Am Mittwoch den 10.3.2010 vom 09:30 bis 11:30 Uhr, Sprechstunde mit María Dolores Padilla Felipe (Loly) speziell für ausländische Mitbürger. - Sie sind herzlich willkommen im Büro der PSOE von El Paso und können der ehemaligen Bürgermeisterin dort Ihre Fragen in Englisch oder Deutsch vorbringen. - Lesen Sie dazu noch diesen Text.
Mittwoch 10.03.2010 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 16 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 62 % - Luftdruck 1014 hPa
Landwirtschaft mit der Brechstange
Sodepal gibt nicht auf
Die Bananen schwächeln, der Tourismus entpuppt sich als zickiges Biest, da ist man doch immer froh, wenn wenigstens die berühmte öffentliche Hand noch Geld unter die Leute wirft. - Na ja, so lange es noch etwas zu verteilen gibt, sollte man da auch zugreifen, und wenn es dann auch noch einer guten Sache dient, umso besser. - Unsere Inselregierung hat extra für solche Fälle die "Sodepal" (Sociedad de Promoción y Desarrollo Económico de La Palma) gegründet, eine Gesellschaft die sich darum bemüht, neue Geschäftszweige für die palmerische Wirtschaft zu erschließen. - Eigentlich wäre das ja Aufgabe der Inselregierung selbst, aber alleine die Arbeitsplätze der Mitarbeiter von "Sodepal" sind ja schon etwas wert, auch wenn man sich grundsätzlich etwas mehr erwartet, als reine Arbeitsbeschaffung durch diese Institution. - Bislang sind die Ergebnisse der "Sodepal" fast nur Pleiten, Pech und abgepackte Salate, und da war doch noch was mit dem schief etikettierten Gofio, welches dann sang- klang- und erfolglos irgendwann aus den Regalen der Supermärkte wieder verschwand. - Auch bei den Salaten muss man Abstriche machen, zwar hat man endlich die Verpackung geändert und etwas schicker gestaltet, aber man neigt bei der gebrachten Qualität trotz eines schwindelerregend niedrigen Preises nicht wirklich zum Nachkauf. - Allerdings versichert man uns, dass diese abgepackten Salate auf Tenerife sehr erfolgreich in den Supermärkten verkauft würden, und weil wir der großen Nachbarinsel grundsätzlich alles zutrauen, lassen wir das einfach mal so stehen. - Was übrigens sehr positiv an der Geschichte ist, die Landwirte haben dadurch für gewisse Produkte einen sicheren Abnehmer gefunden, und wäre die ganze Geschichte nun wieder ohne Subventionen ins Rollen gekommen, dann könnte man sogar von einem Erfolg sprechen.
Nächster Coup lautet, man will jetzt auch noch weitere landwirtschaftliche Produkte als "Convenience-Food" hier auf der Insel zubereiten, und dann auf kanarischen Märkten anbieten. - Bereits vorgekochte Süßkartoffeln, Chayotas, Ñames und Yuca. - Süßkartoffeln kennt man ja wohl noch in Mitteleuropa, Chayotas sind kleine, birnenförmige Früchte aus der Familie des Kürbis, die Ñames sind die als Yamswurzel bekannte Pflanze und die hier und in Südamerika als Yuca bezeichnete Knolle, welche aber nichts mit der bekannten Zierpflanze zu tun hat, sondern in Mitteleuropa eher als Maniok bekannt ist. - Diese Aufzählung hört sich nun an wie ein südamerikanischer Gemüseeintopf, und in der Tat handelt es sich bei allen diesen Pflanzen um Importe aus der "Neuen Welt", die irgendwann mit der regen Migration zwischen den Kanaren und Südamerika auch den Weg nach La Palma gefunden haben. - Diese Pflanzen gehören, vielleicht mit Ausnahme der Yuca, eigentlich zum Alltagsgeschäft der palmerischen Küche, haben aber in der letzten Zeit an Beliebtheit und Bedeutung verloren, ganz einfach weil diese Feldfrüchte in der Küche sehr aufwendige Bearbeitungsmethoden fordern. - Da genau will man ansetzen, und der modernen HausmannIn eben gleich ein Faulheitsprodukt, was man eben heute "Convenience" nennt anbieten, damit diese Früchte wieder häufiger auf dem Teller landen. - Ich weiß, dass meine lächerlichen Versuche der Chauvikasse zu entkommen sinnlos sind, aber die paar Männer die hier kochen, die stehen meistens in Restaurants und drehen Koteletts auf dem Grill. - Interessant dabei ist noch, dass man dafür extra einen Techniker anstellt, welcher die Beratung der Landwirte und des Bearbeitungsbetriebes übernehmen soll. - Und das, obwohl wir schon ein gut besetztes Landwirtschaftsamt haben und eben die Mitarbeiter von "Sodepal", jetzt kommt extra noch ein Spezialist dazu. - Das Geld für den "Biotechnologen" hat man übrigens auch gleich wieder als Subvention erhalten und nun wissen wir auch was der gute Mann verdient, der bekommt 16.450 Euro im Jahr, da beißen bestimmt nur Spitzenkräfte an, bei dem Verdienst… Weg von der Polemik, wenn es funktioniert, und damit ein paar Landwirten dabei hilft, die Scholle weiterhin nutzbringend zu bearbeiten, dann soll es uns recht sein. - Allerdings muss man auch wieder befürchten, dass dieses ganze System wieder zusammenbricht, wenn die Subventionen dafür abgezogen werden und das Ganze als selbsttragendes Unternehmen laufen soll.
Dienstag 09.03.2010 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 21 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 50 % - Luftdruck 1014 hPa
Höchsttemperatur heute 21,7 Grad - niedrigste Temperatur 14,8 Grad
Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 24,8 - Temp. Min 11,5 - Feuchte 23 - 49 % Niederschlag 0 mm
Die Polemik ist serviert
Das Superteleskop E-ELT sorgt für reichlich politische Auseinandersetzung
Ist die Schlacht um die Aufstellung des 42 Meter Teleskops E-ELT denn bereits verloren, oder nicht? - Wir wissen das nicht, wie weit da die Herren und Damen der ESO bereits entschieden haben, oder noch zweifeln, dem Rat der wissenschaftlich-technischen Kommission zu folgen, und diese 1Milliarden Investition in Chile zu errichten. - Uns hat das hier sehr getroffen, und sowohl die Bevölkerung wie auch die lokalen Politiker wollen diese scheinbare Niederlage noch nicht anerkennen. - Jetzt fordert man eine breite diplomatische Front gegenüber den Entscheidern bei der ESO, schließlich stammt das Geld dafür von den europäischen Steuerzahlern, da muss doch dieser Verein auch Rücksicht darauf nehmen, und dieses Geld in der "Familie" lassen. - Diese Forderungen sind schon berechtigt, keine Frage, aber in wie weit sich die ESO als wirklich von den Regierungen, oder gar von der EU unabhängiges Gremium gibt, das können wir als doch Außenstehende nicht wirklich einschätzen. - Spanien hat sich mit einem Angebot, allein fast ein Drittel der Kosten zu schultern, bereits ziemlich weit hinausgelehnt, aber zumindest vor der Kommission scheint das nichts genutzt zu haben. - Dennoch fällt die Entscheidung auf einer anderen Ebene, oder ist bereits gefallen, und dieses ganze Hin und Her ist lediglich für die Bühne arrangiert, um dem unterlegenen Kandidaten weiß zu machen, man hätte sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. - Betrachtet man noch mal die Aussage der Wissenschaftler und Techniker, dann sticht der Standort Cerro Armzones eigentlich nur deshalb vor La Palma heraus, weil man dort die Nähe zu den anderen Teleskopen der ESO lobt. - Das heißt aber auch nicht anderes, dass die dort arbeitenden Techniker und Wissenschaftler natürlich gar keinen neuen Standort wollen. - Einmal, weil man sich dort wahrscheinlich schon gut eingelebt hat, vielleicht sogar ein Häuschen und Familie, und weil man sich auf der anderen Seite natürlich mit dem E-ELT noch weitere Chancen auf große Entdeckungen und Forschung erhofft, ohne noch mal woanders hin zu müssen. - Die ESO hat bislang lediglich in Chile Observatorien, da ist es doch nur logisch, dass die dort bereits arbeitenden Wissenschaftler und Techniker sich weiter für den bekannten Standort aussprechen.
Die Entscheidungsfrage muss so eigentlich auch ganz anders aussehen, nämlich will die ESO überhaupt einen neuen Standort, der auf der Nordhalbkugel beheimatet ist, oder sich weiterhin, ihrem Namen treu bleibend, (European Southern Oberservatory) weiterhin nur auf der Südhalbkugel umtun. - Diese Entscheidung aber hat nichts mit der Qualität des Standortes La Palma oder Cerro Armazones zu tun, sondern ist rein strategischer Natur. - Das muss die ESO ganz alleine für sich ausmachen und dazu braucht man kein, an einen schreierischen Wettbewerb erinnerndes "Casting", welcher Standort denn die schöneren Beine hat. - Davon haben wir bei der ganzen Geschichte auch von der ESO noch nichts gehört, und ein bisschen muss ich daraus schließen, dass man dort wohl gar keine neue strategische Ausrichtung plant oder wünscht. - Aber ich weiß es nicht, bin bloß ein Beobachter der Astrophysiker in seinem Bekanntenkreis hat, und die sich dieses Monstrum natürlich nach La Palma wünschen. - Unsere lokale und provinzielle Politik möchte aber weiter auf Radau machen und fordert die EU sowie die spanischen Regierung auf, nun diplomatischen und finanziellen Druck auf die ESO auszuüben, damit La Palma als Standort ausgesucht wird. - Allerdings lässt die Wissenschaftsministerin Cristina Garmendia aus Madrid sich von dieser Stimmung nicht besonders leicht beflügeln und meint, man hätte mit dem Geldangebot schon alles unternommen, und man könne keinen diplomatischen Druck auf ein wissenschaftliches Gremium ausüben. - Ein bisschen möchte man aus dem Interview auch herauslesen, als werfe man das Fernrohr bereits ins Korn, oder weiß die Frau halt einfach schon so viel mehr als wir über den Fall, und traut sich einfach noch nicht mit der traurigen Wahrheit heraus. - Hier hat das Interview der Cristina Garmendia auf jeden Fall für großen politischen und gesellschaftlichen Ärger gesorgt, man fühlt sich nicht gut vertreten von einer Ministerin, die nicht den Anschein macht, bis zur letzten Minute und bis zum letzten diplomatischen Scharmützel um den Standort La Palma zu kämpfen. Unfähig sei die Dame heißt es aus den Reihen der Partido Popular, und unsere Inselpräsidentin meint sogar, das Interview sei eine Schande. - Der Präsident der autonomen kanarischen Regierung meint, die Ministerin gefährde mit solchen Aussagen sogar die Bewerbung und hebt erneut hervor, wie viel man denn seitens der Provinzergierung getan hätte, damit das große Teleskop nach La Palma kommt. - Das allerdings ist nur ein Windei, denn außer lauten Phrasen und Trommelwirbel hat man hier überhaupt nichts getan, und nur die Zentralregierung hat ein Angebot ausgearbeitet und Geld dafür geboten. - Die Polemik ist serviert, und vielleicht überrascht man uns ja noch seitens der ESO, aber das politische Ränkespiel in diesem Thema ist jetzt bereits widerlich, lässt sich aber sicherlich noch steigern.

Dienstag 09.03.2010 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 16 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 63 % - Luftdruck 1015 hPa
Die Jungfrau macht Politik
Kein politischer Streit im Jahr der Bajada
Wenn noch ein Beweis nötig war, dass die Virgen de Las Nieves wirklich Wunder vollbringen kann, dann ist dieses nun geschehen. - Der Haushalt unserer Hauptstadt Santa Cruz ist auch von der in Minderheit regierenden Coalición Canaria verabschiedet worden, ganz einfach weil die dortige Opposition diese Veranstaltung nicht gefährden wollte. - Partido Popular (5 Stimmen) und die PSOE (6 Stimmen) enthielten sich bei der Abstimmung, so reichten die 6 Stimmen der Coalición Canaria, um den Haushalt positiv zu verabschieden. - Gut, die Sozialisten hatten im Vorfeld schon verkündet, wegen der Bajada de la Virgen den Haushalt passieren zu lassen, so dass es keine große Überraschung mehr war, denn selbst die 5 Stimmen der Partido Popular hätten nun den Haushalt 2010 nicht mehr stoppen können. - Interessant in Santa Cruz ist ja auch eher, wer da mit wem gerade seinen Bändel treibt, denn ursprünglich, also seit Mai 2007, nach den letzten Kommunalwahlen, saßen die Abgeordneten der Partido Popular mit in der Stadtregierung. - Allerdings trennte man sich vor ein paar Monaten aus dieser Koalition, unüberbrückbare Auseinandersetzungen markierten die bisherige Legislaturperiode, wobei immer wieder nach außen ein desolates Bild des Stadtparlamentes von Sana Cruz heraufbeschworen wurde. - Der Streit zwischen den beiden Regierungsparteien wurde auch auf persönlicher Ebene geführt, und Beobachter von außen mussten sicher meinen, die Partido Popular sei die lauteste Opposition, aber weit gefehlt, die waren Regierungspartner, auch wenn man das nicht wirklich erkennen konnte.
Seit dem logischen Schritt der Trennung nun reagiert die Coalición Canaria in einer sehr wackeligen Minderheitsregierung, verfügen die doch bloß über 6 der 17 Ratsposten. - Allerdings kann man sich auch wieder darauf verlassen, dass die "natürlichen Feinde" PP und PSOE auch keine gemeinsame Sache machen und je nach Sachlage mal Ablehnung zeigen, oder alleine schon durch eine Enthaltung dann den Vorschlag der Coalición Canaria passieren lassen. - Man könnte sogar so weit gehen und behaupten, mit dieser Minderheitsregierung in Santa Cruz hätte man ungewollt der Demokratie wieder ein bisschen auf die Beine gestellt, denn so lange die CC abhängig von der Zustimmung oder mindestens Enthaltung der anderen Parteien ist, können die keinen wirklichen Blödsinn machen. - Über das Haushaltspaket gibt es wohl auch interessantes zu berichten, trotz Mehrausgaben für die Bajada sinkt der Haushalt unserer Stadt um 7,5% gegenüber dem Vorjahr, was dann 19,7 Millionen Euro ergibt. - Diese Einsparungen gehen fast komplett auf Kosten der Investitionen, und zu einem kleineren Teil auch auf Einsparungen beim Personal. - Allerdings erklärt man uns auch, dass man einige der geplanten Investitionen weiter an die Insel- aber auch an die Provinzregierung delegieren konnte, und beim Personal wird verstärkt wieder auf eine Kollaboration mit dem Arbeitsamt gesetzt, um möglichst viele Teilzeitjobs über vom Staat bezahlte Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen zu arrangieren. - Ob dieser Sanierungshauhalt auf Kosten anderer Institutionen aufgeht, das werden wir abwarten müssen, aber bis nach der Bajada de la Virgen de Las Nieves vertagt man nun in der Hauptstadt jegliches politisches Geplänkel, die Jungfrau kommt in den Ort, dann lasst uns alle mal hübsch artig sein.
Montag 08.03.2010 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 22 Grad - Niederschlag 0,5 mm - Luftfeuchte 47 % - Luftdruck 1015 hPa
Höchsttemperatur heute 22,6 Grad - niedrigste Temperatur 15,6 Grad
Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 26,5 - Temp. Min 13,8 - Feuchte 25 - 60 % Niederschlag 0 mm
Ein Gramm Kokain
Mord in Los Llanos scheint aufgeklärt
Yellow-Press, schmeckt mir gar nicht, aber das ist Tagesthema hier auf der kleinen Insel, denn einen Mord und interessante Hintergründe, das ist nun mal nichts Alltägliches hier. - Am 15. Februar dieses Jahres fand man einen 43 jährigen Mann mit durchgeschnittener Kehle in seiner Wohnung in Los Llanos. - Auch wenn die Polizei sofort eine Nachrichtensperre verhängte, so wie man das bei Kapitalverbrechen hier grundsätzlich macht, sickerte bald die Identität des Getöteten durch, besonders weil dieser ein bekannter Mann in seinem Wohnort Los Llanos, aber auch seinem eigentlichen Herkunftsort Tazacorte war. - Auch wenn seitens der Polizei natürlich nichts zu erfahren war, begannen die öffentlichen Diskussionen schnell bis heftig. - Vermutungen, wirre Thesen und leider immer wieder in solchen Fällen, auch grobe Generalschuldzuweisungen gegenüber der aus Südamerika stammenden Immigrantengruppe, allen voran den Menschen aus Kolumbien. - Damit hatten die anonymen Hetzer aber nicht recht, wie sich jetzt herausgestellt hat, wohl aber damit, dass dieses Verbrechen etwas mit Drogen zu tun hat, so wie man von Anfang an vermutet hatte. - Seit dem 3. März gibt es einen Festgenommenen, allerdings erst heute öffnet die Polizei ihre Nachrichtensperre, und lässt in einem kurzen Kommunique ihr Ermittlungsergebnis verlauten. - Für die Ermittler ist der Fall damit auch schon abgeschlossen und nun geht alles weiter an die Justiz, vorher spricht die Polizei auch über solche Fälle nicht. - Das ist unangenehm, wenn kein handfestes Ergebnis in einem plausiblen Zeitrahmen erfolgt, aber sehr gut und effektiv, wenn man, so wie in diesem Fall schnell ein Ergebnis präsentieren kann. - Man muss dazu sagen, dass man immer alle Kapitalverbrechen hier auf La Palma sehr schnell aufgeklärt hat, das ist einfach zu klein hier um völlig unterzutauchen und ein Narr, wer unsere Guardia Civil unterschätzt.
Das Ergebnis der Untersuchungen der Polizei ergibt nun , dass ein 41 jähriger Mann wohl von dem später getöteten ein Gramm Kokain kaufen wollte, dieser es aber nicht herausgab, weil von früheren Transaktionen von 120 Euro Schulden offen waren. - Darüber gerieten die beiden in Streit, wobei auch der Käufer verletzt wurde, im weiteren Verlauf der Auseinandersetzung der "Dealer" allerdings vom "Käufer" einen Messerschnitt in den Hals erhielt, welcher tödlich war. - Der Täter floh darauf hin aus dem Haus, wurde aber in der Nähe mit beschmutzter Kleidung gesehen, was letztendlich auch zu der Festnahme führte. - Der Täter stammt wohl aus El Paso, wohnt aber inzwischen auch in Los Llanos, wie man sagt, fast gegenüber der Wohnung wo das Verbrechen geschah. - Aus den Einzelheiten des Ergebnisses kann man schließen, dass es bereits ein Geständnis gibt, allerdings steht davon nichts konkret in dem Kommunique. - Die Identität des Täters wird nicht offiziell verlautet, allerdings weiß der Volksmund längst, wer es sein soll, aber ich kenne diesen Mann nicht und kann dazu so auch nichts erzählen. - Für die Familie des Getöteten wird es jetzt noch heftiger, nicht nur, dass man einen Sohn, einen Bruder oder einen Verwandten verloren hat, jetzt stellt es sich auch noch heraus, dass er wohl mit Drogen gehandelt hatte, was letztendlich zu dieser grausamen Tat geführt haben soll. - Das Gericht wird nun entscheiden, Totschlag, Mord, wer griff zunächst an, und wie denn der Täter zu bestrafen sei. - Allerdings bleibt eine Frage dabei immer wieder offen, warum stellt man eine von Ärzten und öffentlichen Organisationen überwachte Legalisierung aller Drogen nicht in den Mittelpunkt gesellschaftlicher und politischer Diskussionen. - Die Zahlen, wie groß der Anteil der Drogendelikte an der Gesamtzahl aller krimineller Taten ist, zwingen eigentlich sogar die Gesellschaft dazu, dieses Thema zumindest breit und ohne Dogmen zu diskutieren. - Mit einem Schlag sämtliche Straftaten wegen Drogenkonsums aus unserer Gesellschaft zu streichen, und eines der größten mafiösen Geschäfte dieser Welt zu beenden, das wäre doch eine hehre Aufgabe. - Oder besteht da irgendein "höheres" Interesse, dass diese kranken Menschen nur in der Illegalität mit ihrer Sucht Zuflucht finden?
Montag 08.03.2010 08:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 16 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 68 % - Luftdruck 1016 hPa
Krise, da war doch was
Unzufrieden mit dem Winterschlussverkauf
Früher, als alles anders, und nur manches besser war, da dachte ich immer, nur niederbayrische Viehhändler können so richtig jammern. - Längst haben mich die Bananenbauern eines anderen belehrt, dicht auf gefolgt von den Einzelhändlern. - OK, kurzzeitig waren da noch die Banker, aber deren Mitleidspotential war so schnell aufgebraucht wie Hartz IV in praller Konsumblüte. - Das vergangene Jahr war für den Einzelhandel auf den Kanaren schon heftig, daran gibt es keinen Zweifel, wer noch Geld hatte klammerte sich daran, und die anderen trösteten sich damit, dass man kein Geld nicht ausgeben kann. - Jetzt sollte der Winterschlussverkauf dem Handel wieder neue Impulse verleihen, die Lager räumen und gleichzeitig frisches Kapital in die Kassen spülen, um damit neue Ware für den Sommer bereitzuhalten. - So zumindest war das Vorhaben, oder die Idee, aber irgendwie scheint das nicht aufgegangen zu sein. - Dabei ließ sich die Geschichte gar nicht so schlecht an, gleich nach "Reyes", also dem Tag der Heiligen Drei Könige, begann der Handel seine Läden mit Schildern zu überkleben, die einem Rabatte von bis zu 70% versprachen und so etwas lässt sich Doña Schnäppchen und Pedro Billig nicht zweimal sagen. - Allerdings war die Blase schnell geplatzt, die paar schönen, oder wirklich günstigen Dinge schnell verschwunden, und von da an lief es mit den "Rebajas" (de invierno) gar nicht mehr so fröhlich, wie man sich das eigentlich vorgestellt hat.
Der Einzelhandelsverband der Kanarischen Inseln spricht nun sogar vom schlechtesten Winterschlussverkauf des letzten Jahrzehntes, und dass man beim Umsatz da gelandet sei, wo man vor 10 Jahren bereits war. - 15% weniger verkauft als noch im gleichen Zeitraum des Vorjahres 2009, und das war bereits ein Krisenjahr, so dass die Worte "desaströs" und "Katastrophe" die Presseerklärung des Verbandes durchziehen. - Noch dazu hätte man solch hohe Rabatte gewährt, dass unter dem Strich nichts übrig geblieben sei, und das sei irgendwie nicht die Idee von einem Geschäft. - Ich bin erstaunt, wie schnell man dann doch wieder erkennt, dass Geld verdienen im Handel auch eine fundamentale Sache ist, und Umsatz ohne Rendite ein ziemlich kurzatmiges Treiben. - So steht man dann doch in weiten Teilen des Handels mit dem Rücken zur berühmten Wand, die dann ganz schnell zu Klagemauer wird, und man händeringend wieder den Weg sucht, aus dieser Billigfalle und den minimalen Renditen herauszufinden. - Spezialisieren, klein genug bleiben, oder hyperventilierend wachsen, bis man platzt, man darf nur vorher nicht vergessen etwas auf die Seite zu schaffen… Grundsätzlich leidet hier der Handel halt auch unter der großen Sättigung, die gepaart mit echter Not durch die Krise, aber eben auch vorsichtigem Verhalten der Mittelschicht nicht wirklich goldenen Boden für einen zufriedenen Handel schafft. - Wohl dem, der das Aussitzen kann, und dann immer noch Schwung und Luft hat, dem vielleicht real existierenden Konsumenten, der mal nichts umsonst haben will, sondern was Gutes und was Schönes sucht, dann auch entsprechende Ware anbieten kann. - Ansonsten kann ich da noch aus Las Palmas eine Geschichte erzählen, wie ich über zweieinhalb Stunden brauchte, um eine ganz normale Jeans zu kaufen, aber leider waren "Rebajas" und da gibt es normale Jeans nicht. - Die werden dann weggeräumt und man muss durch die ladeninternen Hierarchien tingeln, bis man endlich einen mitleidigen Abteilungsleiter findet, der es dann doch wieder ermöglicht, dass ich eine ganz normale Hose zu einem ganz normalen Preis erstehen konnte. - Hatte ich erwähnt, dass ich "Rebajas" nicht mag?
Sonntag 07.03.2010 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 60 % - Luftdruck 1015 hPa
Höchsttemperatur heute 20,6 Grad - niedrigste Temperatur 15,7 Grad
Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 20,8 - Temp. Min 11,8 - Feuchte 24 - 56 % Niederschlag 9 mm
Keine Fiesta für lau
2,7 Millionen Euro für die Bajada de la Virgen de Las Nieves
Und das mitten in der Krise, wo an allen Ecken und Enden sonst den öffentlichen Korporationen das Geld fehlt. - So hört man auch gleich wieder viele Menschen meckern, aber feiern wollen wir trotzdem, und die Bajada de la Virgen de Las Nieves ist zweifelsohne das höchste Inselfest überhaupt, und kommt ja auch nur alle 5 Jahre vor, so dass wir unsere Kritik auch ein bisschen überdenken sollten. - Zumal diese 2,7 Millionen Euro auch die Bruttosumme darstellen, und man die Einnahmen dagegen rechnen muss und auch noch die Gelder der Sponsoren. - Man rechnet das Ding dann so vor: - Rund eine Million Euro sollen alleine aus den Einnahmen der Veranstaltungen kommen, wobei natürlich der berühmte Zwergentanz das Gros einspielen muss, aber auch das Minué ist ein meist gut besuchtes Spektakel. - Weiterhin nimmt man ja Gebühren von den Aufstellern der vielen Kisoske die dann während der Festivitäten so wichtige Dinge wie Bocadillos und Bier anbieten, und auch das "Merchandising" mit Souvenirs rund um die Jungfrau und die Zwerge soll Geld in die Kassen spülen. - Dann noch die Sponsoren, die auch ihren Teil beitragen, und übrig bleiben soll die Summe von 500.000 Euro, welche dann aus der Stadtkasse zu berappen sind. - Das hört sich doch schon ganz anders an, und wenn man das mal auf die Zahl der Einwohner dieser Insel umrechnet, dann sind das schlappe 6 Euro pro Palmero, und fragen Sie mal einen einzigen Menschen hier auf der Straße, ob ihm die Jungfrau vom Schnee nicht 6 Euro wert ist. - Natürlich immer vorausgesetzt, die Rechnung geht auf, aber schließlich ist das nicht die erste Bajada die man veranstaltet.
Allerdings haben wir nie wirklich alle Abrechnungen gesehen, und das wäre dann doch schon ein interessanter Fall das mal unter die Lupe zu nehmen. - Nicht nur um zu sehen, ob man denn tatsächlich so gut gewirtschaftet hat, dass an öffentlichen Geldern wirklich "nur" 500.000 Euro fällig wurden, sondern noch viel mehr interessiert uns ja, wer denn da alles Aufträge erhalten hat, bei der Bajada "Lieferant" zu sein. - Diese Abrechnungen könnte die Opposition in der Gemeinde wohl zur Einsicht fordern, um dann eben eventuelle "Spezelaufträge" publik zu machen oder zumindest Erklärungen dafür zu fordern, warum nun gerade der oder die auf der Gehaltsliste der Bajada standen. - Für die letzte Bajada in El Paso im vergangenen Sommer, auch da hat die Opposition die Abrechnung angefordert, aber nach mehr als einem halben Jahr immer noch nicht erhalten. - Vielleicht hat man gar keine wirkliche Abrechnung oder einfach keinen Überblick mehr, vielleicht will man dieses Papier auch einfach nicht herausrücken, weil man eben wohl befürchten darf, dass da Gelder in auffälligen Höhen und an auffällige Adressen gegangen sind. - Diese mangelhafte Transparenz ist aber auf lokalpolitischer Ebene auf dieser Insel immer schon ein reichlicher Hemmschuh für echte Kontrolle gewesen und dient auch immer wieder dazu, die Politikverdrossenheit noch mehr zu erhöhen. - Auch will man in El Paso die Abrechnung nicht veröffentlichen weil dabei nämlich auch noch herauskommen würde, dass die Bajada de La Virgen del Pino die Bevölkerung der Insel mehr gekostet hat, als die Bajada in der Hauptstadt. - Natürlich immer vorausgesetzt, das stimmt mit den 500.000 Euro, die man uns da vorrechnet.
Sonntag 07.03.2010 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 72 % - Luftdruck 1014 hPa
Mistverständnis
Nur ein Teil der Spendengelder für Fuencaliente kommt auch dort an
Die Brandkatastrophe im August vergangenen Jahres im Süden der Insel brachte eine für uns noch nicht gekannte Spendenwelle. - Allerdings kam nicht alles Geld wirklich in Fuencaliente an, und bis heute, ein halbes Jahr später, sitzt eine Organisation immer noch auf mehr als 80.000 Euro an Spendengelder, und wird diese wohl auch nicht herausgeben. - Más Nunca heißt diese Organisation und ist eigentlich in Gran Canaria beheimatet, und wurde nach den Waldbränden dort gegründet, um Hilfestellung im Prozess mit den Behörden zu leisten und auch Forderungen gegenüber Versicherungen durchzusetzen, welche ein einzelner Geschädigter wohl auch finanziell nicht erlangen kann. - Aber diese Organisation verteilt keine Spenden an Privatpersonen, sondern nutzt dieses Geld ausschließlich für technisch-bürokratische Hilfestellung. - Das steht auch so in deren Statuten und ist damit auch klar für jeden einsehbar, allerdings war das auf der Insel nie Thema. - Gleich nach dem Brand gab es eine Vielzahl von Spendenkonten und Aktionen, die ausschließlich für den Zweck Gelder für die Betroffenen in Fuencaliente zu sammeln ins Leben gerufen wurden. - Allerdings wussten weder die Spender, noch die Organisatoren der Konzerte, Sportveranstaltungen und Benefizaktionen, wie man denn das Geld nun an die Geschädigten in Fuencaliente bringt. - Manche Gelder gingen an das offizielle Spendenkonto der Inselregierung, die das Geld weiter an die Caritas von Fuencaliente und Mazo leitete, andere spendeten an das Rathaus der südlichen Gemeinde, und eben ganz viele an die Organisation "Más Nunca", die inzwischen auch Vertreter hier auf der Insel gefunden hatte. - Je nach Bericht liest man Summen zwischen 82.000 und 88.000 Euro, die letztendlich auf dem Konto dieser Organisation gelandet sind, und erst als man daran gehen wollte diese Gelder nun an die Betroffenen auszuzahlen, kam es zum Affront zwischen den lokalen Mitgliedern und den Repräsentanten der Gruppe aus Gran Canaria.
Man weigerte sich die zur Auszahlung bereits gefertigten Schecks zu unterschreiben, da man eben in den Statuten der Organisation festgeschrieben hat, diese Gelder ausschließlich für die Repräsentation gegenüber Körperschaften zu verwenden, und eben nicht an die Geschädigten direkt weiter zu geben. - Allerdings hat keiner der Spender hier vor Ort so gedacht, sondern nur seinen Geldbeutel erleichtert, um den Menschen dort direkt zu helfen. - Die lokale Gruppe von Más Nunca hat sich dafür auch längst öffentlich entschuldigt, dieses Missverständnis nicht lauter und öffentlicher zu präsentieren, und ist inzwischen fast komplett auch aus der Organisation ausgeschieden. - Jetzt gab es ein Treffen von Geschädigten und Vertretern der Organisation Más Nunca in Fuencaliente, bei dem sowohl die Presse wie auch Zuschauer und Spender nicht zugelassen waren, demokratische und vor allem transparente Reaktionen sehen anders aus. - Ergebnis dieses Treffens ist, lediglich eine Großspende, vom Rathaus von Los Llanos, auf deren Konto auch viele Menschen eingezahlt hatten wird freigegeben, weil auf dem Überweisungsträger zu lesen war, dass dieses Geld den Geschädigten von Fuencaliente zur Verfügung gestellt werden soll. - Die anderen 60.000 Euro bleiben auf dem Konto von Más Nunca, weil die ohne Bedingung auf das Konto eingezahlt wurden. - Sicher sind die im Recht, keine Frage, aber schlimmer kann man Spendenbereitschaft gar nicht torpedieren und beschädigen, und niemand hier wird mehr auch nur einen Cent Geld oder Vertrauen in diese Organisation stecken, die sich hinter Statuten versteckt, wo doch ganz klar war, auch ohne schriftliche Anweisung, wofür man seine Spende verwendet sehen will. - Auch fehlt uns nun der Nachweis, für welche Aktionen denn Más Nunca diese Gelder wirklich einsetzt, und wir sollten es nicht darauf beruhen lassen, uns von der widerlichen Umkehr der Beweislast ruhig stellen zu lassen. - Nicht wir, die Spender müssen beweisen, wohin das Geld gehen sollte, sondern die Organisation, welche die Gelder entgegengenommen hat, wofür diese Summen denn verwendet werden. - Más Nunca heißt auf Deutsch: Nie Wieder. - Ja, das haben wir jetzt verstanden und ich bin froh, dass ich seinerzeit auf das Spendenkonto der Inselregierung verwiesen habe, da konnten wir uns jedenfalls sicher sein, dass diese Geld bei den Bedürftigen ankommt, und sei es auch über den Umweg der Caritas.
Samstag 06.03.2010 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 65 % - Luftdruck 1011 hPa
Höchsttemperatur heute 19,7 Grad - niedrigste Temperatur 14,2 Grad
Bauknecht mit leichten Schönheitsfehlern
Besseres Wetter in Vancouver als hier auf der Insel
Ein Hoch will nach oben. - Stück für Stück arbeitet sich ein fleißiges, aber eben noch nicht zwingendes Hochdruckgebiet in Richtung Azoren und Madeira. - Da sollte es eigentlich hin, wenn wir endlich wieder "unser" Wetter haben wollen, nämlich Passat, Sonnenschein und frischen Wind aus Nordost. - Was habe ich diesen Wind vermisst, diese mitunter schon mal freche Brise, die gutgelaunt über die Cumbre Nueva stürzt, um allen im Aridanetal zu zeigen, wer auf dem Nordatlantik das Sagen hat. - Seit Weihnachten eiern wir nun in einem hektopascalen Niemandsland herum, immer mal wieder geschüttelt von den wilden Furien aus dem Westen, wie ich einfach mal die Tiefdruckgebiete bezeichnen will, die auf ihrem Weg von der nordamerikanischen Küste dann auch uns erwischen. - Die erwischen uns aber eben nur, wenn das Azorenhoch nicht an seinem Platz ist, sondern sonst wo auf dem Atlantik seinen Namen und seine Bestimmung sucht. - Dieses nordatlantische Hoch bestimmt nämlich den Breitengrad, auf welchem die Tiefs den europäischen Kontinent erreichen, und steht dieses Hoch nördlich von uns, dann kann uns kein Tief erreichen, weil diese Hochdruckgebiete alle Tiefs viel weiter in den Norden schieben. - Man kann nun schon erkennen, dass das Höchlein sich allerbeste Mühe gibt, mal was Großes zu werden, aber es kommt eben einfach nicht so richtig aus seiner Pubertät hinaus und lässt sich noch zu stark von den bösen Furien im Norden beeindrucken. - Macht nichts, wir haben ja Winter, da kann das schon mal vorkommen, dass das Azorenhoch Grippe, Zipperlein oder mentale Probleme hat, wäre das Hoch immer an seinem Platz, dann bekämen wir ja gar keinen Regen auf der Westseite. - Allerdings haben wir nun in den letzten Wochen wirklich genug Wasser hier auf der Westseite gehabt, die Holztüren und Fenster schließen immer noch nicht wieder und der Gedanke an Aluminium, und damit den ganzen Holzkram endgültig aus der Bausubstanz zu entfernen, nimmt immer weiter Gestalt an. - Allerdings verschwinden diese Gedanken im Sommer meist wieder, oder spätestens, wenn man sich dann den Kostenvoranschlag vom Alu-Fritzen holt, der hier allerdings meist Alu-Pedro heißt. - In Wirklichkeit nennt man sie "Carpintería de Aluminio", also Aluminiumschreinerei. - Auch nicht schlecht.
Was aber auch schon gut ist an der jetzigen Lage des Hochs, dass uns so auch kein Tief erwischen kann, und den ersten fetten Brocken der da lauert, den hält uns selbst dieses Säuglingshoch bereits vom Leib. - Wäre auch noch schöner gewesen, gleich die nächste fette Kiste mit Regen und Sturm, da sagt nicht nur der Reiseleiter Nein Danke, sondern inzwischen auch schon der Landmann, der seit dem 25. Dezember letzten Jahres nicht mehr gießen musste. - Dennoch bleibt es bewölkt und ab und zu kann sogar ein bisschen Nieselregen fallen, aber mehr passiert vorerst nicht. - Da dieses kleine Hoch auch nicht dort liegt, wo wir es gerne haben, kommt der Wind auch nicht aus Nordost, unsere Lieblingswindrichtung, sondern aus Nordwest. Für den Flughafen kein Problem, auch da herrscht vorerst Ruhe. - Vorerst, weil man einfach noch nicht weiß, ob es dieses Hoch schafft, sich so weit nach Norden zu quetschen um dann die angestammte Position zu beziehen, oder sich doch wieder abdrängen lässt und seinen Einfluss auf unser Wetter wieder verliert. - Da kommt die Gabi aus Whistler heute mit Strahlefotos aus Vancouver daher, erzählt was von Sangría auf der Terrasse und blühenden Bäumen und Büschen in British Columbia. - Gut, die Crazy Canucks reißen sich bei 12 Grad bereits vor Hitzestau die Kleider vom Leib, Temperaturen wo unsereins noch Unaussprechliche trägt, aber man soll denen doch auch mal was gönnen. - Interessant bei den Fotos aus Vancouver sind auch die Wasserflugzeuge der Harbourair, denn diese Firma will ja angeblich sich auch auf den Kanaren installieren, um interinsulare Verbindungen anzubieten. - Die Geschichte und die Fotos dazu gibt es wie immer im "Whistlers Whistle".
In eigener Sache noch. - Wir bekommen einen neuen Internetprovider, und wie das Leben so spielt, zieht der Alte den Stecker bevor der Neue diesen eingestöpselt hat. - Aber wir sind ja nicht blöd, wir wissen ja wie so was läuft, und haben provisorisch nun mit einer Leitung über das Funknetz vorgesorgt. - Die ist allerdings fußlahm und taugt gerade mal für die normale Arbeit, nicht aber die Webcam ständig mit neuen Bildern zu versorgen. - Die bleibt nun für die nächsten Tage einfach mal aus, um dann, angeblich wieder viel schneller und besser zu funktionieren. - Mal abwarten, ob das alles so klappt wie man uns versprochen hat, aber ich bin wie immer zuversichtlich.

Samstag 06.03.2010 10:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 15 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 70 % - Luftdruck 1010 hPa
Kurznachrichten
Iberia knickt (leicht) ein und Los Llanos knickt (leicht) ab
Der "Fall Iberia", mit den Gebühren für den zweiten Koffer, hat hier richtig für Aufbegehren gesorgt. - Unser Präsi vons Janze, Paulino Rivero, rief sogar zum Boykott und heftigen Widerstand gegen diese "Barbarei" auf, und zitierte Antonio Vázquez, den Präsidenten der Iberia, eiligst zu einem Gespräch. - Allerdings konnte auch alles Zetern und Drohen nicht wirklich viel ausrichten, auch für uns gilt zukünftig, nur noch ein Koffer bei der Iberia, der zweite kostet 60 Euro Aufpreis, auch wenn damit das Gesamtgewicht die erlaubten 23 Kilo nicht überschreitet. - Aber ein kleines Zugeständnis konnte man der Iberia schon noch abluchsen, die Bewohner der Kanaren dürfen auf Flügen von und nach den Inseln nun 32 Kilo Gepäck mitnehmen, anstatt der üblichen 23 Kilo. - Aber das kostet dann einen Aufpreis von 15 Euro. - Allerdings auch nur in einem Koffer, und das wird dann ein bisschen problematisch, so viel Kram in einem Gepäckstück unterzubringen. - Auch stelle ich mir gerade vor, wie eine etwas erfahrener Dame, von an die 75 Jahren einen Koffer mit 32 Kilo schleppen will, aber das nur mal am Rande. - Interessant ist dabei aber auch wieder zu beachten, wie diese Errungenschaft unseres Kanarenpräsis von der Presse betitelt wird. - Denn dort erscheint dieses kleine Zugeständnis als wahre Heldentat unseres Präsidenten und man möchte fast meinen, er alleine hätte die Iberia niedergerungen. - Hauptsache wir haben mal wieder eine Extrawurst erhalten, damit geben wir uns meist schon zufrieden, auch wenn die Wurst unter der Pelle bereits stinkt.
Demokratie in Los Llanos ist ein bedrohtes Wesen. - Endlich möchte man sagen, hat man den lokalen Flächennutzungsplan dort im Plenum verabschiedet, damit dieser weiter zur übergeordneten Planungsbehörde in Tenerife zur Kontrolle gesandt werden kann. - Allerdings stimmten die Sozialisten gegen den Plan, denn dieser enthält auch den Golfplatz, welcher zum Teil im Naturschutzgebiet "Tamanca" entstehen soll, wie auch die beiden polemischen Asphaltwerke im Industriegebiet. - Darüber hinaus beklagt man, dass die lokale Korporation den Oppositionsparteien keine Einsicht in die Pläne gewährt hätte, und auch auf Nachfrage, was denn mit den 2.300 Alegaciones gegen den Flächennutzungsplan geschehen wäre, auch keine Antwort erhalten habe. - Deswegen ein klares Nein. - Weniger klar ging das bei der anderen Oppositionspartei ab, die enthielten sich tapfer und demonstrativ der Stimme und wagten es nicht, dagegen zu stimmen. - Die Aussage von Indalecio Pérez, dem Vorsitzenden der anderen Oppositionspartei CCN, über ein Papier, welches wir nicht kennen, können wir nicht abstimmen. - Da läuft einiges schief in Los Llanos, und der Opposition den Einblick in ein solch wichtiges Instrument wie den Flächennutzungsplan zu verweigern, das ist schon ein starkes Stück.
Zu guter Letzt noch ein Hinweis zu der heutigen Demonstration gegen die drastischen Einschnitte in der Liste der bedrohten Arten. - (Siehe 4.3. 18:30 Uhr) Die Manifestation findet nicht wie auf dem Plakat angekündigt vor dem Gebäude der Inselregierung statt, sondern auf der Plaza de España gegenüber dem Rathaus. - Immerhin bleibt es bei heute Samstag um 12:00 Uhr - Die Veranstalter bitten für diese Malheur um Verzeihung, es soll nicht wieder vorkommen…
Freitag 05.03.2010 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad - Niederschlag 1 mm - Luftfeuchte 57 % - Luftdruck 1007 hPa
Höchsttemperatur heute 20,0 Grad - niedrigste Temperatur 14,0 Grad
Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 16,4 - Temp. Min 8,5 - Feuchte 29 - 84 % Niederschlag 9 mm
Guiris mit Migrationshintergrund
"Resis" mal wissenschaftlich betrachtet
Vergleicht man die Zahlen der hier lebenden Mitteleuropäer mit denen auf den anderen Kanareninseln, dann sind wir hier im unteren Drittel bei der Gesamtzahl der hier fest lebenden Immigranten. - Allerdings sind wir ganz vorne, wenn man die Zahl der Deutschen betrachtet, was übrigens auf La Gomera ähnlich ist. - Warum La Palma so deutsch ist, das haben wir öfter schon mal beleuchtet und sind dabei auch auf die Pamir gestoßen, die während des ersten Weltkrieges hier interniert war, und es zu guten Kontakten und sogar Ehen zwischen den Seeleuten und der hiesigen Bevölkerung gegeben hat. - Auch danach gab es weitere gute Kontakte nach Deutschland und auch vor und während des Zweiten Weltkrieges legten hier Schiffe der Reichsmarine an. - Allerdings sind da, wen wundert es, auch viele Papiere und Berichte "verloren" gegangen, man sollte und wollte gar nicht alles wissen, was damals im Hafen von Santa Cruz so alles anlegte. - Wir wollen auch keine Verschwörungstheorien schüren, die es um dieses Thema immer noch gibt, aber irgendwo muss es doch hergekommen sein, warum so viele Deutsche sich gerade diese Insel ausgesucht haben. - Heute kann man natürlich von dem so genannten "Pull-Effekt" sprechen, denn dort wo schon viele Menschen einer bestimmten Herkunft leben, da kommen meist noch mehr, weil es eben diese guten und reichlichen Kontakte gibt. - Ein weitere Frage ist aber immer wieder, wie denn die Migranten in ihrer Wahlheimat auch ankommen, aufgenommen werden und wie es um die so oft zitierte Integration steht. - Das ist ein sehr unfangreiches und interessantes Thema, da ich ja auch diesen berühmten Migrationshintergrund habe. - Wobei ja andere sagen, Sozis, die aus Niederbayern auswandern, sind keine Emigranten, sondern Flüchtlinge, aber diese Betrachtungsweise kann man getrost jedem selbst überlassen.
Auf jeden Fall ist La Palma, seine Deutschmigranten und deren Werdegang nicht nur interessant, sondern auch eine Abschlussarbeit für ein Geographiestudium wert, und ein Student der Mainzer Gutenberg-Uni hat sich genau das vorgenommen. - Moritz Neugebauer heißt der an La Palma so interessierte junge Mann, und möchte sein auch hier erworbenes Wissen später dazu verwenden, als Erdkunde- und Biologielehrer für den Gymnasialbereich Pennälern bei der Bildung zu helfen. - Er kennt La Palma schon von früheren Aufenthalten her, ist also kein Inselgreenhorn den man an die Hand nehmen muss und erstmal die Himmelsrichtungen erklären, sondern hat bereits einiges Wissen über La Palma angesammelt. - Was nun genau ihn interessiert, das sind eben die Immigranten aus Deutschland, und für dieses Forschungsprojekt wird er sich in den kommenden drei Wochen mit vielen "Resis" unterhalten und diese befragen. - Darüber hinaus hat er einen Fragenkatalog erarbeitet, der auch ohne direktes Interview ausgefüllt werden kann, um möglichst viele Meinungen von vielen Menschen einzuholen. - Dabei wollen wir ihm doch sicherlich gerne helfen, ich zumindest habe meine Unterstützung angeboten, Menschen die sich für La Palma interessieren und dabei keine Asphaltwerke in Wohngebiete stellen wollen, Autobahnen durchs Weltbiosphärenreservat oder Golfplätze in Naturschutzgebiete, die sind uns doch willkommen, oder? - Auch wenn es hier auf La Palma, und anderswo vielleicht auch, nicht gerade nach einer deutschen Solidargemeinschaft riecht, weil wir halt alle sehr individuell unser Leben in die Hand nehmen, möchte ich Sie doch bitten, diesem jungen Mann einfach ein bisschen bei seinem Studium zu helfen. - Wie? - Ganz einfach den Fragebogen ausfüllen, völlig anonym und ohne schräge Fragen, und dann bitte bei der Autovermietung "YANES" (oberhalb des Sparmarktes) in El Paso abgeben. - Dort holt sich Moritz dann die Fragebögen ab, und kann Ihre Antworten mit in seine Arbeit einfließen lassen. - Er hat mir auch versprochen, das Ergebnis seiner Forschungen mal wissen zu lassen, das ist dann auch für uns "Resis" oder "Migris" wieder interessant. - Drei Wochen Zeit haben wir noch, es kostet nichts, tut nicht weh, und HIER können Sie sich den Fragebogen herunterladen und ausdrucken. - Schon mal vielen Dank im Voraus von Moritz Neugebauer.
Freitag 05.03.2010 08:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 15 Grad - Niederschlag 8 mm - Luftfeuchte 72 % - Luftdruck 1008 hPa
E-ELT - Die Hoffnung stirbt zuletzt
Endsiegparolen nach dem negativen Bescheid für La Palma
Man hat mir gesagt, ich solle den Champagner nicht wegschütten. - Wäre auch schade um das teure Zeug, und nächstes Mal kaufe ich Rotkäppchen und nicht Pommery. - Gestern mussten wir ja hier die klare Niederlage im Kampf um das Superteleskop "E-ELT" einstecken, nachdem die wissenschaftlich-technische Kommission der "ESO" mitgeteilt hat, als Standort klar den "Cerro de Armazones" in Nordchile zu bevorzugen. - Hier hat man das mit Trauer, aber auch mit Wut und Trotzreaktionen aufgenommen und will sich in dem Rennen um das Jahrhundertprojekt der Astrophysik noch lange nicht geschlagen geben. - Sicher, das letzte Wort ist noch nicht gesprochen, denn diese Kommission empfiehlt nur, entscheidet aber nicht, und das endgültige Sagen hat jetzt der "ESO-Council", wer immer das auch sein mag. - Stechen für La Palma kann letztendlich nur noch die "Europa-Karte" und Druck der Geld gebenden Regierungen auf die "ESO". Normalerweise folgt man den Empfehlungen dieser Kommissionen, gibt es doch innerhalb dieser Organisation kein weiteres Gremium, welches objektiv die Vor- und Nachteile bei der Standortfrage bewerten könnte. - Allerdings muss man auch hinzufügen, dass es sicher Zweifel an der Objektivität dieser Kommission geben kann, denn natürlich wollen die Wissenschaftler und die Techniker, die sich eben bislang immer nur in Chile bewegt haben und wohlmöglich dort auch angesiedelt, dass die nächste und bedeutend größere Investition sich auch wieder dorthin ergießt. - Die "ESO" (European Southern Observatory) hat, wie der Name schon sagt, bislang einzig Beobachtungsstandorte in Chile, und die Nähe und das Zusammenwirken mit den dort bereits hervorragend funktionierenden Einrichtungen kann man einfach nicht übergehen. - Eine Installation der "ESO" auf La Palma, und damit weit weg von den bislang existierenden Einrichtungen, und noch dazu auf der Nordhalbkugel, würde für die Techniker und Wissenschaftler eine völlig neue und auch unberechenbare Situation ergeben, so dass man sicherlich lieber auf die probate Lösung setzt.
So weit ist das gut, verständlich, nachvollziehbar, aber eben für uns frustrierend. - Man muss auch noch hinzufügen, so aufrecht wie man Chile dieses Projekt auch gönnt, dort erzielt diese Investition auf keinen Fall die Synergieeffekte, welche das E-ELT auf La Palma erreichen könnte. - Dort ist nichts, was man fördern könnte mit diesem Geld, zu unwirklich und zu lebensfremd ist dort die Umgebung, als dass man daraus positive Schrittmacherfunktionen für die Region knüpfen könnte. - Hier auf La Palma hingegen wäre nicht nur die astrophysikalische Tauglichkeit dieser Anlage verbürgt, wie in Chile sicher auch, aber darüber hinaus würde diese Investition dieser Insel einen enormen Schub verleihen und eben Synergieeffekte erzielen, welche positiv entscheidend für die weitere Entwicklung dieser Insel sein können. - Ob diese Überlegungen mit in das weitere Verhalten der Spenderländer einfließen, das weiß ich nicht, allerdings wird, mit Sicherheit nicht nur Spanien darauf drängen, dass solche Investitionen, die an eine Milliarde heranreichen, und wohl im Laufe der Zeit auch noch darüber stehen werden, in Europa bleiben. - Dennoch bleibe ich weiter skeptisch und kann mich nicht so richtig der hier vorherrschenden Stimmung anpassen die sagt: Wir haben eine Schlacht verloren, aber nicht den Krieg. - Helfen kann jetzt nur noch klare subjektive Einmischung der Geberländer und hoher Druck auf die "ESO", die eben dieses Projekt zwar planen, durchführen und nutzen, es aber nicht ohne den Steuerzahler finanzieren kann . - Möge der Bessere gewinnen? - Nein, so edel und gut bin ich nicht, holt diese Einrichtung nach La Palma, nicht nur, dass wir diese Investition dringend benötigen, wir können hier auf etwas damit anfangen.
Donnerstag 04.03.2010 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 16 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 53 % - Luftdruck 1010 hPa
Höchsttemperatur heute 17,3 Grad - niedrigste Temperatur 10,8 Grad
Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 18,9 - Temp. Min 9,2 - Feuchte 25 - 31 % Niederschlag 0 mm
Naturschutz als Luftnummer
Coalición Canaria will Zahl der geschützten Arten halbieren
Da fahren die in die Welt hinaus, auf Tourismusmessen, drucken teure Kataloge, drehen Filme und faseln sich fast grün vor lauter Nachhaltigkeit und Einklang mit der Natur, wenn es aber um handfeste ökonomische Interessen geht, dann zeigt die Coalición Canaria ihr wahres Gesicht, und will im Handstreich den Katalog mit den schützenswerten Arten hier auf den Kanaren gleich mal halbieren. - Im Jahr 2001 hat man den heute noch gültigen Katalog der geschützten Arten für Pflanzen und Tiere auf den Kanaren geschaffen, und will diesen nun erneuern, so wie man das gelegentlich macht. - Dabei kann man durchaus auch mal stolz sein auf das Erreichte, und nicht immer nur über das Meckern was wir noch nicht geschafft haben, denn in manchen, OK, wenigen Fällen ist es uns hier auf den Kanaren gelungen, schützenswerten Arten tatsächlich so etwas wie eine Erholung zu gönnen. - 425 Arten in vier verschiedenen Kategorien enthält unser Katalog über die zu schützenden Arten, wobei davon 131 als vom Aussterben bedroht bezeichnet werden, 64 als verletzlich und weitere 230 von besonderem Interesse. - Der neue Vorschlag der Coalción Canaria, unterstützt von der immer gerne als Steigbügelhalter zur Verfügung stehenden Partido Popular entsetzt nun nicht nur Ökos und Weltverbesserer, sondern auch noch den Großteil aller Biologen und Kenner der Tier- und Pflanzenwelt dieser Inseln. - So gibt es laut deren Vorschlag nur noch 77 Arten die vom Aussterben bedroht sind, 52 die verletzbar sind, und im Handstreich wird eine neue Kategorie geschaffen die "von besonderem Interesse kanarischen Ökosysteme" sind, und das sind noch 94 Arten. Insgesamt kennt der neue Vorschlag also nur noch 223 Arten, denen man irgendwie Aufmerksamkeit schenken sollte. - Der Trick dabei ist, dass diese neu erfundene Kategorie nur dann eine Art als schützenswert anerkennt, wenn diese sich ohnehin in einem Naturschutz oder Landschaftsschutzgebiet befindet, außerhalb dieser ohnehin geschützten Flächen zählt der Schutzgedanke dann nicht mehr. - Zählt man nun einmal "Tacheles", dann will die CC eigentlich nur noch 129 Arten schützen, und nicht mehr 425 Arten, wie mal von Biologen und Technikern erarbeitet.
Warum das so ist, diese Erklärung ist ganz einfach. - In den letzten Jahren hat sich das Umweltbewusstsein der Menschen hier auf den Kanaren sehr erhöht. - Sicher noch nicht auf ein Niveau, welches man aus den Mittel- oder Nordeuropäischen Ländern kennt, aber eben doch für unseren Ausgangspunkt sehr erfreulich. - Das bedeutet aber auch, dass viele Projekte der Bauwirtschaft oder im Tourismus nicht mehr durchgeführt werden können. - Nicht, weil früher die Gesetze nicht dagewesen wären, sondern weil eben nun rührige Menschen und Organisationen immer häufiger und drückender auch die Einhaltung dieser Gesetze einfordern. - Da kommen den Umweltgruppen natürlich solche Kataloge mit den geschützten Arten in vielen Fällen sehr recht, da das Auftreten einer dieser geschützten Arten in dem für das Bauvorhaben vorgesehenen Areal die Investition unmöglich macht, oder zumindest aufhält oder verteuert. - Bestes Beispiel hierfür sind die "Sebadales de Granadilla", Seegrasbänke dort, wo man unbedingt einen weiteren Großhafen auf Tenerife bauen wollte. - Der ist zumindest nun gestoppt worden und kann vorerst nicht weitergebaut werden, denn Brüssel hat das Geld einbehalten und wartet auf neue Umweltgutachten. - Ausgerechnet dieses Seegras nun, "Seba" genannt, Cymodocea nodosa, fliegt nach dem Vorschlag der Coalición Canaria nun aus dem Katalog, und stellt damit kein weiteres Hindernis mehr da, den nicht benötigten Hafen von Granadilla doch noch zu bauen. - Die Beispiele können weitergeführt werden, und Umweltgruppen, so wie auch die Organisation "Ben Magec, Ecologistas en acción" werden nicht müde, Presse und Bevölkerung über dieses Vorhaben der Coalición Canaria aufmerksam zu machen. - Diesen Samstag gibt es deshalb auf allen Inseln Protestkundgebungen, und hier auf La Palma natürlich auch. - Um 12:00 Uhr direkt vor dem Gebäude des Cabildo Insular.

Donnerstag 04.03.2010 13:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 16 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 51 % - Luftdruck 1013 hPa
Sondermeldung - So ein Mist
Wissenschaftliche Kommission der ESO empfiehlt Chile als Standort für das "E-ELT"
OK, die Spannung ist vorbei, die Pressemeldung auf dem Tisch, und hier kommen die Taschentücher in Benutzung und der Champagner bleibt zu. - Ich mag Champagner eh nicht, hätte ihn aber gerne getrunken. - Cerro Armazones bei Paranal sei der ideale Standort, weil er eben beste Beobachtungsmöglichkeiten mit dem Vorteil verknüpft, dass die ESO dort bereits die Teleskope "VLT" betreibt, die "Very Large Telescopes". - Auch wenn es sich dabei jetzt nur um die Ankündigung handelt, der "ESO Council" hätte vom wissenschaftlichen Rat nur die Empfehlung erhalten, und es die Presseerklärung offen lässt, ob das "E-ELT" nun auch wirklich in Chile gebaut wird, dürfen und sollten wir nun aber nicht mehr weiter unsere Hoffnungen darauf setzen, dieses wissenschaftliche Wunderwerk bei uns beheimaten zu dürfen. - Vielleicht mag noch der eine oder andere Optimist daran festhalten, dass nun der "ESO Council" sich über den Vorschlag des "E-ELT Site Selection Advisory Committee" hinwegsetzt, und doch noch diese Investition nach La Palma holt, mir hängt die Laune und Freude dort, wo andere die Kniekehlen haben. - Was hat man sich hier schon alles überlegt und gehofft, welchen enormen Schub die Aufstellung dieses Teleskops für die Insel auch entwicklungstechnisch hergeben könnte. - Hat nicht sollen sein, wir müssen eben weiter unsere kleinen Brötchen backen, und dort in "Cerro Armazones" wird gefeiert werden. - HIER nun die knappe aber unschöne Presseerklärung der ESO.
Donnerstag 04.03.2010 08:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 11 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 43 % - Luftdruck 1012 hPa
Gebt uns ein Zeichen
Wie wollen endlich wissen, wo das Superteleskop hinkommt
Die Entscheidung sollte ja eigentlich schon im letzten Herbst gefallen sein, wo denn die ESO (European Southern Observatory) ihr absolut größtes Projekt aufstellen will. - Dabei sprechen wir von dem E-ELT (European Extremly Large Telescope) - Dieses Monster soll einen Primärspiegel mit einem Durchmesser von 42 Metern erhalten, der größte bislang gebaute Spiegel besitzt einen Durchmesser von 10,4 Metern, und steht bei uns auf dem Roque de Los Muchachos und hört auf den Namen "Grantecan". - Keine Frage, dass viele Standorte dieser Welt scharf darauf waren, sich um die Aufstellung einer solch extremen technologischen Herausforderung zu bewerben. - Hat man die Nachrichten darüber einigermaßen aufmerksam verfolgt, dann sind wohl bloß noch die Atacama-Hochebene in Chile und La Palma im Rennen, und hier auf der Insel, aber auch auf den gesamten Kanaren wie auf dem spanischen Festland will man jede Anstrengung unternehmen, dass dieses Teleskop hier auf La Palma gebaut wird. - Allerdings hat die "ESO", auch wie ihr Name schon sagt, bislang alle ihre Installationen in Chile stehen, und beobachtet bislang eben nur von der Südhalbkugel aus. - La Palma wäre also Neuland für die "ESO", und auch die Entscheidung, das teuerste und aufwendigste Projekt der Astrophysik überhaupt auf der Nordhalbkugel aufzustellen ein gewisser Richtungswechsel für die Beobachtungen der "ESO". - Das alleine ist aber kein Hinderungsgrund, nicht mal ein Fingerzeig, wohin denn die Entscheider der "ESO" schließlich tendieren, denn die Aufstellung des Teleskopes auf La Palma würde doch den Wissenschaftlern der "ESO" nun auch die Beobachtung von der Nordhalbkugel aus ermöglichen, was bislang eben nicht der Fall gewesen ist.
Technisch scheint die Geschichte ein Patt zu sein, sowohl in Chile wie auch auf La Palma sind die Beobachtungsbedingungen hervorragend, so dass man sich wohl auf die Peripherie der Wünsche und Vorstellungen der "ESO" konzentrieren muss. - Wie weit im Entscheidungsgremium der "ESO" die politischen Vertreter der Mitgliedsstaaten das Sagen haben, oder das wirklich nur von der technischen und wissenschaftlichen Kante aus geschehen wird, das wissen wir natürlich nicht, aber die Geldgeber, das sind 14 europäische Länder, von denen man doch erwarten könnten, dass die einigermaßen einen europäischen Standort lieber sähen, als das Geld, wir sprechen von einer Investitionssumme von 1 Milliarde Euro, weit weg von Europa zu schicken. - Spanien, auch Mitgliedsland der "ESO", ist natürlich besonders interessiert daran dieses Projekt ins Land zu holen, hat nun auch noch die Zusage getroffen, alleine 30% der Investitionen zu schultern, falls das E-ELT nach La Palma käme. - Damit versucht man natürlich die Kommission ein bisschen unter Druck zu setzten, denn die Finanzierung dieses Projektes ist in Zeiten der Krise nicht unbedingt ein munteres Unterfangen, müssen doch die einzelnen Mitgliedsstaaten ihren Bürgern erklären, warum man denn in diesen Zeiten unheimlich viel Geld in ein anderes Land schickt, dass man dort ein Teleskop aufstellen kann. - Dienstag und Mittwoch dieser Woche trat nun die Kommission der "ESO" in München zusammen, um unter anderem auch den Standort des "E-ELT" zu besprechen. - Aber man gibt sich extrem zugeknöpft und bislang war nichts zu erfahren aus dem Kreis der Erleuchteten, in welche Richtung das Ganze denn gehen könnte. - Aber wir dürfen schon damit rechnen, in den nächsten Tagen mit einer Presseerklärung von der "ESO" zu erfahren, wo denn nun das Monsterteleskop seine Heimat finden wird. - Aber bitte bald, die Spannung hier ist kaum noch auszuhalten und die Spekulationen in den Medien erreichen inzwischen auch bald hysterische Ausmaße. - Also bitte "ESO", wir wollen es jetzt schnell wissen, Champagner und Taschentücher liegen bereit…
Mittwoch 03.03.2010 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 18 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 40 % - Luftdruck 1015 hPa
Höchsttemperatur heute 20,1 Grad - niedrigste Temperatur 12,2 Grad
Paulino ist stinkig auf Iberia
Regierungspräsident ruft zum Protest gegen Koffergebühren auf
Selten hat man unseren "Presidente del Gobierno" Paulino Rivero so auf die Pauke hauen hören. - Weder als Gelder für das Schulsystem zusammengestrichen wurden, und auch nicht als der Haushalt für das Gesundheitswesen verkleinert wurde. - Jetzt aber, nachdem die Iberia angekündigt hat, dass man nur noch einen Koffer pro Passagier in der Touristenklasse umsonst ab dem 1. März transportieren will, da spricht er von Boykott und Aufstand gegen die Iberia, denn das würde ja die Ticketpreise auf die Kanaren verteuern. - Wobei, so ganz groß ist die Veränderung ja gar nicht, denn die freien Kilo bleiben gleich, nämlich 23, nur darf man die jetzt nicht mehr auf mehrere Koffer verteilen. - Allerdings ist es auch nicht ganz leicht, 23 Kilo Wäsche in einen Koffer zu packen, da muss das Teil schon sehr groß sein, oder man reist wie meine Frau immer mit 25 Büchern. - In der Tat trifft das mit den Koffern bei der Iberia weniger Urlaubsreisende, die wohl mit einem Koffer auskommen können, als die Bewohner der Kanaren, die eben, wenn sie schon Familie oder Bekannte auf dem Festland besuchen mit großem Gepäck reisen, oder zum Beispiel die Studenten, die zu Semesterbeginn meist mit drei oder gar vier Koffern auf die Reise gehen. - OK, meist sind da von Muttern vorgekochte Mahlzeiten drin, oder die Wäsche für ein komplettes halbes Jahr, ich habe diese Kofferberge auch schon mit eigenen Augen gesehen, und die haben natürlich jetzt das Nachsehen. - Interessant ist aber, mit welcher Heftigkeit nun die Politik die Entscheidung einer souveränen Fluggesellschaft angreift, die eigentlich auch nichts anderes macht, als andere Firmen vor ihr. - Recht hat wenn er sagt, dass dieses ein Zeichen ist auch für weitere Fluggesellschaften, diesem Vorbild zu folgen, und das würde das Fliegen weiter verteuern. - Fliegen wird teurer, da hat er sicher recht, die Fluggesellschaften haben nach den jahrelangen Rabattschlachten und jetzt zuletzt sinkenden Passagierzahlen nichts mehr auf der hohen Kante, und müssen einfach irgendwie an das Geld der Passagiere. - Das kann man so machen, wie manche Billig-Airline, dass man mit versteckten Kosten arbeitet, oder fürs Pinkeln kassiert, oder generell für das Gepäck, anrüchig ist das eben nur für einen Fluggesellschaft von dem Prestige der Iberia. - Allerdings kratzt an denen halt auch der drastische Rückgang der Passagierzahlen, besonders innerhalb Spaniens, und wenn man sich fit machen will für eine Fusion, mit der ebenfalls nicht wirklich gesunden British Airways, dann entsinnen Betriebswirte irgendwelche Strategien, wie am denn an mehr Geld der Passagiere kommt, oder die Kosten noch weiter senken kann. - Dabei dürfen wir uns hier auf den Kanaren eigentlich sowieso nicht beklagen, bekommen wir doch bei Innlandsflügen von und auf die Inseln eh einen Rabatt von 50%. - Mir fallen da viel schlimmere Geschichten ein, als jene der Iberia, die nun die Fluggäste dazu zwingt, ihr Reisegepäck mal anders zu überdenken, oder einfach nur anders zu packen. - Außerdem trifft es die Politiker ja sowieso nicht, die fliegen allesamt erster Klasse, und da kann man weiterhin so viele Koffer einchecken wie man will.
Mittwoch 03.03.2010 08:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 12 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 57 % - Luftdruck 1012 hPa
Die syphilitische Schildkröte
Geld für die Reparatur der Südstraße wird jetzt freigemacht
Am 25. Dezember spülte das Unwetter im Süden der Insel beachtliche Teile der LP2 auf der Westseite weg, so dass diese Straße bis heute, und sicherlich auch noch deutlich länger, für den Verkehr gesperrt ist. - Gestern am 2. März endlich lässt der Rat für Infrastruktur der autonomen kanarischen Regierung verkünden, dass nun das Geld für die Sanierung dieser Straße vorhanden ist. - Zeitnah und schnell sind andere Dinge, aber er ist mit sich selbst zufrieden, dass er das nun geschafft hat. - "Für eine syphilitische Schildkröte mit Rheumatismus und Teer an den Pfoten ist das schnell", so einer der spitzeren Kommentare der "Vox Populi" zu diesem Thema, denn eigentlich hatten wir alle eine etwas schnellere Reaktion erwartet. - Gut, aber diese Mühlen mahlen wohl in solcher Geschwindigkeit und wir erinnern uns, wie gleich nach den Erdrutschen eine zeitnahe Reparatur versprochen wurde. - Allerdings mahnte unsere Inselpräsidentin, die resche Guadalupe Taño auch gleich vorsichtig an, dass diese Reparatur locker ein halbes Jahr dauern könne, und man vielleicht gleich so vernünftig sein sollte, den sowieso geplanten Umbau der kompletten Südumfahrung vorzuziehen. Vernünftig wäre das sicherlich, einfach schon wegen des Kostenfaktors, denn eine schnelle Reparatur, oder das geforderte "Flicken" der Straße wäre dann bei einem kompletten Neubau der Trasse natürlich zusätzlich investiertes Geld gewesen. - So muss man nun einfach einen Zwischenweg vermuten, in dem man die bald (wann genau weiß man aber noch nicht) stattfindende Reparatur gleich so anlegt, dass diese Reparatur bereits der dann neuen Straßenführung angepasst. - Es gehen immerhin 7,8 Millionen Euro in diese Reparaturmaßnahmen, das ist eine Summe, die man bitte nicht einfach nur für eine später nicht mehr taugliche Notfallmaßnahme ausgibt.
Der spätere Umbau der Straße ist mit weiteren 80 Millionen Euro veranschlagt, und alleine aus der Summe heraus kann man sich schon vorstellen, dass damit die LP2 nicht einfach nur verbreitert wird oder befestigt, sondern eben auch noch begradigt. - Manch ein Anwohner ist so nicht wirklich glücklich mit dieser großen Summe, denn Begradigung bedeutet immer auch, dass Grundstücke enteignet werden oder dann von einer Straße durchschnitten, oder das eigene Wohnhaus plötzlich direkt an der Hauptstraße steht. - Auch breiter soll die LP" werden und sogar einen Fahrradweg erhalten, was wirklich eine gute Idee ist, bietet doch die LP2 eine der raren Möglichkeiten der Insel mal ohne viele Höhenmeter den Drahtesel zu bemühen. - Auch denkt man daran, mit dem Komplettumbau der Straße noch dieses Jahr zu beginnen, was ich allerdings für sehr optimistisch halte. - Sollen wir mal lieber froh sein, wenn die LP2 in diesem Jahr wieder so gestaltet wird, dass man ohne Gefahr und Strafandrohung wieder benutzen kann. - Wir haben ja bei den späteren Regenfällen Anfang Februar erlebt wie das sein kann, wenn plötzlich auch die große Ost-West-Tangente nicht mehr befahrbar ist, wenn auch nur für ein paar Stunden. - Dann müsste der gesamte Verkehr über die kleine und schmale Straße über das Refugio El Pilar abgewickelt werden, und da haben an manchen Stellen schon zwei PKW Schwierigkeiten sich zu begegnen. - Sollen die das mal mit Bedacht und ordentlich machen, auch wenn es in Schildkrötengeschwindigkeit vorgetragen wird.
Dienstag 02.03.2010 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 16 Grad - Niederschlag 1 mm - Luftfeuchte 37 % - Luftdruck 1010 hPa
Höchsttemperatur heute 17,3 Grad - niedrigste Temperatur 12,3 Grad
Krank oder frech
Paul ist wieder viel zu gesund
Bei Männern soll das nicht anders sein, entweder liegen die jammernd und kränklich danieder, oder sie machen auf dicken Maxen. - Da kann frau es sich überlegen, ob man denn lieber einen leidenden, aber handsamen Kerl ab und zu mal einen Tee bringt und irgendetwas Aufbauendes murmelt, oder eben einen vor Übermut, Tatendrang bis hin zu heillosen Selbstüberschätzung wirbelndes Alphamännchen um sich hat. - Meine Frau ist da unentschieden, das entscheidet sie nach Tagesform, meist meiner Tagesform, nicht ihrer. - Mit Paul ist das ähnlich allerdings neigt der nicht zur Selbstüberschätzung, sondern zu brutaler Eitelkeit und Arroganz, so dass er oft schon den Beinamen Paul Lagerfeld erhalten hat. - Er hat seine Halsentzündung, die hartnäckiger war als zunächst erwartet nun auskuriert, oder aber er hat die Sonderbehandlung einfach nur so lange genossen, bis einfach auch seine Schauspielkunst nicht mehr wirkte. - Er hat sich ja auch verraten, er hat wieder sein Lieblingsspiel "Mops-bashing" aufgeführt, und wurde von uns halt dabei erwischt. - Auch hat er dabei nicht gekrächzt, wie vorher, sondern eben seinen Kastratentenor mal schnurren und mal fauchen lassen. - "Mops-bashing" geht einfach, Paul ist das "Alpha-Tier" bei unseren drei Katzen, und Mops, obwohl körperlich dem Paul längst überlegen, weil eben mopsig und groß, lässt sich geduldig und geduckt so lange von Paul in Scheinkämpfen niederringen, bis es Paul langweilig wird. - Eigentlich warten wir nur darauf, dass Mops mal die Nase voll hat und dem Hochwohlnasegeboren eines auf die selbige gibt, aber das ist bislang nicht vorgekommen. - Er müsste sich einfach nur auf Paul legen, das würde reichen.
Aber mit Paul, da legt man sich nicht an, das demonstriert er schon beim Gehen und sollte das nicht reichen, dann kommt Pauls Mörderblick und Nachbars Katzen meiden inzwischen unser Grundstück nachhaltig. - Wobei er eigentlich ein zierlicher Zeitgenosse ist, aber wohl mit dem Vorteil ausgerüstet, ein paar Jahre als Einzelkatze gottgleich mit uns zusammen verbracht zu haben. - Von dem Thron schüttelt ihn jetzt natürlich keine zugelaufene Straßenbrut herunter, und selbst wenn er von Krankheit niedergestreckt vor uns kauert, lässt er immer noch keinen Zweifel an seinem Sonderstatus. - Das erkennen die anderen Katzen wohl auch, dass dieser mephistophelische Kauz auch mit den langen Zweibeinern in diesem Familienverbund herrisch umgeht, also muss er der Chef sein. - Allerdings ist Mops auch ein derart gutmütiger Zeitgenosse, der schläft lieber oder frisst, als dass er sich mit so anstrengenden Tätigkeiten wie arrogantes Auftreten oder vornehmen Menscheln abgeben würde. - Der Paul hat Recht und ich meine Ruh könnte sein Credo sein, und wenn er dafür nur mit ein bisschen Unterwürfigkeit im Kastratencatchen bezahlen muss, dann reißt man sich doch damit kein Bein aus. - Mit Lucky, der kleinwüchsigen und nur dreibeinigen Katzendame hingegen lässt Paul sich eigentlich überhaupt nicht auf Spielereien ein. - Die putzen sich zwar gegenseitig, aber diese Schaukämpfe gibt es bei den beiden nicht. - Mag sein, dass Paul da mal schlechte Erfahrungen gemacht hat, da die kleine Ziege ihre Krallen immer nicht einziehen will, was wir übrigens häufig auch zu spüren bekommen und unsere Kinder immer wieder neue T-Shirts brauchen, weil Lucky einfach nicht mehr loslassen wollte. - Macht nichts, der Einzelhandel muss unterstützt werden, wir sprachen ja erst davon. -

Dienstag 02.03.2010 08:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 12 Grad - Niederschlag 8 mm - Luftfeuchte 56 % - Luftdruck 1009 hPa
Optimismus im Einzelhandel
Man glaubt weiter an das Gute im Kunden
Unsere Handelskammer bemüht sich schon redlich, Durchhalteparolen als gute Stimmung zu tarnen, da kann man denen nichts vorwerfen. - Glaubt man den Einzelhändlern, dann war 2009 so ziemlich das Schlimmste was ihnen passieren konnte, wobei man selbst das irgendwie überlebt haben muss, denn die Geschäfte sind ja noch immer da. - Nicht alle, aber das große Sterben im Einzelhandel, welches nicht nur Pessimisten für die Insel prophezeit hatten, ist ausgeblieben. - Das verdanken wir sicher auch der Struktur der meisten Läden hier, kleine Familienbetriebe, welche die Kosten im Griff haben und auch schon mal eine Durststrecke abwettern können. - Allerdings war das Weihnachtsgeschäft auch nicht berauschend, das hatte man aber auch nicht erwartet, und wohl auch gleich entsprechend Ware geordert, so dass die Minimalrechnung aufgegangen ist, kleinerer Umsatz = weniger Minus. - Ja, wir lernen auf der Schule nicht nur Geometrie, Physik, Algebra und Arithmetik, sondern auch noch Fataletik. - Dazu verteilt die Handelskammer Taschenrechner an die Geschäftsinhaber, welche keine negativen Zahlen ausdrücken können, sondern anstatt dessen dann immer der Schriftzug "Feierabend" aufleuchtet, was zumindest teilweise auch die raren Öffnungszeiten vieler Etablissements erklärt. - Zurück in weniger polemische Gewässer, natürlich spiegelt sich ein großer Teil der allgemeinen Wirtschaftskrise in den schlechten Zahlen der Einzelhändler wieder, aber viele Probleme sind auch hausgemacht und es geschieht wenig, um das zu ändern. - So brechen frische Ladenketten wie "Pull and Bear" und "Stradivarius" in die eher konservative Phalanx der lokalen Händler ein, und schnappen denen große Teile des Umsatzes weg. - Kein Wunder, ist der Spruch doch "Handel ist Wandel" zwar abgedroschen wie faules Weizenstroh, aber immer noch gültig.
Jetzt hat die fleißige Handelskammer die ersten Umfragen in diesem Jahr gestartet und bastelt daraus eine positive Überschrift: 70,2 % der Händler glauben, dass man dieses Jahr die Umsätze trotz der Krise beibehalten kann. - Das ist wie gesagt die Überschrift und im Kleingedruckten erscheinen dann die anderen Zahlen, 3,4 % glauben an eine Verbesserung, und 27,4 % an ein weiteres Schrumpfen der Umsätze. - Aufmerksame Leser haben es auch bereits gemerkt, auf La Palma gibt es zu viele Läden, denn insgesamt haben wir nach der Rechnung der Handelskammer 101% Geschäftsleute, (ich hätte jetzt fast gesagt, den Einen kenne ich) die Fataletik schlägt also in allen Bereichen bereits zu. - Das ist aber nur ein kleiner Lapsus der eigentlich schrullige Freude bereitet, nimmt man die Zahlen aber mal genauer unter die Lupe, dann offenbart sich Grausames dabei. - Denn die 70% der Händler, die glauben ja, dass sie die gleichen Zahlen schreiben wie im vermaledeiten Jahr 2009, und das kann nun wirklich keine positive Nachricht sein. - Da liegt aber auch vielleicht der Erfolg dieser frischen Marken und Händler von außen, während wir noch mit reinem Glauben und geschlossenen Türen wegen langer Pausenzeiten das Ende der "Krise" beim Cortado abnörgeln, überholt uns da ein rasender Zug aus der globalen Ecke des Handelswindes, und lässt uns wieder mal aussehen, wie nach drei Tagen Südwestwind. - Die Aufgabe sich am eigenen Kragen aus dem Schlamm zu ziehen ist wirklich eine gewagte Forderung, aber genau da müssen wir ansetzen, denn die Dinge werden 2010 nicht plötzlich einfacher werden, weder die Zahl der möglichen Kunden größer, noch die Kaufkraft spürbar größer. - Und weit draußen auf dem Atlantik verdichtet sich ein Gerücht zu einer Überlegung, IKEA hat wohl Interesse daran, sich auf La Palma zu installieren, ohne dass es bereits konkrete Zusagen gibt. - Wenn der Hochgeschwindigkeitszug auch noch über unseren Einzelhandel brettert, dann gibt es bald sicherlich nur noch 99% Händler auf La Palma, und nicht die Krise alleine ist dann daran Schuld, sondern auch unser Unvermögen, uns schnell auf grobe Veränderungen einzustellen.
Montag 01.03.2010 19:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 15 Grad - Niederschlag 3 mm - Luftfeuchte 64 % - Luftdruck 1007 hPa
Höchsttemperatur heute 17,7 Grad - niedrigste Temperatur 11,8 Grad
Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 15,6 - Temp. Min 4,4 - Feuchte 24 - 64 % Niederschlag 6 mm
Keiner will zu uns
Uns gehen die illegalen Immigranten aus
Gut, dass die Touristen noch kommen, sonst wären wir bald unter uns. - Vor drei Jahren noch fürchtete man hier, dass man regelrecht überrollt wird von einer gewaltigen Welle der illegalen Immigration an Westafrika. - Über 30.000 Flüchtlinge kamen da in einem Jahr zu uns, meist mit kleinen Booten die "Cayucos" oder "Pateras" genannt werden, und viele ließen bei dem Versuch das gelobte Land, eben Europa, über die Kanarischen Inseln zu erreichen sogar ihr Leben auf dem Meer. - Damals gab es schlimme Zustände in den extra dafür bereiteten Auffanglagern, schlichtweg weil die vorhandenen 1.682 Plätze permanent mehrfach belegt waren, und man mit Sondermaschinen Flüchtlinge von den Kanaren aufs Festland fliegen musste, damit hier bei Überfüllung kein Unglück geschieht. - Viele sind auch wieder repatriiert worden, nachdem es Abkommen mit Marokko, Guinea und dem Senegal gegeben hat, gegen bare Münze versteht sich, damit diese Länder die Flüchtlinge wieder aufnehmen. - In den letzten Jahren aber nahm der Strom der Flüchtlinge sukzessive ab, und in diesem Jahr sind bislang nur eine Hand voll Flüchtlinge an unseren Küsten angekommen. - OK, der Atlantik ist im Winter nicht wirklich nett befahrbar für solche kleinen Nussschalen, aber das hat die Schleuser früher auch nicht interessiert, der Weg über die Kanarischen Inseln nach Europa scheint abgewählt zu sein. - Eine Meldung in der Zeitung sagt nun aus, dass von den vorhandenen 1.682 Plätzen in den Lagern nur 48 belegt sind. - Für die paar Flüchtlinge muss das ja nun fast einsam werden da in den Lagern, wo doch nun mehr Betreuungspersonal zur Verfügung steht als Insassen. - Vorbei sind nun auch die zum Teil sehr polemisch bis populistisch geführten Wortkampagnen mancher politischer Parteien, die vor einer Überfremdung gewarnt hatten und bereits eine stille Übernahme durch dunkelhäutige Menschen hier an die Propagandawand gemalt hatten. - Es tut einfach nur gut, dass dieses dämliche Gesäusel nun vorbei ist, allerdings schämt sich keiner der damaligen Parolenbastler dafür oder entschuldigt sich sogar dafür, dass er damals solchen Mist erzählt hat. - Wir vergessen halt schnell und nachhaltig.
Guckt man aber mal nach den Gründen dafür, dass nun so wenige bis gar keine Flüchtligen mehr zu uns kommen, dann gerät das trotzdem nicht zur Freude. - Denn die Ursachen für die Massenfluchten aus den afrikanischen Ländern hat sich ja grundsätzlich nicht geändert, da wollen immer noch viele raus aus ihrem perspektivlosen Elend, allerdings sind eben Spanien und die Kanaren nicht mehr unter den Flüchtlingen und Schleusermafias als lohnendes Einfallstor bekannt. - Das liegt auch mit an den Bemühungen und dem großen Aufwand welchen die europäischen Grenzpolizei "Frontex" vor der Küste Westafrikas betrieben hat, aber ein anderer Grund ist deutlich tragender. - Die spanische Regierung hatte das anders im Sinn, als man versprach die illegale Einwanderung unter allen Umständen zu stoppen, denn es handelt sich um einen fragwürdigen Nebeneffekt unserer recht profunden Wirtschaftskrisen und der enorm angestiegenen Arbeitslosigkeit. - Es lohnt sich einfach nicht, im Moment wenigstens nicht, Spanien als Arbeits- und Lebensrefugium für illegale Einwanderer zu wählen, hier ist einfach nichts mehr zu holen, da die Arbeitslosigkeit auch bis in die untersten Schichten vorgedrungen ist, dort wo sich Menschen ohne Papiere eben einen klandestinen Alltag eingerichtet haben. - Man kann das sogar noch drastischer ausdrücken, wir sind nicht mal mehr für Flüchtlinge interessant, die in ihrer Heimat an Hunger oder Verfolgung leiden. - Das bedeutet natürlich nicht, dass es uns hier nun wirklich schlecht geht, viele Menschen haben einfach nur deutlich weniger Geld in den Händen als früher, aber die Schleusermafias reagieren auf solche Änderungen in der Wirtschaftskraft einer Region sehr fachmännisch und effizient. - In Spanien und auf den Kanaren lohnt es sich im Moment einfach nicht in Sklaverei zu investieren, das bisschen Arbeit erledigen wir wieder alleine. - Fehlt nur noch, dass sich die Börsenkurse oder die Wirtschaftsweisen zukünftig auch daran orientieren, wohin die Schleuser die Flüchtlinge verstärkt schicken, weil Wirtschaftsflüchtlinge ein trefflicher Indikator sind, wo Wohlstand, Überschwang und eben herab fallender Restreichtum ist. - Es fragt sich ja auch keiner wirklich, warum niemand nach Nordkorea, Haiti oder Mecklenburg-Vorpommern flüchtet. - Das war ein Witz, bitte nicht gleich aufregen…
Montag 01.03.2010 08:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 12 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 49 % - Luftdruck 1010 hPa
Sturmerprobte Insel
Xynthia - und wir haben wieder einmal Glück gehabt
In der Nacht von Freitag zu Samstag überrollte das Sturmtief Xynthia auch die Kanaren. - Damals wussten wir noch nicht wie es heißt, denn wir geben Haustieren Namen und Waschmaschinen, aber meist keinen Tiefdruckgebieten. - Samstagmorgen war dann schon alles wieder vorbei und wieder meckerten wir an unserer Wetteranfälligkeit herum. - Schäden in der Landwirtschaft, zwei umgestürzte Kühltrailer die am alten Flughafen abgestellt waren, einige abgerissene Werbeplakate, und ein paar entwurzelte Bäume in den Höhenlagen. - Dabei hatte Xynthia hier mit Böen von bis zu 191 Stundenkilometern gewütet, die man auf dem Roque de Los Muchachos und in einigen hohen Regionen des Nordostens gemessen hatte. - Wir sind eine Schönwetterinsel haben wir danach wieder lamentiert, das ist nichts für uns, und wir sind ja, ach so verwundbar. - Jetzt, nachdem Xynthia seinen Weg über ganz Westeuropa genommen, und dort mindestens 50 Menschenleben gefordert hat, stellt sich die Geschichte ein bisschen anders dar. - Da haben wir uns ja prächtig gehalten, und wenn man bedenkt, dass dieses das dritte Sturmtief in einem Monat gewesen ist, welches uns ungebremst aus dem Westen erwischt hat, dann sollten wir mit dem Meckern einfach mal aufhören. - Was uns wehtut ist eben nicht der Sturm, diese Insel ist halt winderprobt, was hier schmerzt und Schäden verursacht ist das Wasser. - Das haben wir ja heftig Weihnachten 2009 gesehen, als die Winter, oder vielleicht besser die Regensaison mit dem Paukenschlag eröffnet wurde, dass mehrere Erdrutsche und Murenabgänge im Süden der Insel starke Schäden angerichtet haben. - Klar, als Folge des Waldbrandes im August vergangenen Jahres, der die eh dünne Humusschicht dort ohne pflanzliche Schutzdecke gelassen hat, welche dann leichte Beute der sich schnell bildenden Wasserströme waren, die eben der Schwerkraft folgend den Weg zum Meer suchten. - Spürbarste Folge davon, die noch immer gesperrte LP2 zwischen Jedey und Fuencaliente, da diese Straße an mehreren Stellen unterspült ist und erst noch aufwendig repariert werden muss. - Ich darf hier an dieser Stelle noch mal wiederholen, diese Straße ist gefährlich und für den Verkehr gesperrt, auch wenn viele Anwohner diesen Weg trotzdem nutzen. - Wer das nachmacht, der muss sich nicht wundern wenn dann etwas passiert, oder die Polizei mit einem Strafzettel nach der nächsten Kurve auf einen wartet.
Zwei Tiefs haben wir für diese Woche noch auf dem Programm, das geht jetzt wie das Brezelbacken auf den Kanaren. - Aber ich darf Sie gleich wieder beruhigen, da ist kein Klopper der "Xynthia-Klasse" dabei, und außerdem werden wir nur gestreift von diesen "borrascas", die man Tiefdruckwirbel auf Spanisch nennt. - Ein Hochdruckgebiet heißt hier übrigens lautmalerisch "anticiclón", heftiger Name für einen ersehnten Zustand. - Heute Nacht, da wird der Wind wieder deutlich auffrischen, Sie kennen das schon, zunächst aus Südwest und noch im Verlauf der Nacht auf Nordwest drehend. 25 - 30 Knoten soll der Wind stark werden, was für Weicheier möchte man sagen, allerdings kann das auf der dann Wind abgewandten Seite dann schon wieder kräftige Böen geben, die durchaus die doppelte Geschwindigkeit erreichen können. - Am 5. März dann noch mal das gleiche Spiel. - Allerdings werden beide Tiefs in rascher Folge durchziehen und wenig Niederschlag bei uns lassen. - Ein wenig motiviertes Hoch sitzt trotzig im Südwesten der Kanaren und schiebt so die Tiefs weit genug in den Norden, damit uns die nicht mehr voll erwischen. - Allerdings sind so die Azoren und leider auch wieder Madeira dem vollen Regen ausgesetzt und im weiteren Verlauf dann auch wieder das spanische Festland. - Die Wäsche darf heute tagsüber ruhig noch hängen bleiben, und wenn alles läuft wie geplant, dann sind der Dienstag ab Mittag und der Mittwoch auch noch fein. - Keine Panik also, so langsam bekommen wir die Sache in den Griff, und wenn das träge Hoch dort im Südwesten dann doch bitte mal seine eigentliche Position einnehmen würde, nämlich über den Azoren, dann verbannen wir wieder alle Tiefs auf unseren Breiten und schicken die Ihnen gleich ungefiltert nach Mitteleuropa.

Diese Wetterdiagramme gibt es bei der Agencia Estatal de Meteorología, kuez "AEMET" genannt.
Sonntag 28.02.2010 17:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad - Niederschlag 0,5 mm - Luftfeuchte 26 % - Luftdruck 1013 hPa
Höchsttemperatur heute 20,1 Grad - niedrigste Temperatur 12,2 Grad
Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 17,8 - Temp. Min 4,3 - Feuchte 26 - 95 % Niederschlag 0 mm
Orangen für ein Cent das Kilo
Das Drama in der palmerischen Landwirtschaft
In der heutigen Sonntagsausgabe der Zeitung "El Día" erscheint ein Artikel, welcher einen drastischen Einblick in Teile des Alltags unserer Landwirtschaft widerspiegelt. - Sicher nicht gleich in alle Bereiche unserer landwirtschaftlichen Produktion zu übersetzen, aber es zeigt doch symptomatisch auf, warum wir uns hier so schwer tun die ländlichen Gebiete wieder mit mehr Feldanbau zu beleben. - Ein Landwirt rechnet in dem Artikel vor, dass er für Saftorangen, also schon die kleinen, die nicht so beliebt sind im Handel, lediglich einen Cent als Erzeugerpreis erhalten hat. - Er lieferte die Früchte, welche meist in der Gastronomie geordert werden an "Gestión del Medio Rural", eine Organisation der kanarischen Provinzregierung, welche dafür gegründet wurde, die landwirtschaftlichen Produkte weiter an den Zwischen- aber auch Einzelhandel zu vertreiben. - Das ist eine positive Einrichtung, hapert es doch bei uns sehr in den Vermarktungsstrukturen, allerdings ist das Endergebnis meist extrem unbefriedigend für den Landwirt. - Zwar schrieb man dem Landwirt pro Kilo für die Früchte zunächst 13 Cent gut, allerdings berechnet "Gestión del Medio Rural" dann Abzüge für die Verpackung, den Transport und auch eine Gebühr für die Mitgliedschaft, so dass er am Jahresende für seine gelieferten 11.000 Kilo Orangen lediglich 110 Euro ausbezahlt bekam. - Das ergibt eben zurückgerechnet diesen beschämenden einen Cent pro Kilo. - Die Gastronomie bezahlt an die 50 - 70 Cent für das Kilo Saftorangen und im Handel gehen die für 90 - 110 Cent pro Kilo über den Ladentisch. - Was wir allerdings nicht wissen ist, zu welchem Preis die Orangen nun an die Großhändler weitergegeben wurden. Dennoch, keine Frage, dass solch eine Geschichte unseren fleißigen Landwirt nicht weiter dazu ermutigen wird, seine Orangen zu ernten, die werden in der kommenden Ernte wohl an den Bäumen hängen bleiben, bis der Wind diese abschüttelt und sich dann kleine Tierchen davon ernähren.
Das ist sicherlich ein drastisches Beispiel und darf nicht pauschal auf alle Bereiche der Landwirtschaft hier angewandt werden, aber es gibt doch keine Frage, dass hier Handlungsbedarf besteht. - Die Wertschöpfungskette vom Landwirt zum Endverbraucher ist hier äußerst zerrüttet und bedarf einer dringenden Korrektur, bei der auch der Verbraucher selbst seinen Teil dazu beitragen kann. - Das Hauptproblem ist aber die Verteilung der Güter, die so ungelenk und so teuer ist, dass eben kleine Chargen, die hier auf der Insel erzeugt und vertrieben werden, kaum Chancen haben, sich gegen die massenhaft verschickten Importe vom spanischen Festland oder aus dem weiteren Ausland zu wehren. - Die Supermärkte tun sich schwer die kleinen Partien direkt anzunehmen welche unsere Landwirte wöchentlich beschaffen können, sondern ordern eben lieber verlässliche Mengen dann aus gemeinschaftlichem Einkauf für alle Läden der Ketten. - Vielfach können die einzelnen Supermärkte auch lokale Produkte gar nicht ankaufen, das ist in deren Plan gar nicht vorgesehen. - Dafür soll ja aber der gemeinsame Anlaufpunkt "Gestión del Medio Rural" sorgen, der eben die Produkte der einzelnen Landwirte ankauft, und dann als Großmenge an die Supermärkte weiterliefern kann. - Das aber funktioniert nur über den Preis, kein Disponent einer Kette kann sich erlauben, einfach nur weil die Orangen "von hier" sind, mehr Geld für Orangen auf den Tisch legen, als Vergleichsware vom Festland kostet. - Dabei fallen in der Pack- und Verteilstation dann aber wohl zu hohe Kosten an, und diese Kosten werden ganz nach unten weitergegeben, an den Erzeuger. - Es müsste gelingen, wenigstens eine Station aus der Wertschöpfungskette auszuschließen, oder noch viel mehr in Sachen Direktvermarktung unternommen werden. - Da gibt es ein paar interessante Märkte bereits, die sich dem vermehrt annehmen, und man muss auch anerkennen, dass die Endverbraucher zunehmend schon auf die Herkunft der Produkte achten. - Allerdings reicht es nicht aus, einen sonntäglichen Bauernmarkt in Los Llanos zu betreiben und die beiden Wochenendmärkte in Mazo wie in Puntagorda, es müssten überall auf der Insel diese Märkte entstehen. - Und das lockend auch für den Verbraucher, mit Parkplätzen in der Nähe, eine angenehme Atmosphäre müsste auch für diese Verkaufsstellen geschaffen werden, und nicht wie in El Paso, den kaum zu findenden Keller der Tourismusinformation dafür bereithalten. - Noch peinlicher ist es aber, wenn da zwar ein Bauernmarkt vorgesehen ist, die Möbel dafür auch schon vor Jahren gekauft wurden, in El Paso aber niemand in der Lage ist, diesen Markt mal irgendwann zu eröffnen. - Natürlich sind es solche Bauernmärkte auch nicht alleine, aber die können wohl dem Landwirt es erlauben, seinen Acker wieder zu bearbeiten, wenn er denn dafür echtes Geld bekommt. - Was er darüber hinaus dann noch produziert, weil er sicherlich die Mengen nicht alle auf dem Markt vertickt bekommt, das kann er ja dann in den Großhandel geben und noch einen kleineren Preis dafür erzielen. - Und wir, die Verbraucher, wir können den Handel auch immer wieder damit nerven, dass wir vermehrt lokale Produkte fordern, meist verweigert sich der Handel nicht lange den Wünschen seiner Kunden, das kann er sich nicht erlauben. - La Palma, diese grüne und wasserreiche Insel, mit besten klimatologischen Bedingungen für jede Art von Landwirtschaft importiert den allergrößten Teil seines Obstes und seines Gemüses, weil unsere eigenen Früchte aus Gründen der schlechten Vermarktung zu teuer werden. - Das wäre doch eine Aufgabe für die Politik, aber die lassen sich nur sehen, wenn es um die Heilige Kuh unserer Landwirtschaft geht, die Banane. - Gefährliche Ignoranz, kann man dazu nur sagen.
Sonntag 28.02.2010 10:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 13 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 54 % - Luftdruck 1013 hPa
Auch du mein Sohn Iberia?
Nur noch ein Gepäckstück bei der spanischen Primadonna
Freddy Laker hat mit dem ganzen Mist angefangen, auch noch Sir Freddy Laker. - Fliegen ist ein Discountprodukt geworden und wer einem vormacht, dass man für 29 Euro nach La Palma fliegen kann, der muss sich nicht wundern, wenn man dann einen Flug für 250 Euro als teuer empfindet. - Die automatisierte Selbstentwertung von Leistungen findet man sicher nicht nur in der Fliegerei, aber wir wollen heute nicht über Milch, Schweinefleisch und landwirtschaftliche Erzeugerpreise generell sprechen, obwohl mir auch bei dem Thema der bäuerliche Kropf zittert. - Vor 15 Jahren kostete ein Ticket, seinerzeit noch mit Germania oder der LTU nach La Palma hin und zurück an die 750 Mark. - Deutsche Mark natürlich, was etwa 375 Euro entspricht, wenn man die publikumsfreundliche Umrechnung von eins zu zwei anwendet. - In diesen 15 Jahren aber haben sich die Löhne fast verdoppelt und der Kerosinpreis vervielfacht, da fällt es schwer nachzuvollziehen, dass man immer noch für diesen Preis, oder aber auch weniger, die gleiche Dienstleistung in Anspruch nehmen kann, wie das vor 15 Jahren so war. - Kann ja sein, dass in diesen früheren Jahren sich die Fluggesellschaften mehrere goldene Nasen verdient haben, aber was damals in der Ferienfliegerei anfing, mit Rabatten und günstigen Paketpreisen, das überzieht heute die komplette Branche, in welcher kaum noch eine Fluggesellschaft nicht gezwungen ist, drastische Sparmaßnahmen einzuführen. - Man mag dabei ein paar "Scheich-Airlines" ausklammern, bei denen eh keiner in die Bücher sehen darf und will, aber ansonsten nagt die komplette Branche einen knappen Kanten vor der Pleite und ohne Fusionen, Aufkäufe, Stilllegungen, oder eben drastischen Einsparungsmaßnahmen, stutzen sich die meisten Airlines selbst auf ein Billigfliegerniveau zurück. - Es geht nicht anders sagt man dann, und dabei werden die wohl recht haben, da es dem Verbraucher wohl letztendlich wirklich egal ist, in welchen Flieger man steigt, hauptsächlich die Reise ist billig.
So muss man den zweifelhaften Erfolg der Billigflieger wohl auch verstehen und das Medium Internet hat ja inzwischen auch dafür gesorgt, dass man billig als erstrebenswert betrachtet und alle Angebote schnell und einfach eruieren kann. - Das ist der Lauf der Zeit und wir sind Teil dieses Systems, so muss man das wohl verstehen, und die Fluggesellschaften reagieren nach ihren Möglichkeiten und nach ihrem Ideenreichtum auf diese veränderte Situation. - Da schmieden die meisten Carrier eigene Billiglinien mit lustigen Phantasienamen wie "Clickair" oder gar dem spanglischen "Vueling" und selbst Dickschiffe des Business wie die Iberia, die bis 2009 immer noch gute Gewinne eingeflogen hat, knabbert nun erneut am Service und macht sich selbst nicht preiswert, sondern eben "billig". - Essen gab es auf den Kurz- und Mittelstrecken der Iberia schon seit längerem nicht mehr umsonst, aber damit kann ich persönlich mich locker abfinden, wer zwei Stunden nach Madrid fliegt, der muss nicht unbedingt etwas essen, und seien wir doch mal ehrlich, was andere Airlines auf einem 4 Stunden Flug als "Essen" servieren, das verdient diesen Namen eigentlich nicht. - Nun aber schlägt die Iberia wieder zu, und beschränkt den kostenlosen Koffertransport auf ein Gepäckstück. - Das allerdings darf 23 Kilo wiegen, aber eben pro Nase geht nur noch eines davon unentgeltlich auf die Reise. - Wer einen zweiten Koffer einchecken will, der muss gleich pauschal 60 Euro dafür berappen, oder nur 50 Mücken, wenn er das über das Internet macht. - Ja, ich habe mir auch eben gerade vorgestellt, wie man versucht einen Koffer durch das Internet in den Flieger zu bekommen, aber Sie wissen ja wie das ist in der heutigen Zeit… - Man möchte damit Geld sparen, sagt die Iberia, darauf wären wir nun gar nicht gekommen, und man kann sich schon vorstellen, dass dieser dann geringere Aufwand bei der Gepäckabfertigung wieder Einsparungen beim Personal möglich macht. - Allerdings sagen die auch, dass man damit dann Gewicht im Flieger einsparen könnte, aber das will mir nicht so richtig schlüssig werden, denn 23 Kilo verteilt auf ein, oder zwei Gepäckstücke, das ist doch genau so schwer, oder wollen die uns was mit der Geschichte von einem Kilo Blei, und zwei Pfund Federn erzählen. - Macht nichts, 23 Kilo das reicht doch allemal für die Kurz- oder Mittelstrecke, man muss es eben nur wissen, dass man nur noch einen Koffer packt, wenn man mit Iberia fliegt.
Samstag 27.02.2010 17:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 15 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 49 % - Luftdruck 1006 hPa
Höchsttemperatur heute 21,7 Grad - niedrigste Temperatur 15,2 Grad
Karneval an Ostern
Dogmenfreier Umgang mit der Fastenzeit
Eigentlich sagt man uns doch nach, strunzkatholisch zu sein, aber wir halten uns an solche Dinge wie Fastenzeit schon überhaupt nicht. - Da solidarisieren wir uns ja eher mit der trinkfreudigen Bischöfin, auch wenn die vom anderen Lager ist, für so etwas haben wir Verständnis. - Warum hier Karneval so exzessiv und lang anhaltend gefeiert wird, weit in die Fastenzeit hinein, das müsste man unsere Pfarrer fragen. - Beim Karneval haben wir vielleicht Nachholbedarf, weil diese Art eine kollektive Auszeit zu nehmen unter Franco verboten war. - Aber selbst in den Jahren hat man Karneval gefeiert, diesen allerdings nicht als solchen deklariert, und zum Beispiel in El Paso im Haus der Pfarrgemeinde Kostümbälle veranstaltet und sich dabei diebisch gefreut, dass selbst der Pfarrer so etwas Heidnisches betreibt wie Karneval, bloß um dem Stinkeregime eins auszuwischen. - Immer schon haben wir über den Aschermittwoch hinaus gefeiert, aber dieses Jahr scheint der Karneval überhaupt nicht enden zu wollen, und daran hat auch das Wetter mit Schuld. - Viele Veranstaltungen konnten wegen des schlechten Wetters ja nicht zum angezeigten Termin abgehalten, sollen aber nachgeholt werden. - Das Verbrennen des Pulpo in Los Cancajos, eine Abwandlung der Sardinenverbrennung musste nun bereits zweimal verschoben werden, ganz einfach, weil der Pulpo nicht gebrannt hätte, sondern davongeflogen wäre. - Und von fliegenden Pulpos wollen wir uns definitiv distanzieren, brennen soll er. - Auch die "Sardine" von Los Sauces, die für heute angesagt war, die findet jetzt nicht statt, einen neuen Termin gibt es noch nicht, aber wie ich uns kenne, holen wir das auch noch nach, und sei es an Ostern. - In Los Llanos perfektioniert man nun den pragmatischen Umgang mit dem Fest nun auf fast blasphemische Art und Weise. - Karneval ist auch ein Geschäft, die vielen Trink- und Futterbunden bezahlen hohe Standmieten um die Karnevalisten mit Promille und Kalorien zu befeuern, sind aber mit dem Geschäft in diesem Jahr nicht wirklich zufrieden. - Auch wieder das Wetter ist daran schuld, weil bei Regen und Wind eben bei weitem nicht die Anzahl an Narren auf der Straße ist wie bei gutem Wetter. - Nun hat man sich darüber beim Bürgermeister beklagt und kurzerhand besprochen, dass man den Karneval in Los Llanos, obwohl man die Sardine bereits verbrannt hat, noch um ein Wochenende zu verlängern. - Grund hierfür ist einfach das laute Klagen der Geschäftsleute, die unbedingt noch Gelegenheit brauchten ihre Kassen so zu füllen, damit auch für sie dieses Fest einigermaßen effektiv ausgeht. - Wenn das Schule macht, dann wiederholen wir Weihnachten im März, weil der Umsatz im Einzelhandel in der Adventszeit nicht gestimmt hat und die olympischen Winterspiele im April, weil wir mit dem Ergebnis im Biathlon nicht zufrieden sind. - Wir sind ein komisches Völkchen hier auf der Insel, strunzkatholisch, aber kommt uns bloß nicht mit so einem Quatsch wie Fastenzeit und dem Aschermittwoch, an dem alles vorbei sein soll. - Wann Schluss ist mit lustig, das lassen wir uns von keinem erzählen, so lange noch einer das Glas hochhalten kann, so lange wird weiter karnevaliert, koste es was es wolle.
Mit dem Wetter geht es eher grobkariert weiter. - Es herrscht keine Ordnung auf dem Nordatlantik, ab bissal sias, a bissal bitter, Becherovkawetter eben. - Allerdings auch ohne Sausewind und Starkregen und die meiste Zeit wird es sogar trocken und sonnig sein, mittendrin aber eben auch mal wieder ein paar Tropfen Regen, weil unser großer Wettermotor auf dem Nordatlantik, das berühmte Azorenhoch wohl bei der Gewerkschaft ist, und sich irgendwie in einem Bummelstreikzustand befindet. - Man kann aber die Wäsche ruhig heraushängen, morgen zumindest, und ansonsten immer schön die Wolken von Westen beobachten und wenn dann mal ein Schauer kommt, dann muss man halt rennen.
Samstag 27.02.2010 10:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 16 Grad - Niederschlag 4 mm - Luftfeuchte 70 % - Luftdruck 1003 hPa
Auditorio Asfaltico
Volles Haus in El Paso wegen der Asphaltwerke
Einer fehlte, und das war der Anwalt der "Plataforma", denn der wollte erst gegen Abend mit dem Flugzeug nach La Palma kommen, aber gegen 17:00 Uhr wurde die Piste bereits wieder geschlossen, da der Wind bereits heftig blies, und das erneut aus der falschen Richtung. - Genau dieser Felipe Campos wäre aber das Hauptgericht dieses Informationsabends geworden, so dass die Veranstalter sich alle Mühe geben mussten, den Abend doch noch raumfüllend zu gestalten. - Das ist aber gut gelungen, man hat einfach genügend Themen und unterhaltsames Polemikmaterial, um solch einen Abend kurzweilig zu interpretieren. - Extrem interessant finde ich dabei die unterschiedliche Gewichtung der Aussagen auf Spanisch und Deutsch, denn wie auf jedem Treffen der Plataforma wurde hier auch zweisprachig informiert. - Sichtlich um Objektivität und Effektivität bemüht, wich die deutsche Übersetzung zum Teil deutlich von den schmetternden polemischen Reden des spanischen Vorredner ab. - Das allerdings war kein Grund die Qualität des Treffens und der Übersetzung anzuzweifeln, es war ein brillantes Lehrstück über unterschiedliche Herangehensweisen an ein solch komplexes Thema wie den Kampf gegen die Institutionen. - Dazu muss man aber noch betonen, dass den deutschen Text kein Übersetzer sprach, welcher einfach nur das Gesagte in einer anderen Sprache wiederholen sollte, sondern ein Mitglied der Plataforma, welcher einfach nun mal Deutscher ist, der die Informationen ländergerecht in teutonengerechte Happen aufteilte. - Es gibt ihn wirklich den Unterschied, auch wenn solche beruflichen Multikultis wie ich das immer gerne wegwischen, in Unterhaltung, Informationsvermittlung und auch beim Witze erzählen, ist Pedro völlig anders drauf als Peter. - Vieles von dem wir da gestern Abend hören konnten, war dann aber eine Mischung aus diesen drei Varianten, wobei der Witz an sich die Tatsache ist, dass sich Bürger mit viel Geld und unendlich großem zeitlichen Aufwand dafür einsetzen müssen, dass lokale und provinzielle Institutionen sich an das Gesetz halten. - Beim Polemikpotential neige ich da ja eher zur spanischen Variante der Frustbewältigung, wobei wir aber wohl anerkennen müssen, dass die kluge und analysierende deutsche Art der Vorgehensweise wohl letztendlich die wirksamere ist. - Allerdings hilft Schimpfen und Zetern gegen Herzinfarkt und häuslichen Frust besser, so dass in diesem Fall bilaterale Protestkultur vielleicht wirklich der neue Königsweg ist.
Die Plataforma begann den Abend mit der üblichen und notwendigen Rekapitulation der Geschehnisse seit dem letzten Treffen. - Die überaus erfolgreiche Manifestation wurde da erwähnt, dann das peinliche Plenum im Rathaus von Los Llanos, in welchem die regierenden Beutel der CC und der PP den Antrag auf Rücknahme der Baulizenz abwiesen, und die fast heimlich angesetzten Treffen des Bürgermeisters mit besorgten Eltern, nachdem die Sprecher der fünf betroffenen Schulen damit gedroht hatten, die Schulen dort zu boykottieren oder gar zu schließen. - Es ist für uns nicht wirklich neu, das haben Sie auch schon alles gelesen, aber nicht jeder informiert sich halt jeden Moment in diesem Thema. - Interessante Details gab es aber auch, so spricht der Bürgermeister von Los Llanos von einer Schadensersatzforderung des Betreibers von 60 Millionen Euro, die auf die Stadt zukommen könnte, dabei hat die Anlage nur eine halbe Million Euro gekostet, und dieses Aspahltwerk ist auch nicht neu, sondern stand bislang bei Santa Cruz. - Außerdem will der frühere Bürgereister der Stadt wissen, dass solch ein Asphaltwerk als schädliche Emissionen lediglich CO2 produziert und man dagegen neben dem Werk ein paar Apfelbäumchen pflanzen will, die das wieder wettmachen würden. - Solche Argumentationsfädchen sind natürlich an Ignoranz und wohl auch Dummheit nicht zu übertreffen, wobei die Dummheit nicht im Sinn der sprachlichen Täter zu suchen ist, sondern genau von denen bei den bislang willfährigen Zuhörern vermutet wird. - Das lassen aber die Menschen nicht mehr mit sich machen, dennoch muss sich die Plataforma in ihrem Kampf gegen diese Asphaltwerke in den Wohngebieten mit diesem hirnlosen Quatsch auseinandersetzen, und eben viel Geld und viel Zeit dafür aufwenden, Schwachsinn sinnvoll zu widerlegen. - Ein Biologe war noch eingeladen, der auch das Gutachten für die Plataforma erarbeiten wird, welches der Anwalt zusammen mit einem weitern Gutachten eines Straßenbauingenieurs abgeben will, um die Klage gegen die Asphaltwerke zu unterstützen. - Der Biologe nahm sich viel Zeit seine Vorgehensweise in diesem Fall zu schildern, und man muss dem jungen Mann großen Respekt zollen, dass er für diesen Fall einen extremen Vorzugspreis für das Gutachten berechnet und sich den Abend Zeit für uns nahm. - So sind wir gleich wieder beim Thema Geld, denn obwohl die Plataforma momentan einen Überschuss von an die 5.000 Euro hat, sind weitere 12.000 Euro in den kommenden Wochen zu beschaffen. - Der Biologe nimmt "schlappe" 3.600 Euro für sei Gutachten, für das des Straßenbauingenieurs muss man allerdings mit an die 8.000 Euro rechnen. - Aber den Mann oder die Frau hat man noch nicht mal gefunden, denn hier auf den Kanaren scheint es keinen Straßenbauingenieur zu geben, der sich auf einen Streit mit den Institutionen einlassen will, in dem er ein Gutachten fertigt, welches einmal nicht zur Gefälligkeit der Obrigkeit ausfällt. - Das Problem dabei ist, diese Herren leben sonst von Aufträgen der öffentlichen Hand, und in diese Hand beißt man einfach nicht. -So macht man sich jetzt auf die Suche nach einem Straßenbauingenieur auf dem Festland, wo man den langen Arm der Coalición Canaria nicht mehr spüren kann. - Ich muss und darf Sie so wieder einmal bitten, ihre Spende an die Plataforma gegen diese beiden Asphaltwerke im Aridanetal zu geben. - Es ist wichtig, das ist wohl keinem entgangen, und auch notwendig diesen Kampf gegen eine filzige Gemeinschaft von Politik und Geschäftemachen aufzunehmen. - Auf unsere Justitz ist dabei wohl Verlass, allerdings dauert das, und es kostet viel. - Die Kontonummer der Bankverbindung der Plataforma lautet:
Asociación Plataforma en Contra de la Instalación de Plantas de Asfalto en el Valle de Aridane.
IBAN ES 43 2065 0718 1714 0097 0190
BIC/SWIFT CECA ESMM 065
Bank: Caja Canaria
Freitag 26.02.2010 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 22 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 5 % - Luftdruck 1004 hPa
Höchsttemperatur heute 24,2 Grad - niedrigste Temperatur 14,6 Grad
Politposse in Tazacorte
Ex-Parteikollegen gehen aufeinander los
Es soll Zeugen gegeben haben, aber dennoch weiß eigentlich keiner, wie die Geschichte nun wirklich abgelaufen ist, außer natürlich den beiden Protagonisten. - Nummer eins und Nummer zwei der Liste der CCN (Centro Canario Nacionalista), eine neue Gruppierung hier auf der Insel, meist aus unzufriedenen bis gekauften Mitgliedern der Partido Popular gespeist, sorgen nun seit 2 Tagen nicht nur in Tazacorte für Gesprächstoff der polemischen Art. - Die Nummer zwei verließ bereits vor einer Weile die Partei, und unterstützt nun auffällig die regierende Unión Bagañete, dem Lokalableger der Coalición Canaria. - So etwas schmerzt natürlich nun die anderen Mitglieder dieser Partei, so dass sich auch der erste Mann der Gruppierung in einer Presseerklärung hinreißen ließ, den Ex-Genossen als "tránsfuga" zu bezeichnen, was auf Deutsch Fahnenflüchtiger bedeutet. - Auf politischer Ebene bezeichnet man so Menschen, welche die Partei wechseln, und es gibt ein unausgesprochenes aber nicht mehr gut funktionierendes Gesetz, dass man mit solchen Abweichlern nicht mehr paktiert. - Meist bleiben die Wechsler aber zunächst ohne eine neue Parteibindung, als so genannte "consejales no adscritos" aber dann weiter im Amt, um eben die Bezeichnung und den damit meist vollzogenen Ausschluss aus den Korporationen zu vermeiden. - In dieser Presseerklärung nun als "tránsfuga" bezeichnet worden zu sein, das schmeckte der Ex-Nummer zwei der CCN nun überhaupt nicht, und so stellte der aufgebrachte Fahnenflüchtling nun die Nummer eins zur Rede, und das mitten auf der Straße in Tazacorte. - Ab hier gibt es zwei Versionen, und wir können natürlich nicht wissen was nun richtig ist, denn obwohl es viele Zeugen gegeben haben soll, hat sich noch kein wahrhafter Hergang herausgestellt.
Nummer eins sagt, Nummer zwei hätte ihn nach einem Wortgeplänkel am Hals gepackt und zu Boden geschleudert, wobei sich die Nummer eins verletzt hätte. - Der gute Mann hatte vor einiger Zeit mal einen Herzinfarkt, und ließ sich gleich nach dem Vorfall vom Krankenwagen abholen und wegen erhöhtem Blutdruck und Herzrhythmusstörungen behandeln. - Darüber liegt nun auch ein ärztliches Gutachten vor, was inzwischen sogar im Internet veröffentlicht wurde, so viel zu ärztlicher Schweigepflicht. - Allerdings muss man vermuten, dass der Gestoßene dieses Papier selbst in Umlauf gebracht hat und nicht etwa der Arzt, denn dieses Papier soll die Aggression bestätigen. - Der Kontrahent, hier bleiben wir mal bei der Bezeichnung "Nummer zwei" der behauptet nämlich, sein Gegenüber überhaupt nicht berührt zu haben, sondern Nummer eins hätte sich plötzlich an den Hals gefasst und hätte sich hingeworfen, und einen Angriff nur fingiert. - Er könne auch Zeugen dafür nennen, allerdings haben die sich bislang dazu wohl nicht geäußert, es bleibt weiterhin völlig im Dunkel dieses ganz lächerlichen Vorgangs. - Die Herzrhythmusstörungen und den hohen Blutdruck, die wohl tatsächlich festgestellt wurden, hätte Nummer eins nur bekommen, weil der sich so aufgeregt hätte, nachdem ihm Nummer zwei ordentlich die Meinung gesagt hätte. - Beide führen nun einen Pressekrieg mit Erklärungen und Beschuldigungen in jeder Zeitung und hin und her, und haben wohl auch ihre Vertreter in dem munter laufenden Forum der online-Zeitung "elapuron.com" platziert, wo man plötzlich alle möglichen Beschuldigungen, mögliche Zeugen und Tathergänge nachlesen kann, die sofort wieder von der Gegenseite entkräftet werden. - Der normale Bürger wendet sich hier mit Grausen und denkt sich seinen Teil, denn als politische Vertreter der Gemeinde Tazacorte wird man ein weiteres schlechtes Bild auf die Stimmung in diesem Ort. - Das hat Tazacorte eigentlich nicht verdient, und so fordern auch immer mal wieder genervte Bürger den Rücktritt aller beider Streithähne, damit endlich wieder Alltag und normale Arbeit im Rathaus von Tazacorte gemacht werden kann. - Eines Tages erfahren wir ja vielleicht auch die Wahrheit, aber das kann dauern bis die Gerichte darüber entschieden haben, und dann interessiert das wohl auch keinen Menschen mehr, denn solche Quatsch- Quer- und Kindsköpfe wie die beiden, die wird in Tazacorte eh keiner mehr wählen.
Freitag 26.02.2010 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 15 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 28 % - Luftdruck 1008 hPa
Die wollen doch nur spielen
Rainbow Family auf La Palma
Keine Panik, nicht die Kelly Family, also alles halb so wild. - Dennoch gibt es Besorgnis bei einigen Anwohnern Garafias, denn so manchem sprangen plötzlich wenig bis unbekleidete junge Menschen über den Acker, badeten sich in ihren Wassertanks und stibitzen auch mal hier und da ein Früchtlein vom Baum. - "Rainbow Gathering" ist dabei das Schlagwort, und die "Rainbow Family" sind eben die Mitglieder dieser Treffen, die so ein bisschen zwischen Woodstock, Hippie und Eso ihre Zusammenkünfte weltweit betreiben. - Ganz genau katalogisieren kann man diese luftigen Leute nicht, denn das ist keine Sekte mit festen Regeln, sondern lockere Zusammenkünfte, die zwar grundsätzlich auch mit Auflagen oder Verboten (kein Alkohol oder Drogen) belegt sind, ansonsten aber ohne hierarchische Strukturen auskommen. - Solche Verabredungen laufen über das Internet oder durch Mund zu Mund Propaganda und dann trifft man sich eben irgendwo auf der Welt, und eine kleine aber muntere Schar von Regenbogenkindern trifft sich wohl jedes Frühjahr hier auf La Palma. - Keine schlechte Wahl, auch wenn ich so etwas in den Sommer verlegen würde, aber das sind Kinder der Natur und keine solchen Weicheier wie ich, und so campiert man unter freiem Himmel in den Schluchten rund um "La Fajana de Franceses". - An die 200 Familienmitglieder sollen jetzt gerade dort ihre Zusammenkunft feiern und eigentlich hat niemand hier auf der Insel etwas gegen diese bunte Schar an Friedensvögeln, nur eben verstehen das hier nicht alle Leute und bei uns auf La Palma ist es verpönt, ohne Erlaubnis das Grundstück eines anderen zu betreten und eben auch darauf zu campieren. - Da muss noch ein bisschen nachgearbeitet werden, auch "Rainbow" Familienmitglieder können grundsätzlich fragen, ob das denn in Ordnung ist, wenn man sein Lager hier oder da aufstellen möchte, und bevor man Früchte von einem Baum nimmt, sollte man sich wohl erkundigen, ob denn dieser Baum auch einen Eigentümer hat. - Es ist eine Grundregel hier auf der Insel, dass man das Eigentum seines Nachbarn respektiert, und dazu benötigt man keine Zäune oder Hinweisschilder, und dort gibt es auch kein Gelände welches niemandem gehört, also sollte man immer nachfragen. - Es ist halt schon in den vergangenen Jahren da zu Missverständnissen gekommen, und die müssen einfach nicht sein, und wer hier fragt, nett, höflich und bittend, dem wird auch geholfen. - Und uns stinkkonservativen Schluchtlern ist es auch durchaus zu gönnen, da ein bisschen die Tür zur Welt aufzustoßen, die tun doch keinem was und wollen hier auf der Insel doch einfach nur eine gute Zeit verbringen, so wie wir das auch wollen. - Das sind doch keine Golfer, Banker oder gar Politiker, die machen dort ihre Treffen für eine gute Sache, nämlich für sich selbst, und sind im März dann wieder verschwunden und vielleicht sollte es uns sogar zur Ehre gereichen, wenn die nächstes Jahr wiederkommen, weil La Palma halt einfach ein gutes Pflaster ist.
Zum Wetter muss ich nun doch wieder ein paar Worte verlieren. - Bauknecht wird ab heute Abend ausgesetzt, das nächste Tief rückt an. - Allerdings wird uns das nur am Rande erwischen, das Gros mit dem Regen zieht deutlich nördlich an den Kanaren vorbei, hoch gedrückt von einem hoffnungsvollen Hochdruckgebiet, welches wohl mal ein Azorenhoch werden will. - Wir erwarten hier in der Nacht von Freitag auf Samstag sehr starken Wind aus Südwest, aber wenig bis keinen Niederschlag. - Der Wind wird hier auf der Westseite mit 40 Knoten angegeben, das bedeutet dann aber auch wieder für die Kammlagen der Insel und die Ostseite Böen mit Spitzen von locker an die 120 Stundenkilometer. - Aber so schnell wie dieser Tiefausläufer uns erreicht, so schnell ist der auch wieder weg, und noch am Samstag selbst soll der Wind weiter auf Nordwest drehen und deutlich abnehmen. - Beeinträchtigungen am Flughafen sind also möglich für heute Abend und morgen Vormittag. - Allerdings ist danach noch nicht wieder alles gut, es ist eher wahrscheinlich, dass wir dann bereits Montag und Dienstag die nächste kleine Abreibung erhalten, denn das hoffnungsvolle Hoch wird es wohl nicht schaffen seine angestammte Position über den Azoren einzunehmen, und uns auf diese Art und Weise die ganzen Tiefs vom Leibe zu halten. - Allerdings macht dann der nächste Tiefausläufer auch keinen wirklich virulenten Eindruck, etwas Regen und etwas Wind, bei weitem nicht so unverschämt, wie das noch vorletzte Woche der Fall war. - Bauknecht verabschiedet sich, allerdings schaltet sich die Hexenküche nicht an, es gibt keinen Grund zur Beunruhigung.

Das waren noch Zeiten, im T1 an den Baggersee, die Klampfe und den Lambrusco im Gepäck... Früher eben, als alles anders, und nur manches besser war
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