Lektüre der "La Voz".



Samstag 04.12.04 - 09:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 16 Grad, Niederschlag:0 mm, Luftfeuchte 72% Luftdruck 1020 hPa

14 Millionen zur Erhöhung der touristischen Qualität

Ich bin hin und her gerissen, mit so viel Geld kann man ja wirklich etwas anfangen und es bleibt zu hoffen, dass diese 14 Millionen Euro nicht komplett in Beton umgewandelt werden. Provinz und Inselregierung verabschiedeten gestern dieses Papier, das Geld kommt zur Hälfte von der kanarischen Regierung, die andere Hälfte muss La Palma selber aufbringen. Es wurde keine konkrete Maßnahme betitelt, das Geld soll aber wohl den Gemeinden zugute kommen, damit diese sich hübsch rausputzen können. Da keimt bei mir naiver Optimismus auf, sollten unsere Politiker vielleicht doch die Insel nicht ganz vergessen haben, bei ihren hochtrabenden touristischen Träumereien?

Verbal haben diese Leute das bereits ausgedrückt: Las mismas deberán enmarcarse de acuerdo a criterios entre los que figuran la mejora de equipamientos y paisajes urbanos, rurales y costeros de interés turístico y obras orientadas al adecuado uso turístico, siguiendo siempre los principios de desarrollo sostenible de recursos históricos, culturales y naturales. Kurz, alle Maßnahmen müssen der Verbesserung der urbanen und ländlichen Einrichtungen dienen, die von touristischem Interesse sind, immer unter dem Prinzip der nachhaltigen Entwicklung der historischen, kulturellen und natürlichen Ressourcen. Ist doch alles Butter und fast gelingt es mir, die vier Golfplätze, die 20.000 Hotelbetten und die Waterworld von Puerto de Naos gedanklich zu verdrängen. Aber eben nur fast, ich habe ja inzwischen gelernt, dass Politiker, außer Zapatero, nie das sagen was sie denken. Sie tun das, was sie denken, nicht das, was sie sagen. Würden sie das, was sie denken, uns sagen, dann würden wir sie nicht wählen. Deshalb erzählen sie uns einen nachhaltigen Psalm und tun das, was sie denken.



Freitag 03.12.04 - 18:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 24 Grad, Niederschlag:0 mm, Luftfeuchte 73% Luftdruck 1015 hPa

Außentstelle der Handelskammer eröffnet in El Paso

Großer Bahnhof gestern zur Eröffnung des Zweigstelle der "Cámara de Comercio, Industria y Navegación de Santa Cruz de Tenerife" kurz Cámara genannt, in El Paso. Dort, wo früher Kranke behandelt wurden, kann man sich jetzt in allen Fragen zur Firmengründung, Weiterbildungsmöglichkeiten und zu geschäftlichen Ideen informieren. Das Büro liegt im ehemaligen Gebäude der Poliklinik, schräg gegenüber dem Rathaus. Der Chef der Cámara, deren Sitz in der Provinzhauptstadt Santa Cruz de Tenerife liegt, Ignacio González Martín, war sichtlich stolz auf sein zweites Büro auf La Palma, kommt der Mann doch auch aus La Palma.

Ursprünglich sollte die Zweigstelle eher nach Los Llanos, aber die zierten sich von wegen Kosten für ein geeignetes Gebäude und da schlug unser Bürgermeister zu und schnappte der nahen Großstadt das Büro einfach weg. Für uns aus El Paso ist es immer eine Genugtuung, wenn wir unserem mächtigen Senior-Partner Los Llanos mal etwas wegschnappen können. Das ist aber nicht zum Nachteil der immerhin 2.324 "pymes", die es im Aridanetal gibt. "Pymes" ist die Abkürzung für pequeñas y medianas empresas, was nichts anderes bedeutet, wie kleine und mittelständische Unternehmen. Und es wird etwas unternommen hier im Aridanetal, mit diesen 2.324 Firmen, die es in den drei Gemeinden des Tales gibt, El Paso, Los Llanos und Tazacorte, stellen wir 41% der gesamten Unternehmen der Insel. Die elf anderen Gemeinden teilen sich den "Rest", mit Schwerpunkt in Santa Cruz de La Palma.



Freitag 03.12.04 - 08:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 14 Grad, Niederschlag:0 mm, Luftfeuchte 70% Luftdruck 1016 hPa

Arbeitslosenzahlen steigen wieder leicht

Der November war der zweite Monat in Folge, in dem die Zahl der Arbeitslosen wieder leicht angestiegen ist. Davor gab es fünf Monate ununterbrochene Besserung auf dem Arbeitsmarkt, jetzt ist die Stimmung wieder etwas getrübter. Gegenüber dem Vormonat waren auf den kanarischen Inseln 1.152 Personen mehr als Arbeitslose gemeldet, das entspricht einem Anstieg von 1,08%. Damit liegen die Kanaren aber immer noch unter dem nationalen Wert von 2,05% mehr Menschen ohne Beschäftigung. Beunruhigend bleibt weiter der Vergleich mit dem selben Monat des Vorjahres, da steht immer noch eine unschöne Zunahme von 6,74%, oder 6.836 Menschen. Die Kanaren werden in dieser negativen Bilanz nur noch von Ceuta übertroffen, national gibt es im Vergleich zum Vorjahr sogar eine leichte Erholung auf dem Arbeitsmarkt.

Schuld an der negativen Entwicklung des Arbeitsmarktzahlen ist einzig und alleine der Dienstleistungssektor, auf den Kanaren hauptsächlich von der Tourismusindustrie getragen. Die Rückgänge auf diesem Sektor schlagen natürlich sofort in der Statistik durch und sollten auch La Palma deutliche Hinweise geben, wo Wachstum zu finden ist und wo nicht. Insgesamt fanden aber mehr Menschen denn je Arbeit auf den Kanaren, 735.651 Arbeiter, Angestellte, aber auch Selbstständige sind in der staatlichen Grundversorgung, Seguridad Social gemeldet. Wie das möglich ist, mehr Arbeitsplätze aber dennoch mehr Arbeitslose, ganz einfach, Zuwanderung. Die kanarische Wirtschaft wächst langsamer als die Zahl der auf den Arbeitsmarkt drängenden Menschen und nicht nur ein Politiker hat schon mit einer Diskussion darüber geliebäugelt, aber die Wahlen sind noch zu weit weg um daraus schon ein Thema zu machen. Das sind Zahlen für die gesamten Kanaren, spezifische für La Palma gibt es erst in den kommenden Tagen. Sehen diese zu schlecht aus, dann wird die Presse hier gar nicht, oder nur ganz oberflächlich darüber berichten. Wir werden es trotzdem erfahren.



Donnerstag 02.12.04 - 17:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 26 Grad, Niederschlag:0 mm, Luftfeuchte 68% Luftdruck 1012 hPa

Sommerflugplan lässt uns hoffen

Wenn die Angaben der Fluggesellschaften stimmen, dann hat der Trend zu immer weniger Flugverbindungen aus Deutschland endlich ein Ende. 16 Charter pro Woche sind angekündigt, die Condor ist und bleibt weiter unser größter Fan. Die Zahl 16 ist aber keine feste Größe in diesem Zusammenhang, die Fluggesellschaften legen bei weniger Nachfrage gerne mal Flüge zusammen und dann kann es vorkommen, dass man aus z.B. Berlin plötzlich über München nach La Palma fliegt. Eine weitere beliebte Mogelpackung ist auch eine Zwischenlandung auf einer anderen Kanareninsel, um dorthin auch noch Gäste zu bringen. Netto werden es nach meiner Einschätzung noch 11 Maschinen sein, immerhin eine mehr als letzten Sommer.

Hauptanreisetag ist auch im Sommer wieder der Dienstag, mit Verbindungen aus 11 deutschen Städten. Mittwoch schickt die Air Berlin eine Maschine aus Berlin und die LTU ihre einzige die nach La Palma fliegt aus Düsseldorf. Donnerstag kommen noch drei Condor, aus Berlin, Dresden und München. Den kompletten Plan können Sie HIER einsehen. Bevor nun jemand mir schreibt, ich könne nicht zählen, Air Berlin und Hapag Lloyd verkaufen zwar Tickets für 2 Flugnummern, aber es ist immer nur eine Maschine, die verkaufen getrennt, fliegen aber zusammen. Für Statistiker ist das natürlich ein gefundenes Fressen. Es gibt pro Woche 21 Flugnummern nach La Palma, 16 Flüge, aber es kommen nur 11 Maschinen an. Rein rechnerisch müssten so Hapag Lloyd und die Air Berlin nach drei Wochen keine Flugzeuge mehr haben, wenn jedes Mal so viele einfach verschwinden. Stimmt ja gar nicht, wenn die zurückfliegen, dann erhalten sie ja die Flugnummern wieder. Ich dachte, ich hätte endlich das Rätsel um das Bermuda-Dreieck gelöst, manchmal denkt man sich halt um Kopf und Kragen.



Donnerstag 02.12.04 - 08:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 15 Grad, Niederschlag:0 mm, Luftfeuchte 70% Luftdruck 1014 hPa

Wachstumsindikator Zement

La Palma muss schneller wachsen und vor allem mehr Zement verbrauchen. Das kanarische statistische Institut www.istac.org nimmt den Verbrauch dieses endgültigen Bodenbelages gerne als Indikator für Wirtschaftswachstum. Dort wo mehr Zement verbraucht wird, dort boomt es und die Leute haben so viel Geld, sich ihre Zukunft zu zementieren. Trotz des Jahrtausendbauwerks der größten Einbogenbrücke Europas bei Los Sauces, hinkt aber der Verbrauch an Zement dem kanarischen Mittel hinterher. Wir stellen 5% der Bevölkerung des Archipels, verbrauchen aber gerade mal knapp 3% des Zementes. Ohne Brücke wären es gar nur 2%!

La Palma steht also kurz vor dem wirtschaftlichen Aus, wer so wenig Zement verbraucht, dessen Wirtschaft kann nicht in Ordnung sein. Das "Instituto de Estadística de Canarias" macht es sich nicht nur zur Aufgabe Zahlen zu sammeln und in Kästchen zu packen - nein, der Kommentar wird gleich mitgeliefert. Wer nur 77.600 Tonnen Zement im Jahr verbraucht und davon noch ein Drittel in Brückenpfeiler schmeißt, der darf nicht mehr mitreden im Konzert der Wachstumsfanatiker. Statistiken haben mich immer fasziniert, gerade weil sie global so aussagekräftig sind und uns völlig neue Blickweisen eröffnen. Statistisch gesehen produziert La Palma elf mal so viel Bananen pro verbrauchten Sack Zement wie Tenerife. Muss ich mir jetzt um Tenerife Sorgen machen, oder um Mittelfranken, weil es dort prozentual weniger Übersetzer aus dem Serbokroatischen in Suaheli gibt, als in Belgrad? Nein. Statistik hat nur einen einzigen Zweck, wenn Heerscharen von Schreiberlingen wieder mal nicht wissen, über was sie berichten sollen, dann reicht ein kleiner Blick in Tabellen und Prozente, der Rest ist pure Mechanik.



Mittwoch 01.12.04 - 17:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 22 Grad, Niederschlag:0 mm, Luftfeuchte 74% Luftdruck 1011 hPa

Weiterbildung für Ziegen

Naturschutz und Landwirtschaft kann Hand in Hand gehen, immer vorausgesetzt die Landwirtschaft lässt von der Natur im Naturschutzgebiet noch etwas übrig. Auf La Palma werden immer mehr Zonen zu Natur und Landschaftsschutzgebieten erklärt. Das ist gut so, aber irgendwo müssen die Ziegen auch noch weiden können und da will man sich nun einen Plan basteln, der allen gerecht wird. Konkret geht es um 9.500 Hektar, aufgeteilt unter den Schutzzonen "Tamanca" Cumbre Vieja" und eine Region in El Paso, welche an den Nationalpark grenzt.

Eins ist sicher, die Ziegen waren vor den Schutzzonen da und keiner kann sich es hier auf La Palma vorstellen, dort die Weidewirtschaft ganz zu verbieten. Ziegenkäse aus La Palma ist ein großer Hoffnungsträger unserer stagnierenden Landwirtschaft, da muss ein Kompromiss gefunden werden. Mariano Lorenzo, Rat für Landwirtschaft und Fischerei in unserer Inselregierung erklärt nun, man will eine Studie anfertigen, welche die Anzahl der Ziegen ermittelt, die in den Zonen dort weiden kann, ohne die zu schützenden Pflanzen in ihrer nachhaltigen Entwicklung zu gefährden. (Da haben wir es wieder, das nachhaltig) Das Einfachste wäre ja, die Ziegen so zu trainieren, dass sie nur noch erlaubte Futterpflanzen essen und die gefährdeten oder seltenen stehen lassen. Bislang hat sich aber noch kein Ziegenflüsterer gefunden und so wird man auf die Weiterbildung der Schäfer setzen müssen. Dass im Schutzgebiet "Tamanca" auch ein Golfplatz hin soll, das bleibt unerwähnt, aber vielleicht steckt da ja ein ganz nachhaltiger Gedanke dahinter. Ziegen lieben frisches Gras und unter nachhaltiger Aufsicht könnten die ja die Rasenpflege übernehmen. Prächtiges Nebenprodukt dieser strategischen Meisterplanung, ein Produkt welches einzig auf diesem Planeten ist: Weltbiosphärenreservatsgolfplatzkäse, nur echt mit 18 Löchern.



Mittwoch 01.12.04 - 08:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 16 Grad, Niederschlag:0 mm, Luftfeuchte 72% Luftdruck 1013 hPa

Massive Flüchtlingswelle befürchtet

Seit geraumer Zeit befürchten die Behörden auf den Kanaren eine neue Qualität der Flüchtlingsströme. Bislang kommen die Unglücklichen, meist Westafrikaner, mit kleinen, kaum seetauglichen Fischerbooten von Marokko aus, auf die nahen Inseln Fuerteventura und Lanzarote. Da aber Marokko, ob nun unter dem Druck Europas oder nicht, selbst die Grenzen etwas dichter gemacht hat, wird dieser Weg schwieriger und teurer. Die Schleuser suchen nun neue, rentablere Wege um ihre menschliche Fracht ins gelobte Europa zu bringen. Dazu werden schrottreife Frachtschiffe in Ländern wie Sierra Leone oder Guinea soweit zusammengeflickt, dass diese einen Oneway-trip bis zu den Kanaren schaffen.

Ziel der Schleuser ist es, bis zu tausend Menschen auf so einem Seelenverkäufer zu versammeln, kräftig abzukassieren und dann den Dampfer in einem Hafen der Kanaren auf Grund setzen, damit man die Leute von Schiff holen muss. Im günstigsten Fall hat man dann 1.000 Flüchtlinge auf einen Schlag, da wären die Organisationen zwar hoffnungslos überfordert, aber zumindest würden die Flüchtlinge überleben. Die Küstenwache fürchtet aber viel mehr andere Horrorszenarien, die schwimmenden Wracks könnten bereits auf dem Atlantik auseinander brechen, dann gäbe es keine Rettung für die Menschen an Bord. Schafft es einer dieser Kähne bis in unsere Gewässer und die Küstenwache stoppt das Schiff, dann muss man tausend Leute auf einem Boot versorgen, welches jederzeit sinken kann. Also muss man das Schiff in einen Hafen bringen und dort die Menschen von Bord holen.

Man versucht nun mit allen Mitteln, bereits das Auslaufen dieser Schiffe zu verhindern. Kontaktleute des spanischen Außenministerium sind in Freetown und Conakry und versuchen dort die Behörden auf dieses Problem aufmerksam zu machen. In Guinea hat man bereits zweimal erfolgreich das Auslaufen eines dieser Schiffe verhindern könne. Nun hört man von einem Schiff, welches in Freetown nur noch darauf wartet, die Flüchtlinge aufzunehmen und in Richtung Kanaren los zu fahren. Man kann nur hoffen, dass die Behörden in Sierra Leone ebenso kooperationsbereit sind, wie die Kollegen in Guinea. - Was das Ganze mit La Palma zu tun hat, ganz einfach. Kommt ein Schiff vom Süden auf die Kanaren zu, dann liegt La Palma durchaus ebenso verkehrsgünstig und wir wären absolut überfordert, wenn das dritte Schiff welches im Hafen von Tazacorte anlegt, ausgerechnet eine moderne "Exodus" ist.

In eigener Sache: Pünktlich ist das Kalenderblatt für den November fertig geworden. Peter schreibt wieder über Palmen und ich über Kaffee. Das Photo unten stammt von Peter und zeigt eine absolute botanische Rarität, eine Phoenix canariensis variegata. Die Palme steht bei Mirca auf der Ostseite und ist wohl die einzige "Albino-Palme" auf den kanarischen Inseln.


Bei Mirca auf La Palma





Familie Ingrid & Mathias Siebold
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La Palma, Islas Canarias, Spanien
Tel & Fax von Deutschland: + 34 922 497216
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Kanarische Ferienhäuser auf La Palma