La Palma Aktuell
Frische Nachrichten von einer kleinen grünen Insel im Atlantik


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Dienstag 27.09.2016 17:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 27 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 37 % - Luftdruck 1017 hPa
Höchsttemperatur heute 27,2 Grad - niedrigste Temperatur 20,0 Grad

Gesammelte Werke
Mehr als überfahrene Hühner

Los Llanos ist stinkig mit der Firma, welche die Ausschreibung über de Betreuung der beiden Tourismusinformationsbüros der Gemeinde gewonnen hat. - So stinkig, dass man nun den Vertrag aufhebt, da es nach Meinung der Stadtverwaltung zu andauernden Vertragsverletzungen seitens der beauftragten Firma gekommen sei. - Wir erinnern uns, bislang bot der CIT-Tedote, wackerer Verband vieler Gewerbetreibenden in Sachen Tourismus diese Dienste an, allerdings unterbot eine andere Firma bei der fälligen Neuausschreibung das Angebot des CIT-Tedote deutlich, so dass der Auftrag neu vergeben wurde. - Allerdings kommt dieses billig nun teuer, da man jetzt eine neue Ausschreibung machen muss und ob die nun gefeuerte Firma mit dem Rausschmiss einverstanden ist, das müssen wir so stehen lassen. - Es ist nicht das erste Mal, dass die Gemeinde auf Missstände beim Betrieb der beiden Büros hingewiesen hatte und hauptsächlich geht es um die Nichterfüllung der Öffnungszeiten, die nicht erbrachten Sprachkenntnisse, Englisch und Deutsch bei den Mitarbeitern, und auch noch um fehlende Sauberkeit.

So heißt es zumindest aus den Reihen der Gemeinde und anderswo klingt es gerade: Das habe ich euch doch gleich gesagt, aber die öffentlichen Korporationen sind ja auch gezwungen, das günstigste Angebot bei den Ausschreibungen zu wählen. - Aber mal so ganz unter uns, das mit dem Büro der Tourismusinformation in Los Llanos, das dort unterhalb der Post, zwischen den Fahrstreifen, six feet under, das ist eher ein Vorraum einer öffentlichen Toilette, als ein einladendes Büro, in dem sich Inselgäste über die Vorzüge und Möglichkeiten der Gemeinde und der Insel informieren können. - Das mal ganz abgesehen davon, dass die ausführende Firma wohl nicht fit genug war, die gestellten Aufgaben zu erfüllen, man sollte generell mal überlegen, ob man denn die Tourismusinformation der, immerhin größten Stadt der Insel, nicht aus der Tiefe des Raums befreien möchte und mindestens auf Augenhöhe bringt.

Ein Referendum ist oft die letzte Hoffnung, nachdem die Demokratie strukturell versagt hat. - Zumindest aus der Sicht derjenigen, welche nicht ihre Interessen durchgesetzt haben. - Das Referendum überhaupt, das droht immer noch in Sachen Unabhängigkeit in Katalonien, aber auch wir hier auf der Insel nehmen dieses Wort ab und zu in den Mund. - Wobei die allermeisten eine Befragung meinen, wenn sie von Referendum oder Volksentscheid sprechen, denn rechtlich sind bindende Referenden eine höchst komplizierte Angelegenheit und Fuencaliente liegt nicht im Wallis, sondern im Süden der Insel. - Dort strebt nun die Oppositionspartei "UPF" Unión Progresista Fuencaliente ein solches Referendum an, und will die Bevölkerung der Gemeinde befragen, welche Einrichtung man sich denn wünsche, um die Thermalwasser der Heiligen Quelle nutzbringend zu erschließen. - Politisch kommt man nämlich nicht weiter, man müsste die Gerichte bemühen, um sich gegen das Projekt der Inselregierung durchzusetzen, aber das ist ein steiniger, teurer, und vor allem langwieriger Weg.

Also lieber ein Referendum oder Befragung, so ganz genau geht das aus dem Pressetext nicht einher und ich als Bürger El Pasos bin nun schon ein bisschen überrascht, warum nur die Leute aus Fuencaliente über eine natürliche Inselressource abstimmen sollen, und nicht ebenso der Rest der Einwohner der Insel. Wir in El Paso kommen doch auch nicht auf die Idee, über den Nationalpark Caldera de Taburiente einfach abzustimmen, obwohl der zu fast einhundert Prozent auf unserem Gemeindegebiet liegt. - Warum die nur in der Gemeinde abstimmen lassen wollen ist klar, man hatte vor vielen Jahren, als die UPF in Fuencaliente noch in bequemer Mehrheit regiert hat "Volksaktien" verkauft, in Sachen Zukunftsinvestitionen in der Gemeinde, und nun ist man halt interessiert daran, die Wasser der Heiligen Quelle zu nutzen. - Klar, dass die Aktieninhaber, man spricht von mehreren hundert Personen, da eher den Wunsch ihres Geldes wählen würden, als andere Vorschläge. - Sehr weltliches Hickhack um die Heilige Quelle, und bislang brachte die Fuente Santa nur zwei Berufsgruppen Arbeit, Anwälten und Reportern.

Im Oktober will man die komplette Vulkanroute wieder eröffnen, so zumindest heißt es in einer Pressemeldung, welche die Abteilungen Umwelt und Tourismus der Inselregierung gemeinsam verfasst haben. - Es hat natürlich schon Anfragen gegeben deswegen, das ist einer der meist genutzten Wanderwege der Insel und warum man den denn so lange geschlossen hält. - In der Tat sind die meisten Abschnitte, auch zwischen Refugio El Pilar und dem Süden der Insel ohne Probleme zu gehen, aber mitten drin liegen eben ein paar Bäume kreuz und quer und sowieso ist bei dem Feuer im August dieses Jahres auch die Beschilderung zum Teil verschwunden. - Mal haben sich die Hinweise einfach in Asche aufgelöst, oder wie unten auf dem Bild, eben nur durch die Umgebungstemperatur in der Nähe der Brände "heißverformt". - Wobei das mit den Hinweisschildern auf der Vulkanroute nun nicht das Wichtigste wäre, aber im unteren Teil in der Nähe Fuencaliente man schon dankbar ist für die Hinweise, die einem ein paar weitere Kilometer Weg ersparen.

Die schwierigste Aufgabe aber ist, die schwer beschädigten Bäume aus dem Weg zu schaffen oder ganz heraus zu holen. - Es sind zwar nicht so viele Bäume, welche gefällt werden müssen, aber wenn ein Baum auch nur eine Gefahr darstellt auf den Weg zu stürzen, dann muss der weg und das ist nicht so einfach in den Umgebungen, wo kein Fahrweg mehr für Fahrzeuge vorhanden ist und man die gesamte Arbeit mit Handmaschinen und eben den puren Händen verrichten muss. - Der Waldbrand gilt übrigens offiziell immer noch nicht als gelöscht, sondern der Zustand heißt kontrolliert, obwohl nunmehr seit sechs Wochen kein Feuer mehr auf der Insel ist. - So lange dort gearbeitet wird, und auch noch Wurzelstöcke unter der Erde glimmen, so lange bezeichnet man ein solches Feuer nicht als gelöscht, auch wenn der Wald dort oben in der betroffenen Zone seit Wochen schon wieder durch den dauernden Passat völlig nass ist. - In ein, zwei, maximal drei Wochen soll dann der gesamte Weg wieder offiziell eröffnet sein, und ich kann das auch nur empfehlen, es ist höchst interessant und auch beeindruckend, wie unterschiedlich die vom Feuer betroffenen Zonen sich erholen und wie schnell die Kanarische Kiefer ihr frisches Grün wieder in die Sonne streckt.






Dienstag 27.09.2016 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 55 % - Luftdruck 1017 hPa

Fulanito de tal dice hoy: Buena es la nieve, que en su tiempe viene

Gut ist der Schnee, der zu seiner Zeit kommt. - Da sind wir wieder beim richtigen Zeitpunkt. - Es scheint einen richtigen Zeitpunkt für Jeden und Alles zu geben, nur kann ich meist nicht so lange warten…





Bild von Wolfgang Hempel





Montag 26.09.2016 17:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 28 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 24 % - Luftdruck 1018 hPa
Höchsttemperatur heute 28,8 Grad - niedrigste Temperatur 20,2 Grad

31.900 Euro für Frans Familie
Na ja, ne Kathedrale, dafür wird es wohl nicht reichen, aber für eine kleine Sakristei?

Das geht wunderbar weiter und die Familie freut sich natürlich, denn so entnebeln sich viele Sorgen, wie man denn die kommenden Jahre die vielen Kosten rund um die Ausbildung der Kinder stemmen kann. - Die angesprochene Kathedrale, das ist ja auch nicht unsere Aufgabe, also die der Spender, sondern die der Kinder, und die haben ja noch ein ganzes Leben lang Zeit, da Frans angefangene Arbeit fertig zu machen. - Mal sehen, wann die auf die Idee kommen, dass sie selbst die Kathedrale sind, sagt der Spoiler, aber die sind ja schließlich nicht blöd und brauchen bestimmt mich, um ihnen zu erklären, wie das geht. - Also jeder an seine Aufgabe, wir sammeln Geld, die Kinder nehmen diese Unterstützung als Gerüst oder Geländer, und wenn dann keiner runterfällt, dann klopfen wir uns eher wissend, als anerkennend auf die Schultern.

Wie nun das Geld an die Familie kommt, das ist weiter ein viel besprochenes Feld, da drohen Steuern auf der einen Seite und wie bitte macht man so etwas überhaupt? - Den Vorwurf der Professionalität in der Hinsicht müssen wir uns also nicht ankreiden lassen, aber wer erst nachdenkt und alles abwägt, der fängt meist eh nichts an, also ist das schon in Ordnung so und wir haben bei der Familie nachgefragt, es gibt kein aktuelles Loch was zu stopfen sei, also können wir ruhig noch etwas länger abwarten, bis alles Spezialisten sich zu dem Thema geäußert haben. - Es gehen nämlich nicht nur die Mitarbeiter der Steuerbehörde mal in Urlaub, sondern die privaten Steuerberater auch, und wenn ich manchmal, natürlich immer nur vorsichtig zwischen den Zeilen kurz aufheule, ob denn neben den Fiestas und den Urlauben überhaupt mal einer zu sprechen ist, dann wissen Sie, was ich meine. - Das hat aber nichts damit zu tun, dass wir hier faul seien, es sind einfach nur wenige Leute da auf solch einer kleinen Insel, und wenn die in den Urlaub verschwinden, dann bieten sich da nicht gleich viele andere an, um deren Platz einzunehmen.

Tranquilo, wir bekommen das Geld schon ordentlich los und im Moment ist die bevorzugte Theorie, dass kein Geld physisch auf deren Konto fließt, sondern Rechnungen davon bezahlt werden. - Studiengebühren, Studienmaterial, Reisekosten (wobei inzwischen 4 Flüge jährlich das Gobierno de Canarias bezahlt) und vor allem die Mieten der Kinder. - Das wäre eine Praxis, die auch mir ganz gut gefällt, weil es eben direkt den Sinn der ganzen Spendenaktion erfüllen würde. - Spruchreif ist es noch nicht, wie gesagt, es fehlt noch der große Runde Tisch an dem alle ihre Ecken und Kanten hinzugeben können, aber dann. - Es gab noch ein paar weitere Ehrungen für Fran, auch auf Gran Canaria, aber langsam wird das ruhiger und vielleicht hat sich dann die Familie auch wieder einen Alltag verdient. - Als ob es den überhaupt wieder mal so geben könnte…

Der Prozess um die Vorkommnisse in Tigalate vor dem Brand im Jahr 2009 nimmt im Moment alle Aufmerksamkeit ein, da hat ja vergangene Woche der öffentliche Prozess gegen die drei Angeklagten stattgefunden und nun warten alle darauf, dass ein Urteil irgendeinen Fingerzeig geben könnte, wie man denn zukünftig mit dem "Problem" umzugehen gedenkt. - Wobei man die Fälle von 2009 und 2016 auch gar nicht vergleichen kann, außer natürlich der Fahrlässigkeit, allerdings muss aus diesem Jahr niemand einen Beweis antreten, da Scott sich selbst aus Auslöser der Feuers genannt hat. - Was aber auch auffällt, im Prozess gegen die drei Mitglieder des Festausschusses bei der verunglückten Fiesta bei Mazo wurde überhaupt nicht das Thema angefasst, ob denn eigentlich bei der Brandabwehr auch Fehler begangen worden sind.

Das wird ja in diesem Verfahren gegen Scott, wann immer das auch stattfinden wird, höchst interessant, und ich kann doch nur flehtehntlich an alle appellieren, es kann doch nicht sein, dass der da weiter in Haft schmoren muss, bis wir mal einen Prozess hinbekommen. - Im Fall Scott wird es wichtig sein eben heraus zu bekommen, ob es denn nicht möglich gewesen war, dieses, zunächst kleine Feuer, am kältesten Tag des Monats, mit all den vielen vorhandenen Mitteln der Brandbekämpfung so effektiv anzugreifen, dass daraus erst gar kein Großbrand entsteht. - Nur da nützen die viele Gerüchte nichts, im Gegenteil, die machen echte Ermittlungsarbeit noch schwerer und darüber hinaus würde man vielleicht auch an manchen Kronen sägen, oder zumindest wackeln müssen, um neben Scotts Schuld, eben auch noch Verantwortung Dritter bewerten zu können.

Wir sind da ganz gespannt, wie erwachsen wir bei dem Thema bereits geworden sind und ob wir überhaupt bereits so weit sind, hinter der Schuld auch noch Verantwortung sehen zu wollen. - Lernprozesse, vielleicht verhindert eben nicht nur durch die Angst, Unantastbare anzufassen, sondern auch weil es einfach unbequem scheint im rosaroten Alltag, sollte mal jemand hinter dem Schutzglas angesprochen werden, warum hast du eigentlich nichts dagegen getan. - Bis dahin, weiter sammeln und spenden, es freut mich immer wieder ungemein, wenn hier und da neue Spendenaktion in Sachen Frans Familie aufgebrochen werden, denn wie bereits gesagt, Solidarität hat kein Mindesthaltbarkeitsdatum, und noch müssen wir weiter um Spenden bitten.




So lässt es sich ruhig angehen, gemäßigte Waldbrandgefahr momentan





Montag 26.09.2016 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 51 % - Luftdruck 1017 hPa

Fulanito de tal dice hoy: Buena es la guerra para el que no va a ella

Gut ist der Krieg für den, der nicht hingeht. - Gehen wir mal davon aus, dass die Zahl der Waffenhändler unter uns im kleinen Promillebereich liegt. - Also ist der Krieg nicht mal gut für die, auch wenn sie nicht hingen, und anders herum erklärt das eine spanische Webseite damit: Das einzige Gute, was man aus dem Krieg schöpfen kann, ist nicht hinzugehen.





Bild von Richard Wurdel





Sonntag 25.09.2016 16:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 27 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 28 % - Luftdruck 1019 hPa
Höchsttemperatur heute 27,3 Grad - niedrigste Temperatur 19,2 Grad

Der Sommer will ja gar nicht mehr aufhören
und auf den Wanderwegen ist das Grüß Gott wieder dominant

Der kräftige Passat sorgt auf der Westseite für Dauergrinsen, keine Wolken können sich so bilden und die Temperaturen ziehen den Sommer noch weiter, und wenn man den langfristigen Prognosen glauben darf, auch weit in den Oktober hinein. - Dazwischen wird es mal wieder ein bisschen frischer, eben immer davon abhängig, ob die Wettergöttin draußen auf dem Nordatlantik das Hoch ein bisschen weiter nach Osten schiebt, oder eben nicht. - Uns im Tourismus kommt das natürlich recht, alles was nicht regnet ist recht in unserem Gewerbe, und wir wollen damit nicht unverschämt sein, wiederholen dabei nur die Wünsche unserer Gäste. - Wobei auch dieses Wetter, klarere Sonnenschein mit kräftigem und frischem Passat gefährlich sein kann, das ist nämlich Sonnenbrandwetter. - Gut, am Strand kennt man das natürlich, aber wer die Tage in den Bergen unterwegs ist, der merkt bei dem wunderbaren Wind gar nicht, wie weit die Kopfhaut bereits über das Stadium des scharf anbratens hinaus ist. - Man merkt es halt einfach nicht, also irgendwas auf den Deckel geschnallt, und nie werde ich eine Bejenado-Tour vergessen, eben bei solchem Wetter, als mir beim Aufstieg bereits die Birne brannte, aber echte Kerle eben immer nur einen Flaschenöffner und ein Taschenmesser bei sich haben.

Bleiben wir in den Bergen, dort hat wieder eine heimliche Übernahme stattgefunden, welche durch den Jahresrhythmus erklärbar ist. - Die Sommerferien sind vorbei, und damit sind die allermeisten Festlandsspanier auch wieder auf der Halbinsel und gehen dort ihrem Schaffen nach. - Die Gäste sind also wieder überwiegend internationaler Herkunft, und da viele von denen kaserniert in den Hotelkomplexen verzweifelt versuchen, das Bändchen am Arm leer zu trinken, trifft man diese Leute selten in den Bergen. - Bleiben viele deutschsprachige Gäste, (nicht nur, aber zählen Sie doch mal ab 1.500 Höhenmeter) welche La Palma eben nicht als weitere Kanareninsel verkauft bekommen haben, sondern gezielt auf die Grüne Insel zum Wanden gekommen sind, und die grüßen sich auch gerne gegenseitig, aber warum auch immer, dort oben in den Bergen mit Grüß Gott. - Ich glaube nun weniger, weil man dort diesem Phänomen näher ist, als unten in den Orten, es scheint sich irgendwie durchgesetzt zu haben, aus dem Bayern-Urlaub, oder Alpen generell, oben in den Bergen sagt man Grüß Gott, im Tal tschüss und selbst das ist immer noch besser als "´sgeht ab Alda?".

Nach dem Mai war der September in den traurigen Jahren des Tourismus der zweitschlechteste Monat im Jahr, und das könnte er wieder werden, allerdings auf einem deutlich höheren Niveau, als noch zum Beispiel 2014. - Dabei haben nach dem heftigen Sommer nun einige Etablissements der gastronomischen Riege endlich ihren wohl verdienten Urlaub genommen, irgendwann muss das ja auch mal sein und von der Kasse her sollte ja auch mehr drin sein, als ein Camping-Urlaub in der Fuldaschleife. - Übergangszeit auf der Insel, die Brezeldiebe sind noch nicht da, also die Überwinterer, die Familien, Pädagogen und Festlandsspanier wieder weg, jetzt kommen viele Selbstständige und kinderlose Pärchen, denen man den Sommer über keinen Urlaub gegeben hat, oder welche, die auf der Flucht vor größeren Menschenansammlungen an sich sind. - Da taugt La Palma immer hervorragend, selbst in den größten Zeiten dieses Sommers, als wir Rekorde in Sachen Tourismus gemeldet haben, ein paar Kilometer weg vom Wasser und nicht gerade an den Leuchttürmen und am "Chipi-Chipi" da verläuft sich der bei uns eh unspektakuläre Trubel komplett. - Bei uns benehmen sich sogar die Engländer, also alles im bunten Bereich auf der Insel, einen schönen Sonntag noch, und grüßen Sie diesen netten Herrn Gott von mir, hab´ schon viel von dem gehört.




El Paso und der Passat, nur der Kirchturm lugt darüber hinaus, und selbst das nicht immer





Sonntag 25.9.2016 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 19 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 46 % - Luftdruck 1019 hPa

Gastbeitrag von Rose Marie Dähncke
Oh - oh


Da war so ein Älterer, der fand sich ganz toll und wollte wohl als Intellektueller durchgehen und mit einer extraordinären Frage brillieren: "Sagen Sie mal Frau D., wie ist es denn in Ihrem Alter mit dem Sex?"

Ich fand das weniger extra sondern eher ordinär, so eine Frage bei einem Treffen von Freunden in der Öffentlichkeit zu stellen, dreist und unpassend. Nun denn, ich war zwar alt, aber nicht blöd und rappelte mich nach dem ersten Entsetzen über diese Entgleisung ganz cool zu einer möglichst damenhaften Antwort auf: "Ach, wissen Sie, bei uns Frauen gibt es da keine Probleme, das ist wie Radfahren, einmal gekonnt, kann man es immer. Anders ist es bei den Herren in meinem Alter, da hat manch einer das Rad schon irgendwo stehengelassen".

Er konnte gar nicht darüber lachen, guckte säuerlich, war ja ein Mann, ein älterer, und wer weiß, wie es um sein Rad bestellt war.





Samstag 24.09.2016 17:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 25 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 44 % - Luftdruck 1020 hPa
Höchsttemperatur heute 26,7 Grad - niedrigste Temperatur 19,5 Grad

Fortsetzungen der gestrigen Art
Die Ökos mit der Bürokratiepatsche

Schon wieder der letzte Samstag im Monat, irgendwie geht mir das alles zu schnell und ich finde die Bremse nicht. - Aber das ist doch auch ein gutes Zeichen, heißt es doch, wenn auch meist anders verfasst, nur die schlechte Zeit vergeht langsam, also ist doch alles im schnellen Bereich. - Das Trimester ist dann auch um, bedeutet wieder große Steuerabrechnung, und hier zeigt sich wieder mal die fatale Menschlichkeit, den ganzen Kram packe ich doch erst nächstes Wochenende an, wieso bürstet das dann jetzt bereits wieder an meiner Laune? - Das große Hochlicht, die ältere Tochter hat sich für Mitte kommenden Monats angesagt, die Jüngere dann für Ende Oktober, und Beide kommen irgendwie nur ihr Auto abholen, da müssen uns noch schnell ein paar Kollateralgründe einfallen, welche den Aufenthalt hier auf der Insel zumindest ein paar Tage in die Länge ziehen. - Es sind ja noch ein paar Tag hin, daran zu basteln, und welcher idiotische Elternteil hat eigentlich gesagt, dass Führerschein und kleines gebrauchtes Auto noch innerhalb des Ausbildungspaktes vorhanden sind? - Die eigenen Mauern sind immer die höchsten, oder der eigene Pfusch, welcher am meisten nervt und man sagt zwar immer, man sieht sich mindestens zweimal im Leben, allerdings stimmt das so nicht, wenn man sich selber damit meint.

Ich kann natürlich nicht einschätzen, ob die private medizinische Versorgung nun besser ist, als der öffentliche Gesundheitsdienst, aber meine gestrige Untersuchung stellt zumindest Fragen an die öffentlichen Kollegen. - Ich hatte es ja gestern angedeutet, die "Jedermannskasse" hier, die Seguridad Social schickt mich generell zum SCS, zum Servicio Canario de la Salud und die lagern gewisse Untersuchungen aus, weil hier auf der Insel nicht alle medizinischen Spezialitäten vorgehalten werden können. - Also geht es mal auf die anderen Insel, mal sogar auf Festland, und immer bezahlt von den Steuergeldern. - Seit einiger Zeit allerdings bieten auch private Dienstleister des Sektors medizinische Dienste hier auf der Inseln an, und es scheint billiger zu sein, einen Palmero in die private Röhre zur Magnetresonanztomographie "MRT" zu schicken, als zum öffentlichen Kollegen nach Tenerife. - OK, gut für mich, muss ich nur den Toyota satteln, nicht die ATR der Binter-Cowboys, und wirklich, immer wieder bemerkenswert, man kommt dort hin, wird begrüßt und die Behandlungs/Untersuchungszeit ist länger, deutlich länger, als die Wartezeit. - Wie machen die das nur, und wie schaffen die das, zu Uhrzeiten eine so teure Maschine auszulasten, zu denen im Krankenhaus längst die Ärzte hochgeklappt sind. - (Hinter vorgehaltener Klammer heißt es ja immer wieder, am Nachmittag arbeiten die Krankenhausärzte in den privaten Kliniken)

Stimmt natürlich nur ab und zu und die privaten Zentren hier, die kümmern sich natürlich nicht um die lästige Grundversorgung und schon gar nicht um Notfallmedizin, also messen wir da mit völlig unterschiedlichen Maßstäben und das wäre ungerecht. - Wobei es schon irgendwie lecker wäre, die Organisation in Sachen fachärztliche Betreuung ein bisschen angenehmer für den Patienten zu gestalten. - Der Unterschied zwischen gepolsterten Sesseln im privaten Zentrum, welchen man leider nur ein paar Minuten genießen kann, zum "Straßenkampf" auf den Gängen des Inselkrankenhauses, damit man nach Stunden des Wartens auf seinen Termin nicht noch von hypochondrischen "Notfällen" verdrängt wird, der ist einfach zu groß, um den nur mit dem Umstand zu erklären, dass man halt öffentliche Medizin sei, und nicht private, und daher jeden behandeln müsse. - Besser sind weder die Maschinen, noch das Personal, und der öffentliche Gesundheitsdienst gibt selbst zu, in vielen Bereichen funktioniert die Privatmedizin da besser, und kann sogar noch von den öffentlichen Beiträgen bezahlt werden. - Das Ergebnis erfahre ich dann in ein paar Wochen, nachdem ich zunächst im "Straßenkampf" im Krankenhaus mir einen neuen Termin ergattern muss.

Und dann war da ja noch die Aufforderung der Gruppe "Ben Magec" an die Gemeinde Garafía, ihre erteilte Baugenehmigung des Rohbaus eines der Cherenkov-Teleskope des großen geplanten "CTA" zu widerrufen, und die Bautätigkeiten sofort einzustellen. - Die Erklärung warum, die liest sich auf 24 Seiten dann wie eine Generalabrechnung gegenüber jeglicher öffentlicher Planung und wie es denn den Leuten, um IAC, Gemeinde Garafía und dem Gobierno de Canarias in Vertretung von Raumordnungskommission überhaupt in den Sinn gekommen sein mag, dort oben einen Stein zu bewegen. - Das Schlimme daran könnte sein, dass Ben Magec in den ganzen genannten Punkten Recht haben könnte, und des Konjunktivs muss ich mich bedienen, da ich die ganzen genannten Richtlinien und Paragraphen nur in tagelanger Arbeit verifizieren könnte, was ich natürlich nicht machen werde. - Das macht im Moment überhaupt niemand, sondern am Montagmorgen wieder eine Heerschar Anwälte, Techniker und Architekten der öffentlichen Verwaltung, sich mit den Vorwürfen auseinander zu setzen und manchmal kommt einem das so vor, als hätten da die Techniker und Anwälte der anmahnenden Organisationen, wie eben hier "Ben Magec", eine gar nicht mehr klammheimliche Freude daran, den Plänen und Projekten, welche meist das Kind großer Visionen und Versprechen von Politikern sind, die dann irgendwie formgerecht auf Papier gebracht werden müssen, komplett auseinander zu rupfen.

Ich fände es nicht nur schade, sondern vielleicht sogar katastrophal für die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung der Insel, falls nun durch diesen bürokratischen Schlag der Naturschützer, der weitere Ausbau der Observatorien auf dem Roque de Los Muchachos in breite Verzögerung geraten würde, oder gar gestoppt. - Alleine bereits die schiere Ahnung, auch auf La Palma könnte es Probleme geben mit der Durchsetzung von Projekten, könnte die Forschungseinrichtung in andere Destinationen treiben, und das würde uns so gar nicht stehen. - Dabei ist es gar nicht das Anliegen der Gruppe "Ben Magec", die Astrophysiker aus unseren Bergen zu vertreiben, eher zeigt man den eigenen Inselplanern auf, wie schrecklich man denn andauernd Pläne zeichnet und Richtlinien übernimmt, welche ganz oft aber gar nicht kompatibel mit Standards, oder gar Gesetzen in Sachen Raumordnung sind.

Dort oben auf dem höchsten Berg überschneiden sich gleich mehrere Schutzräume mit dem Inselplan, einem fehlenden Sondernutzungsplan der Gemeinde und dem Gebiet wissenschaftlichen Interesses und wer da noch durchblickt, der soll uns das mal auf weniger als 24 Seiten erklären. - Aber eben immer nur dann, wenn es einen Kläger gibt. - Warum also wollen die "Ökos", und ich dachte eigentlich immer, ich wäre auch ein solcher, uns unbedingt das dritte Standbein nehmen, noch bevor wir das überhaupt auch nur annähernd belasten können? - Es ist halt einfach umstritten, ob die Insel und deren Gesellschaft einen Vorteil durch die Aufstellung von weiteren Teleskopen dort oben auf dem Berg hat, und da lässt man dann ganz einfach, und wohl auch zu recht, seine bürokratischen Kenntnisse spielen, welche in diesem Fall auch Muskeln sind. - Ich sehe das zwar anders, die Observatorien dort oben sind meines Erachtens eine erstklassige wirtschaftliche Ressource für die Insel, welche richtig gesteuert ein Vielfaches zur Inselvolkswirtschaft beitragen können, und ein deutlich besseres ökologisches Maß aufweisen, als die bisherigen Standbeine, welche Tourismus und intensive Landwirtschaft heißen. - Den Text, der an die Gemeinde und alle betroffenen Institutionen gerichtet sind, den hat wieder mal die "La Palma-Times" in ihren Unterlagen ausgelegt.




Das Inselkrankenhaus auf La Palma, in dem auch die Fachärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes ihre Dienste anbieten





Samstag 24.09.2016 09:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 19 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 51 % - Luftdruck 1020 hPa

Fulanito de tal dice hoy: Buen corazón vence mala andanza

Ein gutes Herz besiegt schlechte Zufälle. - Der Brite singt dazu: Always look on the… Und wer an die endgültige Gerechtigkeit glaubt, dem können die Ecken und Kanten des Lebens sowieso nichts anhaben. - Das geht sogar ein bisschen in die Richtung: Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich.





Im Zauberwald
Bild von Wolfgang Hempel





Freitag 23.09.2016 16:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 26 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 39 % - Luftdruck 1021 hPa
Höchsttemperatur heute 26,4 Grad - niedrigste Temperatur 19,2 Grad

Kurzgeschichten
Prä-Wochenende oder Post-Woche

Der drastische Temperatursturz zu Werten hinab bis zu grausamen 17 Grad Celsius scheint vorerst gestoppt. - Ich meine damit übrigens die niedrigsten Werte des Tages, oder besser der Nacht, und in den kommenden Tagen wird es auch tagsüber wieder eher sommerlich werden, wobei wir aber die 30 Grad wohl selten überschreiten können. - Wo der Sommer spät beginnt, da endet er meist auch später und nun zahlt sich das eben aus. - Indianersommer, Altweibersommer, und wie auch immer man diese Jahreszeit noch betiteln will, der Inselgast freut sich über den verlängerten Sommer, der Landwirt blickt mit furchigen Falten gen Himmel und beschwört Regen. - Davon ist noch nichts zu sehen, wohl die ganzen kommenden zwei Wochen nicht, wobei ich damit immer den Westen meine und eventuelle Tiefdruckgebiete, welche die Karibik zu uns schicken könnte. - Im Osten, besonders eben Nordosten und in den mittleren Höhen, dort kann es immer wieder zu Niederschlägen kommen, da dort eben die feuchten Passatwolken auf die Insel prallen und dabei einen Teil ihrer kostbaren Fracht als Tribut bei uns lassen.

Immer wieder kommt der Vorwurf auf, das öffentliche Gesundheitssystem, hier bei uns der "SCS", der Servicio Canario de Salud, sei ein Auslaufmodell und die Politik längst damit beschäftigt, das gesamte Gesundheitssystem zu privatisieren. - Wie immer stimmt ein Teil der Anklage, allerdings ist der Gesamtvorwurf falsch. - Zumindest bislang. - Weiterhin ist die Seguridad Social als "Einheitskasse" Träger aller Medizin, mit kleinen Ausnahmen, aber neben dem Grundbaustein formiert sich wohl eine Mehrklassenmedizin, welche auch nicht ursprünglicher Sinn eines solidarischen Systems sein kann. - Wer mehr fordert als die medizinische Grundversorgung, der bezahlt Zusatzkassen, oder leistet sich einfach einen privaten Arzt, wenn der Patient nicht warten will, oder kein Vertrauen zum Kassenkollegen hat. - Darüber haben sich viele Dienstleister formiert, private medizinische Zentren, die eben medizinische Kunst auch anbieten und wohl eben das Kunststück gaukeln, ob vor oder nach, das wissen wir noch nicht, es besser zu können als der Wasserkopf öffentliche Gesundheitsversorgung. - Heute schickt man mich zu einer Untersuchung in ein solches privates Zentrum, bezahlt vom öffentlichen Träger, weil es billiger ist, diese Rechnung zu bezahlen, als mich nach Tenerife zu schicken und dort eine öffentliches Krankenhaus die Untersuchung machen zu lassen. - Hört sich nach einer Win-win-win-Situation an, mal vorausgesetzt, die finden das gut, was die da finden, aber natürlich finanziert so auch der staatliche Träger bereits private Einrichtungen und sorgt so dafür, dass diese expandieren können.

Der "Böllerprozess" geht heute zu Ende und die Staatsanwaltschaft bleibt bei ihrer Forderung, sieben Jahre Gefängnisstrafe und Entschädigungszahlungen in zweistelliger Millionenhöhe, da erwiesen sei, dass die Böller das Großfeuer im Jahr 2009 ausgelöst haben. - Und eben einer der Böller, welche die Organisation der Fiesta zu Ehren des Santo Domingo de Guzmán in Tigalate besorgt hatte. - Einer davon soll schadhaft gewesen sein, der Treibsatz wohl die Rakete abgeschossen haben, aber der Knallkörper nicht explodiert sein, sondern dann nach der Landung des Feuerwerkskörpers auf dem Boden verbrannt sein und somit das Feuer ausgelöst haben. - Mein Wissen über Knallkörper beschränkt sich auf "Schweizer Kracher" und Bayrische Politiker der beSCHEUERt-Klasse, aber so wird das eben von den vielen Hofgerichtsberichterstattern kolportiert. - Man liest sieben Artikel und schreibt einen Achten, man müsste dabei halt nur aufpassen, ob es vielleicht an der Quelle überhaupt nur einen Schreiberling gegeben hat, und sich bereits daraus sieben Versionen, gespickt mit Visionen und Editorenauftrag ergeben haben. - Ich glaube nicht, dass ein Gericht daraus eine Gefängnisstrafe für ein Festkomitee knüpfen kann und wird, aber wie heißt das immer so schön, vor Gericht und vor Gott ist das so wie in der Ehe, man weiß nie so genau was man bekommt, und wie lange der Pritt hält.

Eine der effektivsten Umweltschutzorganisationen hier heißt "Ben Magec-Ecologistas en Acción de Canarias" und haben sich mit anderen Trägern aufgemacht, das erweiterte Tourismusgesetz (Ley 6/2002) zu attackieren. - Da steckt Sinn hinter, auch wenn es notwendig scheint, für einen, allerdings sehr gemäßigten Ausbau des Hoteltourismus rechtssichere Grundlagen schaffen zu müssen, geht diese Gesetzesänderung wohl deutlich über ein nachhaltiges Ziel hinaus. - Also muss es hinterfragt werden, wie weit dabei nicht nur die Wünsche der Gewerbetreibenden berücksichtigt werden, sondern eben auch die Notwendigkeiten und Möglichkeiten einer so fragilen kleinen Insel, wie die unsere nun mal ist, beachtet werden. - Sicher ist nicht alles abzulehnen, was man da, leider wieder hinter ziemlich verschlossenen Türen verhandelt hat, also müssen solche Verbände wie eben "Ben Magec" das einfordern, was eigentlich Selbstverständlichkeit sein sollte, nämlich Transparenz und Bürgerbeteiligung. - Darüber wird dann irgendwann wohl eine juristische Instanz entscheiden und daran werden wir uns dann halten müssen. - Mehr zu der Änderung zweier Artikel im Gesetz 6/2002 kann man auch auf deren Webseite lesen.

Jetzt fordert "Ben Magec" allerdings auch noch den Baustopp des ersten der über 20 Cherenkov-Teleskope, welche im Rahmen des "CTA"(Cherenkov Telescope Array) auf dem Gelände des Kanarischen Astrophysikalischen Institutes auf dem höchsten Berg unserer Insel aufgestellt werden soll. - So zumindest hört man das aus der Gemeinde Garafía, denn in der Webseite von "Ben Magec" steht dazu noch nichts, und hier müssten wir nun zunächst mal wissen, was denn diese Umweltorganisation denn überhaupt gegen die Aufstellung dieser Teleskope auf dem Roque de Los Muchachos hat. - Zunächst werden, laut Gemeinde, nur die Lizenzen für die Bauphase des Rohbaus abgefordert, und das ist ein komplett legaler Vorgang, diese Organisation hat wohl das Recht das zu überprüfen, so wie jeder andere Verein oder Verband mit besonderem Interesse das auch darf. - Wir erinnern uns, es hatte im Vorfeld der Aufstellung dieser Teleskope, aber eben auch im Zusammenhang mit weiteren Projekten dort oben auf dem Berg, Diskussionen mit der Gemeinde Garafía gegeben, über die Kosten, welche man denn von den Betreibern und dem IAC einfordern will. - Ob das gesteigerte Interesse und eben auch die heftige Forderung der Einstellung der Bauarbeiten damit zu tun haben können, das wissen wir nicht.

Es ist aber nicht das erste Mal, dass sich Umweltverbände gegen die massive Aufstellung von Teleskopen dort oben auf dem Gipfel der Insel wenden, allerdings fehlt dabei stets eine stringent nachzuvollziehende Erklärung, warum denn dadurch Schaden für die Insel und die Umwelt entstehen könnte. - Die Angelegenheit mit dem Abwässern der Mitarbeiter und des kommenden Besucherzentrums sind doch wohl geklärt. - Man muss also mal abwarten, wie robust sich "Ben Magec" dort oben in den Bau der Teleskope einmischen möchte und kann, und ob das möglichierweise sogar Einfluss darauf nehmen wird, La Palma als Standort für weitere astrophysikalische Einrichtungen in ein etwas schattigeres Licht rücken zu können. - Das wäre kontraproduktiv, von allen möglichen Einkommensquellen für die Inselvolkswirtschaft stellt die Ausrichtung zur Hochtechnologie die geringste mögliche Umweltbelastung dar, wenn ich das mal bäuerlichen Sanftmuts schaukelnd mit Bananen und Betten vergleichen darf. - Auch uns "Ökos" sollte der Zusammenhang von Ökologie und Ökonomie allein vom Klang her bereits Antrieb geben, doch über zu nah liegende Horizonte hinaus zu blicken und nicht gleich alles zu verdammen, was Zement und Stahl enthalten kann. - Manchmal hält es auch nur gute Ideen, oder eine Zukunft zusammen.



Die beiden, bislang auf La Palma aufestellten Cherenkov-Teleskope, MAGIC 1+2





Freitag 23.09.2016 08:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 19 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 49 % - Luftdruck 1020 hPa

Fulanito de tal dice hoy: Buen cazador, mal labrador

Guter Jäger, schlechter Landwirt. - Jäger und/oder Sammler, in der Tat findet man schon deutliche Unterschiede bei den Anforderungen. - Man kann sicher bessere, und vor allem modernere Beispiele dafür finden, dass Menschen unterschiedliche Begabungen und Fähigkeiten haben, welche zum Teil sogar prägend sind.





Von der Vulkantour Blick auf die Caldera de Taburiente
Bild von Richard Wurdel





Donnertag 22.09.2016 17:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 26 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 38 % - Luftdruck 1021 hPa
Höchsttemperatur heute 26,3 Grad - niedrigste Temperatur 18,2 Grad

Heilige Quelle die Hunderteinundsiebzigste
Eine Gemeinde schüttet sich mit dem Thermalbad aus

Um Nichts muss man sich nicht streiten, weise Eltern verprassen natürlich die ganzen angesparten Groschen und Grundstücke, damit die Brut sich beim Streit um das Erbe nicht die Fingernägel ruiniert. - Ganz so weit ist man in Fuencaliente noch nicht, aber vielleicht denkt sich inzwischen auch mancher in der Gemeinde, vielleicht hätte man nicht so tief bohren sollen. - Dort hat man, vor nun über 10 Jahren, eine der größten touristischen Attraktionen der Insel, man muss sagen, wieder entdeckt. - Eine Thermalquelle sprudelte dort bereits bis ins Jahr 1677, als eben die Lava des San Antonio die Fuente Santa für mehr als dreihundert Jahre unter schwarzen Felsen versteckte. - Warum mehr als 10 Jahre ins Land gehen müssen, und vielleicht noch ein weiteres Lustrum, wenn nicht gar Jahrzehnt, bevor wir irgendwelchen Nutzen aus der Quelle ziehen, das liegt nicht nur an den robust vorhandenen bürokratischen Schwierigkeiten der Zone. - Dort, wo man die Quelle wieder auf Bergmannsart entdeckt hat, dort ist Küstenschutzzone, und darüber hinaus auch noch das Naturdenkmal "Vulkane des Teneguía", also ist die touristische und sowieso gewerbliche Nutzung dieser Ressource ohnehin schwierig. - Gut, man versucht inzwischen die Nutzungsbedingungen der Naturdenkmals zu ändern, und hätte auch bereits in bauliches Projekt zur Verfügung, welches sogar den Auflagen des Küstenschutzes wegen seiner Rückbaufähigkeit genügen würden, aber Heilige Wasser locken nicht nur zu lindernde Wunden, sondern wecken auch jede Menge äußerst weltlicher Interessen.

Zunächst kämpfte die Gemeinde gegen die scheinbar allmächtigen Interessen des Cabildo Insular, seit der letzten Kommunalwahl allerdings gibt es auch in der Gemeinde selbst noch deutlich unterschiedliche Interessen, wie man denn, und auch besonders wer denn an die Quelle rücken darf. - Wir würden nicht nur die Geduld der Leser, sondern auch die Zeit des Autors überfordern, nun die ganze Vorgeschichte in und um Interessengemeinschaften aus der "Nolasco-Ära" in Fuencaliente zu schildern, nur so weit, es gibt diese Interessengruppe immer noch und die haben sogar gute Ideen, so sind doch Bürgeraktien und Beteiligungen doch ein eigentlich ein Ding aus meiner politischen Richtungsecke. - Natürlich kenne ich auch nicht die "ganze Geschichte", die kennt wohl wirklich niemand, und wie die Angelegenheit weitergeht, das wissen wir auch nicht. - Dort hat man auf jeden Fall auch Teile der Bevölkerung als Teilhaber einer Investitionsgruppe gefunden, und die sind natürlich auch daran interessiert, sich irgendwie an der Heiligen Quelle zu beteiligen.

Allerdings bleibt es ein privater Investor, auch wenn durch kleine und lokale Beteiligungen natürlich Bürgernähe entsteht, letztendlich würde es dann doch wieder bedeuten, dass privates Kapital öffentliches Gut finanziert, verwaltet, und als Wunschergebnis, natürlich Erträge generiert. - Das wird kompliziert bis unerklärbar, wo da privates und öffentliches Interesse Schnittstellen haben und auf der Insel sind wir ja bereits leidgeprüft, was private Ausbeutung eines öffentlichen Gutes wie Wasser bedeuten kann. - Als Möglichkeit, auch politisch wieder in Erscheinung zu treten, weil man als Fürsprecher die UPF (Unión Progresista de Fuencaliente) nicht mehr an die Spitze der Gemeinde bekommen hatte, bediente man sich nach den Wahlen im vergangenen Jahr der Sozialisten und der einen Stimme der Bürgerbewegung Si se Puede, und brachte gegen die meistgewählte Coalición Canaria den Sozialisten Luis Torres an die Macht, der eigentlich nur 150 Stimmen auf seine Person vereinigen konnte.

Demokratisch ist das aber völlig in Ordnung, fünf Stimmen sind mehr als deren vier, auch wenn die fünf aus gleich drei Parteien stammen, aber nun begann eben der Streit zwischen "alten" Interessen der UPF, in diesem Fall steigbügelhaltend für die PSC/PSOE, und Si se Pude nickt Schlimmeres befürchtend einfach mal, und dem strikten Wunsch der Coalición Canaria mit Gregorio Alonso an der Spitze. - Der verteidigte bislang immer mit äußerstem Willen die Interessen der Gemeinde gegen inselweite Vorstellungen in Sachen Erschließung der Heiligen Quelle, welche eben das Cabildo Insular anmeldet. - Mit wie viel Recht, das muss jemand aus El Paso natürlich unkommentiert lassen, wenig humorvolle Anrufe aus Fuencaliente sind mir allerdings bereits gut bekannt, und natürlich habe ich nie einen Hehl daraus gemacht, dass ich die Verwaltung einer solch enormen natürlichen Ressource der Insel nicht gut vertreten in der Hand der fast kleinsten Gemeinde der Insel sehe.

Inzwischen ist halt der einfache Streit, Gemeinde gegen Inselregierung, nicht mehr ausreichend, es ist ein Téte-a-trois geworden und die Inselregierung schien sich bislang dabei genussvoll zurückhalten zu können. - Jetzt aber eröffnet sich ein neues Bild, der Bürgermeister steht nun, wie plötzlich und unvermittelt auch immer, zu dem Projekt, welches die Inselregierung über eine, sogar internationale Ausschreibung hat vorschlagen lassen. - Anzunehmen ist natürlich, dass das "Imperium", hier in Form der PSC/PSOE im Cabildo Insular, ihrem südlichen Parteigänger mal freundschaftliche Hinweise über Parteidisziplin gegeben haben. - Nun ist der Pakt in Fuencaliente deutlich gefährdet, und damit der Kampf um die Alpharolle an der Quelle wieder offen. - Das hilft allerdings den Plänen der Inselregierung nicht grundsätzlich, sondern könnte die Lage insgesamt verschärfen, da nun die Interessengruppe um die UPF den politischen Einfluss zugunsten der Coalición Canaria verlieren könnte. - Dann bliebe denen nur der Weg über die Gerichte, und es geht ja nicht um einen Apfel und ein Ei, auch wenn es ein "Iwater" sein könnte, sondern um Einfluss, Geld und sicher auch Prestige, wer denn mit Heiligem Wasser sein hehres Tun beträufeln wird. - Ich fürchte mal, BER geht noch vor uns Fliegen, und wir gerade wieder mal baden…




Bislang: Unscheinbar, versteckt, hinter einer schweren Tür verrammelt, mal sehen, wer und wie sich die Wasser der Heiligen Quelle mal aufs sündige Mal träufeln darf





Donnerstag 22.9.2016 08:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 18 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 58 % - Luftdruck 1020 hPa

Gastbeitrag von La Palma WeinClub
WeinEvent am 8. Oktober bei Aceró / Brito im Barranco de las Angustias







Mittwoch 21.09.2016 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 22 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 51 % - Luftdruck 1018 hPa
Höchsttemperatur heute 23,8 Grad - niedrigste Temperatur 17,6 Grad

Alltagsthemen am Mittwoch
Der Böllerprozess geht in die nächste Runde

Siebzehn Grad. - Absolute Frechheit, wo kann man sich hier beschweren? - Ruf doch mal beim Siebold an, der macht doch das Wetter! - Gut, jucken würde mich das schon, ein paar Tage lang da mal die Knöpfe drücken… Abe wie macht man es denn richtig? - Partielle Regenschauer auf die Kartoffelacker der Insel, Sonnenschein über den Stränden und Wanderwegen und Gewitter über der gegnerischen Hälfte beim Fußball? - Es läuft in Wahrheit prächtig, den Rest des Monats wird es auch kaum noch kälter werden und tagsüber finden wir doch wunderbare Temperaturen vor. - Und weiter kein Regen in Sicht, also wird vielleicht mein Nachbar übernehmen, das mit dem Wetter, und der ist einer von alten Sorte. Einer von denen, die immer wieder davon sprechen, dass früher, als alles anders, natürlich alles besser war, und es damals alle vierzehn Tage lang drei Wochen am Stück geregnet hat im Winter. - Sollten Sie hier irgendwelche Logikprobleme bekommen, weil plötzlich nach dem Monat noch so viele Wochen übrig sind, sprechen Sie mit meinem Nachbarn, der hat Erklärungen für alles. - Ansonsten ändert sich das Wetter, oder es bleibt wie es ist.

Ähnlich aufschlussreich erfahren wir, fast hautnah, wie die Zeugenaussagen bislang wohl nicht wirklich Dinge verschlussreif machen können. - Der Böllerprozess wird zwar nicht im TV gezeigt, auch nicht in einem Livestream, allerdings bemüht sich inzwischen die komplette Presse, ob nun papierplattgepresst oder online darum, uns genauestens zu informieren. - Das ist neu für uns, selten nur gab es eine solch große mediale Beteiligung und fast kommt der Verdacht auf, dass hier sogar ein Überangebot an Berichterstattung entstanden ist. - Kommt natürlich auch daher, dass Presse heute mehr ist als das Papier, welches gestern Abend bedruckt wurde, und dann kommt natürlich auch noch hinzu, dass es erst sechs Wochen her ist, dass die Flammen dieses Jahr erloschen sind, und wir das Ergebnis des Feuers immer noch vor uns sehen.

Alles dreht sich darum, ob man nun den Abschuss der Böller irgendjemandem genau zuordnen kann und hier scheinen die Aussagen der beiden Zeugen, welche vor sieben Jahren eben die Böller haben fallen sehen, keine endgültige Hilfe zu sein. - Nach sieben Jahren irgendwie nicht erstaunlich, überlegen Sie doch mal, was sie an einem bestimmten Tag vor sieben Jahren gemacht haben, und auch wenn man das damals alles schriftlich festgehalten hat, sind sie sich immer noch sicher? - Wir sind ja nicht in England, also laufen keine Wetten darüber, ob man denn die Angeklagten auch verurteilen wird, aber wer die Berichterstattung über, mindestens sieben Kanäle, Presse und Radio verfolgt, der sieht gerade die Quoten für eine Verurteilung steigen, was natürlich bedeuten soll, dass eine Verurteilung unwahrscheinlicher wird. - Das bleibt weiter spannend, und mal sehen, ob ein solch transparenter Verlauf, um nicht zu sagen, öffentliche Zurschaustellung, ein zukünftiges Modell für gesellschaftlichen Umgang mit solchen Vorkommnissen sein kann und sollte. - Bislang wurde so etwas hinter stark verschlossenen Türen, wenn überhaupt verhandelt und für die Angeklagten darf man hoffen, dass hier nicht der Versuch gemacht wird, Exempel, außer für Transparenz zu statuieren.

Auch sagt der Verkäufer der Feuerwerkskörper aus, und der ist der Meinung, dass diese Dinger sowieso nicht so weit fliegen können wie dort vermutet. - Nicht mal einhundert Meter könnte solch ein Ding schaffen und überhaupt, wenn die wieder runterkommen, dann sind die harmlos, daraus könnte kein Feuer entstehen. - Es ist das Ding des Verkäufers diese Meinung zu haben, aber alle Pilger auf der Insel haben bereits erlebt, dass solche Böller durchaus Feuer entzünden können, ich selbst war auch schon mehrfach dabei. - Allerdings sind ja bei den Umzügen, auf denen diese Böller meist abgeschossen werden, immer viele Leute anwesend und die kümmern sich meistens sofort um eventuelle Brandnester, die da um abgestürzte Böller, oder deren glühende Reste entstanden sind. - Auch dürfen wir nicht vergessen, dass bei den extrem hohen Windgeschwindigkeiten, welche an dem Abend herrschten, der Flug solcher Feuerwerkskörper natürlich viel weiter gehen kann, als bei Windstille. - Man sollte vielleicht besser nicht den Hersteller, oder den Verkäufer eines Produktes fragen, ob es gefährlich sein kann. - Aber auch hier gilt wieder, sicher weiß man es wohl gar nicht, die Lokalpolizei vertritt ja auch die These, dass das Feuer gar nicht von Böllern stammt, sondern eher von einem stadtbekannten Rumtreiber, also wird man uns weiterhin täglich diverse neue Geschichten vorlegen. - Für uns ist das neu, sicher auch interessant, für die drei Angeklagten die pure Qual und ich könnte mir gut vorstellen, wie immer auch der Prozess ausgehen mag, diese drei werden sicher sich nie wieder freiwillig melden, wenn es darum geht, die Verantwortung für die Organisation eines Gemeindefestes zu übernehmen.



Mittwoch 21.9.2016 08:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 46 % - Luftdruck 1019 hPa

Gastbeitrag von Antje Gieser
Liebe und Lieblosigkeit


Der Sommer ist dabei sich zu verabschieden. Die Abende werden länger und - es erklingt wieder Musik in der Alten Saline am Cancajos. Im Rahmen des "Ciclo Eustaquio Sicilia" findet am Freitag, 23. September, 20 Uhr, ein Konzert statt mit dem Titel "Liebe und Lieblosigkeit". Die ausführenden Künstler sind Rosina Herrera, Sopran, Goretty Peña, Spinett, Yurena Darias, Bratsche und Javier Ramos, Basslaute.

Verantwortlicher Organisator ist wie immer Seca Herrera. Die Konzertreihe wird unterstützt vom Amt für Kultur und Tourismus, Breña Alta und vom Hotel Valle Aridane.

Eintrittskarten zu 10 €, Studenten 5 €, gibt es an der Abendkasse.

Bei Bedarf findet um 21.30 Uhr eine weitere Aufführung statt.





Dienstag 20.09.2016 17:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 22 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 38 % - Luftdruck 1017 hPa
Höchsttemperatur heute 23,8 Grad - niedrigste Temperatur 18,0 Grad

Sieben Jahre und kein bisschen weiter
Herbstwetter und riesiges Medieninteresse am "Böllerprozess"

Jede Woche ein Grad weniger und wir schütteln uns morgens ziemlich genau bei 18,2 Grad. - Da fängt es an, kalt zu werden, zumindest für uns temperaturempfindliche Subtröpler. (So ein scheußliches Wort, welches mir da aus der Tastatur gequollen ist…) - Ich weiß auch, die Finnen reißen sich bei 18,2 Grad die Kleider vom Leib und wir rufen fast den Ausnahmezustand aus, nennen wir den mal Herbst. - Seit Anfang Juli das erste Mal, dass wir morgens gegen 09:00 Uhr die 19 Grad noch nicht erreicht haben, wo soll das noch hinführen. - In den Herbst, und dann in den Winter und im Moment sinken die Temperaturen ein bisschen zu schnell für unsere Gewohnheiten. - Ansonsten herrscht weiter die, immer wieder erstaunliche Stabilität unseres Azorenhochs, welche uns bereits seit dem Frühjahr nicht mehr loslässt und uns jetzt bereits fürchten lässt, dass auch dieser Winter wieder sehr trocken werden könnte. - Tanzt das Azorenhoch seinen Namen, wie manche vielleicht sagen würden, dann können uns keine Tiefs aus dem Westen erreichen, weil das Hoch alle Tiefs so weit nach Norden schiebt, dass nach der Atlantiküberquerung dieser Zellen immer die Britischen Inseln und Mitteleuropa das Ziel sind und die Kanarischen Inseln keine Niederschläge aus Tiefdruckgebieten, und daher aus dem Westen erfahren können.

Dagegen sprechen Bauernregeln und Hoffnungen, für viele natürlich wichtiger als Wetterdiagramme, nach einem heißen Sommer folgt meist ein regenreicher Winter. In ein paar Tagen feiert man ja den Jahrestag das San Miguel Arcángel, also des Schutzpatrons der Insel, und da treffen sich ja alle Inselgrößen in Tazacorte und handeln mit dem Erzengel die Zukunft der Insel aus. - Erwachsene Männer und Frauen erbitten von einem Engel wirtschaftlichen Aufschwung und Prosperität, das war wirklich so, allerdings hat der Sozialist Anselmo Pestana, der ja nun seit ein paar Jahren die Bettlerrolle übernommen hat, das verbal schon ein bisschen verweltlicht. - Aber man spekuliert bereits, ob denn unser Inselpräsident Ende September bei der öffentlichen Audienz mittels eines Gottesdienstes tatsächlich den streitbaren Michel um Regen bitten wird. - Ich weiß nicht so genau, ob Anselmo jetzt bereits am Text feilt, um das noch besser hin zu bekommen als "wirschaffendasplusquamperfekt-Angela", allerdings bin ich mir ziemlich sicher, dass er täglich den Wetterbericht für die kommenden Wochen studiert und da feststellen muss, im September wird das wohl unwahrscheinlich mit Regen. - Dann hätte er das gar nicht erwähnen müssen, so bleibt das aber spannend, ob der Sozi beim Erzengel um Wasser bittet.

Um Wasser haben wir auch gebeten im August 2009, der Sommer, welcher in den Spitzenwerten sogar noch heißer war als dieser. - Der heftige Waldbrand im Osten und Süden der Insel damals beschäftigt uns nun plötzlich deutlich mehr, als das ähnliche Ereignis von vor sechs Wochen und Unterlage dafür ist, der Prozess gegen die drei Angeklagten in Sachen fahrlässiger Brandstiftung vor nun mehr als sieben Jahren. - Die Presse ist mit großer Präsenz dabei, wohl auch noch angefeuert, durch die zeitliche Nähe des diesjährigen Großfeuers, und dem Umstand, dass man auch zu diesem Feuer einen "Zündler" vorweisen kann, mit perfekter Passform als Schuldigen. - Dieses Jahr noch viel besser (Hippie-Faktor) , als im Falle des Brandes im August 2009, denn nun stehen die drei "Fiestavorsitzenden" vor Gericht, also diejenigen Bürger, die damals die Arbeit und Verantwortung übernommen haben, das alljährliche Fest dort in Tigalate in der Gemeinde mazo zu organisieren und zu begleiten.

Es wird vermutet, dass das Feuer im Jahr 2009, welches übrigens von der genannten Ausbreitung etwas kleiner deklariert ist als der diesjährige Brand, aber von den materiellen Schäden eben viel größer, durch Böller ausgelöst wurde, welche üblicherweise auf La Palma bei Fiestas gezündet werden. - Das ist Tradition, warum eigentlich, darüber sind sich die Leute auch gar nicht einig, mal heißt es, Böller seien wichtig böse Geister zu vertreiben, was natürlich bei christlichen Fiestas überhaupt keinen tieferen Sinn macht, andere sagen, die Böller sind dazu gedacht, jedem Nachbarn zu signalisieren, wo denn die Feier stattfindet und kommt doch alle her. - Krach machen kann auch einfach nur ein Ausdruck purer Lebensfreude sein, man beachte dabei das Wort kann, als nicht muss. - In wirklich aufwendiger Weise wurde nach dem Feuer untersucht, wobei Kriminalpolizei, Spezialisten der Inselregierung und auch Lokalpolizei nicht immer auf der gleichen Spur waren, aber die Kriminalpolizei (Policía Judicial) liefert natürlich die gerichtsverwertbaren Spuren und da ist man wohl ganz der Meinung, es wären Böller gewesen, oder zumindest einer dieser Feuerwerkskörper, welcher das Feuer ausgelöst hätte.

Das Feuer sei zwischen 22:50 und 23:00 Uhr ausgebrochen, welch konkreter und knapp bemessener Zeitraum nach sieben Jahren, und die Verantwortlichen der Fiesta sagen deutlich aus, nach 18:00 Uhr hätte niemand mehr von ihnen einen solchen Böller abgeschossen. - Darüber hinaus gibt es ja auch noch den bemerkenswerten Umstand, dass nach Tagen der Hitze und des scharfen Windes bereits von der Inselregierung Tage zuvor ein inselweites Verbot ausgesprochen wurde, solche Böller zu zünden. - Die Verantwortlichen der Fiesta wussten das angeblich aber nicht und wurden auch nicht von der Gemeinde darüber informiert, dass man keine Böller abschießen darf. - Ob das glaubhaft ist oder nicht, wer weiß das schon, aber man hat über 40 Zeugen geladen und wird dazu mehrere Tage brauchen. - Die Staatsanwaltschaft fordert über sieben Jahre Freiheitsentzug, und Entschädigungen von mehr als 10 Millionen Euro, und die allermeisten von uns fragen sich in dem Moment, ob man hier denn nicht mit Böllern auf Atomraketen schießt, um den Spatzen mal einen freien Abend zu gönnen. - Und das Ganze als Kompott sieben Jahre nach dem Vorfall, also mit Zeugen, die einen eisernen Erinnerungsfaktor brauchen.

Das, für unsere Verhältnisse ganz unübliche große Medieninteresse an einem solchen Prozess macht das Verfahren für die Beteiligten sicherlich nicht einfacher. - Allerdings könnte man auf diese Art und Weise auch die größtmögliche Transparenz und Wahrheitsfindung erwarten, denn in diesem Fall können nur unter öffentlicher Beobachtungen Dinge oder Vorfälle einfach unter irgendwelche Teppiche gekehrt werden. - Als juristischer Laie habe ich keine Vorstellung davon, ob ein Staatsanwalt mit seiner Knastforderung bei einer fahrlässigen Brandstiftung nicht ein bisschen weit ausholt. - Ob die drei Angeklagten das Feuer ausgelöst haben, das wissen wir natürlich überhaupt nicht, und es ist neu, das solch heftige Strafen gefordert werden und ich persönlich denke dabei einfach nur, bloß nicht in den Knast, man kann doch solchen Leuten nicht das Leben versauen, weil man das gemacht hat, was alle anderen auch immer schon gemacht haben. - Damit sind wir aber genau beim Thema, welches uns in vielen Momenten auch wieder zu Gegenteiligem anspornt und unserer, im täglichen Alltag permanent begleitenden Mehrfachmoral mit Ersatzmagazin für Argumente und Vorverurteilungen den Spiegel vorhält. - Mich eingeschlossen, obwohl ich mit zunehmendem Alter kaum noch Spiegel im Haus habe... - Wir sind natürlich gespannt, wie das weitergeht mit dem Prozess, und vielleicht erwirkt diese ganze mediale Aufmerksamkeit ja wirklich was Positives, und man verzichtet irgendwann mal darauf, bei jeglichen Festen diese absolut unnötigen und saudummen Böller abzuschießen.




Das ist alles, was man von solch einem "Volador" sieht, der plötzliche Knall macht aus ausgewachsenen Kampfhunden und Niña-Katern Feinstaub hinterm Sofa.





Dienstag 20.09.2016 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 18 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 49 % - Luftdruck 1018 hPa

Fulanito de tal dice hoy: Buen Enero, mal Febrero

Guter Januar, schlechter Februar. - Irgendwann gerät man bei diesen Sprüchen an Grenzen. - Der Spruch dient uns also überhaupt nicht, irgendwelche Wetterregeln für den Februar aus dem Januar zu schließen, denn man müsste dabei zunächst mal schlechtes, oder gutes Wetter definieren. - Ein Kartoffelbauer erklärt Ihnen das anders als ein Hotelier. - Bei der Recherche nach irgendeiner brauchbaren Erklärung für diesen, fast schon politischen Satz, bin ich auf eine mögliche Fährte gestoßen. - Der grundsätzliche spanischen Pessimismus, der ganz sicher nicht nur für das Wetter gilt, könnte die Erklärung für den Spruch sein: "Ein guter Januar, wie ist das denn möglich, dann muss ja der Februar ganz sicher schlecht werden".





In Puerto de Tazacorte
Bild von Richard Wurdel





Montag 19.09.2016 17:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 23 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 44 % - Luftdruck 1019 hPa
Höchsttemperatur heute 23,8 Grad - niedrigste Temperatur 18,6 Grad

Dreißigtausend!
Für Frans Familie und die Frage geht um, wer ist eigentlich ein Feuerwehrmann

Oder eine Feuerwehrfrau, allerdings hoffe ich mal, dass ich den Ausdruck Feuerwehrmann verwenden kann, ohne dass man mich andauernd mit der Chauvikasse gendert. - Das Geld kommt sowieso in den Ausbildungstopf für die Kinder, und ich lerne das mit den genderneutralen WortInnen sowieso nicht mehr. - Als wir mit der Spendenaktion angefangen haben, hat sich keiner von uns eine Vorstellung gemacht, wie viel wir denn zusammenbekommen wollen, also ob wir ein Ziel haben. - Ein Ziel haben wir schon, aber keines, welches mit einer Zahl verbunden ist und ich zumindest habe nicht damit gerechnet, in einem Monat 30.000 Euro (29.980,83) sammeln zu können. - Die Familie ist natürlich noch mehr geplättet als wir, denn das bedeutet wohl schon einen gewaltigen Schritt nach vorne in Sachen Absicherung für das Studium der Kinder, und genau da wollten wir ja hin. - "Tu nicht immer so überrascht, dass es so viel Geld ist, sonst spenden die Leute nicht weiter" werde ich gewarnt, aber wir waren doch eigentlich immer ehrlich miteinander, und eine solche Spendenaktion ist ja auch kein abgeschlossener Raum, der von - bis geöffnet ist.

Darum sage ich das auch weiter, ich bin überrascht, natürlich positiv und die Familie auch und nun eiern wir weiter herum, wie denn ein sinnvolle und besonders steuerlich tragbare Übergabe des Geldes vonstatten gehen kann. - Warum wir da nicht aus dem Potte kommen hat wieder einmal richtig palmerische Züge, der einzige Mitarbeiter der Behörde, der sich wohl annähernd mit dem Thema auskennt war in Urlaub, kommt jetzt erst wieder zurück, und ich muss auch diese Woche ohne konkrete Aussage verstreichen lassen, wie das steuerlich über die Bühne geht. Wir haben das wohl nachgelesen, aber das beantwortet die vielen Fragen nicht, die sich da anschließen, wer versteuert eigentlich, verteilt man das Geld auf die Angehörigen, hält man das Geld zurück und schüttet nur Anteile aus und warum gibt es eigentlich so viele Spezialisten, aber keiner weiß wirklich wie es geht? - Es scheint einfach nicht so wirklich üblich zu sein, das mit den Spendenkonten, noch weniger scheint üblich zu sein, das versteuern zu wollen, wir nun wieder…

Dabei wurde eine interessante Diskussion wieder aufgerissen, welche sogar dazu geführt hat, dass die PSC/PSOE, welche Regierungspartner der CC im Gobierno de Canarias ist, dort zu fordern, dass alle bei der Bekämpfung gegen Waldbrände eingesetzte Gruppen auch wie echte Feuerwehrleute eingestuft werden. - Diese Diskussion ist nicht neu, ebbt nur immer wieder in den Wintermonaten ab, weil die Angst vor dem Feuer mit dem Sommer verschwindet, und am medienwirksamsten erlebten wir den Streit um die Bezeichnung Feuerwehrmann in Sachen "BRIF" und deren Streit und Streik um Anerkennung. - Die "BRIF" (Brigadas de Refuerzo de Incendios Forestales), welche immer nur in den Sommermonaten als Feuerwehr zum Einsatz kommen, bemühen sich seit Jahren um den Status als professionelle Feuerwehrleute, natürlich wegen der deutlich besseren Bezahlung und auch Absicherung. - Darum streikte man sogar im vergangenen Jahr, allerdings brannte es da nicht medienwirksam genug, und wir alle können froh sein, dass die in diesem Sommer nicht gestreikt haben. - Die "BRIF" ist eine staatliche Organisation, untersteht, wie alles, was im Wald passiert dem Landwirtschaftsministerium, die Leute aber werden von der "Tragsa" Empresa de Transformación Agraria, S.A beschäftigt und bezahlt werden halt den Großteil des Jahres nicht als Feuerwehrleute eingesetzt, sondern zu anderen Waldarbeiten herangezogen.

Viel anders ist das mit den Angestellten des Umweltamtes auch nicht, die sind die allermeiste Zeit damit beschäftigt, die allgemeinen Aufgaben des Umwelt und Forstamtes zu betreiben, auch in der Praxis, aber wenn es dann brennt, dann werden alle deren Mitarbeiter automatisch und mit als erste an die Feuerfront geschickt. - Auch weil die eben die Ausrüstung dafür haben, aber ebenso wenig unter der Berufsgruppe der Feuerwehrleute arbeiten und so erklärt sich dann eben auch der negative Umstand, dass eben Leute wie Fran ganz vorne am Feuer die Arbeit machen sollen, im Unglücksfall aber eben nur unzureichend abgesichert sind, wie wir hier in diesem Fall eben genau mitbekommen haben. - Als Feuerwehrmann arbeiten, mit allen Risiken, und auch noch als Spezialist, mit Ausbildungen, aber eben nur ein paar Tage im Jahr, berechtigt das bereits als Feuerwehrmann eine Anstellung im jetzigen Beruf zu bekommen oder nicht? - Das ist natürlich auch eine gewaltige Geldfrage und die Diskussion, die gibt es auch in Sachen "Roter Feuerwehr" auf La Palma, welche auch nicht den Status von professionellen Feuerwehrleute inne haben, aber eben als Arbeitgeber das Cabildo Insular und dort bereits besondere Bedingungen ausgehandelt haben. - Die einzigen professionellen Feuerwehrleute mit Brief und Siegel auf La Palma, das sind die am Flughafen.

Es ist zu befürchten, dass das Interessen an dieser Diskussion mit dem Sinken der Temperaturen wieder abnimmt und so lange es nicht wieder brennt, und wir eben auch wieder eine funktionierende Regierung in Madrid haben, wird sich nichts weiter in der Angelegenheit tun. - Für Fran kommt das eh zu spät und ob es möglich ist, diese Leute im Brandfall speziell abzusichern und eben nur für diese Tage, das wissen wir natürlich überhaupt nicht. - Ob dafür jemals eine, für alle tragbare Lösung gefunden wird, man möchte es nach aller Erfahrung wohl als unwahrscheinlich ansehen und das größte Problem dabei ist, dass es eben zu selten brennt. - Hört sich keck an diese Aussage, aber es trifft wohl zu, sobald die Flammen aus sind, die Angst der Leute nachlässt, werden Schulter geklopft, oft auch die falschen, aber dann verblasst das Interesse an denen, welche man angesichts der Flammen noch als Helden betitelt hat, dann doch wieder ganz schnell im Alltag. - Das haben wir ja letztes Jahr erleben dürfen, da hat die "BRIF" gestreikt, aber was kann einer Feuerwehr schlimmeres beim Streik passieren als kein Feuer? - Weiter spenden für die Ausbildung Frans Kinder, die gesamte Problematik rund um die Feuerwehrleute für ein paar Tage werden wir nicht klären, aber die Folgen davon für diese eine Familie, die können wir wohl beeinflussen.

Das Konto lautet:
Asociación Solidaridad SOS La Palma
IBAN: ES16 0182 3441 2702 0160 6795
BIC/SWIFT:BBVAESMMXXX

Wichtig: Verwendungszweck (Concepto): Fran






Montag 19.09.2016 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 19 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 38 % - Luftdruck 1019 hPa

Fulanito de tal dice hoy: Buen amigo y compañero, es el que no nos pide dinero

Guter Freund und Begleiter ist der, der von uns kein Geld bittet. - Wenn man jemanden wirklich gar nicht mehr wiedersehen will, dann gibt es eine sehr gute Möglichkeit, man leiht ihm Geld. - Ich habe das ausprobiert, öfter im Leben, weil ich gerne immer wieder das gleiche lerne, klappt fast immer. - Nur beim Ranger nicht. - Ansonsten ist das Thema Geld unter Freunden wirklich eine ziemlich heikle Geschichte, um sich wirklich Geld bei Freunden leihen zu können, muss die Freundschaft schon außergewöhnlich gut sein.





Irgendwo im Norden
Bild von Wolfgang Hempel





Sonntag 18.09.2016 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 26 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 26 % - Luftdruck 1020 hPa
Höchsttemperatur heute 26,1 Grad - niedrigste Temperatur 19,0 Grad

Genau vor 10 Jahren
Umgehungsstraßen und Aushang des touristischen Sondernutzungsplanes für La Palma

Ab und zu konfrontiere ich meine Frau mit dem Offensichtlichen. - Ich werde alt, sage ich ihr, und die korrigiert nur das Tempus des Verbs auf Präsens, und spricht wieder von unserem Generationsunterschied, denn drei Jahre, die wiegen manchmal schwer. - Ich gucke leidenschaftlich gerne Phoenix und die Wiederholungen der Tagesschau von vor 20 oder noch mehr Jahren, und wer dann noch über die vielen Wiederholungen im Fernsehen schimpft, dem kann ich einfach nur sagen, auch in den Nachrichten wiederholt sich meist alles. - Dabei bin ich genau das Gegenteil eines leidenschaftlichen Nostalgikers, ich mag den Euro, der Mehrheit von uns geht es besser, als noch vor vielen Jahren, und ich würde nicht mehr gerne in der Zeit der Schlaghosen leben, und ich kann nicht viele Dinge nennen, die vor 10 bis 20 Jahren wirklich besser waren. OK, früher konnte man seinen Frust über den Telefonanbieter noch einem echten Menschen ins Ohr brüllen, heute schreit man Maschinen an und sorgt so dafür, dass man niemals aus der maschinellen Schleife heraus kommt.

Ich erzählen Ihnen das nur, um einen Aufhänger für einen neue Geschichte zu haben, wenn die Hühner in Tijarafe mal wieder alle überlebt haben und ich keine Lust habe, Ihnen den lokalpolitischen Kleinkrieg vor Ort zu erklären. - Ich greife dann auf die Artikel zurück, welche ich genau an dem Tag vor zehn Jahren verfasst habe und hier nun lande ich heute einen doppelten Treffer. - Zunächst geht es nämlich um die beiden Umgehungsstraßen, die von Santa Cruz, und die Andere von Los Llanos, welche vor 10 Jahren eben gerade im Bau befindlich waren und noch nicht Teil unseres Alltags. (2006 > "Bei Los Llanos ist das anders, dort zieht sich die Trasse in einem lichten Bogen südlich um die Stadt herum und kommt bei Argual, am Abzweig nach Tijarafe wieder auf die Ost-Westtangente oder "LP2". - Von dort aus plant man später auch den kühnen Brückenschlag über den Barranco de las Angustias, um den Norden der Insel 10 Minuten näher ans Tal zu rücken. - Hier noch ein Anachronismus für die Schnellstraßenpläne: Bald wird nun die Umgehungsstraße im Süden Los Llanos fertig sein, die "autovía" sieht aber eine Umfahrung der Aridanemetropole nördlich vor. Dann bräuchte man diese, fast 6 Millionen teure Straße nicht mehr, plant aber monströse Anbindungen dafür um dann Los Llanos wahlweise nördlich oder südlich umfahren zu können." < 2006)

Die Autobahngeschichte und deren kleine planerische Mängel, die stand damals also auch schon auf der Tagesordnung und die heutige LP3 hieß damals noch LP2. - Heute heißt die Nordumfahrung der Insel LP1, die Südumfahrung LP2 und die Ost-West-Tangente LP3 und die Autobahn hat noch gar keine Bezeichnung und ich hoffe mal, dass ich in zehn Jahren auch noch keine Bezeichnung dafür nennen kann. - Die Umgehungsstraße Los Llanos´ kann ich nur als gelungen bezeichnen, es gab damals wirklich Staus in Los Llanos zu den Stoßzeiten, und die Umgehungsstraße dient ja nicht nur den Fahrern, die eine Verbindung in den Norden der Insel suchen, sondern auch den Bewohnern in den westlichen Teilen der Stadt und in Argual, sich nicht durch den Ort quälen zu müssen. - Was nicht funktioniert hat, man wollte auch noch an der Straße regionale Infrastrukturen anbringen, sowohl die "Kaserne", also das "Casa Cuartel de la Guardia Civil" wie auch eine Unfallstation für die Westseite sollten dort entstehen. - Die wären dann so einfach und schnell zu erreichen, ohne dass man Los Llanos durchfahren müsste, aber die Krise hat gleichzeitig auch eine Umgehungsstraße für viele öffentliche Investitionen geschaffen, und so müssen wir heute immer noch darauf warten.

Weniger frequentiert wird die Umgehungsstraße von Santa Cruz, noch immer scheuen sich viele Fahrer, diesen Weg in den Norden zu wählen und fahren durch die Stadt. - Was allerdings noch deutlicher auffällt, die beiden Zufahrten nach Santa Cruz von "oben" aus in die Stadt, die werden nicht wirklich genutzt, oder sind eben so an der Realität vorbei geplant worden, dass der wirklich große Wurf, die Stadt ausschließlich von der neuen Straße aus zu erreichen, kaum Chancen hat. - Zum große Wurf gehörte ja, dass man die Avenida Marítima, also die Küstenstraße, welche die Stadt vom Wasser trennt, zur fahrzeuglosen Promenade machen würde, um den Strand wirklich an die Stadt anzubinden. - Wobei diese Möglichkeit in den Köpfen der Hauptstädter auch gar nicht wirklich präsent scheint, und dazu rate ich jedem an, sich doch mal das Beispiel Las Palmas und den Strand Las Canteras anzusehen, auch dort konnte sich vor vielen, vielen Jahren noch niemand vorstellen, dass man die Autos von dort mal verbannen würde.

Die andere Geschichte war der PTET, der touristische Sondernutzungsplan für die Insel und die Nachricht, dass dieses Papier nun als öffentlichen Aushang zu sehen ist. - Im ehemaligen Parador Nacional, an der vorhin bereits genannten Avenida Marítima, welchen seit der Schließung des Hotels die Inselregierung als Dependance nutzt. - Dort konnte man sich diesen Plan ansehen, welcher die zukünftige touristische Entwicklung der Insel steuern sollte und heute wissen wir, dass so gut wie überhaupt nichts aus dem Plan auch nur annähernd Wirklichkeit wurde. - Die Möglichkeit diesen Plan einzusehen, die gab es aber auch erst nach heftigen Forderungen, meist von Seiten der ökologisch orientierten Gruppen, es war halt noch die Zeit als Bürgerbeteiligung sich noch nach Erbsünde anhörte und die Ausstellungen eines solchen Planes ein geheimer Akt war. - Für den Plan spricht das sicher nicht, aber es kam eben auch die Krise dazwischen und die Investoren blieben fern. - Auch brachte der Plan keine Rechtssicherheit für die paar Finanziers, die sich doch nicht so einfach abschütteln ließen, aber schließlich kassierten auch noch die Gerichte die Mehrzahl der Projekte ein, unter anderen die Golfplätze, weil Formfehler begangen wurden und meist keine korrekten Umweltgutachten eingeholt wurden.

Jetzt versucht man erneut, durch die Änderung des Gesetzes 6/2002 und später noch durch ein kanarisches Bodengesetz, "Ley del Suelo Canario" die bereits im PTE genannten Projekte möglich zu machen. - Und dabei hatte man extra alle lokalen Flächennutzungspläne und auch den Inselplan an den PTE anpassen müssen, und ich weiß jetzt gar nicht, muss man das alles nun wieder aus den lokalen Plänen rausstreichen? - Um dann erneut die Ergebnisse der Gesetze 6/2002 und des Ley del Suelo wieder neu in die Pläne einzuarbeiten? - Eventuell mit neuem Aushang der Pläne und neuen Einspruchsmöglichkeiten? - Hintergrund ist erneut die Suche nach Rechtssicherheit für die Investoren, aber man ruft eben damit auch wieder die gleichen Gegner auf den Plan, welche bereits vor mindestens 10 Jahren vor den Gefahren gewarnt hatten, welche es bedeuten würde, auf der Insel deutlich mehr touristische Infrastruktur zuzulassen. - Und hier stellt sich die Frage wohl auf, warum sollten Gerichte, welche den PTE zum großen Teil entwertet haben, nun die gleichen, oder ähnliche Pläne durchwinken? - Aber wer weiß das schon, und ich bin sicher, wir sprechen darüber vor Ablauf der nächsten zehn Jahre noch öfter.







Hier ein Teil des Faltblatts auf Deutsch, welches die Asamblea Ecologista im Jahr 2006 aufgelegt hatte. - Man kann leider die damaligen Argumente fast identisch auch auf die neuen Pläne beziehen. - Ein bisschen, und eben unseren Möglichkeiten angepasstes Wachstum scheint es nicht zu geben.





Sonntag 18.09.2016 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 19 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 46 % - Luftdruck 1019 hPa

Fulanito de tal dice hoy: Buen abogado, mal cristiano

Guter Anwalt, schlechter Christ. - Ich glaube, die Anwälte selbst verfügen über die größte Ansammlungen solcher Sprüche.





Von Puerto Naos nach Los Llanos
Bild von Richard Wurdel





Samstag 17.09.2016 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 27 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 25 % - Luftdruck 1018 hPa
Höchsttemperatur heute 27,2 Grad - niedrigste Temperatur 19,5 Grad

Wachstumsindikator bunte Blumentöpfe
Und die Restaurants wissen nicht mehr, wann sie endlich in Urlaub gehen können

Die Krise frisst ihre Kinder zwar nicht, aber sie vergisst sie. - Die Insel läuft wieder auf Vorkrisendrehzahl, und das kommt nicht nur wegen der deutliche gestiegenen Touristenzahl auf der Insel, sondern im, sagen wir mal Februar 2015, hat irgendwas oder irgendjemand beschlossen, die Krise sei vorbei. - Gefühlt vorbei heißt, die Umstände ändern sich eigentlich nicht, aber wir gehen anders damit um, kein Geld zu haben ist immer noch Scheiße, aber seit der Erfindung der Schwarzen Null fühlt sich das anders an. - Es gab ja immer Leute, auch während der Krise, auch wenn man das in den Medien irgendwie gar nicht vernehmen konnte, die Geld und Einkommen und nicht nur Auskommen hatten und diese Leute haben irgendwie plötzlich im Februar 2015 die Angst verloren und wieder angefangen zu kaufen. - Vielleicht legten sich auch Chemtrails, geschwängert mit Breitbandhappypharmaka über uns, fünf Millionen Arbeitslose, bei guten 40 Millionen Einwohnern, es kann doch nur noch bergauf gehen.

Geht es seit dem auch, vielleicht wird inzwischen das Zeug sogar in die "Brisa" gepumpt, da stehen oben auf der Cumbre Nueva, als Gäste getarnte Pharmaonkels rum, und blasen uns das Zeug aus den buntgesprenkelten Pillen als nette Beigabe ins Tal. - Gut, eigentlich weiß ich es ja besser, Chemtrails sind nur heiße, aber profane Fürze aus Flugzeugmotoren, und die Leute, die da oben auf der Cumbre Nueva herumstehen, das sind Urlauber, die eigentlich nach Ägypten fliegen wollten, aber dann doch lieber auf Nummer Sicher gegangen sind. - Das haben die jetzt davon, Wandern in den Wolken anstatt Pyramiden, wobei, wenn man den Spiritisten zuhört, dann gibt es doch auf den Inseln auch Pyramiden. - Seit dem nun die Geschichte mit den vielen Urlaubern auf der Insel läuft, also seit Anfang letztem Jahr, da wird die Sache mit dem gefühlten Aufschwung nun auch ein bisschen materiell hinterfüttert. - Und nicht nur der internationale Tourismus setzt wieder auf La Palma, auch die nationalen Gäste sind wieder gekommen, wobei sich die Anzahl der Gäste vom Festland jetzt bereits wieder deutlich verringert hat. - Die Ferienzeit in Spanien ist vorbei und noch hängt man sehr an Juli und August und dem September gönnt man eben nur noch ein paar Tage Urlaub.

Deutlich mehr Leute laufen in diesem Sommer auf der Insel herum, als noch im letzten Jahr und wenn ich das mit den Jammerjahren 2007 bis 2014 vergleichen will, als wir im Sommer eigentlich das Ding, also die Insel aus touristischer Sicht hätten schließen können, ohne dass es jemandem aufgefallen wäre, dann erleben wir jetzt den, ich weiß nicht wievielten Frühling. - Das ist gut so, keine Frage, wobei sich der Gästetypus, der auf die Insel kommt, teilweise verändert hat. - Das ist aber erklärbar, es kommen halt viele, die ihr ursprüngliches Urlaubsziel verworfen haben, weil lange Bärte, wirre Fanatiker und die Tourismusindustrie nun touristische Völkerwanderungen inszenieren. - So kommen nun viel mehr Leute mit Sandalen als mit Wanderstiefeln, und die Hotels der Insel sind endlich krachend voll, im ländlichen Tourismus gab es auch deutliche Zuwächse, allerdings auch nicht so kräftig, wie in Sachen konservativer Pakettourismus. - Unser Publikum, also diejenigen, die immer gekommen sind, auch umsteigen als Option in Kauf nahmen, oder irre Flugpreise, nur eben um diese ungelenke und so wenig dehnbare Insel zu erleben, die sind nicht so einfach klonbar, und darüber hinaus ist das auch meist ein Publikum, welches den Begriff Trizonesien noch kennt.

Die mischen sich jetzt alle hier auf der Insel, wobei viele die nähere Umgebung der Hotels überhaupt nicht verlassen, warum denn auch, mit dem Bändchen am Handgelenk kann man eben nur ganz lokal zapfen, das "Hinterland" der Insel bleibt dabei meist unberührt. - Das ist mir übrigens früher nie eingefallen, so etwas zu sagen. - Ein "Hinterland" hat so ziemlich jede Ferienregion dieser Welt, nur La Palma hatte kein Hinterland, weil eben eigentlich die Küstenorte die Ausnahme sind, um sich aufzuhalten, die Mehrzahl der Bevölkerung und unser Stammpublikum aber im Landesinneren wohnt. - Puerto Naos, Puerto de Tazacorte, und natürlich auch Los Cancajos, diese Orte können nun endlich mal zeigen, was sie drauf haben und natürlich bleibt "was kleben", auch wenn Pauschaltourismus bei weitem nicht die Nettoerträge für eine Ferienregion erwirtschaften kann, wie das für den Individualtourismus gilt. - Aber so viele Leute kann man ja auch gar nicht "individuell" bewegen, bleibt nur zu hoffen, dass die Verschickung von Pauschalgästen mit Pyramidenwunsch und Sangría-Abend nach La Palma nicht zum negativen Bumerang wird. - Ich meine für die Gäste!

Es wird vieles davon abhängen, wann sich denn die konkurrierenden Feriendestinationen zu den Kanaren wieder eher aufs Geld verdienen besinnen, als Bärte zu verlängern, und da man von manchen Regionen schon gar nichts mehr hört, also negative Nachrichten, ist es wohl anzunehmen, dass bald, besonders eben im Maghreb, wieder deutliche Konkurrenz zu den Kanaren aufgebaut wird. - Und das natürlich dann wieder zu einem ganz anderen Preisgefüge, und dann brauchen wir uns hier auf der Insel eigentlich gar keine Gedanken um so viel mehr Bettennachfrage machen, da sich diese Nachfrage noch deutlich schneller wieder reduzieren könnte, als auf den großen Kanareninseln. - Aber es tut gut, die Geschäfte sind wieder voller, die Restaurantkellner erschrecken sich nicht mehr, falls ein Gast das Etablissement betritt, viele Leute haben endlich wieder Arbeit und wir haben da immer so unsere ganz eigenen Wachstumsindikatoren, die auf Entdeckung warten. - Jahrelang hatte ein Blumenladen, mit ein bisschen Phantasie auch Gartencenter zu nennen, nur diese üblichen Terrakotta-Blumentöpfe, neben denen aus Kunststoff. - Jetzt plötzlich steht der halbe Parkplatz voll mit bunten, großen und extravaganten Gefäßen, welche nun Schmuck darstellen, und nicht mehr nur den Behälter für Blumenerde und Pflänzchen. - Ja, La Palma ist wieder lauter geworden, aufregender und es tut sich mehr, und die Töpfe werden wieder bunter und alles könnte so schön sein, wenn nicht nur die Umsätze und die Bewegung Vorkrisenniveau erhalten würden, sondern eben auch die Zahl der Arbeitslosen. - Und da kommen wir zurück zum Anfang, leider fallen viele hinten runter, und denen nutzen die bunten Blumentöpfe auch nichts.





Samstag 17.09.2016 08:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 19 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 42 % - Luftdruck 1019 hPa

Fulanito de tal dice hoy: Breve habla el, que es prudente

Kurz spricht der, der besonnen ist . - Moin. - Reden, viel, schlecht





Irgendwo im Norden
Bild von Wolfgang Hempel





Freitag 16.09.2016 16:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 28 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 14 % - Luftdruck 1019 hPa
Höchsttemperatur heute 28,1 Grad - niedrigste Temperatur 19,4 Grad

Kleinigkeiten hoch hinaus
Komische Treppe zu verkaufen und andere Höchstleistungen

Zwei Tage stand die Treppe nach Schilda an der Straße bei Barlovento, dann hat man dieses sechsstöckige Metallteil für Fußgänger wieder abgebaut. - Wem die Treppe nun genau den Aufstieg ermöglichen sollte, und wohin eigentlich des Weges, das weiß man genau so wenig, wer denn überhaupt den Bau dieser Konstruktion und die Aufstellung dort direkt an der nun ausgebauten LP1 in Auftrag gegeben hat. - Polemik ganz großer Art hat die Geschichte hervorgerufen, wobei ja der Ausbau der Nordumfahrung der Insel über die letzten Jahre eh schon hart, robust und zum Teil auch peinlich diskutiert wurde. - Nicht ganz BER-Ausmaße betreffen die Mehrkosten und die längere Bauzeit, und zu kleine Kreisverkehre, kunstvolle Natursteinmauern, die nie ein Mensch sehen wird, und dann eben eine Treppe, von der keiner weiß, wer die eigentlich wollte. - Der Hersteller sollte das eigentlich wissen, wer die in Auftrag gegeben hat, wobei das sicher der Bauherr ist, das Gobierno de Canarias, aber die müssen ja von irgendeinem lokalen Dezernenten oder Bürgermeister dazu überredet worden sein. - In Bayern standen (oder stehen die immer noch) mal viele Autobahnbrücken herum, die nie jemand befuhr, im Norden nun eine Treppe, aber nur 2 Tage lang und Witzbolde inserierten das schwarz-glänzende Mettalteil bereits mit dem Hinweis, ungebraucht und vielleicht gratis, weil man eben gar nicht weiß, von dem das Ding eigentlich in Auftrag gegeben worden ist.

Die Ministerin war da und hat mal eben eine Million fallen lassen. - Das ist der Mindestpreis für den Besuch eines Politpromis der Ministerklasse auf der Insel, und so lässt sich auch die Landwirtschaftsministerin Isabel García Tejerina nicht lumpen, und da aufmerksame Leser ja bereits wissen, dass das Landwirtschaftsministerium in Spanien sich auch um Brandschutz und eben die Brandbekämpfung in den Wäldern kümmert, gibt es dieses Geld kurzfristig für die Insel, um eben die Folgen des Waldbrandes von Anfang August dieses Jahres so gering wie möglich zu halten. - Dazu will man auch eigene Techniker auf die Insel schicken, welche den effektiven Einsatz dieser Million planen wie überwachen, und grundsätzlich freuen wir uns natürlich darüber, dass Mittel von außen kommen, um diese notwendigen Aufgaben anzugehen. - Nun bleibt aber die Hoffnung, dass sich die Spezialisten aus Madrid mit den lokalen und regionale Kollegen gut und richtig verstehen, denn die sind ja auch im angekokelten Wald unterwegs und legen dort Hand an. - Gerade was die Schutzmaßnahmen am Westhang der Cumbre Vieja ausmachen, um eben Erosionsschäden an der Südverbindung LP3 zu verhindern, muss zwingend zusammengearbeitet werden, sonst trägt der eine Stämme dort ab, wo sie der andere hinlegt, und wir haben leider auch in diesem negativen Sinne bereits Erfahrungen gesammelt. - Aber das muss nicht sein, eine Million mehr, um die vom Feuer betroffenen Stellen auf den Winter vorzubereiten und eben auch die Wanderwege und die Wasserdrainagen korrekt herzurichten.

Von Null in die Unendlichkeit, das kann man auf Englisch so schreiben: "Zero 2 Infinity" und so heißt eine Firma in Nordspanien, welche auf trickreiche Art und Weise Fracht und Menschen ins All befördern möchte. - Noch haben sie keinen hochbekommen, könnte man unter Nutzung von Mehrdeutigkeit auch sagen, aber die sind seit ein paar Jahren mächtig dabei, ihre Idee umzusetzen. - Und diese Idee hört sich gut an. - Zunächst trägt ein Ballon die Fracht, also kleine Satelliten, oder eben Kapseln mit Weltraumgästen in Höhen zwischen 20 und 30 Kilometer und dort zünden dann Raketenaggregate, welche die Fracht, oder eben auch die Menschen weiter ins All transportieren. - Man sucht ja immer schon nach Möglichkeiten, die Überwindung der Anziehungskraft unseres Planeten einfacher zu machen, als mit der brutalen Kraft vom Boden aus, und diese spanische Firma arbeitet an einem solchen System mit Hilfe von Ballons. - Andere arbeiten ja daran, zunächst per Flugzeug die Fracht in große Höhe zu bringen, oder gar mit beschleunigenden Abschussrampen auf der Erde, da scheint die Angelegenheit mit den Ballons doch gar nicht so verkehrt zu sein.

Was das nun mit La Palma zu tun hat, das verrät und die Presse, denn die Firma "Zero 2 Infinity" könnte sich sehr gut vorstellen, ihre Weltraumfahrten von La Palma aus zu starten. - Und weil man eben die Raketen erst in ganz großen Höhen zünden würde, wäre auch die Umweltbelastung für die Insel gar nicht, oder nur ganz gering vorhanden. - So heißt das zumindest, und warum gerade La Palma, dafür gibt es eben den Hinweis, dass die Kanaren eben näher am Äquator seien als Nordspanien und es daher einfacher wäre, die Fracht ins All zu bekommen. - Wegen der schnelleren Erdrotation am Äquator, und darüber hinaus soll das Hauptgeschäft der Firma daraus bestehen, Satelliten ins All zu befördern und die meisten davon haben eine geostationäre Umlaufbahn, und diese lassen sich am Äquator wohl einfacher erreichen. - Die erste Erklärung mit der schnelleren Rotation, die habe ich nach mehreren Sendungen mit Harald Lesch kapiert, das mit den geostationären Umlaufbahnen, und warum das vom Äquator aus einfacher sein soll, allerdings nicht. - Das wird aber auch der Grund sein, warum andere Raketen ins All schicken und ich Ferienhäuser auf einer kleinen Insel vermiete. - Von La Palma aus ins All reisen, von SPC nach IOS, also In Outer Space, für einen alten Trekki wie mich natürlich eine verlockende Vorstellung und es bleibt also nur zu hoffen, dass die Katalanen gut weiterkommen in ihren Versuchen, und dann vielleicht wirklich von La Palma aus den Weltraum nicht nur per Teleskope näher bringen. - Und überhaupt, am Flughafen wäre reichlich Platz für deren Material, zwei Parkhäuser sind immer noch komplett ungenutzt.




Ja, da fragt er sich, wie man da am besten hoch kommt...
mehr Bilder von Kai Stockrahm





Freitag 16.9.2016 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 19 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 44 % - Luftdruck 1019 hPa

Gastbeitrag von MarieAnne Jaeger

Santa Cruz de La Palma
Zuckerrohr und Ziegenkäse aus der Markthalle


Ein kulinarischer Höhepunkt wartet In der Avenida el Puente in Santa Cruz. Wenn man die Markhalle betritt, ist der Duft nach Mandel-Gebäck, Ziegen-Käse und Kaffee eine aromatische Erfahrung.
Die "Käse Produzenten" haben wir in unzähligen Bildern festgehalten. Der "Queso de Cabra fresco", landet stets in meinem Einkaufskorb.

In den Arkaden bieten Bäcker, Fleischer, Gemüse- und Obsthändler ihre frischen Waren an. Wir bekommen an jedem Stand eine Kostprobe. Zuerst gönnen wir uns den Zuckerrohr-Saft, welcher frisch aus der Presse kommt.
Gemixt mit Ananas, oder Orange ist er ein Genuss. Auch wenn man sich in eine lange Schlange stellen muss, lohnt sich das warten.

Truchas Almendras und kleine Bananen

Ein Blick von außen auf das schön gestaltete Glasdach, ist wie ein Gruß an den blauen Himmel. Es hat Kirchturm-Charakter.
Über die gesamte Breite des kolonialen Bauwerks, leuchten die weißen Balustraden unterhalb der Kuppel.
Die Atmosphäre in der Markt-Halle erzeugt Lust auf sonnenverwöhnte Apfelsinen und palmerische Bananen.
Ich verlasse die Tiendas nie ohne "Truchas". Das gefüllte Mandelgebäck versüßt mir jeden Tag.
Die freundliche Bedienung der Händler, macht aus den Arkaden einen Gourmet Tempel besonderer Art.

Teneguia Wein im Urwald-Feeling

Nach dem Mercado-Shopping bummeln wir über die Avenida Maritima und suchen ein Restaurant, um uns erneut zu stärken. Bei der Auswahl der Lokale auf der Avenida, kann man schon mal ins schwitzen kommen. Überall duftet es nach Fleisch, Gemüse oder Wein.

Wir entscheiden uns für ein kleines verstecktes "Objekt" mit dem schönen Namen: La Lonja". Unscheinbar wirkt der Eingang,

Während wir es betreten, eröffnet sich ein Ambiente allererster Güte. Riesenfarne und großblättrige Tropenpflanzen ragen von den Decken. Von den Wänden grüßen blühende Kakteengewächse. Aus alten Weinfässern rinnt klares Wasser in Holzbottiche. Amazonas-Feeling.

Noch ist es nicht voll besetzt, weil frühe Mittagszeit ist. Wir finden einen Tisch mit Blick auf die schön begrünte Inneneinrichtung, genießen ein edles Menü und der auserwählte Teneguia Wein ist hervorragend.

Cafe con Leche, Karneval und Musikanten

Den belebenden Cappuccino nach dem Essen, trinken wir stets auf der Placeta de Borrero. Sie zählt zu unseren Lieblingsplätzen in Santa Cruz.
Umgeben von vielen Geschäften und Souvenirläden, genießen wir das besonderes Flair.

Indianer-Karneval

Viele Menschen die uns auf dem Weg dorthin begegneten, waren "gut drauf". Dabei fiel uns auf, das immer noch Karneval auf La Palma war. Er dauert hier etwa 4 Wochen länger als in Deutschland.
Ein grüner Gecko und ein Matrose säumten unseren Weg. Vor uns liefen einige "Narren" in bunten Hawaii-Hemden. Toll dachten wir, wo kann man die kaufen? Bei näherem hinschauen, bemerkten wir die Instrumente die sie bei sich trugen.

Gitarren und Mandolinen konnten nur etwas gutes bedeuten. Wir blieben dran und marschierten bis zur Placeta de Borrero mit.
Dort formierten sich immer mehr Musiker. Der Gecko und der Matrose gesellten sich auch dazu. Aha, dachte ich, das muss ja was werden. Wir suchten uns einen Tisch direkt neben den Künstlern.

Eine Gruppe Hobbymusiker, dachten wir, doch nach den ersten Klängen füllte sich die Placa de Borrero und die unterschiedlichen Sprachen der Gäste zauberte eine magische Atmosphäre.
Als die Gruppe dann ihre spanischen Lieder vortrug, war klar: Das waren echte Gesangkünstler.

Herzblut und Künstlerbrot

Noch nie zuvor haben wir Menschen erlebt, welche mit soviel Herzblut und Begeisterung ihr Können darbieten. Das Credo der Künstler:" Wir singen jetzt für Euch" breitete sich aus wie ein Lauffeuer. Viele Menschen blieben an der Straße einfach stehen und hörten zu.

Das Brot der Gesangskunst, der Beifall, wurde an diesem Tag großzügig verteilt. In den Gesichtern der Sänger, war eine Zufriedenheit auszumachen, wie es sie selten gibt.

Mehr über die Isla Bonita erfahren Sie auf meiner Webseite:
www.Lapalma-ahora.de













Donnerstag 15.09.2016 17:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 28 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 12 % - Luftdruck 1019 hPa
Höchsttemperatur heute 28,3 Grad - niedrigste Temperatur 18,9 Grad

Herbst und der astrale Plan B
Dreißig Meter der Versuchung

Früher, als alles anders war, und nur manches besser, da war das nun die Zeit, die Unaussprechlichen zu entsichern. - Sie wissen schon, Schiesser Tausendsassa, lang und grau, mit Eingriff selbstverständlich, obwohl der in der Praxis eigentlich nie zum Einsatz kam. - Vielleicht maximal zur Anwesenheitskontrolle, aus geschäftlichen Gründen, sei es nun klein (30 Meter-Teleskop für La Palma) oder groß (Bayer kauft Monsanto), hat man das komplette Ding doch einfach unter die Hüfte gezogen, hoffentlich weit genug. - Bedienungsanleitung für lange Unterhosen, wer hätte das gedacht, dass Bildungsaufträge immer wieder überraschend sein können. - Seit langem die erste Nacht unter 20 Grad, und der Passat treibt die Wolken hinab bis zu Fran. - Das sagen wir, seit dem die Gedenktafel für Francisco Santana oberhalb San Nicolás aufstellt wurde, und wenn der Passat die Wolken bis dorthin treibt, dann weht ein frischer Wind auch zu uns in Tal hinab. - Fran liegt nicht wirklich dort, aber der Blick von unserer Terrasse geht halt von der Cumbre Vieja bis Venezuela, wobei die Cumbre oft in den Passatwolken verschwindet und Venezuela sich meist hinter der Erdkrümmung versteckt. - Aber das hatten wir neulich schon, man hört es eher, man sieht es seltener.

Der Herbst ist da, und vom September sollten wir uns auch keine weitere Hitzewelle erhoffen, Azorenhoch kräftig, und dort wo es hingehört, und noch schickt man damit alle vom Westen her anbrausenden Tiefs so weit in den Norden, dass es auf unseren Breiten nicht regnen kann. - Kann es wohl, nicht aber auf der Westseite und als klassisches Regentief, auf der Ostseite und auch im Norden fällt selbst im Sommer Regen, eben aus den tief an die Insel strandenden Passatwolken, welche nicht nur auf diese Art und Weise dafür sorgen, dass ein paar hundert Kilometer westlich der Sahara Farne, Pilze und grüne Wälder aus einem felsigen Brocken sprießen, der sich La Palma nennt. - Herbst bedeutet auch, dass wir wieder einen Horizont bekommen, also da draußen auf dem Meer, wenn es sommerlich heiß ist, dann kann man ja Meer und Himmel nicht mehr voneinander unterscheiden, und nur ahnen, ab wann es nass wird. - Das Meer wird dann noch blauer als der Himmel, und weiße Wolken, solche wie von den bayrischen Postkarten tummeln sich darüber, das sagt uns auch, der Herbst ist da und die Feuerwehrleute können den Helm aufs Regal legen. - Bloß nicht an den Haken hängen, das wäre fatal.

Da oben auf unserem höchsten Berg tummeln sich ja jede Menge astrophysikalischer Einrichtungen und wir, (aber nicht alle) wollen immer noch mehr Observatorien haben. - Sicher sind ja schon die, ich glaube 22, des Typs Cherenkov, dann wollen wir auch noch das europäische Solarobservatorium, über dessen Strandort wohl noch zwischen Tenerife und La Palma entschieden wird, und dann stehen wir ja auch noch auf einer Liste für das 30 Meter-Teleskop, welches eigentlich auf Hawaii gebaut werden sollte. - Noch davor waren wir ja im Gespräch für das E-ELT, das wohl über 40 Meter Spiegeldurchmesser haben wird, aber das wird in Chile gebaut, auch weil der Bauherr und Betreiber ESO heißt, European Southern Observatory und wir sind zwar European, aber eben North. - Wir stehen auf der Liste für das große 30 Meter Ding, da es auf Hawaii wohl Probleme mit den Genehmigungsverfahren gibt, es scheinen nicht alle einverstanden zu sein, dort oben in den Bergen der Insel noch mehr Observatorien aufzustellen.

Wir, also La Palma, sind also nur der Plan B, aber da die Betreiber und Organisatoren des Projektes nun in kürzester Zeit unsere Insel das zweite Mal besuchen kommen, scheinen wir der einzige Plan B zu sein und das alleine macht uns schon Hoffnung. - Warum aber in aller Welt sind wir denn so scharf darauf, noch mehr von diesen astrophysikalischen Observatorien auf den Berg zu bekommen? - Wir erhoffen uns damit nicht nur erster Standort Europas für die Beobachtung des Himmels der nördlichen Hemisphäre zu bleiben, sondern auch endlich als Forschungsstandort zu dienen und die Hochtechnologie, eben angefangen in Sachen astrophysikalischer Beobachtung und Forschung als Eintritt zu nutzen, aus dieser Insel mehr zu machen. - Mehr als aufgehängt zwischen den Almosen in Form von Subventionen für die Bananen und der Tourismusindustrie, welche natürlich auch nur den eigenen Vorteil sieht, und sich weniger um die Notwendigkeiten des Zielgebietes schert.

In beiden Fällen ist man abhängig von außen, kann also nur das Produkt anbieten, die Nachfrage aber steuern wir nicht. - In Sachen Hochtechnologie kann das natürlich genau so passieren, hier wird der Berg vollgeladen mit Observatorien, und anderswo wird beobachtet, ausgewertet und schließlich auch die Schnittchen verteilt, wenn wieder mal eine große Entdeckung gemacht wird. - Das ist eben auch die Kritik einiger Unwilliger, welche auch hier auf der Insel sich gegen die Aufstellung noch weiterer Observatorien wenden, eben mit der ganz einfachen Frage, was hat die Insel davon. - Die Wertschöpfung alleine bereits durch die Bekanntheit der Observatorien in der Welt, oder wenigstens Europa, die ist nicht wirklich messbar. - Das kann man den Kritikern also auch nicht als Argument entgegen halten, aber die Möglichkeit, durch weitere, und eben solche gewaltigen Investitionen, wie sie eben die Cherenkov-Teleskope, oder auch das 30 Meter- Monster darstellen würden, ergeben sich völlig andere Grundlagen, den Standort La Palma neu zu bewerten. - Und die Chinesen haben sich doch auch schon eingekauft, mit einer Beteiligung am GTC, am Gran Telescopio de Canarias, und wenn die schon auf La Palma setzen, dann sollten wir doch selbst auch mal an uns glauben, und nicht immer nur Bananen und Betten pflanzen!



Die Fallwinde treiben die Passatwolken hinab bis zu Fran





Donnerstag 15.09.2016 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 19 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 44 % - Luftdruck 1019 hPa

Fulanito de tal dice hoy: Bota vacía la sed no sacia

Leeres Fass, der Durst nicht gestillt. - Auf Deutsch fehlen ja immer noch Worte, hungrig - satt, durstig - ? Bei der Volksweisheit kann es sich um eine, bei vielen Sprüchen ganz normale Beschreibung des Offensichtlichen handeln, oder aber mir erschließt sich der tiefere Sinn einfach nicht.





Playa de los Guirres / Playa Nueva
Bild von Richard Wurdel





Mittwoch 14.09.2016 17:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 23 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 44 % - Luftdruck 1019 hPa
Höchsttemperatur heute 24,7 Grad - niedrigste Temperatur 20,7 Grad

Presse
Was da so geschrieben steht

Eine durchaus positive Meldung kommt da in Sachen Pflanzenschutz über uns. - Uns sind in dem Fall die großen Kanareninseln, denn man hat dort laut unserem Direktor für Landwirtschaft des Gobierno de Canarias den Rhynchophorus ferrugineus von den Insel vertrieben. - Hier nennt man den Rüsselkäfer "Picudo rojo" und dieses Tier hat in vielen Teilen der Welt, in denen es große Ansammlungen von Palmen gibt, Angst und Schrecken ausgelöst. - Seit dem Jahr 2005 ist das Tier auch auf den Kanaren aufgetaucht, als unentdeckte Beigabe importierter Palmen aus Nordafrika. - Auf La Palma soll der "Picudo rojo" niemals aufgetreten sein, was allerdings von einigen Biologen der Insel selbst bestritten wird. - Allerdings gibt es noch einen zweiten Schädling, den man ebenso "Picudo rojo" nennt, und auch Palmen befällt, der aber viel kleiner ist und auf den Namen Diocalandra frumenti hört. - Den gibt es offiziell auch bei uns auf der Insel, allerdings ganz vereinzelt im Süden der Insel, aber ebenso durch importierte Palmen eingewandert. Wenn das die AFD hört, wieder kleine, rote Störer mit Migrationshintergrund, wobei ich ja ein großer, roter Störer bin, aber sicher keine Palmen anbohre…

Auf den anderen Inseln kam es beim Versuch den Rüsselkäfer zu bekämpfen immer wieder zu robust diskutierten Aktionen bei denen viele Palmen gefällt werden mussten, bei uns auf La Palma kam es zu keiner massenhaften Ausbreitung ,weder des einen, noch des anderen Käfers, auch wenn man in den Jahren 2006 bis 2010 sogar ein Verbot erließ, welches das "Rasieren" der Palmen verbot. - Aus ästhetischen Gründen scheiden viele "Gartler" nicht nur die vertrockneten Wedel ab, sondern schälen auch den Blattansatz vom Stamm. - Das sieht dann schöner aus, soll aber dem kleinen Käfer eine einfachere Angriffsfläche für seine bohrende Tätigkeit geboten haben. - Gratulation an den Landwirtschaftsrat des Gobierno de Canarias, nach über zehn Jahren Arbeit einen sehr bedrohlichen Schädling abgewehrt. - Wenn das wirklich so zutrifft, dann Chapeau, es bleiben nur noch ein paar weitere hundert Schädlinge über…Mehr über beide Rüsselkäfer vom Gobierno de Canarias mit Karten und Statistiken gibt es HIER.

Schilda liegt oft gleich hinter der nächsten Kurve. - Das gilt wohl für alle Kontinente, auch für unseren. - So tauchte bei Barlovento in einer Kurve plötzlich eine sechsstöckige Treppe aus Metall auf, welche von der Straßenoberfläche hinauf wohl zu einem Wanderweg führt. - Diese Treppe steht da ziemlich unorthodox in der Ablaufrinne des Straßengrabens befestigt, und als verwirrte Verkehrsteilnehmer Bilder davon an die Presse und weiter an das Cabildo Insular sandten, zeigte man sich dort unwissend und keiner konnte sich so recht vorstellen, was denn diese Treppe da soll und wer das beauftragt hätte. - Heute weiß man ein bisschen mehr, diese Treppe wurde im Laufe des Ausbaus der Nordumfahrung der LP1 Höhe Barlovento aufgestellt, und Bauherr ist für den Ausbau der Strecke ja das Gobierno de Canarias. - Dort angerufen beschied man unserem Inselrat für Infrastruktur, der so gar keinen Rat mit der Treppe hatte, dass doch wohl die Gemeinde Barlovento darüber Bescheid wissen müsste und sowieso deren Bürgermeister.

Der weiß allerdings auch nichts davon, sagt er zumindest, andre behaupten, der wüsste es ganz genau, man hätte lediglich vor Jahren bei Baubeginn mal beschlossen, manche Wanderwege und "Caminos Reales" welche durch den Ausbau der Hauptverkehrsstraße plötzlich abgeschnitten waren, durch behelfsmäßige Stege und Wege wieder erreichbar zu machen. - Immerhin, das Ding kostet über 60.000 Euro und wurde in einer Schmiede in Los Sauces zusammengebastelt und stellt laut unserem Inselrat für Verkehr die "Antithese der Verkehrssicherheit" dar und muss nach seiner Auffassung so schnell wie möglich entfernt werden. - Ich liebe solche Wortschöpfungen, wie deren Schöpfer, und endlich haben wir wieder ein Skandälchen, wir hatten doch schon fast angefangen, uns mit ernsthaften Themen zu beschäftigen. - Wie immer ist Maikel Chacón von der La Palma Times.es mit Bild und Schrift als erster in Schilda und lässt uns da mitschmunzeln. - Interessant wird es dann aber heraus zu bekommen, wer das Ding nun wirklich in Auftrag gegeben hat. - Insgesamt gilt der, über viele Jahre verspätete Ausbau der LP1 zwischen Puntallana und Barlovento als Schildbürgerstreich ersten Kalibers mit Gesamtkunstwerkcharakter hier auf der Insel und soll inzwischen über 70 Millionen Euro gekostet haben, ein Mehrfaches des ursprünglich geforderten Betrags.

Ja, ernsthafte Themen. - Da war dann noch das Gesetz 6/2002 und davon die Änderung der Artikel vier und acht, und wie daraus 33 Hotels und 5 Golfplätze für La Palma werden sollen. - Das ist natürlich Quatsch, so viele Hotels werden das niemals, aber es soll einiges möglich gemacht werden. - Man nennt es das Gesetz der "Grünen Inseln", denn es geht um La Palma, La Gomera und El Hierro und diese Gesetzesänderung will Rechtssicherheit für Investoren bieten, welche auf den drei Inseln touristische Vorhaben durchziehen wollen. - Bislang scheiterten viele Investitionen nicht nur an der geringen Nachfrage, sondern eben auch an Auflagen und Gesetzen, welche es schier unmöglich für die Hoteliers und andere Investoren machten, auf einer der drei Inseln ihr Geld lukrativ anzubringen. - Jetzt hofft man ja im Rausch des vom "Arabischen Frühlings" angeregten "Kanarischen Sommers" mit der Gesetzesänderung, schnell nach mehr Betten und touristischer Infrastruktur rufen zu können, da Reiseveranstalter händeringend mehr Kapazitäten für ihr Geschäft suchen. - Das trifft sich gut, da machen wir ein neues Gesetz draus, und in den Änderungen beschreibt man neue Abstände zukünftiger Beherbergungsanlagen und Mindestgrößen der Grundstücke pro Bett. - Auch gibt es Änderungen in den Abständen zu Naturschutzgebieten und Urbanisationen, und so will man mehr Rechtssicherheit schaffen und Investoren anlocken.

Politik und Gewerbeverbände der Insel applaudieren, und in der Tat haben wir bislang so ziemlich alle Investoren vertrieben. - Gut, die meiste Arbeit dabei hat die flaue Konjunktur in Sachen "Zielgebietsstruktur unseres Inselchens" erledigt, da andere Destinationen deutlich mehr Profit mit geringerem Risiko versprachen. - Aber so ziemlich alle Despoten der Regionen rund ums Mittelmeer, und einige eifrige Weltpolizisten, arbeiten inzwischen für den inneren Kern der kanarischen Tourismusindustrie und plötzlich werden vorletzte Fürze im Universum (also wir, El Hierro ist dann der Letzte, liebe Barbara…) zu verwertbarer Grundmasse für shareholderorientierte Global Players. - Viele Gruppen, meist ökologisch orientierte, aber auch Parteien und Verbände haben bereits angekündigt, gegen die Änderung des Gesetzes 6/2002 gerichtlich angehen zu wollen, es sind zumeist die gleichen Gruppen, welche auch ein kanarisches Bodengesetz ablehnen, das "Ley del Suelo Canaria" mit dem man eben auch einseitige Hinwendung gesetzlicher Auflagen nur noch im Sinne von Investoren vermutet. - Das ist zu befürchten, auf der anderen Seite verhindert das zu strikte Gesetz auf den kleinen Inseln selbst die Ansiedlung des nachhaltigen Tourismus der Blue Economy oder Regulierung des bereits vorhandenen, und so bleibt zu fürchten, dass einige vorsichtige wie richtige Ansätze im Strudel zu großer Erwartungen untergehen. - Oder eben, wie auch häufig geschehen, von den Gerichten kassiert werden. - Auf anhaltende Rechtssicherheit müssen die Investoren also trotz der nun durchgewunkenen Änderung des 6/2002 noch warten. - Und, willkommen im Herbst, in Las Manchas und Todoque hat es heute Nachmittag genieselt, aber mehr erwarten wir auf der Westseite für die kommenden Tage und wohl auch Wochen nicht.



Scheint so zu sein, dass Federico in Puerto de Tazacorte noch als Einziger den Durchblick behält...





Mittwoch 14.09.2016 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 50 % - Luftdruck 1020 hPa

Fulanito de tal dice hoy: Borrón y cuenta nuva, la cuenta pasada aprueba

Schlussstrich ziehen und eine neue Rechnung, die alte Rechnung ist genehmigt . - Das mit dem, einmal ganz von vorne anfangen, und eben keine alte Rechnung mitnehmen, oder keinen Rucksack gepackt bekommen, das scheint ein bekannter Menschheitstraum zu sein. - Schwamm drüber, was gestern war zählt nicht mehr, es geht ganz von vorne los. - Blatter, Beckenbauer, Bárcenas und viele mehr, glauben fest daran.





Irgendwo im Norden
Bild von Wolfgang Hempel





Dienstag 13.09.2016 17:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 26 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 42 % - Luftdruck 1020 hPa
Höchsttemperatur heute 27,4 Grad - niedrigste Temperatur 20,5 Grad

Der Verdienst und das Verdienst
Bescheidenheit 2.0 oder Realitätsverlust

Nicht richtig ist, dass der kanarische Tourismusverband dem humorlosen Mann vom Bosporus die Verdienstmedaille 2016 verliehen hat. - Darum müssen wir uns auch gar nicht darum kümmern, ob es in diesem Fall das Verdienst wäre, oder der Verdienst, oder wie sich das auch prima ergibt in unserem lustigen Kapitalkapitel, sowohl als auch. - Noch weniger richtig ist, dass kanarische Hoteliers nach jeder schlechten Meldung aus den Krisenregionen inzwischen Sektkorken knallen lassen. - Richtig ist aber wohl, dass man natürlich bei uns, auch auf La Palma, sehr gut die Auswirkungen der geopolitischen Situation in mit Spanien und den Kanaren konkurrierenden touristischen Destinationen merkt. - Auch richtig ist, dass es unser Verdienst ist. - Die Frage bleibt offen, ob es denn nur der Verdienst, was unbestritten ist, oder auch das Verdienst ist, welches wir uns hier an die Brust, oder sonst wo hin binden wollen, denn die Brieftasche ist ja bereits besetzt.

Das Wortspiel findet auf Spanisch nicht statt, da es geht um "Ganancias" (Gewinne) oder um "Méritos" (Meriten - also das Verdienst) und unsere bescheidene Grundhaltung. Zumindest waren wir Epochen lang bekannt, bescheiden zu sein, würde uns eigentlich vorschreiben, uns nicht die Meriten für den touristischen Aufschwung, neben den Gewinnen, auch noch einzuheimsen. - Allerdings kennt die Tourismusrätin des Gobierno de Canarias, María Teresa Lorenzo, einmal dürfen Sie raten, welcher Partei sie angehört, da wenig Skrupel und nimmt beiderlei Geschlecht der Verdienste einfach für uns ein. - "Der Zuwachs der Zahlen im ausländischen Tourismus resultiert aus gut gemachter Arbeit und nicht aus der Umleitung von Gästen aus weniger stabilen Regionen. - OK, ziehen wir kleine Rundungen in Sachen ausschnittsweiser Zitierung ab, dennoch bleibt da als Kernaussage stehen, der Verdienst war auch das Verdienst und weil wir so super sind, kommen die Leute zu uns und nicht, weil man sich anderswo den Schädel einschlägt.

Ob das nur schlechter Stil ist, auch das können wir offen lassen, obwohl die Kanaren sich momentan überhaupt nicht im Wahlkampfmodus befinden. - Es stimmt halt einfach nicht, und keiner würde auch sagen, unsere Tourismuswerbung sei schlecht, aber der allergrößte Teil des Zuwachs im internationalen Tourismus auf den Kanaren und in Spanien ist eben nur geliehen, weil Gäste und Reiseveranstalter halt in viele Regionen momentan nicht reisen wollen. - Realitätsverlust bei Politikern ist eigentlich Tagesgeschäft, wer regt sich noch darüber auf, die aktuelle Gefahr dabei besteht aber eben aus Sattheit und falscher Weichenstellung für die Zukunft, und hier muss man wohl über den kognitiven Leistungsstandard eines Regionalpolitikers hinaus wirken, sonst wird eines Tages aus dem Arabischen Frühling nicht nur der Kanarische Sommer, sondern dann könnte das auch die anderen Jahreszeiten noch auf den Plan rufen.

Für La Palma gilt die Warnung noch expliziter, da unsere Zuwachsraten im internationalen Tourismus die der anderen Inseln in diesem Jahr bei Weitem übersteigen. - Das ist aber einfach zu erklären, wir waren in den letzten Jahren eigentlich im Sommer so gut wie nicht vorhanden im internationalen Tourismusgeschäft, und nun kommen wir zurück auf den Markt, und erreichen dabei natürlich gewaltige prozentuelle Zuwächse. - Warum wir dabei auch "Spätentwickler" sind, unser touristisches Wachstum also nicht auch bereits 2011 begonnen hat, als bereits "Frühling in Arabien" herrschte, wie das auf den großen Kanarischen Inseln der Fall war, das hat was mit unseren touristischen Fähigkeiten und Kapazitäten zu tun. - Erst als alle Betten und Arrangements auf Gran Canaria, Tenerife, Lanzarote und Fuerteventura abgeklappert waren, entsannen sich die Einkäufer der Reiseveranstalter darauf, dass es noch mehr Kanareninseln gibt. - Seit einem Jahr nun fliegen uns Kompanien und Destinationen an, welche wir kaum aussprechen können, und ich fürchte mal, dass auch viele der Urlauber, welche da den Maschinen lustig genannter Fluggesellschaften entsteigen, wissen gar nicht so recht den Unterschied zwischen Las Palmas und La Palma und eigentlich könnte uns das Schnuppe sein, weil es ja dennoch unser Verdienst ist, also der, und nicht das.

Da habe ich ja wieder geschickt die Kurve zum Titel bekommen, und hier darf ich nun unsere lokale Tourismusrätin loben, denn die Inselkollegin Alicia Vanoostende bewertet den Aufschwung der Gästezahlen deutlich reeller, als deren regionale Kollegin. - In manchen Pressetexten verzichtet man ganz auf Analysen, warum denn plötzlich so viele Leute zu uns kommen, aber gerade letzte Woche, auf einem öffentlichen Vortrag in Sachen neuer Tourismusgesetze zeigte sich Alicia wohl bewusst und äußerte klar die Erkenntnis, dass es eben wohl geopolitische Ursachen habe, warum La Palma jetzt so frequentiert wird. - Nicht nur, sondern auch, und ich pflege noch hinzuzusagen, auch der vorherige Tourismusrat der Insel, Raúl Camacho hat gute Arbeit geleistet, aber ich glaube wohl, dass das Verdienst am Aufschwung aus eigener Kraft sich ziemlich zart ausnimmt, gegen die globalen Umschichtungen in der Gästeverschickung.

Das Ganze als Chance betrachten und als Aufgabe, wobei ich jetzt mal die möglichen Wortspiele des Wortes Aufgabe weglassen möchte. - Jetzt haben wir die Möglichkeit, uns als guter Partner für viele Reiseveranstalter zu zeigen und auch einem Publikum, welches uns vor Jahren noch nicht einmal wahrgenommen hätte. - Jetzt dürfen wir halt nicht in den Wahnsinn verfallen zu glauben, das ginge immer so weiter, wir brauchen uns gar nicht mehr anzustrengen, sondern einfach mehr Hotelbetten aufzustellen, die Gäste kommen ja von ganz alleine. - Die Gäste und der Markt brauchen aber immer Gründe, warum man eine Destination besuchen. - Vielleicht, weil sie besonders schön und einzigartig ist, vielleicht auch, weil sie besonders billig ist, oder einfach, weil die Alternativen im Moment ausgegangen sind. - Die Alternativen kommen wieder, sicherlich, billig zu sein, das darf man sich doch wirklich nicht wünschen, und besonders schön und einzigartig, das sind wir und wenn wir aufmerksam genug mit den Wallungen globaler Veränderungen umgehen, dann suchen wir besser immer das Heil in der Nische, und nicht in der Masse. - Verdienst ist schließlich nicht gleich Verdienst, aber man kann sich beides verdienen.






Wildromantische Kioske verleihen dem pittoreksen Fischerort El Remo unvergleichbaren Charme und versprechen wunderbare Abende im wohligen Schoß eines Weltbiosphärenreservates.
Die Bilder stammen von Reimund und Trixi





Dienstag 13.9.2016 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 55 % - Luftdruck 1019 hPa

Gastbeitrag von Rose Marie Dähncke
Eiserne Konsequenz, oder?


In der städtischen Schwimmhalle kannte man sich gut. Besonders bei den wenigen ersten Besuchern um 8 Uhr früh wusste einer vom anderen, wie er den Ablauf seiner sportlichen Bemühungen gestaltete, welche Bahn er schwamm, wie oft, welches seine bevorzugten Lockerungsübungen waren usw.

Ein ziemlich alter Mann zog die Aufmerksamkeit auf sich durch seinen äußerst konsequenten Programmablauf, immer dasselbe und auf die Minute genau. Ins Wasser ging er vorschriftsmäßig nach alter Sitte: ein bisschen rein, dann erst den linken Arm, den Herzarm, zur Abkühlung benetzt, dann den rechten Arm, zuletzt die Herzgegend. Dann ließ er sich ins Wasser gleiten und schwamm durch das Becken bis zur hinteren Wand mit den Massagedüsen in verschiedenen Höhen. Er begann mit der Wadenmassage, 5 Minuten, links-rechts, links-rechts, rauf und runter. Als Nächstes war die Bauchmassage dran, 5 Minuten, schön rundherum durch leichtes Drehen hin und her; danach eine Wendung und 5 Minuten die Nierengegend. Die nächste Düse war in Rückenhöhe, und er genoss sie 5 Minuten. Als Besonderheit folgte der starke Wasserschwall aus der Wand etwa 1,5o m über dem Wasserspiegel, den liebte er besonders, immer in voller Menge auf die linke Schulter, auf die rechte Schulter und auf den Nacken, ganze 10 Minuten lang. Dann kamen als Abschluss nur noch die drei Brauseköpfe zur Auswahl: sanft, mittel, stark. Er nahm den kräftigsten, streckte ihm die Arme hoch entgegen, tänzelte genüsslich ein wenig hin und her, reckte den Kopf und ließ den vollen, starken Strahl auf die Platte prasseln.

Und das sollte er lieber nicht tun. Es ist nicht erwiesen, dass diese rohe Behandlung förderlich ist für das Denkvermögen oder eher leichte Hirnstörungen verursachen könnte, zu welcher Annahme man eines Tages, es war ein Dienstag, neigte.

Er kam wie immer. Ging vorsichtig nach seiner Art ins Wasser. Begab sich zu den Düsen. Erst die Waden, links-rechts, links-rechts, 5 Minuten lang, dann die Bauchmassage schön rundherum wie immer, anschließend die Nierchen, danach der Rücken, ausgiebig. Nun gab er sich besonders dem Genuss des starken Wasserschwalls hin, auf Schultern links-rechts, links-rechts, den Nacken nicht zu vergessen. Blieb noch der kräftige Wasserstrahl aus der Brause auf die emporgestreckten Arme und auf den Kopf, prassel-prassel, 10 Minuten lang, aber, sie werden lachen, es war gar kein Wasser gekommen. Auch die Düsen hatten nicht funktioniert, und der Wasserschwall aus der Wand war ausgeblieben, denn es war Stromausfall. Er hatte trotzdem alles getreu seinem Programm absolviert.

Ist das nun Konsequenz? Oder?

Als mir die Begebenheit mitgeteilt wurde, konnte ich nicht widerstehen, zu überlegen, ob der Gute auch durch das Becken schwimmen würde, wenn es einmal bei Reinigungsarbeiten ohne Wasser wäre.




Dieser Wasserfall auf La Palma hat keinen Stromausfall, er fällt immer. - Cascada de Colores, erreichbar in der Caldera de Taburiente




Montag 12.09.2016 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 26 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 29 % - Luftdruck 1019 hPa
Höchsttemperatur heute 26,3 Grad - niedrigste Temperatur 20,0 Grad

Kathedralen im Alltag
Spendenkasse für Frans Familie bei 28.000 Euro!

In drei Wochen 28.000,- Euro, Stand Freitag 9.September, uns werden die Ausrufezeichen knapp!! - Das ist mehr als bemerkenswert, unheimlich erfreulich, wie viele Menschen Anteil daran nehmen wollen, dass die große Lücke nach Frans Tod nicht auch noch die Ausbildung der Kinder erreichen kann. - Die sind alle wieder weg, in Madrid, Valencia und Gran Canaria außer dem Jüngsten, der in die Abiturklasse geht, und so wird es nun im Haus Nanis auch ruhiger und man versucht, Alltag zu leben. - In den Bergen geht die Arbeit weiter, umgestürzte Bäume werden heraus geholt, an der Vulkanrute wird gewerkelt, dass man die bald wieder auf allen Abschnitten öffnen kann und gestern und vorgestern zogen auch schon wieder feuchte Passatwolken über die Cumbre Vieja, bis zu den Campanarios im Süden, so dass die oberen betroffenen Flächen jetzt schon wieder mit Feuchtigkeit versorgt werden.

In der Presse überschlägt man sich mit Forderungen, wie denn am besten nun die betroffenen Zonen vor winterlicher Erosion geschützt werden und bis Dezember will man mit den Maßnahmen fertig sein, heißt es, wobei wir alle wissen, dass alle notwendigen Arbeiten niemals bis zu dem Zeitpunkt fertig sein können. - Da gewinnt halt immer wieder das System Hoffnung beste Aufmerksamkeit, es muss regnen, nach zwei sehr trockenen Wintern hier im Westen, aber bloß nicht so viel, dass der fragile Waldboden unter den verbrannten Flächen vom Wasser als Fracht mit hinab in den Atlantik gerissen wird. - Das ist eine, nicht enden wollende Aufgabe, die Insel davon abzuhalten, in kleinen Dosen ins Meer geschickt zu werden. - Da wird die Geschichte von dem Donnerknall und dem Riesentsunami zum Ausnahmefall, der Alltag sieht anders aus, dass nämlich der Wind und besonders das Wasser ständig, und überhaupt nicht medienwirksam an der Insel nagen.

In Sachen Spenden sind wir mit dem Thema Steuern noch nicht durch. - Allerdings ist es aber klar, dass wir Steuern bezahlen müssen, wohl progressiv nach Summe ansteigend, etwa zwischen 9 und 12%. - Es gibt auch nicht wirklich den Steuerberater hier auf der Insel, welcher ausgesprochener Spezialist in dem Thema ist, also versucht man sich da schlau zu machen, wie man das denn am elegantesten machen kann. - Es kommt halt nicht jeden Tag vor, dass solche Sammlungen stattfinden, und auch die Summe ist inzwischen relevant, und natürlich wollen wir, also die von SOS La Palma und der Rest der Initiatoren, dass alles transparent und auch legal abläuft, und wenn man Steuern bezahlen muss, dann ist das halt so. - Nani weiß das natürlich auch, aber wir lassen das nun die Steuerberater untereinander besprechen, die müssen das besser wissen als wir, und wir beschäftigen und weiterhin damit, so viel wie möglich zu sammeln, um eben die Ausbildung der Kinder sicher zu stellen.

Was auch noch hier rein gehört. - Scott hat einen Brief geschrieben, an La Palma gerichtet, in dem er um Entschuldigung bittet für seinen Fehltritt, und uns allen versichert, dass es in keiner Weise Absicht war, was ihm da passiert ist. - Da ich nicht weiß, was Sie wissen, hier noch die Erklärung, wer denn hier um Entschuldigung, und für was in der Öffentlichkeit bittet. - Scott ist ein junger Deutscher, der seit ein paar Monaten ohne Mittel und Unterstützung hier auf der Insel wohnt. - Hippie ist wohl der Ausdruck, den man allgemein für solche Menschen wählt, und da dieses Wort zumindest bei mir positiv belegt ist, nutzen wir das einfach mal. - Scott hat am 3. August einen ziemlich großen und groben Fehler begangen, er hat nicht genügend aufgepasst, als er sein Toilettenpapier nach Gebrauch angezündet hat. - Er wollte keine Spuren hinterlassen und im Nachhinein ist es einfach und billig vorzuschlagen, eingraben wäre klüger gewesen. - Scott hat also das Feuer ausgelöst, er hat das auch nie bestritten, selbst die Polizei und Hilfe geholt und sitzt seit dem im Gefängnis von Santa Cruz. - Der Brief ging an eltime.es, der Online-Zeitung, welche sich als einzige mit Sott eingehender und auch differenzierter befasst hat, und damit ist der Brief auch richtig adressiert.

Glaubhaft ist seine Bitte um Entschuldigung gewiss und seine Versicherung auch, dass es niemals seine Absicht war, La Palma und seinen Bewohnern irgendwelchen Schaden zuzufügen. - Ob das nun juristisch klug oder relevant ist, das weiß ich nicht. - Scott hatte doch nach Aussage der Polizei bereits alles gestanden, also scheint das eher ein Versuch zu sein, La Palma die Hand zu reichen, um selbst die Schuld besser, sicher nicht einfacher tragen zu können. - In keinem Moment geht Scott in dem Brief auf den Umstand ein, dass es viele Aussagen Dritter gibt, nachdem man das ausgebrochene Feuer wohl hätte noch löschen können, noch bevor es überhaupt die andere Straßenseite erreicht hat und dann irgendwann zu dem Großfeuer geworden ist, über welches wir seit mehreren Wochen nun sprechen. - Das ehrt ihn, dass er nicht versucht, Schuld oder Verantwortung von sich schieben zu wollen. - So scheint nicht sein Anwalt die Hand geführt zu haben, sicher aber hat er Hilfe gehabt, die Worte in sehr korrektem Spanisch zu formulieren, was auch gleich wieder zu, fast nach Verschwörung klingenden Hintergedanken bei einigen geführt hat. - Manchmal ist ein Brief einfach nur ein Brief, und vielleicht ist der 11. September zu nah, ich denke eher, der Junge hat da versucht, sich etwas Erleichterung zu verschaffen und bei den meisten kommt das auch durchaus gut an.

Nun erfahren wir aber auch, dass Scott immer noch im Gefängnis sitzt und da gehört der junge Mann sicherlich nicht hin. - Gar nicht auszudenken, der letzte Prozess um fahrlässige Brandstiftung, in dem es um das Feuer im Süden der Insel im August 2009 geht, wird erst kommende Woche verhandelt, das sind gute sieben Jahre, das kann doch keiner ernsthaft wollen. - Hängt bestimmt mit seinem fehlenden Wohnsitz in Spanien zusammen und möglicher Fluchtgefahr, und ob sich ein Richter darauf einlässt, seinen Worten zu glauben, sich seiner Verantwortung nicht zu entziehen, auch das weiß ich nicht. - Nani, also Frans Witwe, hat neulich erst geäußert, dass sie sich ohne Probleme mit Scott treffen würde und dabei geht es nicht darum, ihm die Schuld zu geben, sondern auch Nani sucht Verarbeitung und das Schicksal hat nun mal die Beiden auf ein gemeinsames Spielfeld gelotst. - Fragen über Fragen und da hängen menschliche Schicksale dran und manchmal fällt es dabei schwer, sich zu konzentrieren. - Also wir kommen zurück auf unsere Aufgabe, Mauersteine kaufen, für Frans Kathedrale und wie das geht, das wissen Sie doch. - Vielen Dank bislang!

Das Konto lautet:
Asociación Solidaridad SOS La Palma
IBAN: ES16 0182 3441 2702 0160 6795
BIC/SWIFT:BBVAESMMXXX

Wichtig: Verwendungszweck (Concepto): Fran




Ein Kiefernstamm aus der Zone. - Gleich hinter der angebrannten Borke lebendige Farbe. - Dem Wurm allerdings, der auf der rechten Seite gewirkt hat, dem muss es ziemlich warm geworden sein...





Montag 12.09.2016 08:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 46 % - Luftdruck 1016 hPa

Fulanito de tal dice hoy: Borrar con el codo lo que se escribe con la mano

Mit dem Ellbogen löschen, was man mit der Hand schreibt. - Das sind wohl die tragischen Figuren überhaupt, wer, aus welchem Grund auch immer, seine eigene Arbeit wieder vernichtet. - In größerem oder kleinerem Ausmaß ist uns das sicher allen schon passiert.





Zugang zur Vulkantube von Todoque
Offiziell, Monumento Natural Tubo Volcánico 'Cueva de Las Palomas'
Bild von Richard Wurdel





Sonntag 11.09.2016 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 26 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 33 % - Luftdruck 1017 hPa
Höchsttemperatur heute 26,9 Grad - niedrigste Temperatur 20,5 Grad

Paul tiefenentspannt im P-Quadranten
Leute, lasst die Kiste zu!

Manche unserer Katzen genießen die Ruhe nach dem Familienbesuch, andere vermissen die besondere Aufmerksamkeit. - Und dann gibt es noch Paul. - Dem ist das egal, wer sonst noch gerade in seinem Geltungsbereich um Ruhe oder eben Aufmerksamkeit buhlt, die Welt dreht sich sowieso nur um ihn und vielleicht gibt es so etwas ja wirklich, Schwarze Löcher der Präsenz, die alles andere wegsaugen und so weit komprimieren, dass man eigentlich nicht mal mehr daran riechen muss. - Es gibt Leute, die erhellen einen Raum, wenn sie diesen betreten, andere sind eher der Typ "Dimmer", wieder andere besitzen den Charme einer Energiesparlampe, und dann gibt es noch den Quadranten Paul. - Wo Paul auftaucht entsteht Raum erst, und alle Fragezeichen strecken sich freiwillig zu einer unendlichen und geraden Linie.

Natürlich ist die Frage erlaubt, ob es so etwas auch aus der Apotheke gibt, aber Antimaterie und Photonen schluckendes Licht gibt es nicht mal als Bückware, dafür muss man schon Katze sein. - Und eben nicht einfach nur ein feliner Zeitgenosse mit Jagdinstinkten und sechzehn geregelten Stunden Schlaf am Tag, man muss ein Paul sein, und die Katzenphysik lehrt uns eben doch seit Anbeginn der Paulschen Quadrantenmechanik, wo ein Paul ist, kann kein anderer sein. - Allerdings ist Paul auch losgelöst von diesen banalen Stricken der Dimensionen, mit ganz viel Konjunktiv und hell blühender Phantasie könnte man sich das so vorstellen, es gibt unendlich viele Pauls, aber gleichzeitig eben nur diesen einen und der ist überall, und immer in sich. - Aber eben nicht nebeneinander, oder übereinander, sondern mitten drin und einfach omnipräsent, und es wäre hilfreich, jetzt einen Vulkanier neben sich zu haben, der einem das besser erklären könnte. - Aber die sind eben auch nie da, wenn man mal einen braucht.

Praktisch sieht das so aus. - Morgendliche Fütterung, am Wochenende nach meiner Methode, also alle bekommen gleichzeitig. - Sechs Katzen reiben sich an meinen Beinen, bis sie die Flöhe los sind (haben Sie wirklich gedacht, das machen die aus Zuneigung?) oder der Jeansstoff dünner wird, und erst wenn das letzte Schälchen gefüllt ist, dann stürmt die feline Meute sich auf die, bis an den Rand mit parfümiertem Tierkadaver gefüllten Schälchen. - Derweil sitzt Paul, oder muss man sagen während, einfach nur so herum und ignoriert die ganze Szene anscheinend und scheinbar zugleich, um dann, nach ihm angemessener Zeitspanne sich auch seinem Schälchen zu nähern, und den Inhalt sich huldvoll einzuverleiben. - Na ja, eigentlich nähert sich das Schälchen ihm, aber ich will Ihnen am Sonntag nicht noch mehr Katzen aufbinden. - Keine Frage, das feline Fußvolk schlingt das Zeug in sich rein, und versucht dann noch an fremden Schälchen mehr von deren Inhalt zu bekommen, aber niemand dieser wuselnden Schar wird es wagen, sich an Pauls geduldigem Fressnapf zu vergreifen.

Paul frisst auch nicht, Paul lädt. - Vielleicht liegt es auch daran, dass er kaum noch Zähne hat, es heißt ja auch, es bildet sich alles zurück, wenn man, oder Es, der Vollkommenheit näher rückt. - Allerdings hat meine jüngste Tochter, die angehende Tierärztin, dazu eine andere These, die mir allerdings sehr plump, besserwisserisch und viel zu irdisch banal klingt, aber Tierärzte sind ja auch die Spielverderber, welche die Kiste mit Schrödingers Katze einfach aufmachen, nur um zu gucken, ob da noch was zu machen ist. - Eines seiner Lieblingsspiele, Schrödingers Katze. - Wobei er seine Mitspieler immer wieder damit amüsiert, dass er oft der Karton ist, oder Schrödingers Frau, und dann plötzlich von irgendwo her eine Stimme ruft: Nein, so geht das nicht, ich habe da meine Frau nicht reingesteckt! - Herrlich erfrischend dieser kleine Schwerenöter.

So viel Schabernack hätte man ihm eigentlich gar nicht zugetraut, sind doch sonst Typen ähnlicher Konstitution, also Allah, Gott oder Budda, eher ernsthafter Natur, wobei die Geschichten mit dem Fegefeuer und den 72 Jungfrauen fürs Kopf wegblasen schon ein gewisses Komikpotential besitzen, wobei ich hier wieder klar dafür plädieren will, wie auch im Fall Schrödinger, man muss nicht jede Kiste aufmachen. - Jetzt grinst er wieder der Paul und lässt sich streicheln, und tut dabei so, als würde ihm das gefallen. - Natürlich nur um uns einen Gefallen zu tun, aber dadurch gefällt ihm das doch auch und schon steht die Kiste wieder halb offen. - Klasse Wetter, ein Wochenende mit blauem Himmel und blauen Augen, und morgen ist wieder Alltag, und das alle Tage.






Sonntag 11.9.2016 08:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 46 % - Luftdruck 1017 hPa

Gastbeitrag von Doriana Tchakarova
Internationales Festival, junger, professioneller Pianisten


Vom 13.-20. September 2016 findet zum fünften Mal der Internationale Meisterkurs "LaPalmusica" in Puntagorda unter der Leitung des Pianisten Professor Friedemann Rieger statt. Friedemann Rieger ist international als Konzertpianist tätig und unterrichtet als Professor an der Staatlichen Musikhochschule Stuttgart und der Züricher Hochschule der Künste. Er hat seit fast zwanzig Jahren seinen Zweitwohnsitz auf der Insel in Puntagorda.
15 Pianisten aus Korea, China, Portugal, Litauen, Deutschland, Bulgarien, der Ukraine und der Schweiz haben sich angemeldet. Die meisten von ihnen studieren an Musikhochschulen in Deutschland und der Schweiz und sind bereits hochqualifizierte, junge, professionelle Pianisten.

Die Teilnehmer des Meisterkurses gestalten zwei öffentliche Konzerte in Tazacorte und El Paso. Das erste Konzert findet am Samstag, dem 17.09 um 20.30 in Casa de la Cultura in El Paso statt. Das zweite Konzert ist wie jedes Jahr ein Open-Air-Konzert und findet am Montag, dem 19.09 um 20.30 in Casa Massieu in Tazacorte statt. Dargeboten werden zahlreiche Klavierwerke von Haydn, Beethoven, Schumann, Chopin, Rachmaninoff, Prokofjew, Debussy und anderen Komponisten. Über interessierte, zahlreiche Zuhörer freuen sich die jungen Pianisten.





Samstag 10.09.2016 17:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 26 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 41 % - Luftdruck 1018 hPa
Höchsttemperatur heute 26,9 Grad - niedrigste Temperatur 21,7 Grad

Heulende Mütter und grummelnde Väter
Das Wochenende der Abschiede

Wir sind ja bereits erfahren im Loslassen. - Wir heulen und grummeln nicht mehr wenn die Brut das Nest verlässt, zumindest nicht, wenn jemand hinguckt. - Bei meiner Frau bin ich mir eh nicht so sicher, warum die so nachdenklich ist heute. - Ist es, weil nun die jüngere Tochter auch wieder weg, oder ist ihr klar geworden, dass sie nun wieder Wochen, wenn nicht Monate, mit mir alleine das Heim teilen muss. - Lassen wir diese Frage offen, auch ich habe Gefühle, und selbst sieben Katzen geben da keine Antwort, obwohl sogar die Tiere heute bemerkenswert ruhig sind. - Vielleicht auch aus Angst? - Reden Sie mir bitte so was nicht ein… Ob Routine Verluste einfacher macht, darüber können wir in ein paar Jahren noch mal reden, auf jeden Fall hilft Routine cool zu bleiben, man kennt halt inzwischen die Ecken am Flughafen, wo man die Nase putzen kann, ohne aufzufallen.

Dieses Wochenende ist wieder großer Aderlass, unsere Hoffnungen verlassen die Insel und sicher ist es für die vielen "Erstverabschieder" schwerer, als für uns. - Wir zögern den Abschied auch nicht bis Sonntagabend raus, wenn die meisten dann den Flug ins neue Leben nehmen, vielleicht will man so auch dem kollektiven Heulzwang am Eingang zur Sicherheitskontrolle entgehen, diese kleine Barriere, sogar ohne physische Grenze, bildet sie doch so etwas wie den zehnten Schnitt durch die Nabelschnur und dann ist eben ein Ozean zwischen Brut und Nest, und nicht nur eine Straße, ein Urlaubsziel, oder ein Ferienlager.

Es spielt sich aber nicht alles nur am Flughafen ab, viele Eltern bringen ihre Kinder zum Studieren, welches für die palmerische Hochleistungsbrut meist auf Tenerife stattfindet, mit der Fähre und dem Auto in die Neue Welt. - Dabei machen nicht die Meilen den Abstand, Ozean ist Ozean, auch wenn der nächste Hafen nur anderthalb Stunden weit weg ist, keine Nabelschnur reicht so weit. - Aber man kann die Schnur temporär verlängern, in dem man eben die Kinder noch mit in die Fremde begleitet, und manchmal sieht das dann aus wie der Treck der Türken der ersten Generation, welche 1965 mit Transits und Taunus´ über den Balkan in die Heimat gefahren sind. - Wobei das heute meist vollbepackte SUVs sind, oder falls irgendein Bananenblut in elterlicher Linie klebt, einer dieser Pickups aus der Japanerschmiede, als Toyota noch Autos ohne Rückrufgarantie baute.

Manchmal fliegt die Brut mit der Mutter auch mit dem Flugzeug, und das Bodenpersonal, oft nur die Väter, die müssen eben mit dem bedieselten Packesel und dem Schiff kommen, auch weil in diesen SUVs und Pickups eigentlich nicht wirklich viel Platz ist. - Die Ladefläche kommt ja kaum in Frage, ein Palmero fährt nicht mit ungesicherter Ladung auf eine Fähre in die große Welt, die Diebe lauern überall und würden die hervorragenden Kartoffeln und ganzen gebrauchten Klamotten und Töpfe, Teller, Pfannen und Tiegel doch sicher glatt vom Auto klauen. - Und in der Kabine dieser "Lastwägelchen", denn so nennt man die "Camionetas" eben hier, ist wirklich kaum Platz. - Und man muss viel mitnehmen in die Fremde, selbst wenn das Kind einen Platz im möblierten Studentenwohnheim ergattert hat, oder eines dieser vielen Appartements rund um die Universität La Laguna, in denen man dann zu viert in Wohngemeinschaften für lockere hundertfuffzich im Monat wohnen kann.

Wahrscheinlich bewahrt heimisch gefertigter Mojo die Familien-DNS, und warum man kiloweise Ziegenkäse und sowieso Kartoffeln mit nach Tenerife schleppen muss, wo es doch dort auch Ziegen gibt, und nach Erzählung vieler Leute sogar die besten Kartoffeln des Archipels, ich weiß es nicht. - Die Väter wissen das auch nicht, die schleppen nur die Säcke und eben die übergebliebenen Haushaltskleingeräte, welche noch von der Hochzeit vor 18 Jahren ziemlich unausgepackt im Schuppen endlich auf Nutzen warteten. - Auch scheinen an die 85% aller Tupper-Verpackungen dieses Wochenende die Insel zu verlassen, Mütter und Omas kochen seit Wochen kanarisches Gulasch, (Carne en Salsa) oder Fleischklößchen wie nur Oma sie machen kann, wobei das irgendwie jede Oma der Welt kann, wo immer man auch hinhört. - Das ist wieder der Punkt, an dem ich Vegetarier mit in mein tröstendes Abendgebet einschließe, denn noch ist die Generation an Omas nicht so frisch, dass die bereits Fleischklopse der Bratling- oder Sojaschrotklasse als Erbmasse produzieren.

Der Brut ist das meist sogar peinlich, noch schlimmer dann, wenn die Übermütter der Helikopterklasse auch noch die erste Woche mit in der Wohngemeinschaft hausen und den Rest der Studenten noch mitbemuttern, weil das irgendwie nicht mit der Placenta aus dem Körper geflutscht ist. - Und dann muss man sich mal vorstellen, wie das ist, wenn gleich zwei solcher Alpha-Matronen der Brut den Weg ins Leben gründlich verpeilen, die Amerikaner hätten bereits erfolgreiche Serien aus solch hervorragendem Material gemacht, wir verbraten so etwas als Alltag. - Manchmal werden auch Väter dagelassen, weil irgendwo in der Wohnung ja ein Schraube locker sein könnte, und ich selbst habe das erlebt, dass Kinder ihre Väter gefragt haben: Papa, was machst du eigentlich hier und die Antwort lautete: Kind, ich weiß es nicht so genau, aber Mama hat gesagt, vor dem Vierzehnten soll ich nicht zurückkommen. - Ich höre gerade das Raunen, immer sind es die Mütter, wie ungerecht diese Darstellung ist. - Dabei stimmt das gar nicht, Männer verarbeiten ihre Verluste halt einfach anders, wir wissen, wo man ungesehen die Nase putzen kann und dass die eigene Brut die Eltern hinter sich braucht, nicht neben, und schon gar nicht vor ihnen.






Freitag 10.09.2016 06:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 22 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 60 % - Luftdruck 1018 hPa

Fulanito de tal dice hoy: Borrachos y niños no mienten

Betrunkene und Kinder lügen nicht . - Der Spruch scheint überall verbreitet zu sein, allerdings kann ich aus Lebenserfahrung gewisse Zweifel anwenden. - Fragen Sie mal Lehrer, oder Verkehrspolizisten…





In Puerto Naos
Bild von Wolfgang Hempel





Freitag 09.09.2016 17:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 27 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 45 % - Luftdruck 1018 hPa
Höchsttemperatur heute 28,0 Grad - niedrigste Temperatur 22,0 Grad

Erst das Feuer, dann das Protokoll
Gesunder Menschenverstand, Lehrstunde aus Garafía

Viele von uns beschäftigt immer noch das große Feuer vor einem Monat, an dem übrigens immer noch gearbeitet wird, und der offizielle Zustand "gelöscht", also "extingido" noch gar nicht ausgerufen wurde. - Es brennt zwar seit über einem Monat nicht mehr, aber immer noch arbeiten Gruppen des Umweltamtes und des Cabildo Insular in den Bergen, um eben Schäden des Feuers zu beseitigen, und auch noch vereinzelte schwelende Brocken zu löschen. - Daher sind auch manche Wanderwege, wie auch die Vulkanroute zwischen El Pilar und Fuencaliente, weiterhin gesperrt. - Wurzelstücke können noch Monate nach einem Feuer unter der Erde weiterglühen, aber wenn wir uns die Großwetterlage ansehen, dann sollte eigentlich die kommenden Wochen keine Hitzewelle mehr auftauchen, welche erneut die Waldbrandgefahr deutlich erhöht. - Es ist zwar im Moment wieder wärmer geworden, aber die kommenden Tage verkünden Herbst, mit deutlich sinkenden Temperaturen und nächtlicher Feuchtigkeit und in den höheren Lagen der Ostseite nieselt es heute auch wieder bereits. - Mitte des Monats kann es dann noch mal wärmer werden, aber man spürt dann schon die dritte Jahreszeit und mit deutlichen Werten über die fünfunddreißig Grad ist wohl in diesem Jahr nicht mehr zu rechnen.

Dennoch wollen wir die Möglichkeit von weiteren Waldbränden nicht gänzlich ausschließen, aber die große Gefahr durch die meteorologischen Bedingungen scheint für dieses Jahr zunächst mal erledigt. - Aber ich will erneut daran erinnern, am 3. August war es auch nicht heiß oder trocken, sondern, auch auf die Gefahr hin mich zu wiederholen, es war der kälteste Tag im August und trotzdem ist uns ein kleines, lokales Feuer entwischt, und hat sich zu einem Großbrand entwickelt, welches schließlich auch das Leben eines Menschen gefordert hat. - Was dort zwischen verunglücktem verbrennen von Toilettenpapier bis hin zum Übergreifen des Feuers dann auf die andere Straßenseite passiert ist, das weiß ich nicht, und ich werde auch hier nicht alle Gerüchte wiederholen, oder neue hinzufügen. - Das ist Gegenstand von Untersuchungen, und vielleicht erfahren wir ja eines Tages wirklich und belastbar, was da genau abgelaufen ist, bis dahin gehören Parolen in die Kneipe und schnelle Schuldzuweisungen ins Klo. - Was wir wissen ist, dass ab einem gewissen Zeitraum, allerdings eben erst nachdem aus einem Brandherd ein Brand geworden ist, die gesamte Maschinerie und das Protokoll bewundernswert funktioniert haben und aufgrund von hervorragenden und fast übermenschlichen Leistungen es gelungen ist, das Feuer von allen Wohnsiedlungen fern zu halten, und die Schäden an Hab und Gut sehr gering. - Wäre da nicht der Unfalltod Frans zu beklagen, und eben die ersten drei halben Stunden voller Fragezeichen, so könnte man die Brandbekämpfung Anfang August hier auf der Insel allein als vorbildlich und herausragend gut bezeichnen.

Heldenvermeidung wäre allerdings auch ein erstrebenswertes Ziel, und dazu dienen uns meist unspektakuläre Vorfälle, eben genau diejenigen, welche keinen Eintrag im Inselgeschichtsbuch erhalten, weil es eben gelungen ist, einen Brandherd so schnell zu bekämpfen, dass erst gar kein Großfeuer daraus entstanden ist. - Das geschieht viel öfter, als wir das überhaupt mitbekommen, da nicht mal mehr die Lokalpresse jeden Einsatz der Feuerwehren in die Öffentlichkeit bringt, eine vermiedene Katastrophe ist eben keine Schlagzeile, so ticken wir halt mal, und das mit der Hand an der eigenen Nase. - Ich hätte ja immer noch Lust, die Zeitung, "Was nicht passiert ist" zu schreiben, und wenn ich erst mal in Rente bin, dann mache ich das vielleicht auch, weil ich dann keine Leser mehr brauche… Aber nun, immer noch in der emphatischen Hitze des jetzt erloschenen Feuers, oder vielleicht auch in Frans geistiger Wirbelschleppe tauchen nun höchst simple und einfache Bemerkungen auf, welche beachtenswert interessant sind. - Beispiel bietet dafür der Brandherd von "La Mata" in der Gemeinde Garafía, welcher am 4. September in den Nachmittagsstunden alle wieder erschreckt hat.

Als die Hubschrauber löschen kamen, sowie die Polizei und andere Ordnungskräfte, war die größte Arbeit bereits erledigt, weil eben Nachbarn sich bereits des Feuers so weit angenommen hatten, dass man danach keinen Waldbrand oder Großfeuer löschen musste, sondern eben einen weiteren Brandherd auf der Insel, so wie das auch unter häufigem Ausschluss der Öffentlichkeit jedes Jahr vielfach passiert. - Man könnte nun auch einfach diesen Vorfall zuklappen, nichts passiert, Glück gehabt, aber der Bürgermeister der Nordgemeinde will das noch nicht so auf sich beruhen lassen und bietet dieses positive Beispiel an "Bürgerbeteiligung" als Vorbild auch für anderen Gemeinden an und hinterfragt sogar das Eingreifen der Ordnungskräfte, welche die Nachbarn und Helfer bei der Brandbekämpfung sogar massiv behindert haben sollen. - Klar, die Polizei hat immer den Befehl, jeden "Zivilist" vom Feuer fern zu halten, nur die Profis sind für die Brandbekämpfung ausgerüstet und ausgebildet, aber da sei die Gegenfrage gestattet, wie das denn früher war, als es auch gebrannt hat und es noch keine Hubschrauber und professionelle Feuerwehrleute gab, die innerhalb von Stunden am Brandherd sein können. - Früher, als alles anders, und nur manches besser war, da waren es natürlich die Nachbarschaften und dann die Gemeindearbeiter, welche solche Feuer letztendlich auch erfolgreich bekämpft haben.

Die Fragestellen nun lautet, sollen Bürger und Nachbarn die Notrufnummern wählen und dann warten, bis die Profis kommen, was sicher deutlich schneller geht als noch früher, oder sollen die selbst den Schlauch nehmen, und die Kettensäge, und schon mal Hand anlegen, um eben die Zeitspanne vom lokalen Brandherd zum unkontrollierbaren Großfeuer deutlich zu strecken. Wir haben ja auch im Verlauf des Feuers rund um Tacande, San Nicolás und Jedey erlebt, dass die Bewohner zusammen mit den Einsatzkräften es verhindert haben, dass Wohnhäuser abgebrannt sind, obwohl die Anwohner eigentlich aus der Zone komplett verbannt wurden. - Es gab auf Gran Canaria nach dem großen Feuer 2007 dort bereits mal die Überlegung, die Bevölkerung, oder zumindest Teile davon rudimentär in der Brandbekämpfung zu unterrichten, um eben so schnell wie möglich Wirkung auf Brandnester ausüben zu können. - Das haben damals warnende Juristenstimmen, aber auch die Zähne der Zeit und der Krise abgewiegelt, und nun stehen wir erneut vor der durchaus ernst zu nehmenden Frage, ob man denn nicht wieder mehr Bürgerverantwortung antreiben und sogar unterstützen will.

Der gesunde Menschenverstand sagt, selbstverständlich, anderswo nennt man so etwas Freiwillige Feuerwehr, selbst in der kleinsten Gemeinde gibt es so etwas, und man müsste das ja nicht mal so nennen, oder Wertigkeiten dabei verteilen. - Auf der anderen Seite könnte das auch wieder bedeuten, dass man seitens der Korporationen, also Inselregierung, oder in Spanien für die Waldbrandbekämpfung zuständiges Landwirtschaftsministerium diese "Bürgerwehren" zum Anlass nehmen könnte, weniger in die professionelle Brandbekämpfung zu investieren. - Auch könnten die Profis selbst das als "Konkurrenz" ansehen, so wie es auch anderswo auf der Welt wohl Reibereien zwischen Freiwilliger- und Berufsfeuerwehren gibt. - Mir gefällt der Spruch: "Jeder greife den ersten Schlauch" und oft sind ja auch die Profis auf die Hilfe der Nachbarn angewiesen, wenn die Spezialisten nicht wissen, welcher Feldweg befahrbar ist, wo es hier lang geht oder dort, und wo Lichtungen sicher sind und wo bereits früher die Feuer am heftigsten getobt hatten. - Eigentlich eine verstörende Geschichte, da muss man Diskussionen anstoßen, um Selbstverständlichkeiten und gesunden Menschenverstand wieder an die Oberfläche zu lassen.




Ein typisches Bild nach einem Feuer auf den Kanaren. - Hier gab es "nur" ein "Fuego de superficie" also "Oberflächenfeuer". - Unterholz und herabgefallene Kiefernnadeln sind verbrannt und durch die Hitzeeinwirkung geht die Vielzahl der Nadeln der Kiefern kaputt. - Im oberen Teil allerdings grünen diese Bäume weiter und auch die unteren Kiefernnadeln werden spätestens nach den ersten Winterregen wieder durch frische Triebe ersetzt. - Die Statistik zählt aber auch diese Flächen als vebrannt, wobei eben hier der Unterschied zwischen betroffen und verbrannt nicht existiert.





Freitag 09.09.2016 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 22 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 51 % - Luftdruck 1017 hPa

Fulanito de tal dice hoy: Boca que bosteza, estómago que hambrea

Ein Mund der gähnt, ein Magen der hungert. - Man wird den Vorgang des Gähnens hier wohl mit Faulheit gleichsetzen. - Wer nichts tut, der hungert, Sprüche, die das Offensichtliche ausdrücken braucht zwar kein Mensch, halten sich aber ewig und in großer Anzahl. - Man kann natürlich auch furchtbar müde sein, vom vielen Arbeiten, und dabei das Essen vergessen haben…





In Los Llanos
Bild von Richard Wurdel





Donnerstag 08.09.2016 17:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 28 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 39 % - Luftdruck 1018 hPa
Höchsttemperatur heute 28,8 Grad - niedrigste Temperatur 20,8 Grad

Krisenknick in den Schulen
Führerschein und Arbeitsplatz

Die Schule ist wieder los, für die allermeisten, und dann wird aus dem lockeren Sommergehopse wieder ein strikt disziplinierter Alltag. - Für einen Moment sicher, dann lässt die Anspannung wieder nach, aber während der Schulzeiten findet die Insel doch zu einem anderen Rhythmus, als an den Wochenenden oder gar Ferien. - Die morgendliche Schulrally, bei uns ist man Helikoptereltern zwangsweise, zumindest in den Unterstufen müssen die Kinder begleitet in die Schule kommen und abgeholt werden, sonst gibt´s was auf die öffentlich geführte Sozialkompetenz. - Neunzehn Jahre meines Lebens habe ich mit dem "Big Yellow Taxi" meine Kinder morgens in die diversen Schulen gefahren, auch wenn die zum Teil nicht mal ein Kilometer weit weg waren. - Zu unserer und besonders meiner Ehrenrettung, es ist ganz steil hier bei uns wenn man nach El Paso will, und es war meinen beiden Prinzessinnen natürlich nicht zuzumuten, morgens bereits nach einem steilen Schulweg schwitzend in die höheren Bildungseinrichtungen zu gehen. - Im Klartext, ich war gerne der beste Kumpel meiner Töchter, denn ich hätte ja mit gutem Beispiel voran morgens den Berg hochlaufen müssen, also ab ins hauseigene Taxi, dafür ist der Brummer doch da. - Und mittags wieder abholen, gut, nicht immer, sollte die Arbeit das zeitlich nicht zulassen, dann mussten die Damen schon zu Fuß nach Hause laufen.

Wenn Hunderte von, eigentlich noch schlafenden Eltern, meist Mütter, morgens ihre Brut vor der Schule aus dem Auto abladen wollen, dann führt das drei Minuten vor Acht bis fünf nach Acht zu leicht katastrophalen Zuständen vor den Schulen. - Eigentlich passen da vier Autos nebeneinander, auch noch mit offenen Türen, aber palmerische Mütter sind in der Lage, mit einem Auto mehr als vier Fahrspuren gleichzeitig zu blockieren, um die Brut nicht nur aus dem Auto zu lassen, sondern ihr noch den Rotz aus der Nase zu wischen, den Schulranzen im Auto zu packen, die Haare zu kämmen, siebzehneinhalb Küsse auf alle Gesichtspartien zu geben und all das, währen andere 45 Autos darauf warten, von der meistbefahren Straßen der Insel endlich auf den Schulparkplatz abzubiegen, um dann mit der eigenen Brut ähnliche Riten zu vollziehen. - Wenn du jetzt hupst Papa, dann versaust du mir den ganzen Tag, das ist peinlich, warte doch einen Moment ab, das geht dann schon weiter. - Während ich meinem Kind erkläre, dass dort in vier Reihen mindestens zwanzig Autos gleichzeitig und zackig "Kindsentleerung" vollziehen könnten, geht es endlich weiter, aber nur einen halben Meter, weil nun genau vor uns die nächste Übermutter beschlossen hat, mitten in der Einfahrt zum Parkplatz ihr Kind auch bereits aussteigen zu lassen.

Ganz emphatische Leute mögen nun eine gewisse passive Unausgeglichenheit meines Seelenfriedens zu morgendlicher Zeit vernommen haben. - Ich muss zugeben, es gibt andere Situationen im Alltag, da fällt mir mein, nicht so locker abzulegender deutscher Rucksack einfacher, aber irgendwann ist die Schule ja vorbei und bis die Enkel in die Schule zu bringen sind, habe ich vielleicht gelernt, den Rucksack leichter zu schnüren. - Wobei, ich habe darüber mit anderen Vätern geredet, die haben übrigens das Gleiche gesagt, wie sie dieses morgendliche Ritual vor der Schule gehasst haben, aber man trägt das bereits im Leben als Fegefeuer aus, dann wird das später, wenn man getragen wird, und nicht mehr trägt, alles viel einfacher. - Manchmal, wenn man Glück hat, dann fällt das auch bereits noch zu physischer Lebenszeit auf einen zurück, außer Bafög-Bescheiden und Raten fürs erste Auto, so wie man überhaupt so viel zurückbekommt, wenn man Kinder so groß zieht, dass die einen in allen Hinsichten eines Tages überragen. - Hat das nun auch wieder was mit der berühmten abendländischen Kultur zu tun, die jetzt nicht mehr am Hindukusch, sondern in Burkini Faso verteidigt werden muss, Sie wissen schon, wegen des passiv-aggressiven traditionellen Badegewandes von dort, welches einem am Strand den Tag noch vor dem Abendland versaut.

Inzwischen haben beide Prinzessinnen den Führerschein, die Eine bereits seit über einem Jahr, die Andere bereits seit über einem Tag, also bitte vorsichtig auf den Straßen. - Nicht, wegen meiner Tochter, die fährt passiv-unaggressiv Auto, sondern wegen meiner, vor Stolz verbreiterten Brust, und dem dicken Auto drum herum, welches an solchen Tagen noch viel größer erscheint, als es überhaupt schon ist. - Aber "Big Yellow Taxi" ist jetzt nur noch big und yellow und darf noch vor seinem Herrchen aufs Altenteil. - Dann hat das andere Kind auch noch ein Arbeitsangebot aus einer Stadt, die fast am Balkan liegt erhalten, läuft bei uns, sagt man in einer anderen Generation dazu. - Das würde aber auch bedeuten, dass der Typ mit dem Fegefeuer doch Recht gehabt hat, manchmal erlebt man es noch.

Eigentlich wollte ich über die Schule und den Krisenknick schreiben, aber mir ist irgendwie die Tastatur verrutscht. - Krisenknick kommt nach dem Pillenknick, und in unserem Land haben nach dem, vermaledeiten Jahr 2008 ganz viele junge Paare beschlossen, plötzlich keine Kinder mehr bekommen zu wollen. - Klar, aus wirtschaftlichen Sorgen, und das merkt man nun in diesem Jahr erstmalig an der Zahl der Schüler. - 3.000 Schüler fehlen dem kanarische Bildungssystem in diesem Jahr. - Das ist zwar nur ein Prozent weniger an Schülern als im vergangenen Jahr, aber eben doch ein Rückgang, der bislang noch nicht da war und die Rückgänge werden ausschließlich in den Einsteigerklassen verzeichnet. - Gleichzeitig kommen nicht mehr so viele Immigranten auf die Inseln, welche bislang auch die Schulen mit gefüllt haben, also sollte es in diesem Jahr weniger Gedränge morgens geben, wenn man seine Lendenpracht zur kognitiven Trainingseirichtung fährt. - OK, meinen Bildungsauftrag habe ich heute klar verfehlt, obwohl, hätten Sie gewusst, woher der Burkini eigentlich kommt…?






Donnerstag 08.09.2016 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 21 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 50 % - Luftdruck 1018 hPa

Fulanito de tal dice hoy: Boca golosa, cría mujer hermosa

Leckermaul erschafft schöne Frau . - Über den Spruch mussten wir nachdenken. - Stammt wohl aus den ganz schlechten Zeiten, als dünn sein noch krankhaft war und einen Makel darstellte. - Nur wer gut ernährt war, der konnte gesunde und damit schöne Kinder in die Welt setze. - Später diente der Spruch wohl dazu, zu dick gewordenen Leuten Mut zuzusprechen.





Irgendwo im Norden
Bild von Wolfgang Hempel





Mittwoch 07.09.2016 17:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 26 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 48 % - Luftdruck 1018 hPa
Höchsttemperatur heute 26,4 Grad - niedrigste Temperatur 19,8 Grad

Der Fliegende Schweizer
und andere Alltäglichkeiten rund ums Inselchen

Da stellt man mal eine Frage, und dann steht man wie ein dummer Bub da. - Das Schiff von gestern Abend ist die "Salomon", unter Schweizer Flagge, mit Heimathafen Basel und liegt jetzt vor La Gomera. - Wie ich das nicht wissen kann, als ob ich Schiffsbeauftragter wäre, und überhaupt, warum muss ich denn immer alles wissen, wo ich doch auch nur Fragen stelle… - Viele haben es gewusst, viele haben auch zugegeben, dass sie sich einen Spaß daraus gemacht haben, das herauszufinden, in dem sie die Gegend um die Kanaren über einschlägige Webseiten nach größeren Segelschiffen abgesucht haben. - Wer es unter vielen anderen auch gewusst hat, das war natürlich Federico, als Schweizer und Hafenbeauftragter ist das natürlich auch klar und darüber hinaus hat er uns noch aktuelle Bilder von der neuen Hafenmole geschickt, die nun ein weiteres Betriebsfeld eröffnet hat. - Bislang diente der neue Humboldthafen (die Alex 2 ist das erste, und fast einzige Schiff, welches dort jemals angelegt hat) der Bevölkerung der Insel, um Fahrradfahren zu lernen oder pittoreske Fotos unter den Bögen der Kaimauer zu machen. - Jetzt hat man auch noch einen Reifenhersteller gewinnen können, welcher dort Belastungstests für sein Spezialmodell Taburiente-Donut durchführen wird. - Innovation an jeder Ecke, und wieder einmal, wie Gummi in Asphalt gebrannt, die Subventionen der Europäischen Union sind eine runde Sache.

Bleiben wir beim Asphalt, denn auch dieses Jahr wird uns das Cabildo Insular mit der Erneuerung der Asphaltdecke einiger Teilstrecken unseres Straßennetzes beglücken bis überraschen. - Beglücken, da für uns Autofahrer es schon zum Teil erschreckend war, wie schlecht selbst unsere Hauptverbindungsstraßen aufgrund fehlender Investitionen waren. - Da hat man viele Jahre, auch schon lange vor der Krise irgendwie keine Lust gehabt, oder im Falle der LP3, der Hauptverbindungsstraße von Ost nach West, (von mir aus auch anders herum) eher auf die Autobahn gesetzt, anstatt die vorhandene Trasse zu sanieren. - Das ist, seit dem Anselmo Pestana und Jorge Gonzáles von den Sozialisten in der höchsten Inselkorporation das Sagen haben anders geworden, die setzen nun wieder auf vorhandene Straßen anstatt Geisterautobahnen durch Weltbiosphärenreservate zu projektieren. - Für dieses Jahr noch sind geplant: Neue Fahrbahndecken oberhalb El Paso nach dem Kreisverkehr nach unten. - Im Süden an der Straße nach Las Caletas, auf der LP103 bei San Andrés und zwischen Las Tricias und Santo Domingo in der Gemeinde Garafía. - Diese vier Arbeiten sind jetzt in der öffentlichen Ausschreibung und ich bin irgendwie gar nicht mehr gespannt, wer denn den benötigten Asphalt liefern wird. - War da nicht irgendwas mit fehlenden Papieren für das letzte Asphaltwerk auf der Insel? - Aus, wer zu viel fragt, fliegt von der Insel und ich bin mindestens schon beim zweiten Strike.

Die Weinlese auf der Insel ist seit gut einem Monat im Gange, immer zuerst die tiefen Lagen auf der Ostseite bei Mazo, und bis man dann die letzten Reben in den ganz hohen Zonen des Nordens eingesammelt hat, ist es November, und Eiswein auf der Insel gezogen, ist gar nicht so verkehrt gedacht. - Dieses Jahr wird die Gesamternte deutlich geringer ausfallen und das nicht nur aufgrund der Brände auf der Westseite, welche eben gerade in der Gegend von Tamanca einiges an Schäden hinterlassen haben. - Auch die trockenen Winter kommen nur Geltung und das kühle Frühjahr, wobei man nach zwei sehr starken Jahrgängen 2014 und 2015 eigentlich ganz schmerzfrei auf einen schwächeren Jahrgang von der Menge her blicken könnte. - Einige Bodegas hökern immer noch mit den 2014er Weinen rum, wobei die Weißen, außer dem Malvasía, schon deutlich verloren haben, aber zum Teil immer noch angeboten werden. - Dabei schaden sich einige Winzerbetriebe, wenn der Wein erst mal verliert, dann sollte man den aus dem Verkauf nehmen, der spätere Imageverlust könnte deutlich größer sein, als die zurückgenommenen Flaschen eines bereits überlagerten Jahrgangs. - Im Norden der Insel, wo immer mehr Wein angebaut wird, und eben auch die meistprämierten Weine namens Vega Norte herkommen, dort hat kein Feuer gewirkt und so freuen wir uns auch wieder auf die wunderbaren Tropfen und sind schon ganz gespannt auf den ersten "Sechzehner". - Die Qualität will man noch nicht bestimmen, allerdings ist ein warmer Sommer sicher zuträglich und trotz des heißen August ist es auch nicht zu Hitzeschäden gekommen, außer man möchte unbedingt die Brandschäden im Südwesten der Insel dazuzählen. - Eine geringere Ernte führt doch meist zu sinkenden Preisen? - So ein Blödsinn dürfen Sie jetzt ruhig denken, aber der 2015er war von der Menge her ein Rekordjahr und dennoch teurer als sein Vorgänger, also könnte man nun palmerische Bodegalogik anwenden, oder man kann es auch einfach sein lassen…

Erst die Hose, dann die Schuhe, erst das Pferd, dann den Sattel kaufen. - Das glänzt heute wieder vor Logik und ähnlich kognitiv programmiert wendet sich nun auch ein Verband von Gewerbetreibenden der Hauptstadt Santa Cruz an die Gemeinde. - Man möchte doch bitte zunächst den Strand fertig machen, dann erst den Umbau der Avenida Marítima beginnen, so hätte man dann irgendwann zwischen zwei großen Arbeiten auch einen Moment zu verschnaufen und weil das Geschäftsinhaber sind, meinen die bei Verschnaufen natürlich ihren Geschäften nachgehen. - Wer in einer Hauptstadt lebt, oder sein Geschäft hat, der muss sicher immer mit Bauten und Veränderungen leben, aber natürlich haben die Jahre der Verzögerung in Sachen Stadtstrand da schon einiges an Provisorien geschaffen. - Keine Frage, immer neben einer Baustelle zu arbeiten, oder eben seine Waren anzubieten ist kein dauerhaftes Vergnügen und dann droht bereits die nächste Investition. Die Geschäftsleute, welche ihre Läden an der Hauptverkehrsstraße haben, sind bereits schwer leidgeprüft und man kann denen eigentlich nur zurufen, wenn der Strand erst mal fertig, und dann auch noch die Avenida Marítima aufgehübscht ist, dann macht ihr Umsätze wie in Rimini oder Westerland. - Aus dem Rathaus kommt Verständnis und man möchte sich da gerne mit den Geschäftsleuten abstimmen und darüber hinaus, sind die Gelder, mit denen man die Avenida Marítima umgestalten will, ja noch gar nicht im Sack, oder im Säckel, wie das immer heißt. - Es geht um die Rückzahlung der Gelder aus dem "IGTE" (Impuesto General sobre el Tráfico de Empresas) welche als wunderbare Gabe bald über den Inseln ausgeschüttet werden. - Allerdings wissen wir noch gar nicht so recht, wie viel das denn insgesamt sein wird, zwischen 6 und 20 Millionen Euro und alle Gemeinden haben längst viele Projekte aus den Schubladen gezogen und fett IGTE darüber geschriebe. - Mal sehen, wie viele Babys nachher wirklich IGTE zumindest vom Spitznamen her heißen, und wie viele Projekte wieder in den großen Schrank der klammen Gemeindeträume zurückgeschoben werden müssen.








Die Archäologen rätseln immer noch über die Herkunft der Pneumoglyphen.
Ohne Witz nun, dort fand die erste Automobilmesse der Insel statt, und das sind wohl die Radierungen, die übrig bleiben.
Bilder von Federico





Mittwoch 07.09.2016 08:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 38 % - Luftdruck 1017 hPa

Fulanito de tal dice hoy: Boca de verdades, temida en todas partes

Ein Mund, der die Wahrheit spricht, ist überall gefürchtet. - Welch grausames Bild unserer Gesellschaft, wer die Wahrheit ausspricht, den fürchtet man überall? - Heute sagt man ja "whistleblower" dazu, und die werden wirklich gefürchtet wie Steuer-CDs. - Warum eigentlich nicht Steuer-blu-rays oder Steuer-Sticks? - Der Spruch kann aber auch die vielen, vielleicht tausend kleinen, aber beliebten Alltagslügen meinen, welche einem gut über den Tag helfen. - Du musst morgens nicht mehr lügen Schatz, wir haben einen Spiegel im Bad und ich habe heute Morgen das Licht mal angemacht…





Puerto Naos
Bild von Richard Wurdel





Dienstag 06.09.2016 17:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 26 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 33 % - Luftdruck 1018 hPa
Höchsttemperatur heute 26,6 Grad - niedrigste Temperatur 19,4 Grad

Nachrichtenüberschuss
Das Sommerloch ist ins Loch gefallen

Gut für die Hühner in Tijarafe. - Die müssen sich nicht extra überfahren lassen, um den Schreiberlingen die Zeilen vor die Nase zu platzieren. - Eigentlich ist doch noch Sommer, eigentlich geht es doch erst nächste Woche wieder los, so mit Schule, aus- und verschlafen, morgendlicher Hektik und einer öffentlichen Verwaltungs- und Presseerklärungsfabrik, welche sich dann nicht mehr hinter dem Sommer verstecken kann. - Dabei wird es jetzt zum Sommerausklang nochmal ein bisschen wärmer, und das tut jetzt nicht mehr weh, wo doch die Nachttemperaturen seit der letzten Woche sogar unter die, fast fröstelnden 20 Grad Marke gefallen sind. - Nein, wirklich heiß wird es die kommenden Tage nicht, aber der Sommer klammert noch ein wenig und wir machen dabei gerne mit. - Richtig heiß hingegen wird es erneut auf dem Festland und die müssen auch noch mal mit extrem hoher Waldbrandgefahr umgehen, was ja bei uns durch die gesunkenen Nachttemperaturen in den letzten Wochen kaum noch der Fall war.

Allerdings war da die Geschichte von dem Brand im Norden, in der Gemeinde Garafía am Sonntagnachmittag in der Umgebung von "La Mata", aber innerhalb ein paar Stunden war das bereits erledigt. - Wir waren nicht dabei, nicht mal eine Rauchsäule war da über dem Caldera-Rand zu entdecken, so schnell hatten das die herbeigerufenen Helfer, die Hubschrauber der Brif und eben auch Nachbarn und Freiwillige wieder unter Kontrolle. - Bürgermeister, wie Ex-Bürgermeister loben unisono den reibungslosen Ablauf der Löscharbeiten, mal steht die disziplinierte Brif im Vordergrund, mal die schnell eingreifenden Nachbarn und alle sind sich einig, wenn man nicht so schnell und effektiv gegen den Brandherd vorgegangen wäre, dann könnte es sein, dass man heute noch löschen müsste. - Wie gesagt, das können wir über die Ferne nicht beurteilen, allerdings zeigt uns das wieder einmal, dass nicht die Massen an Technik und mehr als zehn Hubschrauber und militärische Hilfe vom Festland wichtig sind, sondern ganz schnelles Eingreifen, und rauf aufs Feuer und nicht erst warten, bis man eine bestimmte Gefahrenstufe ausgerufen bekommt. - Wir sind hier im Tal immer noch nicht fertig mit dem, was zwischen dem Ausbruch des ersten Brandherdes am 3. August unterhalb der Straße nach Jedey passierte, und wie es denn dazu kam, dass sich aus einem kleinen, lokalen Feuer, am kältesten Tag des Augusts, ein Waldbrand sehr großer Ausmaßen entwickeln konnte, welcher schließlich auch das Leben Francisco Santanas kostete.

Weiter auf der Nachrichtenliste, die Chinesen. - Vor zehn Jahren handelten wir das ja noch als Witzchen, man sollte nun im Tourismus auch Chinesisch unterrichten, aber Witze sprechen oftmals angerubbelte Wahrheiten an, und nun kommen sie tatsächlich nach La Palma. - Nein, nicht mit dem Airguagua 380 als Inselgäste direkt aus Peking, aber das "NAOC" (National Astronomical Observatories of the Chinese Academy of Sciences) hat sich nun als Partner für astrophysikalische Beobachtungen beim "GTC" (Gran Telescopio de Canarias) eingekauft und darf in Zukunft über 5% der Beobachtungszeiten des größten optischen Spiegelteleskops der Welt verfügen. - Dafür gibt es aus China neue Technik für das GTC und auch Zugang zu den Forschungen der chinesischen Kollegen. - Erfreulich für La Palma und das IAC, das Instituto Astrofísico de Canarias, ist dabei natürlich die weitere Internationalisierung ihrer Einrichtungen und der Tatsache, dass eben die chinesischen Kollegen sich für ihre Beobachtungen auf der Nordhalbkugel wohl gezielt den Observatorien auf den Kanaren bedienen wollen. - Auch auf Hinsicht der Aufstellung des geplanten 30 Meter-Teleskopes, des "TMT" (Thirty Meter Telescope) ist die Zusammenarbeit mit den Chinesen wichtig. Warum ist einfach: Sollte das große Teleskop nicht, wie ursprünglich geplant auf Hawaii errichtet werden können, dann haben wir mit der "NAOC" plötzlich einen weiteren Fürsprecher auf unserer Seite, das Monsterobservatorium doch auf La Palma zu bauen. - Also keine Witzchen mehr, lernt Chinesisch, es ist immer besser, und sicher auch einträglicher, die Sprache des Anderen zu beherrschen als umgekehrt.

Vielleicht haben die Chinesen ja auch Interesse daran, sich nach anstrengenden astrophysikalischen Beobachtungen in einem Thermalbad erholen zu wollen. - Dazu könnte es ja das Angebot der Fuente Santa, also der Heiligen Quelle im Süden der Insel geben, wenn man denn mal die bürokratischen und amigotischen Hürden aus dem Weg geräumt hat. - Gute zehn Jahre sprudelt nun die Thermalquelle nach ihrer Wiederentdeckung ungenutzt vor sich hin, und man darf sich getrost fragen, an was liegt das eigentlich, dass wir eine solche natürlicher Ressource von allergrößtem Wert, sowohl wirtschaftlich, wie auch touristisch, einfach ungenutzt dort am Strand herumliegen lassen. - Es gibt in der Tat bürokratische Hindernisse, dort ist Küstenzone und Landschaftsschutzgebiet der Kategorie Naturmonument, also darf dort eigentlich überhaupt nichts gebaut werden, schon gar nicht privat, und von wirtschaftlichem Interesse. - Darüber hinaus streiten sich natürlich Interessengruppen um die Nutzung des Thermalwassers, darunter eine Firmengruppe, genannt Termalismo de La Palma S.L., welche das Wasser der Quelle in den bereits vorhandenen Bädern der Hotels der Insel einsetzen will. - Das hätte den Vorteil, dass man überhaupt keine Bautätigkeit dort an der Quelle vornehmen müsste, und die bereits vorhandenen Hotels der Insel könnten mit dem Zusatz werben, dass in ihrer Einrichtung mit Thermalwasser aus der Heiligen Quelle Anwendungen vollzogen werden.

Diese Firmengruppe, mit besten Kontakten zum momentanen Bürgermeister der Gemeinde Fuencaliente und den Interessenten rund um den Ex-Bürgermeister Pedro Nolasco, hatte sich bereits vor Gericht darum bemüht, das Thermalwasser für ihre Zwecke nutzen zu können. - Allerdings sind die damit bislang nicht weiter gekommen und nun versucht man es erneut, und das steht natürlich im Konflikt mit den Interessen, welche das Cabildo Insular verfolgt, die wollen nämlich ein Thermalbad dort errichten, genau dort, wo die Heilige Quelle ihr Wasser spendet. - Über die juristischen Feinheiten kann ich keine Auskunft geben, für uns Laien steht das da fast kryptisch verpackt in einem Presseartikel, aber sicher sind meine Befürchtungen von früher damit auch schon bewiesen, die Schlacht um die Heilige Quelle wird mit sehr weltlichen Mitteln geschlagen werden. - Dabei darf die Frage ruhig gestellt werden, ob es denn nicht sinnvoller wäre, die Nutzung dieser natürlichen Ressource lieber Spezialisten aus der Privatwirtschaft zur Verfügung zu stellen, anstatt die Quelle unter Leitung der Öffentlichen Hand zu halten, welche bekanntermaßen eigentlich nur zum Geld ausgeben, aber nicht zum Geld verdienen taugt. - Auf der anderen Seite darf man aber auch fragen, ob denn eine Heilige Quelle in privater Hand die pekuniären und synergetischen Folgen auch auf die gesamte Inselvolkswirtschaft rieseln lässt, oder das Ergebnis nicht in öffentlichen, sondern privaten Händen landet. Was hinten dabei eines Tages für die Insel heraus kommt, das wird das Entscheidende sein und ich habe große Angst, dass es eine ziemliche heiße Schlacht ums heiße wie heilige Wasser geben wird, und die allgemeinen Interessen La Palmas dabei nur am Rande vorkommen werden.




Gehört nicht zum Text, ich bin einfach nur neugierig. - What ship, ist hier meine Frage.
Sonntagmittag, 4.9.2016, ein paar Meilen vor der Küste zwischen Tazcorte und Puerto Naos. - Wer es weiß, lasst mich bitte nicht neugierig bleiben. - Danke!





Dienstag 06.9.2016 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 19 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 19 % - Luftdruck 1016 hPa

Gastbeitrag von Franz Trommer

Vollmond
Si quieres el perro acepta las pulgas.
Wenn Du einen Hund möchtest musst Du die Flöhe akzeptieren.


Vollmond ist für mich immer ein besonderes Ereignis, besonders auf La Palma, da passieren die merkwürdigsten Sachen, so auch hier: Unsere Nachbarin hatte sich in der Gegend von Garafia von La Palma Land gekauft und sie will dort ökologischen Landbau betreiben. Dazu braucht sie auch einen Hund, der sie dort beschützt. Ein echter kanarischer Schäferhund sollte es sein, ein "Pastor de Garafia". Solange das Hundchen noch klein war, hörten wir von ihm nichts. Aber als er größer wurde, da musste er in der Garage schlafen, das gefiel ihm nicht. Die Garage war nur zum Teil überdacht. Wenn er dort bellte, dann schallte das bis zu uns lautstark herüber. Am Tage machte es uns nichts aus und nachts pennte er meistens. Aber bei Vollmond jaulte er meist unaufhörlich. Wir hörten die Nachbarin schreien, da war er still, aber dann ging es wieder los, so wiederholte sich das mehrmals. In dieser Vollmondnacht war es besonders schlimm. Gegen 2 Uhr hatte ich "die Nase voll", stand ich auf und ging zum Garagentor. Hundi hörte mich kommen und streckte Pfoten und Nase unter dem Tor durch. Ich streichelte ihm seine Nase und sagte zu ihm: "Amigo, was jaulst Du hier herum, hast Du etwa Angst? Musst keine Angst haben, ich bin ja bei Dir. Und den Vollmond musst Du auch nicht anheulen, denn dann kann ich nicht schlafen. Dame paz und halte Dein Maul." Hundi schnuffte "woff", was in der Hundesprache soviel wie einverstanden bedeutet. Und dann war er tatsächlich still, hätte ich nicht gedacht. Am nächsten Tage schnappte ich mir die Nachbarin, als sie mit ihrem Hund vorbei kam. Sie wusste sofort, was ich wollte. "Die Rasse stammt vom Wolf ab", verteidigte sie ihr Tier, "und die heulen immer den Mond an. Aber nicht nur Du, auch ich habe damit ein Problem", klagte sie. "Denn ich muss den ganzen Tag arbeiten und wenn ich schlecht geschlafen habe, dann kann ich mich am Computer nicht konzentrieren. Vergangene Nacht ging ich mehrfach zum Hund, ab 2 Uhr war er dann still." "Aber nur, weil ich um zwei Uhr aufstand und ihn bat, Frieden zu geben. Hoffentlich merkt er sich das für zukünftige Vollmondnächte." Da machte sie große Augen.

Auch Kater Tom bevorzugte Vollmondnächte für seine Lieder. Es hörte sich wirklich sehr traurig an, was er da aus voller Kehle von sich gab. Aber vielleicht war er gar nicht traurig und wollte nur seiner Katzenfamilie eine Freude machen. Oder er wollte seinen Katerkumpels, die in der Gegend herumlungerten, damit imponieren, dass er der Größte und der Stärkste wäre. Das war aber auch nötig, denn manchmal kamen diese herumstreunenden Kater in seinen Garten, dann gab es immer ein mächtiges Geschrei, Fauchen und Gekreische und Kater Tom musste wild um sich hauen und beißen, um die Eindringlinge zu verscheuchen. Manchmal verzogen die sich aber nur um die nächste Ecke und wenn dann Tom sein Lied sang, dann fielen einige seiner Rivalen ein und sangen kräftig mit. Mein Fall war das nicht, zumal der Katzengesang oft abrupt endete und in ein wildes Kampfgeschrei überging. Das aber ärgerte dann die kleinen Hunde, die in der Nachbarschaft wohnten und in ihrem Schlaf gestört wurden. Und da sie die Katzen ohnehin nicht leiden konnten, bellten sie wütend, bis die Katzenmusik endete. Und da ich dann nicht sofort einschlafen konnte überlegte ich mir, was er in seinen Liedern so besingen würde: Die Schönheit seiner Katzenfrauen, seine gewonnenen Kämpfe und vielleicht würde auch er den Mond und die Sterne ansingen. Eine alte Mauer hatte er zu seinem Stammsitz erkoren. Und eines abends, als er sein Lied begann, nahm ich meinen Tuschkasten und Papier und malte ihn im Abendlicht. Irgendwie schien ihm das nicht gefallen zu haben, denn er brach sein Lied ab und gab uns auch zukünftig keine Konzerte mehr. Schade, denn wir hatten uns so an seinen nächtlichen Gesang gewöhnt.

Diesen Beitrag habe ich meinem Buch "Direkt nach Süd" entnommen, sehr zu empfehlen, denn meine leicht spanisch gewürzten illustrierten Kurzgeschichten werden auch im "Handyzeitalter" keine Langeweile aufkommen lassen. Das Buch ist im BS-Verlag Rostock mit der ISBN Nr. 978-3-86785-375-0 erschienen, kostet 10 € und ist im deutschen Buchhandel und bei Amazon erhältlich.

     





Montag 05.09.2016 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 24 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 37 % - Luftdruck 1019 hPa
Höchsttemperatur heute 25,6 Grad - niedrigste Temperatur 19,2 Grad

Die Zeder und die Kathedrale
Genau darum spenden wir

Mientras otros levantaban muros, tú construías una catedral. - No pudiste terminar tu obra, nosotros lo haremos po ti. - Während andere Mauern hochzogen, bautest du eine Kathedrale. - Du konntest deine Arbeit nicht vollenden, wir machen das für dich. - Ich zitiere selten, noch seltener von Gedenksteinen, aber was sich da die Kollegen und anderen Feuerwehrleute in Sachen Ehrung für Francisco Santana ausgedacht haben, das ist mindestens bemerkenswert. - Mitten im vom Feuer geplagten Kiefernwald, oberhalb San Nicolás, steht nun ein Gedenkstein und eine Zeder wächst dort. - Sicher kommen die Kollegen und Freunde Frans oft genug die kommenden Wochen dorthin, um das kleinen Bäumchen zu gießen, denn bis zu den ersten Regenfällen im Winter dauert es noch eine Weile. - Man muss den Forstweg oberhalb des Llano de las Brujas reingehen, vielleicht eine halbe Stunde Richtung Süden, dann steht man oberhalb des erstarrten Lavaflusses, welcher der San Juan im Jahr 1949 dort hinterlassen hat. - Eine wahrlich privilegierte Stelle für ein solches Monument, wenn man diese Tafel mit der Ehrung an Fran denn so nennen will. - Momentan ist dieser Forstweg noch gesperrt, es finden weiter Aufräumungsarbeiten nach dem Brand dort statt und wir konnten sogar kleine Rauchschwaden beobachten, die aus einen Loch im Boden kamen, wo eben noch Wurzeln tief unten in der Erde glühten.

Sicher 250 Menschen sind da gestern gekommen, eigentlich nur Freunde der Familie und Kollegen um, zunächst eine kleine Gedenkfeier mit ein paar Ansprachen zu halten, und dann eben einen gemeinsamen Spaziergang zu dem Gedenkstein zu unternehmen. - Frans Familie ist sichtlich gerührt von der großen Anteilnahme und so etwas läuft hier immer sehr herzlich, und wenig förmlich ab, obwohl die Kollegen vom Medio Ambiente und der Feuerwehr deutlich auf Pünktlichkeit aus waren. - Die Kinder Frans sind natürlich die Angesprochenen auf dem Gedenkstein, genau so wie die Ansprechenden, die Aufgabe weiter zu bauen ist angenommen, daran besteht nach den kurzen Worten vor dem bunten Haufen an Freunden und Kollegen überhaupt kein Zweifel. - Dann geht es weiter, der Himmel strahlt, Franwetter könnte man auch sagen, und manch ein Unvorsichtiger hat sich gestern sicher auch einen kleinen Sonnenbrand geholt. - Dann der Weg vom astronomischen Aussichtspunkt oberhalb des Llanos de las Brujas auf dem Feldweg Richtung Süden, und man läuft eben genau durch die Kulisse Frans Tod, durch den zum Teil verbrannten Kiefernwald.

Kleine Gruppen bilden sich auf dem Weg, jeder so schnell er kann oder will, keiner rennt oder bricht Rekorde und ganz genau schaut man sich die Umgebung an, und wie das Feuer unterschiedlich starke Wirkung auf die Hänge an der Cumbre Vieja ausgeübt hat. - An vielen Stellen nur Wirkung an den Bäumen von der Umgebungshitze, die Nadeln halb vertrocknet bleiben noch eine Weile am Baum, um dann von frischem Grün ersetzt zu werden. - Andere Stellen an denen nur das Unterholz gebrannt hat und die Stämme der Bäume auf ein paar Meter angegangen sind. - Gleich hinter der ersten verkohlten Schicht der dicken, schichtartig aufgebauten Rinde strotzt noch das lebendige Braun des Baums. - Im oberen Teil tragen diese Bäume oft nach Nadeln, sogar grüne, allerdings werden diese Bäume diese Nadeln in den nächsten Tagen und Wochen verlieren, aber sehr schnell, sogar noch vor den ersten Regenfällen, aber von sich aus erneuern. - Und dann die schwarzen Löcher im Wald, an steilen Stellen, und kleinen, beginnenden Tälern, in denen das Feuer dann eigene Dynamik und Winde entwickelt, dort ist nichts mehr Grün und wer im falschen Moment auch nur in der Nähe einer solchen Zone ist, der hat keine Chance mehr. - Aber auch in den schwarzen Löchern im Wald treiben die meisten Kiefern wieder aus, allerdings erst im kommenden Sommer und bis dann auch die schwarzen Regionen wieder komplett begrünt sind, gehen dann doch drei bis vier Jahre ins Land. - Und ein paar Kiefern kommen auch nie wieder, allerdings sind das wenige, und der licht gewordene Platz wird dann auch schnell von anderen, nachstrebenden Baumkollegen besetzt.

Die Familie pflanzte den bereitgestellten Baum, ob es eine besondere Affinität der Familie zu Zedern gibt, das weiß ich nicht, es sind sowieso noch so viele Dinge, die ich fragen wollte, aber dafür ist ein Leben lang noch Zeit und jetzt sicher nicht der richtige Moment. - Eine Zeder unter Millionen Kiefern, ein aufmerksamer Hinweis auf die Einzigartigkeit dieses Vaters, der eben so sehr die Zukunft seiner Kinder zu seiner Aufgabe, zur Kathedrale gemacht hat.

Und wir sind dabei, können zumindest Steine kaufen, damit die Kinder das weiter vorantreiben, und dass wir in der zweiten Woche der Spendenkation inzwischen knapp über 20.000 Euro erreicht haben, das ist großartig und ganz hervorragend! - Die Familie ist überwältigt und extrem dankbar für Ihr Engagement und Ihre Spenden und freut sich eben auch besonders darüber, dass es so viele "kapiert" haben, worum es eigentlich geht, und wie man helfen kann, Kathedralen fertig zu stellen, auch wenn es nicht die eigenen sein sollten. - Es steht diese Woche erneut ein Termin mit dem Steuerberater an, das ist komplizierter als vermutet, steuerlich mit Spenden, und wir suchen halt immer noch einen Weg, das so günstig wie möglich zu gestalten. - Darüber hinaus bitten Sie die fleißigen Leute von SOS La Palma bei den Überweisungen unbedingt den Verwendungszweck "Fran" anzugeben, auf Spanisch bei "Concepto" und dort eben "Fran" einfügen, damit man bei SOS La Palma sofort weiß, wohin das Geld soll. - Weitermachen so, nächsten Montag sind wir dann in Sachen Frans Kathedrale wieder hier. - Danke!




































Montag 05.09.2016 08:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 19 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 38 % - Luftdruck 1020 hPa

Fulanito de tal dice hoy: Boca de fraile, sólo para pedir se abre

Der Mund des Mönchs, nur zum Betteln öffnet er sich. - Ein bisschen freier übersetzt heißt das, manche Leute melden sich nur, wenn sie was von einem wollen.







Santo Domingo, Garafía
Bild von Wolfgang Hempel





Sonntag 04.09.2016 17:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 26 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 33 % - Luftdruck 1020 hPa
Höchsttemperatur heute 26,4 Grad - niedrigste Temperatur 19,5 Grad

Jetzt, wo es wieder aufwärts geht
Die Rückkehr der Egoisten-Eltern

Wir haben die Faktoren ja oft genug genannt. - Niedrige Zinsen, niedrige Inflation, niedrige Spritpreise und so ziemlich alle touristischen Konkurrenten der letzten Jahre drehen durch, und man schickt die Gäste zu uns. - Manch, ohne dass sie wissen, was auf sie zukommt. - Daraus lässt sich so etwas wie ein Aufschwung basteln, auch wenn der den Makel der Unterlassung trägt. - Vielleicht gerade weil wir in Madrid gelähmt sind, aber das stimmt auch nicht, denn selbst Mariano Rajoy was nicht in der Lage, die Zinsen, oder den Ölpreis zu beeinflussen oder den Arabischen Frühling zu einem Extremdesaster werden zu lassen. - Wir machen nicht, wir werden gemacht, passiv autistisch könnte man das nennen, um auch mich mal an wochenfrische Schlagworte heranzutasten, wenn auch leicht verändert.

Seit Ende 2013 scheinen wir ganz unten angekommen zu sein, und uns langsam wieder zu erheben. - Zumindest wirtschaftlich, und als dann die konservative Regierung unter Zottelbär Don Triste Mariano bei über fünf Millionen Arbeitslosen endlich den Sparzwang abschüttelte, gibt es vorsichtige Anzeichen und Bewegungen im Land, welche nach einem Aufschwung klingen. - Nicht jetzt mit Dingen wie Staatsverschuldung kommen, sonst muss ich wieder fünf A4 Seiten schreiben, das haben doch selbst Rautenmutti und der Rolli-Wolfgang durchgewunken, also lass den kranken Mann am Ebro doch einfach mal machen. - Das Machen besteht, wie bereits erwähnt, aus machen lassen, und das hat uns gut getan die letzten Jahre, besser gut kopiert und passiv konstruktiv, als schlecht gemacht und aktiv destruktiv. - Die Arbeitslosenzahlen purzeln, auf dem Festland noch ein bisschen schneller als bei uns, aber selbst auf La Palma merkt man das inzwischen, und nach diesem Sommer sinkt die Zahl der Arbeitslosen auf der Insel seit Jahren das erste Mal wieder unter die Marke von 9.000.

Fast ändert sich schon wieder die Fragestellung, anstatt, "hast du Arbeit" kommt nun wieder öfter, "wo arbeitest du", sicher kann man an so ziemlich jeder Bushaltestelle der Welt eine Dreiviertelstunde lauschend ziemlich genau feststellen, wie denn die Lage der Nation der Wartenden ist. - Läuft bei uns. - Allerdings sind wir längst gewohnt, unsere Lage nicht mit Mitteleuropa zu vergleichen, sondern mit uns selbst, denn die Zahl unserer Arbeitslosen ist immer noch derart hoch, dass man solche Vergleiche wegen aktiver Suizidgefahr besser unterlässt. - Aber, die Richtung schlägt jetzt den Takt und das können selbst die faltigsten Jammersozen wie ich nicht unterschlagen, die Zahl der Arbeitslosen geht seit dem Oktober 2013 kontinuierlich zurück. - Wobei ich mich dabei immer auf den Vergleich zum Monat des Vorjahres stütze, also saisonbereinigt, und nicht Juli mit September vergleiche, oder Januar mit März. - Natürlich muss man auch einräumen, dass es präzisere Methoden gibt einer Volkswirtschaft auf den Puls zu fühlen, aber wir machen hier kein großes Blutbild, sondern beobachten einfach nur die Schlagzahl beim Rückgang der Arbeitslosenzahl. - Dabei fällt auch besonders auf, dass der prozentuale Rückgang über die Jahre nicht nachgelassen hat, wir also nicht mehr von dem Effekt, "schlechter geht es ja gar nicht mehr" sprechen können.

Der Dämpfer aber folgt auch wieder sogleich, nur an die 10% der abgeschlossenen Arbeitsverträge sind unbefristet, alles andere zeitlich begrenzte Verträge, zum Teil nur über einen Tag, oder einen Monat, so lange hat der "Patron" will, oder es sich zutraut, mehr Personal zu führen. - Hier fällt natürlich das Fehlen einer Regierung auf, eine lägst fällige Arbeitsmarktreform steht seit, eigentlich müsste man sagen Jahrzehnten an, und hier bleibt wieder der Geruch von aktiver Passivität an der Regierung Rajoy stecken, so lange in absoluter Mehrheit regiert, aber keine Arbeitsmarktreform hinbekommen, oder gar ein neues Wahlgesetz, welches endlich die Nationalisten (eigentlich Regionalisten nach deutschem Sprachgebrauch) in adäquater Weise nach Wahlen bewertet. - Na ja, vielleicht sollten wir im Sinne der Arbeitnehmer eher froh sein, dass nicht die Konservativen die Arbeitsmarktreform backen, wobei, wenn ich da an Oberbäcker Schröder denke, mit seiner "Umluft 2010", dann wäre das vielleicht eine Blaupause für Spanien. - Lasst die Linken ran, die bekommen als einzige eine Arbeitsmarktreform durch, welche endgültig das Feudalsystem etabliert.

Also bloß keine Zahlen zu tief interpretieren, das könnte aktiv auf den Sack schlagen, und wir schweben doch gerade auf Wolke 1,34 etwa auf der Höhe gerissenes Kreuzband durch den Aufschwungsraum. - Das kleine Gespräch hubschraubergleicher Eltern an der Supermarktkasse und es geht darum, dass die halbflügge Brut geäußert haben soll, man denke daran, auf die Kanaren zurück zu kommen. - Natürlich springt man da als "heckrotorartiger Elter" kognitiv sofort herbei, und wenn man eine Chance haben will auf dem Arbeitsmarkt, dann jetzt, und wie toll es doch ist, dass man vielleicht künftige Generationen nicht mehr zwangsweise vom Archipel schmeißen muss, damit die endlich aktiv robust werden. - So sind wir, aktiv-egoistisch bis unter die Nachweisgrenze, die Zahl der Arbeitslosen sinkt auf knapp unter 9.000 Menschen bei einer Bevölkerung von 80.000 Einwohnern und wir feiern das wie Kriegsende, und rufen die Brut zurück auf die Insel, denn jetzt wird alles gut. - Solch ein Volk braucht eigentlich keine Politiker, sondern Ärzte. - Aber die sind knapp bei uns, Politiker nicht, und Zweitere brauchen keine Ausbildung, sondern nur Einbildung, und ein Völkchen wie uns.




Die bunten Kurven der Hoffnung




Bei "Mensual" die Zahlen der einzelnen Autonomen Regionen gegenüber dem Vormonat Juli 2016 und bei "Anual" die bezogen auf den August 2015.




Und hier die Zahlen der letzten anderthalb Jahre immer am gleichen Monat des Vorjahres gemessen.




Und noch mehr apropos Aufschwung. - Heute an den "Coladas del San Juan", mitten in der Brandzone des Feuers von Anfang August. - Die ersten Kiefern treiben schon wieder aus. - Mehr zu dem Ausflug und warum, das gibt es morgen.





Sonntag 04.09.2016 07:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 19 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 33 % - Luftdruck 1019 hPa

Fulanito de tal dice hoy: Bien te quiero, más no te doy dinero

Ich kann dich gut leiden, aber ich gebe dir mein Geld nicht. - Freundschaft und Geld, immer eine schwierige Kiste und Geld leihen, sowieso. - Die Wirksamste Methode, sich einen Störenfried vom Leib zu halten ist, ihm Geld zu leihen, denn man wird ihn so schnell nicht wieder sehen. - Angelegenheit, die man sich ja mit einem Freund nicht wünscht.





Los Llanos
Bild von Richard Wurdel





Samstag 03.09.2016 16:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 25 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 36 % - Luftdruck 1018 hPa
Höchsttemperatur heute 27,4 Grad - niedrigste Temperatur 20,0 Grad

Kein Weißer Rauch über dem Kongress
und andere Kleinigkeiten von partiellem Interesse

Man ist auf dem Weg, die Lachnummer Europas werden zu wollen. - OK, das ist gar nicht so einfach, da haben sich viele beworben in letzter Zeit, aber wir sind nah dran. - Lachen auch, weil man sonst weinen müsste, neun Monate ohne Regierung und die wirtschaftlichen Zahlen des Landes sind besser als noch vor zehn Jahren. - Es könnte dritte Wahlen in einem Jahr geben, die Bevölkerung war nicht in der Lage, den Wünschen der Politiker entsprechend zu wählen, also lässt man so lange die Leute antreten, bis endlich einfache Mehrheiten entstehen. - Ein Demokratieverständnis, welches zumindest die führenden Köpfe der großen und kleinen angetretenen Parteien des Landes komplett disqualifiziert. - Darüber sollten Sie jetzt lachen, aber ich könnte auch verstehen, falls Sie den Tränen näher sind, denn so geht es vielen von uns. - Dritte Lachnummer, ausgerechnet jetzt kommt die Meldung in die Öffentlichkeit, die Partido Popular, das sind die lustigen Jungs und Mädels, welche einem starrsinnigen alten Galicier (der Duden möchte, dass man das so schreibt) immer noch folgen, dass man einen alten Haudegen aus den eigenen Reihen reanimieren möchte, um ihn als Vertreter in die Weltbank zu schicken. - Halt, war da nicht was? - Sind die nicht alle mindestens halbseiden oder sogar aus voller Seide? - Aber keine Angst, man spricht von José Manuel Soria, Ex-Superminister der Rajoy-Regierung, der wegen seiner Verstrickung in die "Panamá-Papers" gehen musste taucht nun plötzlich wieder auf. - Kein schöner Minister in dieser Zeit, José Manuel Soria erfüllt sämtliche Voraussetzungen für ein Amt in diesem hehren Kollektiv und dann fragen sich wirklich noch manche Leute, warum es Kräfte gibt, welche in Spanien endlich die Partido Popular losewerden wollen.

Inselgäste und Kreuzfahrttouristen staunten nicht schlecht über diese lustig-interessante Folkloregruppe alter Herren, welche gestern in der Altstadt Santa Cruz de La Palmas aufmarschiert sind. - Die Wenigsten wussten die Zeichen zu deuten, welche die alten Herren auf den Schürzen trugen, die zu ihrer Uniform gehörten und ich bin mir sicher, dass auf manch einem "Dia-Abend", oder deren Nachfolger 2.0, noch in Jahren die Bilder der Freimaurer in unserer Hauptstadt gezeigt werden mit dem Hinweis: Guck mal, welch lustige Trachten die dort in Afrika haben. - Freimaurer, hier "Masones", haben während der Franco-Diktatur keinen Spaß in Spanien gehabt und auch danach unter einer robusten Katholischen Kirche wenig Freiraum zum munteren Maurern und so meldet die Presse den ersten öffentlichen Umzug von Freimaurern in Spanien in der Demokratie. - Dazu waren natürlich etliche Mitglieder der Logen angereist und so formten dann doch 180 beschürzte Logenmitglieder die Straßen unserer Hauptstadt und so richtig Aufmerksamkeit hat das Ganze auch nur dadurch erreicht, weil der Bischof der Diözese Tenerife sich in der Öffentlichkeit verquatscht hat und er nicht wollte, dass jemand erfährt, dass auf La Palma ein katholischer Gottesdienst für verstorbene Freimaurer gehalten werden soll. - Und warum das Ganze auf La Palma? - Hier wurde die Loge Abora 87 im Jahr 1875 gegründet und dann haben wir auch noch einen Großmeister der Schürze auf der Insel in Figur des Jerónimo Saavedra. Ex-Präsident des Gobinero de Canarias, Ex-Minister unter Felipe Gonzáles, Ex-Bürgermeister Las Palmas de Gran Canaria und heute "Diputado del Común de Canarias", so etwa Chef des kanarischen Petitionsausschusses, und der hat seinen Sitz nun mal in Santa Cruz de La Palma. - Mir sind alle Männer, die Schürzen außerhalb von Küchen tragen suspekt, aber wir leben ja heute, Gott, oder wem auch immer sei Dank, in einer Welt und Region, in der wir keine Geheimbünde mehr schließen müssen, um nicht verfolgt zu werden. - Außer vielleicht vom Finanzamt, aber das ist eine andere Geschichte… Bilder vom Marsch der Freimaurer gibt es bei elapuron.com

Viel mehr Leute und ohne Schürzen, aber die meisten in gelben T-Shirts waren dann auch noch in der Hauptstadt unterwegs, und wieder darf man fragen, ob denn unsere internationalen Besucher wenigstens hier mitbekommen haben, was diese, man meldet, je nach Zählweise, eintausend bis zweitausend Personen, mit ihren Plakaten und Schlachtrufen denn wollten. - Das war die Kundgebung der Bananenpflanzer, welche eine sichere Zukunft für ihre Zunft fordern und das bedeutet natürlich zunächst, ein sicheres Einkommen. - Das sehen die Pflanzer gefährdet, natürlich gibt es auf dem globalen Markt immer mehr Konkurrenz und wir werden in den paar Zeilen hier nicht die Problematik von Landwirtschaft in Hochlohnländern ergebnisschwanger durchkauen können. - Mehr Produktion, weniger Absatz auf dem Festland, die Preise wackeln, auch wenn kräftige Hilfszahlungen aus Bananenbauern sicher keine Sozialfälle werden lassen. - Aber dennoch zeichnet sich kein helles Bild um die Zukunft der Kanarischen Bananen, und natürlich gehört Klappern zum Geschäft, also ab auf die Straße. - Das ist richtig so, allerdings ziehen nicht alle die richtigen Schlussfolgerungen und seitens der Verantwortlichen für Marketing und auch der Politik kommt die Forderung nach noch mehr Subvention. - Ob das das richtige Mittel ist, wage ich deutlich zu bezweifeln, auf jeden Fall ist das kein nachhaltiges Mittel, und die Pflanzer selbst wissen das auch, und fordern eher das Marketing und die Randbedingungen zu verbessern, und wie man aus solch unterschiedlichen Blickwinkeln noch was Ordentliches kochen kann, ich weiß es nicht so genau. - Bilder davon gibt es auch wieder bei elapuron.com

Ganz besonders einfallsreich gibt sich eine der Forderungen, welche die Bürgermeister der Gemeinden der Kanarischen Inseln gegenüber Madrid erheben. - Man trifft sich als "Fecam" (Federación Canaria de Municipios) mindestens einmal im Jahr, um wichtige Dinge zu besprechen, welche eben die Gemeinden auf den Kanaren, immerhin deren 88, betreffen. - Dieses Jahr ist La Palma der Austragungsort und dabei wählte man El Paso und hier noch konkreter, das Kulturhaus, denn das erträgt schon lange so viel mehr als nur Kultur. - Eine der Wünsche, oder vielleicht Forderungen, welche das Komitee der "Fecam" dort beschlossen hat, wäre die Gründung einer regionalen "BRIF". - Die "BRIF" (Brigadas de Refuerzo de Incendios Forestales) sind die Feuerwehrleute mit viel Technik und sogar Hubschraubern, welche das Landwirtschaftsministerium in den Sommermonaten in die Waldbrandgebiete Spaniens schickt. - So auch auf die Kanaren, und hier ist die "BRIF" mit an die 60 Leuten und zwei Hubschraubern auf La Palma stationiert. - Die haben wieder gute Arbeit geleistet bei unserem Feuer und nun will man eine solche Truppe selbst aufbauen, was sicherlich ein ehrenwerter Wunsch ist. - Allerdings soll Madrid das bezahlen und dabei muss man sich dann wieder fragen, wie kommen die darauf, dass man nationale Einrichtungen regionalisieren soll, aber weiter national dafür bezahlt wird. - Ach so, weil das schon öfter so funktioniert hat, siehe Nationalparks, siehe autonome kanarische Polizei, nur ob das irgendwie besser ist, oder einfach nur mit einer gewissen Kanarität versehen, das steht natürlich außen vor. - Aber sicherlich wäre eine solche Truppe hier das ganze Jahr über notwendig, wenn es nicht brennt und auch keine Gefahr dafür besteht, dann laufen diese Jungs über die Inseln und treffen vorbeugende Maßnahmen und sollte es dann im Sommer doch noch brennen, dann kennen die sich in unseren Wäldern allerbestens aus. - Gute Idee, und wer bei dreihundertdreiunddreißig nicht im Wochenende ist, der muss das alles bezahlen.




Die kommt mir doch in die Tüte





Samstag 03.09.2016 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 49 % - Luftdruck 1018 hPa

Fulanito de tal dice hoy: Bien se sabe atrever quien nada tiene que perder

Gut fühlt sich der Versuch an, für den, der nichts zu verlieren hat. - Feigling, Feigling!! - Wetten, du traust dich nicht? - Der Spruch wird gebraucht, wenn man lieber einen Rückzieher vor einer riskanten Angelegenheit macht und eben darauf hinweist, dass zu viel auf dem Spiel steht. - Wer nichts hat, der hat auch nichts zu verlieren, darum gibt man uns ja ein bisschen was…





Irgendwo im Norden
Bild von Wolfgang Hempel





Freitag 02.09.2016 17:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 27 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 28 % - Luftdruck 1017 hPa
Höchsttemperatur heute 27,4 Grad - niedrigste Temperatur 21,4 Grad

Aktivismus nach dem Feuer
Die Aufgaben sind verteilt, das Geld aber noch nicht

Es hat bereits mehrere Gesprächsrunden gegeben. Techniker, Bürgermeister, Inselregierung und eben auch der Präsident des Gobierno de Canarias waren anwesend als es darum ging und geht, was muss jetzt nach dem Waldbrand alles unternommen werden, um die Schäden auszugleichen, und weiteres Ungemach zu verhindern. - Schnell hat man Pläne zur Hand, was keine große Überraschung ist, denn solch ein Feuer, auch in den gleichen oder ähnlichen Ausmaßen ist für die Allermeisten ja ein Déjà-vu und eigentlich wissen wir genau, was zu tun ist. - Bereits im Jahr 2009 entwickelte man reichlich Pläne, dann erneut im Jahr 2012 und nun kämpft man erneut gegen die Zeit, und hier scheint weniger das Problem das Fortschreiten der Monate an sich zu sein, sondern die Gefahr, dass dieses Feuer in den medialen Hintergrund gerät und somit auch die Finanzierung der vielen richtigen und wichtigen Projekte nach dem Feuer aus der ersten Linie des Interesses verschwinden.

Lügenpresse ist hier weniger das Thema, eher Vergessenpresse und schon wieder wedelt man eifrig mit Projekten und Plänen umher und hofft, dass irgendjemand nicht nur Pläne entwickelt, oder eben aus der Kiste mit der Aufschrift (to do 2009 und 2012) zieht, sondern auch Gelder dafür auftreiben kann. - Sechs Millionen Euro, so viel hat die Inselregierung nun mit schnellem Stift ermittelt, so viel müsste man in den kommenden Monaten aufbringen, um die dringendsten Schäden des Feuers abzudecken. - Dabei stehen natürlich die Notfallmaßnahmen gegen die erwartete Erosion ganz vorne an, aus bitterer Erfahrung wissen wir ja, dass nach dem Feuer starker Regen noch mehr Schaden anrichten kann, als das Feuer selbst, und das soll sich nicht wiederholen. - Dabei fällt auf, dass eben der Ausbau der Straße LP2 zwischen Fuencaliente und Tajuya immer noch nicht fertig ist und bereits vor sieben Jahren, also nach dem Feuer im August 2009, man dort Schutzmaßnahmen geordert, geplant, und teilweise auch durchgeführt hat, aber eben nicht in dem Ausmaß, welche eine weitere Intervention heute ausschließen würde.

Da mag manches verziehen werden wegen der Krise, 2009 war eines der schlimmsten Jahre des Sparzwangs, und so muss man eben heute vieles von dem nachholen, was damals nach dem Feuer nicht gemacht wurde. - Gut, vieles konnte man auch noch nicht machen, da eben der Ausbau der Straße zum großen Teil noch gar nicht begonnen war, und man klugerweise, oder notgedrungen, so genau weiß ich das nicht, viele Teile der an der alten Straße gar nicht beachtet hatte, da es ja keine Sinn macht die alte Straße zu schützen, wo man doch eh so ziemlich alles neu macht. - Und eben jetzt geht es um die neue Straße, auch wenn die Trasse in den meisten Abschnitten gleich geblieben ist, und oft nur begradigt und verbreitert wurde. - Allerdings muss man sich einfach nur die Umgebung dort der LP2 ansehen, die führt entlang der Cumbre Vieja, immer an den Abhang klammernd, und bislang kennt man 31 Stellen, an denen Wasserabläufe in größerem oder kleinerem Umfang die Straße queren. - Und eben genau diese Stellen müssen jetzt befestigt und angepasst werden, da man eben nach dem Feuer verstärkte Erosion und Wasserabflüsse fürchtet, so wie das eben im Dezember 2009 auch schon war und die Südverbindung zwischen dem Aridanetal und der Südspitze für Wochen beeinträchtigt hatte.

Alles hängt natürlich von der Wetterentwicklung ab, bleibt man bei der Serie der regenarmen Winter, dann braucht man gar nicht viel zu tun, allerdings wäre man äußerst schlecht beraten, sich solchen Serien hinzugeben. - Auch besagen ja die Bauernregeln nach einem heißen August viel Regen im folgenden Winter und es wäre nicht nur schade, sondern sogar sträflich fahrlässig, wenn man diese neue und sehr teure Verbindungsstraße in den Sünde durch Erosion gleich wieder beschädigen würde. - Auch darf die Frage gestellt werden, ob man denn diese ganzen Arbeiten rund um den Schutz der Straßen nicht bereits bei der Planung des Ausbaus hätte berücksichtigen müssen. - Der Hinweis wird allerdings wohl ein bisschen zu weit führen, denn es ist unmöglich, alle Risiken und Möglichkeiten vorher zu berechnen, und irgendwann einfach auch viel zu teuer. - Sicher kann man jede Infrastruktur einem "Worst-Case-Szenario" aussetzen und danach planen, allerdings wird man dann schnell feststellen, dass solche Vorsorge irgendwann nicht mehr zu bezahlen ist.

Und beim Stichwort bezahlen schließt sich unser kleiner Kreis, es ist nicht so, dass wir nicht wüssten, wie es geht, und wo der Wald drückt, aber je weiter die Flammen, der Geruch und auch das Presseinteresse an dem Feuer aus der Tagespresse rückt, um so schwerer wird es den üblichen Töpfen Gelder zu entlocken. - Das ist eben auch Teil der Politik, wenn kein aktueller Anlass vorhanden ist, dann liegt kein Druck an und schon werden finanzielle Prioritäten wieder anders gesetzt. - Drum schnell, noch kommt Fernando Clavijo, der Präsident des Gobierno de Canarias auf die Insel, wenn man ihn ruft wegen der schweren Schäden, welche das Feuer bewirkt hat, und lasst uns ihn festnageln auf die Millionen, die es eben kostet, eine Straße zu schützen, die an einem steilen Abhang entlang führt. - Alles menschlich, und so liegt es nun an den Bürgermeistern der betroffenen Gemeinden genau so, wie an den zuständigen Leuten in der Inselregierung, das momentane Interesse zeitnah in reelle Finanzierungen zu leiten, damit wir in ein paar Jahren, nach dem nächsten Feuer, nicht genau diese Zeilen wiederholen müssen.




An der LP2, wenn es dort heftig regnet, dann kommt das alles runter. - Auf die Straße.





Freitag 02.09.2016 08:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 21 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 44 % - Luftdruck 1017 hPa

Gastbeitrag von Antje Gieser

Flohmarkt am Sonntag, 4. September 2016, 9 bis 14 Uhr, Santa Cruz de La Palma



Neulich in einem "Spiegel"-Artikel las ich das Wort "Das Glück der guten Tat" Und das trifft den berühmten Nagel auf den Kopf. Nach einer Woche Spendenaktion für die Familie des im Feuer gestorben Fran sind wir voller Freude und auch Überraschung. Und all die Spender müssen es eigentlich auch sein. Wie Mathias schon veröffentlichte, beträgt die momentane Summe für die Hinterbliebenen von Fran mehr als 12.000

€. Nicht nur dieser fast unglaubliche Betrag, auch Zuschriften von Inselbewohnern und auch aus Deutschland trugen zu unserem Glück bei. So mailte uns eine Spenderin: "Ich finde es sehr schön, dass es Menschen gibt, denen das Schicksal ihrer Mitmenschen nicht egal ist" oder eine andere: "me parece cuando uno està bien y tiene suerte en la vida entonces es su obligaciòn de ayudar a los que menos suerte tienen." Frei übersetzt: "Ich meine die, denen es gut geht und die Glück im Leben haben, haben die Verpflichtung denen zu helfen, die weniger Glück haben"

Am Sonntag, 4. September 2016, 9 bis 14 Uhr

ist in Santa Cruz auf dem Parkplatz vor der Marina wieder Flohmarkt. Wir von "SOS La Palma" sind wieder dabei. Dieses Mal verkaufen wir nicht nur sehr Preiswertes und Gutes für die Bedürftigen dieser Insel, wir werden auch eine Spendenbüchse für Frans Familie bereithalten.






Donnerstag 01.09.2016 17:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 28 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 17 % - Luftdruck 1018 hPa
Höchsttemperatur heute 28,9 Grad - niedrigste Temperatur 22,8 Grad

Prozess wegen Brandstiftung beginnt noch diesen Monat
Allerdings müssen wir wegen der Jahreszahl noch verhandeln…

Das Feuer Anfang August dieses Jahres ist weiter auf der Liste der Tagesgespräche, auch wenn die Dringlichkeit verschwunden ist, eben mit den Flammen, und dem Geruch. - Da passt die Meldung der online-Zeitung www.eltime.es wunderbar ins Geschehen, der mündliche Prozess wegen fahrlässiger Brandstiftung ist für den 19. September in Santa Cruz de La Palma angesetzt. - Allerdings handelt es sich dabei nicht um das Feuer vom 4.August dieses Jahres, sondern um das Feuer aus dem August 2009, und das sind nun mehr als 7 Jahre, welche ins Land gegangen sind, also sollte sich der Verdächtige in Sachen des diesjährigen Waldbrandes in diesem August entsprechende Eintragungen in seinem Kalender machen. - Oder dauern die Untersuchungen generell so lange und ich müsste ganz ehrlich zugeben, dass ich nach sieben Jahren nicht mehr die geringste Erinnerung habe, wo ich da war, was ich da getan habe, sollte ich irgendwann mal als Zeuge taugen müssen.

Maikel Chacón ist das, was man anderswo als "gut unterrichtete Kreise" kennt, und der nutzt seine Kontakte und sein Wissen umfassend, sowohl im Radio bei "Ondacero", wo er "A Pie de Calle" moderiert und eben auch als Editor der "palmerischen Times", welche eben unter www.eltime.es zu erreichen ist. - Sogar das Layout ist der "Times" nachvollzogen und keiner traut sich seinen Kopf so weit aus dem Netz zu lehnen wie er, und sofort bekommt er auch wieder eines auf den Deckel. - Leser monieren, dass er die Namen der Beschuldigten in dem Prozess um den Waldbrand im Jahre 2009 nennt. - Um die Namensnennung von Beschuldigten ging es auch im Falle des Feuers im August 2016, als eben der junge Deutsche namens Scott in Bild und Video und Vor- und Nachnamen durch die Presse gereicht wurde, da er eben durch die, unorthodoxe Art und Weise sein Toilettenpapier zu entsorgen, wohl Ursprung des verheerenden Feuers dieses Augusts war. - Nennt man den einen Namen, nennt man auch die anderen, und ich habe nicht die geringste Ahnung, wie sich das rechtlich verhält, allerdings kennen wir das ja aus vielen Beispielen aus der Presse, wo immer das Gesicht des Beschuldigten verpixelt ist und der Name sich mit Initialen abgeben muss.

Vergleichbar sind beide Vorfälle schon, in beiden Fällen vermutet man fahrlässige Brandstiftung. - Einmal hat unser Landsmann wohl sein Toilettenpapier verbrannt und dabei scheinen ihm die Flammen außer Kontrolle geraten zu sein. - Im anderen Fall, im August 2009, wurden bei einer Fiesta im Stadtteil Tigalate in der Gemeinde Mazo Böller abgefeuert, obwohl das wegen der damaligen Hitzewelle verboten war, und schon gar nicht angebracht. - Beschuldigt werden die drei Verantwortlichen, welche das Festkomitee stellten, aber die behaupten fest, die letzten Böller gegen 18:00 Uhr abgeschossen zu haben und das Feuer sei erst gegen 23:00 Uhr woanders ausgebrochen. - Unmöglich natürlich für uns da irgendwelche Schlussfolgerungen zu treffen, aber die Kriminalpolizei hat wochenlang, mal zusammen mit dem Cabildo Insular, und dann auch wieder ohne deren Beisein ermittelt, und ist zu dem Schluss gekommen, dass diese drei Personen wohl angeklagt werden sollen. - Der Staatsanwalt fordert sogar siebeneinhalb Jahre Gefängnis, also großes Konzert, möchte man meinen, aber nach sieben Jahren wird es schwer werden, den genauen Hergang nachzustellen und die Schwere einer Fahrlässigkeit fest zu stellen. - Der Unterschied in beiden Fällen könnte aber sein, auf der Fiesta wusste man um das Verbot, Feuerwerkskörper abzufeuern und das Wetter war bereits extrem gefährlich, der junge Deutsche wahr sich der Gefahr seiner Tat allerdings überhaupt nicht bewusst, und gegen die Aussage in manchen Beschreibungen des 3. August 2016, waren die Temperaturen und die Luftfeuchte an dem Tag für August sogar eher niedrig.

Es ist unwahrscheinlich, dass die zeitnahe Ansetzung der mündlichen Verhandlung jetzt im September irgendwie im Zusammenhang mit den Vorkommnissen im jetzigen August sind, vielmehr bietet wiederum Maikel Chacón in einem Artikel von vor ein paar Tagen eine nahe Vermutung, warum denn von der Fahrlässigkeit; bis hin zum Prozess, sieben Jahre vergehen können. - In dem Artikel bezieht sich Maikel zwar auf Los Llanos, aber es ist anzunehmen, dass in Santa Cruz ein ähnlich schneller Wechsel der amtierenden Richter stattgefunden hat, und das ein Grund sein kann, warum sich solche Prozesse über solch viele Jahre hinziehen können. - Auch ähnlich in beiden Fällen ist, dass man sich fast ausschließlich auf den Umstand der Entstehung des Feuers beschränkt, nicht aber auf die nahen und entscheidenden Stunden danach, ob denn beim Ablauf, oder im Protokoll der Brandbekämpfung sich Fehler haben einschleichen können und die Ausbreitung des Brandherdes zu einem Großfeuer bei entsprechend anderem Verhalten der Brandbekämpfer verhindert hätte werden können. - Das ist natürlich nach sieben Jahren so gut wie überhaupt nicht mehr zu ermitteln, allerdings bleibt die Hoffnung, dass man wenigstens aus dem Feuer dieses August lernt, und die entscheidenden halben Stunden zwischen Entdeckung des Brandes und breitem Angriff auf das Feuer verbessert.

Das Feuer im August 2009 geschah fast mit Ansage, da schon Tage zuvor eine, bislang nicht wieder da gewesene Hitzewelle die Insel genervt hatte. - Das Feuer breitete sich nach dem Ausbruch in der Gegend von Tigalate rasend schnell noch in der Nacht in Richtung Los Canarios aus, dem Hauptort der Gemeinde Fuencaliente, und es ist wohl der schnellen Reaktion der dortigen Bevölkerung zu danken, dass es bei dem Brand nicht zu Verletzungen oder Todesfällen unter den Bewohnern kam. - Allerdings gab es große Sachschäden, Häuser verbrannten, viele Autos, Geschäfte und landwirtschaftliches Gut, und im gleichen Jahr gegen Weihnachten sorgten dann noch schwere Regenfälle mit anschließenden Erdrutschen dafür, dass der Schaden durch den Brand im August 2009 erheblich größer ausgefallen ist, als die allermeisten Feuer auf der Insel bislang gekostet haben. - Noch heute kann man Erosionsschäden dort im Süden und auf dem Weg dorthin beobachten, und die Angst geht eben um, dass in diesem Winter nach dem Feuer ähnliches geschehen könnte. - Der Unterschied, bei der Brandepisode in diesem Jahr kam ein Mensch ums Leben, und das alleine wird wohl Grund dafür geben, dass wir uns an dieses Feuer noch ganz viele Jahre, und manche für immer erinnern werden.




Bild aus Las Indias/Fuencaliente nach dem Brand im August 2009





Donnerstag 01.09.2016 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 23 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 9 % - Luftdruck 1019 hPa

Fulanito de tal dice hoy: Bien sabe el asno en qué casa rebuzna

Der Esel weiß sehr wohl, in welchem Haus er iahen darf. - Mich hat zunächst mal gewundert, dass der Duden das Wort iahen kennt. - Man nimmt diesen Spruch für unverschämte Leute, die aber genau wissen, wo sie ihr Fehlverhalten straflos anbringen können.





Los Llanos
Bild von Richard Wurdel





Ihre Familie Ingrid & Mathias Siebold
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