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Nachrichtenarchiv Juni 2008


Montag 30.06.08 - 19:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 26 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 65 % Luftdruck 1016 hPa
Höchsttemperatur heute 27,4 Grad - niedrigste Temperatur 20,9 Grad

And the winner is: Trixi

Ja, ich weiß auch, dass die Spanier die Fußballeuropameisterschaft gewonnen haben, aber hier geht es ausnahmsweise mal nicht um Fußball, sondern um den Photowettbewerb der Asamblea Ecologista, deren Wettbewerbsbeiträge ich auch in unserer Seite veröffentlichen durfte. - Diese ambitionierte Umweltschutzorganisation hat einen Photowettbewerb veranstaltet, in dem es darum ging, auf einem Photo das La Palma aufzuzeigen was man gerne vorfinden möchte und gleich daneben oder darunter, eines von der Insel, wie man diese denn lieber nicht sehen wollte. - Immerhin wurden 64 Photos eingesandt, was eben 32 Serien in dem Falle ergibt und man kann wirklich mit der Beteiligung und auch der Qualität der eingesandten Bilder zufrieden sein. Man muss da immer ein bisschen zurückhaltend sein mit den Erwartungen an solche Aktionen, die meisten Menschen interessieren sich wohl dafür, aber alleine das Aussuchen der Bilder und dann das einsenden, dann auch eben noch mit Namen und Anschrift, das ist dann halt nicht jedermanns Ding. - Zustimmung murmeln ist immer einfach, selbst seinen Teil dann dazu beitragen schon wieder etwas schwieriger und dann darf man sich halt auch immer noch fragen: Was nutzen denn solche Aktionen, diejenigen, die es vielleicht anginge, also die Entscheider und Interessenpfleger dieser Insel, die nehmen das doch gar nicht ernst. - In der Tat müssen wir leider feststellen, dass dieses Argument immer noch in breitem Maße zutrifft und einem die Arbeit sicher nicht vereinfacht, allerdings hat sich in den letzten Jahren schon etwas getan und so kann die heutige Tagespresse zum Beispiel Aktionen und Veröffentlichungen der Asamblea Ecologista bereits nicht einfach mehr übersehen, sondern finden immer wieder ihren Platz im Tagesgespräch. - Das ist noch nicht viel und sicher auch noch nicht befriedigend, aber jede Aktion und eben gerade die kleinen und arbeitsamen, nicht so sehr die reißerischen, stärken den Einfluss dieser Organisationen, die weit weg von persönlichem Gewinn oder Interessenlage sich für den positiven Erhalt dieser Insel einsetzen.

Jetzt aber endlich zum Gewinner, oder besser in dem Fall Gewinnerin. - Lange hat es gedauert, aber nun haben die Juroren ihre Wahl getroffen, ihrer Meinung nach hat Trixi am besten das ausgedrückt um was es in der Aktion ging, die Gegenüberstellung der unterschiedlichen Verständnismodelle für diese Insel. - Ihre Photoserie trägt den Titel: Vacaciones de pesadillas, vacaciones de sueños (Urlaubsalpträume und Urlaubsträume). - Dazu kommt noch die Bewertung für die technische Qualität und schon wartet als erster Preis für Trixi ein Wochenende in einem Ferienhaus in Fuencaliente, welches ausnahmslos mit regenerativen Energien betrieben wird. Als Leckerli dazu gibt es noch einen, von fachkundiger Seite begleiteten Ausflug in die marine Schutzzone, was übrigens auch der zweite Preis ist, allerdings ohne den Aufenthalt im Ferienhaus, der an Nieves ging für ihre Serie mit dem Titel: Entre Volcanes, (zwischen Vulkanen). - Eine Sonderbelobigung, nur mit Ehre aber nicht mit einem Preis belegt wurden "sol y viento" bedacht, die mit ihrer Gegenüberstellung des Dieselkraftwerkes von Los Guinches und ihrem Haus, welches mit Wind- und Solarenergie betrieben wird, hat die Juroren auch deutlich beeindruckt. - Übrigens wurde die Entscheidung nicht am Kneipentresen von Hobbyphotographen getroffen, sondern die Jury bestand aus: Yudena Ayala, Photographin, Eduardo Cáceres, ebenfalls Photograph und Mitglied der Asamblea Ecologiste und dem Designer und Maler Paco Guimerá. - Damit gratuliere ich den Gewinnern herzlich, aber nicht nur denen, sondern allen Teilnehmern, die wirklich dafür gesorgt haben, dass solche Aktionen eine nicht zu übersehende Wertigkeit erhalten. - Nächstes Jahr soll die Aktion sicher wiederholt werden und dann nehmen noch mehr Menschen daran Teil. - Hier nun die Gewinnerphotos:


Erster Preis, Urlaubsalpträume und Urlaubsträume, von Trixi

I Concurso de Fotografía Socioambiental La Palma Erster Umweltphotowettbewerb auf La Palma




Zweiter Preis, Zwischen Vulkanen, von Nieves

I Concurso de Fotografía Socioambiental La Palma




Sonderpreis, Sonne und Wind, von sol y viento

I Concurso de Fotografía Socioambiental La Palma Erster Umweltphotowettbewerb auf La Palma




Montag 30.06.08 - 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 21 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 59 % Luftdruck 1015 hPa

Wild West in Tazacorte

Zum Fußball muss man nicht mehr viel sagen, der Bessere hat gewonnen und eigentlich ist das 1:0 dann doch sogar noch gnädig ausgefallen für die Deutsche Nationalmannschaft. - Alle Achtung und Gratulation an diese Elf aus Spanien! - Nun wieder auf die Insel, der Alltag ruft. - In Tazacorte hat man reichlich Polemik aufgesammelt in den letzten Jahren, gerade was den Sektor Bau und Stadtplanung angeht. - Pläne über Pläne hat man aufgestellt und sich vor geraumer Zeit den Investor "Inversiones Cock" in den Ort geholt, der mit gewaltigen Projekten einem auch ein bisschen Angst einflößen konnte. - Zu Beginn war man aber seitens des Rathauses von Tazacorte gut mit dem Investor unterwegs und unterstützte seine Pläne auch mal hin bis zu legal fragwürdigen Entscheidungen. - Aber diese Zuneigung blieb nicht bestehen. - Manche der Projekte des Investors scheiterten an der technischen Kommission in Tenerife und bei anderen Vorhaben war es nun plötzlich das Rathaus selbst, welches von gewissen Absprachen nichts mehr wissen wollte und nun eigene Pläne aufstellte. - Es ging sogar so weit, dass der Investor das Rathaus, samt der Architekten vor den Kadi schleppte, übrigens unterstützt in dem Moment von der politischen Opposition.

Inzwischen sind die Positionen derart verhärtet, dass man sogar schon den Anschein gewinnen kann, es herrsche bereits der Geist der Schadenfreude, wenn das nächste Projekt zu scheitern droht. Nun kam ein Bescheid, eben dieser technischen Kommission in Tenerife, der allmächtigen "COTMAC", (Comisión de Ordenación del Territorio y Medio Ambiente de Canarias), welcher zwei ambitiöse Vorhaben innerhalb des Spezialplanes für den Küstenbereich von Tazacorte ausgehebelt hat. - Dieser Spezialplan wiederum stammt aus den Händen der Gemeindearchitekten und stellt sich gegen die Interessen des Investors, muss aber nun korrigiert werden, so dass wieder keine Entscheidungen über die zukünftige Planung in Puerto de Tazacorte getroffen werden können. - Der Investor wirft dem Rathaus sogar offen Vorteilnahme gegenüber gewissen Interessenlagen vor, das aber wohl auch nur, weil damit nicht seine Interessen gemeint sind. - Eigentlich hat es bereits Tradition in Tazacorte, dass man in der urbanistischen Zukunftsplanung keinen wirklichen Roten Faden hat, sondern immer wieder nur nach momentanen Möglichkeiten und eben diesen Interessenlagen entscheiden kann oder will. - Man muss nur mal an die ewige Baustelle des, vor mehr als 30 Jahren begonnenen Meerwasserschwimmbecken denken, und die undurchsichtige Lage der Bebauung genau gegenüber des Strandes, wo nun ein Wohngebäude steht, von dem keiner so richtig weiß, ob das nun legal dort nach Käufern sucht, oder eigentlich abgerissen werden müsste. - In der Tat blickt da keiner mehr durch und man wird sich wohl daran gewöhnen, dass in Tazacorte die Gerichte entscheiden, wie wohl die Zukunftsplanung eines der beliebtesten Badeorte der Insel aussehen wird. - Man könnte natürlich auch daran denken, die gesamte Riege der jetzt involvierten auszutauschen und mit unverfangenen Leuten die Planung neu anzugehen, aber wir sprechen hier von Tazacorte und da haben zu viele ihre Finger bereits im Spiel, die es nicht zulassen werden, dass all die Lobbyarbeit der letzten Jahre einfach in der planerischen Vernunft verschwindet.


Das Rathaus von Tazacorte



Sonntag 29.06.08 - 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 26 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 67 % Luftdruck 1013 hPa
Höchsttemperatur heute 27,0 Grad - niedrigste Temperatur 19,0 Grad

Public Gucking

Jetzt wird es aber gleich ernst, und immer noch sieht man hier auf den Straßen keine angemalten Fans herumlaufen und nur ein paar verwegene Urlauber aus Deutschland haben ihr Fahrzeug, mit der wohl in Deutschland bereits vorschriftsmäßigen Beflaggung versehen. - Es bleibt eben immer noch ein Stück der alten Geschichte übrig, in Spanien zählt der Ligafußball alles und die Nationalmannschaft sehr wenig. - Hier auf den Kanaren besonders, man zeigt sich auch nicht wirklich gerne mit den spanischen Farben rot-gelb-rot, haben die doch immer noch was von gefühltem Kolonialismus an sich. - Das ist natürlich inzwischen längst nicht mehr so, aber die Gefühle halten oft länger an, als die Vernunft und so ist in ganz vielen Haushalten die einzige Flagge die man aus dem Fenster hängt bei irgendwelchen Anlässen, die der Kanarischen Inseln. - Allerdings könnte ein heutiger Erfolg der Spanischen Nationalmannschaft schon einiges bewegen und vielleicht die Sympathiewerte für die Elf des Trainers Luis Aragones deutlich verbessern. - Zu oft gab es in der spanischen Elf eher Zank und Zwietracht und mit elf egoistischen Fußballgöttern alleine lässt sich halt kein internationales Turnier gewinnen.

Das sieht in dieser Europameisterschaft schon etwas anders aus, auf einmal treten die als Mannschaft auf und keine Skandalgeschichten befeuern die Streitigkeiten zwischen den Real und Barca-Spielern, im Gegenteil, es herrscht Eitel Sonnenschein. - Und das, obwohl der alte Kauz von Trainer ein echter Griesgram und Stinkstiefel ist, der selbst zu oft bereits für negative Schlagzeilen gesorgt hat. - Macht alles nichts, Erfolg macht schön und eigentlich sollte man es der Spanischen Nationalmannschaft gönnen den Titel zu holen. - Aber das kann man den wackeren Jungs aus Deutschland doch auch gönnen und so wird wohl ganz einfach der Bessere gewinnen. - Die Bilder, die man aus Deutschland sieht, die verwirren hier schon ein wenig, man könnte ja meinen das ganze Land befinde sich im Ausnahmezustand und hier guckt man das Spiel im trauten Familienkreis und das war es dann schon. - Aber Los Llanos geht mit der Zeit, da wird das Fußballfinale heute Abend dann doch auf einer großen Leinwand auf der Plaza gezeigt und so ist das "Public Gucking", oder wie der Deutsche sagt, "Public Viewing" nun auch bis nach La Palma gekommen. - Hier bei uns zu Hause brauchen wir keine solche Animation, für die ist hier ganz deutlich schon gesorgt, die eine Tochter wird für Spanien brüllen, die andere für Deutschland. - Bei uns wird heute Abend nur gewonnen…


Fans



Sonntag 29.06.08 - 10:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 81 % Luftdruck 1014 hPa

Schnipselsalat

Die Welt der "Convenience-Produkte" erweitert sich täglich mit neuen Angeboten, Tüte aufreißen, Wassersurrogatextrakt dazu geben und fertig ist das Filetsteak Wellington. - Gut, ganz so doll geht das noch nicht vonstatten, aber man gibt sich seitens der Nahrungsmittelindustrie doch reichlich Mühe, den Notwendigkeiten bis Faulheiten einer modernen Küche beiseite zu stehen. - Da gibt es jede Menge Firlefanz, aber auch so manches Produkt, welches wirklich die Alltagsküche erleichtert, oder eben einen bunten, bisweilen sogar gesunden Punkt auf Tisch zaubert. - Ich meine damit diese bereits gewaschenen und geschnittenen Salate, die es seit geraumer Zeit in allen Supermärkten in den Kühltheken der Obstabteilungen gibt. - Mag sein, dass da vom gesundheitlichen Wert nach dem Waschen nicht mehr so viel vorhanden ist, aber der tägliche Salat zum Mittagsmahl ist mir zu einer wunderbaren Gewohnheit geworden und wenn der Garten, oder eben die Zeit, kein Grünfutter hergeben, dann reißt man solch ein Beutelchen auf, tut noch ein bisschen Zwiebel und eine Tomate hinzu und schon hat man eine lecker-leichte Begleitung zu allem, was man da Hauptgericht nennen will.

Was das jetzt mit La Palma zu tun hat fragt sich nun der eine oder andere Leser mit Recht, aber ich darf eben mit Stolz verkünden, dass es seit letzter Woche diesen kleinen Küchenhelfer auch hier auf La Palma produziert gibt. - Die "Central Hortofrutícola", eine inseleigene Einrichtung direkt neben dem Krankenhaus in der Gemeinde Breña Alta verpackt nun auch diese Salate in Beutel und verkauft diese zunächst in den Spar und San Martín-Supermärkten der Insel. - Man ist durchaus geneigt, diese Produkte später auch auf die anderen Inseln zu verschicken, will aber erst Mal hier vor Ort ausprobieren, wie man diese Verpackungen hier am besten vermarkten kann. - Der Preis ist absolut konkurrenzfähig, 1,55 Euro kostet das Beutelchen, deutlich weniger als Vergleichsprodukte die man vom Festland herbringen muss, allerdings sind die Verpackungsbeutel nicht gerade sehr phantasievoll bedruckt, Design war halt noch nie unser herausragendes Merkmal. - Macht nichts, da wird man sich bestimmt auch noch etwas Besseres einfallen lassen, aber die Grundidee ist schon mal erfreulich und lässt den Gedanken an die landwirtschaftlichen Möglichkeiten dieser Insel, außerhalb der Bananenproduktion, schon wieder ein Stückchen aufleben. - Was mich nun noch brennend interessieren würde, schnippelt und wäscht man das Grünzeug lediglich hier auf der Insel, oder sind die Salatköpfe und Möhren auch wirklich auf La Palma gewachsen. - Man soll nicht immer so viel fragen, denn nicht jede Antwort schmeckt so gut wie der Salat aus La Palma.


Schnipselsalat aus La Palma



Samstag 28.06.08 - 17:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 26 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 67 % Luftdruck 1014 hPa
Höchsttemperatur heute 26,8 Grad - niedrigste Temperatur 18,9 Grad

Europameisterschaft die Zweite

Nachdem ich Ihnen bereits die Zerreißprobe meinerseits geschildert habe, wen man denn nun als langjähriger Immigrant in der Europameisterschaft unterstützt, bringt heute Abend Enrique seine Gedanken dazu auf den Monitor. - Wir werden ja morgen dann sehen, wer jubelt, denn selbst innerhalb meiner Familie gehen die Zuneigungen da ziemlich auseinander. - Kein Wunder, die Kinder sind ja von hier, nur die Eltern eben, die sind vor dort…

Sorge um mich selbst

Mein Gesundheitszustand macht mir Kummer. Das tut er zwar schon einige Zeit und ich habe mich weitgehend daran gewöhnt, jedoch da ist derzeit etwas anders als ehedem. Die Andersartigkeit begann schon vor einigen Monaten. In den Medien erschien öfter und öfter eine Großbuchstabenabkürzung, EM, und weil sie sich penetrant mehr und mehr aufdrängte, kam ich nicht umhin mich schlau zu machen. Es gehe um Fußball, wurde mir bedeutet, und EM heiße zu deutsch Europa-Meisterschaft, sei sozusagen eine kontinentale WM und gehe im Mai los. Das war ja noch lange bis dahin, stellte ich erleichtert fest, und legte also die Angelegenheit als erledigt ab.

Die Wochen vergingen, aber die abgelegte Angelegenheit fügte sich nicht in ihr Dasein. Das Schlagwort „Fußball“ war mit der Zeit überall präsent. In der Tat: Da war doch noch was, eben Fußball. Um diese Erkenntnis kam ich nicht herum, und deshalb informierte ich mich nun aktiv selbst. Das fiel mir schwer: Ein Kindheitstrauma machte mir in dem Zusammenhang zu schaffen. Während andere Altersgenossen um mich herum dem Fußballspiel frönten, ließ ich mich wohlweislich aus dem Spiel, und wenn sich zu wenig Freiwillige meldeten und auch ich mitmachen musste, ging das für mich immer – dieses Wort unterstrichen – unglimpflich ab. Nie konnte ich mich an die schmerzhaften Tritte gegen meine Schienbeine gewöhnen, von anderen empfindlichen Körperregionen mal ganz zu schweigen. Deshalb meldete ich mich in der Folge freiwillig fürs Tor. Zunächst war ich da sehr beliebt, denn es gab viele Tore. Wenn ich einen Ball hielt war es nur deshalb, weil ich ihm nicht fix genug ausweichen konnte. Mein Trick wurde bald durchschaut, die dargebotene körperliche Mimikry reichte wohl nicht aus, und ich musste wieder hinaus aufs rauhe Spiefeld. Mit solchem trüben Erinnerungsgut vorbelastet, wühlte ich mich trotzdem in die großzügig dargebotene Informationsflut hinein; schon war ich infiziert mit dem EM-Virus. Ein tückischer Trojaner, dachte ich, als ich den Befall bemerkte, hinterlistig von den Medien auf meine transfrontale Festplatte geschmuggelt.

Jetzt weiß ich Bescheid, vollständig, jedenfalls für meine Ansprüche. Grundkenntnissen hatte ich nie aus dem Weg gehen können, hatte jedoch immer etwas zu bemängeln an den Regeln. Wie wäre es beispielsweise, wenn zwei oder noch mehr Bälle ins Spiel kämen. Bei den Übertragungen könnte ich mich dann an der Hilflosigkeit der Schiedsrichter und Kommentatoren weiden (echt, so hämisch kann ich sein); eine Steigerung des zu erwartenden Durcheinanders wäre möglich durch den Einsatz weiterer Feldschiedsrichter für jeden einzelnen Ball. Wird wohl nie so kommen. Also studierte ich angestrengt den Spielplan. Der beruhigte mich. Spanien und Deutschand kämen frühestens im Halbfinale zueinander. Bis dahin wäre bestimmt eins der beiden Länder aus dem Turnier ausgeschieden, so dass es kaum zu dem von mir gefürchteten GAU kommen würde: Iberer gegen Teutonen im Endspiel. Um sicher zu gehen machte ich eine Wette ohne Gegenwette mit den Leuten in der Lotterie-Annahmestelle: Eine Flasche Tequila bekämen sie von mir, wenn – rein hypothetisch und theorethisch – Deutschland im Finale gegen Spanien unterliegen würde. Goma Dos mit Eidechse drin war mir zu profan. Also Tequila, und mit Raupe und Ersatzraupe, setzte ich noch einen drauf. Etwas irritiert akzeptierte man.

Nun ja, Deutschlands Recken kamen ins Finale, indem sie die Mannschaft der Türkei bezwangen, ganz gegen meine Erwartungen. Mir kam es vor, als ob die deutsche Mannschaft alle ihre immer so gepriesenen Tugenden abstreifte und unerwartet in den letzten Minuten fußballerisch auf türkisch machte: konzertiert ohne erkennbares Konzept. Phänomenal! War für mich indes trotzdem dumm gelaufen. Die Spanier am Tag darauf machten dann alle meine Resthoffnungen zunichte; der oben erwähnte GAU trat ein. An mich dachten die Spanier sicherlich nicht, als sie die Russen trotz des für die Iberer-Sportler eher ungewohnten Regen-durchnässten Spielrasens recht mühelos besiegten und zwar genauso, wie ihr Regierungschef Zapatero es sich gewünscht hatte. Die Russen waren allerdings mental etwas im Nachteil: Schon einmal hatten sie in diesem Turnier gegen die Spanier kläglich verloren.

Seitdem wird meine eigentlich positive Grundhaltung weitgehend von einer trüben Stimmung überdeckt. Manche in meinem Umfeld bemerken das auch und versuchen mich aufzumuntern; da stehe ein Auto mit einer deutschen Fahne auf dem Parkplatz vom San Martín. Ich wiegele ab: die Belgier hätten dieselben Farben. Ich komme hernach, nach persönlicher Inaugenscheinnahme jedoch nicht umhin zuzugeben: Es ist die deutsche und nicht die belgische. Und ein Nachbar ruft mir ohne Vorwarnung über den Zaun zu: Respekt, ihr Deutschen! Ein Freund in Deutschland, der sich nicht für Fußball interessiert, aber trotzdem über Alles in einem gerüttelten Maß Bescheid weiß, meinte vor zwei Wochen, er tippe auf ein Finale mit Deutschland und Rußland. Wäre eine auch für mich akzeptable Prognose, sagte ich ihm. Allerdings hätte ich da gewisse Zweifel: Wenn die Russen verlören – Putin weiß doch genau, wie verfroren die Deutschen sind. Ein Mausklick im nächsten Winter . . .

Ich merke, da geht ein Kelch nicht an mir vorbei. Gefüllt ist er mit einem Zeug weit schlimmer schmeckend als jene braune Brühe von Underberg mit Bitter von Angostura. Vielleicht muntert mich am Sonntag der Tele-Anblick von unserer Kanzlerin Angela Merkel auf. Die deutsche Mannschaft kommt wie gewohnt aufs Feld, fast ganz in weiß, mit einem Blumenstrauß – für sie, die Fußballkanzlerin. So gefreut wie sie sich hat beim Halbfinale, aber da war ja auch schönes Wetter, nur ein bischen heiß. Der spanische König, wie er über sein etwas asymmetrisches Gesicht strahlt, er, der er von allen geliebt wird, nicht nur von Spaniern. Und die deutsche Angela sollte dabei daran denken, dass das spanische Staatsoberhaupt schon bei dem letzten EM-Finale König war, bei dem die Spanier mitmachten, vor 24 Jahren Und wenn es wirklich ganz schlimm kommt, kann ich mich immer noch auf die Suche nach der Raupe mit Tequila drumherum machen. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob sie auf der Insel in den Läden noch angeboten wird.





Samstag 28.06.08 - 09:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 72 % Luftdruck 1015 hPa

Im Namen des Volkes

Den gestrigen Tag kann man ruhig als Schwarzen Freitag in die demokratischen Versuche der Insel La Palma einrahmen. - Wie bereits am Mittwoch den 25. Juni berichtet, forderte gestern die Stadträtin Jovita Torres in einer Gemeinderatssitzung eine Volksbefragung über den geplanten Golfplatz von Fuencaliente. - Man konnte nicht wirklich annehmen, dass die Koalitionspartner der Coalición Canaria diesem puren Stück Demokratie zustimmen, denn immerhin stammt ja der gesamte touristische Sondernutzungsplan mit den vier Golfplätzen aus der Interessenlage dieser Gruppierung. - Aber die lokalpolitische Macht ist in Fuencaliente nicht besonders konfliktfrei verteilt, hätte die Opposition den Plan der einzigen Rätin der Partido Popular angenommen, dann müsste es die Volksbefragung nun geben. - Allerdings enthielten sich die drei Räte der Unión Progresista Fuencaliente der Stimme, genau so mutig und volksnah wie der einzige Vertreter der Sozialisten im Rathaus von Fuencaliente. - Am Schluss stand die Rätin Jovita Torres ganz alleine da, zwar mit dem "Volk" in ihrem Rücken, aber wer will schon wirkliche Demokratie, wenn dadurch eigene Interessenlagen berührt werden können.

Pikant dabei ist ja auch noch, die Rätin der Partido Popular unterstützt die regierende Coalición Canaria, hat aber nun mit diesem Vorschlag einen deutlichen Riss aufgetan. - Da die Verteilung der Ratsposten in Fuencaliente wie folgt aussieht: Coalición Canaria 4, Unión Progresista Fuencaliente 3, Partido Popular 1 und die PSOE 1, wäre durchaus eine Abwahl des jetzigen Bürgermeisters der Coalición Canaria möglich. - Dazu sind sich die anderen drei Gruppierungen aber nicht grün, oder meinetwegen blau genug, also wird weiterhin jeder gegen jeden gespielt und auf jeden Fall, gegen den Willen des Volkes. - Oder lassen Sie mich es noch heftiger ausdrücken, man wagt es nicht mal den Willen des Volkes zu hören. - Gegenargumente werden gebracht, man versteckt sich hinter der Angst, vom Betreiber des Golfplatzes auf Schadensersatz verklagt zu werden. - Auch das muss man sich mal seitlich auf der Zunge zergehen lassen, selbst die regierende Coalición Canaria geht also davon aus, dass die Bevölkerung Fuencalientes gegen den Golfplatz stimmen würde und nennt nun als Grund für die Demokratieverweigerung, Angst vor Schadensersatzzahlungen für die eigene Fehlentscheidung? - Oder offenbart man nun mit dem Hinweis auf die Angst vor dem Investor, dass der Golfplatz nicht nur längst beschlossene Sache ist und auch schon wer das machen darf, wo es doch noch keine Ausschreibung gab und schon gar keine Genehmigung für ein bestimmtes Projekt? - Es ist nicht wirklich erstaunlich, dass die Coalición Canaria kein Interesse an Demokratie hat, nicht nur erstaunlich, sondern sogar erbärmlich ist aber die Haltung des einzigen Rates der Sozialisten. - Ein bisschen mehr Mut und Format darf man auch als einfacher Stadtrat zeigen. - Wenn man denn schon mal gefragt wird.



Freitag 27.06.08 - 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 27 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 75 % Luftdruck 1015 hPa
Höchsttemperatur heute 27,4 Grad - niedrigste Temperatur 18,3 Grad

Taxifahrer, Friseure, Kneipenwirte und Metzger

Neu sind in dieser Reihe die Metzger, aber ab heute zähle ich diese ehrenwerte Berufsgruppe auch zu den Reihen der Volksweisen hinzu, wobei ich dieses Mal absoluten Wert darauf lege, dass Weise und Waisen völlig unterschiedliche Erfahrungsgruppen sind. - Sicher ist es nicht ausgeschlossen, dass Weise auch Waisen sein können oder umgekehrt, aber bevor wir hier nun in die Weisenzählerei eintauchen, lieber zum Thema. - Als rein internationaler Fußball-Fan (Ligafußball macht mich krank) und deutscher Herkunft, war ja bislang meine Loyalität in der Europameisterschaft ziemlich einfach zu verteilen. - Wenn Schweini und Poldi spielen, dann bin ich natürlich so deutsch wie man nur sein kann und unsere Gäste in den Ferienhäusern haben so unfreiwillig jedes deutsche Tor im Turnier bislang mitbekommen, so lautstark kann der Siebold durchs Tal brüllen wenn Klose mal wieder höher steigt als seine Gegenspieler. - Jetzt aber droht die Höchststrafe, im Endspiel treffen wir auf meine Gastgeber, die mich bislang sogar mehr als die Hälfte meines Lebens aufgenommen und behütet haben. - Mag sein, dass das ein Traumfinale ist, aber ich hätte sehr viel lieber ein Endspiel gegen die Russen gesehen und nicht gegen Spanien. - Nicht nur, weil Torres, Fabregas, Xavi und Senna bislang alle auf den Plätzen schwindelig gespielt haben und sich so die Löwsche Truppe wieder mal deutlich steigern muss, ich weiß einfach nicht endgültig, wo inzwischen mein Herz wirklich hängt.

Dazu kommen nun die Weisen ins Spiel, mit denen man sonst über Politik, Prostata und Bananen diskutiert und die wirklich auf alle Probleme eine Gegenfrage haben, Lösungen hat man selbst… Aber die wissen wirklich Bescheid wie es läuft und eben besonders, wie der Puls des Volkes gerade schlägt und wie das alles weitergeht. - Nur die Lottozahlen vom kommenden Wochenende wissen sie nicht, sonst wären sie ja keine Taxifahrer, Kneipenwirte, Friseure oder auch Metzger mehr. - Nach diesem ziemlich einseitigen Spiel gegen die Russen war natürlich heute das drohende Endspiel Spanien-Deutschland das Thema überhaupt und ohne eigene Kommentare abzugeben, kommt man nicht wieder aus den Fängen dieser weisen Männer heraus. - Das soll nun nicht bedeuten, dass es keine weisen Frauen gäbe, aber ich habe doch von Taxifahrern und Kneipenwirten gesprochen und nicht von Taxifahrerinnen und Kneipenwirtinnen. - Ich hoffe das reicht um die Chauvi-Kasse sicher zu umfahren. - Nach dem fälligen Lob für diese spanische Mannschaft, ließ man mir aber überhaupt keine Wahl, an meinem Deutschtum zu zweifeln, wer aus Deutschland ist und sei er auch noch so nett, der muss doch bis zum Sankt Schlimmerleinstag natürlich beim Fußball auch weiterhin Lehmann und Co. unterstützen, anders geht das doch gar nicht. - Angesichts dieser fehlenden Zweifel der Loyalität gegenüber meines Geburtslandes, band man mich eben auch als Spezialist für deutsche Fußballtugenden in die Gespräche ein und siehe da, nach ein paar Minuten war ich plötzlich glühender Anhänger dieser Tugenden, welche auch immer das sein mögen. - Allerdings hörte ich mich wirklich so was wie Teamgeist, Kondition und Kampfeswillen stammeln und ich frage mich jetzt noch, wo ich das überhaupt her habe, mussten meine Kinder mir doch noch vor Jahresfrist erst die Abseitsregeln erklären. - So hat man mir meine Rolle zugewiesen und ich bin, nicht nur bereitwillig, sondern sogar selbstverständlich darauf eingestiegen. - Ich weiß jetzt, wie diese jungen Türken sich fühlen müssen, die mit den zwei Herzen in der Brust und die vielleicht nur für ihr "Heimatland" waren, weil man ihnen auch von deutscher Seite das rote Trikot mit dem Halbmond gleich hingehalten hat. - Nun gut, einen lauten Rufer hat die Deutsche Nationalmannschaft am Sonntag nun sicher, ich kann so deutsch brüllen, das würden Sie mir gar nicht zutrauen. - Wer meine Neutralität nicht haben will, der darf auch nicht Europameister werden...


Farbenlehre



Freitag 27.06.08 - 09:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 19 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 62 % Luftdruck 1016 hPa

Islas Airways rüstet auf

Die kleinere und deutlich jüngere der beiden Fluggesellschaften, welche sich um den innerkanarischen Dienst bemüht, galt immer so ein bisschen als zweite Wahl neben der so proper erscheinenden Binter Canarias. - Man flog halt auch die älteren Maschinen, was sich besonders im Komfort für den Passagier ausdrückt. - Auch wenn beide Fluggesellschaften die gleichen Modelle fliegen, die französisch-italienische Koproduktion ATR 72, die neuere Version dieses Typs, die ATR 72-500 ist so viel leiser und lässt den Fluggast deutlich weniger Vibrationen spüren, dass das Fliegen in den Propellermaschinen nun deutlich angenehmer geworden ist. - Bereits die zweite Maschine der neuen Version hat Islas Airways in diesem Jahr in Dienst gestellt, dieser Vogel ist aber in unseren Augen etwas Besonderes, trägt er doch den Namen unserer Insel - "Isla de La Palma" - Das ist natürlich nur Symbolik, kaufen können wir uns davon nichts, aber wir stehen auf solche Akte der Aufmerksamkeit. - Bei der Iberia hat man auch schon an La Palma gedacht, aber da ging es nicht um die ganze Insel, sondern ein Airbus 320 wurde, das war glaube ich vor zwei Jahren, auf den Namen Los Llanos de Aridane getauft. - Allerdings wird dieser Vogel seine Namen gebende Stadt niemals sehen, Los Llanos hat bekanntermaßen keinen Flugplatz und einen kühnen Anflug über die Westseite der Insel empfiehlt das Pilotenhandbuch dann wirklich nicht.

Der Flugverkehr innerhalb der Kanarischen Inseln ist trotz der Konkurrenzsituation der beiden Gesellschaften ein lohnendes Geschäft. - Das liegt zu allererst an den gnädigen Rabatten welche den residenten Einwohnern der Kanaren gestattet werden, wir zahlen für alle Flüge zwischen den Kanareninseln, aber auch aufs Festland und zurück nur die Hälfte des normalen Flugpreises. - Provinz- und Zentralregierung teilen sich die andere Hälfte des Flugpreises und erstatten diese an die Fluggesellschaften. - Damit ist Fliegen für uns hier zwischen den Kanarischen Inseln nicht wirklich teuer und so machen ganz viele Menschen von der Möglichkeit häufigen Gebrauch, eben mal auf eine andere Insel zu fliegen. - Für uns ist eben mal nach Tenerife fliegen nicht viel anders als einen Bus besteigen. - Hintergrund dieser dicken Rabatte, die jedes Mal vor Wahlen erneut angehoben werden sollen, ist der Versuch die Insellage, besonders der kleineren Inseln, nicht als Nachteil für die Bewohner spüren zu lassen. - Ob das langfristig sinnvoll ist, besonders hinsichtlich der kritischen Werte der Umweltbelastung durch den Flugverkehr diese Subventionen aufrecht zu erhalten, darüber will heute hier noch niemand diskutieren. - So erfreuen wir uns weiter an den niedrigen Preisen und zwei Fluggesellschaften an den bereitwilligen Subventionen.



Donnerstag 26.06.08 - 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 25 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 59 % Luftdruck 1015 hPa
Höchsttemperatur heute 26,0 Grad - niedrigste Temperatur 16,4 Grad

Die Assalama taucht wieder auf

Gerade gestern habe ich noch mit einem Freund darüber gesprochen, dass man so überhaupt nicht mehr an Nachrichten oder Neuigkeiten über das vor der marokkanischen Küste gestrandete Fährschiff Assalama kommt, da steht seit heute Nachmittag endlich mal wieder etwas darüber in der Zeitung. - Zur Erinnerung: Das Schiff der Reederei Armas war auf dem Weg von Tarfaya nach Fuerteventura, rammte beim Verlassen des Hafens einen Felsen und blieb dann mit Schlagseite in Küstennähe auf flachem und sandigen Untergrund liegen. Das Ganze passierte am 30. April und bis heute liegt das Schiff dort, ohne dass man etwas über das weitere Verfahren mit dem Havaristen in Erfahrung bringen konnte. - Nun meldet man, wie es heißt, aus Reederei nahen Kreisen, dass die Assalama in den nächsten Tagen wohl geborgen wird und das Schiff in einen Hafen geschleppt werden soll. - Der Treibstoff sei bereits abgepumpt und die Bergung ginge normal voran. Wohin das Schiff geschleppt werden soll konnte man nicht erfahren, man nimmt aber an, es soll nach Las Palmas gebracht werden. - Die Reederei selbst bestätigt, sie seien jetzt nicht mehr mit dem Schiff beschäftigt, das sei nun alles Sache der Versicherungsgesellschaft und die könnten mit dem Havaristen machen, was sie wollen. - Verkaufen, reparieren, abwracken, was immer man mit dem 40 Jahre alten Schiff schon machen könne.

Auch was mit dem, noch an Bord befindlichem Eigentum der 113 Passagiere geschieht, darüber herrscht noch Unklarheit und auch darüber, was denn überhaupt noch zu retten sei. - Auf dem Autodeck scheint alles überflutet gewesen zu sein, aber die Kabinendecks waren noch locker über der Wasserlinie. - Allerdings wurde auch von Plünderungen gesprochen, kein Wunder, liegt das Schiff doch nun schon 7 Wochen nahe der Küste. - In dieser Hinsicht gibt es auch große Vorwürfe an die Reederei, man hatte den Passagieren nicht erlaubt, auch nur einen kleinen und vielleicht den wichtigen Teil ihrer Habseligkeiten von Bord zu holen. - Es sei zu gefährlich hieß es, allerdings wird auch aus mehreren Quellen berichtet, dass manche Besatzungsmitglieder wohl zurück zum Schiff sind, um ihr Eigentum vom Schiff zu holen. - Aber das sind alles Gerüchte, wie auch das der vier Koffer, die mysteriöserweise vom Schiff stammen sollen und von einem marokkanischen Ambulanzwagen eilig abtransportiert wurden. - Das konnte man auf einem der vielen kleinen Videos sehen, die nun bei YouTube im Netz stehen. - Jeder kann sich seine Gedanken dazu machen, aber es bleiben wirklich deutlich mehr Fragezeichen über den Hergang und den Hintergrund dieser Havarie, als man Antworten serviert bekommt.



Donnerstag 26.06.08 - 10:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 18 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 75 % Luftdruck 1015 hPa

Einwohner suchen

Kaum eine Gemeinde auf La Palma weiß so wirklich, wie viele Einwohner sie denn hat. - Einmal werden Meldedaten zwischen den Gemeinden nicht verglichen, so dass viele Menschen sogar in mehreren Rathäusern gemeldet sind, oder halt einfach umziehen, ohne sich korrekt abzumelden. - Da Einwohner für die Kommunen aber blankes Geld bedeuten und jedes Jahr pro Kopf, sei er denn nun vorhanden oder nicht, bis zu 300 Euro in die Gemeindekassen spült, ist man seitens der Korporationen nicht besonders drauf bedacht, die Zahlen auch der Realität anzugleichen. - In der Hauptstadt Santa Cruz geht man nun sogar noch einen Schritt weiter und will diejenigen aufspüren, welche in der Stadt wohnen, aber immer noch in anderen Gemeinden gemeldet sind. - Man schätzt die Zahl der "Nichtmelder" auf an die 600 Personen, was immerhin einen Mehrbetrag von 180.000 Euro jährlich in der Stadtkasse ausmachen würde.

Jetzt will man Personal einstellen, möglichst bezahlt vom Arbeitsamt als ABM-Stellen, welches auf die Suche nach den inoffiziellen Einwohnern der Stadt gehen soll. - Ein Art Kopfgeldjäger wird das ja werden, um nicht in den Vokabelbereich des Blockwartes zu gelangen, und wie man diese Aufgabe am besten löst, ohne selbst mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten, diese Antwort bleibt man seitens der Gemeinde dazu noch schuldig. - Es kann ja auch gut sein, dass viele Menschen zwar in der Hauptstadt arbeiten, dort sogar ihren Zweitwohnsitz haben, aber eben in einer anderen Gemeinde ihren ersten Wohnsitz haben und da müsste man nun hingehen und Beweise fordern, welche eine klare Hierarchie zwischen erstem und zweiten Wohnsitz festlegen. - Ohne deutlichen Eingriff in die Privatsphäre der Bürger ist das eigentlich gar nicht möglich und so darf man die Durchführbarkeit dieser, sicher verständlichen Maßnahme, mehr als bezweifeln. - Auf der anderen Seite muss man aber auch ins Kalkül ziehen, was denn nun mit "erwischten Neubürgern" der Gemeinde geschieht, die müssten ja dann in ihren bisherigen Gemeinden abgemeldet werden und denen würde man damit die Kopfpauschale pro Bürger ja entziehen. - Keine gut überlegte Methode den Stadtsäckel besser zu füllen, oder aber man gibt sich gleich "suprasolidarisch" und meldet die Einwohner einfach als Bürger der Gemeinde an, ohne diese in der anderen Gemeinde abzumelden. - Von den Wählerlisten her kennen wir das ja schon, da gibt es Gemeinden die haben 2.500 Einwohner, aber 3.000 Wähler. - Nichts ist unmöglich…



Mittwoch 25.06.08 - 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 24 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 65 % Luftdruck 1013 hPa
Höchsttemperatur heute 24,5 Grad - niedrigste Temperatur 16,6 Grad

Man glaubt es kaum, da lugt doch glatt die Demokratie um die Ecke

So viel wie ich schon über Golfplätze geschrieben habe, die Zeit hätte wohl auch ausgereicht um diesen Sport zu erlernen. - Auf La Palma will man vier dieser Plätze erlauben und dazu bewerben sich fünf Gemeinden und diverse Investoren. - Einer muss also mindestens dran glauben, doch niemand hält es wirklich für wahr oder gar notwendig, dass in der Tat die erlaubten vier Golfplätze auf La Palma entstehen. - Jahrelang hat man an den Plänen geschmiedet, uns windige Machbarkeitsstudien vorgelegt, die von Wachstumsraten der Bevölkerung und des Tourismus ausgehen, welche mit der Realität nichts zu tun haben und auch nicht bemerken, dass auf dem Gebiet des Golftourismus längst eine Sättigung eingetreten ist und diese Plätze dennoch weiterhin gebaut werden, inzwischen sogar in Billiglohnländern wie Marokko. - Niemand hat auch wirklich die Bevölkerung dieser Insel gefragt, ob wir diese Landschaft verbrauchenden Gelände überhaupt wollen und ob wir uns einen Zugewinn für La Palma oder die betreffende Gemeinde erhoffen können.

Jetzt aber will man, ausgerechnet in der kleinen Gemeinde an der Südspitze, also in Fuencaliente doch noch Demokratie wagen und die Einwohner des Ortes über den Golfplatz befragen. - Dabei war ausgerechnet dieses Projekt eines der aussichtsreicheren Vorhaben. Das kann nun aber anders werden, denn die Golfplätze sind, fürs normale Volk ein unsinniges Unterfangen und gelten dort als Bedrohung für die gewachsene Landschaft aber auch die Landwirtschaft. - Eine Stadträtin, ausgerechnet von der Partido Popular, die zusammen mit der Coalición Canaria in Fuencaliente an der Regierung sind, möchte nun eine Volksbefragung durchführen, welche zumindest die Stimmungslage der Bürger gegenüber den Golfplätzen widerspiegeln könnte. - So zumindest ihr Vorschlag und darüber soll in einem Plenum am kommenden Freitag abgestimmt werden. - Allerdings gilt es nicht als sicher, dass dieser Vorstoß die Unterstützung der andern Räte erhält, denn die inselweiten Pläne für die Golfplätze entstammen der Idee und den Interessenlagen der Gruppe der Coalición Canaria in der Inselregierung. - Dabei wäre eine Volksbefragung ja nicht mal bindend, man fordert ja keinen Volksentscheid, aber ich fürchte mal ganz einfach, dass man solch ein Vorhaben einfach nicht unterstützen will, weil man so den Gegnern der Golfplätze deutliche Argumentationshilfen geben würde. - Es gilt als sicher, dass die Mehrheit der Bevölkerung keine Golfplätze will, vielleicht einen und den auf keinen Fall in der eigenen Gemeinde und nun bin ich mal gespannt, ob die mutige Rätin aus Fuencaliente sich mit ihren demokratischen Vorstellungen durchsetzen kann. - Jovita Torres heißt die gute Frau - Chapeau!



Mittwoch 25.06.08 - 29:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 70 % Luftdruck 1015 hPa

In der Talsohle spricht man englisch

Der freie Fall der Gästezahlen auf La Palma ist endlich gebremst. - In diesem Jahr gab es noch keinen Monat mit einem Minus zu vermelden, nach vier Jahren der Depression. - Golden ist die Lage im Tourismus dennoch noch nicht, man arbeitet weiter fieberhaft daran, die Belegungsquote nicht unter 50% rutschen zu lassen. - Die Engländer machen den Frühling, nachdem es das erste Mal geglückt ist, die beiden Flieger aus London und Manchester auch im Sommerflugplan behalten zu können. - Stolze Zuwachszahlen schreibt man da dank Thompson, knapp 8.000 britische Gäste haben in diesem Jahr bislang die Insel besucht und damit den weiteren Rückgang der Gäste aus anderen Ländern mehr als wett gemacht. - Ohne die beiden Flieger aus England ständen wir weiter im Minus, denn sowohl aus Deutschland, Italien, Belgien, Schweiz und den Niederlanden kamen in diesem Jahr wenige Gäste als noch 2007. - Da fehlen wieder die Österreicher werden nun viele denken, aber da ist die Statistik grausam, weil keine Maschine direkt aus Wien zu uns kam, sondern einen Stopp im Piefkeland eingelegt hat, zählen alle diese Gäste dann sofort als Deutsche. - Dennoch bleiben die Deutschen unangefochten an der Spitze unserer ausländischen Gästezahlen, von den 57.200 internationalen Touristen welche wir von Januar bis Mai dieses Jahres begrüßen durften waren, trotz eines Rückgangs immer noch knappe 35.000 Alemanes.

Man kann also nicht direkt von einer Wachablösung sprechen, aber doch wohl von einer Diversifikation, welche allerdings einseitig zugunsten des Pauschaltourismus gegangen ist und den ländlichen Bereich der Insel nicht beleben kann. - Die Engländer landen, bis auf ganz wenige Ausnahmen kaserniert in den drei großen Tourismuszentren der Insel und bleiben auch dort. - Im Alltagsleben auf La Palma sind diese Gäste nicht wirklich sichtbar und können so nicht das Ausbleiben der anderen Gäste ersetzen, welche deutlicher Bestandteil vieler Gewerbe in den Zonen sind, die nicht an der Küste liegen. - Und auf La Palma liegt fast alles nicht an der Küste. - Den Mehrerwerb durch die willkommenen Gäste von einer größeren Insel, den spürt man hier also nicht, wie sonst auch im Bereich des Pauschaltourismus bleibt das meiste Geld welches für den Urlaub ausgegeben wird im Ursprungsland und den Kassen der überregional betriebenen Hotels. - Des weiteren darf man fragen, ob denn auch Subventionen in Richtung der englischen Fluggesellschaften geflossen sind, damit man auch im Sommer hier her fliegt, oder ob La Palma in Großbritannien nun einfach so "in" ist, dass man vermehrt hier her fliegen will. - Dennoch, ein großer Erfolg für La Palma, man spricht inzwischen englisch.



Dienstag 24.06.08 - 20:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 24 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 62 % Luftdruck 1015 hPa
Höchsttemperatur heute 24,8 Grad - niedrigste Temperatur 16,0 Grad

Der biegsame Eierdieb

Das wunderbare Lotterleben während der Schulferien hat auch einen Nachteil. - So schön es ist, nun einfach bis halb acht Uhr schlafen zu können, ein weiteres Familienmitglied nutzt diesen verzögerten Schritt meinerseits in den Tag, um immer mal wieder eines der schlimmsten Verbrechen zu begehen, den Eierdiebstahl vom Tisch der Gerechten. - Zu einem Frühstück in Ruhe und beginnender Empathie, also frühestens ab acht Uhr, gehört das Frühstücksei, eines der wenigen angenehmen Leitkulturrudimente des deutschen Seins, welches ich voll und ganz in die Welt tragen möchte. - So wie andere das Dosenbier. - Hinzu kommt ja noch der glückliche Umstand, dass es hier auf La Palma die besten Eier der Welt gibt und das auch noch in Bio-Qualität, von der Finca Tierra, Granja Nummer vier und wenn man Glück, oder Beziehungen hat, dann sortiert die fesche Mamsell im Bioladen aus den Verpackungen auch noch die "Fleur des Oeufs" aus den ohnehin schön königlichen Kugeln heraus. - Das sind die Eier, welche die Henne Perla gelegt hat, es handelt sich dabei um ein derart fröhliches und ganzheitliches Huhn, dass einem das volle Landleben ins achte Chakra springt. - So gut verköstigt kann der Tag nur positiv beginnen und so auch weitergehen, die Sinne fein gespitzt und empathisch aufgeladen bis zur Zirbeldrüse.

Nun gerät man allerdings durch diesen wunderbaren Zustand des späteren Aufstehens in Nahrungskonkurrenz mit dem Rest der Familie. - Da die Kinder und die Frau mit meinen Ernährungsgewohnheiten relativ gut vertraut sind, muss ich da keine wirklichen Attacken fürchten, allerdings macht Paul mir Sorgen, oder besser Ärger. - Auch der Patron ist ein absoluter Feinschmecker und begehrt natürlich immer auch das Essen seiner humanoiden Freunde, obwohl er ganz genau weiß, dass der Tisch für ihn eigentlich nicht der artgerechte Aufenthaltsort ist und wir, trotz aller Solidarität und inniger Liebe, gewisse Trennungen zwischen ihm und den Gepflogenheiten der menschlichen Art machen. - Das stört den arroganten Pinsel allerdings einen feuchten Kehricht, wer nicht bei Drei am Frühstückstisch sitzt und sein Ei festhält, der hat nach seiner Ansicht auch das Recht auf dieses Stück Offenbarung verloren. - So sind eigentlich Mahnwachen abgesprochen, welche den morgendlichen Frühstückstisch so lange paulfrei halten sollen, bis der virtuelle Haushaltsvorstand, das bin ich, seinen Platz eingenommen hat und sich an Perlas Ausdruck laben kann. - Das klappt allerdings nicht immer, die Frau hält ein Schwätzchen am Telefon, die Kinder sind im Internet und der Kater auf dem Tisch. - Seine Taktik ist bemerkenswert, er biegt sich geschickt über die gedeckte Tafel, so dass die Hinterbeine noch fluchtgerechtes "Grip-Niveau" haben und beißt dem Ei den Kopf ab und schleckt dann den zarten Rest des Manna. - Da mir meine Familie diesen infamen Eierdiebstahl bislang nicht so richtig geglaubt hat, habe ich mich mal mit Ausrüstung auf die Lauer gelegt und konnte nun den miesen Eierdieb endlich überführen. - Allerdings wird das Vergehen, wie üblich, nicht geahndet werden, Paul genießt bei meinen Frauen so eine Art Daueramnestie und je mehr Mist er baut und Familieneigentum stiehlt, um so süßer finden die weiblichen Mitglieder unseres Bundes den biegsamen Delinquenten. - Allerdings werde ich zukünftig geeignete Maßnahmen ergreifen und die Eiervergabe wie den Vorgang des Kochens lückenlos beaufsichtigen. - Das heißt, ich mache das Frühstück zukünftig und irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass ich da einem taktischen Spielchen seitens meiner Frauen und dem Kater auf den eiweißhaltigen Leim gegangen bin. - Das Leben ist voller Tücken, drauf kann man sich ein Ei pellen, auch eines von Perla.


Der ertappte Eierdieb



Dienstag 24.06.08 - 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 74 % Luftdruck 1017 hPa

Der zarte Ruf der Nachhaltigkeit

Die Geschichte ist so alt wie die Landwirtschaft selbst. - Will man intensiv anbauen, sprich mehr aus dem Boden herausholen als da eigentlich geht, dann muss man mit Mineraldünger nachhelfen, sonst verarmt der Boden in kürzester Zeit. - Besonders kritisch ist das bei Dauerkulturen wie zum Beispiel der Banane, welche dem Boden keine Verschnaufpause durch Anbaupausen oder alternierende Bepflanzung gönnt. - Dabei sprechen wir noch nicht mal von Pestiziden, welche auch Mono- und Dauerkulturen heftiger bedrohen als nicht intensive Landwirtschaft, sondern einfach um die Pflanzenernährung, der man durch Düngergaben nachhelfen muss. - Dabei sind Mineraldünger in keiner Weise als Teufelszeug zu verdammen, man ersetzt lediglich die entzogenen Nährstoffe und wenn man das richtig und umsichtig macht, dann kommt es auch nicht zu dem ungewollten Phänomenen der Überdüngung und Versalzung der Böden. - Dazu wären allerdings permanente Bodenanalysen notwendig und eine gezieltere Düngung, als es so genannte "Volldünger" ermöglichen, die bereits eine bestimmte Mischung diverser Salze enthalten.

Einen anderen Weg will nun die "CIAB" (Fundación Canaria del Centro Internacional para la Agricultura Biológica) anbieten und möchte aus den Abfällen der Bananenproduktion Dünger herstellen, um diesen wiederum dann auf den Plantagen zum Einsatz bringen. - Die Idee ist nicht neu, denn schließlich sind nur wenige Pflanzennährstoffe flüchtig, sondern bleiben in den Pflanzenresten erhalten und können so erneut der nächsten Generation dienen. - Gerade bei den Bananen ist der Anteil von Ernteprodukt, also der Fruchtstand, zum übrig bleibenden Scheinstamm der Banane sehr gering, so dass man sehr viel Pflanzenmaterial zur Düngergewinnung erhält. - Das ginge bei vielen anderen Kulturen nicht, man denke da einfach nur mal an Getreide, welches man bis auf ein paar Stoppel erntet, das Korn zur Ernährung nutzt und das Stroh als Einstreu, da bleibt eigentlich nichts übrig. - Allerdings reichen die Abfälle der Bananen auch nicht aus um alle Plantagen dieser Insel mit regenerativ erzeugtem Dünger zu versorgen, aber man kann doch mal anfangen damit und sich so ein zartes Stück in Richtung Nachhaltigkeit bewegen. 37 Bananenplantagen sollen am Anfang mitmachen und sollte das ein Erfolg werden, dann kann man dieses Prinzip noch ausweiten. - Auf jeden Fall hat man endlich erkannt, dass es keinen Abfall gibt, sondern nur mehr oder weniger stinkende Rohstoffe. - Aus den Bananenabfällen, welche leider immer noch ein Entsorgungsproblem erzeugen, kann man richtig viel machen. - Da gäbe es die Möglichkeit Futtermittel herzustellen, Bio-Gas zu erzeugen, oder eben Dünger, damit der Ernährungskreislauf wieder stimmt. - Bananenreste wegzuwerfen, das ist viel zu schade, man muss diese Fälle einfach nur angehen und dazu scheint die Zeit jetzt endlich reif.



Montag 23.06.08 - 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 24 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 61 % Luftdruck 1016 hPa
Höchsttemperatur heute 24,6 Grad - niedrigste Temperatur 15,9 Grad

Zurück aufs Feld

Es gibt einen doofen Wortwitz hier, der etwa so geht: Wie heißt der japanische Arbeitsminister? - Antwort: Notoco Guataca. - Das ist erklärungsbedürftig und ich will das mal tun. - Unser Universalarbeitsinstrument in der Landwirtschaft hier ist die "Guataca", eine pfiffig geschwungene Doppelspitzhacke, mit der sich vortrefflich in unserer steinigen Erde wühlen lässt. No toco heißt, ich fasse nicht an und schon wird der Witz auch für Mitteleuropäer verständlich, wir glauben halt fest daran, dass sich Notoco Guataca japanisch anhört. - Aber eigentlich geht es heute nicht darum den Humor beider Kulturen zu vergleichen, was aber auch sicher ein Thema für andere Überlegungen ist, denn hier lachen wir über komplett andere Geschichten als in Deutschland. - Die Guataca ist schon eher das heutige Thema, denn bislang gilt dieses so markig aussehende Arbeitsgerät auch als Joch des armen Mannes, der sich gebückt sein Geld verdienen muss. - Es ist kein Geheimnis, dass jeder eigentlich versucht vor diesem Gerät zu fliehen, gilt es doch als Symbol für das rückständige und ländliche La Palma und wer will schon als ländlich gelten? - Allerdings schlagen ja alle Pendel immer wieder zurück und auch hier haben viele Menschen begriffen, dass man die Guataca zwar gerne aus der Hand geben würde, aber nicht zu weit wegstellen sollte, vielleicht muss die ja wieder ran, wenn die so oft beschriebene "crisis" weiter um sich greift.

Noch einen Grund kann es geben, diese Hacke wieder in die Hand zu nehmen, nämlich die langsam wachsende Nachfrage nach heimischen Feldfrüchten. Nicht nur griesgrämigen Globalisierungsmuffeln geht es inzwischen glühend auf den Keks, dass wir israelische Kartoffeln essen sollen, Äpfel aus Chile sowie Tomaten aus Marokko. - Es gibt den Trend tatsächlich, den man nun bitte nicht als "zurück zur Scholle" definieren soll, sondern als ein Bestandteil einer immer breiter werdenden Bewegung, bei der bewusstes Leben und der nachhaltige Umgang mit unseren Ressourcen eine große Rolle spielt. - Dazu gehört auch, dass man eben diese Ressourcen nicht brach liegen lassen darf, die Erde muss bearbeitet werden und dass unsere Kartoffeln, per Hand in die Erde gesteckt und per Guataca daraus wieder befreit, ein bisschen teuerer sind, als die aus Vollerntemaschinen, das ist eigentlich jedem klar. - Auch ich musste lange warten, bis ich einen Teil meiner landwirtschaftlichen Nutzfläche endlich wieder verpachten konnte, Jahre lang interessierte sich dafür niemand, nun aber pflanzen Nachbarjungs darauf Kartoffeln, geben mir davon was ab, als "Pacht" sozusagen und sorgen so gleichzeitig dafür, dass sie mehr Geld in der Tasche haben.

Einen Schritt weiter noch will nun die Gewerkschaft "Comisiones Obreras" gehen und für junge Menschen eine landwirtschaftliche Genossenschaft auf die Beine stellen. - Fast hätte ich Kolchose geschrieben, aber das hört man ja in Deutschland nicht so gerne, weil es da üblich ist, einen Teil der Sprache als vorbelastet in eine Tabu-Kiste zu schieben. - In Puntallana ist man nun dabei gute Ackerflächen zu pachten, um dann 15 Jugendliche an der Guataca auszubilden und so das noble Handwerk der Landwirtschaft zu erlernen. - Ein Ausbilder wird dabei sein und die Auszubildenden anleiten und die erwirtschafteten Erträge sollen dann reell verkauft werden und die Jugendlichen erhalten dann auch den Erlös. - Die Kosten, also den Ausbilder und die Pacht übernehmen vorerst die Gewerkschaft und das Arbeitsamt, um den Jugendlichen, die das ja anfänglich lernen sollen, nicht zu groß zu belasten. - Ein schönes Projekt und wenn man nun noch Auszubildende im wirtschaftlichen Bereich an die Vermarktung der Produkte setzen würde, dann könnte man bestimmt eine schöne Geschichte daraus machen. - Schade wäre natürlich, wenn die mit dem Verkauf keinen Erfolg haben, weil sich die Absatzmärkte diesem Projekt verschließen könnten, aber da bin ich nach den Erfahrungen der letzten Zeit eher zuversichtlich. - Kolchose Rote Rübe gegen die Globalisierung, mir wird ganz warm ums Herz auf meine alten, roten Tage…


Die Guataca, das Allzweckarbeitsgerät



Montag 23.06.08 - 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 72 % Luftdruck 1018 hPa

Gedämpfte Freude

Spanien hat schlecht gespielt, Italien noch schlechter und schließlich haben wir gewonnen. - Allerdings erst im Elfmeterschießen, was dann doch noch späte Gerechtigkeit zeigen wollte, nachdem uns der deutsche Schiedsrichter während des Spiels gleich drei Strafstöße nicht gewährt hat. - Es ist gar nicht so leicht, wenn man gegen Italien spielen muss, dann auch noch gegen die Statistik und gegen den Schiedsrichter, aber immerhin, jetzt ist alles möglich, sogar das Traumfinale Deutschland-Spanien. - Sicher werden die Türken und die Russen etwas dagegen haben, aber mit dem gebotenen Optimismus könnten wir den, aus unserer Sicht Knaller, schon erleben. Witzig, oder vielleicht besser fragwürdig dabei war nur, dass man hier eher skeptisch war, was die eigene Leistung angeht und die Mehrzahl der Fußballfans sogar davon ausgegangen ist, dass man wieder in einem Viertelfinale scheitert. - So war man auch nicht richtig vorbereitet, kennt man die Bilder aus Deutschland während dieser Europameisterschaft, dann könnte man wirklich meinen, die Palmeros seien kein fußballbegeistertes Völkchen. - Stimmt natürlich nicht, allerdings hat die Nationalmannschaft in Spanien nie den Beliebtheitsgrad erreicht, wie das vielleicht in Deutschland oder Italien der Fall ist, hier steht man voll und ganz auf die "Liga" und meint damit natürlich Real Madrid oder Barca.

Kein Autokorso, nur ein paar schwache Raketen aus Richtung Puerto de Naos konnte man nach dem gestrigen Sieg, den man ja nach statistischem Wert sogar als historisch betiteln darf, erleben. - Immerhin hat die Mehrzahl der Leute das Spiel am Fernseher verfolgt, die paar Autos auf den Straßen waren an einer Hand abzuzählen, aber der berühmte Funke springt dennoch nicht über, es braucht eben mehr als einen Sieg im Fußball um einen Palmero aus der Reserve zu locken. - Nicht, weil man hier nicht begeisterungsfähig wäre, aber der Fußballnationalmannschaft gelingt es einfach nicht, sich in die Herzen der Leute zu spielen, wer hier auf den Verkauf von Fan-Artikel, Fahnen oder Fanfaren gesetzt hätte, der könnte jetzt schon Konkurs anmelden. - Eigentlich ein positiver Wesenszug, vielleicht schon ein kleiner Beweis dafür, dass Spanien doch in gewisser Entfernung liegt und wohl geschätzt wird, nicht aber heiß und innig geliebt. - Mal sehen, wie das dann im Finale aussieht, Sie wissen schon, Deutschland-Spanien, da muss dann doch noch ein bisschen mehr kommen, sonst sind die paar Deutschen hier auf La Palma noch lauter als die Gastgeber.



Sonntag 22.06.08 - 17:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 21 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 79 % Luftdruck 1016 hPa
Höchsttemperatur heute 21,9 Grad - niedrigste Temperatur 16,4 Grad

Los Llanos packt die Sheriffs aus

Als Sheriffs möchte man hier gerne immer die Lokalpolizei betiteln, hat die doch ein räumlich begrenztes Einsatzgebiet, nur innerhalb der eigenen Gemeinde gilt deren Exekutivmacht. - Darüber hinaus regelt die Lokalpolizei eigentlich nur innerhalb der Orte und Städte den Verkehr, außerhalb tut sich die Guardia Civil um und sorgt auch für die gefürchteten Verkehrskontrollen, in denen meist nicht nur nach Alkoholmissbrauch geprüft wird, sondern auch die Routinedinge wie Führerschein und gültige technische Prüfung und was man sonst noch so an einem Fahrzeug samt seinem Fahrer inspizieren kann. - Lange aber beklagt man sich schon wegen des Umstandes, im Aridane-Tal zu wenig Guardia Civil zu haben und deshalb die Beamten dieser stattlich gelenkten Polizeitruppe zu wenig Zeit zu haben ihren eigentlichen Aufgaben nachzugehen, die man eher in der Verbrechensbekämpfung wünscht, als in der personalaufwendigen Verkehrskontrolle. - Nun macht Los Llanos den Anfang und hat ein Abkommen mit der obersten kanarischen Straßenbehörde (Dirección General de Tráfico) getroffen, wonach nun auch die Lokalpolizei Straßenkontrollen ausüben wird.

Zunächst mal auf die Gemeinde Los Llanos begrenzt, als Testballon sozusagen, um die Guardia Civil zu entlasten. - Man wird nun also, besonders auf den "Rennstrecken" der Gemeinde, von und nach Puerto de Naos, El Paso und Tazacorte, nicht nur die "Grüne Gefahr" der Guardia Civil fürchten müssen, sondern auch noch die, sonst so liebenswerten "Blauen", der Policia Municipal. - Man wird also davon ausgehen können, dass es zukünftig noch mehr Kontrollen geben wird, was die eh schon prekäre Lage der gastronomischen Betriebe in Puerto de Naos weiter belasten wird. - Da klagen die Wirte sowieso schon über markante Umsatzeinbrüche, denn von den paar Einwohnern die da in dem kleinen Ortsteil von Los Llanos wohnen, da kann man nicht leben. - Dazu kommt noch, dass das dortige Hotel inzwischen auch mit "All-inclusive" Angeboten wirbt und so die Gäste ihren Schlummertrunk auch nicht mehr in den Lokalen des Ortes einnehmen. - Wer aber von außen kommt, und das hat man früher gerne mal gemacht, eben auf ein paar "cañas" (Fassbier) an den Strand, der muss halt damit rechnen, dass er auf der Rückfahrt nach Los Llanos oder El Paso nun kontrolliert wird. - So bleiben viele Menschen lieber zuhause oder besuchen die Etablissements der nahen Umgebung, sehr zum Nachteil solcher Siedlungen wie Puerto de Naos. - Allerdings kann man sich kaum vorstellen, dass die Gemeinde Los Llanos diesen Dienst freiwillig anbietet, schließlich fehlen ja dann die Stadtpolizisten für die anderen Aufgaben die man in der Stadt zu erledigen hat und man wird auf die Dauer über Neueinstellungen sprechen müssen. - Man kann also davon ausgehen, dass zumindest Teile des, durch die Kontrollen "erwirtschafteten" Geldes auch wieder in die Gemeinde fließen, sonst hat man ja schließlich nichts davon. - Allerdings schweigt man sich über diesen Umstand aus, aber man darf sich seinen Teil dabei denken. - Global denken, lokal trinken, so ist das inzwischen geworden auf La Palma…



Sonntag 22.06.08 - 09:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 18 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 76 % Luftdruck 1018 hPa

Rette sich wer kann

Im harten Brot der Lokalpolitik verschwimmen Ideologien recht schnell vor lauter notwendigem Pragmatismus, ganz besonders wenn man eigentlich gar keine Ideologie hat. - Auf der Suche nach einer neuen Partei, obwohl diese kein Mensch braucht, denn die Parteienlandschaft ist hier auf La Palma bereits abgegraben, entwickeln sich immer mal wieder neue Gruppierungen, die meist nur wenige Jahre des Lebens vor sich haben. - So scheint das Projekt INPA (Iniciativa por La Palma), bei den letzten Kommunalwahlen, sein wenig illustres Ende gefunden zu haben, nachdem man im Jahr 2003 noch mit Achtungserfolgen glänzen konnte. - Letztes Jahr tauchte nun die CCN (Centro Canario Nacionalista) als Partei der Mitte auf, ganz ohne Skala und Vorstellung, wo die Mitte denn überhaupt sein könnte. Allerdings tritt die CCN wie die INPA nicht nur auf La Palma in Erscheinung und hat mit dem Sponsor und Vorsitzenden Ignacio Gonzales, einem schillernden Geschäftsmann auf Tenerife, zumindest reichlich finanzielle Unterstützung. - Auch die CCN brillierte in den letzten Kommunalwahlen mit Achtungserfolgen, blieb aber weit hinter den eigenen Erwartungen zurück, nachdem man einen äußerst progressiven und teuren Wahlkampf betrieben hatte.

Zurück in der Realität, also im schweren Alltag der bedeutungslosen Opposition, erweist sich die fehlende Ideologie aber immerhin als Möglichkeit mit anderen "Randgruppen" zu kuscheln. - So weiß man im Lager der CCN recht gut, dass man so alleine nicht weitermachen kann, sondern den Schulterschluss mit anderen Parteien finden muss, um bei den nächsten Kommunalwahlen nicht wieder in der bodenlosen Suppe des ausgelaufenen Protestes versinkt. - Denn eines ist beiden Gruppierungen gemein, sie rekrutierten sich zumeist aus übergelaufenen Abweichlern anderen Parteien. - So sammelte die INPA unzufriedene Sozialisten um sich und die CCN machte das gleiche auf der anderen Seite, die nahm der bürgerlichen Partido Popular manche Köpfe aber auch Sympathisanten ab. - Nach unfruchtbaren Annäherungsversuchen seitens der CCN zuerst an die NC (Nueva Canarias), später an die CC (Coalición Canaria), sucht man nun den Schulterschluss auf La Palma mit der INPA, ganz egal, dass man eigentlich politisch aus dem entgegen gesetzten Lager stammt, wer als kleine Protestpartei überleben will, der muss zu allererst den Protest weglassen und dann fusionieren, bis man genügend Meinungsträger und gewichtige Köpfe und Figuren in seinen Reihen hat. - Wer meint, das ginge nicht, dem darf man nur die, äußerst erfolgreiche Gruppierung Coalición Canaria als Beispiel nennen, auch da formten kleine Grüppchen, genährt sogar von Separatisten, eine äußerst virtuose Interessengemeinschaft, die bis heute völlig ohne Ideologie auskommt. - Natürlich gibt es Abnutzungserscheinungen, welche wohl bei den nächsten Wahlen zu einem Regierungswechsel führen werden, allzu lange kann man Lobbyisten alleine nicht regieren lassen, irgendwann merkt das Volk so was auch. - Mit wem die dann wieder fusionieren, um nicht komplett von den Fleischtöpfen der Macht verwiesen zu werden, das erfahren wir in den nächsten Jahren. - Immer vorausgesetzt, es kommt keine plötzliche Ideologie aus der unendlichen Tiefe der Lokalpolitik geschwommen.



Samstag 21.06.08 - 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 24 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 64 % Luftdruck 1016 hPa
Höchsttemperatur heute 24,6 Grad - niedrigste Temperatur 16,0 Grad

Sockenmemory

Mit Verdächtigungen soll man vorsichtig sein, zu schnell verwandelt sich eine lückenhafte Indizienkette in einen angeblichen Beweis, der Sockendauerdienst ICS (Instituto de Calzetines Sequestrados) El Paso muss also noch weiter ermitteln. - Immer, wenn andere Familien in trauter Sommerrunde zusammensitzen, und vielleicht solche Gemeinschaft stärkenden Unternehmungen durchführt wie Linsen aussortieren, Briefmarken ordnen, Stringtangas klöppeln oder auch Geld zählen, nehmen wir uns erneut das sagenhafte Sockenmemory vor, welches von Monat zu Monat schwieriger wird. - Es handelt sich dabei um die interfamiliäre Zusammenführung von vereinsamten Socken, wer zwei zusammenpassende findet, der darf diese nicht nur behalten, sondern bekommt noch eine dritte Socke als Auswechselspieler obendrein. - Daraus ergibt sich vielleicht auch die Tatsache, dass wir ausnahmslos lange Hosen tragen, bis unten hin geschlossen, so erkennt man unsere gesockte Armut nicht. - Allerdings ist inzwischen der Sockenschwund alarmierend angestiegen, der Familienrat hat somit, mit nur einer Gegenstimme, der von Paul, beschlossen, dem infamen Verbrechen des weiteren und unkontrollierten Sockenentzuges deutlichen und robusten Einhalt zu leisten. - Es gibt Handlungsbedarf, irgendwer hier spielt die Socke des Bösen mit uns und so trauen sich manche Fußbekleidungsstücke schon gar nicht mehr aus den Schränken heraus und heute, bei 24 Grad habe ich meine Kinder doch tatsächlich bereits bar befußt erwischt.

Drei prinzipielle Verdächtige haben wir da. - Zunächst mal Emma, das ist die Waschmaschine, der traue ich persönlich alles zu, allerdings meint meine Frau, ich sei da voreingenommen, weil ich vor diesem weißen Monstrum in unserem Bad deutliche Minderwertigkeitskomplexe aufweisen würde. - Gut, immer wenn ich mal waschen muss, dann ist das Ergebnis nicht wirklich befriedigend und es kann schon sein, dass ich da etwa befangen bin. - Zweiter Verdächtiger ist Erwin, meist auch Arturito genannt, der neue, kleine Wadenbeißer unseres Nachbarn, den wir schon öfter mit irgendwelchen Kleidungsstücken, auch Socken im Mund erwischt haben. - Allerdings hat er sich bislang nur an den Fußkleidern unserer Urlaubsgäste gütlich getan, mit unserem Sockenmaterial konnten wir die kleine Presswurst noch nicht stellen. - Die andere Hündin, Margarita klaut keine Socken, sondern nur Würste, aber das ist ein anderes schwebendes Verfahren und darüber darf ich im Moment nicht sprechen. - Dritter Verdächtiger ist Antonio, unser Nachbar seit nun genau 30 Jahren. - Nun werden Sie fragen, wie können wir darauf kommen einen so aufrichtigen und friedlichen Nachbarn des infamen Sockendiebstahls zu verdächtigen. - Nun, da kommen wir zu der berühmten und bereits genannten Indizienkette, wir haben ja festgestellt, es fehlt immer nur eine Socke. - Also muss man nicht nur die Frage nach Alibi und Gelegenheit stellen, sondern vielleicht auch die Frage nach dem Motiv, wer kann denn einzelne Socken brauchen. - Nun können aber Menschen eigentlich nichts mit nur einer Socken anfangen, außer der Familie Siebold, aber Antonio hat vor an die 25 Jahren bei einem Unfall ein Bein verloren und ist seit dem auf der Suche nach dem berühmten einen Schuh und eben auch der einen Socke.

Noch während der komplette Überwachungsapparat des "ICS" in aller Robustheit angelaufen ist, Abfangen aller E-Mails, Verwanzung selbst des Spülbeckens, Video-Überwachung der Schlaf- und Ankleidebereichs, sowie einer genauen Durchsuchung des gesamten Vorlebens, denn erschwerend kommt hinzu, Antonio stammt ursprünglich aus Gran Canaria, versaut uns Inspektor Zapatero die ganze schöne Indizienkette. - Eine Nachfrage hatte ergeben, Antonio trägt überhaupt keinen Socke und schon gar keine Socken. - Also alles für die Socke oder die Katz, aber immerhin wir können uns nun mit voller Kraft auf Emma und Erwin konzentrieren. - Letztgenannter entzieht sich allerdings immer wieder dem Beobachtungsfeld aber nach Absuchen aller bekannten Verstecke der kleinen Bellratte, konnten wir lediglich Socken der Marke Falke-Sport sicherstellen und dabei handelt es sich um die bereits angesprochenen Gästesocken, aber nicht um unser Eigentum. Weiter fanden wir noch gebrauchte Unterhosen mit Schleifspuren und trotz wochenlangen Aushangs im Rathaus, hat sich der Bestohlene noch nicht gemeldet. - So kommen wir wieder zurück zu meinem Lieblingsfeind - Emma. Ich weiß, nur weil die Anderen es nicht waren, das erkennt weder Frau Salesch noch Ringellöckchen Hold als Schuldbeweis ein, aber so ganz unter uns, wir Männer wissen es doch, Waschmaschinen sind männerfeindlich bis über beide Schonprogramme eingestellt und fressen Socken sowohl aus Gemeinheit, wie auch aus Frust. - Bald schon verreisen meine drei Frauen wieder und ich bleibe alleine mit dem Kater und Emma hier zurück. - Dem Kater passiert nichts, das kann ich versprechen…


Die Socke des Grauens
Gilt auch für Sie, wer ein Sockenpärchen findet, der darf es behalten.



Samstag 21.06.08 - 10:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 80 % Luftdruck 1017 hPa

Scheich go home, das Geschäft machen nun wir

Glaubt man den Aussagen unseres charismatischen Inselpräsidenten, dann ist La Palma bereits im Jahr 2015 unabhängig vom Import fossiler Brennstoffe. - Eigentlich möchte man diesen charismatischen Mann immer nur umarmen, so einfach sind die Dinge und so schön, dass es eigentlich kein Wunder ist, dass der immer wieder gewählt wird. - Gut, der Alltag sieht anders aus, aber wer will schon den Alltag, die La Palma-Soap geht also weiter und im Jahr 2015 brauchen wir kein Erdöl mehr. - Man hat nun eine neue Studie vorgelegt, aus der hervorgeht, dass man im Jahr 2015 etwa 29% der benötigten elektrischen Energie aus nichtfossilen Brennstoffen gewinnen wird. - Jetzt wird der geneigte, oder zumindest aufmerksame Leser, diese gewisse Differenz zwischen 29 und 100% bemängeln und das ist wohl auch der "kleine Unterschied" zwischen unserem Alltag und den fröhlichen Pressemitteilungen unserer Inselregierung. - Dabei ist der Unterschied sogar noch viel größer, bedenkt man dabei, dass diese Studie sich nur auf die Produktion elektrischer Energie bezieht und den Kraftfahrzeugverkehr nicht berücksichtigt. - So muss man, wenn einem denn an Genauigkeit, oder vielleicht sogar Ehrlichkeit liegt, diesen Satz noch mal halbieren.

Keine Frage, dass man mit Photovoltaik und Windenergie hier auf La Palma kräftig elektrische Energie erzeugen kann. - In der Studie, welche übrigens von dem sehr pfiffigen und weitsichtigen Direktor für erneuerbare Energien hier auf La Palma, Pio Lorenzo vorgestellt wurde, besingt man aber nicht nur diese beiden Energiequellen, sondern geht auch auf die Stromgewinnung durch Strömungskraftwerke ein und lobt die Möglichkeiten unsere hydraulischen Vorräte zu nutzen und schließt auch geothermische Energiegewinnung nicht aus. - Letztere war ja auch mal mein absoluter Favorit, bis man uns mit einfachen aber überzeugenden Erklärungen klarmachte, dass die unterirdische Struktur der Insel, löchrig wie ein Tilsiter Käse und überall gefüllt mit Meerwasser, die Nutzung von geothermischer Energie absolut unrentabel macht. - Aber das ist ja wieder Alltag und alltags wird nicht gewählt. - So schön und edel diese Vorhaben sind, der ehrgeizige Plan La Palma unabhängig von den Scheichs oder des internationalen Rohstoffhandels zu machen, muss auch noch ganz andere Fragen beantworten, welche sich zunächst mal mit der Finanzierung beschäftigen.

Man macht da eine einfache Rechnung auf, ein Megawatt Leistung, erzeugt aus erneuerbaren Energiequellen setzt man grob mit 10 Millionen Euro an Kosten gleich. - Die Insel braucht etwa, nach dem jetzigen Stand, 50 Megawatt, in den Spitzen sogar mehr, also müsste man um die 500 Millionen Euro auf die Insel locken, denn eines ist klar, das sollen private Investoren machen. Das klappt natürlich nur, solange die Produktion erneuerbarer Energien so ein sattes Geschäft ist, mit Einspeisevergütungen, die dem Produzenten etwa das Dreifache des Preises garantiert, den man für konventionelle Energie aufwenden muss. - Bezahlt wird das von uns, dem berühmten Steuerzahler und man läuft langsam Gefahr, dass europaweit irgendwann so viel teuerer Strom produziert wird, dass man da Korrekturen vornehmen muss. - Ganz sicher darf man sich da also nicht sein und irgendwann, spätestens in 15 Jahren, müssen diese Anlagen eh sowieso ohne weitere Hilfen funktionieren. - Nun kann man ja sagen, bis dahin hat sich das eingesetzte Kapital eh verdreifacht und dann kann man die Anlagen stilllegen und nun ist wieder der geneigte Leser gefragt, und was dann? - Bis dahin ist der Preis des Erdöls wahrscheinlich eh schon so weit gestiegen, dass erneuerbare Energien auch ohne Hilfen konkurrenzfähig sind und man somit bloß eine Anleihe an die Zukunft genommen hat.

Nun gibt es aber noch einen wichtigen Punkt zu bedenken. - Photovoltaik ist sicher ein Renner, genau so wie die Windenergie, aber wir konnten ja alle schon mal feststellen, dass nicht immer die Sonne schein, besonders nachts nicht und auch der Passat nicht so ewig weht, wie wir das alle gerne hätte. - Dann sähe das so aus, dass wir bei Flaute und nachts keinen Strom haben, weil diese Form der Energiegewinnung keine gleichmäßige Leistung abgeben kann. - Man muss also Energie speichern und da gibt es mehrere Möglichkeiten. - Die Technik neue Akkumulatoren zu basteln schreitet zwar voran, ist aber einfach noch nicht so weit, elektrische Energie in dem Maße zu speichern, dass Regionen eine ganze Nacht und eine darauf folgende Flaute überleben könnten. - Eine andere Technik sieht vor, man pumpt tagsüber mit zusätzlich gewonnener Energie, Wasser in hoch gelegene Speicherbecken und sobald die Sonne oder der Wind nachlassen, lässt man dieses Wasser wieder ins Tal fließen und betreibt damit ein Wasserkraftwerk. - Gar nicht schlecht diese Idee, das bedeutet aber auch, dass wir, tagsüber oder bei starkem Wind, etwa die doppelte Menge an Energie erzeugen müssen die wir eigentlich brauchen. - Da wir ja wissen, dass Geld an sich nicht das Problem ist, muss man also die Summe von 500 Millionen Euro für die Selbstversorgung auf 1 Milliarde anheben, eben mal so im vorbeigehen, beim Knabbern von Peanuts. - Nun darf man aber fragen, wer baut, bezahlt und steuert diese Anlagen, die so aufwendig sind, dass wohl auch die Einspeisevergütungen keinen Investor dazu veranlassen werden, in dieses gemischte Energiekonzept sein Geld zu pumpen. - Und nun haben wir die Frage, mit was wir ab 2015 unser Autos, Schiffe und Flugzeuge antreiben immer noch nicht mal berührt. - Vielleicht sollten wir uns doch lieber setzen und auf die Kernfusion und Wasserstoff warten, oder einfach öfter mal zu Fuß gehen, mit dem Rad fahren und über das beste und absolut kostenlose Kraftwerk reden welches wir alle bereits zu Hause haben, das Stromspar-Kraftwerk.



Freitag 20.06.08 - 20:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 23 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 64 % Luftdruck 1017 hPa
Höchsttemperatur heute 24,2 Grad - niedrigste Temperatur 16,4 Grad

Die Wachstumsfrage

Die neuen Bevölkerungszahlen sind da und es scheint auf den Kanaren weiterhin ungebremstes Wachstum zu geben. - La Palma macht da wieder mal die Ausnahme, wir tänzeln um die 85.000 Einwohner und das schon seit dem Jahr 2001. - Mal ein paar Leutchen mehr, mal ein paar weniger. - Diese Zahlen, ermittelt vom "Instituto Canario de Estatistica", ziehen die Melderegister der Gemeinden heran und da gibt es immer die Unsicherheit einiger Karteileichen, viele die wegziehen, wohin auch immer, melden sich nicht ab, weil der Bürger an sich faul ist, bleiben aber oft noch viele Jahre dennoch im Melderegister. - Man bräuchte eine neue Volkszählung, eine die wirklich von Haus zu Haus Daten ermittelt, aber das ist teuer, unpopulär und auch die Gemeinden wollen das nicht wirklich, denn so manche Gemeinde braucht diese "virtuellen Bürger" ziemlich heftig, um ausreichende Mittel zu bekommen. - Allerdings verändert sich über die Jahre die Fehlerquote auch nicht, so dass man die Veränderungen schon deutlich mitbekommt, vor 10 Jahren haben sich genau so viele Menschen nicht abgemeldet wie heute, man kann also ziemlich sichere Vergleiche mit früher anstellen.

Mir ist dabei aufgefallen, dass in den letzten 20 Jahren, also von 1988 an, La Palma nur um 5.108 Bewohner zugelegt hat und das magere 6,3% sind. - In 20 Jahren! - Dafür, dass man allgemein auf den Kanaren von explodierender Überbevölkerung spricht und auch schon mal im Wahlkampf mit der Überfremdungsfahne weht, sind diese 6,3% ein echter Lacher und müssen La Palma deutlich von solchen Gedanken ausnehmen. Eine weitere Frage drängt sich dabei auf, wie man denn, anhand dieser Zahlen überhaupt noch die pharaonischen Zukunftspläne erklären will, mit denen man diese Insel in den allgemeinen Wachstumsrhythmus einbeziehen will. - Ein Flughafengebäude und Parkplätze, die größer sind als die in Tenerife, einen zweiten Hafen, aus dem kein Schiff fährt, eine Autobahn deren Notwendigkeit an eine wirkliche Bevölkerungsexplosion gebunden wäre und Mittel für weitere Infrastrukturen, die angesichts der nur noch minimal wachsenden Bevölkerung auf dieser Insel allesamt unnötig erscheinen. - Ich gehe sogar davon aus, dass die Zahl der Palmeros in den nächsten Jahren sogar noch abnehmen wird, da die deutlich schlechteren Geschäfte allgemein auf der Insel den Zuzug von Immigranten deutlich bremsen werden. - Hätten wir keine Immigranten, dann wäre die Bevölkerung schon geschrumpft, das mit dem Kinderkriegen ist inzwischen auch auf La Palma kein Volkssport mehr.

Auf den anderen Kanareninseln sieht das aber nicht so aus. - Die Zahlen sind wirklich interessant und zum Teil sogar dramatisch zu nennen. - Suchen wir uns erst Mal den mittleren Durchschnitt des Wachstums aller Kanaren in den letzten 20 Jahren, dann liegen wir bei 33%. - Im Jahr 1988 waren es noch 1.522.388 Canarios, heute sind es 2.025.951 residente Bürger auf den Kanarischen Inseln, wir haben die 2 Millionen-Marke also geknackt. 33% in 20 Jahren, mir fehlt dazu so ein bisschen der Vergleich oder auch das Gefühl, ob das nun sehr viel ist oder normal für eine Region die sich im Wachstum befindet. - Vergleicht man nun mal die einzelnen Inseln miteinander, dann kommen da aber wirklich Überraschungen zu Tage und Zahlen, die eine deutliche Sprache sprechen. - Also, die Bevölkerung auf La Palma ist mit Abstand die welche am langsamsten gewachsen ist, gefolgt von Gran Canaria, welches aber mit 20,7% auch gleich deutlich darüber liegt. Weiter von unten nach oben folgen La Gomera mit 28,6%, Tenerife mit 36,8%, El Hierro mit 42,8% und nun die Hammerinseln: Auf Lanzarote hat sich die Bevölkerung seit 1988 um 102% erhöht und auf Fuerteventura um sage und schreibe 172%. - Daraus ergibt sich auch der Faktor, dass La Palma vor 20 Jahren noch die drittgrößte der Kanaren war, nimmt man die Bevölkerungszahl als Maßstab, inzwischen aber auf die Position 5 abgerutscht ist, da Fuerteventura schon 95.000 Einwohner hat und Lanzarote bereits 133.000. - So ist La Palma eben und so sollte man mit dieser Insel auch umgehen. - Hier kann nur das gedeihen und erfolgreich sein, was langsam wächst und dabei meine ich ausnahmsweise mal nicht die Vegetation, sondern die Zukunftspläne für diese Insel, die eben aus einem kanarischen Durchschnitt gestrickt werden, der aber eben kein Maßanzug ist.



Freitag 20.06.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 16 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 75 % Luftdruck 1018 hPa

Wasserqualität

Das Wasserverteilungssystem auf La Palma ist mehrere Dokumentationen, viele Romane, manche davon in mehreren Teilen zu schreiben und Saga-verdächtig, mindestens eine Soap, aber auch diverse Dramen wert. - Ganz kurz, denn mehr Zeit bleibt nicht am frühen Morgen, das Wasser und damit der Reichtum dieser Insel befindet sich nach wie vor in privaten Händen und ist ein prima Geschäft. - Wer zur rechten Zeit seine Lizenzen erwarb nach Wasser zu bohren, dessen Familie lebt heute noch aus feuchtem Erbe und niemand gräbt wirklich daran, diese bemerkenswerte Situation grundlegend zu ändern. - Oberflächlich betrachtet scheint dieses System mindestens feudal zu sein, allerdings haben derart viele Bewohner dieser Insel Anteilscheine, auch Aktien genannt, der privaten Wassergesellschaften, dass kein wirklicher Druck entsteht, dieses System zu sprengen. - Was würde denn dann mit den teuren Anteilen geschehen, die wären dann ja wertlos und so schmurucheln wir hier weiter mit einem, ich glaube in ganz Europa, einmaligem System. - Oft kommt der Vorwurf, es gäbe eine "Wasser-Mafia" hier auf La Palma, aber ist stark übertrieben, es gibt Interessenlagen und sicher auch Klüngel, aber mafiöse Strukturen ziehen körperliche Gewaltanwendung bis hin zu Morden in ihr Kalkül ein und das ist hier deutlich nicht der Fall.

Es gibt aber, neben den privaten Verteilernetzen, die man leicht an den vielen galvanisierten Rohren in allen Größen erkennen kann, welche sich wie Adern über die Insel legen, auch ein öffentliches Verteilernetz, welches dezentral von den Gemeinden geführt wird. - Das nennt man "Gemeindewasser" oder "Agua del Ayuntamiento", wobei das nicht ganz richtig ist, denn auch die Gemeinden müssen das Wasser von den großen privaten Aktiengesellschaften kaufen, den Kommunen gehört nämlich, auch wenn die Galerie oder der Brunnen auf deren Grund liegt, das Wasser selbst nicht. - Aber das ist kein Grund dafür, dass man selbst mit dem "Gemeindewasser" auch noch Geld verdienen kann, so haben in den letzten Jahren vier lokale Korporationen ihren Wasserversorgungsdienst an den kanarenweit operierenden Dienstleister "Canaragua" vergeben. Das meist für 25 Jahre und im Gegenzug gibt es Zahlungen in Millionenhöhe, was bereits für die Sanierung mehrerer Gemeindehaushalte gesorgt hat. - Um diesen wässrigen "Kuchen" streiten sich gar drei Firmen, die bereits genannte und bislang einzige Firma, welche hier auf La Palma landen konnte die "Canaragua", sowie die "Valoriza Agua" (ein Unternehmen der Sacyr-Gruppe) und die "Aqualia". - Andere Gemeinden werden nachziehen, zu groß ist die Versuchung diesen aufwendigen Dienst zu privatisieren und dafür auch noch leckere Millionen zu erhalten. - Auch wenn so ziemlich jede Vergabe der Wasserlizenzen vor Gericht landet, denn die Verlierer geben sich so einfach nicht geschlagen, hat "Canaragua" nun in die Zukunft investiert und ein Labor für die ständige Wasserkontrolle hier auf der Insel errichtet. - Bislang mussten alle Proben, die übrigens täglich genommen werden müssen, nach Tenerife geschickt werden. - Man schient sich ja bei "Canaragua" so ziemlich sicher zu sein, auch die anderen Gemeinden zukünftig mit Wasser versorgen zu können, sonst hätte man diese Investition wohl nicht getätigt. - Auch wenn das Gemeindewasser nicht wirklich beliebt ist, ganz einfach durch die gesetzliche vorgeschriebenen Chlorung, jeder der Wasser hier gewerblich nutzt, muss dieses Wasser beziehen, aber auch die meisten Privathäuser haben inzwischen ihren Anschluss, so dass man sich wohl keine zu große Sorgen machen muss, Wasser ist in allen Bereichen auf La Palma (und nicht nur dort) ein prima Geschäft.



Donnerstag 19.06.08 - 17:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 73 % Luftdruck 1018 hPa
Höchsttemperatur heute 20,6 Grad - niedrigste Temperatur 16,4 Grad

Noch ein Tag bis Romika

Die Kinder fragen sich seit ein paar Tagen, warum sie denn eigentlich noch in die Schule gehen, denn seit diesem Montag kann man das wohl beim besten Willen nicht mehr als Unterricht betiteln. - Das ist immer so, die letzte Woche vor den großen Ferien, die bei uns wirklich groß sind, also drei Monate, dient nur noch der mehr oder weniger kontrollierten Auflösung des Lehrapparates. - Abschlussfeiern werden einstudiert, letzte Freundschaften besiegelt oder gebrochen, und jeden Morgen fällt das Aufstehen noch ein bisschen schwerer als unter der harten Schulzeit. - Die Abiturarbeiten sind nun auch geschrieben und nur noch morgen trennt uns von diesem göttlichen Zustand des weckerlosen Daseins. - Bei uns gibt es auch einen größeren Abschied, mit dem Wechsel der kleinen Tochter auf das "Instituto" (weiterführende Schule bis zum Abitur), verlässt unsere Familie damit endgültig die Schule Adamancasis, welche bei unseren beiden Töchter in den letzten Jahren den notwendigen Bildungsauftrag vollzogen hat. - Jetzt sind beide bei den "Großen" und schon wieder glaube ich, gerade eben hat sich eine neue Falte auf meiner Stirn gebildet. - Das passiert, die kommen plötzlich, immer wenn man kapiert hat, dass nun erneut ein Lebensabschnitt endgültig vorbei ist und es Zeit ist Abschied von lieb gewordenen Umgebungen zu nehmen.

Natürlich überwiegt die Freude über die nahen Ferien, aber dennoch fährt ein kleines Stückchen Wehmut auch durch meinen Sinn, denn in der Schule Adamancasis, so hieß übrigens eine Guanchen-Prinzessin, hat man hervorragende Arbeit geleistet und die meisten der dortigen Lehrer sind einem richtig ein Stück in die Familie gewachsen. - Immerhin hat man das Heranwachsen der Kinder mit den Lehrern geteilt, die waren oftmals mehr Stunden am Tag mit der Brut zusammen als man selbst und sind ein ganzes Stück mitverantwortlich dafür, dass aus Kindern erst junge Menschen und dann Erwachsene werden. - Da wiederum beschleicht mich ein sehr positives Gefühl, dieses menschlich warme und manchmal fast brutal nahe System der Kindererziehung auf diesen kleineren Schulen lässt man keinen so einfach fallen, bloß weil er gewissen Anforderungen nicht genügt. - Jeder kennt jeden, kein Lehrer kann sich in irgendwelcher Anonymität verstecken und auch die Kinder untereinander mussten lernen, wie man sich in eng abgesteckten Gruppen zu verhalten hat. - Es wäre unfair und sicher auch falsch, da bestimmte Lehrer oder die Direktion hervorzuheben, alle spielen ihren Teil in dem gelungenen Versuch mit, den Kindern mehr beizubringen als Lesen und Schreiben. - Da werden auch keine Pisa-Monster herangezogen, denen bereits in der sechsten Klasse der Elite-Lebensweg aufoktroyiert wird und die um dem Leistungsdruck zu bestehen bereits Beruhigungsmittel schlucken müssen. - Da ist alles dabei und jeder hat da seinen Platz, Lausbuben, Streber, Zicken, brave Mädchen, echte Hexen, Petzen und Sitzenbleiber. - So wie im richtigen Leben eben und mit all denen müssen wir umgehen und wenn es gut geht, sogar gerne. - Jetzt aber nur noch einen Tag bis Romika und dann werfen wir uns in die große, rahmenlose Zeit, die man Ferien nennt. - Warum Romika? - Das war immer mal ein alter Ausdruck von uns, kurz vor Feierabend oder eben den Ferien. - Sie kennen das nicht mehr diesen alten Werbespruch: Schuhe von Romika, reintreten und sich wohl fühlen. - Für Groblinge unter uns gibt es übrigens auch den Spruch: Der hat ein Romika Gesicht, reintre….



Hier noch zwischendurch eine fröhliche Nachricht für alle die nach La Palma wollen, die Winterflüge sind nun auch bei der Air-Berlin auf der Webseite endlich buchbar. www.airberlin.de


Donnerstag 19.06.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 16 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 75 % Luftdruck 1017 hPa

Wochenende der Fiestas

Die nächste Zeit wird es eng, die Sommerfiestas der einzelnen Gemeinden häufen sich derart, dass man, sowohl um die Volksgesundheit, wie auch um eine Publikumsspaltung fürchten darf. - Da stehen an: Los Llanos mit seiner zweiwöchigen Hommage an die Virgen de Los Remedios, selbstredend Schutzpatronin des Ortes, was der Fiesta auch den landläufigen Beinamen "La Patrona" gebracht hat. - Einer der Höhepunkte dieser ausschweifenden zwei Wochen, ist übrigens der Viehmarkt mit anschließender Paella-Schlacht, das findet allerdings erst nächsten Samstag statt, was die Möglichkeit dann doch wieder erhöht, dass die beiden anderen Gemeindefiestas noch Zuschauer finden. - Um diese buhlen nun Breña Alta mit ihrem "Patrón" San José, dem Apostel und Puntallana feiert seinen Lokalheiligen, den San Juan Bautista, den man im deutschen Sprachraum als Johannes den Täufer kennt. - Auffällig bei allen unsere Festen, die natürlich meist einen kirchlichen Hintergrund haben, ist die stark gewachsene Anzahl an Rahmenveranstaltungen. Wobei sich die ursprüngliche Anzahl von einem Gottesdienst pro Besäufnis und Tanzabend deutlich zu Ungunsten des klerikalen Ursprungs verschoben hat. - Ob das am reinen Pragmatismus unserer Basis der katholischen Kirche liegt, oder schlichtweg Brot und Spiele auch hier notwendiger denn je sind, das kann man ruhig dahingestellt lassen, aber ich möchte zumindest mal behaupten, dass man so einer Massenkonvertierung zum Islam am besten vorbeugen kann. - Vielleicht verkauft man das so auch dem Päpstlichen Nuntius, wenn man aus dem Vatikan mal wieder unser volksnahe Art der Devotion bemängelt.

Sollte nun der Eindruck entstehen, es ginge nur um den gezielten, wie massenhaften Umsatz von Alkohol, dann ist das natürlich nicht richtig. - Allerdings gehört der, meist von Landwirten der Umgebung oder den Rathäusern gestiftete "Rote" unbedingt dazu und Volkes Gunst kann auf Dauer nur der behalten, der einen guten Wein zur Fiesta bringt. - Diesen Samstag muss man sich also entscheiden, da bietet Breña Alta eine "Romería", also einen bunten Umzug mit geschmückten Karren durch die Gemeinde als Hauptattraktion und Puntallana kämpft dagegen mit einem Viehmarkt und dem Verkauf von lokalen landwirtschaftlichen Produkten. - Auch will man in der Nordost-Gemeinde am Samstag, das für den Ort so emblematische "Casa Luján" wiedereröffnen, als eine Art Museum für lokales Brauchtum, natürlich wie es früher war. - Ohne Nostalgie geht hier wenig, aber der ländliche Bereich unserer Insel kann auch nicht mit vielen anderen Dingen um Besucher buhlen und als Gast der Insel fände ich es schon interessant zu sehen, wie denn damals, wann immer das auch war, die Leute der Umgebung ihren Alltag erledigt haben. - Zehn Jahre nun soll dieses schmucke Haus bereits geschlossen sein, ich hätte wetten können, es seien weniger gewesen. - Natürlich möchte ich keine der Fiestas besonders hervorheben, da ich aus El Paso bin und dort an diesem Wochenende nur die großen Flachbildschirme mit Fußball in den Kneipen regieren, komme ich aber auch nicht in Gewissenskonflikte. - Für Puntallana meldet man aber auch noch einen internationalen und kulturellen Beitrag, dort befindet sich ja die mehrsprachige Bibliothek, die "BILA", allerdings mit deutschen "Untertiteln" und die hat sich für den "Día del San Juan" auch noch etwas Besonderes ausgedacht. HIER (Link entfernt, das nicht mehr aktuell) können Sie die Aktivitäten der "BILA" am kommenden Samstag auf deren Webseite nachlesen. - Frohe Feste!


San Juan in Puntallana
Die "BILA" und die Prozession



Mittwoch 18.06.08 - 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 90 % Luftdruck 1016 hPa
Höchsttemperatur heute 20,5 Grad - niedrigste Temperatur 18,6 Grad

Schafskälte, auch auf La Palma

Gut, so schlimm, dass man nun wieder die langen Unterhosen herausholen müsste ist es nicht, aber so ohne Jäckchen geht es die letzten Tage auch nicht auf unserer Insel. - Der dritte Tag nun, an dem so überhaupt kein Wind dafür sorgt, dass Ordnung in unserem Wetterbild entsteht und eine halbwegs normale Wettersituation, dem Juni entsprechend herstellen will. - Davor allerdings gab es schon Kaiserwetter im allerbesten Sinne, sanfter Nordostwind sorgte für Abkühlung und auch, dass die Wolken sich dort sammeln wo sie hingehören. - Ganz lustig dabei ist, auf den Wetterkarten kann man das überhaupt nicht verfolgen, besonders beim "GFS" (Global Forecast System), scheint bei uns ununterbrochen die Sonne und auch beim Luftdruck meldet man dort Werte um die 1020 Hektopascal und hier bei uns maßen wir 1014, also knapp vor einem Tief. - Da ist aber kein Tief weit und breit, nur ein ziemlich träges Hochdruckgebiet, welches einfach keinen Schwung aufnehmen will. - Man muss sich nur mal den, eigentlich nicht vorhandenen Unterschied von Höchst- und Niedrigsttemperatur ansehen, Profi-Verkäufer würden das als ausgeglichenes Klima unter die Leute bringen, ich betitle das mal als Schafswetter, denn Sauwetter wäre dann doch übertrieben.

Es regnete sogar ein paar Tropfen, nicht wirklich so viel, dass man einen Bewässerungsintervall auslassen könnte, aber eben genug um den gefürchteten Mehltau geradezu einzuladen, sich an den frischen Weinblättern zu laben und an den Tomaten und Zucchini. - Wohl dem, der da schon vorgesorgt hatte und den Schwefel schon reichlich über den Reben verstreut hat, wer nicht, der läuft nun klagend durch seinen Weinberg und versucht die Unterlassungssünden durch weitere Gaben des gelben Pulvers noch zu lindern. - Aber das ist halt so, die Inseln produzieren, wenn der Passat ihnen nicht das frische Lied des Atlantiks geigt, ihr ganz eigenes Wetter und sorgen dann auch mal für solche Kapriolen. - Allerdings ist dieses Wetter schon ungewöhnlich, war aber auch schon mal da, genau im Juni vor zwei Jahren passierte das gleiche sommerliche Pausenmalheur. - Morgen soll der Wind schon wieder ein bisschen reger werden, vielleicht reicht das ja dann schon aus, diese lästigen Wolken endlich aufzulösen und uns das Wetter zu bescheren, welches eigentlich im Juni dran ist.



Mittwoch 18.06.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 18 Grad, Niederschlag 1 mm Luftfeuchte 83 % Luftdruck 1015 hPa

Kunsthandwerksmesse in Tazacorte

So eine nette Angelegenheit und dennoch gibt es Ärger. - Es handelt sich dabei nämlich nicht um eine Leistungsshow der palmerischen Handwerker welche Kunst produzieren, sondern um die jährlich stattfindende Messe für alle Kanareninseln. - So dürfen wir dieses Jahr, genauer gesagt vom 13. bis 17. August, eine illustre Anzahl an Ausstellern begrüßen, welche eigentlich diese Show lieber auf Gran Canaria oder Tenerife sehen würden. - In der Tat, es gab und gibt reichlich Polemik bei der Entscheidung diese Messe auf La Palma abzuhalten. - Nicht, dass man uns nicht mag, aber unsere Insel ist halt klein und die Aussteller leben davon ihre Produkte zu verkaufen, die kulturellen oder gesellschaftlichen Aufgaben einer puren Präsentation sind halt einfach nicht gegeben. - Die Organisatoren der Messe, nämlich die Provinzregierung, sieht das aber anders und hat dem Cabildo auch schon das Geld überwiesen um diese Ausstellung durchzuführen.

Für La Palma eine tolle Sache, das wird sicherlich interessant für uns, da können wir mal mehr sehen als nur unsere eigenen Spitzenklöppler und Vogelkäfigbauer. - Aber es bleibt auch weiterhin umstritten, die "Feria de Artesanía de Canarias" auf einer der kleinen Inseln auszurichten und viele Aussteller haben auch schon damit gedroht, diese Messe zu boykottieren, da es sich in deren Augen nicht lohnt. - Es gibt halt einfach zu wenig Kaufinteressenten auf dieser Insel und man könne den, nicht gerade von wirtschaftlichem Aufschwung bedrohten Sektor nur damit unterstützen, in dem man ihm Plattformen für die Vermarktung der Produkte bietet und diese sieht man im beschaulichen Tazacorte einfach nicht. - Die Entscheidung ist aber gefallen, seitens der Provinzregierung bleibt man hart und weist auch darauf hin, dass es noch eine zweite Messe in diesem Jahr gibt, die "Expo Regional de Artesanía" und diese fände auf Gran Canaria statt, so dass man ruhig auch mal das Kunsthandwerk des gesamten Archipels auf einer der kleinen Inseln präsentieren könne. - So müssen wir mal abwarten, wie viele der Aussteller denn nun wirklich nach Tazacorte kommen wollen und ob wir nicht vielleicht doch ein kauffreudiges Publikum haben, welches den Aufwand lohnend macht, seine Kunst bis nach La Palma zu schleppen.



Dienstag 17.06.08 - 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad, Niederschlag 1 mm Luftfeuchte 86 % Luftdruck 1014 hPa
Höchsttemperatur heute 20,9 Grad - niedrigste Temperatur 19,4 Grad

Drachenrückflugtag im Residentenbomber

Was ein Drachenflugtag ist, das muss ich auch jedes Jahr aufs Neue erklären. - Man nennt so den Reisetag residentialer Frauen, die aus welchen Gründen auch immer, diese Insel temporär verlassen müssen und in das Land ihrer Heimat fliegen. - Mir geht das jeden Sommer so, da ziehen meine drei Frauen ein paar Wochen ab und lassen mich einsam, verlassen und unterernährt zurück. - Aber die machen das aus dem einzig guten Grund, den es gibt, La Palma zu verlassen, die machen Urlaub in Deutschland, was anderes können wir uns eh nicht leisten… Jetzt, so zwischendurch musste meine Frau auch noch mal eine Woche weg, der Grund dafür ist völlig egal und heute endlich ist sie wieder gekommen. - Ich fahre ja ungern zum Flughafen, nicht nur weil der, aus meiner einfachen Sicht auf der falschen Seite liegt, sondern weil ich mir da immer diesen Gigantismus ansehen muss, man meint ja unbedingt, den Flughafen La Palmas größer wachsen zu lassen als den auf Tenerife. - Aber für die eigene Frau, um diese abzuholen, da fährt man doch schon mal so weit und es ist doch für ein freudiges Ereignis, bedeutet das doch auch, dass es ab morgen wieder warme Mahlzeiten und saubere Wäsche in unserem Haushalt gibt.

So steht man da, natürlich wie immer zu früh und wartet auf die, die da aus der Condor Maschine aus Düsseldorf steigen und guckt sich so die Leute genauer an. - Bis das Gepäckband die letzen Koffer endlich hergibt dauert das so seine Zeit, der Koffer meiner Frau ist sowieso immer der Letzte, das ist gute Tradition bei uns. - In der Maschine waren auch Gäste der Insel, also Touristen, die Mehrzahl aber die aus dem Flugzeug stieg waren Residentenfrauen, locker durchsetzt, so wie magerer Speck, mit ein paar männlichen Exemplaren dieser Rasse. - Das kann ja auf die Dauer dann nicht gut gehen, wenn die hin und herreisenden Resis den Gästen die Plätze auf den paar bezahlbaren Flugverbindungen auch noch wegnehmen, so ist der weitere Ausbau des Tourismus auf La Palma doch nicht möglich. - Gut, ich gebe es zu, ich hätte den Platz meiner Frau auch nicht verscherbelt an einen Gast, der vielleicht noch kommen wollte, Restegoismus kann so gesund und vor allem magenfüllend sein. - Man kannte sich also da am Flughafen, an die 30 mehr oder weniger ausgemergelte Männergestalten teutonischer Herkunft und alle warteten auf die glückliche Rückkehr ihrer Frauen, die dann auch Stück für Stück aus der Schiebetür gefahren kamen. - Küsschen - Küsschen heißt es dann, noch schnell in die Runde der bekannten Gesichter gegrüßt und bloß schnell weg, sonst wird man noch gefragt warum man auch hier am Flughafen ist, obwohl das doch ganz klar ist. - Dienstag um 11:00 Uhr, da landet die Condor aus Düsseldorf, inzwischen Residentenbomber genannt und wir sollten, angesichts der so miesen Zahlen im touristischen Umfeld überlegen, ob man diesen Reisedrang der Residenten nicht mal kontingentieren sollte. - Oder gleich eine komplette Maschine chartern, Dragon-Fly, oder Resi-Air, aber Maschinen mit doppeltem Frachtraum oder gar Anhänger, damit die vielen unabdingbaren Mitbringsel auch noch in das Flugzeug passen, Sie wissen ja, Harzer Käse, Rollmöpse, Gartenhäuser, Laubsauger oder deutsche Vollwertbesen, also all die wichtigen Dinge, ohne die man hier niemals auskommen kann.


Residentenbomber



Dienstag 17.06.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad, Niederschlag 2 mm Luftfeuchte 83 % Luftdruck 1014 hPa

Mit fremden Federn

Randnotizen möchte man meinen, aber eben auch ein bisschen symptomatisch für gewisse Abläufe in unserem politischen Alltag. - Wer soll das bezahlen, wer hat so viel Geld, heißt es da oft genug und man klappert da alle vier öffentlichen Stellen ab, um Finanzierung für dieses oder jenes Projekt zu erfahren. - Immerhin können, sowohl die Gemeinden, die Inselparlamente, das Provinzparlament wie auch Madrid die Geldhähne öffnen und so Gelder im Gemeinsinn über der Insel ausschütten. - Man muss schon genau hinhören oder lesen, wie denn nun die eine oder andere Investition zustande gekommen ist und wem man denn Danke sagen soll, dass er Steuergelder wieder an die Gemeinschaft zurückgibt. - Dabei kommt es auch öfter mal vor, dass sich gewisse Korporationen mit fremden Federn schmücken und Investitionen ihrem eigenen Handeln zuordnen, obwohl das Geld aus anderen Quellen geflossen ist.

So meldet die Inselregierung stolz, dass man nun weitere Schritte unternehmen kann, um die öffentliche Beleuchtung La Palmas den Regeln des "Himmelsgesetzes" anzupassen. - Da wir ja eines der größten und leistungsfähigsten astrophysikalischen Observatorien der Welt auf unserer Insel beherbergen dürfen, musste man sich im Gegenzug dazu verpflichten, so wenig Licht wie möglich in den nächtlichen Himmel zu schicken, um die Arbeit der Wissenschaftler nicht zu behindern. - Dazu nutzt man bestimmte Laternen, deren Lichtabstrahlung einzig nach unten gerichtet ist, eine Qualität, die ich im Übrigen eigentlich von allen Straßenbeleuchtungskörpern erwarte. - Das scheint aber nicht so zu sein, es gibt wohl Hersteller der Laternen, welche sich eher um die großzügige Beleuchtung von Glühwürmchen spezialisiert haben und diese muss man nun entsprechend anpassen. - Da rühmt sich nun die Inselregierung vor etwa zwei Wochen, knapp über eine Million Euro zur Verfügung gestellt zu haben, alles im Dienste der Wissenschaft und so als weiterer Beweis für die progressive Handlungsweise unserer Lokalregenten. - Nun klärt die streitbare Oppositionsführerin der Sozialisten, Mercedes Coello allerdings auf, dass man sich da mit fremden Federn schmücke, das Geld käme zu 100 Prozent von der Zentralregierung in Madrid und die Inselregierung hätte lediglich die ehrenwerte Aufgabe, diese Mittel zu verteilen. Fremde Schuhe passen nicht, noch weniger fremde Kronen oder gar Krücken. - Weder der kleine, noch der mittelgroße Mann auf der Straße erfährt das aber originalgetreu und manchmal habe ich auch das Gefühl, das interessiert ihn auch gar nicht. - Da ist die Erkenntnis, dass Córdoba wohl doch nicht in Österreich liegt, augenscheinlich viel interessanter.



Montag 16.06.08 - 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 23 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 73 % Luftdruck 1016 hPa
Höchsttemperatur heute 24,2 Grad - niedrigste Temperatur 18,6 Grad

Flagge zeigen

Auf Grund des, manchmal zweifelhaften Segens des Satellitenfernsehens, sind wir ja jederzeit auch mit den deutschen Massenmedien verbunden. - Seit dem ja bereits sprichwörtlichen Sommermärchen von vor zwei Jahren, als die deutsche Fußballnationalmannschaft so erfolgreich das Weltmeister-Turnier bestritten hat, neigt man ja inzwischen auch in deutschen Landen dazu mit bunten Flaggen seine fröhliche Zugehörigkeit zu demonstrieren. - Das ist nicht nur schön und bunt und erlaubt, für Deutschland aber wohl auch ein neuer Akt der kollektiven Begeisterung, die man ja sonst lieber ohne Nationalflaggen begangen hat. - Ich erinnere mich noch, in Teilen gerne, an die Sommerferien in meiner Schulzeit, als wir mit ein paar Mark und einem "Interrail-Ticket" bewaffnet mit dem Rucksack durch Europa reisten. (Falls Sie so jung sind und nicht wissen was Interrail ist, fragen Sie Ihre Eltern.) - Das war ein lustiges Treffen ganz vieler Jugendlicher aus Europa und sogar aus Übersee und alle hatten auf ihrem Rucksack die Fahne ihres Herkunftslandes aufgedruckt oder aufgemalt, nur die Deutschen nicht. - Da stand entweder gar nichts auf dem Rucksack, oder maximal Germany, aber auch keinen Fall Deutschland, unsere Generation wurde so erzogen, dass man nicht mehr mit Nationalflaggen durch Europa zieht. Wir fanden das damals normal, wunderten uns ein bisschen über den so offen getragenen Stolz der Franzosen und besonders der Kanadier, die wohl in ihrer Heimat überhaupt keine Rucksäcke ohne Ahornblatt verkauft haben. - Das Fehlen der deutschen Flagge war auch kein Hindernis, jeder wusste sofort, dass man aus Deutschland, Germany, Alemania oder Germania kam, eben weil keine Flagge am Rucksack hervorstach.

So war das Jahr 2006 vielleicht auch ein bisschen diese Befreiung für Deutschland aus dem "Flaggenkomplex", endlich gleichberechtigt feiern dürfen, das zeugt schon von ausgeprägtem Selbstbewusstsein. - Am schönsten fand ich ja die Bilder, die junge Türken zeigten, welche in der dritten Generation in Deutschland bereits lebten und vorsorglich deutsche wie türkische Flaggen in die Abendwärme schwenkten. - So habe ich mir funktionierende Integration immer vorgestellt, man muss seine Herkunft nicht verstecken, auch die vielleicht andere Kultur nicht, darf und soll sich aber seinem jetzigen Aufenthaltsort ruhig positiv gegenüber positionieren. So lange es eine Nationalflagge und keine "Nazionalflagge" ist, darf doch jeder stolz zeigen, wo ihn der genetische Zufall denn auf diese Welt geworfen hat. - Hier macht man das gar nicht, keine Autokorsos, keine Hupkonzerte, kein "öffentliches Gucking" und schon gar keine Flagge an den Autos, wen will man denn damit auch schon beeindrucken? - Dabei sind wir hier natürlich noch Fußball-verrückter als in Deutschland und, wenn ich das richtig verstanden habe, auch kundiger, aber dafür sich eine Flagge ans Auto zu binden, dazu müsste man schon Weltmeister werden. - Nun kann man ja bei einer Europameisterschaft nicht Weltmeister werden, obwohl mir da auch wieder die erfahrensten Fußballkenner weiß machen wollen, diese Europameisterschaft sei sogar mehr Wert als eine Weltmeisterschaft, dennoch hält sich die Stimmung nach den beiden ersten Spielen für Spanien in ganz normalen Bahnen.

Mag sein, dass man auf dem Festland eher Flagge zeigt, hier auf den Kanaren ist man ja nicht so wirklich ganz spanisch, sondern nur pragmatisch wenn es Vorteile bringt, ansonsten reicht die kanarische Fahne schon aus um Zugehörigkeit auszudrücken. - Überhaupt, geflaggt wird eh nur an Feiertagen und das hat dann immer etwas Theatralisches an sich, nicht diesen fröhlichen Unterton, den bunt bemalte Fußballfreunde in die Runde grölen. - Warum erzähle ich Ihnen das überhaupt, ganz einfach, weil ich heute doch ein Auto gesehen habe, deren Insassen unbedingt zeigen wollen, woher sie kommen und für wen sie sich begeistern. - Dem Auto hat man dann auch schon hinterher geguckt und erst bei der zweiten Begegnung ist es mir gelungen, ein Photo davon zu machen, zu fremd wirkt das hier auf uns. - Dabei weiß ich ja immerhin noch um den Umstand, dass so was im "Resteuropa" durchaus zum normalen Ablauf einer solchen Sportveranstaltung gehört, das wissen Pedro und Juanita-Normalberbraucher aber nicht und so kommt es schon zu fragenden Blicken. - Fragend, nicht ärgerlich oder gar ablehnend, dafür gibt es keinen Grund. - Na ja, vielleicht aber bald, falls es dann doch mal zum Duell Spanien-Deutschland käme, aber dazu müssen die "Alemanes" zuerst die Österreicher heute Abend besiegen. - Natürlich werde ich mir das Spiel auch ansehen, alleine schon um meine Kinder nicht zu verwirren, was das denn soll, ein Mann der keinen Fußball mag… - Aber eigentlich bräuchte ich erst gar nicht zu sehen, ich müsste morgen Früh nur gucken, ob denn die Flagge noch an dem besagten Auto weht, da steckt nämlich eine Deutsche Flagge auf dem Dach und das ist mir dann doch schon eine Geschichte wert. - Und nicht einfach nur, weil es sich um eine Deutsche Flagge handelt, sondern um die Einzige überhaupt, die momentan über die Insel kutschiert wird.


Flagge zeigen, auch auf La Palma



Montag 16.06.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 19 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 74 % Luftdruck 1017 hPa

Der Krieg der Möpse

Die Ernährungsgewohntheiten anderer Völker und Kulturen haben immer wieder zu wunderbaren Entdeckungen geführt, allerdings auch zu dem einen oder anderen Stirnrunzeln. - So ist dem Muselmanen wie dem Juden immer noch unverständlich bis abscheulich, dass wir Freidenker ebenso herzhaft in ein Stück Schweinefleisch beißen können wie in das einer Kuh, wohingegen der Hindu sich daraufhin erschreckt abwendet und von unappetitlichem Rinderkanibalismus spricht. - Ist doch schön, dass unsere parallelen Welten hier auf La Palma nicht derart kompliziert sind und sich kulturelle wie religiöse Unterschiede dagegen eher minimal darstellen. - Es soll sogar deutsche Katholiken geben und solche die unsere kindliche Verehrung der vielen Jungfrauen teilen, die meist ein ziemlich langweiliges Leben in unseren Kapellen und Kirchen absitzen müssen. - Dennoch gibt es grade im ernährungstechnischen Bereich echte Unterschiede, sie sogar bis hin zum konfrontierende Missverständnis gereichen. - So findet Pedro Normalverbraucher reifen Harzer Käse schlichtweg als ungenießbar und wir wundern uns immer wieder, wie denn ein höchst zivilisiertes Land, (ich habe ja nicht geschrieben kultiviertes Land), augenscheinlich verdorbenen Lebensmitteln sogar noch Gütesiegel verleihen kann.

Ich erinnere mich noch sehr gut an einen Vorfall, als ein solcher, in Ehre und Gestank gereifter Harzer Käse, als ein gut gemeintes folkloristisches Mitbringsel an einen lokalen Politiker überreicht wurde, was zur Folge hatte, dass die erwartete Baugenehmigung doch nicht erteilt wurde. - Es kann auch an etwas anderem gelegen haben, man spricht nicht mehr gerne darüber, aber irgendetwas stank einfach an der Sache und es kann auch der Käse gewesen sein. - Eigentlich nur gut, dass die vielen Fleischskandale und Gammel-Döner Geschichten nicht den Weg bis in die hiesige Presse gefunden haben, man würde die große Schar der deutschen Feinschmecker hier auf der Insel vielleicht doch wieder mit andern Augen betrachten. - Manchmal sind wir aber auch böse und machen uns ein bisschen lustig über das Ernährungsverhalten der Germanomigranten. - Nicht nur, dass diese besonders geforderten Importwaren reichlich teuer angeboten werden, manchmal verknappen wir den Nachschub auch ein wenig, ganz einfach um die Spannung aufrecht zu erhalten. - Des Deutschen liebster Fisch scheint ja der Rollmops zu sein und es ist gar nicht so einfach einem Palmero zu erklären, warum es gerade roher Hering sein muss, dieser auch noch sauer wie Essig ist und unbedingt gerollt sein muss, so dass man mit den klammen Fingern auch vorher noch ein Holzstäbchen entfernen sollte, damit sich dieser versteckte Haken nicht wie ein später Racheakt aller geangelter Fische in den Rachen des Gourmands bohrt. - Es gibt hier durchaus Rollmöpse zu kaufen, in hervorragender Qualität zwar zu einem Preis der eher an Lachsröllchen erinnert, aber immerhin, ich vermute mal, dass es in deutschen Supermärkten keinen Mojo und Bienmesabe gibt, eben für hiesige Lebensverhältnisse unverzichtbare Dinge. - Mit den Rollmöpsen aber, da gibt es einen Haken, die gibt es nicht immer und wenn dann wieder mal eine Lieferung die strengen Lebensmitteleinfuhrkontrollen übersteht, dann kommen immer nur 6 Gläser und keines mehr. - Wer dann zuerst kommt, der mopst zuerst und die anderen 1.994 Deutschresidenten auf der Westseite müssen in den saueren Apfel beißen, weil sie den sauren Fisch nicht ergattert haben.

Wo es sonst schon mal Solidaritätsanrufe gibt, wenn wieder eine Lieferung Schattenmorellen eingetroffen ist oder endlich die Versorgung mit Grünkohl im Glas wieder hergestellt ist, so herrscht über das Erscheinen der 6 Gläser Rollmops absolutes Stillschweigen. - Man könnte das auch völkischen Futterneid nennen, denn es gibt schon Anrufe, aber die lauten dann eher so: "Du, gestern gab es wieder mal Rollmöpse und ich habe mir gleich zwei Gläser gekauft, das waren allerdings die letzten, soll ich dir mal erzählen wie die Möpse geschmeckt haben?" - Es gibt Berichte von schwerem Einbruchsdiebstahl in sonst so gesitteten Migratorensiedlungen, in denen einzig und allein gewisse Intarsien aus dem Kühlschrank entwendet wurden, aber die Guardia Civil diesen perfiden Mopsraub nicht verfolgen will, weil nach palmerischem Verständnis die Entziehung saurer Fische nicht als Diebstahl zu begreifen ist, sondern als akute Schutzmaßnahme verstanden wird. - Es sollen auch bereits schon Sitzstreiks vor dem Kühlregal stattgefunden haben, entrüstete Germanen haben sich dort mit Campingstühlen niedergelassen und warten so auf die kommenden Lieferung von Rollmöpsen. - Man kann sich übrigens auch in die Warteliste eintragen lassen, Nichtraucher und Skatspieler werden bevorzugt, aber immer nur 6 auf einmal werden eingelassen. - Nein, nicht weil man so zwei Skatrunden aufmachen kann, sondern weil einfach wieder nur 6 Gläser kommen werden und Prügeleien vor dem Kühlregal im Supermarkt unschick sind. - Gut, dass das alles nur aus der Luft gegriffen ist, oder einfach nur eine infame Schauergeschichte von einem, der wieder mal kein Glas Rollmöpse ergattern konnte.



Sonntag 15.06.08 - 17:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 24 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 68 % Luftdruck 1018 hPa
Höchsttemperatur heute 24,6 Grad - niedrigste Temperatur 16,6 Grad

Streik der LKW-Fahrer bringt Schwung in die lokale Entwicklung

Wenn es etwas Positives über den Streik der LKW-Fahrer zu berichten gibt, dann ist das vielleicht die Tatsache, dass sich noch mehr Menschen Gedanken über die schwerwiegende Abhängigkeit unserer Insel von der Versorgung von außen machen. - Hätte der Streik umfassender gewirkt, also auch die großen Speditionen mitgemacht, dann könnten wir heute bereits Versorgunglücken spüren. - Sicherlich werden wir nicht hingehen können und von erreichbarer Autarkie sprechen, das wird sicher nicht gelingen, wir haben hier keine Industrie und werden wohl auch keine bekommen, so dass wir sicher auch weiterhin am Tropf der großen weiten Welt hängen werden. - In ganz vielen Bereichen macht es auch keinen volkswirtschaftlichen Sinn, gewisse Dinge selbst zu erzeugen, da ist vernünftige Abwägung gefragt. Allerdings gibt es einige Bereiche, in denen sich es lohnen würde man darüber nachzudenken, ob wir dieses oder jenes Gut wirklich teuer und treibstoffintensiv zu uns bringen müssen, wir könnten das ja auf der Insel selbst produzieren. - Dazu gehört übrigens auch die Energie und da hat man ja, allerdings angefeuert durch die enormen Einspeisevergütungen, bereits Anfänge gemacht. - Ein 1 MW Photovoltaik-Anlage bei San Nicolas in El Paso ist fast fertig für den Betrieb und bei Tijarafe will man mit dem Bau einer 2 MW Station beginnen. - Das ist zwar noch nicht viel und löst auch noch nicht das grundsätzliche Problem, dass Photovoltaik den entscheidenden Nachteil hat, nachts einfach keine Energie zu produzieren, aber es ist ein Anfang.

Viel einfach wäre eine höhere Rate an Selbstversorgung natürlich in der Landwirtschaft zu erreichen, da haben wir bereits größte Erfahrung und auch die notwenigen Flächen und das erforderliche Wasser. - Konkret hat nun auch die Vereinigung der Landwirte La Palmas, die Asociación de Agricultores y Ganaderos de La Palma (ASPA), bei der Inselregierung angemahnt, die Molkerei bei El Paso doch endlich in Betrieb zu nehmen, so könnte man auf dem Sektor der Milchherstellung und Verarbeitung weite Schritte zu mehr Unabhängigkeit wagen und auch der Haltung von Milchvieh, seien es nun Kühe, Ziegen oder Schafe, bessere Aussichten verschaffen. - Dazu will man endlich ein Treffen mit den politisch Verantwortlichen in der Inselregierung haben, die schieben das aber ein bisschen von sich weg, wohl wissend, dass noch einiges an Investitionen nötig sind, um die Molkerei auch wirklich zu betreiben. - Aber auch wieder hier das Wort "immerhin", es entsteht nun wieder gewisser Druck, welcher vielleicht dann wirklich mal zum Erfolg führt. - Zumindest seitens der Landwirte ist man sehr um die Molkerei bemüht und wenn man sich vorher gründlich überlegt, wie denn solch ein Betrieb auch sinnvoll und rentabel betrieben werden kann, dann würde es auch viele Verbraucher erfreuen, Milchprodukte aus La Palma kaufen zu können. - Allerdings muss man sich das wirklich gut überlegen, eine privat geführte Käserei in Las Manchas ging vor Jahren bereits in die Pleite. - Darüber hinaus denkt die Vereinigung der Landwirte auch über eine Anlage zur Herstellung von Futtermitteln nach, Rohstoffe sich auf La Palma reichlich vorhanden und da die Preise für Tiernahrung und deren Transport in den letzten Monaten heftig angestiegen sind, wäre eine solche Eigenproduktion sicher sinnvoll und nützlich. Dabei könnte man auch mal daran gehen, aus den Resten der Bananenproduktion Silage herzustellen, so würde man nicht nur ein dringendes Abfallproblem abfedern, sondern nachhaltigen Nutzen in die sonst wenig nachhaltige Produktion der Bananen einbringen können. - Kleine Schritte, die aber Mut machen und manchmal braucht es eben kräftige Anstöße von außen, um die Dinge endlich anzugehen.


Photovoltaik_Anlage in Las Manchas - El Paso
Schön sind sie nicht diese Dinger... Photo von P.E. Heckmann




Sonntag 15.06.08 - 09:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 77 % Luftdruck 1020 hPa

Zweiter Stapellauf des Postschiffs "La Palma"

Der erste Stapellauf fand 1912 statt, im gleichen Jahr, als die Titanic diese unschöne Begegnung mit einem Eisberg hatte. - Dieses Schicksal blieb dem "Correíllo La Palma" erspart, nach mehr als 20 Jahren im Trockendock wurde das Dampfschiff am Freitagabend im Hafen von Santa Cruz de Tenerife wieder seinem wirklichen Element übergeben. - Allerdings ist das nur der erste Teil der Wiederherstellung, es gibt noch viel zu tun, sowohl die Maschine, als auch die komplette Inneneinrichtung müssen noch restauriert werden. - Später, das soll dann etwa in zwei Jahren so weit sein, kann das Schiff dann als schwimmendes Museum, Bibliothek und Kulturstätte dienen, so liest man es aus den vielen Zeilen heraus, welche über den zweiten Stapellauf der "La Palma" berichten. - Ob man damit dann auch eine historische Kreuzfahrt zwischen den Kanareninseln unternehmen kann, also in die historischen Routen des ehemaligen Post- und Fährschiffes, das ist nicht so ganz klar. - So hatte ich das ursprünglich mal verstanden, warum man nun andere Pläne verfolgt, das kann ich nicht erklären. - Ist auch nicht so wichtig, auf jeden Fall ist es eine wunderbare Erfahrung, dieses Stück Geschichte der Kanarischen Inseln nach langem Kampf doch noch vor der Verschrottung bewahrt zu haben. - Hauptträger der Restaurierung des Schiffes ist die "Asociación pro Restauración y Conservación del Correíllo La Palma", die nach anfänglichen Schwierigkeiten nach und nach auch Unterstützung von allen Inselregierungen bekam, um das gewaltige Vorhaben, diesen Kahn wider flott zu machen, auch stemmen zu können. - Fünf weitere Postschiffe dieses Kalibers fuhren bis knapp an die 80er Jahre zwischen den Kanarischen Inseln, nur das eine konnte gerettet werden und das war ausgerechnet die "La Palma".

Von 1912 bis 1976 fuhr die La Palma, erst mit Kohlen befeuert, später auf Schweröl umgestellt zwischen den Inseln und transportierte Menschen, Post, Hühner, Nachrichten und alles, was schnell von einer Insel zur anderen musste. Im ersten Weltkrieg gab es für die La Palma Pause, die Kohlen waren knapp. Während des Bürgerkrieges wurden alle 6 Postschiffe unter die Nationalflagge gestellt und mussten als bewaffnete Truppentransporter Francos Soldaten vom afrikanischen Kontinent nach Vigo schippern. 1938 konnte man dann wieder den Postdienst aufnehmen, der bis 1976 andauerte und nun von moderneren Schiffen der Trasmediterránea durchgeführt wurde. Der Abwrackung entging die La Palma durch den glücklichen Umstand, dass eine gewisse Familie Flick das Schiff kaufte und daraus ein schwimmendes Restaurant machen wollte. Dazu kam es nie, irgendwann geht allen das Geld aus und es gab wohl heftige Schwierigkeiten mit den Genehmigungen. Die Familie Flick schenkte aber 10 Jahre später das Schiff der Regierung von Tenerife und seit dem liegt der bemerkenswerte "Historienfrachter" dort und wartete auf seuine Reanimation, die nun endlich so weit geglückt ist, dass sich das Schiff wieder im Wasser befindet. - Ein kleines Histörchen noch, 1934 brachte die La Palma das erste elektrische Licht nach Fuerteventura. In Puerto de Cabras spannte man vom Schiff aus ein Kabel ins nahe "Casino" und konnte nun das erste Mal überhaupt die "Fiesta del Rosario" gut beleuchtet die ganze Nacht durchfeiern.


Correíllo La Palma



Samstag 14.06.08 - 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 24 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 61 % Luftdruck 1018 hPa
Höchsttemperatur heute 25,2 Grad - niedrigste Temperatur 16,4 Grad

Erklärungsbedarf

Wer diese kleine Kolumne nicht das erste Mal liest, der weiß ja, dass ich von unerschütterlichem Lokalpatriotismus befallen bin. - Mir ist diese Form von gebündelter Regionalliebschaft irgendwie in den Schoß gefallen, Enrique Naumann hat andere Gründe dafür. - Samstagabend hat er auch Zeit dazu uns das zu erklären:


Ich bin ein Lokalpatriot und überlebe es

Jahrzehntelang wehrte ich mich vehement gegen den Gedanken, einmal ein Lokalpatriot zu werden. Zu viele seltsam aufstoßende Verschrobenheiten schienen mir an diese Spezies geklebt wie Türkischer Honig. Trotzdem hatte ich ein Gefühl in mir, das konnte ich nicht eindeutig zuordnen, Instinktiv wehrte ich mich dagegen und es wurde mir sogar etwas lästig. Irgendwann jedoch wollte ich dem mal ursächlich auf den Grund gehen. Ich psychoanalysierte autodidaktisch etwas an mir herum und ging ganz klassisch vor: Ich wühlte in meiner Vergangenheit. Die kann ich recht treffsicher ziemlich lange zurückverfolgen; das ist sehr vorteilhaft. Als ich anfing, meine Psyche abzuhorchen, war meine Biographie von der Größenordnung her noch überschaubarer als derzeit, so dass ich schnell fündig werden konnte. Immer schön der Reihe nach ging ich chronologisch-methodisch vor, also von früher in Richtung später. Klar kam erst mal das Elternhaus dran. Mit dem geht es ja meistens los.

In eben diesem Haus herrschte eine Erziehung, bei der von einem logisch-pädagogischen Konzept kaum etwas zu merken war, mich aber leider gleichwohl prägte. Besonders wenig geduldet war Wissen, das nicht im Haus vermittelt worden war (wenn es nachweislich von Schullehrern kam, gab es regelmäßig Probleme: entweder ich hatte nicht richtig aufgepasst oder der Lehrer war blöd); Gedankenfreiheit - ein Fremdwort mit negativem Touch. Mein Vater war Historiker, Kunsthistoriker, Kulturhistoriker, so bezeichnete er sich, sowie begnadeter Archivar bis hin zum Oberstaatsarchivrat, nach dem Krieg zWv. (zur Wiederverwendung) und glühender Lokalpatriot. Das war in Dresden. Von jedem historisch, kunsthistorisch, kulturhistorisch oder sonst wie wichtigen Gebäude, je älter desto besser, kannte er ungefähr alle Bausteine, schön geordnet nach ihrer Herkunft, meistens von gleich nebenan, aus dem Elbsandsteingebirge, den Verlauf und die Art des Transports in die sächsische Landeshauptstadt zwecks Weiterverarbeitung, die Steinmetze, die sie behauen mussten und die Baumeister, welche die Steinmetze beauftragten, dazu jeweils das passende Jahr und bisweilen sogar den Monat. Wer meinem Vater beim Abspulen seines historischen Wissens zuhörte, musste fix mit Zahlen umgehen können; wer das nicht konnte, dem blieb nur übrig zu passen und sich gewissermaßen mental auszuklinken. Dabei musste ein gewisses Standby eingeschaltet bleiben, denn zuweilen fragte er unvermittelt nach: Hörst du noch zu? Aber natürlich!
Das ist auch gut so, denn was ich gerade sage ist sehr wichtig und zudem interessant.

Nun ja, wenn er es sagte . . . aber es war unsäglich. Von Kindesbeinchen an lernte ich, bei bestimmten Themen zwischen meine Trommelfelle und dem wahrnehmenden Hirn ein variables Filter einzurichten. Später versuchte ich es mit Tricks, um auf andere Themen zu kommen; listig lenkte ich scheinbar unmerkbar ab und verbaute mit gezielten Zwischenfragen die Rückkehr zu den Jahreszahlen- und Bausteinethemen. Mit dieser Taktik kam ich zunächst allerdings nur bis zu meines Vaters Regionalpatriotismus. Da gab es war natürlich auch viel, viel und noch mehr zu erzählen; immerhin eher Menschliches, die ganzen Fürsten, Kurfürsten und Könige, und in welchem Schloss sie am liebsten hausten und zu welcher Jahreszeit, und wen sie geheiratet hatten und dass sie sich viele Seitensprünge zu leisten pflegten. War wohl so üblich damals, erschien mir zunächst zutiefst unmoralisch, eben deswegen jedoch auch beeindruckend. Außer dem berühmt-berüchtigten August dem Starken ist mir indes vom Namen her keiner jener Blaublütigen mehr in Erinnerung. Der imponierte mir, weil er Bücher m Stück zerreißen konnte und innerhalb und außerhalb seiner jeweiligen Residenz aktiv gegen die seiner Meinung nach drohende genetische Verarmung seiner Landeskinder tätig war. Mit großem Erfolg, wie mein Vater zu betonen pflegte, jedoch in diesem Zusammenhang nicht mit genauen Zahlen aufwarten konnte. Letzteres wurmte ihn hörbar seufzend und lebenslang. Er wurde 90.

Nach dem Regionalpatriotismus wiederum stand meines Vaters Deutschtümelei, und da ließ sich eine gewisse Internationalität nicht ausklammern. Aber auch derlei Themen waren ihm alles andere als fremd. Ich verlor schnell den Überblick und dabei ist es bis heute geblieben. Die vielen Unterrichtsstunden in den diversen Schulen, die in meiner Biographie vorkommen, vermochten nichts daran zu ändern. Beim Abitur schrappte ich nur deshalb haarscharf an einem Geschichtssechser vorbei, weil der Prüfungsvorsitzende Mitleid mit mir hatte und schließlich noch etwas zur Gemeinschaftskunde fragte. In dem Zusammenhang konnte ich immerhin gewisse erdkundliche Kenntnissen an den Prüfer bringen, diesbezüglich bin ich etwas beschlagener. Da geht es um konkrete und in der Regel noch vorhandene Dinge, die meist auf Karten einigermaßen genau lokalisierbar sind. Zudem habe ich vielfach persönliche Erinnerungsbeziehungen; noch heute würde ich mir zutrauen, in Dubrovnik die Apotheke wieder zu finden, wo wir vor 40 Jahren nach mehrtägiger erfolgloser Hausmitteltherapie endlich etwas Wirksames gegen Montezumas Rache erwerben konnten, oder wo in Schweden an welcher Straßengabelung in stockdusterer Nacht ein Polizist in einwandfreiem Englisch mir und meinem Auto wieder auf den richtigen Weg half, von dem ich abgekommen war. (Wenn ich genau forschen wollte, könnte ich sogar den Tag und die ungefähre Uhrzeit noch auftun). Meines Vaters Gedankengänge bezüglich der europäischen Gebiete konnte ich nur bedingt nachvollziehen; wo in grauer Vorzeit mal Deutsche gesiedelt hatten, beispielsweise, Osteuropa, Balkan und so. Solche Regionen hätte er eigentlich auch am liebsten heim im Reich gewusst, nicht nur weil er Nazi war, und die Slawen mochte er sowieso nicht. Damit konnte er sich bei Österreich jedoch nicht entschuldigen, diesbezüglich fiel ihm nichts ein und so vermied er nach Möglichkeit, darüber zu sprechen. Aber die kulturelle Nähe solle ich doch bitte wenigstens nicht aus den Augen verlieren, mahnte er, und daran habe ich mich sogar gehalten. Mir sind nach wie vor deutsche Witze über Österreich und/oder seine Bewohner zutiefst zuwider.

Ganz kurz, wie geneigte Leser bemerkt haben werden, habe ich nun umrissen, warum bei mir kaum bis gar nie Lokalpatriotismus aufgekommen ist. Das stark subjektiv gefärbte Betrachtungsangebot möge man mir bittschön verzeihen. Ein typischer Fall von früh- bis späterkindlicher Prägung, würde ein kundiger Psychologe wahrscheinlich folgern, zumindest täte das ich, wenn ich ein Psychologe wäre. Meine Biographie war zudem bislang nur wenig geeignet, mich irgendwie und -wo patriotisch zu fühlen. Gewiss, einen beträchtlichen Teil meines Lebens habe ich im Schwäbischen verbracht, das geht nicht spurlos an einem vorbei und es gibt Leute, die das bemerken; ich mache auch kein Hehl aus diesem Zeitabschnitt.

La Palma lernte ich vor 27 Jahren kennen und lebe seitdem auf der Insel. Zusammen mit weiteren etlichen Jahren Lebens außerhalb Deutschlands ist das eigentlich recht lange nicht-Vaterland-gerecht, und das spüre ich. Vor 15 Jahren war ich das letzte Mal in Deutschland, davor 10 Jahre nicht. Nur mit Schaudern denke ich daran. Es war fürchterlich. Als ich hier nach der Rückkehr wieder aus dem Flugzeug gestiegen war, kam ich mir so groggy vor, dass ich auf dem Heimweg den Umweg über das Refugio nahm, um sofort und aktiv diesen Aufenthalt in meinem Vaterland möglichst ohne bleibende psychische Schäden zu verarbeiten. Während dieses Tuns überkam mich ein Gefühl (eben das oben schon angedeutete), das ich schon lange im Verborgenen gespürt hatte, jedoch nicht eindeutig identifizieren konnte. Es kam mir vor, als sei ich wieder daheim, und das war mir angenehm. Später dachte ich nicht mehr so sehr daran. Lediglich bei manchen Gelegenheiten kam es wieder zum Vorschein meist dann, wenn Leute fragten, ob ich denn nicht wieder in mein Vaterland zurückkehren wollte. Solche Fragen sind mir nicht genehm, und ich verdränge die Erinnerung daran ganz schnell. Ich bin hier zu Hause und das gern. Und Deutschland kommt ganz gut ohne mich zurecht.

Seit diesem schrecklichen Erlebnis vor 15 Jahren hat sich dieses Gefühl kaum merklich stetig weiter entwickelt. Auch die segensreiche Einrichtung des Schüsselfernsehens, die ich seit einigen Jahren zu Hause genießen kann, hat nicht zugunsten einer ausgesprochen ausgeprägten Vaterlandsliebe meinerseits beitragen können, eher im Gegenteil. Trotzdem will ich auch nicht mehr in die Vorzeiten des Schüssel-losen Fernsehens zurückversetzt sein, ich liebe Abwechslung, besonders wenn ich sie ohne viel Aufwand bekommen kann. Viele Jahre habe ich mit nur einem einzigen TV-Programm verbringen müssen, da macht mir die große Senderauswahl schon Spaß. Fernsehmuffel . . . ? Wäre eine Grundsatzdiskussion wert. Aber gerade das Fernsehen, jetzt mal das spanische, verstärkt ein gewisses Zugehörigkeitsgefühl bei mir. Beim Zappen, gewollt oder aus Versehen, beim Lokalsender etwa, tauchen Bilder auf, die sind vielfach gut bekannt, zuweilen sogar einschließlich etwaiger abgebildeter Personen; andere Bilder dagegen lassen sich nicht so ohne Weiteres GPS-exakt zuordnen. Dann grüble ich eine Weile. Und manchmal war ich nur irgendwo in der Nähe lange nicht mehr, so dass inzwischen erfolgte Änderungen erst mit der Erinnerung abgeglichen werden müssen; und auf der Plaza treibe ich gern personenbezogene Lokalkoloritstudien; diesbezügliche gemachte Beobachtungen möchte ich hier nicht vorstellen.

Ich komme an der Erkenntnis nicht vorbei: Ich bin ein Lokalpatriot geworden. Den zweiten Teil dieses zusammengesetzten Wortes bitte ich jedoch nicht zu eng gefasst zu verstehen. Hurra und so weiter ist nicht. Aber ich liebe El Paso, heiß und innig, wie ich mir selbst gegenüber fast Zähneknirschend eingestehen muss. Wieso und warum? Müßig zu fragen. Das will ich selbst doch nicht bis aufs i-Tüpfelchen genau wissen. Ein Spruch - auch prägend - ist mir indes noch genau in Erinnerung. Den sagte mir mal ein Besucher aus Deutschland vor plus minus 18 Jahren Sei ja nicht so blöd und geh´ jemals wieder von hier weg! Klar doch, ich will ja nicht blöd sein.

Wie mein Vater will ich aber auch nicht sein.



El Paso, what else?
El Paso, what else?



Samstag 14.06.08 - 09:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 18 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 68 % Luftdruck 1019 hPa

Hüttenabriss kann weitergehen

Die Küstenbehörde aus Madrid, hier vertreten von der "Demarcación de Costas" auf Tenerife, hat vor einem Gericht auf der gleichen Insel nun die Absolution für den weiteren Abriss der Hütten im Süden unserer Insel erhalten. - Kurze Erklärung. - Nach dem Küstengesetz von 1988 gibt es, außer im städtischen Siedlungsgebiet, keinen Privatbesitz näher als 100 Meter an der mittleren Wasserlinie. - Dort darf nicht gebaut, Landwirtschaft oder Gastronomie betrieben werden und alles was sich auf diesem Streifen an Bauwerken bereits befindet muss abgerissen werden. - Grundsätzlich macht dieses Gesetz Sinn, ein wildes Bebauen der Küste soll damit verhindert werden. - Allerdings gibt es auch viele Siedlungen, welche bereits lange von 1988 dort an der Küste standen, manche sogar schon seit Jahrhunderten, da aber will und soll es keine Ausnahme geben, alles muss weg. - Ob man in diesem Fall Besitzstandswahrung geltend machen kann, das ist ein Fall für Juristen und wohl auch noch nicht ausreichend geklärt. - Überall auf den Kanaren, genau so wie auf dem spanischen Festland, stehen Gebäude innerhalb dieser 100 Meter Zone, die Küstenbehörde hat also reichlich zu tun.

Auf La Palma gibt es einige solcher Siedlungen, denen man nun zu Leibe rücken will. - Die Hütten an der Playa de los Guirres, oder oft auch Playa Nueva genannt, machten den Anfang in der traurigen Räumungsaktion, weil man dort den geringsten Widerstand vermutete und damit auch Recht behielt. - Als nächstes wollte man die Siedlungen La Bombilla und El Remo angehen, aber dort formierten sich die Anwohner zu lauten Nachbarschaftsvereinigungen und nun werden Teillösungen gesucht und konstruiert, welche wohl mindestens die Hälfte der Hütten unangetastet lassen und man für die Bewohner der Häuser die abgerissen werden, ein Umsiedlungsprogramm auflegt. In El Remo und La Bombilla liegen nicht alle Häuser in der "Todeszone" und außerdem wohnen dort viele Menschen, zum Teil sogar mit einflussreichen Bekanntschaften. - So wich die Küstenbehörde zuerst in den Süden der Insel aus und nahm sich die Siedlungen La Zamora, Puntalarga und El Faro vor. - Trotz erheblichen Widerstandes riss man dort etwa die Hälfte der Hütten ab, darunter auch die beiden Restaurants, aber eben nur die Gebäude der Eigentümer, welche unter dem Druck der Strafandrohung den Abriss genehmigten. - Aus Gründen der Rechtsunsicherheit ließ die Küstenbehörde die anderen Hütten bislang stehen, auf Tenerife lief noch ein Gerichtsverfahren, welches man abwarten wollte.

Nun scheint diese Unsicherheit ausgeräumt zu sein, interpretiert man die wenigen Aussagen, die man über das nun gefällte Urteil erfahren kann, dann hat die Küstenbehörde nun grünes Licht, auch die noch verbleibenden Häuser abzureißen. - Das bedeutet dann für die Eigentümer, welche sich bislang geweigert haben die Häuser aufzugeben nicht nur, dass sie den Abriss bezahlen sollen, sondern eine Strafe noch obendrein. - Ob sich wider ausreichend Widerstand formieren kann, das wird man in den kommenden Wochen sehen, die Stimmung ist ein bisschen gekippt, nachdem man einsehen musste, dass die Küstenbehörde wohl am längeren Hebel sitzt und keine Ruhe geben wird. - Allerdings bleibt ein gewaltig fader Nachgeschmack und der nicht nur wegen der scheinbaren Ungerechtigkeit, weil man momentan eben nur Hütten bedroht und die Paläste noch stehen lässt, welche ebenso die vom Gesetz bestimmte 100 Meter Marke bedrängen. - Auch da wird man abwarten müssen, wie konsequent man durchgreift, das Gesetz berührt auch mehrere Hotels, die zumindest mit ihren Außenanlagen und Pools innerhalb der gesetzten Grenze liegen.

Weiter darf man die Frage stellen, warum die Küstenbehörde erst jetzt versucht, dieses, inzwischen 20 Jahre alte Gesetz anzuwenden. - Da drängt sich der Verdacht auf, dass es sich um eine verborgene Aktion der Gemeinden handelt, welche die Küstenbehörde nun vorschickt, um die schönsten Flecken an unserer Küste von den einheimischen Siedlungen zu befreien, um den Forderungen der Investoren nachzugeben, welche sich stark für diese Immobilien-Sahnestückchen an unseren Küsten interessieren. - Es sieht stark nach vorbereitenden Maßnahmen aus, um unsere Küste zu konfektionieren. - Das muss nicht in allen Fällen nur Schlechtes bedeuten, nur kommt da der immer wieder genannte Grund einer Regenerierung der Küstenlinie, wie die Behörde diese Abrissaktionen nennt, wie eine heftige Lüge daher, wenn später auf den geräumten Flächen dann Flaniermeilen für zukünftige Hotelkomplexe entstehen. - Auf jeden Fall ändert sich so zukünftig das Bild an unserer Küste, wenn "wilde" Siedlungen wie Puntalarga und La Bombilla verschwinden und wir anstatt dessen den mondänen Hauch einer uniformierten Küstenlandschaft vorgesetzt bekommen. - Das ist ein erneuter Schlag ins Gesicht für unseren so gesund und nachhaltig gewachsenen Individualtourismus, der eben genau die Eigenheiten und Schrulligkeiten dieser Insel sucht und auch gefunden hat. - Das darf man nie vergessen, als blanke Kopie anderer Ferienregionen braucht uns niemand, schneiden wir unsere Ecken und Kanten ab, dann machen wir uns aus touristischer Hinsicht unnötig. - Wenn der Gast nur noch nach dem Preis entscheidet, ob er nach Gran Canaria, Marokko, Tenerife oder La Palma fliegt, dann haben wir bereits verloren.


La Bombilla - La Palma
Bedrohtes Kleinod der "illegalen" Art, die gewachsene Siedlung La Bombilla.



Freitag 13.06.08 - 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 24 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 59 % Luftdruck 1017 hPa
Höchsttemperatur heute 25,1 Grad - niedrigste Temperatur 16,6 Grad

Schlechte Weltbiosphärenreservatszahlungsmoral

Inzwischen wird es sich ja herumgesprochen haben, dass diese Insel von der UNESCO zum Weltbiosphärenreservat erklärt worden ist. - Und was so eine echte Biosphäre ist, die braucht auch einen Haushalt, sonst steht die Biosphäre ganz einfach nur so da und keiner hat was davon. - Ich sehe das zwar nicht zwingend so, mir würde die Biosphäre alleine schon reichen und wenn man bei der zukünftigen Inselplanung ein bisschen die Ethik anwenden würde, welche die UNESCO eigentlich als Geschenk und Aufgabe mit diesem Titel verbindet. - Aber das kann jeder sehen und deuten wie er will und so hat unser Weltbiosphärenreservat gleich noch ein Konsortium mitbekommen und das braucht wohl Geld, um Aktionen und diverse Projekte durchzuführen. - Man darf die Frage ruhig stellen, ob denn alle diese Aktivitäten wirklich im positiven Zusammenhang mit den eigentlichen Zielen des Weltbiosphärenreservates stehen, aber das ginge dann schon in die Richtung von Reservatshaarspalterei, auch die UNSECO gibt einem mit der Verleihung dieser Auszeichnung kein klares Kursbuch in die Hand, welches die Benimmregeln klar definiert. - Die tun viel seitens des Konsortiums, das muss man allemal anerkennen, ob sie auch viel erreichen, das lassen wir einfach außen vor.

Je nach Jahr und Aktivitätslage braucht das Konsortium der Weltbiosphäre La Palma einen Fundus von 700.000 bis einer Million Euro. - Aus diversen Töpfen kommt das Geld, in kleineren Rahmen auch von den Gemeinden der Insel und genau da hapert es ganz gewaltig. - Im Jahr 2004 haben alle Rathäuser dieser Insel ihre Unterstützung zugesagt, aber lediglich eine einzige Korporation ist diesem Versprechen auch wirklich nachgekommen, alle anderen stehen bei dem Konsortium des Weltbiosphärenreservates in der Kreide. - Nur Breña Alta hat bislang immer brav überwiesen, aber jetzt auch angekündigt, das auch nicht mehr zu tun, denn wenn die anderen Rathäuser nicht zahlen, dann will man nicht als der einzige "Dumme" dastehen. - Einige Gemeinden haben die erste Rate überwiesen, eben für 2004, andere noch gar nichts. - Öffentliche Erklärungen dazu reichen von administrativen Missverständnissen, bis hin zum schlichten und unantastbaren Vergessen, so dass sich inzwischen die Gesamtsumme welche die palmerischen Gemeinden dem Konsortium schuldet, auf 281.000 Euro angewachsen ist. - Je nach Größe der Gemeinde werden pro Jahr Summen zwischen 2.000 und 10.000 Euro fällig und wenn man die, ewig knappe finanzielle Situation der Rathäuser kennt, dann tut das auch schon weh. - Inzwischen regt sich aber auch in den Gemeinden selbst die Unzufriedenheit über diesem Obolus, denn man hinterfragt halt schon, was haben wir eigentlich davon, diese Gelder zu bezahlen. - Aber das würde man nicht öffentlich sagen, jegliche Kritik welche das Umfeld des Weltbiosphärenreservats auch nur tangential berührt, ist halt nicht gesellschaftskonform.



Freitag 13.06.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 63 % Luftdruck 1016 hPa

Goldener Medaillenregen

Es ist fast schon langweilig, überall dort, wo es Weinverkostungen und Wettbewerbe gibt, da wird ein palmerischer Tropfen gelobt und gekrönt, der süße Malvasía aus dem Süden der Insel. - Erneut wurde der "Malvasía Dulce Reserva 2000" aus dem Hause Llanovid, welche ihre Weine unter der Marke Teneguía vertreibt, zum besten Wein der Kanarischen Inseln gewählt. - Diese erneute Prämierung fand im Rahmen des "Concurso Oficial de Vinos Agrocanarias 2008" statt, dem jährlichen Wettbewerb des kanarischen Institutes für landwirtschaftliche Qualitätsprodukte. - Jetzt könnte man natürlich meinen, das zählt doch nicht, das ist kein internationaler Zirkel, aber der süße Malvasía hat auch bereits bei vielen Wettbewerben weit weg von zu Hause in seiner Klasse abgeräumt. - Welch ein Pech, dass gerade unser "Bester" einer Art angehört, welche nicht gerade als Modewein betitelt werden kann, schwere Süßweine haben sich nie wieder aus dem "Tante-Trude-Kaffeeklatsch-Image" befreien können und sind ein ganz kleiner Markt geworden.

Ja früher, als alles anders war und nur manches besser, da exportierte man große Mengen dieses süßen Stoffs nach England und in die heutigen Benelux-Staaten, als Wein der Könige und für die "upper class", was sich sowohl früher als auch heute mit Geldadel umschreiben lässt. - Dieser Wein ist immer noch teuer, nicht so wahnsinnig hochgetrieben wie alte Bordeaux-Weine, aber wer einen süßen Malvasía kaufen will, der muss schon 30 bis 50 Euro auf den Tisch legen und ältere Jahrgänge fordern dann noch einen weiteren Zuschlag. - Man könnte nun auch daraus schließen, La Palma und sein Weinmarketing hätten die Neuzeit verschlafen und wenn man mal ein bisschen selbstkritisch ist, dann stimmt das auch, oder sollte man vielleicht besser sagen, wir haben kein Weinmarketing? - Erst in den letzten Jahren hat man, vom Konsumenten aufgeschreckt erkannt, dass man mit den leichten Weißweinen aus den Höhenlagen des Nordens durchaus konkurrenzfähig ist. - Bremst die seit Jahren anhaltende Überproduktion der landläufigen Rotweine aus Listán und Negramol deutlich die Freude der hiesigen Winzer und inzwischen schwimmt man sogar auf einem Weinsee, so sind viele Lagen mit frischen Weißweinen aus dem Norden regelrecht gesucht und können die Nachfrage kaum bedienen. - Jetzt erst reagiert man aufgeregt und so mancher Winzer aus dem nun Süden oder Osten der Insel strebt nun in den Norden, um dort Weinbau zu betreiben, also der Mode nachzulaufen. - Dabei geht man zum Teil auch nicht besonders zimperlich mit der Landschaft um, wo sich der Rauenschlepper zum Straßenbau eines lauten Protestes erwehren muss, darf man auf den landwirtschaftlich ausgewiesenen Flächen so ziemlich alles planieren wie man will. - Dann wollen wir nur hoffen, dass die Nachfrage, nach leichten Weißweinen aber mit eigenem Charakter, lange anhält, es soll sich doch wenigstens lohnen, wenn man schon Berge abträgt um Wein zu pflanzen.



Donnerstag 12.06.08 - 17:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 23 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 63 % Luftdruck 1017 hPa
Höchsttemperatur heute 24,2 Grad - niedrigste Temperatur 16,8 Grad

Einbruchserie im Norden der Insel

In zwei Nächten, genauer gesagt von Montag auf Dienstag und die darauf folgende Nacht, wurden insgesamt sieben Bars/Kneipen im Norden La Palmas ausgeraubt. - In einigen Fällen knackten die "Chorizos", wie man böse Jungs und schwere Mädchen hier auch nennt, die Spielautomaten, in anderen Etablissements entwendete man das Trinkgeld der Kellner oder das Wechselgeld in der Kasse und nahm auch noch Zigaretten mit, eben was man so ohne größeren Aufwand greifen kann. - In allen Fällen brach man die Türen oder ein Fenster auf und die Einbrüche wurden allesamt in den ganz frühen Morgenstunden verübt, so dass für die Polizei klar ist, da war eine Bande am Werk. - Man kann sogar ganz einfach verfolgen wie die Täter gefahren sind, ein Ausflug in den Norden, weniger zur körperlichen oder kulturellen Erbauung, aber eben um in allen abgelegenen Bars einfach mal die Tür zu knacken und so das notwendige Kleingeld ein bisschen aufzustocken. - Viel Beute haben die Räuber nicht gemacht, lediglich in den Geldspielautomaten befanden sich lohnende Summen, aber eben auch alles nur Münzgeld und keine Scheine.

Es ist gut möglich, dass sogar noch mehr Kneipen nächtlichen Besuch hatten, wer wenig vermisst, meldet vielleicht den Einbruch gar nicht, ärgert sich nur und bringt ein neues Schloss an, so dass die Polizei extra darauf hinweist, wer in diesen Tagen Opfer eines Einbruches geworden ist, der solle sich bitte melden. - Interessant ist auch, dass sieben Lokalitäten aufgebrochen werden konnten, ohne dass es den geringsten Hinweis gibt, niemand hat etwas gesehen oder gehört. - Die Uhrzeit, so zwischen 03:00 und 05:00 morgens hat da den Einbrechern wohl geholfen und auch der Umstand, dass man sich Kneipen ausgesucht hat, welche allesamt nicht in bewohnten Gegenden stehen. - So meint die Polizei auch eher, dass es sich bei den Tätern nicht um "Inselhopper" der delinquenten Art handelt, die von Insel zu Insel ziehen, Einbrüche begehen und dann wieder verschwinden, sondern um Gauner mit Ortskenntnis und komischen Arbeitszeiten. - Da man so gar keinen Anhaltspunkt besitzt, weil niemand was gesehen hat, ermittelt nun die Guardia Civil in den "bekannten Kreisen" und forscht mal nach, ob da irgend jemand jetzt immer alles mit Kleingeld bezahlt und so auffällig wird. - Sieben Einbrüche in zwei Nächten, das ergibt einen ordentlichen Schlag in unsere, sonst so magere Kriminalitätsstatistik. - Böse Zungen, wo immer die auch herkommen mögen, behaupten nun gleich wieder, das ist gut so, dann bekommen wir endlich mehr Polizisten nach La Palma geschickt, denn mit unseren paar Einbrüchen mussten wir uns bislang immer sagen lassen, ihr braucht doch gar nicht mehr Polizei, bei euch ist doch nichts los. - Es gab sogar noch einen achten Kneipeneinbruch, die Bar im Ringerstadion von Las Manchas wurde auch ausgeraubt, aber da vermutet man andere Täter, denn die konnten nicht im Norden der Insel auf Tour sein und gleichzeitig in Las Manchas auch noch tätig werden.



Donnerstag 12.06.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 64 % Luftdruck 1019 hPa

Die Unvollendeten

Da liegen bei uns so ein paar Dinge herum, für die kann keine Bank lang genug sein. - Da ist einmal das wunderschöne Theater "Circo de Marte" in der Hauptstadt Santa Cruz, welches nun an die 20 Jahre bereits geschlossen ist und man fast genauso lang damit beschäftigt ist, diese Kulturstätte wieder herzurichten. - In den letzten 10 Jahren haben wir vielleicht 20 verschiedene Daten gehört, wann nun endlich dieses Theater seine Pforten wieder öffnet, aber immer gab es erneute Verzögerungen, die fast alle aus der gleichen Ursache resultierten, kein Geld. - Dabei kamen sowohl Mittel von der Provinz- und Inselregierung, sowie auch vom Rathaus der Hauptstadt, aber immer wieder tauchten neue Notwendigkeiten auf, die man einfach nicht in den Griff bekam. - Jetzt scheint es mal wieder so weit zu sein, eine letzte Finanzspritze, dieses Mal aus Madrid, soll das Theater wirklich so weit bringen, im September wieder dem Publikum zur Verfügung zu stellen. - Die Polemik um die Renovierungsarbeiten am "Circo de Marte" wird nun also mit dem Geld der sozialistischen Regierung in Madrid ein Ende finden, ein Umstand, welcher den anderen daran beteiligten Interessengruppen wohl nicht sonderlich schmecken wird, aber sie hatten ja Zeit und Geld genug, selbst als Retter aufzutreten- 182.000 Euro erwartet man in den nächsten Tagen vom Ministerium für Wohnungsbau und nun hoffen wir mal inständig, zum Wohle der Kultur und des politischen Friedens, dass damit diese Kulturstätte endlich wieder für das Publikum geöffnet wird.

Eine andere "Unvollendete" wird nicht im September fertig, allerdings arbeitet man daran auch nicht bereits 20 Jahre, sondern vielleicht derer sieben. - Gut, Projektierung und Planung sind auch schon älter, aber das Müllverwertungszentrum bei Mazo soll ja ein ganz großer Wurf werden und den gesamten Abfall der Insel aufnehmen. Alle Wertstoffe will man trennen und zu Wiederverwertung entweder sammeln oder verschicken, auch Kompost taugliche Elemente in wunderbaren Dünger verwandeln und nur der Restmüll, über den muss man dann noch mal nachdenken. Dafür hat man noch keine adäquate "Endlösung", so dass man weiterhin wohl den Barranco Seco auf dem Weg von Santa Cruz nach Puntallana damit beschicken wird. - Jetzt muss man die angekündigte Inbetriebnahme des "Complejo Medioambiental de Mazo" von September dieses Jahres auf einen unbestimmten Zeitpunkt in 2009 verschieben. - Schuld soll dieses Mal aber nicht mangelnde Finanzierung sein, sondern die ausführende Baufirma, welche sich nicht an die Verträge hält. - So soll diese auch regresspflichtig gemacht werden und für jeden Tag, an dem die Anlage ab Oktober noch nicht betriebsbereit ist, die Summe von 1.330,- Euro auf den Tisch der Provinzregierung legen. - Ganz böse Zungen behaupten nun, wenn man jetzt die "Lex Circo de Marte" anwendet und noch mal 20 Jahre braucht, dann bekommen wir das Teil umsonst und haben noch jede Menge Geld verdient. - Allerdings rieche ich da Ärger kommen, vielleicht ist es aber auch nur der strenge Geruch unseres Mülls, der so immer noch keinen modernen Weg der Beseitigung gefunden hat.



Mittwoch 11.06.08 - 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 23 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 57 % Luftdruck 1019 hPa
Höchsttemperatur heute 24,1 Grad - niedrigste Temperatur 16,6 Grad

Zukunftssicherung

Über mögliche Zukunftsstrategien für La Palma haben wir uns an dieser Stelle ja öfter bereits Gedanken gemacht und eine dieser Möglichkeiten für La Palma liegt allen Ernstes in den Sternen. - Bald, oder auch noch ein bisschen später, wird auf unserem höchsten Berg das größte optische Spiegelteleskop der Welt eröffnet, das viel zitierte und mit reichlich Vorschusslorbeeren bedachte "Grantecan", was ausgeschrieben Gran Telescopio de Canarias heißen soll. - Mit seinem 10,4 Meter großen Primärspiegel richtet es die Augen und Sehnsüchte fast aller Astrophysiker der Welt auf sich und lenkt auch die Aufmerksamkeit der "ESO" in unsrer Richtung. -Die ESO, (European Southern Observatory) mit Sitz in Garching, betreibt bislang Teleskope in Chile, (Cerro Paranal und La Silla) und gehört in der Welt der Astrophysik zu den ganz Großen. Die ESO hat bislang zwölf Mitgliedsstaaten, Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Italien, die Niederlande, Portugal, Schweden, die Schweiz. Auch Spanien hat sich inzwischen in diesen erlauchten Kreis eingekauft, für eine Summe von irgendwo bei 50 Millionen Euro und eben dem Lockvogel "Grantecan", denn man bietet den Wissenschaftlern aus dem Umfeld der "ESO" auch Beobachtungszeiten in dem Observatorium.

Dieser Einsatz und das Buhlen um die "ESO" ist aber nicht ganz uneigennützig oder soll allein dem hehren Ziel der Wissenschaft dienen, man will sich auch als idealer Standort für weitere Vorhaben anbieten, welche die "ESO" da so in ihrem Wunschkasten mit sich herumträgt. - Man möchte gerne die nächste Generation an Monsterobservatorien nach La Palma bringen, dabei sprechen wir dann über Riesen, welche einen Spiegeldurchmesser von 40 - 50 Meter haben, die "Eule", oder besser "OWL", das "Overwhelmingly Large Telescope" - Man arbeitete sogar mal an dem Projekt für einen 100 Meter Spiegel, verwarf das allerdings wieder, Planungs- und Aufbauzeit würde die "ESO" zu viele Jahre kosten und würde den konkurrierenden Observatorien auf Hawaii einen Vorteil bringen, denn die arbeiten auch an einem "Superteleskop" und wollen das innerhalb der nächsten zehn Jahre schaffen. - So will die "ESO" dagegenhalten und mit einem kleineren Spiegel noch schneller sein als die Amerikaner. - Mal ein Wettrennen um das All und nicht im All, und La Palma könnte davon profitieren. - Francisco Sánchez, Direktor des Instituto de Astrofísica de Canarias (IAC), welches die Observatorien hier auf La Palma aber auch auf Tenerife betreibt, schätzt das Investitionsvolumen für die Errichtung eines übergroßen Observatoriums auf etwa eine Milliarde Euro und den Aufwand für den jährlichen Unterhalt noch mal auf 100 Millionen. - Da schlackern einem die Beine und sehnsüchtig denkt man daran, was von diesem Geld auf dieser Insel bleiben könnte, ganz abgesehen von dem Prestige und der Aufmerksamkeit, welche man La Palma mit dieser Arbeit schenken würde.

Allerdings finden diese Pläne nicht überall Freunde und auch die Konkurrenz, allen voran Chile, buhlt ganz mächtig um die "ESO", dieses Vorhaben doch dort zu verwirklichen. - In einem Interview warnt so Francisco Sánchez auch davor, die Idee hier auf der Insel kaputt zu reden, denn die "ESO" wird sich nicht als Standort für La Palma entscheiden, wenn man den Eindruck gewinnen würde, man sei hier nicht willkommen. - Allerdings stehen die Karten für La Palma dennoch gut, weil die "ESO" gerne einen Standort auf der Nordhalbkugel haben will, nicht nur wegen der Nähe zu Europa, sondern ganz einfach, weil man damit andere Objekte beobachten kann, die von der Südhalbkugel aus nicht zu entdecken sind. - Vorsichtig gesagt, wenn die "ESO" in Europa dieses Ding installieren will, dann wird es wohl La Palma werden und wir dürfen dieses Chance nicht verspielen. - Natürlich ist der Bau eines solchen gigantischen Teleskops mit einem heftigen Eingriff in das Landschaftsbild auf dem Roque de Los Muchachos verbunden, aber das sind Photovoltaik-Kraftwerke auch und die werden zukünftig hektarweise unsere Landschaft in einen nachhaltigen Energiespender verwandeln. - Sicher, man kann auch das "IAC" kritisieren, es sei zu publikumsscheu und die Insel und deren Gäste ständen eigentlich nur außen vor und hätten nichts von diesen hochmodernen Anlagen der hypermodernen Astrophysik. - Man veranstaltet zwar im Sommer mehrere Tage der offenen Tür, die professionell abgearbeitet werden, aber diese Besuchsmöglichkeit ganzjährig und häufiger anzubieten, das soll wohl nicht sein. - Man plant ja auch einen Park dort oben, der eine Art Besucherzentrum darstellt, aber den sollen private Investoren betreiben und die müssen mehr bieten können als Apfelkuchen und Kaffee, wenn man Gäste anlocken will und das auch noch rentabel betreiben. - Auf jeden Fall sind die Observatorien auf unserem höchsten Berg ein Standbein für diese Insel und man kann noch so viel mehr daraus machen, vielleicht auch wieder die ewige Idee von Studiengängen auf La Palma aufleben lassen. - Mit dem Superteleskop auch eine Fakultät für Physik und schon träumt der wieder von den Sternen…


Die Observatorien auf dem Roque de Los Muchachos



Mittwoch 11.06.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 69 % Luftdruck 1018 hPa

La Palma schickt Tauben nach Gran Canaria

Es ist nicht wirklich ein Friedensangebot und es handelt sich bei dieser Aktion auch nicht um weiße Tauben, sondern um die, nur auf den Kanaren vorkommende "Paloma rabiche", die auf Deutsch, "große Lorbeertaube" heißt und unter dem wissenschaftlichen Namen "Columba junoniae" gelistet ist. - Diese Taube kommt nur noch auf den vier westlichen Inseln vor, wobei man auf Tenerife bereits fürchtete, sie sei dort ausgestorben, aber man hat im wenig zugänglichen Nordwesten der Insel noch kleine Populationen entdeckt. - Auf La Palma ist die Situation etwas besser, fast auf der gesamten Insel gibt es noch Exemplare dieser endemischen Taube zu bewundern, irgendeinen Vorteil muss unsere Rückständigkeit in Sachen "Komplettzementierung" der Landschaft doch noch haben.

Als deutlich fortschrittlicher erwies sich da Gran Canaria, dort ist die "Paloma rabiche" längst verschwunden, gewildert von streunenden Katzen, geschossen von gelangweilten Jägern, eben der ganz normale Ablauf des Segens der Eroberung neuer Gebiete durch Menschen und deren Interessen. - Nun haben wir aber die "Natur" wiederentdeckt, komplette Freigeister sprechen sogar von zwingenden Zusammenhängen zwischen uns Menschen und der Biodiversität und so neigt auch die moderne Gesellschaft zu symbolischen Akten, einem kaum vorhandenen Gewissen schmeicheln zu wollen. - Die Lorbeertauben aus La Palma sollen nun dazu dienen, auch auf Gran Canaria wieder eine Population dieser Vögel aufzubauen, man gönnt sich ja sonst nichts. - Die erste Taube aus La Palma ist nun pressegerecht und publikumswirksam nach Gran Canaria verschickt worden und dazu hat man extra eine kleine Zuchtstation in Puntallana aufgebaut, welche sich um die Nachzucht dieser Tauben kümmert, um mit der Verschickung dieser Vögel nach Gran Canaria nicht die hiesige Population zu gefährden. - Dass man nur gezüchtete Exemplare auf die Nachbarinsel schickt, hat natürlich auch noch den Vorteil, dass man sich sicher sein kann, nur gesunde Vögel auf Gran Canaria auszuwildern, gehätschelt und gepäppelt mit bestem Wissen und Gewissen aus La Palma.



Dienstag 10.06.08 - 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 23 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 55 % Luftdruck 1017 hPa
Höchsttemperatur heute 23,8 Grad - niedrigste Temperatur 17,9 Grad

Streik der LKW-Fahrer könnte zu Engpässen führen

Seit letztem Freitag streiken landesweit viele Speditionen und je nach Blickwinkel und Interessenlage, erwartet man mehr oder weniger heftige Folgen dieses Ausstandes. - Was die Speditionen und Kleintransporteure fordern, ist ganz einfach erklärt, sie verlangen eine politische Reaktion auf die maßlos gestiegenen Diesel-Preise, die sich entweder in einer Senkung der Steuer bemerkbar machen könnte, oder aber in einer Rückvergütung für den gewerblichen Güterverkehr. - Aus Madrid kommt bislang dazu nur Ablehnendes, man fürchtet natürlich einen Flächenbrand, wenn man den Transporteuren nachgibt, dann kommen danach die Taxi-Fahrer, die Fluggesellschaften, die Reedereien und irgendwann bricht eine der wichtigsten Haupteinnahmequellen so ziemlich jedes mitteleuropäischen Landes weg. - Bislang spürt man den Streik hier auf den Kanaren noch nicht, auf La Palma zumindest habe ich keine blockierenden LKWs entdeckt, so wie man es auf Fernsehbildern aus Madrid und den anderen spanischen Großstädten sieht. - Dieses Wochenende wollen aber an die 1.200 LKW-Fahrer auch auf den großen Kanareninseln streiken und durch Blockaden für Öffentlichkeit zu sorgen, um den Druck auf die Regierung in Madrid zu erhöhen.

Gewohnt populistisch stellt sich unser Provinzparlament hinter die Forderungen der Spediteure, kein Wunder, das sind auch Wähler und schließlich gehen die Steuereinnahmen aus dem Spritverkauf zum allergrößten Teil nach Madrid, man hat also nichts zu verlieren. - Erste Folgen des Streiks kann man aber bereits in den Häfen Südspaniens erleben, dort stauen sich die angelandeten Container, auch die mit den Bananen von den Kanarischen Inseln und die Schiffe können nicht wieder ablegen, weil die vereinbarte Fracht nicht ankommt. - Es soll und wird wohl zu Versorgungsengpässen kommen, denn so ziemlich alles was wir uns hier, außer den paar landwirtschaftlichen Produkten die wie selber ziehen, in den Mund stecken, wird per Containerfracht auf die Insel gebracht und irgendwann muss auch ein LKW diesen Container bewegen. - Dabei spielt der Transport hier auf der Insel nicht die wesentliche Rolle, aber wenn die verschickten Bananen im Container in Cádiz verfaulen, dann wird es ernst und wenn keine Medikamente mehr auf die Kanaren gelangen und kein Frischfleisch mehr oder Molkereiprodukte oder frisches Obst und Gemüse, dann wird uns die Bedeutung einer Insellage auch wieder auf negativem Weg erklärt. - Wir können nur hoffen, dass es noch bevor es zu deutlichen Engpässen kommt, eine Einigung geben wird, aber dass Treibstoffe teurer werden, mit oder ohne erhöhte Steuerlast, das sollte uns allen klar sein und dass es bald ein sehr teurer Luxus sein wird, den prickelnden Verlockungen eines globalisierten Marktes auf den Leim gegangen zu sein.



Dienstag 10.06.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 18 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 72 % Luftdruck 1016 hPa

24 tägliche Unfälle im Monat

Wer viel schreibt, der schreibt auch viel Mist. - "24 accidentes diarios al mes" steht so in einer der größten Tageszeitungen des Archipels über die Kreuzung von La Grama bei Breña Alta und nun kann man sich aussuchen, ob man täglich diese Anzahl an Unfällen zu beklagen hat, oder vielleicht im Monat. - 24 Unfälle am Tag, das ist natürlich Blödsinn, auch wenn es sich beim "Cruce El Molino" um einen der Unfallschwerpunkte der Insel handelt, täglich einen Unfall, vielleicht Sonn- und Feiertage ausgenommen, das bekommen wir dann doch nicht hin. - Aber meine komplette Solidarität gilt den Vielschreibern, so etwas ist mehr als zu verzeihen und bringt ja so einer drögen Meldung auch noch das notwendige Stückchen an Auflockerung. - Also, man muss etwas machen an dieser Kreuzung, welche die meist benutzte Abfahrt von der "Inseltangente" LP3 in Richtung Breña Alta darstellt. - Von Santa Cruz kommend, muss man nun, um nach Breña Alta abzubiegen, erst eine kleine Wegstrecke nach rechts ausweichen, um dann frontal beide Fahrspuren überqueren zu können. - Dazu kommt noch, ist man erst mal unbeschadet, was ja bei 24 Unfällen am Tag eine Seltenheit darstellen würde, über die Hauptstraße gelangt, dann muss man noch auf eventuelle Rechtsabbieger achten, welche von der Gegenspur auch nach Breña Alta wollen und nun Vorfahrt haben, wegen der dämlichen rechts vor links Geschichte. - Dazu muss der geneigte Autofahrer drei Fahrspuren gleichzeitig nach einer passenden Lücke "scannen", was für Männer bereits eine doppelte Überbelastung darstellt.

Theoretisch gäbe es nun die Möglichkeit, dass alle Verkehrsteilnehmer welche diesen Unfallschwerpunkt passieren, besonders rücksichtsvoll und langsam diese kritische Stelle passieren und anstatt der Hupe auch mal die Bremse benutzen. - Aber grau ist alle Theorie, der Feierabend nah, die Kinder quengeln auf dem Rücksitz und überhaupt, was fährt da ein anderes Auto, wo ich doch gerade komme. - Nun schlägt man eine Lösung für diese Kreuzung vor, welche mittels einer kühn geschwungenen Unterführung jegliche Rücksicht auf den Gegenverkehr unnötig macht und so die vielen "Abbieger" zu "Geradeausfahrern" macht, um auch Männern es möglich zu machen, von Santa Cruz unbeschadet nach Breña Alta zu gelangen. - Immerhin, das würde, nach dem ersten Kostenvoranschlag, 6,3 Millionen Euro kosten, also letztendlich wohl irgendwo zwischen 10 und 15 Millionen. - Freie Fahrt für freie Bürger war halt immer schon ein bisschen teurer als ein funktionierendes Gesundheitssystem. - Gut, ich werde wieder polemisch, aber ich habe eben gerade mal hochgerechnet, wie viele Ärzte man wie viele Jahre für dieses Geld im Inselkrankenhaus beschäftige könnte und bin dabei auf einen deutlich größeren volkswirtschaftlichen Nutzen gelangt, als durch die Untertunnelung schwieriger Kreuzungen entstehen könnte. Eigentlich reicht es auch, auf vielleicht 400 Meter eine dritte Spur Richtung Westen anzulegen, aus der einen Linksabbieger zu machen und schon ist diese Kreuzung männertauglich und so reduziert man die täglichen Monatsunfälle auf eine redundante Anzahl, sowohl täglich, als auch monatlich.

Platz genug wäre da, man müsste nur noch den Gegenverkehr im Auge und Gaspedal behalten und was kosten 400 Meter Spur? - Allerdings wäre das ein schwerer Schlag in die Hebebühne aller in der Gegend angesiedelten Autowerkstätten. Aber da wir nun viel Geld gespart haben, könnte man die Differenzsumme ja für die Ausgleichzahlungen verwenden, die wir nach europäischem Vorbild für die "Nichtkaputtisierung" von Fahrzeugen ausgeben. - So wie der geneigte Landwirt Geld erhält, dafür er bestimmte Flächen nicht bearbeitet, könnte man ja auch den Autowerkstätten ein bisschen europäisch näher kommen und für jedes nicht reparierte Auto einen Obolus bezahlen. - Kenner wissen nun schon, auf was ich wieder hinaus will, es gibt da ja auch immer noch den täglichen Monatsvorschlag der Nichtbelegungsprämie von Hotel- und Ferienhausbetten. - Das muss man mal progressiv und nachhaltig weiterdenken, eine Nichtbespielungsprämie für Golfplätze, eine Nichtbenutzungsprämie für Häfen auf der falschen Inselseite, eine Nichtbefahrungsprämie für unnötige Autobahnen und plötzlich mache ich mir keine Sorgen mehr um das dusselige Rezessionsgeschwafel zugereister Schreiberlinge. - Eine Nichtveröffentlichungsprämie, damit könnte ich reich werden, wenn ich meine tägliche Monatskolumnen nur noch jährlich ins Netz stelle und dafür täglich einen Monatsbetrag erhalte. - Herrgott lass es Abend werden, Morgen wird´s von selber.



Montag 09.06.08 - 20:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 22 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 59 % Luftdruck 1016 hPa
Höchsttemperatur heute 23,8 Grad - niedrigste Temperatur 17,2 Grad

Hilflos gegenüber der Arbeitslosenzahl und nur dürftige Erklärungsversuche

Es macht keinen Spaß über die stetig weiter wachsende Zahl der Arbeitslosen hier auf La Palma zu berichten. - Zu gering ist die Aussicht, mit einfachen Mitteln dort einzuhaken um probate Vorschläge zu machen, die Übersättigung an Arbeitskräften ist zu deutlich und wird sich auch von selbst, also mit einem Durchschreiten der Talsohle der Rezession nicht wieder von selbst auflösen. - 7.404 Menschen ohne Arbeit werden für den Monat Mai nun gemeldet, erneut ein absoluter Rekord für diese kleine Insel. - Das in Prozentzahlen auszudrücken ist nicht einfach, da man den Anteil der aktiven Bevölkerung unterschiedlich berechnen kann und sich so, je nach Interessenlage, verschiedene Prozente ergeben. - Man darf aber inzwischen wohl vom Überschreiten der 20 Prozent-Marke ausgehen, damit liegen wir einsam an der Spitze dieser Negativ-Kategorie für die Kanarischen Inseln. - Immerhin sind die Arbeitslosen relativ gerecht über die einzelnen Gemeinden verteilt, dort gibt es keine großen Ausrutscher, alle tragen wir unser Päckchen der Nachwehen des zu schnellen Wachstums. - Wir haben in den letzten 10 bis 15 Jahre weit über unsere Verhältnisse, sowohl finanziell wie auch demographisch gebaut, gekauft und Geschäfte eröffnet, die jetzt logische Sättigung kann aber nur schwer verdaut und überwunden werden.

Unisono beschuldigen sowohl Sprecher der Gewerkschaften aber auch der Politik, die unbekannte Anzahl derer, welche zwar wohl in Lohn und Brot stehen, sich gleichzeitig aber vom Arbeitsamt noch "mitversorgen" lassen. - Bis zu 3.000 Personen sollen das sein, auch wenn ich diese Zahl weder belegen noch dementieren kann, erscheint mir das etwas zu hoch gegriffen. - Aber natürlich gibt es dieses Phänomen des Leistungsbetruges auch hier, aber den gab es immer und verringert wohl die Anzahl der Menschen um die man sich Sorgen machen muss, erklärt aber nicht den rasanten Anstieg der Arbeitslosenzahl. - Im Gegenteil, man kann eher davon ausgehen, dass es früher noch mehr Arbeiter ohne Papiere gab als heute, die immer schärfer werdenden Kontrollen haben da wohl spürbare Konsequenzen aufgezeigt. - Die Branchen Bau und der Dienstleistungssektor sind nach wie vor die Schwachpunkte unserer Beschäftigungssituation, die miese Lage auf dem Bau und Immobilienmarkt trägt wesentlich zum Anstieg der Arbeitslosenzahl bei. - Allerdings ist der größere Anteil der Arbeitslosen im Bereich "Servicios" zusammengefasst, was man eben mit Dienstleistungen zusammenfassen kann, leider sind aber die Branchen dort nicht weiter spezifiziert, so dass sowohl der Handel, die Gastronomie und auch das Hotelfach dort unter anderen versteckt sind. Genauere Analysen sind somit nicht möglich.

Interessant, vielleicht sogar ein Wink mit dem Zahnstocher könnte ja sein, dass ausgerechnet der schon oft belächelte und totgesagte Sektor der Landwirtschaft als einziger, eine Abnahme der Arbeitslosen vermelden kann. - Dass es kein Zaunpfahl ist, sondern nur ein Zahnstocher, liegt an der fast rührenden Zahl von 6 Anstellungen, welche im Primärsektor im Monat Mai gegenüber dem April getätigt wurden. - Hauptproblemgruppe innerhalb der erwerbslosen Personen ist die große Gruppe der Menschen ohne spezifische Ausbildung oder gar ohne Schulabschluss, die sich um die gering bezahlten Jobs reißen müssen, welche geringe Qualifikationen erfordern, aber gerade bei diesen Stellen macht sich die große Zahl der Immigranten bemerkbar, welche das Lohnniveau im gewerblichen Bereich bereits spürbar gedrückt haben. - Es ist auch nicht auszuschließen, dass der Druck auf die Löhne in den unteren Einkommensgruppen den Anreiz für Schwarzarbeit wieder erhöht, gerade viele Immigranten fürchten die negativen Folgen erwischt zu werden, nicht wirklich dramatisch, da sie ohnehin La Palma nur auf Abruf besuchen. - Schnelle Lösungen gibt es also nicht, lediglich die wenig nachhaltige Aktion viel öffentliches Geld nun wieder in Infrastrukturarbeiten zu stecken und privaten Investoren das Geldausgeben zu vereinfachen. - Langfristig kann es aber nur durch solidere Ausbildung gehen und auch die Qualität der angebotenen Arbeitsstellen zu erhöhen, also nicht unbedingt mehr, aber eben besser und in einem Lohnniveau, welches einem Arbeitnehmer ermöglicht, ohne Trickserei und Kredite eine Familie zu ernähren. - Gut, aber das war nun schon keine palmerische Naivitätsstudie mehr, sondern bereits eine Europäische…



Montag 09.06.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 18 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 68 % Luftdruck 1016 hPa

Honigsüßer Streit

Streithansel gibt es überall und kippt man dann noch eine Portion Trotz und Honig darüber, dann kann man mitunter ein absurdes Possenspiel erleben, welches klebrig und zäh irgendwann vor Gericht endet. - Oder auch nicht endet, denn in diesem Fall hat selbst das Gericht keine Lösung gebracht. - Es geht um die "Casa de la Miel" in Tijarfe, eine Einrichtung die allen Imkern dieser Insel ein Labor und weitere Hilfsmittel für die Honigerzeugung zur Verfügung stellen sollte, aber eben nie wirklich in Funktion trat. - Es handelt sich dabei also auch um Steuergelder, denn die Inselregierung hat die "Casa de la Miel" bezahlt und nun streiten sich die Betreiber, wer denn da rein darf und was dort gemacht wird und das geht nun schon gute zwei Jahre so, ohne dass die Imker von dieser Einrichtung profitieren können. - Die Betreuung und auch den Betrieb der "Casa de la Miel" hatte man seinerzeit der Organisation "Apicultores El Corcho" übertragen, deren Präsident Zósimo Cáceres ist, der aber wiederum die Zusammensetzung des restlichen Vereinsvorstandes nicht anerkennt und denen die Schlüssel zur "Casa de la Miel" nicht herausrückt.

Alle Versuche zu schlichten sind über die Jahre gescheitert, schließlich landete die Sache vor Gericht, allerdings erschien Zósimo Cáceres nicht zum vereinbarten Termin, so dass die Richterin keine Entscheidung treffen konnte. - Ein weiterer Versuch der Einigung scheiterte dann an einem Formfehler der restlichen Vereinsmitglieder, weil man der Bevollmächtigten vor Gericht (Procuradora) nur eine Vollmacht für die schriftliche Verhandlung gegeben hatte, nicht aber für die Mündliche. - Neuwahlen des Präsidenten wären nun angesagt, die aber muss der alte Präsident selbst ausrufen und da beißt sich die Biene wieder in den Stachel und man wird nun mal sehen, wann die Casa de la Miel sich mal wieder mit Honig füllen kann und nicht nur mit Polemik. - Ein Streit kommt nie zur rechten Zeit, allerdings hätte man in diesem Fall den Zeitpunkt nicht ungünstiger wählen können. - Seit gut zwei Jahren nun bedroht auch auf La Palma die Varroa-Milbe den Bienenbestand und die Imker der Insel bräuchten Eintracht, Rat und Hilfe bei der koordinierten Bekämpfung dieses tödlichen Bienenparasiten. - Dabei hätte das Casa de la Miel als Zentrale dienen können, um den Kampf gegen die Varroa-Milbe auszunehmen, so aber bleibt das Honighäuschen geschlossen und wartet darauf, dass irgendjemand die Pollen der Vernunft einschweben lässt.



Sonntag 08.06.08 - 17:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 22 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 60 % Luftdruck 1016 hPa
Höchsttemperatur heute 22,6 Grad - niedrigste Temperatur 17,3 Grad

Vox popoli

Interessante und lustige Möglichkeiten ergeben sich durch die neuen Gimmicks in den Online-Ausgaben unserer Zeitungen. - In manchen kann man inzwischen seine Leserkommentare zu den Artikeln abgeben und ab und zu ist das auch ziemlich eindeutig, wie gewisse Meldungen aufgenommen und von der "Vox popoli" wiedergegeben werden. - Abgesehen davon, dass wir uns bei den Kommentaren in der dunklen Welt der Anonymität bewegen und man diesen Stimmen eigentlich keine Stimme geben dürfte, weil nur der eine Meinung haben darf, der auch einen Namen hat, den richtigen und einzigen der einen identifizieren kann, wohlgemerkt kann man doch gewisse Strömungen und Tendenzen aufzeichnen. - Es geht, wieder mal um eines der vielen Kapriziöschen unserer reichlich selbstherrlichen Provinzregierung, die wohl täglich weiter entfernt von der Bevölkerung dieser Inseln sich ihr Traumland zusammenbastelt. - Hier beziehen wir uns auf das aberwitzige Projekt der autonomen kanarischen Polizei, welche man gerne als vierte Exekutive neben der Guardia Civil, Policía Nacional und Policía Municipal gründen möchte. - Gründen möchte, ist fast schon zu zahm ausgedrückt, man wird diese gründen und alle warnenden Stimmen, dass man diese Polizei doch gar nicht braucht, die werden unkommentiert liegen gelassen.

Mehrfach habe ich bereits über den offensichtlich Unsinn geschrieben eine weitere Polizeitruppe hier aufzubauen und damit nicht nur ein finanzielles Risiko einzugehen, sondern unter Umständen sogar die Arbeit der jetzt bereits voll funktionierenden Polizeikräfte durch Kompetenzgerangel zu gefährden. - Dabei liegen die Grundprobleme unserer Inseln nicht auf dem Gebiet der Sicherheit, denn wir sind in der Kriminalstatistik ein gelobtes Land gegenüber dem spanischen aber auch europäischen Durchschnitt, unsere Hauptprobleme und eben die, welche die Bevölkerung direkt angehen, liegen in den Bereichen Gesundheit, Erziehung und Umweltschutz. - Da aber wird gespart und die Kranken müssen Monate oder gar Jahre auf einen Termin beim Spezialisten warten und unsere Lehrer sind derart unterbezahlt, dass diese streiken müssen um ordentliche Gehälter. - Darüber hinaus hat Madrid, als Zentralregierung bereits angekündigt, die rechtliche Grundlage einer autonomen kanarischen Polizei deutlich prüfen zu lassen und auch, dass man diese auf keinen Fall mitfinanzieren würde, da man ja bereits die Guardia Civil und die Policía Nacional komplett aus staatlichen Mitteln bezahlt. - Den Unsinn dieser neuen Polizeitruppe kann man auch, zum Teil köstlich, zum Teil aber auch bitterböse bis verzweifelt in den kleinen Kommentaren nachlesen, die in Canarias 7 abgedruckt sind. - Da bemerkt einer, dass von bislang 34 abgegebenen Kommentaren lediglich zwei pro kanarische Polizei sind und alle anderen dagegen und fragt, ob es denn tatsächlich das Volk war, welches unsere Abgeordneten, die wir dahin gestellt haben wo sie sind, aufgefordert haben diese Polizeitruppe auszustellen. - Ein anderer meint: Oh Gott, welche Schande, anstatt Gesundheitsdienst und Schulen zu verbessern wollen sie auch noch Hand anlegen an das Einzige was hier funktioniert. - Na so krass würde ich das nun nicht ausdrücken wollen, aber lesen sollten diejenigen, für die diese Kommentare bestimmt sind. schon auch mal. - HIER geht es zum Artikel in Canarias 7 und den Kommentaren. - Wohl dem, der Spanisch kann und besonders Flüche und Beschimpfungen beherrscht…



Sonntag 08.06.08 - 10:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 18 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 70 % Luftdruck 1017 hPa

Día del Campo Palmero

Den Tag der Arbeit, den Muttertag, den internationalen Frauentag, alles so etwas kennen wir ja in diversen Farben und Vorhaben, wobei ich schon manchmal ein bisschen "fremdle", ob wir da nicht zu viel Phantasie beweisen. - Es gibt hier auch noch den Tag der Lehrer, an dem Tag müssen sie nicht streiken, den Tag der Polizisten, da kann man deutlich einfacher einen Parkplatz finden, den Tag der Feuerwehrleute, da herrscht Rauchverbot auf der ganzen Insel und den Tag der Streitkräfte, da kann man sich kräftig streiten. - Tage die es nicht gibt, sind dagegen schnell aufgezählt, den Tag der katholischen Pfarrerinnen, den Tag der Ferienhausvermieter und den Tag des Politikers, der auch der Tag der Vernunft genannt wird, weil kein Politiker an diesem Tag seinen Mund aufmacht. - Heute ist der "Día del Campo Palmero", also der Tag der palmerischen Landwirtschaft und verständlicherweise kennt man diesen außerordentlichen Spezialtag nur hier. - Es wäre auch ein bisschen verwirrend, diesen Tag mitten in Masuren zu zelebrieren, deren Kenntnis über Weinbau und Bananenzucht könnte dann doch nicht ausgereift genug sein. - Aber vielleicht gerade deswegen, denn bei aller wachsender Betriebsblindheit, gehen uns selbst oft die geforderten Instrumente für eine erfolgreiche landwirtschaftliche Produktion nicht ordentlich zur Hand.

An diesem Tag, so wie jedes Jahr, sitzen viele Landwirte, deren genossenschaftlichen Vertreter und die Politiker an einem Tisch und üben den gemeinsamen Trinkspruch der Harmonie, skandieren gegen Subversion aber für Subvention. - Wenn alles gut geht, also genügend Koteletts und Wein vorhanden sind, dann kann dieser Tag ein erfolgreicher für die Politiker werden, die echten Gespräche finden ja doch vorher im kleineren Rahmen statt und niemand wird, angesichts der zahlreich erscheinenden Landmänner, die echten und brutalen Probleme dieses Sektors wirklich diskutieren wollen. - Gläser heben, zuprosten, das Wetter ist gut und für Streiten und Diskutieren hebt man sich andere Tage auf. - Dabei ist in letzter Zeit zunehmend auch Eigenkritik laut geworden und man hinterfragt, ob denn das bisherige Modell, subventionieren bis ein Überangebot besteht, wirklich nachhaltige Landwirtschaftspolitik sein kann. - Das jüngste Beispiel; Im Wienbau hat man Gelder ausgeschüttet um brachliegende Flächen zu rekultivieren mit dem Ergebnis, dass wir nun in einem Weinsee zu ertrinken drohen und die Preise derart im Keller sind, dass mancher Winzer nur auf die nächste Subventionskultur wartet, die er dann auf seinem Weinberg installieren kann. - Das ist natürlich ein Extrembeispiel, aber man ist das prinzipielle Problem der Vermarktung ja auch nie angegangen und hat sich auf Produktion und deren Verbesserung konzentriert. - Das sind auch wichtige Teile im marktwirtschaftlichen Ablauf, aber die Vermarktung ist dabei unsere Schwachstelle und lässt alle Anstrengungen, welche wir in der Steigerung der Produktion oder Verbesserung der Produkte unternehmen, sinnlos platzen. - Man muss das Zeug halt auch verkaufen was man an mühsam anpflanzt und da genau müssen wir noch sehr viel dazulernen. - Es ist halt nicht unsere Stärke, uns gut zu verkaufen und vielleicht sollte man dann aber so weise sein, dieses Feld Profis zu überlassen und lieber diese zu subventionieren, als weitere Überproduktion. - Immerhin, der "Día del Campo Palmero" und sein rauschendes Fest mit Landwirten und Politikern kann ein kleines bisschen tun in die richtige Richtung, zumindest wird heute daran gearbeitet, dass der große Weinsee auf La Palma ein bisschen kleiner wird. - Oder glauben Sie einer der Politiker dürfte es an dieser Tafel wagen nach Rioja oder gar einem leckeren Franzosen zu fragen? - Sollen die den Wein ruhig austrinken, den sie uns einsubventioniert haben…



Samstag 07.06.08 - 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 23 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 57 % Luftdruck 1016 hPa
Höchsttemperatur heute 23,8 Grad - niedrigste Temperatur 16,7 Grad

Die gute Nachricht

Seit dem Jahr 2006 ist auf La Palma kein Mensch mehr im Straßenverkehr gestorben und auch die Anzahl der schweren Autounfälle mit verletzten Personen ist deutlich gesunken. - Das ist doch mal eine richtig schöne Nachricht die man uns da zukommen lässt. - Allerdings liegen wir dabei auch im Trend ganz Europas, nur eben mit dem Unterschied, dass wir nicht weniger Verkehrstote haben, sondern ein deutliches Zeichen gesetzt haben mit überhaupt keinem Toten mehr. - Das ist insofern auch noch bemerkenswert, weil der Autoverkehr auf La Palma die letzten Jahre spürbar zugenommen hat und erst Ende letzten Jahres eine Stagnation der Verkehrsdichte eingetreten ist. - Die Gründe für die gewachsene Sicherheit auf unseren Straßen ist somit auch allgemein erklärbar und für La Palma gibt es keine inselspezifische Erklärung, warum das so ist. - Man würde natürlich gerne behaupten, wir seien alle vernünftig geworden, was zum Teil sogar stimmt, aber das hat eher was mit der Androhung von höheren Strafen zu tun und den immer häufigeren Verkehrskontrollen.

In der Tat ist das ehemalige Kavaliersdelikt mit Alkohol am Steuer erwischt zu werden nun zur Straftat mutiert und ein Punktesystem, ähnlich wie man es aus Deutschland kennt, bedroht besonders heftig die stoischen Verkehrsrowdys, welche selbst durch wiederholte Geldstrafen bislang nicht lernen wollten. - Dazu kommt auch die andauernde Verjüngung des Fahrzeugparks und die damit höhere Sicherheit für die Verkehrsteilnehmer, jede neue Generation an PKW bringt mehr Details und Technik, welche im Fall des Falles die Folgen eines Unfalls mindern. - Man will auch noch weiter an der passiven Sicherheit unserer Straßen feilen, so sollen an den Hauptverkehrsstraßen, die bislang starren Hinweisschilder durch flexible Halterungen ersetzt werden, was besonders für Motorradfahrer ein sehr hilfreiches "Gimmick" sein könnte. - Da wundere ich mich ja sowieso immer wieder, wie wenig mit den kleinen, aber superschnellen Mopeds passiert, welche, meist von jugendlichen Fahrern gesteuert, oft unverzeihbar gefährliche Manöver vollziehen, welche jedem Autofahrer dem sie begegnen die pure Angst einjagen. - Aber die haben halt auch oft einfach nur Glück und finden andere Verkehrsteilnehmer, die im entscheidenden Augenblick zurückziehen um Unfälle zu verhindern. - Dennoch, im Straßenverkehr zu sterben oder derbe verletzt zu werden gehört zu den unnötigsten Tragödien überhaupt und ist noch unnützer als ein Kropf, denn jeder Unfall ist vermeidbar, wirklich jeder.



Samstag 07.06.08 - 09:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 18 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 75 % Luftdruck 1017 hPa

Kennen Sie Kino?

An solchen Sprüchen kann man in etwa das Alter eines Menschen abschätzen, denn nur ein gewisser, entjüngter Teil der Bevölkerung, kann sich noch an diese Sendung mit Hellmut Lange erinnern. - Wir machen hier jetzt aber kein heiteres Filmchen-Raten, ich würde mich böse blamieren dabei, ich wollte Ihnen nur erzählen, dass in El Paso nun die erste Filmschule der Kanarischen Inseln eröffnet hat. " La Escuela Encantada" nennt sich diese private Einrichtung, "die verzauberte Schule" soll das in etwa heißen und offenbart mit dem Titel wohl die unendlichen Möglichkeiten welche die Filmkunst parat hält, um Phantasie und Kreativität der Menschen anzuregen. - Gegenüber der alten Kirche, mitten im historischen Kern El Pasos haben die Macher der Schule mit erstaunlich viel Aufwand ein altes Gebäude erworben und renoviert, man darf also mindestens davon ausgehen, dass Startkapital für diese Unternehmung vorhanden ist oder war. - Aber auch die künstlerische Kompetenz ist vorhanden, die Produzentin und Regisseurin Mercedes Afonso ist mit an Bord der Filmschule, genau so wie Francisco Concepción, bekannter Maler und "studierter Künstler".

Wie kommt man nun auf die Idee, eine Filmschule in der ländlichen Umgebung El Pasos zu installieren und nicht zum Beispiel in einer der Universitätsstädte des Archipels? - Die Antwort wird nicht sofort komplett beantwortet, aber Initiativen aus El Paso, besonders auf kulturellem Gebiet, haben schon so manche kleine Sensation angeschoben wie die Besuche großer und internationaler Konzertorchester oder eben den Besuch des internationalen Festival des digitalen Films, dem "Festivalito". - Denn eines ist klar für die Filmschule, die machen das auch um Geld zu verdienen und dazu braucht man auch ein gerüttelt Maß an Kunden, die bereit sind für die Kurse und Unterrichtsmodule Geld zu bezahlen. - Das wird mit Sicherheit auch ein Spiel mit langfristigen Perspektiven, solch eine Einrichtung lebt nicht alleine davon, dass sie einfach da ist, sondern vom Prestige und Ruf, besondere Leistungen anzubieten und auch Erfolge vorweisen zu können. - Dazu muss man aber einen langen Atem haben und den wünsche ich den Betreibern, aus voller Lunge.



Freitag 06.06.08 - 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 21 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 70 % Luftdruck 1017 hPa
Höchsttemperatur heute 22,8 Grad - niedrigste Temperatur 16,5 Grad

Abgesang auf einen kleinen Freund

Am meisten ärgert mich bei allen Medienberichterstattungen immer, dass nur darüber berichtet wird, was passiert und nie darüber, was denn nicht passiert ist. Dabei ist zum Beispiel das Schicksal eines Mannes, der nicht im Lotto gewonnen hat, doch viel tragischer, als das Leben eines Lottogewinners. - Ebenso im Flugverkehr, da wird auch immer nur über die paar Maschinen berichtet die abstürzen, oder beim Landen mit der Tragfläche den Boden zuerst berühren, nie aber über die abertausenden an Flugzeugen, die treu und brav ihren Dienst verrichten und so landen und starten wie sich das gehört. - Oder betrachten Sie die nachmittäglichen Sit- oder Stehcoms in den Privatsendern, da fällt mir jedes mal wieder ein, warum man denn gerade diese Flitzpiepen da auftreten lässt, jeder andere wäre doch interessanter und könnte unter Umständen sogar einen kompletten Satz formen. - Gegen diese, meines Erachtens ungerechte Darstellung fast aller Geschehnisse möchte ich nun angehen und zuallererst damit einen Freund ehren, der uns vielfüßig und kurzweilig die letzten Jahre jeden Winter besucht hat und mehr als nur einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat. - Nein, ich möchte damit nicht die Brezeldiebe ehren, die so nach und nach die Insel wieder verlassen um die Primeln endlich in den heimischen Garten zu senken, die werden speziell noch mal geehrt werden, aber eben erst dann, wenn keiner mehr von ihnen spricht.

Es geht um den Diplopoda Julidae ommatoiulus moreletii, über den frevelhafterweise auch schon niemand mehr spricht, vor zwei, drei Jahren aber auf La Palma noch Hauptgesprächsthema war. - Dabei hat unser kleiner possierlicher Freund nur das getan, was alle von ihm wollten. Er hat sich zum Teufel geschert, ist dahin gegangen wo der Pfeffer wächst, hat sich verdrückt, Fersengeld gegeben. - Wobei das teuer ist, das Fersengeld, besonders wenn man ein Tausendfüßer ist. - Wer also den lateinischen Namen noch nicht verstanden hat, ich rede vom Schwarzen Portugiesischen Tausendfüßer, auch fälschlicherweise Drahtwurm genannt, oder hier einfach "Bicho Negro", milpié oder falangista. - Das mit dem falangista ist immer erklärungsbedürftig, hat aber einen logischen wie einfachen Sinn: Sie sind schwarz, treten immer in Horden auf und niemand braucht sie. - Die letzten Jahre verwöhnte uns dieser, inzwischen äußerst rare Kamerad mit Massenauftritten, die jedem Reichssportfeld zur Ehre gereicht hätten und entwickelte sich für viele zum meist gehassten Tier, vielleicht gleich nach dem Fiffi des Nachbarn, der immer in die falsche Hauseinfahrt macht. - Aufgrund seines wenig geforderten Intellekts, konnte sich der Tausendfüßer nie so richtig einbringen, also menscheln, vielleicht mit dem Schwanz wackeln oder gar liebevoll schnurren und hat des Menschen Grundregel auch nie verstanden die da heißt: Wir sind zwar alle tierlieb, aber nur bis zur Haustür und keinen Schritt weiter und schnuckelige Tiere haben maximal vier Beine, wer mehr hat, der ist verdächtig, oder krabbelndes Gesockse und gehört sicherlich der As(ch)sel des Bösen an. - Dabei ist der Tausendfüßer völlig harmlos, so gar kein Osama bin krabbeln, und macht beim Aufeinandertreffen mit der Spezies Homo sapiens chemiucs eigentlich immer nur eines, nämlich sterben. - Mal landete der gutbefußte Wandersmann in Eimerfallen mit Bier oder Wasser bestückt - was für ein Frevel - manchmal griffen nervöse Zeitgenossen zur chemischen Keule und besprühten ihre Gemarkungen so reichlich mit Nachfolgeprodukten der Zyklon-B Serie, dass das Problem mit Nachbars Fiffi auch gleich noch nachhaltig gelöst wurde.

Allerdings erwies sich die Besen und Schaufel Taktik als die einzig wahre Notstandsmaßnahme, so viele Tausendfüßer wie es noch vor drei Jahren gab, die ließen sich nicht einfach ausrotten, kurze, aber wiederholte ethnische Säuberungsaktionen schafften immer wieder zwischenzeitliche Erleichterung. - Nun gibt es jeden Winter weniger dieser Tiere und in dieser "Krabbelsaison" sind die Diplopoden fast gänzlich verschwunden und niemand nimmt das wahr und beklagt das Wegbleiben von krabbelnden Demonstranten der Biodiversität im Weltbiosphärenreservat La Palma. - Ob das normal ist, dass es Jahre der Fülle gibt und Jahre des Mangels, das kann man sowohl vom philosophischen Standpunkt, als auch in der Marktwirtschaft deutlich bejahen. - Ob es aber normal ist, dass die Tausendfüßer ein paar Jahre in Massen auftreten und danach fast unter Naturschutz gestellt werden müssen, das sollten wir vielleicht den diplopodischen Wissenschaftlern überlassen. - Ähnliche Phänomene in der Natur gibt es allemal zu beobachten, denken wir nur an die Maikäfer, die Lemminge, Sozialdemokraten oder englische Touristen auf La Palma. - Mir fehlen sie jetzt schon schmerzlich, nein, nicht die Sozialdemokraten oder die Engländer, ich vermisse unsere kleinen krabbelnden Freunde, war es doch eine herrliche Möglichkeit das Jammerpotential einer kompletten Inselbevölkerung samt Besucher vom Wetter und der Rezession abzulenken. - Gut, da müssen wir durch, Bayer oder die Evolution lassen da keine Zwischentöne zu, entweder - oder heißt es da. Nur, dass niemand mitbekommt, dass etwas nicht mehr da ist über das man sich noch vor einem Jahr menschlich geärgert hat (tierisch geärgert wäre absolut unpassend), das möchte ich mal einen handfesten Skandal nennen. - So sind sie halt die Menschen und die Medien, berichten über strunzblöde Blondinen im Knast und geraten in Ekstase, wenn Eisbärenbabys in Zoologischen Gärten die Stiefel der Tierpfleger anknabbern. - Dass aber hier auf La Palma etwas nicht geschehen ist, nämlich die jährliche Tausendfüßerplage, das nimmt mal wieder niemand war. - Übrigens wollte ich der Weltpresse noch etwas mitteilen: Auf La Palma ist kein Vulkan ausgebrochen, die Westflanke der Cumbre Vieja ist nicht ins Meer gerutscht und an die 45 Badende sind nicht ertrunken sowie 13 Wanderer nicht abgestürzt.





Freitag 06.06.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 75 % Luftdruck 1018 hPa

Stiller Klimawandel

Langsam glaube ich ja nicht mehr an die versprochene Erderwärmung, welche uns der rapide Klimawandel versprochen hat, wir haben einen sehr kalten Mai hinter uns, und die halbe Familie ist schon wieder erkältet. - Ist natürlich Blödsinn diese Aussage, aber auch undeutliche und anscheinend harmlose Wetterphänomene und nicht immer nur die Unwetter, können schon mal deutlich gegen den Trend anlaufen. - So kann man den frischen Mai in diesem Jahr ganz einfach mit dem Fehlen des Windes erklären, welcher nötig ist, um die Sperrschicht auf etwa 1.200 Meter aufzuheben, damit die selbst produzierten Wolken welche tagsüber über dem Land entstehen sich in der trockeneren Luftschicht in größerer Höhe auflösen können. - Wir haben aber einen, fast komplett windstillen Mai hinter uns, ganz einfach weil das Azorenhoch und damit der Passat nicht in dem Maße funktioniert haben, wie man das eigentlich so kennt und erwartet. - So bildete sich an fast allen Maitagen spätestens ab Mittag eine Wolkenschicht, so dass die Temperaturen einfach nicht weiter steigen konnten. - Das ist alles noch kein Beinbruch, nicht mal ein Trend, einfach nur eine Beobachtung, welche sich in einer Durchschnittstemperatur für den Mai ausdrückt, die noch knapp unter der des Aprils dieses Jahres lag. - Der Unterschied ist nicht groß, für den April errechneten wir 19,26 Grad als Schnitt und für den Mai, deren 19,12 Grad, aber der Mai sollte dann halt auch bei uns bereits deutlich über den Werten des April liegen.

Daraus lässt sich natürlich noch keine Verschwörung des Klimawandels stricken, aber dass da irgendetwas "im Busch" ist, das hat nun wirklich jeder schon mitbekommen, nur bewerten wir meist ausschließlich die brutalen Unwetterphänomene als ausdrucksstarkes Merkmal eines sich schnell verändernden Klimas, die kleinen und steten Änderungen fallen dabei ganz aus dem Blickwinkel des Betrachters. - Es tut ja auch keinem weh, wenn der Mai mal ein bisschen frischer ist als der April und daraus lässt sich auch schlecht eine reißerische Nachricht basteln oder gar ein Katastrophenfilm und Al Gore wird sich nun auch nicht deshalb nach La Palma begeben. Um mitzubekommen, dass wir schon mitten im zu schnellen Klimawandel stecken, brauchen wir stärkere Bilder als einen Mai, der kälter ist als der vorausgegangene April. - Klimawandel gibt es sowieso immer, das ist keine Erfindung der Menschheit, so überheblich sollten wir dann auch nicht sein, allerdings haben wir wohl mitgeholfen, dass aus einem langsamen Prozess, welcher der Biodiversität sonst Zeit lässt, sich an die veränderten Klimabedingungen zu gewöhnen, oder andere Zonen zu besiedeln, derart schnell abläuft, dass keine Zeit bleibt für Anpassung oder Migration. - Allerdings habe ich dafür keine hämmernden Bilder mit Sturm, Erdrutschen und Flutkatastrophen zu bieten, sondern nur einen störrischen Mai, der kälter war als der April.



Donnerstag 05.06.08 - 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 22 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 64 % Luftdruck 1019 hPa
Höchsttemperatur heute 22,9 Grad - niedrigste Temperatur 16,8 Grad

Plaudereien am palmerischen Tresen

Nicht, dass Sie glauben, ich ginge jeden Tag in die Kneipe, das stimmt nicht so ganz, manchmal denke ich leider… Ab und zu muss ich gegen Abend meine Kinder zu solch lebenswichtigen Lebensvorbereitungsaktivitäten wie Theater oder Musikunterricht bringen, dann bleibe ich lieber gleich oben in der Stadt und parke mich selbst am bequemen Tresen von Carlos, dem Fernsehkoch, dem Gesellschaftsphilosoph, dem einzigen Glatzkopf auf der Insel der einen Kamm besitzt, oder einfach nur mein Freund. - So früh wie ich dann in die Kneipe komme ist meist noch fast kein Betrieb und so hat Carlos dann wunderbar Zeit mit mir ein paar Minuten, die sich allerdings dehnen können, die neuesten wie ältesten Nachrichten zu übermitteln. - Nach den obligatorischen Witzen über sein, komplett nicht mehr vorhandenes Haupthaar, merkt man dann sehr schnell, ob heute sein Erzähltag ist oder sein Schweigetag. - Wenn sein Schweigetag ist, dann wird mir meist auch langweilig und die Bedienungen müssen dann ab und zu mit mir plaudern, aber das ist auch meist sehr kurzweilig und Themen gibt es ja mehr als Antworten und Sandkörner an unseren Stränden. Gehen wir mal von einem Plaudertag aus bei Carlos, dann lässt er sich ein Glas Weißwein bringen, aber immer nur von Probeflaschen, welche irgendein Lieferant dort abgegeben hat und Carlos probiert sich dann tapfer bis in die Mitte der Flasche hinein, da soll der Wein angeblich anders schmecken als die ersten beiden Gläser. - So etwas glaube ich ohne jeden Zweifel, jedem Menschen seinen Glauben, sein Himmelreich, seinen Humor und auch die speziellen Nöte.

Ein Gespräch unter Freunden behandelt hier meist diffizile Themen, gemeinsames Leid ist mindestens geteilt und jammern macht im Einklang sogar fast Freude. - Carlos und ich sind politisch absolut konträr und so beginnt auch meist ein lustiges Spiel, wer welche Frage wie stellt oder eben gar nicht, ob aus Respekt, oder Angst der Redefluss könnte abbrechen, das liegt an der Tagesform, aber immer bekommen wir dann auch über Umwege unsere Meinung auf den Tresen, der andere muss sie dann nur aufnehmen. - Wirte sind, so lange sie noch Menschenfreunde bleiben können, ähnlich erfahren wie lang gediente Taxifahrer oder Friseure, sie wissen derart viel über die aktuelle Stimmung in der Bevölkerung und keiner weiß mehr über die Nöte und Plagen, welche gerade die Gesellschaft heimsuchen. - Da findet sich momentan nicht viel erfreuliches, so viele Fiestas kann keine Gemeinde abhalten, obwohl wir uns nach Feierskräften bemühen, ohne dass der dunkle Sumpf der leicht erkennbaren Rezession unsere Laune verdunkelt. - Es sind zu viele Baustellen an denen wir basteln müssen um simple Rezepte zu entwickeln und unendlich weit von der Realität entfernt scheint die Politik ihren "Handlungsbedarf" mit Methoden aus dem letzten Jahrtausend erfüllen zu wollen. - Das grenzt an solchen Abenden schon fast an Melancholie, oder die berühmte russische Seele, obwohl wir nicht mal im Entferntesten wissen, was das bedeutet. - Es ist schon ein reserviertes und abwartendes Völkchen hier, mit unendlichen Tiefen in die man abtauchen kann, aber bevorzugt in Gesellschaft, was diese Ausflüge um die kantigen Ecken der Finsternis deutlich erträglicher macht. - Allerdings wecken wir uns meist rechtzeitig wieder auf, eine weitere bewundernswerte Eigenschaft dieser fast unbegreifbaren Brachialinsulaner, der Eigenkuss des Dornröschens gelingt uns fast im Vorbeigehen und nur wer die dunklen Tiefen seines Gegenübers kennt, der kann auch seine helle Freude spüren. - "Eigentlich müssten wir Luxussteuern bezahlen, hier leben zu dürfen", einer meiner Lieblingssprüche aus dem Munde Carlos, sicher bereits mittig bis unten angekommen, in der geschenkten Flasche Weißwein.



Donnerstag 05.06.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 75 % Luftdruck 1022 hPa

Das wichtigste Ranking des Jahres

"Ir de cañas" heißt zunächst nichts anderes als "ein Bier trinken gehen", wobei das "ein" sich schnell in den Plural verwandeln kann. - Auf jeden Fall bedeutet die Aussage, mit jemandem ein Bier trinken zu gehen eine deutliche Honorierung seines Gegenübers, man geht mit Griesgramen oder unangenehmen Zeitgenossen nicht die kostbarsten Stunden des Tages verbringen. - So gibt es jedes Jahr gibt es eine große Umfrage auf den Kanaren, mit wem man denn gerne mal "ein Bier trinken" gehen würde und immer wieder findet man dabei reichlich Überraschungen, aber auch einen gewissen Zeit- und Sympathiespiegel in den Aussagen wieder. - Dieses Jahr setzt sich der grauhaarige Humorist Manolo Vieria als beliebtester Feierabend- Partner knapp vor unserem Regierungspräsidenten José Luis Zapatero durch. - Manolo Vieria ist nicht unbedingt die Überraschung, so etwas darf man erwarten, der fegt derweil mit seinen, zum Teil derben Witzen durch Radio- und TV-Sendungen und bietet sicherlich genügend Kurzweil für einen reichlich lustigen Abend. - Eher überraschend ist da aber schon der zweite Platz Zapateros, welcher nun gar nicht als großer Humorist bekannt ist, sondern eher als solider und pingeliger Arbeiter, so darf man die Wahl seiner Person in anderen Gründen suchen als in der der reinen Unterhaltung.

Allerdings muss man anmerken, dass letztes Jahr Zapatero gar auf Platz eins dieses Ranking lag, er dieses Mal aber auch nur um ein paar Zehntel vom jovialen Humoristen geschlagen wurde. - Gleich danach präsentiert sich eine weitere, man darf ruhig sagen Sensation, Juan Fernando López Aguilar, kantiger Oppositionsführer der PSOE im Kanarischen Provinzparlament kommt auf einen bemerkenswerten dritten Platz und ist somit der einzige lokale Politiker, der es überhaupt in die Reihe der ersten 15 Plätze dieses gesellschaftlichen Rankings bringt. - Die weiteren Plätze nehmen Größen aus Showbiz und Sport ein und als einziger Dauerbrenner findet man in dieser Liste den König wieder, der sich seit jeher in diesem bedeutenden Ranking wieder findet, dieses Jahr auf Platz sechs, noch vor so illustren Figuren wie Fernando Alonso und dem Real Madrid-Star Raúl González. - Mehrere ganz große Verlierer gibt es aber auch in der Liste zu beklagen, so landet der Zapatero Herausforderer Mariano Rajoy, letztes Jahr noch auf Platz zwei, komplett abgeschlagen irgendwo unter "ferner standen" und aus der Riege der kanarischen Lokalpolitik niemand aus der regierenden Koalition von Partido Popular und Coalición Canaria auftaucht. - Das müsste man mal nach deutschen Maßstäben beleuchten, dann wären zwei SPD-Politker ganz vorne, wobei man in der aktuellen Beliebtheit dieser bundesdeutschen Randgruppe doch wirklich fragen darf, ob es überhaupt noch zwei SPD-Politker gibt, die ein Bierglas halten können. - Das darf man aber nicht so eng sehen, ich würde auch am liebsten mit einem sozial und demokratisch eingestellten Politiker mal ein Bier trinken gehen und das wäre Heiner Geißler… HIER geht es zur zum Artikel und der Skala der 15 beliebtesten Persönlichkeiten für einen netten Abend.



Mittwoch 04.06.08 - 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 24 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 51 % Luftdruck 1021 hPa
Höchsttemperatur heute 25,1 Grad - niedrigste Temperatur 16,3 Grad

Leichen im Keller

Oft wird gefragt, warum man in Spanien nicht wie in Deutschland versucht hat die Franco-Diktatur konkret aufzuarbeiten und alles was auch nur im Entferntesten nach Franco riecht aus dem täglichen Leben zu entfernen. - Die einfachste und vielleicht sogar richtige Antwort wäre: Weil Franco keinen Krieg verloren hat, aber das ist nur die halbe Wahrheit und wird dem Gesamtkomplex der spanischen Gesellschaft mit ihrer Vergangenheit nur zu plump gerecht. - Im Übergang von der Diktatur zur Demokratie, war der Verzicht der Opfer auf Rache und Gerechtigkeit fundamentale Basis, ohne dieses, damals nicht öffentlich ausgesprochene Versprechen hätte es keine friedliche Demokratisierung gegeben. Man verzichtete, wie man heute feststellen kann mit Erfolg, auf eine Einteilung des Volkes und seiner Machthaber in Opfer und Täter und stellte die Einheit des Staates so über die Verfolgung von offensichtlichen Straftaten. Der Gesamtkomplex ist historisch immer noch umstritten und es mangelt auch nicht an Kritik an diesem Verfahren, aber es wurde und wird von der Mehrheit des Volkes und seiner Abgeordneten bis heute getragen. - Ein großes Manko dabei zeichnet sich für Chronisten ab, die Regierung Franco war so lange und auch in den ruhigeren Zeiten nach den schrecklichen Wirren des Spanischen Bürgerkrieges an der Macht, dass man sich etwaiger Beweismittel und Aufzeichnungen aus den dunkelsten Tagen gründlich entledigen konnte. - Dazu muss man auch noch wissen, dass viele Verbrechen in dieser Zeit überhaupt nicht auf Geheiß der Franco-Regierung geschahen, sondern von lokalen Führern, welche sich nur zu leicht rekrutieren ließen, die aus persönlichen oder Machtgründen verübt wurden und nie Kenntnis davon bis nach Madrid gelangt ist. Das macht es aber den Historikern bis heute schwierig, die einzelnen Abläufe der Verbrechen aufzuklären und besonders das Schicksal der vielen Verschwundenen zu klären.

So ist die Suche nach den Opfern dieser Zeit auch sehr auf private Initiative angewiesen, trifft aber meist auch auf Hilfe der lokalen und provinziellen Korporationen, heute stellt man sich auch nicht mehr in den Weg, wenn es darum geht das Schicksal der Opfer aufzuklären. - Auf La Palma sucht man nach etwa 80 Vermissten, hat aber nur bei 53 Personen auch konkrete Hinweise, dass diese hier auf La Palma erschossen wurden und nicht verschleppt, so wie es den meisten Franco-Gegnern, aber eben auch unbequemen Nachbarn der eingesetzten Lokalfürsten ergangen ist. - Bislang hat die "Gesellschaft zur Wiedererlangung des historischen Gedächtnis" (asociación de la recuperación de la memoria histórica) wie sich die Gruppierung nennt, bei Ausgrabungen in Fuencaliente erst acht Leichen entdecken können und von diesen auch nur zwei wirklich identifizieren können. - Daher wendet sich nun der Verein an die Öffentlichkeit und sucht nach Familienangehörigen der damaligen Opfer, um genügend Material für Gentests zu erhalten, um die gefundenen Körper auch zuordnen zu können. - Darüber hinaus ist es gelungen, durch ständiges Wühlen in privaten Archiven und Befragung der älteren Generationen hier auf La Palma die etwaige Lage von vielleicht 40 möglichen Gräbern auszumachen, obwohl man selbst weniger optimistisch ist und nur in knapp 20 Fällen so viele konkrete Hinweise erhalten hat, dass sich zielgerichtete Ausgrabungen überhaupt lohnen könnten. - Die meisten Opfer werden wie gesagt in Fuencaliente vermutet, aber auch in fast allen anderen Gemeinden hat man "Rote Flecken" eingezeichnet, welche auf weitere Grabstellen hindeuten könnten. - Für die Ausgrabungen braucht man natürlich Geld und das soll von der Insel- und Provinzregierung kommen und beide Institutionen haben ihre Zusage auch deutlich gemacht, man möchte aber sich schon gerne auf wirklich konkrete Stellen beschränken und nicht einfach überall buddeln, bloß weil irgendein Nachbar damals verdächtige Aktionen in einem Waldstück beobachtet haben will. - Sorgen macht aber den Verantwortlichen auch die nur wage Möglichkeit die Überreste der Verschwundenen identifizieren zu können, man ist sich wohl bewusst, dass man alleine mit dem Auffinden von Skeletten nicht dem historischen Gedächtnis dient. - Warum sich so wenige Angehörige melden, um probefähiges Genmaterial zu spenden, das schieben die Aktiven der Gruppierung zum Teil auch auf den Wunsch vieler Angehöriger, die geschehenen Dinge und Gräueltaten nicht wieder in die Gegenwart zu holen, und die Dinge endlich ruhen zu lassen. - Man kann solch eine Aufklärung eben auch nicht erzwingen und wird sich wohl damit abfinden müssen, dass viele Fragezeichen aus der damaligen dunklen Zeit dieses Landes weiter über den Wäldern La Palma stehen bleiben.



Mittwoch 04.06.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 16 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 72 % Luftdruck 1019 hPa

Die Kritik der unreinen Vernunft

Eindeutige Positionen zu beziehen kann manchmal schwer sein, auch und gerade in der Politik. - Dabei muss man allerdings zwischen Regierung und Opposition unterscheiden können, die Einen beschließen, die Anderen kritisieren, und wenn man Glück hat, so aus Volkes Blickwinkel gesehen, dann ist die Regierung schlauer als die Opposition. - Es geht um den bereits so oft besprochenen und doch reichlich unbekannten touristischen Sondernutzungsplan für La Palma, hier immer nur in den Diskussionen kurz "PTE" genannt. - Grundsätzlich sieht dieser Plan eine Deckelung des Bettenangebotes auf La Palma vor und regelt "darunter" die Form und die Möglichkeiten, wie diese Anzahl der Betten verteilt und vergeben wird. - Leider richten sich dabei die Vorgaben nicht nach der Realität und nach Angebot und Nachfrage, sondern bevorzugen ein touristisches Modell, welches den konventionellen Vermarktungssektor bevorzugt und mit noch mehr großen Hotels, Jachthäfen und eben den vier angestrebten Golfplätzen den wirklichen Vorzügen dieser Insel keine Bedeutung beimisst. - Anstatt die Singularität dieser Inseln konsequent und glaubhaft auszubauen, entsteht so eine schwammige Kopie anderer genormter Ferienregionen und wir müssen uns so an Preis und Qualitätsstandard einer Beurteilung unterziehen, die überhaupt nicht unsere ist, und auch nicht sein kann. - Der touristische Sondernutzungsplan für La Palma entlässt die eigene Verantwortung und mögliche Gestaltung eines nachhaltigen Tourismus und dessen Renditen für die Region aus den Händen der Einwohner in die von Reiseveranstaltern und Fluggesellschaften und macht sich so zum willfährigen Spielball der wirtschaftlicher Interessenlagen internationaler Finanzjongleure.

Eine recht unauffällige wie unglückliche Rolle spielt in dem beklagenswerten Prozess eines falschen Planes auf der falschen Insel zur falschen Zeit, die einzige politische Opposition die wir haben, die Sozialisten der PSOE. - Von anfänglicher demonstrativer Ablehnung, bis hin zu leiser Enthaltung in den entscheidenden Abstimmung, präsentiert der zukünftige politische Hoffnungsträger der Kanarischen Inseln hier für La Palma keine ausgeprägte Hauptfigur, sondern lässt sich von parteipolitischen (Halb)Zwängen in eine ziemlich dubiose Nebenrolle zwängen. - So kritisiert Manuel Marcos, der blitzgescheite und charismatische Vorsitzender der PSOE auf La Palma den "PTE" zwar, als Zahlenspielwerk welches aus der Zeit der Sowjetunion stamme, gibt aber zu, dass man nicht weiter gegen den Plan angegangen ist, da es besser sei, einen falschen Plan zu haben als gar keinen. - Welch grandiose Oppositionsarbeit. - Eigentlich Schade dafür Kant zu bemühen, aber man muss nur ein bisschen die Oberfläche anlupfen und schon wird klar, warum die Sozialisten da schwieriges Gelände betreten. - Einmal hat man keinen Plan B den man präsentieren könnte und noch dazu glaubt ein Parteigänger, welcher fester Bürgermeister der viertgrößten Gemeinde der Insel ist, deutlich an das Gelingen "seines" Golfplatzes und dem kann man ja nicht derbe in den Rücken fallen. - Breña Alta ist damit gemeint und Blas Bravo, so heißt der Gemeindeführer dort, will unbedingt den Golfplatz in "La Pavona" durchpeitschen und dafür sogar die angestrebte Bettenzahl für das Golfhotel mehr als verdoppeln und auf 900 erhöhen. - Sonst würde sich das laut dem Investor nicht rechnen. - Das kann gut sein, dass sich das sonst nicht rechnen würde, aber Geschäfte wie auch Oppositionen müssen ohne den Konjunktiv gemacht werden, ein Golfhotel in Breña Alta wird auch mit 1.500 Betten keine Renditen erwirtschaften, weil es dort einfach niemand braucht und der Markt auch nicht fordert. - Das große Manko unserer auf Großkapital basierenden Wachstumspathologie, das Glück und die Notwenigkeiten der Investoren bestimmen unsere Zukunft, nicht die Notwendigkeiten der Region und seiner Bevölkerung. - Schlecht, wenn man als einzige Opposition sich auch von diesem Abhängigkeitskreis fangen lässt.



Dienstag 03.06.08 - 17:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 75 % Luftdruck 1019 hPa
Höchsttemperatur heute 20,4 Grad - niedrigste Temperatur 16,2 Grad

Öl, Öl, Öl!!!

OK, das könnte mein verzweifelter Hilfeschrei sein, wenn ich versuche mir meine Spaghetti rachenbedingt gangbar zu machen, aber wir sind ja heute beim Thema Energie und da wollen wir über diese zähe und schwarze Masse reden, nach deren Takt sich diese moderne Welt zu drehen scheint. - Vielleicht spielen die ja alle nur ihr perfides Monopoly mit uns, und die Erdölvorräte reichen noch für viel länger als man uns vormacht, aber was den Milchbauern mit ihrem Produkt wohl nicht so mephistophelisch zu gelingen scheint, die Erdölbranche beherrscht die Preiszange besser als jeder Helgoländer Hummer. - Nur wenn etwas teuer genug ist, dann kann man richtig daran verdienen und alleine die Spekulationen auf den Rohstoff Erdöl machen inzwischen locker 30% des Preises aus. - Allerdings kommt man ja auch nur so von diesem zähen Zeug los, was sich ja nun nachweislich nicht besonders nachhaltig im Kreislauf der natürlichen Ressourcen bewegt, wäre das Erdöl so billig wie es ohne Spekulation und enorme Steuerlast dastünde, niemand würde auch nur einen Finger in Richtung alternative Energiequellen unternehmen. - Eigentlich sollten wir ja sogar dankbar sein für den enormen Ölpreis, finanziert er doch zu beachtlichem Teil unseren Steuerbedarf und regt uns wunderbar an, andere Möglichkeiten zu betrachten Energie zu gewinnen. - Was noch interessant wird, die knapper, oder vielleicht einfach teurer werdenden Ölvorkommen machen es plötzlich rentabel, auch auf bislang nicht erschlossene Ölfelder zurückzugreifen.

Auch hier vor den Kanarischen Inseln vermutet man Öl und zwar zwischen den östlichen Inseln und der marokkanischen Küste. - Bislang galt das nicht unbedingt als lukrativ und auch stoppte ein Gerichtsurteil, gefordert von aufgebrachten Umweltschützern die bereits begonnenen Probebohrungen der Firma "Repsol" aus dem Jahre 2002. - Spätere Bemühungen seitens des internationalen Ölmultis mit spanischem Anstrich scheiterten an der Ablehnung der inzwischen sozialistischen Regierung in Madrid. - Nun unternimmt der, an Erdöl so dringend interessierte Energieriese Repsol einen erneuten Anlauf um die begehrte Genehmigung zu erhalten, vor Lanzarote und Fuerteventura doch wieder Probebohrungen aufzunehmen und man begründet das mit der Krise auf dem Ölmarkt und dem beschleunigten Abwärtstrend der spanischen Volkswirtschaft. - Ob nun die, bereits deutlich unter Druck geratene Zentralregierung in Madrid die Suche nach "heimischem Öl" mitmacht, das zeichnet sich noch nicht konkret ab, aber besser könnten die Vorzeichen für eine Ausbeutung der dort vermuteten Vorkommen nicht sein. - Allerdings darf man diese Rechnung auch nicht ohne Marokko machen, die sehen die Aufteilung des Meeresbodens vor den Kanaren anders als wir und wollen die Vorkommen natürlich selber ausbeuten. - Da stehen nun nicht nur Verhandlungen mit Marokko an, sondern eben auch deutlicher Aufklärungsbedarf innerhalb der Bevölkerung der Kanarischen Inseln. - Die Umweltschützer werden natürlich erneut Sturm dagegen laufen, diesmal unterstützt von der Tourismusindustrie, welche sich auch von Ölfördertürmen in der Nähe von Tourismuszentren bedroht fühlen könnte. - Allerdings würde man die Plattformen vom Land aus nicht mal sehen und inzwischen kennt man ja auch Techniken, welche den Abbau von Erdöl "offshore" komplett unterirdisch ohne Plattformen hinbekommen. - Kanarisches Öl, und das nicht nur als Grundlage für Mojo, eine neue und mindestens interessante Variante im Monopoly mit den Energiereserven dieser Welt.



Dienstag 03.06.08 - 10:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 82 % Luftdruck 1018 hPa

Standort La Palma, Gran Canaria

Wir dürfen da nicht kleinlich sein, schließlich geht es um wirklich große Dinge. - Die Einspeisevergütungen für Elektrische Energie, die nicht aus fossilen Brennstoffen gewonnen wird macht Solar- und Windenergie nicht nur rentabel, sondern sogar zu einem sehr guten Geschäft. - Rechnet man mal ganz grob, dann bekommt der Produzent dieser alternativen Energien drei Mal so viel Geld für seinen eingespeisten Strom, als der Lieferant für herkömmliche Energie berechnet. - Nun könnte man natürlich meinen, jeder lässt sofort die Hacke fallen oder das Ferienhaus vermieten sein und investiert in Solarenergie auf La Palma und sonst wo. - Da haben allerdings gewisse, sagen wir mal Interessentengruppen etwas dagegen, große Geschäfte bleiben großen Firmen vorbehalten. - Für den Einzelnen ist es wohl möglich auf seinem Grundstück aus Solarenergie Strom zu produzieren und unser Netzbetreiber hier, die UNELCO, muss ihm den überschüssigen Strom auch abnehmen, allerdings muss man die Leitung bis zum nächsten Transformator selbst bezahlen und wer größere Mengen produziert, den eigenen Transformator gleich mit. - Es braucht also, um kleinere Anlagen für den eigenen Hausgebrauch zu betreiben, doch noch ein bisschen "alternative Empathie", um alternative Energie zu erzeugen. - Aber es geht, beraten kann man sich da von der Firma "In-Comergy" in Los Llanos, die sitzen schräg gegenüber von "Contacto" und Jesús Rodríguez, der Betreiber der Firma, kennt sich bestens in der Materie aus.

Die großen Geschäfte, die gehen aber wieder mal an uns vorüber, oder werden zumindest nur auf unserer Insel getätigt, ohne dass die einheimische Bevölkerung einen Anteil daran hätte. - Das liegt aber nicht (nur) an den Investoren selbst, seien diese nun aus dem Ausland oder vom spanischen Festland, wir selber haben es ja bislang nicht auf die Reihe bekommen in das Geschäft ordentlich einzusteigen, wir stehen uns meistens selbst im Wege. - Das liegt nicht nur an den verständlichen Problemen die man hat, wenn man eine große Anzahl an "Volksaktionären" hat und diese unter einen Hut bekommen soll, da stehen weitere Fragen an, wo kann man die Anlagen überhaupt erstellen und wer geht denn in Vorleistung, denn da bedarf es enormer Investitionen, welche eben genau den kleinen Anleger abschrecken. - Seit Jahren bereits gibt es eine Initiative an der "Playa de Las Cabras" einen gemischten Wind- und Solarpark zu errichten, der zum großen Teil aus Kleininvestoren der Insel bestehen würde, unter Beteiligung der Gemeinde. - Die kommen nicht zum Zug, weil man sich in Insel- und Provinzregierung nicht einig ist, ob das Gelände dort für diesen Zweck verwendet werden darf, oder ob man lieber einen Campingplatz errichtet. - Der wäre zwar idiotisch dort, weil es da so hässlich kahl und außerdem so windig ist, dass einem die Wurst vom Campinggrill fliegt, aber es scheint gewisse andere Interessen zu geben, welche den ersten Schritt in Richtung eines Energieparks dort zunichte machen.

Nun kommen wir zurück zu der äußerst konkreten Lagebeschreibung "La Palma, Gran Canaria". - Der Spezialist für lukrative Investitionen auf dem alternativen Energiesektor, die "Meinl International Power" (Link entfernt, da nicht mehr aktuell) hat nun La Palma entdeckt, vermutet diese "Stadt" zwar noch auf einem anderen Eiland, aber das ist nicht wirklich tragisch, denn die sollen sich ja nur um die "Wertschöpfungskette", den "Cash-flow" und den "Shareholder-value" kümmern und das Geld zur Verfügung stellen, damit man hier bei La Punta in der Gemeinde Tijarafe den bislang größten Photovoltaik-Park der Kanarischen Inseln aufstellen kann. "Meinl" hat zwar immer noch diesen verführerischen österreichischen Klang, allerdings liest sich das "Chairman-Board" wie ein "Who is who" der internationalen Finanzartistik. - Aber immerhin, 12 Millionen Euro wollen die zur Verfügung stellen, um ins lukrative Geschäft der Einspeisevergütungen auch palmerischen Boden einzubeziehen. - Bauen soll den Photovoltaik-Park mit einer Leistung von 1,9 MWp die Stelio Solar GmbH & Co KG und begleitet wird das Projekt von der auf La Palma ansässigen Firma "Solantis S.A." (Link entfernt, da nicht mehr aktuell) - Nun meldet man bereits den Beginn der Bauarbeiten, die beziehen sich bislang allerdings nur auf die vorbereitende Infrastruktur, also noch nicht auf die tatsächliche Installation der Photovoltaik-Zellen. - Es geht also los, wir sind alle ganz gespannt, wie diese Anlage später Mal die Börsenkurse irgendwo auf der Welt beeinflussen. - Alles im Sinne der Umwelt und der sauberen Energie, aber auch goldene Nasen bleiben fremd, wenn diese sich an fremden Köpfen tummeln.



Montag 02.06.08 - 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 69 % Luftdruck 1018 hPa
Höchsttemperatur heute 23,8 Grad - niedrigste Temperatur 15,4 Grad

Man bittet zunächst noch um peristaltische Zurückhaltung

Die neue Kläranlage für das Aridanetal wird nun doch nicht diesen Sommer fertig, sondern wird erst diesen Winter in den Probebetrieb gehen. - Was die da ausprobieren will die Kläranlage, das weiß ich auch nicht so genau, vielleicht soll die erst Mal so richtig auf den Geschmack kommen und will dann mehr. - Aber das soll uns nicht schrecken, auch wenn angekündigt wird, dass diese Proben ein Jahr lang laufen sollen. - Da ich nicht wirklich als Kläranlagenspezialist ausgebildet bin, lassen wir das mal so stehen und harren den Dingen die da kommen. - Allerdings könnte das auch bedeuten, dass die Anwohner rund um den Barranco Tenisca in Puerto de Tazacorte noch eine Regenperiode mit Überlaufwasser aus der alten Anlage überstehen müssen, welches immer wieder nach starken Regenfällen die Schlucht heruntergespült wird. - Nachdem das aber so viele Jahre lang geschah, auf Grund der völligen Überlastung des alten Klärbetriebes in Los Llanos, wird man sich damit auch noch abfinden können um dann zukünftig einen, auch nach Regenfällen sauberen Barranco Tenisca vorzufinden.

Wenn man planerische Abwicklungskompetenzen auch nur annähernd kennt, dann geht das eigentlich recht flott mit der neuen Kläranlage, es sind nur ein paar Jahre vergangen von der zufälligen Entdeckung des gestiegenen Bedarfes an klärwürdigen Flüssigkeiten, bis hin zum Baubeginn im September 2006. - 3.000 Kubikmeter Wasser und beigemengte "Sedimente" kann die neue Anlage "verdauen", das soll für reichlich 20.000 Einwohner reichen und erscheint damit beim ersten Hinsehen bereits auch wieder zu klein für die gesteckten Aufgaben, hat doch Los Llanos bereits mehr als 20.000 Einwohner und dazu kommen noch die, aus dem Stadtkern El Pasos, welche dann auch noch das Geschäft dorthin verschicken sollen. - So kann man das aber nicht rechnen, da nur etwa die Hälfte der Einwohner von Los Llanos im Stadtkern wohnt, die anderen in den Außenbezirken und die werden weiterhin mit hauseigenen Sickergruben ihre nahrhaften Hinterlassenschaften an den Untergrund abgeben. - Außerdem wird darauf hingewiesen, dass man diese Anlage bei Bedarf auf den doppelten "Umsatz" nachrüsten kann und damit wären wir dann für die nächsten, sagen wir mal 100 Jahre abgeklärt. - Für diese Arbeiten ist übrigens die Provinzregierung der Kanarischen Inseln zuständig und nicht die Gemeinden oder das palmerische Inselparlament, man hat also den Vorteil nichts bezahlen zu müssen, wird aber auch nicht wirklich in die Planung mit einbezogen. - Das ist für den Bau der Kläranlage vielleicht auch wirklich nicht so wichtig, manche behaupten sogar das wäre besser so. - Aber da bin ich mir nicht so sicher und so erklärt sich vielleicht auch die lange Probelaufzeit, da ja nun der Stadtkern El Pasos mit angeschlossen wird und durch den vielen Mojo, besonders den von Ramón, den man in El Paso bevorzugt, ja die Zusammensetzung der peristaltischen Endprodukte eine völlig neue, vielleicht sogar explosive Mischung darstellt. - Die Mojo-Ladungen aus El Paso, gemischt mit dem Bratfett des vielen "Junk-Foods" aus Los Llanos, da sollte man vielleicht besser kein Streichholz ranhalten.



Montag 02.06.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 15 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 72 % Luftdruck 1018 hPa

Trimm-dich-Pfad

In manchen Dingen sind wir nicht die Schnellsten. - Dass körperliche Bewegung, in gewissen Maßen und Massen aber dem Körper gut tut, das wissen wir auch und ab und zu handeln wir sogar danach. - Eigentlich würde es reichen, alle unsere inselweiten Prozessionen mit abzuschreiten, damit würde man nicht nur dem Körper seine Exerzitien gönnen, sondern auch noch spirituelle Werte empfangen dürfen, aber wir wollen uns ja auch nicht dem ständigen Vorwurf des Klerikaldopings aussetzen und so tun, als würden wir permanent Weihrauch schnüffeln. - Es gibt auf La Palma, genauer gesagt auf der alten Landstraße welche den Barranco de Los Tilos umfährt, nun einen Trimm-dich-Pfad. Der ist nur dadurch möglich geworden, weil man ja diese übermoderne Einbogenbrücke über die Schlucht gebaut hat und somit mehrere Kilometer der alten Straße unnötig machte und ohne Sinn und Nutzen dastehen ließ. Was macht man aber mit diesen vielen Kilometern an nicht mehr benötigten Straßen, diese Frage drängt sich ja ohne weiteres Zutun in unser tägliches Leben, scheint es uns doch im Blut zu liegen, neue Straßenabschnitte zu bauen, als hätten wir über die Jahrhunderte niemals etwas anderes getan.

Die nun, anscheinend sinnlos gewordenen drei Kilometer Straße, welche sich oft gewagt, aber mindestens neckisch am Abgrund vorbei schlängelen, dienten seit der Inbetriebnahme der hohen Brücke lediglich den wenigen Landwirten, welche von der Straße aus ihre Fincas erreichen können und den paar Weicheiern, die sich nicht getrauen, über die Brücke zu fahren. - Das sind allerdings wenige, denn man bekommt es eigentlich überhaupt nicht mit, dass man sich plötzlich auf einer Brücke befindet, zu hoch sind die Sicherheitszäune auf den Seiten um einen berauschenden Blick in die Tiefe erfahren zu können. - Jetzt hat man auf dem nicht mehr benutzten Abschnitt mehrere Aussichtsplattformen installiert, um eben genau diesen Blick in die Tiefe besser genießen zu können und noch dazu Straßenmöbel der aktiven Art installiert nach dem Motto, dieses Volk soll gesünder werden. Die Straße ist nun nur noch einspurig und im Schneckentempo vom Süden her zu befahren, Fußgänger haben jetzt Vorrang und damit ist es auch gleichzeitig die längste Fußgängerzone der Insel und sicherlich die, mit den spektakulärsten Ausblicken. An die 130.000 Euro hat der Trimm-dich-Pfad gekostet und den müssen wir nun auch nachhaltig nutzen, diese Kosten sollen sich durch bessere Volksgesundheit amortisieren, wer dauernd seine Exerzitien macht, der läuft auch schon mal am Krankenhaus vorbei. - Ganz ohne die tägliche Häme, ein netter Spaziergang, ohne größere Anforderungen durch Höhenmeter oder schweres Gelände und diesen Nachkriegsmodellen an körperlichen Folterinstrumenten kann man durch deutliches Ignorieren auch wunderbar entgehen. - Gut gemacht.



Sonntag 01.06.08 - 17:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 66 % Luftdruck 1018 hPa
Höchsttemperatur heute 22,0 Grad - niedrigste Temperatur 16,1 Grad

Sex sells

Die wirtschaftliche "Entschleunigung" hat voll auf La Palma eingedroschen. Die Arbeitslosenzahlen erklimmen neue Rekorde und wenig fällt uns dazu ein, diese unangenehme Situation zu verbessern, als mehr Subventionen zu fordern und auf längst abgelaufene touristische Modelle zu setzen. - Schuld an solchen Miseren sind übrigens nie die Politiker selbst, sondern globale Zusammenhänge und die lästige Journaille, welche Krisen selbstläuferisch herbeischreibt. - Also, nun ist Schluss mit Kritik und grauen apokalyptischen Visionen, jetzt schreiben wir uns die Zukunft schön, das muss doch im Umkehrschluss dann genau so trefflich funktionieren. - Vor Jahren hatten wir ja schon mal die Idee mit Reizwäsche aus endemischer Produktion und kreierten zumindest geistig eine pikante Kollektion an Stringtangas und anderen Nichtigkeiten aus Naturseide mit dem Namen "Taburiente in Domina vobiscum". - Gut, über das Projektstadium sind wir nicht wirklich hinausgekommen, Seide wärmt so schlecht und da unsere Modells allesamt aus der Hausfrauenvereinigung El Pasos stammten, waren diese wegen der dauernden Blasenentzündungen immer wieder verhindert. - Michael Wieseler unternimmt nun einen erneuten Anlauf La Palmas Wirtschaft einen erneuten erotischen Anlauf zu verpassen, und ich muss sagen, das hat was, ist deutlich ausgegorener als unser Naturseidenprinzip, auch bunter, schriller und sogar ein bisschen nachhaltig kommt das einher und wenn ich jetzt noch die richtige Brille aufsetze, dann verlieren sich meine düsteren Zukunftsängste in frivolsten Bildern:


"Frivolité" als Schulfach, Klappe: II.

Schülerinnen sollen dazu ausgebildet werden, geklöppelte Spitzen-Unterwäsche zu produzieren? - Prima! Das klingt doch reizvoll in mancherlei Hinsicht. Bei den Jungs werden solche Mädels äußerst gefragt sein, die so etwas lernen und können (sofern nicht gerade abstoßend häßlich). Denn die produzieren ja (noch?) nicht für den Markt, sondern klöppeln und schneidern - schulisch und durch den Beharrungswillen der kunsthandwerklichen Traditionen gefördert - vermutlich erst einmal probehalber auf die eigenen Körper. ‚Was steckt dann Feines unter den abgetragenen Jeans?', werden die Jungs sich bei solchen Mädels zweifellos fragen - und ihrer Phantasie sind da keine Grenzen gesetzt.

Jedenfalls nicht solche Grenzen, an die man schaudernd stößt, wenn man das gemeine Dessous-Angebot in den großen Supermärkten und bezahlbaren Läden betrachtet: schrill-bunt oder knatsch-rosa oder gerne auch mit unsäglichen Blümchen-Mustern, fast immer aus Material der niedersten Kategorie (100 Prozent Polyester), dafür um ein paar wenige Euro zu haben. Das Zeug blitzt - zum Beispiel in Form giftgrüner oder blaßblauer Tangas - allenthalben über den Bünden der zur Zeit so beliebten Hüfthosen der jungen Mädchen hervor; na, vielen Dank, hätte ich zu meiner Zeit dazu gesagt und so ein Ding rasch entfernt (und ersetzt). Der bloße Anblick erstickt doch jeden Gedanken… Aber jene Zeit ist ja lange vorbei. Und die Jungs von heute? Man kann das nicht wissen.

Natürlich gibt es auf den Inseln die verschiedensten Lingerie-Geschäfte, die Phantastisches zu bieten haben; ich kaufe dort gern Geburtstagsgeschenke (wobei stets nicht ganz klar ist, für wen von uns beiden die sind). Nur sind da auch die Preise phantastisch. Und diejenigen jungen Schönheiten, die das, was dort geboten wird, am allerbesten tragen könnten, können es sich natürlich nicht leisten. - So gesehen, versprechen die schulischen Kurse nicht nur Pflege der Tradition, sondern bieten zugleich Hilfe zur Selbsthilfe an.

Das könnte sogar irgendwann in wirtschaftlicher Hinsicht so sein. Der Erotik-Markt boomt, und Dessous gehören dazu. Bedenkt man, daß die beiden wichtigsten europäischen Hersteller für ausgefallene und weniger ausgefallene Dessous auch in einem Schwellenland sitzen (nämlich in Polen) und sich stetig steigender Gewinne erfreuen, dann wäre Vergleichbares auf La Palma - mit seiner berühmten Klöppel- und Spitzentradition - doch auch nicht undenkbar. La Palma - eine kleine grüne Insel im Atlantik als europäisches Zentrum der Spitzen-Dessous: mit der aufgelassenen Tabakfabrik als zu bevorzugendem Standort. Man müßte nur ein paar kreative Designer beschaffen. Und die fänden geeignete Produktionskräfte vor, die das Metier von Jugendbeinen an gelernt hätten. Natürlich müßten die Produktionspreise stimmen.

So muß man denken; dann klappt es auch - wenigstens teilweise - mit dem Bananen-Problem. Und daß Dessous und Bananen rein thematisch allzu weit nicht auseinanderliegen, das wissen wir schließlich alle seit Josefine Baker. Und dann gäbe es Strings, Pants, Korsagen und Catsuits als ‚traditional art of La Palma'. Und die Produkte könnte man statt schwer absetzbarer geklöppelter Tischdecken, Läuferchen oder Klopapierrollen-Hüllen nicht nur exportieren, sondern auch in speziellen Shops in den neuen Hotels und an den neuen Golfplätzen verkaufen. Das würde - wie sicher auch diese - der Renner.

In Niederbayern übrigens zeigt gerade ein gelernter Holzbearbeiter, wie man traditionelles Handwerk und Erotik-Boom in erfolgreicher Weise zusammenführen kann. In der Reportage eines privaten Fernsehsenders führte er seine Produktion von Holz-Dildos vor. Er drechselt sie - hoffentlich splittersicher - in den verschiedensten Formen: glatt oder strukturiert, kleiner und größer, manchmal mit eingearbeiteten metallenen Noppen. Die Tochter des bis vor kurzem arbeitslosen Erfinders der hölzernen Beglücker verpackt die guten Stücke sorgfältig in Hüllen aus rotem Satin. Und dann gehen sie in den Versand - europaweit schon und gegen gutes Geld.

Holz, dachten wir, na Danke. (Schon in Profi-Küchen ist die Verwendung von hölzernen Schneidbrettern längst nicht mehr angesagt, weil sich darin alles irgendwie festsetzt, auch wenn man noch so gut spült. Aber das wollen wir - im Wortsinne - jetzt nicht weiter vertiefen.)

Da sind Spitzen- und Klöppel-Dessous aus La Palma doch eindeutig eine appetitlichere Idee. Denn die kann man waschen.



Sonntag 01.06.08 - 10:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 73 % Luftdruck 1017 hPa

"Pequeños detalles"

Es muss einen grundsätzlichen Unterschied geben zwischen der Ausführungsmentalität bei öffentlichen und privaten Bauaufträgen. - Mein Nachbar hat sich ein Zimmer anbauen lassen, so im kanarischen Stil mit Giebeldach und Holzdecke, vielleicht 25 - 30 Quadratmeter groß. - Kein Schnickschnack, eben ein Zimmer mit Tür und Fenstern und das stand innerhalb von vier, ich wiederhole, vier Tagen. - Mauern hochziehen, Ringanker drauf, Holzdach, Isolierung und eingedeckt mit Dachziegel (Mönch und Nonne, so wie sich das hier gehört) und außen verputzt. - Vier Tage und so wie es aussah, musste keiner der Bauarbeiter danach vor Erschöpfung ins Krankenhaus eingeliefert werden. - Bei öffentlichen Bauaufträgen hat man allerdings oftmals das Gefühl, die komplette Baufirma liegt erst Mal mehrere Monate im Krankenhaus und hin und wieder kommen mal ein paar Leute vorbei und überlegen, ob denn morgen mal ein Stein bewegt werden sollte. - Beispiele dafür gibt es genug und auch Gründe, warum das so sein könnte.

Wir alle wissen ja, dass öffentliche Bauaufträge immer nur nach Ausschreibungen vergeben werden, da zählt dann das billigste Angebot und immer wieder bewerben sich die gleichen Firmen um solche öffentlichen Aufträge und andere nicht. - Glaubt man denen, die sich nicht bewerben, dann lohnt es sich überhaupt nicht dieses Risiko einzugehen, denn meist lässt sich an öffentlichen Bauten eh nur Geld verdienen, wenn man nachverhandelt und spätere Änderungen geltend macht, welche den bisherigen Kostenvoranschlag sprengen. - So dümpeln etliche Bauten, deren Bauherren Rathäuser oder andere Korporationen sind, jahrelang dahin und für Wochen, oder gar Monate sieht man an den Baustellen keinen einzigen Handwerker. - Die arbeiten derweil an privaten Baustellen und die Firma stopft mit den öffentlichen Aufträgen lediglich die Leerzeiten. Oft liegt das aber auch an der mangelnden Finanzierung, welche über Jahre angesetzt ist, um die Haushalte der Gemeinden nicht zu sprengen. So wird Summe X aus dem Haushalt des laufenden Jahres genommen, Summe Y dann aber auf nächstes Jahr verschoben, weil der Haushalt einfach schon klamm ist und den Restbetrag, die Summe Z, erscheint dann erst im übernächsten Jahr. - Die ausführende Firma wird aber von der Bauleistung her nicht bereits Abschnitte erstellen, welche erst im kommenden Jahr finanziell gedeckt werden und so liegen ganz viele Baustellen im ungesunden Schlaf der kraftlosen öffentlichen Hand. - In der Öffentlichkeitsarbeit hat man dafür auch schon feste Redensarten entwickelt, wenn mal irgendwo wieder ein Journalist aus handfestem Nachrichtenmangel über eine Scheinbaustelle stolpert. - Das heißt dann, "las obras marchan a un buen ritmo", - die Arbeiten gehen in einem guten Rhythmus voran. - Schön, ich schlafe auch oft rhythmisch und muss bei dem Satz an das Parkhaus von Los Llanos denken, da war jahrelang lediglich ein Loch und darin stand ein Bagger, aber den Bauarbeiten bestätigte man einen guten Rhythmus. - Sollte sich der Bagger in der Baugrube allerdings bewegen und unter Umständen der erste Sack Zement aufgerissen worden sein, dann heißt es: "solo faltan unos pequeños detalles". - Es fehlen nur noch ein paar Details soll das heißen und wir wissen ja, dass der Teufel im Detail stecken kann. - Zum Parkhaus in Los Llanos muss ich noch hinzufügen, da wird jetzt wirklich rangeklotzt, nachdem man die Baufirma gewechselt und eine beauftragt hat, die noch keine Erfahrung mit öffentlichen Aufträgen hat. Die arbeiten so schnell, dass noch nie jemand darüber berichtet hat, vielleicht auch, weil uns die Worte dafür fehlen, denn die sind ja bereits für rhythmische Details belegt.





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Kanarische Ferienhäuser auf La Palma