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Nachrichtenarchiv Juni 2011


Donnerstag 30.06.2011 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 25 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 46 % - Luftdruck 1014 hPa
Höchsttemperatur heute 25,4 Grad - niedrigste Temperatur 19,1 Grad

Jetzt sind die Ravioli dran
Alle Drachen ausgeflogen

Früh, ganz früh ging es heute zum Flughafen, meine große, oder besser gesagt meine ältere Tochter, die fliegt auf ein langes Wochenende mit einer Freundin nach Tenerífe, und damit sind nun alle "Drachen" ausgeflogen. - Bis Sonntagabend habe ich nun "sturmfreie Bude", oder wie man das nennt, heute Abend lustig, ab morgen bin ich dann schon wieder am jammern, weil das Gebäude um mich herum ohne Familie nur ein Haus ist, mit Familie aber ein Heim. - Aber sicher haben die sich das alle verdient, keine Frage, und ich könnte ja auch wegfahren, wenn ich nur wollte, aber ich will ja einfach nicht. - Aus Tenerífe gibt es nur gute Nachrichten, der besorgte Vater hat natürlich am Nachmittag gleich angerufen, ob denn alles klar gegangen ist, denn es sind der erste "Urlaub", den meine Tochter alleine im Internet ausgesucht und auch gebucht hat, und da ist man doch interessiert, ob alles geklappt hat. - Hat es, die suchten nun aber verzweifelt bereits den ersten McDonalds, das geht allen jungen Frauen so, wenn die von La Palma in die Weite Welt hinausziehen. - Gut, wir haben also die gleichen Fehler gemacht in der Erziehung wie alle anderen auch. - Aber wo soll es schon herkommen, wenn der Vater kalte Ravioli aus der Dose zu einer Tradition erklärt, da muss man sich nicht wundern. - Die kommt dann heute dran, das gute Stück, eine im Jahr, als kulinarischer Protest des Alleinseins und als kreuznostalgische Erinnerung an Jugendzeiten ohne mütterliche Bekochung. - Die anderen Drachen, die weilen heute noch in Hamburg und fahren dann morgen Richtung Skandinavien, mit dem Zug. - Schwedische Kronen habend die schon getauscht, und es ist ja für Jugendliche in Europa inzwischen auch nicht mehr gang und gäbe, dass man das mit den verschiedenen Währungen überhaupt noch kennt. - Die fahren also spannenden Zeiten entgegen, haben aber heute in Hamburg noch den ganz iberischen, oder sagen wir mal bourbonischen Moment gehabt. - Felipe und Letizia, die waren heute auf Stippvisite in Hamburg, ein fünftes "Cervantes-Institut" einweihen, also eine Art Goethe-Institut mal spanisch herum. - Das haben meine royalistisch angehauchten Damen mitbekommen, und sind da einfach mal hingegangen, um zu versuchen, einen Blick auf das spanische Kronfolgerpaar zu erhaschen. - Und wie das funktioniert hat, als Felipe und Letizia das Institut wieder verlassen haben, da hat meine kleine, also die jüngere, sich ein Herz gefasst und Felipe im Vorbeigehen angesprochen, dass man doch sehr stolz auf seine Majestät sei. - Als Dank dafür gab es wohl ein breites Lächeln, ein Händeschütteln, auch für meine Frau, und nun schweben die beiden königlich angedudelt durch das abendliche Hamburg und wollen sich die Hände nie mehr waschen. - Ich weiß nicht was es ist, meine Tochter die bekommt es hin, dass Usain Bolt ihr Autogramme gibt und die Hand schüttelt, und der zukünftige spanische König ebenso. - Gut, ich bin alles andere als ein Royalist, aber mit unserer Königsfamilie haben wir es ja, wenn man sich in Europa sonst mal umsieht, gar nicht so schlecht erwischt.

Solch aufregende Dinge habe ich natürlich nicht erlebt, sondern wieder nur Schlange stehen, um die ganzen Anmeldungen für die Schule endlich dingfest zu machen. - Die ältere Tochter geht ja nebenher auch noch in Santa Cruz in die Sprachenschule und für Anmeldungen hier, welcher Art auch immer, muss man vorher irgendwelche krumme und unverständliche Summen auf der Caja Canarias einzahlen. - In Santa Cruz war ich noch nie auf der Caja Canarias, kenne also den dortigen Ablauf noch nicht, und das wurde dann gleich zu einem peinlichen Erlebnis. - Obwohl ich bereits sehr früh dort war, war der Schalterraum bereits voll, aber keine ersichtliche Schlange zu erkennen, wo man sich den anstellen sollte. - Ich stand also erstmal dumm rum und versuchte mich zu orientieren, bis ich erkannte, dass alle anderen Wartenden eine Wartemarke in der Hand hielten. - Also sah ich mich um, wo man diese denn herbekommt, und fand dann auch einen Automaten, der aber keinen Knopf hatte oder herausragende Marken, so wie wir das im Aridanetal kennen, sondern einen Flachbildschirm. - Ich stand da also vor dem Apparat und überlegte, wie man denn diesem Kasten eine Wartemarke entlocken könnte, aber ich konnte die Schrift auf dem Bildschirm nicht lesen, weil ich die notwendige Brille für kurze Entfernungen nur im eigenen Büro nutze. - Man ist als unsicherer Kandidat natürlich immer der Blickfang für die Anderen, die Wissenden, aber ich musste diese Solonummer nicht lange erdulden, da sich eine, sicher über 80 jährige Frau von ihrem Sitz erhob, sich neben mich stellte und sagte: "Was willst du machen, junger Mann" - Geld einzahlen sagte ich, "dann musst du auf "C" drücken" sagte sie und führte meinen Finger, so wie man es mit Babys macht, auf den "Touchscreen" des Automaten, und siehe da, es kam eine Nummer heraus. - Ich bedankte mich bei der Frau, auch für das "Junger Mann" und erklärte ihr noch, dass ich aus El Paso sei, und es bei uns so etwas nicht gäbe, was bei manch anderen Anwesenden ein Lächeln hervorrief, bei wieder anderen ein zustimmendes Nicken mit diesem hauptstädtischen Augenverdrehen. - Die Situation war danach entspannt bis erträglich, ich stolzer Besitzer einer Wartemarke und durfte auch bereits 10 Minuten später am Schalter meine Unterlagen vorlegen und bezahlen. - So ist das bei uns in der Familie, meine Tochter flirtet mit Prinzen, und ich mit alten Frauen im Wartesaal.



Donnerstag 30.06.2011 06:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 19 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 52 % - Luftdruck 1014 hPa


Heute Vormittag habe ich keine Zeit. - Ich muss ganz früh zum Flughafen, und bin dann noch in Santa Cruz, Papiere regeln. - Wir sehen uns heute Abend wieder.



Mittwoch 29.06.2011 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 25 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 47 % - Luftdruck 1014 hPa
Höchsttemperatur heute 25,4 Grad - niedrigste Temperatur 19,2 Grad

Stühlerücken in der Inselregierung
Ohne absolute Mehrheit macht Demokratie keinen Spaß

Nach dem Verlust der absoluten Mehrheit der Coalición Canaria in der Inselregierung, steht man in der höchsten Inselkorporation ziemlich betreten da. - Zwar ist die Partei, angeführt von Guadalupe Taño, stärkste Kraft im Cabildo Insular, aber keine der beiden anderen in der Inselregierung vertretenen Kräfte will einen Pakt mit denen eingehen, und zwingt die Coalición Canaria so zu einer Minderheitsregierung. - Das ist aber kein einfaches Spiel, jeder Vorschlag kann von der Opposition abgelehnt werden, man wird also oft vergebliche Mühen bestreiten müssen und wenn es ganz dicke kommt, dann rührt sich überhaupt nichts. - Das ist natürlich ein Zustand, den sich keiner wünschen kann, das Cabildo Insular gelähmt, und alles andere bleibt liegen. - Bis jetzt hat man auch noch keine Posten verteilt, die einzelnen Ressorts sind noch nicht besetzt, da tut man sich gewaltig schwer. - Sicher hatte man vor den Wahlen am 22. Mai schon alles klar gehabt, aber dabei eben mit einer absoluten Mehrheit gerechnet, und nun müssen die Posten neu ausgeklüngelt werden. - Die Coalición Canaria hat aber noch zwei weitere Probleme. - In ganz vielen Gemeinden hat die rebellische Union von Partido Popular und PSOE aus verdienten Bürgermeistern der Coalición Canaria arbeitslosen politischen Sondermüll gemacht, dessen Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt äußerst schwierige sein dürfte. - Da drängen nun Parteigrößen aus einigen Gemeinden in die Inselregierung, schließlich ist man doch dicke mit dem oder mit der, und man solle mal schön gucken, dass man ein Pöstchen in der Inselregierung abbekommt. - Auf der anderen Seite ist ein Posten als Rat im Cabildo Insular ohne absolute Mehrheit ein gewagter Schleudersitz, denn wenn sich Partido Popular und PSOE einig sind, nach einer gewissen Wartezeit, dann wird es einen Misstrauensantrag geben, und die Räte der Coalición Canaria befinden sich dann in der Opposition. - Es gibt also wohl Posten zu verteilen, aber eben keine sicheren, und manch einer, der sich vorher noch bemüht hat um eine Stelle im Inselrat, der möchte das heute vielleicht gar nicht mehr, weil er damit seine weitere politische Karriere gefährdet sieht. - Man hatte wirklich nicht damit gerechnet, zukünftig in Minderheit das Cablido Insular regieren zu müssen, und aus diesem Schockzustand erholt man sich nicht wirklich rasch. - Am Freitag findet das erste ordentliche Plenum des Cabildo Insular, dann erfahren wir vielleicht mehr, über die zukünftige Zusammensetzung und die Verteilung der einzelnen Ressorts.

Allerdings fragen sich die meisten Menschen hier immer noch, warum sich die in 10 der 14 palmerischen Gemeinden gebildete Koalition aus Partido Popular und PSOE nicht auch in der Inselregierung fortgesetzt hat, ist doch die überwiegende Mehrheit der Palmeros der Meinung, das wäre das beste für die Insel. - An der Partido Popular liegt es nicht, das wissen wir ziemlich genau. - An den Sozialisten liegt es, denn die haben von der kanarenweiten Parteiführung keine Erlaubnis zu diesem Pakt erhalten. - Denn dort im Gobierno de Canarias gibt es, zum Schrecken vieler Sozialisten selbst, eine Koalition aus PSOE und Coalición Canaria. - Um diesen Bund nicht zu gefährden, denn seitens der CC hat man deutlich klar gemacht, dass man die Bastion La Palma nicht einfach aufgeben wird, sondern dass der Pakt im Gobierno de Canarias gefährdet ist wenn das Cabildo La Palma nicht in der Hand der CC bleibt, müssen die gewählten Räte der Sozialisten auf La Palma stillhalten. - Allerdings wissen wir nicht genau, wie lange die stillhalten müssen, und auch nicht, wie lange die stillhalten wollen. - Da gibt es zwei Thesen. - Zunächst sieht es danach aus, dass man die CC gewähren lässt, bis die Abstimmung in Madrid über den Haushalt durch ist. - Da nämlich brauchen die Sozialisten die beiden Stimmen der Abgeordneten der Coalición Canaria, und die bekommen die nur, wenn La Palma in der Hand der CC bleibt. - So sieht Politik aus, um den "toten Mann Zapatero" noch ein paar Monate weiter an der Macht zu halten, verkauft man La Palma an die CC. - Die zweite These sagt, man stimmt nun in den Plenen gemeinsam mit der Partido Popular gegen alles was die Coalición Canaria vorschlägt, und lähmt damit die Inselregierung komplett. - Dieses Elend guckt man sich dann ein, zwei oder drei Monate an, und bringt dann die Inselregierung der CC zu Fall, um La Palma zu "retten" und die Inselregierung wieder entscheidungsfähig zu machen. - Diese Schmurucheleien verärgern nicht nur die Bürger allgemein, sondern auch die lokale Basis der PSOE, und sollten die Parteiausschlussverfahren gegen die Räte der PSOE in Los Llanos und Santa Cruz wirklich von der Parteiführung durchgezogen werden, dann droht auch noch eine wirkliche Rebellion innerhalb der Partei. - Dann könnte es auch dazu kommen, dass sich die gewählten Räte der POSE im Cabildo Insular solidarisch mit den dann geschassten Parteigenossen zeigen, und allesamt der PSOE den Rücken kehren. - An der Basis wäre man dazu längst bereit, allerdings stehen weiter oben politische Laufbahnen auf dem Spiel, da überlegt sich jeder, ob denn ein purer Akt der Solidarität karriereförderlich ist - Trau keinem über dem Bürgermeister, je weiter man noch oben kommt in der Politik, um so glitschiger wird das alles, und Fischers Fritz hat wieder mal Recht, der Fisch, der stinkt vom Kopfe her. .



Mittwoch 29.06.2011 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 19 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 69 % - Luftdruck 1016 hPa

Erste Abnutzungserscheinungen
Speck und Klopapier sind keine selbstständig nachwachsenden Rohstoffe

Ich glaube das heißt Einkaufen. - Damit könnte man diese Mangelerscheinungen wohl beheben, aber meine große Tochter, die ist mir sehr ähnlich, allerdings nicht dem Aussehen nach, da hat Gott Gnade walten lassen, die geht genau so gerne und effektiv einkaufen wie ich. - Halt, so ganz stimmt das nicht, das ist wohl Laden- und Produktabhängig, denn geht es um Klamotten, oder solche Geschichten, da ist sie wohl in der Lage äußerst effizient und auch quantitativ passend einzukaufen. - Aber zum Glück haben wir die deutsche Sprache, dieses rasiermesserfeine Instrument, welches in der Lage ist, zwischen Einkaufen und "Shoppen" zu unterscheiden. - Dabei ist es längst kein Sakrileg mehr, Wörter aus eigentlich fremden Sprachen zu benutzen, das bereichert uns doch nur, Angst vor Überfremdung sollten eigentlich nur Fremde haben. - Birnensaft anstatt Milch in den Kaffee, das ist keine Alternative mit Fundament, also muss da Abhilfe geschaffen werden. - Klopapier kann eine Weile durch Küchenkrepp ersetzt werden, dieses unterliegt allerdings dem gleichen logistischem Dogma wie das Klopapier, wenn alle, dann nicht mehr da. - Unser Hauptproblem dabei ist aber nicht das Erkennen von Mangelsituationen, sondern das Voraussehen dieser Diaspora, also die hohe Kunst der Haushaltsplanung die da heißt, man kauft Milch und Klopapier nach, noch bevor die häuslichen Lagermengen sich gänzlich dem Ende entgegen neigen. - Sie kennen diesen Moment vielleicht, auf dem Topf, nach vorzüglicher Abscheidungstätigkeit, der Griff ins Leere, dort wo sonst die schmeichelnde Dreilagigkeit ihren endgültigen Dienst anbietet, dort ist nichts mehr als eine kleine zwecklose Rolle. Die natürlichste Reaktion, die nun kommt, ist ein verbaler Hilfeschrei, in dem man genau das ausspricht, was man gerade schon körperlich von sich gegeben hat. - Das ist wohl einer der glaubhaftesten Momente wenn man sagt, Körper und Geist werden eins. - Darauf verzichte ich in dem gekrümmten Fall allerdings gerne, und so lange noch Küchenkrepp als last exit angeboten werden kann, kommt das alles irgendwie wieder ins Lot. - Das mit dem Birnensaft im Kaffee, das ist leider nicht so lustig wie das mit dem Klopapier, es schmeckt aber genau so schei…

Es besteht also dringender Handlungsbedarf, aber wir wollen die Geschichte nicht planlos angehen und jetzt nur Milch und Klopapier kaufen, sicher gibt es da noch andere Produkte, deren Nichtvorhandensein wir später noch schmerzhaft spüren könnten. - Frauen kommen aber nicht grundsätzlich als Hausfrauen auf die Welt, und so müssen wir uns Stück für Stück den Einkaufsplan erarbeiten, gar nicht so einfach, dass man jetzt schon wissen muss, auf was wir morgen Appetit haben. - Meine Frau, die schüttelt so etwas aus dem Ärmel, die muss gar nicht hinsehen, die ahnt das baldige Fehlen von Klopapier ebenso, wie schwindende Vorräte an Zucker, Salz und Sardellepaste. - Aber meine Frau ist nicht da und wir müssen das nun meistern, also Kugelschreiber, Blatt Papier und dann nachdenken, was denn dort mal stand, in den jetzt leeren Hallen dieses großen, kalten Küchenmöbels in dem immer das Licht angeht, wenn wir die hoffnungsvolle Tür öffnen. - Da könnte Käse gelegen haben, meint meine Tochter, guter Ansatz, also Käse aufschreiben, und dort in der anderen Ecke, wo die angeschrumpelte Karotte liegt, dort glaube ich mal so etwas wie Speck gesehen zu haben. - Ecke für Ecke und Stück für Stück möbeln wir nun unser Erinnerungsvermögen auf, und in der Tat, das sieht ganz gut aus dort auf dem Zettel, bestimmt sechs oder sieben Posten haben wir bereits aufgegriffen. - Langsam kehrt nun auch der Mut zurück, Getränke sind ganz wichtig, hat uns meine Frau beim Abschied noch zugerufen, und das wollen wir jetzt auch schriftlich in unserem Konsumhandbuch festhalten. - Birnensaft brauchen wir nicht, aber Milch, Wasser und was war das noch, was ich immer abends so wunderbar gekühlt aus dem Fach hole, neben dem Gemüsefach? - Jetzt füllt sich aber der Zettel in schnellen Schritten, das sieht bereits nach Großeinkauf aus, da wäre meine Frau sicher mächtig stolz auf uns. - Jetzt muss nur noch irgendjemand los, und den ganzen Kram auch einkaufen, denn ich habe stundelang im Internet recherchiert, der San Martín hat noch keinen Bestell- und Lieferservice, wir müssen also wirklich los. - Nach El Paso sind es ja nur ein paar Meter, der Parkplatz wunderbar leer, nur eben innen, da wird gerade umgebaut, und ohne "Navi" findet man eigentlich gar nichts mehr. - Ist auch nicht so schlimm, denn keiner hat uns gesagt, dass wir den Einkaufszettel mitnehmen müssen, und wir können uns so aus dem Stehgreif nur noch an Birnensaft und Sardellenpaste erinnern. - War auch besser so, an der Kasse haben wir dann festgestellt, dass man auch Geld mitnehmen muss zum Einkaufen, so ist uns ein weiterer Lagerbestand an Birnensaft erspart geblieben, und Sardellenpaste brauche wir eigentlich auch nicht. - Heute unternehmen wir einen erneuten Versuch, ich habe mir den Einkaufszettel auf den Unterarm tätowieren lassen und Geld ins Handschuhfach gelegt, dann kann eigentlich nichts mehr passieren. - Wenn doch, dann bleibt uns immer noch die Büchse Ravioli und das Etikett der Dose, fein abgezogen und brüderlich geteilt, das muss dann nach der Verdauung das Küchenkrepp ersetzen. - Wie schön, dass Sie mir noch nie alles geglaubt haben, was ich hier so schreibe…



Dienstag 28.06.2011 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 26 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 46 % - Luftdruck 1015 hPa
Höchsttemperatur heute 26,5 Grad - niedrigste Temperatur 19,1 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 37,9 - Temp. Min 19,7 - Feuchte 20 - 29 % Niederschlag 0 mm

Die klammheimliche Bescheidenheit Teil II
Santa Cruz trotzt der Krise und lässt sich die Verwaltung weiter viel kosten

Haben wir uns heue morgen mit den Gehaltsvorstellungen der Damen und Herren Politiker in Los Llanos lobend und kritisch gleichzeitig auseinandergesetzt, so tickern jetzt noch die Absprachen in unserer Hauptstadt Santa Cruz in die Presse. - Dort treffen wir auf ein bisschen anderes Phänomen, welches eine unangenehme Begleiterscheinung von Pakten mehrere Parteien sei kann. - In Santa Cruz, der zweitgrößten Stadt der Insel, gibt es auch eine Koalition von Partido Popular und den Sozialisten der PSOE, die unter großem Beifall der Bevölkerung, aber gegen den Willen der Parteispitze der PSOE geschmiedet wurde. - Den gewählten Räten der Sozialisten droht immer noch der Rausschmiss aus der Partei, es laufen Parteiausschlussverfahren, und man kann noch nicht wirklich abschätzen, wie ernst diese durchgezogen werden. - Aber die Posten sind verteilt, viele Posten, denn ein Problem bei diesen Pakten ist, jede Gruppe will möglichst viele ihrer Mitglieder in Lohn und Brot bekommen. - So wird es in Santa Cruz 11 bezahlten Stadträte und den Bürgermeister geben, das sind noch drei mehr als in Los Llanos. - Allerdings arbeiten nicht alle Räte ausschließlich und zu vollem Lohn für die Gemeinde, was hier "Dedicación exclusiva" genannt wird, sondern 6 der 11 Räte arbeiten als "Teilzeitkräfte" also "Dedicación parcial" und erhalten dafür natürlich auch weniger Diäten, wie man das Gehalt bei Politikern nennt. - Allerdings dürfen die auch noch nebenher ihren alten Beruf weiterführen, was aber auch oft mit sich bringt, dass die dann meist nicht im Rathaus anzutreffen sind. - Das ist ein altes, ein bekanntes Problem, denn oft sind das auch sehr arbeitsintensive Bereiche, und die werden dann mit "Personal de confianza" unterstützt, das sind keine Politiker, sondern Vertrauensleute der eigenen Partei, die dann für die nicht anwesenden Räte an der Front sind. - So kommt es dazu, dass in Santa Cruz 11 Stadträte und 5 Vertrauensleute bezahlt werden müssen, eine schlanke Leitung eines Rathauses sieht anders aus.

So darf man sich nicht wundern, wenn die Stadt nicht an der neuen Rathausbesatzung sparen kann, die Gesamtsumme bleibt etwa gleich, etwa deshalb, weil man die Bezüge des Vertrauenspersonals noch nicht kennt. - Der Bürgermeister und die Räte in Vollzeit verdienen allerdings deutlich weniger als ihre Vorgängen, nur so hat man es überhaupt geschafft, in Sachen Gehältern nicht noch mehr als vorher berappen zu müssen. - Im Einzelnen bedeutet das, der Bürgermeister, Sergio Matos von der PSOE, verdient 42.000 Euro jährlich, das ergibt auf den Monat heruntergerechnet Euro 3.500, und damit 1.000 Euro weniger als seine Kollegin in Los Llanos. - Bescheiden ist das aber eben nur im Vergleich mit dem Vorgänger. - Bemerkenswert und als Fingerzeig aufzufassen ist, dass in Santa Cruz der erste und der zweite Stellvertreter und sonst eigentlich einfache Stadträte, Juan José Cabrera Guelmes von der Partido Popular, und Julio Felipe von der PSOE, mehr verdienen als der Bürgermeister. 51.800 Euro müssen die im Jahr nach Hause tragen, das ergibt, wieder herunter gerechnet auf 12 Monate, den stolzen Satz von 4.316 Euro im Monat. - Das wird auch noch zu Diskussionen führen, und es trappst ein bisschen die Nachtigall, dass man um diese Posten sehr gestritten hat. - Die "einfachen" Räte müssen sich mit 3.380 Euro, respektive mit 2.566 zufrieden geben. - Die Räte in Teilzeit erhalten 1.166 Euro, auch nicht schlecht, für ein paar Stunden in der Woche nachmittags im Rathaus zu sitzen. - Was eben noch nicht klar ist, wie viel die Vertrauensleute verdienen sollen, die eben die nicht anwesenden Räte vertreten und unterstützen sollen. - Von einem Sparhaushalt kann da also nicht die Rede sein, der einzige der zur Bescheidenheit beiträgt, wenn auch nur knapp, der ist der Bürgermeister selbst, aber sonst wollte wohl keiner seinem Beispiel folgen.- Das wird bei der Bevölkerung sicher nicht gut ankommen, so voll war der politische Teil des Rathauses noch nie, 16 Leute dort nur am Delegieren, da können einem die vielen Indianer Leid tun, die nun die "Neue Politik" der Stadt auch umsetzen müssen. - Mehr Kritik als Lob verdient hier Santa Cruz, man ist hier nicht nur deutlich teurer in der Verwaltung als Los Llanos, sondern hat darüber hinaus es auch trotz des Spargebotes nicht geschafft, die Kosten für die Verwaltung zu senken. - So gibt es kein Chapeau, auch wenn das durch Koalitionsgeplänkel erklärt werden kann, macht es doch einen fatalen Eindruck beim Bürger, dem wohl ständig krisenbedingte Einsschnitte abverlangt werden.



Dienstag 28.06.2011 09:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 59 % - Luftdruck 1016 hPa

Die klammheimliche Bescheidenheit
Immer noch nicht unten angekommen

Ich weiß nicht, ob es bei Ihnen schon angekommen ist… Spanien, und auch wir hier auf den Kanaren, befinden uns seit ein paar Jahren zu viel bereits in einer deutlichen wirtschaftlichen Krise. - Die öffentlichen Haushalte sind fast hoffnungslos verschuldet, viele Gemeinden können gerade eben so die Gelder aufbringen, das eigene Personal zu bezahlen, darüber hinaus geht alles für die Tilgung drauf, und für Investitionen oder neue Projekte ist schon lange kein Geld mehr da. - Jetzt haben sich die neuen Gemeinderäte konstituiert, und langsam sickert es durch, was denn die zukünftigen Gemeinderäte und Bürgermeister denn so verdienen. - Oft sickert es nicht durch, sondern die Gemeindevertreter gehen damit offensiv an die Öffentlichkeit, versprochene Transparenz, und das ist gut so. - Wir wollten doch alles besser machen in den 12 von 14 Gemeinden hier auf der Insel und wohl haben die Bürger ein Recht darauf zu erfahren, was ihre politischen Vertreter denn so an Gehältern mit nach Hause nehmen. - In Los Sauces und Barlovento hat man die Zuwendungen an die Bürgermeister und Stadträte ganz erheblich drücken können, dort kann man wirklich von einer neuen Bescheidenheit sprechen, alle Achtung. - Nun kommen die Gehälter der neuen Führung in Los Llanos auf den Gabentisch der Information, und die gute Nachricht ist, man spart im Jahr 160.000 Euro gegenüber der alten Regierung ein. - Das ist doch auch eine schöne Geschichte, das ist der richtige Weg, der neue Weg, und wer uns aus dem alten Sumpf herausführen will, der muss mit gutem Beispiel vorangehen. - Doch sieht man sich die Gehälter der Gemeinderäte in Los Llanos mal mit der Lupe an, dann muss man leider feststellen, dass die Bescheidenheit sehr bescheiden ausgefallen ist, und man die Einsparungen nur in solchen Summen erreicht, weil eben die vorhergehende Regierung nicht viel verdient hat, sondern unverschämt viel. - So sind auch die Gehälter der nun angetretenen Mitglieder der Koalition von Partido Popular und PSOE nicht wirklich der momentanen Krise angepasst, sondern immer noch deutlich zu hoch. - Keine Frage, ein Bürgermeister oder ein Stadtrat trägt mehr Verantwortung als ein Bauarbeiter oder ein Kellner, und meist arbeiten die auch mehr Stunden, allerdings muss das Verhältnis irgendwie noch stimmen und auch darf nicht schon wieder der Gedanke aufkommen, die würden das nur machen um Geld zu verdienen, davon wollten wir doch eigentlich weg. - Die Frage, was denn nun angemessene Gehälter sind, die werde ich nicht beantworten können, so alleine für mich schon, aber eben nicht als allgemeine Regel ausdrücken, und wenn in der so genannten Freien Wirtschaft da Bosse herumlaufen, welche mehrere zig Millionen Euro im Jahr verdienen, dann verliert sich ja eh jegliche Scham und Moralvorstellung.

Das ist auch eine ganz andere Diskussion, kommen wir nach Los Llanos zurück. - Die neue Bürgermeisterin, nette, und intelligente Frau, keine Frage, die wird 54.110 Euro im Jahr verdienen, das sind 4.509 Euro pro Monat, und das ist bei einem durchschnittlichen Lohn von ganz knapp über 1.000 Euro im Monat immer noch deutlich zu viel. - Auch "unser" Chema, der Chef der Sozialisten in Los Llanos, der bekommt als stellvertretender Bürgermeister noch 52.080 Euro, das wären dann 4.340 Euro im Monat, ein wenig sozialistisches Gehalt, angesichts der fast 30% Arbeitslosen, welche der Bevölkerung hier sehr aufs Gemüt und aufs Einkommen drücken. - Wir dürfen aber nicht vergessen, Chema war bislang Direktor der größten Schule in Los Llanos, aber ich bezweifle mal, dass er dort so gut verdient hat. - Ich mag ich trotzdem noch, keine Frage, ich wundere mich nur ein bisschen über die gute Zuversicht, welche man in den Stadtsäckel der Aridanemetropole hat, denn eigentlich ist kein Geld mehr da, möchte man alle alten Verpflichtungen gegenüber den Banken und den Lieferanten bald erfüllen. - Die Einkommensskala geht dann weiter nach unten zu den "einfachen Stadträten" hin, die immer noch um die 3.400 Euro im Monat einstreichen, da ist guter Rat teuer, wenn man das mal einfach so ausdrücken darf. - Zu den genannten Zahlen möchte ich noch erklären, das sind die Bruttogehälter, also noch voll zu versteuern und den Monatsbetrag den ich ausgerechnet habe, das ist einfach das Jahresgehalt geteilt durch 12. - Allerdings wird das hier anders verteilt, nämlich in 14 Partien, so dass Sie vielleicht in der Presse etwas geringere Monatsgehälter lesen werden, dennoch ist die Jahresendsumme die gleiche, sieht nur nicht so brutal aus. - Überall 1.000 Euro weniger, das wäre ein Angebot an die momentane Situation gewesen, und Hunger hätte dennoch keiner der politischen Vertreter in Los Llanos geschoben. - Aber gut, es bleiben dennoch 160.000 Euro im Jahr weniger, welche für die Gemeindekorporation aufgewendet werden müssen, und damit wollen wir uns jetzt mal bescheiden. - Wenn es die anderen schon nicht tun, sich bescheiden. - Was aber auch im Halse stecken bleibt ist die Frage, was müssen denn dann die Vorgänger verdient haben, wenn diese wirklich opulenten Gehälter schon eine Einsparung von 13.300 Euro im Monat bringen. - Man möchte es eigentlich gar nicht wissen. - Den Hammer aber in der Gemeinderatssitzung, in welcher diese Gehälter beschlossen wurden, den ließ dann wieder der Ex-Bürgermeister Juan Ramón Marín vom Stapel. - Er macht selbst Vorschläge, wie viel denn die Gemeindekorporation zukünftig verdienen sollte, und kommt bei seinem Vorschlag auf eine Einsparungsmöglichkeit von gleich 231.000 Euro im Jahr, gegenüber den nun wirklich eingesparten 160.000 Euro. - Da bleibt einem wirklich der Knödel im Hals stecken und fragt sich, warum hat er das denn nicht gemacht, als er noch Bürgermeister war, also vor gut einem Monat. - Da beweist Juan Ramón Marín wirkliche Bescheidenheit, allerdings mit den anderen.



Montag 27.06.2011 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 25 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 43 % - Luftdruck 1016 hPa
Höchsttemperatur heute 26,4 Grad - niedrigste Temperatur 18,7 Grad

Schulrituale
Viermal im Jahr antreten

Heute durften wir die Zeugnisse abholen, dreimal geschieht das in einem Jahr. - Richtig, es gibt Schulzeugnisse alle 3 Monate, nicht halbjährlich, wie das in Deutschland so üblich ist. - Dann weitere 3 Monate Urlaub, und schon ist ein Jahr durch. - Die Abschlusszeugnisse sind natürlich die wichtigsten Zensuren, kann man doch so auch die Entwicklung das Schuljahr über ein bisschen betrachten. - Meist gehen die Noten in der zweiten Evaluation ein bisschen runter, das machen die Lehrer gerne, um die Schüler und die Elter zu inspirieren, die Schule doch wichtig zu nehmen, und am Schluss, wenn die Ferien erst begonnen haben, dann sind die Lehrer wieder ein bisschen gönnerhafter, und legen hier und da ein halbes Pünktchen drauf. - Von 0 - 10 gibt es Noten, die Null ist eine glatte Null, und 10 das steht für lokale Nobelpreisträger. Von 5 nach oben ist alles in trockenen Tüchern, darunter wird es eng. - In manchen Fällen kann man dann eine Nachprüfung im September machen, noch bevor die Schule wieder offiziell beginnt, wer dann aber immer noch mehr als 2 Noten unter der 5 hat, der muss eine Ehrenrunde drehen. - Es sei denn, die Eltern können wirklich gut argumentieren, und man ist noch nicht in den oberen, den beiden Abiturklassen. - Alles schon vorgekommen, Lehrer sollen auch Menschen sein, man spricht ja immer wieder von der Menschbleibung des Pädagogen an sich, und ich muss ganz ehrlich zugeben, ich möchte kein Lehrer sein, bei der Brut, die da so durch das Bildungssystem geschleppt werden muss. - Man kann Glück haben, sowohl mit den Schülern, wie auch mit den Lehrern, aber das war immer so, und dass die Schüler von heute schlimmer sein sollen als "früher", das möchte ich nicht unterschreiben. - Die Methoden, die Lehrer an den Rand des Nervenzusammenbruchs getrieben werden sollen, die haben sich verändert, aber auch schon im meiner Zeit als Schüler war es Pflichtprogramm, die Lehrer heftig zu ärgern. - Ich habe öfter schon davon berichtet, dass leider in weiten Teilen der hiesigen Gesellschaft der Wert von schulischer Bildung noch nicht die notwendige Aufmerksamkeit erreicht hat. - Das führt auch dazu, dass sich Lehrer oft in ihren Bemühungen, in die Sturköpfe etwas einzubimsen, von den Eltern nicht wirklich unterstützt oder ernst genommen fühlen. - "Warum sollen wir uns Mühe geben, wenn den Kindern dann Zuhause gesagt wird, die Schule ist nicht so wichtig." - Das hört man öfter mal aus frustrierten Lehrerkreisen, und frustrierte Lehrer sind keine guten Lehrer, das kann man sich doch auch vorstellen. - Dann sorgt noch eine heillos überforderte Verwaltung des kanarischen Schulsystems dafür, dass komische Lernziele projektiert werden, die auf europäischer Ebene nicht wirklich als modern und sinnvoll eingestuft werden.

So ist für viele Lehrer das Jahr über der einzige Kontakt zu den Eltern der Tag, an dem die Zeugnisse abgeholt werden müssen, und das müssen die Eltern machen, die Schüler, es sei denn, sie sind bereits 18 Jahre alt, die dürfen das nicht tun. - Da läuft man dann durch lange, und von vielen erwartungsvollen und genervten Menschen verstopfte Flure, und verflucht die nicht zu öffnenden Fenster an den Enden der Gänge. - Schulen riechen fast immer nach Angstschweiß, meist der von den Schülern, manchmal ist der Schweiß auch von den Lehrern, aber heute mischt sich diese olfaktorische Symphonie auch noch mit Stressduft angefressener Eltern. - Ist man dann am betreffenden Schulraum angekommen, dann muss man zunächst mal fragen, wer denn der letzte in der Reihe der wartenden, wippenden und fächelnden Eltern ist, sonst kommt man erst gegen Mittag zum Lehrer. - Manchmal dauert es ewig, manchmal geht es fix, das Ganze muss ich ja zweimal abspulen, 2 Kinder, zweimal warten, aber das wollte ich ja selber so, ich verfluche allerdings immer noch die nicht zu öffnenden Fenster in den Gängen. - Manche Lehrer haben auch die Angewohnheit, zu einer bestimmten Uhrzeit vorzuladen, meist bei der ersten Evaluation, da kommen dann zunächst alle Eltern in den Klassenraum, und gemeinsam bespricht man den späteren Verlauf des Schuljahres. - Fast immer ist es ein Monolog, die allermeisten denken sich, mach doch endlich weiter, wir wissen um was es geht. - Wenn dann der Lehrer zu einem fühlbaren Ende gekommen ist, und man schon hofft, nun könnte es zur Verteilung der Noten kommen, dann meldet sich immer, ja wirklich immer, irgendein Depp, oder eine Deppin, denn es sind fast ausschließlich Mütter die sich um die Zeugnisabholung bemühen, und stellt dann noch irgendwelche Fragen. - Der Lehrer, begeistert endlich mal Ansprache gefunden zu haben, steigt dann weit ausholend auf das Thema ein, auch wenn es eigentlich belanglos ist, und beantwortet die Frage so, dass sie Gegenfragen herausfordert.

Mit aller Macht, Mühe und scharfer Oberlippe wandert dann mein Blick durch die versammelte Elternschar und ich versuche diejenigen zu fixieren, welche von der Mimik her erkennen lassen, sie würden jetzt auch gerne noch seinen Mist dazugeben. - Wenn erst eine Gruppendynamik daraus entsteht, dann ist alles verloren, solche hysterischen Massenbeteiligungen an sinnlosen Gesprächen sind sofort zu unterbinden. - Ich bin da aber nicht alleine, immer gucken auch die paar anderen Männer mit finsteren Minen in die Runde, und deutlich erkennen kann man die Drohung in den Augen: "Haltet endlich euren Mund, sonst kommen wir nie wieder hier raus." - Irgendwann ist es ausgestanden, wir werden alle wieder auf den Gang geschickt und nun kommen die Einzelgespräche, nach dem Alphabet. Das sind dann immer die Momente, in denen meine Frau sich fruchtbar geärgert hat, ihren Mädchennamen "Brandt" gegen ihren jetzigen Namen "Siebold" aufgegeben zu haben. - Als "Brand" ist man schnell wieder raus, als "Siebold" muss man immer ein bisschen nachsitzen, das erinnert mich dann wieder an meine eigene Schulzeit. - Es gibt wenige spanische Nachnamen die noch nach dem "S" kommen. - Heute blieb mir das erspart, ich musste meine eh kaum vorhandene Oberlippe nicht weiter spitzen. - Allerdings kommt noch diese Woche der nächste Hammer, die Anmeldungen für das kommende Schuljahr müssen abgegeben werden. - Dann gibt es Schlangen vor dem Sekretariat, jeder Umschlag wird genau kontrolliert, dass auch alles da ist, und wer kein Stehfleisch hat, der sollte keine Kind auf La Palma in die Schule schicken. - Aber immerhin ist das Sekretariat gleich am Eingang, bei den offenen Türen, da weht dann frischer Wind, von wegen der olfaktorischen Symphonie. - Um die notwendigen Papiere für die Anmeldung zu sammeln, erhält man einen Umschlag, muss viele Fragen kreuzweise beantworten, Passfotos, jedes Jahr neu, Nachweis der Krankenversicherung, jedes Jahr neu, und 1,12 einzahlen, für eine spezielle Schülerversicherung, jedes Jahr neu. - Beim Einzahlen dieser 1,12 Euro für die Versicherung, von der ich bis heute nicht weiß, was die eigentlich leistet, kann man dann in der Caja Canarias schon mal Schlange stehen üben. - Heute habe ich meine Tochter allerdings überlistet, sie durfte wählen: Einkaufen gehen und im Rathaus Bescheid sagen, dass eine Straßenlaterne bei uns in der Straße nicht funktioniert, oder in der Caja Canarias zweimal 1,12 einzahlen, einmal für sich, und einmal für die Schwester. - Auf dem Rathaus eine kaputte Laterne zu melden, das war klar, dass die das nicht machen will, also entschied sie sich dazu, auf die Bank zu gehen. - Nach meinem Einkauf, nach dem Termin auf dem Rathaus, den ich von einem Cafe aus bequem am Telefon erledigt habe, musste ich nur noch 52 Minuten warten, bis meine, nun um eine Erfahrung reichere Tochter, wieder aus der Bank zurück kam. - Geh niemals am Tag an dem es Zeugnisse gibt, und auch nicht einen Tag danach, in die Caja Canarias. - Allerdings lernt man so etwas nicht in der Schule, sondern nur im richtigen Leben.



Montag 27.06.2011 08:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 62 % - Luftdruck 1017 hPa


Alternative Energie aus dem Rathaus
Grüne Einnahmequelle für die Gemeinden entdeckt

Der große Energieplan für die Insel schlummert immer noch in Schubladen und Köpfen herum, im Cabildo Insular scheint man mit anderen Dingen beschäftigt zu sein, als mit der Zukunft. - Ist ja auch nicht einfach, ein komplettes Energiekonzept für La Palma vorzulegen, welches uns unabhängig von fossilen Brennstoffen macht, und teuer ist das obendrein, aber zumindest müsste man doch mal die Rahmenbedingungen abstecken, oder überhaupt wissen, wie man das Hauptproblem der meisten alternativen Energien lösen will, die Speicherung von Energie. - Im Kleinen tut sich aber was, zumindest auf Gemeindeebene, da prescht nun Puntagorda vor und stellt reichlich Fläche auf Dächern von öffentlichen Gebäuden zur Verfügung. - Da können nun interessierte Investoren Solarzellen anbringen, diese an das öffentliche Stromnetz anschließen, und an den Einspeisevergütungen verdienen. - Die Gemeinde erhält dafür 8% der Einnahmen und vergibt eine Nutzungsdauer von 25 Jahren. - Hört sich zunächst schlüssig an, ein möglicher Investor müsste nicht erst auf die Suche nach einem Grundstück gehen, die ganze Genehmigungen erwirken, sondern hätte eben gleich Raum für seine Anlagen. - Allerdings ist die Installation auf den Dächern wiederum aufwendiger und es sind auch keine zusammenhängenden großen Flächen da, sondern viele kleine Einheiten, was die Einspeisung ins öffentliche Netz erschwert und die Kosten für die Wartung auch erhöht. - Man wird also sehen müssen, ob sich Investoren finden, welche auf diese Art und Weise ins Geschäft mit der alternativen Energie einsteigen wollen, aber sinnvoll wäre das auf jeden Fall, wenn man die Dächer dieser Gebäude nicht nur dazu nutzt, die Sonne, den Regen und den Wind abzuhalten, sondern eben elektrische Energie zu produzieren. - Nachdem man in ganz Spanien die Einspeisevergütung drastisch gesenkt hat, ist der frühere Boom für solche Anlagen allerdings deutlich gedrosselt worden, wenn nicht gar zum Erliegen gekommen. - Dagegen sind aber die Anschaffungskosten für die Solarpaneele gesunken, so dass man eben eine neue Rechnung aufmachen muss, ob sich das als Geschäftsidee überhaupt noch lohnt. Keine Frage ist natürlich, ob die Sonnenstunden hier auf der Insel ausreichen, dieses Thema müssen wir nicht diskutieren, da ist unser Standortvorteil deutlich. Ich bin nun mal gespannt, ob dieser Aufruf an die Investoren im Energiesektor auch gehört und aufgegriffen wird, und die anderen Gemeinden sehen auch ganz neugierig nach Puntagorda, ob man denn auf diese Art und Weise ein kleines Zubrot für die immer klammen Stadtsäckel schaffen kann.



Sonntag 26.06.2011 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 26 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 42 % - Luftdruck 1018 hPa
Höchsttemperatur heute 26,0 Grad - niedrigste Temperatur 19,2 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 35,1 - Temp. Min 18,7 - Feuchte 20 - 21 % Niederschlag 0 mm

Kurzgebratenes
120 - 3D - 30%

Ab 1 Juli darf in Spanien auf den Autobahnen wieder 120 Stundenkilometer gefahren werden. - Das freut uns hier auf La Palma ganz besonders, denn noch gibt es Gott und der Krise sei Dank keine solche Autobahn, und hier gab es eh nur ein paar Stellen, wo man mal 90 Stundenkilometer fahren darf. - Ganz abgesehen, dass mein Auto eh bei 100 so zu wackeln anfängt, dass man freiwillig vom Gas geht und ich diese Wahnsinnsgeschwindigkeit sowieso nur bergab erreichen kann. - Zum Höhepunkt der Nordafrikakrise, als das Rohöl so gewaltig teurer geworden ist, senkte man, übrigens unter gewaltigem Medienecho und noch gewaltigerem Protest, die Höchstgeschwindigkeit auf den Autobahnen von 120 auf 110 Stundenkilometern. - Diese Maßnahme sollte dazu führen, dass man deutlich an Kraftstoff spart, denn wie gesagt, wir stecken in einer Krise, und brauchen unser Geld für andere Sachen, und nicht um sie den Öl produzierenden Ländern in den Rachen zu werfen. - Es wurde und wird heiß darüber diskutiert, ob denn diese Senkung der Geschwindigkeit überhaupt etwas gebracht hat, oder ob sich dadurch nicht der Staat selbst geschädigt hat, weil er ja durch weniger Spritverkauf auch weniger Steuern einnimmt. - Diese Diskussion wird von vielen sogar leidenschaftlich geführt, bei uns auf La Palma allerdings mit einem Lächeln auf den Lippen, ähnlich als man auf dem Festland die Mehrwertsteuer erhöht hat, aber nicht hier. - In den Diskussionen werden wir mit Zahlen beworfen, welche von anderen Stellen dann wiederum bestritten werden, hat es was gebracht, oder nicht, wir wissen es nicht. - Ab 1. Juli darf nun wieder 120 Stundenkilometer gefahren werden und vielleicht wird ja damit der Bürgerfrieden in Spanien zumindest auf der Autobahn wieder hergestellt.

Ein paar Tage bevor man wieder schneller fahren darf, kommt das 3D Kino nach La Palma, genauer gesagt, am 29. Juni beginnt man auch hier das Zeitalter des dreidimensionalen Films. - "Transformers 3" wird der erste Titel sein, welcher in dieser neuen Technik ausgestrahlt wird, nicht wirklich lockend für unser Alter, aber ich gebe es eh zu, ich war sowieso in meinem Leben noch nicht im Kino auf La Palma. - Das hat nichts mit La Palma zu tun, ich bin grundsätzlich ein Kinomuffel, ich fühle mich in diesen Räumen einfach nicht wohl. - Dafür gehen meine Kinder sehr häufig ins Kino, die lieben das, und mit den 3D Geschichten werde ich die Damen nun noch häufiger am "Multicines Millennium" in Los Llanos absetzen müssen. - Allerdings müssen wir dann auch tiefer in die Tasche greifen, kostet ein normaler Film in Los Llanos zu Normaltarifen 5 Euro, so kosten die 3D-Vorstellungen dann 8 Euro. - Na ja, für die gute Laune der Brut wird das schon irgendwie hinhauen, die müssen dann halt am Popcorn und der Cola sparen. - Das andere Kino auf La Palma, das in Santa Cruz, darüber wird übrigens gemunkelt, dass das schließen wird, weil es einfach nicht mehr rentabel betrieben werden kann. - Das ist vielleicht auch der Hintergrund dazu, dass man in Los Llanos nun auf dieses neue Technik setzt, denn 3D, das kann man Zuhause im Fernseher, oder gesaugt auf dem Rechner, noch nicht haben. - Duftkino kommt dann auch noch, vielleicht 4D, wobei ich mir das wirklich verwirrend vorstelle.

Vor ein paar Tagen durfte ich den hotelieren Jammerblues verkünden, im Juli seien die Hotels auf La Palma nur zu 45% ausgelastet. - Diese Zahl stammt vom "CIT-Tedote", dem rührigen Tourismusverband, und alle sind sich einig, dass wir den schlechtesten Juli seit vielen Jahren vor uns haben. - Das liegt nicht nur an den wenigen internationalen Gästen welche wir immer im Sommer verzeichnen, sondern eher am Ausbleiben vieler nationaler Gäste, die sich aus Gründen der Krise eher nach Balkonien verdrücken, oder irgendeine superbillige Sparreise antreten. - Aus anderen Kreisen hört man nun, dass viele Hotels allerdings sogar froh wären, eine Auslastung von 45% zu haben. - Manche melden nur knapp 30% Auslastung und sind dabei längst unter der Rentabilitätsgrenze angekommen. - Ob da nun Tiefstapeln angesagt ist, oder irgendein Mitleidseffekt erwartet wird, das kann ich nicht sagen, nur eben, dass der Juli wirklich nicht rosig werden wird auf La Palma, für den Tourismus und die damit verbundenen Gewerbe wie Restaurants, Mietwagenfirmen und Läden. - Vielleicht sollten wir einfach den ganzen Juli die Insel einfach zumachen, gehen alle zusammen in eine Bodega zum endemischen Gruppenkuscheln, und wenn wir dann im August wieder herauskommen, dann kommt ja vielleicht auch der eine oder der andere Gast wieder auf die Insel…



Sonntag 26.06.2011 09:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 56 % - Luftdruck 1019 hPa

Fauler Sonntag
Wunderbares Wetter und keine Hektik

So kann der Sommer weitergehen. - Sonnig, tagsüber warm, aber ein frischer Wind bläst die Hitze weg, und nachts wird es angenehm kühl, so dass man hervorragend schlafen kann. - Die nächsten Tage geht das auch so weiter, dann wird es wieder ein bisschen wärmer, allerdings erwarten wir keine "Bruthitze" mit Temperaturen an die 40 Grad. - Gestern Abend war das so angenehm, der Körper noch heiß vom Tag, und die Sonne beobachten, wie sie sich hinter dem Time verkriecht. - Dann die wunderbare Abkühlung durch den frischen Wind, das Riedenburger-Weizen wäre eigentlich gar nicht notwendig gewesen, aber dennoch willkommen, so kann selbst "Nichturlaub" Spaß machen. - Von unserem Standort aus geht im Sommer die Sonne nicht über dem Atlantik unter, sondern eben so weit nördlich, dass der Time die Sonne bereits schluckt, obwohl eigentlich noch helllichter Tag ist. - Erst wieder später im Jahr gibt es dann bei uns auch die so fotogenen Sonnenuntergänge über dem Meer, aber man kann nicht alles haben, und zu viel Kitsch macht ja auch irgendwann gaga. - Den heutigen Tag lasse ich mal komplett an mir vorbeiplätschern, in der Presse steht auch nichts, was ich Ihnen unbedingt mitteilen müsste, außer dem üblichen politischen Geplänkel und den Fiestas, die im Juni hier überall für Kurzweil sorgen. - Ich liebe solche unspektakulären Tage ohne Schlagzeilen und Aufregung, mir geht es heute fast wie meinen Katzen, die nur damit beschäftigt sind, sich einen angenehmen Ruhplatz zu suchen. - Die Büchse Ravioli ist immer noch zu, welch Traditionsbruch, liegt aber vielleicht daran, dass die hier gebliebene Tochter andere Vorstellungen von mediterraner Diät hat. - Das kann sie auch bald bekommen, fast 20 Tomatenpflanzen werden in den kommenden Wochen dafür sorgen, dass die Hauptfarbe unseres Essens rot sein wird. - Morgen müssen wir die Zeugnisse abholen gehen, das ist ein eher unangenehmer Termin, nicht dass ich Angst haben müsste vor den Zensuren, meine Töchter kommen da eher nach ihrer Mutter als nach mir, aber das lange Warten auf diesen Gängen in der Schule, das war noch nie mein Ding. - Und dann auch noch bei 2 Klassenräumen anstehen, da ich ja beide Zeugnisse abholen muss, da geht der Vormittag locker für drauf. - Aber was beschäftige ich mich jetzt schon mit Dingen, die ich erst Morgen erledigen kann, so etwas ist sonntagsunwürdig. Nichts weiter passiert, alles ruhig und friedlich.





Samstag 25.06.2011 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 25 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 40 % - Luftdruck 1019 hPa
Höchsttemperatur heute 26,2 Grad - niedrigste Temperatur 21,5 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 34,8 - Temp. Min 18,0 - Feuchte 20 - 28 % Niederschlag 0 mm

Los Llanos weiträumig umfahren
"Garbazada", oder wie viele Kichererbsen passen in einen Bauern

Offiziell hat die "Fiesta de la Patrona" bereits vor einer Woche begonnen, aber heute erst ist einer der "Großen Tage" dieser Feierei. Doch zunächst erst mal, wer wird denn überhaupt hier gefeiert? - Die "Patrona" ist die "Nuestra Señora de los Remedios", die man in Los Llanos als Schutzpatronin sich leistet, und dieser Name hat ein ganz interessanten Inhalt. - Der Frauenname Remedios ist eigentlich gar nicht so selten, meist werden diese aber "Meme" oder "Reme" genannt, denn Remedios bedeutet eigentlich "die Auswege" aber auch "die Mittel", "die Möglichkeiten" und kann auch noch "die Lösunge"n bedeuten, und so etwas überlässt man lieber Jungfrauen oder Heiligen, die sind für so etwas zuständig. - Es ist die größte Fiesta der Stadt Los Llanos, zusammen mit dem Karneval, der ja auch in der Aridanemetropole heftigst und bunt gefeiert wird. - Am heutigen Samstag nun findet zunächst der Viehmarkt statt, die "Féria de Ganado" und das alleine ist schon eine ganz wunderbare Angelegenheit. - Da karren die Landwirte der Insel, meist auf geborgten LKW ihre Tiere heran nach Los Llanos, um die dort dem interessierten Städter mal vorzustellen. - Ziegen, Schafe, Kühe, was halt alles so den Stolz des Landmannes ausmacht, und früher, da war das noch ein richtiger Viehmarkt mit Handeln und Schachern, heute ist das mehr eine nostalgische Veranstaltung mit einem wunderbaren ländlichen Hauch. - Die Viehzüchter erhalten Geld dafür, dass die ihre Tiere nach Los Llanos bringen, so kann man zumindest den Transport der Tiere bezahlen, dann kommt natürlich auch noch der Züchterstolz hinzu, wenn die eigenen Kühe einen Preis gewinnen, und darüber hinaus wird man ja auch noch mit Speis und reichlich Trank verwöhnt. - Nachbarschaften sorgen dafür, dass reichlich zu Essen aufgetischt wird, eigentlich war das mal dazu gedacht, den müden, meist armen aber immer hungrigen Bauern wieder auf die Beine zu helfen, aber man hat das beibehalten, sehr zur Freude des Publikums im Allgemeinen, denn inzwischen essen eigentlich alle davon, so lange etwas da ist, nicht nur alleine die Landwirte. - Fester Menüteil bei unseren Fiestas sind immer der Kichererbseneintopf und die unvermeidliche Paella. - Solch ein großes Fressen heißt dann bei uns "Garbanzada", von der der Garbanza, der Kichererbse. - Aber wer nun meint, das sei ein gepflegtes Festmahl, der wird enttäuscht werden, denn bei der Essensausgabe und dem weiteren Verzehr der Speisen geht es nicht gerade höchst sittlich zu. - Das liegt zum einem an der unerträglichen Marotte bei uns, Kichererbseneintopf auf biegsamen Plastiktellern zu servieren, so dass man den Brei immer vorsichtig balancieren muss, damit nicht alles gleich wieder im Gully landet. - Auf der anderen Seite liegt das aber auch daran, dass jeder in der anderen Hand ein Glas mit irgendwelchen Fiesta-Beschleuniger hat, meist mitgebrachten Rotwein, aber in den letzten Jahren auch zunehmen härtere Sachen, wie Rum oder Tequila. - Nun sieht man die bedauernswerten Geschöpfe, in der einen Hand den Teller mit den Kichererbsen balancierend, und in der anderen Hand den Wein. - Wie man nun den Eintopf in den Körper bekommt, das ist jedermann selbst überlassen und man kann die wunderbarsten Methoden beobachten, wie das doch irgendwie funktioniert. - Wer früh auf einer Fiesta ist, der trinkt meist auch früh, das gibt dem Balancierakt des Wackelteller noch zusätzlich Zündstoff, ausgesprochene Feinästheten der kulinarischen Branche sollten vielleicht lieber auf einen Besuch des Viehmarktes verzichten. Am Nachmittag, bis in die späte Nacht hinein findet dann noch der eigentliche Umzug der Patrona durch den Ort statt, das nennt man dann die Romería und da geht es dermaßen feucht, fröhlich und ausgelassen einher, dass am Sonntag darauf kein weiterer Programmpunkt der Fiesta steht, sondern nur eines, Ausschlafen und Erholen. - Wer mal ganz alleine sein will in Los Llanos, der soll mal morgen dort vormittags spazieren gehen, der hat die Stadt für sich. - Ob das allerdings mehr Spaß macht als die ausgelassene Fiesta am Tag zuvor, dass muss jeder für sich entscheiden.



Samstag 25.06.2011 10:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 23 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 5 % - Luftdruck 1018 hPa

Flughafeneröffnung am 6. Juli
Meilensteine der Megalomanie und Unterhosen vom Designer

"Hay que cambiar el chip" - Das ist ein Spruch, den man heute immer wieder hört, - "man muss die Denkweise ändern" - bedeutet das, allerdings hat sich die Marschrichtung dieser glänzenden Erkenntnis deutlich verändert. - Früher, als alles anders war, und nur manches besser, da waren Wachstum und Fortschritt noch eine feiste Einheit, und gleichzeitig auch noch von Gott und der Marktwirtschaft gegebenes Menschenrecht. - Zumindest wenn man, in der von irgendwem nummerierten "ersten Welt" lebt. - In genau jener Zeit, da plante jemand in Madrid unseren neuen Flughafen, und was einmal geplant ist, das wird gnadenlos durchgezogen, gewisse Parallelen zu Stuttgart 21 dürfen da ruhig auftauchen, wobei man einen Flughafen dann doch irgendwie nicht tiefer legen kann. - Noch nicht. - Inzwischen ist das mit dem Wachstum und dem Fortschritt ja wieder ein bisschen ins Wanken gekommen, in Deutschland nicht so nachhaltig, aber in Spanien beißen wir uns doch dauerhaft die Molaren an der Wachstumsschlacke aus. - Unserer Naivität, und dem Manipulationsvermögen des rechtsauslegenden Schmierlappen José María Aznar haben wir das zu verdanken, der Spanien alleine auf Pump und Immobilien kurzzeitig auf den vierten Platz der europäischen Wirtschaftsleistung gepuscht hatte, nur eben mal so, weil regieren sonst so langweilig ist. - Die Rechnungen bezahlen wir heute noch, und das schon viele Jahre, und wenn man damals, also Ende der "Neunziger" und Anfang dieses Jahrtausends den Spruch losgelassen hat, "hay que cambiar el chip", dann meinte man damit, "think big", nimm einen Kredit auf, oder besser gleich mehrere, wer jetzt nicht auf den Aufschwungszug aufspringt, der ist ein Verlierer und kreuzweise dumm. - Damals noch zerrten krawattierte Bankangestellte wie Animateure Bananenbauern und Schulabgänger in die Institute, und schwatzen denen Hypothekenkredite und Darlehen für neue Autos auf, die heute keiner mehr bezahlen kann, und schon gar nicht mehr braucht, weil das Arbeitsamt gleich um die Ecke ist. - "Hay que cambiar el chip" heißt es heute wieder, am besten aber gleich die Laufrichtung ändern, denn die Fiesta des Aufschwungs und des grenzenlosen Wachstums die ist deutlich, nachhaltig, und auf jeden Fall auch sichtbar vorbei. - Dabei hätten wir das doch alles ahnen müssen, oder gar wissen, denn bereits in den "Sechziger" Jahren schrieben die cleveren Jungs vom "Club of Rome" das Endzeitepos von der Allmacht der Unvernunft, "die Grenzen des Wachstums". - Aber sicher wussten wir das, nicht nur die, die brav ihren Marx gelesen hatten, aber dennoch wollten alle dabei sein, wenn ein Schmierenkomödiant, oder gleich eine ganze Truppe dieser Finanzclowns, uns etwas von Renditen, Bauherrenmodellen, oder dem Inbegriff der Perversion, den Hedgefonds, erzählt haben. - Jetzt stehen wir da, keine Arbeit, kein Geld, nur Schulden, und wundern uns auch noch breit, dass ein geschenkter Gaul schrecklich aus dem Maul stinkt, wenn man nur tief genug hineingeblickt hat.

Was hat diese Schimpftirade mit dem Flughafen zu tun, fragen sich inzwischen viele Leser, wenn sie denn überhaupt noch bei der Stange geblieben sind. - Das ist einfach zu erklären. - Unser neues Flughafenterminal ist ein Denkmal aus dieser Zeit, geplant in einen unaufhörlichen Aufschwung hinein, als könnte diese kleine Insel eines Tages irgendwann abheben, als würde sich die Einwohnerzahl zwingend verdreifachen, nur weil man aus beugsamer Statistik heraus einzelne Zahlen blind auf 30 Jahre hochgerechnet hat. - Das neue Flughafenterminal ist ausgelegt für die Abfertigung von 3 Millionen Passagieren im Jahr. - Heute laufen nicht mal eine Million Passagiere durch unseren Flughafen, und seit drei Jahren nun mit abnehmender Tendenz. Die Bevölkerungszahl der Insel nimmt ab, auch wenn man uns das aus verständlichen Gründen anders vorrechnet, und einen touristischen Aufschwung, welcher eine Rechtfertigung für dieses Gebäude sein könnte, der ist überhaupt nicht zu sehen. - Uns tut dieses neue Flughafenterminal nichts Böses, das steht da einfach nur so herum, bezahlt wurde es aus Madrid, die Wege für den Fluggast sind einfach nur länger geworden, das Parken kostet nun Geld, und wenn man den Reklametafeln trauen darf, dann kann man zukünftig im neuen Terminal auch Männerunterhosen von Calvin Klein kaufen. - So habe ich mir Fortschritt immer vorgestellt, man fliegt ins Weltbiosphärenreservat La Palma, und holt sich am Flughafen erst mal "Long Johns" vom Designer. - Wenn das die Schöne Neue Welt ist, dann will ich meine alte krumme Welt wieder haben, in der alles nur so perfekt sein darf, wie ein Mensch das eben hinbekommt. - Es gibt Kulturdenkmäler, Industriedenkmäler und auch Denkmäler der Megalomanie. - Man kann nach Ägypten reisen und sich die Pyramiden ansehen, nach Stuttgart den kommenden Bahnhof für die Achse Paris-Bratislava, oder eben zu uns nach La Palma, und sich das neue Flughafenterminal ansehen. - Keine Angst, dahinter ist La Palma so schön wie eh und je, und auch so klein und krumm, so eben wie das Leben aussieht, aber vorher gibt man sich eine Kante Fortschritt vom Feinsten, und nicht vergessen, die Unterhosen vom Designer. - Am 6. Juli nun soll das Terminal eröffnet werden, erst dann, weil sich alle Politclowns jeglicher Couleur auf diesen Termin einigen konnten, und dann werden die dieses Denkmal der Megalomanie mit salbungsvollen Worten einweihen. - Mit klammheimlicher Freude werde ich diesem Akt beiwohnen, brav Fotos machen, mir rührend-lächerliche Geschichten von Aufschwung, Wachstum und Zukunftsträumen anhören. - 225 bis 240 Millionen Euro hat die noble Hütte gekostet, da hätte man auch reichlich in das Gesundheitssystem oder das Schulwesen investieren können, oder gleich die gesamte Insel auf alternative Energien umstellen. - Aber darauf ist keiner gekommen, das liegt ja auch so fern, das ist so unrealistisch, fast schon revanchistisch. - Und überhaupt, wo bitte könnte man denn in einem Energiepark einen Laden für Designerunterhosen unterbringen? - "Hay que cambiar el chip", wieder mal, und das schnell.








Freitag 24.06.2011 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 30 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 5 % - Luftdruck 1018 hPa
Höchsttemperatur heute 32,6 Grad - niedrigste Temperatur 25,3 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 34,4 - Temp. Min 18,8 - Feuchte 20 - 20 % Niederschlag 0 mm

Drachenflugtag
Notstandsgesetze erlassen

Jeder nur eine Tasse, einen Löffel, ein Messer und ein Brettchen. - Warmes Essen nur nach vorhergehender Absprache, und die Dosen Katzenfutter sind abgezählt, damit sich keiner an diesen leckeren Menüs vergreift. - Es war ja nur Drachenflugtag light, eine Dame ist bei mir geblieben, die fährt nämlich später wieder auf einen Sprachkurs, und zwei Auslandsurlaube im Jahr, das erscheint uns dann doch irgendwie zu viel. - Armes Kind, mögen nun besorgte Leser denken, da muss eine Teenietochter 3 Wochen bei dem alten Sack bleiben, das ist doch ungerecht, wobei wirklich noch nicht raus ist, für wen von uns beiden das eine Strafe sein soll. - Allerdings habe ich einen enormen Vorteil, nun gibt es jemanden im Haushalt der die Waschmaschine bedienen kann, Ken, den edlen Säuberer. - Das eröffnet völlig neue Perspektiven, ich könnte also die drei Wochen ohne meine Frau dann doch mal mit frischer Wäsche versorgt werden und mir bei der Hitze einen täglichen Hemdenwechsel gönnen. - Das wäre auch gut für die Umwelt, so rein vom olfaktorischen Wert, und natürlich wäre das auch ein gutes Mittel gegen Vereinsamung… Den Teil haben wir also abgefrühstückt, oder besser, abgewaschen. - Schwerer hingegen ist es allerdings an der kulinarischen Front, denn meine Tochter ist eine äußerst modere Frau, die sich nicht mit Nebensächlichkeiten aufhält, und eher geistige Dinge anstrebt, als schnöden Alltagskram, mit einem Wort, die kann nicht kochen. - Kann ich auch nicht, aber hervorragende Brote machen, allerdings geht das nur, wenn wir nicht vergessen einzukaufen, denn so wirklich praktisch und überlegt gehen wir beide nicht ans Werk. - Aber noch sind ja Vorräte vorhanden, meine Frau ist gestern mit mir noch mal einkaufen gegangen, um diesen großen, weißen und innen kalten Schrank da in der Küche mit Nahrung zu bestücken. - Die nächsten Tage kann also noch nicht viel passieren, wir müssen uns irgendwie nur auf gemeinsame Zeiten absprechen, denn der Tagesablauf meiner großen Tochter läuft eher nachts ab, und es wäre nicht unbedingt sinnvoll, wenn der eine die Mahlzeit als Frühstück einnimmt und der andere als Abendessen. - Allerdings, wenn es eh nur Brote gibt, dann ist das auch wieder kein Problem, ist das auch schon wieder geregelt, so einfach können die Dinge sein.

Am frühen Nachmittag nun haben wir die beiden Reisedrachen zum Flughafen bringen dürfen, nachdem wir noch einen stressigen Vormittag vollbracht hatten. - Immer auf den letzten Drücker werden viele Dinge erledigt, oder endgültig auf die Bank geschoben, die lange meine ich damit, aber irgendwann war es dann so weit, wir konnten den Toyota satteln und auf die andere Seite tuckeln. - Viel Gepäck haben die nicht in ihren voluminösen Koffern, da ist immer rein taktisches Packen angesagt, denn die wollen ja reichlich Stauraum haben für ihre vielen Einkäufe, denn manche Sachen muss man ja immer im Urlaub kaufen, die gibt es hier nicht… - So zumindest die Aussage meiner beiden Kaufdrachen, und wenn es dann besonders heftig wird, dann schicken die sogar von ihren merkantilen Raubzügen durch Benetton und "Charme und Anmut" Postpakete hierher auf die Insel, um sich auf der Rückfahrt das Übergepäck zu sparen. - Ob das billiger ist, das bezweifle ich einfach mal, aber dann müssen die den Kram nicht schleppen, und das ist doch auch schon mal was wert. - Wenn ich Glück habe, dann bringt der Postbote die gelben Pakete, wenn nicht, dann muss das über den Zoll, und wie soll ich etwas verzollen, wenn ich keine Ahnung habe, was da in dem Paket ist. - Meistens geht das gut, aber eben nicht immer, und wenn dann in dem Pakte wenigstens so lebensnotwendige Dinge enthalten sind wie Bernbacher Nockerlgries oder Fette Brühe von Maggi, dann habe ich ja auch noch was davon. - Allerdings sind das meistens Klamotten, irgendwelcher Fummel, welcher den allerletzten Schick darstellen soll, und das macht mir dann nicht wirklich große Freude das dem Zoll irgendwie erklären zu müssen. - Aber ich bin ja nicht alleine, die Katzen sind da, und die große Tochter, falls ich die wirklich auch mal zu Gesicht bekommen. - Heute Abend habe ich sie eingeladen mit mir die traditionelle Dose Ravioli kalt vor dem Fernseher zu löffeln, aber das hat sie abgelehnt und dann eher vorgeschlagen, ob ich sie nicht lieber zum Essen in ein schickes Restaurant einladen will, sie müsse dann danach noch irgend etwas wichtiges in Los Llanos erledigen, so gegen Mitternacht, und so lange hätte sie dann wohl Zeit, mit ihrem Vater zu verbringen. - Solch ein nettes Angebot kann man natürlich nicht ausschlagen, die Dose Ravioli bleibt heute noch zu, das wird dann morgen geschehen, da bin ich um die Abendzeit sicher alleine, denn Saturday Night bleibt doch keiner Zuhause. - Außer mir natürlich.





Freitag 24.06.2011 10:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 26 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 5 % - Luftdruck 1017 hPa

Touristisches Jammertal im Juli
Hallo, wir sind auch noch da

Tunesien, Ägypten und ein bisschen auch Marokko, das sind die Traumfaktoren für die Kanarischen Inseln. - Böse Zunge könnte man meinen, aber in der Tat füllen sich auf den Kanaren die Betten fast im Alleingang, weil eben andere Ziele im Mittelstreckenbereich wegen der unsicheren Situation ausfallen. - Allerdings profitieren nicht alle Kanareninseln vom Faktor "Jasmin-Revolution", hier auf La Palma kann man gar nichts davon spüren, und wir müssen ja auch zugeben, dass unsere kleine und grüne Insel nicht wirklich als Ägypten-Ersatz taugt. - Von der Seite ist also nichts zu erwarten für La Palma, und unser normales Stammpublikum scheut nun auch den Juli, weil ganz einfach die Flugpreise in Regionen schweben, welche kaum noch nachvollziehbar sind. - So gibt es Angebote auf Fuerteventura oder Tenerife, welche eine Woche mit all-inklusiver Pampe und Suff zum gleichen Preis versprechen, den man nach La Palma alleine für den Flug hinlegen muss. - So ganz nachvollziehbar ist das nicht, denn im Mai und Juni gab es durchaus interessante Preise für die Flüge nach La Palma, und nun im Juli plötzlich nicht mehr. - Ich kann die Preispolitik der Fluggesellschaften schon lange nicht mehr nachvollziehen, das sieht öfter so aus als handeln die damit wie an der Börse, zwischen 190,- und 580,- Euro nach La Palma hin und zurück ist alles drin, kein Wunder, dass die Kunden sich von solchen Preissprüngen auch verunsichern lassen. - Allerdings waren die Sommermonate auf La Palma immer schon touristische Diaspora, lediglich kurz aufgeschreckt in den beiden letzten Juliwochen und im August, von nationalem Tourismus, welcher einen kleinen Aufschwung ins sommerliche Jammertal gesandt hat. - Aber auch das will einfach nicht mehr funktionieren, die "Spanier" verreisen weniger in den letzten Jahren, sicher wegen der "Krise", und dann sind eben auch die Flugkapazitäten vom spanischen Festland nach La Palma so knapp gestrickt, dass auch wieder die Preise völlig unkonkurrenzfähig gegenüber den anderen Kanareninseln dastehen. - Mit maximal 45% Auslastung rechnet die Hotelbranche für den Juli, so beschwert sich nun Alfredo Capote, der Chef des "CIT-Tedote" und gleichzeitig auch Direktor des Hotel Sol in Puerto Naos. - Ich glaube, diese 45% sind sogar noch großzügig angenommen, andere Etablissements melden geringere Zahlen oder gar keine, es ist ja auch nicht einladend, solches Elend zu verkünden. - Die Gründe für diesen stetigen Rückgang im Tourismus nach La Palma sieht Alfredo Capote grundsätzlich auch in den schlechten Verbindungen, kritisiert aber darüber hinaus auch die Politik, sich nicht ausreichend um die touristischen Attraktionen und Infrastrukturen auf der Insel zu bemühen.

Das ist zum großen Teil richtig, in der Tat sind immer noch Strände unzugänglich, wie die Playa de Zamora, die Playa de las Monjas, und auch die Meerwasserschwimmbecken von Charco Azul. - Es gibt natürlich viele andere wunderbare Strände hier auf der Insel, und auch glaube ich nicht, dass sich ein Gast davon abschrecken lässt La Palma zu besuchen, weil ein paar Strände nicht zur Verfügung stehen, aber man muss die Langsamkeit oder das Desinteresse der Verwaltung dieser Insel schon bemängeln, dass man so lange braucht, diese Missstände zu beheben. - Hauptproblem ist aber ein ganz anderes, wir haben es über die letzten 2 Jahrzehnte nicht geschafft, uns eine Marke oder eine ganz eigene touristische Identität zu schaffen, sondern dümpeln im Fahrwasser der anderen Kanaren da eben so mal mit. - Dabei können wir nur als alternatives Reiseziel überhaupt wirken, nicht als grüne Kopie Tenerifes oder Gran Canarias, das ging und geht in die Hose, weil ein weiteres solches Ziel, und dann eben auch noch teurer, keine Mensch wirklich braucht. - Ein bisschen Natur, ein bisschen mondän, Golfplätze, aber Weltbiosphärenreservat, das passt alles nicht zusammen und der letzte werbetechnische Slogan, "La Palma lo tiene todo" spricht den Fehler ja sogar deutlich aus, wir bewerben uns auf dem Markt völlig falsch. - "La Palma lo tiene todo" heißt, "La Palma hat alles", der stimmt ja hinten und vorne einfach nicht, denn wir haben nicht alles und können auch gar nicht alles bieten. - Allerdings glauben wir das manchmal, und arbeiten ja auch äußerst hilflos auf einen touristischen Fleckenteppich hin, aber das wird nie funktionieren, denn die "anderen" können das zwar nicht alles unbedingt besser, sicher aber billiger. - Der Gedanke, sich glaubhaft und fest auf die eigenen und typischen Ressourcen zu konzentrieren, der setzt sich immer noch nicht wirklich durch, zu einfach scheint es eben andere touristische Pläne zu kopieren, ohne die fatalen Folgen sehen zu wollen. - La Palma kann sich nur durch seine Landschaft und seine noch unverdorbene gesellschaftliche Struktur auszeichnen, und dieser Gedanke muss konsequent, manchmal sogar robust als touristische Identität ausgebaut und auch beworben werden. - Dazu passen nun mal keine großen Hotels in der Pampa, keine Jachthäfen und schon gar keine Golfplätze, sondern es kann nur in Richtung "slow-island" gehen, ein bisschen nach dem Credo der "slow-food Bewegung", die ja auch ihre Daseinsberechtigung aus dem Überangebot konservativer "fast-food" Seuche erhält. - Das wird allerdings auch bedeuten, dass wir niemals nach der Anzahl der Gäste unseren touristischen Erfolg bewerten dürfen, sondern nur nach dem, was wirklich übrig bleibt, und wie weit wir uns dafür verbiegen müssen. - Viele Gäste, koste es was es wolle, das ist dümmlicher Humbug, der in Zeitabschnitten von politischen Legislaturperioden kurzzeitige Bedeutung erlangen kann, hat aber mit nachhaltiger Zukunftsplanung nichts zu tun. - Mehr Mut, mehr Entschlossenheit und vor allem mehr Grips kann man den Verantwortlichen unserer touristischen Zukunft nur wünschen, und uns und unseren Gästen auch.



Donnerstag 23.06.2011 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 30 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 22 % - Luftdruck 1016 hPa
Höchsttemperatur heute 30,7 Grad - niedrigste Temperatur 24,0 Grad

Politiklust- und Frust
Historie in drei Teilen bleibt bei Teil 1 stecken

Meine Frau hat mir ja eigentlich verboten, über Lokalpolitik zu schreiben, aber die ist so im Reisefieber, dass ich mal versuche, diese Geschichte an der "Zensur" vorbei zu schmuggeln. - Die Situation hier auf La Palma nach den Kommunalwahlen vom 22. Mai bleibt weiter spannend. - Die "Rebellion" der Räte und der Basis der Sozialisten in den Gemeinden geht weiter und zeigt auch bereits erste gute Früchte. - Allerdings ist diese Rebellion bereits in der Inselregierung stecken geblieben, dort wagte man es nicht, auch den Pakt mit der Partido Popular einzugehen, um endlich die Coalición Canaria nach diesen vielen Jahren der verfehlten Klientelpolitik aus den Ämtern zu entheben. - So ganz genau wissen wir natürlich nicht, was mit den 6 gewählten Räten der Sozialisten im Cabildo Insular los ist, und warum sie dem frischen Schwung der Demokratie von unten nicht gefolgt sind, sondern sich den Befehlen aus der Parteizentrale fast gänzlich ergeben haben. - Fast gänzlich muss man sicher anmerken, denn man beteiligt sich nicht an der Regierung des Cabildo Insular, so wie es eigentlich der Pakt im Gobierno de Canarias fordert, sondern sie lassen die Coalición Canaria als Minderheitenkabinett stehen. - Damit wird La Palma eigentlich unregierbar, denn jedes Projekt kann nun von der Opposition, (PP + PSOE) gestoppt werden, aber alle Ressort liegen in der Hand der Coalición Canaria, so dass auch keine konstruktive Arbeit möglich ist. - Man kann daraus ersehen, oder vielleicht erhoffen, dass die Räte der PSOE im Cabildo Insular auf Zeit spielen, und so viel Leidensdruck aufbauen wollen, dass sie dann in ein paar Monaten dem Schrecken ein Ende bereiten können und dann ein Pakt mit der Partido Popular als notwendige Konsequenz gefordert wird. - Das sind allerdings nur Vermutungen, die machen sich recht rar die Räte der PSOE im Cabildo Insular, denn die haben momentan wenig Freunde, auch in den eigenen Reihen, denn die Basis auf der Insel hat ganz klar gefordert, auch im Cabildo der rebellischen Linie zu folgen, welche die Gemeinden vorgegeben haben. - Im Gobierno de Canarias sieht es allerdings ganz traurig aus, dort regieren nun wieder die beiden Verlierer der Wahl, so wie vor vier Jahren bereits, nur eben dass dieses Mal die Sozialisten die Verlierer sind und sich zum Steigbügelhalter der Coalición Canaria gemacht haben. - Nichts Gutes kann man hier auf der Insel und an der Basis an diesem Pakt erkennen, und ganz viele Parteimitglieder auf La Palma erwägen ernsthaft einen Parteiaustritt. - Leider bleibt so auf Ebene des Gobierno de Canarias alles beim Alten, der notwendige Wandel, obwohl vom Wähler geäußert und gefordert findet nicht statt. - Die Wut der Basis der Sozialisten konzentriert sich jetzt auf José Miguel Pérez, den Vorsitzenden der Sozialisten auf den Kanaren, der eben diesen Pakt mit der Coalición Canaria gefordert und möglich gemacht hat und diesen Pakt mit kräftigem Druck nach unten weiterfordert und sogar mit Parteiausschlussverfahren droht und um sich wirft, wo diesem "Befehl" nicht gehorcht wird.

Was noch unangenehmer ist, José Miguel Pérez und seine Getreuen haben ganz und völlig den Ruf vieler Wähler nach einem Wandel in der Politik überhört, und machen mit dem Postengeschacher weiter wie bisher, anstatt neuen Ideen und besonders eben auch neuen Moralvorstellungen an moderne Politik zu verfolgen. - Keiner bestreitet es, dass José Miguel Pérez keine weitere Chance in der Politik erhalten wird, aber um seinen eigenen Posten zu retten, für maximal vier Jahre, hindert er die gesamte kanarischen PSC/PSOE daran, sich endlich wieder auf den Boden der Tatsachen zu begeben, und auf die Forderungen und Wünsche der Basis und der Bevölkerung zu hören. - Wir sind beschämt über das Verhalten der Parteispitze, dafür haben wir nicht gearbeitet und niemand darf daran zweifeln, dass die Herren dort mit Krawatte, aber ohne Gewissen, das auch ständig von uns zu hören bekommen. - In den Gemeinden hier auf La Palma richtet man sich allmählich ein, man beginnt sich abzufinden damit, dass man wohl nicht auf große Hilfe vom Gobierno de Canarias hoffen kann, und kämpft eben mit den alltäglichen Problemen nach einem Regierungswechsel auf Gemeindeebene. - Die Kassen sind allesamt leer, manche noch viel leerer als man vermutet hatte, weil viele Schulden versteckt geblieben sind, und andere Probleme, so wie die Geschichte mit der Wasserversorgung in Santa Cruz de La Palma wie ein Damoklesschwert auch noch über einem hängen. - Viele der neu in die Gemeinden gerufenen Räte wundern sich noch darüber, dass man ein Amt übernimmt, und vom Vorgänger überhaupt keine Instruktionen bekommt, was denn bereits auf den Weg gebracht wurde und was schnell zu erledigen sei, die Arbeitsinhalte auf den Rechnern sind allesamt gelöscht worden und man fängt bei Null an, oder eben bei Minus 20, weil keiner weiß, was noch alles an Überraschungen kommen kann. - Wohl der Gemeinde, die wenigstens ein paar erfahrene Kräfte in ihren Reihen haben, die kennen das schon und können den Übergang besser gestalten, aber zum Beispiel in Los Llanos, dort hat kein einziger der 11 Räte, und auch die Bürgermeisterin nicht, irgendwelche Erfahrung in der Führung einer Stadt und einer Gemeinde, und das bedeutet allerhöchsten Stress und viele mögliche Fettnäpfchen. - Eine gute Nachricht kommt aus Barlovento, auch dort ist es gelungen, durch eine Koalition aus PP und PSOE die CC aus dem Amt zu drücken, und nun hat man die Einkommen der Politiker der in der Nordostgemeinde neu geregelt, und die Kosten gleich mal für die Gemeinde um 62% damit gesenkt. - Von 194.000 Euro auf 75.600 im Jahr, das kann sich sehen lassen und dürfte auch für die anderen Gemeinden eine Steilvorlage sein. - Allerdings kann man nicht in allen Gemeinden solch kräftige Einsparungen erhoffen, denn Barlovento war eine Gemeinde, die immer schon sehr in der Kritik stand, weil sich dort der Bürgermeister und die Stadträte derbe am Gemeindevermögen vergriffen haben. - Auch wenn noch nicht alle Gehälter aller Gemeinden veröffentlicht wurden, es wird keine Gemeinde auf der Insel geben, in der die Politiker es wagen, ihre Diäten zu erhöhen, sondern es wird kräftig gekürzt werden. - Diäten kürzen heißt aber noch nicht gute Politik machen, aber es ist ein Anfang und auch ein deutliches Signal an die Wähler, man hat es nicht mehr mit satten Vielverdienern zu tun, sondern mit Menschen, welche die Politik auch als Aufgabe betrachten, und die in ihrem normalen Job, den sie vorher gehabt haben meist mehr verdienten.



Donnerstag 23.06.2011 10:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 25 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 22 % - Luftdruck 1018 hPa

¡¡Ferien!!
12 Wochen nur eingeschränkt funktionstüchtig

Gut, 12 Wochen minus 3 Tage, aber man kann hier wirklich von den "Großen Ferien" sprechen, und das ist gut so. - Vom pädagogischen Gedanken aus könnte man vielleicht wohl diskutieren, ob es nicht sinnvoller wäre, diesen Zeitraum etwas kürzer zu gestalten, aber es ist heiß, und wer will bei dem Wetter schon diskutieren. - Bei dem langen Zeitraum der Ferien ist es wirklich so, dass diese Monate wie eine fünfte Jahreszeit erscheinen, zumindest für die Familien, deren Kinder noch zur Schule gehen. - Aber auch die anderen bekommen das mit, der Verkehrsfluss in den Städten ist plötzlich ganz anders, die Hauptverkehrszeiten verändern sich und auch solche Dinge wie Aufstehen und Mittagessen werden nun von einem anderen Rhythmus bestimmt. - Endlich nicht mehr um 20 vor 7 aufstehen müssen, das alleine ist schon ein großer Zugewinn und schon innerhalb einer einzigen Woche gewöhnt man sich dann an eine neue Zeiteinteilung, die weitaus generöser und begreifbarer ist. - Allerdings bezahlen wir natürlich auch für diese große Freiheit, man wird träge, beginnt schon wieder vom ersten Tag an Dinge und Termine auf nach die Ferien zu verschieben. Denn diese fast drei Monate darf niemand zu sehr ran genommen werden. - Gut, die richtige Sommerpause, die beginnt erst in den letzten beiden Juliwochen und den August über, da stehen dann fast alle Räder still, weil ein ganzes Land das so will. - Ist nicht sonderlich hilfreich wenn es darum geht, die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit eines Gesellschaftskreises zu erhöhen, aber wir haben uns das so ausgesucht, und so lange man uns nur reichlich verschnaufen lässt, auch in der Krise, bekommen wir das schon irgendwie wieder hin. - Ich frage mich seit vielen Jahren bereits wie das trotzdem noch alles funktionieren kann, aber wir sind dann halt doch auf der Griechenwerdung irgendwo noch in Europa stecken geblieben. - Aber diese Auszeiten brauchen wir einfach, oder zumindest glauben wir diese zu brauchen, es geht darum Stress zu vermeiden, oder wie man auch boshaft meinen könnte, Stress denen zurück zu schicken, die 365 Tage im Jahr funktionieren und das auch von uns erwarten. - Jetzt stehen noch so ein paar Nachwehen der Schulzeit an, am Montag die Zeugnisse abholen, die Neuanmeldung für das kommende Schuljahr, und dann vergessen wir dieses große Gebäude mit dem Bildungsauftrag nachhaltig für diese wunderbare Jahreszeit der Muße, und nicht des Müssens. - Im Moment bin ich noch ganz benommen von der Freiheit, so spät aufgestanden zu sein, man kann selbst dadurch in Stress geraten, weil plötzlich kein Stress mehr da ist. - Die große Entschleunigung ist angesagt, das können meine Mitmenschen hier viel besser als ich, die sind viel schneller drin im süßen Wohlbefinden der Langsamkeit, ich habe keine Bremse dafür, sondern muss den Karren einfach auslaufen lassen. - ¡¡Ferien!! - Auch das will gelernt sein, und ich übe noch.



Mittwoch 22.06.2011 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 32 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 5 % - Luftdruck 1019 hPa
Höchsttemperatur heute 33,0 Grad - niedrigste Temperatur 24,7 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 40,8 - Temp. Min 20,9 - Feuchte 20 - 23 % Niederschlag 0 mm

Kompaktgedöns
Juri Gagarin, Sergio Matos und San Borondón

108 Minuten war Juri Gagarin im All. So sagt man, ich weiß es nicht, ich war nicht dabei. - Allerdings nimmt man diese 108 Minuten jetzt als netten und metaphorischen Titel für eine äußerst interessante Konferenz, oder besser gesagt "Runden Tisch" in Sachen Astrophysik. - Und wenn man von Astrophysik in Europa spricht, dann kommt man an La Palma nicht vorbei, auch wenn den Löwenanteil eines "Großevents" in Sachen "ach guck mal, die Sterne" auf Tenerife spielt. - "Starmus Festival" heißt diese Großveranstaltung, in der sich Großkopferte der Branche Astrophysik nur so die Hände reichen, und ein bisschen von diesem Sternenregen fällt auch auf uns herab. - Morgen, also am Donnerstag kommt illustrer Besuch zu uns auf die Insel. - Mehrere Nobelpreisträger, Astronauten und bekannte Astrophysiker sind eingeladen im größten optischen Spiegelteleskop der Welt, dem "GTC", dem Gran Telescopio de Canarias auf unserem höchsten Berg, um dort ihre Ideen und Wissen und auch Lebenserfahrung in Sachen Astronomie auszutauschen. - Dazu haben die 108 Minuten Zeit, das war die Idee von Garik Israelian, vom "IAC" Instituto Astrofísico de Canarias, den wir noch in guter Erinnerung haben, war er doch die treibende Kraft, hier auf der Insel mit Brian May und Jean-Michel Jarre das "Concierto de las Estrellas", also das Sternenkonzert aufzuführen. - Man wollte das anlässlich der Eröffnung des "GTC" machen, doch leider verlor sich diese Idee, nach bereits akribischer Vorarbeit, dann in den unendlichen Weiten der finanziellen Krise. - Brain May ist aber auch wieder da, nicht nur als Musiker, der ist nämlich auch Astrophysiker, und ist somit eine der illustren Persönlichkeiten, die uns morgen besuchen kommen. - Außerdem werden erscheinen: Die Nobelpreisträger Jack Szostak und George Smoot, der Biologe Richard Dawkins, die Astronauten von Apollo 11 Buzz Aldrin und Neil Armstrong, sowie die Wissenschaftler Jill Tarter und Kip Thorne. - Wenn das nicht mal eine interessante Runde ist, und zuzutrauen wäre es ihnen schon, das Universum in 108 Minuten zu erklären, das Problem dabei wäre wohl wieder nur, keiner versteht, was die meinen. - Ein schöner Erfolg für unsere astrophysikalischen Einrichtungen hier auf der Insel, und soll bloß niemand mehr sagen, das bringt alles nichts für uns.

Sergio Matos ist nicht ganz so berühmt wie Neil Armstrong, aber ehrlich gesagt wichtiger für die Insel, oder sagen wir mal die Hauptstadt Santa Cruz. - Der ist nämlich der neue Bürgermeister der Stadt und hat, wie die heutige Morgennachricht berichtet, gleich mal ein saftiges Problem von seinem Vorgänger übernommen. - Allerdings kam heute im Laufe des Tages gleich noch die Antwort auf das Wasserproblem in Santa Cruz, man wird in den kommenden Tagen Einspruch gegen das Urteil einlegen, man ist nicht zufrieden damit, dass man die Vergabe des Wasserversorgung neu ausschreiben muss. - Allerdings ist man sich auch wohl klar, dass man kaum Chancen hat, diesen Einspruch zu gewinnen, aber was man gewinnt, das ist Zeit, und die braucht man auch händeringend, um überhaupt die Möglichkeiten auszuloten, wie man denn aus diesem Schlamassel wieder heraus kommt. -Schöne Bescherung hat da der Vorgänger übrig gelassen, aber so ist das nun mal, so manch ein neuer Bürgermeister in den Gemeinden auf La Palma hat in den letzten Tagen bereits verflucht, das Amt übernommen zu haben.

Heute Vormittag konnte man für ein paar Augenblicke die Insel San Borondón wieder mal sehen. - Das geschieht selten, bis fast gar nicht, aber manchmal eben doch, und mir ist es sogar gelungen, allerdings vom fahrenden Auto aus, ein paar Fotos von der Insel zu erhaschen. - Wenn San Borondón erscheint, dann hat man keine Zeit mehr rechts ran zu fahren und die Linse einzustellen, wer San Borondón sieht, der muss sofort auf den Auslöser drücken, sonst verschwindet die Insel sofort wieder aus dem menschlichen Blickfeld. - Ich habe ja auch gesagt menschlichen Blickfeld, denn die Insel ist wohl da, und von San Borondón aus kann man La Palma immer klar und deutlich erkennen, von dort aus blickt man direkt ins Aridanetal, aber eben umgekehrt ist das so eine Geschichte. - Es gibt ja auch nur ein paar Menschen, die jemals von San Borondón wieder zurückgekommen sind, denn hingegangen sind viele. - Es muss dort wunderschön sein, so zumindest berichtet Edward Harvey, einer der wenigen, welcher zurückkam, und sogar Fotos mitgebracht hat. - Andere behaupten auch, sie seien dort gewesen, wollen aber unter gar keinen Umständen darüber sprechen, was sie dort erlebt hätten. - Leider kann man San Borondón auch nicht bei Google Earth sehen, noch auf Schifffahrtskarten, und auch nicht auf Satellitenbildern, wie gesagt, die haben Techniken und Möglichkeiten, sich unserer Beobachtung fast ständig zu entziehen. - Edward Harvey, welcher die Fotos von San Borondón geschmuggelt hat, der hat allerdings keine Erklärung dafür, warum man San Borondón so gut wie niemals sehen kann. Carlo hat wohl eine Geschichte dazu. - Ich habe gar keine Erklärung dafür, habe allerdings San Borondón bereits dreimal gesehen, aber nur dieses eine Mal ist es mir gelungen, Fotos von der Insel zu machen.








Bitte verzeihen Sie mir die miserable Qualität der Fotos. - Ich hoffe, Sie sind besseres von mir gewohnt, aber wie gesagt, wer San Borondón zu sehen bekommt, der muss sofort draufhalten, sei es auch aus dem fahrenden Auto. - Die Fotos entstanden heute Vormittag, zweimal oberhalb von Todoque und einmal unterhalb, auf der Straße nach Puerto Naos.




Mittwoch 22.06.2011 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 25 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 5 % - Luftdruck 1017 hPa

Wasserschlacht
Hauptstadt muss Wasserversorgung neu ausschreiben

Das hatte man sich anders vorgestellt, aber man war ja vorgewarnt worden, denn in El Paso ist ja fast das gleiche geschehen. - Einige Städte hier auf La Palma haben ihre Wasserversorgung privatisiert, und dafür recht angenehme Summen in den Stadtsäckel schieben können. - Das war auch im Fall unserer Hauptstadt so, dort konnte man 7,9 Millionen Euro erzielen, Geld, welches man dringend nötig hatte, um andere Löcher im Haushalt zu stopfen. - Die Lizenzvergabe zur Wasserversorgung ging an die Firma "Canaragua", die einzige Firma übrigens, welche auch in anderen Gemeinden der Insel tätig ist, und auch das einzige Labor zur Wasseruntersucheng auf La Palma betreibt. - Natürlich lief das über eine Ausschreibung, im Jahr 2007 bewarben sich neben der "Canaragua" auch noch die Firma "Aqualia" und "Valoriza". - Von allen drei Angeboten wählte man das von "Canaragua" aus, obwohl beide andere Firmen mehr Geld geboten hatten. - Man erklärte das in der Gemeinde mit der Tatsache, dass "Canaragua" zwar nicht die größte Geldsumme geboten hätte, aber deutlich mehr andere Leistungen mit angeboten hat und somit das beste Gesamtpaket darstellte. - Damals noch regierten in der Hauptstadt die Coalición Canaria mit der Partido Popular, und die Sozialisten waren in der Opposition und versuchten sich heftig und lautstark gegen die Privatisierung der Wasserversorgung zu wehren. - Jetzt sitzen die Sozialisten mit auf der Regierungsbank, und weil das Leben so ist, trifft das Urteil, die Vergabe der Wasserversorgung an "Canaragua" zu annullieren, eben genau die Sozialisten, welche damals dagegen waren. - Das wird aber leider kein Happy-End werden, denn man wird eine erneute Ausschreibung unternehmen müssen und es ist sehr fraglich, ob die beiden anderen Firmen an dieser Ausschreibung überhaupt noch teilnehmen wollen, da sie trotz heftiger Bemühungen auf La Palma einfach keinen Fuß auf den Boden bekommen haben. - So bleibt als einziger Anbieter wohlmöglich genau die "Canaragua" übrig, und das könnte dann teuer werden für die Gemeinde. - Sollte sich nämlich wirklich nur "Canaragua" bewerben, dann werden die das sicher für einen deutlich geringeren Preis anbieten. Wie der Ablauf nun genau ist, das weiß man noch nicht, und auch nicht, ob die Gemeinden nun das Geld, oder einen Teil des Geldes, zurück bezahlen müssen, oder man zunächst die Ausschreibung und die erneute Vergabe abwartet. - Dabei kann es natürlich zu dem Fall kommen, dass die Gemeinde arg in finanzielle Bedrängnis kommt, weil die eben mal nicht so ein paar Millionen da herumliegen haben. - Kein guter Start für die neue Rathausbesatzung in Santa Cruz, da hat man so viele tolle Sachen vor, wie zum Beispiel den Bau des Stadtstrandes, und dann wird man plötzlich wieder eingeholt von Fehlern aus der Vergangenheit, die man nicht mal selbst angerichtet hat.

Noch zum Wetter. - Wir sind hier auf La Palma noch ganz gut durch die Hitze gekommen, die anderen Inseln haben mehr abbekommen. - Heute wird es auch nicht noch wärmer werden als gestern, die Temperaturen gehen bei uns ab morgen dann auch schon wieder zurück. - Auf Lanzarote und Fuerteventura reichten die Temperaturen gestern knapp an die 40 Grad Marke heran, wir haben lediglich 33 - 35 Grad erreicht, das bisschen mehr Abstand nach Afrika, das hat sich also bezahlt gemacht.



Dienstag 21.06.2011 19:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 32 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 15 % - Luftdruck 1015 hPa
Höchsttemperatur heute 33,2 Grad - niedrigste Temperatur 21,6 Grad

Asphaltplaudereien
Gedankenspiele

Ein bisschen mehr wissen wir jetzt, was bei der Befragung des Ex-Bürgermeisters auf dem Gericht so besprochen wurde, aber auch nur ein bisschen mehr. - Demnach erlitt er in Sachen Asphaltwerk die üblichen kognitiven Begleiterscheinungen wie viele Politiker, teilweise Amnesie, und immer genau da, wo es interessant wurde. - So erinnerte er sich nicht, dass bereits Asphalt für eine Baustelle in Los Llanos geliefert wurde, und ebenso wenig an den genauen Ablauf und wie das im März 2010 so mit den Papieren im Rathaus abgelaufen ist. - Macht auch alles nichts mehr, das Gericht hat nicht wirklich Verfolgungswahn gegenüber dem Ex-Bürgermeister, die sind eher darauf und dran den Betreiber der Anlage für ein Umweltvergehen zu belangen, mit einer Geldstrafe, für den nicht autorisierten Probebetrieb, und das wird das dann gewesen sein. - Allerdings war die Richterin selbst auf dem Gelände, begleitet von Polizei und dem Betreiber, und auch eine Biologin soll zugegen gewesen sein, die nun ein unabhängiges Gutachten erlassen soll. - Noch ein Gutachten also, mal sehen, wozu das gut ist. - Die "Plataforma" gegen die Asphaltwerke richtet sonach ihr Hauptaugenmerk auch nicht auf das Verfahren in Los Llanos, sondern setzt weiterhin, so wie man das von Anfang auch gemacht hat, auf das Verfahren vor dem Verwaltungsgericht auf Tenerife, wo es allerdings immer noch nicht weitergegangen ist. - Aber das ist auch kein Problem, wir haben Zeit, denn die Anlage läuft ja nicht, also muss man auch nicht drängeln. - Interessant ist natürlich jetzt das Verhalten der neuen Damen und Herren im Rathaus, und es gab auch schon die ersten Gespräche mit der Bürgermeisterin Noelia García und Chema de Vargas, dem zweiten Bürgermeister, der sich auch schon vor seiner Amtszeit aktiv gegen die Asphaltwerke eingesetzt hat. - Bei Noelia García war man sich da ja nicht ganz so sicher, hatte die doch selbst noch an dem Abend in El Paso, als die "Plataforma" die politischen Kräfte hier im Aridanetal eingeladen hatte, ein Manifest zu unterschreiben, etwas zickig gegeben, und brachte ihr eigenes Papier mit, welches sie dann publikumswirksam unterschrieben hat. - Aber auch hier sind die Führungsmitglieder der "Plataforma" inzwischen überzeugt, dass man auch mit Noelia García rechnen kann, in der Unterstützung gegen die Asphaltwerke, und das ist total wichtig, denn schließlich müsste die Dame die Betriebsgenehmigung erteilen. - Gut, man kann sie auch zwingen dazu, allerdings sieht es eher so aus, als dass man zunächst darauf hinarbeiten wird, auf jeden Fall das Urteil aus Tenerife abzuwarten, bevor man einen weiteren Schritt unternimmt.

Sollte aus irgendwelchen Gründen aber das Verwaltungsgericht auf Tenerife nicht so entscheiden, wie wir alle meinen und hoffen, dann kann die Gemeinde immer noch einen Riegel davor setzen und die Anlage nicht genehmigen, wäre aber dann Schadensersatzpflichtig gegenüber dem Betreiber. - Damit hatte ja die alte Regierung im Rathaus von Los Llanos immer gedroht, dass man sich so etwas überhaupt nicht leisten könnte, und es um viele Millionen Euro ginge, falls der Betreiber entschädigt werden muss. - Es geht aber nicht um viele Millionen Euro, sondern nach Schätzung des Anwaltes und der "Plataforma" lediglich um vielleicht 100.000 bis 200.000 Euro. - Der Anwalt schielt eher auf die kleinere Summe, die von der "Plataforma" gehen vorsichtshalber ein bisschen höher. - Erklärung hierfür, die Anlage mit welcher die Asphaltmischungen hergestellt wurden, die ist mobil, kann also an jeder anderen Stelle wieder aufgebaut werden, die geht also nicht verloren und muss somit auch nicht entschädigt werden. - Der Grund und Boden auch nicht, der kann nämlich verkauft werden, ist also auch nicht Gegenstand für eine Entschädigung. - Was bezahlt werden müsste, das sind die Arbeiten die auf dem Gelände getätigt wurden, und der ganze bürokratische Ablauf, und solch ein Genehmigungsverfahren ist teuer, daher doch noch eine solche Summe, die sich wohl über 100.000 Euro bewegen könnte. - Der Betreiber wird sicherlich sehr viel mehr fordern, aber reell ist das nicht nachzuvollziehen, und die Anwälte der Gemeinde werden dann schon genau darauf achten, welche Posten da alle auftauchen. - Was aber zunächst die allergrößte Freude für die "Macher" der "Plataforma" ist, man kann endlich aufs Rathaus gehen, trifft auf offene Ohren und erhält nun endlich Einsicht in die Papiere, die man unbedingt kennen muss, damit man die Taktik gegen die Asphaltwerke besser bestimmen kann. - Das muss davor so schwierig gewesen sein, so zäh, und immer wieder verweigerte man der "Plataforma" unter fadenscheinigen Gründen die Einsicht, oder streute bewusst falsch Informationen. - So soll nun auch ein Schriftstück aufgetaucht sein, in dem die Lokalpolizei von Los Llanos attestiert, dass rund um das Asphaltwerk keine Menschen wohnen... - Der oberste Dienstherr der Lokalpolizei ist übrigens der Bürgermeister, man muss also nicht auf die Agenten der Polizei schimpfen. - Der Kampf ist beileibe nicht zu Ende, aber es ist einfacher geworden, und auch menschlich so viel angenehmer, und das ist doch auch schon ein guter Vorteil.

So, jetzt kommt aber wieder der wichtige Teil, die "Plataforma" braucht dennoch weiter Geld, so ganz ist das noch nicht ausgestanden. - Deshalb unsere Bitte, und denken Sie daran, es ist ja auch ganz in Ihrem Sinne als Anwohner oder Besucher der Insel, überweisen Sie weiterhin Spenden an die "Plataforma" die brauchen das dringend. - Hier noch mal die Kontoverbindungen:

Spenden: Asociación Plataforma En Contra La Instalacion De Plantas de Asfalto En El Valle Aridane, N.I.F. G 38995007
"Plataforma contra el Asfalto" reicht auch auf dem Einzahlungsbeleg

CODIGO CUENTA: CAJA CANARIA
2065 0718 17 1400970190

Wenn Sie von Deutschland aus überweisen wollen:
IBAN: ES43 2065 0718 1714 0097 0190
BIC / SWIFT: CECA ESMM 065



Dienstag 21.06.2011 08:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 22 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 5 % - Luftdruck 1015 hPa

Jetzt wird es heiß
Hallo Afrika

Das große atlantische Hochdruckgebiet, auch meist Azorenhoch genannt, das verkrümmelt sich langsam aber stetig nach Nordosten. - Weiter gelangt der Wind in den unteren Zonen noch aus Nordost zu uns, allerdings spürt man von der großen Kühlmaschine, dem Atlantik, nur noch nahe des Meeres eine frische Erleichterung. - In die Luftzirkulation über uns fließt eben nun immer mehr Luft ein, welche sich über Nordafrika erhitzt hat und es gibt kaum noch Luftaustausch mit Regionen weiter nördlich auf dem Atlantik. - Die Luft ist nun auch extrem trocken, der Hygrometer kann die Feuchtigkeit bereits nicht mehr anzeigen, ein weiteres Indiz dafür, dass nun Afrika die Wetterregeln die kommenden Tage auf den Kanaren bestimmen wird. - Wie auch bei den Tiefdruckphänomenen, welche im Winter oft Stürme aus Westen zu uns bringen, hängt unser Wetter immer von der Lage des großen atlantischen Hochdruckgebietes zusammen, kaum ist das weg, oder nicht genau auf seinem Posten, dann spielt bei uns das Wetter verrückt. - Temperaturen von deutlich über 30 Grad erwarten wir in den kommenden Tagen, wobei es immer noch gilt, je weiter oben und je weiter weg vom Atlantik, um so höher steigen die Werte. - Zunächst bis Freitag müssen wir schwitzen, danach wird es wieder etwas frischer, allerdings bleiben die Temperaturen auch danach noch sehr sommerlich hoch, die Situation entspannt sich nur leicht. - Zunächst noch ohne Wind, aber später in der Woche wird der deutlich auffrischen und dann spätestens müssen wir auch wieder von höchster Waldbrandgefahr sprechen. - Da gibt es die berühmte Regel 30-30-30, was nicht anderes bedeutet als über 30 Grad Temperatur, Luftfeuchte unter 30% und Windgeschwindigkeiten von über 30 Stundenkilometer, treffen alle drei Faktoren zusammen, so potenziert sich die Gefahr für Brände. - Was zu beachten ist, natürlich kein offenes Feuer im Wald, auch kein Barbecue in der Landschaft und sollte man irgendwo ein Feuer entdecken, sofort Alarm schlagen. - Entweder die 112 anrufen, oder einen Einheimischen darauf aufmerksam machen, damit der dann die Feuerwehr gleich an die richtige Stelle lotsen kann. - Auch kann man getrost die kommenden Tage darauf verzichten, Bergtouren zu unternehmen, es sei denn, man will seinem Körper höchste Strapazen zumuten. - Nach einem kalten Winter, außer Februar waren alle Monate bislang kälter als im vergangenen Jahr, erwarten wir nun einen Sommer, welcher den Jahresdurchschnitt dann wieder in Ordnung bringen will. - So lange das ohne Feuer in den Wälder abgeht, so lange soll uns das recht sein.




Ein typisches Bild vor einem heißen Tag im Sommer, ganz in der Früh aufgenommen. - Unter 250 Meter hält sich noch eine feuchte und kühle Luftschicht unter der trockenen Glocke darüber. - Im Laufe des Vormittags lösen sich diese Wolken dann allerdings wieder auf.




Montag 20.06.2011 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 29 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 39 % - Luftdruck 1014 hPa
Höchsttemperatur heute 29,4 Grad - niedrigste Temperatur 18,5 Grad

La Palmas Urwald
70 x 30 Meter

Oft spricht man von Urwald, wenn man die Lorbeerwälder im Nordosten der Insel durchstreift, und so falsch ist das auch gar nicht, aber es gibt mehrere Eckchen der Insel, da ist noch nie ein Mensch hingekommen, und dort befinden sich somit die wirklichen Urwälder der Insel. - Ohne eben durch irgend einen Einfluss des Menschen verändern, und wir haben viel verändert hier seit dem vor gut 500 Jahren der Bevölkerungsdruck durch die Einwanderung von Europäern immer größer geworden ist. - In der Caldera de Taburiente befinden sich diese letzten "weißen Flecken" der Insel, kleine, abgelegene Hochplateaus, die vom Boden aus nicht erreichbar sind, sondern lediglich in dem man sich über mehr als 100 Meter von oben abseilt. - Dort vermutet man eben die "Urvegetation", die sich in einer solchen Exklave erhalten haben könnte, garantiert frei vom Eingriff der Menschen. - Ein solches "jungfräuliches Biotop" hat man nun bereits entdeckt, und sich von der "Punta de Los Roques" aus über 150 Meter abgeseilt. - Im Rahmen von alpinistischen Übungen ist das geschehen, im Beisein des Direktors des Nationalparks, und man hat an die 40 verschiedene Pflanzenarten dort auf dem Felsplateau entdeckt, dessen Größe mit 70 x 30 Meter angegeben ist, also nicht wirklich besonders groß. - Nun will man mit Botanikern erneut den Abstieg am Seil wagen, allerdings müssen das dann schon Botaniker mit hochalpiner Erfahrung sein, denn an einem 150 Meter langen Seil baumeln, das ist nicht jedermanns Sache. - Der Direktor des Nationalparks erwartet sich viel von der Bestandaufnahme der Pflanzenwelt in diesem absolut abgeschlossenen Biotop, in dem nur Vögel sonst hin gelangen können, keine Ziegen oder Mähnenschafe, welche der endemischen Vegetation gefährlich werden können. - Ob man dort nun noch unbekannte Pflanzenarten vorfindet, das weiß man noch nicht, die einzigen, die bislang dort unten waren, sind keine Biologen, welche sich das Bestimmen von Pflanzen dort zutrauen wollen. - Sicher hat es dort keinen Einfluss von Menschen oder Bodentieren auf die Pflanzenwelt gegeben, allerdings sorgen Vögel ja auch munter für die Verbreitung von Sämereien, und der Wind obendrein. - Man sollte vielleicht so auch nicht zu viel von diesem Stückchen "weißer Fleck der Erde" erwarten, aber neugierig macht so etwas schon. - Der Direktor des Nationalparks vermutet noch weitere solcher Exklaven im Park, will die aber nicht nennen oder deren Lage bezeichnen, da man auch verhindern will, dass "Erstbesteiger" es sich dann zur Aufgabe machen können, als erster Mensch diese kleinen Urwälder zu betreten. - Zuerst kommt die Forschung, dann der Sport, ich glaube, das geht in Ordnung so.





Montag 20.06.2011 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
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Inselregierung wird heute konstituiert
Guadalupe González Taño, alte und neue Inselpräsidentin

Anders als in den Gemeinden, in welchen erst eine Abstimmung unter den Räten den oder die Bürgermeisterin bestimmt, wird im Cabildo Insular automatisch die Person Präsident, welche die meist gewählte Liste angeführt hat. - Heute um 11:00 Uhr wird also Guadalupe González Taño erneut als Inselpräsidentin eingeführt, da die Coalición Canaria im Inselparlament die meist gewählte Partei war. - Neu ist allerdings, dass die CC nicht mehr mit einer absoluten Mehrheit regieren kann, man braucht einen Koalitionspartner, oder muss die Angelegenheit mit der Minderheit der Stimmen über die Bühne bekommen. - Das ist theoretisch und prinzipiell möglich, allerdings geht das fast niemals gut, und die Gefahr, dass La Palma damit unregierbar wird, die ist nicht nur theoretisch vorhanden. - Man dürfte so damit rechnen, dass die regierende Gruppe Projekte ausarbeitet, diese in die Plenen einbringt, dort aber die Opposition das alles ablehnt, und schon war die ganze Arbeit vergebens. - Anders herum können natürlich auch die Oppositionsparteien Anträge einbringen, und wenn diese dann die Zustimmung der Mehrheit finden, dann werden die trotzdem nicht umgesetzt, weil die einzelnen Ressorts wiederum von der Regierungspartei geführt werden. - Dieses Szenario haben wir bereits ein paar Mal auf anderen Inseln kurzzeitig erlebt, immer mit deutlichen Problemen behaftet, und immer zum Scheitern verurteilt. - Allerdings findet die Coalición Canaria keinen Partner, welcher bereits wäre, mit ihnen zusammen eine stabile Inselregierung zu formen, weder die Partido Popular, Ex-Partner der Coalición Canaria, noch die Sozialisten wollen Juniorpartner in einer neuen Legislatur der CC in der Inselregierung sein. - Nachdem historischen Schritt in den Gemeinden, in welchen sich die "natürlichen Feinde" der Partido Popular und den Sozialisten der PSC/PSOE zusammengerauft haben, um die Coalición Canaria in die Opposition zu drängen, hätte man nun erwartet, dass man in der Inselregierung auch diesem Beispiel folgen würde. - Die gewählten Räte der Partido Popular wären sofort dazu bereits, die Räte der Sozialisten ebenso, aber nun kommt das große Problem, welches uns bereits seit kurz nach den Wahlen am 22. Mai ohne Unterlass beschäftigt. - Und nicht nur einfach nur beschäftigt, sondern einen Konflikt zwischen der Basis und der Parteiführung der Sozialisten hier auf den Kanaren geschaffen hat, welcher sogar in der Lage sein kann, diese Partei zumindest auf der Insel La Palma verschwinden zu lassen.

Auf der Ebene des Gobiero de Canarias strebt der Wahlverlierer der PSC/PSOE José Miguel Pérez unter allen Umständen einen Pakt mit der Coalición Canaria an. - Dieser ist auch bereits beschlossene Sache, und wie man vermuten kann, auch bereits vor den Wahlen abgesprochen. - Viele Anhänger der Sozialisten habe darauf auch bereits bei der Wahl reagiert, und die PSC/PSOE heftig abgestraft. - Unter der Führung von José Miguel Pérez sackten die Sozialisten von 26 Sitzen im Gobierno de Canarias auf deren 15 ab, eine Niederlage, nach welcher die Basis der Sozialisten ganz klar den Rücktritt José Miguels fordert. - Das macht der aber nicht, sondern übt auch noch gewaltigen Druck auf die Basis auf, um diesen Pakt bis in die letzte Gemeinde zu tragen. - Auf La Palma haben die Gemeinden allerdings diesem Druck standgehalten, aber in der Inselregierung scheint das nicht, oder bislang nicht zu funktionieren. - Zumindest hat man sich so weit durchgesetzt, dass man nicht mit der Coalición Canaria paktieren wird, und sich auch nicht mit denen auf andere Art und Weise arrangiert, aber die von der Basis und den Gemeinden geforderte Koalition zwischen Partido Popular und den Sozialisten, die wird in der Inselregierung deutlich schwieriger zu formen sein, als es in den Gemeinden noch gelungen ist. - Es ist den gewählten Vertretern der Sozialisten in der Inselregierung schlichtweg verboten worden mit der Partido Popular zu paktieren, und es wird abzuwarten sein, ob sich die sechs Vertreter an dieses Verbot halten werden. - Halten sie sich daran, dann verlieren sie den Rückhalt der Basis und damit ihre Chancen hier auf La Palma erneut ein politisches Amt auszuüben, folgen sie aber dem rebellischen Aufruf der Basis und der Gemeinden, und bilden eine Koalition mit der Partido Popular, dann fliegen sie aus der Partei. - Keine leichten Zeiten für diese Abgeordneten, die hatten sich das anders vorgestellt, aber der Druck der Basis hier auf La Palma ist derart groß, dass für breiten Pragmatismus und noch lange andauerndes Lavieren kein Platz mehr ist. - Es bleibt spannend hier auf La Palma und wir werden ja sehen, ob es der rebellischen Basis der Sozialisten hier auf der Insel gelingen wird, sich gegen eine amtsverliebte Parteiführung durchzusetzen.



Sonntag 19.06.2011 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
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Höchsttemperatur heute 25,3 Grad - niedrigste Temperatur 17,7 Grad

Die Mexico-Vollmacht
Politische Bombe oder faule Ente

Die hier auf den Kanaren weit verbreitete Tageszeitung "El DIA" macht heute mit einer Schlagzeile auf, die schon ein Donnergrollen darstellt. - "Das Parlament muss gegen den Präsidenten der Kanarischen Inseln vor seiner erneuten Amtseinführung ermitteln" und bezieht sich dabei auf ein bei "Kanarileaks" eingestelltes pdf-file. - Dieses Dokument ist eine Vollmacht, ausgestellt vom spanischen Generalkonsul in Mexico, in welcher die Ehefrau des Präsidenten, sowie seine Schwester und eine dritte Frau von den Kanarischen Inseln einem Bürger aus Gibraltar eine Vollmacht ausstellen, damit dieser die Firma der drei Frauen in Mexico vertreten kann. - Die Firma wird mit einem Wert von 350 Millionen mexikanischen Pesos angegeben, was in Euro um die 20 Millionen wären. - So viel Geld muss ja irgendwo herkommen, und die Zeitung "El DIA" fordert nun eine Erklärung dafür, oder einen Beweis, dass es sich bei diesem Dokument um eine Fälschung handelt. - Denn auch "El DIA" ist sich keineswegs sicher, ob dieses Dokument echt ist, und beschreibt deswegen die Forderung nach einer Untersuchung in ganz vorsichtigen Floskeln und beruft sich eben auf "Kanarileaks" und würde jetzt aber auch selbst in Mexiko ermitteln. - "Kanarileaks" vor ein paar Monaten gegründet, natürlich als lokaler Ableger nach Vorbild von "Wikileaks", aber nicht wirklich mit sehr viel Inbrunst und erfolgreich betrieben, behauptet aber auch nicht, dass dieses Dokument echt sei, sondern sucht Hilfe bei den Lesern, um dieses Dokument entweder zu bestätigen, oder als Fälschung zu entlarven. - Alle waren also vorsichtig genug, denn wenn es sich herausstellen sollte, dass es sich um eine Fälschung handelt, dann dürfen sich der Fälscher, und alle welche dieses Dokument als echt zitiert haben, sich warm anziehen. - Und das bei der Wärme… - Allerdings wagt sich "El DIA" doch so weit aus dem Fenster eben zu fordern, dass man die Geschichte doch bitte untersuchen möchte, bevor man Paulino Rivero erneut zum Präsidenten des Gobierno de Canarias wählt. - Der angesprochen Paulino Rivero hat auch heute bereits reagiert, was auch in anderen Medien (z.B. Canarias 7) bereits erschienen ist, und in dieser Antwort weist er heftig alle Vorwürfe zurück, das Dokument sei eine Fälschung, wie auch bereits vom spanischen Konsulat in Mexiko bestätigt sei, und nun würde nicht nur gegen den Verfasser der Fälschung, sondern auch gegen diejenigen ermittelt, welche dieses gefälschte Dokument in Umlauf bringen.

Ich gehe auch davon aus, dass es sich um eine Fälschung handelt, allerdings kommt nun eine interessante Frage auf, wie steht man dabei zur Veröffentlichung von solchen Dokumenten. - Sowohl "Kanarileaks" wie auch "El DIA" behaupten in keinem Moment, dass es sich um ein echtes Dokument handelt, "Kanarileaks" bittet um Mithilfe das Dokument entweder zu bestätigen oder als Fälschung zu entlarven, und "El DIA" bezieht sich auf "Kanarileaks", auch ohne die Echtheit des Dokumentes zu bestätigen. - Die Frage wird nun sein, darf man ein solches Dokument veröffentlichen, wenn die Echtheit nicht klar ist, und sei es eben auch nur aus dem Grund, die Echtheit oder die Fälschung beweisen zu wollen. - "El DIA" kann man wohl gar nichts vorwerfen, denn alleine damit, dass man eine Untersuchung fordert, von bevor der Präsident erneut vereidigt wird, daraus kann man denen keinen Strick drehen, aber furchtbar geärgert haben wird sich Paulino Rivero über diesen Vorfall, sonst hätte der auch nicht so schnell und so scharf reagiert. - Übrigens haben anderen Medien den Fall nicht aufgegriffen, obwohl das Dokument schon ein paar Tage bei "Kanarileaks" hinterlegt ist, sondern nur "EL DIA", und das kommt nicht von ungefähr. - Diese Zeitung hat sich im Laufe der letzten zwei, drei Jahre von der Haus- und Hofberichterstattung der Coalición Canaria hin zu einem Blatt entwickelt, welches inzwischen keine Freunde oder Feinde mehr kennt. - Die Journalisten, übrigens auch viele gute des Fachs darunter, die schreiben weiterhin nett und höflich über die Coalición Canaria, der Verleger aber selbst, der wettert kräftig gegen Paulino Rivero in wöchentlichen Kolumnen und hat sich inzwischen von der Coalición Canaria losgesagt, und pflegt einen reichlich fragwürdigen Kurs, hin zu einer idyllischen wie völlig abstrusen Unabhängigkeitsbestrebung für die Kanarischen Inseln. - Es ist so ein bisschen der private Kampf eines alten Mannes, der eine Zeitung hat, gegen alle und jeden, der nicht seiner Meinung ist. - Nicht das erste Mal geraten die Beiden aneinander, und es wundert Paulino Rivero nicht besonders, dass ausgerechnet diese Zeitung mit dieser Schlagzeile aufmacht. - Sicher wird man uns auch noch die Bestätigung des spanischen Konsulats in Mexiko auch schriftlich irgendwie übermitteln, dass allen klar ist, dass diese Meldung eine Ente ist, und von "Kanarileaks" in Umlauf gebracht wurde, wenn auch mit dem klaren Hinweis, dass man die Echtheit dieses Dokumentes erst noch überprüfen muss. - Wenn aber doch was dran ist, na ja, daran möchte ich gar nicht denken. - Oder doch…?



Sonntag 19.06.2011 12:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
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5 Tage Kofferpacken
Drachenflugtag wirft seine Schatten weit voraus

Am Freitag geht es los, ein paar Tage bin ich also noch im Genuss einer kompletten Familie, allerdings sind die Damen mit dem Kopf und den Sinnen längst in Schweden. - Der Posteingang unseres E-Mail Programms zeichnet nun in Minutentakt irgendwelche Buchungsbestätigungen von Hotels in Malmö, Stockholm und Berlin auf, die Bundesbahn meldet ebenso Vollzug auf gleich mehreren Strecken und Herr Amazon hat auch längst die entsprechenden Reiseführer bei uns schon fast persönlich abgeliefert. - Aber das ist ja alles bereits Tradition bei uns, und an dem Tag, an dem die Koffer aus dem Container geholt werden, da spitzt sich die ganze Angelegenheit noch weiter zu und ich warte stündlich darauf, dass in unserem Haushalt nur noch schwedisch gesprochen werden darf. - Nicht, dass einer bei uns schwedisch könnte, aber die fangen dann an mit einem Akzent zu sprechen, welchen man vielleicht als schwedisch deuten könnte, so viel Spaß haben die bereits lange vor dem eigentlichen Antritt ihrer Reise. - Für mich sind das jetzt schon harte Tage und meine kleinen Interventionen mit irgendwelchen unwichtigen Alltagsproblemen, dass vielleicht noch 3 Tage Schule sind, oder wir die Steuererklärung noch unterschreiben müssen, die prallen auf hingeworfene Reizwörter wie Schärengarten, Öresund-Brücke und Gripsholm. - Man muss sich das nur vorstellen, ich spreche meine Frau an, dass wir noch dieses und jenes zu erledigen haben, und sie antwortet auf meine Alltagslappalien mit dem frechen Hinweis, dass sie jetzt endlich weiß, wie man von Stockholm aus auf die Insel Sandhamn kommt. - Ich wollte eigentlich was über das Mittagessen wissen, und meine Frau hält mir die Fahrpläne von Fährschiffen mit Namen "Tärman" und "Delarö" unter die Nase und mir geht ein Lichtlein auf, dass es heute wieder nur "Smörrebrod" gibt, also Stulle mit was drauf. - Das ist nicht weiter schlimm, dann freue ich mich umso mehr auf meine Büchse Ravioli am Freitagabend, die bereits sichtbar und greifbar auf der Anrichte steht. - Rosa stellt nun die beiden Koffer auf den Terrassentisch, das ist auch bereits Tradition, und da bleiben die dann offen die kommenden Tage stehen. - Offiziell nennt man das "Auslüften", weil unser Container ein bisschen nach Schraubenzieher und Drahtbürsten riecht, aber eigentlich liegen diese beiden Koffer dort, um allen klar zu machen, dass der Urlaub bereits begonnen hat und man nicht mehr bereit ist, auf plumpen Alltag zu reagieren.

Zwischen schwärmerischen Darstellungen von der Eisenbahnfahrt an der Ostsee entlang, entfahren dann meiner Frau auch immer wieder ein paar Anleitungen, wie ich mich den die kommenden leeren Wochen hier im Haushalt zu verhalten hätte. - Das müsste beachtet werden, jenes untersucht, und Ken, die neue Waschmaschine, sei ja nun so einfach zu bedienen, dass "man" sich nicht wünsche, bei der Heimkehr diese auch bereits traditionellen Wäscheberge vorzufinden. - Und immer das Büro abschließen wenn ich weggehe, fehlt nur noch, dass sie mir eine Strickvorlage hinlegt, wie man denn morgens in die Socken und die Schuhe kommt. - Nein, meine Frau meint das gut mit mir, die ist wohl richtig besorgt, mich so lange hier alleine zu lassen, schließlich hat sie ja bereits Erfahrung gesammelt, was in drei Wochen so alles schief gehen kann. - Rosa hat mir auch bereits einen Reiseplan geschrieben, wann und an welchem Tag man wo sei, damit ich das auch auf der Weltkarte nachvollziehen könne und ich eventuell, wenn ich mich so langweile, auch in die entsprechenden Webcams einhacken könnte. - Das nenne ich doch mal respektvolle Behandlung dauerhaft Hiergebliebener, ich kann jeden Moment nachvollziehen, wie wunderbar sich andere den Urlaub gestalten. - Ich wollte kontern, mit solchen drastischen Aussagen wie, am Samstag gehe ich auf die Plaza von Los Llanos, aber das hat nicht gezogen, denn die wissen ja, so weit von zuhause trifft man mich selten an und ich wäre am Samstagabend sicher wieder mit meinen Politkumpels Miguel und José in der Abuela, um soziophilosophische Spitzfindigkeiten auszutauschen. - Manchmal kommt dann schon Neid bei mir auf, aber wenn ich dann wieder an den ganzen Aufwand denke, Kofferpacken, Flugreise, Bahnreise, fremde Städte, fremde Hotels, Kneipen in denen ich niemand kenne und Sprachen, die ich nicht spreche, dann schlüpfe ich schnell und bequem wieder in meinen dumpfen Lokalismus zurück. - Paul sieht das ein bisschen anders, der würde am liebsten mitreisen, sobald die Kofferdrohung dort auf dem Terrassentisch liegt, springt er in einen der Koffer und bleibt dort, so lange es nur geht sitzen. - Der würde vielleicht auch gerne mal die Ostsee sehen, rohen Fisch essen und mit der Bahn bis Stockholm fahren. - So sieht das also aus, der eine darf nicht, der andere will nicht, also freuen wir uns gemeinsam mit den fröhlichen Reisenden, dann haben wir alle was davon. - 5 Tage lang Kofferpacken, das nenne ich mal ein gelungenes und nachhaltiges Vorspiel.





Samstag 18.06.2011 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 23 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 43 % - Luftdruck 1017 hPa
Höchsttemperatur heute 23,8 Grad - niedrigste Temperatur 18,2 Grad

Wir sind alle Spezialisten
Nippel, Flansch und Universalverschraubung

Pumpe kaputt. - Das kommt vor, meist dann, wenn man pumpen will. - Das ist aber eigentlich nicht schlimm, man kennt jemanden, der eine andere alte Pumpe herumstehen hat, die wird es dann schon tun. - Die tut es auch, allerdings ist der Weg zum neuen Pumpenglück durch eine Vielzahl von Nippeln, Reduzierungen, Flanschen und Universalverschraubungen etwas steinig geraten, denn die neuere Pumpe, die sich bei genauem Hinsehen als älter als die alte Pumpe erweist, ist natürlich anderer Bauart und die Anschlüsse liegen auch woanders und haben nicht mehr 1¼ Zoll, sondern nur noch 1 Zoll. - Macht auch nichts, denn ich haben ja einen Container voll mit Ersatzteilen für alle möglichen Gelegenheiten, da erweist es sich doch hervorragend, dass meine Jäger- und Sammlercharakterzüge trotz heftigem Protestes sich oft durchsetzen. - Ich habe alles, aber nur wo ist die Frage, und nachdem ich über mindestens 11 Drahtbürsten, Schraubenzieher in einer Anzahl, die mir pervers vorkommt, und alte Fotoalben schließlich dahin gekommen bin, wo alte Verschraubungen sein sollten, stellte sich nach anderthalb Stunden heraus, dass mir zwei Nippel, eine Reduzierung und eine Universalverschraubung fehlten. - Kein Problem, so etwas gibt es hier in jeder Ferretería, wäre es nicht Samstagnachmittag. - Da hilft dann immer noch der San Martín Supermarkt in El Paso, der im Keller doch eine "Non-food" Abteilung, mit zwar horrenden Preisen, aber eben präsent vorhält, doch die bauen gerade um, so dass das Handwerkerglück nicht weiter bedient werden kann. - Kein Problem, man hat doch Freunde, auch am Samstagnachmittag, und die beiden Nippel, die waren kein Problem, in der Garage eines zweiten Freundes fanden wir dann noch die passende Universalverschraubung. - Die allerdings hatten Guanchen an einem Reststück Rohr so festgeschraubt, dass wir mit Methoden dieses Teil lösen mussten, die man auf Deutsch besser gar nicht ausdrückt, sonst heißt es hinterher noch, Ehec käme von spanischen Klempnern. - Gut, Klempner sind wir alle keine, aber wir haben mächtige Zangen und guten Willen, ungewöhnliche Schmiermittel und Zangenverlängerungen, die eigentlich gar nicht funktionieren können. - Gut, Universal und Nippel hatte ich jetzt, nun fehlt nur noch die Reduktion von 1¼ auf 1 Zoll, und das ist schon so etwas wie eine seltene Blutprobe. - Ich liebe es, in Garagen oder Werkstätten anderer herumzusuchen, verrostete Verschraubungen auszupacken, um dann immer wieder festzustellen, so ein Ding, das hat keiner bei sich herum liegen. - Allerdings hatte ich in einer anderen Garage eine Verbreiterung von 1¼ auf 1½ gesehen, aber ich wollte doch eine Verjüngung, oder wie das auf Deutsch heißt, von 1¼ auf Zoll, und nicht noch größer werden. - Zuhause hatte ich aber noch eine Reduzierung von 1½ auf 1 Zoll gehabt, und wenn man damit ein bisschen palmerische Samstagnachmittaglehre hinzu gibt, und abends noch in den Biergarten will, dann ergibt das auch eine Lösung. - Zunächst also noch mal größer werden, um dann erst zu verjüngen, es geht doch.

Jetzt waren endlich alle Verschraubungen vorhanden, und munter ans Werk, wenn da nicht plötzlich das Teflon-Band ausgegangen wäre. - Also wieder in den Container, ich finde keins, bleibe kurz an einer Kiste mit meinen alten Schulzeugnissen hänge, weine bitterlich, es hätte nämlich durchaus was aus mir werden können, und erst die Nachbarshunde, die nun in den Container gejagt kommen, um mich zu begrüßen, reißen mich wieder aus der Lethargie. - Gut, der dritte Bekannte hat Teflon-Band, aber auch nicht mehr so viel, dass ich damit aasen könnte, also immer schön vorsichtig uns sparsam, sonst muss ich wieder los. - Es ist schon später Nachmittag, als ich nun mit der Pumpeninstallation fertig werde, sieht irgendwie lustig aus das Ding, aber funzt, und ich bin dem Wechselstrom ewig dankbar, dass man sich beim Fummeln mit dicken Fingern an kleinen Klemmen nicht auch noch Gedanken machen muss, wo die beiden Kabel nun hinkommen. - Erdung ist was für Weicheier, mit so etwas halten wir uns hier nicht auf, drei Kabel, da ist eines zu viel. - Wir sind doch alle Spezialisten, lassen Durchlauferhitzer an Klingeldraht laufen, dichten Krankenhäuser mit Silikon ab und prüfen Gasleitungen mit dem Feuerzeug. - Es ist alles nur eine Frage der Improvisation und dem echten Willen, nicht perfekt sein zu müssen. - Das ist ein Stück Leitkultur hier auf der Insel. - Gut, es regnet rein, aber wir sind dabei zufrieden, denn es regnet nur ein bisschen rein und wenn man eben so dumm ist, Waschmaschine und Geschirrspäter gleichzeitig laufen zu lassen, dann fliegt natürlich die Sicherung raus. - Wenn man überhaupt eine hat. - Perfekt, das sind andere, von denen haben wir gehört, wir aber sind alle Spezialisten, nicht gerade vielleicht bei der Arbeit, aber meine Pumpe läuft.







Wer gar nicht schrauben will, der verwendet den modernen und stufenlos anzubringenden Mehrzweckflansch der Marke "Taburiente universal"




Samstag 18.06.2011 09:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 19 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 62 % - Luftdruck 1017 hPa

Die schwere Entpotemkinisierung Tazacortes
250 Gemeindearbeiter müssen wieder gehen

So schwer ist dieses Wort nun auch wieder nicht zu verstehen. - Ja, es ist eine Neuschöpfung, Google wird sich darüber freuen, der Duden eher weniger. - In vielen Gemeinden ist es vor den Wahlen durchaus üblich, sich Wählerstimmen durch Vergünstigungen zu erkaufen. - Das kann auf unterschiedliche Weise geschehen, aber ein sehr gängiges Muster sind eben kurzfristige Arbeitsverträge, die eben mit dem Hinweis von der Gemeinde verteilt werden, man solle sich doch am Wahlsonntag erinnern, wer dafür gesorgt hätte, dass man nun in Arbeit sei. - Sicher ist das moralisch wie wirtschaftlich anfechtbar, aber eben in den seltensten Fällen kann man daraus einen Straftatbestand, etwa der Pflichtverletzung oder der Vorteilgabe basteln, und wohl schon gar nicht könnte man diesen Vorgang auch beweisen. - In fast allen Gemeinden hat man das gemacht, um nicht Tazacorte alleine anzuprangern, aber es ist meist hervorragende Praxis der Coalición Canaria, sich Wählergunst so zu erschleichen, und Tazacorte setzt eben in dem Fall dem Ganzen immer noch mal die Krone auf. - So wurden in den Monaten und Wochen vor den Wahlen an die 250 Personen von der Gemeinde eingestellt, zusätzlich zu den bereits vorhandenen Gemeindearbeitern, so dass man dann vor den Tagen der Wahl an die 350 Personen in Lohn und Brot hielt. - Und das bei einer Gemeinde von 5.400 Einwohnern, zum Vergleich, El Paso hat 7.800 Einwohner und ganz knapp über 100 Angestellte. - Von den 250 zusätzlich eingestellten Arbeitern hat die alte, die scheidende Gemeindevertretung bereits gleich nach der Wahl zwischen 30 und 50 Menschen gleich wieder entlassen. - Für weitere 70 laufen die Arbeitsverträge in den kommenden Wochen nun aus, bleiben also immer noch 130 Arbeitskräfte, welche ohne wirkliche Aufgabe von der Gemeinde bezahlt werden müssen. - Das ist nun das Ergebnis einer Woche nach der "Machtübernahme" in Tazacorte, und die jetzige Bürgermeisterin Carmen Acosta geht jetzt mit diesem Fall an die Öffentlichkeit, da sie einerseits Transparenz versprochen hat, und auf der anderen Seite auch Hilfe und Verständnis erhofft, wenn weitere Menschen nun in Tazacorte ihre Arbeit wieder verlieren. - Das ist ein ganz schwerer Gang der da zu beschreiten ist, aber Tazacorte ist bereits heillos verschuldet, und kann sich keine monatlichen Zusatzkosten von an die 150.000,- Euro erlauben, um die nicht benötigten Arbeitskräfte weiterhin zu halten.

Wie geht man nun damit um? - Die Leute einfach alle entlassen, das wäre die einfachste Methode, allerdings ist man ja nicht angetreten um sich das Leben einfach zu gestalten, so wird man jetzt in den kommenden Tagen und Wochen jeden Arbeitsvertrag und auch die soziale Situation der Familie der betroffenen Personen betrachten und sich um einen Ausweg bemühen. - Die Mehrzahl der Menschen wird sicherlich dennoch die Anstellung verlieren, aber in Härtefällen möchte man sich bemühen, zusammen mit dem Arbeitsamt elegantere Lösungen zu schaffen um diese Menschen weiter in einem Arbeitsverhältnis zu halten. - Finanziert werden soll das, eben zum Teil vom Arbeitsamt, auf der anderen Seite aber will man auch Vergünstigungen anderer Gemeindearbeiter streichen, welche vom alten Gemeinderat permanent Bonuszahlungen erhalten haben, welche dem neuen Gemeinderat nicht plausibel sind. - Zur Zufriedenheit aller wird das auf keinen Fall ausgehen, aber man hatte mit dem Erbe gerechnet, und macht sich auch keine Illusionen, man wird noch sehr viel mehr "Tote im Keller" der Gemeinde finden. - Das schwere Erbe nach Union Bagañete/Coalición Canaria kann durchaus dazu führen, dass der jetzige Gemeinderat sich in der nun beginnenden Legislaturperiode aufreibt, weil man einfach versuchen muss den Bankrott der Gemeinde zu verhindern, wenn der nicht schon da ist, und man keine weiteren Geschenke und potemkinsche Bauten oder Arbeitsverhältnisse schaffen kann. - Die gleiche Ernüchterung, wenn vielleicht auch nicht in dem Ausmaß, die finden gerade die neu gewählten Bürgermeister auch in den anderen Gemeinde in den Kassenbüchern, und täglich kommen neue Forderungen von Lieferanten hinzu, welche bislang immer von den Vorgängern vertröstet wurden. - Es wäre also wirklich an der Zeit, etwas von der immer wieder angesprochenen Transparenz mal an die Bürger weiter zu geben, und die finanzielle Situation der Gemeinden deutlich offen zu legen. - Allerdings möchten die meisten das gar nicht sehen, das täte nämlich grausam weh, aber wir wollten doch gerade von dieser Heimlichtuerei und den wohl gehüteten Kassenbüchern weg, und die Fakten im klaren Sommerlicht haben. - Die Zeit wäre reif dafür, mal sehen, ob wir schon für die Realität tauglich sind.



Freitag 17.06.2011 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 26 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 44 % - Luftdruck 1018 hPa
Höchsttemperatur heute 27,5 Grad - niedrigste Temperatur 20,2 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 27,3 - Temp. Min 17,2 - Feuchte 20 - 49 % Niederschlag 0 mm

Vorverkauf Oper

Schreiben geht noch bei der Hitze, kann ich ja auch im Schatten tun. Plakatständer basteln geht auch, eine bessere Idee kam mir bei Calima einfach nicht in den Sinn. Aber jetzt mal alles von vorne............

Seit einem halben Jahr bereitet die Asociación Cultural Amigos Palmeros de la Ópera (ACAPO) - gut gehochdeutscht: Kulturverein palmerischer Opernfreunde, dessen stolzes und aktives Mitglied ich bin - das diesjährige Opernfestival vor. Anfangs wurde erwogen, ein Jahr Pause zu machen, so dürftig waren die finanziellen Zusagen der öffentlichen Hand geworden. Wir wagten aber den Sprung ins kalte Wasser und biegen nun so langsam auf die Zielgerade ein.

Da der Etat auf ein Rekordtief geschrumpft ist, finden die Veranstaltungen heuer im Teatro Municipal Circo de Marte in Santa Cruz de La Palma statt. Ja, ich weiss, und es wäre auch mir lieber gewesen, am angestammten Ort aufzuführen. Der Hof des alten Franziskanerklosters ist wunderschön, Oper unter Sternen hat was, aber wir mussten erstens sparen, zweitens sparen und drittens sparen. Und im Theater kommen wir mit 20 Orchestermusikern weniger aus. Tickets, Unterkunft, Verpflegung, tägliche Transfers, das geht schnell in den fünfstelligen Bereich. Und eine Bühne müssen wir im Circo de Marte auch nicht bauen, "nur" dekorieren. Abgesehen davon ist auch das Ambiente des grossen Stadttheaters wirklich einzigartig!

Das Programm in diesem Sommer steht ganz im Zeichen der Wiener Klassik. Am 28., 29. und 31. Juli steht Mozarts Così fan tutte auf dem Programmzettel, am 30. Juli gibt das Orchester des Bolschoitheaters aus Minsk ein Sinfoniekonzert mit Werken von Beethoven, Haydn und Mozart.

Sowohl in der Direktion als auch bei den Solisten freuen wir uns einerseits auf alte Bekannte und bieten andererseits neuen, jungen Kräften eine Chance. Mit Rosina Herrera und Anelio Gibrán kommen hiesige Künstler auf die Opernbühne. Wer sich näher informieren möchte, darf gerne unsere Seite bei Facebook besuchen

Unsere eigene Homepage ist in Arbeit, wird demnächst unter

www.operaenelconvento.org

aktualisiert verfügbar sein. Die bisherige .es Domain hat uns irgend ein übler Bursche (oder Mädel) geklaut. Ts, ts, ts.

Auf der Facebookseite sind auch die Vorverkaufsstellen und deren Öffnungszeiten einsehbar. Dem Wunsch vieler Talbewohner nach einer Möglichkeit, auf der Westseite Karten kaufen zu können, wird nun endlich Gehör geschenkt. Anna und Luz Marina führen in ihrer Boutique Pierrot Tickets für alle vier Abende in allen Preisklassen. In der Hauptstadt gibt es Karten in der Casa Cabrera, gleich beim Rathaus.

Es lohnt sich, hinzugehen. La Palma hat diese Veranstaltung in dieser Qualität verdient. Und deshalb hoffe ich auf ein volles Haus Ende Juli.

Zuguterletzt: Wir freuen uns über jedes neue Mitglied! Der Vereinsbeitrag ist überschaubar. Und es ist mehr als nur ein freundliches Zeichen, wenn man per Mitgliedschaft in einer hiesigen Asociación zu erkennen gibt, dass man gewillt ist, sich am palmerischen sozialen Leben zu beteiligen.

Mit freundlichen Grüssen

Ödi Jonitz

(Der Kulturbeauftragte)






Freitag 17.06.2011 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 21 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 48 % - Luftdruck 1019 hPa

Königlich Asphaltisches Amtsgericht
Kleiner Sieg für den Ex-Bürgermeister von Los Llanos

Zweimal bereits ist es Juan Ramón Marín gelungen sich vor dem Gerichtstermin zu drücken, in welchem er als Zeuge aussagen sollte, wie denn nun die Geschichte um den Probelauf des Asphaltwerkes abgelaufen sei. - Wir erinnern uns, im März 2010 lief das Werk einen Tag zur Probe, und einen weiteren Tag produzierte man bereits Asphaltmischungen, welche dann auch auf einer Baustelle in Los Llanos ausgeliefert wurden. - Damals stoppte die Polizei nach Anzeigen von aufgeschreckten Bürgern den weiteren Betrieb, und das Gericht in Los Llanos ordnete eine Untersuchung an, in welcher der Betreiber des Asphaltwerkes als Beschuldigter bereits seine Aussage gemacht hat, und der Bürgermeister als Zeuge dazu befragt werden muss. - Der Betreiber hatte nämlich angegeben, eine mündliche Zusage des Bürgermeisters, oder zumindest des Rathauses gehabt zu haben, was der Bürgermeister in einem Presseinterview seinerzeit sogar bejahte. - Vorgestern kam es nun endlich zur Zeugenaussage des Ex-Bürgermeisters, und Juan Ramón Marín verließ das Gerichtsgebäude weiterhin als Zeuge, die Richterin wollte dem Antrag des Anwaltes der Plataforma nicht folgen, den Ex-Bürgermeister auch als Beschuldigten in diesem Verfahren zu führen. - Von den Inhalten der Befragung gelangt so gut wie nichts an die Öffentlichkeit, immerhin soll die Befragung fast eine Stunde gedauert haben. - Was wir aber erfahren sind die unterschiedlichen Auffassungen von Juan Ramón Marín und dem Anwalt der Plataforma, Felipe Campos. - Der Ex-Bürgermeister zeigt sich sehr überzeugt von sich, fast schon überheblich, und lobt die Richterin deutlich und salbungsvoll, sie wäre nicht auf die Allüren des "Staranwaltes" herein gefallen, welcher durch Demagogie und Tatsachenverdrehung nichts anderes erreichen will, als ein großes Presseecho, um seine Reputation als Anwalt weiter zu erhöhen. - Das zumindest ist die Sicht des Ex-Bürgermeisters, und jeder von uns kann sich denken, wie der Hase wirklich läuft, und manchmal ist man wirklich überrascht, wie einfach sich die Justiz manche Dinge basteln will.

So ist die Sichtweise des Anwaltes natürlich eine völlig andere, der beklagt sich darüber, dass der Ex-Bürgermeister so getan hätte, als wüsste er von nichts, als wüsste er nicht einmal, dass dort ein polemisches Asphaltwerk in seinen Gefilden steht. - Allerdings hat er wohl zugegeben, dass man rund um den Probebetrieb nicht die "richtigen Maßnahmen" ergriffen hätte, aber das sei nicht weiter tragisch gewesen. - So zeigt sich Felipe Campos dann auch in einer kleinen Stellungnahme überrascht angesichts der Haltung von Juan Ramón Marín, muss aber eben einfach auch anerkennen, dass das Gericht seinen Argumenten nicht folgen wollte, welche eine Pflichtverletzung seitens des damaligen Bürgermeisters aufzeichnen. - Es geht lediglich um einen Verstoß gegen Umweltauflagen, und einziger Beschuldigter ist der Betreiber der Anlage, und Juan Ramón Marín bleibt dabei außen vor. - Fairerweise muss man da gratulieren, und man versteht nun, warum der Ex-Bürgermeister die Richterin so gelobt hat. - Uns bleibt ein fragender Beigeschmack, denn hätten wir gerne mehr von den Fragen und Antworten gehört, um uns ein kompletteres Bild von der Angelegenheit zu machen. - Es geht eben in dem Verfahren in Los Llanos nicht um die Rechtmäßigkeit der Anlage an sich, so wie wir mal gehofft hatten, sondern man konzentriert sich einzig darauf, ob der Probebetrieb rechtmäßig war. - Wie weit man dabei seitens des Gerichtes graben will, das bleibt nun offen. - Wir werden uns also weiterhin auf das Verwaltungsgericht auf Tenerife verlassen, und eben mit der jetzigen Gewissheit, dass im Rathaus von Los Llanos nun Menschen das Sagen haben, welche die Asphaltwerke mit sehr argwöhnischen Augen betrachten, und manche dieser Menschen haben ja sogar schriftlich ihr Versprechen gegeben, sich aktiv am Kampf gegen die Asphaltwerke zu beteiligen. - Ein kleiner Sieg für den Ex-Bürgermeister von Los Llanos ja, aber kein Beinbruch im Bestreben, den Unsinn Asphaltwerke neben Wohngebieten zu installieren zu verhindern.



Donnerstag 16.06.2011 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 29 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 5 % - Luftdruck 1021 hPa
Höchsttemperatur heute 29,7 Grad - niedrigste Temperatur 23,0 Grad

Hurra, es geht bergauf…
…pardon, nicht mehr weiter bergab

Den Aufschwung muss man herbeisingen, oder zumindest bitten, ihm einen angenehmen Mantel hinhalten, oder bei dem Wetter besser in einen Raum mit Klimaanlage einladen. - Alles wird besser, weil es einfach schlechter nicht werden kann, und das wiederholen wir bereits gebetsmühlenartig seit ein paar Monaten, und siehe da, das ist ansteckend. - Alle paar Monate macht die Handelskammer hier auf der Insel eine Umfrage bei rund 700 Betrieben, meist im Einzelhandel der Insel, und fragt neben den Kopfdaten auch die weitere Stimmung ab, um einfach ein Gefühl spiegeln zu können, wie es denn wirtschaftlich hier auf der Insel gerade so läuft, und wie es weitergehen kann. - Manche sagen, diese Erhebungen seien reine Zeitverschwendung, oder sollen Arbeitsplätze bei der Handelskammer sichern, wie es läuft, das sieht man ja, und wie es weitergehen kann, das bestimmen nicht wir, sondern Faktoren, die außerhalb dieser Insel liegen. - Diese Kritik ist natürlich nicht ganz verkehrt, dennoch machen solche Umfragen wohl Sinn, denn so ein kleines bisschen hört man wohl auf Veränderungen, auch wenn diese momentan noch gar nicht spürbar sind. - Wir werden ja nun nicht gleich ins rutschige Gebiet der puren Propaganda versinken, aber wohl kann Zuversicht ansteckend sein, und den einen oder anderen sogar dazu bringen, sein Geschäftsgebaren von Resignation wieder auf Angriff zu schalten. - Sicher hängen wir am spanischen Tropf, und auch am Euro und zahlen noch gewaltig an den Schulden für die Große Sause, die uns José María Aznar aus den Zeiten des gepumpten Aufstiegs noch hinterlassen hat, aber wir wollen da jetzt endlich raus und seit dem es nicht mehr bergab geht, kommt uns das ganz einfach schon wie ein rasender Anstieg vor. - Ein Verdurstender lobt auch warmes Dosenbier und Westerwelle freut sich inzwischen sogar über Zustimmung aus Belutschistan, die Ziele setzt man sich ja immer selber, und wer lange genug gekrochen ist, der wird sich ein Ziel in erreichbarer Nähe basteln.

Also, die Umfrage hat ergeben, seit der letzten Umfrage, die dreimal im Jahr erhoben wird, haben sich einige Zahlen verändert. - Inzwischen gibt über die Hälfte der Befragten an, die Umsatzzahlen hätten sich nicht weiter nach unten verändert, sondern seien gleich geblieben. Zwar geben immer noch 45% an, die Umsätze seien gefallen, aber das muss man dann auch vergleichen mit früheren Umfragen, welche noch viel schlimmere Werte ergeben haben. - Zarter Realismus mit sanft eingefügten Seidenfäden eines, zwar noch sehr transparenten, aber immerhin fast schon wahrnehmbaren Optimismus schwingt uns da entgegen, und wir werden dieses dürre Pflänzchen der Hoffnung nicht gleich wieder auf dem Scheiterhaufen der schlechten Laune opfern. - Der Sommer wird noch hart werden, der Tourismus stagniert weiter, aber dann, wenn die Wintermonate kommen, da hoffen wir dann auf eine echte Erholung, die eben von manchen olfaktorisch begabten Wirtschaftsweisen eher gerochen, als gespürt werden. - Ich glaube auch daran, nicht weil ich besonders gut riechen kann, aber ich kann das Gras des Aufschwungs bereits hören, auch wenn es noch gar nicht gesät wurde. - Diese Gabe nennt man Optimismus, gut, manchen meinen auch Naivität, aber selten habe ich mich bei solchen Dingen getäuscht, und mal unter uns, so schlecht stehen die Chancen gar nicht auf einen Aufschwung, weil unter uns bereits harter Granit der Realität jegliche weiter Bohrung nach unten verhindert. - Weiter so Handelskammer, nicht die augenblicklichen Zahlen müssen wir werten, sondern immer nur die Veränderungen. - Wenn gestern noch zwei Geschäftsleute sich den bildhaften Strick um den Hals gelegt haben, aber heute nur noch einer, dann bedeutet das, dringend drohenden Aufschwung. - Nur so kommt man durch Krisen, nur so kann auf aus Ruinen aufstehen und der Zukunft zugewandt sein. - Warum klingt nur plötzlich so eine komische Melodie in meinen Ohren und will da gar nicht wieder raus…?



Donnerstag 16.06.2011 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 25 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 5 % - Luftdruck 1020 hPa

Kurz angebunden
Der Mond, Infarktair und eine Fiesta ohne Programm

Für uns hier auf der Westseite kam die Mondfinsternis einen Tick zu früh. - Bis sich der Mond über die Cumbre Nueva bemüht hatte, war die komplette Mondfinsternis bereits wieder vorbei, und wir konnten nur noch beobachten, wie sich der Mond langsam wieder aus dem Erdschatten befreit hat. - Leider standen auch Schleierwolken über der Cumbre Nueva und dem Birigoyo, so dass man keinen klaren Blick auf den Mond hatte, man musste sogar ein bisschen Phantasie mitbringen, um sich die Mondfinsternis aufregend zu basteln. - Mehr Glück hatten die Menschen auf der Ostseite, man sollte eben nicht von der falschen Seite sprechen, sondern lediglich von der anderen Seite, und natürlich die Jungs hoch oben auf den Bergen. - Vom astrophysikalischen Institut auf Tenerife gab es sogar einen Livestream mit der Mondfinsternis, und ein Astronom kommentierte dabei den Vorgang fast in Form einer Fußballübertragung, mal auf Spanisch mal auf Englisch und für uns war das lustig wie befremdend, denn wir standen auf der Terrasse, und warteten darauf, dass der Mond endlich über die Berge kriecht, und aus dem Netz brüllt uns ein begeisterter "Reporter" zu, wie toll das alles ist, und wir sehen nichts. - Gut, wir haben das schließlich auch noch gesehen, aber eben mit den Wölkchen davor. - Macht nichts, es gibt Wichtigeres im Universum, als wenn der Mond sich mal im Erdschatten befindet.

Ein palmerischer Exportschlager sind die Bananen, das ist bekannt, allerdings exportieren wir auch noch sehr erfolgreich und häufig kranke Menschen. - Für viele medizinische Spezialitäten oder eben auch drastische Notfälle fliegt man die Patienten auf den Kanaren von einer Insel zu einer anderen, eben dahin, wo sich die für den Fall beste Klinik befindet. - Auf den kleinen Inseln ist man einfach nicht in der Lage sämtliche Spezialgebiete der modernen Medizin anzubieten, und für größere Operationen sucht man dann gerne die Universitätskliniken auf Tenerife und Gran Canaria auf. - Die Patienten bekommen diese Flüge bezahlt, sie können sogar noch eine Begleitperson mitnehmen, und man kann sich nun vorstellen, dass dieser rege Krankenflugbetrieb für das Gesundheitssystem einen deutlichen Kostenfaktor darstellt. - Man findet aber keine andere Lösung, auch auf den kleinen Inseln die Gesamtpalette an medizinischer Versorgung vorzuhalten ist schlichtweg unmöglich, weil einfach unbezahlbar, also wird man weiterhin Patienten von einer Insel zur anderen fliegen, oder auch bis aufs spanische Festland. - Der "SCS", der Servicio Canaria de Salud hat zwar auch ein eigenes kleines Flugzeug, aber dieses wird nur für ganz dringende Notfälle benutzt, das ist eine fliegende Intensivstation und wird deswegen von uns auch "Infarktair" genannt. - Die anderen Patienten fliegen mit den hier ansässigen Fluglinien in den normalen Flügen, und nun ist man hingegangen und hat mit der Binter Canarias, der Islas Airways und der Iberia noch mal nachverhandelt, und in der Tat, es ist geglückt, man hat sich weitere Rabatte bei den Gesellschaften holen können. - Man sagt uns zwar nicht wie viel, und was nun so ein "Flug auf Krankenschein" das Gesundheitssystem kostet, aber wenn die Fluggesellschaften da weitere Rabatte einräumen, dann kann man sich freuen für die ohnehin schon angestrengten öffentlichen Kassen, oder aber auf der anderen Seite stinkig sein, dass man nicht schon früher nachverhandelt hat.

Los Llanos steht vor seinem größten Fest des Jahres, die einfach schlicht "Fiesta de la Patrona" genannt werden, und man hat keine Ahnung, wie das Fest denn ablaufen soll. - Gut, viele Akte der Fiesta sind immer wiederkehrend, welchen Tag die Prozession stattfindet, und welchen Tag der berühmte Viehmarkt, die so genannte "Feria de Ganado", aber weiter gibt es noch eine, fast unzählige Menge an Rahmenprogrammen, wie das bei uns halt so üblich ist. - Solch eine Fiesta, die braucht Monate der Planung, und natürlich hat man diese Fiesta auch bereits seit Monaten geplant, allerdings wurde ja inzwischen eine neue Rathausbesatzung gewählt, und als Abschiedsgeschenk hinterließ der scheidende Bürgermeister ein großes Loch, nicht nur finanziell, wie man in den nächsten Wochen noch deutlich feststellen wird, sondern in dem Loch müssen auch alle Planungen für die Fiesta mit verschwunden sein. - So steht nun die neue Rathausbesatzung unter größtem Druck, diese Fiestas fast aus dem Stehgreif organisieren zu müssen und nun ist man mächtig am Rödeln. - Man darf auch nicht vergessen, fast alle gewählten Stadträte sind Frischlinge in der Lokalpolitik, man wollte doch extra unverbrauchte und "saubere" Köpfe in den Reihen, aber die haben nicht wirklich die notwendige Praxis, um sich im Dschungel der Lokalpolitik richtig bewegen zu können. - Der alte Bürgermeister grinst sich eins, man hätte wohl ein Programm erarbeitet, aber das zähle ja wohl nicht mehr, und gibt sich so gar nicht kooperativ, der neuen "Regierung" unter die Arme zu greifen. - Natürlich ist das frech, war aber auch nicht anders zu erwarten, und in vielen anderen Gemeinden wird das ähnlich gehen, Coalición Canaria, wenn man die denn aus der Regierung in die Opposition befördern kann, dann hinterlassen die meist nur verbrannte Erde.




Mondfinsternis auf der Westseite, so richtig finster war das nicht...




Mittwoch 15.06.2011 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 28 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 24 % - Luftdruck 1019 hPa
Höchsttemperatur heute 28,6 Grad - niedrigste Temperatur 22,3 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 37,0 - Temp. Min 20,4 - Feuchte 20 - 23 % Niederschlag 0 mm

Wir sind nicht unklug
OECD kritisiert unsere Kritikunfähigkeit

Für die meisten ist "PISA" hier immer noch eine Stadt mit einem baulichen Problem, wer aber Kinder auf der Schule hat, oder sich irgendwie mit dem Bildungssystem beschäftigt, der bekommt inzwischen Pickel wenn er diesen Namen hört. - Früher, als alles anders war, und nur manches besser, da haben die Kanarischen Inseln gar nicht an der PISA-Studie teilgenommen, und wir wissen auch warum. - "Niemand hat uns zu erzählen, wie wir unser Schulsystem betreiben", so äußerte sich die Rätin für Erziehung im Gobierno de Canarias noch vor drei Jahren, und nun, nach den wirklich fatalen Ergebnissen, welche unsere Schüler bei der PISA-Studie hingelegt haben, bittet man die OECD, oder OCDE wie man hier sagt, um Hilfe, man möchte doch bitte unser Bildungssystem mal unter die Lupe nehmen. - Diese Bitte sollte man aber nicht als Beginn eines umfassenden Schuldeingeständnis sehen, sondern man wollte so nur den öffentlichen Druck verfliegen lassen, welcher seit den miserablen Ergebnissen doch auf der Bildungsbehörde lastet. - Seitens der "Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung" (ich weiß immer noch nicht, warum man das auf Deutsch OECD abkürzt) schickte man uns nun zwei Kommissare, die in einem aufwendigen Prozess über mehrere Wochen hin unser Schulsystem unter die Lupe nahmen und wir dann im September einen ausführlichen Bericht darüber erhalten werden. - So weit, so gut, allerdings entlockte die Nachrichtenagentur "Acn Press" den beiden Schulinspektoren, einer Britin und einem Österreicher bereits in einem Interview ein paar Nettigkeiten zu unserem Bildungsproblem. - Grundsätzlich wollte man das spanische Bildungssystem nicht kritisieren, allerdings hätte man den Eindruck gewonnen, dass hier auf den Kanaren nicht die Schüler im Focus des Schulsystems stünden, sondern die Organisation an sich. - Allen sei wohl klar, dass man etwas ändern müsste, aber keine beteiligte Gruppe sieht die Notwendigkeit von Änderungen bei sich, sondern immer woanders. - Man sei hier nicht fähig zur Selbstkritik, und das trifft es wohl am allerbesten, und wer dazu nicht in der Lage ist, der lässt natürlich auch keine Hilfen oder Ratschläge an seinem Tun zu. - Grundsätzlich ist unser Schulsystem gar nicht so schlecht, meinten die Beiden noch, allerdings ist jede beteiligte Gruppe dort, man meint die politische Seite, die Behörde an sich und auch die Lehrerschaft zu sehr auf sich fokussiert, so dass die Schüler in dem System mehr als notwendiges Übel auftauchen, nicht aber als Sinn und Zweck der ganzen Übung.

Diese Kritik muss man leider so stehen lassen, da ist schon etwas dran. - Auch entsteht dabei leider der Effekt, dass die Schüler sich in ihren Bemühungen nicht wirklich ernst genommen fühlen, sondern selbst dafür sorgen müssen, den Sinn und Zweck einer guten Schulbildung zu erkennen. - Das ist natürlich schwer für meist noch unreife Menschen, wenn die sich selber motivieren müssen um an die notwendige Bildung zu gelangen und von der Lehrerschaft und auch der Behörde nicht zur Bildung angenehm gelockt werden. - Es ist keine Frage, es gibt auch eine erfreuliche Anzahl an Schülern, die wohl in der Lage sind aus unserem schulischen Angebot eine Spitzenbildung heraus zu holen, allerdings geschieht das meist aus eigenem Antrieb und nicht aus eventueller Begeisterung über das was man Schule nennt. - Dabei bekommen aber auch die Lehrer nun ihr Fett, oder sagen wir Fettchen weg, denn auch wir haben beobachten können, dass bei manchen Lehrkräften so überhaupt kein Ehrgeiz herrscht, den Schülern die Materie schmackhaft zu machen. - In der Breite hat unser Schulsystem da ein Problem, und ein recht großes noch dazu, die paar Spitzenleistungen mit denen man dann immer prahlt, können den Schnitt der Gesamtbildung nicht wirklich heben, sondern dienen den Instituten immer nur als Vorzeigemodelle. - Allerdings möchte ich die Kritik noch erweitern, es ist auch ein weit verbreitetes gesellschaftliches Phänomen hier, dass vielen Eltern die Schulbildung ihrer Kindern nicht so wichtig ist, wie es die Anforderungen in der modernen Arbeitswelt heute leider, und ich sage bewusst leider, heute fordern. - Wenn man das auch noch hinbekommen würde, und dann nicht mit Druck, sondern mit positivem Ansporn, und sich auch mehr Eltern einmischen würden und von den Schulen einfach mehr fordern, dann könnte man wohl die Gesamtsituation hier im Bildungssystem verändern du auch verbessern. - Man kann halt die platten Sprüche auch auf die Schule anwenden, wir haben die Schulen und die Lehrer, die wir als Eltern eben so zulassen und dulden. - Die mangelnde Ausbildung, sei es schulisch oder auch in der Berufsausbildung, die ist ja Teil der "Spanischen Krankheit", denn in ganz vielen Bereichen der Gesellschaft ist es vielen Eltern wichtiger die Kinder schnell an die Arbeit zu bekommen, als ihre Schulausbildung weiter zu forcieren. - Das Millionenheer an mangelhaft ausgebildeten Menschen, die den Bauboom Ende des letzten Jahrhunderts als gefragte Arbeitskräfte mit möglich gemacht haben, die sind heute kaum noch vermittelbar, da sie außer schnell, billig und effektiv Häuser und Gebäude in die Höhe zu ziehen, wenig gelernt haben und so in anderen Brachen kaum einsetzbar sind. - Und dann kommt noch ein platter Spruch, den wir eben genau so gut kennen, was Juanito nicht gelernt hat, das lernt der Juan nimmer mehr.



Mittwoch 15.06.2011 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 24 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 5 % - Luftdruck 1018 hPa

Ohne Peinlichkeit geht nichts in Tazacorte
Regentenstab nicht auffindbar

Ich habe mich früher immer gewundert, warum die Leute aus Tazacorte bei vielen Themen plötzlich die Stimme gesenkt haben und sich verschwörerisch nach allen Seiten umgesehen haben. - Was zunächst nach einem genetischen Defekt aussieht, entpuppt sich als erschütterndes Ergebnis viel zu vieler Jahre despotischer Regentschaft einer Clique, die niemals Zweifel daran gelassen hat, dass Demokratie was für Weicheier ist, und Gesetze hilfreiche Formulierungen dafür, dass andere den Mund halten müssen. - Was daraus geworden ist, das kann man sich täglich ansehen in Tazacorte und nur sehr schwer gelang es einer engagierten Truppe an Aufrechten sich auf politischem Weg diesem Alptraum zu entziehen. - Wir haben das mitbekommen, die Einwohner Tazacortes bejubeln das Wahlergebnis und den komplizierten Regierungswechsel als hätte man eine Freiheitskrieg gewonnen, und selbst in diesen Momenten bleiben Fragezeichen über Tazacorte hängen. - Gewählt als neue Bürgermeisterin wurde als Carmen Acosta, unter tosendem Beifall der anwesenden Zuschauer, aber das Protokoll der "toma de posesión", also der "Machtübernahme" lief nicht so reibungslos ab, wie man das eigentlich gewöhnt war. - Gut, in Tazacorte war man schon lange keinen Machtwechsel mehr gewohnt, vielleicht lag es auch daran, aber es fehlte ein sehr symbolträchtiges Stück der Machtübernahme, nämlich der Regentenstab, oder Zepter wie man auch sagt, welches in "normalen" Fällen sichtbar und wirksam vom alten an den neuen Bürgermeister übergeben wird. - Das ist so, als ginge man Heiraten, aber der Trottel hat den Ring vergessen oder verloren. - Rechtlich nicht relevant, eine Ehe funktioniert auch ohne Ring, aber es fehlt halt was, oder wenn wirklich noch ein anderes Beispiel her muss, dann kann man die Geschichte mit dem Bettlaken nach der Hochzeitsnacht noch hernehmen. - Reine Symbolik also, nichts, was einen aus der Ruhe bringen dürfte, und Carmen Acosta ist das auch völlig egal, diesen, vielleicht halben Meter langen Stab der "Macht" in ihren Händen zu halten.

Dennoch macht das Fehlen der Stabes und die Respektlosigkeit gegenüber demokratischen Protokollen weiterhin die große Runde, und viele Bürger regen sich enorm darüber auf, dass der "Bastón", wie man hier sagt, nicht ordentlich an die Nachfolgerin übergeben wurde. - Der "Stock", wenn wir mal leidenschaftslos darüber reden, der ist einfach verschwunden, keiner weiß wo er ist, man munkelt nur wieder herum, und es passt halt absolut ins Bild der nun Ex-Regierung in Tazacorte, dass man nicht nur völlig die Kontrolle verloren hat, sondern eben auch noch das äußerliche Zeichen der Macht, eben das Zepter. - Carmen ist das inzwischen schon peinlich, möchte die doch endlich Tazacorte raus aus den Schlagzeilen holen und einfach nur ordentlich arbeiten, und das kann man auch wunderbar ohne "Bastón", aber das verschwundene Zepter bleibt weiterhin Schlagzeile. - Manche zweifeln inzwischen sogar, dass der protokollarische Akt der Machtübergabe nun komplett sei, das es mindestens Unglück bringe, wenn nicht gar der Machtwechsel damit ungültig sei, und alle Betrachter außerhalb Tazacortes fassen sich dann fragend an den Kopf, ob denn wirklich noch alles stimme mit den Leuten da unten in Tazacorte. - Natürlich stimmt noch alles, die haben eben "eine schlimme Kindheit" gehabt und es wird eine ganze Weile dauern, bis man sich dort nun wieder daran gewöhnt, dass vernünftige Menschen nun versuchen, den Karren wieder aus dem Dreck zu ziehen. - Aber der Stab, der bleibt verschwunden, und tausende von Spuren hat man bereits verfolgt, wo denn nun dieses lächerliche Machtsymbol stecken könnte. - Nun kommt die erste Reaktion des Ex-Bürgermeisters auf die völkische Schnitzeljagd nach dem Regentenstab, und die ist genau so, wie man das seit Jahren aus Tazacorte gewohnt war. - Carmen solle sich einfach einen neuen "Bastón" kaufen, er selbst hätte den Stab auch nie benutzt, und er hätte den bei seiner Amtübernahme auch nicht erhalten. - Das stimmt zwar nicht, und jeder weiß es, aber so liefen die Dinge in Tazacorte eben über viel zu viele Jahre, und wenn Carmen pfiffig genug ist, dann beendet sie irgendwann nun die Diskussion über den Stab und erklärt, dass es wunderbar ohne solche Symbolik geht, und man die Suche danach doch bitte aufgeben mag.



Dienstag 14.06.2011 17:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 27 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 33 % - Luftdruck 1015 hPa
Höchsttemperatur heute 27,2 Grad - niedrigste Temperatur 17,8 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 36,9 - Temp. Min 20,1 - Feuchte 20 - 29 % Niederschlag 0 mm

Wetterscheiden Fußballplatz und Tankstelle
Ein paar Tage Afrika, aber nur oben

Die Hitze ist schon ein paar Tage da, es hat nur keiner gemerkt. - Keiner stimmt natürlich nicht ganz, aber nur wenige Menschen leben in Höhen über 1.200 Meter hier auf der Insel, die allermeisten wohnen gar unter der 800 Meter Marke. - Seit Tagen bereits wieder beherrscht trockene und heißere Luft die oberen Schichten der Insel, und unten, also unter den 1.200 Metern machte sich der Passat kühlend und frisch bemerkbar. - Das ist für unsere Insel und die meisten Wohngebiete absolutes Idealklima, Afrika kennen wir dann nur vom Hörensagen, obwohl wir auf dem gleichen Breitengrad und nur ein paar hundert Kilometer von der Sahara entfernt unseren täglichen Aufgaben nachgehen. - So lange "unten" der Passat weht, kann uns nichts passieren, und afrikanische Temperaturen, die lassen wir "oben" in den Bergen stecken. - Der Passat weht jetzt auch weiterhin, allerdings schneidet ihm ein recht kompaktes Tief auf dem Nordatlantik gerade von der Frischluftzufuhr aus dem Norden ab, so dass sich nun auch Luft aus den höheren Schichten in die unteren mischt, was zur Folge hat, dass nun der Passat seine kühlende Wirkung fast verliert. - Es ist halt einfach keine Kaltluft mehr zur Verfügung, der Passat kann nicht nachatmen, sondern muss mit den vorhandenen Luftmassen auskommen, und mischt so die, sonst fast hermetisch getrennten Luftschichten durch. - Das hat zur Folge, dass es nun stückweise auch nach unten hin wärmer wird, oder gar heiß, je nachdem wo man sich gerade aufhält. - Am Strand selbst wird es kaum deutlich wärmer werden, nur sollte die Wetterlage viele Tage anhalten, dann wird es selbst ganz unten auf der Insel unangenehm warm. - Hier im Aridanetal kann man sehr anschaulich betrachten, oder jetzt besser auch befühlen, wo sich scheinbar willkürlich gesetzte Wetterscheiden befinden. - Fährt man von uns, also von Tajuya aus in den Ort El Paso, dann ändert sich das Klima genau auf der Höhe des Fußballplatzes, und nur 3 Kilometer weiter auf der Straße in Richtung Tunnel erlebt man dann die nächste Klimazone, oberhalb der Shell-Tankstelle. - So kann man jetzt, mittags habe ich das geschrieben, gegen 13:00 Uhr feststellen, dass es bei uns auf 540 Meter Höhe 22,5 Grad sind, und 1,2 Kilometer weiter und auf 650 Meter Höhe, im Stadtzentrum von El Paso bereits 32 Grad sind. - Das Thermometer an der Hauptstraße in El Paso übertreibt übrigens immer ein paar Grad, es steht halt direkt an der Straße und die Reflektionshitze vom Asphalt treiben die Temperaturen noch mal kräftig in die Höhe. - Das heißt nicht, dass das Thermometer nicht korrekt arbeitet, es steht nur nicht an einer Stelle, welche einen echten Vergleich zulassen würde.

Fahren wir weiter nach oben, dann kommt der nächste Temperaturhammer etwa auf der Höhe der Shell-Tankstelle. - Ab da sind es fast sprunghaft noch mal ein paar Grad mehr, und wer das erleben will, der fährt mal palmerisch mit seinem Auto die Strecke ab, also Fenster offen, den linken Arm aus dem Fenster gelehnt, dann kann man das wunderbar an der eigenen Haut spüren. - Ich hoffe, wir bekommen heute auch wieder Wetterdaten aus Puntagorda auf 1.260 Meter Höhe, und es würde mich nicht wundern, wenn wir da bereits an die 40 Grad erreichen können. - Die Hitze wird auch bei uns ankommen, aber nicht so schnell und auch werden wir auf unserer Höhe nicht die 40 Grad erreichen, das geschieht äußerst selten. - Oberhalb El Pasos, Tacande de arriba, da wird es häufig locker über die 40 Grad warm, selbst im Wald und wer nun ausgedehnte Spaziergänge machen will, der sollte vielleicht die hohen Zonen eher meiden. - Auch möchte ich momentan abraten, die Vulkantour zu laufen, es ist einfach nur eine Quälerei jetzt. - Alle sagen jetzt wieder, wir hätte Calima, dabei ist das streng genommen gar nicht richtig. - Da aber "Calima" kein geschützter Begriff ist, genau so wenig wie "Demokratie" oder "Fortschritt", kann jeder dieses Wetter nennen wie er will, und der Begriff Calima hat sich inzwischen hier halt für heißes Wetter eingenistet. - Dafür kommt allerdings der Wind aus der falschen Richtung, und eben auch nicht aus Afrika, mit seiner sandigen Fracht. - Ostwind, oder noch schlimmer im Sommer, Südostwind, das sind die eigentlich Calima-Varianten, wenn unsere Inseln in den Einfluss des meist sehr stabilen nordafrikanischen Hochs geraten. - Im Moment gibt es aber gar kein Hoch über Nordafrika, also können wir auch nicht in dessen Einfluss geraten. - Bei wirklichem Calima, da kann man von unserem Standort auch die Berggipfel schon gar nicht mehr sehen, so dicht weht dann der Saharasand über die Inseln. - Macht aber nichts, jeder darf dieses Wetter nennen wie er will, eigentlich ist es ein Passat mit Atemstörungen, aber das hört sich doch nicht so gut an wie Calima.



Dienstag 14.06.2011 08:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 19 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 38 % - Luftdruck 1017 hPa

Koalition der Asphaltgegner?
Felipe Campos stellt Fragen

Fragen ist immer erlaubt. - Auch wenn es eigentlich noch ein bisschen früh erscheint, die neue Korporation in Los Llanos jetzt bereits an ihre Wahlversprechungen zu erinnern, erlaubt ist das wohl und natürlich auch interessant, wie sich die "Asphaltfrage" nun weiter entwickeln wird. - Morgen soll nun endlich auch der jetzt Ex-Bürgermeister Juan Ramón Marín vor dem Gericht in Los Llanos aussagen, nachdem er es unter unbefriedigenden wie unschönen Umständen geschafft hat, sich zweier Gerichtstermine noch vor den Wahlen zu entziehen. - Auf dem Gericht wird man ihm einige Fragen stellen, denn er tritt ja dort nicht als Beschuldigter auf, sondern als Zeuge, und die Hauptfrage wird sicherlich sein, ob er denn tatsächlich, so wie der Betreiber wohl behauptet, eine mündliche Betriebsgenehmigung, oder zumindest die Genehmigung für den Probelauf gegeben hat. - Keine Ahnung, was bei der Befragung herauskommen wird, und auch können wir nicht abschätzen, was das für rechtliche Folgen haben könnte. - Viel entscheidender wird aber zunächst sein, dass dieses laufende Verfahren, welches nun bereits seit dem letzten Frühling in Los Llanos anhängt, beste Erklärung für die neue Bürgermeisterin sein wird, zunächst keine Betriebsgenehmigung zu erteilen. - Noch müssen die beiden neuen Figuren in Los Llanos also in Sachen Asphaltwerke gar nichts unternehmen, zunächst muss der Betreiber die Betriebsgenehmigung beantragen, wenn diese Beantragung nicht bereits unter einem Stapel "dringend" im Rathaus vorliegt, und dann kann man beruhigt antworten, bis die Sache auf dem Gericht nicht geklärt ist, stelle man keine Betriebsgenehmigung aus. - Oder man beruft sich auf die ebenso anhängige Klage der Plataforma gegen die Asphaltwerke beim Verwaltungsgericht auf Tenerife, auch die Möglichkeit gibt es zunächst. - Dann wird es fraglich sein, ob denn der Betreiber des Asphaltwerks anwaltlich gegen die Gemeinde vorgeht, damit diese endlich die Betriebsgenehmigung herausrückt. - Das kennen wir noch aus Tazacorte, dort hatte der Investor des Apartmenthauses "Los Tarajales" den Gemeinderat derart unter Druck gesetzt, dass man die Bezugsgenehmigung erteilt hat, obwohl der oberste spanische Gerichtshof den Baugrund dort als nicht urban und damit nicht als privat nutzbar und bebaubar betitelt hat.

Man wird also zunächst abwarten müssen und wollen, was denn auf den Gerichten vor sich geht, wobei das natürlich ein sehr zeitraubender Vorgang ist. - Allerdings steht ja in dem Fall die Zeit auf unserer Seite, so lange das Werk nicht in Betrieb ist, empfinden wir ja keine Eile. - Danach kommen zwei weitere Fragen auf. - Was passiert im Verwaltungsgericht, in wie weit erkennt dieses den Antrag der Plataforma gegen die Asphaltwerke an und annulliert die bisher erteilten Genehmigungen. - Das ist nicht wirklich absehbar, aber man ist wohl der Meinung, Felipe Campos, der Anwalt der Plataforma hätte genügend Material in der Hand, dort einen Erfolg zu erzielen. - Nächster Punkt wird dann sein, ob und in welchem Maße Schadensersatzansprüche seitens des Betreibers geltend gemacht werden können, der sich ja immer auf erteilte Genehmigungen beruft, und diese, wenn auch nicht vollständig, wohl ja in der Hand hält. - Das wird dann allerdings wieder in weiteren Verfahren zu klären sein, und welche Summen oder welcher Anteil der "Schuld" dann in dem Fall auf die Gemeinde von Los Llanos zukommen kann, das ist auch noch nicht erkennbar. - Sollte nun aber der Fall eintreten, dass sowohl das Verwaltungsgericht in Tenerife der Meinung ist, bei den Genehmigungsverfahren rund um das Asphaltwerk sei alles in Ordnung gewesen, dann wird es eng für Los Llanos und der Betreiber könnte dann sogar die Betriebsgenehmigung erzwingen. - Dann wird es wirklich interessant werden, wie viel Wahlversprechen gelten, und ob dann die neue Rathausbesatzung in Los Llanos es wirklich wagen wird, die Genehmigung nicht zu erteilen. - Ich halte das allerdings nicht für sehr wahrscheinlich, dass es so weit kommen wird, obwohl man sich bei der Justiz niemals sicher sein darf. - Sicher ist aber, dass die Plataforma gegen die Asphaltwerke nun viel leichter ihre Arbeit verrichten kann, den nun muss man nicht mehr mit dauernden Repressalien und Verwirrspielen seitens des Rathauses von Los Llanos rechnen, wenn man mal wieder irgendein Papier einsehen möchte oder eine konkrete Aussage erhalten will. - Die Plataforma gegen die Asphaltwerke hat nun auf jeden Fall einen Feind weniger, die Arbeit wird leichter werden, aber vorbei ist der Kampf dennoch noch nicht.



Montag 13.06.2011 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 24 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 43 % - Luftdruck 1017 hPa
Höchsttemperatur heute 24,4 Grad - niedrigste Temperatur 17,0 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 35,7 - Temp. Min 17,7 - Feuchte 20 - 29 % Niederschlag 0 mm

Paul schwer in Not
Paul kumpelt heute años

Man möchte es kaum glauben, aber Paul kommt bereits in die Jahre. - In die besten Jahre natürlich, Paul feiert heute seinen 6. Geburtstag. - Deswegen "Cumpleaños" - Eigentlich feiern wir den, sicher, aber Paul bekommt das alles mit, es wird ihm halt noch mehr Aufmerksamkeit zu Teil als sonst, und es sind wieder die ganz teuren Döschen parfümierte Tierkadaver, welche heute in seinem silbernen Fressnapf landen. - "Gourmet Diamant", ein Döschen, so teuer wie drei Dosen Hartz IV Leberwurst von Aldi-West, aber was soll es, es gibt nur einen Paul, und der hat auch nicht so oft Geburtstag, wie ihm das eigentlich zustehen würde. - Klar, wie zählen wir das, ein Jahr nach unserer Zählung bedeutet sieben Jahre bei einer Katze? - Ein vielleicht viel zu menschlicher Vergleich, oder einfach nur der Versuch, das Wesen solch eines Tieres besser zu begreifen. - Nach unserer, also humanoiden Rechenart wird Paul somit heute 42 Jahre alt, was man ja nun wirklich nicht mehr als Flegeljahre oder mit junger Hüpfer betiteln kann, und genau so benimmt der Herr sich auch zunehmend seriös bis eigenartig. - Gut, das Jagen war nie so wirklich sein Thema, er zuckt schon, wenn sich eine Maus an ihm vorbeimogelt, allerdings legt sich sein Jagdfieber sofort wieder, wenn ihm dann einfällt, dass Mäuse so gar nicht nach dem vertrauten Dosenpamps schmeckt, was ihm seine zweibeinige Dienertruppe da immer so abundant reicht. - Vögel jagen, also die Königsdisziplin, das ist schon noch ab und zu was für ihn, allerdings macht er sich dabei niemals so zum Laffe, wie das die beiden anderen Katzen tun, die ja nun auch als "Straßenkatzen" einem völlig anderen Kultur- und Standeskreis entstammen. - Man muss den Angriff, also den meist vollkommen sinnlosen Angriff auf einen Vogel schon elegant und frühzeitig abbrechen, noch bevor man hilflos dann in einem Strauch hängt, oder kopfüber im Efeu zappelt, und den Bogen hat der Paul hervorragend raus. - Sollte es eine Disziplin im vollendeten Angriffsrückzug geben, also frei nach Clausewitz, dann wäre Paul medaillenverdächtig, auf jeden Fall würde ich mehr als ein paar Euro auf ihn setzen. - Nicht nur, dass es bescheuert aussieht, wenn so eine Katze am abfliegenden Vogel vorbei saust, es ist halt einfach auch vergeudete Kraft, und das macht man eben mit über vierzig nicht mehr. - Abgesehen davon, dass wir auch dieser dusselig, weinerlichen Menschenschar angehören, die Katzen lobt, wenn sie Mäuse fangen, aber schimpfen wenn ein Singvögelein zu unvorsichtig war, haben unsere Katzen längst begriffen, dass jagen keine Notwendigkeit mehr ist, zumindest nicht, wenn man es als feliner Wirtschaftsflüchtling in eine Menschenfamilie geschafft hat.

Nein, ich will nun nicht den Eindruck erwecken, Paul würde alt werden, sicher nicht, denn mit 42 ist man noch nicht alt, auch wenn meine Kinder das anders sehen, aber dennoch merkt man dem Kater die dann eben doch vorhandene Lebenserfahrung an. - Ja, auch an seinen Zähnen, von denen die Hauer im vorderen Mund inzwischen ziemlich alleine dastehen, aber hinten, zum Beißen von irgendwelchen Leckerli, da geht dann schon noch was. - Da Paul ja nie so etwas wie eine echte Pubertät gehabt hat, wenn eben die Säfte anfangen zu gären, kann man jetzt auch nicht von einer Lebensmittekrise sprechen, oder wie übersetzt man sonst midlife-crisis. - Lebensmittelkrise sicher nicht, das ist was anderes, wie man gerade wieder in Deutschland zeitnah erleben kann. - Wir entdecken halt bei Paul erste Anzeichen von Altersmilde und diesem typisch männlichen Harmoniebedürfnis, was Frauen oft leider völlig falsch als "Klammern" interpretieren. - Paul ist viel häufiger zuhause als noch vor einem Jahr, sucht häufiger unsere Nähe, sitzt einfach mal eine Stunde neben einem auf dem Schreibtisch, und blickt einen dann mit ruhigen Augen an, bis diese sich fast ganz schließen und er wieder sein verdientes Nickerchen machen muss, was eben ab vierzig Jahren dann doch schon öfter mal vorkommt. - Seine Spiele mit uns werden auch zarter, er balgt sich zwar wohl noch gerne mit uns auf dem Boden, aber das ist längst kein Schaukampf mehr, also messen der Kräfte, sondern fast schon ein ritueller Schmusetanz mit genau vorgegebenem Einsatz von Krallen und Kraft. - Während früher, als Paul noch jünger war, und nur manches besser, wir nach solch einer Runde Paulnecken noch mit zerkratzen Armen und gelöcherten Hemden aufgegeben haben, so sind seine Bisse heute eher energische Küsse, die allenfalls noch andeuten sollen, wie er denn könnte, wenn er noch wollte. - Da kommt jetzt gleich noch einer meiner Lieblingssprüche: "Herrgott, du nahmst mir das Können, nimm mir bitte auch das Wollen". - Trifft auf Paul nicht wirklich zu, der kennt ja den Unterschied zwischen wollen, können, dürfen oder umgekehrt gar nicht, höchstens im Konjunktiv, aber ich bin ja der Meinung, das Katzen eh keinen Konjunktiv akzeptieren. - Kuscheliger ist er geworden, so als würde er sich bereits um die Rente bewerben, und was man bei Siamkatzen auch immer wieder feststellt, die dunkeln im Alter nach. - Der Kopf ist bereits fast schwarz, mit einem Stich Braun, aber immer noch durchsetzt mit ein paar ganz hellen Haaren, so dass man fast meinen könnte, Paul hätte graue Haare bekommen. - Das wird ihm aber vielleicht jetzt unangenehm, wenn wir darüber sprechen, also gehen wir wieder zu den Vorzügen eines gesetzteren Alters über. - Er macht nun auch kaum noch was kaputt, dafür sind nun die anderen beiden Nachzügler zuständig, und wir haben inzwischen ja eh kaum noch gute Gläser oder Vasen, die irgendwie noch im felinen Jagdfieber den letzten Gang gehen könnten. - Noch ein Jahr, dann hat er sogar mich eingeholt, der Paul, wenn wir jetzt wieder mit der komischen Zählweise anfangen, und dann ist Paul wirklich in schwerer Not, der Schwerenöter.




Cumple Años Felix, Presidente!




Montag 13.06.2011 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 65 % - Luftdruck 1018 hPa

Transvulcania 2012
Einschreibung beginnt

Große Dinge werfen ihren Schatten voraus, und die Transvulcania hier auf La Palma ist ohne Zweifel DAS sportliche Großereignis der Insel. - Es ist zwar dann erst die vierte Ausgabe dieses Ultramarathons, aber der enorme Zuspruch welchen dieses Rennen nun auch international zu nehmen scheint ist erfreulich, und dahinter verbergen sich auch für die Insel selbst noch nicht annähernd ausgeschöpfte Werbepotentiale. - 83,3 Kilometer über Stock, Stein und Vulkan, das ist schon eine gewaltige Aufgabe, und dann eben noch die mehr als 8.000 Höhenmeter die es zu überwinden gibt. - Rauf und runter, von Meereshöhe auf 2.456 Meter, wieder zurück ans Meer, um dann schließlich in Los Llanos das Ziel zu erreichen. - Das ist genau solch eine Rennen, in dem Helden gemacht werden, und Helden sind nicht immer die Gewinner, also die Ersten eines solchen Laufes, sondern Helden sind alle die ankommen, ihre Qualen überwinden können und das Erreichen des Ziels als Erfolg ihres monatelangen Trainings begreifen, das nun endlich entlohnt wird. - Andere, die Profis, die nehmen die Transvulcania als Vorbereitungslauf für das Wahnsinnsrennen am Mont Blanc, den "Ultra Trail du Mont Blanc", das ist dann noch mal eine andere Kategorie und wohl wirklich nur noch für Profis geeignet. - Aber unsere Transvulcania ist alles andere als ein Volkslauf, wobei unser Rennen ja auch noch kleinere Kategorien beinhaltet, wie einen Halbmarathon, diverse Teilstrecken für Jugendliche, sowie auch einen Abschnitt für Wanderer. - Die Organisation war bislang hervorragend, da kann keiner meckern, da haben sich alle heftig konzentriert und auch richtig investiert, um dieses Sportereignis ohne den Schlendrianfaktor knallhart zu einer erfolgreichen Veranstaltung zu machen. - Für das kommende Jahr wagt man sich nun daran, die Teilnehmerzahl noch einmal hoch zu setzen, jetzt können 500 Läufer für den Ultramarathon angemeldet werden, und 400 für den Halbmarathon, das sind jeweils 50 Plätze mehr, als noch in der Ausgabe dieses Jahres. - Aber auch diese Aufstockung des Kontingentes wird nicht genug sein, um die Nachfrage zu bedienen, so sollte man sich ruhig jetzt bereits anmelden, wenn man denn diese persönliche Herausforderung annehmen will. - 70 Euro kostet die Einschreibegebühr, wer schnell bezahlt bekommt auch noch einen Rabatt, aber man muss auch ein medizinisches Zeugnis mitbringen und auch noch die Spielregeln unterschreiben, sonst darf man nicht am Rennen teilnehmen. - Da folgt nun wieder ein kleines Stückchen Kritik, auf der Seite der Transvulcania findet man sich nicht wirklich gut zurecht, das ist wieder solch eine graphisch aufwendig konstruierte Seite Marke "Webmasters Erguss", und wer Bedingungen oder Formulare in, für uns Fremdsprachen sucht, der sucht (noch) vergebens. - Dabei wäre doch gerade eine noch größere internationale Beteiligung wünschenswert, um dieses sportliche Ereignis, und damit die Insel noch bekannter zu machen. - Aber was noch nicht ist, das kann ja noch werden, bis zum 12. Mai 2012 ist noch eine Weile hin, aber da wir ja wissen, dass es wieder äußerst knapp werden wird mit den Plätzen, sollte man sich ruhig bereits jetzt einschreiben. - Ansonsten kommt Kritik gegen die Transvulcania wohl von einigen Naturschützern, welche es nicht gerne sehen, wenn 1.000 Läufer durch Naturschutzgebiete hetzen. - Man argumentiert auch, dass es eigentlich sogar verboten sei, denn sportliche Veranstaltungen seien in Naturschutzgebieten strikt untersagt, aber dann müsste man ja auch das Wandern verbieten und wir würden unsere größte natürliche Ressource auf der Suche nach Urlaubsgästen gleich abschreiben können. - Also ein bisschen Pragmatik ist da wohl angesagt, und es sind auch nur sehr wenige, welche sich gegen die Transvulcania richten, die allermeisten hier auf der Insel finden diese Veranstaltung sehr gut und durch die vielen Rahmenprogramme entsteht am Tag des Rennens selbst auch ein bisschen Volksfestcharakter. - Zur Webseite der Transvulcania Salomon Nature Trails 2012 geht es HIER.



Sonntag 12.06.2011 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 23 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 40 % - Luftdruck 1018 hPa
Höchsttemperatur heute 23,6 Grad - niedrigste Temperatur 15,2 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 29,5 - Temp. Min 10,3 - Feuchte 44 - 79 % Niederschlag 0 mm

Sag ich´s doch,
Am 11. Juni kommt der Sommer

Ich hatte es Kiko und Jaqueline versprochen, am 11. Juni fängt der Sommer an, eben gerade dann, wenn hier auf La Palma die Rathäuser neu besetzt werden, und es sich für die Sonne endlich wieder lohnt, auf uns herab zu scheinen. - Nein, heute haben wir nicht schon wieder gefeiert, sondern einfach nur einen wunderschönen Sommertag verbracht. - Morgens einen kleinen Spaziergang durch Los Llanos, ein paar Früchte auf dem Markt kaufen, auf der Plaza dem Pfingstkonzert kurz mal lauschen, und die neue Luft einatmen, die plötzlich rund ums Rathaus dort weht. - Die beiden "Neuen" im Rathaus waren auch da, Noelia und Chema, die hatten gleich ihren ersten "Arbeitstag" und mussten nach dem Pfingstgottesdienst den Heiligen Geist per Vlies ins Rathaus tragen, so wie man das so macht. - Die Symbolik, einen Tag nach den Wahlen, die ist doch vielversprechend, mit Vernunft, Intelligenz, Mut und nun auch noch dem Heiligen Geist auf der Seite wird es doch gelingen, den Muff und die schlechte Laune aus den düsteren Hallen des Rathauses in Los Llanos zu vertreiben. - Irgendwie hat es gleich viel mehr Spaß gemacht in Los Llanos spazieren zu gehen, auch wenn ich immer wieder ein Päuschen brauchte und dafür dankbar über die vielen Bänke war. - Nein, mit mehr Politik langweile ich Sie heute nicht weiter, dazu ist auch das Wetter viel zu gut. - Das bleibt jetzt auch so, und kein anreisender Gast mehr muss mir erzählen, dass es in Deutschland wärmer sei als hier, diese Geschichten sind jetzt vorbei. - Wir haben auch wirklich lange warten müssen dieses Jahr und sind auch schon unruhig geworden, die Tomaten wollten nicht richtig wachsen, meine große Tochter hatte noch nicht ihren obligatorischen ersten Sonnenbrand im Jahr und das Blinzeln hat auch noch nicht so richtig Freude bereitet. - Jetzt lassen wir den Rest des ersten echten Sommertages auch noch weiter so vor sich hin plätschern, die kommende Woche wird wieder aufregend genug. - Ein Fundstück habe ich noch für Sie, einen kleinen Film, welcher in der Zeitung "La Voz de la Palma" angeboten wird. - Der zeigt den gestrigen Tag, nach der Ernennung der neuen Bürgermeisterin, wie die dann mit dem Koalitionspartner nach der Übergabe des "Bastón", also des Bürgermeisterstabes ein Bad in der Menge nimmt. - Da können Sie mal sehen, wie aufregend und "historisch" diese Geschichte war, und wie die Bevölkerung die beiden "Neuen" fast wie Befreier feiert. - Andere Bürgermeister wurden nicht so begrüßt und gelobt, da ist wirklich etwas Großes passiert. - HIER geht es zu "La Voz de La Palma", runter scrollen, auf der rechten Seite, das Video anklicken, mit dem Titel "el cambio en Los Llanos" - So, jetzt habe ich doch wieder über Politik geschrieben, oder eigentlich nicht, denn was gestern hier auf La Palma geschehen ist, das ist nicht Politik, sondern Historie…





Sonntag 12.06.2011 11:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 60 % - Luftdruck 1017 hPa

Inselstreich
Teil eins der Historie ist geschrieben

Allerdings hat die Historie drei Teile. - Ich gebe es zu, mein Kopf ist noch ein bisschen schwer. - Aber die Finger sind schon wieder locker und so kann ich Sie teilhaben lassen an einem, sagen wir es ruhig so salbungsvoll, historischen Vorgang hier auf der Insel. - Die Coalición Canaria ist auf der Insel nur noch in Mazo und Fuencaliente vertreten, da in allen anderen Gemeinden jetzt Pakte zwischen der Partido Popular und den Sozialisten der PSC/PSOE geformt wurden. - Es hat also funktioniert, selbst in den fraglichen Gemeinden Barlovento, Garafía, Santa Cruz und Los Llanos. - Bei uns in El Paso hat es auch geklappt, aber das wussten wir ja schon vorher, konnten, wollten oder durften es aber noch nicht herausbrüllen. - Was denn jetzt so aufregend an diesen Pakten ist wird sich mancher fragen, und warum ich das historisch nenne, das will ich Ihnen gerne erklären. - Zunächst ist es gelungen, die hier allseits präsente Coalición Canaria endlich zu marginalisieren, und damit den Weg zu öffnen für einen wirklichen politischen Wandel auf der Insel. - Allerdings muss man noch höher einschätzen den zivilen Ungehorsam der gewählten Vertreter der PSC/PSOE hier auf der Insel, die sich dem von oben angeordneten Pakt PSOE/CC verweigert haben, ganz einfach weil die Basis der Partei und die meisten Bürger den Pakt PSOE/CC gar nicht wollen. - Das wäre das erste Mal, dass die Basis einer Partei und der große Teil der Bevölkerung die Geschicke einer politischen Partei bestimmen und nicht Direktiven von oben und die persönlichen Interessen der Parteispitze. - Demokratie von unten, so nennen wir das, und sind überzeugt, dass moderne Politik so aussehen muss. - Allerdings hat diese Zivilcourage nicht nur Anhänger und wird auch mit einem hohen Preis zu bezahlen sein. - Gegner dieser Demokratie von unten meinen, dass ohne Disziplin eine Partei überhaupt nicht zu führen ist, und dass man so auf die Dauer die Demokratie sogar gefährdet. - Nun, die Bedenken darüber können wir nicht gänzlich ausräumen, zumal wir noch keine Erfahrung damit haben. - Andere Kritiker dieses Paktes PSOE/PP hier auf La Palma sehen die Gefahr, dass somit die Sozialisten hier auf der Insel zum Spielball der Interessen der landesweiten Partido Popular werden und kanarenweit die PSOE dadurch so geschwächt wird, dass die PP in den kommenden Jahren die alles bestimmende Gruppierung wird. - Auch da müssen wir eingestehen, dass es sehr wohl passieren kann, dass die PSOE auf den Kanaren dadurch sehr geschwächt wird, auf der anderen Seite wird die Partei durch wirkliche Volksnähe plötzlich auch wieder wählbar, weil die Politik dann nicht mehr von "oben" bestimmt wird, sondern problembezogen regiert werden kann, und nicht ideologiegesteuert. - Diese ganzen Fragen und Bedenken sind alle zu respektieren, auch die Kritik an diesem Bündnis der Unzufriedenen, aber man hat hier auf La Palma eben jetzt beschlossen, dieses Wagnis einzugehen und wir sollten abwarten, ob diese Experiment gelingt.

Auf jeden Fall bezahlen einige mehr für diesen Pakt und andere weniger, so hat die Direktive der Partei gestern noch bekannt gegeben, dass man Parteiausschlussverfahren gegen die 5 "Concejales" in Santa Cruz und die 3 in Los Llanos eingeleitet hat, weil sie eben gegen die Beschlüsse der Partei ein Bündnis mit der Partido Popular eingegangen sind. - Damit mussten die gewählten Kandidaten rechnen, das war denen klar, aber dass die Entscheidung so schnell kam und man die Leute nicht mal ein bisschen feiern ließ, das erschreckt dann wohl. - Unverständlich bis ungerecht ist allerdings, warum man nur die "Concejales" in Santa Cruz und Los Llanos bestrafen will, nicht aber die in den anderen Gemeinden, in denen auch der "Bund der Verräter", wie man in der Parteispitze sagt, geschlossen wurde. - Man muss den Entschluss der Parteispitze so wohl als prompte taktische Reaktion ansehen, denn die Coalición Canaria die hatte ja damit gedroht, die Verhandlungen um eine Regierungsbildung mit der PSOE auf Ebene des Gobierno de Canarias zu verlassen, falls Los Llanos und Santa Cruz nicht in den Händen der Coalición Canaria bleibt. - In wie weit man diese Drohung ernst nehmen darf, das wird sich erst noch herausstellen, in den Verhandlungen pokert die CC immer gerne mal sehr hoch. - So ist auch noch nicht völlig klar, ob denn die Parteiausschlussverfahren wirklich konsequent durchgezogen werden, das wird davon abhängen, welche Macht die "Restparteiführung" überhaupt noch hat, denn die Unterstützung der palmerischen PSOE hat man ja bereits verloren. - Für die beiden Gemeinden hätte ein Parteiausschluss der "Concejales" der PSOE übrigens keine direkte Auswirkung, die Stadträte behalten dennoch ihr Mandat, da dieses personenbezogen ist und auch ohne Parteiausweis machbar noch gilt. - Was auch diskutiert wird ist, ob die anderen "Concejales" der PSOE nun aus Solidarität auch aus der Partei austreten sollen, aber da wird man noch abwarten, ob die Parteiausschlussverfahren wirklich konsequent durchgeführt werden. - Gleich kommen dann die Rufe nach einer neuen Partei hier auf La Palma auf, viele fordern nun, eine PSP, also eine Partido Socialista Palmera müsste her, auch das ist denkbar, aber zunächst hat man ja noch genug Auseinandersetzungen mit der einen Partei aufzuarbeiten. - Man muss ja auch noch abwarten, ob sich dieser rebellische Pakt auch in der Inselregierung durchsetzt, denn ohne das Cabildo Insular läuft auch in den meisten Gemeinden nichts, denn man ist in ganz vielen Vorgängen von der ersten Inselkorporation abhängig. - Allerdings meint man, auch dort wird man dem Druck von "oben" standhalten, das wäre dann der Historie Teil 2, und dann gilt es noch zu sehen, ob dann immer noch auf der Ebene des Gobierno de Canarias die Sozialisten zusammen mit der Coalición Canaria regieren wollen, oder sich der Druck von "unten" so weit zuspitzt, dass dort dann der dritte Teil der Historie geschrieben werden kann. - Das wagen allerdings selbst wir Teilzeitoptimisten noch nicht zu hoffen, aber durchspielen kann man diesen Gedanken doch mal. - Ein deutliches Chapeau geht an die 3 Concejales der Sozialisten in Los Llanos und ein ebenso stimmgewaltiges an die 5 Aufrechten in Santa Cruz, welche ihre politische Karriere aufs Spiel gesetzt haben, trotz enormem Druck von allen Seiten, um den Wunsch der Basis und der Bürger zu erfüllen.



Samstag 11.06.2011 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 82 % - Luftdruck 1018 hPa
Höchsttemperatur heute 21,8 Grad - niedrigste Temperatur 17,0 Grad




Muss ich noch mehr hinzufügen, wie wir den Tag verbracht haben?




Samstag 11.06.2011 10:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 18 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 64 % - Luftdruck 1019 hPa

Das Tal der starken Frauen
Carmen, Noelia und Loli

Ein kleines bisschen Zurückhaltung muss man noch üben, denn erst gegen 11:00 Uhr werden die Bürgermeister wirklich gewählt, und erst danach kann man sich sicher sein, wie die Gemeinden zukünftig besetzt sein werden. - Allerdings gingen gestern Abend noch die Kandidaten aller Gemeinden an die Presse und verkündeten lautstark, dass überall auf La Palma der rebellische Pakt PSOE + PP steht. - Auch in Los Llanos, das ist die große Nachricht, denn hier gab es und gibt es immer noch äußersten Druck auf die Kandidaten der PSOE, damit diese nicht mit der Partido Popular paktieren. - Nur noch Mazo und Fuencaliente sind demnach in den Händen der Coalición Canaria, denn dort erreichte diese Gruppierung absolute Mehrheiten. - In Garafía ticken die Uhren sowieso anders, dort ist noch gar nichts klar, aber bei allem Respekt gegenüber den Einwohnern dieser drei Gemeinden, sie bewegen kein wirkliches politisches Gewicht auf dieser Insel. - In allen anderen 11 Gemeinden La Palmas wird es also eine Koalition von PSOE und PP geben, was durchaus als historisch zu betiteln ist, da man uns so etwas eigentlich nie zugetraut hätte. - Ganz persönlich freut mich aber, dass nun das Aridanetal, bestehend aus Tazacorte, Los Llanos und El Paso, jeweils mit Bürgermeisterinnen besetzt sein wird, und damit den faden chauvinistischen Beigeschmack unserer politischen Landschaft ausradiert. - Das Tal der starken Frauen, so darf man das sicher betiteln und falls der Pakt zwischen PP und PSOE hier auf der Insel noch nicht ausreicht für manche um die Vokabel historisch anzubringen, dann wird doch sicherlich diese Tatsache auch die Zweifler überzeugen, dass heute Historie hier auf der Insel geschrieben wird. - Carmen Acosta aus Tazacorte, Noelia García aus Los Llanos und Dolores Padilla aus El Paso, diese drei Frauen haben hier zukünftig das Sagen und werden dem Tal ihren Stempel mit oder gar deutlich aufdrücken. - Gut, in El Paso war Loli schon einmal Bürgermeisterin, und dort bei den Sozialisten im "Bergdorf" hat man als Mann eh immer das Gefühl "Quotenkerl" zu sein, da die Mehrzahl der dort in der Partei Frauen sind, aber in Los Llanos und Tazacorte waren die Regierungsbänke fast gänzlich frauenfrei und das wird für viele schon eine gewisse Umstellung bedeuten. - Ich bis es ja nicht anders gewöhnt, 3 Frauen und 3 Katzen zu Hause, eine gestrenge Chefin in der Politik, ich bin längst davon überzeugt (worden) dass Frauen eh die besseren Politikerinnen und Chefinnen sind. - Gut, in Deutschland läuft das gerade nicht wirklich so, Merkel und Westerwelle sind nun kein wirkliches Paradebeispiel dafür, dass Frauen grundsätzlich die besseren Kräfte sind.

Der eigentliche Held des gestrigen Abends, und wohl auch der heutigen Abstimmung, wenn denn alles gut geht, wird aber dann doch ein Mann sein. - Auch wieder eine Geschichte, die man leicht historisch anhauchen kann, wenn man denn eine solche Ader besitzt…, denn Chema de Vargas, oder ausgeschrieben José María de Vargas, der charismatische Chef der Sozialisten in Los Llanos hat schlimme Tage hinter sich. - Da war nicht nur der Druck der eigenen Parteiführung aus Gran Canaria und Tenerife, sondern auch noch die verlockenden Angebote der Coalición Canaria, die ihm bis hin zum Amt der Bürgermeisters alles angeboten haben, damit er doch seinen Plan aufgibt, zusammen mit der Partido Popular in Los Llanos einen neuen Anfang zu garantieren. - Der hätte das schön einfach haben können, zusammen mit der Coalición Canaria, aber er ließ sich nicht beirren und so trägt der Mann auch die Hoffnung ganz vieler Bürger mit, dass es wohl noch aufrechte Menschen in der Politik gibt, die nicht nur ihren eigenen Vorteil suchen, sondern sich für das Gemeinwohl auch mal unterordnen. - Wem im Hintergrund auch noch ein Lob gebührt, und das habe ich gestern Abend erst erfahren, das ist Manuel Marcos, Chef der Sozialisten hier auf La Palma und Abgeordneter im Gobierno de Canarias, der hat sich sehr für die lokalen Pakte hier auf La Palma eingesetzt, und das auf die Gefahr hin, dass er nun im Gobierno de Canarias sein Amt verlieren kann, weil er damit eben nicht mehr auf Linie der Parteiführung liegt. - Hinter jeder starken Frau stecken also auch ein paar stille Wühler im Hintergrund und dann muss man einfach sagen, die Mischung stimmt. - Bei aller Euphorie muss man natürlich noch abwarten, wie später der Alltag in den einzelnen Gemeinden sein wird und wenn erst der Duft des Sieges abgeklungen ist, dann wird sich zeigen, ob man denn wirklich Fraus genug ist, in täglicher Kleinarbeit und trotz sicherlich auftretender Schwierigkeiten an einem großen Ziel weiterhin zu arbeiten. - Heute Abend gibt es keine Nachrichten, wenn alles gut geht, dann sind wir feiern…



Freitag 10.06.2011 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 57 % - Luftdruck 1020 hPa
Höchsttemperatur heute 22,6 Grad - niedrigste Temperatur 17,5 Grad

Die ganze Welt blickt auf Los Llanos…
…unsere kleine, fast noch heile Welt

Heute Abend gelingt es mir nicht um die Politik herum zu schreiben, wir müssen da mitten durch. - Es geht einfach um zu viel, und anderes Interessantes ist eh nicht passiert, kein überfahrenes Huhn in Tijarafe und der Mojo ist auch nicht teurer geworden. - Wie Sie ja vielleicht schon mitbekommen haben, deutet sich auf unserer Insel so etwas wie ziviler Ungehorsam an, oder vielleicht besser gesagt, Zivilcourage oder Demokratie von unten. - Hier auf La Palma wollen in allen Gemeinden die beiden Parteien PSC/PSOE, also die Sozialisten, mit den Bürgerlichen der Partido Popular paktieren, und das gefällt anderswo nicht. - Man fragt sich auch zunächst, wie kann das eigentlich gehen, sind doch auf nationaler Ebene die PSOE und die PP so etwas wie natürlich Feinde, und dann wollen wir hier auf der Insel gemeinsame Sache machen, wie kann das gehen? - Es kann gehen, und zwar aus einem Grund, weil die Alternative zu diesem rebellischen Pakt nämlich wäre, dass die Klientelpartei, oder besser gesagt der Lobbyistenverein der sich als Coalición Canaria den Anstrich einer Partei gibt, hier weiter auf der Insel das Sagen hat und solche wahnsinnigen Dinge wie Asphaltwerke neben Wohngebieten oder Autobahnen durch Weltbiosphärenreservate durchprügeln kann. - Und nicht nur das, sondern eben auch noch diese Insel ziellos und planlos in eine äußerst ungewisse Zukunft treiben lässt und in keiner Weise die Notwendigkeiten von Strukturwandel in gewerblichen wie auch gesellschaftlichen Belangen anerkennt. - Augen zu und durch, auch wenn es gegen die Wand geht, und wir stehen kurz vor einer Wand, die nicht mit frommen Sprüchen oder kurzatmigen Schmurucheleien zu erklimmen ist. - Sowohl die Leute von der PP, wie auch die Sozialisten von der PSOE sagen sich ganz eindeutig, wir sind das geringere Übel und bevor man sich zum Spießgesellen der Coalición Canaria macht, wählt man diesen "last exit rationality", oder wie der Bayer auch sagt: Ganz egal ob schwarz ob weiß, Hauptsch is des wird koa Preiß". - Wobei hier bitte "Preiß" für die Coalición Canaria stehen soll, und ich bitte nun vielmals gleich um Entschuldigung bei allen die sich der preußischen Ehre verpflichtet fühlen, aber Coalición Canaria reimt sich nun mal nicht auf "Weiß". - Man könnte es natürlich auch noch ein bisschen virulenter verpacken, "Ganz egal ob Pest oder Malaria, Hauptsach nicht Coalición Canaria". - So sieht das hier die Mehrheit der Palmeros, und es kommt ja nicht von ungefähr, dass man lieber diesen rebellischen und unkonventionellen Pakt wünscht, als weiter so vor sich hin zu palmerieren. - Schluss mit dem Ausflug in die Reimkiste, hier auf La Palma bietet sich das erste Mal seit vielen Legislaturperioden die Möglichkeit, ohne die CC in den entscheidenden Gremien die Zukunft der Insel anzugehen, und diese Chance dürfen wir uns nicht entgehen lassen. - Nicht, dass wir uns falsch verstehen, es gibt auch gute Leute in der Coalición Canaria, Aufrechte, die schon das Wohl dieser Insel im Sinn haben, aber nach so vielen Jahren der Vetternwirtschaft und der Verflechtungen mit Wirtschaft und Verwaltung, muss einfach ein Wechsel her.

Allerdings denken wohl nur wir so, denn auf oberer Ebene, also im Gobierno de Canarias strebt man eine Koalition zwischen PSOE und der Coalición Canaria an. - Ja, man möchte es kaum glauben, die Sozialisten wollen auf der Ebene den bisherigen Steigbügelhalter Partido Popular ablösen, damit alles schön beim alten bleiben kann und man bloß nicht eingefahrene und lohnende Pfade verlassen muss. - Die Sozialisten machen das aus taktischen Gründen, um sicher zu stellen, dass man weiterhin mit den 2 Stimmen der Abgeordneten der Coalición Canaria in Madrid rechnen kann, welche wohl dazu dienen könnten, eine vorzeitige Abwahl Zapateros noch zu verhindern. - Allerdings wird der eh kommendes Jahr sein Amt verlieren, darüber muss man nicht mehr spekulieren oder herumdoktern, und auch der Ersatz durch Herrn Rubalcaba wird es nicht mehr ändern, dass im kommenden Jahr Spanien von der Partido Popular regiert werden wird. - Also wäre es traurig und äußerst fahrlässig, für ein paar Monate heraus gezögerter Qual, die kanarischen Sozialisten zu opfern, und nicht jetzt schon damit zu beginnen, diese Inseln endlich umzukrempeln und für die Zukunft bereit zu machen. - Aber "die da oben" sehen das anders als "wie hier unten" und nun droht die Coalición Canaria damit, die Verhandlungen mit der PSOE abzubrechen, falls auch La Palma, und dort ganz besonders in Los Llanos, der von oben angeordnete Pakt zwischen PSOE und CC nicht durchgeführt wird. - Es geht also um Los Llanos, um die Pfründe dort, oder dass wir so einige Dinge überhaupt nicht entdecken dürfen, die da noch in den Archiven des Rathauses versteckt sind. - Oder aber es ist das Stolzespfand für die Coalición Canaria, fällt Los Llanos, dann fällt ganz La Palma, wobei dieses Bild natürlich nur nach Symbolik riechen kann. - Wichtiger wäre eigentlich das Cabildo Insular, denn auch dort hat die CC nach vielen Jahren endlich die absolute Mehrheit verloren, und man könnte dann so einige irrwitzige Pläne die dort entstanden sind, wie beispielsweise den skurrilen "PTE", den Tourismussonderplan für die Insel, welcher vier Golfplätze vorsieht, an die acht Hotels zusätzlich zu unseren so erbärmlich ausgelasteten Einrichtungen, und einige Yachthäfen mehr an unserer so fragilen Küste. - Aber auf Los Llanos fällt der Focus, und nun drängt natürlich die Coalición Canaria mit Macht die Verhandlungsführer der PSOE, man möchte doch bitte die Parteigänger in der größten Stadt La Palmas wieder auf Kurs lotsen. - Wir müssen immer noch ein bisschen zittern, wir wissen nicht genau, wie groß die Strafandrohungen sind, oder wie lieblich die Angebote, und ob alle "Concejales" der PP und der PSOE morgen Vormittag um 11:00 Uhr wirklich den Aufstand wagen. - Eine Stunde vorher, also um 10:00 Uhr, da bittet die Plataforma gegen die Asphaltwerke wieder zum Tanz, man möchte dort sein auf der Plaza in Los Llanos, um noch vor der Abstimmung im Rathaus alle daran zu erinnern, wie man sich im Vorfeld zu den Asphaltwerken geäußert hat. - Also, auf geht´s, ein bisschen Präsenz zeigen, spannend ist das allemal. - Ich muss mich entschuldigen, ich haben natürlich einen Termin im Rathaus von El Paso, da geht es auch um die Wurst, oder besser gesagt um Loli, unsere wohl zukünftige Bürgermeisterin.




Das Rathaus von Los Llanos, heiß geliebt und kalt serviert




Freitag 10.06.2011 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 18 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 56 % - Luftdruck 1021 hPa

Wenn der Sommer nicht mehr weit ist…
Wie schreibt man um Politik herum

Morgen werden die Bürgermeister gewählt und kaum ein anderes Thema beschäftigt die Leute hier, weil in vielen Gemeinden der Käse noch keine Löcher hat, oder man es einfach nicht wagt, sich jetzt bereits öffentlich zu bekennen. - Was sich anhört wie eine Geschichte aus den Urzeiten der Demokratie ist vielleicht sogar eine solche, denn der Druck, welcher von außen auf die Kandidaten in den einzelnen Gemeinden ausgeübt wird, ist so enorm, dass sich manche zur Wahl stehenden Personen regelrecht verstecken. - Morgen ab 11:00 Uhr gibt es dann kein Verstecken mehr, da trifft sich alles vor und in den Rathäusern und dann werden wir ja erleben, ob es den Rebellen von La Palma gelingt, die Coalición Canaria aus fast allen Rathäusern zu fegen. - Morgen fängt dann auch der Sommer an, zeitgleich, das habe ich Kiko so erklärt, dem alten Pessimisten, der immer noch nicht glauben kann, dass sich auf dieser Insel auch mal was verändern kann. - Die allermeisten Pessimisten bezeichnen sich ja selbst als Realisten und keiner wird in der Lage sein, diese feine Linie zu zeichnen, welche beide kognitiven Aggregatszustände wirklich voneinander trennen kann. - Manchmal saugt Kiko einem das letzte Stückchen Hoffnung aus der Seele, "wirst schon sehen, am Ende bleibt alles wie es war…" - Dann rufe ich immer Miguel an, der ist Optimist, ein heller Optimist sogar, und der lädt mich dann wieder auf, für den gibt es keinen Zweifel, La Palma ist aufgestanden und hat gebrüllt, und ab morgen ist alles anders. - Das macht dann wieder wunderbaren Mut und fast ist es so, als würde ich dann Miguel auf Kiko loslassen, eine geballte Ladung Zuversicht gegen tiefe Seelenfurchen, gefaltet in vielen Jahren Erfahrung. - Das klappt übrigens hervorragend. Während Miguel noch wild gestikulierend bereits Zukunftspläne bis weit über 2015 hinaus schnürt, rührt sich manchmal so etwas wie ein kleiner Lichtschimmer in Kikos Gesicht, er würde das schon alles am liebsten auch glauben und ein bisschen zieht es ihn auch dahin, aber kurz vor der Erlösung klappt er dann wieder in sich zusammen und haucht sein unerbittliches "wirst schon sehen" wieder in den Raum und sucht schnell wieder die Flucht in der Arbeit.

Ich lasse mich dann weitertreiben vom Miguel, sauge gierig die gute Laune und die Zuversicht in mich auf und stimme fröhlich in den Lobgesang von neuen Ufern, Aufbrüchen und echter Demokratie ein. - Wenn wir dann richtig losgelassen werden, also unsere beiden Frauen nicht dabei sind, was in letzter Zeit komischerweise öfter vorkommt, dann guckt nach dem dritten Bier auch bereits der Weltfriede um die Ecke und ich glaube ganz einfach, das unsere Frauen diese Revolutionsgeschwindigkeit nicht mehr vertragen. - Eigentlich können die das einfach nicht mehr hören, und manchmal wünschen die sich, ihre Männer hätten solche letalen Hobbys wie Fußball oder Autorennen, und würden nicht immer den ganzen Tag von Pakten, Selbstbestimmung und Basisdemokratie faseln. - Aber das wird ja auch wieder besser, nach der Revolution sprechen wir uns wieder, und das dauert ja nur noch ein paar Tage bis unser Sommer kommt, wir alles gedanklich abgearbeitet haben und uns dann wieder in den Alltag einfügen. - Kiko traut sich dann nur noch selten an unseren Tisch, er ist kein überzeugter Pessimist, sondern eher einer aus unterlassener Hoffnungsleistung, oder Erfahrung wie er sagen würde, und fürchtet um den Verlust seiner schlechten Laune, wenn er dann gegen uns beide anfrusten muss. - Aber Kiko lauert wohl auf seine Gelegenheit, sollte einer von uns beiden früher gehen müssen, dann ist er wieder da, und im Kampf eins gegen eins haben die dunklen Mächte des Pessimismus meist gute Chancen gegen naive Träume. - Heute fährt Kiko in Urlaub, eine Woche nach Galizien, da wo alle Palmeros hinfahren, wenn sie wirklich mal die Insel zum Zwecke des Urlaubs verlassen. - Er hat sich das extra so ausgesucht, er möchte an dem Tag nicht auf der Insel sein, an dem sein Pessimismus von der Realität zerpflückt wird und man hier auf La Palma wirklich gegen alle Ströme die Coalición Canaria marginalisieren wird. - Nicht, dass es ihn nicht freuen würde, ganz im Gegenteil, aber wenn wir Recht behalten und er nur noch schlechte Laune haben kann weil er sich geirrt hat, dann macht das Spiel keinen Spaß mehr. - Manchmal glaube ich das was ich schreibe, und wenn nicht, dann rufe ich Miguel an, der rückt das dann schon wieder zurecht.



Donnerstag 09.06.2011 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 22 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 42 % - Luftdruck 1020 hPa
Höchsttemperatur heute 23,6 Grad - niedrigste Temperatur 16,4 Grad

Kurzwaren
Reisen, Kabelsalat und Hartz rural

Alte Liebe rostet nicht, und geht auf Reisen. - Alle Jahre wieder ermöglicht das Ministerium für Soziales Rentnern die Möglichkeit, für wenig Geld zu verreisen. - Das kommt immer gut an hier, wer noch das berühmte Attribut "rüstig" für sich nutzen darf, der kann so einen Wochentripp aufs Festland für wenig Geld machen. -- Dort gibt es in vielen Städten Vertragshotels, welche sich auf die Notwendigkeiten von Senioren eingestellt haben und die lokalen Administrationen organisieren dann die Reise. - 40% von der Summe der Reisekosten und Unterbringung übernimmt das Sozialamt, zusätzlich gibt es an den Ferienorten noch spezielle Aktivitäten, die man extra für die Seniorenreisen vorbereitet hat. Als Voraussetzung gilt, man muss Rentner im spanischen Rentensystem der Seguridad Social sein, und darf auch keine zu hohe Rente beziehen, sonst muss man seine Reise doch selbst bezahlen. - Außerdem kann man nur subventioniert verreisen, wenn man nicht bereits letztes Jahr an einer solchen Reise teilgenommen hat. - Andalusien, Katalonien, Balearen, Valencia und Murcia stehen auf dem Programm, genau so wie ein nicht näher bezeichnetes Ziel in Portugal. - Rentner auf Reisen, und dann noch aus La Palma, das muss lustig sein auf dem Flughafen, wo die doch alle immer ihren eigenen Mojo mitnehmen, um fremde Kost gangbar zu machen, ein paar Stück Käse für die lange Reise und ein paar Flaschen Wein, man weiß ja nie, ob man was Trinkbares da sonst bekommt.

Der oberirdische Kabelsalat hier auf der Insel nervt schon gewaltig. - Stromleitungen und Telefonkabel ziehen ihre Spinnenfäden für die Insel und auch durch die Städte. - Zwar gibt es nun Weisungen, dass Telefonkabel zukünftig nur noch unterirdisch verlegt werden dürfen, allerdings habe ich das kürzlich noch gerade anders gesehen, aber auch falsch Parken ist ja verboten. - Warum man die ganzen Kabel nicht einfach eingräbt, das hat einen ganz einfachen Grund, es kostet reichlich Geld. - In einigen Städten ist man allerdings schon dazu gekommen, sich Gelder von der Inselregierung zu verschaffen, um diese Arbeiten durchzuführen. So ist man in Los Llanos in der Innenstadt schon ganz gut vorangekommen, man hat diese Arbeiten mit in die Schaffung der Fußgängerzone integriert, welche allerdings Jahre dauerte, sehr zum Leidwesen der Anwohner und vor allem der Geschäftsleute. - Jetzt hat man wieder 234.000 Euro locker machen können von der Inselregierung und wird nun die Kabel im nördlichen Teil der Stadt unter die Erde bringen. - Hinauf nach Los Barros heißt es, also Richtung Caldera de Taburiente, die Anwohner werden es später mal danken, allerdings nicht während der Bauphase, denn dann heißt es wieder Buddeln, Krach und Staub. - Wann die Arbeiten abgeschlossen sein sollen, das erzählt man uns nicht, ist vielleicht auch weiser so.

Es hat sich ja wohl schon herumgesprochen, dass es auf den Kanaren reichlich Arbeitslose gibt. - Manche davon erhalten inzwischen auch kein Arbeitslosengeld mehr, sondern sind auf eine knappe Mindestrente angewiesen und haben deutliche Probleme über den Monat zu kommen. - Meist hilft die Familie und die Caritas, wirklich hungern muss hier niemand, aber Sprünge machen und mal mehr als Essen aus Spendenfonds, ist für viele nicht drin. - Diesen Leuten will man nun die Möglichkeit geben, sich als halbselbstständige Landwirte zu versuchen, in Los Llanos und auf Lanzarote betreibt man solche Versuche bereits. - Nun will man das auch in Mazo implizieren und wenn das so weiter geht, dann werden auch die anderen Gemeinden der Insel mitziehen. - Dabei werden gemeindeeigene Flächen, oder auch Felder von Privatleuten, welche diese Schollen, aus welchem Grund auch immer nicht landwirtschaftlich nutzen und zur allgemeinen Verfügung stellen von den Bedürftigen beackert, und die können sowohl die Ernte mit nach Hause nehmen, oder die Produkte auf dem lokalen Markt verkaufen. - Wasser und Gerätschaften stellen die Gemeinden zur Verfügung, auch Saatgut und technische wie praktische Anleitung, und dann heißt es die Hacke schwingen und sich das Abendessen selber anbauen. - Es gibt hier in El Paso auch Bestrebungen das mit ökologischer Anleitung zu machen, also den praktischen Nutzen gleich mit einem weiteren Ziel zu verbinden und die lokale Gastronomie dazu zu bringen, die Produkte dann auch zu beziehen. - Die lokale Warenkette wird ja immer wichtiger und beliebter, nicht erst seit der "Ehec-Geschichte" und wenn man dann auch noch ein paar Arbeitslose dabei wieder in Lohn- Brot und selbstständige Arbeit bringt, dann hört sich das ja fast an wie ein modernes Mädchen. - Kolchose Rote Rübe spottet so manch ein Pessimist, wir aber finden die Idee gut, nur muss man sich mal ganz genau dabei überlegen, wie man das pfiffig organisiert.



Donnerstag 09.06.2011 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 58 % - Luftdruck 1019 hPa

Wasserdruck
Alte Sünden holen El Paso ein

Seit gestern spielt in El Paso das Wasser wieder eine übergeordnete Rolle, denn die Firma "Canaragua", welche bislang die öffentliche Versorgung mit Wasser in der Gemeinde übernommen hatte, die wirft hin, und gibt die Pumpenzange wieder zurück an das Rathaus. - Seit dem Jahr 2005 betreute in unserer Gemeinde diese Firma die öffentliche Wasserversorgung, allerdings wurde die Auftragsvergabe an "Canaragua" von dem Konkurrenten "Aqualia" bereits noch im gleichen Jahr vor Gericht angefochten und im Jahr 2006 erging das Urteil, dass eine erneute Ausschreibung über die Vergabe der Lizenz stattfinden muss. - Damit allerdings ließ man sich fünf weitere Jahre Zeit, erst vor ein paar Monaten schließlich legte man eine neue Ausschreibung der öffentlichen Wasserversorgung für El Paso auf, aber nicht einmal der jetzige Wasserversorger "Canaragua" und auch nicht der damals klageführende Konkurrent "Aqualia" legten eine Angebot vor. - Das ist also heftig in die Hose gegangen, denn vor ein paar Jahren noch, da hätte man mit einem Betrag von etwa 1,5 Millionen Euro gerechnet, den man mit der Vergabe der Lizenz zur Wasserversorgung für 25 Jahre auf das Konto des Rathauses gutschreiben könnte. - Jetzt aber interessiert sich "Aqualia" nicht mehr für den Einstieg in das Wassergeschäft hier auf La Palma und "Canaragua" möchte selbst bei einem bereits auf 900.000 Euro reduzierten Angebot nicht mehr zugreifen. - Verzockt kann man da nur sagen, und es wird gleich die erste Last und Bewährungsprobe für die neue Rathausbesatzung in El Paso, an der Wasserfront für Klarheit zu sorgen. - Wie es aktuell weitergeht ist aber schon klar, die Gemeinde wird die drei Techniker, die bislang für "Canaragua" hier in El Paso gearbeitet haben übernehmen, und die Wasserversorgung dann wieder in Gemeindehand nehmen, bis man eine neue Regelung gefunden hat. - Wie diese aussehen kann, das muss dann diskutiert werden, denn für die Gemeinde selbst war früher die Wasserversorgung defizitär und so war man froh, dass private Anbieter den Dienst gerne übernommen haben und dafür sogar noch Geld bezahlten. Man muss diese Verfehlung, im Jahr 2005 nicht gleich Nägel mit Köpfen, oder in dem Fall Wasser mit Tropfen gemacht zu haben, dem damaligen Bürgermeister Jesús Rodríguez ankreiden, denn der hatte, eben ohne weitere Ausschreibung, den Dienst "Canaragua" für zunächst 5 Jahre übertragen und das auch ohne Abstandszahlung. - Jetzt, wo es keine privaten Konkurrenten mehr auf dem Markt gibt, welche "Canaragua" dazu bringen würden, Geld für die Übernahme von Wasserlizenzen auf den Tisch zu legen, kommt man natürlich zu spät. - Nun werden wir nicht befürchten müssen, dass morgen schon kein Wasser mehr aus der Leitung kommt, aber wer am kommenden Montag neuer Bürgermeister in El Paso ist, der hat gleich eine dringende Aufgabe zu übernehmen, die nicht ganz einfach zu lösen sein wird.



Mittwoch 08.06.2011 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 21 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 47 % - Luftdruck 1019 hPa
Höchsttemperatur heute 21,8 Grad - niedrigste Temperatur 15,8 Grad

Saure Gurken
"Was ist nur aus Deutschland geworden"

Die "Gurkenkrise" erhitzt hier die Gemüter reichlich. - Als Gurkenkrise bezeichnet man hier in Spanien die Verluste, die man im Sektor des Gemüseanbaus hinnehmen muss, seit dem Generalverdacht gegen Gemüse im Allgemeinen und Gurken aus Spanien im Besonderen. - Nachdem man mitbekommen hat, dass die erste Vermutung in Hamburg, Gurken aus Spanien seien der Auslöser der widerlichen Epidemie gefunden worden, sich nicht bestätigt hat, drehen die Gemüsebauern hier kräftig an der beleidigten Leberwurstschraube. - Natürlich nicht ganz unberechtigt, da hat man einen Schnellschuss in Deutschland losgelassen, unter großem medialen Druck wollte man die "smoking pepino" so schnell wie möglich finden, und hat dabei den Ruf spanischen Gemüses vorschnell ziemlich ramponiert. - Inzwischen werden aber auch die anderen Länder ihr Gemüse nicht mehr los, und das wird noch so lange gehen, bis entweder der Hotspot der Escherichia Bakterien gefunden ist, also die mit der "bösen" Mutation, oder aber das Ding einfach wieder so verschwindet und medial wieder eine andere Katastrophe die "Gurkenkrise" überlagert. - Bis dahin allerdings können hier, und noch mehr auf dem Festland, viele Gemüsebauern ihren Kram einfach nur wegwerfen, und je länger die Geschichte andauert, umso wahrscheinlicher wird es auch, dass viele der Betriebe einfach schließen werden. - Zahlen habe ich keine parat, zumindest keine glaubhaften, denn natürlich werfen hier nun die Erzeuger mit Verlustzahlen um sich, die nicht wirklich nachzuvollziehen sind. - Das wird schwierig werden, da angemessene Entschädigungen zu finden, aber hier sieht man natürlich Deutschland absolut in der Pflicht, auch wenn inzwischen das Problem längst nicht mehr nur die spanischen Gemüsebauern trifft, sondern auch alle anderen europäischen Kollegen, sowie natürlich auch die globalen Lieferanten. - Schöne Schei…. hätte ich fast geschrieben, und irgendwie trifft das ja bei einer Durchfallerkrankung auch zu, allerdings kann man bei jetzt 25 Toten in Deutschland auch nicht wirklich die Geschichte zur Satire machen.

Jetzt ist der erste Fall einer "Ehec" Erkrankung auf Tenerife aufgetaucht, das war zu erwarten, denn Bakterien reisen einfach mal mit, und wie man es nicht anders erwarten konnte, ist die Patientin, welche in eine Klinik eingewiesen wurde, eine Deutsche aus Hamburg. - Allerdings kann man auch gleich wieder Entwarnung für diese eine Patientin geben, die soll inzwischen bereits wieder aus dem Krankenhaus entlassen worden sein, also nur einen leichten Krankheitsverlauf gehabt haben. - Aber jetzt kommen böse Kommentare der "vox populi" und manch ein cholerischer Zeitgenosse hier fordert bereits ein Einreiseverbot für Deutsche, oder sie sollten sich alle vorher kontrollieren lassen. - Das ist natürlich völliger Quatsch, aber so laufen die Dinge eben, und viele andere die sehen eben diese aberwitzige Kehrtwende in der Geschichte an, zunächst war man in Deutschland sauer auf Spanien, die hätten die Keime geschickt, nun aber kommen die Keime aus Deutschland und bedrohen nicht nur die Landwirtschaft hier durch Kaufzurückhaltung, sondern schleppen die "Seuche" auch noch auf die Inseln. - Gut, die allgemeine Stimmung hier richtet sich nicht gegen "die Deutschen", allerdings wundert man sich ein bisschen klammheimlich, wie der der ewige Klassenprimus Deutschland nun so herumrudert mit dem Durchfall und die Sache wohl einfach nicht in den Griff bekommt. - Das kann man auch als Neidrache bezeichnen, wo doch erst vor ein paar Monate die "Supermerkel" nach Spanien kam, zur Revision, wie man hier immer bemerkte, um nachzusehen ob wir unsere Hausaufgaben machen in Sachen Sparen, und nun eiert das höchst bewunderte Land, die Ausgeburt an Effizienz und wissenschaftlicher Lorbeeren kopflos durch eine Bakterienschnitzeljagd. - Man bekommt die Gemüter hier immer wieder schnell auf den Boden wenn man sagt, Leute, da sind 25 Menschen gestorben, das ist doch klar, dass die nervös sind, aber diese Krise nagt wohl am Unfehlbarkeitsnimbus, welchen sich Deutschland in den letzten Jahren so erworben hat. - Allerdings muss man auch dazusagen, dass Deutschland sich diesen Nimbus gar nicht selbst gegeben hat, sondern dieser Ruf entstanden ist, es soll also keine Anklage sein. - Schlimm war allerdings wohl, der Lapsus der Hamburgischen Gesundheitssenatorin, die Geschichte mit den Gurken aus Spanien aufzubringen, das war einfach verfrüht, und einen solchen Lapsus, den hätten wir von uns selbst erwartet, nicht aber aus Deutschland. - Die "sauren Gurken" werden uns noch eine Weile beschäftigen, man fühlt sich hier sehr wohl auf den wunden Fuß getreten, und in naher Zukunft wird es mit dem bewundernden Blick auf das Land, in dem immer alles funktioniert, nicht mehr so weit her sein. - Das geht aber alles vorüber, man kann nur hoffen, dass nicht noch viele Menschenleben dabei auf der Strecke bleiben, und wenn der deutsche Ruf der Perfektion hier auch ein bisschen angeknackst bleiben wird, kann ich Ihnen nur versichern, man kann prächtig ohne den Anspruch auf Perfektion leben. - Bei uns gab es heute Mittag Gurkensalat, allerdings aus dem eigenen Garten, spanische Gurken also.



Mittwoch 08.06.2011 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 57 % - Luftdruck 1019 hPa

Geheime Kommandosache Gemeinderat
Noch Zeit bis Samstag

Jetzt am kommenden Samstag den 11. Juni wird in den einzelnen Gemeinden die Zusammensetzung der Gemeinderäte bestimmt, und vor allem die Bürgermeister gewählt. - Das ist nicht so einfach und klar hier auf der Insel, da es nur in 4 von 14 Gemeinden ausreichende Mehrheiten gegeben hat. - (Fuencaliente und Mazo, absolute Mehrheit Coalición Canaria, sowie Puntagorda und Los Sauces, Mehrheit für die PSOE). - Bleiben also 10 Gemeinden übrig, in denen man einen Pakt suchen muss, oder die meist gewählte Partei versucht einen Gemeinderat in Minderheit über die kommenden 4 Jahre zu bringen. - Das allerdings ist eine äußerst wackelige Angelegenheit, und das aktuelle Beispiel von Fuencaliente, in dem solch ein Bürgermeister in Minderheit der Gemeinderatsstimmen nichts wirklich voran bringen konnte, steht auch gegen diese Option. - Es ist also damit zu rechnen, dass in allen Gemeinden Pakte geschlossen werden, die Frage ist halt nur, welche. - Drei Gemeinden haben bereits alle Verhandlungen hinter sich gebracht, Tazacorte, Puntallana und nun auch Breña Alta, und in allen drei Gemeinden wird es eine Koalition der PSOE mit der PP geben. - Und das überrascht uns hier auf La Palma nicht, wohl aber den Rest des Archipels, denn auf der Ebene des Gobierno de Canarias wird es einen Pakt zwischen Coalición Canaria geben und den Sozialisten der PSOE, und man versucht mit Zuckerbrot und Peitsche diese Koalition wasserfallartig auch in die untergeordneten Korporationen zu übertragen. - Das gelingt aber nicht in allen Fällen, denn die Basis der Sozialisten ist fast geschlossen gegen den Pakt mit der Coalición Canaria und man wehrt sich heftig hier auf La Palma gegen den Druck der Parteiführung. - Demokratie funktioniert nicht von oben nach unten, sondern umgekehrt, und das bekommen die vielen Funktionäre und Sekretäre der beiden Parteien nun hier auf La Palma zu spüren, die extra angereist kommen, um unwillige Sozis hier auf La Palma wieder auf Linie zu trimmen. - Auch in den anderen Gemeinden deutet es sich an, dass es gegen den kanarischen Trend, Bündnisse zwischen der PSOE und der PP geben wird, wobei das in einigen Gemeinden gar nicht so einfach ist. - Eine Zeitung zitierte vorgestern schon unvorsichtigerweise "Quellen von höchster Solvenz" dass auch in Breña Baja und Santa Cruz bereits die Sache zwischen der PSOE und der Partido Popular klar sei, allerdings dementierte man das seitens der Parteien gleich wieder, man will sich da nicht auch noch von der Presse unter Druck setzen lassen.

Nagelproben werden sowieso Los Llanos sein, und dann die Zusammensetzung des Cabildo Insulares, welches allerdings erst eine Woche später konstituiert sein muss. - Was in Los Llanos geschieht, das wollen auch bereits einige wissen, und man erwartet dort auch den "Pakt der Unwilligen", also PP + PSOE, aber diese Messe ist noch nicht gelesen, weil die Coalición Canaria es unter allen Umständen verhindern will, dass sie die Macht in der größten Gemeinde der Insel verliert. - In Los Llanos muss man also nicht nur den Druck der eigenen Parteioberen abreiten, die bis hin zum Parteiausschluss drohen, wenn man nicht dem Vorbild aus dem Gobierno de Canarias folgt, und mit der CC regiert, man muss auch noch den Versprechungen und dem Zuckerbrot der Coalición Canaria widerstehen können, welches nun in stillen Verhandlungen und "zufälligen" Begegnungen in Bodegas angeboten wird. - Es wäre nicht das erste Mal, dass es der Coalición Canaria gelingt, einen der "gegnerischen" Stadträte, wie auch immer, auf ihre Seite zu ziehen, und ein einziger Sitz mehr würde dieser Gruppierung reichen, um wieder die absolute Mehrheit in Los Llanos zu erlangen. - Solche "Umfaller" nennt man hier dann "tránsfugas", also Fahnenflüchtige, und obwohl alle großen Parteien mal in einem Gelöbnis versprochen haben, keinen "Fahnenflüchtigen" in ihren Reihen mehr aufzunehmen, hält sich die Coalición Canaria im Zweifelsfall nicht daran. - Im Schatten der Verhandlungen in Los Llanos und dem Cabildo Insular wird auch in den anderen Gemeinden zum Teil noch verbissen verhandelt, und da geht es oft um persönliche Geschichten, denn wer sich vier Jahre, oder mehr, politisch und auch auf privater Ebene immer beschimpft hat, der kann nun schlecht plötzlich Bussi-bussi geben und alte Geschichten hinter sich lassen. - Das wird man aber machen müssen wenn das Ziel gelingen soll, die Coalición Canaria hier auf La Palma zu marginalisieren. - Denn das ist der Wunsch der meisten Menschen hier und so zeigen das auch ganz eindeutig die Umfragen, die jetzt in jeder Zeitung zu finden sind. - Auch wenn solche Umfragen kein echter Spiegel der Meinungsäußerung der Mehrheit sind, so ist es doch auffallend, dass auch in Medien, welche von der Coalición Canaria gesteuert werden, zwischen 60 und 70 Prozent der an der Abstimmung teilnehmenden Personen einen Pakt zwischen der PP und der POSE hier auf La Palma bevorzugen. - Das entspricht etwa der Prozentzahl an Wählern, welche eine der beiden Parteien gewählt haben und klarer Hintergrund dieses Wählerwunsches ist einzig die Hoffnung, dass man mit der Abwahl der Coalición Canaria auch endlich die schwarze Wolke über dieser Insel wegschieben kann. - Es wäre keine Liebesheirat, sondern eher eine Sache der Vernunft, oder wie man sich gegenseitig halbrespektvoll tituliert, nämlich als das kleinere Übel. - Leider werden viele Details der jetzt laufenden Verhandlungen auch nach dem Samstag ein Geheimnis bleiben, auf jeden Fall dann, wenn dieser rebellische Plan hier auf La Palma gelingt, die Coalición Canaria aus den Schaltstellen der Insel zu drängen. - Auf jeden Fall ist das Aufbegehren der Basis der Parteien gegenüber dem taktischen Paktieren auf Höhe des Gobierno de Canarias jetzt schon als bemerkenswert und hoffnungsvoll zu bezeichnen. - Als Sieg, oder gar Neustart unter demokratischen Bedingungen kann diese Bewegung aber erst dann gelten, wenn beide Parteien auch wirklich konstruktiv zusammen daran arbeiten, dass irgendwo hier auf der Insel endlich politische Vernunft und Weitsicht einkehren kann.



Dienstag 07.06.2011 17:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 43 % - Luftdruck 1019 hPa
Höchsttemperatur heute 20,6 Grad - niedrigste Temperatur 17,4 Grad

Chicharrones
Das Große Kochen

Wie immer hatte Julio sich als Mann der Tat erwiesen und die Feuerstelle ausgemacht. Ich wurde mit unwidersprechbarer Selbstverständlichkeit von Hortensia zum Drehen der alten Steinmühle eingesetzt wurde. Nichts für Ungeduldige! Aber die Steine passten noch gut, und so drehte mal die rechte, mal die linke Hand, und irgendwann, so schien es mir nach langer, langer Dauer des Grummelns und Knirschens begann das Mehl sich aus der Enge zu befreien. Erst drehte ich die Gerste durch und sammelte sie in einem Eimer. Hortensia wollte, dass ich das Getreide nicht mit dem Maismehl vermische. Sie hatte zwar ein Sieb, aber ich musste das Mehl von Kleie und Spelzenteilen durch Schütteln und Werfen einigermaßen trennen, damit das Gofio nicht zu staubig wird', meinte sie. Schließlich mischte sie zwei Drittel Gerste mit einem Drittel Mais, und zur Abrundung rieb sie einige getrocknete Wurzeln über das Mehl. Sie rührte mit ihrem Holzlöffel alles sorgsam durch und hob die Pfanne nochmals über den Brenner. Sie schob den Holzlöffel durch das Mehl und schnupperte leicht in die aufsteigende Wärme aus dem Gofio: " Das ist jetzt gut so, riech mal, ganz anders als das gekaufte!" Ich meinte, einen Duft von Anis zu verspüren, die Mischung war leicht würzig, und weil ich etwas ausgiebig schnupperte, räusperte sich Antonio aus dem Schatten mit einem kurzen Hinweis: "Für Männer, ich sag´s dir, da kennt sich Hortensia aus!" Sie lächelte viel sagend und stellte die Pfanne auf eine große Lavaplatte, die wohl schon einige Jahrzehnte als Waschtisch gedient hatte. "Carlo, du musst die Mühle noch sauber machen!" Ich wusste es, Julio saß da und schürte sein Feuer, und ich musste die Mühle putzen. Das tat ich dann aber auch ausgiebig, weil Julio seine Zeit abschätzenden Blicke mit einem ‚bist du bald fertig da?!' ausdrücklich verstärkte - sie ließen Schlimmeres befürchten.

Julio hatte eine Gießkanne mit Wasser neben seinen Hocker gestellt und machte Zeichen, deren Bedeutung etwas im Unklaren blieben, wohl ein magische Handlung, denn nichts sollte ihn fortan stören. Er stellte mit bedachter Ruhe Salz und Knoblauch in Griffweite auf einen Stein.

Die Feuerstelle war nichts anderes als eine Rundung von Steinen, die oben passend zum Topf zusammenliefen. Er hatte den "Ofen" etwa einen halben Meter hoch gebaut, weil er so den Topf in Rührhöhe hatte, was schließlich bei seiner Leibesfülle wichtig war. Die äußere Rundung war gut mit kleinen Steinen abgedichtet, und so konnte er die Luftzufuhr durch ein Loch am Boden steuern. Und dieses Loch verschloss er jetzt mit einem Stein, es hatte sich eine hinreichende Glut gebildet.

Der Topf maß etwa 40 cm und war wohl an die 20 cm hoch, etwas verbeultes Aluminium, so schien es mir, weil die 'Patina' eine eindeutige Zuordnung kaum zuließ. Aber immerhin kam dieses Gebilde aus Julios Erbschaftsgerumpel auf den Ofen. Die Hitze war schon bemerkenswert, denn als Julio einen Strahl aus der Gieskanne einschenkte, gab es ein explosionsartiges Aufzischen. Etwa drei cm Wasser beruhigten sich schnell wieder. Mit einer an Feierlichkeit grenzenden Seelenruhe griff Julio in die Plastiktüte und ließ dann aus der Hand die Fettstücke in das Wasser gleiten. "Kannst du nicht mal rühren, ich komm da nicht so gut ran!"
Ich hatte es ahnen können, schon wieder: Rühren!

Es dauerte nicht lange bis das Wasser kochte. "Immer schön rühren, sonst setzt es an!" Julio goss einen Strahl aus der Gieskanne nach. "Es muss immer genug Wasser auf dem Boden sein, weißt du!?" Ich wusste mal wieder, nahm seinen Hinweis gelassen zur Kenntnis und rührte.
Es dauerte vielleicht 10 Minuten, vielleicht auch länger, die Glut des Ofens kochte nun auch mich durch, und mir schien die Ewigkeit angebrochen zu sein. Julio goss wieder nach. Ah, jetzt bekommen die Fettstücke Blasen! Ich drücke Julio den Holzlöffel in die Hand. "Jetzt bis du mal dran, puh, das ist mir jetzt zu heiß!" Blödsinnigerweise liegt die Kochstelle auch noch in nachmittäglich praller Sonne. Mich beschleicht der heimliche Gedanke " hättest du bloß nicht."

Julio reißt mich aus den abtrünnigen Gefühlen: "So, wir beginnen mit dem Salz, langsam, immer nach und nach!" Sowie der erste Schaum sich bildet, lasse ich insgesamt etwa einen gehäuften Esslöffel voll Salz einrieseln, jetzt beginnt das Fett auszutreten und die ersten Krusten schwimmen nach oben. Auf keinen Fall mehr Wasser nachschütten! Gerade noch dampft es aus dem Topf, und das ist der Moment für den Knoblauch. Solch heilige Handlungen muss selbstverständlich Julio vollziehen, und somit habe ich den Rührlöffel wieder.
Er schnippelt in der hohlen Hand den Knoblauch klein und streicht ihn sich nach und nach mit dem Messer von der Hand. So wandert etwa eine dicke Knolle in die Brühe. Bald hört es auf zu dampfen, auch die Schaumbildung geht zurück, die Fettstücke schrumpfen. "Du kannst mir schon mal den Schaumlöffel geben!" Julio nimmt mir den Holzlöffel aus der Hand, und ich schaue mich hilfesuchend um. Aber Hortensia ist schon da - mit zwei Glas Wein: "Das ist der Weiße vom letzten Jahr, ihr könnt jetzt einen Schluck vertragen! Zum Mischen nehmt ihr diese kleine Schale und hier ist der Schaumlöffel!"

Ein erwartungsvoll feierlicher Augenblick steht kurz bevor: Julio nimmt immer wieder prüfend die Krustenstücke aus dem Fett, lässt abtropfen und wieder zurück damit. Sie dürfen nicht mehr viel Fett enthalten, aber auch nicht zu wenig. Eine leicht gelbliche Farbe bildet sich heraus.

Und dann geht es los! Die Krusten werden in die kleine Schale geschöpft, das Fett ist jetzt so heiß und flüssig, dass wenig hängen bleibt. Dann wird Gofio auf die Krusten geschüttet und das ganze gut durchgerührt, ab in ein grobmaschiges Sieb und dann in die große Schüssel. Es muss jetzt schnell gehen, und bald bleibt ein Topf mit heißem Fett zurück. Jetzt kommt der Augenblick für das Nackenfleisch. Aber Vorsicht, das Fleisch ist feucht und das Fett heiß, es kann ekelhaft spritzen. Nach einem Schluck vom Weißen ist das Fleisch durchgegart und kommt auch in die Gofioschüssel als kleine Variante.

Wir sitzen an diesem Abend lange mit den unendlich vielen Geschichten, vom sprechenden Baum und dem Mann aus San Borondón. Wir verproben einige Weine und bleiben schließlich bei einem Rojo, einem Verschnitt aus grünen Bergreben und dem tief wachsenden schweren Roten, dem typisch palmerischen Landwein, der nicht ganz ausgetrocknet ist, vom Fass ohne Chemie! Die Chicharrones haben den leicht rauchigen Geschmack, das Gofio ist etwas körnig und sitzt manchmal zwischen den Zähnen. Ab und zu erwische ich ein Stück vom Nackenfleisch und zerkaue es mit einer Feige.

Lycedes hat uns nach Hause gebracht.

E N D E




Dienstag 07.06.2011 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 18 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 60 % - Luftdruck 1017 hPa

450 Mann (und Frau) gegen die Waldbrände
Die Saison beginnt

Reichlich spät in diesem Jahr will der Sommer kommen, so ab 12. Juni rechnen wir damit, dass sich der große Wetterwechsel einfindet, und mit dem Sommer freuen wir uns dann wieder auf wunderbare Temperaturen, aber fürchten eben gleichzeitig wieder die Gefahr von Waldbränden. - Letztes Jahr ist so gut wie gar nichts passiert, obwohl es mehrere Hitzewellen gab, aber die Einsatzkräfte gegen die Brandgefahr haben hervorragende Arbeit geleistet und mehrere kleine Feuer noch schnell und damit rechtzeitig löschen können, damit ein großer Flächenbrand gar nicht erst entstehen kann. - Das wird auch die Taktik in diesem Jahr sein, viele kleine Einheiten auf der Insel verteilt, die sofort zur Stelle sein können, sollte sich irgendwo ein Feuer bemerkbar machen. - Dazu stehen ab Ende des Monats an die 450 Männer und Frauen bereit, die zwar von diversen Institutionen unterhalten werden, aber allesamt auf das Kommando der "Cecopin" (Centro de Coordinación de extinción de incendios del Cabildo Insular) im Brandfall hören werden. - Allerdings will man jetzt, noch bevor die heiße Zeit beginnt dafür sorgen, dass die Bevölkerung der Insel sensibilisiert wird für den Umgang mit Feuer, denn die allermeisten Brände entstehen durch Ignoranz oder Unaufmerksamkeiten und werden von uns selbst entfacht. - Da sind zunächst die Raucher unter uns angesprochen, deren Kippen immer wieder dafür verantwortlich sind, dass Brände entstehen und es immer noch Zeitgenossen geben muss, die brennende Zigarettenstummel einfach in die Gegend werfen. - Dazu verteilt man auch dieses Jahr wieder kleine Aschenbecher auf der Straße und Informationsmaterial und es mutet fast ein bisschen peinlich an, dass man immer noch auf solche Praktiken hinweisen muss. - Auch das Verbrennen von Pflanzenresten in den Gärten ist ein Problem, mal ganz abgesehen davon, dass man dafür eine Genehmigung vom Umweltamt benötigt, sollte man bei heißem und trockenem Wetter auf jeden Fall darauf verzichten, sein Unkraut per Feuer loswerden zu wollen. - Das kann man wunderbar, und bitte mit Genehmigung im Winterhalbjahr machen, aber so bald es heiß wird, hat Feuer im Garten nichts mehr zu suchen. - Dann sind da noch die Böller zu nennen, welche wir bei jeder Feiergelegenheit immer so reichlich in den Himmel jagen, weil Krach Spaß zu machen scheint, denn ansonsten können wir keinen plausiblen Grund dafür nennen, warum wir das tun. - Diese Böller stehen ja nach wie vor als offizielle Ursache für die Brandkatastrophe im Süden der Insel im August 2009 am Pranger, und es ist nicht wirklich zu verstehen, warum man diese Unart Feste zu feiern nicht bereits zumindest in den Sommermonaten grundsätzlich verboten hat.

Wir wissen also eigentlich wie das geht, mit der Brandverhütung, und dennoch müssen die Feuerwehren immer wieder ausrücken, um Schlimmeres zu verhindern. - Wir können ja nur von Glück sprechen, dass es hier auf den Kanaren keine Sommergewitter gibt, sonst würde der Wald eigentlich immer im Sommer brennen. - Auf der anderen Seite muss man auch wissen, dass der Kiefernwald hier auf der Insel mit den immer wieder vorkommenden Bränden hervorragend umgehen kann, im Gegenteil, sind die Feuer doch dafür auch verantwortlich, dass die Kiefern hier auf der Insel die meisten anderen Baumarten bereits verdrängt haben. - Nach einem Feuer erholen sich die Kiefern in wenige Monaten wieder, ganz selten nur verbrennt ein solcher Nadelbaum so weit, dass er nicht wieder austreiben kann, aber die anderen Pflanzen leiden deutlich stärker unter dem Feuer, so dass die Waldbrände den Kiefern bei der Eroberung neuen Lebensraums eigentlich nur hilfreich sind. - Auch wenn die Kiefern so wichtig sind für den Wasserhaushalt auf der Insel, da die mit ihren langen Nadeln auch den trocknen Sommer über das Wasser aus den Passatwolken "melken", dürfen wir nicht vergessen, dass die Kiefer, ohne den Eingriff des Menschen, die Insel bereits komplett eingenommen hätte. - Der Kiefernwald hier, der kann mit Feuer umgehen, ganz im Gegenteil, der macht sich das Feuer sogar zum Helfer, aber da wo die Menschen eben zu nah am Wald wohnen, da wird ein Feuer schnell zu einer Katastrophe. - Also am besten gar kein Feuer, und dafür haben wir ja die vielen Helfer, die beiden Hubschrauber, die vielen Pumpenwagen und hoffentlich auch viele aufmerksame Bürger, welche den Sommer über ganz vorsichtig mit Feuer umgehen. - Ab nächster Woche also geht es los, dann wird es warm, und wenn wir mehr Verstand als Glück haben, dann kommen wir auch dieses Jahr wieder glimpflich durch die Waldbrandsaison.



Montag 06.06.2011 17:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 21 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 39 % - Luftdruck 1015 hPa
Höchsttemperatur heute 22,8 Grad - niedrigste Temperatur 17,0 Grad

Chicharrones

Alte Zeiten

Antonio hatte vor gut 60 Jahren mit seinem Vater an dieser Bodega gebaut. Das traditionelle Tonnengewölbe des vorderen Teils aus behauenen Basaltblöcken ist heute noch eine bautechnische wie handwerkliche Meisterleistung. Dieser Teil ist nicht sehr groß, eher eine Art von Portal zu der eigentlichen Höhlen-Bodega mit den Weinfässern. Hier im südlichen Las Manchas gibt es einige teilweise erhaltene, uralte Lavatunnel und enge Schluchten zwischen den Weinfeldern. Eigentümlich sind die langen Finger, auf denen schmale Wege zu den Fincas führen. Nur die Eingeweihten finden eine Wendemöglichkeit. Julio hielt sich für hinreichend eingeweiht, aber nachdem wir das Holz abgeladen hatten durfte er die gut zweihundert Meter zurücksetzen, weil auf dem Wendeplatz schon "Francisco" stand. Ich konnte es nicht lassen: "Da ist doch nur Platz für einen Wagen - weißt du!"

Am Ende des Fingers weist eine gepflasterte Treppe wie aus einer anderen Zeit den Weg hinab zu den alten aber liebevoll restaurierten Feldbauten. Sie liegen oberhalb der eigentlichen Bodega. Im Vorbeigehen werfe ich einen Blick in das Innere. Ich erkenne Umrisse aus alter Zeit - mit Kalkmörtel gemauerte Tröge für die Fußarbeit. Aber auch eine neuzeitliche Schecken-Presse hat dort ihren Platz gefunden. Der gekelterte Wein läuft aus der Presse in ein Absatzbecken und dann direkt nach unten in die Fässer. Wir folgen der Treppe weiter nach unten.

Hortensia rührt auf einer großen Pfanne geschroteten Mais. Allerdings hilft ihr dabei ein Gasbrenner:
"Ihr wolltet es doch so wie damals haben" ruft sie herüber als wir das Ende der Treppe erreichen. "Ich habe die Gerste schon geröstet, und die Mühle ist für Carlo vorbereitet. Komm her, dreh mal weiter, sonst wird das nichts mit dem Gofio!" Ich lache und gebe vor, ihre Aufforderung nicht verstanden zu haben. "Ich muss erstmal Antonio begrüßen!"

Er hatte sich unter der Pergola an den langen Tisch gesetzt und verfolgte aus dem Schatten das Treiben. Wie ich ihn in Erinnerung hatte, so bewegte er ein Glas mit beiden Händen auf der Platte hin und her. Ab und zu nippte er einen Tropfen Wein. "Es freut mich, Euch beide mal wieder hier zu haben!" Er sah mich lange wortlos lächelnd an. Dann wandte er die Augen langsam Julio zu, der damit beschäftigt war, für den großen Topf eine geeignete Feuerstelle zu finden. "He, Julio, sag mal guten Tag, wie sich das so gehört - du bist aber dick geworden!"

Meine Aufmerksamkeit hingegen verfängt sich in einem Netz von Bildern und blitzenden Gedanken - sie kommen unter den Mandelbäumen unterhalb der Bodega hervor - Francisco mit einer Hacke über der Schulter, die beiden Kinder, und dann eine weibliche Gestalt von natürlicher Anmut - balanciert sie die Wasserkruke wiegend auf dem Kopf. Ich denke an längst verschwundene Zeiten, als Las Manchas weit vor der Stadt lag und die Frauen immer etwas auf dem Kopf trugen. Die Kinder hüpfen die Treppe hoch und springen hinüber zur Abuela. Francisco wirft die Hacke hin: "Das ist die Dame, sie heißt Lycedes."

Julio und ich standen da wie die Jungs von damals. Sie setzte die Kruke schwungvoll ab und streckte uns die Hand entgegen, sie lachte wie nur eine junge Frau lachen kann, wenn zwei alternde Männer sich etwas verwirrt zeigen, aber sie wusste auch um ihre Ausstrahlung. Hoch und schlank, schwarze Locken umrahmen ein braunes, etwas schmales Gesicht. "Du kommst sicher aus Las Indias?" Etwas Passenderes fiel mir nicht ein, ich wollte nur einen Grund haben, diese Augen und den lachenden Mund noch etwas länger auf mich wirken zu lassen. "Nein, warum, nein, ich komme aus Tijarafe!" Sie lachte diese Worte und schwenkte um. "So, ihr wollt Chicharrones kochen - habe ich schon vernommen", und während sie sprach, wandte sie sich der Abuela und ihren Kindern zu.

Fortsetzung folgt



Montag 06.06.2011 08:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 18 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 56 % - Luftdruck 1015 hPa

Man kann den Aufschwung riechen
Mehr allerdings auch nicht

Ende dieser Woche müssen die Verhandlungen um notwendige Pakte in den Gemeinden und dem Cabildo Insular abgeschlossen werden, am 11 Juni werden die Bürgermeister gewählt. - Es ist also anzunehmen, dass im Laufe dieser Woche nach und nach die Ergebnisse der Verhandlungen in den einzelnen Gemeinden bekannt werden, und man dann endlich daran gehen kann, die Arbeit aufzunehmen. - Eine schwierige Aufgabe wird das werden, angesichts der tiefen Depression in welche die lokale Volkswirtschaft geraten ist, und darüber die drückende Finanznot der öffentlichen Hand, welche vom harten Sparwillen der Zentralregierung geprägt ist. - Aber neue Besen kehren meist gut, zumindest am Anfang, wenn noch Schwung und Elan dahinter stecken, so darf man immer auf einen positiven Effekt hoffen, und wenn das auch nur für einen beschränkten Zeitraum gilt. - Was gut helfen kann, man meint so etwas wie ein Aufschwünglein am Horizont zu riechen, sehen kann man ihn noch nicht, aber es gibt ein paar kleine Duftnoten, welche zumindest das Ankommen in der tiefsten Rille der Krise signalisieren. - Gut, es kann auch sein, dass es tiefer einfach nicht mehr geht, aber wer will denn so an die kommenden Aufgaben herangehen, ein bisschen Symbolik und Glauben steht selbst hart gesottenen Realisten manchmal ganz gut. - Die Zahl der Arbeitslosen ist im Monat Mai auf La Palma, und überall in Spanien, riechbar gesunken. - Riechbar deswegen, weil bei knapp 30% Arbeitslosen man nicht wirklich von spürbar sprechen kann, oder von greifbar. - Aber auch hier hilft uns wieder ein bisschen die Symbolik, denn auf unserer Insel ist die reelle Zahl der Arbeitslosen erstmals seit über zwei Jahren auf unter 9.000 Menschen gesunken, auf genau 8.972. - Das sind 447 Menschen weniger ohne Arbeit als noch im Mai des vergangenen Jahres, und das muss man erst mal erklären.

Jetzt kommen wieder die Realisten zu Wort und bringen uns bei, dass eben im vergangenen Wahlmonat Mai die Gemeinden und auch die Inselregierung schnell noch ganz viele Menschen eingestellt haben, um die und deren Familie bei Laune und bei der Wahlurne zu halten. - Sagt man so, stimmt sicher auch in manchen Fällen, aber die meisten Zeitarbeitsverträge welche die Gemeinden von den Wahlen angeboten haben, die wurden bereits im März und im April geschlossen, so dass wir wohl woanders suchen müssen, diese positive Entwicklung zu erklären. - Oft will man auch erzählen, dass einfach viele Arbeitslose sich nun auswärtig um einen Job gekümmert haben und somit nicht mehr in den lokalen Statistiken auftauchen, aber das würde ja dann bedeuten, dass die irgendwo anders auftauchen müssten und dem ist nicht so, denn überall auf den Kanaren und in Spanien ist die Arbeitslosigkeit gesunken. - Daneben meldet man auch einen Anstieg der Versicherten in der "Seguridad Social", dem staatlichen Sozialdienst, welcher Kranken- Renten- und Arbeitslosenversicherung in einem bietet, und für jeden Arbeitnehmer in Spanien, ganz egal ob Angestellter oder freiberuflich (Autónomo) tätig ist. - Es sind also wirklich mehr Menschen wieder in Arbeit gekommen und nicht einfach nur in anderen Tabellen verschwunden, und das ist die wirklich gute Nachricht. - Vor Freude brüllen, das macht dennoch keiner hier, ist auch noch lange kein Grund dazu, allerdings dürfte man sich so ganz langsam mal wieder darauf einstellen, dass es nicht nur die Richtung nach unten gibt. - Für das kommende Winterhalbjahr erwarten wir ja dann einen wirklich spürbaren Aufschwung in Spanien, ja, halb gespürt halb herbeigeredet, aber so ganz kleine zarte Wölkchen der Entspannung kann man eben schon riechen.



Sonntag 05.06.2011 17:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 19 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 45 % - Luftdruck 1013 hPa
Höchsttemperatur heute 20,1 Grad - niedrigste Temperatur 17,1 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 20,4 - Temp. Min 15,1 - Feuchte 58 - 75 % Niederschlag 0 mm

Chicharrones

Die Vorbereitung

Valentin ist ein Schlachter in Los Llanos, der weiß, was zu Chicharrones gehört. Vorsorglich hatte ich mich mit meinem Vorhaben bei ihm angemeldet, aber das sei alles kein Problem, meinte er.

Ich kaufe drei Kilo reines Bauchfett, das er gleich in brauchbare Stücke schneidet. Etwa so groß wie eine Streichholzschachtel, vielleicht auch etwas größer ist die Abmessung, weil die Stücke nachher stark schrumpfen. Ich mag sie lieber etwas kompakter, und zwei Streichholzschachteln neben einander tun es dann auch. Aber die Dicke sollte nicht über einem Zentimeter liegen. Dazu schneidet er ein gutes Kilo vom durchwachsenen Nackenfleisch in mundgerechte Stücke, und die werden separat abgepackt. Sicherheitshalber greife ich noch eine Dose mit grobkörnigem Salz aus dem Regal, und Valentin wirft einige frische Knoblauchzwiebeln in die Tüte. Und dann geht es ab zu Julio.

Für den Vormittag haben wir uns die Montaña del Gallo vorgenommen. Aus Gewichtsgründen nehmen wir den alten Landrover, der für die Dauer von Julios Abwesenheit sein Dasein unter Palmenwedeln fristet. Mit einem bisschen gutem Zureden zeigt er sich zwar zögerlich aber schließlich nachdrücklich ansprungbereit. Julio muss mir als seinem Medio-Palmero, wie er immer wieder betont, bei jeder Gelegenheit erklären, weshalb diese Art der Unterbringung sinnvoll ist - "wegen der Trockenheit, der rostet unter Palmenwedeln nicht, es bildet sich kein Tau ,weißt du" - immer dieses "weißt du" - ich weiß und ich wusste es, aber natürlich verstehe ich, dass er mal wieder meint, mich ganz und gar an die Hand nehmen zu müssen, obwohl er ein paar Takte jünger ist. Das hat er immer so gemacht - er ist schließlich Guanche und parteilos!

Der Landrover erklimmt die Kehren des Kuhkopfweges, der in neuer Zeit recht gut ausgebaut wurde, damit die Feuerwehr schneller in die Höhe kommen kann. Wir halten am Ende der Ausbaustrecke. Hier hat Julio einige Weinfelder, die von Francisco bewirtschaftet werden. Obwohl es im Frühjahr einfach zu kalt gewesen war, erst Ende März hatte ein Kälteeinbruch selbst hier für Schneefall gesorgt, steht der Wein gut mit vielen grünen Kerzen. Die Hänge sind sauber, und Julio grunzt eine Art von Zufriedenheit vor sich hin, während wir den Weg nach oben stapfen. Das Tal engt sich bald ein und geht in den Pinienwald über. Weiter oben gibt es eine Höhle, in der früher die Sommerhirten mit ihren Ziegen hausten, und hier hatte Julio vor Jahren Pinienholz eingelagert. "Das muss mittlerweile knochentrocken sein," schnauft er, etwas mitgenommen vom Aufstieg. "Francisco hat bestimmt kein Holz für das Feuer, wie ich ihn kenne, ah, sehr gut, da scheint alles noch so zu liegen wie ich es verlassen habe!" Tatsächlich finden wir den Stapel und schleppen etliche Samuros zum Landrower, sicherheitshalber mehr als nötig ist, aber darüber würde sich dann Antonio freuen können. Ein Sack mit Piniennadeln macht den Vorrat an Brennstoff vollständig.

Fortsetzung folgt




Sonntag 05.06.2011 10:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 58 % - Luftdruck 1014 hPa

Lampenputzer - Federborsten
Rührendes Schaulaufen gegen Invasoren

Nein, die Marokkaner sind nicht einmarschiert, auch der Taliban hat sich auf La Palma noch nicht durchgesetzt und teutonische Horden gelten hier nicht wirklich als Bedrohung, sondern dienen eher zur Belustigung. - Und tragen auch noch in nicht unerheblichem Maße zur Stützung der palmerischen Volkswirtschaft bei, also droht von dort keine Gefahr, außer mal einem knochigen Zeigefinger. - Man kämpft auf einem anderen Feld der Ehre und der Feind ist eine afrikanische Pflanze, das Pennisetum setaceum, auch Lampenputzer- oder Federborstengras genannt. - In Spanien wird die Pflanze übrigens Katzenschwanz genannt, also "Rabo de Gato" und da kann man mal wieder sehen, wie unterschiedlich optische Eindrücke in verschiedenen Ländern interpretiert werden. - Aber Lampenputzer oder Katzenschwengel hin oder her, das Gras ist ein unerwünschter Immigrant und wird daneben auch noch als invasiv eingestuft, was bedeuten soll, dass diese Pflanze sich ohne weiteres Zutun auf der ganzen Insel ausbreitet und damit die heimische Flora bedroht. - Es sind übrigens nicht die einzigen invasiven Neophyten, denke ich an die Prunkwinde oder mal ganz einfach den Feigenkaktus, also die Opuntie, dann haben wir hier auch noch glasklare Vertreter eingeschleppter Pflanzen, welche zumindest lokal die einheimische Flora wohl bedrohen können. - Aber bei der Opuntie sieht es ja so aus, dass die mal als Nutzpflanze zu uns gebracht wurde, weil man darauf die Cochinelle-Laus gezogen hat, deutet man das in dem Fall nicht als Gefahr. - Die Prunkwinde hingegen hat kaum Chancen sich außerhalb der Siedlungen auszubreiten, denn die braucht viel Wasser und übersteht auf freiem Feld ohne jegliche Feuchtigkeitsquelle keinen Sommer. Bekämpft man aber diese Winde innerhalb der Siedlungen nicht, dann überwuchert diese Pflanze alle Gärten erbarmungslos. - Das Lampenputzergras kommt aber wohl ohne viel Wasser über den Sommer, und es gibt auch schon keinen Fleck mehr auf dieser Insel, wo man diese durchaus ansehnliche Pflanze noch nicht gesichtet hätte. - Man vermutet ja auch, dass der "Rabo de Gato" als Zierpflanze irgendwann zu uns gekommen ist, als schmucker Blickfang in einem Steingarten oder sonst wo gezielt eingesetzt. - Die dekorativen Stängel werfen aber bei stärkerer Berührung dann ihre weit fliegende Samenfracht ab, und so verbreitet sich der ungeliebte Immigrant ohne Probleme über die ganze Insel.

Die Bekämpfung des "Rabo de Gato" wurde schon oft propagiert, eigentlich im Rhythmus eines Jahres legt man immer mal wieder neue Kampagnen auf, um dem Gras an die Büschel zu gehen, aber meist sind das temporär beschränkte Aktionen, die mehr dazu dienen den guten Willen zu demonstrieren anstatt wirklich dem Ziel, der Ausrottung dieser Pflanze näher zu kommen. - Man kann ja auch nicht sämtliche Ziergärten dieser Insel durchsuchen, und dort dann das Federborstengras ausreißen, und das auch noch so, dass keine Samen davon fliegen. - Man tut nämlich nichts Gutes, wenn man das Gras einfach nur ausreißt und dann liegen lässt, die Samen verbreiten sich dennoch, man müsste das schon verbrennen oder in den Hausmüll geben. - Jetzt läuft in Fuencaliente wieder eine erneute Aktion gegen den "Rabo de Gato" an, Schulkinder werden jetzt zu floralethnischen Säuberungen aufgerufen und unter Anleitung illustrer Honoratioren strömt man aus, dem Federborstengras den Katzenschwengel auszureißen. - Ein paar Helfer des Umweltamtes sind auch noch mit dabei, irgendjemand muss ja neben der symbolischen Arbeit auch wirklich noch was tun, und nach ein paar Stunden hat man auch wirklich ein paar hundert Lampenputzer weniger in Fuencaliente gezählt. - Falsch sind diese Aktionen sicher nicht, immerhin dienen die dazu, dass man die Ausbreitung des Grases etwas eindämmt, aber man spricht ja davon, den "Rabo de Gato" "eliminieren" zu wollen, und da muss man leider anmerken, mit solchen rührenden Aktionen schafft man dieses Ziel nicht. - Man hat sich da einen Immigranten eingefangen, welcher wirklich Ärger macht, man kann aber die Ausbreitung der Pflanze schon so weit kontrollieren, dass es nicht zu einer Bedrohung für die einheimische Flora kommt. - Komplett loswerden wird man den Lampenputzer aber wohl nicht mehr, das ist ein bisschen so wie mit den Mäusen, den Kakerlaken, den Ratten und den Menschen. - Wo die sind, da bekommt die keiner wieder weg…




Nach Diktat ausgerissen




Samstag 04.06.2011 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 52 % - Luftdruck 1013 hPa
Höchsttemperatur heute 21,5 Grad - niedrigste Temperatur 16,5 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 26,7 - Temp. Min 9,8 - Feuchte 37 - 93 % Niederschlag 0 mm

Carlo statt Politik
Kulinarische Schmalzkringel

Meine Frau hat mir schon verboten über Politik zu schreiben, wird Zeit, dass der Drachenflugtag kommt… Ich reiße mich ja auch zusammen, allerdings kann ich Ihnen versichern, dass es auf La Palma momentan kaum ein anderes Thema gibt. - Was wird nun aus möglichen Pakten, wer mit wem, gelingt es auf La Palma die Coalición Canaria auf das Abstellgleis zu schicken, oder zwingt man uns von "oben" einen Pakt mit der CC auf? - Das ist alles fruchtbar spannend, und ich könnte jeden Tag Stunden darüber schreiben, aber meine Frau meint, ich würde Sie quälen damit. - Das will ich sicher nicht, so kommt es sehr gelegen, dass Carlo uns mal wieder mit einer kleinen Geschichte über ein paar Tage hin erfreuen kommt. - Carlo kennen Sie ja schon, er hat uns ja schon die Tage um die Eruption des Vulkans San Juan geschildert, und mitgenommen nach San Borondón und weitere Geschichten geschenkt, welche uns eintauchen haben lassen in ein La Palma, wie es einst mal gewesen sein mag. - Früher, als alles anders war, und nur manches besser, das fällt mir dazu immer ein und was macht es denn aus, wenn man heute noch Dinge so macht wie früher - Nicht, weil sie dadurch besser werden, sondern weil man sich ab und zu einfach einen Ausflug dahin gönnt, wo der Alltag einem schöne Erinnerungen nicht verbittern kann. - Ja, ein Schuss Nostalgie ist auch dabei, das darf jeder über 40 in seinem Rucksack mit herumtragen, und wenn man pfiffig ist, dann hört man gut zu, wenn ältere Menschen was erzählen. - Dabei geht es nicht darum zu lernen, das wäre ein Nebeneffekt, natürlich auch nicht verkehrt, aber es geht doch darum den Blick zu schärfen und mal andere Stimmen und Strömungen wahrzunehmen, als immer nur die eigene. - Chicharrones bereitet uns Carlo, den ausgelassenen Speck in Gofio, die bis heute noch gültige Rache der Guanchen an die iberischen Eroberer, sagen manche, die einzig mögliche Art und Weise heißen Speck zu vertilgen, sagen andere. - Oft ist es ein verzweifelter Versuch den vielen Wein irgendwie zu neutralisieren, oder aber man liebt kernige Dinge mit Herz und Bauchspeck. - Und natürlich kommt es auf die Zubereitung an, denn Chicharrones kann nicht jeder machen:

Chicharrones

Die Einladung

Francisco hatte eingeladen: " Kommt doch mal am Wochenende vorbei, wir sind im Weinfeld und können abends mit Euch in der Bodega von Antonio etwas essen."

Julio knurrte sein Unbehagen über diese unverbindliche Einladung heraus: "Wir können immer etwas essen, aber wenn wir zu dir kommen sollen, dann muss es mal wieder wie früher sein, sonst sitzen wir besser bei mir, und dann hat es Carlo auch nicht so weit. Wie geht es denn Deinen Eltern?"

"Der Vater ist schon etwas schwach auf den Beinen und Mutter geht es gut, sie hat jetzt die beiden Enkelkinder, das belebt."

"A ja, dann sag Deinen Eltern, dass wir kommen! Habt Ihr denn auch ein schlachtbares Schwein, he ?"

" Bist du verrückt, wir schlachten doch kein Schwein, weil Du kommst, du bist außerdem dick genug!" Francisco boxte Julio leicht auf den prallen Bauch, was dieser als Angriff auf seine Persönlichkeit wertete, vor allen Dingen von so einem Chico, der es mal gerade fertig gebracht hatte, Vater zu werden: "Gut ist es, dass deine Frau dich an die Arbeit gekriegt hat, richtig zerschunden und mager bis du jetzt, hängen geblieben bist du, ja! - was meinst du, Carlo, der Grünschnabel ist doch richtig eingespannt worden!"
"Ja sicher, ihm ist es auch so wie uns anderen gegangen, die einfach in die Klemme kamen! Aber mal abgesehen davon, die Idee mit dem Schwein finde ich ganz gut: Was haltet ihr den davon: Ich besorge bei Valentin Speck für Chicharrones" - " dann machen wir bei euch Gofio" warf Julio ein, " so wie früher, habt ihr noch die Mühle in der Bodega?"

"Das wird jetzt aber ein bisschen viel!" Francisco versuchte abzuwehren, aber Julio und mich hatte das Nostalgie-Fieber befallen, und wenn schon kein Schlachtfest, dann wenigstens so etwas Ähnliches, wie in alten Zeiten. Außerdem konnte uns ja seine Frau nach Hause fahren, und ich hängte ihm ein - " Unbekannterweise einen schönen Gruß an deine Frau, sie hat doch wohl einen Führerschein, oder?!" - um den Hals.

Francisco gab sich geschlagen, er war ein urweltlicher, etwas untersetzter Guanchen-Abkömmling, und wir waren gespannt darauf, die entsprechende Frau kennenzulernen. "Wir kommen aber schon um vier, weil wir noch Feuer machen müssen, das kennst du so nicht, da muss Rauch rein, erst dann schmecken die Dinger!" Julio labte sich an dem verzagenden Ausdruck, mit dem Francisco achselzuckend das Weite suchte. "Und vergiss nicht, dass es am Sonnabend ist!"

Julio und ich hatten während der letzten Jahre keine Möglichkeit gefunden, wieder zusammen La Palma zu verunsichern, und auch uns lief die Zeit davon. Also kosteten wir die wenigen Tage einer Woche des Zusammenseins voll aus und tobten in den Erinnerungen herum. Ja, Gofio so wie früher, als es noch kein Gas gab und alles auf Holzfeuer geröstet wurde. Damals roch es bei Julios Eltern nicht nur nach sonntäglich frisch gebranntem Kaffee, sondern oft nach geröstetem Korn, es roch eigentlich immer nach Essbarem, und zugegebenermaßen wohl auch deshalb, weil wir immer Hunger hatten. Bei meinem Großvater Manuel roch es auch. Er hatte stets Schweine, und wenn dann geschlachtet wurde, haben wir Schmalz gekocht- tagelang, und wir Jungs mussten Holz holen- tagelang, und alles roch nach Fett.

Fortsetzung folgt



Samstag 04.06.2011 10:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 22 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 43 % - Luftdruck 1016 hPa

10 Jahre Marine Schutzzone La Palma
Wen schützen wir da eigentlich?

Die "Reserva Marina de La Palma" erstreckt sich von El Remo bis fast an die Südspitze der Insel und wurde im Jahr 2001 eingerichtet. - Es gibt eine innere Schutzzone, in der jegliche Aktivität und natürlich auch die Fischerei verboten sind, und eine äußere Zone, in welcher in kleinen Rahmen sportliche Aktivitäten wohl zugelassen sind, wie auch das Angeln vom Ufer aus, aber unter strengen Auflagen. - Gewerbsmäßiger Fischfang ist auch in der äußeren Zone verboten, lediglich die Anwohner dürfen dort vom Ufer aus ihre Angeln ins Meer halten. - Diese Meeresschutzzonen gibt es nicht nur hier auf, oder an La Palma, und sind keine Erfindung der lokalen Institutionen, sondern werden direkt aus Madrid gesteuert. Das Landwirtschaftsministerium unterhält in ganz Spanien eine Vielzahl dieser Einrichtungen und Ziel dieser Reservate ist es nicht nur grundsätzlich die Meeresflora und Fauna zu schützen, und auch nicht alleine die Forschung, sondern man will damit auch erreichen, dass die Fischerei in Küstengewässern wieder eine Chance nach den Jahrzehnten der brutalen Überfischung erhält. - Diese Schutzzonen sind also nicht gegen das Gewerbe der Fischerei angelegt, sondern sollen auch deren Zukunft sichern, ein oft verkanntes Ziel, da sich viele Berufsfischer zunächst sehr kritisch gegenüber diese Zonen geäußert haben, schließlich hat man ihnen verboten, dort weiterhin zu arbeiten. - Auch tragen die lokalen Institutionen nicht immer zum Verständnis dieser Einrichtungen bei, über diese Schutzzone hat kein Lokalfürst zu bestimmen und sich einzumischen, und das schätzt man halt nicht besonders. - Dennoch erkennen inzwischen selbst die Fischer, oder die paar die noch übrig sind, die Arbeit und die Ergebnisse dieser Schutzzonen an, denn die Fänge außerhalb der Zonen sind auch wieder besser geworden, weil eben innerhalb der "Reserva Marina" wieder neue Generationen an Fischbestand nachgewachsen sind, die sich natürlich dann auch außerhalb verbreiten. - Es könnte aber deutlich mehr sein, auch wenn man allgemein zufrieden ist mit der Entwicklung, so reicht es wohl nicht aus, nur ein paar Schutzzonen einzurichten, um damit den brutalen Raubbau an der Meeresfauna der vergangenen Jahrzehnte wieder wett zu machen.

So ist inzwischen auch keine Rede mehr davon, diese marine Schutzzone wieder aufzulösen, denn zunächst ist man davon ausgegangen, dass es sich um ein zeitlich begrenztes Experiment handeln soll. - Die Forschung ist auch noch nicht getan, es gibt noch so viele Beobachtungen zu dokumentieren, in welcher Geschwindigkeit sich ehemals überfischte Gewässer erholen können und ob man überhaupt wieder einmal zu Bedingungen zurückkehren kann, die man als "natürlich" einstufen will. - Dabei spielt auch der Einfluss vom Land her eine große Rolle und da hat die Meeresschutzzone auf La Palma eine großen Vorteil, dass der überwiegende Teil der Küste, an welcher die "Reserva Marina" liegt, überhaupt nicht bebaut ist und sogar teilweise gar nicht zugänglich ist. - Lediglich an ein paar Stellen gelangt man vom Ufer aus an die marine Schutzzone und auch nur an wenigen Orten gelangt im Winter nach schweren Regenfällen Wasser vom Land aus ins Meer. - So ist der Einfluss vom Land her sehr überschaubar, was einen sehr großen Vorteil unserer Schutzzone gegenüber anderen gleichartigen Einrichtungen auf anderen Inseln oder dem spanischen Festland darstellt. - Aber gerade in dieser Hinsicht gibt es unterschiedliche Interessen, die marine Schutzzone möchte diesen unberührten Status der Küste gerne erhalten, die lokalen Pläne sehen allerdings eine Straße von El Remo an die Südspitze der Insel vor, und damit wäre die Meeresschutzzone deutlich bedroht. - Allerdings ist der Plan für diese Straße deutlich in die Zukunft gestrickt, denn die geologische Beschaffenheit der Küste ist überhaupt nicht dafür geeignet dort eine Straße zu bauen, man müsste fast die gesamte Strecke als Tunnel bewältigen und dafür fehlt ganz eindeutig das Geld. - So kann unsere "Reserva Marina" in recht beschaulichen Bahnen weiter ihre Experimente durchführen, wir Menschen kommen einfach nicht nahe genug heran, um diese kleine "Heile Unterwasserwelt" zu stören. - Auf der anderen Seite klagt man natürlich auch seitens der lokalen Interessen, man hätte hier auf der Insel keinen Zugewinn durch diese Schutzzone, man kann sie weder von der Fischerei aus nutzen, noch touristisch verwerten, da ja solche Aktivitäten nicht erlaubt sind. - Das stimmt allerdings nicht ganz, denn im äußeren Schutzbereich darf wohl, auch wenn unter Auflagen, zum Beispiel getaucht werden, und auch muss man ganz klar anerkennen, dass die gesamte Westküste der Insel viel ärmer an Meeresflora und Fauna wäre, wenn es diese "Reserva Marina" nicht gäbe. - Man wird sie also weiterhin anerkennen müssen, sowohl die Schutzzone, wie auch die berechtigten lokalen Interessen und sicher kann man das am allerbesten gemeinsam machen. - An der Südspitze der Insel ist ja auch im alten Leuchtturm bereits ein Interpretationszentrum der "Reserva Marina" eingerichtet worden, welches dem Besucher durchaus eindringlich die Problematik des "Nutzungsraums Meer" erklärt. - 10 Jahre "Reserva Marina" hier auf La Palma, ein Chapeau auf jeden Fall, aber der Hut muss über die kommenden Jahre noch viel größer werden. - Einen kleinen bebilderten Ausflug in die "Reserva Marina" können Sie HIER machen.



Freitag 03.06.2011 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 22 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 43 % - Luftdruck 1016 hPa
Höchsttemperatur heute 22,6 Grad - niedrigste Temperatur 17,6 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 30,7 - Temp. Min 16,1 - Feuchte 20 - 44 % Niederschlag 0 mm

Erfolgsgeschichte ohne Geschmacksdiskussion
"Marina La Palma" in Santa Cruz

Wie heißt eigentlich das Gegenteil von Vorschusslorbeeren? - Vorschusssauerkraut oder Vorschussbrennnesseln ? - Bleibt also ungeklärt, vielleicht sollte man das umschreiben und einfach sagen, die Erfolgsgeschichte des Zentrums "Marina La Palma" war nicht wirklich abzusehen. - Um so schöner, dass uns auch mal etwas positiv überraschen kann, und in dem Fall muss man wirklich sagen, die Hauptstadt ist um eine Attraktion reicher geworden. - Bei "Marina La Palma" denkt man natürlich sofort an den Jachthafen, und das ist auch richtig so, denn direkt neben dem kleinen Jachthafen in Santa Cruz befindet sich dieses Gebäude. - Es hat auch was mit dem Hafen zu tun, deshalb konnte man das Gebäude überhaupt erst im Hafengelände bauen, aber eigentlich ist die "Marina La Palma" eine kleine Einkaufspassage mit Bummelfaktor und lockender Gastronomie. - Mitten in die Krise hinein ein Einkaufszentrum, das hörte sich so an als wolle La Palma nun auf die Produktion von Gurken umsatteln, aber die Mischung macht es eben und besonders das gastronomische Angebot lockt viele Hauptstädter und Besucher in die "Marina". - Trotz äußerst diskutabler Außenfassade ist es gelungen mit der "Marina La Palma" ein kleines bisschen Großstadtflair in unsere kleine und manchmal gar bizarr ländliche Hauptstadt zu schmuggeln, und das wird gerne angenommen, von groß, klein, jung und etwas älter. - Die Senioren, die bleiben weiterhin in der Altstadt unter den Palmen sitzen, aber wer ein kleines bisschen Schick genießen will, und das auch noch mit Blick auf lustige kleine Schiffchen, wenn auch meist viel zu wenige, der ist da richtig aufgehoben. - Ein paar schicke Läden, ein Sparsupermarkt mit einer Fülle an neuen Ideen, ein paar Restaurants mal nicht mit Papas arrugadas und eine Bar auf dem Dach, deren Charme man mindestens als zeitlos betiteln muss, auch wenn ich hier und da nicht irgendwie an Nierentische und Föhnfrisuren erinnert werde. - Gut, aber Assoziationen berichten oft nicht von einer architektonischen Idee, sondern meist von persönlichen Eindrücken oder Erlebnissen, so darf sich jeder selbst einen Eindruck und auch Ausdruck verschaffen.

Was haben wir nicht alle geunkt, das geht schief, es liegen doch eh keine Boote im Jachthafen die einem solch große Gebäuden Leben einhauchen würden, und noch ein paar Läden braucht in der Hauptstadt doch nun wirklich keiner, wo doch die bestehenden Läden und Restaurants schon über schlecht laufende Geschäfte stöhnen. - Dann auch noch der soziale Affront, private Unternehmungen auf öffentlichen Hafengelände, das geht immer ganz schnell, dass man da Amigismus oder Insubordination vermutet und in der Tat darf man schon mal nachfragen, wie das eigentlich funktionieren kann, dass eine private Betreibergesellschaft ein Einkaufszentrum auf öffentlichen Grund und Boden stellen darf. - So ganz privat ist das eben nicht, sondern offiziell die Jachthafenverwaltung, mit "ein paar Geschäften" welche dem Weltumsegler unbedingt bei seiner Ankunft im Hafen von Santa Cruz de La Palma zur Verfügung stehen müssen. - Ist natürlich Quatsch diese Ausrede, aber hat funktioniert, und wenn das Ganze läuft, was es sichtlich tut, dann will das hinterher keiner mehr so richtig wissen. - Besonders abends macht das Spaß da zu sitzen, oben in der Bar, wenn der Hafen schön beleuchtet ist, das große Fährschiff dann anlegt, dann kann man sich einen Moment auch ohne große Mühe Anschluss an die Große Weite Welt finden. - Für uns hier auf La Palma übt das eine gewisse Anziehungskraft aus, eben mal auf dicken Maxen machen, und am liebsten dabei nicht mal den Hintern hochheben müssen. - Man mag uns diesen kleinen Anfall an Pseudomondänität oder degeneriertes Fremdschunkeln bitte nachsehen, aber wir wollen halt nicht unser ganzes Leben lang nur zwischen Bananen hocken, Untertassenschoner aus Seide klöppeln und den bittersüßen Trank der Endemie aus irdenen Karaffen löffeln. - Und wenn dann erst der Stadtstrand fertig ist, dann abends auch noch am "Lido" bummeln, Kinder diese Krise ist die schönste, die ich je erlebt habe…











Freitag 03.06.2011 09:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 18 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 61 % - Luftdruck 1016 hPa

Ohne Wasser in den Sommer
…doch wo bleibt der Sommer?

Kaum ein Thema besteht momentan neben der allgegenwärtigen Frage, wie geht es weiter in der Politik auf La Palma. - Ein anderer Dauerbrenner, und wahrscheinlich noch eine ganze Weile zu unseren nachrichtlichen Diensten, die Havarie des Speicherbeckens "La Laguna de Barlovento" und die vielen Pannen rund um die Reparaturen. - Immer noch arbeiten Techniker an der Pumpstation des Speicherbeckens, welche in einem im Jahr 2006 neu erbauten Tunnel unter dem Becken erstellt wurde. - Der gesamte Tunnel muss zunächst von Schlamm und zerstörten Gerätschaften befreit werden, und man kommt viel langsamer voran als erhofft, erst dann kann man daran gehen festzustellen, ob der Tunnel überhaupt reparabel ist, oder das Speicherbecken eine neues Auslasssystem braucht. - Dennoch haben Ingenieure bereits vor Wochen verkündet, dass die erneute Reparatur des Speicherbeckens über 8 Millionen Euro kosten wird, man wusste also bereits vor Wochen mehr, als man jetzt weiß. - Allerdings müssen wir uns um das Geld weniger Sorgen machen, man hat aus Madrid bereits die Zusage über diese Summe, doch bleibt das große Fragezeichen, wird diese kommende Reparatur nun wirklich ein Erfolg, oder bleibt das Speicherbecken von Barlovento auch weiterhin ein Risikopatient ohne Garantien für die Anwohner und das Wasserversorgungssystem der Insel. - Bereits im Jahr 2005 musste man das Speicherbecken entleeren, weil an dem damaligen Auslasssystem sich der Boden gesenkt hatte und damit die abdichtende Folie an mehreren Stellen gerissen ist. - Damals entschied man sich dafür, einen Tunnel unter das Becken zu bauen, die Ventile dort anzubringen, damit man ein erneutes Absinken des Untergrundes an der verwundbarsten Stelle des Beckens, eben da wo man das Wasser entnimmt, zu verhindern. - Das scheint aber nicht gelungen zu sein, denn wieder hat der Untergrund nachgegeben, die Folie riss erneut, und dieses Mal großflächig, so dass bis zu 3.000 Liter Wasser pro Sekunde aus dem Speicherbecken geflossen sind. - Das Wasser ergoss sich durch den neu gebauten Tunnel nach außen, so dass man zunächst glaubte, das Auslasssystem sei geborsten, bis der Wasserstand des Speicherbeckens so weit abgesunken war, dass man die großen Risse in der Folie mit bloßem Auge erkennen konnte. - So bleibt es fragwürdig, ob nicht die Reparatur aus den Jahren 2005 und 2006 sogar mit dafür verantwortlich sein kann, dass nun nicht nur das Wasser verloren gegangen ist, sondern die ausfließende Menge sogar noch gehörigen Schaden unterhalb des Speicherbeckens angerichtet hat.

Man muss wirklich von Glück sprechen, dass sich kein Landwirt oder Spaziergänger in den entscheidenden Minuten unterhalb des Beckens aufgehalten hat, sonst müsste man heute sogar von Personenschäden sprechen. - Allerdings sind an die 20 landwirtschaftliche Nutzflächen vom Wasser weggespült worden, die Hälfte davon waren Bananenplantagen, andere bepflanzt mit Kartoffeln und zum Teil auch mit Obstbäumen. - Vor den Wahlen noch hat die Inselregierung großzügig versprochen, die Schäden so schnell wie möglich zu kompensieren, allerdings haben die Landwirte bis jetzt nichts weiter gehört, was vielleicht daran liegt, das jetzt nach den Wahlen ist, und andere Themen wichtiger erscheinen. - Jetzt melden sich die betroffenen Landwirte so auch mit einem Ultimatum, wenn innerhalb der nächsten zwei Wochen keine konkreten Aussagen über die Entschädigungen kommen, dann werde man den Rechtsweg beschreiten und die Gelder vor Gericht einklagen. - Vor Wochen bereits waren die Schätzer unterwegs und haben die Schäden aufgenommen, es sollte also möglichst bald das Geld fließen. - Aber so einfach ist das gar nicht, denn einige der landwirtschaftlich genutzten Flächen sind gar nicht für diesen Zweck vorgesehen, sondern liegen in der ausgewiesenen Zone, welche für den Ablauf des Wassers des Speicherbeckens reserviert sind. - Das kann also noch zu hübschen Diskussionen führen und die voreilige Entschädigungsaussage der Inselregierung bleibt manchem so vielleicht einfach als Wahlkampfpfropfen (was für ein Wort) im Halse stecken. - Andere machen sich weniger Sorgen um diese Entschädigungen, sondern darüber, wie die Insel denn nun zwei, oder gar drei Sommer überstehen soll, ohne die Wasserreserven des mit Abstand größten Speicherbeckens der Insel. - Allerdings zeigt sich unser Sommer bislang nicht gerade von der heißen Seite, alle Monate, außer dem Februar dieses Jahres, lagen in der Temperatur deutlich unter dem 30 Jahres-Mittel und auch der Juni präsentiert sich noch reichlich frühlingshaft. - Die alten Leute allerdings bestehen immer noch auf ihre Weisheit und sagen, kalter Winter - heißer Sommer, aber der Sommer will sich einfach nicht an die alten Sprüche halten. - Früher, als alles anders war und nur manches besser, da galten Bauernregeln noch was, heute steht das Wetter "im Internet", jeder kann es nachlesen und heute regnet es nicht mehr wenn Paco sein Knie zwickt, sondern wenn das Global Forecast System es vorhersagt. - Wo der Sommer bleibt, das sagen die aber auch nicht…



Donnerstag 02.06.2011 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 22 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 45 % - Luftdruck 1016 hPa
Höchsttemperatur heute 23,3 Grad - niedrigste Temperatur 17,7 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 32,3 - Temp. Min 11,8 - Feuchte 20 - 55 % Niederschlag 0 mm

Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann…
…oder vor der Roten Frau?

Es gibt ausnahmsweise mal gute Nachrichten von der politischen Front. - In Tazacorte und in Puntallana hat man die ersten Pakte geschlossen, und in beiden Fällen hat sich die Vernunft gegenüber Ressentiments durchgesetzt, und es wird in beiden Gemeinden eine Koalition von den Sozialisten der PSOE mit den Bürgerlichen der PP geben. - Das hatte man auch nicht anders erwartet, allerdings gehen diese beiden Pakte auf klaren Konfrontationskurs mit der Entscheidung der Parteispitze auf "Landesebene", (Gobierno de Canarias), wo die Sozialisten fest daran glauben, sich einen Gefallen zu tun, in dem sie mit der Coalición Canaria gemeinsame Sache machen. - In Tazacorte beenden nun Carmen Acosta, die auch Bürgermeisterin werden wird, und der gewählte Rat der Partido Popular, Francisco José Hernández Acosta, genannt "Pachi", eine 16 Jahre andauernde Regierung der Unión Bagañete/Coalición Canaria, welche den wunderschönen Ort Tazacorte fast in den Ruin getrieben hat. - Falls wirklich eine Millionenentschädigung noch an den Investor des Apartmenthauses "Los Tarajales" gezahlt werden muss, und auch noch Millionen an den Investor "Inversiones Cock", denn kann man das Wort "fast" auch noch weglassen, dann ist der finanzielle Ruin Tazacortes nicht mehr aufzuhalten. - Aber das weiß man in Tazacorte, und man muss den Mut Carmens und "Pachis" um so mehr herausheben, es wird keine einfach Aufgabe werden, das korrupte und verängstigte Tazacorte wieder zu einem florierenden Ort auf La Palma zu machen. - Carmen Acosta muss weiterhin fürchten, noch mächtigen Ärger mit der eigenen Parteispitze zu bekommen, da sie eigenständig gehandelt hat, und nicht auf die klaren Signale von "oben" reagiert hat. - Das kann dazu führen, dass es ein Parteiausschlussverfahren gegen Carmen geben wird, was die aufrechte Dame aus Tazacorte aber nicht erschüttert. - Sie könnte dennoch Bürgermeisterin bleiben, denn sie ist ja gewählt worden, nur dann eben als parteilose Kandidatin, was vielleicht sowieso besser wäre. - Aber das ist noch nicht gegessen, auch wenn die Parteispitze nun bellende Blitze nach La Palma werfen wird, weil man eben durch diese lokalen Pakte die Verhandlungen zwischen PSOE und CC auf Landesebene empfindlich stört, hier auf der Insel wurde dieses Signal mit Freude und Erleichterung aufgenommen. - Fast zeitgleich meldet man nun auch Vollzug der erwarteten Koalition in Puntallana, auch dort wird es einen sozialistischen Bürgermeister geben, dort wird José Adrián Hernández erster Mann im Ort, der nun zusammen mit Goretti Rojas von der Partido Popular die zweite "Wilde Ehe" hier auf La Palma unter Dach und Fach gebracht hat. Das hatte man allerdings auch erwartet, denn in Puntallana gab es die Koalition der Vernunft zwischen PSOE und PP bereits die letzten vier Jahre. - Damals allerdings teilte man sich die Führung des Ortes noch auf, 2 Jahre PSOE, 2 Jahre PP stellten den Bürgermeister, das kommt allerdings diese Mal nicht mehr in Frage, da José Adrián Hernández für die Sozialisten 5 Sitze erobern konnte, Goretti Rojas für die Partido Popular allerdings nur einen einzigen.

Diese beiden Pakte, die werden hoch gefeiert hier auf La Palma, und nun hofften die allermeisten darauf, dass die anderen Gemeinden auch folgen und sich die PSOE und die PP gemeinsam gegen die viel zu lange bereits andauernde Gutsherrenhegemonie der Coalición Canaria aufstellen. - Noch offen sind: Breña Alta, Breña Baja, Barlovento, Tijarafe, Santa Cruz, Los Llanos, El Paso und Garafía. -In Garafia allerdings wird es nicht zu einer Koalition zwischen PSOE und PP kommen, das ist bereits klar, aber in dieser Gemeinde gehen die politischen Uhren sowieso komplett anders. - In den vorher genannten Gemeinden laufen auch die Verhandlungen zwischen PSOE und PP, mal mit mehr Erfolg, mal mit weniger, wobei es öfter persönliche Probleme zwischen den Kandidaten gibt als inhaltliche, so dass man nur hoffen kann, man einigt sich und lässt die privaten Fehden zum Gute der Gemeinden einfach ruhen, oder noch besser, man legt sie bei. - Was auch noch aussteht ist das Cabildo Insular, auch dort diskutiert man fleißig die Möglichkeit einer Entmachtung der Coalición Canaria, auch wieder durch einen Pakt zwischen PSOE und PP. - Der Kampf um das Cabildo Insular und die beiden großen Gemeinden Santa Cruz und Los Llanos, der wird aber noch heftiger geführt werden, und das wohl nicht hier auf der Insel. - Es ist nicht zu erwarten, dass der heimliche Herrscher der Coalición Canaria, der Palmero Antonio Castro es ohne Hammerschlag zulassen wird, dass "seine Insel" fast komplett aus dem Einflussbereich der Coalición Canaria entrissen wird. - So wird er Druck in den Verhandlungen mit der PSOE auf Landesebene ausüben, und unter Umständen sogar die Verhandlungen platzen lassen, falls die Parteispitze der PSOE nicht weitere Pakte PP+PSOE auf La Palma verhindert. - Allerdings wird das schwer werden hier auf La Palma für die Parteispitze hier noch Freunde zu finden, denn man hat, auf jeden Fall seitens der Bürger und der Basis, sowohl bei der PP wie auch bei der PSOE, längst die Witterung nach Demokratie von unten aufgenommen, und man will die, für La Palma historische Chance, endlich die Coalición Canaria loszuwerden, nicht einfach so verstreichen lassen. - Sollten es die Menschen, die hier in den beiden politischen Gruppen PP und PSOE arbeiten es schaffen, sich über widerliches Machtgezänke und dummen Ideologiestreit hinweg zu setzen, und für La Palma endlich gemeinsam Zukunft formen zu wollen, dann ist mir nicht mehr Bange um diese Insel, dann erhalten wir endlich eine neue Chance.



Donnerstag 02.06.2011 08:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 18 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 62 % - Luftdruck 1016 hPa

TouriMusi
Damit der Blogbetreiber nicht so oft über unser lokales Koalitionsgezänk schreiben muss greift mal wieder der Kulturbeauftragte in die Tastatur.

Ich mag den Begriff "Touri" nicht. Er hat was Herabwürdigendes, klingt abwertend und kommt mir deshalb nicht über die Lippen. "Urlauber" tönt einfach seriöser und wertfreier. Das Wortspiel "TouriMusi" kann ich mir trotzdem nicht verkneifen, vor allem, da es als Überschrift über einer ganz besonderen Urlaubsaktivität steht, nämlich dem Musizieren für die Gastgeber.

Mit Vera und Peter aus Zürich als Duo "Sonho Brasileiro" habe ich das in diesem Jahr schon einmal in der Casa de la Cultura in El Paso praktiziert, es fand großen Anklang. Die Idee, von Gästen nicht nur Bares zu verlangen, sondern auch deren künstlerische Qualitäten genießen zu dürfen kommt bei Resis und Palmeros gleichermaßen gut an.

Am Freitag, 03. Juni, gibt sich erneut ein Inselbesucher die Ehre. Dazu muss ich etwas weiter ausholen.

     Kennen und schätzen gelernt haben wir uns Mitte der 70er Jahre in der "Szene" von Reutlingen. Ich sang und bediente das Tenorsaxofon, Riedel spielte neben Gitarre und Klavier vor allem exzellent die Bluesharp, auf Schwäbisch den "Goschahobel". Unsere Bands hießen "Gartenweg Bluesband" und "Krachmaschine". Die Wurzeln waren eindeutig im Blues und Folk zu finden, später wurde der Sound dann deutlich rockiger.

Aus drei Mitgliedern der "Krachmaschine" ging die in Süddeutschland zur Legende gewordene Band "Schwoissfuass" (für Nichtschwaben: Schweißfuß) hervor, die es auf insgesamt acht LP´s/CD´s brachte, und uns Schwaben so wichtig und wertvoll war wie den Kölnern ihre BAP. Das Parallelprojekt zu "Schwoissfuass", die Gruppe "Grachmusikoff", tourt noch immer erfolgreich, oftmals mit Riedel als Gast. Weitere erwähnenswerte Gastspiele lieferte er u.a. bei Reinhard Mey, den "Bläck Föss" und der Band von Marius Müller-Westernhagen ab. Aktuell ist Riedel mit seiner Band "Blues Delivery" beschäftigt, die auch schon zwei wirklich hörenswerte CD´s produziert hat.



Es gibt für mich in Deutschland keinen besseren Bluesharper. Der eine oder andere mag ein wenig schneller sein, aber ein Feeling wie Riedel hat keiner. Dies hat ihn dann auch letztlich im Hause Hohner in Trossingen zum Gewinner der " World Harmonica Championship of Blues harmonica" gemacht.
Nun steht mal wieder ein Auftritt mit meinen Kollegen von der DINOS BAND an, ihr wisst schon, Mucke der 60er und 70er, am Freitag an der Bar Eden auf der Plaza von Los Llanos, Beginn 20.30 Uhr. Und was lag da näher, als Riedel zu fragen, ob er nicht ein paar Stücke mitspielt. Ja, klar!!! TouriMusi eben. Ich freu mich total drauf
!
     


Hier noch ein paar links zu unserem Gastmusiker:

http://www.hohner.eu/index.php5?1420
http://www.blues-delivery.de/riedel.htm
http://www.youtube.com/watch?v=G-J7XWGt0XE
http://www.youtube.com/watch?v=ytDpl0sgdWk




Mittwoch 01.06.2011 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 23 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 48 % - Luftdruck 1015 hPa
Höchsttemperatur heute 23,8 Grad - niedrigste Temperatur 16,5 Grad

Arme neue Bürgermeister
Pleitenkabinette

Noch gar nichts ist entschieden hier auf der Insel, außer in 4 Gemeinden. - In Mazo und Fuencaliente, da gibt es weiterhin absolute Mehrheiten für die Coalición Canaria, und in Puntagorda und San Andrés y Sauces, da hat die POSE ausreichend Stimmen erhalten, um locker alleine zu regieren. - In allen anderen Gemeinden, also 10 an der Zahl, muss paktiert werden, weil es keine deutlichen Mehrheiten gibt. - Ob es der PSOE und der PP gelingen wird, einen Stinkstiefelpakt gegen die CC zu schmieden, damit diese endlich auf unserer Insel nicht mehr das Sagen hat, das wissen wir einfach noch nicht, sondern hängt von den Verhandlungen ab, welche auf höchster kanarischer Ebene zwischen den Granden der CC und der PSOE geschlossen werden. - Allerdings frage ich mich manchmal, warum man eigentlich in der momentanen Zeit noch Verantwortung in den Gemeinden übernehmen will, wo doch die allermeisten Kommunen hier praktisch bereits pleite sind, und außer dem Personal kaum noch anderes bezahlen können. - Es dürfen ja auch keine neuen Kredite mehr aufgenommen werden, die nächsten vier Jahre also heißt es von der Hand in den Mund leben in den Gemeinden, und in manchem Rathaus fürchtet man sich bereits vor der nächsten Stromrechnung, und ob man die auch wirklich noch bezahlen kann. - So ab und zu denke ich dann still, oder jetzt weniger still, es wäre doch vielleicht das beste, man würde die CC einfach weiter schmurucheln lassen, die verschwinden dann in den kommenden Jahren von selbst, weil sie sich selbst nicht mehr bezahlen können. - Allerdings wäre das dann auch wieder verantwortungslos, gerade jetzt brauchen die Gemeinden eine glückliche und gute Hand, denn eines ist klar, es kann nur gespart werden und der Gürtel wird nicht enger geschnallt, sondern das gute Stück wird meistbietend versteigert. - Aktuell kommt jetzt wieder eine erschreckende Meldung über die Presse, in der Hauptstadt schuldet die Gemeindeverwaltung den hauseigenen Angestellten noch Überstunden in einem Wert, der mit 400.000 Euro angegeben wird, und seinen Ursprung größtenteils in Mehrarbeit zu suchen ist, die man für die Bajada de la Virgen de Las Nieves ausgegeben hat. - Woher soll dieses Geld nun kommen, wenn man nicht deutlich an anderer Stelle spart, so werden die neuen oder alten Gesichter mit dem Taktstock in der Hand meist ziemlich trocken in der Luft dirigieren.

Hauptproblem der Gemeinden sind die weg gebrochenen Einnahmen im Bausektor, die Krise und das Überangebot an Wohnungen aus den ersten Jahren des 21. Jahrhunderts haben die Branche arg geschüttelt, und an Bauanträgen haben die Gemeinden sehr viel Geld verdient. - Dagegen steht dann hier immer noch die alte Krankheit der viel zu vielen Gemeindenagestellten, in den kleinen Gemeinden wie Garafía oder Fuencaliente sieht es inzwischen so aus, dass man neben den Personalkosten gar kein Geld mehr hat für andere Notwendigkeiten, und eigentlich sollten die Gemeinden ja investieren und damit die Möglichkeit schaffen, innerhalb der Gemeinde neue Gewerbe anzulocken, aber das funktioniert so natürlich nicht. - Jahrelang galt hier eben auch, sie es nun in den Gemeinden oder im Cabildo Insular, gegen die hohe Arbeitslosigkeit geht man dagegen an, in dem man die Leute einfach für die Gemeinde einstellt oder für die Inselregierung, und das geht auf Dauer einfach nicht gut. - Die Inselregierung hat über das letzte Jahrzehnt auch noch ein seltsames Geflecht von inseleigenen Firmen geschaffen, wo verdiente Parteigänger oder Familienangehörige geparkt werden, die auf dem normalen Arbeitsmarkt keine Chance haben. - Das kostet nicht nur viel Geld, sondern hat leider auch noch als weitere negative Begleiterscheinung mit sich gebracht, dass oft die völlig falschen Menschen an entscheidenden Positionen stehen, und damit den möglichen Erfolg so mancher Initiative auch noch zunichte machen. - Es gibt viel zu erledigen hier auf der Insel, aber auf Seiten der öffentlichen Verwaltung und der Gemeinderäte und der Inselregierung fängt die Aufarbeitung erst mal damit an, dass man sich brutal gesundschrumpfen muss. - Das wird wehtun, aber anders wird es nicht zu schaffen sein, und wer das durchsetzen soll, der ist wirklich nicht zu beneiden. - Da wird auch so manches Fest darunter leiden müssen, wir können uns halt einfach solche Bajadas, die dann gleich 6 Wochen dauern wie die in der Hauptstadt oder in El Paso nicht mehr leisten, sondern deutlich zurückfinden zu Bescheidenheit und dazu stehen, dass wir nicht mehr Geld ausgeben können, als wir verdienen. - Ob solche neue, aus Mangel gewonnene Bescheidenheit dann auch beim Bürger ankommt, das ist auch noch mal eine andere Angelegenheit. - Vielleicht sollten sich das so manche Kandidaten noch mal ganz gut überlegen, ob man wirklich der Ochse sein will, der diese Karren aus dem Dreck ziehen soll.



Mittwoch 01.06.2011 08:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 18 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 63 % - Luftdruck 1017 hPa

Demokratie mit "unten"
La Palmas Sozialisten gegen den "Rest" des Archipels

Nein, wir waren von Anfang an nicht überzeugt, dass ein Pakt zwischen der Coalición Canaria und den Sozialisten der PSOE die Zukunft für die Kanarischen Inseln sein kann. - Auf der Ebene des Gobierno de Canarias scheint es ja bereits fest zu stehen, dass beide Verlierer der Wahlen vom 22. Mai zusammen die nächsten vier Jahre überstehen wollen. - Allerdings wehrt man sich hier auf La Palma, jetzt auch öffentlich, gegen einen Pakt der beiden Parteien auch auf unserer Insel, denn niemand, vorsichtiger fast niemand der Sozialisten hier auf La Palma, möchte für das Weiterbestehen der Coalición Canaria auf unserer Insel verantwortlich sein. - So ließ man gestern Abend noch an die Presse durchsickern, dass man weiter inselweit, und auch im Cabildo Insular einen Pakt mit den Konservativen der Partido Popular suche, um gemeinsam die Coalición Canaria endlich aus dem Amt zu drängen. - Diese inoffizielle Presseerklärung hat man sich abgerungen, am liebsten hätte man weiter geschwiegen und mit der PP verhandelt, allerdings ließ die Stimmung unter den Wählern das nicht weiter zu, viel zu viel Ärger und Unmut gegen die Partei hatte sich angesammelt, wegen des, für viele verräterischen Pakts mit der Coalición Canaria. - Ob es wirklich funktioniert, das kann man noch nicht abschließend sagen, aber wie es scheint, gibt es Grünes Licht von der Partido Popular, so dass zumindest von der Seite keine Probleme zu erwarten sind. - Die eigene Partei wird Ärger machen, so weit ist man sich sicher, aber wie groß der Druck werden wird, das möchte man sich noch nicht vorstellen, aber hier auf La Palma sind die Sozialisten in den Ortsgruppen anders strukturiert als auf den großen Inseln, hier hat die Basis viel mehr Einfluss auf die Entscheidungen, als in den großen Verbänden auf den anderen Inseln.

Ob das ausreicht, den lokalen palmerischen Aufstand auch gegen den Druck und den Willen "der Partei" durchzusetzen, das muss sich allerdings erst beweisen, und die kommenden Tage werden hart für so manchen mutigen Vorsitzenden einer Ortsgruppe und man sollte sich auch nicht sicher sein, ob es denn richtig war, sich bereits an die Presse zu wenden. - Aber in dem ganzen Geschachere um Macht und Einfluss steckt ja auch gerade der Grund für die immer stärker werdende Kritik an den Parteien. - Da wäre Transparenz die erste Möglichkeit einzuhaken und die zweite Ebene muss dann sein, auch unbequeme Entscheidungen durchzusetzen die sich durchaus auch mal gegen den Willen der Partei richten können, wenn eben die Mitglieder und auch die Wähler es anderes gefordert haben. - Die Chancen, die Coalición Canaria hier auf der Insel zu marginalisieren, die waren noch nie so deutlich gegeben, und das beruht vornehmlich auf der Tatsache, dass es einen Pakt in dieser Legislaturperiode auf den Kanaren nicht geben wird, nämlich der Coalición Canaria und der Partido Popular. - So sind die Ortsgruppen der PP nicht an irgendwelche Vorgaben gebunden, sondern könnten hier auf La Palma, übrigens auch hinauf bis ins Cabildo Insular, die schwierigen, aber sicherlich von der Mehrheit geforderten Bündnisse mit den Sozialisten eingehen. - Es sind heftige Wechselbäder der Gefühle, die man momentan erlebt, wenn man ein bisschen näher an der Geschichte ist, als einem vielleicht lieb sein sollte, aber die sture Haltung der Sozialisten auf La Palma, auch auf die Gefahr hin richtig Ärger zu bekommen, die ist jetzt bereits bewundernswert und wird hoffentlich auch mit Erfolg beschieden.



Familie Ingrid & Mathias Siebold
Calle el Torreón 5/7
E-38750 El Paso
La Palma, Islas Canarias, Spanien
Tel & Fax von Deutschland: + 34 922 497216
email: m.siebold@la-palma-urlaub.de
Kanarische Ferienhäuser auf La Palma