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Nachrichtenarchiv März 2008


Montag 31.03.08 - 19:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 26 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 29 % Luftdruck 1021 hPa
Höchsttemperatur heute 27,2 Grad - niedrigste Temperatur 15,4 Grad

Fast 2 Millionen Euro im Sand vergraben?

In Spanien kennt man ja den Aprilscherz nicht, besser gesagt der findet am 28. Dezember statt, am "Día de los Inocentes". - Auch ist ja noch gar nicht der erste April, aber die Geschichte die ich gerade zu lesen bekam, die hat alles was man sich für einen solchen Scherz eigentlich wünscht. - Ein Forscher, welcher sein Hauptaugenmerk auf alte Münzen und Schätze der spanischen Krone legt, behauptet nun einen Brief gefunden zu haben, dem er entnimmt, dass an einem Strand La Palmas 2.000 Unzen Gold vergraben liegen könnten. - Manuel Lorenzo, so heißt der virtuelle Goldgräber spricht von einem Brief an einen Palmero aus dem Jahre 1859, in dem ein gewisser José María Notel, seinen palmerischen Kompagnon auffordert, doch nun bald den versteckten Schatz gemeinsam zu heben. - Dieser José Notel soll auf dem Schiff "Valandro Rosa" unterwegs gewesen sein, welches aus Kuba unterwegs war nach Sierra Leone, um dort für die 2.000 Unzen Gold, Sklaven zu kaufen. - Unterwegs, eben bei den Kanarischen Inseln und wohl vor La Palma, schaffte José Notel die zwei Kisten Gold von Bord, auf Befehl des Kapitäns und hatte dabei einen Helfer aus La Palma, der zusammen mit ihm dann die Kisten im Sand vergrub. - Wo, und an welchem palmerischen Strand, das geht nicht aus dem Brief hervor, oder Manuel Lorenzo will uns das nicht sagen.

Um den Diebstahl der 2 Kisten mit den Goldmünzen zu verbergen, versenkte man das Schiff später und spielte so den Eignern eine Schiffskatastrophe vor. - Warum nun noch mal 5 Jahre ins Land gingen, bis José Notel sich bei seinem palmerischen Mitwisser meldete und warum der Rest der Besatzung nicht auch auf die Suche nach dem Schatz gegangen ist, das bleibt alles im Dunkeln. - Allerdings ist Manuel Lorenzo davon überzeugt, dass der Schatz nie gehoben wurde. - Wie er darauf kommt, das verrät er uns nicht, aber wenn es um Schätze und Schiffswracks geht, dann muss immer etwas Geheimnisvolles dabei sein, sonst wird keine gute Geschichte daraus. - Mit weiterem profunden Studium der Dokumente und einem guten Metalldetektor, so Manuel Lorenzo, könnte es gut sein, dass man die 2.000 Unzen Gold an einem palmerischen Strand findet. - Wenn Sie also in den nächsten Tagen Menschen mit Metalldetektoren die Strände der Insel ablaufen sehen und andere, welche tiefe Löcher graben, dann wissen Sie ja warum und weshalb. - Mit ein bisschen Phantasie könnte es aber auch ein echter Streich sein von Umweltschützern, die jagen Schatzsucher über die Strände und die graben dann alles aus, was an Metall dort im Strand vergraben ist. - Alte Felgen, rostige Nägel, russische U-Boote und jede Menge Kronenkorken. - Das erinnert mich an meine kurze Zeit in einer Gärtnerei in Straubing. - Dort durfte ich mal arbeiten und kurz zuvor hatte man in der Gegend einen Aufsehen erregenden Römerschatz gefunden. Wir waren natürlich mit dem Spaten danach noch fleißiger und gingen ganz tief in die Erde, sehr zur Freude des Meisters, aber alles was wir fanden waren Kronenkorken, welche der Meister in den Jahren davor immer achtlos weggeworfen hatte. - Aber man hielt uns bei Laune damit und wir zogen auf diese Art und Weise wieder alle Bierflaschenverschlüsse aus der Erde.



Montag 31.03.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 16 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 48 % Luftdruck 1022 hPa

Vom Winde verweht

Seit gut einer Woche brausen nun die Fallwinde herab von der Cumbre Nueva und künden damit von deftigem Hochdruck mit scharfen Windböen aus Nordost. - Der Wind kommt eigentlich aus der richtigen Richtung, aber weil das Azorenhoch längst so weit in den Westen gerutscht ist, dass die Luft nicht mehr, wie eigentlich üblich, feuchte und kühle Luft vom Atlantik ist, sondern durchaus kontinentalen Charakter besitzt, leidet man hier unangenehm unter dem unberechenbaren und aufdringlichem Sturm. - Vor ein paar Tagen noch blies der Wind feinen Regenstaub bis ins Aridanetal hinab, Ausbeute und Ergebnis der schweren, feuchten Atlantikluft, eine Phänomen, welches völlig normal für unsere Breiten ist und sonst von der herrliche Rückkehr eines dauerhaften Passats berichtet. - Das geht dann meist zwei bis vier Tage so, und dann ist Ruhe. - Nicht aber, wenn nördlich des Hochdruckgebietes fette und dreiste Tiefdruckgebiete ordentlich Druck wegsaugen und damit die Drehgeschwindigkeit des Hochs gewaltig ankurbeln.

Nun hängt das Hoch da, leidlich verrutscht, und erhält bereits auch aus dem Westen weiteren Antrieb, denn da kündigt sich das nächste Hoch an, welches wohl in der kommenden Woche seinen gebührenden Platz über dem Nordatlantik einnehmen will. - So bedrängt von fast allen Seiten wehrt sich das bald scheidende Hoch mit diesen Windböen, die zwar nicht wirklich Schäden anrichten können, aber deutlich aufs Gemüt schlagen. - "Este viento me vuelve loco", - dieser Wind macht einen ja ganz verrückt, kommt so auch dauernd als Entschuldigung für kleine Vergesserchen oder andere menschliche Unstimmigkeiten und in der Tat, es häufen sich dann sogar die Verkehrsunfälle und in den Gesundheitszentren beklagen die Ärzte, im wahrsten Sinne der Wortes, stürmischen Zulauf von genervten Patienten denen der Schädel dröhnt oder die Migräne keine Ruhe gönnt. - Das geht noch ein paar Tage weiter so, dann kommt das nächste Hoch, dazwischen kann aber der Ausläufer eines der schuldigen Tiefs rutschen und uns mal wieder, aber dann von der anderen Seite her, nass machen. - Erst danach - und dann sind wir bereits in der nächsten Woche, kommt unser Wetter wieder zur passatigen Ruhe. - Übrigens ist es keineswegs Rekord, dass dieser widrige Wind mal acht oder neun Tage bläst. - Im März 1995 waren es glatte und erbarmungslose vier Wochen, ich weiß das noch so genau, weil wir damals gerade unsere Apartments fertig bekommen hatten und die ersten Gäste in diesen Häuschen reichlich vom Winde verweht wurden. - Die Gäste sind nie wiedergekommen, der Wind schon.


Hoch unter Druck
Das "INM" (Instituto Nacional de Meteorología) heißt nun "AEMeT" (Agencia Estatal de Meteorología) und leider sind bei diesem phantasievollen und progressiven Schritt einige sehr interessante und anschauliche Diagramme einfach verschwunden.



Sonntag 30.03.08 - 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 24 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 46 % Luftdruck 1022 hPa
Höchsttemperatur heute 25,1 Grad - niedrigste Temperatur 14,4 Grad

Nach der Wahl ist vor der Wahl

Die omnipotente Gruppierung Coalición Canaria hat in den vergangenen Wahlen vom 9. März nicht nur auf La Palma eine herbe Ohrfeige einstecken müssen. - Auf den ganzen Kanarischen Inseln hat der Wähler dieser Gruppierung mitgeteilt, dass man kein weiteres Vertrauen mehr in deren Politik hat und man sich gerne vom Modell einer regional geführten Regierung wieder zurück in die Hände einer landesweit operierenden Programmpartei begeben würde. - Dabei gelten nicht nur die Sozialisten als Wahlsieger, auch die rechte, bürgerliche Partei der Partido Popular hat auf den Kanaren zugelegt, die einzigen Verlierer waren wirklich die Regionalisten. - Nun steht eine Rechnung kompliziert am kanarischen Regierungshimmel, diese Inseln werden von der drittstärksten Partei regiert, nicht von der zweitstärksten welche die Partido Popular ist und schon gar nicht von der meistgewählten Gruppierung, der PSC-PSOE. Da aber am 9. März die Zusammensetzung des Ober- und Unterhauses in Madrid gewählt wurde und nicht das autonome Kanarische Parlament oder die Inselregierungen, hat das zunächst keinen Einfluss auf das politische Tagesgeschehen der Inseln. - Aber tief sitzt der Stachel doch und der jetzige Koalitionspartner und willfähriger Steigbügelhalter der Coalición Canaria, die Partido Popular, gerät nun auch heftig unter Druck, denn man ist auf einmal kleiner Juniorpartner in einer Koalition, obwohl man eigentlich deutlich mehr Wählergunst in den Wahlen vom 9. März erhalten hat.

Man muss diesen Hintergrund einfach mit einkalkulieren, wenn man einen bitterbösen Brandbrief des Bürgermeisters von Los Llanos liest, in welchem er den gerade in den Senat gewählten PSOE Abgeordneten Anselmo Pestana heftig und derbe angreift, weil dieser es ablehnt einen Golfplatz zu unterstützen, welcher zum Teil in einem Naturschutzgebiet liegt. - Es geht um das Projekt "Aridane Golf", welches ein Traum einiger Investoren aus Los Llanos bereits seit weit über 20 Jahren ist. - Es können sogar über 30 Jahre sein, dass man vorhat, dort in Las Manchas, genauer gesagt in "Tamanca" einen Golfplatz hinzustellen. - Das Gelände ist längst gekauft, vor ganz vielen Jahren schon, da hat man nichts anbrennen lassen, das ist der große Vorteil des "Aridane-Golf" gegenüber den anderen Projekten die ähnliches auf dieser Insel vorhaben. - Allerdings lässt sich halt einfach nicht leugnen, dass ein Golfplatz nun wirklich nicht in ein Naturschutzgebiet gehört und es sicherlich Klagen gegen den Bau geben wird und die Gerichte im Vorfeld bereits angedeutet haben, einen Golfplatz im Naturschutzgebiet von Tamanca nicht zu dulden. Juan Ramón Marín, so heißt der Bürgermeister von Los Llanos, wirf nun Anselmo Pestana vor, er habe eine doppelte Moral, weil es wohl Beispiele dafür gebe, dass auf spanischem Boden Golfplätze in Naturschutzgebieten liegen würden und es doch eigentlich sogar schöner sei einen Golfplatz vor der Nase zu haben als schwarze, langweilige Lava. - Auch die heimische Fauna würde sich über einen Golfplatz mehr freuen als über unbelassene Natur. - Etwa in diesem Stil ereifert sich der Bürgermeister Los Llanos gegen die fehlende Unterstützung der Sozialisten im Falle des Golfplatzes in Tamanca. - Wo sich Anselmo Pestana natürlich angreifbar macht, das ist die Tatsache, dass man den Goldplatz "La Pavona" in Breña Alta wohl unterstützt, denn da sind die Sozialisten im Rathaus. - Allerdings läge der Golfplatz von La Pavona auch nicht im Naturschutzgebiet, man erkennt aber durchaus die Konkurrenzsituation, denn niemand der halbwegs sein Handicap im Griff hat unterstützt die Meinung, dass mehr als ein Golfplatz auf La Palma ökonomisch Sinn macht.

Warum das Ganze aber auch wieder Wahlkampf ist, das kommt dabei rüber als es um die Bananen geht. - In diesem Sektor spielt die Coalición Canaria sich als alleiniger Retter auf, obwohl die Zentralregierungen in Madrid, immer geformt von Partido Popular oder PSOE, nie aber von der Coalición Canaria, ihr Festhalten an der kanarischen Banane mehr als einmal versprochen haben. - Die Sozialisten schlagen vor, den Golfplatz Tamanca so weit nach Westen zu versetzen, damit dieser nicht mehr die Grenzen des Naturschutzgebietes verletzt, dann aber würde man in die Zone geraten, welche als landwirtschaftliche Nutzfläche ausgewiesen ist und man dort theoretisch auch Bananen pflanzen könnte. - Das nimmt nun Juan Ramón Marín als Anlass seine Loyalität mit den Bananen bis zum Exitus zu beschwören, wenn man für einen Golfplatz Bananen herausreißen müsste, dann wollen wir keinen Golfplatz mehr, so tönt es aus dem Rathaus in Los Llanos. - Dabei übersieht man, dass dort, wo der Golfplatz auch noch Platz hätte, noch überhaupt keine Bananen stehen und es wohl nicht wirklich zu erwarten ist, dass die Anbaufläche für Bananen sich auf La Palma noch weiter vergrößert. - Es geht wohl eher um das Problem, dann neue Grundstücke erwerben zu müssen und die gibt es inzwischen nicht mehr zu symbolischen Preisen. - Auf der anderen Seite kann man mal wieder gutbürgerlich darauf hinweisen, dass die Sozialisten sogar so unverschämt sind und Hand an die Bananen legen würden, was so ähnlich wäre, als würde man in Bayern die Weißwurst verbieten wollen. - Ganz verloren geht dabei die Sinndiskussion, kann ein Golfplatz auf La Palma den siechenden Tourismus wieder nach vorne bringen und auch die ausstehende Rechnung, welchen Nutzen trägt so ein Golfplatz für die Insel, (nicht nur für die Investoren) wenn man mal den Ressourcenverbrauch und die Imageschädigung für das Weltbiosphärenreservat mit einkalkuliert. - Ein Golfplatz auf der Insel, da wo man schon nichts mehr kaputtmachen kann, warum nicht, und als notwendige Infrastruktur dafür die wenig ausgelasteten Hotels nutzen, anstatt neue bauen zu wollen. - Dagegen hätten die wenigsten etwas und wenn man ganz pfiffig und weltbiosphärisch denkt, dann pfriemeln wir uns den ersten und einzigen Golfplatz nach ökologischen Maßstäben zusammen und machen nicht aus der Not, aber aus Golf noch eine Tugend.



Sonntag 30.03.08 - 10:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 15 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 70 % Luftdruck 1020 hPa

Falken gegen Möwen

Auch auf La Palma versucht man seit ein paar Wochen, mit Falken und Bussarden den Flughafenbereich von anderen Vögeln freizuhalten. - Das ist auf vielen Flughäfen der Welt bereits erprobte Praxis, denn Vögel können durchaus eine Gefahr für Düsenflugzeuge darstellen, wenn diese in die Treibwerke geraten und dort zu Beschädigungen führen. - Propellermaschinen haben da weniger bis gar keine Probleme, solch große Vögel, welche auch die Propellerblätter beschädigen könnten, haben wir hier nicht. - Auf La Palma sind die problematischten fliegenden Besucher am Flughafen die Möwen, denn der liegt ja direkt am Meer. Das ist auch das Unangenehme für die fliegende Polizeistaffel, bestehend aus zwei Wüstenbussarden (Parabuteo unicinctus), fünf Würgefalken (Falco cherrug), zwei Wanderfalken (Falco peregrinos) und einem Lannerfalken, (Falco biarmicus) sowie einiger anderer Falken, welche als Hybriden keine genaue Zuordnung besitzen. - Kleinere Vögel lassen sich von diesen Falken wohl gut und einfach verscheuchen, die Möwen aber zeigen nicht den notwendigen Respekt vor den fliegenden Räubern, kein Wunder, sind doch die Möwen ebenso groß und agieren auch in Gruppen, so dass man noch keine schnellen Erfolge aufweisen konnte.

Unser heimischer Turmfalke, hier "Cernícalo" genannt, der (Falco tinnunculus canariensis) kommt überhaupt nicht zum Einsatz, dem traut man es wohl erst recht nicht zu, etwas gegen die lästigen Möwen zu unternehmen. - Allerdings glauben die beiden Falkner, welche die Arbeit übernommen haben den Flughafen von störenden Vögeln zu befreien, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis die Möwen sich auch geschlagen geben. - Es wird eher eine Zermürbungstaktik sein, mit denen man gegen die weißen Seeflieger angehen will und setzt darauf, dass die Möwen das Flughafengebiet irgendwann meiden, weil es dort diese unangenehmen Raubvögel gibt, die ihnen zwar eigentlich nichts anhaben können, aber halt furchtbar lästig sind. Wann denn nun der Flughafen von Möwen und anderen Vögeln befreit sein wird, das traut sich keiner zu sagen. - Ganz klappt das eh nie, aber man will halt mit dieser Methode, die sich auch gut bereits an vielen Flughäfen der Welt durchgesetzt hat, das Fliegen ein kleines bisschen sicherer machen.


Junger Turmfalke
Junger Turmfalke, vor dem hat keine Möwe Angst



Samstag 29.03.08 - 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 23 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 55 % Luftdruck 1020 hPa
Höchsttemperatur heute 23,8 Grad - niedrigste Temperatur 14,4 Grad

Samstagabend, guter Zeitpunkt mal wieder zu hören, was anderen hier so auf der Insel widerfahren ist. - Enrique hat da durchaus was zu berichten:

Knall am Vormittag

Übel blies der Wind am Donnerstag. Er hatte sich schon seit Tagen selbstgefällig immer mehr aufgeplustert; so etwas geht vielen auf die Nerven. Man hält sich lediglich notgedrungen im Freien auf. In einer Behausung jedoch fühlt man nur sich wenig besser. Die Gedanken kreisen um alle möglichen Gegenstände, die von ihrem ursprünglich angestammten Platz weggeblasen werden könnten. Ganz oben stehen da die Fernsehantennen. Wie ist das mit den Spanndrähten? Wann hat man wohl zuletzt danach geschaut? Nach einer Weile hält man es nicht mehr aus und peilt mal die Lage. Sieht nicht gut aus für die Antenne, zumal weil die Telefónica vor einigen Jahren den Antennenmasten gegen meinen ausdrücklichen Protest als idealen Aufhängepunkt für zwei Telefonkabel - für unseren Anschluss und den des Nachbarn - auserkoren hatte. Mein Argument, der Antennenmasten bestehe nur aus ein Dreiviertel-Zoll-Rohr, wurde schlicht verworfen.

In solche trüben Gedanken versunken hörte ich ein Geräusch, das ich bei ähnlichen Windstärken noch nie wahrgenommen hatte. Es kam aus ziemlicher räumlicher Nähe; ihm war auf den ursächlichen Grund zu gehen. Vorsichtlich lugte ich aus der Haustür: Da war jemand mit seinem Auto gegen den Pfosten unseres Tors zum Patio gefahren. Das Vehikel sah vorn recht zerknautscht aus; an einfaches Weiterfahren war nicht zu denken. Ein Mann, deutlich im Rentenalter, offensichtlich der Fahrer, stand neben dem Auto und auf der anderen Seite eine Frau, so um die 40 aufwärts. Sie hatte die Stirn blutverschmiert, und erschreckt fragte ich sie, ob es etwas Schlimmes sei. Nein, meinte sie, aber das Blut sah so schrecklich aus und ich eilte ins Haus, um als Sofortmaßnahme einige Papierservietten anbieten zu können. Die Stirn war tatsächlich wenig lädiert. Hernach wollte ich wissen, wie es denn zu dieser Unbill gekommen sei, denn der Wind konnte das Auto eigentlich nicht an den Pfosten geweht haben; es stand eher gegen den Wind. Die Bremsen hätten versagt, sagte man mir, und um nicht auf ein gerade entgegenkommendes Auto oder ein anderes geparktes zu brettern, habe man den Pfosten in diesem Augenblick als das kleinste Übel betrachtet. Ich staunte etwas über die bestechende Logik, zumal sie ja offensichtlich in nur ganz kurzer Zeit gewissermaßen voll durchdacht worden war. Aber so etwas gibt es wohl tatsächlich. Wem schon mal die Bremsen unvermutet versagt haben, der kennt das vielleicht: Wie in einem Zeitraffer gehen einem alle mögliche Bilder geradezu blitzartig durch das Gehirn mit dem alleinigen Ziel, Schaden zu begrenzen. Wer das noch nicht kennt, es jedoch unbedingt wissen will, braucht nur mal vom Roque de Los Muchachos runterfahren und dabei einen nicht genügend niedrigen Gang wählen. Schnell verglasen die Bremsbeläge und bescheren dem Fahrer ein unsäglich beeindruckendes Gefühl der Hilflosigkeit.

Nach diesem kurzen Rückblick in eigene automobilistische Erfahrungen kam ich dann wieder zur Gegenwart und fragte auch den Fahrer nach seinem Befinden. Er wischte sich gerade die rechte Hand vom Blut sauber; die hatte anscheinend auch etwas abbekommen. Möglicherweise war es dazu gekommen beim Versuch, die Handbremse in den angestrebten Haltevorgang mit einzubeziehen. Etwas befremdet konnte ich dabei erkennen, dass der rechte Unterarm des Fahrers eingegipst war. Ja, meinte er zögernd, das mit dem Finger sei nichts, aber am Brustbein habe er schmerzhafte Empfindungen. Ich tröstete ihn: das gehe schnell vorbei, mit dem Sicherheitsgurt komme so etwas gelegentlich vor. Ich schämte mich dafür ein bisschen, denn ich hatte stark untertrieben. Einem mir nahe stehenden Familienmitglied war vor knapp einem Jahr eine ähnliche Erfahrung mit einem Sicherheitsgurt untergekommen. Im aufgeführten Fall dauerte der Schmerz ungefähr sechs Wochen an; eine Kollegin am Arbeitsplatz beteuert heute noch steif und fest, der Schmerz sei überhaupt nur endlich deswegen versiegt, weil sie eine Zauberheilung aus dem fernen Venezuela bestellt habe. Den Einwand, der Betroffene sei darüber ja gar nicht informiert gewesen, ließ jene Kollegin nicht gelten: eben darum habe es bestens funktioniert. Mit Hexerei wollte ich dem verdatterten Fahrer jedoch nicht kommen, vielmehr bat ich ihn, aus den Wagenpapieren den Zettel mit dem darauf notierten Abschleppdienst seiner Versicherung herauszusuchen. Draußen im Wind war das nicht möglich, deshalb bat ich ihn ins Haus. Zögerlich folgte er. Man will ja niemanden irgendwie mit seinem eigenen Kram belästigen.

Ich half ihm beim Suchen, und das fiel mir schwer. Der Mann war bezüglich seiner Autopapiere ein Ignorant wie ich selbst. Wo im Wagen sie verstaut sind oder sein sollten, weiß ich. Viel mehr darüber hinaus allerdings nicht. Mit vereinten Anstrengungen gelang es uns, wenigstens die Versicherung samt Telefonnummer herauszufinden. Erschwerend kam dazu, dass der Mann wohl seine Brille nicht dabei hatte. Auf telefonischen Umwegen gelangte ich schließlich an den zuständigen Abschleppdienst und erklärte ihm das Weshalb, Wohin und den Weg zum Wohin. Der verunglückte Fahrer drängte dann wieder ins Freie; seine weibliche Begleitung war gerade mal weg. Nach Hause sei sie, sagte er und auch, wo er und sie wohnen. Fast Nachbarn, dachte ich und sagte ihm das, und sein Gesicht komme mir bekannt vor. Dann rief der Abschleppdienst an, um noch mal nach dem Weg zu fragen. Der Autorettungsfahrer hatte sich schon beträchtlich El Paso genähert, den weiteren Wegverlauf aber wieder vergessen. Kein Problem, schon lange weiß ich, wie man auf La Palma erschöpfend Wegauskünfte gibt, ohne mit Straßennamen daherzukommen; sie verwirren nur. Schließlich kam noch ein mir lange bekannter Landsmann daher. Der Unfall interessierte ihn wenig; vielmehr schimpfte er darüber, dass der Wind nachhaltig unseren Orangenbaum nebenan gerüttelt hatte und die noch verbleibenden Früchte zu hoch hingen. Das Ernten unseres Orangenbaums ist jedermann gestattet, denn wir selbst mögen seine Früchte nicht sonderlich. Bei der Erteilung der Erlaubnis hatte ich den Wind allerdings nicht ausdrücklich ausgeklammert.

Bis zur Ankunft des Abschleppwagens sprach ich noch dringlich mit der Frau, die inzwischen an den Platz des Geschehens zurückgekommen war. Sie sei ja unbedingt angeschnallt gewesen ! ! ! Und da kein Versicherungsfall vorlag, würde auch kaum jemand von der angeknacksten Windschutzscheibe erfahren. Der Mann habe eine Krücke dabei, wollte ich von ihr wissen, ob er etwas schwach auf den Beinen sei. Ja, meinte sie, den Krückstock habe er meistens dabei, denn, nicht lange her, sei er in der Altentagesstätte in El Paso beim Aufstehen vom Stuhl hingefallen und habe sich den Arm gebrochen. Aha, sagte ich ihr, ist gut verheilt, er habe ja schon gar keinen Gips mehr. Der Abschleppwagen zog hernach das havarierte Auto hoch, und man konnte eine Lache Bremsflüssigkeit auf dem Pflaster erkennen. Wohin des Weges wollte der Rettungsfahrer wissen; in die Werkstatt, meinte der Unglücksfahrer. Welche? Die ausgesuchte Werkstatt hat zwei vorläufige Abstellplätze, einen auf dem Gelände der Shell-Tankstelle, den anderen bei der Werkstatt selbst. Ein neuerliches Telefonat meinerseits brachte Klarheit. Dann war der verunglückte Fahrer mit seinem Auto am Abschlepphaken weg, und die weibliche Begleitung machte sich ebenso wieder davon, nachdem sie sich noch mit Wasser aus dem Hahnen in der Küche gelabt hatte. Das Gemeindewasser möge sie am liebsten, meinte sie auf meine Anfrage; ich hätte aber nur Galeriewasser aus dem Hahnen, gab ich zu bedenken. Sie war begeistert: das sei doch viel besser.

Ich machte schließlich ein paar dringende Einkäufe, die ich eigentlich noch verschieben wollte in der Hoffnung, der Wind würde abflauen. Diesbezüglich wurde ich enttäuscht; ein Eindruck jedoch ging mir nicht aus dem Kopf: Dem älteren Herrn schien es peinlich, einmal dass er überhaupt sein Auto auf den Pfosten gesetzt hatte; indes dass dieser Pfosten ausgerechnet dem einzigen Ausländer in der Straße gehört . . . das hätte nun nicht sein müssen. Der Wind hatte sich davon nicht beeindrucken lassen und pustete unvermindert weiter. Mir schwante ein GAU, und der trat ein. Durch das Dach kam ein kräftiges Geräusch, das ich noch nie zuvor gehört hatte, dessen Ursache ich jedoch augenblicklich identifizieren konnte: Die Antenne lag endlich flach. Dadurch hingen die oben erwähnten Telefonkabel gerade mal nur zwei Meter über dem Pflaster quer über der Straße. Ich versuchte, zur Warnung eine Plastiktüte an die Kabel zu knüpfen, aber die aufgebrachte Atmosphäre ließ das nicht zu. Noch waren die Leitungen funktionstüchtig - noch, denn sie lagen auf Mauern und Dächern auf und würden sich bestimmt bald wundgescheuert haben. Bei der angerufenen Tetefonleitungsseelsorge zeigte man sich ziemlich ungerührt; die Einrichtung muss irgendwo weit weg lokalisiert sein, bestimmt nicht auf La Palma. Die Erwähnung der Stadt El Paso - fast konnte man die Fragezeichen durch die Leitung hören. Ja doch, El Paso auf La Palma! Ach so. Schließlich zur Aufnahme der Daten: Nummer, weitere Verifizierungsmerkmale und schließlich, die bei dergestalten Gelegenheiten gefürchtete Frage: kommerzieller oder privater Anschluss? Man weiß nicht so recht; sagt man wahrheitswidrig kommerziell, könnte das auffliegen mit allen erdenklichen bösen Folgen, die man der Telefónica zutraut. Sagt man privat, fügt man sich in sein Schicksal: Das Problem wird zweitrangig behandelt; und wie ich die Fernsehantenne wieder zurechtbiege und aufstelle, ist sowieso nicht Problem der Telefónica.

Der Tag war im . . . sonstwiewas. Weitere Beobachtungen ergaben, dass sich die Kabel auf unerklärliche Weise nach oben gehoben hatten. Wahrscheinlich wollte der Wind sich entschuldigen und hatte irgendwo gezogen. Die Leitungen hingen inzwischen an die drei Meter über dem Boden, scheuerten jedoch immer noch auf Mauern und Dächern. Die drohende Fernsprech- und Internetabkopplung blieb bestehen. Ein Krimi im Fernsehen von der Schüssel brachte Entspannung; mit Peter Sodann, den mag ich und das nicht erst, seit er von der deutschen Öffentlich Rechtlichen gefeuert worden ist, und sein Assistent erinnert mich immer an einen sympathischen Berliner hier auf der Insel, den ich schon lange kenne. Ein wenig Extra3 hernach und noch etwas Satire; der Tag schien einigermaßen wieder in Ordnung. Lediglich die Nacht ging nicht so glatt über die Bühne. Mir schien, ich wachte immer auf, wenn ein Auto am Haus vorbeifuhr, weil die aktuelle Hängehöhe der Kabel trotz des inzwischen spürbar abgeflauten Winds eine Kopf zermarternde Unbekannte blieb.



Samstag 29.03.08 - 09:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 16 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 71 % Luftdruck 1020 hPa

Stimmt, da war doch mal was

Ideen alleine bringen uns nicht weiter, irgendwann muss aus dem Gedanken auch mal das Handeln entstehen, sonst bleibt das alles brotlos. - Diese Erfahrung ist nicht besonders neu und sicher auch keine endemische Weisheit, aber wir neigen ebenfalls dazu, wunderbare Dinge, vielleicht sogar Illusionen oder Visionen anzudenken, diese aber dann im virtuellen Stadium einfach trostlos verdursten zu lassen. - Mal fehlt es an marktwirtschaftlichem Schmierstoff sprich Geld, manchmal aber bleiben aber wunderbare Ideen auch ganz einfach auf dem harten Pfad des Alltags liegen. - Das "Valle de los espejos" - "Tal der Spiegel" war mal so ein Projekt, auch ich hatte in Begeisterung darüber geschrieben. - Man wollte damit die vielen großen, und nicht mehr in Gebrauch stehenden Wassertanks des Aridanetals in eine Art regionale "Waterworld" verwandeln, mit Angeboten aus dem Unerhaltungssektor welche allesamt mit Wasser zu tun haben. - Dazu ein Wanderweg von Argual bis hinauf nach Tajuya, welcher die Tanks miteinander verbunden hätte und der nicht nur dazu gedient hätte Menschen von A nach D zu dirigieren, sondern ein Erlebniswanderweg geworden wäre, natürlich rund um das für La Palma so wichtige Element, Wasser. - Kein Geld, aber eben auch niemanden, welcher dieses Projekt so richtig beworben hätte um überhaupt an einen der vielen Investoren zu gelangen, die ja hier irgendwo auf La Palma herumlaufen müssen, wohl aber mit dem Handicap belastet, nur in Golf oder Hotels investieren zu wollen. - Oder eben in Solarenergie, denn da lockt derzeit das größte Geschäft.

Ich darf ruhig zugeben, dass auch ich das Projekt "Tal der Spiegel" bereits absolut vergessen hatte, nun aber von einem Déjà-vu-Artikel in Canarias 7 wieder sanft darauf gestoßen wurde. - Dazu muss man aber sagen, dass die Geschichte mit der "Waterworld" im Aridanetal ja längst von einer neuen Vision ersetzt wurde, die selbst bei mir noch im Kurzzeitgedächtnis steckt: Die Aufzucht von Nilbuntbarschen in den Wassertanks, um endlich endemische Fischstäbchen produzieren zu können. - Eigentlich passt mein Zynismus hier gar nicht richtig her, denn in der Tat wäre das eine interessante Möglichkeit, so der palmerischen Volkswirtschaft auch nur irgendwie einen weiteren bunten Tupfen hinzuzufügen. - Man kann sich aber nun locker ausmalen, dass sich die intensive Fischzucht nicht unbedingt mit dem Vorhaben kreuzen lässt, in diesen Tanks auch touristisch motivierte Sportveranstaltungen durchzuführen. Wir kennen ja die Geschichte vom Hecht im Karpfenteich, und ein Konglomerat von Wassersportlern und Nilbuntbarschen ist sicherlich für keinen der beiden Zielgruppen sonderlich interessant. - Anders wäre das natürlich, wenn man sich auf die Aufzucht von Piranhas spezialisieren würde, da käme es zumindest für den Fischzüchter und die kleinen, fleißigen Fischen zu einer "win-win" Situation, wenn das Futter freiwillig und aus eigenen Kräften in den Käfig steigt.



Freitag 28.03.08 - 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 23 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 51 % Luftdruck 1017 hPa
Höchsttemperatur heute 23,8 Grad - niedrigste Temperatur 14,6 Grad

¡ Alemanes investiert auf dieser Insel !

Es ist uns allen wohl nicht gänzlich unbekannt, dass auf La Palma nur ein ziemlich zartes industrielles Pflänzchen wächst. - Die einzige Großindustrie die wir jemals hatten, das war die Zigarettenfabrik der Reynolds, damals stellte man hier, unter anderem, für den mitteleuropäischen Markt die Camel Filter her. - Knapp dreihundert Menschen fanden damals in El Paso Arbeit, bis man im Jahr 2000 die Produktion nach Trier verfrachtete. Weder die hiesigen Steuervergünstigungen noch die damals billigeren Löhne konnten den Mehraufwand für die erhöhten Transportkosten für die Rohstoffe nach La Palma und das Fertigprodukt ab La Palma wettmachen. - Das war ein heftiger Donnerschlag seinerzeit, allerdings muss man auch erwähnen, dass satte Abfindungen ausbezahlt wurden und sich so mancher ehemalige Angestellte damit in die Selbstständigkeit katapultierte. - Aber der Fall Reynolds, oder besser JTI, wie die Firma zum Schluss hieß, zeigt schon ganz klar auf, wo unsere Schwachpunkte sind, wenn es um Produktion von Handelsgütern jedweder Art geht. - Man muss den ganzen Kram den man hier herstellt ja auch wieder runterschaffen von der Insel und wenn man für den mitteleuropäischen Markt produzieren will, dann kann man getrost behaupten, wir liegen hier am Arm der Welt.

Man muss sich also auf Produkte beschränken, bei denen das Transportvolumen entweder klein ist, oder derart teure Werkstücke, bei denen die Wegekosten bei Versand nicht wirklich den Verkaufspreis negativ beeinflussen. - Oder aber man produziert Wissen oder Technologie, die man durch Glasfaserleitungen schicken kann, so fällt der Negativfaktor weiter Transportweg absolut weg. - Vorteil solcher eleganten Produkte ist darüber hinaus natürlich die Umweltverträglichkeit, denn eines muss uns auch klar sein, da wir keine Industrie haben, gibt es bei uns auch keinen Industriemüll oder etwaige Luftverschmutzung. - Aber es geht natürlich um Arbeitsplätze und Steuereinnahmen und besonders auf dem Gebiet der Beschäftigungspolitik haben wir bange Probleme, denn der eigene Inselmarkt gibt nicht genügend Arbeitsplätze her, um die nunmehr 7.000 Menschen ohne Arbeit auf der Insel zu beschäftigen. - Zu den Steuern darf man noch vermerken, dass wir neben Liechtenstein auch unsere kleinen, aber legalen Tricks haben, wie Geschäftsleute zu ihrem wohlverdienten Steuernachlass kommen. - Dafür hat man die "ZEC" gegründet, die "Zona Especiál de Canarias", da wirft man interessierten Investoren leckere Sparhäppchen hin, die durchaus wohlschmeckend sein können. - Man kann das unter www.zec.org auch in Deutsch nachlesen, oder sich auch an das deutschsprachige Steuerbüro www.avanzzada.com wenden, die sitzen hier in Los Llanos und haben bereits Erfahrung mit Firmengründungen unter den Regeln der "ZEC" - Nun muss natürlich noch die Auflösung der Überschrift kommen: Die Inselregierung ruft die hier ansässigen Deutschen dazu auf, doch auch zu investieren, oder falls der prekäre Fall eintreten sollte, dass die hiesigen Teutonen genau so klamm sind wie ich und vielleicht wohl investieren wollen aber einfach nicht können, doch diese Nachricht bis weit hinaus in deutsche Land zu tragen und unseren Landsleuten doch diese wunderbare Insel schmackhaft zu machen. - Den Auftrag erfülle ich gerne und sollten Sie nicht gerade Atomsprengköpfe, Golfschläger (war ein Witz!!) oder andere Ferkeleien produzieren und denken darüber nach ihre Herstellung in den Osten zu verlagern, dann prüfen Sie doch vorher mal den Westen. - Mal ganz ohne Witz und Zynismus, La Palma hat nicht nur sehr viele, hart arbeiten könnende Menschen als Ressource und die angedeuteten Steuervorteile, La Palma bietet auch ein absolut angenehmes Umfeld für Arbeitnehmer sowie für das immer so bemitleidenswerte Management. - ¡Deutsche, investiert auf La Palma! - Ich hoffe das war laut genug! - Wer allerdings Golfplätze, Hotels und sonstiges überflüssige Schmuckwerk einer lahmenden Tourismusindustrie hier in die Landschaft setzen will, der muss meinen Aufruf nicht so ernst nehmen.



Freitag 28.03.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 15 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 64 % Luftdruck 1018 hPa

Brückenschlag

Vielleicht haben wir Beton im Blut - Stahlbeton. Manchmal kommt einem das schon so vor, anders möchte man ja diese pharaonischen Bauwerke, die hier auf dieser kleinen und wohltuend unwichtigen Insel so aus dem Boden sprießen, kaum erklären. - Einen neuen Flughafen haben wir bald, der größer ist als der Nordflughafen auf Tenerife und auch der Welthafen von Tazacorte wird noch mal um einhundert Meter verlängert, vielleicht kann man ja dann mal ein vorbeifahrendes Schiff einfangen, welches auf dem Weg von San Borondón in die Neue Welt ist, denn eine andere Schifffahrtsroute ist dort einfach nicht ausfindig zu machen. - Man kann aber aus Beton auch Sinnvolles gestalten und nur weil man den Sinn eines größeren Hafens in Tazacorte anzweifelt, heißt das ja noch lange nicht, dass man Fortschrittsverweigerer ist, vielleicht wünscht man sich halt einfach nur, dass aus dem Beton etwas gebastelt wird, was wirklich notwendig und brauchbar ist für alle.

Ein Traum, eine wirklich sehr lang geträumte Vision nimmt nun immer mehr Gestalt an, auch wenn die Gestalt noch sehr virtuell ist und noch in den Köpfen kühner Architekten schlummert, aber die Brücke über den Barranco de Las Angustias ist wirklich in ertastbare Nähe gerückt. - In der Tat, inzwischen ist das Thema vom Stammtisch in den politischen Wortschatz gerückt, bestes Beispiel dafür ist, dass man in Los Llanos schon nicht mehr nur von der Möglichkeit spricht diese Brücke mal bauen zu können, sondern gleich mal den zukünftigen Standort dieses Jahrtausendbauwerks verlegt, gerade so als müsste man nur ein paar Lego-Steinchen neu drapieren. - Aber auch das sind schon wieder kleine Einzelheiten und hinterfragt nicht den Sinn oder Unsinn eines solchen Bauwerkes. - Fangen wir mal ganz von vorne an, warum brauchen wir denn überhaupt so eine Brücke? - Es geht um den Nordwesten der Insel, der neben so vieler Vorzüge, die nicht nur im landschaftlichen Sektor liegen, immer das großes Handicap gehabt hat, einfach weit ab vom "Schuss" zu sein, wobei man hier auf der Westseite der Insel mit "Schuss" ganz sicher nur das Aridanetal mit seiner beherrschenden Metropole Los Llanos meinen kann. - In der Tat schneidet der Barranco de Las Angustias die Westseite in zwei Teile, es ist nicht einfach nur ein Ärgernis diese Passstraße zuerst runter und dann wieder rauf fahren zu müssen, es ist ein wirkliches Hindernis.

Ob man mit einer solchen Brücke auch die enorme Landflucht der drei Nordgemeinden bremsen kann, wie man sich planerisch damit erhofft, das darf ich allerdings bezweifeln, denn mit einer solchen Brücke käme man nicht nur schneller in den Norden, sondern auch schneller wieder weg. - Um die Landflucht im Norden zu bremsen bräuchte man dort Arbeitsplätze und ein lockendes soziales Umfeld, welches auch junge Menschen dazu bewegt, dort ihre Zukunft zu suchen und gestalten zu wollen. Das kann man aber nicht alleine mit einer schnelleren Straßenverbindung schaffen, man müsste dazu einen kompletten Strukturwandel präsentieren und der verbietet sich einfach, weil das "bisschen Struktur", welches wir hier auf La Palma haben und brauchen, sich längst in den beiden Zentren versammelt, welche auf der Westseite das Aridanetal ist und im Osten der Insel das Umfeld der Hauptstadt, bis hin zu den "Breñas". - Ein drittes Zentrum zu schaffen ist nicht nur komplett unnötig, sondern würde sogar die einzigen wirklichen Möglichkeiten der Nordgemeinden in Frage stellen, die sich eben als Alternative zu den stark entwickelten Gebieten aufstellen müssen und das anbieten, was die anderen Regionen nicht (mehr) haben. - Es wird auch mit Brücke und damit schnellerer Anbindung keine Industrie geben, die sich dort ansiedeln will, auch mit der Brücke bleibt der Nordwesten eine abgelegene Region - aber eben einfacher zu erreichen. - Man sollte da ganz klar die positiven Möglichkeiten dieser Region auffassen, die sicherlich im Bereich des ländlichen Tourismus liegen und in der Landwirtschaft. - Beide Sektoren würden durch die Brücke sehr profitieren, der Tourismus vielleicht sogar noch mehr als die Landwirtschaft. - Hat doch der Norden immer darunter gelitten als schlechter Standort für einen Ferienaufenthalt zu dienen, weil man eben immer die großen Entfernungen und damit die öde Zeit im Auto auf sich nehmen musste. - Ausflüge in den Norden ja, aber wohnen im Aridanetal, weil man dort alles so schön nah und praktisch erreichen kann heißt es ja immer, das wäre dann keine Notwendigkeit mehr. - Es schließen sich weitere Argumente für die Brücke an, die allesamt eben die schnellere Verbindung ins Aridanetal beschwören und es ist einfach nicht von der Hand zu weisen, dass es von vitalem Vorteil ist, wenn der Krankenwagen nicht erst durch die Schlucht muss, um einen Verletzten ins Unfallzentrum nach Los Llanos bringen zu können.

Bleibt eigentlich nur die Frage, warum man jetzt erst darauf kommt diese Brücke konkret angehen zu wollen, wo sie doch nur Vorteile zu bringen scheint. - An der technischen Machbarkeit liegt es sicher nicht und wenn man nicht gleich mehr als einen Kilometer überspannen will, wie das der Fall wäre, wenn man von Los Barros in El Paso die Schlucht aus queren will, sondern die kleinere Variante, nämlich von Argual aus am westlichen Ende Los Llanos, dann ist das alles auch bezahlbar. - Aufmerksam sollte man natürlich dabei werden, wenn man diese Brücke als Vorwand dazu nähme, wieder mit der Autobahn zu liebäugeln und eine komplett neue Trasse setzen würde. - Diese Gefahr besteht aber nicht nur für das Aridanetal, auch die Weiterführung der Brücke in den Norden hin, droht ja dann einer komplett neuen Straßenführung zuzuarbeiten. Die wirkliche Aufgabe wäre eben nun, den Beton und Asphalt dort so sinnvoll einzusetzen, dass aus einer schnelleren und besseren Anbindung des Nordens nicht ein Umweltdesaster wird wie es immer droht, wenn Politiker mit zu viel Geld kühne Schneisen in die Landschaft schlagen. - Es wird noch viel Wasser die Schlucht in den Atlantik fließen, bevor der erste Pfeiler für diese Brücke gesetzt werden kann und viele Diskussionen werden diesen Bau begleiten und es hat auch schon begonnen, "die Brücke" schleicht sich immer mehr in die Tagesthemen ein. - Es wäre wirklich schön und eigentlich sogar notwendig, wenn dieses enorme Bauwerk von einer öffentlichen und offenen Diskussion begleitet wird, in der die das Sagen haben, um die es geht, nämlich die Bewohner der Insel und dass es um deren Nutzen und Vorteil gehen muss und nicht um pharaonenhafte Selbstbefriedigung visionärer Planer.



Donnerstag 27.03.08 - 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 24 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 26 % Luftdruck 1016 hPa
Höchsttemperatur heute 24,5 Grad - niedrigste Temperatur 13,6 Grad

Schreckminuten auf dem Flug nach Tenerife

Das Fliegen bei uns ist wie Bus fahren, heißt es immer, bei 19 Maschinen am Tag, die nach Tenerife fliegen gewinnt das auch einen solchen Charakter. - Aber eben nicht immer, ab und zu passiert auch mal was, allerdings extrem selten. - Den gestrigen Flug um die Mittagszeit mit der Islas-Airways auf die Nachbarinsel Tenerife werden die Passagiere aber nicht so schnell vergessen, denn nur ein paar Minuten nachdem die Maschine vom Flughafen La Palma abgehoben hatte, fiel der rechte Motor aus und man musste zurückkehren um wieder auf La Palma zu landen. - Es soll wohl überhaupt kein Problem sein, so eine ATR 72 mit nur einem Motor wieder zu landen, aber das kommt den Passagieren in dem Moment natürlich nicht so schnell in den Sinn. - Man darf aber vorausschicken, dass der Pilot sofort wieder Kurs auf La Palma nahm und eine völlig normale Landung hinlegte, so dass es überhaupt keinen Verletzten gab, eben außer dem gehörigen Schreck. - Eine Schulklasse mit über 40 Kindern war auch an Bord und der Lehrer durfte nach der Landung ausführlich berichten, wie sich denn so die Stimmung an Bord entwickelte, nachdem man wahrhaftig wurde, dass einer der beiden Motoren einfach nicht mehr arbeiten wollte.

Die Kinder seien überwiegend ruhig gewesen, nur ein paar ältere Leute hätten angefangen zu weinen und anfänglich zu seufzen, besonders weil es direkt nach dem Triebwerksausfall zu ungewohnten Bewegungen im Flugzeug kam und es nach verbranntem Öl roch. - Die Besatzung reagierte aber wohl hervorragend und hatte die Passagiere alle im Griff und der Pilot konnte auch mit beruhigenden Worten klarstellen, dass es sich nicht um eine Katastrophe handelt, sondern um eine Panne welche man eben beheben müsste, aber es keine Gefahr gebe, weil man gut flugtauglich sei, auch mit nur einem Motor. - Alles ging also glatt und fast alle Passagiere sind nach der Landung auf andere Flüge aufgeteilt worden, es soll aber ein paar Reisende gegeben haben, die lieber auf einen weiteren Flug an diesem Tag verzichtet haben. - Die Ursache des Triebwerkausfalls ist noch nicht klar, man vermutet eine geplatzte Leitung mit Öl oder Hydraulikflüssigkeit, weil die Passagiere noch Reste von Schmierstoffen an dem havarierten Triebwerk sehen konnten. - Noch am selben Tag machten sich Mechaniker der Islas Airways von Tenerife auf den Weg nach La Palma, um den Schaden an der Maschine zu beheben. - Vor Jahren hatte die Islas schon mal einen ähnlichen Schaden, auch da musste man nach La Palma umkehren, aber ob es sich um dieselbe Maschine handelt, das weiß man noch nicht.- Alles gut gegangen und besonders die Schüler hatten am folgenden Tag in der Schule weiß Gott was aufregenderes zu berichten, als über ihren Aufenthalt auf Tenerife.



Donnerstag 27.03.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 14 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 71 % Luftdruck 1018 hPa

Betten für Nordkorea

Immer noch auf der Suche für die Füllung unserer vielen touristischen Betten auf der Insel muss man auch mal ausgetretene Wege verlassen. - Da wir uns ja planerisch nun dem konventionellen Tourismus verschrieben haben, also noch mehr Hotels, Golfplätze und Sporthäfen, müssen wir ja auch neues Publikum suchen. Die paar Öko- Wander- und Landschaftsfreaks, die uns bislang ohne Hochglanzbroschüren besucht haben, reichen ja nicht mal aus unser bisheriges Angebot auszulasten. - Der nun auf La Palma aufzubauende konventionelle Sektor läuft aber in die Konkurrenzfalle, denn im Sektor des Hotel- Golf- und organisierten Sporturlaubes ist der Markt längst gesättigt und sucht neue Angebote in Billiglohnländern. - Man muss sich das mal auf dem Golfschläger zergehen lassen, da baut Marokko, übrigens auch mit Kapital von den Kanarischen Inseln, eine enorme touristische Infrastruktur auf, eben mit Hotels, Golfplätzen und Jachthäfen und wir hier auf La Palma tun genau das Gleiche, obwohl wir weder vom Kostenfaktor noch vom Landschaftsbild für diese Art des organisieren Tourismus geeignet sind. - Heute bereits, auch ohne den weiteren Ausbau unserer konventionellen Angebotsschiene müssen mehrere Hotels auf La Palma "All-inclusive" anbieten, um überhaupt noch Gäste zu bekommen, denn Hotelurlaub an irgendeinem Meer bekommt man überall auf der Welt billiger und meist sonniger als bei uns. - Die minimale Rendite, welche solche Urlaubspakete für die anbietende Region erwirtschaften, verbietet eigentlich alleine bereits aus ökonomischer Sicht weitere Anstrengungen in diesem Sektor. - Über Ressourcenverbrauch, Eingriffe in die soziale Struktur, Energiebilanz und Verbauung der landschaftlichen Schlüsselgebiete muss man dabei noch nicht mal reden, würde man aber diese Faktoren in Rechnung stellen, so käme man sehr schnell zu einem negativen Ergebnis für die Regionen, welche versuchen durch knapp kalkulierte Urlaubsangebote in einem gesättigten Markt zu wildern. - Bei sinkenden Renditen wird auch das Versprechen der Arbeitsplätze zur Farce, denn im Druck der sinkenden Margen importieren die Betreiber der Anlagen nicht nur die Lebensmittel von dort wo es billiger ist als bei uns, sondern die Arbeitskräfte gleich mit.

Zu oft habe ich Sie eigentlich mit dieser These schon gelangweilt und da tut es gut, mal anderen den Ball zu überlassen. - "Ben Magec - Ecologistas en Acción", die große spanische Umweltorganisation hat nun auf den gesamten Kanarischen Inseln eine Unterschriftenaktion gestartet, welche den weiteren Ausbau von Hotelbetten stoppen soll und zukünftiges Wachstum ausschließlich Klein- und Kleinstbetrieben vorbehalten will. - "Ni una cama más" - nicht ein Bett mehr - heißt diese Aktion und man hat kanarenweit bereits 44.000 Unterschriften gesammelt, alleine auf La Palma etwas über 3.000. - "Ben Magec" fordert eine Umgestaltung des jetzigen Angebotes und eine laufende Verbesserung der bereits bestehenden Anlagen, anstatt wie bislang üblich, durch Neubauten eine Aktualisierung des Niveaus zu bewerkstelligen. - Ein eventueller Ausbau des Bettenangebotes soll dem ländlichen Tourismus vorbehalten werden, welcher nur noch kleine städtische Hotels vorsieht und das Hauptaugenmerk auf Land- und Ferienhäuser legt, deren bauliche Struktur bereits vorhanden ist und zumeist der einheimischen Bevölkerung gehört. - Nur so könne man sicherstellen, dass der erwirtschaftete Gewinn auch wieder der Region zu gute kommt und man so anstatt einiger schlecht dotierter Arbeitsplätze viele kleine Unternehmer schafft. - Gut gebrüllt Ben Magec und die drücken damit eigentlich nur das aus, was jeder Friseur, jeder Taxifahrer und Kneipenwirt auf La Palma auch längst schon weiß, mit konventionellem Tourismus der hart im Preiskampf steht, ist hier in der Hochlohnregion La Palma kein goldener Mojolöffel zu gewinnen.



Mittwoch 26.03.08 - 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 19 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 54 % Luftdruck 1018 hPa
Höchsttemperatur heute 20,9 Grad - niedrigste Temperatur 13,2 Grad

Heute mal "nachösterliche" Gedanken aus Tenerife, von Michael Wieseler.

Inquisition hat verloren

Die Semana Santa ist vorüber. Und seit gestern ist auch unsere Näherin wieder zurück, die eine kleine Schneiderei betreibt und hin und wieder für uns ändert, was der Körperwirklichkeit entwachsen (oder entschrumpft) ist. Wo sie denn im Urlaub gewesen sei, fragte ich sie eher beiläufig. In Israel, antwortete sie mit einem scheuen Lächeln, das eine gewisse Unsicherheit über die zu erwartende Reaktion verriet: Eine Reise zu diesem Ziel scheint sozial noch nicht allgemein akzeptiert zu sein. Que bueno, antwortete ich aber. Und aus der beiläufigen Frage entspann sich ein längeres Gespräch, dem andere Kunden, die inzwischen gekommen waren, neugierig lauschten. Ich kenne das Land ja sehr gut.

In Jerusalem sei sie gewesen, in Bethlehem, in Tel Aviv, am Toten Meer. Vor allem aber an all den Orten, die in der Bibel im Zusammenhang mit Christus genannt seien. Das alles habe sie lange schon sehen wollen. Denn Jesus sei schließlich ein Ebreo gewesen, habe in der jüdischen Welt gelebt, sei ganz selbstverständlich jüdischen Traditionen gefolgt. Und das habe sie stets interessiert. Nun habe sie sich ihren lang gehegten Traum von einer Reise nach Israel wahrmachen können. Und phantastisch sei es gewesen. Nur Bethlehem, das habe sie sich ganz anders vorgestellt: mit kleinen Häuschen und Palmen - eben wie die belenes, die traditionellen kanarischen Krippenlandschaften. Aber so sehe es dort nun ganz und gar nicht aus: eher ein wenig verkommen und schmutzig, und es stinke zudem. Insgesamt aber: Israel - ein Erlebnis für eine Gläubige wie sie.

Seit heute ist auch unsere chica wieder im Hause, die einmal in der Woche in unserer Wohnung für die gründliche Reinigung sorgt und uns das Waschen und Bügeln abnimmt. Vor der Semana Santa war sie zu mir ins Arbeitszimmer gekommen, ein wenig verschämt: Es gebe bei uns im Hause viele hebräische oder jüdische Gegenstände, begann sie. - Ja, sagte ich. - Sie meine, also, es könne ja dann wohl sein, daß wir zu Israel und dem Judentum ein besonderes Verhältnis hegten… oder gar Juden seien? - Ja, letzteres. - Sie habe dann ein paar Fragen. Was denn Juden zu ihrem Osterfest kochten? Pessach heiße das ja? Lamm? Und wie? Und was dazu? Und was das mit dem besonderen ungesäuerten Brot auf sich habe? Und mit den bitteren Kräutern? Und mit dem Ei, dem Knochen? Den vier Gläsern Wein? Den vier Fragen?

Das waren zu viele Fragen für wenige Minuten. Ich hatte ihr also alles Wissenswerte über die wichtigsten Gebräuche in einem Text zusammengestellt. Natürlich in spanischer Sprache - für mich, der ich in diesem Zusammenhang das Hebräische gewöhnt bin, eine ganz neue Erfahrung. Und ich hatte im Schrank auch noch ein Paket Mazzoth, also das typische ungesäuerte Brot, in diesem Fall mit dem Siegel des Londoner Rabbinats. (Im Süden kann man das in einem britischen Supermarkt kaufen.) Das habe ich ihr geschenkt. Und hatte gedacht, sie wolle dies irgendwie in ihr häusliches Ostermenü einbauen. - Weit gefehlt.

Heute hat sie mir erzählt, was wirklich stattgefunden hat. Am Vorabend des Karfreitag haben sich in ihrer kanarisch-christlichen Gemeinde (mitsamt dem Pfarrer) an die vierzig Menschen getroffen, um das ‚letzte Abendmahl' zu begehen - und zwar so originalgetreu wie möglich. Sie haben den Tisch in etwa so vorbereitet, wie es eine jüdische Familie tun würde. Sie haben die drei ungesäuerten Brote auf eine Platte gelegt (in Erinnerung an den hastigen Auszug des Volkes Israel aus Ägypten, vor dem keine Zeit mehr blieb, Gesäuertes zu backen). Sie haben die bitteren Kräuter gegessen (in Erinnerung an die Sklavenzeit) und haben sie zuvor in Salzwasser getaucht (das die damals vergossenen Tränen symbolisiert). Sie haben sich die Mühe gemacht, Charoseth zu produzieren (ein Gemisch aus Äpfeln und Gewürzen, das aussieht wie Lehm und - folgerichtig - an die Ziegel erinnert, die die Israeliten als Sklaven herstellen mußten, um die ägyptische Bauwut zu ermöglichen). Sie haben die vier Gläser geleert (allerdings aus Gründen der Verträglichkeit Traubensaft statt Wein verwendet, was aus rabbinischer Sicht in keiner Weise zu beanstanden ist). Und bevor sie mit dem Mahl begannen, hat ein Halbwüchsiger die klassische Frage gestellt, auf die hin die alte Geschichte erzählend erinnert wird: ‚Was unterscheidet diese Nacht von allen anderen Nächten?'

Kurzum: Sie haben im Norden von Tenerife das Jüdische im Christlichen zelebriert. Denn genau im Pessach-Mahl wird das ‚letzte Abendmahl' bestanden haben, wie es das ‚Neue Testament' überliefert.

Ich war fasziniert von ihrer Schilderung. Ich hätte ihr, einer einfachen Canaria, so etwas nie zugetraut. Und hätte auch nie für möglich gehalten, daß es in einem Spanien, aus dem 1492 sämtliche Juden vertrieben wurden, die sich nicht zwangstaufen ließen, zu einer derartigen Rückbesinnung kommen könnte. Sie wisse aber schon, daß alle Teilnehmer vor ein paar Hundert Jahren dafür hätten verbrannt werden können, habe ich sie gefragt. Denn wer nach 1492 in Spanien dabei ertappt wurde, nur ansatzweise jüdische Riten auszuüben - ja, sich nur vor einem jüdischem Feiertag (wie dem Shabbat) badete und dann gute und saubere Kleidung anlegte -, der geriet in den fatalen Verdacht des Judaisierens, landete vor der Inquisition mit ihren Foltermethoden und endete schlimmstenfalls auf dem Scheiterhaufen. Für die Kanaren sind einige, wenn auch wenige solcher Fälle historisch verbürgt. - Diese Zeiten seien endgültig vorbei, hat sie gemeint. Auch wenn der ‚deutsche' Papst nun wieder einen Karfreitags-Ritus zulasse, in dem für die ‚Erleuchtung der Juden' gebetet werde. Aber das sei nicht recht.

Und solch ein Urteil von unserer chica auf Tenerife, die ich bislang für eine einfache Canaria gehalten habe. Ich bin tief beeindruckt. Und bemerke: Man kümmert sich nicht genug um die Menschen, die in die eigene unmittelbare Nähe gelangen. Das aber sind doch die Nächsten.






Mittwoch 26.03.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 13 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 71 % Luftdruck 1017 hPa

Fraueninsel

La Palma wird ab und zu auch mal die "Insel der weinenden Frauen" genannt. - Geschichtlich könnte man einen Hintergrund dafür basteln, wenn es um die Emigrantenwitwen geht, also um die Frauen, deren Männer in den beiden letzten Jahrhunderten in die weite Welt zogen, um der wirtschaftlichen Misere hier vor Ort zu entkommen, Frau und eventuell Kinder aber auf der Insel zurückließen. - In der Tat zogen meist Männer fort, oft mit dem Versprechen die Familie bald nachzuholen, oder eben mit einer gefüllten Börse zurück zu kommen. - Das klappte allerdings nicht immer so wie versprochen, viele der ausgewanderten Kerle kamen nie wieder nach La Palma, oder riefen die Frau und Familie nachzukommen, sondern suchten sich für ihr neues Leben in der neuen Welt auch gleich eine neue Frau. - Ob denn alle "Witwen" hier darüber auch traurig waren, das lassen wir einfach mal dahingestellt. - In den frischeren Tagen findet man eigentlich keinen Hinweis mehr darauf, warum es die Frauen auf La Palma besonders schwer haben sollten, löst sich doch auch bei uns die festgelegte Rolle der Geschlechter auf. Nie schnell genug für Feministinnen, aber dennoch in einem Tempo, welches Eva Herman nicht schmecken dürfte.

Wir dürfen aber nie vergessen, welche Rollen die Frauen in der gerade sich auflösenden ländlichen Struktur unserer Insel getragen haben, als man den Frauen nicht nur die Rolle der fürsorgenden Mutter auferlegte, sondern sie zugleich auch noch die erste Arbeitskraft auf dem kleinen ländlichen Betrieb war, ohne den hier früher kein Haushalt zurecht kam. - Um die vielschichtigen Aufgaben der Frau auf La Palma geht es auch in einer neuen Zeitschrift, welche nun die Tage erscheinen soll und sich auf dreißig Seiten mit dem Thema befasst. - Die Inselregierung hat dieses Projekt aufgelegt und zusammen mit dem "Instituto Canario de la Mujer" ist man mal auf die Suche gegangen, wie sich denn das Leben der Frauen hier auf La Palma verändert, und welchen Gesamtbeitrag die weibliche Bevölkerung zur Entwicklung dieser Insel getragen hat. - Um den geschichtlichen Teil der Zeitschrift kümmert sich die eifrige Chronistin aus Los Llanos, María Victoria Hernández, die vielleicht auch selbst ein extrem gutes Beispiel für die markante Rollenöffnung der letzten Jahrzehnte ist, sie alleine publiziert und unternimmt mehr als alle anderen 13 Gemeindechronisten auf der Insel zusammen. - So soll die Zeitschrift auch den Titel tragen: "Eine Geschichte des Mutes", von Frauen geschrieben, für Frauen gemacht und wohl auch meist nur von Frauen gelesen. - Macht ja nichts, wer sagt denn, dass die Emanzipation davon abhängt, dass Männer Frauenzeitungen lesen. - Echte Emanzipation gäbe es eh nur, wenn man keine "Frauenzeitungen" mehr nötig hätte und so riecht das Vorhaben mit der Zeitschrift auch ein bisschen nach Restsinnverwertung des Frauentages. - Aber neugierig auf die Zeitung bin ich wohl.



Dienstag 25.03.08 - 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 16 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 64 % Luftdruck 1017 hPa
Höchsttemperatur heute 18,4 Grad - niedrigste Temperatur 12,0 Grad

Gendebatte

Im Gegensatz zur Debatte um die Gewächshäuser, war kein Werkeln und Feilschen notwendig seitens der Provinzregierung und auch in der Opposition ist man sich einig, auf den Kanaren dürfen keine Pflanzen angebaut werden, die aus genmanipuliertem Saatgut gezogen werden. - Man ist sich einig, dass die Gefahr weit größer ist als der mögliche Erfolg. - So vielleicht könnte man sogar die weltweite Debatte um genmanipuliertes Saatgut schlichten, aber wir sind nicht hier um die Welt zu retten, sondern unseren Inseln nicht noch weiter weh zu tun. - Vielleicht halfen bei dieser Entscheidung auch die Beobachtungen die wir hier im Laufe der Jahrhunderte gesammelt haben, wie schrecklich verletzlich unsere Biodiversität ist und wie schnell und manchmal endgültig unsere Pflanzen- und Tierwelt auf Eindringlinge reagiert und wie viel uns bereits verloren gegangen ist, an endemischer Flora und Fauna durch hartnäckige Invasoren. - Dazu muss man nicht mal die Nostalgiegene bemühen, unsere Inseln dürfen kein Versuchslabor werden für Interessen globaler Saatguthersteller, welche sich sogar noch hehrem Ansinnens selbst beweihräuchern und mit dem Hinweis auf den Hunger in der Welt ihr Danaergeschenk anpreisen. - Dabei ist Saatzucht ein hervorragendes Mittel Ernten zu verbessern und für jede Region die optimale Sorte herauszufinden, allerdings wählt der konventionelle Saatzüchter aus vielen tausend Angeboten, welche ihm die Natur macht, das beste aus, aber er manipuliert dabei nicht.

Es ist ein bisschen so wie mit der Kernenergie, welche ja auch die billigste und sauberste Kraftquelle sein kann, wenn man eben alles richtig macht und ein schlüssiges Konzept entwickelt, welches keine strahlenden Altlasten für Millionen von Jahren auf dieser Welt hinterlässt. - Mag ja sein, dass da die Kernfusion mal eine Alternative bildet, aber momentan ist Kernspaltung weder verlässlich zu kontrollieren, noch liegt ein Konzept vor, welches die verstrahlten Abfallprodukte der Energiegewinnung endgültig beseitigt. - Ebenso bleibt beim Anbau von genmanipulierten Pflanzen ein unkalkulierbares Risiko, welches noch niemand einschätzen kann. - Möglich, dass gar nichts passiert, vielleicht möglich auch nicht so schnell, aber eigentlich sollte man inzwischen so weit sein, nicht erst einen GAU zu benötigen, um unnötige Gefahren für unsere Umwelt auszuschließen. - Gut, wegen unseres kleinen Nein wird Monsanto nicht unbedingt an der Börse zucken, aber es ist ja wunderbar, wenigstens in dieser Hinsicht seltene Einigkeit in politischer Ebene erzielt zu haben. - Nun müsste man sich natürlich auch noch durchringen, keine Erzeugnisse aus genmanipulierten Pflanzen mehr zu importieren und da sieht es schon wieder ganz anders aus, denn bei Futtermitteln zum Beispiel hat der Landwirt und in diesem Fall Endverbraucher ja gar keine Möglichkeit mehr festzustellen, ob denn das nun Gensoja oder Genmais sei, der da unter das Kraftfutter gemischt wurde oder nicht. - Wenn es gar keinen Markt gibt für Produkte aus genmanipulierten Pflanzen, dann wird der Anbau dieser Produkte schnell wieder verschwinden. - Allerdings verhindern nationale und wirtschaftliche Egoismen einheitliche Reglungen und Pedro- wie Otto Normalverbraucher muss im Kleingedruckten nachlesen, was denn nun Sache ist. Und ob das wohlfeile Schwein, das uns da sein leckeres Kotelett spendet mit Genmais oder Soja gemästet wurde, das weiß mal wieder keine Sau. -



Dienstag 25.03.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 12 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 77 % Luftdruck 1015 hPa

Gewächshausdebatte

Das kann heiter werden bis interessant. Die Gewächshäuser in welchen wir die Bananen "mästen", stehen nun inselweit das erste Mal unter einem zukünftigen Fragezeichen. - Aber da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen, nun werden Treffen mit den Vertretern des Sektors eingeräumt, um den Beteiligten des wirtschaftlichen Motors der Insel die Möglichkeit zu geben, an der Zukunftsplanung teilzuhaben. - Der "Masterplan" der Insel, der "PIOLP" (Plan Insular de Ordenación de La Palma), der uns die kommenden Jahre noch beschäftigen wird, sieht nämlich den weiteren Ausbau der Fläche unter Glas (hier wäre eigentlich genauer gesagt unter Plastik oder Gaze) nicht vor. - Allerdings weiß man nicht so genau, ob sich der Plan wirklich damit beschäftigen soll oder nicht, denn bislang waren es die Gemeinden, welche die Überdachung von Anbauflächen zugelassen haben oder nicht. - So ist in Barlovento und Tazacorte zum Beispiel der Bau weiterer Gewächshäuser bereits verboten. - Allerdings fordert kein Papier, auch nicht der "PIOLP", den Abriss bereits bestehender Anlagen, so dass man das Verbot weiterer Gewächshäuser in Tazacorte ja nur als letzte Notbremse verstehen kann, denn in der Gemeinde hat man bereits 145 Hektar "unter Glas". - Niemand bezweifelt den schrecklichen Einfluss der Gewächshäuser auf das Erschienungsbild, welches nun die Insel in vielen Teilen bereits hat, für manche nur ein marginales Ärgernis, für den touristischen Sektor aber fast bereits eine Katastrophe. - So lieben nicht mal die Landwirte selbst ihre "Zelte", kostet doch deren Unterhalt Geld, man betrachtet sie aber als notwendiges Übel um die negativen klimatischen Bedingungen abzuhalten. - Dabei muss man aber wissen, unsere Gewächshäuser dienen nicht dazu tropisches Klima im Inneren der Anlagen zu gewähren, sondern einzig alleine um Windschutz zu geben und in extremer Küstennähe die salzhaltigen Sprühnebel abzuhalten, welche der Atlantik weit rein ins Landesinnere schickt.

Angefangen hat die fragwürdige Entwicklung der Gewächshäuser bereits vor etwa 20 Jahren, als man das erste Mal hier auf der Insel auch neue Hochleistungssorten brachte, die deutlich mehr Ertrag bringen als die bislang hier gezogenen Früchte der "Cavendish-Familie". - Die neuen Sorten waren windanfälliger, weil viel höher gewachsen und konnten nur in ganz bestimmten Regionen angebaut werden, oder eben man schuf mittels der Gewächshäuser den idealen Standort. - Dann gab es sogar zeitweise Subventionen für den Bau der Plastikzelte, eines der vielen Beispiele für populistisch ausgegebene Fördergelder, die eine bereits begonnene fatale Entwicklung sogar noch beschleunigen. - Nun sind sie da die Zelte und man wird diese nicht einreißen können, allerdings muss man auch hier irgendwann den notwendigen Strukturwandel angehen und länger planen als es das gefällige politische Leben in einer Legislaturperiode zulässt. - In der Tat hört man auch einige mutigere Worte, allerdings erst aus dem Lager der Techniker des Plans, dass man durchaus Zonen anerkennen könnte, in welchen der Anbau im Freiland nicht lohnt, der Großteil aber unserer Gewächshäuser eigentlich in Regionen steht, wo man diese Schutz gar nicht benötigen würde. - Von außen betrachtete würde man kurz meinen, weg mit dem ganzen Dreck, das sieht furchtbar aus, aber so einfach dürfen wir das nicht erfassen, die Bananen tragen einen zu großen Teil zum Inseleinkommen bei, als dass man brüske und schnelle Änderungen dem Sektor zumuten könnte.

Bei der Zahlung der Hilfen an die Bananenbauern hat man auch bereits begonnen, den Verteilungsschlüssel leicht zu ändern. - So wurden bislang die Hilfen nur nach Gewicht zugemessen, jetzt aber rechnet man auch die Anbaufläche mit ein, um den Landwirt nicht auf die alleinige Jagd nach hohen Erträgen zu fixieren. - Man ist sich also der Problematik wohl bewusst, aber die Schritte um die Dinge wieder in ein erträgliches Fahrwasser zu steuern scheinen zu klein, oder meinetwegen zu langsam zu sein. - Da will ich die Kritik aber gar nicht wirklich ansetzen, sondern eher am kompletten Fehlen einer Zukunftsstrategie, welche den Bananenpflanzern und damit deren volkswirtschaftlichen Beitrag für die Insel in 20 - 30 Jahren auch noch ermöglicht. - Vielleicht verlange ich auch zuviel von Planern, die nur für 4 Jahre verantwortlich zeichnen und danach keine Rechenschaft über ihre Leistungen ablegen müssen. - Zu guter Letzt möchte ich aber auch immer wieder gerne darauf hinweisen, dass die Gewächshäuser zwar eine hässliche Einrichtung sind, aber den Bedarf an Pflanzenschutzmitteln auf ein Minimum reduzieren und es durchaus einfacher ist Bio-Bananen im Gewächshaus zu ziehen, als im Freiland. - Das verträgt sich allerdings nicht mit der umfassenderen Philosophie des ökologischen Landbaus, wobei ich immer wieder warnen muss davor, mit wohlgemeinter Philosophie gegen globale Marktgesetze antreten zu wollen. - Ich mochte Bananen noch nie, viele Pameros übrigens auch nicht, dennoch wäre es mehr als naiv glauben zu wollen, diese Insel hätte ohne einen kompletten Strukturwandel eine Zukunft ohne die Bananen vor sich. - Es wird schon mit den Bananen gehen müssen, aber so einen Schuss Nachhaltigkeit müssen wir da schon reinbringen.



Montag 24.03.08 - 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 16 Grad, Niederschlag 2 mm Luftfeuchte 72 % Luftdruck 1015 hPa
Höchsttemperatur heute 17,5 Grad - niedrigste Temperatur 13,1 Grad

Makabere Gedankenspiele

Am 8. Mai 2006 verschwand der damals 27jährige Victor aus La Laguna spurlos in der Caldera da Taburiente. - Obwohl man sein Auto bereits am nächsten Tag am Parkplatz von Los Brecitos entdeckte, fehlt von Victor bis heute fast jede Spur. - Groß angelegte Suchaktionen blieben erfolglos, selbst die Klettervereinigungen, die wirklich jeden Winkel in der Caldera kennen, fanden lediglich seinen Rucksack mit Ausweis, Geld und Mobiltelefon, Victor selbst blieb aber verschwunden. - Damals machte man sich natürlich Gedanken, wo er abgeblieben sein könnte, noch dazu war sein Wagen nicht verschlossen aufgefunden worden, was die Gedanken der Familie und Freunde weiter verwirrte. - Im Oktober vergangenen Jahres tauchte nun eine mumifizierte Hand mit Teilen des Unterarms in der Caldera auf und es dauerte bis heute, dass man die Hand einer bestimmten Person zuordnen konnte und die Person ist der am 8. Mai 2006 verschwundene Victor Cap Rodríguez. - Es war wohl sehr schwierig noch Fingerabdrücke zu rekonstruieren, aber es gelang schließlich und da alle Spanier welchen einen Ausweis haben auch ihre Fingerabdrücke hinterlassen müssen, konnte man nun die Hand konkret zuordnen. - Da man auch nicht genau wusste, wie lange der Körperteil bereits in der Caldera lag, hätte die Hand auch zu weiteren Verschwundenen gehören können, oder zu den verstorbenen Touristen, die im November 2001 von plötzlich ansteigenden Wassermassen im Nationalpark mitgerissen wurden und so verstarben.

Jetzt geht man davon aus, dass es keinen Zweifel mehr daran gibt, dass Victor gestorben ist. - Selbst daran hatte man Zweifel, weil man ja außer persönlichen Gegenständen nichts weiter gefunden hatte und die Caldera von hunderten von Freiwilligen abgesucht wurde. - Allerdings bestätigen die wirklichen Kenner des großen Senkkraters auch, dass man in der Caldera auch verschwinden kann, ohne jemals wieder gefunden zu werden, Beispiele dafür gäbe es genug. - Nun kommen die Spekulationen wieder auf, wie kam es zum Tod Victors und wo ist der Körper, und wie kommt der Oberarm samt Hand denn nun an eine andere Stelle und wird dort gefunden. - War es ein Freitod, ein Unfall oder gar ein Verbrechen, alles Fragen, welche sich nun erneut nicht nur die Familie und die Freunde stellen, sondern auch schon wieder Tagesthema hier geworden ist, nachdem die Meldung mit der Zuordnung der Hand durch die Presse lief. - Wasser könnte die Hand an einen anderen Ort gespült haben, oder verwilderte Hunde diese transportiert, aber gänzlich wird das nicht zu klären sein, bis man den Körper selbst lokalisieren kann. - Ob nun erneute Suchaktionen stattfinden werden, das ist noch nicht klar. - Sollte das nicht der Fall sein oder man fände wieder nichts, dann hätte die Caldera de Taburiente erneut ein Geheimnis für sich behalten, wie schon so oft zuvor. - Besonders aus den Zeiten der Franco-Repression und danach stammen viele Geschichten von Verschwundenen in der Caldera, die sich dort vor den Häschern Francos versteckt haben und nie wieder aufgetaucht sind. - Also immer schön an die Wanderwege halten und keine Diktatur mehr zulassen, dann kann auch nichts passieren, noch mehr Verschwundene und makabre Geheimnisse brauchen wir hier nicht.



Montag 24.03.08 - 07:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 13 Grad, Niederschlag 6 mm Luftfeuchte 73 % Luftdruck 1012 hPa

Klein aber Oho!

Man muss nur klein genug sein, dann schlüpft man durch alle Maschen und lässt sich auch von diesem oder jenem nicht unterkriegen. - Die folgende kleine Geschichte taugt auch als wunderbares Beispiel für die Insel La Palma selbst, die sich so oft an zu großen Dingen verschluckt und besser weiter in "ihrem Format" handeln würde. - Die Imkerei ist auf La Palma weit verbreitet und man erhält hier einen Honig, der seines Gleichen sucht. - Bis zum Winter 2005 war diese Insel noch dazu frei vom gefährlichsten Bienenschädling den es überhaupt gibt, der Varroa-Milbe. - Das ging so lange gut, bis ein unvorsichtiger Imker aus Las Manchas gebrauchte Wabenrahmen aus Tenerife brachte, an dem wohl Larven der Varroa anhafteten und nur ein halbes Jahr später war auf der gesamten Insel bereits der Schädling präsent. - So gibt es in der Imkerei auf La Palma ein vor und nach dem Winter 2005 und nun muss man auch hier mit chemischen Mitteln, meist Apistan, oder aber auch mit anderen Methoden ständig gegen die Varroa-Milbe angehen.

Nun aber scheint es, zumindest kann man das so nachlesen, eine Biene zu geben, welcher der Varroa-Milbe nicht die kalte, sondern die kleine Schulter zeigt und gegen diesen tödlichen Schädling fast immun zu sein scheint. - Dabei handelt es sich um die Apis cerana, die ursprünglich aus China kommt, aber hier als kleine schwarze Biene seit sehr langer Zeit bereits eine Heimat hatte. Über die Jahrhunderte hat man diese Biene aber groß gezüchtet, einfach um mehr Leistung aus der fliegenden Honigfabrik herauszuholen. - Stephan Braun, ein Imker mit langer Erfahrung auf La Palma hat sich mit diesem Thema lange befasst und kann nun den Erfolg melden, dass er in der Caldera de Taburiente noch Völker mit den kleinen schwarzen Honigbienen gefunden hat und diese sich als resistenter gegen die Varroa-Milbe zeigen, als die anderen Honigbienen. - Die Apis cerana wird wohl auch von der Milbe befallen, aber kann sich gegen den Eindringling wehren und so hält sich der Schaden welche die Varroa im Bienenvolk anrichtet in einem Rahmen, der kein Eingreifen des Imkers mit chemischen Substanzen fordert. - Der Preis ist wohl eine geringere Honigleistung und als Moral gibt es gratis noch die Erfahrung dazu, wir sollten bei allen Zukunftsplanungen immer auf die eigenen Ressourcen achten, was zu groß ist für unsere kleine Insel, das kann nicht gut sein. - 5 Golfplätze, 9 Sporthäfen, weitere 8 Hotels und eine Autobahn die zwei kleine Orte miteinander verbinden soll, das sind die großen urbanistischen Varroa-Milben, welche unsere Insel bedrohen, auch dagegen hilft nur: Immer hübsch klein bleiben und Brötchen backen, die wir selbst noch in den Mund bekommen, sonst essen andere die Brötchen für uns auf.



Sonntag 23.03.08 - 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 18 Grad, Niederschlag 1,5 mm Luftfeuchte 72 % Luftdruck 1011 hPa
Höchsttemperatur heute 19,4 Grad - niedrigste Temperatur 12,8 Grad

Die Insel die wir wollen, die Insel die wir nicht wollen

Die "Asamblea Ecologista" ist eine der aktivsten Organisationen hier auf La Palma welche sich für den Umweltschutz einsetzt. - Inzwischen hat es die stachelige Gruppe auch geschafft, regelmäßig in die, sonst so hierarchietreue Lokalpresse zu gelangen, und erreicht auf diese Art und Weise eine große Bevölkerungsgruppe. Dabei legt man immer wieder neue Aktionen auf, da war die Unterschriftensammlung gegen den touristischen Sondernutzungsplan und gegen die Golfplätze, welche massenhaft Aufmerksamkeit hervorgerufen haben und die Inselregierung ganz schön zum Schwitzen brachte, da man einfach nicht mehr behaupten kann, die Umweltschutzorganisationen hier auf La Palma repräsentierten nur eine Hand voll "Erleuchteter", wie man besorgte und aufmerksame Bürger dieser Insel mal beleidigte. - Neueste Aktion ist ein Photowettbewerb, der sich nicht nur als Anklage gegen Umweltfrevel versteht, sondern auf der anderen Seite auch die Vorzüge dieser Insel aufzeigen soll, im Vergleichsverfahren. Da soll der interessierte Bürger zwei Photos einsenden, einmal mit der Anklage oder dem Hinweis auf einen Missstand und auf dem zweiten Photo soll dann der Wunschzustand abgebildet sein, so wie der Betrachter der Insel sich das vorstellt. - Es können alle Themen und Landschaften angegangen werden, wichtig ist es halt einen Punkt photographisch festzuhalten, wie wir diese Insel nicht haben wollen und auf einem zweiten, so wie wir uns das für diese kleine und grüne Insel vorstellen. - Dazu schickt man die zwei Photos an die "Asamblea Ecologista", nennt einen "Nick" unter dem die Photos veröffentlicht werden sollen. Man muss allerdings auch noch in der E-Mail seinen wirklichen Namen angeben und auch seine Ausweisnummer, davon wird aber nichts veröffentlicht. - Dazu bitte noch wo die Aufnahmen gemacht wurden und ein knapper Kommentar dazu, der kann auch aus einem einzigen Satz bestehen, was man damit ausdrücken will.

Ich habe nicht mal richtig nachgelesen, was es denn irgendwann zu gewinnen gibt, denn das scheint mir eigentlich mindestens nur zweitrangig zu sein, vielmehr wäre es doch eine gute Idee, seine Beunruhigung über Umweltprobleme hier auf La Palma visuell einfach konsumierbar darzustellen. - Je mehr daran teilnehmen, umso größer wird das Presseecho darüber ausfallen und umso mehr Stimmengewalt erhält damit jeder einzelne Warner. - Mit dieser Aktion wendet man sich nicht grundsätzlich gegen etwas, sondern zeigt vielmehr auch die positive Seite auf, die ja auf dieser Insel noch deutlich in der Mehrheit vorhanden ist. - Das erscheint mir ganz wichtig, denn wir wollen ja nicht einfach immer nur anklagen oder dahinjammern, sondern auch eine Möglichkeit und einen Weg aufzeichnen, welcher für diese Insel doch der vielversprechendere sei. Dabei natürlich immer wissend, es ist die subjektive Meinung eines Individuums, aber es fällt bei den ersten Einsendungen bereits auf, wie groß der Einklang und der Wunsch der Einsender nach einer "Heilen Inselwelt" ist. - Ich werde begleitend auch alle Photos auf meiner Seite bringen, mit den übersetzten Kommentaren. - Wer selber daran teilnehmen will, der muss sich allerdings direkt an die "Asamblea Ecologista" wenden, denn die sind alleinige Ausrichter dieser unterstützenswerten Aktion. - Dort werden die Photos und Kommentare in einer Seite mit Blogfunktionen gestellt, bei mir erscheinen sie im einfachen, schnellen und fast schon "zeitlos" zu betitelndem htm-Format. - Also schicken Sie die Photos nicht mir, sondern direkt an den Urheber dieser guten Aktion. - Keine Angst vor dem Kommentar, der kann auch auf Englisch oder Deutsch verfasst werden, die Mitglieder der Asamblea Ecologista sind Menschen, die mehr als nur eine Sprache sprechen und verstehen. - Es würde mich freuen, wenn möglichst viele Menschen welche an dieser Insel sorgend interessiert sind, und dazu gehören natürlich die Besucher La Palma genau so, ihr Freud und Leid mit La Palma photographisch ausdrücken wollen. - Einsendeschluss für den Wettbewerb ist der 20. April 2008.

Zur einfachen Übersicht auf meiner Seite geht es HIER
Zur Blogübersicht der Asamblea Ecologista geht es HIER
Zu den Teilnahmebedingungen auf Spanisch geht es HIER
Zu den verkürzten Teilnahmebedingungen auf Deutsch geht es HIER
Zur E-Mail Adresse an welche Sie die Photos senden geht es HIER


I Concurso de Fotografía Socioambiental La Palma Erster Umweltphotowettbewerb auf La Palma



Sonntag 23.03.08 - 09:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 15 Grad, Niederschlag 0,5 mm Luftfeuchte 77 % Luftdruck 1014 hPa

Wir sind alle kleine Sünderlein

Interessante Zahlen gibt es mal wieder zu lesen. - La Palma ist die Insel des Kanarischen Archipels, natürlich nach den beiden Dickschiffen Tenerife und Gran Canaria, mit den meisten angezeigten Schwarzbauten und Verstößen gegen die Raumordnungsvorschriften. - Von 1999 bis 2007 sammelte man so 3.422 Anzeigen, das bedeutet Platz drei auf der Sünderliste der sieben Inseln, noch vor solchen wild bebauten Inseln wie Fuerteventura und Lanzarote. - Das kann zweierlei bedeuten. - Einmal könnte das heißen, wir sind wirklich die Schwarzbauer überhaupt, kann aber auch sein, dass auf La Palma grundsätzlich härter durchgegriffen wird, als auf den anderen Inseln. - Das könnte sich aus einem anderen Hinweis ergeben, dass auf La Palma zwar die Gesamtzahl der Raumordnungsdelikte höher ist als auf den anderen Inseln, bei uns aber ein bedeutender Teil davon auf illegale Müllentsorgung, Zweckentfremdung von Grundstücken und auch unerlaubte Abtragung von Mutterboden oder Gestein geht. - Auf den anderen Inseln werden kaum derartige Delikte gemeldet, so dass man diese Auffälligkeit auch damit erklären könnte, dass man es dort nicht so genau mit der Verfolgung solcher "Kavaliersdelikte" nimmt. - Es sind natürlich keine Delikte eines Kavaliers, sondern meist kleine, mittlere, oder gar handfeste Schweinereien die da getrieben werden.

Das soll überhaupt keine Entschuldigung sein für den immer noch sehr großen Bedarf weiterer Kontrolle und Überwachung, ab und zu muss man aber auch mal ein bisschen weiter hinter die Zahlen blicken und nicht einfach nur alles unbedacht weitergeben. - Dennoch, auch auf La Palma steht die Zahl der angezeigten Raumordnungsdelikte immer noch weit hinter der Realität, aber es wird immer schwieriger auf Einäugige Kontrolleure zu stoßen oder auf kollektives Stillehalten. - Dann sind ja nun auch, gehen wir mal von einer weiteren Jahresfrist aus, die lokalen Flächennutzungspläne wirksam, welche dann noch deutlicher und klarer sagen wo, was und warum geht. - Dann ist mit einer erneuten Anzeigenflut zu rechnen, denn bislang gibt es reichlich schwebende Fälle, welche man aufgrund der nahenden Pläne erstmal verschoben hat und die tatsächliche Klassifizierung des betreffenden Geländes abwartet. - Auf weitere Amnestien und die sonst üblichen Verjährungen darf man dann nicht mehr zählen, inzwischen muss die Raumordnungsbehörde ja auch nicht mehr nur auf Anzeigen neidischer Nachbarn reagieren, sondern die sitzen bequem am Bildschirm und sehen sich die Luftaufnahmen der "Grafcan" an die es auch bei Google-Earth zu sehen gibt und picken sich ihre "Kunden" heraus. - So erwarten viele reuige Sünderlein ganz heftig die lokalen Flächennutzungspläne, in dem dann hoffentlich der Grund auf dem man ziemlich anarchisch gebaut hat, plötzlich eine Klassifizierung erhält, die es einem nachträglich ermöglicht, den legalen Weg nachzuholen. - Das wird in vielen Fällen gut gehen, denn seitens der Gemeinden ist man ja bemüht diese Möglichkeiten zu schaffen, in anderen Fällen wird aber der neue Flächennutzungsplan das endgültige Aus für so manches Vorhaben und den kleinen Anbau bedeuten. - Dass jeder hier bauen kann wie er will und keine negativen Folgen fürchten muss, das sind Geschichten aus dem letzten Jahrtausend.



Samstag 22.03.08 - 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 71 % Luftdruck 1014 hPa
Höchsttemperatur heute 19,0 Grad - niedrigste Temperatur 12,3 Grad

Ostereier

Vergessen Sie alles was Sie über Ostern wissen und auf jeden Fall die doofe Geschichte, dass Hasen Eier legen können oder dafür verantwortlich sind, dass bunt bemalte Eier in Ihrem Garten liegen. - Überhaupt, kommen Sie mit dieser Geschichte mal einem Palmero, denn hier kennt man den Rummel um die Ostereier sowieso nicht, das kann man keinem Menschen hier beibringen. - Überlegen Sie doch mal, da kommt irgend ein dahergelaufener Palmero nach Deutschland und würde erzählen, dass der Pfingstochse ein Pferd sei, der Palmesel ein Murmeltier und Schafe würden Ziegenmilch geben, nur weil ein Feiertag ist. - Hört sich schon ziemlich blöd an, aber eben genau so, als wenn man einem Palmero erzählt, dass Hasen Eier legen, nur weil Ostern ist. - Also lassen wir das mit der Missionierung und die Eier im Hühnerstall, es gibt schon genügend kulturelle Missverständnisse zwischen indigenen Bewohnern dieser Insel und denen mit Migrationshintergrund. - Manchmal könnte man meinen, das sei fast schon ein Migränhintergrund, so jammern viele der Zugereisten wenn sich im Nachhinein rausstellt - und überhaupt, das hat einem ja niemand vorher gesagt, - dass manches anders ist, wenn man woanders hingeht. - Allerdings gehört diese Erkenntnis schon zu den Extremweisheiten und ist nicht sonderlich verbreitet unter Focus-Lesern und Zuschauern nachmittäglicher Shows mit soziopathischem Hintergrund im Privatfernsehen.

Aber wir schweifen ab und das kann sich ein Hund eher leisten als ein Mensch, denn der hat einen… Ostern und die Eier und da wir auch einen Migrationshintergrund haben und noch begeisterungsfähige Kinder, gibt es bei uns natürlich auch Ostereier, so wie wir das mal gelernt haben. - Allerdings erzählen wir unseren Kindern nicht so eine dämliche Geschichte wie mit dem Osterhasen, dazu sind wir viel zu aufgeklärt, wir glauben ja sogar schon nicht mehr an den Weihnachtsmann und sind sogar schon kurz davor, den Sandmann nachts mal inschlafgranti zu erwischen. - Das mit Ostern und den Eiern, das ist bei uns ein für alle mal geklärt, auch wenn man nun wissenschaftlich gestützt meinen könnte, die Eier seien ein durch Wärmeentzug gestoppter Versuch der Fortpflanzung bei Vögeln und in diesem speziellen Fall von Hühnervögeln, wir glauben nicht daran, dass das so einfach ist. - Ostereier bringt nicht der Hase, genau so wenig das Osterhuhn, die Ostereier sind eine Domäne des kastrierten Osterkaters und keine andere Möglichkeit gibt es mehr. - Uns liegen Beweisphotos in jeder Menge vor und wir waren nicht nur astral zugegen, als Paul uns mit den Eiern beglückte, die inzwischen nach alter Tradition bunt bemalt darauf warten, erst versteckt und dann wieder gefunden zu werden. - Aber das ist eine andere Geschichte, warum man in gewissen Kulturkreisen Dinge erst versteckt, um sie später selber wieder unter freudigem Gejauchze zu finden. - Das mit den Ostereiern ist ja nun geklärt und nächstes Jahr um diese Zeit beschäftigen wir uns dann mit dem Phänomen, Sachen vor sich selbst zu verstecken. - Frohe Ostern und wenn Sie keinen kastrierten Kater zur Hand haben, zur Not soll es auch das Ei des Kolumbus tun, obwohl der Typ mir immer Leid tut, weil er ja nach unserer Interpretation nur eines hat.


Der kastrierte Osterkater




Samstag 22.03.08 - 09:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 14 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 71 % Luftdruck 1015 hPa

Kurznachrichten

In Breña Baja will man nun die Drachenbäume der Gemeinde in neues Licht rücken. - Zuerst soll die direkte Umgebung der so vorzeitlich wirkenden Bäume gesäubert und freigeräumt werden, damit die "Dragos" besser zur Geltung kommen und dann werden die größten Exemplare der Gemeinde auch noch nachts angestrahlt werden, damit man auch im Dunklen die Drachen noch erkennen kann. - Die Gemeinde Breña Baja will sich damit gleichzeitig noch für den Preis der Gemeinde mit den besten Ideen zur Energieverschwendung bemühen.

Die Identität des Millionengewinners aus Tazacorte ist nun geklärt. - Ein Rentner und ehemaliger Mitarbeiter des Stromversorgers UNELCO hat die 27 Millionen Euro einstreichen dürfen und diese auf seiner Hausbank in Tazacorte hinterlegen lassen. - Allerdings zeigte der Rentner allerbesten Familiensinn, der Gewinn wurde aufgeteilt, seine beiden Söhne erhalten auch je ein Drittel. - Dann hat jeder der drei immer noch ein Monatsgehalt von 37.500 Euro, bei einer konventionellen Anlageform. - Man könnte das aber auch noch ein bisschen spannender gestalten und T-Aktien kaufen.

Die beiden Verbraucherbüros in Santa Cruz und Los Llanos "Oficinas Municipales de Información al Consumidor" (OMIC) mussten im vergangenen Jahr geringfügig weniger Beschwerden bearbeiten als noch in 2006. Spitzenreiter bei den Ärgernissen sind Vorkommnisse rund um die Kommunikation per Telefon, rund 38% aller Beschwerden beschäftigten sich mit diesem Thema. - Gefolgt von Widrigkeiten mit den Fluggesellschaften, die immerhin noch für 20% der Beschwerden Platz lassen. - Auffällig ist dann allerdings die Zahl von lediglich einem Prozent der Beschwerden, die sich mit dem Thema Gesundheitsdienste befassen. - Aus dunklen Kreisen munkelt man aber, dieser Anteil könnte deutlich höher sein, wenn man postume Beschwerden zulassen würde.

Die deutschen Chancen beim europäischen Songkontest mal nicht Letzter zu werden sind enorm angestiegen. - Ausgerechnet aus dem Land des Iglo Lagnesias kommt ein absolut rekordverdächtig prekärer Beitrag eines Kulturneutrums namens Rodolfo Chikiliquatre, der dieses Land in eine tiefe Depression stürzt. - Die Kommentare über die Sangesqualitäten und das herausragende Erscheinungsbild dieser "nationalen Schande" füllen alle Zeitungen und gelbe Sendungen im Fernsehen. - Abgesehen davon, dass dieser Wettbewerb in sich bereits ein Witz ist, fordern nun immer mehr Spanier, die Politik müsste sich einmischen und dem Sangeszombie die Lizenz zum Singen entziehen, oder zumindest verbieten, für Spanien anzutreten. - Als Deutscher kann man über solche Probleme nur lächeln und weise sagen: Ja, ja, das kennen wir. - Für ganz harte Charaktere und kulturfeste Zeitgenossen kann man bei youtube schon mal eine Kotzprobe nehmen. - HIER, aber sagen Sie nicht, ich hätte Sie nicht gewarnt.



Freitag 21.03.08 - 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 51 % Luftdruck 1016 hPa
Höchsttemperatur heute 20,2 Grad - niedrigste Temperatur 13,2 Grad

Fremde Einheimer

Ostern und Weihnachten sind immer so die Festivitäten, welche Familienbesuche hier auf La Palma zum interessanten, wie nachdenklichen Ereignis werden lassen. - Natürlich ist das die Passion mit welcher viele hier diese Feste begehen, aber in diesem Fall meine ich die vielen fremden Gesichter, die sich so auffällig selbstverständlich unters Volk mischen, als wären sie immer hier gewesen. - Und so in etwa ist das auch, es handelt sich bei den von mir beschriebenen Gesichtern eben um die vielen, inzwischen erwachsenen Kinder der daheim Gebliebenen, die nun ein solches Fest, oder eine solche Auszeit dazu nutzen, um ihre Eltern und damit wohl ihre Heimat mal wieder zu besuchen. - Man hat auf diesen Prozessionen genug Zeit, um alle zu fokussieren, die da denn um 06:00 Uhr morgens den langen Kreuzweg in El Paso gehen und im Lauf der Stationen wird einem dann schon klar, zu wem welches der Gesichter gehört. - Oft löst sich das auch ganz schnell auf, denn manchmal erkennt man meinen grübelnden Blick und prompt springt ein stolzer Vater herbei, oder eine gerührte Mutter und erklärt dann ganz schnell den Fall, das sei der Sohn oder die Tochter die anno dunnemal zum Studieren nach Madrid oder sonst wo hin gegangen sind und leider nur noch zu ausgesuchten Festen die Eltern und La Palma besuchen kommen. - Dann muss man oft grübeln, weil man doch die Kinder von Pepe und Juliana auch früher schon gesehen hat und kleine Geschichten werden einem dazu erzählt, was aber nicht immer dazu dient, das Langzeitgedächtnis soweit aufzufrischen, dass man damit diese erwachsenen Menschen und die Kindsköpfe seinerzeit parallel bekommt. - Zu viel darf man natürlich auf der Prozession auch nicht reden, sonst trifft einen schon mal ein sehr heiliger Blick und mahnt still zur Konzentration auf das Wesentliche.

Mit der Diskussion um das Wesentliche werde ich Ihnen nun nicht die Zeit stehlen, das machen Sie selber alleine viel besser. - Wie gesagt, viel Zeit hat man um zu beobachten und leise und still kann man selbst auf dem Karfreitagkreuzweg denken was man will und bei mir kommt dann immer die Frage hoch, was wäre wenn wir nicht regelmäßig unsere heranwachsenden Akademiker verlieren würden. - Das ist keine Beleidigung der "dagebliebenen" Bevölkerung, aber fast alle die studieren gehen, die kommen nicht zurück, weil einmal von der "Großen Weiten Welt" geküsst, taugt La Palma später dann wohl nur noch zur Folklore und dem, hoffentlich liebevollen Besuch, der zurückgelassenen Eltern. - Dabei frage ich mich, würden diese studierten Kinder der Insel es auch zulassen, was man mit uns willfährigen Passagieren dieses Inselbootes so vorhat, oder könnten die es verhindern, dass man aus La Palma eine billige Kopie Tenerifes machen will und anstatt echter Zukunftsaussichten zu präsentieren, komplett auf lange schon ausgelaufene Wirtschaftskonzepte setzt. - Eines der größten Manko dieser Insel ist eben der Exodus der jungen Menschen, die diese Insel verlassen wollen oder gar müssen, um ihrer Zukunft so einen kleinen Schuss Karriere zu verleihen. - Aber das war hier schon immer so, als die Menschen von hier noch wegen des Hungers auswandern mussten, da zogen auch "die Besten" weg, die Mutigsten und die gut genug erschienen auch anderswo ihr Glück nicht nur zu suchen, sondern es auch zu finden. - Wie man denn so etwas in Zukunft verhindern kann, so lange dauerte die Prozession nun auch wieder nicht, dass einem die Lösung dazu einfallen könnte. - Heute Abend gibt es aber noch zwei weitere Umzüge im Ort, da kann man wieder prima Gesichter gucken und wer wohl zu wem gehört und wenn das alles ganz lange dauert, vielleicht fällt es mir ja dann noch ein, wie man das alles besser machen könnte.



Freitag 21.03.08 - 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 14 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 70 % Luftdruck 1016 hPa



Karfreitag in El Paso



Donnerstag 20.03.08 - 17:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 21 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 43 % Luftdruck 1016 hPa
Höchsttemperatur heute 21,8 Grad - niedrigste Temperatur 12,6 Grad

Spaßbad wird zur Spaßbremse

"Baltavida" heißt das große Hallenbad in Breña Alta, welches sich großer Beliebtheit erfreut, aber den Stadtsäckel der viertgrößten Gemeinde der Insel heftig in Anspruch nimmt. - Man hat zum Betrieb eine Sociedad Limitada (S.L.) gegründet, mit öffentlichem Charakter welche "Gesbalta" heißt und die Gemeinde hat sich verpflichtet, den eventuellen Fehlbetrag für einen kostendeckenden Betrieb beizusteuern. - Insgeheim hatte man natürlich gehofft, sogar einen Gewinn einfahren zu können, aber Energie- und Personalkosten steigen jedes Jahr enorm an und sind durch die Eintrittsgelder alleine nicht zu stemmen. - So stieg der Zuschuss der Gemeinde von 90.000 Euro im vergangenen Jahr auf nunmehr 135.000 Euro an, Geld, welches alle Einwohner der Gemeinde erwirtschaften müssen und natürlich an anderen Ecken fehlt. - Ärgerlich ist das insofern auch, dass der Einzugsbereich dieses schnieken Hallenbades sich natürlich weit über die Gemeindegrenzen hinausbewegt, aber die Zuschüsse einzig und alleine aus der Gemeinde kommen. - Die aus Santa Cruz kommen bei uns schwimmen und wir müssen das bezahlen, so einer der noch feineren Kommentare zu der für Breña Alta unschönen Situation.

Im Einzugsgebiet des Bades, welches deutlich mehr bietet als ein stinknormales Hallenbad, kann man vielleicht 30.000 Menschen rechnen, eben die drei Gemeinden um die Hauptstadt herum, Santa Cruz und die beiden "Breñas". - Ob man mit einem solchen Klientelpool den Pool nicht kostendeckend betreiben könne, das müssen Betriebswirte immer mal wieder nachprüfen, auch in Hinsicht auf den permanent drohenden Bankrott der Betreiberfirma, denn nach den Gesetzen der Gesellschaften mit beschränkter Haftung (S.L.) ist "Gesbalta" eigentlich ein Fall für den Konkursverwalter. - Darüber wird aber immer wieder heftig gestritten und seitens der Gemeinde verteidigt man die Zuzahlungen, schließlich leiste man sich damit einen erheblichen Luxus für die Einwohner Breña Altas und mit dem Bad locke man eben auch Menschen von der ganzen Insel in den Ort, die sonst nur verächtlich an Breña Alta vorbeifahren würden. - Die Diskussion um öffentliche Schwimmbäder haben wir hier auf La Palma ja nicht erfunden, viele bundesdeutschen Gemeinden haben so ein Bad an der "Hacke" und wissen nicht so recht, wie man den Betrieb noch finanzieren soll. - Man könnte ja nun hingehen und sagen, schlechtes Management, die Preise müssen angehoben werden oder man soll dort die Bademeister nackt herumlaufen lassen um mehr Spektakel zu bieten, aber bislang haben alle Aktionen nicht den erwünschten Effekt gehabt und so viel Publikum ins Bad gelockt, dass der Stadtsäckel trocken bleiben kann. - Man könnte ja auch hingehen und sagen, der Einzugsbereich für das Bad, das ist die gesamte Insel und dann müsste man doch für 85.000 Menschen und ein paar Politiker doch so ein Ding kostendeckend betreiben können. - Das wissen aber andere besser als wir und vielleicht baut man deshalb in Los Llanos nun auch noch ein weiteres Hallenbad, was dann natürlich in deftige Konkurrenz zum "Baltavida" in Breña Alta steht. - Aber so etwas hat bei uns Tradition, mit den Hotels machen wir das auch so, sinkt die Auslastung erstmal kräftig ab, dann bauen wir noch ein paar mehr und wundern uns dann über die perfide Logik und den phantasielosen Charme der Prozentrechnung.

Noch in eigener Sache, morgen Vormittag gibt es keine Nachrichten, wir hangeln uns da durch die Prozessionen und die gehen bei uns so früh los, dass ich um die Uhrzeit gerade mal das Vaterunser noch stottern kann, aber keine halbwegs vernünftigen Nachrichten schreiben kann.



Donnerstag 20.03.08 - 08:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 13 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 73 % Luftdruck 1015 hPa

Hausmannskost

Oft genug haben wir über das schleichende Siechtum unserer Landwirtschaft berichtet und das fehlende Interesse seitens der Verbraucher regionale Produkte einer internationalen Konkurrenz vorzuziehen. - Allerdings gibt es erste, kleine und zarte Anzeichen, dass auch dieser Pendelausschlag der Globalisierung betretbare Nischen aufreißt und ein, immer noch bescheidenes aber wachsendes Publikum entsteht, welches diesem Wahnsinn der israelischen Kartoffel und des neuseeländischen Apfels auf La Palma nicht unbedingt willenlos folgen will. - Kleine Läden etablieren ein alternatives Angebot, der Sonntagsmarkt in Los Llanos bringt Käuferschlangen hervor, die Bauermärkte in Puntagorda und Mazo florieren bunt und in El Paso steht ein neuer Wochenmarkt kurz vor der Eröffnung. - Dabei ist es überhaupt nicht verwerflich, Produkte anderer Provenienzen anzubieten und diese als besondere Kostbarkeit zu verzehren, aber wenn auf der Agrarinsel La Palma israelische Knollen und neuseeländische Äpfel billiger angeboten werden als heimische Produkte, dann ist da was aus dem Ruder gelaufen und bedarf einer dringenden Korrektur. - Da wir aber aufgrund unserer Zugehörigkeit zu den globalen Märkten keine Möglichkeit mehr besitzen Einfuhrbeschränkungen durchzusetzen, muss man auf Aufklärung setzen und dem Konsumenten den Vorteil der überwiegend regionalen Versorgung wieder augenscheinlich machen.

Möglichkeiten bestehen dabei durch Qualität den Unterschied zu verdeutlichen und den gegebenen Vorteil der kurzen Wege, so dass man die Frische der Produkte als klaren Verkaufsanreiz nehmen kann. - Ein weiterer Vorteil kann sein, mit regionalen Sorten aus konfektioniertem Leipziger Allerlei neue bunte Angebote hervorzubringen, welche sich eben klar vom Massenprodukt abheben. - Da greift nun auch eine Aktion der Inselregierung, welche alte Kartoffel- und Bohnensorten unter den Landwirten verteilt und den wackeren Landmännern, welche sich an diesem Experiment beteiligen wollen, den Absatz der dann erzeugten Knollen und Bohnen garantiert. - Diese Produkte nun werden wiederum an Restaurants abgegeben, welche sich an einem Projekt beteiligen das "Pon La Palma en tu plato" heißt, was nichts anderes bedeutet als: "Pack La Palma auf deinen Teller". - Mit diesem Slogan sollen diese Restaurants dann ihren Beitrag, aber auch ihre Werbung betreiben, um auf den wichtigen Kreislauf der regionalen Versorgung mit landwirtschaftlichen Produkten aufmerksam zu machen. - Bunte und gestreifte Kartoffeln wird es dann geben, eben die alten Sorten, die man hier kultiviert hat, bevor man der großen weißen "King Edward" verfallen ist, die meist nur als Grundlage zu Pommes Frites taugt und Bohnen, welche die, inzwischen exotischen Namen "pinto" und "de manteca" tragen und meist nur noch in hochgereatrischen Kommunikationszirkeln, also den Altersheimen oder den Bänken auf den Plazas, bekannt sind. - Ob man es damit wieder hinbekommt, den Großteil der Obst- und Gemüseversorgung dieser Insel erneut aus eigener Kraft zu schultern, das darf man bezweifeln, aber es ist zumindest ein lobenswerter Versuch, in diese Richtung einen Schritt zu tun. - Gehen muss den Weg der Verbraucher sowieso selbst, allerdings muss man dabei auch den Landwirt und den Händler mit in die Pflicht nehmen, wenn es nämlich keinen Salat, keine Kartoffeln oder keine Tomaten mehr aus La Palma im Angebot gibt, dann kann auch der Oberlokalpatriot sein Einkaufskörbchen aus autochthonen Binsengeflecht nicht endemisch füllen.





Mittwoch 19.03.08 - 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 55 % Luftdruck 1015 hPa
Höchsttemperatur heute 21,2 Grad - niedrigste Temperatur 15,4Grad

Hola Presidente

Paulino ist "drin", würde Bobbele sagen und damit reiht sich ein weiterer Politiker in Reihe derer ein, die längst begriffen haben, dass das Medium Internet eine hervorragende Plattform für Selbstdarstellung ist. - Paulino Rivero heißt der Präsident des Gobierno de Canarias und ist somit "Erster Canario" unter etwa 2 Millionen Menschen, die hier auf den Kanaren wohnen. - Das Internet nutzen die natürlich auch schon eine Weile als Informationsbörse, nun aber gibt es einen speziellen Internetauftritt des Präsidenten, in dem man seine Fragen loswerden kann und wenn man ein bisschen Geduld hat, diese auch beantwortet bekommt. - Als Garantie gibt man an, dass man maximal 10 Tage warten muss und innerhalb dieses Zeitraums eine persönliche Antwort bekommt. - Diese muss aber nicht von Paulino Rivero direkt stammen, er bezieht alle Ressortleiter mit in diese Aufgabe ein und jeder soll die Fragen beantworten, wo er sich denn am besten auskennt. - Immerhin sollen in den ersten Tagen bereits über 500 Anfragen eingegangen sein, ein blitzblanker Beweis dafür, dass eine solche Einrichtung eine gefragte Angelegenheit ist.

Allerdings finden diese Einrichtung nicht alle Bürger dieser Inseln gut, man wirft Paulino Rivero vor, er kopiere damit die Sendung "Aló Presidente" des Linkspopulisten Hugo Chavez, der als Präsident Venezuelas sich als wahrer Medienderwisch geoutet hat und keine Chance auslässt, sich seinem Wahlpublikum zu präsentieren. - Sicher hat sein Internetauftritt und die Möglichkeit direkt Fragen zu stellen auch einen werbeorientierten Hintergrund, aber alles was Politiker in der Öffentlichkeit sagen und tun, ist nichts anderes. Der Vorwurf ist sicher berechtigt, es wäre aber naiv zu meinen, ein Politiker würde das aus einem anderen Grund tun. - Nun wird man die ersten Antworten abwarten müssen und ob es daraus vielleicht sogar Denkanstöße in Richtung der Regierung geben könnte, da ja nun der direkte Kontakt zur "Basis" wieder hergestellt werden kann. - Natürlich immer so lange man diese Nachrichten auch liest und nicht von einer Gruppe an Redakteuren beantwortet werden, die lapidare Antworten geben nach dem Muster, einer in Indien sitzenden Hotline für brennende Fragen über den richtigen Einsatz von Dampfbügeleisen bei handgeklöppelten Toilettenpapierschonbezügen. - Es gibt diese Technik ja und warum soll man diese denn dann nicht auch nutzen. - Interessant wäre es natürlich mitzubekommen, was denn da gefragt wird und wie man denn auf diese Fragen antwortet, aber das wird wohl nicht gehen, da man aus Datenschutzgründen keine persönlich adressierten Fragen und Antworten weitergeben darf. - Allerdings wird in einschlägigen Foren bereits heftig darüber diskutiert und wenn man dem Tenor dieser Meinungen dort glauben darf, dann wird es nicht nur höflich formulierte Fragen an Paulino Rivero geben, sondern auch jede Menge an Hohn, Spott und ärgerlichen Ausbrüchen. - Unter www.gobcan.es/elpresidenteresponde soll man seine Fragen loswerden können. - Allerdings war der Server nicht erreichbar als ich das versuchte, da erschien nur "no responde", aber das wird wohl nur eine vorübergehende Überlastung sein, weil nun alle auf einmal ihre Fragen loswerden wollen, oder einfach mal gucken wollen, wie sich Paulino Rivero das so vorstellt.



Mittwoch 19.03.08 - 09:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 16 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 74 % Luftdruck 1016 hPa

Milchmädchenrechnung

Was lange gärt, wird endlich gut. - Was beim Bier wohl zutreffen mag, ist für Milch nur in seltenen Fällen attraktiv. - Ich weiß nicht, wie oft wir uns bereits hier an dieser beobachtenden Stelle mit der Inselmolkerei beschäftigt haben. Seit nunmehr neun Jahren plant und baut man an dieser Infrastruktur und wenn man der geflissentlichen Dienstpresse glauben darf, dann könnte es diesen Sommer wirklich zu dem "Spontanereignis" der Inbetriebnahme dieser Anlage kommen. - Anfänglich gab es Schwierigkeiten mit der Überschreibung des Grund und Bodens auf dem die Molkerei liegt, aber das war nur ein kleiner Vorgeschmack auf die dann folgenden Probleme. - Das Gebäude an sich war rasch fast fertig, aber dann machte die ausführende Baufirma Pleite und es dauerte über zwei Jahre, bis man die Planung wieder aufnehmen konnte, denn inzwischen musste man aus baurechtlichen Gründen ein komplett neues Projekt erstellen, da das ursprüngliche Genehmigungsverfahren keine Gültigkeit mehr hatte. Neues Projekt auf alten Mauern und natürlich auch neue finanzielle Mittel mussten her, aber schließlich gelang es den Bau fertig zu stellen. - Allerdings sind vier Wände, ein Dach und eine Tür noch keine Molkerei, man braucht dazu auch noch die komplette Technik und Inneneinrichtung und das dauerte dann noch mal zwei Jahre. - Es ist egal, ob die Version korrekt ist, dass der Lieferant so träge mit den Maschinen rüberkam, oder ob das Geld einfach nicht da war, im Sommer sind es neun Jahre die man an der Molkerei herumbastelt und nun wird es Zeit, dass diese Anlage endlich ihren Dienst aufnehmen kann.

Jetzt muss man der Molkerei aber noch Leben und Sinn einhauchen und man braucht jemanden, der diese Milchverarbeitungsanlage auch betreibt. - Da die Molkerei ein Auftrag der Inselregierung ist, bleibt das zunächst natürlich auch an dieser Korporation hängen, aber es ist unwahrscheinlich, dass die Inselregierung überhaupt in der Lage ist, den Betrieb der Anlage zu garantieren. - Nun hat man eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben und dabei wird herauskommen, dass man sich doch einen privaten Betreiber suchen soll, der sein unsicheres Glück mit der Milchverarbeitung auf La Palma versuchen soll. - Wie dem auch sein, entweder die öffentliche Hand, oder ein privater Betreiber werden mit denselben Schwierigkeiten zu kämpfen haben die da lauten: Wie platziere ich ein neues Produkt in einem bereits gesättigten Markt und wie komme ich an die Milch der vielen kleinen Milchproduzenten, die überall auf der Insel verstreut ihre Ziegen halten. - Warum wir denn überhaupt eine Molkerei hier auf La Palma haben wollen oder brauchen, das haben wir den Hygienevorschriften der Europäischen Union zu verdanken, welche einen derart drastischen Katalog für die Herstellung von Milchprodukten diktiert haben, dass der Großteil aller Milchproduzenten die Auflagen nicht erfüllen kann. Darauf hin wollte man - und das ist sicher eine gut gemeinte Aktion - seitens der Inselregierung eine Lösung schaffen, eben mit der Installation einer Molkerei, welche den Milchproduzenten eine Abnahme ihrer Milch garantiert, die keine Genehmigung mehr zur Weiterverarbeitung ihrer Milch haben. - Inzwischen haben sich aber die meisten bereits arrangiert und häufig verkaufen die kleineren Produzenten ihre Rohmilch an größere Betriebe, welche über die notwendige Technik verfügen die Milch dann ordnungsgemäß weiter zu verarbeiten. - Sicherlich wäre es interessant, eigene Milchprodukte anzubieten, aber man darf bezweifeln, dass der Markt das überhaupt noch fordert und welche Milch denn die Molkerei eigentlich verarbeiten soll.



Dienstag 18.03.08 - 17:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 21 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 67 % Luftdruck 1014 hPa
Höchsttemperatur heute 22,2 Grad - niedrigste Temperatur 16,0 Grad

Etikettenschwindel

Wie würden Sie das finden, wenn ein Weingut an der Mosel seinen Wein "Loreley" nennt? - Das geht natürlich nicht, das kann man nicht machen, das ist doch Etikettenschwindel. - Andere mögen nun wieder sagen, das ist doch egal, man kann seinen Wein doch nennen wie man will und seit wann wird es Etiketten schwindelig… Dabei muss man halt immer beachten, dass der Wein wohl einen Namen haben darf der gar nichts mit der Herkunft zu tun haben muss, so lange auf dem Etikett dann doch noch die korrekte Weinbauregion angegeben ist. - Natürlich würde das so einfach niemand machen, selbst der Kröver Nacktarsch kommt aus Kröv bei Traben-Trarbach und das liegt nun an der Mosel. - Loreley und nackter Hintern hin und her, jeder der ein bisschen was von La Palma gehört hat, der weiß das Tacande ein Stadtteil der Gemeinde El Paso ist und selbst ein Schiff der Armas-Flotte den stolzen Namen trug: Volcán de Tacande. - Das allerdings ist bereits 2005 verkauft worden, nachdem man bei einem missglückten Manöver die Bordwand aufgerissen hatte.

Ganz klar, Tacande, dieses Toponym gehört nach La Palma, aber ein Winzer aus der Region Tacoronte nennt seinen Tropfen eben Tacande und verkauft den auch noch erfolgreich. - Das wollen wir natürlich nicht und nun fordert die Inselregierung La Palmas öffentlich, man sollte den Namen des Weines ändern, weil der Verbraucher ja meinen könnte, er bekäme Wein aus La Palma kredenzt und nicht einen Rebsaft aus Tenerife. - Noch dazu kann man ja bemerken, in Tacande, also im richtigen Tacande, da wächst auch Wein, allerdings nennen wir den nicht so, sondern wird meist unter der Bodegabezeichnung "Tamanca" verkauft, obwohl es eigentlich ein echter "Tacande" wäre. - Rein rechtlich kann man wohl nicht dagegen vorgehen, das will man auch gar nicht, aber laut mit dem Fuß aufstampfen, dass da wieder mal eine der großen Inseln uns Kleinen etwas gemopst hat und damit sogar noch erfolgreich Werbung macht. - Kleinkariertes Denken könnte man uns entgegenhalten, das tut doch keinem weh, eben gerade weil ja hier niemand auf die glorreiche Idee gekommen ist, selbst Wein unter dem Namen Tacande zu verkaufen. - Allerdings hat man vor Jahren schon mal in einem Weinnamensstreit mit Tenerife den Kürzeren gezogen und so etwas vergessen wir nicht, Insulaner sind nachtragend noch weit über den Horizont hinaus. - Damals wollte die jetzige Genossenschaft Vega-Norte de Tijarafe ihren Wein als "Viña-Norte de La Palma vertreiben, da es in Tenerife aber einen Abfüller mit dem Namen "Viña-Norte en Tenerife" gibt, wurde das nicht zugelassen. - Vega-Norte ist vielleicht eh der bessere Name und vielleicht sollten wir ja auch ein ganz kleines bisschen stolz sein, dass man uns nun auf Tenerife schon die Namen stehlen muss, um Wein zu verkaufen.



Dienstag 18.03.08 - 08:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 16 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 74 % Luftdruck 1013 hPa

La Palma im Lottofieber

Wer hat denn nun die 27 Millionen Euro gewonnen? Das ist das einzige Tagesgespräch hier im Moment. - Die arme Inhaberin der Lottoannahmestelle in Tazacorte, in der das Glückslos verkauft wurde, ist bereits reichlich genervt. Andauernd kommen Neugierige in den kleinen Laden und sie muss immer wieder den gleichen Satz von sich geben: "Ich weiß nicht wer der Gewinner oder die Gewinnerin ist, es war ein automatisch erstelltes Los, jeder der mal in den Laden gegangen ist, könnte der Prämierte sein". - Nicht nur Neugierige stürmen nun den kleinen Laden, auch auffällig viele Bankdirektoren hinterlassen ihre Visitenkarten mit ein paar klugen Vorschlägen zu Geldanlagen, sollte der Gewinner dann doch noch in die Annahmestelle kommen und sich persönlich vorstellen. - "Schön blöd wenn der kommt und sagt wer er ist, der hat dann kein ruhiges Leben mehr" meinen andere und haben auch gleich den richtigen Vorschlag wie man sich in einem solchen Moment verhalten sollte: "Ganz normal weiterarbeiten und wenn sich die Sache ein bisschen beruhigt hat, dann fährt man in eine Bank, weit weg von hier und legt das Geld dort an." - Das hört der Bürgermeister von Tazacorte nicht so gerne, der möchte unbedingt, dass das Geld im Ort ausgegeben wird, davon Arbeitsplätze geschaffen werden, schließlich hat der Gewinner auf einen Schlag so viel Geld, dass er den Jahreshaushalt der Stadt und Gemeinde Tazacorte dreimal decken könnte.

Man hat aber auch schon Verdächtige ausgemacht, da ist einer gestern nicht zur Arbeit gekommen und schon dichtet man ihm den Hauptgewinn an, allerdings zeigte sich der Verdutzte später noch im Ort mit einem verbundenen Arm und einem Attest vom Gesundheitszentrum, um sogleich allen Spekulationen aus dem Weg zu gehen. - Ein anderes Gerücht verbreitet sich auch hartnäckig, dass es ein Pärchen aus Todoque sei, warum man denn darauf komme, das kann man aber nicht richtig erklären, Gerüchte brauchen keine echte Wissensnahrung, das sind Organismen die sich selbst versorgen können und nur absterben, wenn kein Mensch sich mehr darum schert. - Überhaupt, es muss ja niemand aus Tazacorte sein, in der Lottoannahmestelle kommen auch viele vorbei die nur durch den Ort fahren, denn schließlich hat man dort schon mehrfach hoch dotierte Gewinnlose verkauft. - Das wäre ja die Totalpleite, wenn einer aus Los Llanos oder gar der Hauptstadt nun dieses Geld gewonnen hätte und keinen Cent davon in Tazacorte lässt, aber so soll man nicht denken, irgendwann wird sich der Gewinner schon melden oder durch auffälliges Verhalten verraten. - Im Moment ist die Arbeitsdisziplin in Tazacorte so hoch wie nie. - Keiner meldet sich krank um nicht in die Gerüchteschusslinie zu gelangen, denn nichts ist dümmer als das: Jeder meint man hat die 27 Millionen gewonnen, aber in Wirklichkeit ist man ein bettelarmer Tropf. - Es gibt ja auch noch eine weitere Möglichkeit, der oder die Gewinnerin sind genau so schusselig wie ich und verlieren solche kleinen Zettel schon mal ganz schnell. - In dem Fall darf man dann nur hoffen, dass der, fast reiche, arme Verlierer nicht weiß, dass genau er auf seinem Schein diese Zahlen getippt hat. - Wie dem auch sein, die Politik ist aus dem Gerede, die können nun endlich unbeobachtet ihre Pöstchen beziehen, das Volk hat anderes im Kopf und sucht die 27 Millionen von Tazacorte.



Montag 17.03.08 - 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 21 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 75 % Luftdruck 1012 hPa
Höchsttemperatur heute 24,4 Grad - niedrigste Temperatur 16,4 Grad

Guiris, Godos und Gringos

Manchmal fragt man sich halt schon wer man ist… Selbst in der absoluten Keimzelle der menschlichen Gemeinschaft, der Familie, gibt es bereits Lokalpatriotismen, Migrationsprobleme und Ausgrenzung. - Ich meine nicht das mit Mann und Frau, das ist alt und wer solche Probleme zwischen Mann und Frau immer noch ernst nimmt oder gar irgendeinen intellektuellen Hintergrund zu erkennen meint, der sollte besser gleich emigrieren und diese seine so genannte "Halbe Orange" verlassen. - Nicht auspressen, wie man das dann auch gerne macht, aber das ist ein anderes Thema welches aber keinen Spaß bringt. - Selbst in der Familie - und nun fange ich mal in meiner eigenen an - gibt es bereits Standortansprüche und Zugehörigkeitsrituale, die als schlimmste negative Äußerung irgendwann in Fremdenfeindlichkeit ausarten können. - Eine meiner Töchter meint sie sei Deutsche, die andere Spanierin. - Mir ist das pups egal, aber wenn die beiden sich fetzen, dann fallen schon mal die Schimpfworte, "Du Spanierin", oder eben als bilaterales Echo: "¡Alemana!", aber eben so ausgesprochen, dass einem die Dichter und Denker wirr um die Ohren fliegen. - Das legt sich meist rasch wieder und sollte auch nur als Beispiel dienen, wie schnell oder oft wir uns katalogisieren und unsere Gegenüber gleich mit. - Das hat einmal was mit Abgrenzung zu tun, die meist aus Angst und Unkenntnis erwächst, aber auch um Suche nach Zugehörigkeit, die dann Stärke und Gemeinschaft geben soll.

"Wie sollen sich denn die Russen mit den Amerikanern verstehen, wenn wir die Deggendorfer schon blöd finden", so etwa erklärte uns das immer einer meiner Unlieblingslehrer auf der Schule in Straubing und meinte damit dieses wirre Gefühl des pragmatischen Patriotismus, der eben bis in die kleinste Zelle der Gemeinschaften vordringen kann. Wenn aber dann endlich die Marsmenschen ihre Teuteriumstrahlenpartikelkanone gegen uns Menschlinge einsetzen, dann sind wir plötzlich alle die Gemeinschaft der Erdenbewohner und selbst Barca- und Realfans nutzen dann den Schutz des neuen Kollektivs. - Das ist hier nicht anders, was glauben Sie denn wie die "Pasenes" (Bürger aus El Paso) über die "Llanenses" (Bürger aus Los Llanos) reden und umgekehrt und selbst innerhalb des Ortes sind einem die aus "La Rosa" alle halbseiden, wenn man aus Tajuya kommt. - Nett dabei zu beobachten in diesen Herkunftsbezeichnungen, weder in El Paso noch in Los Llanos gibt es eine geschlechtsspezifische Bezeichnung, es gibt keine "Pasensa" oder Llanensa", wohl aber in den anderen Gemeinden wie zum Beispiel "Mazuco" und "Mazuca" - Am schönsten entlarvt man ja diese an versteckter, sehr diskret versteckter Intelligenz nur so strotzenden Patriotismen, wenn man beobachtet, wie aus zugezogenen und ländlich stolzen "Garafianos/as" im Lauf von kürzester Zeit stolze Verfechter metropolitaner Kultur werden und Los Llanos nun als den Nabel der Welt betrachten. - Geschenkt. - Streicht der Blick erstmal über den strengen Horizont der Insel hinaus, dann verschwinden diese Unterschiede schon wieder und man besinnt sich gemeinsamen palmerischen Erbes und spricht von den "Chicharreros" wenn man die Menschen meint die auf Tenerife wohnen und von den "Conejeros", das sind die Menschen die das Pech haben auf Lanzarote wohnen zu müssen. - Droht dann aber ein neues Gesetz aus Madrid, welches uns vielleicht an die autonome Karre pinkeln will, dann sind wir alle Canarios und verglühen süß im stolzen Sein der schönsten Fahne der Welt, weiß, blau, gelb.

Denn da in Madrid, da sitzen die "Godos", was zunächst nichts anderes als Goten heißt, und geht auf die Zeit zurück, als die Westgoten eben auch bis zur Iberischen Halbinsel mehr türmten als stürmten. - Den Ausdruck "Godos" den kann man fast schon als Schimpfwort bezeichnen, allerdings fühlen diese Herren da aus Madrid sich von dem Wort stärker beleidigt, als wir es eigentlich gemeint haben… - Die Geschichte geht aber noch weiter, drängt dann der Bengel Hamilton unseren schnieken Alonso im Rennauto mal ins Abseits, oder besitzt generell die Unverschämtheit schneller zu fahren, dann sind unsere Fahnen plötzlich rot, gelb, rot. - Denn Hamilton ist ein "Guiri", ein europäischer Ausländer und der darf keinem rot, gelb, Rotem in die Karre fahren, wo kämen wir denn da hin. - Auch wenn es nun vielleicht den Teutonen schmerzt, oder den Österreicher oder gar den Monegassen, trotz aller Unterschiede sind die auch wieder eine Einheit, nämlich die Guiris, es kommt halt immer nur auf den Standpunkt an. - Guiris, Godos und Canarios, bis hin zur letzten Familienzelle wiederum stehen zusammen, wenn es um die "Gringos" geht, denn dann sind wir plötzlich alle Europäer und die "Gringos" die Nordamerikaner, oder besser Einwohner der Vereinigten Staaten von Amerika. - Da entsteht allerdings ein Vakuum, welches Kanada heißt, das sind Nordamerikaner aber keine "Gringos", aber wenn es um Vorurteile und Abgrenzungen geht, dann fällt das zweitgrößte Land der Erde schon mal locker aus dem Katalog.

Wen gibt es denn dann noch? - Viele, aber wenn man nach Mittel- oder Südamerika geht, dann wird es schwierig. - Da finden wir keinen Einheitsnamen, der uns gegen oder für andere verbindet, denn "Americanos" ist aus der Mode und "Latinos" vielleicht noch der häufigste Sammelbegriff für Menschen, die so ähnlich sprechen wie wir, aber dennoch anders sind. - "Suramericanos" kann noch gehen, oder man benennt die Länder, aus denen diese Menschen tatsächlich kommen, aber das ist langweilig. - Auch noch erklärungsbedürftig sind die Begriffe "Moros" und " Subsaharianos" und damit betreten wir die, so oft als schwarzen Kontinent bezeichnete Landmasse Afrikas. - "Moros" das sind keineswegs "Schwarze" wie man vielleicht meinen könnte, sondern alle arabisch angehauchten Menschen, meist natürlich aus unserer nahen Umgebung dem Maghreb stammend. Der Begriff ist aber derart dehnbar, dass er weit über den nahen Osten noch hinausreicht und zum Teil schon für alle Muslime gebraucht wird. - Wirklich schwarzhäutige Menschen heißen bei uns "Subsaharianos", also die unterhalb der Sahara wohnenden. Manchmal hört man auch den Ausdruck "Negros", was einfach nur "Schwarze" heißt aber inzwischen hier auch verpönt ist. - Es geht ja nicht darum die anderen abzuwerten, sondern schlicht und ergreifend darum die Abgrenzung klar zu machen und somit den eigenen Standpunkt zu bestimmen. - Ziemlich umständlich die Methode, aber so sind wir nun mal und wenn ich ab und zu die Anderen belausche, seien es nun Guiris, Godos oder Gringos, dann machen die das genauso wie wir. - Vielleicht sollten wir doch noch mal auf die Teuteriumstrahlenpartikelkanone der Marsianer zurückkommen.



Montag 17.03.08 - 08:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 78 % Luftdruck 1014 hPa

Irres Losglück in Tazacorte

16, 32, 34, 45, 53 und als Zusatzzahl die 7. - Zwei Lose hat sich jemand in Tazacorte gekauft, jeweils für 1,5 Euro und eines davon hat die wahnsinnige Summe von 27.152.932,43 Euro gewonnen. - Die Ziehung fand am Sonntag den 16.3. statt, also gestern und es ist gut möglich, dass der oder die Gewinnerin noch gar nichts von seinem/ihrem Glück weiß. - Gut, jetzt geht es durch die Presse und jeder in Tazacorte durchwühlt nun seine Jackentaschen nach den kleinen Losausdrucken, oder beäugt seinen Nachbarn, ob nicht vielleicht gerade der so einen unaussprechlichen Gesichtsausdruck aufgesetzt hat. - 27 Millionen Euro, das ist richtig viel Geld, und glaubt man der Presse, der größte Lotterieeinzelgewinn in der Geschichte Spaniens. - In der Weihnachtslotterie wird zwar noch mehr Geld ausgespielt, aber da verteilen sich aufgrund der vielen Loseinheiten die Gewinne auf viele Losinhaber, 27 Millionen Euro für eine einzige Person, das ist auf jeden Fall rekordverdächtig.

Nun geht die Suche los nach dem Gewinner, seitens der Annahmestelle für diese Art von Lotterie, behauptet man den Gewinner nicht zu kennen. - Das ist gut möglich, auf den Losen muss auch kein Name eingetragen werden, das sind kleine Ausdrucke wie ein Kassenbon vom San Martín. - Die Glücksspiel "La Primitiva" gehört zur staatlichen Lotterie und ist dem deutschen Lotto sehr ähnlich, allerdings muss man hier 5 Zahlen aus 54 möglichen heraussuchen und dann noch eine "Número clave", welche dann etwa der Zusatzzahl entspricht. - In den Wochen vor dem großen Gewinn war der erste Gewinnrang sehr oft nicht besetzt, so dass sich ein derart großer Jackpot angesammelt hat und dieser nun gerade in unserer Gemeinde Tazacorte zur Ausschüttung kommt. - Viel Geld für den kleinen Ort, welcher als die Gemeinde mit den meisten Arbeitslosen gilt und da käme eine solche Summe gerade recht. - Allerdings ist bei solch hohen Gewinnen die Möglichkeit eher gering, dass sich dieses Geld in den lokalen Konsumkreislauf einreiht, es ist eher wahrscheinlich, dass der Gewinner seine Millionen auf dem Kapitalmarkt anlegt und so Tazacorte einen wohlhabenden Frührentner mehr hat. - Na ja, ich würde erstmal mit den Kinder aus dem Adamancasis nach Berlin fliegen, zum Currywurstessen und den kleinen Rest dann auf jeden Fall nicht nach Liechtenstein bringen.



Sonntag 16.03.08 - 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 25 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 63 % Luftdruck 1014 hPa
Höchsttemperatur heute 26,0 Grad - niedrigste Temperatur 17,2 Grad

Palmsonntag, Palmesel und Palmdepp

Ich vermute mal eher nicht, dass ich Ihnen den Palmsonntag erklären muss. - Der Pamesel, so zumindest ist es in unserer Familientradition bestimmt, ist die Person welche an diesem Sonntag als letzte das Bett verlässt. - Mit dem Palmesel hat man dann so einiges vor am Tag, meist wird der "Esel" gehänselt oder zu Hausarbeiten verpflichtet, was bei uns wirklich noch als Strafe angesehen wird. - Neu, aber eine logische Weiterentwicklung des Palmesels, ist der Palmdepp. - Da ich aus unerfindlichen Gründen zu dieser spaßbremsenden Rasse der Frühaufsteher gehöre, bekam ich wohl auch noch nie die Rolle des Palmesel angeschrieben, gut, das hat mir bislang noch nicht geschadet, denn gehänselt werde ich von den restlichen Familienmitgliedern sowieso, für die deutliche Entfernung zur Hausarbeit bin ich aber durchaus dankbar. - So lässt sich dieser Sonntag für mich gefahrlos an, ich bin sicher nicht der letzte der aufstehen wird, so viel ist klar. - Der Rest der Familie lässt sich aber um halb neun noch nicht blicken und langsam überwältigt der Frühstückshunger meine Vorfreude auf das Verkünden, wer denn nun der Palmesel sei und ich mache das Frühstück um ein handfestes Lockmittel für meine drei Frauen zu haben. - Wenn dann das Frühstück fertig ist, dann stehen alle drei auf, lassen kurz den "Esel" über sich ergehen und freuen sich am gemachten Frühstückstisch diebisch über den Palmdeppen, dessen Posten ich Jahr für Jahr immer wieder bekleide. - Wer also die Wahl hat entweder ein Depp zu sein oder ein Esel, der überlege lieber vorher.

Als einzige Anstrengung an diesem Tag legt man sich die kleine Prozession auf, welche der Segnung der Palmblätter und Olivenzweige dient. - Diese werden dann über die Hauseingänge gehängt und sollen Krankheit, Diebe, Schwiegermütter und Heftigeres abhalten, wobei man schnell wieder bei der immer drohenden Nähe des Volksglaubens ist, der manchmal so ganz knapp am Aberglauben vorbeirutscht. - Manchmal kann man diese Gratwanderung sogar, eigentlich völlig unpassend, als Pragmatismus bezeichnen, aber es ist bemerkenswert, wie volksnah sich die katholische Kirche hier zu geben weiß, wobei ich mich immer wieder frage, liegt es daran weil es einfach keine Alternative gibt, oder hat dieses bewundernswerte Völkchen über die Jahrtausende gelernt, sich pfiffig die Rosinen aus der Liturgie zu picken. - Man kann aus allem ein kleines Volksfest arrangieren und lässt die Trommeln und Trompeten an diesem Tag zur Prozession krachen, dann ist selbst der Beginn der Osterwoche kein dunkles und verwirrendes Schauspiel mehr, sondern jedes Jahr aufs Neue eine egoistische Attraktion. - Gerade die Trommler und die Kornetthornspieler, welche in El Paso immer herbeigerufen werden, wenn irgendetwas in und um die Kirche rum passiert, was einen normalen Gottesdienst an Aufmerksamkeit überschreitet, hatten an diesem Tag einen wichtigen Auftritt. - Der alte Tambourmajor ist nämlich weg, Fran ist nach Tenerife, wegen der besseren Arbeitsmöglichkeiten und hat ein tiefes Loch hinterlassen. - Nicht nur bei den Musikern, sondern er ist ein Freund von mir und fehlt an jeder Ecke und Tresen - Es dauerte fast ein halbes Jahr, bis sich nun ein neuer Chef, der zwar viel älter als der alte Chef ist einfand und der ließ die Kinder und Jugendlichen erst mal täglich bis zur blutigen Lippe das Horn blasen, weil er sich bei seinem ersten öffentlichen Auftritt nicht blamieren wollte. - Die Anwohner rund um die Kirche mögen Don Fernando, so heißt der neue Trommlerchef nicht besonders, da man zwar die Kapelle gerne spielen hört, aber doch nicht jeden Tag… So verlief auch dieser Tag in unserer kleinen Welt wieder so einfach und begreifbar, wie wir das alle gerne hier haben und hinter dessen scheinbar uninteressanten Schlichtheit, eines der Geheimnisse unseres Wohlbefindens lauert. - Mehr ist heute nicht passiert und das ist eigentlich gut so…


Palmsonntag in El Paso


Palmsonntag in El Paso


Palmsonntag in El Paso


Palmsonntag in El Paso



Sonntag 16.03.08 - 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 18 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 39 % Luftdruck 1016 hPa

Madrid anstatt Berlin

So, nun ist die Katze aus dem Sack, die Kinder aus der Schule Adamancasis werden doch noch ihre Reise bekommen, allerdings mussten wir aus Kostengründen einen Kompromiss finden. - Es war nicht möglich die Reise nach Berlin zu finanzieren, außer den fleißigen Spendern, welche über den Aufruf hier in der Webseite ihren Teil beigetragen haben, hat niemand weiter kooperiert. - Es ist auch nicht möglich weiter zu warten, da in diesem Schuljahr für alle der Aufenthalt im Adamancasis endet. - Nach der 6. Klasse ist dort Schluss, dann geht es weiter auf das "Instituto", also ist es nun höchste Eisenbahn, oder meinetwegen Flugzeug, dass die Kinder ihre versprochene Reise endlich bekommen. - Berlin scheidet aus, alleine die Flüge waren nicht zu schultern, die Fluggesellschaften sind nicht bereit gewesen irgendwelche, für uns bezahlbare, Angebote zu machen. - Das ist schade, muss man aber wohl einfach akzeptieren und wir kamen auf einen kalkulierten Betrag von etwas mehr als 1.100 Euro pro Kind (noch ohne Verpflegung) bei der Reise nach Berlin, welches den Anteil, den die Eltern dazubezahlen müssten, für viele unmöglich gemacht hätte. - Eine noch selektivere Auswahl der Reisenden erschien uns falsch, da es sich ja um ein gemeinschaftliches Erlebnis der beiden Klassen handeln sollte.

Nun geht es nach Madrid, 5 Tage, mit allem drum und dran und einem Programm, welches nun komplett auf die Kinder zugeschnitten ist und weniger auf den Wunsch mancher Eltern daraus ein Kulturspektakel zu machen. - 735,- kostet die Reise für jeden Beteiligten, so dass wir die Zuzahlung für jedes Kind, welche die Eltern noch zu berappen haben auf 410,- Euro reduzieren konnten. - Das haben alle Eltern zugesagt, das meiste Geld ist auch schon auf dem Schulkonto, so dass der Reise nichts mehr im Wege steht. - Die Anzahl der Kinder welche nach Madrid reist, ist bis auf 2 Wackelkandidaten sicher, da handelt es sich allerdings um nicht um finanzielle Probleme, sondern familiäre oder gesundheitliche Geschichten, welche das noch offen lassen. - 3 Lehrer reisen mit, Otto, der zwar einen deutschen Namen hat und ein Hüne von fast 2 Metern ist, aber nicht mal im Ansatz irgendwelche deutschen Ahnen zu vermelden hat. Dann Beatrix, die Lehrerin der anderen 6. Klasse, die auch schon Erfahrung hat mit einer ähnlichen Reise nach Madrid und so als "Führerin" dienen wird. - Dann noch Arsenio, Lehrer und Sekretär der Schule und ewiger Wunschkandidat der Schüler wenn es um Ausflüge geht, er wird sich als dritte Aufsichtsperson um die 24 bis 26 Kinder kümmern.

Die Reise geht vom 10. April bis zum 15. April mit einem Direktflug von La Palma nach Madrid. - Dort wird man im Hotel "Analinaroomes" unterkommen, welches sich fast direkt im Zentrum der Hauptstadt Spaniens befindet. - Weitere Programmpunkte sind der Besuch des Freizeitparks "Movie World Warner Bros Park", für den ein kompletter Tag eingeplant ist, bis den Kindern die Achterbahnen und sonstigen Spektakel die Gedärme ordentlich durchgerüttelt haben. - Am nächsten Tag ist ein Ausflug nach Toldeo geplant, also doch noch ein bisschen Kultur, mit Stadtführung und Einkaufsbummel in den, von manchen, als schönste Stadt Spaniens bezeichneten Ort. - Nächster Tag Ausflug in den Park "Snowzone" - und tatsächlich - die Kinder aus El Paso werden in Madrid Skifahren, für die meisten wohl DAS Erlebnis. - Für manch andere gilt der Ausflug am nächsten Tag aber wohl als Höhepunkt, da steht ein Besuch des "Heiligen Grals" des europäischen Fußballs an, der Besuch im Stadion Santiago Bernabeu, in dem Real Madrid seine Heimspiele austrägt. - Der Nachmittag ist dann noch für einen Stadtbummel frei, damit die Kinder ihren neidischen Eltern in El Paso noch ein Mitbringsel besorgen können. - Am drauf folgenden Tag ist Rückreise nach La Palma. - Alle Leistungen, alle Eintrittspreise und Verpflegung ist im Reisepreis bereist enthalten, so dass die Kinder nur noch ein kleines Taschengeld mit auf die Fahrt bekommen. - Da nun aus den gesammelten Geldern noch was übrig ist, je nachdem ob alle Kinder mitreisen oder nicht, zwischen 200,- und 800,- Euro, wird dieses Geld als Sonderposten für eventuelle Besuche bei Mac Donalds oder irgendeinem anderen Punkt aufgehoben, der für Kinder aus El Paso unbedingt in der großen weiten Welt erledigt werden muss.

Das Programm wurde ausschließlich nach den Wünschen der Kinder zusammengestellt, Theater- oder Museumsbesuche hatten da keinen Platz mehr. - Ich kann mich mit dieser Reise wunderbar anfreunden, es bleibt aber ein Kompromiss und letztendlich auch ein Scheitern, da wird das nach Berlin nicht geschafft haben. - Mag sein, dass die Kinder das weniger stört als mich, die freuen sich ganz arg auf die Reise und haben vielleicht sogar mehr davon wenn sie Skifahren und sich auf Achterbahnen austoben, als wenn wir ein "Kulturprogramm" Berlin gezimmert hätten. - Es bleibt aber ein Misserfolg für das ursprüngliche Vorhaben, das muss man ganz klar anerkennen, aber die nunmehr einzige Möglichkeit den Kindern noch das Versprechen der Reise überhaupt zu erfüllen. - An die Gründe, warum ich mich da überhaupt eingemischt habe und versuchte das fehlende Geld irgendwoher zu besorgten, will ich mich eigentlich schon nicht mehr erinnern, denn außer den Spendern, die in der Liste aufgeführt sind, habe ich nur gute oder dumme Ratschläge erhalten, aber meist keine wirkliche Hilfe. - Sollte einer der Spender nicht einverstanden sein, mit der nun geänderten Reise, dann möchte er mir das bitte schreiben, ich werde dann aus eigener Tasche den Betrag zurückbezahlen, den Kindern soll das gesammelte Geld bleiben. - Wenn die Kinder dann viel Spaß haben und ich mal wieder enorm dabei gelernt habe, dann soll es mir recht sein.



Samstag 15.03.08 - 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 23 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 60 % Luftdruck 1016 hPa
Höchsttemperatur heute 25,4 Grad - niedrigste Temperatur 14,0 Grad

Geduldige Arithmetik

Frage: Was haben die Vereinigten Staaten von Amerika mit den Kanarischen Inseln gemein? - Manche behaupten ja, auch dort spräche man ähnlich unverständliches Englisch wie hier, aber ich beziehe das jetzt mal auf den, inzwischen peinlichen Umstand, dass wir alle 2 Tage die Wahlergebnisse ändern müssen, weil die Arithmetik nicht unser Steckenpferd zu sein scheint. - So beschäftigen wir uns nun fast eine Woche damit herauszubekommen, wer denn eigentlich unsere gewählten Senatoren sind, die wir nach Madrid schicken, damit man uns dort auch wohlwollend wahrnimmt. - Zuerst, noch in der Wahlnacht hieß es: Kein einziger Senatorenposten für die Coalicíon Canaria, das hat wohl nicht gereicht. - Dann kam die Auszählung der berühmten Stimmen der nicht hier residenten Canarios die im Ausland weilen und wundersamer Weise gingen am Donnerstag doch wieder 2 Senatorenposten an die Coalición Canaria. - Warum fast alle die im Ausland wohnen eine Regionalpartei wählen und nicht eine Programmpartei welche in ganz Spanien tätig ist, das bleibt wohl für die einen immer ein Geheimnis, für die anderen Wahlbetrug.

Aber man muss sich nicht gleich grämen, am Freitag wurde noch mal nachgezählt und nun ist einer der Senatorenposten, welcher an die Coalición Canaria aufgrund der Stimmen aus dem Ausland vergeben wurde, wieder futsch. - Anstatt nun einen kleinen Vorteil gegenüber dem Kandidaten der Partido Popular von 229 Stimmen zu haben, ergab die erneute Auszählung nun einen Vorteil von 170 Stimmen. - Damit hat sich die Lebensplanung der Kandidaten, Ricardo Melchior (CC) und Antonio Alarcó (PP) innerhalb von 5 Tagen dreimal geändert und jeder der beiden Kandidaten kam zumindest mal in den zweifelhaften Genuss der Pathologie des vorzeitigen Senatorenerguss. - Beim Kandidaten der CC muss das noch schlimmer gewesen sein, denn schließlich war sich alle Welt (Pardon, seine Welt) noch vor dem 9. März sicher, dass es nur reine Formsache sei, den Senatsposten zu erreichen. - Zuerst die herbe Niederlage in der Wahlnacht selbst, dann die folgende Wunderheilung durch die fragwürdigen Stimmen aus dem Ausland und nun die grausame Erkenntnis, dass es ein Fehler war, sich seinerzeit über die Unfähigkeit der Amerikaner lustig zu machen, die auch tage- oder wochenlang nicht wussten, wie man denn korrekt addiert. - Ob man denn nun lieber noch mal alles nachzählen sollte, das wage ich zu bezweifeln, sonst kommen wir gar nicht weiter im Tagesgeschäft, weil wir ja heute noch nicht wissen, wer morgen gerade zum Senator auf Abruf auserkoren wurde. - Das alles hinterlässt für den Wähler selbst, weder ein gutes Bild noch ein gutes Gefühl, wenn er immer mal wieder zweifeln muss, dass seine abgegebene Stimme auch wirklich berücksichtigt wird. - Sollten wir nochmals andere Senatoren bekommen, weil wir noch mal nachgezählt haben, dann melde ich mich wieder… Vielleicht übermorgen schon.



Samstag 15.03.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 14 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 56 % Luftdruck 1014 hPa
Höchsttemperatur heute 23,5 Grad - niedrigste Temperatur 14,4 Grad

Und immer links rum um die Aloe Vera

Hare Krishna, hara hare rama rama oder irgendwie so ähnlich geht das doch. - Das scheint ja ein bisschen aus der Mode gekommen zu sein, aber ich bin mir sicher, auch das singt man in irgendeiner Höhle dieser Insel. - Enorm was diese, eigentlich so unschuldige Insel, an Heils- und Heilerpotential hat. - Wer heute noch auf die Seguridad Social setzt, auf klassische Anamnese (wie geht es uns denn heute so?) und vielleicht sogar noch Blutdruckmessen und Endprodukte der pharmazeutischen Forschung, der ist eigentlich falsch hier auf La Palma. - Wobei sich dieses enorm breite Angebot an Heil, Heilungen und esoterischen Glückshappenings doch ziemlich krass auf migratorischer Seite befindet. - Gut, es gab hier früher auch so den einen oder anderen "Curandero", der glaubte Leberzirrhose mit gespucktem Bier heilen zu können oder Hämorrhoiden mit schnellen Bewegungen über den Unterarm, aber spätestens seit Aspirin und Krankenschein sind wir doch starke Verfechter der inzwischen so genannten "Schulmedizin". - Selbstkritik ist auch wichtig und manchmal ist es schon fragwürdig auf jede Schnupfennase gleich mit Antiidiotika zu reagieren, aber eines machen wir nicht, wir tanzen nachts nicht nackt um die Aloe Vera und dann auch noch links herum und bezahlen auch noch dafür.

La Palma zog aber immer schon lustige Charaktere an, mich zum Beispiel, sagt man uns doch aus esoterroristischen Kreisen gewissen Spannungen, Strömungen, Magnetismen und Debilismen nach. - Mal erklärt dadurch, dass wir einen schnellen Ritt auf dem Vulkan machen, mal erzählt weil wir eigentlich doch Atlantis sind und mal einfach nur so, weil wir das außerordentliche Glück haben, dass uns gerade dieser oder jener Heiler auf seinem Weg um die ganze Welt zu sanieren zufällig gefunden hat. - Wie dem auch sei, kein Zipperlein ist mehr sicher, kein bohlensches Beutelfieber ebenso wenig, welches hier auf La Palma nicht seinen Meister oder Meisterin finden könnte. Dabei gibt es aber unterschiedlichste Methoden. Manche gehen mit geheimnisvollen Mittelchen gegen die böse Krankheit direkt an, andere formen Klugsprüche um und gehen über den gesunden Geist zum gesunden Körper. - Alles wunderbar, alles schwingt und jede Wahrheit muss nur geglaubt werden (geht auch nacheinander oder übereinander) und schon ist das Himmelreich da. - Apropos reich, nicht alle Wahrheiten sind umsonst, es scheint ja eher so zu sein, dass sich die vulkanischen oder atlantischen Strömungen dieser Insel für manche Heilsbringer wunderbar in schnödem Mammon auflöst. - Interessant wäre mal ein Bericht in Stiftung Heilertest, ob denn wirklich der teure Diplomschamane wirkungsvoller gegen Blasenschwäche angehen kann, als der harmlose Trommler mit seinen lustig verdrehten Zigarettenstummeln die so süßlich-fremd riechen.

Früher sagte man ja, das gibt es alles nur im Norden der Inseln, da sind die Hippies. Ja, das waren Zeiten, als es noch Hippies gab und vielleicht gibt es sie ja wirklich noch, aber heute ist das mit der Esoterik ja ein großes Geschäft geworden und da kann man die doofen Hippies nicht mehr brauchen, die versauen einem nur die Preise mit ihren Billigheilungen auf Peace-Basis und Hartz IV Methoden. - So heilt man hier mal fernöstlich oder noch weiter westlich, was dann irgendwann aufs Gleiche rauskommt aber anders klingt und mal weniger fern mit Seelenkoliken und immer ist der Patient selber Schuld, weil er doch früher mal an die bösen Ärzte geglaubt hat. - Allerdings wird es bereits ein bisschen eng auf dem Markt des Seelen- und Köperheils. Inzwischen kommen hier auf jeden halbwegs gesunden Immigranten mindestens drei Empathen mit Heilungshintergrund, das drückt ganz kräftig auf die Auslastung und so satteln die ersten bereits um und besprechen nun Haustiere. Das macht ja alles nichts, ist doch eh nur aus der Luft gegriffen und bislang ist für jeden Topf noch ein Deckelchen gefunden worden und für jeden Tropf sein Heilerchen. - Und für jeden nur ein Kreuz und gleich nach der Aloe-Vera links.



Freitag 14.03.08 - 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 21 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 67 % Luftdruck 1013 hPa
Höchsttemperatur heute 23,5 Grad - niedrigste Temperatur 14,4 Grad

Noch ein dubioser Senatsposten an die Coalición Canaria

Gestern erst verloren die Sozialisten aus El Hierro ihren gewählten Senator an die Coalición Canaria durch die Stimmen der im Ausland lebenden Insulaner. - Ganz gegen den Trend erbrachten die, meist aus Venezuela kommenden Stimmen, eine Dreiviertelmehrheit zugunsten der Coalición Canaria. - Damit verlor die PSOE den eben gewonnenen Senatorenposten wieder. - Genauer können Sie dieses nachlesen, wenn Sie einfach die Geschichte von gestern lesen. - Nun wiederholt sich diese wundersame Stimmenvervielfältigung erneut auf Tenerife, wieder gewinnt die CC einen Senator hinzu, dieses Mal allerdings geht deren Gewinn auf Kosten der Partido Popular. - Auf Tenerife ist zwar der Verwunderungsunterschied nicht gar so krass und eindeutig wie auf El Hierro, aber dennoch kommt das Ergebnis nicht ohne leuchtendes Fragezeichen auf den Tisch. - Hier der Vergleich: - Nach der Auszählung der auf Tenerife selbst abgegebenen Stimmen erreichten die Sozialisten 277.145 Wähler (37,6%), die Partido Popular 234.939 (31,9%) und die Coalicicón Canaria 223.244 (30,3%). - Das ergab zwei Senatsposten für die PSOE und einen für die Partido Popular. - Die Auszählung der Stimmen aus dem Ausland brachte folgendes Ergebnis. Auf die PSOE entfielen 2.440 Stimmen (30%), auf die Partido Popular 1.108 (13,6%) und die CC gewann mit 4.565 Stimmen gar 56,3% der Stimmzettel, welche aus dem Ausland eingegangen waren. - Damit überflügelte der für den Senat angetretene Inselpräsident Tenerifes, Ricardo Melchior den Kandidaten der PP Antonio Alacró um ganze 229 Stimmen und zog so, fast wie gerade noch abgezählt, in den Senat ein.

Ähnliches erbrachten die Auszählungen der Auslandsstimmen ebenso auf La Gomera und auch La Palma, auf diesen beiden Inseln führte das verwunderliche Übergewicht an Stimmen an die Coalición Canaria allerdings nicht dazu, dass die beiden Senatorenposten der PSOE wieder verloren gingen. - Seitens der PSOE, wie nun auch der PP, eben den beiden Parteien welche jeweils einen Senator verloren haben, wittert man nun natürlich Manipulation. - Das ist nichts Neues, auch vor vier Jahren war das bereits so, allerdings änderten damals die Stimmen aus dem Ausland nicht die Verteilung der Senatsposten. - Allerdings darf und kann man alles Mögliche vermuten, will man aber rechtlich erreichen, dass diese Stimmen angezweifelt werden, dann muss man handfeste Beweise erbringen und das ist schier unmöglich. - Vermutet wird, dass in Venezuela gezielte Aktionen gestartet werden, welche die Briefwahlunterlagen für dort lebende Canarios an falsche Adressen versenden, oder irgendwie vorbereitete Wahlbriefe auf dem Postweg in Richtung Spanien gesandt wurden. - Allerdings bleibt das bei Vermutungen und so lange man nicht wirkliche Beweise hat, muss man diese Stimmen auch anerkennen. - Man überlegt aber auch eine Wahlrechtsreform, in welcher gefordert würde, die Wahlbriefe müssten eindeutig zuzuordnen sein um überprüfen zu können ob die abgegebene Stimme tatsächlich von einem Wahlberechtigten stammen, allerdings würde das ja das Wahlgeheimnis gefährden. - Außerdem sind auf ganz Spanien gerechnet die kanarischen Zahlen nicht wirklich ausschlaggebend, dort profitiert die PSOE traditionell stark von den Stimmen aus dem Ausland und so ist der Druck für eine Wahlrechtsreform nicht wirklich vorhanden. - Man wird sich also weiter wundern dürfen, über die so auffällig unterschiedliche Bewertung unserer Politiker im Ausland.



Freitag 14.03.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 14 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 40 % Luftdruck 1012 hPa

Mit neuer Technik gegen Waldbrände

Noch ist der Sommer nicht da und damit die Zeit der Waldbrandgefahr, da stellt die Inselregierung ein neues Überwachungssystem in Aussicht, welches aus Kameras besteht, die spektroskopisch nutzbare Eigenschaften besitzen. - Vom Hersteller wird das System: "Forest Fire Finder" genannt. - Man möchte damit schneller wissen wo es brennt, um den ganz wichtigen Zeitfaktor noch mehr auf seiner Seite zu haben. - Alle Erfahrung lehrt uns, je schneller man am Brandherd ist, um so größer die Wahrscheinlichkeit, dass man einen in Entstehung befindlichen Brand noch löschen oder kontrollieren kann, bevor dieser sich zum verwüstenden Waldbrand auswächst. - Nun kann man natürlich sagen, dazu braucht man keine Kameras, das können Menschen auch, die müssen einfach nur die Rauchentwicklung wahrnehmen und dann das Feuer melden. - Dafür gibt es ja die Feuerwachtürme auf der Insel und die sollten im Sommern rund um die Uhr von Personal besetzt sein, könnte man nun einwenden, aber das klappt eben nicht immer lückenlos und außerhalb der als gefährdet erklärten Waldbrandsaison, sitzt niemand auf den Überwachungstürmen. - Sicherlich kommt auch noch ein Faktor hinzu, jede Insel oder Region möchte immer das neueste technische Spielzeug in seinem Dienst haben, damit kann man dann ein bisschen angeben und vorzeigen, wie progressiv und modern man denn ist.

Dieses Kamerasystem kommt aus Portugal und kann bis auf eine Entfernung von 15 Kilometern die Zusammensetzung der Atmosphäre analysieren und damit eben auch Rauchgase erkennen und das bereits in geringsten Mengen, also wie das bei der Entstehung eines Brandes der Fall ist. - Dann meldet das Gerät per Datenleitung den Vorfall mit genauer Ortsangabe an die Einsatzzentrale und schon wird der Alarm ausgelöst. - So zumindest steht das auf der Soll-Seite dieser Geräte. - Es bleiben aber ein paar Fragen offen. - Kann dieses System auch bei Wolkenbildung oder nachts einwandfrei funktionieren und traut man sich, alleine wegen des Piepsen eines Gerätes gleich einen Brandalarm auszulösen, oder schickt man dann immer noch Personal vor Ort, um die Meldung zu kontrollieren. - Dann wäre ja der Zeitvorteil wieder dahin - Dafür bräuchte man einen Probelauf, damit man erkennen kann, wie zuverlässig das Gerät funktioniert oder nicht. - Genau das soll dieses Jahr nun geschehen, das Beobachtungspersonal bleibt weiterhin auf den Überwachungstürmen, zusätzlich aber werden einige der "Forest Fire Finder" Geräte installiert um deren Praxistauglichkeit zu testen. - Immerhin kostet so ein System an die 30.000 Euro, das wäre ein bisschen viel, wenn es nur darum geht, lustige Landschaftsphotos zu machen.



Donnerstag 13.03.08 - 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 23 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 67 % Luftdruck 1012 hPa
Höchsttemperatur heute 24,3 Grad - niedrigste Temperatur 14,3 Grad

Alle Jahre wieder, Ärger mit den Wählerstimmen aus dem Ausland

Natürlich darf jeder spanischen Staatsbürger der im Ausland wohnt auch bei den Parlamentswahlen mitmachen. - Das ist gut so, denn auch wenn man im Ausland wohnt, geht einen die Staatsbürgerschaft und das Herkunftsland weiterhin etwas an und soll dort auch seinen Teil zur Bestimmung der demokratischen Regierung beitragen. - Allerdings wiederholt sich ein, mindestens interessantes Phänomen alle Wahltage wieder, die Emigranten wählen nicht so richtig parallel zu den "Daheimgebliebenen", sondern im Falle der Insel El Hierro fast alle die Coalición Canaria. - Das verwundert insofern, da man sich im Ausland eigentlich nicht wirklich intensiv mit den Geschehnissen hier vor Ort beschäftigen kann und von der Presse im Allgemeinen mehr von der landesweit antretenden Parteien PSOE und PP hört und weniger von der nur hier auf den Kanaren agierende Coalición Canaria. - Gut, die im Ausland lebenden Herreños können schon abweichende Ergebnisse liefern, aber irgendwo erwartet man ja doch eine gewisse Parallelität, oder zumindest einen Trend. - Aber in diesem Falle, wie auch schon vier Jahren, scheint das Ergebnis der Emigrantenstimmen das Wahlergebnis auf der Insel komplett zu kontrastieren.

Vergleichen wir mal die Zahlen. - Auf der Insel El Hierro haben 2.087 Wähler für den sozialistischen Kandidaten zum Senat gestimmt, das sind 38.9%. Für die Coalición Canaria 1.955 Stimmen und 36,4% und auf die Partido Popular entfielen 1.144 Stimmen oder 21,3%. - Nimmt man nun die Stimmen welche aus dem Ausland gekommen sind und davon fast allesamt aus Venezuela, dann zeigt sich ein komplett anderes Bild welches eine Erklärung geradezu fordert. - Eingetroffene Briefwahlstimmen aus dem Ausland waren 534, davon wählten 402 den Kandidaten der Coalición Canaria, das sind 75,3%, 91 Stimmen fielen auf die PSOE, das sind 17% und lediglich noch 41 Stimmen oder 7,6% erhielt die Partido Popular. - So hat die PSOE damit weniger als die Hälfte des Stimmanteil aus dem Ausland bekommen, die Coalición Canaria aber mehr als doppelt so viele als bei den Wählern auf der Insel selbst. - Das ist auch auf den anderen Inseln ähnlich zu beobachten, fällt auf El Hierro aber deshalb so extrem auf, weil insgesamt so wenig Menschen wählen, dass diese Stimmen aus dem Ausland wirkliche Auswirkungen haben. - So kostet das die PSOE tatsächlich ihren Senatsposten auf El Hierro zugunsten der Coalición Canaria. - Ob die Sozialisten dagegen angehen wollen das ist noch nicht klar, vor vier Jahren hat man das versucht, konnte aber vor Gericht keinen echten Beweis anführen, dass sehr viele Stimmen aus Venezuela nicht korrekt seien. - Dieser eine Senatsposten könnte der PSOE im Senat sogar die Mehrheit kosten, denn da liegt man bislang mit 102 Sitzen gerade mal einen über der Partido Popular, die 101 Sitze erhalten hat. - Kommt es aber zur erwarteten Koalition zwischen PSOE und der katalonischen CiU im Kongress, dann hat diese Gruppe aber auch im Senat wieder die Mehrheit, denn die CiU steuert vier Senatsposten bei.



Donnerstag 13.03.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 15 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 49 % Luftdruck 1014 hPa m

Geld verdienen mit gutem Gewissen

Es ist kein Wunder, dass man in Europa nun kräftig in erneuerbare Energien investiert, die Einspeisevergütungen machen aus dem guten Gewissen auch noch gutes Geld. - Warum auch nicht, das ist auch so gedacht, denn allen war klar, das gute Gewissen alleine macht noch keinen Klimaschutz, erst wenn es sich lohnt für Investoren, dann rollen da auch die Rubel, Euro und die sauberen Kilowatt. - Mit dem gebührenden Zeitabstand, den wir als kleine Insel im Atlantik immer für uns reklamieren, springt nun auch La Palma auf den elektrischen Zug der erneuerbaren Energien auf und gerne wird das Thema 100% Strom aus alternativen Quellen auch von politischer Seite aufgegriffen. - In der Tat, eine Insel unserer Größe, mit immerhin knapp über 90.000 Konsumenten (Einwohner plus Gäste), allein aus erneuerbaren Energien mit Strom zu versorgen ist eine komplexe Idee, aber sicherlich als touristischer Werbefaktor viel interessanter, als Golfplätze und Jachthäfen. - Im Moment gibt es hier 4 große Photovoltaikprojekte, die jeweils eine Produktion von an die 2 Megawatt an Leistung versprechen. Dazu sollte man wissen, dass diese Insel momentan um die 45 Megawatt an Dauerleistung braucht und natürlich Reserven für Verbrauchsspitzen. - Kalkuliert man für solch ein Kraftwerk mit einer Leistung von etwas mehr als 2 Megawatt eine Investitionssumme von 18 Millionen Euro, dann wird einem sehr schnell klar, dass reichlich Geld investiert werden muss, will man irgendwann die 100% erreichen. - Zusätzlich kommt noch ein weiterer Faktor hinzu, Strom alleine aus Photovoltaik oder Windenergie gewinnen zu wollen hat immer noch das Problem, dass beide Kraftwerke nur Strom erzeugen, wenn die Sonne scheint oder der Wind weht und das ist selbst auf unserer, von der Natur bevorzugten Insel, nicht so. - Man muss also Überkapazitäten schaffen, für die Nacht oder Flauten und diese speichern und dazu wäre eine weitere Planungsstrategie notwendig, die sich nicht alleine mit der Produktion aufhält, sondern das Gesamtenergiekonzept der Insel steuert. - Allerdings gibt es auf dem Weg zur 100 prozentigen Versorgung auch viele wünschenswerten Zwischenstationen und jedes Megawatt elektrischer Energie, welches nicht vom Schwerölkraftwerk in Los Guinches erzeugt werden muss, ist ein Schritt nach vorne.

Am weitesten in Planung, Investition und aufgekrempelten Ärmeln scheint das Vorhaben einer zu sein, die in La Punta bei Tijarafe eben ein 2,4 Megawatt Kraftwerk planen und dafür die vorher bereits angesprochenen 18 Millionen Euro investieren wollen. - Man spricht von gemischt deutschem und kanarischem Kapital und weil wir nicht in den Mischer gucken können, und unbedingt fragen wollen von wem das Geld im Einzelnen ist, muss uns diese Aussage so reichen. - Die Gemeinde Tijarafe stellt wohl auch den Grund zur Verfügung, in der sonnenreichen Zone von La Punta und weil die Firma sehr agil und progressiv hier arbeitet und sich präsentiert, kann man wirklich darauf hoffen, dass diese, für kanarische Verhältnisse große Anlage in Tijarafe bald Realität ist. - Immerhin soll das Grundstück 60.000 Quadratmeter groß sein und darauf will man schwenkbare Kollektoren installieren, um die größtmögliche Ausbeute an Sonnenlicht zu erreichen. - Allerdings ist noch nicht klar, ob tatsächlich bereits eine Klassifizierung des Geländes für die Nutzung zur Stromerzeugung besteht, was natürlich unbedingte Vorraussetzung für die Erstellung einer solchen Analge ist. - Darüber hinaus muss man auch noch beachten, in wie weit der Stromversorger, also die UNELCO auch mitspiel, oder ob der zukündftige Betreiber das Kabelnetz selbst finanzieren muss um den erzeugten Strom auch einspeisen zu dürfen. - Sollte aber diese Anlage erst mal laufen und die versprochenen Renditen erbringen, dann ist damit zu rechnen, dass weitere Kraftwerke schneller entstehen, weil dann die Investoren doch lieber ihr Geld in erneuerbare Watt stecken, als in Löcher auf dem Golfplatz und dann können wir irgendwann auch wirklich von den 100% Strom aus erneuerbarer Energie träumen. - Allerdings ist auch nicht alles so einfach wie es auf den ersten Blick vielleicht aussehen mag, man muss auch im Hype der erneuerbaren Energien immer auf dem Boden bleiben und der Tatsache ins Auge sehen, dass diese Art und Weise elektrische Energie zu erzeugen um ein mehrfaches teurer ist, als es konservative Methoden sind und so lange das so ist, die gesamte Produktion an alternativer Energie ein Subventionsgeschäft bleibt. - Man darf aus dieser Sicht dann eigentlich nur hoffen, dass der Rohölpreis schneller steigt, als die Subventionen zu Ende gehen. - Ganz lustig ist auch, dass die gleiche Firma hier auf der Insel auch noch Motorroller anbietet, welche einen Elektromotor haben. - Angepriesen wird das als Fortbewegungsmittel mit gutem Gewissen, und in der Tat, da kommt hinten kein Dreck und kein CO² heraus. - Allerdings wird der Strom, welcher dieses Gefährt antreibt aus Schweröl gewonnen und da ist die Klimabilanz der kleinen Flitzer schnell wieder sehr konservativ. - Das würde nur wirklich funktionieren, wenn der dafür benötigte Strom auch wiederum aus erneuerbarer Energie gewonnen würde. Das ist aber derzeit noch nicht lohnend, denn den Strom aus den Photovoltaikkraftwerken, den will man ja lieber ins öffentliche Stromnetz leiten, denn nur so bekommt man die Einspeisevergütungen. - Aber das dürfen wir nicht zu eng sehen, es gibt noch so viele weitere Möglichkeiten Strom einfach mal zu sparen, dass die kleinen Elektroflitzer ihr gutes Gewissen ruhig behalten können.



Mittwoch 12.03.08 - 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 62 % Luftdruck 1017 hPa
Höchsttemperatur heute 20,9 Grad - niedrigste Temperatur 14,6 Grad
Puntallana in 250 m Höhe: Höchste 23,0 Grad, niedrigste 14,1 Grad, Feuchte 60 % Regen 0 mm

Die Autobahn taucht wieder auf

Man spricht ja eigentlich nicht darüber, zumindest nicht in den Kreisen der Befürworter dieses pharaonischen Projektes, welches auf dieser Insel nicht nur völlig sinnentleert erscheint, sondern gleichermaßen ein Frontalangriff gegenüber der Aufgabe ist, welche ein Weltbiosphärenreservat fordert. - Der "PIOLP" (Plan Insular de Ordenación de La Palma) ist jetzt für drei Monate lang für die Öffentlichkeit zugänglich. - Man kann sich diesen Plan entweder im Cabildo Insular ansehen, oder dort eine CD für ein paar Euro erwerben, oder auch im Internet herunterladen. www.piolp.es - Dieser Plan ist La Palmas "Masterplan" und ein enorm wichtiges Instrument die kommenden 20 Jahre anzugehen. - Allerdings befindet sich der Plan noch nicht in der Entscheidungsphase, die jetzt vorgestellte Ausgabe ist noch nicht der definitive Plan, welcher dann auch, allerfrühestens 2009 in Kraft treten kann, sondern dieser Plan ist noch eine Studie und nach dem geltenden Gesetz kann man in dieser Phase lediglich Vorschläge machen, aber noch keine Einsprüche. - Die Zeit drängt also nicht und man darf auch mal lobend erwähnen, dass man mit der Veröffentlichung im Internet dieses Mal wirklich die Möglichkeit geschaffen hat, dass jeder Interessierte auf die Pläne und Memoranden zugreifen kann. - Das war in anderen Fällen nicht so, hat sich aber nun wohl in einen positiveren Bezug zu echter Informationspolitik geändert.

Die Überraschung war vielleicht gar nicht so groß, die Autobahntrasse im Piolp wieder vorzufinden, schließlich arbeitet man seit vielen Jahren an diesem Plan und der Protest gegen die Autobahn ist erst knappe zwei Jahre alt. Noch jünger ist ja der Vorschlag der Gemeinde El Pasos die Autobahn wegzulassen und die dringendsten Verkehrsprobleme welche bei der Durchfahrt durch die Stadt El Paso entstehen mit einer Umgehungsstraße des Ortes zu beheben. - Das fand im Amt für den Straßenverkehr in der Provinzbehörde auch Zuspruch, allerdings finden wir dieses Interesse für El Pasos Alternativvorschlag nicht im "PIOLP" nicht wieder. Dafür aber zwei andere Überraschungen, das Autobahnteilstück in Breña Alta taucht dafür nicht mehr auf und die Autobahn würde, nach den jetzigen Plänen, am Kreisverkehr zur Umgehungsstraße von Los Llanos enden und nicht wie ursprünglich vorgesehen nördlich an Los Llanos vorbeiführen. - Man hat also in den letzten Monaten wohl Änderungen bei den Autobahnplänen durchgeführt, die El Paso Alternative allerdings nicht berücksichtig. - Eine Nachfrage seitens des Rathauses El Paso an die Direktion des Rates für Straßenbau läuft bereits.

Warum wir uns immer so zickig haben gegen die Autobahnpläne, das ist eigentlich einfach erklärt. - Um einen reibungslosen Verkehrsfluss auf der meist befahrenen Straße der Insel (Los Llanos - Santa Cruz) zu gewährleisten, würde es absolut genügen zwei drohende Engpässe zu beseitigen. Da wäre die bereits angesprochene Ortsdurchfahrt durch El Paso und die Straße zwischen Los Llanos und dem eben genannten Ort. - Die Umgehungsstraße würde eines der Hindernisse beseitigen und auf den 6 Kilometern zwischen Los Llanos und El Paso gibt es überall reichlich Platz neben der bereits vorhandenen Straße um ein paar Überhohlstreifen einzufügen. - Staus gibt es eh nie, was als störend und verlangsamend empfunden werden kann, sind die langsamen LKW welche vormittags mit Bananen beladen von Los Llanos nach Santa Cruz fahren. Zu allen anderen Zeiten gibt es überhaupt keine Überlastung dieser Straße, man müsste sich nur um punktuelle Schwachstellen bemühen. - Dafür eine komplett neue Trasse durch das Weltbiosphärenreservat schlagen, viele Häuser abzureißen und das Aridanetal durch eine fast 100 Meter breite Schneise räumlich und auch gedanklich zu trennen, steht in keinem Verhältnis zu den geforderten Verbesserungen im Straßenverkehr. - Da es auf La Palma auch kein demographisches Wachstum mehr gibt und wir in eine Zukunft hineinsteuern, in welcher privater Personenverkehr alleine schon der Treibstoffkosten wegen ein Luxus sein wird, dem wohl nur noch Liechtensteiner frönen können, braucht La Palma keine neue Straße, sondern schlicht weg eine kontinuierliche Verbesserung der bereits vorhandenen Verkehrswege. - Das fordern eigentlich alle die ich kenne und das sind nicht so wenige Menschen, warum man dann immer noch mit diesem Land fressenden Monster ein Tal zerpflügen will, das leuchtet schlichtweg nur ein, wenn man andere Hintergründe für die Autobahn durchs Weltbiosphärenreservat suchen will, als die schlichte Notwendigkeit.


Rot eingezeichnet sind die neuen Verkehrswege, da taucht auch die Brücke über den Barranco de Las Angustias auf, an ganz lustiger Stelle und weit ab vom sinnvollsten Standort.
Rot eingezeichnet sind die neuen Verkehrswege, da taucht auch die Brücke über den Barranco de Las Angustias auf, an ganz lustiger Stelle und weit ab vom sinnvollsten Standort



Mittwoch 12.03.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 14 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 77 % Luftdruck 1017 hPa

Rentnernintendo

Keinen ruhigen und sicheren Ort mehr soll es geben, welcher geschützt und behütet vor der Allmacht der piepsenden Videospiele Unterschlupf bieten könnte. - Meinte man doch bislang vielleicht im Altersheim Gnade erhalten und zumindest dort sicher zu sein vor diesen gebückt und konzentriert agierenden Halbzombies, welche Kommunikation fast ausschließlich über Tastenbewegungen stattfinden lassen, so muss man nun auch dort befürchten, jetzt von Highscores und Add-ons gejagt zu werden. -In Santa Cruz hat man jetzt eine Spielkonsole Nintendo WII in der Altentagesstätte aufgebaut und will damit auch unseren, in fast allen Dingen erfahrenen Mitbürgern die Möglichkeit geben, an den neuen Unterhaltungsmedien zu schnuppern. - Dazu hat man auch extra eine Trainerin eingestellt, welche nun die Rentner im Umgang mit Maus und Menüführung schulen soll, denn für viele ältere Menschen sind diese Maschinen ja immer noch Teufelszeug und man traut sich da nicht so richtig ran.

Böse Zungen, die es angeblich hier auch gibt, behaupten ja nun, man wolle mit der Spielkonsole Betreuer einsparen, da die Rentner ja nun vor der Kiste hocken und daddeln, aber das kommt so nicht hin, denn dann bräuchte man ja mehr als einen Apparat um flächendeckend jegliche verbale Konversation auszuschalten. - Ich bin mir nicht so ganz sicher, ob es denn eine Erfüllung darstellt, nach einem erschöpfenden Arbeitsleben nun noch die Gabe des schnellen Mausklicks zu erlernen, aber wenn es denn Spaß macht, dann ist es sicher auch erlaubt und niemand darf natürlich auf die Idee kommen, solchen Zeitgeist gewissen Jahrgangsstufen vorzuenthalten. - Außerdem, und das betont man mehrfach in dem Interview mit der Cyber-Betreuerin, sollen die Rentner nur "intelligente Spiele" auf der Konsole ausführen, man denkt da an "Sudoku" und "Big Brain", also Spiele welche sich darum bemühen wollen, zerebrale Restsubtanz zu reanimieren. - Gut, meine persönliche Erfahrung mit solchen Dingen ist eh eine andere, ich nutze diese Welt des Daddelns eher um das Hirn mal eine Stunde auf lockeren Stand-by herunter zu fahren, weil man da ja denken lassen kann, aber es mag sicher auch "wertvolle" Videospiele geben. - Das ist ein bisschen so wie mit dem pädagogischen Holzspielzeug für Kinder, Generationen an Erziehern begeistern sich heute noch für bunte Bauklötze, die Kids selber aber greifen lieber zur Barbie und zu Pfeil und Bogen. - Das wird nicht lange dauern, bis die erste Oma sich vom Enkel Counterstrike mopst und damit richtig Schwung ins Altersheim bringt. Wie vorhin gesagt, wir wollen doch keine Altersgruppe irgendwie reglementieren…



Dienstag 11.03.08 - 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 63 % Luftdruck 1019 hPa
Höchsttemperatur heute 22,9 Grad - niedrigste Temperatur 13,4 Grad
Puntallana in 250 m Höhe: Höchste 22,4 Grad, niedrigste 13,5 Grad, Feuchte 61 % Regen 0 mm

Ergebnisse der einzelnen Gemeinden nach den Wahlen vom 9. März auf La Palma

Wie Spanien gewählt hat, das kann man in jeder Zeitung nachlesen die sich mit ein bisschen mehr als um die Furunkel irgendwelcher C-Promis kümmert, das müssen wir hier nicht auch noch wiederholen. - Wie nun, denn wir sind ja hier auf La Palma, die einzelnen Gemeinden gewählt haben, das muss man sich aus vielen Tabellen zusammensuchen. - Hier nun ist das Ergebnis und, auch ohne nun nachtreten zu wollen, die Coalición Canaria ist auch hier auf La Palma der große Verlierer, daran gibt es nichts zu deuteln. - Bei den Wahlen zum Senat erholt sich die Partido Popular deutlich, bei den Wahlen zum Abgeordnetenhaus stagniert sie allerdings und muss einen minimalen Rückschritt einstecken. - In beiden Häusern gewinnt die PSOE zum Teil drastisch, so dass nun diese politische Kraft die absolute Nummer eins auf La Palma ist, obwohl sie im Inselparlament nicht mal einen einzigen Posten belegen kann, weil eine Zweckkoalition aus PP und CC das verhindern. - In der Tat sind diese Wahlen eine letzte und deutliche Warnung an die Coalición Canaria, dass man langsam, stetig und nun kräftig das Vertrauen in diese Gruppierung verloren hat.

In der nachfolgenden Tabelle stehen als Abkürzungen für den Kongress das Kürzel:Kon
und sicher nicht sehr verwunderlich das SEN für den Senat.

El Paso Kon 04 Kon 08 Kon 08 Sen 04 Sen 08 Sen 08
PSOE 996 1.336 36 % 849 1.191 33 %
PP 1.173 1.215 33 % 1.075 1.181 32 %
CC 1.324 1.024 27 % 1.422 987 27 %

Los Llanos Kon 04 Kon 08 Kon 08 Sen 04 Sen 08 Sen 08
PSOE 2.370 3.178 32 % 1.762 3.011 31 %
PP 3.531 3.519 36 % 2.952 3.398 35 %
CC 3.375 2.793 28 % 3.652 2.855 29 %

Santa Cruz Kon 04 Kon 08 Kon 08 Sen 04 Sen 08 Sen 08
PSOE 3.402 3.618 39 % 2.827 3.598 39 %
PP 3.677 3.255 35 % 2.977 3.135 34 %
CC 2.320 2.128 23% 3.275 2.048 22 %


Breña Alta Kon 04 Kon 08 Kon 08 Sen 04 Sen 08 Sen 08
PSOE 1.282 1.580 40 % 1.124 1.584 40 %
PP 1.320 1.316 33 % 978 1.280 32 %
CC 971 955 24 % 1.395 922 23 %


Breña Baja Kon 04 Kon 08 Kon 08 Sen 04 Sen 08 Sen 08
PSOE 613 852 32 % 500 841 32%
PP 755 920 35 % 630 854 33 %
CC 847 799 30 % 1.004 818 31 %


San Andrés Kon 04 Kon 08 Kon 08 Sen 04 Sen 08 Sen 08
PSOE 1.049 1.232 42 % 920 1.188 41 %
PP 786 781 26 % 496 688 24 %
CC 1.084 869 27 % 1.424 936 32 %


Mazo Kon 04 Kon 08 Kon 08 Sen 04 Sen 08 Sen 08
PSOE 723 846 33 % 662 821 33 %
PP 726 753 30 % 514 746 30 %
CC 914 837 33 % 1.110 793 32 %


Tijarafe Kon 04 Kon 08 Kon 08 Sen 04 Sen 08 Sen 08
PSOE 508 529 38 % 389 502 37 %
PP 403 409 29 % 369 397 29 %
CC 450 406 29 % 553 410 30 %


Tazacorte Kon 04 Kon 08 Kon 08 Sen 04 Sen 08 Sen 08
PSOE 1.008 898 40 % 800 1.070 45 %
PP 513 575 26 % 407 543 22 %
CC 777 645 29 % 997 671 28 %


Fuencaliente Kon 04 Kon 08 Kon 08 Sen 04 Sen 08 Sen 08
PSOE 335 339 32 % 294 343 34 %
PP 413 354 34 % 368 351 35 %
CC 323 301 29 % 379 275 27 %

Garafía Kon 04 Kon 08 Kon 08 Sen 04 Sen 08 Sen 08
PSOE 434 406 52 % 349 388 51 %
PP 319 214 27 % 281 185 24 %
CC 116 125 16 % 201 141 18 %


Puntagorda Kon 04 Kon 08 Kon 08 Sen 04 Sen 08 Sen 08
PSOE 320 356 48 % 283 331 45 %
PP 165 220 29 % 154 239 33 %
CC 184 124 16 % 212 114 15 %


Puntallana Kon 04 Kon 08 Kon 08 Sen 04 Sen 08 Sen 08
PSOE 487 599 42 % 448 586 42 %
PP 254 271 19 % 144 282 20 %
CC 605 500 35 % 706 479 34 %


Barlovento Kon 04 Kon 08 Kon 08 Sen 04 Sen 08 Sen 08
PSOE 483 507 38 % 375 406 31 %
PP 371 318 23 % 248 191 14 %
CC 450 471 35 % 548 662 50 %

La Palma Kon 04 Kon 08 Kon 08 Sen 04 Sen 08 Sen 08
PSOE 14.010 16.276 - 11.582 15.860 36,86 %
PP 14.406 14.120 - 11.593 13.470 31,31 %
CC 13.740 11.977 - 16.878 12.111 28,15 %




Dienstag 11.03.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 13 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 69 % Luftdruck 1020 hPa

Ein Streik und dieses Mal nicht um Geld

Ganz selten erlebt man das, einen Arbeitsausstand an den keine Forderung nach einer Lohnerhöhung geknüpft ist. - Das Personal der Regionalfluggesellschaft Islas Airways auf La Palma wird wohl am 19. März für einen Tag die Arbeit niederlegen, was zur Folge haben kann, dass alle sieben Verbindungen welche die Islas Airways mit Tenerife hat, an diesem Tag ausfallen könnten. - Allerdings weiß man noch nicht, wie groß der Anteil der Streikenden an diesem Tag sein wird, die Organisatoren des Ausstandes sprechen aber von einer Beteiligung von 75%. - Grund für diese Aktion, die sich nur auf den Flughafen La Palma beschränkt und auch nur für diesen einen Tag, den 19. März, sind schwere Anschuldigungen gegen die operative Chefin hier auf der Insel. - Die Belegschaft spricht von Diskriminierungen, Drohungen und Schikanen, welche die Dame wohl gegenüber der Belegschaft anwendet und dies nicht erst seit ein paar Tagen. - Weiter nennt man Willkür in der Aufstellung der Arbeitspläne und das nur devote Mitarbeiter nicht am Wochenende arbeiten müssten und eine Mitarbeiterin, welche Unterschriften sammeln wollte um die Missstände anzuklagen, sei entlassen worden.

Das sind natürlich schwere Beschuldigungen welche da von de Angestellten erhoben werden und so fordert die Firmenleitung klare Beweise für die Missetaten der Chefin hier auf La Palma. - Ob und wie weit man diese bringen kann, das kann man nicht nachlesen, aber es hat wohl so viele Vorfälle gegeben, dass selbst Passagiere den Kampf, welchen die hyperresoluten Dame gegen ihre Unergebenen führt, mitbekommen haben. - Was da wirklich im Hintergrund läuft und in wie weit die Anklagen der Belegschaft und der Gewerkschaft gegen die Vorgesetzte richtig sind, das kann man von außen natürlich nicht wirklich nachvollziehen, aber Islas Airways kann keine schlechte Presse gebrauchen und wer seine Angestellten schlecht behandelt oder schlecht behandeln lässt, der gerät schnell in Gefahr von der "vox populi" ins Abseits dirigiert zu werden. - Es droht ja auch noch neue Konkurrenz seitens einer dritten Fluggesellschaft, welche sich um den Regionalverkehr hier auf den Kanaren bemühen will und wohl bereits bei den zuständigen Behörden um Einstufung als "ZEC-Unternehmen" angefragt hat. - "ZEC" bedeutet Zona Espaciál Canarias und ist ein Steuersparmodell mit dem man Firmen auf die Kanaren locken will. - Da weder Passagieraufkommen noch Auslastung der bestehenden Verbindungen eigentlich eine dritte Fluggesellschaft fordern, darf man annehmen, dass die neue Gesellschaft entweder mit Billigangeboten locken will, oder nur eine Neugruppierung einer bereits bestehenden Fluggesellschaft ist, welche dann Teile ihres Dienstes als neue Firma anbietet, aber weniger Steuern bezahlen muss. - Aber auch das weiß man nicht so genau, man munkelt mal wieder mehr, als man wirklich weiß. - Immerhin hat as Kind schon einen Namen, AÉREO STAR will dann also zukünftig am Himmel über den Kanaren mitmischen aber irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass wir da alten Wein aus neuen Schläuchen trinken sollen und das auch noch steuerreduziert.



Montag 10.03.08 - 19:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 19 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 57 % Luftdruck 1020 hPa
Höchsttemperatur heute 22,7 Grad - niedrigste Temperatur 13,6 Grad
Puntallana in 250 m Höhe: Höchste 17,5 Grad, niedrigste 13,8 Grad, Feuchte 61 % Regen 4,8 mm

Coalición Canaria in der Ländervertretung abgestraft

In Spanien gibt es nicht nur den Kongress, deren Präsident auch das zweithöchste Amt im Staat ausübt, denn der erste Mann im Land ist hier immer noch der König. - Es gibt auch noch den Senat, welcher am ehesten mit der Ländervertretung zu vergleichen ist, also dem Bundesrat. - Allerdings ist die Zusammenstellung höchst kompliziert, weil es auch Pflichtmandate gibt, so wie zum Beispiel für die kleinen Kanaren- und Baleareninseln. - Die erhalten auf jeden Fall einen Senatsposten, obwohl im Beispiel von El Hierro die 12.000 Einwohner nicht genügend Stimmen auf einen Kandidaten vereinen könnten, so dass dieser auch in den Senat rücken kann. - Die Wahl zum Senat findet parallel zur Kongresswahl statt, aber auf eigenen Stimmzetteln, die aus Gründen der Vielfalt der Parteien dort oft so groß sind wie Bravo-Starschnitte. - Insgesamt gibt es 259 Senatorenposten zu vergeben, also deutlich weniger als Abgeordnete im Kongress sitzen (350) und die Zusammensetzung nach Parteien muss nicht unbedingt auch mit der im Kongress übereinstimmen. - So wählen zum Beispiel viele Menschen die lokalen Parteien eher in den Senat, weil es einfacher ist dort einen Posten zu ergattern, wenn man nicht landesweit antritt oder sich groß genug fühlt auch im Kongress mitzuhalten. - So war das auch hier, die Kanarischen Inseln schickten im Jahr 2004 11 Senatoren nach Madrid, wobei auch damals schon die PSOE die Mehrheit der Senatoren stellte, nämlich 5. - 3 weitere entsendete die Partido Popular und die drei restlichen entfielen auf die Coalición Canaria und zwar durch die Mandate der Insel Tenerife, La Palma und El Hierro.

Nun aber zeigen die vorläufigen Ergebnisse einen derben Reinfall für die als reine Kanarenpartei angetretenen Kräfte der Coalicion Canaria, halten die ersten Rechnungen stand, dann schickt man seitens der "Nationalisten" überhaupt keinen Mann oder Frau mehr in den Senat. - Dafür erhalten die Sozialisten 2 mehr, nämlich die La Palmas und El Hierros und ein Senatsposten wechselt auf Tenerife von der Coalición Canaria zur PP. - Da auch im Kongress nur noch 2 Sitze der Coalición Canaria zusammengekommen sind würde das bedeuten, dass die Partei welche die autonome Region Kanarische Inseln in einer Koalition mit der Partido Popular regieren und auch noch den Präsidenten stellen, überhaupt keine Vertretung mehr im Senat haben und nur noch 2 von 350 Sitzen im Kongress. - Als weiteres Beispiel für die schrägen Blüten welche uns der "Regionalnationalismus" bringt ist zu bedenken, dass auf La Palma die Coalición Canaria sogar die absolute Mehrheit im Inselparlament inne hat, aber in Madrid im Senat überhaupt nicht und im Kongress nur marginal vertreten ist. - Da kann einem schon Angst und Bange werden und nur hoffen, dass uns die beiden großen Parteien überhaupt noch wahrnehmen. - Allerdings wird dafür Anselmo Pestana schon sorgen, der Ex-Bürgermeister aus Santa Cruz de La Palma zieht anstelle von José Luis Perestelo (unserem Inselpräsidenten) für La Palma in den Senat und macht damit die Pleite für die Coalición Canaria auf unserer Insel perfekt. - Da die Auszählungen noch nicht komplett sind wegen der Briefwahlstimmen und der sich im Ausland aufhaltenden Palmeros, sind die Zahlen allerdings noch vorläufig und könnten sich noch ändern. Deshalb gibt es auch noch keinen tabellarischen Überblick wie die Insel denn in den einzelnen Gemeinden gewählt hat, ich kann lediglich die Zahlen aus El Paso vorstrecken: In den Wahlen zum Kongress erhielten in El Paso die PSOE 1.336 Stimmen, die PP 1.215 und die CC 1.023 Stimmen. - Zum Senat wählten in El Paso 1.295 Menschen die PSOE, 1.180 die PP und 987 die Coalición Canaria.



Montag 10.03.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 13 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 68 % Luftdruck 1019 hPa

Knapp getroffen ist auch nicht daneben

Fragt man nun nach dem Wahlsieger, dann kommen beide großen Parteien in Frage. Sowohl die PSOE darf sich Sieger nennen, denn sie ist weiterhin die stärkste Partei im Land und legt von 42,59% noch eine kleine Schippe drauf und kommt nun auf 43,64% der Stimmen. - Das sind anstatt der bisher 164 Abgeordneten von 350 im Kongress nunmehr 169 und somit 5 mehr als noch vor vier Jahren, was die Möglichkeiten der Koalitionen mit anderen Parteien einfacher macht. - Aber auch die Partido Popular legt zu und sogar noch kräftiger als die Sozialisten, deren Anteil der Stimmen steigt von 37,71% auf 40,12%, das beste Ergebnis der Bürgerlichen aller Zeiten. In der Zahl der Kongressabgeordneten bedeutet das einen Anstieg von 148 im Jahr 2004, auf jetzt 153. Beide großen Parteien gewinnen also 5 Sitze hinzu, befördern aber die Sozialisten auf eine knappe Distanz von 7 Abgeordneten zur absoluten Mehrheit, was die Suche nach dem geeigneten Koalitionspartner einfacher machen wird. - Damit bleibt der Vorsprung der Sozialisten bei exakt der gleichen Abgeordnetenzahl wie noch vor vier Jahren, Zapatero kann sich in der Moncloa auf 16 Stimmen mehr berufen als sein Gegenspieler Mariano Rajoy.

Wenn beide große Parteien dazu gewinnen und zusammen 323 von 350 Abgeordnetenplätzen belegen, dann muss es bei den kleinen Parteien Verluste gegeben haben und genau so stellt sich das Ergebnis der Wahlnacht auch dar. - Auf dem Weg zum 2 Parteiensystem gab es keine weiteren Gewinner, sondern kräftige Niederlagen der IU (Izquierda Unida) und der ERC (Esquerra Republicana de Catalunya). Die ERC verliert 5 Abgeordnete und stellt somit nur noch 3 Vertreter und die IU setzt ihre Talfahrt fort und bringt nur noch 2 Abgeordnete in den Kongress, im Jahr 2004 waren es noch derer 5. - Nur die CiU (Convergència i Unió) aus Katalonien kann zumindest einen Sitz im Parlament hinzugewinnen und stellt nun 11 Abgeordnete, allerdings verliert auch diese Partei Stimmen und kommt nunmehr nur noch auf 3,05% der Wählergunst, im Jahr 2004 waren es noch 3,23%. - Damit ist die zukünftige Koalition eigentlich auch schon genannt, alleine mit den Stimmen der CiU könnte die PSOE bereits regieren, rechnerisch aber auch mit den baskischen Nationalisten der PNV (Partido Nacionalista Vasco), die zwar nur 6 Abgeordnete stellen, aber da sich die 2 Sitze der IU auch noch dazugesellen, würde selbst diese Kombination Zapatero eine knappe Mehrheit bieten. - Die kanarischen Nationalisten, die Coalición Canaria verliert auch und stellt nunmehr nur noch 2 Abgeordnete, aber das ist nicht weiter dramatisch, denn im Jahr 2004 waren es nur derer 3 und somit bleibt man auch dieses Mal ohne Bedeutung in Madrid und ist mit 0,65% der Stimmen auf die Gnade des spanischen Wahlsystems angewiesen, welches keine 5% Hürde kennt. - Für die Sozialisten um Zapatero ändert sich also eigentlich nichts, man wird wohl weiterhin die Geschicke dieses Landes von ganz oben mitgestalten können und für den Herausforderer Mariano Rajoy bleibt ein Trost, es war eine gute Niederlage und er kann nicht wirklich als Verlierer bezeichnet werden, sondern einfach nur als zweiter Gewinner.



Sonntag 09.03.08 - 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 21 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 54 % Luftdruck 1018 hPa
Höchsttemperatur heute 21,4 Grad - niedrigste Temperatur 13,6 Grad
Puntallana in 250 m Höhe: Höchste 22,4 Grad, niedrigste 14,5 Grad, Feuchte 61 % Regen 0 mm

Paul macht frei

Zunächst dachten wir an einen frustrierten Einbruch in unser Wohnzimmer, bei dem der erfolglose Räuber seinen Ärger an gewissen Einrichtungsgegenständen ausgelassen hatte. - Da aber bei uns nichts zu holen ist, was üble Jungs und Mädels sonst so suchen, war ziemlich schnell klar, dass der oder die Urheber dieses vandalistischen Akts eher in den Kreisen der familieneigenen Truppen der Search and Destroy-Fraktion zu suchen ist. - Allerdings hatte unsere kleine Tochter ein Alibi, die war in der Schule, und den anderen möglichen Delinquenten entdeckten wir dann auch noch am Tatort, somit zieht sich die Beweiskette deutlich und eng zusammen und Paul muss einen verdammt guten Anwalt requirieren um da noch irgendwie halbwegs gerade heraus zu kommen. - Der Topf mit dem großen Farn ist perdu, wohl auf der Jagd nach einem Gecko im Sprungweg des tollwütigen Katers. - Auf dem Boden lag der große Topf, zerschmettert und der arme Farn bleckte seine nackten Wurzeln hilflos wie anklagend in den großen Raum und wer Gras wachsen hören kann, der vernahm wohl auch die Schmerzensschreie dieser geschundenen Pflanze. - Das Schmuckglas mit den falschen Fischen war vom Kaminsims gefegt, da kann man geteilter Meinung sein, ich fand das eh nicht so wirklich passend, aber es war ein nettes Geschenk und so erübrigt sich nun die Frage, ob wir denn dieses Präsent nicht bei Gelegenheit wieder in den großen Kreislauf der Wanderpokale unter den Pflichtgeschenken einreihen können. - Sie wissen doch, eine erhebliche Anzahl von Aufmerksamkeiten, meist Briefbeschwerer, Vasen und Kerzenständer haben schon viele Menschen glücklich gemacht, man muss sich dabei nur merken, von wem man das Ding geschenkt bekommen hat, sonst ist das wirklich zu peinlich wenn man es genau in die gleiche Richtung wieder weitergibt. - Allerdings habe ich noch nie Briefbeschwerer verschenkt, das nutzt ja heutzutage kein Mensch mehr und wie ein E-Mailbeschwerer aussieht, daran tüftelt die Geschenkindustrie gerade noch.

Ups, wir waren bei den Missetaten Pauls und ein weiteres Unheil darf noch vermeldet werden, es sind auch mehrere Trinkgläser kaputt gegangen die bei uns auf einem kleinen Möbel ruhen, welches sonst keinen weiteren Verwendungszweck aufzeigt. - Dabei war ich besonders böse, hatte ich doch noch 2 Weizenbiergläser mit der Werbeaufschrift einer Brauerei die es nie gegeben hat, besonders wertvolle Fehldrucke könnte man also meinen und auch diese Raritäten sind nunmehr nur noch ein Beweis für Pauls Missetaten. - In allen Gesprächen und felinpsychologischen Sitzungen mit dem Haustyrannen ist es uns immer noch nicht gelungen den Mephistokles auf die Unsinnigkeit hinzuweisen, unsere Hausgeckos zu jagen. - Die können die Wände hochgehen und Paul kommt nur partiell hinterher, und im Gegensatz zu den Geckos kommt Paul aber wieder runter und alles was dort dann steht, wird ein Opfer der schnellen Bewegungen der Katze, die sich ja irgendwie immer wieder auf die Pfoten fallend rettet. - Gut, es soll ja auch Menschen geben die heiraten mehrmals im Leben die falsche Frau und fragen sich dann nach dem vierten Versuch ob es denn nur die Falschen gibt, aber von unserem Kater kann man doch ein bisschen mehr Verstand erwarten um endlich diese dummen Versuche aufzugeben, diese Echsen zu jagen, welche regelmäßig der Schwerkraft den berühmten Geckofinger zeigen. - Unsere Flüche begleiteten Paul noch eine ganze Weile, wobei es äußerst interessant war, wer dem Zerstörer welche Namen gab, so nannte eine, nicht näher zu bezeichnende männliche Person in unserem Haushalt Paul noch stundenlang immer George dabbelju, wohingegen die richtigste Frau der Welt den frechen Kater nun Saddam nannte. - Nur die Kinder waren gnädig mit dem Vandalen und zeigten sich eher besorgt, er könnte sich seine Tatwerkzeuge, also seine Pfoten an den Scherben aufschlitzen. - Typisch Erwachsene, die Frau macht sich nur Sorgen um ihre doofen Blumen und der Alte ärgert sich über seine zertrümmerten Biergläser, als gebe es sonst nichts wertvolleres auf der Welt, obwohl dem liebsten aller Kater schwerste Schnittverletzungen drohen, nur weil wir nicht in der Lage sind den dumpfen Tand unserer Besitzstandsgesellschaft aus dem Weg zu räumen. - Wo diese aufmüpfigen Gören solche Phrasen wohl herhaben frage ich mich da und verwünsche meine Versuche der humanistischen Erziehung die sogar Katzen schützt. - Der Farn hat inzwischen einen neuen Topf, den hatte er sogar schon nötig, das Schmuckglas mit den falschen Fischen gerät nicht mehr in den Kreislauf der Pflichtpräsente und ich trinke eigentlich gar kein Weizenbier und nun ist Platz frei für andere Gläser, die vielleicht sogar benutzt werden und nicht nur angestarrt. - Daraus könnte man vielleicht sogar ein Geschäft machen, Sie haben zu viel Tand bei sich herumstehen, ich leihe Ihnen einen Gecko und Paul für eine halbe Stunde und schon rücken wir alle ein Stückchen näher an die echte Freiheit. - Denn wie sagte meine fast persönliche Freundin Janis Joplin immer so jungklug: Freedom is just another word for nothing left to loose… Logisch weitergedacht macht Paul frei, das dauert nur noch ein paar Jahre und so lange die Müllabfuhr so hervorragend funktioniert wie hier, sehe ich bereits ein kleines Stückchen Freiheit um die Ecke linsen. - So, nun müssen wir los, wir gehen zur Walparty, es gibt Fisch - Sekt und Selters und drücken Sie uns bitte den Zapatero…


Paul macht frei und blau



Sonntag 09.03.08 - 10:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 15 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 69 % Luftdruck 1019 hPa

Wenn die Linke wohl weiß, was die Rechte tut

In Spanien ist das alles so einfach. - Da ist die "Linke" noch links und die "Rechte" noch rechts und um nichts anderes geht es heute in den Kongress- und Senatswahlen. - Etwas mehr als 35 Millionen Spanier sind zur Wahl aufgerufen und sollten zwischen José Luis Zapatero und Mariano Rajoy entscheiden, und wem sie denn in Mehrheit zutrauen, dieses Land weiterhin zu regieren. - Zwar haben wir auch noch eine linkere Linke, die Izquierda Unida, die allerdings in den letzten Jahren immer dünner geworden ist, denn da wo die Linke noch links ist, braucht man eigentlich keine weitere Partei auf diesem Spektrum. - Das ist genau entgegengesetzt zur Bundesrepublik Deutschland, dort haben die Sozialdemokraten längst ihre linke Position verlassen und dieses Vakuum wird nun durch eine Partei ausgefüllt, welche sich eben deutlich links positioniert. - Wundern muss man sich darüber überhaupt nicht, vielleicht eher darüber, wie lange es gedauert hat, dass diese Gegenbewegung installiert wird und angenommen. - Hier in Spanien reichten PSOE und PP ganz und gar, da wird prächtig von rechts außen bis links dreiviertel alles bedient und die bereits angesprochene IU (Izquierda Unida) wird mit ihren Stimmen eh die PSOE unterstützen, da brauchen wir keinen peinlichen Definitionsabstand wie ihn die SPD zur neuen Linkspartei so unprofessionell erfinden will.

In Spanien sind es eher die Regionalparteien, welche gerne das berühmte Zünglein an der Waage wären und das sind diese meist auch, besonders im Baskenland und in Katalonien sind diese Gruppierung derart stark, dass sie bislang noch jedes Mal ihren Teil der Macht in Madrid abbekommen haben. - Auch hier auf den Kanaren gibt es die Coalición Canaria, welche diesen Anspruch besitzt, allerdings sind die Aussichten eher gering sich in Madrid so breit machen zu können, dass eine der beiden großen Programmparteien die Hilfe der kanarischen "Nationalisten" unbedingt bräuchte und sie deshalb mit ins Regierungsschiff nimmt. - Das sieht im Falle der CiU (Convergència i Unió) aus Katalonien schon anders aus, diese bürgerliche Partei steht zwar der Partido Popular eigentlich näher, allerdings könnte auch dort der Pragmatismus siegen und man wäre auch bereit ein Bündnis mit den Sozialisten einzugehen, wenn es sich für die Regionalpartei lohnt. - Auch aus Katalonien kommt die ERC (Esquerra Republicana de Catalunya), welche aber alleine aus Gründen der Gesinnung der PSOE viel näher steht und man nicht damit rechnen kann, dass diese Gruppierung sich unter Umständen den Reihen der rechten Partei PP anschließen würde. - Im Baskenland tritt die PNV (Partido Nacionalista Vasco) äußerst stark auf und eigentlich möchte man auch diese Partei eher auf die rechte Gesinnungshälfte rücken, aber eine Koalition mit der Partido Popular scheint auch hier unmöglich, weil die PP zu oft und klar gegen weiterführende Autonomien der einzelnen spanischen Provinzen eingetreten ist.

Man darf also ruhig behaupten, die Regionalparteien sind eher bereit mit der PSOE zusammen zu arbeiten, ganz einfach weil man in deren Lager die Doktrin der autonomen Regionen viel klarer unterstützt als das die rechten Kräfte in der PP tun würden. - Allerdings wirft man ja der jetzigen Regierung unter Zapatero auch vor, die staatliche Einheit Spaniens in Gefahr zu bringen, weil er den Regionalparteien so viel Zugeständnisse einräumen wollte, oder vielleicht besser musste, um deren Gunst zu behalten. - Das alles trifft für die kanarischen Nationalisten nicht zu, die würden zwar mit dem Teufel paktieren um in Madrid mitspielen zu dürfen, aber traditionell trauen die Canarios ihren eigenen Politikern so wenig zu, dass meist nur ein ganz kleines Häufchen aus den Reihen der Coalición Canaria in die Hauptstadt entsandt wird und dort diese Abgeordneten niemand braucht. - Theoretisch könnte bei einem Patt auch die Situation eintreten, dass man diese kanarischen Nationalisten doch noch sucht, aber das scheint unwahrscheinlich, denn es gibt zu viele bereitwillige Kooperationspartner in den bevölkerungsreichen Provinzen wie Katalonien oder dem Baskenland. - Ansonsten ist der Ausgang der Parlaments- und Senatswahlen heute nach dem Attentat auf Isaías Carrasco wieder völlig offen, bis dahin hatten die Umfragen einen leichten Vorteil für Zapatero ergeben. - Da man nun nicht weiß, ob den Sozialisten gelingen wird ihre Stammwähler alle zur Wahl rufen zu können, ist man sich komplett unsicher über den Ausgang der heutigen Wahlen. - Für Hochspannung ab 20:00 Uhr ist also gesorgt.



Samstag 08.03.08 - 17:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 21 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 68 % Luftdruck 1017 hPa
Höchsttemperatur heute 22,0 Grad - niedrigste Temperatur 14,0 Grad
Puntallana in 250 m Höhe: Höchste 21,6 Grad, niedrigste 14,0 Grad, Feuchte 61 % Regen 0 mm

Samstagnachmittag, da lässt man sich doch mal wieder einen "Enrique" gefallen:

Österlicher Obulus

Die Überschrift könnte als Wortspiel aufgefasst werden, ist aber so nicht gemeint. Es geht hier vielmehr um ein Ritual, das sich bei mir zunächst nur bedingt freiwillig, mit den Zeitläuften aber durchaus gern ergeben hat. Das Ritual dreht sich um die Mitfinanzierung des besonderen, mehr als sonst üblich und üppig gestalteten Blumenschmucks in der Kirche "Nuestra Señora de Bonanza" in El Paso. Da kam vor vielleicht zwölf Jahren eine Frau unbestimmbaren, aber deutlich schon etwas ergrauten Alters bei mir vorbei. Sie hatte eine Plastiktüte vom SPAR in der Hand und bat mich umgehend um Hilfe. Das umgehend zog sich allerdings etwas hin. So oder so ähnlich hub sie an:

"Enrique, du bist doch schon solange hier, du bist doch schon ein richtiger Palmero."
"Mmh, äh . . . ja, wenn Sie das meinen."
"Ja, das tue ich, und hier in dem Haus lebst du auch schon ganz lange."
". . . ja , sicher. Das gehört mir."
"Ich weiß; also bist du doch schon ein richtiger Pasense (!!!)"
"Nun ja, wenn Sie das sagen."

Ich fühlte mich bauchgepinselt; so etwas tut gut, wenn es einem urplötzlich und von unerwarteter Seite widerfährt. Aber noch wusste ich nicht, was sie denn von mir wollte. Und das merkte sie und fuhr fort:

"Ich weiß, du bist nicht katholisch und ein Ausländer."

Das war jetzt nicht nett. Diese Umstände waren mir schon länger bekannt als ihr und ich hatte mich in meinem unmittelbaren Wohnumfeld bislang immer gut gegen diesbezügliche und fast bohrende Fragen gewappnet gezeigt. Das mit dem Nicht-katholisch erkläre ich, indem ich argumentiere, auf meinem Taufschein stehe evangelisch das sei nicht meine Schuld und nicht mehr rückgängig zu machen. Schließlich könne ich auf diesem Stück Papier nicht im Nachhinein herumradieren, das Papier sei damals - also schon im Krieg - lausig schlecht gewesen und außerdem sei da mit Tinte reingeschrieben worden und dergleichen mehr. Dergestalte Ablenkmanöver gelingen in der Regel ganz gut. Und dass ich Ausländer bin, wusste ich auch schon früher als sie, kann nichts dafür und de facto ebenfalls nichts daran ändern, selbst wenn mich das Königsreich Spanien in die Reihen seiner Staatsbürger aufnähme, meinen ausdrücklichen Wunsch vorausgesetzt. Hier in meinem Viertel bin ich Enrique el Alemán und das schon recht lange; es gibt welche, die wundern sich eher, dass ich noch keine spanische Staatsbürgerschaft habe.

Nun ja, den Hinweis auf meinen Migrationshintergrund musste ich dieses Mal und wieder einmal zerknirscht zur Kenntnis nehmen. Er war aber von jener Frau mit der Plastiktüte gar nicht bös´ gemeint, denn sie sprach weiter:

"Demnächst kommt die Semana Santa."
"Ah ja, gut dass Sie mich daran erinnern; ich hätte vielleicht tatächlich nicht daran gedacht."
"Na nu, feiert man so etwas in Deutschland nicht?"
"Doch, doch, natürlich, sebstverständlich. Deutschland ist ein christianisiertes Land!"
"Eben . . . also, zu Ostern wird unsere Kirche immer besonders schön mit Blumen ausgestattet, und ich sammle Spenden dafür."
"Gut, wie viel ist denn so allgemein üblich?"
"Das kommt auf den guten Willen des jeweiligen Spenders an und auf dessen Geldbeutel."
"Ja . . . aber was stellen sie sich ungefähr vor?"
"300, 500 Peseten, manche geben auch mehr."

Nun hatte sie die Katze endlich aus dem Sack gelassen. Ich wäre nie von selbst darauf gekommen: Sie wollte Geld. Für einen guten Zweck. Ich kannte sie schon etliche Jahre vom Sehen her anlässlich regelmässiger Besuche im nahe liegenden Tante-Emma-Laden, hatte mit ihr wohl auch schon mal ein paar Worte geplaudert, sie wohnte irgendwo in der Nähe um die Ecke, aber sonst wusste ich eigentlich nichts von ihr. Und dass sie regelmäßig vor Ostern mit ihrer Plastiktüte die Häuser abklapperte, wie ich im Nachhinein erfuhr, war mir bis dahin ebenfalls nicht geläufig gewesen. Also huschte ich ins Haus, um nach Geld zu fahnden. Ich glaube, es waren 400 Peseten, die ich gerade als unmittelbar abkömmlich bezeichnen konnte. Die Blumen- beziehungsweise Geldsammlerin bedankte sich höflich und nur andeutungsweise wortreich und zog weiter. Ich vergaß das Ganze.

Pünktlich nach einem Jahr stand sie wieder vor der Haustür und sammelte für die österlichen Kirchenblumen. Sie wusste ja, dass sie mir ihr Ansinnen schon einmal gut verständlich erklärt hatte und kam deshalb sofort zur Sache; auch ich entsann mich, so dass es keiner weiteren Erläuterungen bedurfte. Abhilfe suchend stöberte ich im Haus nach Geld und fand keins. So etwas kommt durchaus vor bei mir. Ich gehöre zu den armen Unbedarften, die sich einer solchen Untugend wegen selbst gegenüber nicht schämen. Ich fröne ihr, seit ich denken kann: Wenn ich Geld im Haus habe, ist es gut, und wenn mal gerade keins da ist, bekomme ich deshalb kein Herzklopfen. Für dringende Notfälle weiß ich immer einen Ausweg, und wenn es dazu eines zertrümmerten Sparschweins bedarf, aber diese Blumen . . . dringender Notfall? Eher nicht. Deshalb erklärte ich der Bittestellerin, sie suche mich gerade in einem für ihr Anliegen ungeeigneten Augenblick auf, und ob sie noch einmal vorbeikommen wolle. Sie ließ jedoch erkennen, dass sie das eigentlich nicht vorhatte, und ob ich denn wirklich nichts im Hause hätte . . . Wir waren etwas ratlos. Schließlich kam mir beim Betrachten des Gartentürchens der Nachbarin gegenüber, nur sieben Meter entfernt, der rettende Gedanke. Von der wusste ich, dass sie bestimmt an einem üppigen österlichen Blumenschmuck in der Kirche auch sehr interessiert wäre, und war mir sicher, sie würde meine Spende, wenn ich sie ihr denn tags darauf überreichte, in die zuständigen Hände weiterleiten. Ein dahingehend von mir vorgebrachter Vorschlag fand sofort Zustimmung, aber die Angelegenheit war mir trotzdem etwas peinlich.

Seitdem gebe ich jedes Jahr freiwillig und unaufgefordert meine österliche Blumenspende zur gegebenen Zeit an meine Nachbarin weiter (eben die mit dem Gartentürchen) und berücksichtige auch bereits die schleichende Preissteigerung inklusive des in Europa üblichen Euro-Aufrundungsrucks. Die für das Einsammeln der Spenden sozusagen hauptamtlich urprünglich eingeteilte und mir nun näher bekannte Dame sei inzwischen nicht mehr so gut so zu Fuß und komme bei mir nicht mehr vorbei, erfahre ich dann bei solchen Gelegenheiten, und nehme sogleich auch jeweils die Aufforderung entgegen, ich solle mir doch mal die Blumen anschauen, sie seien wirklich in der Regel sehr schön; aber, aber, und dann kommt ein hinreißender Seufzer, die Leute würden immer sparsamer bei Ausgaben anlässlich solcher Gelegenheiten sowie die Blumen laufend teurer und die Blumenpracht von früher gebe es eigentlich nicht mehr so richtig. Aber trotzdem solle ich die Blumen mal bewundern, sie wisse schon, dass die Kirche mich von innen nicht besonders gut kennt und das verstehe sie ja und sage auch nichts dagegen. Ich verspreche es regelmäßig: hoch und heilig.

Allerdings habe ich das Versprechen bisher nicht gehalten. Das "hoch und heilig" nehme ich wohl nicht ernst genug und bin deswegen nun dabei, mir für solche Gelegenheiten einen weniger verbindlichen, trotzdem aber hinreichend aussagekräftigen Ausdruck auszudenken. Und eine solche Heuchlerei gegenüber meiner Nachbarin kann ich nicht begehen, indem ich nach Ostern zu ihr sage: Schöne Blumen waren das mal wieder!






Samstag 08.03.08 - 08:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 14 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 59 % Luftdruck 1018 hPa

Tijarafe möchte keine Fischfarmen mehr

Ausdiskutiert ist das ja noch nicht mit den Fischfarmen und deren Schädigungspotential für die umgebende Meersfauna und Flora. - Allerdings sind bei uns die Schwimmkäfige in tieferem Wasser installiert als in vielen anderen Regionen und beständige Strömungen sorgen dafür, dass der Meeresboden kaum belastet wird. - So zumindest behaupten das die Biologen und Techniker welche für die Fischfarmen arbeiten und ähnlich sieht das auch die kanarische Provinzregierung und deshalb hat man ja die Installation von weiteren 70 Käfigen genehmigt, welche allesamt vor der Küste Tijarafes aufgestellt werden sollen. - Zusätzlich in der Diskussion um Fischzucht muss ja auch ein Aspekt genannt werden, dabei geht es um die Zusammensetzung des verwendeten Futters, welches oft aus Fischmehl besteht, das nicht ausschließlich aus anfallendem Beifang gewonnen wird, sondern wegen der großen Nachfrage auch extra für die Futterindustrie gefangen wird. - Daraus ergäbe sich dann, ähnlich wie bei der intensiven Fleischmast, ein dramatisches Missverhältnis von eingebrachten Ressourcen zu dem fertigen Produkt. - Aber auch darüber wird heftig diskutiert und es gibt auch Futtermittelproduzenten welche einen etwas nachhaltigeren Weg gehen, meist aber zu einem deutlich höheren Preis, was sich natürlich wiederum unangenehm auf die Erträge der Fischproduzenten auswirkt. - Aber darüber könnte man auch Nächte lang diskutieren und leider lassen einen die meisten Futtermittelhersteller auch nicht so richtig ins Rezept blicken.

Nächtelang diskutieren will man seitens des Rathauses in Tijarafe nicht, sondern schlicht weg die schwimmenden Käfige dort nicht haben. - Der Bürgermeister argumentiert auch mit Umweltbedenken und verweist auf die große Ablehnung der Fischfarmen auf anderen Kanareninseln und befürchtet so, dass man nun nach La Palma ginge, weil es da weniger Widerstand gäbe denn bei uns drückt man so manches Auge zu, wenn es nur um ein paar Arbeitsplätze geht. Marcos Lorenzo, so heißt der verärgerte Bürgermeister von Tijarafe, möchte zuallererst, dass man seitens des Gobierno de Canarias unabhängige Studien in Auftrag gibt, welche ganz objektiv die Umweltgefahren der Fischkäfige vor unserer Küste aufzeigen. - Diese Studien gibt es allerdings schon, nur zweifelt man in Tijarafe die Objektivität dieser Arbeiten an und es ist das gute Recht der Bewohner, Zweifel anzumelden. - Allerdings liegt es überhaupt nicht in der Kompetenz der Gemeinde Tijarafe, die Schwimmkäfige befinden sich zwar vor deren Küste, aber zuständig dafür ist der Landwirtschaftsrat dem auch das Fischereiressort untersteht und die Küstenbehörde und beide Ämter lassen sich nur ungern von stacheligen Bürgermeistern dreinreden. - Man muss aber noch erwähnen, dass der Bürgermeister von Tijarafe der gleichen politischen Partei angehört, welche auch das Gobierno de Canarias führt, nämlich der Coalición Canaria. - Was weiter dazu beiträgt den Ärger der Gemeinde zu verstehen ist die Tatsache, dass die Fischfarmen zwar vor der Küste Tijarafes liegen, das Geld damit aber in Tazacorte verdient wird und auch die Arbeitsplätze dort entstehen, denn von dem Hafen aus werden die Anlagen betreut und auch der produzierte Fisch verschickt.


Fischfarmen von Puerto de Tazacorte



Freitag 07.03.08 - 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 72 % Luftdruck 1016 hPa
Höchsttemperatur heute 22,6 Grad - niedrigste Temperatur 15,6 Grad
Puntallana in 250 m Höhe: Höchste 22,5 Grad, niedrigste 14,8 Grad, Feuchte 62 % Regen 0 mm

        ETA tut das Einzige was sie kann


Auch die Wahlen am kommenden Sonntag werden, wie bereits vor vier Jahren, vom Terrorismus gebrandmarkt sein. - Auch wenn es schwierig oder unmöglich scheint, das Attentat vom 11. März 2004, an dem 191 Menschen in Madrid durch die Hände islamistischer Terroristen ums Leben kamen, mit dem heutigen Mordanschlag auf Isaías Carrasco zu vergleichen, erneut geschieht drei Tage vor der Wahl des Regierungspräsidenten Spaniens ein Attentat. - Vermutlich ein Mörder der, sich als baskische Unabhängigkeitsbewegung bezeichnenden Lumpenbande ETA, hat heute Mittag den 42 jährigen Ex-Stadtrat der PSE/PSOE in Mondragón-Arrasate mit mehreren Schüssen von hinten in den Rücken und Hals getroffen. Isaías Carrasco, der Vater dreier Kinder ist, erlag einige Stunden später im Krankenhaus seinen Verletzungen. - Auch wenn es bislang noch kein Bekennerschreiben der ETA gibt, niemand zweifelt daran, dass es diese Organisation war, welche erneut durch Tod und Terror auf sich aufmerksam machen will. Es kann auch kein Zufall sein, dass es wieder, wie bereits vor vier Jahren einen Anschlag drei Tage vor der Wahl gibt, sondern man möchte damit Einfluss nehmen auf die Entscheidung der Bürger am Sonntag. - Wer immer diese Wahlen nun auch für sich entscheiden wird, muss mit dem Makel leben und regieren, dass ein terroristischer Anschlag das Wahlergebnis beeinflusst haben kann. - So etwas kann keiner Gesellschaft gut tun und wird auf jeden Fall erneut zu düsteren Vermutungen führen, welche man dieser starken, aber auch so jungen spanischen Demokratie eigentlich lieber ersparen würde.

Alle politischen Parteien haben gleich nach dem bekannt werden des Attentats ihren Wahlkampf abgebrochen, auch die hiesigen Lokalparteien wie die Coalición Canaria schlossen sich diesem Solidaritätsakt an. - Das ist erst Mal ein gutes Zeichen, ist man doch bemüht, so wenig Schatten wie möglich auf den kommenden 9. März fallen zu lassen. - Noch sind 48 Stunden Zeit bis die Wahllokale am Sonntagabend schließen, dieses Zeitfenster genügte vor vier Jahren dem Ex-Präsidenten José María Aznar, der in den Umfragen bequem vorne lag, sich aus dem Amt zu reden. Denn auch wenn es nicht der Terroranschlag damals in der Madrider U-Bahn war, welcher Zapatero ans Ruder brachte, sondern die Lügen, die José María Aznars in den zwei folgenden Tagen abspulte, auch die vier Jahre Präsidentschaft Zapateros musste mit dem deutlichen Hinweis leben, dass es ohne das Attentat vielleicht anders gekommen wäre. - Nun muss man abwarten, vielleicht besser fühlen, wie denn die Reaktionen der Wähler auf das jetzige Attentat sind und wem es eventuell sogar nutzen könnte, so pietätlos wie das auch klingen mag. - Ob man in Spanien bereits derart aufgeklärt demokratisch denkt, dass der Mord an einem Ex-Politiker zu genau diesem Zeitpunkt keinen Einfluss nehmen kann, das darf man zumindest bezweifeln. - Der ETA-Terror hat in Spanien derart tiefe Furchen hinterlassen, dass man solche feigen Schüsse in den Rücken wehrloser und schuldloser Menschen nicht mehr ohne heftigste Wut hinnehmen will. - Man trauert gar nicht mehr so sehr, sondern ist wütend, vielleicht sogar blindwütig und da liegt die Gefahr und auch das Kalkül solcher Attentate. - Man schätzt durchaus die Möglichkeit, dieses Attentat könnte dem Herausforderer Mariano Rajoy helfen, da der ja immer wieder die angeblich laxe Haltung der Regierung Zapateros mit der ETA kritisiert hat und eben auch das Verhandlungsangebot an die Terroristen, nachdem diese von sich aus einen kompletten Waffenstillstand verkündet haben. - Wir werden es aber nie herausbekommen, wie denn Spanien regiert würde ohne den dunklen Mantel des Terrors und das alleine macht schon zornig. - Dabei wäre genau jetzt eigentlich die Stunde der Milde und des Mitgefühls für die Familie des getöteten Isaías Carrasco, aber der Terror, aus welcher Ecke auch immer, scheint stärker zu sein als menschliche Gefühle das steuern können. - Aber genau darin steckt ja auch die einzige Logik jeglichen Terrors und wohl auch seine einzige Bedeutung. - Unsere Gedanken sind bei der Familie von Isaías und wir schämen uns, dass wir dabei immer noch wütend sind.



Freitag 07.03.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 16 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 69 % Luftdruck 1016 hPa

Bloß nicht La Palma

Nach dem lecker süßen Ausflug in die önologische Wunderwelt der Malvasía Weine und dem Prestige welches dieses Produkt La Palma bereitet, kümmern wir uns heute um eine handfeste Ohrfeige gegen diese Insel. - Alljährlich organisiert die Provinzregierung die kanarischen Kunsthandwerksmesse, auf welcher sich Produzenten des Sektors zeigen und auch das eine oder andere Stück an den geneigten Besucher verkaufen können. - Nun will man in diesem Jahr diese Messe seitens des Veranstalters, eben der Provinzregierung, auf La Palma abhalten und die Kunsthandwerker laufen Sturm gegen diese Entscheidung, denn La Palma sei eine Insel mit zu wenig Einwohnern, damit zu wenig Käuferpotential und auch gebe es dort keine Touristen, welchen man seine handwerkliche Kunst verkaufen könnte. - Es sei eine krasse Fehlentscheidung und man sollte solche Messen nur auf Gran Canaria oder Tenerife abhalten, denn auch das Kunsthandwerk lebt vom Verkauf seiner Produkte und auf La Palma sei ein befriedigender Verkauf nicht zu erwarten.

Da haben die Damen und Herren des Kunsthandwerks sicher recht, auf La Palma lässt sich nicht so viel verkaufen wie auf den großen Inseln, das wissen sogar wir. - Aber vielleicht ging es ja der Provinzregierung mal darum, auch die kleinen Inseln nicht permanent zu benachteiligen und hat deshalb diese Messe nach La Palma verlegt, um auch hier mal eine Aktion von provinziellem Charakter zu organisieren und nicht ausschließlich immer auf den großen Inseln. - Man darf dabei nicht vergessen, es handelt sich um eine Messe, organisiert und bezahlt von unseren Steuergeldern, die einzig und allein dazu dient, dem Sektor Kunsthandwerk eine öffentliche Plattform zu verleihen und deren Verkaufserfolg anzukurbeln. Und wenn wir von der kanarischen Kunsthandwerksmesse reden, dann gehören die kleinen Inseln genau so dazu wie die beiden Dickschiffe des Archipels und wer immer nur nach seinem blanken Vorteil schielt und den Verkaufserfolg auf einer kanarischen Messe ausschließlich auf den großen Inseln sucht, der soll doch sein Geschäft alleine organisieren und nicht darauf pochen, dass die öffentliche Hand schon dafür sorgen wird. - Allemal verständlich der Wunsch der verkaufenden Kunsthandwerker, aber so einfach kann man sich das Leben auch nicht machen und die kleinen Inseln, einfach nur weil man dort nicht so viel verkaufen kann, beiseite schieben. - Die Provinzregierung hat sich zur Stützung des Kunsthandwerks auf den Kanaren verpflichtet und zu den Kanaren gehören mehr als nur zwei umsatzstarke Inseln. - Mal sehen, ob die Entscheidung die Messe nach La Palma zu verlegen Stand hält gegen den Protest der Vereinigung der beruflichen Kunsthandwerker (Asociación de Artesanos Profesionales de Canarias), oder ob man sich davon beeindrucken lässt, dass La Palma für ganz viele Sektoren wohl nicht profitabel genug erscheint.



Donnerstag 06.03.08 - 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 27 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 37 % Luftdruck 1014 hPa
Höchsttemperatur heute 27,8 Grad - niedrigste Temperatur 19,3 Grad
Puntallana in 250 m Höhe: Höchste 23,1 Grad, niedrigste 15,9 Grad, Feuchte 77 % Regen 0 mm

Süßer Wein und Goldmedaillen

Malvasía Dulce, das ist ein hingehauchtes Versprechen mit Befriedigungsgarantie. - Gut, man muss schwere Süßweine mögen, oder eben mal zum richtigen Anlass kennen lernen, denn auf keinen Fall sollte man so einen süßes Dessertwein als sommerliche Beigabe zum leichten mittäglichen Fischgericht reichen. - Oder man muss diese Köstlichkeiten nur mal richtig serviert bekommen, eben nicht als gefälligen Begleitwein, sondern als kulinarischen Mittelpunkt zu dem man gerade mal ein Stück Käse, eine unaufdringliche Süßigkeit oder ein Stück Gebäck nascht. - Selbst ich als nicht Weintrinker sage zu einem Digestif, bestehend aus einem Gläschen Malvasia Dulce aus La Palma nicht nein, es reicht aber wirklich auch ein kleines Glas. - Dass der Malvasía aus La Palma wirklich ein Dessertwein der absoluten Spitzenklasse ist, das haben wir nun gerade wieder aus erlauchter Hand, oder vielleicht in dem Falle Gaumen erfahren, auf dem Weinwettbewerb "Vinalies Internationales" in Paris gab es für 2 Malvasías Dulces aus La Palma je eine Gold- und eine Silbermedaille.

Malvasía aus La Palma hat zwischen 14 und 16 Grad Alkohol und kann auch bis zu 100 Gramm Zucker pro Liter enthalten, also auf jeden Fall ein heftiger Wein in jeglicher Hinsicht. Damit ist er aber auch äußerst haltbar und ältere Jahrgänge, welchen dem frühen Tod des schnellen Trinkens von der Lippe gesprungen sind, erzielen bei Liebhabern absolute Phantasiepreise. - Aber selbst beim "normalen" Angebot legt man für einen Malvasía Dulce schon locker 40,- bis 100,- Euro auf den Tisch und so ergibt sich das spärliche Trinkverhalten nicht nur aus dem enormen Volumen des Weines, sondern auch aus dem kecken Preis. - Geschichtlich hat der Malvasía auf La Palma auch noch interessantes herzugeben, angeblich ist er der einzig wirkliche Nachfolger der ursprünglichen Malvasía-Traube welche aus Kreta oder der Peloponnes stammen soll. - Dort aber wütete, wie in ganz Europa im 19. Jahrhundert die Reblaus und vernichtete die alten Rebsorten und nur auf La Palma und Lanzarote sollen die "echten" Malvasía-Reben überlebt haben. - So zumindest wird es berichtet, aber auch noch, dass letztendlich die auf Lanzarote als Malvasía angebaute Rebe eine Weiterzüchtung sei, so dass eben nur noch auf La Palma das "Original" gezogen wird. - Starker Tobak und ziemliche Herausforderung für alle anderen Weine welche auf dieser Welt auch unter der Sortenbezeichnung "Malvasía" angebaut werden, aber unser angeborenes Selbstbewusstsein lässt keinen Zweifel an dieser Historie aufkommen. - Mögen Andere etwas anderes behaupten, nur wir wissen wie es war, damals als die Reblaus kam… Ganz ohne Nostalgiepunkte, der Teneguía Malvasía Dulce Reserva aus dem Jahr 2000 hat die Goldmedaille in Paris gewonnen und von derselben Kelterei, nämlich Llanovid in Fuencaliente der "einfache" Teneguía Malvasía Dulce aus dem Jahr 2006 die Silbermedaille. - Ist doch mal wieder ´ne schöne Nachricht nach der vielen Meckerei in dieser Kolumne und ich bin mir gar nicht sicher, ob ich mir jetzt noch ein drittes Glas Malvasía gönnen soll…


Ein kleines Schätzchen, 94er Malvasía Dulce von Teneguía



Donnerstag 06.03.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 26 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 43 % Luftdruck 1013 hPa

Der Hafen von Santa Cruz de La Palma wird europäischer Grenzhafen

Da fragt sich nun mancher, aber das war er doch immer schon. Stimmt halt so einfach nicht, bislang konnte diese Insel von außerhalb der Europäischen Union nur über den Flughafen betreten, der Hafen selbst hatte keine Berechtigung Menschen aus Drittländern den Zugang zum "Schengen-Gebiet" zu ermöglichen. - Die Folge davon war, dass alle Schiffe, und hier hat man es besonders die Kreuzfahrtschiffe im Auge, einen anderen europäischen Hafen anlaufen mussten welcher die Zulassung als "Schengen-Hafen" hat, bevor man auf unserer Insel anlegen konnte. - Das wird nun anders, aus Madrid kam nun, nach vielen Jahren der Forderungen seitens unserer lokalen Politiker und Geschäftsleute das OK und sobald der Text im offiziellen Bulletin veröffentlicht ist, kann die wilde internationale Sause im Hafen von Santa Cruz de La Palma beginnen. - Ob es wirklich eine schnelle Sause geben wird, das darf man ruhig bezweifeln, denn die Fahrpläne der Kreuzfahrtschiffe für diese Saison sind ja schon geschrieben und werden wohl deshalb nicht extra neu formuliert werden. - Zunächst hat man provisorische Abfertigungsgebäude im Hafen aufgestellt und muss sich nun noch darum kümmern, dass auch genügend Personal vorhanden ist, um wirklich dann auch mehrere tausend Passagiere kontrollieren zu können, wenn dann der erste schwimmende Luxusreisetempel bei uns anlegt, der zuvor noch nicht in einem anderen "Schengen-Hafen" begrüßt wurde.

Warum man denn unbedingt wollte, dass der Hafen Santa Cruz diesen internationalen Status erhält, das hat was mit dem Einkaufsverhalten der Passagiere und der Besatzungen der Kreuzfahrtschiffe zu tun. - Da auf den Kanaren viele begehrte Dinge wie Alkohol, Zigaretten und Parfums deutlich billiger sind als auf dem europäischen Festland und anderswo auf der Welt, decken sich die Reisenden von den Schiffen immer gleich im ersten kanarischen Hafen mit diesen Artikeln ein. - Entweder weil es dann weiter geht in teurere Regionen, oder weil man gerade daher kommt. - Bislang geht dieses Einkaufsgeschäft an uns vorbei, denn die Schiffe haben auf ihrer Route zu uns bereits entweder auf Madeira, oder auf einer anderen Kanareninsel angelegt und dort die Einkaufswünsche der Passagiere, aber eben auch der Besatzung bereits abgegriffen. - Nun hofft man, La Palma könnte so das Ziel der ersten Anlandung auf den Kanaren oder Madeira sein, denn nun ist man ja nicht mehr gezwungen zuerst in einem anderen Hafen die Einreiseformalitäten zu bewerkstelligen. -Ob die Rechnung aufgeht und welche Schiffe ihre Reiseroute dann auch tatsächlich ändern und bei uns ihren ersten kanarischen Landfall machen, das muss man aber noch abwarten. - Zugegeben, ein bisschen Prestigedenken hängt wohl auch daran, ein internationaler Hafen zu sein, aber prinzipiell geht es ums Geschäft und weil das dazu notwendige Polizeipersonal ja aus staatlich finanzierten Kreisen kommen muss, (Guardia Civil und Policía Nacional), kostet dieses mögliche zusätzliche Geschäft die Insel selbst auch kein Geld. - Kein Wunder, dass man die Nachricht über das Erwachsenwerden unseres Hafens als stolze Nachricht verkauft und sogar noch mit in den Wahlkampf als Triumph von gleich mehreren Seiten anpreisen will.


Hafen von Santa Cruz de La Palma



Mittwoch 05.03.08 - 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 26 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 41 % Luftdruck 1011 hPa
Höchsttemperatur heute 27,4 Grad - niedrigste Temperatur 17,8 Grad
Puntallana in 250 m Höhe: Höchste 23,6 Grad, niedrigste 15,5 Grad, Feuchte 68 % Regen 0 mm

Tierheim Ja, aber nur wenn Andere…

Letztendlich geht es auch bei diesem Thema nur ums Geld. - Dass La Palma ein Tierheim nötig hat, das wird niemand wirklich abstreiten, auch die Politik erkennt das an, hat sich aber leidlich um diese Geschichte herumgedrückt und versuchte das jahrelang auf private und freiwillige Helfer abzuwälzen. - Man könnte theoretisch darüber diskutieren, ob man nicht die einzelnen Gemeinden damit belegen sollte, aber das erscheint eigentlich keine gute Idee, wir brauchen keine 14 kleine Auffanganstalten mit kaum vorhandenen Ressourcen, sondern ein inselweites Tierheim welches nicht die Abfolge Aufnahme, zur Schau stellen und bei Nichtvermittlung die Tötung hat, sondern ein richtiges Refugium für die ungewollten oder weggeworfenen Ex-Spielzeuge unserer semiaufgeklärten Gesellschaft. - Man muss dabei die Inselregierung in die Pflicht nehmen und nach einer Unterschriftenaktion, welche schnell von knapp 11.000 Personen unterschrieben wurde, erklärt José Luis Perestelo, unser Inselpräsident sich auch bereit zu helfen, er möchte das aber im Konsens machen mit den privaten Organisationen und den Gemeinden. - Grundsätzlich verständlich, dennoch bleibt in dieser Suche nach Konsens immer der Verdacht stecken, man wolle die Kosten dafür mindestens zum Teil auf die privaten Hilfsorganisationen abwälzen. - Das kann man locker verstehen, ist aber keine wirklich gute Lösung, denn das hat man mehrmals versucht und immer sind diese Aktionen gescheitert.

Wir werden nicht umhin können, ein wirkliches, von privater Hilfe unabhängiges Tierheim zu schaffen, anders bleibt das immer ein Spiel welches auf die Interessenlage Einzelner angewiesen ist und auch wenn freiwillige Hilfe ein wunderbare Geschichte ist, hundertprozentig darf man sich nicht darauf verlassen, man lenkt damit auch nur von der eigenen Verantwortung ab und die steht nun mal bei der obersten Inselorganisation. - Es geht also nur ums Geld, denn man müsste dann professionelle Pfleger einstellen, das Futter bezahlen und auch den Tierarzt, der sich um die aufgenommenen Tiere kümmert. Es gäbe genügend Gemeinden, die ausreichend Gelände haben welches sie zur Verfügung stellen würden und auch weitab genug von Siedlungen liegen, denn auch liebende Hundehalter werden immer nur vom Gebell des eigenen Hundes nicht gestört. - So ist das nun mal und man müsste dann auch die vielen kleinen und wirklich gut arbeitenden Privatpersonen, die sich um Hund und Katz auf dieser Insel bitten, mit dem inseleigenen Tierheim kooperieren, um keine Konkurrenzsituation aufkommen zu lassen in der Vermittlung der verlassenen Tiere. - Dazu muss aber die Inselregierung den ersten Schritt machen und die Kosten übernehmen, danach kann man wunderbar mehr daraus machen. - Wir dürfen aber bei dem sicher wunderbaren Ziel, Hunden und Katzen ein würdiges Leben zu verschaffen nie vergessen, dass man alleine damit noch kein Tierschützer ist, sondern ein Hunde- und Katzenschützer, denn diese beiden dem Menschen so verbundenen Tierarten, stellen nur einen minimalen Anteil an der Fauna dieser Welt. - Nein, es verlangt niemand von Ihnen, dass Sie nun auch die letzten noch vorhandenen Tausendfüßer beherbergen, wir sollten die Dinge vielleicht einfach nur so nennen wie sie sind.



Mittwoch 05.03.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 18 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 45 % Luftdruck 1012 hPa

Autobahn Nein, Golf Ja

Der neue Flächennutzungsplan für Los Llanos ist gestern in erster Lesung vom Gemeindeplenum abgesegnet worden. - Dabei stimmten die Räte der regierenden Coalición Canaria und Partido Popular, sowie die der CCN für das Papier, die Sozialisten und der Rat der INPA enthielten sich der Stimme. - Hauptstreitpunkt zwischen Sozialisten und der bequem regierenden Coalición Canaria ist der immer wieder polemisch besprochene Golfplatz in der Zone San Nicolas-Tamanca, welcher zum Teil auf Naturschutzgebiet geplant ist. - Das lehnt die Chefin der Sozialisten in Los Llanos, Rita Gomez, komplett ab, wenn man schon einen Golfplatz plane, dann solle man das doch dort machen, wo kein Naturschutzgebiet ist. - Da aber eine launische Enthaltung und noch dazu von einer kleinen Oppositionsgruppe, mehr haben die Sozialisten in Los Llanos leider nicht geschafft, kein wirkliches Hindernis für einen solchen Plan darstellt, werden sich nun andere Instanzen mit dem absurden Plan, einen Golfplatz zum Teil in ein Naturschutzgebiet zu stellen, befassen müssen. - Der Bürgermeister von Los Llanos warf dann der Oppositionsführerin auch vor, sie wolle mit der Ablehnung des Golfplatzes in Los Llanos lediglich ihrem Parteikollegen in Breña Alta helfen, damit dort der Golfplatz "La Pavona" gebaut werden kann. - Und überhaupt, das Projekt Aridane-Golf ist bereits seit etwa 30 Jahren in den Köpfen einiger wenig Not leidenden Bürger gewachsen und damals war da noch kein Naturschutzgebiet.

Lediglich als Begleitnotiz, weniger als echter Streitpunkt, ließ Ignacio Gonzales, bekannter Rechtsanwalt und Sprecher der neu gegründeten CCN in Los Llanos die Frage nach der Autobahntrasse los. - Es wird keine Autobahn geben, zumindest nicht in Los Llanos, so die Antwort des Bürgermeisters, und im lokalen Flächennutzungsplan der Stadt sei deshalb auch keine Landreserve für eine mögliche neue Trasse vorgesehen. - Man studiere seitens der zuständigen Provinzregierung bereits eine Alternative zur Autobahn - damit meint der die Umgehungsstraße von El Paso - und somit müsse man in Los Llanos nicht damit planen. - Das ist insofern interessant, weil der oberste Planer für Infrastruktur im Provinzparlament und damit zuständiger für den eventuellen Bau einer Autobahn durchs Weltbiosphärenreservat der Ex-Bürgermeister von Los Llanos ist und bester Vertrauter der jetzigen Rathausbesatzung. Wenn also jemand qualitativ gute Information über den Planungsstand betreffend der Autobahn haben sollte, dann darf man diese im erweiterten Dunstkreis dieses erlauchten Zirkels vermuten. - Definitiv ist damit die Autobahn dennoch nicht vom Tisch, man darf immer noch vermuten, dass man lediglich um Ärger mit den Bürgern zu vermeiden die mögliche Autobahntrasse nicht eingezeichnet hat. - Da die Entscheidungsbefugnis für solche Projekte eh bei der Provinzregierung liegt und nicht bei der Gemeinde, sollte man das lediglich als weiteres Indiz betrachten, nicht aber bereits als komplette Entwarnung. - Dennoch wiederholt der Bürgermeister von Los Llanos seine Ablehnung gegenüber der Autobahn und so darf man sich als positiv erhellt in dieser Angelegenheit vermuten, aber noch nicht wirklich sicher.



Dienstag 04.03.08 - 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 23 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 35 % Luftdruck 1014 hPa
Höchsttemperatur heute 26,2 Grad - niedrigste Temperatur 16,7 Grad
Puntallana in 250 m Höhe: Höchste 21,1 Grad, niedrigste 15,3 Grad, Feuchte 69 % Regen 0 mm

Bürgerbeteiligung

Umfassend und groß sind die Mitbestimmungsrechte nach der lokalen Agenda 21, welche den Bürgern die Möglichkeit geben, an politischen Entscheidungen mitzuwirken. - Dazu ist allerdings eines besonders wichtig, die Bürgerbeteiligung nicht nur als Angebot seitens der Gemeinden, sondern dass sich auch tatsächlich die Bürger beteiligen. - Das geschieht meist nur in konkreten Einzelfällen, wenn etwas Bestimmtes anliegt oder ein Problem auftaucht, dann wendet sich der Bürger direkt an seine Gemeinde und erhält dort eine befriedigende Antwort, oder auch nicht. - Wünschenswert wäre allerdings die Beteiligung der Bürger bereits im Entstehungsprozess des möglichen Ärgernis oder Problems und dazu wird auf jeden Fall die Gründung von Nachbarschaftsvereinigungen angeraten, welche dann als legales Kollektiv nicht nur die Möglichkeit, sondern auch das Recht haben in administrative Vorgänge Einsicht zu erlangen und konstruktiv an der Planung neuer Projekte mitwirken können. - Dazu ist es aber notwendig sich an die öffentlichen Institutionen zu wenden und diese Einsicht und Mitarbeit zu verlangen. Gemeinden und Inselregierung werden nicht von sich aus auf die Bürgervereinigungen zukommen und sagen: Nun lasst uns mal eure Meinung dazu wissen. - Es ist ja auch ein schwieriger Prozess, auch die Gemeinden mussten sich erst in die komplexen Abschnitte und Weisungen der Agenda 21 einarbeiten und ich darf einfach mal bezweifeln, dass das überall auf der Insel bereits geschehen ist.

In El Paso geht man nun den progressiven Weg, kommt der Bürger nicht zur Politik, dann geht die Politik eben zum Bürger. - Man veranstaltet nun Informationsabende in den einzelnen Stadtteilen, um neben lokaler Einzelheiten und Fragen der Regionen auch besonders auf die Notwendigkeit der Schaffung von Bürger- und Nachbarschaftsvereinigungen hinzuweisen und will auch erklären, wie das denn überhaupt funktioniert. Denn um rechtlich einwandfrei solch eine Korporation zu gründen, bedarf es einiger Vorraussetzungen, die unbedingt eingehalten werden müssen. - Als Lohn dafür gibt es dann auch Subventionen zum Erhalt der Vereinigung und eben auch den rechtlichen Hintergrund um fordernd den öffentlichen Verwaltungen gegenüber auftreten zu können. - Für Tacande, La Rosa un Tenerra haben diese Veranstaltungen bereits stattgefunden, leider nur in spanischer Sprache und Presse wurde darauf hingewiesen, hier nun die weiteren Termine. - Man kann sich aber auch jederzeit ans Rathaus wenden und Informationen einholen. - Alle folgenden Informationsabende finden um 20:00 Uhr statt.

Paso de Abajo, im Colegio "Cajita del Agua" am 11.3.

Tajuya, Local Social (unter dem Kirchplatz) am 12.3.

Fátima, Colegio de Tacande am 13.3.

Tendiña/Dos Pinos, Colegio Arco Iris am 18:3.

Las Manchas, Local Social am 25.3.

Los Barros/Pedregales, Restaurant Balcón Taburiente am 26.3.

Urbanización Fátima, im Lokal des Nachbarschaftsvereins am 1.4.

Urbanización EL Pino, im Lokal des Nachbarschaftsvereins am 2.4.



Dienstag 04.03.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 56 % Luftdruck 1013 hPa

Das internationale Jahr der Kartoffel

Frauen scheinen nicht so wichtig zu sein, die bekommen immer nur einen Tag im Jahr, der Kartoffel widmet man gleich 366 Tage am Stück, wenn das mal nicht gleich wieder Ärger gibt. - Die UNO hat das so entschieden und will damit wohl eher die Rolle der Kartoffel als Nahrungsmittel in den ärmsten Ländern der Welt lobpreisen, da diese Pflanze fast überall wächst, leicht zu kultivieren ist und durchaus in der Lage sein kann, als hervorragendes Grundnahrungsmittel das Gros des Kalorienverbrauchs der Bevölkerung zu stellen. - Bei uns ist es ja weniger die Frage nach der Notwendigkeit Kartoffeln essen zu müssen, wir können uns den Luxus erlauben nach Geschmack und Abwechselung zu fragen und auch da bietet die Kartoffel viel mehr als der normale Pommes Frites Esser glaubt. - Allerdings hat die berühmte Knolle ein Imageproblem, nur selten kommt sie in unseren wohlgenährten Breiten über den Status der Sättigungsbeilage heraus. - Wo wir schon bei wohlgenährt sind, auch sagt man ja dem Tuberkel nach, dick zu machen, wobei das aber auch an der Mayonnaise oder dem Frittierfett liegen kann, welches oft zusammen mit dem gesunden Stärkespeicher auftritt.

Auch auf La Palma wartet die Kartoffel noch auf ihre Persönlichkeitsfindung, selten gelangt sie über den unwürdigen Status der Begleiterscheinung hinaus, kein Wunder, denn die Kartoffel ist und bleibt auch hier Grundnahrungsmittel. - Früher wurden einem die Menschenrechte entzogen wenn man Zuhause kein Kartoffelbeet hatte und La Palma exportierte große Mengen auf die anderen Inseln und bis aufs Festland, wo man die runden Dinger aus La Palma sehr schätzte. - Leider setzte man zu sehr auf Quantität und zog bald nur noch Sorten, welche allesamt aus der Gruppe um die "King Edward" stammten, welche als billige Saatkartoffeln aus Irland zu uns gebracht wurde. - Dabei entstand auch eine schrullige Geschichte aus dem Reich der bilateralen Missverständnisse. - Da auch irische Händler nicht immer tugendhaft arbeiten, versandt man auch Kartoffeln hier her, welche dort eigentlich schon nicht mehr zum Verzehr geeignet waren und deshalb die Säcke die Aufschrift "Out of date" trugen. - Unsere pfiffigen, aber nicht besonders sprachgewandten Landwirte machten daraus die neue Sorte "autodate", welche einen skurrilen Siegeszug im palmerischen Kartoffelsektor antrat. - Heute macht sich nicht mehr jede Familie die Arbeit hinter dem Haus den Rücken krumm zu machen um Kartoffeln zu setzen und darüber hinaus gibt es auch derart viele Importware, welche zu einem deutlich niedrigeren Preis angeboten werden, als unsere heimischen "papas". - Allerdings findet auch da wieder eine Pendelbewegung statt, auf den kleinen Märkten habe ich bereits wieder ein wachsendes Angebot an interessanten Sorten entdecken können, welche in der Lage dazu wären, aus der Sättigungsbeilage Kartoffel mal ein Gemüse zu machen welches Hauptgangcharakter besitzt. - So wird in der Masse wohl die Kartoffel das bleiben was sie ist, ein gesundes und billiges Grundnahrungsmittel, aber eigentlich steckt in der Knolle viel mehr, wenn man sich die Zeit nehmen würde die Sortenvielfalt wieder aufleben zu lassen und genügend Verbraucher das auch honorieren, in dem sie diese bunten Kartoffeln dann auch kaufen. - Na gut, wir sind im internationalen Jahr der Kartoffel, so hat die UNO das bestimmt, vielleicht ist das aber auch wieder nur ein Übersetzungsfehler und eigentlich meinte man das internationale Jahr der Väter oder der Päpste, also der "papas" und irgendein Hirngibel an Übersetzer hat das nicht richtig hinbekommen.



Montag 03.03.08 - 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 19 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 71 % Luftdruck 1014 hPa
Höchsttemperatur heute 22,3 Grad - niedrigste Temperatur 15,7 Grad
Puntallana in 250 m Höhe: Höchste 22,1 Grad, niedrigste 14,7 Grad, Feuchte 71 % Regen 0 mm

Grenzdebile Fernsehflucht

Es gibt schwere Tage, oder besser Abende für mich. - Das kann sein der Samstag an dem es Wetten Dass gibt, oder als meine Kinder noch diese Casting-Shows sehen mussten, in denen man vom Hauptschulabbrecher direkt ins glitzernde Leben eines F-Promis stürmen konnte und einfach sein Taschengeld für ein paar Wochen von RTL bekam und nicht mehr vom klebrigen Herrn Hartz. - Zu diesen Shows habe ich meine Kinder verpflichtet, ich habe die ans Bett gefesselt, Ohrhörer mit Klebeband in den Lauschern befestigt und sie erst wieder abgeholt, nachdem sie mir versprochen hatten, nie so werden zu wollen und die Schule doch fertig zu besuchen. - Ich selber konnte mir so etwas aber nie ansehen und muss dann immer aus dem Haus. - Ähnlich schlimm ist es bei Fußballübertragungen, wenn Real spielt oder irgendein anderes Team welches am Tag mehr Geld ausgibt als der Inselhaushalt La Palmas hergibt, dann immer bekomme ich diese grenzdebile Fernsehflucht und muss in eine der wenigen Kneipen die es auf La Palma gibt, die noch keinen Fernseher haben. - Oder den bereits wieder entfernt, denn das Publikum, welches visuelle und akustische Umweltverschmutzung durch Dummschwätzer und Botox-verzerrte Grinsvisagen nicht mehr erträgt, wird täglich größer. - Ich könnte mir das schon sogar als Geschäftsmodell vorstellen, eine Kneipe ohne Fernseher, ohne Radioempfang und auch mit Störsender welcher den Handyempfang unmöglich macht. - Dann noch kurze Gesichtskontrolle am Eingangsbereich, Hamburgerverbot und jeder der vorher bereits in die Kneipe gegangen ist, der hinterlässt auf einer Tafel handschriftlich die Themen, auf die er heute keineswegs angesprochen werden will.

Heute ist kein Fußball, keine Knallchargen versuchen 158 vietnamesische Zwillinge (nicht siamesische, das wäre dann doch zu viele) in einen VW-Käfer zu pressen und niemand will uns durch seine Sangesunkünste davon überzeugen, dass Tinnitus zumindest stundenweise eine Wohltat sein kann. - Dennoch überkommt mich schon wieder der Fluchtgedanke, denn heute Abend findet die zweite Streitdiskussion der beiden Präsidentschaftskandidaten für das zweithöchste Amt Spaniens statt. - Das ist hier ein absoluter Straßenfeger, schließlich ist am Sonntag Wahl und unser Herr Zapatero tut es sich tatsächlich an, mit seinem Herausforderer Mariano Rajoy an einem Tisch zu sitzen und sogar noch friedlich und geduldig seinen Fragen zu lauschen. - Man sollte eigentlich meinen, ein halbwegs politisch interessierter Mensch wie ich müsste so etwas doch unbedingt sehen. - Ich interessiere mich ja auch für Politik, aber mir bringt dann eine solche Diskussion nur etwas, wenn beide Gesprächpartner etwa auf gleichem Niveau stehen oder sitzen und beide auch Ahnung von Politik haben. - Das ist leider in diesem Fall nicht so, Mariano Rajoy ist Zapatero in keiner Hinsicht gewachsen und zeigt auch so wenig Sinn und Erfahrung für Politik die über rechtes Bolzplatzdenken hinaus reicht, dass man unwillkürlich die Flucht ergreifen muss. - Gut, andere, stärkere Charaktere als ich, die stehen das durch, denn schließlich muss da der gute Zapatero auch durch, aber trotz aller Loyalität, mir tut Dummheit dermaßen weh, dass alleine schon die Genfer Konvention meine Fernsehflucht heute Abend stützt. - Außerdem liest man ja morgen in der Früh sowieso, wer nun wie, was und wo gesagt hat und wer sich vielleicht danebenbenommen hat und sollte man einen Sieger ausmachen, dann werde ich das auch morgen schon erfahren. - Jetzt habe ich nur noch das Problem, wo ich heute Abend mein Verweigerungsbier trinke.



Montag 03.03.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 16 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 66 % Luftdruck 1014 hPa

Kampagne gegen "Fremdtrinken"

Warum aus der Ferne trinken, wenn der Gute liegt so nah. - Man möchte uns eine Unart abgewöhnen, welche zwar nicht nur zu Zeiten der besonders heftigen Demokratisierung begangenen wird, nämlich im Wahlkampf, sondern auch in ruhigeren und vernünftigeren Zeiten oft vorkommt. - Wir trinken immer noch zu viel Festlandswein und dann tut es besonders weh, wenn man gerade auf öffentlichen Wahlveranstaltungen mitbekommt, dass man zwar derb und heftig auf lokale Lösungen beharrt, dazu aber als kongenialen Indoktrinierungsbeschleuniger Wein vom Festland ausschenkt. - Mal weil er einfach billiger ist in der unteren Schiene oder mal, weil man sich für etwas Besseres hält und an den "Kopftischen" plötzlich Reservas aus Rioja auftauchen. - Oft genug gesehen und besonders wenn man mit Plakaten und Aussprüchen wirbt wie die Coalición Canaria, welche immer auf den kurzen Verstand setzt und: "Habla Canario" (Sprich Kanarisch) als endgültige Botschaft betrachtet, dann möchte man doch als Selbstverständlichkeit hinzufügen: "Dann trink´ aber auch kanarisch."

Immer wenn Vorbildfunktionen gefragt sind, dann schielt man ja auch auf die politische Klasse, obwohl es oftmals schwer fällt, gerade dort Vorbilder zu finden. - Aber wir kennen das ja aus der Werbung, es ist nicht das Gleiche wenn ein unbekannter Tropf seinen "Roten" mümmelt und den gut findet, als wenn ein Prominenter einen erlesenen Rebensaft zelebriert. - Da kann ein völlig Unbekannter, also auch ein "Promi" aus dem Privatfernsehen einen Gran Cru Classé vorstellen und niemand nimmt Notiz davon, trinkt aber ein wirklich prominenter Mensch ein bestimmtes Mineralwasser, dann ordern am nächsten Tag die Massen gleich jene Marke. - Das ist halt das Los der "Promis", die müssen schon Würmer und Krötenschleim fressen, dass denen überhaupt noch jemand zusieht. - Wie ich jetzt von Würmern, "Promis" und Krötenschleim wieder auf die Politik komme, das erstaunt mich dann doch. - Also, unsere lokalen Politiker werden nun vom Rat für den DO-Wein La Palmas aufgefordert, auf allen öffentlichen Veranstaltungen und auch abends im Restaurant immer Qualitätswein aus La Palma zu trinken, man habe doch Vorbildfunktion. - Verständlicher Wunsch und Vorschlag, schon bei uns im Bayrischen Wald wurde damals, im letzten Jahrtausend noch so geworben: Bleibe deiner Heimat treu, trinke Falter Bürgerbräu. - Schade, dass es keinen Brauerei auf La Palma gibt, dann könnte ich beim Vorbildtrinken mitmachen…



Sonntag 02.03.08 - 20:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 18 Grad, Niederschlag 2 mm Luftfeuchte 60 % Luftdruck 1016 hPa
Höchsttemperatur heute 20,6 Grad - niedrigste Temperatur 17,4 Grad
Puntallana in 250 m Höhe: Höchste 19,0 Grad, niedrigste 15,3 Grad, Feuchte 85 % Regen 1 mm

Sozialistische Sternfahrt in den Regen

Nächsten Sonntag sind in Spanien Wahlen, es geht darum, ob José Luis Zapatero weitere vier Jahre aus Madrid das Land regieren kann, oder ob der Gegenkandidat der Partido Popular, Mariano Rajoy ans Ruder kommt. - Die Stimmung bei den Sozialisten der PSOE ist gut, die Umfragen sagen zwischen drei und fünf Prozent Vorsprung für die Truppe Zapateros voraus. - Allerdings sind Umfragen ja keine Wahlen und so unternimmt man noch einiges, um die Bürger zur Wahl zu animieren. - Neben der Plakatkleberei, den vielen Pressemeetings finden hier auch immer vor den Wahlen Sternfahrten über die Insel statt. - Dieses Jahr hat man sich den Grillplatz "El Fayal" als Ziel ausgesucht und wir aus El Paso sollten auf die Karawane warten, welche die Ostseite langgekrochen kam und die Mitfahrer aus Santa Cruz, den Breñas, Mazo und Fuencaliente mitnahm. - Um 12 Uhr wollten wir uns treffen, um kurz vor zwei ging es dann los, also kaum verspätet und endlich los in Richtung Nordwesten. - An die zweihundert Fahrzeuge waren das und bis wir uns da einreihen konnten, verging noch mal eine viertel Stunde. - Die ersten Fahrzeuge waren schon durch Los Llanos hindurch als die letzten aus El Paso los fuhren und wer unvorsichtigerweise zur gleichen Zeit wie wir diesen Weg nahm, der freute sich wohl weniger über unser minimales Kolonnentempo.

Aber was tut man nicht alles für die liebe Politik und wild hupend durch die Orte zu stottern, das bekommt man sonst auch nicht jeden Tag. - Mal ganz ehrlich, ich wüsste nicht ob ich eine Partei wählen würde, welche am Sonntagnachmittag 200 Autos hupend an meinem Schlafzimmer vorbeischickt, in dem ich gerade Siesta halte. - Aber das geht hier eben so und da wir ziemlich weit hinten in der Schlange fuhren konnten wir ganz gut beobachten, dass auch viele Menschen an den Fenstern standen und sogar winkten. - Meine Befürchtungen um Negativwerbung kann ich also vergessen und das ist gut so. - Von El Paso nach Puntagorda in nur zwei Stunden, das ist rekordverdächtig, wenn man das auf dem Fahrrad versucht. - Der Hunger brannte nun natürlich schon heftig und so weit hinten in dem ewig erscheinenden Lindwurm der geschmückten Autos hat man natürlich Bange, die versprochene Paella in Puntagorda könnte bereits alle sein oder mindestens schon kalt. - So viele Autos sieht der Grillplatz sonst auch nicht, aber Sozialisten sind phantasievolle Parkplatzfinder. - Gut, dass der kleine Ort im Norden rein zufälligerweise auch einen sozialistischen Bürgermeister hat und der den Stadtpolizisten gerade heute Nachmittag frei gegeben hatte. - Zufälle gibt es…

Kein Zufall war die Super-Paella im Monsterformat und der stolze Koch hatte auch noch aus roter Paprika den Schriftzug "Vota PSOE" auf den Reis gezaubert und so war ihm aller Beifall der hungrigen Schar sicher. - Die Paella war auch noch heiß und reichlich, auch die Nachzügler bekamen noch zu Essen, nur herrschte echtes Gedränge am Riesentopf, aber ich habe freche Kinder mit Drängelerfahrung, die kamen in Windeseile mit mehreren vollen Tellern wieder zurück. - Gerade noch rechtzeitig zum Beginn des Regens und so bildeten sich rasch kleine Grüppchen in den dortigen Grillhäuschen oder unter den vorsorglich mitgebrachten Regenschirmen. - Paella kann furchtbar schmecken, aber die war wirklich gut gemacht und bei dem Hunger den wir alle hatten und dem drohenden Regen der den Reis zu verwässern wollte, da stopft man das Zeug nur so in sich hinein. - Es war wirklich schade mit dem Regen, denn wenn es zu nass wird, dann wird der Boden dort am Grillplatz recht schnell zu rotbraunem Schlamm und die vielen Kinder die mit den Sozi-Eltern einen Sonntagsausflug versprochen bekommen hatten, die mussten nun zusammengedrängt mit den Eltern stehen und sich die schlauen Reden über Politik anhören. - Lustig ist so eine Meute hier allerdings immer und man sieht endlich mal die vielen PSOE Anhänger aus den anderen Gemeinden, mit denen man ja eigentlich so viel gemeinsam hat, nämlich viel Arbeit und sonst wenig zu lachen auf La Palma. - Allerdings war ich heilfroh, nicht wieder in einer langsamen Kolonne von 200 Autos nach El Paso zurückfahren zu müssen, sondern meinen stabilen Kleinwagen in seinem eigenen Tempo ins Aridanetal lenken zu dürfen. - Im Regen auf einen Grillplatz nach Puntagorda fahren - und das mir, der muss schon sehr gut sein der Zapatero… Einige Photos habe ich mitgebracht, die Sie HIER aufmachen können. - Es dürfen aber nur Sozis gucken.


Ausflug der PSOE nach Puntagorda



Sonntag 02.03.08 - 10:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 19 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 61 % Luftdruck 1017 hPa

Klotzen und nicht Kleckern

Jede Investition ist willkommen. - Wirklich jede? - Manchmal beschleicht einen auf La Palma das Gefühl, wir sollten uns ab und zu mal ducken, damit das ganze angedrohte Geld nicht tatsächlich auf diese Insel fällt. Das gilt ebenso für private Investoren wie für öffentliche Gelder, die überall außer im Gesundheitsdienst und im Schulwesen reichlich vorhanden scheinen. - Die Küstenbehörde hat nun, vielleicht auch weil wir eine Woche vor den Parlamentswahlen stehen, die Summe veröffentlicht, welche Gelder in den kommenden Jahren hier an den Küsten der Insel verbaut werden sollen. In den nächsten vier Jahren stehen 182 Millionen zum Ausgeben an für die gesamte Provinz Tenerife, und davon sollen allein 81 Millionen nach La Palma gehen. - Welche Ehre für unser unwichtiges Eiland. Ein großer Teil dieser Summe geht in die beschriebenen Küstenwanderwege auf der Westseite, zwischen Playa Nueva und Puerto de Naos, sowie eine weitere Promenade an der Südspitze, die La Zamora mit dem Leuchtturm verbinden soll. - Dazu kommen noch die Brocken des Schutzdammes in Puerto de Naos und die Umgestaltung der Küstenlinie in der Hauptstadt, für welche alleine 36 Millionen veranschlagt worden sind. Es werden noch weitere, bei den genannten Summen als eher kleine Aktionen aufgeführt, so dass man am Ende dieser vier Jahresfrist doch wirklich bei 81 Millionen Euro ankommt.

Ob das alles gut überlegt ist, so viel darf man doch zumindest fragen und wie viel davon in wirkliche Regeneration der Küstenlinie gesteckt wird, welches ja immer das Schlagwort ist und Entschuldigung, für jegliches Auftauchen der Raupenschlepper an unseren Küsten. - Das große Vorhaben in der Hauptstadt scheint dabei noch verständlich zu sein, das aufgeschüttete Geländen dient bislang ja nur als hässlicher Parkplatz und man will dort aus Sicht der Stadt nicht nur einen nutzbaren, sondern auch noch schönen Küstenstreifen schaffen mit Strand und Boulevard, welcher das Meer noch ein bisschen weiter zurückdrängt. - Ich nehme an, die Techniker und Architekten haben die Tücken des Atlantiks richtig eingeschätzt und wissen was man dort alles machen kann oder nicht. - Puerto de Naos wird einen vorgelagerten Deich erhalten, welcher den Strand vor dem hohen Wellengang schützen soll. Auch diese Aktion ist zumindest verständlich, wer den Küstenort nach dem Besuch des Hurrikans Delta mal gesehen hat, der wird sich so einen, knapp unter der Meeresoberfläche verlaufenden Schutzdamm auch wünschen. - Welche Veränderungen dieser Deich aber auf die umgebende Meeresflora und Fauna haben wird, besonders während der Bauphase, das kann wohl nicht vorhergesagt werden. - Als weitere hohe Kostenfaktoren tauchen die Küstenwanderwege auf, die nach den vorhandenen Summen welche da anstehen nichts mit einem "Wanderweg" zu tun haben können, der eben die Trittbreite zweier Wanderer berücksichtigt, sondern das müssen ausgewachsene Boulevards werden. - Nicht mal drei Kilometer sind es von Playa Nueva nach Puerto de Naos und dafür gibt man 7,5 Millionen aus. - Das reicht zwar nicht um dort eine Autobahn hinzubasteln, aber allemal um hehren Schutzgedanken und die angebliche Regeneration der Küstenlinie scharf ins Lächerliche zu ziehen. - Will man unsere Küste regenerieren, dann muss man die Menschen von der Küste weg bekommen und nicht extra noch hinführen. - Grundsätzlich ist von touristischer Sicht aus die Erschaffung dieser Küstenwanderwege eine prächtige Einrichtung und steht auch sicher auf dem Forderungskatalog weiterer privater Investoren, was das aber mit Küstenschutz zu tun haben soll, das möchte man bitte, aus Respekt vor der Intelligenz anderer Menschen, nicht mal zu erklären versuchen. - Es handelt sich ausnahmslos um Luxusprojekte welche unsere Insel attraktiver machen sollen. - Dagegen ist nicht prinzipiell wenig einzuwenden, aber man sollte wohl mal gut überlegen, wie weit diese Insel ihre "Kleider" wechseln soll um flüchtigen Moden, wie es der konventionelle Tourismus nun mal ist, jeden Meter unserer Küste anzudienen. - Und nur noch als bockigen Restkommentar: So lange Ärzte und Krankenschwestern im Gesundheitsdienst fehlen sowie Lehrer an den Schulen, weil dafür kein Geld vorhanden sei, ist die Zeit für Luxus eigentlich noch nicht gekommen


Regenerierte Küste...



Samstag 01.03.08 - 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 27 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 56 % Luftdruck 1019 hPa
Höchsttemperatur heute 28,2 Grad - niedrigste Temperatur 19,0 Grad
Puntallana in 250 m Höhe: Höchste 23,0 Grad, niedrigste 14,7 Grad, Feuchte 68 % Regen 0 mm

Menschenfischer

Eigentlich sollte ja Petrus der "Menschfischer" sein, zumindest wenn mich meine rudimentären Erinnerungen an die kindheitliche Bibellektüre nicht täuschen. - Wenn es allerdings ums Geschäft geht, dann scheint es eine neue Form des Menschenfischens zu geben, die aber nicht unbedingt etwas mit dem religiösen Hintergrund der Bibelgeschichte zu tun hat. - Dass Menschenhandel ein einträgliches Geschäft ist, das weiß ja jeder und gerade die Kanaren sind als europäisches Territorium äußerst beliebt um Bürger der westafrikanischen Staaten hier ins "gelobte Europa" zu bringen. - Der Fischfang ist wohl weniger ein Geschäft geworden, so dass die Versuchung immer größer wird, anstatt mit Netzen den Fischen nachzustehen, lieber auf menschliche Schmuggelfracht umzusatteln. - Meistens kommen die Flüchtlinge auf abenteuerlichen Langbooten welche "Cayucos" genannt werden, die eigentlich zum Fischfang vor den Küsten Mauretaniens und des Senegal benutzt werden. - Auf diesen tagelangen Fahrten mit total überladenen Booten kommt es häufig zu Todesfällen, mal geht das Wasser aus oder der Treibstoff, mal verfahren sich die Skipper beim Versuch die Sperrboote der "Frontex" zu umgehen, oder die "Fracht" sorgt selbst für das Kentern des Bootes, weil diese schmalen Boote nicht dafür ausgelegt sind, so viele Menschen an Bord zu nehmen. - Diese Boote kommen nie zurück wenn man es bis auf die Kanaren geschafft hat, allerdings überschreitet der Betrag welcher für die Überfahrt der Flüchtlinge fällig wird um ein Vielfaches den Wert des Bootes, das fordert auch niemand zurück.

Die Organisatoren dieser Fahrten sind die Großverdiener dabei, genau so wie im echten Tourismusleben, der Fischer bekommt Kleingeld für sein Boot, aber dennoch so viel, dass es sich sogar lohnen muss das spanische Gefängnis in Kauf zu nehmen, denn die Besatzung der Flüchtlingsboote, sofern man diese identifizieren kann, erhält eine Anklage wegen Menschenhandels. - Auf jeden Fall sind diese Überfahrten extrem gefährlich und es gibt auch keine verlässlichen Zahlen darüber, wie viele der Boote einfach komplett verschwinden auf dem weiten Weg aus dem Senegal zu uns. - Man kann nur die Toten zählen, von denen berichtet wird, oder die man findet, aber es gibt halt einfach keine Listen, wie viele Flüchtlinge dort in diesen Ländern auf die Boote gehen, die man mit den Zahlen abgleichen könnte, wie viele Flüchtlinge hier denn noch ankommen. - Man kann das Ganze aber auch angenehmer und sicherer haben, es existiert auch die Luxusvariante des Menschenschmuggels, auch wieder ausgeübt von berufsmüden Fischern. - Das sind dann meist europäische Boote, so richtig hochseetüchtige Kutter, die anstatt vor der afrikanischen Küste nach echten Fischen zu suchen, lieber ihre Fahrdienste in bestimmten Häfen Westafrikas anbieten. - Das kostet allerdings deutlich mehr als eine Überfahrt in den offenen schmalen Fischerbooten, bei 4.000,- Euro soll der Kurs derzeit für eine solche Überfahrt liegen. - Die Flüchtlinge werden dann entweder auf dem Boot versteckt und dann in günstigen Momenten in den kanarischen Häfen an Land geschickt, oder man fingiert Arbeitsverträge auf dem Kutter selbst und von dem Landausflug kommt dann die neue Besatzung einfach nicht zurück. - Jetzt hat man wieder mal solch eine "Luxusflucht" aufgedeckt, es war dieses Mal ein portugiesischer Skipper, welcher sicher nicht das erste Mal Flüchtlinge auf diese Art und Weise auf die Kanaren gebracht hat, denn der Kapitän war selbst im Senegal schon wegen Menschenhandels angeklagt und verurteilt. - 11 Menschen hatte er als Fracht an Bord, von denen jeder 4.000,- Euro bezahlt hat für die Überfahrt, aber die Behörden kamen dem Kapitän auf die Schliche und konnten ihn verhaften. Das aber auch nur, weil die "Besatzung" nämlich freiwillig über den gesamten Schleusungsvorgang aussagte, was aber ganz selten der Fall ist. - Der portugiesische Kapitän wollte nämlich einfach den Rachen nicht voll bekommen und behandelte seine bezahlende "Besatzung" äußerst schlecht und ließ diese auch noch während der Überfahrt arbeiten. - Man sollte halt bescheiden bleiben, auch bei so lukrativen Geschäften wie dem Menschenhandel. - Wie viele Flüchtlinge auf diese Art und Weise zu uns gelangen, das weiß man nicht, denn es gelingt einfach nicht alle Fischkutter die da in den großen Häfen Gran Canarias und Tenerifes vor Anker gehen ausreichend zu kontrollieren und zu überwachen, ob denn die "Besatzung" sich nicht plötzlich aus dem Staub macht oder nachts "blinde Passagiere", die aber dennoch bezahlt haben, von Bord gehen.



Samstag 01.03.08 - 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 19 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 30 % Luftdruck 1018 hPa

Gefangen in der Schrottfalle

Vielleicht sind es ja die fehlenden Außengrenzen nach Weißrussland die uns so zu schaffen machen, denn wir werden hier unsere alten Autos einfach nicht los. - Da La Palma noch kein "Schengenhafen" ist, kann von hier aus auch kein Schiff nach Afrika auslaufen, um denen für einen Appel und eine Windschutzscheibe die alten Schrottkisten zu verkaufen. - Allerdings ist unser Problem selbstgemacht, die jahrelange Verzögerung der Inbetriebnahme der Müllverwertungslange stellt die Entsorgung des Inselmülls vor harte Proben. - Nachdem man die Verbrennungsöfen stillgelegt hat, sind nach und nach nun auch die lokalen Müllkippen geschlossen worden und nun wird es eng, besonders für gewerbliche Abfälle und eben zum Beispiel Schrottautos. - Privatmenschen können weiterhin ihren Sperrmüll auf die Puntos Limpios bringen, die Firmen aber nicht, die müssen sich, so lautet das Gesetz, an einen "Gestor de Residuos" wenden um ihre Abfälle dann kostenpflichtig entsorgen zu lassen. - Da es diese Einrichtungen der privaten Entsorger hier auf La Palma nur in Einzelfällen gibt, stellt man so manchen Gewerbetreibenden vor reichliche Probleme.

Schrottautos wird man momentan auch nicht mehr los, der letzte Schrottplatz oben in den Bergen von Mazo ist nun auch zu und die Inselregierung kann noch keine Lagerstätte anbieten, wo man die Wagen sicher für die Umwelt entgiften kann und für den letzten Gang in die Presse aufbewahren. - Nun schiebt die Inselregierung die Verantwortung an die Gemeinden weiter, diese sollen nun geeignete Sammelstellen einrichten und die entsprechenden Fahrzeuge ihrer Bewohner dort lagern, bis man eine inselweite Lösung gefunden hat. - Dabei bezahlen die Gemeinden zum Teil erhebliche Summen an das Müllkonsortium der Inselregierung, eben genau aus dem Grund, dass man die Müllentsorgung und Verwertung dieser Insel endlich einheitlich betreibt. - Die wunderbare Idee, dass private Entsorger einen großen Teil des Müllberges eh schlucken und im Fall von Metallschrott zum Beispiel wieder in klingende Münze verwandeln, das klappt halt nicht überall. - Selbst bei den hohen Schrottpreisen scheint es sich nicht zu lohnen, die palmerischen Altautos zu sammeln und dann per Schiff zu einem solventen Schrotthändler zu schaffen, wir bleiben wohl auf unseren alten Karren sitzen. - Nun muss also jede der 14 Gemeinden dieser Insel ihren eigenen Autofriedhof betreiben, um so lange noch zu warten, bis der Müllverwertungskomplex in Mazo fertig ist. - Mein Tipp, das alte Auto weiterfahren und auf solche Hau-Ruck Aktionen warten wie sie ab und zu die Gemeinde Los Llanos veranstaltet hat, nachdem der eigene Autofriedhof so groß geworden war, dass er die Bauarbeiten am Industriegelände behindert hat. Damals hat man eine mobile Presse engagiert und alle Fahrzeuge dort in muntere kleine Häppchen verpackt und auf irgendein Schiff gepackt, welches hoffentlich die Ladung nicht unterwegs irgendwo verloren hat. - So langsam gelangen wir nun auch zu der so schwer begreifbaren Erkenntnis, dass alles was man auf diese Insel schleppt, entweder verdaut werden muss, dafür bin auch ich teilweise zuständig, unverdauliche Dinge aber, wie eben ein Autowrack, wieder runter von der Insel müssen und das kann teuer werden. - Mülltechnisch gesehen ist eine Insel eine doofe Erfindung.





Familie Ingrid & Mathias Siebold
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E-38750 El Paso
La Palma, Islas Canarias, Spanien
Tel & Fax von Deutschland: + 34 922 497216
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Kanarische Ferienhäuser auf La Palma