La Palma Aktuell
Täglich frische Nachrichten von einer kleinen grünen Insel im Atlantik



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Nachrichtenarchiv Dezember 2005


Samstag 31.12.05 - 18:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 19 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 71 % Luftdruck 1022 hPa Höchsttemperatur heute: 19,9 Grad, niedrigste Temperatur: 14,1 Grad


Schluss mit lustig, 2006 kommen wir!

2005 hat sich selbst erledigt, wie praktisch, wir mussten nicht mal anschieben. 2006 wird sowieso alles besser, wenn wir erst mal in vielen Kneipen nicht mehr rauchen dürfen, dann haben wir unendlich viel Zeit, die vielen guten Dinge zu tun, die wir uns alle vorgenommen haben. Vor allem werden wir unser Marketing völlig umstellen.. 5 Golfplätze bauen wir, übereinander wie ein großes Parkhaus, vom 18. Loch fällt dann der Ball eine Etage tiefer und man muss sich bis nach ganz unten durchspielen. Um dem großen Andrang Herr zu werden, klopfen wir die Südspitze der Insel platt wie eine Seezunge und bauen zwei parallele Landebahnen für Antonovs und A 380. Es wird der erste Flughafen der Welt mit direktem Zugang zu einer heiligen Quelle, die vielen russischen, chinesischen und arabischen Besucher werden, noch bevor sie in die Stretch-Limousinen geleitet werden, durch ein unterirdisches Wegesystem an der Quelle vorbeigeleitet. Das Wasser der "Fuente Santa" wird von dem geothermischen Kraftwerk auf angenehme 62 Grad angeheizt, mit der überschüssigen Energie beheizen wir das künstlich angelegte Korallenriff, welches sich die gesamte Westküste La Palmas entlang zieht. Die Biogas betriebenen U-Boote, eine Spende der österreichischen Marine, fahren im 10 Minutentakt am Riff entlang, Kaffee, Kuchen und eine folkloristische Darbietung bei einem Zwischenstopp in "El Remo Gran Marina" inbegriffen. Diese U-Boot Fahrten sind derart erfolgreich, dass wir schon Bananen aus Südamerika importieren, um aus den Abfällen genügend Biogas für die Ausflugsfahrten gewinnen zu können. Die palmerischen Bananen werden inzwischen nur noch nach Japan exportiert, dort schätzt man unsere Früchte als Bonsais besonders, die kleine Notlüge mit der Potenz steigernden Wirkung von Bananen aus La Palma verraten Sie bitte nicht weiter. Das Wasser aus der heiligen Quelle wird in Tankschiffen bis in den nahen Osten gebracht, nachdem die freundliche Übernahme der saudiarabischen Staaten durch den Vatikan vorbörslich erfolgreich notiert wurde. Der Außenhandelsüberschuss La Palmas ist bereits derart angewachsen, dass die Insel zum größten Nettozahler der EU avanciert, mit Vorkaufsrecht für Liechtenstein, Luxemburg und Andorra. Las Palmas und Palma de Mallorca müssen sich umbenennen, nachdem sie fällige Zahlungen wegen des bei uns liegenden Namensrechtes nicht mehr nachkommen können. Palm Springs zahlt noch.

Die Einführung der Sonderhandelszone "ZEC" hat mehrere Automobilhersteller auf die Insel gelockt, VW will sein nächstes Luxusauto nicht mehr Phaeton nennen, sondern Taburiente GTI, Rolls Royce hat die Emily durch eine Zwergbanane ersetzt und BMW baut sein neues Flaggschiff, den 855 IV, als Hommage an die Isla Verde. Die vulkanbeheizten Hochöfen von Thyssen-Krupp arbeiten zufriedenstellend und liefern besten Stahl für die Hyundai Werft, die gleich südlich der Hauptstadt ihre neue Heimat gefunden hat. Der Roque de los Muchachos wurde auf 4.251 Meter erhöht, das dazu benötigte Material stammt aus den bayrischen Alpen, München erhält so im Gegenzug freie Sicht aufs Mittelmeer. Ein Konsortium überreicher Bananenbauern und Ziegenkäseproduzenten hat Aldi, Lidl, Schlecker und Carrefour übernommen und quält jetzt ganz Europa mit Mojo, Teneguía und Papas Arrugadas, andere Artikel werden nicht mehr angeboten. Großbritannien stellt den Antrag auf Ausstieg aus der EU, das lehnen wir ab, bieten aber im Gegenzug eine mögliche Rückgabe Schottlands und Nordirlands an, nachdem der Versuch gescheitert ist, die englischen Urlauber dorthin zu fliegen, anstatt auf die Kanaren. La Palma hat inzwischen den Nationenstatus erhalten und verhandelt als einziges verbleibendes Mitglied im Weltsicherheitsrat über eine rasche Demokratisierung der Vereinigten Staaten von Amerika, nachdem irakische Wahlbeobachter auf Additionsfehler rund um die Hauptstadt Santa Cruz de Washington hingewiesen haben. Die Kreatonisten haben inzwischen Tanausú als neuen Mittelpunkt des Intelligent Designs entdeckt und dürfen diesen Namen, gegen eine geringe Verwaltungsgebühr, in den Schulbüchern verwenden. Dollar und Euro werden abgeschafft, die neue Leitwährung heißt jetzt Caldera, verwaltet und gedruckt in der Globaldruckerei gleich hinter dem immer noch nicht fertigen Meerwasserschwimmbecken von Tazacorte. Das soll jetzt aber mit den nicht mehr benötigten Dollar und Euro verfüllt werden, eine, schon in unseren Wasserspeichern bewährte Folie soll verhindern, dass weitere Umweltschäden von diesem Material ausgehen. Der El Paso Stockerl Exchange ist inzwischen einziger Handelsplatz für Börse und Wertpapiere, nachdem Wallstreet und die Frankfurter Börse sich bei einem Warentermingeschäft mit Teneguía Salz derart verspekuliert hatten, dass unser Bürgermeister beide Handelsplätze zum symbolischen Preis von einem Caldera übernommen hat. Man hat jetzt auf der Nordseite der Insel ein Hochhaus extra für Börsianer errichtet, die sich aus dem Fenster stürzen wollen. Der Verkauf von Dauerkarten läuft allerdings eher schleppend, Einfachtickets gehen weg wie kaltes Bier. Die amerikanischen Flugzeugträger wurden in schwimmende Badeanstalten umgebaut, die La Palma Airlines hält das Monopol diese anzufliegen, nachdem die Hoheitsgewässer rund um die Insel bis in den Golf von Mexiko und nördlich bis in die Barentssee ausgedehnt wurden. Der erste palmerische Papst hat eine schnelle Christianisierung des Vatikan angekündigt, ob das ganze Geld zurückgegeben wird ist aber noch nicht klar, denn die palmerische Nationalbank hat noch Forderungen an den Vatikan in Milliardenhöhe, aus Lizenzgeschäften mit dem Wasser aus der heiligen Quelle. - Gutes Marketing ist alles. Vorsicht Global Players, wir kommen, 2006, oder auch ein bisschen später.


La Palma, adios 2005

Bitte entsorgen Sie das alte Jahr umweltgerecht in die bereitstehenden Tonnen.



Samstag 31.12.05 - 09:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 15 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 74 % Luftdruck 1025 hPa

Wer hat Angst vorm schwarzen Mann

Die 48 schwarzafrikanischen Flüchtlinge, welche diesen Dienstag an der Küste Mazos an Land gegangen sind, beschäftigen unsere Institutionen immer noch. José Antonio Batista, Chef der staatlichen Behörden auf La Palma wehrt sich gegen die Vorwürfe der Inselregierung, nicht richtig vorbereitet zu sein auf eine erneute Ankunft von Flüchtlingen auf der Insel. Dazu muss man wissen, dass es einen latenten Machtkampf zwischen der Inselregierung und den Vertretern der staatlichen Organe hier auf La Palma gibt. Seitens der Inselregierung möchte man am liebsten alles selber machen und bestimmen, bezahlen soll aber Madrid. Die staatlichen Beamten ihrerseits reagieren darauf oft mit Arroganz und Überheblichkeit, es ist nicht gerade eine Auszeichnung für einen Regierungsbeamten nach La Palma versetzt zu werden. Ist zwar schön hier und man hat wenig Arbeit, aber karriereförderlich ist das sicher nicht.

Namentlich unser Inselpräsident, José Luis Perestelo, hat die staatlichen Behörden scharf kritisiert, angesichts der Bedrohung unserer Küsten durch Immigranten nichts entsprechendes unternommen zu haben. Lediglich vier Polizisten seien vor Ort gewesen, was hätte passieren können, wenn die Immigranten sich nicht als die friedfertigen Flüchtlinge dargestellt hätten, die sie nun mal waren. Man könnte fast meinen, Perestelo will uns wieder Angst machen vorm schwarzen Mann. Dieser, politisch motivierte Konjunktiv bringt nun José Antonio Batista auf die Palme, (oder sollte man sagen Palma) es sei nicht tragbar, dass man auf dem Rücken dieser Flüchtlinge politische Interessen verfolgt und unter der Bevölkerung ein Schreckensszenario verbreitet, unsere Küsten seien nicht sicher. Von wo kommt die Bedrohung, die Perestelo staatlicher Inaktivität zuschreibt und wären es hundertfünfzig Flüchtlinge gewesen, zu keiner Zeit war die Sicherheit der Bevölkerung dieser Insel von den Flüchtlingen bedroht. - Die Rivalität wird weitergehen, es ist erstaunlich wie einfach es ist, verbal die Arbeit anderer besser zu machen. Freunde werden Batista und Perestelo nie mehr werden, müssen sie auch nicht, aber wenn jeder der beiden seine Arbeit macht, vielleicht sogar ein bisschen leiser, denn das Gekreische stört uns mehr als 48 Flüchtlinge, dann kann das nur gut sein für La Palma.



Freitag 30.12.05 - 17:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 21 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 57 % Luftdruck 1023 hPa Höchsttemperatur heute: 21,4 Grad, niedrigste Temperatur: 13,5 Grad


Paul hat beschlossen, Weihnachten ist zu Ende

Relativ kampflos habe ich die Feiertagsorganisation dem Kater überlassen, bei uns dauert Weihnachten eigentlich bis zum 6. Januar und so lange blieb der Baum bei uns bislang auch stehen. Wie gesagt, das war vor Paul, jetzt weht ein frischer Wind durch unsere Traditionen, wer Tatsachen sät, der wird Whiskas ernten. Der Baum ist weg, er hat beschlossen es ist Schluss mit dem rührseligen Weihnachtsgewinsel und der einzige Baum der bei uns in der Wohnung zu stehen hat, wäre ein Kratzbaum. Er hat uns das auf seine ganz eigene und formvollendete Art demonstriert, mit einem Satz hat er den von liebevollen Händen geschmückten Weihnachtsbaum gefällt und sich an den Schokoladenweihnachtsmännern in grausamster Weise gerächt. Mit aufgeschlitzten Bäuchen liegen nun die Zeugen der frohen Weihnachtszeit über den Boden verstreut, grausam gemeuchelt von felinen Pranken, wie seinerzeit in den Arenen Roms die Christen an Großkatzen verfüttert wurden. Meinen Frauen fiel dazu nur ein, um Gott, wenn er sich an den geplatzten Weihnachtskugeln ein Pfötchen aufschlitzt oder wenn ihm von der vielen Schokolade noch schlecht wird. So trug man Mephisto aus dem Wohnzimmer und als Belohnung für seinen Festtagsfrevel bekam er auch noch ein Schälchen voll mit einem Brei aus der Weihnachtskollektion "Santa würde Whiskas kaufen".

Dass ich mir die Finger verletzt habe beim Aufsammeln der Kugelsplitter interessiert in diesem, nun wieder atheistisch geführten Haushalt keinen Menschen und keinen Kater, wer den Paul hat, der braucht für Schaden nicht zu sorgen. Gut, der kleine Ritz an meinem Finger war nun nicht unbedingt was für den Notarzt, aber so ein ganz klein bisschen Mitleid hätte ich mir doch schon erhofft, Männern können auch kleine Verletzungen ganz groß weh tun, das bringt aber nur was, wenn einem auch einer zuhört. Ich werde das heute Abend wieder in meiner Männergruppe diskutieren, zwischen zwei Tropical (aus der Kollektion, Santa würde Tropi trinken) gelingt es mir sicher, das Gespräch auf eine der häufigsten Formen von häuslicher Gewalt zu bringen, das Ignorieren von heftigen Schmerzen nach kleinen Schnittwunden bei Männern. Ich bin übrigens fest davon überzeugt, dass Paul das alles strategisch bereits Tage vorher geplant hat, er will endgültig meine nur noch virtuell vorhandene Patriarchenstellung innerhalb des Familienverbandes übernehmen. Ich weiß auch warum er das macht, er will sich rächen, der Paul von Montecristo, er hat sich gemerkt, wer ihn seinerzeit im Auto zur Kastration gefahren hat. Jetzt habe ich doch wieder Verständnis für seine Taten, ich würde ihm das auch übel nehmen, wenn er das gleiche mit mir gemacht hätte. - Was, Katzen können nicht Autofahren, Katzen nicht, aber wir sprechen hier von Paul!


Weihnachtsmuffel Paul



Freitag 30.12.05 - 09:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 14 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 76 % Luftdruck 1025 hPa

Flüchtlinge werden morgen nach Fuerteventura gebracht

Die 48 Flüchtlinge, die am Dienstag an der Ostküste La Palmas angekommen sind, werden morgen in zwei Flugzeugen nach Fuerteventura gebracht, wir haben nicht die Einrichtungen und Möglichkeiten diese Menschen bis zu ihrer Abschiebung unterzubringen. La Palma hat kein Flüchtlingslager, bisher war das auch nie notwendig, bis auf 14 Menschen, die von einem Segelboot 1999 bei Tazacorte abgesetzt wurden, kam bislang noch kein Flüchtling auf unsere Insel. Warum, das ist ganz einfach, sechs der sieben Kanareninseln liegen näher an Afrika als wir und noch dazu eignen sich unsere Küsten nicht besonders gut um unerkannt und gefahrlos irgendwo zu landen. Es wäre auch völlig unvorstellbar, dass eine Anzahl wie 48 Schwarzafrikaner sich hier unbemerkt bewegen könnten, geschweige denn, hier ihren Traum von Europa und besseren Lebensverhältnissen leben könnten.

Die Flüchtlinge wollten also entdeckt werden und hoffen darauf, in Spanien bleiben zu können, weil ihnen nicht nachgewiesen werden kann aus welchem Land sie stammen. Oder noch komplizierter, selbst wenn die Flüchtlinge ihren Namen und Herkunft korrekt angeben, nehmen viele Ursprungsländer die Flüchtlinge nicht wieder auf, man will sie nicht mehr haben. Die dortigen Regierungen sagen einfach, ihr könnt nicht nachweisen, dass das einer unserer Landsleute ist, kümmert euch selber um diese Leute. Papiere haben die Flüchtlinge nie bei sich, die werden ihnen von den Schleusern abgenommen, damit hat man die Flüchtlinge später in der Hand, wenn es darum geht, als moderne Sklaven ihre Schulden für die Überfahrt abzuarbeiten. Wer nicht abgeschoben werden kann, landet irgendwann auf dem Festland und dort wird ein Großteil der Flüchtlinge zu Fronarbeit gezwungen und Frauen in die Prostitution. Die Schleusermafias haben Hintermänner in ganz Europa, die diese Arbeitskräfte vermitteln. Die Flüchtlinge werden zum Schweigen verurteilt, wenn sie aufbegehren, dann verrät man sie an die Behörden, oder droht mit Zwangsmaßnahmen gegen Familienangehörige im Heimatland.

Es ist schwer, gegen dieses schweigende Bollwerk anzugehen, inzwischen gibt es die dritte Version, aus welchem Land "unsere" 48 Flüchtlinge stammen sollen, nach der Elfenbeinküste, dann Kongo, sind es jetzt Menschen aus Guinea-Bissau. Was mir dabei am meisten zu denken gibt, diese Menschen leben lieber als Sklaven und Prostituierte in Europa, als in ihrem eigenen Land zu verhungern, oder in Bürgerkriegen umzukommen. Die Flüchtlinge wissen, was auf sie zukommt. Denkt man das ein bisschen weiter, dann braucht die europäische Wirtschaft sogar diese Sklaven, anders wären einige landwirtschaftliche und industrielle Produkte nicht mehr zu den Preisen zu erzeugen, die der Markt noch hergibt. Es gibt, auch hier bei uns in Spanien und besonders in der Landwirtschaft genügend Firmen, die diese Arbeitskräfte bereits fest in ihrem Preiskalkül haben, damit sie Produkte zu einem Preis liefern können, die der mitteleuropäische Markt gerne fordert. Auch wenn es weh tut, mit unserem Griff zu Billigprodukten fördern wir oft ungewollt dieses System. Wir wollen Ware, die billiger ist als wir diese selbst herstellen können. Damit vernichten wir unsere eigenen Arbeitsplätze und öffnen skrupellosen Geschäftsleuten Türen, die ihre moderne Sklaverei zu einem Wirtschaftszweig gebracht haben, der heute nach Aussagen der UNESCO bereits mehr Geld bewegt als der Drogenhandel. - War nur mal so dahingedacht.



Donnerstag 29.12.05 - 18:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 20 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 55 % Luftdruck 1022 hPa Höchsttemperatur heute: 21,6 Grad, niedrigste Temperatur: 12,7 Grad


Sirius A und B

Manche haben es schon entdeckt, auf unserer Webseite hat sich eine neue Rubrik eingeschlichen, Astrophysik. Klaus Fuhrmann hat sich bereit erklärt, uns monatlich etwas über die Sterne und den Himmel La Palmas zu erzählen, der kennt sich aus. Das ist eine absolute Bereicherung unserer Seite, ich kann nicht über alles schreiben und berichten, ich habe schlichtweg von vielen Dingen keine Ahnung. - Nach dem Vorbild, monatlich sein Wissen mit uns zu teilen, möchte ich noch weitere Spezialisten auffordern, zu ihrem Thema auch was zu schreiben. Ich denke da an Geologen, Historiker, Biologen und natürlich auch Kenner aus anderen Fachrichtungen, die bereit sind, uns von ihrem Wissen etwas zu schenken. Wichtig wäre, dass man weiß über was man schreibt, es sollte etwas mit den Kanaren zu tun haben, noch besser mit La Palma und man sollte auch bereit sein, kontinuierlich daran zu arbeiten. Als Lohn steht nur ein Dankeschön vieler interessierter Menschen und der kleine Ruhm, an einer der meistgeklickten Webseiten La Palmas mitzuarbeiten.

Es gibt noch ein weiteres Projekt, (ohne neue Projekte kann ich kein neues Jahr beginnen) welches sich "Bananenschalen" nennt. Hier geht es weniger wissenschaftlich und kontinuierlich zu, hier ist Phantasie gefragt. Schreiben Sie Ihre Geschichte zu den Kanaren, oder wieder besser zu La Palma - Erlebnisse, Skurrilitäten, Gedanken, Ideen. Das können auch erfundene, oder weitergesponnene Geschichten sein, es kommt nicht darauf an die Wahrheit, was immer das auch ist, zu verkünden. Lesenswert sollte es sein und was das ist, entscheide ich alleine, in meiner Webseite bin ich der Kapitän, aber Sie dürfen mitrudern, wenn es in die gleiche Richtung geht, Kanaren und La Palma. Also, fassen Sie sich ein Herz und eine Tastatur, vielleicht zieren ja bald viele Bananenschalen diese Webseite.



Donnerstag 29.12.05 - 09:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 12 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 65 % Luftdruck 1024 hPa

Passat bis ins nächste Jahr

Endlich wieder richtiger Hochdruck, das Azorenhoch macht seinem Namen alle Ehre und ist genau dort, wo es hingehört, mit seinem Zentrum über den Azoren. Für uns bedeutet das Wind aus Nordost und sich auf der Ostseite stauenden Wolken in einer Höhe von 1.200 bis 1.800 Meter Höhe. Für den Westen der Insel(n) ist so wieder Sonnenschein angesagt, der die tiefen Nachttemperaturen ausgleicht. Im Aridanetal kann es erneut zu Fallwinden kommen, die sich je nach Windrichtung andere Kanäle ins Tal suchen. Regnen wird es im Westen dieses Jahr nicht mehr, der Dezember war dann, wie der November auch, ein eher regenarmer Monat. Für die Sylvesterparty auf der Plaza von Los Llanos bedeutet das Gutes, die zwölf Weintrauben können ohne Wasserzusatz von oben genossen werden, aber man sollte unter dem kleinen Schwarzen warme Unterwäsche tragen, nachts wird es empfindlich kalt. - Für unsere Verhältnisse!



Mittwoch 28.12.05 - 18:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 19 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 62 % Luftdruck 1019 hPa Höchsttemperatur heute: 21,2 Grad, niedrigste Temperatur: 12,1 Grad


Ebbe und Flut in der Fuente Santa

328 Jahre lang war die heilige Quelle verschüttet, von den Lavaströmen des San Antonio begraben und existierte nur noch in Erinnerungen und einigen zeitgenössischen Aufzeichnungen. Natürlich wollte man die Quelle wieder ausgraben, aber erst viel Geld und moderne Bohrtechnik machten nun das erneute Wachküssen der Quelle möglich. Sollte das tatsächlich die in den Büchern von früher erwähnte "Fuente Santa" sein, wäre das nicht nur eine heilige, sondern auch eine heilende Quelle, zumindest für den unrund laufenden Tourismus auf La Palma. Ich kann aber noch nicht ganz in die Jubelstürme einstimmen, zu genaue Kenntnis unserer endemischen Jubel - und Fortschrittskette, Projekt, Geld, Wissenschaftler spricht im Konjunktiv, Politiker im Aktiv, Presse meldet Erfindung des Perpetuum mobile, macht mich immer skeptisch. Bitte, ich wünsche mir nichts mehr, als dass man diese mythische Quelle gefunden hat, der Beweis steht aber noch aus.

Die Wasseranalyse ist noch nicht da, oder veröffentlicht, vielleicht ist da so viel Gutes drin, dass man im Labor nicht genügend Papier hatte das alles auszudrucken. Es kann aber auch ein Mittelding sein, es ist wohl die heilige Quelle, aber diese ist inzwischen mit Meerwasser versetzt und damit nicht mehr so jungfräulich und omnikurativ (ich erfinde gerne neue Wörter, ein bisschen Pathos muss her, wenn es um eine heilige Quelle geht), wie man es sich von einer ordentlichen Heilquelle erhofft. Seit über einer Woche beobachtet nun ein Wissenschaftler den Fluss der Quelle, der sich sowohl in Temperatur, als auch in der Ergiebigkeit an Ebbe und Flut hält. Bei Flut fließt sehr viel mehr Wasser und die Temperatur steigt dann von 45 auf 48 Grad an. Allerdings finden die Gezeiten in der Höhle in welcher man die Quelle gefunden hat verzögert statt, der gleiche Rhythmus wie im Meer, aber zeitversetzt. Den offensichtlichen Zusammenhang von Quelle und dem Atlantik, den will man noch erkunden, in der heutigen Zeit reicht der pure Glaube an heilendes Wasser nicht mehr aus, das will wissenschaftlich unterfüttert werden. Es muss halt schon alles stimmen, wenn man aus der heiligen Quelle eine Geldquelle machen will, wir sind schließlich nicht der Vatikan.



Mittwoch 28.12.05 - 09:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 13 Grad, Niederschlag: 3 mm, Luftfeuchte 65 % Luftdruck 1017 hPa

Flüchtlinge geben Rätsel auf

Die 48 Flüchtlinge, die gestern Nachmittag auf der Ostseite der Insel per Fischerboot an Land gegangen sind, geben den Behörden einige Rätsel auf. Die Verständigung ist schwierig, nur ganz wenige sprechen ein paar Brocken spanisch und andere ein bisschen französisch. Von einem der Flüchtlinge kann man erfahren, sie seien vor 5 Tagen in EL Aiun in See gestochen, kämen alle von der Elfenbeinküste und hätten nichts für das Boot und Ausrüstung bezahlt. Diese Version ist sehr unwahrscheinlich, fünf Tage und Nächte zusammengepfercht auf einem offenen Boot im Atlantik hinterlässt deutliche Spuren. Von einem anderen erfährt man, dass sie aus dem Kongo seien, aber wie sie nach La Palma und besonders warum La Palma, das will er auch nicht sagen.

Ein weiterer Punkt scheint unglaubwürdig, um von El Aiun aus nach La Palma zu gelangen, muss man an mindestens drei Kanareninseln vorbeischippern, auch mitten am Tag und in reichlich Schiffsverkehr. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass dieses Boot sich 5 Tage vor jeder Sichtung hätte verstecken können und warum sind die Flüchtlinge dann bis nach La Palma gefahren und sind nicht bereits vorher auf einer anderen Insel an Land gegangen. Die Polizei hat bisher keinen "Patron" unter den 48 Flüchtlingen ausmachen können, also Anführer oder Schiffsführer, der würde wegen Menschenhandel angeklagt werden, die übrigen kämen nach Tenerife in ein Auffanglager und irgend wann später wohl aufs Festland. Die glaubhafteste Version des Geschehen ist, ein Schiff, kann Handelsschiff oder Fischkutter sein, hat gegen Bezahlung die Flüchtlinge bis kurz vor unsere Küste gebracht und dann diese in dem Boot ausgesetzt. Jetzt wäre es natürlich interessant zu erfahren, welches Schiff das war, dann könnte man die Schlepper stellen. Wenn aber keiner der Flüchtlinge etwas sagt, dann ist die Taktik der Schlepper aufgegangen und wir können mit weiteren solchen Überraschungen rechnen. Es ist auch ein bisschen fragwürdig, wie es geschehen kann, dass sich ein Fischerboot mit 48 Menschen dieser Insel am hellen Tag unentdeckt nähern kann und erst die Anwohner diese nach dem Landgang entdecken.



Dienstag 27.12.05 - 18:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 16 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 70 % Luftdruck 1017 hPa Höchsttemperatur heute: 19,8 Grad, niedrigste Temperatur: 11,2 Grad


Flüchtlingsboot auf La Palma gelandet

Heute gegen 16:00 Uhr entdeckten Anwohner des Küstenstreifens von Mazo eine "Patera" mit 48 Schwarzafrikanern an Bord, die am Strand von "Poris" zwischen Tigalate und Montes de Luna an Land gingen. Die Polizei und Rettungskräfte waren bereits vor Ort und konnten alle Flüchtlinge in Gewahrsam nehmen und ihnen eine erste medizinische Untersuchung angedeihen lassen. Einige waren nass geworden und erhielten von Anwohnern trockene Kleidung sowie Wasser und Nahrungsmittel. Nach allem Anschein sind alle 48 wohl auf und werden nun in der nahen Kaserne "El Fuerte" gesammelt. Wie lange sie dort bleiben, ist noch nicht gewiss, La Palma hat, wie auch die anderen kleinen westlichen Inseln kein Flüchtlingslager, das war bislang auch noch nicht nötig, wir liegen eigentlich viel zu weit ab um als einfaches Ziel für Flüchtlingsboote aus Afrika zu dienen.

Es ist bereits das zweite Mal, dass Flüchtlinge uns vom Meer aus erreichen, 1999 landeten 14 Schwarzafrikaner am Strand "Playa Nueva" in der Gemeinde Tazacorte. Im Gegensatz zum Gesundheitszustand derer, die vor 6 Jahren zu uns kamen, sind die 48, allesamt erwachsene Männer, in einem erstaunlich guten Gesundheitszustand. - Daran entzünden sich nun die ersten Spekulationen, warum La Palma, die Insel welche am weitesten von Afrika entfernt ist und warum sehen die Männer nicht so aus, als hätten sie 5 Tage und Nächte an Bord eines kleinen Fischerbootes zugebracht. Man vermutet, dass die Flüchtlinge in Sichtnähe der Insel von einem Schiff abgesetzt wurden, um dann hier auf La Palma sicher an Land zu gehen. Das wäre eine neue Variante der Schleppermafias, man fährt die Flüchtlinge nahe an die Küste der Kanaren auf einem Schiff und schickt sie dann auf einem kleinen Holzboot auf die Inseln zu. Das sind aber alles noch Vermutungen, man hat die Flüchtlinge noch nicht identifizieren können und auch noch nicht befragen, jetzt kümmert sich man zuerst um die Verpflegung und Unterbringung. Interessant wäre es zu wissen, ob die 48 Flüchtlinge irgend wann in unserer touristischen Statistik auftauchen, die sieht wieder so mager aus, da kommt uns gerade jeder recht...



Dienstag 27.12.05 - 09:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 12 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 79 % Luftdruck 1018 hPa

Das Geld liegt in der Straße

Die schnelle Fortbewegungsmöglichkeit auf guten Straßen ist ein notwendiger Basispunkt für blühende Landschaften, auch wenn man gar nichts mehr von einer Stelle an die andere zu transportieren hat, aber man könnte. Langfristige Infrastrukturplanung ist eine feine Sache, leider aber mit dem Konjunktiv belastet, weil hinter vielen Infrastrukturmaßnahmen die Struktur fehlt, die man schneller und besser erreichen will. Damit wir uns nicht falsch verstehen, ich begrüße jeden Meter Straße, der an mitteleuropäische Vorstellungen angepasst wird und uns damit sicherer und schneller von B nach C kommen lässt. Ich würde aber gerne wissen, was wir im Jahr 2012 von B nach C transportieren wollen. Vielleicht nur uns selber, um von den abgelegenen Landstrichen im Norden der Insel schneller zu den Arbeitsplätzen und den Schulen in den "Breñas" und im Aridanetal zu gelangen. Das muss wohl als Rechtfertigung alleine dienen, keiner kann mir einreden, dass eine bessere Straße plötzlich Industrie oder Wohlstand in bislang abgelegene Gegenden bringt.

225 Millionen Euro stehen La Palma für den Straßenbau bis ins Jahr 2017 zur Verfügung, das haben nun Zentralregierung in Madrid und die Provinzregierung der Kanaren beschlossen. Allerdings will man die Projekte bereits im Jahr 2012 abgeschlossen haben, vielleicht hofft man so auf einen möglichen Nachschlag. Der Abschnitt Los Sauces - Barlovento - Cruz Castillo wird wohl der erste große Brocken im Katalog sein, da liegen die Pläne auch bereits vor und es ist die logische Weiterführung des gerade beendeten Ausbaus der Trasse Santa Cruz - Los Sauces. Weiter geht es mit der LP 1, der südliche Ring soll auch ausgebaut werden, also der gesamte Abschnitt von Breña über Fuencaliente nach Tajuya, wo die LP 1 wieder auf die schnelle Ost-West Tangente führt, die durch den Tunnel den weiten Weg über den Süden schneidet. Im Norden soll die Verbindung Llano Negro - Puntagorda ausgebaut werden und schließlich steht noch ein Projekt aus, genannt La Cumbre - Los Llanos. Darin soll die Anbindung der Umgehungsstraße der Aridantemetropole an unsere Hauptverkehrsader, die LP 2 gewährleistet werden. Von einer möglichen Umgehungsstraße El Pasos und der Brücke über die Angustiasschlucht ist auch bereits die Rede und findet im Anhang des Infrastrukturpapiers Erwähnung, allerdings mit dem Hinweis, dass diese Projekte noch keine Finanzierung haben. - Endziel der Straßenbauer unserer Insel ist natürlich der komplette Inselring. Auf gut ausgebauten Straßen in wenigen Stunden einmal um die Insel, auch eine Zukunftsoption, schneller Weltbiosphärenreservatskreisverkehr.



Montag 26.12.05 - 17:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 20 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 69 % Luftdruck 1014 hPa Höchsttemperatur heute: 21,2 Grad, niedrigste Temperatur: 14,2 Grad


Sorianischer Weihnachtsgruß

Das Fest der Liebe und Eintracht treibt auch immer wieder ein paar politische Stilblüten - und brüche, irgend einer lässt immer "die Sau raus" in diesen heiligen Zeiten. Dieses Jahr geht die gelbe Stachelpalme an den Vorsitzenden der Partido Popular auf den Kanaren, José Manuel Soria. Der rechtsdrehende Klon eines José María Aznar ist bislang öfter mal schon durch markiges Gegröle aufgefallen, meistens aber eher durch von Firmen gesponserte Urlaubsreisen. In seiner "Weihnachtsansprache" entgleiste er dieses Mal aber derart heftig, dass man sich nun ernsthafte Sorgen um die politische Karriere Sorias machen muss und damit um viel Kurzweil auf dem politischen Kabarett: "Zapatero, ha cometido "disparates" por los que "va a pasar a la historia como lo peor que le ha ocurrido a la democracia española después de Tejero". - Zapatero hat Dummheiten begangen, auf Grund derer er als das Schlechteste was der spanischen Demokratie nach Tejero passiert ist, in die Geschichte eingehen wird.

Das muss ich kurz erklären. Zapatero ist natürlich José Luis Rodríguez Zapatero, unser Regierungspräsident, Mitglied der sozialistischen Partei und somit politischer Gegner auch Sorias. "Teniente coronel" der Guardia Civil Antonio Tejero wollte am 23. Februar 1981 gegen die junge spanische Demokratie im Abgeordnetenhaus putschen. Schüsse fielen, es gab viel Aufregung, aber der König Juan Carlos befahl den Truppen in den Kasernen zu bleiben und so war dieser Putschversuch zum Scheitern verurteilt, der König hatte die Demokratie als Zukunft Spaniens beschlossen und keine Rückkehr in die dumpfe Zeit der Falange. - Der Vergleich eines demokratisch gewählten Präsidenten mit einem Putschisten, der wieder diktatorische Zustände einführen wollte ist nicht nur dumm, sondern auch noch gefährlich. Es wurde nie ganz aufgeklärt, welche Gruppen denn hinter dem, eher unwichtigen Polizisten standen. (Man hat sich in Spanien mehrheitlich und stillschweigend dazu entschlossen, die Vergangenheit nicht komplett aufzuarbeiten, diese Gesellschaft braucht keine Schuldigen sondern aktive Mitglieder) Allerdings gibt es mehrere Historiker, die eine zumindest teilweise personelle Verstrickung einiger derzeitiger Mitglieder der Partido Popular in den Dunstkreis des Antonio Tejero bringen. - Natürlich ist es nicht so, dass jeder der mal mit Tejero zu Abend gegessen hat gleich ein Putschist sein muss, aber die Demagogie eines Aznars oder nun auch Sorias, gehören ganz nah an das Vokabular der Liebhaber fester und harter Regierungsformen. Vielleicht ist Soria auch nur neidisch, Zapatero hat, aus anderen Gründen längst seinen Platz in der spanischen Geschichte gefunden, Soria wird sich als ein Aktenvermerk auf einem regionalen Nebenschauplatz in Dokumenten und Berichten über die Kanaren abfinden müssen.



Montag 26.12.05 - 09:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 14 Grad, Niederschlag: 2 mm, Luftfeuchte 84 % Luftdruck 1015 hPa

Hiobsbotschaft für La Palmas Imker

Ein, nicht mal 2 mm großes Tier macht den Imkern La Palmas Angst, die Varroa-Milbe (Varroa destructor) ist zum ersten Mal auch auf unserer Insel aufgetaucht. Bislang war dies ein Eiland der Glückseligkeit aus der Sicht der Bienen und Imker, fast überall auf der Welt treibt dieser Bienenparasit sein Unwesen und nun leider auch auf La Palma. Wie denn die Milben auf die Insel gekommen sein können ist immer noch reine Spekulation, irgend jemand hat, wohl unwissentlich, Material für die Imkerei mitgebracht an dem Milben anhafteten. Auf dem Papier ist es eigentlich verboten, fremde Königinnen, aber auch gebrauchtes Imkermaterial von außen nach La Palma zu bringen, aber wie heißt das so treffend immer, auch falsch Parken ist verboten. Ganz von selbst tauchen diese Milben nicht auf, das Meer welches uns umgibt stellt eigentlich einen natürlichen Schutzwall gegen Schädlinge dar. Allerdings sorgen wir Menschen mit unkontrolliertem Warenaustausch dafür, dass wir unentgeltlich Transporteure dieser Schädlinge werden. Das ist nicht nur bei der nun auftretenden Varroa-Milbe so, das gilt genau so für die vielen tausend Pflanzenschädlinge, seien es Tiere, Pilze oder Bakterien.

Elías González Sanjuán, Chef der "Agrupación de Defensa Sanitaria (ADS) Apicultores de La Palma" (Palmerische Organisation für Bienengesundheit) will nun unter allen Umständen die Ausbreitung dieses Schädlings über die ganze Insel verhindern. Bislang hat man in mehreren Bienenvölkern Las Manchas die Milbe entdeckt und nun an die dort ansässigen Imker Testutensilien ausgegeben, damit jeder seine Völker untersuchen kann. Später soll das auf die ganze Insel ausgedehnt werden, dazu liegt der Inselregierung bereits ein Plan der "ADS" vor. Für Elías González Sanjuán stellt sich die Angelegenheit so dar: "Es gibt ein vor und ein nach der Milbe für die Imkerei auf La Palma." Sicher kann man die Milbe bekämpfen, das tut man ja auch mehr oder weniger erfolgreich auf dem "Rest der Welt", aber bei der Bekämpfung mit chemischen Produkten verbleiben immer Rückstände im Honig und damit verliert unser Bienensaft auch seine Unschuldigkeit, welche er bislang immer gehabt hat. Schnell handeln heißt es jetzt, vielleicht gelingt es ja die betroffenen Völker noch zu opfern, bevor die Milbe sich auf ganz La Palma eingenistet hat.



Sonntag 25.12.05 - 18:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 16 Grad, Niederschlag: 11 mm, Luftfeuchte 90 % Luftdruck 1012 hPa Höchsttemperatur heute: 17,7 Grad, niedrigste Temperatur: 13,6 Grad


Und es bewegt sich doch

Ich habe mich schon gar nicht mehr getraut darüber zu sprechen, aber die Spendenaktion läuft natürlich immer noch und endlich habe ich einen neuen Kontoauszug erhalten und der liest sich freundlich. Ganz herzlichen Dank all denen, die sich ein Herz und einen, oder mehrere Geldscheine gefasst haben, eines Tages, ich hoffe nicht posteruptiv, geben wir dieses Geld auch wieder in Deutschland aus. - Ich muss mich entschuldigen, dass wir hier echte Probleme mit der Auffrischung der Kontostände haben, aber Roberto, der Direktor der Schule ist immer noch krank. Arsenio, der Sekretär nimmt sich unser jetzt an und hat versprochen, in deutlich kürzeren Abständen neue Zahlen zu nennen. Dann kommt auch wieder mehr Schwung rein und ich traue mich wieder öfter zu betteln. Eine größere Spende, fast 1.000 Euro wurde zwar angewiesen, aber am gleichen Tag wieder storniert und erstaunte Fragezeichen beim Schulamt stehen immer noch offen. Telefonisch wurde mir versichert, das Geld wird erneut angewiesen, bis heute ist das leider noch nicht geschehen. HIER geht es zur neuen Spendenliste.

Erster und bei uns einziger Weihnachtsfeiertag ist immer traditionell Großseglertreffen im Hafen von Santa Cruz, mit Trödelmarkt, Musik und Frühschoppen. Leider kann die Anzahl der Schiffe inzwischen nicht mehr mit der Zahl der Waren feilbietenden Buden konkurrieren, aber ich freue mich über jedes große Segelschiff. Wir haben lediglich die Lord Nelson, die Stavros Niarchos und die Roald Amundson gesehen. Zwei weitere Schiffe waren angekündigt, aber wohl noch nicht da. Das Großseglertreffen findet dieses Jahr zum 10. Mal statt, schade, dass gerade im Jubiläumsjahr sich nur so wenig Skipper nach La Palma haben locken lassen. Die Lord Nelson ist wohl unser treuester Besucher, das englische Schiff war, wenn ich mich nicht irre, bei jedem der Treffen dabei. Rule, Britannia! Britannia, rule the waves: Britons never shall be slaves. Einverstanden, aber Gäste! - Leider spielte auch das Wetter nicht so ganz mit, der Wind trug immer wieder Sprühregen bis in den Hafen. Aber man hatte klugerweise die Stände mit den ausgesuchten Kostbarkeiten aus chinesischen und vietnamesischen Kunsthandwerksgroßhandeln unter die Dächer des Frachtlagers gesteckt. Die Musik war noch beim Soundcheck, das geht mir allerdings auf La Palma immer so, ich habe noch nie eine Band spielen hören, ich geh immer zu früh nach Hause, ich nehme doch wohl nicht an, die machen alle immer nur Soundcheck, oder klingt die Musik so und ich habe das falsch verstanden. Sicher nicht, aber wer zu früh nach Hause geht, den bestraft die Kulturlosigkeit. Um meine Frau nicht weiter zu quälen, habe ich dann auf der stundenlangen Rückfahrt im Auto auch darauf verzichtet die "Gofiones" in Schleife abzuspielen. Mir war eigentlich so endem ums Herz und da rutscht mir zwischen Oleta Adams und Melissa Etheridge doch immer mal wieder `ne flotte Scheibe von den "Sabadeños, "Arrieros" und eben den "Gofiones" in die Finger.

Kurz zum Wetter. Die Amerikaner melden nur noch heute Regen, die Spanier auch noch morgen. Die wollen sich wieder nur einschleimen, na ja, nötig haben sie es ja auch.



Sonntag 25.12.05 - 09:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 15 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 78 % Luftdruck 1015 hPa

Mehr Touristen, weniger Geld

Jetzt ist es amtlich, auch unser so oft kritisierter Inselrat für Tourismus gibt das nun öffentlich zu und macht damit eine erneute Diskussion über die touristische Zukunft dieser Insel wieder möglich. - Gut, die Diskussion fand immer statt, aber ohne die Beteiligung aller derer die in dem Sektor arbeiten und mit ihrer Erfahrung auf mögliche Probleme hinweisen können. - Die Rechnung, mehr Betten, mehr Gäste, mehr Geld, geht halt einfach nicht auf; La Palma wird immer ein besonders Ziel bleiben, für eine eng begrenzte Urlauberzahl. Wenn wir uns dem Massentourismus öffnen, dann werden wir nicht mehr an uns selbst gemessen, sondern an Zielen die zwar nicht unbedingt schöner sind, aber sicherlich mehr Strände haben und vor allem billiger sind. Einen weiteren Punkt bringt Jaime Sicilia, so heißt unser Tourismusrat noch an, die Konjunkturlage in Deutschland macht uns schwer zu schaffen und Deutschland ist nun mal das allerwichtigste Ursprungsland unserer Gäste.

Erstaunlich ist seine nur noch halb versteckte Kritik an einem Hotel, welches sich auf La Palma breit gemacht hat: "Es bringt nichts, wenn die Tourismusbehörde La Palmas hunderttausende von Euro für Werbung ausgibt und ein Hotel hier keinen Euro ausgibt" ("No vale que el Patronato de Turismo gaste cientos de miles de euros en promociones y que una hotelera implantada en la Isla no se gaste un euro en La Palma") - Den Namen nennt er nicht, da ist er genau so vorsichtig wie ich, es weiß aber eh jeder, wer gemeint ist. Unser Tourismusrat zieht eine nicht gerade froh stimmende Bilanz des abgelaufenen touristischen Jahres. Außer der nur knapp drei Monaten anhaltenden Sommersaison, in der man immer mehr Gäste vom spanischen Festland anlocken kann, dümpeln unsere Bruttozahlen in einem knappen Plus, unterm Strich aber haben wir weniger verdient. Mit neuen Märkten hat man fast keinen Erfolg gehabt, nur die Italiener schicken weiterhin einen Flieger in der Woche aus Mailand zu uns. Eine ganz erstaunliche Geschichte ist aber weiterhin das völlige Ausbleiben der Besucher aus Großbritannien, sind auf Tenerife und Gran Canaria sogar mehr Briten als Deutsche, gibt es überhaupt keinen Charter aus England nach La Palma. Haben wir da was falsch gemacht, oder etwa nicht!


Her mit den kleinen Engländerinnen
Her mit den kleinen Engländerinnen



Samstag 24.12.05 - 10:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 15 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 70 % Luftdruck 1017 hPa

Hirn aus, Herz an

Wenn ich darüber nachdenke, warum wir heute den Heiligen Abend feiern, dann komme ich zweifelsohne zu dem Schluss, Intellektuelle müssen Weihnachten ablehnen, wenn nicht Schlimmeres. Es gibt keinen Nachweis für die Geschehen, die wir nun seit 2005 Jahren an diesen Tagen ehren und was Ideologien und Organisationen aus diesem Fest gemacht haben, ist mindestens ethisch und moralisch zweifelhaft. Dennoch, dieses Fest lebt, vielleicht auch nur zusammengehalten aus Traditionen und Gewohnheiten und nur in unserem Kulturbereich. Wer will uns abhalten, ein nicht nachgewiesenes Ereignis zu feiern, ein, zwei Tage auf Missgunst und Wissenschaft zu verzichten und einfach nur dem lieben Gott mal für kurze Zeit ein bisschen Aufmerksamkeit zu schenken. Der "Liebe Gott" ist übrigens universell und nicht an Konventionen gebunden, auch wenn Kleriker und deren Antipode sich gegenseitig Thesen und Psalme oder Suren um die Ohren schlagen, wir feiern trotzdem Weihnachten. Wie arm wären wir denn, wenn wir nicht glauben könnten, die Frage an wen oder was bleibt Kopfmenschen vorbehalten, die kein Vertrauen in andere und sich selber haben wollen.

Ein paar Tage Auszeit vom Alltag, ein paar besondere Tage, an denen man sich und anderen versucht mehr Freude als Pein zu bereiten, schade eigentlich, dass nicht immer Weihnachten ist. Ich hab das gestern Abend wieder erleben dürfen, nicht in Krawatten und Denkerkreisen, sondern unter einfachen Menschen, die sich zur Aufgabe gemacht haben, diese Tage für alle ganz besondere Tage werden zu lassen. Auch wenn viele Leute die Wörter wie Schwerter nutzen um denen, die nicht erklären können warum sie glauben wollen, das als Unwissenheit und Dummheit ins Logbuch schreiben. Ob Sie es glauben oder nicht, ich wünschen Ihnen und allen Menschen ein fröhliches und friedfertiges Fest, was immer Sie auch feiern wollen. Hirn aus und Herz an, schon sind wir uns alle ein gewaltiges Stück näher. Wer nicht näher kommen will, kein Problem, er kann ja mal darüber nachdenken. Feliz Navidad. - Heute Abend gibt es keine Nachrichten, ich müsste sonst mein Hirn wieder einschalten und das haben meine Familie und Freunde heute nicht verdient.


Feliz Navidad

Feliz Navidad



Freitag 23.12.05 - 17:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 22 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 59 % Luftdruck 1016 hPa Höchsttemperatur heute: 23,3 Grad, niedrigste Temperatur: 14,3 Grad


Oh du Fröhliche

Zwangsweise von den Töchtern nach Los LLanos verschleppt um Weihnachtseinkäufe zu tätigen, es gibt Formen häuslicher Gewalt, um die kümmert sich keine Lobby. - So ganz stimmt das nicht, ich musste meine Brille abholen und da wir noch keinen Optiker in El Paso haben, haben wir das halt miteinander verbunden. In der Tat, ich kann wieder sehen, ein Wunder, aber wer sehen kann, hat deswegen noch nicht unbedingt den Durchblick. - Das ganze Gerede von Krise, Armut und Konsumboykott seitens der Verbraucher muss auf einer anderen Insel stattfinden, oder zumindest in einem anderen Ort. Da wo meine Töchter mich hinzerrten aber auch manchmal sehr geschickt hindirigierten mit solchen Versprechungen wie, Papi, das ist auch bestimmt der letzte Laden, gab es Gedränge und Geschiebe und mittendrin immer dieses schmerzende Piepsen der modernen Kassen. Früher sagte man, die Kasse klingelt, das war damals, als Telefone noch Wählscheiben hatten und ich noch Haare.

Ich habe mich treiben lassen, nur wer sich wehrt, der kommt unter die Mühlen der Konsumgesellschaft, mir ist der Griff an die rechte hintere Hosentasche heute derart leicht gefallen und ich muss sagen, wäre diese Tasche nicht irgendwann leer gewesen, es hätte noch Stunden so weiter gehen können. Alle liebten mich, meine Kinder weil ich schweigsam bezahlte und die Verkäuferinnen aus dem gleichen Grund. Wir haben übrigens nur wirklich nützliche Dinge gekauft, anderes kommt mir griesgrämigem Globalisierungsstänkerer doch gar nicht ins Haus. Diddl-Blätter, Duftkerzen, bunte Steinchen die je nach Sternzeichen allheilende Wirkung haben, diese Kühlschrankmagneten, die Welt umgreifend Konsens produzieren, eben alles das, was in keinem regelkonformen Haushalt fehlen darf. Was die Kinder alles für den Kater gefunden haben, ich bin entzückt, das machen die gut, wenn wir Menschen erst alle satt sind und partout auch kein Diddl-Blatt mehr in die Wohnung passt, dann geht das alles von vorne los, nun aber für die Haustiere. Aufmerksame Leser werden nun meinen sonstigen pasensischen (aus El Paso kommend) Lokalpatriotismus vermissen, keine Angst, dort war ich gestern schon, aber ich wollte auch mal global handeln und da reicht bei mir bereits ein Besuch in Los Llanos. Leute, die haben gekauft, mit tausend Tüten bewaffnete Karawanen von Menschen schoben sich an eben so vielen Parkplatz suchenden Autos vorbei, es war klasse. Heute war ich endlich mal nützlicher Konsument, ich habe mich wohl gefühlt, meinen Teil zur Volkswirtschaft kritiklos beigetragen, war einer von vielen, in einem Geborgenheit ausstrahlenden Kollektiv und habe stolz meine Tüten über das Trottoir gezogen. Ich liebe die freie Marktwirtschaft, warum auch nicht, ich glaube gerne ich sei frei und gehe auch gerne in den Markt und in die Wirtschaft.



Freitag 23.12.05 - 09:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 15 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 68 % Luftdruck 1016 hPa

Jeder darf mal ran

In Garafía geht es heiß her, lokalpolitisch stehlen die uns aus El Paso inzwischen deutlich die Show. Gegen Vicente Peñate, (Partido Popular) bereits zweiter Bürgermeister seit den Lokalwahlen im Mai 2003, wird nun ein Misstrauensverfahren angeregt, er soll einer Mehrheit aus Sozialisten und dem verbleibenden Stadtrat der "Alternativa por Garafía" kurz "AG", José Castro Rodríguez weichen. Die "AG" hatte ursprünglich zwei Sitze im Rathaus inne, allerdings schmiss Roberto Castro, nur namensverwandt mit dem anderen, sein Amt hin und ließ den José Castro alleine diese Gruppierung vertreten. Alles schien ein leichtes Spiel für Vicente Peñate zu sein, der auch durch einen Misstrauensverfahren an den Bürgermeistersessel gelangt war. Nun aber schlägt das Imperium zurück, die Absetzung Peñates scheint beschlossene Sache zu sein, ab dem zweiten Januar soll der Einzelkämpfer José Castro Rodríguez neuer Bürgermeister Garafías werden.

Der wirklich starke Mann aber scheint Abilio Reyes Medina zu sein, Führer der 5 Stadträte der Sozialisten im Ort. Der immer noch im Amt befindliche Vicente Peñate sieht den Sozialisten als seinen wirklichen Gegner an und wirft ihm vor, José Castro Rodríguez als Kanonenfutter für seine Interessen zu benutzen um besser Wahlkampf für den Mai 2007 betreiben zu können. Eine "Harakiri-Aktion" ist das in seinen Worten und in der Tat ist der einzig verbleibende Stadtrat der "AG", auf Gedeih und Verderb auf die Zusammenarbeit mit den 5 Räten der Sozialisten angewiesen. Gewisse Marionettenfunktion kann da nicht ausgeschlossen werden. - Dass es in Garafía nicht wirklich weitergeht ist kein Wunder, die Herren Stadträte sind seit ihrer Amtsübernahme eigentlich nur damit beschäftigt, sich gegenseitig anzuzeigen und neue Verbindungen zu knüpfen. Für ganz La Palma hat das aber auch Folgen, mit Vicente Peñate verliert die große und angebliche Volkspartei, die Partido Popular ihren letzten Bürgermeister auf der Insel. Damit regiert die Coalición Canaria 10 der 14 Gemeinden La Palmas, denn José Castro Rodríguez ist zwar für die "AG" angetreten aber treues Parteimitglied bei den selbsternannten Nationalisten der Coalición Canaria. Irgendwer hat mal gesagt, jedes Volk hat die Politiker, die es verdient. Ich möchte das ungern glauben, aber irgendwer hat die ja auch gewählt und wir sollten uns ganz genau fragen, ob es nicht auch sein kann, dass jeder Politiker das Volk hat, an dem er verdient.



Donnerstag 22.12.05 - 18:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 20 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 75 % Luftdruck 1013 hPa Höchsttemperatur heute: 21,2 Grad, niedrigste Temperatur: 13,9 Grad


20.085

Das ist die wichtigste Zahl heute, wer auf seinem Los diese Nummer hatte, der war auf einen Schlag um 300.000 Euro reicher. Nun könnte man meinen, das ist doch gar nicht so viel Geld, im Lotto gibt es doch mehr. Dazu muss man aber wissen, dass es diesen Hauptgewinn 1.700 mal gibt, denn es gibt 1.700 Lose mit dieser Nummer. Oft sind die 170 Serien an zehn Lose über das gesamte Territorium des Landes verteilt, dieses Mal wurden alle Lose in dem Ort Vic, bei Barcelona verkauft. Nun kann man sich vorstellen, was diese insgesamt 510 Millionen Euro, die über diesen 30.000 Einwohner Ort hereinbrechen, für die lokale Wirtschaft dort bedeuten. - Da kommt jetzt wieder der Neid des Verlierers auf, La Palma hat nur ein paar Trostpreise von 100 Euro abbekommen, man müsste sich das mal vorstellen, 510 Millionen in El Paso, dafür bekäme man gleich den ganzen Ort.

Es gibt noch einen zweiten Preis, 100.000 Euro pro Los für die Nummer 28.150, einen dritten Preis, 50.000 Euro für den, der ein Los mit den Zahlen 07.494 hatte. Danach kommen zweit vierte Preise 84.003 und 76.446 waren hier die Glückszahlen und wurden mit 20.000 Euro belohnt und acht fünfte Preise, jeweils mit 5.000 Euro dotiert, fielen auf die Nummern: 25.944, 68.395, 14.431, 18.486, 12.741, 53.863, 76.734 und 32.474. Dazu kommen noch unzählige Trostpreise von 100 Euro und 20 Euro, sowie auch noch Prämien für die Losnummern, welche den Hauptpreisen am nächsten lagen. Insgesamt wurden heute mehr als 2 Milliarden Euro über Spanien ausgeschüttet, da freut sich das Bruttosozialprodukt. - Eine kleine Innovation hatte man bei der Losziehung gemacht, 2 Kinder singen jeweils 200 Gewinne aus, dann sind die Stimmen ausgesungen und zwei weitere wackere und mutige Kinder müssen ran. Eines der beiden Kinder war jeweils sichtbar als Immigrantenkind zu erkennen, mal dunkelhäutig, mal arabisch, mal südamerikanisch aussehend. Ok, ist nur eine Geste, aber auch Gesten sind wichtig und schön.

Was gibt es zum Wetter zu sagen. Mädels hängt die Wäsche raus, bis Samstagabend sind wir im Westen auf der sicheren Seite. Dann wird es noch mal ein bisschen kribbelig und es kann regnen, muss aber nicht. Ab dem 26. ist Passat angesagt und damit wieder unser Wetter. Nordostbauknecht, gesponsert vom Azorenhoch.



Donnerstag 22.12.05 - 08:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 14 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 75 % Luftdruck 1012 hPa

Singende Millionen

Am 22. Dezember läuft überall in Spanien das Radio, zumindest vormittags, heute ist einer der wichtigsten Tage im Jahr, es geht um den "Dicken". Der "Dicke" ist Hauptgewinn der Weihnachtslotterie, hier eben "El Gordo" genannt und ein beliebtes und nie enden wollendes Wortspiel tröstet alle, die dann leer ausgegangen sind. Wer will sich schon gerne vom einem "Dicken" anfassen lassen, denn gewinnen heißt hier auch anfassen, oder an der Reihe sein. Te tocó el Gordo heißt, dich hat der "Dicke" angefasst, am 22. Dezember aber bedeutet es, den Hauptgewinn in der Weihnachtslotterie mitgenommen zu haben. Heute ist zugleich der Beginn der Weihnachtszeit, letzter Schultag und vielleicht letzte Gelegenheit irgend etwas weltliches auf Ämtern oder Behörden zu regeln, danach, bis zum 7. Januar bleibt vieles unbearbeitet. Nicht posteruptiv, aber postnavideño laufen dann wieder die alltäglichen Mühlen unserer öffentlichen Institutionen.

Seit 1771 werden die prämierten Losnummern von Schülern der Klosterschule "San Ildefonso" gesungen. Im wahrsten Sinne des Wortes, die Loskugeln kommen aus einer riesigen Trommel, erst eine Kugel mit der Losnummer und dann aus einer anderen die Kugel mit den Prämien. Die Notare drücken dann Kindern dieser Schule die Kugeln in die Hand und die Losnummern und die Prämienkategorie werden dann in festgelegtem Singsang verkündet. Das gehört zu Spanien wie der König, das Meer und Real Madrid, am 22.Dezember jeden Jahres hört man überall auf den Straßen die Stimmen der Kinder von San Ildefonso aus unzähligen Radios und Fernsehapparaten klingen. Das ist übrigens der einzige Tag im Jahr, an dem wir uns die nur teilweise beliebten Pesetas zurückwünschen. Da man in Spanien kein Umlaute kennt, spricht man den Euro: Ä-uro aus, das klingt dann gesungen etwa so melodisch, als würde Frank Zappa Weihnachtslieder singen. Macht aber nichts, wir haben uns längst daran gewöhnt, Geld auszugeben, dessen Namen wir eigentlich gar nicht aussprechen können.



Mittwoch 21.12.05 - 18:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 22 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 74 % Luftdruck 1009 hPa Höchsttemperatur heute: 23,0 Grad, niedrigste Temperatur: 13,5 Grad


Schwere Zeiten für Meteorologen

So schwammige Tiefdruckgebiete, die keine klaren Fronten und Zentren haben, machen allen Menschen die in der Laubfroschzunft arbeiten das Leben richtig schwer. Das Tief ist da, immer noch, 1009 hPa ist ein Tief, aber die Sonne scheint und kein Wasser kann uns trüben. Das war gestern auch bereits so, als auf Tenerife und La Gomera stellenweise heftigste Regenschauer fielen. Auf er größten Kanareninsel starb dabei eine Frau, bei dem Versuch ein sonst laues Flussbett zu durchqueren, eine zweite Begleiterin konnte von Passanten leicht verletzt geborgen werden. Auf La Gomera mussten zwei deutsche Urlauber aus einer Schlucht befreit werden, das ansteigende Wasser hatte ihnen den Rückweg abgeschnitten. Auf La Palma gab es lediglich ein paar Millimeter Regen und starken Wind, aber nur in den hohen Zonen der Insel

Es hätte aber auch genau so gut bei uns den heftigen Regen geben können und nicht auf den Nachbarinseln, es ist unheimlich schwer, für die gesamte Region der Kanaren eine Wettervorhersage zu machen. Da wirkt so ein zerzaustes Tief noch hinderlicher in den Vorhersagen, so blöd wie sich das anhört, der kräftige Tropensturm "Delta" war viel leichter zu bestimmen, als dieses tiefe Wischiwaschi. Wir dürfen deshalb nicht knurren, dass die Caldera seit Freitag gesperrt ist, obwohl keine nennenswerten Niederschläge gefallen sind. Wir hatten hier auch schon unsere Todesopfer durch Fluten und sind nun lieber zu vorsichtig. Auch wenn heute auf La Palma fast den ganzen Tag die Sonne geschienen hat, das Tief ist immer noch da und jetzt daraus schon einen Bauknecht zu bauen, ist einfach verfrüht, es kann immer noch mal regnen. Für morgen sieht es dann deutlich besser aus, man erwartet schnell steigenden Luftdruck und eine Rückkehr zum Nordostpassat.

Dazu passt, ganz aktuell die Meldung. Der Flug der LTU, aus Düsseldorf, für 17:05 Uhr erwartet, musste nach Tenerife-Süd umgeleitet werden. Ganz plötzlich, fast aus heiterem Himmel fiel gewaltiger Platzregen über dem Flughafen La Palma und die Maschine musste abdrehen. 10 Minuten später war alles wieder vorbei und die Flieger konnten landen. Die LTU aus Düsseldorf muss nun aber erst auf Tenerife tanken und wird danach, halt etwas verspätet zu uns kommen. Wetter und die Kanaren, und dazwischen laufen traurige Gestalten durch die Welt, seien Sie nett zu ihnen, es könnten frustrierte Meteorologen sein.



Mittwoch 21.12.05 - 08:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 14 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 81 % Luftdruck 1010 hPa

Niemandsland oder Jedermannsland

Auf La Palma 150.000 Quadratmeter ebenerdig, in einem Stück, das hört sich angesichts unserer wilden Schluchten und Berge doch fast wie ein Märchen an. Gibt es aber und jeder kennt diesen großen Fleck, es handelt sich um den ehemaligen Flughafen bei Buenavista, gleich unterhalb des Inselkrankenhauses. Seit 25 Jahren ist der alte Flughafen nun ohne Nutzung, aber nicht ohne Eigentümer. Das Verteidigungsministerium hatte auf dem Wege der Enteignung dieses Gelände irgendwann in den dreißiger Jahren an sich gebracht, hat aber seit dem Ende des Flugbetriebes dort, kein Interesse mehr an dem Gelände. Es existieren nur noch der alte "Tower" und die holperige Landebahn, viele Besucher merken gar nicht mehr, dass sie auf der Hauptverkehrsstraße einen ehemaligen Flughafen kreuzen.

Die Erben der damals enteigneten Grundbesitzer fordern nun die Rückgabe des Geländes oder eine Entschädigung vom Verteidigungsministerium. Entschädigungen gibt es nicht, aber die Militärs stimmen einer Rückgabe des Geländes zu, warum auch nicht, seit 25 Jahren hat man dort keinen Soldaten gesehen. Seit vier Jahren nun bemüht sich das Katasteramt darum, alle ehemaligen Eigentümer ausfindig zu machen und aus dem immobiliaren Sahnestückchen wieder Privateigentum zu machen. Das ist gar nicht so einfach, Grundstücksgrenzen wurden früher unter Nachbarn ausgemacht, in dem man Steine, die dann manchmal nachts auf Wanderschaft gingen, als Markierungen benutzte. Privatverträge, handschriftlich und 50 Jahre unter dem Weinfass in einer Bodega gelegen, sollen nun Besitzanspruch dokumentieren, harte Arbeit für Landvermesser, hinter denen dauernd einer steht und sagt, das ist aber das Land meines Vaters. Ich muss mal in meinen alten Kisten gucken, ob ich da nicht auch noch irgendein verstaubtes Dokument finde, welches mich als Alleinerbe des Geländes des Flughafens Frankfurt/Main ausweist. This land is your land, this land is my land...



Dienstag 20.12.05 - 18:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 19 Grad, Niederschlag: 4 mm, Luftfeuchte 78 % Luftdruck 1010 hPa Höchsttemperatur heute: 20,6 Grad, niedrigste Temperatur: 17,4 Grad


Geteert und gefedert

Riesenüberraschung am Flughafen, alle Autos sind geteert, eine enorme Sauerei, ein schwarzer Schmierfilm überzieht hunderte von geparkten Autos am neuen Parkplatz. Was ist passiert, man hat gestern in der Nähe des Parkplatzes flüssigen Teer per Spritzen aufgebracht und nicht richtig die Windrichtung und Stärke des aufkommenden Windes eingeschätzt. Man wollte noch schnell vor dem schlechten Wetter fertig werden und nicht darauf geachtet, dass der flüssige Teer in Schwaden über den Parkplatz fegte und alle Autos mit einem widerlichen Film überzog. Als man das schließlich bemerkte, war es schon zu spät und die Arbeit vieler fleißiger Mietwagenverleiher, gut geputzte Autos den Gästen zu übergeben, war zunichte gemacht. Es gab mehr als ein böses Wort, aber die Baufirma reagierte auch wieder schnell und hat nun Leute abgestellt, welche die Autos mit heißem Druckwasser wieder abgeschrubbt haben.

Dabei kam es heute Morgen natürlich zu Engpässen, so viele Mietwagen wie man benötigte, konnten nicht gleichzeitig gereinigt werden. Morgen geht das Spiel noch mal los und bis man alle, immerhin mehrere hundert Autos sauber hat, können noch ein zwei Tage ins Land gehen. Für die Baufirma entstehen nun reichlich Zusatzkosten und manche Mietwagenverleiher fürchten Lackschäden, aber das ist noch nicht abzusehen. Ich möchte nicht dabei gewesen sein, als der Bauleiter der Firma mit den armen Mitarbeitern gesprochen hat, die so unvorsichtig mit dem Wind waren und die Autobesitzer, in der Mehrzahl handelt es sich dabei um Mietwagen, wären gut und gerne dazu übergegangen, die Arbeiter zu teeren und zu federn. - Alle haben überlebt...

Reiseleiterbauknecht. So was gibt es, reicht zwar nicht aus, um Wäsche zu trocknen, aber gerade zu der Zeit als die Charter ankamen, zog blauer Himmel auf und die Sonne ließ sich blicken. Nichts hasse und fürchte ich mehr, als im strömenden Regen die sonnenhungrigen Gäste begrüßen zu dürfen, da muss man gaaanz viel reden. Ein feines Tief haben wir da, tourismusgerecht und bislang weniger regenreich als befürchtet. Noch ist es aber nicht "durch", draußen auf dem Meer türmen sich gerade wieder gewaltige Wolkenformationen auf. Morgen erwarten wir weiteren Regen, für Donnerstag sieht es schon viel besser aus.



Dienstag 20.12.05 - 08:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 17 Grad, Niederschlag: 12 mm, Luftfeuchte 95 % Luftdruck 1012 hPa

Kanaren hui, La Palma pfui

Mit Zahlen muss man unbedingt vorsichtig umgehen, das was auf dem freien Markt der Statistiken und Manipulationsversuche so an absoluten und Prozentzahlen umherschwebt, kann schon mal für deutliche Verwirrung sorgen. Es geht, wieder mal, um die Touristenzahlen und da gibt es von allen Seiten nur Negatives für La Palma zu berichten. Nachdem wir ein gutes Jahr hatten und uns dem sinkenden Trend der Gästezahlen der anderen Kanaren entgegenstellen konnten, war der November genau anders herum. 2,5% mehr Gäste haben die "Islas Afortunadas" besucht als noch vor einem Jahr. Nur La Palma hat ein Minus, stimmt nicht, La Palma hat sogar zwei Minus(se), 6,5 und 12%. In echten Zahlen, die eine Quelle (Flughafen) meldet 1.719 Gäste weniger und die andere (Tourismusrat) meldet nur 876 Urlauber weniger.

Ich erinnere mich dunkel an so was wie Minus mal Minus gibt Plus und vielleicht gelingt es den Verantwortlichen ja noch bis Weihnachten daraus touristische Zukunft zu basteln. Ich kann nur hoffen, dass dieser November sich als kleines Zwischentief erweist, insgesamt war 2005 ein gutes Jahr, nur hat man mit einer gewaltigen Erweiterung des Bettenangebotes aus steigenden Gästezahlen sinkende Auslastungen produziert. Wenn jetzt auch noch die Gästezahlen wieder sinken, dann brauchen wir einschlägige Spitzenmathematiker um die vielen Hotelprojekte, die in irgendwelchen Akten und Panzerschränken liegen, noch zu erklären. Ich kann da nicht helfen, mein Taschenrechner bietet keine potemkinsche Gästevariable an. Wie heißt es immer so schön, wir kämpfen weiter und werden uns besonders um eine Verdoppelung der Gästezahlen aus England bemühen. Die Gleichung heißt dann 0 x 2 = doppelt so viel, also 100% Steigerung. - Stimmt nicht - gibt´s nicht.

Das Tief hat uns entdeckt, endlich will man fast sagen. In den Bergen hat es gewaltig gepfiffen und damit den staatlichen Meteorologen einen nötigen Respektserfolg gegenüber den amerikanischen Daten verschafft. - Man könnte fast meinen, ich mache mir mehr Sorgen um die Meteorologen als um das Wetter. Auch Wetterfrösche sind nur Menschen.



Montag 19.12.05 - 19:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 18 Grad, Niederschlag: 0,5 mm, Luftfeuchte 79 % Luftdruck 1015 hPa Höchsttemperatur heute: 19,8 Grad, niedrigste Temperatur: 15,4 Grad


Arbeitslosenzahlen mal aufgedröselt

Der November hat die Zahl der Arbeitslosen auf La Palma wieder leicht ansteigen lassen, 139 Menschen sind es jetzt mehr ohne Arbeit auf dieser Insel als noch im Oktober, nun sind es 6.872 "parados" wie man hier sagt, was auch als "geparkt" übersetzt werden kann. Der Anstieg liegt aber im Trend, im November konnte man auf allen Inseln und auch in den letzten Jahren diesen Anstieg beobachten. Wie heißt das so schön: Jahreszeitlich bedingt. Der Rekord an Arbeitslosen wurde diesen Mai festgestellt, da suchten 7.021 Menschen Arbeit, für das gesamte Jahr ist der errechnete Durchschnitt 6.541. Eine Arbeitslosenquote wird hier nicht offiziell ermittelt, es gibt zu unterschiedliche Definitionen von "aktiver Bevölkerung", je nach Ansatz, wie hoch der Anteil der aktiven Bevölkerung ist, reicht die Arbeitslosenquote von 16% bis zu 22%, suchen Sie sich was aus. (Wahrscheinlich weiß man nicht, wie man die vielen hyperaktiven Leute bewerten soll)

Vergleichen wir mal die Gemeinden anhand der Bevölkerung, nicht nur der aktiven, sondern der Gesamteinwohnerzahl, dann kann das auch interessante Zahlen ergeben. Los Llanos 19.978 Einwohner - 1.629 Arbeitslose, Santa Cruz 17.788 - 1.518, El Paso 7.404 - 655, Breña Alta 7.039 - 502, Tazacorte 5.835 - 465, San Andrés y Sauces, 5.086 - 331, Mazo 5.491 - 387, Breña Baja 4.355 - 318, Tijarafe 2.716 - 260, Barlovento 2.507 - 172, Puntallana 2.424 - 151, Garafía 1.924 - 167, Fuencaliente 1.913 - 117 und die kleinste Gemeinde an Bevölkerung, Puntagorda mit 1.795 Einwohnern, hat 200 Arbeitslose. Am übelsten sieht es also in der kleinsten Gemeinde aus, da sind deutlich über 10% der Gesamtbevölkerung arbeitslos, diesen Wert erreicht keine andere Gemeinde.

Das Tief macht weiter mit uns was es will und weigert sich weiter heftig den Wettervorhersagen zu folgen. - Jetzt wird es mal wieder interessant, die staatlichen Meteorologen erwarten starken und böigen Wind, allerdings nur in den höheren Zonen und die Amerikaner sprechen von einem eher lauen Lüftchen von etwas über 20 Knoten. Die Schlechtwäschewarnung besteht weiterhin, frühester Bauknechttermin Donnerstag. Garantien dafür gibt es nebenan, Wäschetrockner im Fachhandel.



Montag 19.12.05 - 08:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 16 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 72 % Luftdruck 1017 hPa

Regnet es jetzt endlich mal?

Seit Tagen narrt uns und alle Meteorologen ein immer schwächer werdendes Tief, welches westlich von uns seine scheinbar chaotischen Kreise in den Atlantik schreibt. Anstatt nach Norden zu ziehen, so wie vernünftige Tiefs das machen, bleibt es störrisch an seinem Ort und damit eine permanente Bedrohung unseres bislang trockenen und warmen Dezember. Ursprünglich hatten alle vermutet, das kommt Samstag, zieht durch und dann ist Montag spätestens alles vorbei und wir können wieder den ewigen Nordostpassat genießen, aber irgend jemand hat seine Suppe nicht aufgegessen und nun warten wir hier stündlich auf die ersten Tropfen.

Angenehmer Nebeneffekt dieser Wartestellung sind die lauen Temperaturen nachts, 16,6 Grad sind es momentan, auf über 500 Meter Höhe, noch ohne die geringste Hilfe der Sonne, es ist noch dunkel. - Der Tourismus braucht nie Regen, die Landwirtschaft aber schon und die Böden hätten dringend eine Dusche notwendig, bislang ist im Dezember noch nicht ein Tropfen Regen auf der Westseite gefallen. Was die Vorhersagen angeht, drei Tage geringe Niederschläge mit Wind aus Südwest, das haben wir aber auch schon vor drei Tagen so gesagt. Ich bleib bei meiner wenig konkreten Aussage, trau keinem Wind, der nicht aus Nordosten kommt. Solch wirklich nahrhafte Sprüche kommen immer dann, wenn man nicht mehr weiter weiß, man könnte das auch mit "unbeständig", "wechselhaft" oder schlicht mit einem Fragezeichen übersetzen. Heute Abend sind wir schlauer und vielleicht ein bisschen nasser.



Sonntag 18.12.05 - 17:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 21 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 62 % Luftdruck 1017 hPa Höchsttemperatur heute: 22,2 Grad, niedrigste Temperatur: 14,5 Grad


Krankheit verzögert Amtswechsel

Eigentlich sollte jetzt bereits in El Paso das Amt des Bürgermeisters aus der Hand von Jesús Manuel Rodríguez an den Sozialisten Víctor Manuel Nazco Hernández, genannt "Miguel", übergeben werden. Das geht aber nicht, Miguel ist krank geworden und fühlt sich im Moment noch nicht in der Lage, das Amt des Bürgermeisters auszuüben. Bis Februar will er noch warten ob er so weit wieder fit ist, das Amt zu übernehmen. Wenn nicht, dann muss ein Parteigenosse ran, auf jeden Fall wird El Paso dann von einem sozialistischen Bürgermeister geführt werden, so wie es abgesprochen war. Bis dahin bleibt Jesús Bürgermeister, der bereits seit Mai 2003 im Amt ist. In El Paso hoffen alle auf eine gute Genesung Miguels, er ist ein sehr beliebter und sogar von der Opposition geachteter Politiker und Mitbürger.

Sie haben sich jetzt sicher befragt, warum jemand der Víctor Manuel heißt Miguel genannt wird. Das gibt es häufiger hier und hat meist einen einfachen Hintergrund. Bei der Taufe wurde (heute nur noch ganz selten) ein anderer Name gegeben als in den amtlichen Geburtsurkunden. Der Rufname der über dem Taufbecken erklärt wurde, ist dann auch meist der gebräuchlichere und die "Umgetauften" müssen später ihr ganzes Leben darauf achten, in amtlichen Dokumenten ihre weltlichen Namen zu verwenden und nicht den Kirchlichen. Es gibt aber noch kompliziertere Fälle, ich kenne eine Familie, da nennt der Vater sein Kind anders als die Mutter das tut, er ist Brachialatheist und die Frau sehr gläubig und auf Anraten der Familie hat die gute Frau bei der Taufe noch schnell einen biblischen Namen geflüstert. Ich kann sie beruhigen, das Mädchen ist wohlauf und hat keine gespaltene Persönlichkeit, Vater und Mutter verstehen sich dennoch ihrer Meinungsverschiedenheit in Glaubensfragen prächtig, Toleranz ist also keine Frage die Gläubige und Atheisten trennen muss. Bei unserer kleinen Tochter gab es auch einen Namensunfall, allerdings beim Nachnamen. Hier haben ja alle zwei Nachnamen, (Apellidos), dazu nimmt man den ersten des Vaters und den ersten der Mutter. Raten Sie mal wie meine kleine Tochter amtlich heißt. Stimmt, Rosa María Siebold Siebold. Doppelt gemoppelt soll wohl besser halten.



Sonntag 18.12.05 - 10:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 16 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 66 % Luftdruck 1019 hPa

Wie putzig, die Grünen leben noch

Auf der grünen Insel haben es die Grünen verdammt schwer. Ökologie alleine treibt keinen Wähler an die Urne und seit dem alle anderen politischen Kräfte die Vokabel "nachhaltig" am liebsten als Patent anmelden würden, bleibt wenig Raum für einmalige Vorschläge. Ökologie ist hier nach wie vor ein Luxusgut, erst wenn ich genug gespritzt habe um reichlich Ernte zu haben, kann ich mir mal in Ruhe Gedanken machen, wie man denn auch mit weniger Chemie klar kommt. Das ist kein Vorwurf, das ist so, überall auf der Welt. Rafael Rodríguez, Sprecher der kanarischen Grünen weiß das auch und versucht nun mit Vorträgen und Beispielen die Menschen, Konsumenten und Produzenten zu einem Umdenken anzuregen. - Eigentlich versucht er nur die Menschen zum Denken anzuregen, dass das gleich ein Umdenken ist, gibt mir wiederum zu denken. - Ihnen jetzt auch, da ich davon ausgehe, dass Sie das was ich schreibe, auch versuchen zu verstehen.

Verlassen wir den Irrgarten der Begrifflichkeiten und steigen in die Ökologie zurück. Der Vorschlag Rafael Rodríguez ist eigentlich ganz simpel. Allem voran steht die Frage, warum wird nicht ausschließlich ökologisch produziert? Und schon gibt es eine Frontalkollision zwischen Ökonomie und Ökologie und wirklich nicht alles was mit Öko zu tun hat endet in traumhafter "logie". Die ganze Kette, vom Bauern über den Zwischenhändler, Einzelhändler und schließlich dem Endverbraucher wird grundsätzlich von der "nomie" bestimmt und nicht von der "logie". Will man daran etwas ändern, also auch den wirklich teureren und aufwendiger herzustellenden ökologischen Produkten eine Chance geben, muss diese ganze Kette mitmachen. Nun ist es eine Grundsatzfrage, wer steht am Anfang der Kette, Rafael Rodríguez und ich, (wir sind also schon zwei) glauben, dass der Verbraucher am Anfang dieser Kette steht und nicht der Produzent. Theoretisch (wahrscheinlich posteruptiv) müsste es gelingen, den Produzenten dahin zu bekommen, das anzubauen, was wir wollen.

Unser Beitrag dazu muss aber auch stimmen, wir müssen als Verbraucher bereit sein, den Mehraufwand zu entlohnen, auch ein Biobauer und Händler muss von seiner Arbeit leben können. - Bio Arbeitslosengeld ist noch nicht erfunden und auch nicht wirklich nachhaltig. - Ein Mercedes zum Preis eines Hyundai, das geht nicht, (es sei denn, man lässt den Mercedes bald in Korea zusammenbasteln, da wo der Hyundai herkommt) beim Autofahren sieht das jeder ein. Beim Kartoffelkauf sieht das schon ganz anders aus, da setzt man sich in den Mercedes und fährt viele Kilometer um die Knollen anderswo billiger zu kaufen und der Bauer von nebenan schmeißt seine Hacke in die Ecke, weil keiner mehr seine bisschen teureren Kartoffeln kauft. Der Weg zur ökologischen Gesellschaft scheint also an der Ökonomie zu scheitern, wie putzig, dass es immer noch Grüne gibt und eigentlich ein Wunder, dass auf La Palma immer noch Kartoffeln angebaut werden. - Ich hab mal einen kleinen Vorschlag. Sie graben ein Stückchen Ihres Gartens um und ziehen Kartoffeln. So wie wir das hier machen, mit Hacke und krummem Rücken. Dann schreiben Sie Ihre Stunden auf die Sie damit zubringen und nach der Ernte, wenn es eine solche gibt, rechnen Sie mal den Stundenlohn aus, verglichen an Kartoffeln vom Discounter. Nicht gleich weinen, 50 Cent Jobs sind nach der Globalisierung auch wieder gesellschaftsfähig. Geiz ist geil, aber für wen? - Sonntägliches Ratespiel von einem, der gerne 30 Euro für einen 25 Kilo Sack Kartoffeln bezahlt.



Samstag 17.12.05 - 18:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 20 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 69 % Luftdruck 1019 hPa Höchsttemperatur heute: 21,9 Grad, niedrigste Temperatur: 14,7 Grad


Ein Rekonvaleszent namens Paul

Es ist nichts passiert weiter, außer vielleicht, dass nun auch die amerikanischen Meteorologen mit ihren Vorhersagen weit daneben liegen. Es ist aber auch total schwierig im Moment, was da westlich von uns auf dem Atlantik abgeht. Das nordatlantische Hoch hat sich stark abgeschwächt und so rutscht das Tief, welches gar nicht so "tief" ist (1010 hPa) unter Umständen ganz an uns vorbei direkt nach Norden. Fast könnte man von einer großen Koalition sprechen, ein tiefes Hoch und ein hohes Tief machen gemeinsame Sache. Ob da was Gutes bei rauskommt, das weiß man ja nie. -

Paul ist deutlich auf dem Weg der Besserung, aber noch bei weitem nicht der alte Mephisto, welcher er vor seinem tiefen Fall in die peristaltischen Abgründe noch war. Er ist jetzt ganz anhänglich und bleibt immer in unserer Nähe, gerade so als ahnte er, dass er sich irgendwo in den weiten Jagdgründen unseres Gartens diese Parasiten eingefangen hat. "Spiel nicht mit den Schmuddelkindern" hat ihm meine Frau früher immer gesagt, als wir ihn mit irgendwelchen streunenden Katzen im Garten beobachten konnten. - Eigentlich gut, dass Paul kastriert ist, meine Frau hätte mit Sicherheit Tobsuchtsanfälle bekommen, wenn Paul sich mit irgendeiner ungewaschenen Katzendame eingelassen hätte. - Nicht mit unserem Paul und vorsichtshalber habe ich meiner Frau verraten, wo ich den Baseballschläger versteckt habe, der vor nächtlichen Besuchen irgendwelcher jungen Männer schützen soll, die meinen Töchtern nachsteigen.

Das Fell sieht noch reichlich struppig aus und seine Hauptbeschäftigung ist Schlafen und geruhsames Katzensoaps gucken. Dabei sitzt er auf dem Toilettenrand und beobachtet die sich munter drehende Waschmaschine, man mag dabei auch seinen noch leicht geistig verwirrten Zustand erkennen, das was er da guckt, sind alles Wiederholungen. - Gut, das unterscheidet ihn damit nicht vom normalen Mitteleuropäer, aber wir haben einen höheren kulturellen Anspruch für unseren Kater im Sinn. Wollen wir nicht ungeduldig sein, das war knapp mit Paul meint der Tierarzt, er ist einfach noch zu jung, um eine solche Attacke locker abzureiten. Wir dürfen auch nicht vergessen, dass Paul die ersten Tage seines Lebens ohne Nahrung und Zuneigung überlebt hat und das nie richtig aufgeholt hat. Ein Sensibelchen halt, aber dennoch ein Kämpfer, von den besagten sieben Leben einer Katze hat damit Paul allerdings schon zwei aufgebraucht. Meine Frauen sind aber wild entschlossen, diese beiden Leben ihm in den nächsten Tagen wieder zurück zu streicheln, hoffentlich lassen die noch ein bisschen Fell an ihm. Seine Stimme hat sich stark verändert, er hört sich jetzt an, als sei er im Stimmbruch, ich habe keine Ahnung, ob es so was bei Katzen gibt, oder ob das Folgen der Krankheit sind. Hört sich an wie Roboterkater ohne Öl, ist der fragwürdige, aber treffende Vergleich den meine kleine Tochter dafür bietet. In einem ist Paul aber ganz der Alte geblieben, er ist weiter eitel wie Rotz. Zum Photo Shooting war er nur bereit, sich mit mir gemeinsam ablichten zu lassen, er will auf jedem Photo immer der Schönste sein.


Master and servent, who is who?



Samstag 17.12.05 - 09:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 16 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 73 % Luftdruck 1019 hPa

Der lange Atem und das kurze Gedächtnis der Geschichte

Ähnlich wie in Deutschland, gab es auch auf La Palma eine Ära, in der plötzlich Straßen, Plätze und "Avenidas" neue Namen erhielten. Über Deutschland müssen wir hier nicht reden, in den neuen Bundesländern dauert ja die Umbenennungsphase noch an, in den gebrauchten Bundesländern war das einfacher, da musst man nur einmal, aber heftig umbenennen. Hier hat jeder Ort seine "Calle" oder "Avenida" General Franco bekommen und in größeren Orten war sogar noch Platz für ein paar weitere Generäle aus dieser dunklen Bürgerkriegsepoche. Aufarbeitung eines Bürgerkrieges findet allerhöchstens auf intellektueller Ebene statt, das ist kein Fehler, sondern Notwendigkeit, wer den "Feind" in sich trägt, der tut sich nur selber weh, wenn er erneut schießt. Der weiche Weg aus einer harten Diktatur, hier "transición" genannt, braucht unbedingt ein kurzes Gedächtnis und darf sich nur nach vorne richten. Wer heute noch alte Rechnungen begleichen will, oder die gesamte Franco-Zeit aufarbeiten will, der gefährdet dieses gesellschaftliche und bislang friedliche Phänomen. Wenn Täter und Opfer und deren Nachkommen nebeneinander leben sollen, dann ist der Ruf nach Gerechtigkeit wenig hilfreich, sondern gefährlich. - Selbst solch großartige historische Autoren wie Alfredo Mederos, einer der versiertesten Kenner der Franco-Zeit auf den Kanaren, vermeidet es in seinen Werken die "Täter" zu nennen und beschränkt sich auf das Schicksal der Opfer.

Franco ist immer noch da, allerdings nur als Marmoraufschrift an einigen Straßenschildern unserer Städte. In El Paso gibt es eine, in Los Llanos auch und nur ganz wenige Gemeinden haben, meist lautlos, diese Schilder entfernt. Hat keiner gemerkt, hatte auch keiner gemerkt, als diese Schilder in den vierziger Jahren angebracht wurden. Zum Beispiel die "Calle General Franco" in Los Llanos, hieß früher "Calle Real" so hieß sie auch weiterhin, keiner nannte die Straße je nach dem Caudillo und so ist die offizielle Rückbenennung dieser Straße vor zwei Jahren in "Calle Real" völlig untergegangen. In El Paso weiß kaum jemand, wo die Straße mit diesem Namen liegt, der Briefträger weiß das und die paar Leute die dort wohnen. In El Paso war das immer die "calle detras de la Iglesia", also die Gasse hinter der Kirche und an der Kirche kommt auch kein Franco ungeschoren vorbei. Warum nimmt man nun diese Straßenschilder nicht einfach ab und packt neue hin? Einmal, weil es nicht notwendig ist, Geschichte ist geschehen und wird nicht durch Umbenennungen ungeschehen gemacht. - Ausgerechnet Abgeordnete der Partido Popular, die reichlich Franco-Anhänger in ihrer Gründungsriege hatte, fordern nun erneut, dass man die Straßenschilder mit dem Namen Francos sofort entfernen soll. So muss das sein, wenn die Sozialisten das gefordert hätten, dann wäre erneute Konfrontation angesagt, so wollen sich die Halbenkel selbst reinigen. Ist doch praktisch, ohne Aufstand, ohne Polemik, ein kurzes geschichtliches Gedächtnis kann so heilsam sein. - Keine drei Zeilen in der Zeitung darüber, Franco ist erfolgreich ignoriert worden.

Apropos Wetter, jetzt wissen auch die Amerikaner nicht mehr weiter, das Tief steckt in einer Sinnkrise und kommt einfach nicht näher. Vielleicht hilft da ja ignorieren auch...



Freitag 16.12.05 - 18:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 21 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 71 % Luftdruck 1019 hPa Höchsttemperatur heute: 22,6 Grad, niedrigste Temperatur: 14,5 Grad


Nationales Wetteramt verspricht Besserung

Nicht, dass wir uns falsch verstehen, die versprechen kein besseres Wetter, sondern bessere Vorhersagen. Die sind unter Druck geraten, nachdem man beim Tropensturm Delta nicht so ganz richtig lag und ihnen fast mit Regelmäßigkeit das "GFS" (Global Forecast System) meiner heiß geliebten Amerikaner eine Vorhersage nach der anderen um den Kachelmann haut. So lagen sie heute schon wieder daneben, nach den Meteorologen des "INM" (Instituto Nacional de Meteorología) sollte es bereits fröhlich regnen, die Amerikaner haben das aber erst für morgen angesagt, inzwischen eher noch für übermorgen. - So bitter wie es klingt, man hätte sich den ganzen Aufwand sparen können und einfach die Vorhersagen der "GFS" übernehmen können und schon hätte es gestimmt. Wo da der Wurm drin ist, das wissen die aber besser als wir, bis vor kurzem waren die 3 Tages Prognosen des nationalen Wetteramtes absolut zutreffend. - Kauft euch einen Frosch, vielleicht hilft das, aber bitte werdet wieder so gut wie früher, ich guck nicht so gerne bei den Amerikanern und kann das gar nicht leiden wenn die immer Recht haben.

Was jetzt aber neu werden soll und das ist eine glänzende Idee, man will mit Hilfe von Radar und zusätzlichen Messstationen die Winde auf den Inseln besser kennen lernen. Das Problem bei uns, sind immer die durch die abrupte Reliefform der Insel entstehenden Windkanäle, Fallwinde und Düsen, die aus lauen Winden gefährliche Böen entstehen lassen. Bestes Beispiel, eigentlich war Delta für jeden winderprobten Friesen eine laue Brise. 75 Stundenkilometer war die Durchschnittsgeschwindigkeit am Boden, aber nur auf der Wind zugewandten Seite, im Normalfall bei Stürmen, die Westseite. Auf der Ostseite kamen die Böen aber mit der doppelten Geschwindigkeit an, komprimiert und kanalisiert von unseren Bergen. So war die höchste gemessene Geschwindigkeit am Flughafen 155 Stundenkilometer, auch noch in Bodennähe, in den Höhenlagen der Ostseite gab es Böen bis über 300 Stundenkilometer. Ich will gar nicht daran denken was passiert, wenn uns mal ein ausgewachsener Hurrikan erwischt, so mit mittleren Geschwindigkeiten um die 150 Stundenkilometer... Man will nun versuchen, diese Windkanäle ausfindig zu machen, um gezielte Sturmwarnungen abgeben zu können und grundsätzlich Zonen auf den Inseln ausweisen können, an denen man besser kein einfaches Wellblech auf die Garage legt. Also, man will nicht nur so gut wie früher werden, sondern sogar noch besser. Alles wird besser, ich bin entzückt.



Freitag 16.12.05 - 08:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 15 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 66 % Luftdruck 1017 hPa

Ein Tief arbeitet sich hoch

Schlechtwäschewarnung, die nächsten Tage werden kribbelig. Alleine schon an der wieder gestiegenen Nachttemperatur kann man das Nachlassen des Azorenhochs erkennen. Der Wind kommt zwar noch aus Osten, wird aber bald schon auf Südost drehen und damit dem seit mehr als einer Woche auf dem Atlantik kreisenden Tief doch noch den Zugang zu unseren Inseln ermöglichen. Möglich macht das natürlich wieder mal das Azorenhoch, nicht als aktiver Partner, sondern durch Unterlassung. Alles was unter die 1040 hPa als Kerndruck geht, taugt nicht mehr für unsere Breiten als Sperrzone für die vom Atlantik anbrausenden Tiefs.

Das Tief selber, ist aber auch nicht mehr was es einmal war, hat sich die Zeit, welche es auf dem Atlantik westlich von uns verbringen musste bereits zum verkappten Hoch entwickelt, mit einem Kerndruck von 1010 hPa macht man in der Tiefstatistik keine neue Rekordmarke. Was bedeutet das, erst mal weniger Wind, der Regen bleibt aber der gleiche. Ob es heute schon losgeht, da will ich mich nicht festlegen, eher morgen. Das Positive an so lauen Tiefs, es wird nachts wieder wärmer, den Regen kann die Landwirtschaft inzwischen gut gebrauchen. Die Windgeschwindigkeiten sind nicht groß, aber nie vergessen, unsere Orographie, also das Landschaftsrelief kann dann an der Wind abgewandten Seite dennoch für Fallwinde sorgen. Kein Vergleich zu Delta, keine Gefahr für die Landwirtschaft, aber am Flughafen kann das dennoch zu Problemen führen. Es ist immer schwer vorherzusagen, wir liegen in einem Grenzbereich, solch schwache Tiefs lassen sich immer gerne vom nordafrikanischen Hoch beeindrucken und ziehen dann sofort nach Norden. Ob sie uns dabei noch voll erwischen, das kann man hinterher besser sagen als vorher. Aber an Wetternachsagen ist kein Mensch wirklich interessiert. - Eins noch, wie viel Dosen Katzenfutter passen in einen Kater, der sich in voller Rekonvaleszenz befindet?



Donnerstag 15.12.05 - 19:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 18 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 62 % Luftdruck 1019 hPa Höchsttemperatur heute: 20,7 Grad, niedrigste Temperatur: 11,2 Grad


Skrupellose Taxifahrer, in die Hölle müsste man sie schicken

Ich fahre ganz selten Taxi, ich habe einen Toyota, also nur, wenn wir mit unserer bereits angegreisten Männerwandertruppe uns von irgend einem Fleckchen der Insel wieder abholen lassen, um anschließend unsere zirpenden Muskeln mit gegorener Gerste oder Weintrauben von innen her pflegen. Warum ich so gerne mit älteren Männern über die Berge laufe, ganz einfach, da bin ich mal der Jüngste und kann als Raucher noch mithalten. - Zurück zum Taxi. Ich wusste gar nicht, oder habe mir noch nie Gedanken darüber gemacht, dass es in Taxen Taxameter gibt, bis ich erfahren habe, dass manche Leute sich von den "Taxistas" übervorteilt fühlten, als der Taxameter nicht lief. Uns ist das immer Wurst, wir vertrauen dem Wort eines Taxifahrers mehr, als dem komischen Gerät, welches die Arbeit des Fahrers gerecht beurteilen soll. Vielleicht hat man uns auch noch nie beschissen, weil die Wanderkollegen und meine Wenigkeit nicht ganz unbekannt in El Paso sind, mag sein, aber warum soll es nur deshalb nicht so sein. Mag aber auch sein, dass man uns immer betrügt, wir sind die Strecken ja noch nie mit dem Taxameter gefahren.

Heute ist es passiert. Meine große Tochter muss alle 14 Tage nach San Pedro (Breña Alta) zum Kieferorthopäden, die soll später mal besser aussehen als ich. Ja, ich ärgere mich auch, dass es keinen solchen Spezialisten in El Paso gibt, Ostseite, sowieso schon suspekt, aber der macht das gut und professionell, meine Tochter sieht mir schon kaum noch ähnlich. Ich konnte meine Tochter heute nicht selber fahren, keine Zeit, Gästeankünfte. Meine Frau hat auch wenig Zeit um den Bus zu bemühen, also Taxi, das geht mehr als doppelt so schnell. Taxi in El Paso angerufen, kommt 2 Kilometer runter zu uns gefahren und dann nach San Pedro. 18 Euro, auch meine Frau denkt über diese Preise nicht nach. Rückfahrt, Taxifahrer aus San Pedro nach El Paso. Vielleicht macht man das auf der Ostseite so, der macht doch glatt den Taxameter an. Vielleicht dachte er sich aber auch, Vorsicht, deutsche Residentin, da mache ich doch lieber mal den Taxameter an, sonst heißt es wieder, die Taxifahrer betrügen.

Zuhause angekommen, Taxameter zeigt 17;92 Euro. Merken Sie wo der Hase hinläuft, da fehlen 8 Cent, oder wie man will, 8 Cent zu viel. Da meine Frau jedem Trinkgeld gibt außer mir, ich muss mir das selber verdienen, bekamen beide Fahrer je 19 Euro. Hab ich es doch gewusst, beschissen werden immer nur die anderen, dabei würde ich doch auch so gerne mal richtig über jemanden ablästern und nicht immer nur über Politiker. - Nur aus Vorsicht, ich kenne uns Deutsche, nähme man nun immer das Taxi mit dem Taxameter an, dann könnte man nach dem 224. Mal einmal umsonst nach San Pedro fahren, nicht zurück, da hat man ja eh das Taxi mit dem Taxameter. - Sie müssen mir das also nicht vorrechnen und außerdem stimmt das gar nicht, da meine Frau die unverschämt hohe Summe von 1,08 Euro Trinkgeld gibt. Morgen früh gehe ich zu dem Taxifahrer aus El Paso und drücke ihm 8 Cent in die Hand, ich mag das nicht, wenn meine Frau die Taxifahrer von der Ostseite mit dem Trinkgeld derart bevorteilt.



Donnerstag 15.12.05 - 08:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 12 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 68 % Luftdruck 1019 hPa

Neues Kleid für die Markthalle von Los Llanos

Gleich nach den Weihnachtsfeiertagen soll es los gehen, Dach, Fassade und einige andere Punkte stehen zur Sanierung an. 180.000 Euro sind vorhanden um die Arbeiten auszuführen, innerhalb von sechs Monaten soll alles erledigt sein. Die Arbeiten sind notwendig, besonders das Dach hat in den letzten Jahren immer wieder lecke Stellen gezeigt, sehr zum Ärger mancher Markthändler, denen dadurch Ware verdorben ist. Mit der ausführenden Firma hat man die Arbeiten so besprochen, dass die Markthalle geöffnet bleibt und nur ganz kurzfristig der eine oder andere Stand geschlossen wird. Das ist wichtig für die Kunden und Händler gleichermaßen, der Markt von Los Llanos ist ein Magnet für viele Besucher und gehört untrennbar zum Stadtbild und Leben des Ortes Los Llanos.

Wenn man Markthallensanierung auf La Palma hört, dann denkt jeder sofort an die "Unvollendete" in Santa Cruz. Dort ist aus einer Renovierung erst eine Sanierung und dann eine völlige Entkernung der Struktur entstanden. Mit jedem Renovierungsabschnitt tauchten neue bauliche Mängel auf und jedes Mal musste ein neuer Kosten und Bauplan erstellt werden, damit man weitermachen konnte. Seit Jahren geht dieses Spiel nun so und die Markthändler verzweifeln inzwischen, manche haben auch schon aufgegeben, dort wo sie jetzt ihre Waren anbieten ist keine geeignete Alternative für einen zentral gelegenen Markt. Da kann man nur auf das planerische Vermögen unserer Ingenieure hoffen und dass das Geld reicht, die Aufgabenstellung ist aber in Los Llanos eine deutlich einfachere. Bauarbeiten bringen aber immer Unannehmlichkeiten für die Besucher und Händler, die ausführende Firma ist da gefragt, so rücksichtsvoll wie möglich zu hantieren. Rücksichtsvolle Bauarbeiter - den Vorwurf ich sei ein Träumer, kann ich damit nicht wirklich entkräften.

Die Live Berichterstattung von Pauls Krankenbett kann eingestellt werden, er frisst und langsam kommt das Glänzen in seine Augen zurück. - Wird auch Zeit, meine Frauen haben überhaupt nicht mehr darauf reagiert, wenn ich davon erzählt habe, wie schrecklich erkältet ich bin.



Mittwoch 14.12.05 - 17:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 21 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 59 % Luftdruck 1020 hPa Höchsttemperatur heute: 21,6 Grad, niedrigste Temperatur: 15,2 Grad

La Palma, Agrarland mit Zukunft

Eigentlich wissen wir das ja, uns fehlt einfach noch der rechte Schwung, über den Bananenhorizont hinaus zu blicken. Was wir hier, Dank des vielen Wassers alles produzieren könnten, das erzählen uns nun erneut Wissenschaftler von der Universität La Laguna auf Tenerife. Nach einer sechsmonatigen Studienzeit zeigt nun Eduardo Chinea, Doktor der Agrarwissenschaften, ein ermutigendes Bild unserer Möglichkeiten, aus der Landwirtschaft viel mehr zu machen, als das heute geschieht. Natürlich kommt auch der Wissenschaftler nicht an unserem Hahnenfuß vorbei, wir sind zu teuer um gegen Weltmarktpreise verkaufen zu können, also muss man sich auf seine Stärken konzentrieren und Produkte anbieten, die nicht im globalen Wettbewerb liegen (- Warum fällt mir dabei sofort auch der Tourismus ein?)

Eine interessante Geschichte bietet Eduardo Chinea an, Viehfutter könnte man auf La Palma hervorragend produzieren und damit große Brachflächen der Insel wieder landwirtschaftlich nutzen. Ich höre gerade den großen Aufschrei, aber Sojabohnen und Tierfutter werden doch billigst überall angeboten und produziert. Das schon, aber dieses Massenfutter muss angereichert werden, man muss die Tiere nicht nur satt bekommen, sondern auch gesund ernähren um ordentliche Qualitäten produzieren zu können und weniger Medikamente in der Tiermast einzusetzen. Man könnte es "Nahrungsergänzung" nennen, viele Pflanzen die hier auch wild vorkommen sind reinste Kraftnahrung und dienen den Tieren auch als Bio-Medizin. - Was anderswo aufwendig, oder gar in Chemielaboren zusammenbebastelt werden muss, das wächst hier fast wie Unkraut und könnte für Futtermittelproduzenten aus der ganzen Welt eine interessante Alternative anbieten, ihr Futter mit unseren Kräutern aufzuwerten. Viel weiteres Studium ist nötig, man arbeitet jetzt an einem Katalog, welche Pflanzen besonders benötigt werden. Wenn wir dann noch einen Futtermittelproduzenten finden, der sich seine Suppe mit einer Prise La Palma verbessern lässt, dann wäre das ein weiterer Schritt aus der verheerenden Zukunftszange, Bananen oder Tourismus. Gesponsert wird das Ganze von der Inselregierung auf Anraten des Konsortium des Weltbiosphärenreservats. - Geht doch, ein Sonderlob an die Inselregierung: Chapeau!

Warum so ein positiver Text? Ganz einfach, Paul hat seinen ersten Happen gegessen und "drin" behalten. Jetzt wird er von schmusenden Händen gelobt und langsam kommt das Schnurren zurück. Es geht aufwärts, auch wenn er noch ganz struppig und mager ist, er ist wieder da! - Vielen Dank noch für die vielen netten Zuschriften, muss sie bei Gelegenheit dem Kater vorlesen...



Mittwoch 14.12.05 - 08:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 15 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 63 % Luftdruck 1022 hPa

Living Los Llanos

Karneval 2006 wird bereits seit Wochen geplant und mit Verlaub an die Hauptstadt der Insel Santa Cruz, Karneval auf La Palma findet in Los Llanos statt, da kann auch der "Día de los Indianos" nicht dran rütteln. Jeder Karneval hat ein Thema und nächstes Jahr steht Los Llanos unter dem Mandat "Las Vegas". Spiel, Spaß, grelle Farben und überschwängliches Leben soll damit verbunden sein, na gut, der Zweck muss wohl in diesem Fall die Mittel erklären. Das Thema interessiert eigentlich auch gar nicht so sehr, würde man "Grosny" statt "Las Vegas" verkünden, das Ergebnis wäre das gleiche, wochenlange fröhliche Straßenschlachten mit Musik, Talkumpulver und einer Ausgelassenheit, die keine Namen oder Erklärungen braucht. Eine der positivsten Eigenschaften unserer Gesellschaft ist die Möglichkeit über Dinge hinweg zu sehen, vom Spaß und dem Leben bringt uns keiner ab, Perfektion ist etwas, mit dem andere ihre Zeit verballern können, wir brauchen diese nicht um uns wohl zu fühlen.

Passend zum Straßenkarneval in Los Llanos gibt es jedes Jahr auch ein offizielles Plakat, welches als Banner oder Standarte für dieses große Fest steht. Jeder kann sich mit seinem Entwurf bewerben und dieses Jahr hat ein 24 jähriger aus Los Llanos, (woher sonst) sein Plakat in die Lorbeerregion erheben lassen. "Living Los Llanos" heißt das schrille Plakat und soll Kirche, Plaza, Modere, Tradition, Roulette und Freude gleichermaßen unter einen Hut bringen. Ich habe mir Gesamtkunstwerke immer anders vorgestellt, aber wie gesagt, das ist nicht wichtig. - Mit Anglizismen gehen wir im Allgemeinen immer sehr pragmatisch um, da wird das "meeting" zum "mitin" und das "beefsteak" zum "bistek" und ein Computer geht hier schon mal als "Computadora" über den Ladentisch, Hauptsache wir verstehen uns. Ich werde das Gefühl nicht los, dass der junge Künstler sich beim Titel verschrieben haben könnte, vielleicht wollte er uns mit den schrillen Farben warnen vor Las Vegas und eigentlich soll das heißen "Leaving Los Llanos". Aber wie gesagt, das ist alles nicht so wichtig.

Paul hat getrunken, wenig aber immerhin und so bleibt er jetzt bei uns. Mit Essen ist noch nichts zu wollen, aber er reagiert wieder mehr auf unser kindliches Animationsgehabe. Der "Katzenflüsterer" war gestern Abend noch bei uns und hat sich noch mal intensiv mit Paul beschäftigt und ihm die Spritze im "Vorbeigehen" und ohne Probleme in den Nacken gerammt. Mit viel gutem Willen kann man eine steigende Tendenz in Pauls Lebensbarometer erkennen.


Living Los Llanos



Dienstag 13.12.05 - 18:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 25 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 62 % Luftdruck 1019 hPa Höchsttemperatur heute: 28,4 Grad, niedrigste Temperatur: 19,0 Grad


Zahlenspiele mit mehreren Unbekannten

Ein Hektar Bananen erwirtschaftet auf La Palma einen Erlös von 36.000 Euro pro Jahr und ein Hotelbett 16.700 Euro. Einschränkend wird gleich erklärt, dass aber nur 5.470 Euro davon nicht bereits im Ursprungsland an die Reiseveranstalter abgegeben werden. So steht es in "Canarias 7" aus einem Interview mit Antonio Sosa, Direktor der CIT (Centro de Iniciativas Turisticas). Von den 5.470 Euro müsste man eigentlich auch noch die Summe abziehen, welche die Hotels an Materialien nicht auf der Insel kaufen und das ist viel, sowie den möglichen Gewinn des Hotels, denn die sind fast alle nicht von hier. Ich gehe davon aus, dass man einfach diese Zahl noch mal halbieren muss, allerdings ohne konkrete Beweise liefern zu können. Das geht jetzt in die Welt der Vermutungen, aber wer Bananen mit Hotelbetten vergleicht, der muss auch andere Zahlenspiele ertragen. Mir geht es nie um den Bruttoeinsatz den die Gäste erwirtschaften, sondern um das Geld, welches endgültig in unserer Region bleibt. - Neu ist allerdings, dass man überhaupt schon mal wahrgenommen hat, dass Pauschaltouristen für La Palma eigentlich eine halbe Mogelpackung sind, ist viel weniger für uns drin, als das was drauf steht.

Individualtouristen hingegen, die außer dem Flug ihre gesamten Urlaubsausgaben hier auf La Palma lassen, sind weitaus profitabler und effizienter für die Insel. Es gibt mehrere Aussagen, wie viel ein Gast pro Tag auf den Inseln lässt, das geht von 90 - 110 Euro pro Tag. Darin enthalten sind: Unterkunft, Mietwagen, Restaurantbesuche und sonstige Einkäufe also das komplette Geld für den Urlaub. Gehe ich von der gleichen Auslastung aus, die im Hotelsektor angegeben wird, 54%, dann erwirtschaftet ein Bett welches über eine hier ansässige Agentur vermittelt wird, Euro 17.739 pro Bett und Jahr. Ausgegangen von 90 Euro pro Tag und einer Auslastung, die unter der liegt, mit welcher wir arbeiten. Etwa 7 mal so viel erwirtschaftet ein solches "Bett" als eines, welches pauschal über ein touristisches Paket angeboten wird und von einem nicht hier ansässigen Unternehmen betreut wird. - Das ist keine wissenschaftliche Ausführung, darauf lege ich Wert das zu sagen und ich habe keine Zeit, das komplett mit Quellenangaben zu versehen, das beruht einfach auf meinen Erfahrungswerten und Zahlen, die andere liefern.

Paul geht es weiterhin nicht gut. Wenn er bis morgen nicht trinkt, ohne sich gleich wieder zu übergeben, kommt er an den Tropf. Die Spritzen konnte ich ihm nicht mehr geben, ich habe einfach nicht mehr die Ruhe und Kraft, das armselige Tier festzuhalten und, aus seiner Sicht, noch mehr zu quälen. Wir fahren jetzt drei mal am Tag zum Tierarzt, der ist hier um die Ecke und der macht das viel besser als ich, der ist kein Weichei wie ich, wenn es um das Stückchen Elend geht, welches da in der Ecke liegt.



Dienstag 13.12.05 - 08:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 19 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 55 % Luftdruck 1020 hPa

Gemeinsam Schuldige suchen

Die Polemik über den großen Stromausfall auf Tenerife nach dem heftigen Besuch des Tropensturms Delta zieht immer weitere Kreise. Mehrere hunderttausend Menschen waren über 4 Tage und Nächte ohne Strom und das nicht in ländlichen Randgebieten, sondern im Ballungs- und Wirtschaftszentrum der Insel, La Laguna / Santa Cruz. Große Überlandleitungen waren umgeknickt und die Reparaturarbeiten gingen, der Meinung der Politiker und der Bürger nach, viel zu schleppend. Allerdings muss man da mal den Vergleich ins Münsterland heranziehen, die haben genau so lange gebraucht und sicher sehr viel mehr Personal schnell von anderen Orten heranziehen können. Das ist bei einer Insel und sei sie auch so groß wie Tenerife immer ein logistisches Problem. Inzwischen hat man wieder Strom, aber bis eine Normalversorgung wieder gewährleistet ist, das soll noch Monate dauern. Der Stromversorger ruft deshalb die Bevölkerung weiterhin auf, moderat mit dem Verbrauch an elektrischer Energie umzugehen.

Schuldige müssen her und da geht der schwarze Peter nun reihum. Zunächst war natürlich der Stromversorger in der Schusslinie, da kommt er auch nicht mehr raus, aber gemeinsam trägt sich Schuld leichter und wenn erst die Politiker mit in die Feuerlinie geraten, dann kann man darauf warten, dass weder Freund noch Feind geschont werden. Es würde zu wenig inspiziert, man habe auf Klagen von Technikern nicht darauf reagiert, dass die Masten nicht in Ordnung waren. Ist Sache des Stromversorgers sagt die Regierung, die Opposition sagt ist Sache der Regierung dem Stromversorger auf die Finger zu sehen. Dann entdeckte man einen ehemaligen Regierungspolitiker, (auf die darf man ohne Anruf schießen) er hätte den Plan gestoppt, welcher bis 2011 dafür sorgen sollte, dass die meisten Überlandleitungen unterirdisch geführt werden. Damit konnte man aber nicht richtig Punkte machen, gehörte er doch der Regierung an, die sich heute noch im Amt befindet. Nächster Schuldiger, die Meteorologen, die hätten nicht richtig vorausgesagt und man müsste für die Kanaren ein eigenes Wetteramt schaffen, natürlich von Madrid bezahlt, welches die speziellen Charakteristika des Inselwetters mit berücksichtigt. Wieder ein Ex, der frühere Chef des Stromversorgers hier auf den Kanaren findet, man sollte die Oberaufsicht über den Versorger wieder in staatliche Hände geben, also direkt an die Endesa. - Keiner denkt daran, auch nur annähernd die Vorgaben aus dem Kyoto-Protokoll zu erfüllen, da hinken wir nämlich gewaltig hinterher. Da müsste man sich an die eigene Nase fassen und das macht keiner gern. Allerdings könnte man als braver Saubermann dann die Schuld auf andere abwälzen, denn eines scheint klar zu sein, dass sich Tropenstürme auf dem Atlantik derart verlaufen können, daran sind wir nicht unschuldig.



Montag 12.12.05 - 19:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 21 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 61 % Luftdruck 1018 hPa Höchsttemperatur heute: 23,8 Grad, niedrigste Temperatur: 17,0 Grad


Paul ist krank

Ganz heftig sogar, er hat sich Darmparasiten eingefangen die wohl ärgerer Natur sind. Die lateinischen Namen dazu fallen mir nicht mehr ein, aber mit Tabletten ist da wohl nichts mehr zu machen. Er liegt nur noch in den Ecken, will kaum noch laufen und essen und trinken geht überhaupt nicht. Der Tierarzt hat ihn bereits mit Spritzen versorgt und nun geht es die nächsten zwei Tage weiter, drei Spritzen am Tag und ich muss die ihm geben. Paul quält sich gewaltig und wir uns gegenseitig, er liebt es überhaupt nicht Spritzen in seine Nackenhaut zu bekommen, muss aber sein und da müssen wir gemeinsam durch. Es macht keinen Spaß einem anderen Lebewesen weh zu tun und es nicht einfach sein lassen zu können, weil der die Spritzen haben muss. Heute Abend hat er sich so heftig gewehrt, dass ich vier mal neu ansetzen musste um die erforderliche Menge in ihn rein zu bekommen, jetzt sind wir beide fertig und die Frauen erst recht, die können da nicht mehr zusehen. Das heißt aber noch nicht, dass er in zwei Tagen wirklich über den Damm ist, es ist eine Quälerei.

Das Wetter muss ich noch nachliefern. Der Nordostpassat ist da und hat uns das Tief tatsächlich auf der Zielgeraden vom Hals gehalten. Ein paar Tropfen gab es gegen Abend, aber nicht wirklich Regen. Jetzt bläst es in den Höhenlagen stark aus Nordost, hier unten nur ganz zart, aber der Wetterwechsel ist vollzogen. Kann sein, dass heute Nacht noch mal ein paar Tropfen fallen, aber für die nächsten Tage ist mit stetem Nordostpassat zu rechnen, unserem Wetter. Was heißt das, kein Regen auf der Westseite aber die Temperaturen werden wieder sinken, besonders nachts, wenn erst mal keine Wolkendecke mehr da ist. Dafür haben wir tagsüber mit nur selten von Wolken unterbrochenen Sonnenschein zu rechnen, es gibt Schlimmeres...



Montag 12.12.05 - 08:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 18 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 56 % Luftdruck 1015 hPa

Regen oder nicht?

Draußen auf dem Meer, im Westen der Inseln dreht ein Tief seine Pirouetten und man kann es sogar sehen. Bislang haben wir als Folgen des atlantischen Regenspenders nur den Südwind abbekommen, jetzt kommt es aber bedrohlich nah. Es ist nicht auszuschließen, dass wir heute einige Schauer schlucken müssen, die Landwirtschaft wäre inzwischen sogar wieder dankbar dafür. Es ist eine Frage von Stunden, das Azorenhoch baut sich bereits wieder auf mit einem gewaltigen Kerndruck von 1047 hPa und wird seinen Machtanspruch bis in unsere Breiten ausdehnen, das ist sicher. Nicht sicher ist, ob es schnell genug auch bei uns wirksam wird, dass der lästige Tiefdruckwirbel, der übrigens nichts bedrohliches a la "Delta" hat, wieder auf den Atlantik geschoben werden kann. Noch liegt das Azorenhoch über Irland und hat es so überhaupt zugelassen, dass sich das Tief bis zu uns vorgewagt hat, nun will das Hoch seine angestammte Position wieder einnehmen und dabei geht es jetzt um Stunden, wer ist schneller, Azorenhoch oder das Tief. Spannend bleibt es heute, ich würde beim Wäsche aufhängen immer mit einem Auge auf den Atlantik schielen, ein Bauknecht sieht anders aus.



Sonntag 11.12.05 - 17:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 22 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 56 % Luftdruck 1013 hPa Höchsttemperatur heute: 24,6 Grad, niedrigste Temperatur: 17,4 Grad


Alles wieder im Lot, der "meón" ist wieder da

Sonntags ist es in Los Llanos auch für meine Verhältnisse erträglich, so konnten wir heute das "Belén" besuchen und bewundern gehen. Es handelt sich dabei um eine Institution, die Weihnachtskrippe von Los Llanos lockt jedes Jahr tausende von Besuchern an. Es gibt in allen Gemeinden "Belenes", aber in Los Llanos gibt man sich immer wirklich sehr viel Mühe, daraus ein kleines Kunstwerk zu machen. Jedes Jahr ein anderes Motto, natürlich ist im Zentrum immer die Krippe selbst mit den bekannten Figuren, Jesus, Maria, Ochs und Esel. Bestechend ist dabei die Detailverliebtheit mit welcher man ans Werk geht, fleißige und ruhige Hände basteln das ganze Jahr bereits die Pflanzen, Blumen, Berge und Häuser, um diese nun rechtzeitig zusammenfügen zu können.

Es gibt aber noch eine Besonderheit des "Belen" in Los Llanos. Außer den, für eine Weihnachtskrippe unerlässlichen Figuren, gab es immer auch eine Person, welche irgendwo versteckt ihre Notdurft verrichtete. Erste Pflicht eines jeden Krippenbesuchers war nun, wo ist der Kerl der pinkelt oder sch...? Ist ja auch was ganz menschliches und wenn man ländliche Landschaften nachstellt, da ist halt nicht an jeder Wegesbiegung ein Toilettenhäuschen und so gibt man der Natur seinen freien Lauf eben in derselben. Letztes Jahr gab es große Aufregung, diese Menschlichkeit hat man nicht mit ins Programm genommen, keiner war da, der sich "dabei" erwischen lassen wollte. Ein Skandal, wer so lieblos mit Traditionen umgeht braucht auf den Volkszorn nicht lange zu warten, es regnete heftige Kritik, selbst ungeschriebene Gesetze wollen befolgt werden. Ich habe es ja schon vorweggenommen, dieses Jahr ist wieder alles in Ordnung, er ist wieder da. Wir sind kaum angekommen, da hörten wir schon den Ruf aus vielen Kinderstimmen: Mirad, ahi está el meón! - Schaut, dort ist der "Pinkler". Umgangssprachlich, also krawattenlos sagt man hier für urinieren "mear" anstatt förmlich "orinar" und der der pinkelt ist dann der "meón". So einfach macht man uns glücklich.

Ich habe natürlich wieder ein paar Bilder mitgebracht, muss mich aber im Voraus schon für die magere Qualität und die fehlende Totale entschuldigen. Es waren nicht alle Lichter an und es war zu dunkel um ordentlich zu photographieren. Einen Eindruck gewinnt man trotzdem von der aufwendigen Arbeit und "ER" ist auch dabei. HIER geht es zum "Belen" von Los Llanos.



Sonntag 11.12.05 - 10:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 19 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 51 % Luftdruck 1014 hPa

Käse machen

Viele hundert kleine Käsereien gibt es hier bei uns auf La Palma, eigentlich macht jeder Bauer der auch ein paar Ziegen hat seinen eigenen Käse und versorgt damit seine Familie und die Nachbarschaft mit dem köstlichem "Queso blanco", wie Ziegenkäse hier genannt wird. Geht es nach den strengen Ausführungen der neuen Hygieneauflagen, dann dürfen 90% dieser kleinen Produktionsstätten ihren Käse nicht mehr zum Busbahnhof rollen. Sie dürfen dann überhaupt keinen Käse mehr machen, sondern müssten die Milch zur Milchverarbeitungsanlage bringen, die irgendwann mal fertig ist. Es geht um zwei konkrete Punkte, ein Reinraum muss her und fließend Wasser, welches vom Versorger als lebensmittelgerecht zertifiziert ist. Der Reinraum ist eine Kostenfrage, aber mit relativ wenig Aufwand zu erledigen, die Geschichte mit dem Wasser ist komplizierter, da viele Käsereien weit ab der "Zivilisation" liegen und sich mit Quellwasser aus den Galerien versorgen.

Jetzt versucht die Inselregierung angesichts dieses Käsegaus das neue Gesetz inselkompatibel zu machen. Ein Gesetz aus Madrid, auf feines weißes Papier diktiert, wunderbare Phrasen aus EU-Richtlinien zitierend, ist hier in der Provinz schlichtweg nicht umsetzbar, ohne drastische Veränderungen in der ländlich sozialen Struktur. Einerseits fordert man lautstark die Erhaltung der ländlichen Zonen und kämpft gegen die Landflucht, auf der anderen Seite will man eine beachtliche Säule dieser strukturarmen Regionen verbieten, die Ziegenkäseproduktion. Bei aller Vorsicht, die es beim Umgang mit solch einem empfindlichen Rohstoff wie Milch nun mal zu beachten gibt, wir sprechen hier von einem mehrere hundert Jahre alten Erwerbszweig, der ganz entscheidend zum Auskommen der Landbevölkerung beiträgt. Mal ganz davon abgesehen, dass auch die Verbraucher dann irgendwann nicht mehr die Wahl haben zwischen echtem Bauernkäse der aus einer der vielen kleinen Käsereien kommt, sondern sich an zertifizierten Einheitskäse aus Fabrikhallen gütlich tun muss. Dringend muss ein Kompromiss gefunden werden, der das Überleben der vielen Kleinstbetriebe ermöglicht. In der Vergangenheit ist es schon häufig geglückt, Gesetze so weit zu verändern, dass diese dann irgend wann auch mal auf La Palma anwendbar waren. - Was wissen die in Madrid oder Brüssel von unseren Möglichkeiten und von unserem Wasser, mit solchen Gesetzen schafft man kein Stück mehr Hygiene, sondern radiert einen kompletten landwirtschaftlichen Sektor aus. Dass selbst im Mutterland der Hygienegesetze niemand davor geschützt werden kann, auf seiner Tiefkühlpizza Schlachtabfälle serviert zu bekommen, muss nur am Rande erwähnt werden, Schweinebären gibt es überall. - Von schweren Gesetzestexten fast erschlagen, hört man kaum noch das Loblied vom "Europa der Regionen", kein Wunder, dass die Regionen von Europa nichts mehr hören wollen außer dem hellen Klang der Subventionen.



Samstag 10.12.05 - 18:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 24 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 44 % Luftdruck 1012 hPa Höchsttemperatur heute: 26,2 Grad, niedrigste Temperatur: 13,6 Grad


Frische Molle anstatt Glühwein

Ich bin empört, meine ganze rührselige Weihnachtsstimmung ist verflogen, am Adventskranz schmelzen die Kerzen in der Sonne, nichts bekommen die hier ordentlich hin, in der Vorweihnachtzeit wird gefroren, warum sagt das denen keiner. 26 Grad am 10. Dezember, ich fange gerade an wieder aufzutauen, echte Betriebstemperatur erreiche ich meist aber erst bei 28 Grad. Die Mädels waren den ganzen Nachmittag am Strand von Tazacorte und haben jetzt wieder diesen leicht rötlichen Teint, der nun von der fürsorglichsten aller Mütter mit einer dicken Schicht Calendula Salbe überzogen wird. Der Kater döst sich eins und ich freu mich auf mein eiskaltes Feierabendbier, einzunehmen auf der Terrasse sitzend und dem Weihnachtsmann und allen langen Unterhosen die Nase zeigend. Tropical statt Glühwein, ein Gruß geht nach Hamburg, ich sage einfach mal, wir haben es verdient.

So selten ist das nun auch wieder nicht, zu verdanken haben wir diesen "Mini-Calima" einem laschen Tief, welches sich aus Westen ankündigt. (Eigentlich ist es kein Calima, es ist einfach nur warm, aber heute will ich mich mal nicht in Begrifflichkeiten verlieren, sonst wird das Bier warm.) Der Wind kommt nun aus südlichen Richtungen, mal eher westlich, meist aber östlich. Wenn alles gut geht, dann kommt das Tief aber nicht so nah, dass wir auch noch die Füllung des Tiefs abbekommen, den Regen, die Meteorologen sind da sehr zuversichtlich. Die kritische Phase wird Montagabend und Dienstag sein, ab 26 Grad neige ich aber zum glatten Optimismus. Alte Bauernregeln werden ja heute von Diagrammen ersetzt, früher sagte man immer, im Winter kommt nach Calima Regen, mal sehen wer Recht behält, der alte Bauer oder das Diagramm. Später in der Woche kündigt sich bereits der Nordost wieder an, dann wird es wieder ein bisschen kühler und Sie müssen sich nicht mehr so furchtbar über meine freche Nachricht ärgern, ich leide dann wieder pragmatisch. - Eine Geschichte noch, "Epsilon", der wohl nun wirklich letzte Tropensturm dieses Jahres hat sich nun in Wohlgefallen aufgelöst. Tagelang dümpelte er zwischen Azoren und Kanaren weit auf dem Atlantik herum und wurde täglich für tot erklärt, dann nahm er wieder Kurs Richtung Süd und blieb so eine, wenn auch minimale Bedrohung für uns. Ein Blick auf die Webseite des National Hurricane Institute lässt einen beruhigenden Satz entdecken: There are no tropical cyclones in the Atlantic at this time.



Samstag 10.12.05 - 09:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 14 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 58 % Luftdruck 1014 hPa

Absolute Demokratie

Der Inselhaushalt ist gestern wie erwartet verabschiedet worden, etwas mehr als 102 Millionen Euro sollen im Jahr 2006 dafür sorgen, dass die Insel rund läuft. Eine bequemere Mehrheit als die Absolute gibt es nicht und so konnten die Abgeordneten der Coalición Canaria ganz ruhig alle Forderungen der Opposition abreiten. Redet nur, regieren, das machen wir. Argumentativ kam weder von der PSOE/PSC, noch von der Partido Popular wirklich Substantives, die Ohnmacht gegen eine absolute Mehrheit nichts machen zu können, fördert nicht gerade die Phantasie der Oppositionsparteien. Aufgebläht, auf Wahlkampf getrimmt, zu hoch - keine wirklich argumentative Herausforderung für satte Mehrheiten und so konnte einer der letzten Arbeitstage im Inselparlament dieses Jahr eigentlich als völlig alltäglich abgehakt werden.

Eigentlich, wäre da nicht der selbsternannte Rebell, Jesús Manuel Rodríguez, Bürgermeister El Pasos und seit seinem Parteiaustritt aus der Partido Popular irgend etwas zwischen Paradiesvogel und vogelfrei. Gegen eine absolute Mehrheit kann auch ein Paradiesvogel nichts machen, aber für Stimmung hat Jesús noch mal ordentlich gesorgt. Seit seinem Parteiaustritt wird er im Inselparlament geächtet und man versucht ihn zu ignorieren. Dagegen stellt es sich lautstark und droht mit rechtlichen Konsequenzen gegen das heimliche Verschwinden der Tagesordnungspunkte, die aus seiner Feder stammen. An den Inselpräsidenten gerichtet kam noch der Satz: "Ich bin die Opposition und werde gegen dieses Plenum kämpfen und wenn Sie Angst haben, kaufen Sie sich einen Hund". Ganz neue Seiten von unserem smarten Jesús, allerdings hat keiner der hohen Herren richtig Angst vor ihm. Es ist einfach wieder ein bisschen bunter geworden und man wird wieder mehr schreiben können über die, sonst unerträglich öden Debatten im absolut demokratischen Inselparlament.



Freitag 09.12.05 - 17:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 24 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 62 % Luftdruck 1016 hPa Höchsttemperatur heute: 24,6 Grad, niedrigste Temperatur: 15,2 Grad


San Borondón und die soziale Marktwirtschaft

Mythen haben lange Beine und meist ein ruhiges und friedfertiges Leben. Es gibt sie in allen Gesellschaften und Kulturen und wenn man Mythen pfleglich behandelt, also nicht versucht diese zu beweisen oder gar zu widerlegen, dann gibt es kaum etwas Schöneres um sich stundenweise aus der grellen Realität zu flüchten. - Allerdings empfehle ich sparsam dosiert mit Mythen umzugehen, diese neigen bei Missbrauch dazu einen aus der Welt zu entrücken, der Volksmund nennt so was dann ver-rückt. - Da muss man aber vorsichtig sein, nicht jeder der behauptet, auf San Borondón gewesen zu sein oder in der soziale Marktwirtschaft zu leben ist verrückt, das sind nur die, welche Beweise dafür in der Hand halten wollen. Über die SPD und ihren Mythos der sozialen Marktwirtschaft will ich nicht schreiben, die sind ja selber noch dabei diesen zu zerstören, da muss ich nicht auch noch kommen und damit können wir uns ganz San Borondón und Edward Harvey zuwenden.

San Borondón liegt 220 Kilometer West-Südwest von La Palma und 550 Kilometer West-Nordwest von El Hierro entfernt. Die Insel ist 478 Kilometer lang und 154 Kilometer breit und damit ein beachtlich großes Stück Mythos, welches sich so beharrlich nicht finden lassen will. Unstimmigkeit mit den Entfernungen und der Grüße könnte es nur darin geben, welche "legua" man zu Grunde legt. Dieses alte Längenmaß wird mal mit 4 Kilometer angegeben, als "nautische legua" aber mit 5,5 Kilometer und ich gehe mal davon aus, dass man diese meint. Diese Zahlen haben wir, unter anderem, von Edward Harvey, der als einziger bislang ausgezogen ist, San Borondón nicht nur zu suchen, sondern auch zu finden und uns Photos und manch weiteren Beweis der Existenz San Borondóns zu liefern. - Edward Harvey endete am 8. Februar 1903 in London, von der Welt als verrückt und demenzkrank verspottet. - Hab ich´s nicht gesagt, versucht nie Mythen zu beweisen.

Edward Harvey gebürtiger Schotte, gehörte Dank einflussreicher Gönner der Royal Society an und unternahm als Spezialist für Botanik, Mineralogie und grundlegenden Kenntnissen der Physik an mehren Expeditionen teil, die unter anderen auch nach Madeira und auf die Kanaren führten. 1863 auf Tenerife hörte Edward Harvey das erste Mal die Seeleute von San Borondón sprechen und war von diesen Geschichten so hingerissen, dass er sein ganzes weiteres Streben und Leben daran setzte, diese Insel zu entdecken. Er schaffte schließlich mit Unterstützung eines auf Tenerife ansässigen englischen Reeders ein Schiff zu chartern und machte sich endlich auf, einen Mythos zu erobern. Dezember 1864 segelt er zuerst nach La Palma, um dann im Januar 1865 von unserer Insel aus San Borondón zu finden. Ein schrecklicher Sturm brachte das Unternehmen fast zum Scheitern, aber am 14. Januar war es dann so weit, man sichtete Land und bliebt auf der Insel, die San Borondón gewesen sein soll bis zum 21. Januar, um von dort aus direkt wieder nach London zu gelangen. Er zog sich dann zurück und arbeitete an seiner großen Entdeckung, dieser Weltsensation schenkte aber niemand Glauben, es ging schließlich um Beweis und Gegenbeweis und das lässt ein Mythos einfach nicht mit sich machen. Da, wo Edward Harvey und viele andere die Insel hinpacken, ist keine, sagt die Naturwissenschaft, ich war aber da, sagt Edward Harvey.

Die Ausstellung in Los Llanos: "San Borondón, la isla descubierta" zeigt die Beweise Edward Harveys, oder das, was davon übrig geblieben ist. Im Mai des Jahres 2000 stießen Tarek Ode und David Olivera, Künster und Photographen eher zufällig auf die Aufzeichnungen Edward Harveys. Über einhundert Jahre schlummerten Harveys "Beweise" in einer alten Truhe und Tarek Ode und David Olivera konnten mühsam einige Aufzeichnungen und Photoplatten so weit restaurieren und konservieren, dass man daraus eine Ausstellung machen kann. Bis zum 16. Dezember kann man diese Ausstellung noch in der "Casa Massieu" auf dem Marktplatz von Argual besuchen. Der Eintritt kostet nichts, Mythen sind nicht zu bezahlen und wer nicht versucht an Mythen zu rütteln, der kommt auch nicht darin um.


San Borondón
Weitere 25 Bilder der Ausstellung und der Beweise die Edward Harvey angefertigt hat, sehen Sie wenn Sie auf das Bild klicken.



Freitag 09.12.05 - 08:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 15 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 69 % Luftdruck 1017 hPa

Bananensolidarität

Am schlimmsten hat Delta die Anpflanzungen im Nordosten der Insel heimgesucht, Puntallana ist wohl die Gemeinde der Insel, welche die meisten Schäden zu vermelden hat. Seit Mittwoch sind 20 Mitarbeiter der Versicherung, "Agroseguros" auf der Insel und nehmen nun die Schäden auf, erster Schritt um den Bananenbauern später die Entschädigung auszuzahlen. Alle Bananenbauern die ihre Früchte über die Kooperativen auf den Markt bringen - und das sind fast alle - sind pflichtversichert bei der "Agroseguros", die Prämien werden gleich von den Kooperativen einbehalten und an die Versicherung weiter gegeben. Dieses Vorgehen hat sich bewährt, früher waren nicht wenige eher zögerlich beim Abschluss einer Versicherung, heute sind alle froh, diesen Rettungsanker für Existenzen zu haben.

Damit ist es aber nicht getan. Die Versicherung zahlt den zu erwartenden Ernteausfall, wohl an die 54 Cent pro Kilo, die Mehrarbeit aber nicht. Auf den Plantagen müssen nun die umgestürzten Pflanzen entfernt werden, die Mauern welche den Wind abhalten sollen müssen wieder errichtet werden und einige Gewächshäuser können wohl nicht repariert werden, sondern müssen völlig neu erstellt werden. Das "Foro de Agricultores de La Palma", eine unabhängige Plattform der Landwirte La Palmas hat nun ihre Mitglieder und alle anderen aufgerufen, den Landwirten im Nordosten der Insel solidarisch zu helfen. Man will ein oder mehrere Tage mit Material, Fahrzeugen und Arbeitskräften den Bauern in den am meisten betroffenen Zonen helfen, manch ein Pflanzer im Aridanetal hat fast schon ein schlechtes Gewissen, dass bei ihm überhaupt nichts passiert ist, in Puntallana aber fast keine Banane mehr aufrecht steht. Abzuwarten bleibt die Resonanz auf diesen Aufruf, Solidarität ist schnell ausgesprochen aber deshalb noch nicht geschehen.



Donnerstag 08.12.05 - 18:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 19 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 69 % Luftdruck 1017 hPa Höchsttemperatur heute: 23,8 Grad, niedrigste Temperatur: 15,5 Grad


Man spricht wieder drüber

Geht es um die Energieversorgung zukünftiger Generationen müssen wir uns recht bald was Neues ausdenken, unser Dieselkraftwerk brummt zwar vertrauenswürdig vor sich hin, aber eigentlich sollte es sich auch bei uns inzwischen herumgesprochen haben, dass fossile Brennstoffe nicht wirklich auf ewig zur Verfügung stehen. Natürlich denkt man vorsichtig auch hier darüber nach, aber es herrscht kein wirklicher Enthusiasmus auf der Suche nach alternativen Energiequellen, kein Wunder, von den heute an der Spitze stehenden Politikern wird keinem mehr der Dieselstrom ausgehen, die sind noch eher weg als das Öl. Man denkt an Windenergie, Fotovoltaik und ab und zu, aber auch wirklich sehr selten über eine bei uns unerschöpfliche Energiequelle nach, die Geothermik. Wer auf einem Vulkan sitzt, der braucht eigentlich nicht zu frieren und viele Länder dieser Erde nutzen diese Hitze bereits um Strom zu erzeugen und Wohnungen zu heizen. Bei uns braucht man eigentlich nicht an ein Fernheizungsnetz denken, abgesehen von solchen Frostbeulen wie ich eine bin, kommen die meisten Leute hier ohne Erfrierungen durch den Winter.

Nun spricht man mal wieder darüber, aber unverständlich zaghaft und tut so, als sei es eine absolute Neuheit und Weltsensation. Dabei gab es schon Sondierungen einer deutschen Firma vor ein paar Jahren, den Namen der Leute konnte ich aber nicht mehr ausfindig machen, welche die Machbarkeit eines solchen Kraftwerks bejahte. In Spanien wäre es wirklich das erste Projekt dieser Art, aber man kann sich ja das Wissen darüber auch woanders besorgen. Nun ist eine Firma beauftragt worden, die unserem Vulkan erneut den Puls fühlen soll und eine neue Machbarkeitsstudie ausarbeiten wird. "Ingennio S.L." heißt das Ingenieursbüro mit Sitz in Madrid und die sprechen davon, dass man ganz von vorne anfangen muss, weil der Wissensstand über diese Technologie noch so wenig fundiert sei. Natürlich gibt es auf La Palma andere Verhältnisse als auf den Azoren oder Island, der Grundgedanke ist aber der gleiche und die Machbarkeit keine Frage mehr, das ist längst bewiesen. Auf was es ankommt, auf das Geld und den Willen langfristig andere Wege zu gehen. Die rechtlichen Grundlagen für Sondierungen sind nun seitens der Behörden ergangen, wer das finanzieren will, das steht da nicht zu lesen. Da könnten sich doch die vielen ominösen Investoren gütlich tun, die an anderen Stellen die Insel mit Hotels bepflanzen wollen in denen keiner wohnen will. Massen an sauberen und nachhaltigen Kilowatt anstatt Massentourismus, da freut sich selbst das Weltbiosphärenreservat und man könnte den Ölscheichs mächtig den Stinkefinger zeigen.



Donnerstag 08.12.05 - 09:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 16 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 73 % Luftdruck 1018 hPa

Aufgabenteilung

Eine solch offene Gesellschaft wie es die Bevölkerungsstruktur La Palmas nun mal darstellt, ist nicht immer einfach nur ein gelungenes Beispiel für "multikulti". La Palma hat immer von der Immigration gelebt, aus "eigener Produktion" fügt sich kein komplettes Bild zusammen. Geht auch gar nicht, zu viele sind von dieser Insel gegangen um anderswo Besseres zu finden oder einfach nur Auskommen, als es die karge Erde dieser Insel nichts mehr hergab. Stabile Verhältnisse gibt es eigentlich erst wieder seit 20 Jahren und das Kommen und Gehen hat nachgelassen, man konnte auch auf La Palma inzwischen bescheidene Karriere machen. Die schleichende Invasion der Mitteleuropäer hat nur zeitweise zu Problemen geführt, man hat inzwischen gelernt, sich mit diesen hellhäutigen integrationsunwilligen Geldbringern auf konkrete Schnittstellen zu einigen. Hat, vor vielleicht 15 Jahren, der ewige deutsche Satz aus einer undefinierten Leitkultur: "Bei uns macht man das aber so" noch zu Missstimung geführt, perlt das heute an den meisten Palmeros spurlos ab, man kennt sich, schätzt des anderen Qualitäten und lässt sich in Ruhe. Inzwischen grinsen die meisten Palmeros bei solch hilfreichen Sätzen und sprechen ihre Gedanken: "Warum machst du es dann nicht da wo du herkommst" nicht mehr aus. Vielleicht sollte man nicht das Wort Integration verwenden, eher Gewöhnung trifft den Punkt.

Die Mitteleuropäer haben aber auch noch öffentliche Schützenhilfe erhalten, neben dem rechtlichen Tabu-Status als EU Bürger hat eine andere Bevölkerungsgruppe fast jeden schwarzen Peter an sich gerissen, außer vielleicht dem Besserwissertum, aber das ist, wie gesagt, geschenkt. Die wirtschaftlichen Nöte in vielen südamerikanischen Ländern, allen voran Kolumbien, Venezuela, Argentinien und Kuba, haben zu einer gewaltigen Einwanderungswelle auf die Kanaren geführt, welche der eingesessenen Bevölkerung inzwischen Angst macht. Niemand vergisst hier die moralische Verpflichtung diese Leute aufnehmen zu müssen, hat man doch selbst auch mal bei denen an die Tür klopfen müssen als es den Kanaren so schlecht ging, dass man in die neue Welt fahren musste um zu arbeiten. Viele dieser, nun Reimmigranten, begreifen sich aber nicht als Gäste der Insel, sondern fordern auffällig und noch lauter als die Mitteleuropäer ihr Stück vom Kuchen. Es gibt ja auch keine sprachliche Barriere und so haben sich die "Latinos" längst als stärkste und bestimmende Ausländergruppe auf den Kanaren etabliert. Es gibt inzwischen wachsenden Unmut unter den Palmeros oder den Kanariern, so heftig wollte man die Brückenfunktion nach Südamerika auch nicht zu spüren wissen. Nun neigt man bereits dazu, alles Negative dieser Einwanderungswelle zuzuschreiben und hält ostentativ Kriminalstatistiken in die Höhe welche aussagen, dass 50% aller Vergehen von 15% der Bevölkerung ausgehen, den Latinos natürlich. Kein besonders gutes Beispiel für Völkerverständigung geben wir da ab, aber eine Gesellschaft braucht Zeit und den Willen der neu Ankommenden, eine gemeinsame Struktur zu formen. Ein spannendes und interessantes soziales Experiment läuft hier gerade ab, so könnte man es durch die rosarote Brille betrachten, wir sitzen aber nicht außen vor dem Käfig und können das studieren, wir sind mitten drin und haben viel zu wenig Optiker, diese rosaroten Brillen flächendeckend zu verteilen.



Mittwoch 07.12.05 - 18:00Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 24 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 62 % Luftdruck 1015 hPa Höchsttemperatur heute: 24,8 Grad, niedrigste Temperatur: 14 Grad


Wer nicht auf sich selber hört...

... muss büßen. Hab ich nicht gesagt, dass man alle wichtigen Dinge auf Montag verschieben soll oder besser noch Dienstag? Da die eigenen Vorschläge oft auch nur zehn Minuten gelten, habe ich doch tatsächlich gedacht, heute eben einen Termin beim Optiker in Los Llanos zu machen. - Ja, es ist soweit, ich will auch mal wieder lesen was ich so schreibe und außerdem muss ich meinen Führerschein erneuern lassen und dazu braucht man ein Zertifikat, dass man noch in der Lage ist, Mensch von Laternenmast zu unterscheiden. - Leider gibt es (noch) keinen Optiker in El Paso, der Beschwerdebrief an die Handelskammer ist bereits unterwegs, es ist einfach unzumutbar an solchen Tagen mit einem 5,05 Meter langen Auto nach Los Llanos fahren zu müssen. Theoretisch kann man mit dem Bus bequem ins Zentrum fahren, aber Sie glauben doch nicht im Ernst, dass wir Bauern aus El Paso den Bus nehmen um zum Optiker zu fahren, so lange wir unser Auto noch halbwegs erkennen können. Meines finde ich immer, dafür habe ich es ja extra in gelben Signalfarben streichen lassen, groß, gelb, Schlüssel passt, muss also mein Wagen sein.

Trickreich dachte ich, wenn wir uns vom Süden, also von Triana aus an die Stadt ran schleichen, dann können kostbare Meter gewonnen werden um näher zum Stadtkern vorzudringen und dennoch einen Parkplatz ergattern. Schon bei erster Annäherung und noch weit vor der Annäherung, die uns in subjektive Fußnähe bringt, geht gar nichts mehr. Ganz La Palma scheint heute nach Los Llanos zu wollen, fast alle haben frei und wollen diesen Tag ganz in den Dienst der Konsumgüterindustrie stellen. Das ist eigentlich lobenswert, aber doch nicht wenn ich, gezwungenermaßen auch nach Los Llanos will. Irgendwann, ich könnte schwören wir waren bereits wieder auf dem Gemeindegebiet von El Paso finde ich endlich einen Parkplatz und dann machen wir uns halt die Viertelstunde wieder zurück in den Ort. Dass ich Autostehen hasse, brauche ich Ihnen wohl nicht zu erklären, Autofahren geht noch, macht mir aber auch immer schlechte Laune. Meine Frau läuft gern und glaubt mich mit so kecken Bemerkungen wie: "Ist doch schön, mal ein bisschen Bewegung" wieder aufmuntern zu können und setzt dabei zukünftiges Haushaltsgeld leichtfertig aufs Spiel.

Wir schieben uns durch Menschenmassen, immer wieder auf die Fahrbahn ausweichend und gelangen irgendwann zur Plaza, da soll der Optiker sein. Meine Frau verabschiedet sich und will noch "ein paar Besorgungen machen" und mir wird wieder mal klar, warum wir einen Pickup haben mit großer Ladefläche. Ich bin ganz positiv überrascht als ich den Optikerladen betrete, kein einziger Kunde im Laden und Sanftmut kehrt in mich zurück. Die freundliche Dame im weißen Kittel fragt nach meinem Anliegen, na ja, was kann man bei einem Optiker schon wollen. Ich erzähle ihr von meinem drohenden Ungemach, sie zeigt Verständnis, vielleicht hätte ich doch nicht die Schaufensterpuppe zuerst begrüßen sollen. Ich war schon im dritten Satz der Erklärungen, was mir schon alles geschehen ist und das ich keinen Parkplatz gefunden habe und ob sie nicht eine Filiale in El Paso aufmachen wolle. Sie erwischt mich beim Luftholen und meint nur, schon etwas verängstigt, die Chefin macht "puente" (Kurzurlaub) und nur die kann die Augen auch vermessen, ich solle mir für nächste Woche einen Termin geben lassen. Voller Demut nehme ich die Visitenkarte und den Hut und grüße respektvoll die Schaufensterpuppe, als ich den Laden als geschlagener, aber schicksalergebener Mensch verlasse. Um die Ecke sei noch ein Optiker ruft mir die Dame, nicht die Schaufensterpuppe noch hinterher, aber der ist zu, da brauchen Sie es gar nicht probieren, Sie wissen doch "puente". - Ja ich weiß, ich wusste es heute Morgen schon und irgendwann mal höre ich auf mich.



Mittwoch 07.12.05 - 09:00Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 15 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 82 % Luftdruck 1015 hPa

Mitten auf der Brücke

Dienstag Feiertag, Donnerstag Feiertag, was macht man da am Mittwoch? Nichts, ist die einzige logische Antwort, die "Verfassungsbrücke" bringt einen kleinen Zwischenurlaub in die Vorweihnachtszeit. Die Schulen bleiben heute zu und viele Firmen haben diesen Tag auch geschlossen. Die Dienstleister sind so fast die einzigen die sich heute rasieren müssen und ich könnte mir gut vorstellen, dass der Krankenstand am Freitag eine neue Höchstmarke erreichen wird. Dienstag, Mittwoch und Donnerstag frei, da kann man doch nett gleich das komplette Wochenende einschließen. Viele sind auch auf Verwandtenbesuch auf den anderen Inseln, die Städte und Straßen sind merklich leerer als an anderen Tagen. Wer was wirklich wichtiges (gibt es das eigentlich?) zu erledigen hat, der sollte mal lieber bis Montag damit warten. Einkaufen kann man trotzdem fast immer, auch an Feiertagen. Morgen hat zum Beispiel der San Martín in El Paso offen, aber auch ohne die Hilfe internationaler Supermarktketten kommen wir hier immer über die Runden. Viele kleine Läden nutzen diese Nische und haben zumindest vormittags an allen Sonn und Feiertagen auf. Hier in El Paso sind das die Metzgerei oberhalb des Gebäudes in dem sich der Spar befindet und auf der Straße welche nach Tacande führt gibt es noch den Laden von Vincente, der auch feiertagsresistent ist.

Den Verfassungstag und seine Nichtbeachtung habe ich ja gestern bereits erklärt, was ist denn nun morgen für ein Feiertag? In allen katholischen Ländern dieser Erde feiert man eine medizinische Sensation. Das ist bei uns Katholen so, gerade weil es unmöglich ist, wird daraus etwas Besonderes. Wir sprechen von der unbefleckten Empfängnis, dem endgültigen Beweis, dass die katholische Kirche ein sehr eingeschränktes Gesichtsfeld von Spaß und Freude besitzt. - Vielleicht spricht man auch deswegen von einem "Heidenspaß.- Ist aber auch nicht so wichtig, hier nennt man den Tag "Día de la Inmaculada" und viele Mädchen, die das unausgesprochene Pech hatten, an diesem Tag geboren worden zu sein, müssen ihr ganzes Leben die Last tragen, die Unbefleckte zu heißen. Inmaculada ist hier ein häufiger Name, meist in der biblischen Einheit mit Maria Inmaculada. Die Kurzform klingt schon etwas weltlicher, Ima werden diese, nur scheinbar Unberührbaren gerufen. Bloß nicht weiter darüber nachdenken, den Feiertag genießen und den Bischof nicht länger ärgern. Nur Ketzer kämen jetzt auf die Idee, gerade an diesem Tag den Gegenbeweis anzutreten. Aber auch dafür hält die katholische Kirche Strafmaßnahmen bereit. Mädchen, die an diesem Tag gezeugt werden, ob nun mit Flecken oder nicht, die heißen dann Dolores oder Angustia. Ich will Ihnen den Weg zum Wörterbuch ersparen, Dolores heißt auf deutsch Schmerzen und Angustia ist die Todesangst.



Dienstag 06.12.05 - 18:00Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 18 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 75 % Luftdruck 1015 hPa Höchsttemperatur heute: 19,2 Grad, niedrigste Temperatur: 13 Grad


Mit Abstand betrachtet

Alles redet noch über die Auswirkungen des Tropensturms Delta und wer Schuld daran hat und es kann nicht anders sein, alles wird sofort politisch ausgenutzt. Nun soll unser "Oberkanare" Adán Martín, nach Meinung der Opposition seinen Hut nehmen. Er hätte die Verantwortung dafür, dass die Strommasten in Ordnung sind und das waren sie nicht. Mir würden 20 Gründe im Stegreif einfallen, warum der Mann lieber seinen Posten freimachen sollte, ihm aus dem Sturm einen Strick drehen zu wollen ist aber lächerlich. - Jetzt muss erst mal aufgeräumt werden, dann aufgebaut, dann kann man in Ruhe die Schäden kalkulieren und dann wird man sehen, welchen Teil die Versicherungen und welcher Teil von der öffentlichen Hand abgedeckt wird. Manche werden auch ganz leer ausgehen, das ist immer so. Dann, und mit Abstand und Anstand kann man daran gehen, wie man zukünftig die Auswirkungen eines möglichen weiteren Sturms dieses Charakters mildern kann. Verhindern kann man ihn eh nicht.

Da komm ich jetzt mit dem Waldbrand vom September, schon wieder vergessen? Jetzt ist der Abstand da und nun kommen auch die ersten vernünftigen Vorschläge und Analysen, wie man denn zukünftig solche Brände vermeiden, oder einschränken kann. In den ersten Wochen nach einer Katastrophe brüllen alle immer so laut und es müssen so schnell Pläne entwickelt werden, dass die Vernunft meist zu kurz kommt. Erstes Ergebnis der Studien, an denen auch Ökologen und Fortwirtschaftler gearbeitet haben: Man muss davon ausgehen, dass man Waldbrände nie ganz verhindern kann. Gut, bis dahin wäre ich auch noch gekommen... Nun wird es interessanter, es geht nur darum, Brände lokal zu halten und eine Ausbreitung zu verhindern, da muss dann auch die Taktik von Beginn an anders angesetzt werden, also das Wasser und die Schneisen nicht unbedingt sofort da wo es brennt, sondern dahin wo man das Feuer aufhalten will. Auch eine Erkenntnis, Brände haben früher unsere Kiefer zu dem gemacht was sie heute ist, fast feuerresistent und eigentlich sind diese Brände über Jahrtausende eine völlig normale Form der Reinigung des Waldes gewesen. Mit der Brandbekämpfung schützen wir nicht die Kiefern und unseren Wald, sondern nur unser Hab und Gut. Der Wald wird nicht wirklich vom Feuer bedroht, es würde halt lange dauern, bis alles wieder so aussieht wie vorher, so viel Zeit lassen wir uns und dem Wald aber nicht.

Die Reinigung des Waldes von Unterholz, Tannennadeln und totem Holz ist somit unsere Arbeit wenn wir nicht wollen, dass Brände diese notwendige Aufgabe übernehmen. Es gehört auch zu den menschlichen Urinstinkten gegen Feuer kämpfen zu wollen und kein Verantwortlicher wird sich bei einem Großfeuer im Wald vor die Bevölkerung trauen und sagen: Lasst brennen Jungs, der Wald braucht das. Man schlägt nun vor, viel häufiger und großflächiger im Wald "aufzuräumen" und alles was sich als natürlicher Brandbeschleuniger da ansammelt aus dem Wald zu holen. Es wird auch gleich eine Lösung für diese "Abfälle" gegeben, Kompost soll das werden, der dann wieder in die Landwirtschaft zurückgeführt wird, das könnte sogar endlich den Bio-Anbau aus seiner schmollenden Ecke bewegen. - Hört sich doch alles ganz vernünftig an, ganz anders als der eilige Vorschlag der Inselregierung, nicht mal zwei Wochen nach dem Brand, für an die 50 Millionen Euro fast unseren gesamten Wald mit einer Sprinkleranlage auszurüsten. - Jetzt interessiert sich aber keiner mehr dafür, weil es nicht mehr brennt, sondern gestürmt hat. Das große Problem der Nachhaltigkeit, man spürt die Auswirkungen erst viel später, auf jeden Fall erst nach der nächsten Legislaturperiode.



Dienstag 06.12.05 - 09:00Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 15 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 76 % Luftdruck 1014 hPa

Hoteliers beklagen schlechte Auslastung

Dass heute "Verfassungstag" ist, gereicht nur zu einer Randnotiz, außer der krawattierten Nomenklatura kümmert sich hier lieber jeder um seine persönliche Verfassung, als um die "Carta Magna". Schulfrei ist, die Läden sind zu und die Wenigsten müssen arbeiten. - Nur 50% Auslastung im November, ein, in der Tat miserables Ergebnis, bedenkt man, dass November einer der besten Monate des Jahres für den palmerischen Tourismus ist. Bei gleich bleibenden Gästezahlen gegenüber dem November 2004, sinkt die Auslastung von 62% auf 50%. Man muss nicht mal Diplomökonom sein, um daraus einige Feststellungen ableiten zu können. Es gelingt uns nicht, einfach die Bettenzahl auf der Insel zu erhöhen und die Gästezahlen sollen einfach mitwachsen. Das kann nicht klappen, weil man sich mit den neuen touristischen Einrichtungen gegen internationale Konkurrenz aufgestellt hat und die können das allemal billiger. Nicht besser, sicher nicht, aber wo das Hotel und der Service im Vordergrund steht und nicht die unverwechselbare Insel, der muss sich mit Konkurrenten rumschlagen wie Türkei, Tunesien und andere Mittelstreckenziele, die auf einem ganz anderen Preisniveau arbeiten können.

Bislang haben wir uns also im Hotelsektor, bis auf die Sommermonate, nur selber Konkurrenz gemacht. Der Ruf nach noch mehr Hotelbetten, welche in die gleiche ökonomische Nische brettern, wird damit noch fragwürdiger, die Marktwirtschaft hat noch schneller zugeschlagen, als ich das klammheimlich befürchtet hatte. Hotelmanager der Insel fordern nun eine progressivere Werbung um neue Märkte zu erschließen, aber wie will man denn als Hochlohnland, was wir gegenüber Tunesien und der Türkei nun mal sind, in einem völlig gesättigten Markt ein Produkt einbringen, über welchem längst das Geiz ist geil Schwert hängt. Mal sehen, ob unsere Politiker auf diese Zahlen überhaupt reagieren, ich will ja nicht so weit gehen, dass das bereits der Startschuss für ein Umdenken sein könnte. Die genannten Zahlen stammen übrigens vom CIT "Centro de Iniciativas Turísticas", einer gemeinnützigen Organisation mit sehr guten Kontakten zur Inselregierung. Die neue Rechnungsart, nicht nur brutto Gästezahlen, sondern auch Auslastung und Effizienz mit in die Berichterstattung einfließen zu lassen ist neu. Ich hab da noch mehr "netto Fragen" im Jammerkörbchen: Was ist mit der durchschnittlichen Aufenthaltsdauer, die sinkt seit Jahren und ist nun unter 7 Tage gerutscht. - Wohin geht das Geld, welches im Hoteltourismus verdient wird, wie viel bleibt davon netto auf der Insel? - Auf jeden Fall haben die Wachstumsphilosophen erst mal ein Eigentor produziert, jetzt müssen wir mal abwarten, ob man das auf der Trainerbank auch gesehen hat.



Montag 05.12.05 - 18:30Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 20 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 69 % Luftdruck 1016 hPa Höchsttemperatur heute: 22,6 Grad, niedrigste Temperatur: 12,2 Grad

Strahlend schöne Tage

Seit dem beeindruckenden Durchzug des Tropensturm Delta reiht sich ein schöner Tag an den anderen, das Azorenhoch geht seiner Arbeit nach und sorgt für reichlich Sonne auf der Westseite der Insel. Das wird auch die nächsten Tage noch so weitergehen, kein Tief in Sicht, welches unseren touristischen Dezember momentan trüben könnte. Bauknecht aller Orten und der Absatz von Wäschetrocknern und Heizlüftern saust sofort wieder in den Keller. Sonnencreme und Bikinis sind wieder gefragt, was für ein harter Kontrast zu Mitteleuropa. In zwei bis drei Tagen wird der Wind auffrischen, der gute, der aus Nordost und dann muss man wieder vorsichtig sein in den Wäldern. Viele Äste und Bäume sind angeschlagen und Delta hat diese vielleicht nur angeknickt und nun hängt viel loses Gehölz an den Bäumen. Ein frischer Nordost kann dann durchaus dazu führen, dass dieses tote Holz dann aus den Bäumen geschüttelt wird, Vorsicht ist auf jeden Fall immer noch angesagt. Ansonsten haben wir unverschämt gutes Wetter und sicher haben wir uns das auch verdient.



Montag 05.12.05 - 08:00 hr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 12 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 66 % Luftdruck 1015 hPa

Wir werden gerade noch wahrgenommen

Ab und zu klingeln wir ganz heftig in Madrid, einfach nur um ein Lebenszeichen von uns zu geben. Manuel Marcos, Sprecher unserer Sozialisten La Palmas hat dort in der Kälte des spanischen Hochlandes mal wieder an Türen geklopft und ein paar Staatsekretäre zu schmallippigen Bekenntnissen zu La Palma gezwungen. Diese zweite Reihe der politischen Prominenz hat durchaus zugegeben, dass wir existieren und wenn der kommende "Hongkong Gipfel" vom 13. - 18. Dezember vorbei ist, dann schickt man uns sogar den Landwirtschaftssekretär Josep Puxeu. Übrigens hat man zugesagt, auf diesem "Gipfel" die Interessen der kanarischen Bananenbauern deutlich vertreten zu wollen, da sind wir aber froh, dass man uns noch nicht tritt, sondern noch vertritt.

Business as usual, die kleinen Kanareninseln haben sich in Madrid nie aus der Rolle lästiger atlantischer Pickel befreien können. Dir großen Inseln waren früher mal begehrte Devisenbringer und deren Wurmfortsätze, die peripheren Inseln wurden einfach so mitgeschleppt. Jetzt kommt, außer es sei Wahlkampf, niemand mehr darauf sich speziell und eingehend mit den wachsenden Problemen einer Gesellschaft zu beschäftigen, die angesichts des drohenden Wegfalls des Primärsektors mehr als eine Frage hat. Schuld daran sind wir selber auch, wer am liebsten immer nur sein eigenes Süppchen kocht, der sitzt irgend wann ganz alleine am Tisch. Unser Streben nach Identität hat solch bunte Blüten wie eine Parteienlandschaft hervorgebracht, die in Mehrheit so strahlend vor Regionalismus, längst jeglichen Kontakt nach Madrid verloren hat. Vielleicht können die kapitalen Inseln mit ihrer enormen Einwohnerzahl es sich erlauben Madrid die stolze kanarische Stirn zu zeigen, wir, nicht mal 85.000 Einwohner sollten nur hoffen, dass man uns nie als das sieht was wir eigentlich sind, allerletzte Provinz, die gerade mal wahrgenommen wird. - Aus EU Mitteln soll es einen Aufbaukurs geben für ultraperipheres Selbstbewusstsein, parteilose Staatsuntersekretäre verteilen Handspiegel mit aufgeklebten Smilies und Bananen. Auf der Rückseite steht in großen Lettern: Globalisación ahora - und schon sind wir wieder wer?



Sonntag 04.12.05 - 17:30 hr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 22 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 62 % Luftdruck 1018 hPa
Höchsttemperatur heute: 22,8 Grad, niedrigste Temperatur: 11,5 Grad

320 Stundenkilometer

Das war die Spitzenwindgeschwindigkeit die eine Wetterstation des MMA (Ministerio de Medio Ambiente) = Umweltamt in etwas über 2.000 Meter Höhe auf La Palma gemessen hat. Genauer am "Pico de La Cruz" und am "Barranco del Limonero" konnte man diese extremen Werte ablesen, nahe der Sternwarte bei Izaña auf Tenerife, auch über 2.000 Meter gab es ähnlich hohe Geschwindigkeiten. An weiteren Stellen konnte die Windgeschwindigkeit nicht mehr ermittelt werden, die Messstationen waren einfach nicht mehr da, der Wind hatte diese mitgenommen. Diese enormen Windgeschwindigkeiten, die einem Hurrikan der Stärke 5 entsprechen, kann man aber nicht auf die gesamte Insel und Inseln anwenden. In der Höhe ist der Wind bei jedem Tropensturm deutlich schneller als in den tiefen und mittleren Lagen. Meist sind das aber unbewohnte und vegetationslose Zonen, also oberhalb der Baumgrenze. Das alleine reicht aber auch noch nicht aus, um solche Böen entstehen zu lassen, da kommt wieder unser Landschaftsrelief hinzu, der eh schon heftige Wind sucht sich an den Berghängen ein Ventil und entlädt sich dort wie Druckluft durch eine Düse.

Dieses Phänomen können wir hier immer wieder beobachten, Gott sei Dank oder dem Azorenhoch, meist bei viel geringeren Windgeschwindigkeiten. Die Fallwinde sind ein fast ständiger Begleiter unseres Inselwetters, lediglich die hohen Zonen im Norden der Insel kennen diese Winde kaum. Der häufigste Fallwind wird bei uns verniedlichend "Brisa" genannt und kommt bei Nordostpassat im Aridanetal vor. Der Passat staut sich an der Nordostseite der Insel und sucht sich den Weg der einfachsten Inselüberquerung und das ist die nur wenige Kilometer lange Sattel der Cumbre Nueva. Nördlich davon hindert das Massiv der Caldera den Wind nach Westen zu gelangen, südlich davon baut sich die Cumbre Vieja auf und so wird der Wind wie in einer Düse über die Cumbre Nueva geleitet und braust dort mit mindestens der doppelten Geschwindigkeit ins Tal. Minimale Änderungen der Windgeschwindigkeit und Richtung sorgen für einen ständigen Wechsel der Windkanäle. Oft konnten wir beobachten, dass nur hundert Meter weiter sich kein Lüftchen regt und bei uns die Palmen gewaltig geschüttelt werden. Zwei Minuten später ist es dann andersrum und jeder im Aridanetal behauptet, bei ihm hätte es besonders gestürmt. Lassen wir uns also nicht zu sehr von der wahnsinnigen Zahl 320 Stundenkilometer blenden, das war nur ganz lokal, trotzdem weiß ich nun genau, wo ich mich beim nächsten Sturm aus West nicht aufhalten werde.



Sonntag 04.12.05 - 10:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 13 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 69% Luftdruck 1019 hPa

Kampf gegen die Wasserverschwendung

Mitten im Winter ist das eigentlich kein Thema, die Tanks sind voll, die Insel strotzt vor einem fast frechen Grün und was soll das das Gelaber von einem Problem, welches derzeit nicht in Sicht ist. Der Wasserhaushalt der Insel ist aber ein derart komplexes System, dass wir genau in den Zeiten der Abundanz dafür sorgen müssen, die im Sommer entnommenen Reserven aufzufüllen. Dabei sind nicht nur die großen, von Menschenhand gebauten Wasserspeicher gemeint, die ganze Insel mit ihrem System aus Kavernen und Höhlen ist ein riesiges, aber nicht unerschöpfliches Reservoir. Um an diese Wasserreserven heranzukommen gibt es auf La Palma ein Tunnelsystem welches 264 Kilometer Länge erreicht, in den Berg getriebene Stollen um an das kostbare Nass heranzukommen. Diese Stollen, die dann auf Wasserbeutel im Berg stoßen nennt man "Galerias" und sind unsere Wasserquelle Nummer eins auf der Insel. Aus diesen Galerias, die meist in weit über 1.000 Meter Höhe ihren Platz haben, wird seit der Hispanisierung das Wasser in Rohrsystemen in die bewohnten Gebiete geleitet.

162 Galerias gibt es auf La Palma, davon sind aber derzeit nur 65 in Nutzung, die anderen liefern zu wenig Wasser oder wurden durch modernere Tunnel in unmittelbarer Entfernung abgelöst. Fast 40 Kubikhektometer Wasser entnimmt man pro Jahr diesen Tunnels, das sind mehr als zwei Drittel des gesamten benötigten Wassers der Insel, der Rest ist Regenwasser und kommt aus tief gelegenen Brunnen, die im Sommer aber oft versalzen. Das große Manko an den Galerien, das Wasser läuft immerzu aus den Stollen, ob man es braucht oder nicht. Das alte, aber immer noch funktionierende System der Wasseraktien verschiebt dieses Problem an den Endverbraucher. Dem laufen, je nach Gesellschaft und Aktienzahl, X Gramm oder Liter pro Minute zu und was der damit anfängt, ist sein Problem. Das kostbare und teure Nass wird in Tanks aufgefangen, aber jeder Tank ist irgendwann mal voll, da kann man vergrößern, erhöhen wie man will, irgendwann lässt man das überschüssige Wasser ungenutzt in den Atlantik laufen.

Man könnte nun noch mehr Wassertanks bauen, es gibt sogar Pläne, die Caldera als Staubecken zu benutzen, aber das wird wohl Gott sei Dank nie Realität werden. Man geht das Problem nun dort an wo es entsteht und will das Wasser dort speichern wo es herkommt, im Berg selber. Die Galerien sollen mit Ventilen verschlossen werden und nur noch die tatsächlich benötigte Menge an Wasser abgeben. Im Winter und nach ergiebigen Regenfällen würde man dann die Ventile schließen und das Wasser im Berg halten. Manche Galerien besitzen bereits ein solches System und damit hat man erreicht, das Quellen in der Umgebung und ältere, höher gelegene Galerien plötzlich wieder Wasser führen, weil man weiter unten das Wasser gestaut hat. In den Galerien "Risco Liso" und "Verduras de Alfonso" hat man den Stollen abgedichtet und nun Hähne eingebaut, die einem Druck von 20 bar widerstehen können. Man hat ausgerechnet, mit diesem System fast 2 Millionen Kubikmeter Wasser jährlich im Berg halten zu können, eine gute Reserve, die ohne weitere Landschaftsveränderung, was die großen Speierbecken nun mal sind, auskommen kann. Zudem ist diese Methode billiger als Wasserbecken zu bauen und man verhindert damit auch die enormen Verdunstungsverluste, die in offenen Speichern nun mal entstehen. - Eigentlich hätte man darauf auch schon früher kommen können, aber es ist nie zu spät, vernünftig zu werden...



Samstag 03.12.05 - 18:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 19 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 76% Luftdruck 1018 hPa Höchsttemperatur heute: 20,5 Grad, niedrigste Temperatur: 12,4 Grad

Heftige Kritik am Stromversorger auf Tenerife

Wir haben hier auch unsere Sturmschäden zu beklagen, im Osten der Insel liegen reihenweise die Bananen platt auf dem Boden und der Atlantik hat sich in Puerto de Naos den Großteil des Strandes geholt, aber alles in allem ist La Palma, trotz der höchsten gemessenen Windgeschwindigkeiten aller Kanaren doch viel besser davongekommen als Tenerife. Der Stromausfall im Ballungs und Wirtschaftszentrum der Insel, La Laguna - Santa Cruz ist nun laut Pressemeldungen behoben, nach 5 Tagen und das bringt viele Leute sehr gegen die Unelco, unseren einzigen Stromversorger auf.

Wie üblich, wenn das Volk aufmotzt, dann schließen sich die Politiker gleich an und es werden schärfste Maßnahmen und Ermittlungen gegenüber der Unelco gefordert und angekündigt. Die beiden Hauptkritikpunkte: Die Überlandleitungen waren teilweise in desolatem Zustand und die Unelco kümmert sich viel zu wenig um die Pflege dieser Masten. Punkt zwei: Der Tropensturm war fast 10 Tage vorher angekündigt und dennoch musste man umständlich und damit viel zu zeitaufwendig Material und Personal erst vom Festland einfliegen lassen. Man vermutet, dass die Reparaturarbeiten so zwei Tage verzögert wurden. Die Unelco selbst sieht sich übrigens als Retter, man hätte fast Unmögliches geleistet in den letzten Tagen, ohne den beherzten Einsatz vieler hundert Mitarbeiter wäre diese Arbeit nicht zu schaffen gewesen. Nun werden sich wohl Gerichte mit den vielen Klagen und Schadensersatzansprüchen beschäftigen, wirkliche Zahlen hat noch niemand. Die Presse neigt ja immer dazu, die Zahl der Toten noch vor dem Unfall wissen zu wollen, gestern Abend nannten Revolversender im Fernsehen einen Gesamtschaden von mehreren Milliarden Euro. Das ist völliger Humbug, aber so sieht die Presselandschaft leider aus, wer höhere Schäden und mehr Opfer meldet, der hat mehr Zuschauer. Von Berichterstattung ist da keine Rede mehr, sondern nur noch von Schadens und Opferbeschaffung. Telecinco sprach mit Delta.

In eigener Sache. Zur Beruhigung und Einstimmung auf ein friedliches Wochenende gibt es zwei neue Bilderserien in unserer Galerie. Roland Pfau hat uns beeindruckende Photos vom Dach der Insel mitgebracht und Walter Stumreich in bekannter Qualität seine Eindrücke von La Palma. Klicken Sie auf die Bilder.


La Palma Photos von Walter Stumreich


La Palma Bilder von Roland Pfau



Samstag 03.12.05 - 10:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 15 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 76 % Luftdruck 1020 hPa

Jesús, streich das N !

Unser Bürgermeister Jesús Manuel Rodríguez hat nun doch wieder den Schutz einer Parteiorganisation gesucht. Nachdem man mit Pauken, Trompeten und Polemik geschlossen aus den Reihen der bürgerlichen Partido Popular ausgetreten war und sich als "diputados no adscritos" (parteilose Abgeordnete) weiter seinen Ämtern zugewandt hatte, sind nun fast alle ehemaligen "Populares" in die Partei Centro Canario Nacionalista eingetreten. Hups, was ist da los, unser Bürgermeister ein Nationalist? Weit gefehlt, wer Jesús, Pedro, Kasimiro, Manuel Ángel und die anderen Parteigänger kennt, der weiß, dass die Welten von einer nationalistischen Gesinnung trennen. Das "Nacionalista" ist aus einem dummen Zufall entstanden, eigentlich sollte diese Partei nur Centro Canario heißen, aber dann wäre die Abkürzung CC und die ist bereits vor der größten kanarischen Partei Coalición Canaria belegt, die sich übrigens selbst Nationalisten nennen. Also hat man noch ein N drangehängt, keiner möchte sich heute noch genau daran erinnern, wer auf diese suboptimale Idee gekommen ist.

Grundsätzlich muss auch noch erwähnt werden, dass im Spanischen das Wort "Nacionalista" völlig andere Wertigkeit besitzt als im Deutschen, in dem das Wort Nationalist aus bekannten geschichtlichen Gründen für immer ins dumpfe und braune Rechtsaußen verbannt wurde. - Es ist Außenstehenden nicht ganz einfach zu erklären, aber hier wird mit Begrifflichkeiten nicht immer ganz worttreu umgegangen. So nennen sich die Parteigänger der Coalición Canaria Nationalisten, beziehen diesen "Nationalismus" aber auf die kanarischen Insel alleine, sind also eigentlich Regionalisten oder Provinzialisten, aber hier haben diese Wörter wieder einen schlechten Beigeschmack, und so geht man in die Vollen. Hinzu kommt der ewige Traum der kanarischen Provinzvertreter, die kanarischen Inseln mit einem ähnlichen Statut zu versehen wie es die Katalanen gerade durchsetzen wollen, um dann von der Nation der Kanaren sprechen zu können. Dafür ist natürlich die Bezeichnung Regionalist wieder zu provinziell und man greift in die offene Kiste der sprachlichen Verwirrungen. - Man kann übrigens die Parteigänger dieser Gruppierung stets richtig in Erklärungsnot bringen, wenn man sie nach ihrer Meinung zu regionalem Nationalismus mit provinzieller Ausrichtung befragt. - Manchmal bin ich richtig fies.

Was unterscheidet nun die CCN von der CC? Eigentlich nicht viel, außer vielleicht, dass die eine Partei das N gerne loswerden will und die andere das N gerne haben möchte, geht aber nicht, sonst ist die Verwirrung nicht nur regional, sondern auch noch global. Die neue Gruppierung Centro Canario Nacionalista gräbt auf den Insel mit wachsendem Erfolg den Bürgerlichen nicht nur Politiker ab, sondern auch noch gleich die Ämter dazu. Jesús ist nicht nur Bürgermeister von El Paso, sondern auch noch Abgeordneter im Inselparlament, die CCN hat also plötzlich einen Vertreter im Cabildo Insular, ohne jemals zu einer Wahl auf La Palma angetreten zu sein. Das wird sowohl schwierig, als auch spannend, die alt eingesessenen Parteien werden das nicht so ohne weiteres durchgehen lassen. Die CCN will nun La Palma im Halbsturm erobern und eröffnet dieses Wochenende drei lokale Komitees, in Santa Cruz de La Palma, in Los Llanos und natürlich im ewig rebellischen El Paso. Ich habe nichts gegen ein Centro Canario, aber ein N, und sei es auch ganz klein geschrieben, das steht zwischen mir und dem Centro. Wie wäre es mit CCD, Centro Canario Dorada oder CCT, Centro Canario Tropical? Meine Stimme hättet ihr.


Centro Canaria in El Paso



Freitag 02.12.05 - 19:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 18 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 68 % Luftdruck 1019 hPa Höchsttemperatur heute: 20,4 Grad, niedrigste Temperatur: 11,2 Grad

El Paso versus Los Llanos

Eigentlich möchte man meinen, gegen die übermächtige Schwester im Aridanetal und größte Stadt der Insel, Los Llanos, hätte das kleine und ländliche El Paso auf ganzer Front das Nachsehen. Los Llanos kommt locker auf 22.000 Einwohner und bei El Paso sind es knappe 8.000, wobei nicht mal die Hälfte im Stadtgebiet selber wohnt, sondern in einem der vielen ländlichen "Barrios". Selbst als glühender Lokalpatriot für die schwarz-weiß-grüne Gemeinde, das sind die Farben El Pasos, muss ich in vielen Bereichen zugeben, dass uns Los Llanos einiges voraus hat. In Los Llanos gibt es eine wunderschöne Altstadt welche zum Bummeln einlädt, ein Kino, eine repräsentative Plaza und eine Markthalle, die jeglichen Sinnesfreuden die man von einem südlichen Marktplatz erwartet auch erfüllt. Los Llanos hat aber eines nicht, Parkplätze und daraus wiederum ist die Chance für El Paso entstanden, nicht über die Jahre von der Metropole assimiliert zu werden. El Paso ist eigenständig geblieben, zwar ganz nah an der großen Stadt, aber dennoch eigen und auch selbstbewusst genug, um mit erhobenen Hauptes den "Städtern" gegenüber zu treten.

Früher war das Verhältnis zwischen Los Llanos und El Paso noch deutlich einfacher, wir hier in El Paso waren die dummen Landeier und wenn wir irgend etwas außer Gofio und Milch kaufen wollten, dann mussten wir "in die Stadt" fahren und damit war Los Llanos gemeint. Eine echte Vitalisierung El Pasos entstand durch den, seinerzeit größten Supermarkt der Insel, den San Martín der die ehemalige Zigarettenfabrik Capote mitten im Stadtgebiet übernahm. Auch wenn es qualitativ einiges am San Martín zu bemängeln gibt, der große Markt und auch die freien Parkplätze lockten immer mehr Besucher in unseren Ort und rund um siedelten sich langsam neue Geschäfte an. Für wenige Artikel muss man noch aus El Paso in andere Städte fahren und das Verkehrschaos in Los Llanos, wenn man nicht bereits um 08:00 Uhr dort ankommt, macht einen Einkauf dort für "Landeier" (Magos de El Paso) zum Spießrutenlaufen. Es war interessant zu beobachten, wie eine fast untergehende Stadt, denn das war El Paso noch vor etwas mehr als 10 Jahren, durch einen Supermarkt mitten im Stadtzentrum und den reichlichen Parkplätzen heute als lebendiger Einkaufsort wieder Los Llanos die Stirn bieten kann. El Paso will auch noch weiter wachsen und noch mehr Geschäfte anlocken, dabei will man aber gezielt und vorsichtig umgehen. Es gäbe zwei große Fehler die man begehen könnte, der eine wäre den Parkplatzvorteil aufzugeben, der andere wäre ein neues Einkaufszentrum auf der grünen Wiese. Das würde die Leute wieder aus dem Stadtzentrum abziehen, wer einkaufen geht, der ist froh mit seinem Auto nicht mehrmals den Ort wechseln zu müssen und wird bequemerweise dort auf der grünen Wiese den Gesamteinkauf erledigen. Es ist inzwischen eine bekannte Tatsache, dass große Supermärkte nicht unbedingt kleine Läden schädigen, sondern sich meist gegenseitig weh tun. Oft leben kleine Spezialgeschäfte erst richtig auf, wenn so ein großer Laden als Publikumsmagnet in den Ort kommt. El Paso hat, wenn auch nicht vielleicht der Preise oder Qualität wegen, vom San Martín sehr profitiert.

Bald (das Wort ist hier sehr dehnbar) wird noch ein Supermarkt nach El Paso kommen (ich verrate noch nicht mehr, aber es ist kein deutscher Discounter) und man hat es geschafft einen Platz ganz nah am Ortskern zu finden. Eine weitere Attraktion stehe auch noch zur Verwirklichung an, todesmutig wagt man sich erneut an das Projekt Wochenmarkt, (auch wieder bald) und geht damit schon in die volle Offensive gegen Los Llanos. - Handelskammer und Rathaus haben nun noch eine weihnachtliche Kampagne gestartet, Fernsehspots, Radiowerbung und Einkaufstüten, präsentieren das Motto "El Paso, el centro eres tú. Aufgenommen wird dabei ein Wortspiel, El Paso heißt nicht nur unsere Stadt, es bedeutet auch noch der Weg und auch der Schritt. In den Spots wird so direkt dafür geworben, dass man bei uns in Schrittnähe alles bekommen kann und entspannt von Geschäft zu Geschäft gehen kann und nicht mit dem Auto irgendwo rumgurken muss. Auf der Präsentation der Spots durch die Handelskammer und die Räte der Stadt waren alle anwesenden Geschäftsleute auch ganz angetan von den kleinen Werbeclips, da hat man wirklich eine professionelle Firma beauftragt, der Spot steht in krassem Gegensatz zu der sonst hier üblichen Werbung im Lokalfernsehen, die meist von sehr bescheidener Qualität ist. Eigentlich ist diese ganze Aktion schon ein klarer Fehdehandschuh den man da Richtung Los Llanos wirft, aber unser Bürgermeister war schon immer ein für andere unbequemer Kerl, der hat nur seine Gemeinde im Sinn. Wahrscheinlich wird Los Llanos darauf überhaupt nicht reagieren, wir sind denen viel zu unbedeutend, dass man sich wegen uns bückt um einen Handschuh aufzuheben.


El Paso, el centro eres tu



Freitag 02.12.05 - 08:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 12 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 77 % Luftdruck 1019 hPa

Unelco sprach es werde Licht

Seit Montagabend sitzen über 200.000 Menschen auf Tenerife ohne Strom da, Folgen des Tropensturms Delta, der reihenweise die großen Überlandleitungen abgeknickt hat. Besonders betroffen ist der Großraum La Laguna/Santa Cruz, behördliches und wirtschaftliches Zentrum der Insel. Für heute hat der Stromversorger (Unelco-Endesa) angekündigt, die Versorgung zu 90% wieder herzustellen und betitelt den Stromausfall auf Tenerife als die größte Katastrophe in der Firmengeschichte. Vier Tage und Nächte ohne Strom und das in unserer Verwaltungshauptstadt, schließlich gehören wir auch zur Provinz von Santa Cruz de Tenerife, geht wirklich ans Eingemachte, ohne elektrische Energie geht einfach gar nichts mehr.

Die Stimmung der Leute ist dem entsprechend,, wer keinen Gasherd hat, der isst seit vier Tagen kalt oder hat noch einen der inzwischen ausverkauften Campingkocher ergattert, mancher ist auch einfach aus der Stadt gezogen um in anderen Regionen der Insel in denen es Strom gibt, bei Verwandten oder Bekannten unterzukommen. Eine neue Art des Protestes ist auch entstanden, die "caceroladas" - Topf schlagen. In den vom Stromausfall geplagten Gebieten stehen die Nachbarn auf den Balkonen oder der Straße und klopfen auf Kochtöpfe ein um so ihren Protest gegen die langsame Wiederherstellung der Stromversorgung auszudrücken. Proteste helfen nie wirklich nachdem etwas passiert ist, und wie man einen Tropensturm vermeiden will, das kann uns auch ein tönender Kochtopf nicht verraten. Die Unelco war, wie eigentlich alle unsere Institutionen und Körperschaften nicht gut vorbereitet auf Delta und musste viel Material und Personal erst umständlich vom Festland einfliegen, um mit den Reparaturarbeiten beginnen zu können. Heute sollen fast alle wieder Strom bekommen auf Tenerife, Zeit wird's, Nachrichtenübertragung per Kochtopf gehört einfach nicht mehr in unsere Zeit. ¡ Ánimo Chicharreros !



Donnerstag 01.12.05 - 19:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 17 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 70 % Luftdruck 1018 hPa Höchsttemperatur heute: 19,4 Grad, niedrigste Temperatur: 12,8 Grad

Urlaubsvorbereitungen

Webseitenbetreiber tun sich immer schwer, andere Machwerke zu empfehlen, aber hier auf La Palma gibt es die Seite www.infoisla.org und die hat sich in den letzten Monaten zu einer wahren Fundgrube an Informationen über die Insel gemausert. Aktuell, wird ständig gepflegt und auch fleißig besucht. Initiatoren der Seite ist die "Asociación para el Desarrollo Rural de la Isla de La Palma" kurz "Ader La Palma" genannt. Diese Organisation wird von der Inselregierung und auch von der Provinzregierung unterstützt und soll, wie der Titel schon aussagt, sich um die Entwicklung des ländlichen Bereichs La Palmas bemühen. Tut mir jetzt leid, wenn ich Ihnen sagen muss, dass der Großteil der Seiten "nur" in spanisch zur Verfügung steht, aber ich weiß aus eigener Erfahrung, welchen Aufwand es bedeutet eine Seite zu pflegen. Die bräuchten eine Vollkraft als Übersetzer um das Ganze auch auf deutsch zu bringen. Vielleicht kommt das noch, aber wir selber sind ja auch noch da und diese Seite wendet sich zunächst an die Palmeros selbst.

Neuestes Fundstück, man kann sich nun als PDF-Datei die Beschreibungen zu den Themenwanderwegen der Insel runterladen und ausdrucken. Für 5 Wanderungen stehen die Dateien bereits im Netz und zwei weitere sollen folgen. Das ist eine tolle Geschichte, man wird von Punkt zu Punkt auf den Wanderwegen geschickt und kann sich vorher im Netz bereits informieren, was da auf einen zukommt und die Beschreibungen der einzelnen Sehenswürdigkeiten nachlesen. HIER geht es direkt zu der Seite mit den Wegbeschreibungen. - Ein kleiner Vorschlag, ernst gemeint, drucken Sie sich doch die Seiten mal aus, es ist nicht all zu viel Text und gehen Sie langsam ans übersetzen der Wegbeschreibungen. Ich höre so oft, dass man sich doch auch sprachlich ein bisschen auf La Palma vorbereiten will, da wäre das doch ein gelungener Anfang und ein netter Zeitvertreib, abends nach der Volkshochschule beim Feierabendwein sich daran zu machen. Das nenne ich eine richtige Urlaubsvorbereitung, dient doch allen nur. Lassen Sie sich aber damit nicht zu viel Zeit, sicher werden die Blätter auch noch ins Deutsche übersetzt, dann macht es doch keinen Spaß mehr..

Noch in eigener Sache, das Kalenderblatt für November 2005 ist fertig und kann HIER aufgerufen werden.



Donnerstag 01.12.05 - 08:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 13 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 76 % Luftdruck 1019 hPa

Gut nachdenken über die heilige Quelle

Nach 328 Jahren verschüttet von den Lavaströmen, hat man vor einigen Wochen die "Fuente Santa", also heilige Quelle an der Südspitze der Insel wieder gefunden. Fast 200 Meter musste man in das Basaltgestein graben, um an die Quelle zu kommen aus der nach alten Aufzeichnungen und Überlieferungen Heilwasser floss. Die Beschreibungen, gegen welche Zipperlein das Wasser half sind so umfangreich, dass man heute mit großen Erwartungen an das warme Wasser aus dem Fels geht. In der Tat könnte ein Thermalbad ein große zusätzliche Attraktion für La Palma darstellen und unser touristisches Angebot, welches ja naturorientiert ist, um einen echten Heißpunkt (hotspot) erweitern. Allerdings gibt ein Umstand immer noch Rätsel auf, der Durchfluss der heiligen Quelle schwankt sehr und ist abhängig von Ebbe und Flut. Bei Flut fließt sehr viel mehr Wasser - an die drei Liter pro Sekunde - als bei Ebbe, wie das zusammenhängt und ob es sich bei dem mehr Wasser nicht um Meerwasser handelt, soll jetzt ausführlich untersucht werden.

Ich wundere mich ein bisschen, warum man nun 5 Wochen nach dem offiziellen Auffinden der heiligen Quelle noch keine Wasseranalyse vorliegen hat, in welcher die Vorzüge des immerhin 50 Grad warmen Wassers auch dokumentiert sind. Jetzt werden diese Proben angekündigt und wir können sehr gespannt sein, was da aus dem Fels tritt und ob es die gewünschte Bezeichnung "minero-medicinal" (mineralisch-medizinisch) wirklich tragen kann. Es geht natürlich ums Geschäft und mit heilig alleine ist nur noch im größeren Umfeld des Vatikan direkt Geld zu verdienen, wird aus heilig jedoch heilend, dann sprudelt der Geldfluss noch stärker, als die heilige Quelle selbst. Was aber, wenn das Wasser schlichtes Meerwasser ist, welches durch die innere Wärme unserer Insel temperiert dort wieder aus dem Fels tritt? So böse will aber keiner denken, wir brauchen solche zusätzlichen Attraktionen und damit wäre ja die Heilwirkung an sich schon wieder belegt, die Quelle hilft gegen Gästeschwund. Also macht uns eine schöne Analyse, der Zweck heiligt (oder war es heilt?) ja schließlich die Mittel.





Familie Ingrid & Mathias Siebold
Calle el Torreón 5/7
E-38750 El Paso
La Palma, Islas Canarias, Spanien
Tel & Fax von Deutschland: + 34 922 497216
email: m.siebold@la-palma-urlaub.de
Kanarische Ferienhäuser auf La Palma