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Donnerstag 06.12.2018 17:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
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Höchsttemperatur heute 24,8 Grad - niedrigste Temperatur 19,8 Grad

Warum man Katzen niemals Hitler nennen sollte -
sowie anderer, langweiliger Alltag auf einer palmenbesetzten Insel


Seit unsere Kinder aus dem Haus sind, sind meine Frau und ich immer aus dem Häuschen, wenn es unseren Katzen irgendwie nicht gut geht. - Typisches postbrüterisches Verhalten von Eltern aus der prekären Mittelschicht, zumindest nach der neuesten Merzschen Spezialtabelle, möchte man nun meinen, aber hier irren Sie. - Nicht, dass wir an der Mittelschicht zweifeln, aber unsere Kinder waren immer nur ein Katzenersatz, nicht umgekehrt! - Wir bewegen uns also heute auf höchst ernsthaftem Niveau und da kommen wir dann auch schon auf die Leiden des jungen Fred zu sprechen. - Unserer jüngsten Eroberung der felinen Familie, dem Wonneproppen der Fünfkiloklasse, welcher mal kurzzeitig mit dem verlorenen Sohn Leo verwechselt wurde, und deshalb bei uns gelandet ist. - Leo kam ja nach über sieben Monaten wieder zu uns zurück, nachdem der eben so viele Monate brauchte, den schlappen Kilometer vom Tierarzt zu uns zu bewältigen. Aber nichts scheint für ungut, wenn es um Katzen geht, und natürlich haben wir den Fred behalten, obwohl Leo durch sein Auftauchen irgendwie unmissverständlich klar gemacht hat, dass wir gerne einer Verwechslung erlegen sind. - Fred ist ein junger, verspielter Kater mit leerem Beutel, also kastriert, aber das hält ihn nicht davon ab, sein und damit unser Revier vor einem schrecklichen Ungeheuer beschützen zu müssen, dessen Beutel noch prall gefüllt ist. - Dieser streunende Kerl ist ein großer, weißer Kater, mit ein paar braunen Flecken und eben einer knappen Färbung über der Schnauze, welche von mehr als ein paar Meter Entfernung eben durchaus gewisse Ähnlichkeit mit dem, oder einem Hitlerbärtchen hat.

Mittiger Pigmentfleck und böse, schon ist der Name gemacht, und heftig setzt dieses Tier unserem Fred zu. - Auch wissen wir, dass unser alter Paul sich bereits mit dem fiesen Gesellen heftige Schlachten geliefert hat, und durch den ganzen Garten jagte. - Wer da die Oberhand behielt, das habe ich nie wirklich herausbekommen, genau so wenig ob inzwischen Paul um Hitler einen Bogen macht, oder umgekehrt. - Fred allerdings scheint trotz seiner leiblichen Fülle dem felinen Regionalbesamer nicht widerstehen zu können, immer wieder bekommen wir Teil der Feindseligkeiten mit, manchmal auch nur noch Fellknäuel und den Kampf- oder Angstgeruch, welchen kämpfende Katzen wohl unkontrolliert abgeben. - Fred ist meist deutlich gezeichnet von den Schlachten, aber immer wieder geht Fred auf den Eindringling zu, nicht umgekehrt, was wieder einmal die Nähe von Helden und Deppen erklären könnte, welche ja auch oftmals durch die Geschichte eilt. - Aber irgendwann mal muss Hitler auch heftig was um die Ohren bekommen haben, noch nicht wirklich einen Endsieg, sonst wäre er ja nicht mehr da, aber eines Tags sahen wir ihn von Weitem, wie er hinkend und schreckhaft über unser Grundstück irgendwas suchte, was nach Refugium aussah. - "Hitti geht es nicht gut", murmelte ich zu meiner Frau, welcher neben mir stand und die Szene ebenso fragend beobachtete, und als ich nur das Wort "Hitti" ausgesprochen hatte, zuckten wir beide als wohlerzogene Nachkriegsdeutsche zusammen und schämten uns, dem Begriff Hitler ein Diminutiv verpasst zu haben. - Inzwischen weiß ich, dass Hitler ein relativ häufig vorkommender Name für Katzen mit bedauernswerten Eigenschaften wie Pigmentierungen ist, ich habe auch schon mal ein fieses Unkraut aus Unwissenheit des echten Namens "Hitlerkraut" genannt. - Weihnachten kommt ja unsere tierafine Tochter für ein paar Wochen zu Besuch und wir haben vor, Hitler zu fangen, und dann kastrieren zu lassen. - trotzdem werde ich Ángel dann nicht "Staufi" nennen. - Immerhin werden wir somit das Geheimnis lüften, ob der wirklich nur ein Ei hat, aber auf jeden Fall erwarten wir dadurch regionalen Frieden und ganz sicher werden wir uns einen neuen Namen für das Tier ausdenken. - Nicht nur, weil keine Katze einen Hitler verdient hat, sondern auch weil "Hitti" nun einfach mal gar nicht geht.

Wie ich jetzt davon auf das nächste Thema komme, manch aufmerksamer Mensch könnte darauf kommen. - Bislang galt Spanien ja als jungfräulich, zumindest was diese neue, komische Bewegung angeht, welche sich rechtspopulär irgendwie als Protest, aber doch mit kernigem Nationalismus durch das gute, würdevolle Europa frisst. - Überall in der Alten Welt, außer auf der Iberischen Halbinsel, geht ein reichlich dämlich grinsendes Gespenst um, welches den über Jahrzehnte doch erworbenen Anstand verloren hatte und plötzlich wieder nationale Fratzen, Phrasen und Egoismen als tragbaren Alltag etablieren will. - Mit doch deutlichem Stolz habe ich immer wieder darauf hingewiesen, dass in Spanien und Portugal der Protest Links ist, und einen Pferdeschwanz trägt, mit "El de la coleta" Pablo Iglesias der "Bewegung Podemos". - Das war mal, eben bis letzten Sonntag bei den Regionalwahlen in der Autonomen Region Andalusien ohne Ach, aber mit Krach die Partei "Vox" ins Regionalparlament eingezogen ist, mit immerhin ganz knappen 11 Prozent der Wählerstimmen. - "Vox" versteckt sich nicht mal über den neoliberalen und europafeindlichen Umweg oder Ausrede, wie es die AFD in Teilen heute noch macht, sondern ist unverhohlen nationalistisch und scheint mit "Trumpscher Einstellung" ohne wirkliches Programm doch ausreichend zu punkten, um nun plötzlich Zünglein an einer bislang nicht vorhandenen Waage zwischen Links und Rechts in Andalusien zu sein.

Wir dürfen nie vergessen, dass "nationalistisch" in Spanien anders begriffen wird als im deutschen, historischen Begriffswerk, in dem das Wort als Synonym für mindestens einen Weltkrieg und gefühlten tausend Jahren Leid steht. - Allerdings schien auch hier in Spanien der Nationalismus seit den Neunziger Jahren überwunden, denn die Gestrigen aus der Franco-Ära, welche bräsigen Unterschlupf zunächst in der Alianza Popular und später Partido Popular gefunden hatten, die sind eigentlich aus anderem Holz geschnitzt, als die neuen Populisten, welche sich dort am rechten Rand finden. - Auch der Streit um die einseitige Unabhängigkeitsbewegung in Katalonien, und den "sanften" Umgang des jetzigen sozialistischen Regierungspräsident Pedro Sánchez mit den Abtrünnigen, mag das beachtenswerte Abschneiden der Rechtspopos zu unterstützen, aber hauptsächlich finden sich dort nach den ersten aber ernsten Analysen auch die Erniedrigten und Abgehängten wieder, welche in einer sich immer schneller drehenden Anspruchsstellung unserer modernen Gesellschaft keinen Platz mehr für sich zu finden scheinen. - Soziale Ungerechtigkeit und den Migranten werfe man alles in den Rachen, das sind die häufigsten Gründe, welche die Vox-Wähler angeben und das ist dann doch einen ziemlich genaue Parallel zu dem, was sich auf dem Rest unseres Kontinents auch getan hat. - Ein Kontinent wird inkontinent fällt mir dazu nur ein, und zeichnet einen meiner größten Irrtümer überhaupt in schrillen Lettern, als ich vor nunmehr 2 Jahrzehnten glaubte, der Geist des Nationalismus sei in Europa endgültig auf die Seite der vergessenen Schmuddelkinder gewechselt. - Es ist deutlich anzunehmen, dass sich diese Populisten auch in weiteren Autonomien und dann auch in Madrid zweistellig etablieren werden, und selbst hier für La Palma hat diese Gruppierung eine Kandidatur zum Inselparlament für das kommende Jahr angemeldet. - Da bin ich dann auch noch mal kräftig gespannt, was die hier reißen können, wo wir uns doch eigentlich schon reichlich Regionalisten leisten, welche sich leicht überspannt gar Nationalisten nennen. - Nun bleibt also nur noch Portugal, und irgendwie beschleicht mich das Gefühl, als fürchte man dort auch bereits die nächsten Wahlen.

Nun aber zu den palmerischen Tagesthemen und hier droht Ungemach in Sachen Müllabfuhr. - Ein Streik könnte ab Mitte des Monats für unangenehme Verhältnisse sorgen und man kann nur hoffen, dass man vorher noch eine Lösung findet. - Was ist geschehen? - Die Inselregierung folgt hier ebenso neoliberalen Vorbildern aus der Wirtschaft wie anderyswo und versucht Personalkosten über den Trick neue Firmen und damit Arbeitsverträgen zu schaffen. - Ganz legal die Angelegenheit und so gründete man einige Firmen der Öffentlichen Hand, deren Verträge aber nicht so vorteilhaft für die Arbeitnehmer ausgefallen sind, wie die der direkt beim "Cabildo Insular" angestellten Arbeiter, Angestellten und Beamten. - Eine dieser Schöpfungen ist das "Consorcio de Servicios de La Palma", das brauche ich wohl nicht zu übersetzen und eben diese Firma kümmert sich auch um die Müllabfuhr in 12 unserer 14 Gemeinden. Nur Tijarafe und Puntagorda sind bislang noch nicht bei der Müllentsorgung dem inselweiten Verbund beigetreten. - Die Angestellten des "Consorcio de Servicios de La Palma" hatten wiederholt eine Gleichstellung ihrer Verträge mit denen der direkten Angestellten des Inselparlamentes gefordert, allerdings gab es nun Ende des vergangenen Monats eine konkrete Absage der juristischen Abteilung des Cabildo Insular. - Darauf drohte die Arbeitnehmervertretung des Konsortium mit einem unbegrenzten Streik ab dem 15. Dezember, zumindest was die Arbeiten in Sachen Müllabfuhr angeht. - Da ist nun dringender Handlungsbedarf angesagt, in Sachen Müllabholung sind wir nämlich äußerst verwöhnt, in den Innenstädten und an den großen Straßen werden die Container täglich geleert und in den Siedlungen und an den kleinen Straßen zwei, bis viermal in der Woche. - Weihnachten in Müllbergen, das möchte man sich gar nicht erst vorstellen.

Ein weiterer Dauerbrenner hier ist das Thema "FDCAN", also der "Fondo de Desarollo de Canarias". - Eigentlich kommt das Geld aus jahrelang fehlerhaft überwiesener Mehrwertsteuer an Madrid, welche nun an die Kanaren zurückgegeben wird, aber daraus hat man gleich ein Konjunkturprogramm geschneidert, welches etwa 14 Millionen Euro pro Jahr im kommenden Jahrzehnt auf die Insel La Palma schütten soll. - Einfach so, aber man muss eben den Umgang mit diesen Geldern auch nachweisen, und hier taucht bereits im ersten Jahr ein deutliches Problem auf, welches nun 12 der 14 Millionen Euro für das Jahr 2017 gefährden könnte. - Die Gemeinden haben sämtlich Anträge gestellt, die Inselregierung auch, aber die Federführung, eben auch über die Abrechnungen, die hat das Cabildo Insular. - Und genau hier scheint das Problem zu liegen, glaubt man zumindest der Führung des Gobierno de Canarias, welche in den Händen der Coalición Canaria ist. - Hier auf der Insel werkelt ein Pakt aus Sozialisten und Coalición Canaria und unser Inselpräsident ist der Sozialist Anselmo Pestana. - Der sieht das nun ganz anders und spricht von kleinen technischen Details, welche die Abrechnungen der einzelnen Projekte verzögern könnte. - Aber grundsätzlich hätte man alles nachgewiesen und auf der Straße glaubt man bereits an einen politischen Komplott, in dem man den Sozialisten Pestana auflaufen lassen will, und als Schuldigen hinstellen, welcher 12 Millionen "verschludert" hätte, damit man im kommenden Jahr als Coalición Canaria wieder besser im palmerischen Inselparlament punkten kann. - Das sind natürlich nur Vermutungen, Geschwätz vom Stammtisch, dem Friseur und Taxifahrern, aber eigentlich kennt man das hier schon, ein dreiviertel Jahr vor den Wahlen werden die alten Pakte gekündigt, möglichst mit klaren Schuldigen, um dann als Retter auftreten zu können. - Mich erinnert das mit dem "FDCAN" sehr deutlich an den "PlanE", der untere Zapatero Arbeitsplätze schaffen sollte, oder vor ganz vielen Jahren "La Palma Digital", als man überall in den Gemeinden Computer aufgestellt hatte. - Alle diese Maßnahmen verpufften fast gänzlich, kaputte oder unbetreute Computerterminals, komische Straßenbaumaßnahmen die niemand verstand oder brauchte, oder auch Begegnungszentren und Interpretationsräume, in denen sich niemand begegnet oder interpretierte. - Der "FDCAN" ist allerdings noch größer als "PlanE" und "Digital", aber auch hier fürchte ich, dass viel von dem Geld zwar nicht in dunkle, wohl aber in Kanäle fließt, welche einfach keinen Ausgang haben. - Aber wir lassen uns doch alle immer gerne positiv überraschen, und wenn man die politischen Spiele nicht so weit treibt, dass man gleich 12 Millionen Euro wieder von der Insel räumt, so lange soll mir das eigentlich ziemlich peripher an der Tangente vorbeitingeln. - Aber, der Wahlkampf ist eröffnet und ich bin mir ziemlich sicher, in den kommenden Monaten wieder von Leuten gegrüßt zu werden, die mich seit gut drei Jahren sicher nur zufällig übersehen haben.

Warum heute eigentlich ein Feiertag ist wird sich mancher fragen, und die Antwort heute sei doch Nikolaus, ist dabei nur bedingt zutreffend. - Sicher feiert man in vielen Regionen heute den Nikolaustag, aber als Feiertag dient uns hier der nunmehr 40. Geburtstag der Verfassung im Lande und darauf ist man dann schon stolz. - Dennoch hat es der Verfassungstag weiter nicht zum eigentlichen Nationalfeiertag geschafft, welcher immer noch dieser so verzwickte 12. Oktober bleibt, der "Día de la Hispanidad". Darüber habe ich aber auch schon mehr geschrieben, als mir eigentlich zusteht, also ehren wir heute die Verfassung, auch wenn wir uns um die Verfassung der Verfassung schon ein bisschen Sorgen machen. - Vierzig Jahre ist eigentlich kein Alter, aber solch ein "Maß aller Bürgerdinge" sollte dann schon auf dem "Laufenden" gehalten werden und in der Tat ist die Kritik an einem Reformstau in Sachen Verfassung schon von vielen Seiten aus groß. - Aber Änderungen oder Reformen von Verfassungen sind aus gutem Grund nicht so einfach, Zweidrittelmehrheiten in beiden Kammern, plus anschließendes Referendum bei Kernthemen, das muss erstmal erreicht werden. - Und das auch noch mit inzwischen 5 Parteien plus regionalen "Störkräften" im Parlament, kein Wunder, dass da die meisten Gruppierungen sich lieber dem gepflegten Populismus und der gezieltem Desinformation hingeben. - Konstruktive und progressive Arbeit an einer Verfassungsänderung ist den allermeisten Volksvertretern viel zu anstrengend und auch ein bisschen gefährlich. - Aber immerhin, der kleinste gemeinsame Nenner des geordneten Zusammenlebens hier im Lande wird vierzig Jahre alt und ich gratuliere in leicht ergrauter Weise. - Ich meine beide, also Carta Magna und ich, und natürlich kommt es immer auf die Verfassung an…

Es gibt Jahre mit viel Orangen oder Äpfeln und dann wieder Jahre, da muss man diese Früchte geradezu suchen. - Und nicht immer erkennt man Gesetzmäßigkeiten, sei es nur der Natur oder der Gentechnik geschuldet, manchmal weiß man einfach nicht, warum dieses Jahr ein Apfeljahr, ein Birnenjahr oder ein Hippiejahr ist. - Letztes Jahr gab es wenig dieser erfrischenden, aber meist nicht ganz frischen jungen Leute bei uns auf der Insel, vorletztes Jahr hingegen waren es viele. - Natürlich meist zum Überwintern, oder für ein paar Monate und es gab auch schon Jahre, da wurden es so viele, dass manch ein Bürger des kleinen Hafenortes Puerto de Tazacorte sogar das Eingreifen der Obrigkeiten forderte. - Aus den Höhlen hinauf auf dem Weg zum El Time hat man die Hippies wohl vertrieben, aber rumsitzen und jede Zeit zur guten Zeit machen, das ist auch hier eher ein "Delekt" als ein Delikt. - Gut, das mögen die Laden- und Gastronomiebetreiber dort anders sehen, mit jedem Recht auf ihrem eigenen Interesse, aber mir fehlt immer was, wenn es dort nicht dudelt, lacht, ein bisschen fantasievoller aufgeräumt wirkt als sonst, und von mir aus auch ein bisschen süßer riecht. - Vielleicht liegt es auch daran, dass ich vor mehr als 40Jahren selbst mal Hippie war, wenn auch nicht auf La Palma, sondern auf ein paar griechischen Inseln. - Ganz jung noch, von Piräus aus mit dem Dampfer "Elli" nach Kos, Ios und Naxos und ich glaube mich zu erinnern, dass uns damals die Leute dort auch nicht unbedingt geliebt haben. - Allerdings muss ich zugeben, dass wir seinerzeit eine komplett andere Gattung an Hippies waren. Wir konnten gerade mal saufen, Karten spielen und drei Griffe auf der Gitarre, A, D und G, aber damit hat auch der Wind geblowt und die Times gechanged. - Wir waren die Strandkönige, zumindest bis jemand mitbekam, dass um die Ecke am nächsten Strand jemand mit einer Gitarre saß, die sogar alle 6 Seiten hatte und der auch noch C greifen konnte, also wirklich alle Dylan-Strandhauer ablallern durfte. - Dagegen sind unsere Hippies hier in Puerto de Tazacorte wahre Hochleistungsblumenkinder, also die "Next Generation Plus", die jonglieren mit sieben Geräten gleichzeitig und können vier Instrumente mindestens und trällern Bachkantaten genau so unangestrengt, wie sie das Gitarrensolo von Highwaystar auf dem indischen Sitar zupfen. - Chapeau, meistens, aber immerhin, sie riechen noch genau so, wie wir damals auch, und warum eigentlich ertappe ich mich dabei meist froh zu sein, dass meine Kinder Wohnungen haben, Arbeitsverträge und nicht so sehr dem Vater nachstreben? Man sollte bei allem in sich hineinsehen auch immer darauf achten, dass man wieder herausfindet…

Kurz noch weiter im Puerto. - Ein Schiff fehlt, und was für eines. - Ob es nun wirklich die Rennjacht des Königs war, oder "nur" das Trainingsschiff der spanischen Olympiamannschaft, auf dem der König mal war, ich weiß es nicht. - Wir sprechen von der "Hispania", die 1988 gebaute 24 Meter-Jacht liegt seit 2014 in Puerto de Tazacorte und sollte eigentlich wohl mal als Charterboot Interessenten einen Segeltörn der sportlichen Ausnahmeklasse ermöglichen. - Warum das nicht richtig funktioniert hat, darüber gibt es viele Vermutungen, auf jeden Fall war dieses Schiff immer eine Augenweide, selbst für solche Landbären wie mich. - Irgendwann aber zog das Schiff aus dem schützenden Hafen hinaus auf Reede, so nennt man das wohl, wenn mal vor dem Hafen liegt, und damit eben auch den winterlichen Wellen schutzlos ausgeliefert. - Anfänglich noch zog man das Schiff bei ganz schwerer See noch zurück in den Hafen, dann aber lag die "Hispania" nur noch draußen vor Tazacorte und jetzt bei der gewaltigen Dünung Mitte November legte eine Welle das Schiff auf Halbmast. (Landrättisch ausgedrückt für Mastbruch) - Viele wetteten bereits auf den Untergang der "Hispania", aber das Schiff war nicht nur stolz, sondern eben auch so gut gebaut, dass es der gewaltigen Dünung bislang widerstanden hat. - Jetzt ist das Schiff aber dennoch weg, geschleppt sagt man, von einem Katamaran. - Wohin, darüber gibt es unterschiedliche Aussagen, einige sagen nach Tenerife, andere sagen, man zog es Richtung El Hierro. - Schade, dass La Palma diesem wunderschönen Schiff kein Glück gebracht hat, ich dachte eigentlich, das passt.

Was aber wieder passt, das ist die älteste Kiefer der Kanarischen Inseln, die "Pino de la Virgen" in El Paso. - Mag halt einfach so sein, dass La Palma eher für alte Bäume taugt und wirkt, als für schnittige Rennboote. - Dem Baum zumindest scheint es wieder besser zu gehen, nachdem man schon Angst hatte, dieses Wahrzeichen der Westseite, oder wohl eher sogar der ganzen Insel zu verlieren. - Mehr als achthundert Jahre misst man dem Baum zu, Wissenschaftler aus Gran Canaria hatten das mal ermittelt. - Aber eben auch, dass wir schlecht mit der Kiefer umgegangen sind, in dem man Ende des letzten Jahrtausend den Vorplatz der Wallfahrtskirche, deren Namensgeber der Baum ist, so gestaltet hatte, das man die unteren vier Meter des Stammes mit eingegraben hat. - Ob das nun wirklich die Ursache für das kränkelnde Aussehen des Baumes war, das weiß man nicht, aber nun hat man den gesamten Vorplatz der Kirche erneut umgestaltet und dabei eben dem Baum seinen unteren Teil des Stammes wieder zurückgegeben. - Es ist gelungen, da haben sich ein paar Leute wirklich Gedanken gemacht, denn man hat das nicht einfach wieder in den Ursprungszustand zurückgebaut, sondern gleichzeitig den Vorplatz der so wichtigen und bekannten Wallfahrtskirche neu gestaltet, und so gut wie keinen Platz für die vielen Pilger und Veranstaltungen verloren. - Wenn man genau hinsieht, glaubt man auch bereits ein satteres Grün der Nadeln der mächtigen Kiefer zu sehen, aber es hat eben auch gut geregnet die letzten Wochen und wenn es um dieses emblematische Kunstwerk der Natur geht, um den "Pino aller Pinos", dann sind wir Leute aus El Paso immer ein bisschen sehr voreingenommen. - Chapeau, gut gemacht, aber wem es eingefallen ist, das Bauschild genau in den Blick aller ankommender Besucher zu stellen, der sollte hundert Vaterunser, zweihundert Avemaria, und das alles einbeinig links herum hüpfend um den Baum beten müssen. - Aber sicher ist das wieder nur mir aufgefallen…




die stolze Hispania im Jahr 2014




und hier nach dem Mastbruch 2018
Bilder von Federico





der Pino de la Virgen im Jahr 2014






der gleiche Baum und der neu gestaltete Vorplatz heute





und der Grund für die Vaterunser



Donnerstag 01.11.2018 17:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 23 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 44 % - Luftdruck 1021 hPa
Höchsttemperatur heute 23,8 Grad - niedrigste Temperatur 15,3 Grad

Plaudereien am atlantischen Kamin
Was die Anderen übrig lassen


Das Wetter lässt sich bislang erfreulich an, schließlich haben wir Winter, oder sagen wir besser Regenzeit. - Das mit den vier Jahreszeiten stimmt hier auf den Kanaren eh nicht wirklich, und der Spruch mit dem ewigen Frühling, genau so wenig. - Eigentlich kennen wir nur Sommer und Winter und übersetzen das so: Die Jahreszeit, in welcher es überhaupt nicht regnet, und die andere Jahreszeit. - Also jetzt hat die andere Jahreszeit begonnen und da wir uns eher Sorgen um unseren Wasserhaushalt machen, als um die Sonnenstunden, dürfen wir vermelden, der Oktober hat hier auf der Westseite bereits an die 50 Millimeter Niederschlag gelassen. - Auf der Ostseite natürlich deutlich mehr, die bekommen nicht nur den Regen eines einlaufenden Tiefs ab, sondern immer auch noch die Nachwehen, wenn auf dem Atlantik bereits wieder das Azorenhoch regiert und so den Wind mitsamt Feuchtigkeit als Passat an die Nord- und Ostseite der Insel bläst. - Locker die doppelte Menge an Niederschlag haben die erhalten, aber dass alles in der Welt mindestens zwei Seiten hat, nicht nur die Wurst, das wissen ja auch deutlich schlauere Leute als wir. - Auf der Westseite allerdings bringt der Passat nichts, außer Fallwinden im Aridanetal, wir sind auf die knappen Tiefdruckgebiete angewiesen, welche eben ausschließlich im Winter der Azorenhochschleuder entgehen. - (Hochschleuder als Wortspiel, da es die vom Westen her anbrausenden Tiefs so weit in den Norden, also nach "oben" schleudert, dass diese nicht bis "runter" zu den Kanaren wirken können.) - Ganz wichtig aber dabei ist nicht nur die Menge des Niederschlags, sondern natürlich auch noch wie der Regen fällt, und am allerliebsten ist uns da die Hamburger Version, langsam und stetig. - Und genau so hat das auch funktioniert hier bei uns im Westen, keine Starkregen, sondern für die Landwirtschaft gut brauchbare Niederschläge ohne negative Folgen.

Einfach nur nach der Regenmenge die Jahre für den Wasserhaushalt zu bewerten ist nämlich sehr zweifelhaft. - Kurze Starkregen bringen mehr Gefahren mit sich als Nutzen, alles was die Erde nicht schnell an Niederschlägen aufnehmen kann, läuft sonst eben ungenutzt in den Atlantik und nimmt auf seinem Weg dahin auch noch die knappe und kostbare Schicht an Humus mit, welche diese junge Insel in ihrer kurzen Lebensperiode anhäufen konnte. - Betrachtet man das Inselrelief, dann wird einem auch schnell klar, wie das Wasser und damit die Erosion diese Insel beeinflusst, und in ein paar Millionen Jahren wohl auch dafür sorgen wird, dass dieses Eiland wieder unter dem Meeresspiegel versinkt. - Aber das Wasser birgt auch akute Gefahren, nicht nur in geologischen Zeiträumen betrachtet, und Gedanken an Mallorca in diesem Jahr oder Madeira vor ein paar Jahren machen uns das immer wieder klar. - Dennoch kann das auch bei uns passieren, es muss nur die falsche Niederschlagszelle am falschen Hügel "kleben" bleiben und schon reißt auch bei uns ein fließender Barranco alles mit in die Tiefe, was Menschen in die Nähe des natürlichen Wasserablaufs gestellt haben. - Meist sind die Leute ja so weise, nicht in, oder an eine Schlucht zu bauen, aber nicht immer erkennt man die Gefahren, oder will davon einfach nichts wissen. - Dabei weisen die Risikopläne der Insel sogar klar darauf hin, selbst die größte Stadt der Insel, Los Llanos de Aridane wird von zwei Barrancos durchzogen, welche man allerdings ohne wache Augen gar nicht wahrnehmen wird. - Sicher hat der "Barranco Tenisca", welcher vom Riachuelo in El Paso bis hinunter nach Tazacorte führt, in den letzten Jahrzehnten nicht mehr durchgehend Wasser geführt, allerdings ist der Spruch der alten Leute, dort wo Wasser floss, wird auch wieder Wasser fließen, vielleicht besser in Erinnerung zu behalten. - Nicht auszudenken was passieren könnte, sollte sich eine fette Niederschlagszelle aus Südwesten an den Südhängen des Bejenado stundenlang abregnen, und den Barranco Tenisca somit wieder mit Wasser bis zu seiner Mündung in Puerto de Tazacorte bestücken. - Ich will da niemandem Angst machen, allerdings ist ein solches Szenario viel wahrscheinlicher, als jegliche Gefahr durch ein vulkanisches Ereignis auf unserem Inselchen. - Wer die Risikopläne innerhalb des Raumordnungsplans (PIOLP) der Insel alle mal studieren will, (Wasser, Vulkan, Feuer) der kann sich HIER versorgen und das ist nun erneut der Moment, in dem alle Inselmakler mich wieder hassen…

Die Winterzeit ist allerdings auch die ökonomisch bessere Jahreszeit für die Insel, da nun wieder das internationale touristische Halbjahr angelaufen ist. - So viele Flüge wie noch nie aus dem Ausland, wobei besonders Deutschland wieder als geballte Urlaubsmacht auftritt und man kann sich erneut fragen, wo sollen denn die Leute alle unterkommen, wenn wirklich sämtliche angekündigten Flieger voll bei uns landen werden. - Da fürchten Beobachter aus der "Bettenbranche" natürlich gleich wieder ein Streichprogramm der betriebswirtschaftlichen Art der Fluggesellschaften, und solch ein Hin und Her mit den Flugverbindungen ist niemals gut für nachhaltige Planungen. - Immerhin hat man es schließlich geschafft, mit dem "Kunstgriff" "Vivienda vacacional" eine legale Form der privaten Ferienvermietung zu schaffen, welche viele Anbieter endlich und nötig aus einer bislang ungeregelten Ecke heraus holt. - Man kommt ziemlich einfach an diese Papiere, die Gemeinden und die Inselregierung sind fleißig dabei, allerdings sollten alle Nutzer wissen, das Ding rund um die "Vv" ist noch nicht komplett zu Ende gedacht und dreht in Teilen auch noch die Runden durch juristische Instanzen. - Grundsätzlich kann man aber nur jedem Häuslebesitzer raten, welcher bislang ohne gesetzlich Grundlage sein Haus dem geneigten Gast angeboten hat, sich in diese Schiene zu begeben.

Aber lassen Sie uns kurz auch die möglichen Folgen betrachten. - Gerade im städtischen Bereich tragen solche Angebote nämlich zur weiteren Gentrifizierung bei, was auf La Palma noch nicht wirklich deutlich spürbar ist, und in den touristischen Zonen kann geballtes Auftreten von privaten Zimmern schon dazu führen, dass die Hoteliers sich angegriffen fühlen. - Das darf man ruhig ein bisschen weiterdenken, denn auch für La Palma deutet sich hier eine mögliche Gefahr an, welche die Verfügbarkeit von Flugmöglichkeiten auf die Insel einschränken könnte. - Die Reiseveranstalter sind bislang die Garanten für die Fluggesellschaften, auch die Route nach La Palma zu bedienen, läuft aber das Geschäft zukünftig eher an den "Tour Operaters" vorbei, und hauptsächlich über die, wie soziale Medienpilze aus dem Boden schießende Portale wie die Luftmatratzenfrühstücker (Airbnb), dann könnten solch kleine, und mit viel Risiko für die Reiseveranstalter behafteten Ziele wie La Palma schnell wieder hinten runter fallen und wir ganz den Launen der Billigflieger ausgeliefert sein. - Da dreht sich der Wind so schnell, dass man noch gar nicht so genau weiß, wie man denn seine Flügel halten soll und bei all dem, für uns viel zu schnellen Wandel, gibt es immer wieder noch die Hoffnung, dass alle neuen "Hypes" auch immer lukrative Nischen hinterlassen. - Für solch kleine Krauter wie uns, also "La Palma Urlaub" allemal, wir sind sowieso die Nische der Nische und hoffen, dass uns die großen Portale so viel Luft lassen, dass Atmen nicht zum Japsen wird. - Allerdings bleibt auch wieder im touristischen Geschäft für die Insel die wenig schmeichelhafte Aussage: Es ist eigentlich völlig egal, ob wir an einer touristischen Marke basteln, oder einen strategischen Plan aufstellen, die Infrastrukturen für Besucher zu verbessern, unsere touristische Zukunft wird nahezu gänzlich von außen bestimmt. Wie ein solch kleines "Produkt", welches unsere Insel letztendlich in dieser "Industrie" darstellt, überhaupt in den Rahmen globaler Finanzinteressen passt, das wird sich zeigen müssen.

Tourismus, Landwirtschaft, das sind, neben den Einkünften aus staatlichen Zuwendungen, zu denen ich auch Renten und Gehälter der öffentlichen Dienste zähle, die privaten Säulen unserer Inselvolkswirtschaft. - Die Zahlen, wer denn nun da die Vorherrschaft hat, die lassen sich gnädig dehnen, es kommt halt immer darauf an, zählt man die Subventionen mit, die Einkünfte aus Synergieeffekten und wie weit man in die letzte Reihe der Wertschöpfungskette vordringt. - Geschenkt, wer denn nun mehr zum "Ibp" beiträgt, also zum Inselbinnenprodukt, auf zwei Beinen steht es sich zwar ausgeglichen, aber niemals so gut, wie auf vier, oder gar noch mehr tragenden Säulen. - Industrie ist zu verwerfen, weit von den Kontinenten, noch dazu doppelte Insellage, denn alle Güter kommen und gehen über Tenerife, die Mutter aller Inseln, und überhaupt, was sollen wir Improvisationskünstler und Nischentüftler denn überhaupt produzieren, was Andere nicht besser, wahrscheinlich noch günstiger, sicher aber billiger als wir herstellen können. - Es gibt Gedanken über Energieproduktion, welche auch exportiert werden könnte, aber das mal grob nachgerechnet, und selbst noch ohne "Tesla- Handicap", ist das auch ein schwieriges Geschäft und wohl anderswo deutlich effektiver zu erledigen. - Wir könnten auch auf "Offshore" machen, also Jersey oder Cayman für Arme, oder besser für Reiche mit Armen, aber dann sind wir ja doch irgendwie wieder Europa und ein Teil Spaniens, und irgendwie passt das doch auch gar nicht zu uns.

Irgendwas mit Hochtechnologie, also was Kleines, Leichtes, was man nicht transportieren muss, nicht lagern und was auch nicht so leicht kaputt geht und dafür können sich sogar noch mehr Leute begeistern als nur ich. - Allerdings schoss unser Lieblingspräsident aller Präsidenten dann doch zu schnell vor, als er bereits vor fast einem Jahrzehnt einen Technologiepark plante und sogar die Anschubfinanzierung bereits auf dem Papier hatte, es kam einfach keiner, der dort am Flughafen unserer Insel sich niederlassen wollte um hoch zu technologisieren. - Aber so ist das halt, richtig kluge Köpfe sind ihrer, oder sollten wir sagen, unserer Zeit meist voraus. - Oder ist es etwa einfach nur naiv, uns als Guanchensiliconvalley anzubieten? - Vielleicht liegt es auch daran, dass wir eher mit Silikon als mit Silikat umgehen können, meist besonders reichlich nach dem ersten Regen. - Dabei haben wir die allerbesten Voraussetzungen dafür bereits geschaffen, oder vielleicht gerechter gesagt geschenkt bekommen, denn die Idee, auf unserem höchsten Berg, dem Kumpelberg, dem Roque de Los Muchachos, ein Observatorium vom Allerfeinsten hinzustellen, das was ursprünglich auch nicht unsere eigene Idee.

Zusammen mit Izaña auf Tenerife bilden unsere vielen Teleskope das "IAC" das "Instituto Astrofísico de Canarias" und neben Hawaii und Chile sind unsere Apparate die führende Technologie der Astrophysik auf der Welt. - Noch haben wir mit dem "Grantecan" sogar das größte optische Spiegelteleskop, und neu die größten Cherenkov-Teleskope der Welt, und niemand aus der Branche der Sternengucker kommt in seinem Metier an uns vorbei. Auch wenn uns gerade ein Rückschlag erreicht, denn das erhoffte 30 Meter Teleskop, das so genannte "TMT" soll nun doch auf Hawaii gebaut werden, und nicht bei uns auf dem Dach der Insel. - Gut, wir waren immer nur der Plan B für das Riesending, aber wir hatten uns wohl Hoffnungen gemacht, nachdem es hieß, dort auf Hawaii könnte es Probleme mit der Aufstellungsgenehmigung geben. - Das hat sich nun Anfang dieser Woche geklärt, die Baugenehmigung wurde wohl von einem Gericht dort bestätigt und so rücken wir ein deutliches Stück weiter weg, von B nach A zu rücken. - Ganz raus aus dem Rennen sind wir aber dennoch nicht, es gibt auf Hawaii seitens einiger Einwohnergruppen Widerstand gegen weitere Observatorien auf deren Berge. - Macht nichts, mit den bereits dort auf dem Roque installierten Teleskopen sind wir bereits Weltspitze und haben immer wieder bewiesen, dass wir auch größer können als Bananenrepublik, allerdings ist es uns bislang nicht wirklich gelungen, auch Forschungsstandort zu werden. - Das droht so ein bisschen, dass zwar bei uns die technischen Installationen stehen, die Beobachtungen aber woanders kontrolliert werden und sowieso die Forschung. Dazu sollte man vielleicht noch einen Hebel suchen, um kompletter Standort zu werden, nicht nur Bereitstellungsraum für Hochtechnologie. - Wo dieser Hebel liegt, und wie der überhaupt aussieht, das weiß ich nicht, aber irgendwie die Angelegenheit mit einer physikalischen oder überhaupt naturwissenschaftlichen Fakultät einer Universität zu verknüpfen, könnte doch so verkehrt nicht sein. - Vielleicht sollte man ja sogar über den eigenen kanarischen Horizont hinaus mal was versuchen, weit gucken ist doch eh ein Teil des astrophysikalischen Modells, und wenn die Propheten und Profen des eigenen Landes schon nicht hören und spuren, dann könnten wir es doch auch mal mit Bildungsimmigration versuchen. - Also Hirnimport statt Hirnflucht, und dieses Bild müssen Sie mir gestatten, denn "Fuga de cerebro" also Hirnflucht, so nennt man hier das Phänomen, wenn die Klugen gehen, und wir bleiben.

Gut in den Zusammenhang passt, dass man inzwischen auch die touristische Möglichkeit sieht, auch interessierten Laien die guten Beobachtungsmöglichkeiten der Insel näher zu bringen. - Bislang wächst das alles auf sehr privater Basis, nun aber hat man uns das Projekt eines Zentrums für Sternenbeobachtung präsentiert, welches sich eben an uns Normalastros richtet. - Und gut gemacht, das Zentrum liegt nicht auf dem Roque selbst, ist auch nicht Teil des dort gerade in Bau befindlichen Besucherzentrums, sonder diese Station befindet sich besuchernah im oberen Teil des Aridanetals, genauer gesagt in El Paso, nämlich in Mendo. - Manchem klingelt bei dem Namen "Mendo" alter Schlager, manchem auch altes Zeug, und in der Tat, dort wo das zukünftige "Centro de Apoyo Ambiental y Recreativo" stehen soll, dort hat man viele Jahre lang den gesamten Inselmüll verbrannt und später Sperrmüll zwischengelagert. - Im Jahr 2006 wurde das Gelände dann aber geschlossen und über mehrere Jahre hin aufwendig versiegelt und zurückgebaut. - Allerdings ist man ganz vorsichtig in Sachen wann denn dieses Zentrum zur Verfügung stehen kann, und so ganz privat erzähle ich Ihnen auch noch, dass hier auf der Insel im kommenden Jahr Wahlen sind, wir also manches Projekt vorgestellt bekommen, dessen Halbwertzeit eher vierteljährlich neu berechnet werden sollte. - Aber der Weg ist richtig, auch wenn die Brücke noch nicht da ist.

Als Familiennachrichten habe ich leider die schlechte Kunde, dass eine unserer ältesten Katzen nicht mehr lebt. - Mops, der große, graue Kater ist letzte Woche gestorben, es ist der erste Verlust aus dem "Inneren Kreis" unserer achtköpfigen felinen Schar. - Wir hatten ja bereits mehrere Tiere aus der Umgebung aufgenommen, welche bereits so krank waren, dass es eigentlich nur noch um das Wann und Wie ging, aber so richtig aus der Familie, also nach zusammen fast 12 Jahren, das war dann noch ein anderer Brocken. - Nierenversagen, keine Chance mehr, eine "Zivilisationskrankheit" wie man sagt. - Allerdings hat mir der sanfte Riese die Angelegenheit ganz einfach gemacht, er ist eines Nachts selbst gegangen, ich musste ihn erst gar nicht auf den Edelstahltisch des Tierarztes heben, für den letzten Dienst. - Damit hat er mir einen riesigen Gefallen getan, ich habe doch immer so viel Angst davor entscheiden zu müssen, wann es denn so weit ist, das Leben eines anderen Individuums zu beenden, um eventuelle Qualen zu verhindern. - Mops lag die letzten zwei Wochen meist unter seinem Lieblingsbaum, der großen Sapote gleich neben unserem Wohnhaus. - Er hatte ja kaum noch Kraft, aß und trank aber immer noch ein wenig von den gereichten Leckereien, und noch bevor eben die Entscheidung getroffen werden musste, geht es noch, oder quält er sich schon, da lag er morgens bereits tot unter seinem Baum. - Friedlich, und da liegt er weiterhin, ein bisschen tiefer, mit viel guter Erde über sich.




Die Regenzeit ist da. - Das einzige Gewitter diesen Winter, dauerte nur 10 Minuten und war dann wieder weg






Natürliche Abflüsse Westeite der Insel, aus dem PIOLP





Farewell sanfter Riese





Donnerstag 04.10.2018 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 22 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 60 % - Luftdruck 1015 hPa
Höchsttemperatur heute 24,3 Grad - niedrigste Temperatur 19,8 Grad

"Noble" geht die Welt nach Tazacorte
Inselthema tunnelt sich ins Aus


Monatelang haben wir uns hier auf der Insel um die "Mutter aller Probleme" die Köpfe heiß geredet, und als das Problem dann da war, dann wurde es zum Fliegenschiss. - Martin und Angela haben wenige Gemeinsamkeiten, allerdings ist Ausharren, oder Wegmerkeln, oder eben Ausbrettern, dann doch irgendwie die selbe Philosophie: So schlimm wird es schon nicht werden, wie Pack, Pöbel und Journaille das auch schildern und erwarten mögen. Allerdings geht es hier nicht um Migranten, also auch um mich, sondern um den Tunnelblick. - Keiner spricht mehr darüber, dass nun nachts für ein paar Stunden der alte Tunnel gesperrt ist und man zwischen Mitternacht und 06:30 Uhr über den Süden oder das Refugio El Pilar fahren muss, wenn man von der Ost- auf die Westseite der Insel will. - Man könnte das auch so beantworten, es will eigentlich um die Uhrzeiten eh niemand diesen Weg auf sich nehmen, und wenn, dann hat er es eh nicht anders verdient, als 20 Minuten seiner kostbaren Lebenszeit zusätzlich auf die Straße schütten zu müssen. - Wir haben wahrlich andere Probleme, fast schämt man sich jetzt auch ein bisschen dafür, darüber so einen großen Aufstand gemacht zu haben und wenn ich mich richtig erinnere, gab es sogar Rücktrittsforderungen gegen unseren Rat für Straßenbau im Inselparlament, wegen der der Causa Tunnel. - Wer den Rücktritt fordert, der tritt selbst hinein, nicht nur ungeschriebenes, sondern sogar noch jungfräuliches, wie unbeachtetes Gesetz, weil´s einfach viel zu schön wär´.

Der Sommer will noch nicht so richtig weichen, obwohl wir bereits die "Sol picante" hatten, also die "stechende Sonne". - Dieses Phänomen tritt meist in der Winterzeit auf, da der Hintergrund extrem saubere Luft ist, also frei von Saharastaub, Nebel oder anderer Schwebstoffe, welche als Filter, wenn auch unbeabsichtigter, dienen könnten. - Dann sticht die Sonne spürbar auf der Haut und selbst manche Pflanzen leiden darunter, empfindliche Blätter bekommen braune Stellen und unbedarfte Wanderer in unseren Bergen einen Sonnenbrand, welcher mit den Ausdruck, sich gewaschen zu haben, völlig falsch beschrieben wird. - Aber schon lugt auch schon ein kleines Tief herüber, so klein, dass man es auch locker nur als "Störung" bezeichnen könnte. - Allerdings bereits eine wintertypische "Störung" für unser Wettergeschehen. Das Azorenhoch war nicht kräftig genug, um eben dieses "Tiefchen", wie sonst üblich, auf dem Nordatlantik zu halten und strikt nach Mitteleuropa zu drücken. - So kann es ab Sonntag/Montag bereits zu den ersten winterlichen Niederschlägen kommen. - Damit meinen wir Regen aus dem Westen und damit auch die einzige Möglichkeit überhaupt, Niederschläge ins Aridanetal zu bekommen. - Darüber hinaus könnte uns diese "Störung" auch eine Weile begleiten, da nach Norden hin noch weitere Tiefs warten und sich so schnell auch kein neues Azorenhoch bilden kann, welches uns dann wieder Wetteralltag bringen wolltw. - Ob uns wirklich bereits der erste Winterregen beschert wird Anfang kommender Woche, das ist jetzt noch nicht sicher, auf jeden Fall ist da kein Monster unterwegs mit Starkregen oder Sturm, sondern eben nur der zweite Fingerzeig, nach der "stechenden Sonne", dass nun der Sommer auch bei uns Altersflecken bekommt.

Das Inselthema überhaupt seit ein paar Tagen aber ist der erste Besuch eines Kreuzfahrtschiffes im Hafen von Tazacorte. - Wobei die Einschränkung erlaubt sei, das allererste Schiff war die finnische "Kristina Regina", welche im Dezember 2002 zur ersten Einweihung des neuen Hafens von Puerto de Tazacorte gekommen war. Allerdings schließt sich hier gleich doch wieder ein Kreis, denn die damalige "Kristina Regina" und die heute im Hafen liegende "Island Sky" haben wohl Gemeinsamkeiten. - Beides sind "Old Fashion Vessels", also Schiffe, welche so aussehen, wie man das noch aus den Zeiten des "Blauen Bandes" kennt. - Und da setzt wohl auch der Hebel der "Noble Caledonia" an, der Reederei, welche die "Island Sky" und ein paar andere gleichgesinnte Fahrzeuge durch die Weltmeere und Flüsse schickt. - Gegen die monsterhaften schwimmenden Städte, welche die modernen Massenverschickungsfrachter, als Schiffe verkleidet das Kreuzfahrtsegment endgültig aus dem "Dunstkreis Christlichen Seefahrt" ins Industriesegment schipperten, siedeln und "segeln" ein paar kleine, meist auch feine Nischenanbieter, die zwischen Nostalgie und Individualismus eine Spalte wie auch Sparte wittern. - Das kennen wir hier nur zu gut, Nischen belegen ist unsere Spezialität, allerdings oft leider nicht aus trefflicher Weisheit, sondern meist aus Unterlassung. - Ein, mir wohlbekannter Teil meines Seins, die bräsende Zynismusdrüse, die hat sogar mal den Satz geformt: Wir sind immer zu spät dran, auf irgendeinen Zug aufzuspringen, meist rettet uns das aber vor dem Globalisierungsvor- rück- und zuschlag. - Allerdings selbst für das "Slow-Movement" zu langsam zu sein, das macht uns dann doch einzigartig.

Schluss mit den Wortspielereien, irgendwie muss man doch dem verlorenen Hafen von Puerto de Tazacorte, oder wie man auch gerne sagt, dem Hafens des Aridanetals, ein Sinn geben. - Zweimal in den letzten 15 Jahren neu eingeweiht, weil gleich zweimal, für insgesamt an die 80 Millionen Euro ausgebaut. Und dennoch findet sich einfach keine Reederei, oder auch kein Ziel, welches der eigentlichen Aufgabe dieses Hafens, nämlich Fracht- und Fährverkehr aufnehmen soll. - Beide Erweiterungen sollten Dynamik, Arbeitsplätze und damit Wohlstand nach Tazacorte bringen, aber das ist nur zum Teil geschehen. - Immerhin, die Fischerboote liegen nun sicher im Hafen und die Marina ist schick und nützlich geworden, allerdings waren dafür die Euro-Millionen nicht vorgesehen, sondern eben für einen Fracht- und Fährhafen. - Allerdings liegt Puerto de Tazacorte schlichtweg auf der falschen Inselseite, denn so gut wie alle Schiffe, welche La Palma anlaufen, kommen aus Tenerife und fahren auch dort wieder hin. - Die Mutter aller Inseln liegt allerdings östlich von uns, und um Tazacorte, also die Westseite zu erreichen, müssten die Schiffe etwa eine Stunde Fahrzeit mehr aufwenden. - Darüber hinaus hat der Hafen von Puerto de Tazacorte überhaupt keinen Infrastruktur, keine Kräne und was man sonst noch braucht, um "echte" Schiffe zu be- und entladen, und darüber hinaus sind beide neuen Molen für "echte" Schiffe auch deutlich zu kurz geraten. - Lediglich El Hierro könnte von Puerto de Tazacorte aus ohne Umweg angefahren werden, allerdings gibt es so gut wie überhaupt kein Frachtaufkommen zwischen El Hierro und La Palma und Passagiere, an guten Tagen vielleicht gerade im zweistelligen Bereich. - Das hatte man schon mal zwei Sommer lang versucht, die Reederei Armas schickte die "Volcán de Tauce" zu uns nach "Tarajal", wie der Hafen von Puerto de Tazacorte auf offiziellen Blättern heißt, auf dem Weg von El Hierro nach Santa Cruz de La Palma. - Dabei fuhren mehr Leute von Tazacorte nach Santa Cruz, als von El Hierro nach La Palma und als die Subventionen dafür ausliefen, war auch Armas unsere Inselseite kein Schiff mehr wert.

Ein paar Großsegler sind gekommen, allen voran die Alexander von Humboldt 2, welche das eigentliche Eröffnungsschiff für die neueste Mole war. - Glossig dabei, das Schiff musste noch am Abend von der neuen, neuen Hafenmole an die alte, neue Hafenmole verlegen, da das Wasser an der neuen Neue zu bewegt war für die Nacht. - Seitdem legen alle Schiffe, eben diese Großsegler wie die Alex2, die Alva oder die Salomon gleich an der alten, neuen Mole an und lassen das neuere Bauwerk draußen liegen. - Aber das riesige Gelände vor der neuen, neuen Mole, das wird gerne genutzt, mal um den vielen Kindern der Insel das Fahrradfahren beizubringen, mal um einem Konzert Raum zu geben, oder eben einfach nur, um auch mal eine Strecke auf der Insel zu joggen, welche keine Höhenmeter bolzt. - Aber ein Hafen ist eben nur ein Hafen, wenn dort auch Schiffe verkehren und so versucht man alles erdenkliche, um auch den Hohn der Bevölkerung loszuwerden und die investierten Millionen ein bisschen zu rechfertigen. - Da kommen eben Kreuzfahrtschiffe genau recht, denen es eben egal ist, ob ein Hafen eine Stunde weiter weg ist als ein anderer, und ob es dort Hafentechnik für ein Frachtterminal gibt. - Allerdings entwickelt sich ja das Kreuzfahrgeschäft in Richtung Megalomanie, und wie bereits erwähnt, man hat in Puerto de Tazacorte lieber gleich zwei Stummelmolen gebaut, als eine, welche auch ein Schiff mit Normalgröße aufnehmen könnte. - So kann man doch noch eine schöne Geschichte basteln, eben aus dem kleinen Hafen und den kleinen Schiffen, welche eben diese Nischen belegen, und wenn dann noch dazu ein solches der "Noble-Kategorie" daher kommt, dann wittert man selbst bei uns einen Erfolg. - Das Schiff mag zwar bereits etwas älter sein, 1992 gebaut, aber liest man den Katalog der Reederei, der "Noble Caledonia" dann wird einem schnell klar, für rund 500 englische Pfund am Tag, pro Person, da muss schon was geboten werden, was eben Aida und Carnival nicht können und auch nicht wollen. - Liest man den Katalog weiter, dann erfahren wir, dass das Schiff bereits am 8. Oktober wieder bei uns erwartet wird, um dann weiter auf die Kapverden zu fahren. - Ob das aber bereits einen dauerhaften Besuchstermin hergibt, das wissen wir natürlich nicht.

Hätten wir, oder zumindest unsere noblen Inseloberen gerne, und so hat man den vergessenen Bahnhof am Hafen heute zumindest nachgeholt. - Apropos zu langsam. Die Passagiere der "Island Sky", an die 90 rüstig bis rostige Kronjuwelen mit Brexit-Zukunft, die waren bereits in unseren besten zwei Bussen vor der Einweihung entschwunden, die Insel zu erkunden. - Man muss halt früher aufstehen, um Rentnern den Tag mit dusseligen Reden madig zu machen und so können wir nur hoffen, dass diese muntere Schar unsere Insel an der lieblichen Landschaft wiedererkennt, wenn man Zuhause die 14.000 Bilder der neuntägigen Kreuzfahrt auf die Platte lädt. - Meine Frau frug mich noch, warum man denn überhaupt dann die Politiker, bis rauf in die Höhen des Gobierno de Canarias holt, wenn die Gäste bereits den Rollator im Bus verstaut haben, und man muss halt ganz einfach anerkennen, es geht dabei einzig um das gute Gewissen und noch mehr um die gute Presse. - So erwartet man eben auch von den Medien den Hinweis, die "Island Sky" läutet das Erwachen des Hafens von Puerto de Tazacorte ein und Dank der weisen Entscheidungen, gleich zwei Hafenmolen zu kurz zu bauen und lediglich 80 Millionen europäische Euro in den Atlantik gelegt zu haben, sind heute 90 britische Rentner auf der Insel, welche unserem Eiland mit Reichtum drohen. - Man nennt solche Krüppelhäfen dann einfach "Puerto Boutique", man muss eben nur phantasievoll sein und bessere Autoren haben als Welke oder der Postillion. - Die Geschäftsleute der Gemeinde wurden sogar per Schreiben aufgefordert, doch heute ganz freundlich zu sein, schließlich wollen wir uns von der besten Seite zeigen, allerdings waren Besucher bereits in El Paso das Seidenmuseum besuchen und wurden anschließend noch in die Berge gekarrt. - Ich fürchte mal, da bleibt nicht viel kleben, also finanziell gesehen, aber vielleicht erzählen die Reisenden ja nach der Heimkunft, welch nettes indigene Volk auf diesem kleinen Inselchen sie empfangen hat , und dass man da unbedingt mal wieder hinreisen muss um Glasperlen zu verteilen.

Also, Hafen und Schiffsgröße passen schon mal zusammen, und ein bisschen gibt das auch die Brötchengröße vor, welche wir vielleicht backen sollten. - Tückisch bei der Kreuzfahrt für die besuchte Region ist auch, dass die Ausflüge wohl schon bereits im Reisepreis inbegriffen sind, also so gut wie kein Gast des Schiffes sich heute aufgemacht hat, Puerto de Tazacorte den Reichtum zu bringen. - Macht aber alles nichts, nun kann niemand mehr sagen, der Hafen ohne Schiffe, und alle Zyniker werden höflich, bestimmt und nachhaltig aufgefordert, den Hafen "Tarajal" nicht mehr als den Schildas zu bezeichnen, sondern als Tor zu Welt des Aridanetals. - Ganz böse Zungen behaupten ja auch, der Hafen von Puerto de Tazacorte sei gar kein doppelter Flüchtigkeitsfehler der Mario Barth-Klasse, sondern von den Portugiesen (so nennt man bei uns auf der Insel die Bewohner der Hauptstadt Santa Cruz) extra so schräg geplant, dass mit den Mölchen dort im Westen die Vormachtstellung des wirklichen Hafen La Palmas nicht gefährdet wird. - Hier ziehe ich mich aus der Vermutungsschraube heraus, denn die Empfindlichkeiten zwischen West und Ost, die verstehe ich weder zwischen Rhein und Oder, noch eben diesseits oder drübschererdings auf der Insel. - Ich glaube ja doch eher, da hat irgendein Planer sich beim Planen falsch herum vor das Inselrelief gesetzt und dabei gar nicht gemerkt, dass Tenerife auf der anderen Seite liegt. - Nun warten wir noch auf die Millionen aus Europa, um die Insel zu drehen, und ich hoffe inständig, dass das nicht wieder der gleiche Ingenieur macht, welcher eben das Doppelte Molchen geplant hat. Sonst könnte es sein, dass die Insel nicht von West nach Ost, sondern von oben nach unten gewendet wird, denn drehen und wenden ist halt nicht gedreht wie gewendet. - Dann liegt zwar Tazacorte auch im Osten, also näher an Tenerife, aber da die Mole selbst für ausgewachsene U-Boote zu klein ist, könnte das auch eher suboptimal enden. - Mal sehen, was draus wird, 90 Briten machen noch keinen Frühling, und irgendwie hatte ich mir das mal anders vorgestellt, als man ausrief: Her mit den kleinen Engländerinnen!





Heute an der neuen, neuen Mole in Tarajal










Man kann die zwei Molen gut auseinaderhalten, beide allerdings zu kurz geraten.




Hier die Volcán de Tauce im Jahr 2005, als die jetzt alte, neue Mole noch die neue, neue Mole war. - Die Route El Hierro, Tazacorte, Santa Cruz de La Palma, Tenerife hielt zwei Sommer lang, einmal in der Woche.




März 2015, die eigentliche Einweihung der neuen, neuen Mole durch die Alexander von Humboldt 2. - Danach hat bis heute dort kein Schiff mehr festgemacht.




Und jetzt eine bereits historische Aufnahme, Dezember 2002, die Kristina Regina als erstes Schiff damals an der jetzt alten, neuen Mole. - Das Bild ist so klein, da man seinerzeit noch per Dampfmodem Daten ins Netz speisen musste und komprimierte und schnitt, wo es eben nur ging.





Dienstag 18.09.2018 18:30 Uhr - El Paso – Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 28 Grad – Niederschlag 0 mm – Luftfeuchte 12 % - Luftdruck 1019 hPa
Höchsttemperatur heute 28,6 Grad - niedrigste Temperatur 18,2 Grad

Jetzt ist der Sommer doch zu Ende gegangen
Wer durch den Tunnel fährt, der kann in die Röhre gucken


Der Sommer ist dann zu Ende, wenn die Brut die Insel wieder verlassen hat, also jetzt. - Acht Katzen und ein Kerl, mehr ist nicht mehr da, und das Problem sind nicht die Katzen, so sieht das meine Frau. - Zugkinder statt Helikoptereltern, ein kanarisches Modell, wobei man in vielen, oder vielleicht sogar den meisten Fällen, das statt auch durch ein und ersetzen kann. - Viele Menschen haben das hier gemein und man merkt deutlich an der allgemeinen Stimmung, dass die vielen Hoffnungen wieder weg sind, also zurück auf den anderen Inseln. Die kleineren Kinder gehen wieder in der Schule und die drei Monate dauernde Fiesta wegen der eisernen Jungfrau der Kiefer ist auch vorbei ist. - Endlich sagt die Vernunft, schade der Schweinehund, in, um und um uns herum. - Katerstimmung sicherlich ein bisschen, aber wenn anderswo unter solchen Umständen dann wieder in die Hände gespuckt wird, um neu zu beginnen, da brauchen wir erst mal eine Auszeit, eine Reflektionsperiode, welche durchaus bis Weihnachten dauern kann. - Da kommt die Brut ja dann wieder auf die Insel, der Sommer glüht dann erneut eine oder zwei Wochen und jetzt erst wird mir eigentlich klar, dass ich kein Helikoptervater bin, sondern von meinen Kindern erhoffe, sie würden die Sommer über mir einschweben lassen. Also falsch herum gekoptert. Abnabeln ist wichtig, aber beidseitig, vielleicht lerne ich das ja auch irgendwann, aber wahrscheinlich erst nächsten Sommer.

Vom Wetter her sieht das natürlich anders aus, hier kann der Sommer durchaus bis in den November andauern. - Aber auch nur, weil wir eben nicht afrikanisch bestimmte Temperaturen haben, sondern unser ganz spezielles Klima, welches ganz eigen ist und wohl eher mit Madeira und den Azoren zu vergleichen ist, als mit anderen Regionen in unserer räumlichen. wie kulturellen Nähe. - Immer Hochdruck, seit März dieses Jahres bereits, also im Einfluss dessen, was der Mitteleuropäer als Azorenhoch kennt, und eben die Wettermaschine für den eurasischen Kontinent darstellt. Für uns bedeutet das, kühle Temperaturen selbst im Sommer, da der stetige Nordostwind frische Luft weit oben im Nordatlantik sammelt, und zu uns herunter trägt, und damit unsere Breitengrade um kühle Längen schlägt. - Die große Frage lautet immer, ab wann im Herbst oder Winter kippt dieses System, welches eben als weiteren Nebeneffekt die von West nach Ost wandernden Tiefs so weit in den Norden rückt, dass uns das Nass von dort nicht erreichen kann. - Ein bisschen blickt der wetterinteressierte Inselbürger in dieser Jahreszeit auch immer auf die höchst informativen Seiten der NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration) welche, beknnter als "Hurricane Center", echt bereits mit Coolheitsfaktor 5 bewindet(klar für uns Wetternerds), hervorragend verfasste Vorausschauen für Stürme und Hurrikane liefert. - Aber auch da gilt wieder das gleiche, so lange das große Hoch dort über den Azoren wacht, bleibt hier das Wetter langweilig. - Man kann es auch ein bisschen pathetischer sagen, besonders wenn uns die Fallwinde des Passats hier im Westen mal wieder die Kübel von der Terrasse pfeifen: So lange dieser Wind weht, kann uns nichts passieren. - Das gilt übrigens auch für den Flughafen. - Wind, auch starker Wind aus Nord oder Nordost, der macht nichts, das ist der gute Wind, alles was aus Süden, oder noch schlimmer den Vornamen „Westen“ trägt, das kann Unheil bringen.

Der momentane Aufreger auf der Insel liegt mal wieder auf der Straße, oder besser gesagt im Tunnel. - Im alten Inseltunnel, also diese enge und knappe Tropfsteinhöhle, durch welche fast der gesamte Fahrzeugverkehr von der Ost- auf die Westseite der Insel geführt wird. - Auch wer nicht die Gnade der frühen Geburt hat, der wird sich vielleicht sogar noch daran erinnern, wie es vor dem Jahr 2003 war. Damals gab es nur diesen einen Tunnel um von einer Inselseite auf die andere zu kommen. - (Fast hätte ich es gar nicht bemerkt, dass ich zunächst „richtige Seite“ geschrieben habe, statt „andere Inselseite“...) Es war schon kritisch, diesen alten Tunnel in beide Richtungen zu betreiben, wenn sich dort 2 LKW oder Busse begegneten, dann legte man erhöhten Wert auf die Fahrpraxis der Kapitäne. - So hoffte man ja bereits lange, noch im alten Jahrtausend auf einen, oder besser 2 neue Tunnel, musste aber bis ins neue Millenium warten. - Der Tunnelneubau wurde aber eigentlich nur halb abgeschlossen, denn neben der, seit 2003 in Betrieb befindlichen Röhre, welche nur den Verkehr von West nach Ost aufnimmt, sollte ja knapp nördlich davon noch eine zweite Röhre entstehen, welche dann natürlich den Gegenverkehr auch zweispurig aufnehmen könnte. - Das war Teil der großen „Eje Transinsular de Canarias“ und damit auch wieder ein Teil der dafür vorgesehenen Autobahn von Santa Cruz de La Palma zum Hafen von Tazacorte. - Nun wissen wir ja alle, dass kein Mensch diese Autobahn braucht, und eigentlich ist das Ding auch schon vom Tisch, aber von dort eben noch nicht im Mülleimer gelandet, sondern in einer Ablage, welche durchaus von Zeit zu Zeit mediale Blähungen von sich gibt. - Ob wir irgendwann auch die zweite Tunnelröhre ohne Autobahn bekommen, damit vernünftig bleiben und eher vorhandene Trassen nutzen, das liegt noch vollständig in den Sternen, aber eben auch in der europäischen Zahlungsbereitschaft gegenüber ihrer ultraperipheren Zone, und welcher Hansel (also Juanito) gerade am politischen Drückerchen ist, und ob der Benzin oder Biogas in den Adern hat.

Der heutige neue Tunnel, obwohl er nach nun 15 Jahren schon gar nicht mehr so neu ist, der ist aber eben nur für den Verkehr in eine Richtung geplant und erlaubt. - Das war damals auch die Zeit der großen Unfälle in den Alpentunnel und dann erließ man ja viele neue Vorschriften in Sachen „Fahren im Berg“, was sicherlich richtig und wichtig ist, aber eben lokale pragmatische Lösungen manchmal behindert. - Man kann die zweispurige Röhre zwar auch für den Verkehr in beide Richtungen öffnen, was hin und wieder auch geschieht, aber das beschränkt sich auf Notfälle und ist zeitlich auf den Notfall limitiert. - Wenn schlechtes Wetter zum Beispiel Steinschlag auf der Zufahrt zum alten Tunnel ausgelöst hat, dann öffnet man den neuen Tunnel für beide Richtungen, muss aber dann nach Beendigung des Notfalls wieder auf Normalverkehr zurück gehen. - Seit Jahren nun steht eine Generalüberholung der alten Tunnelröhre an, auch dringend erforderlich, auch von vielen gewünscht, aber nun droht eben ein Verkehrschaos, da man den neuen Tunnel nicht für einen Ersatzverkehr dauerhaft nutzen kann. - Die Überholung des alten Tunnels lässt sich irgendwie nicht als Notfall verkaufen, ob da nun übereifrige oder einfach nur unbestechliche Techniker am Werk waren, welche einer Nutzung des neuen Tunnels über mehrere Monate nicht gutheißen, das lassen wir mal offen.

Man muss also eine andere Lösung finden, da der alte Tunnel nicht ohne zumindest temporäre Komplettschließung saniert werden kann. - Eifrig durch die Presse gekaut hat man jegliche pragmatische Lösung inzwischen verwerfen müssen, der zuständige Rat für Verkehr im Inselparlament, dem Cabildo Insular, traut sich inzwischen nicht mehr, gegen der Rat von Technikern Grünes Licht für eine „inseleigene Lösung“ zu geben, und beklagt das öffentlich, nachdem er für jeglichen Ärger, der sicherlich kommen wird, zuständig scheint. - Aber er will zumindest keine rechtlichen Probleme bekommen, was sicherlich auch wieder verständlich ist. - Die jetzige Lösung heißt, der alte Tunnel wird saniert, 24 Stunden am Tag, aber lediglich für die Zeit von 0 Uhr bis 06:30 komplett für den Verkehr gesperrt. - Tagsüber fließt der Verkehr wie gehabt, aber sicherlich mit Behinderungen und wohl möglich auch kurzzeitigen Sperrungen in Richtung Ost nach West. - Von West nach Ost gibt es überhaupt keine Sperrungen, allerdings möchte man für eventuelle Notfälle bereit sein und wird deswegen zeitweise eine Spur des neuen Tunnels als Reserve sperren. - Daraus bin ich überhaupt nicht schlau geworden, was diese „Reservespur“ soll, aber vielleicht ist es auch zu spät für mich, jetzt noch schlau werden zu wollen.

Zwischen 00:00 Uhr und Nullsechshundertdreißig müssen die Verkehrsteilnehmer, welche von Ost nach West wollen, also über die Südstraße fahren, oder die Verbindung über die Cumbre Nueva/Refugio El Pilar wählen. - Eigentlich sind nur noch ganz wenige Autos zu der Zeit auf der Strecke unterwegs, es betrifft damit gar nicht so viele Leute und die Aufregung sollte sich somit eigentlich in Grenzen halten. - Allerdings fürchtet man nun natürlich, dass damit die Gesamtzeit, welche die Tunnelsanierung dauert, deutlich verlängert wird, aber seitens der Inselregierung wird da freudig erklärt, man rechne weiterhin mit vier Monaten, eher weniger sogar, da man erneut mit der ausführenden Firma verhandelt hätte. - So sollen noch Ende dieses Jahres die Arbeiten am alten Tunnel abgeschlossen sein, welch freudige Nachricht. - Ob das wirklich so funktioniert, wie man uns das weismachen will, das ist eine andere Geschichte, denn wir sind beharrlichere Dinge gewohnt, was unsere öffentlichen Bauten angeht. - Aber immerhin, wir sind planerisch nun in der Ersten Welt angekommen, also in der Welt, in der hochkomplexe Dinge eigentlich gar nicht mehr zu machen sind, da viele Vorschriften sich gegenseitig widersprechen und eigentlich undurchführbar machen. - So manch einer erinnert sich nun gerne, oder zumindest nostalgisch an die Zeit zurück, als man Notfalllösungen mindestens ein Leben lang anwenden konnte, aber früher war eben lediglich alles anders, und sicherlich nicht besser. - Man könnte ja auch jeden Abend einen größeren Stein auf die Straße auf die östliche Zufahrt des alten Tunnels legen, und damit eine Notfallöffnung des neuen Tunnels für beide Seiten erzwingen, aber solch göttlich-endemische Lösungen haben wir uns seit unserem Beitritt zum Club der Ersten Weltler wohl selbst unmöglich gemacht.

Die meisten Inselgäste werden also gar nichts mitbekommen von unserer Tunnelpolemik, und wir bereiten uns ja wieder auf einen guten Winter vor, zumindest was eben der Zustrom an Inselgäste ausmacht. - Nachdem der Sommer aus internationaler Sicht eher schlecht war, bietet der Winterflugplan so viele Verbindungen aus Deutschland an, wie noch nie zuvor. - Ob das gut geht, ich weiß es nicht, denn es bleibt zu fürchten, dass nicht alle dieser Verbindungen auch erfolgreich sein werden. - Da ja Flugpläne inzwischen nichts anderes mehr sind, als wage Absichtserklärungen der Gesellschaften vielleicht dann und wann in Erwägung zu ziehen, auch wirklich ein Flugzeug auf den Weg zu bringen, lässt sich jetzt natürlich noch nicht sagen, ob diese vielen Verbindungen wirklich zu so vielen Gästen auf der Insel führen werden. - Man hat durchaus seit Jahresanfang nämlich spüren können, dass manch internationale Anbieter sich wieder aus dem La Palma-Markt zurückgezogen hat, nachdem auf den anderen Insel wieder Kapazitäten frei geworden sind. - Die Türkei und Ägypten sind als Kanaren-Konkurrenz wieder vermehrt im Spiel und auch Marokko knabbert an unserem, so sicher geglaubtem traditionell konservativem Urlaubsmarkt. - Letztendlich hängt es auch vom Wetter ab, ob La Palma touristisch einen guten Winter vor sich hat oder nicht, denn es ist verständlich, aber auch immer wieder erstaunlich, wie deutlich die Buchungszahlen vom Wetter in Mitteleuropa abhängig sind. - Jetzt weiß ich gar nicht so recht, was ich Ihnen wünschen soll, also wohl eher Gesundheit und gute Laune, als gutes Wetter! Bis zum nächsten Mal...





Echte Eunuchenfreundschaft, Paul und Fredi





Samstag 25.08.2018 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 26 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 44 % - Luftdruck 1018 hPa
Höchsttemperatur heute 26,8 Grad - niedrigste Temperatur 20,2 Grad

La Palma auf Sollstärke
Würde der Sommer doch niemals enden


Erst in den letzten Tagen haben wir endlich den Fluch besiegt, der da hieß in diesem Jahr, in Mitteleuropa ist es wärmer als bei uns. - Jetzt hat sich der Sommer endlich eingerichtet, gut und bequem, allerdings fehlt die große Hitze und auch der manchmal störende Staub aus der Sahara glänzt durch vornehme Abwesenheit. - Ein lauer Sommer bislang, kaum Waldbrandgefahr, obwohl wir gut gerüstet sind auf den Kanaren. - Tagsüber kratzen wir von unten mit wohlfeilem Abstand an der dreißig Grad-Marke, nachts an die zwanzig, aber ein geschicktes und schattiges Plätzchen ausgesucht, lässt uns immer den kühlen Zug des Passats spüren. - Wer aber in die Berge geht, der muss gewaltig aufpassen, sich nicht zu verbrennen. Einmal die Meereshöhe, dann die Nähe zum Äquator und was man auch nicht vergessen darf, wir haben derart saubere Luft, dass alles, was die Sonne ausstrahlt, eben noch kräftiger bei uns auf der Haut landet. - Und eben diese Verbindung mit dem leicht kühlenden Hauch des Passats, welche einem noch vorgaukelt, man sei nicht vom Sonnenbrand bedroht, die kann dann den Ausschlag geben, sich einen gewaltige Verbrennung auf dem zarten Organ abzuholen. - Hut, lange Ärmel und lange Hosen sind da schon gute Vorbereitung, oder Cremes mit einem Lichtschutzfaktor nahe einer dreistelligen Losung, wobei ich für den Kollateralgewinn, keine stoppelig-käsigen Männerbeine mehr optisch konsumieren zu müssen, schon unendlich dankbar bin.

Aber mitteleuropäische Sandalenträger sind eh nicht so häufig bei uns im Sommer anzutreffen, wir haben deutliche Nebensaison, was den internationalen Tourismus angeht. - Kein Wunder, bei der Temperaturverteilung auf dem Kontinent, möchte man sagen, aber es liegt wohl eher an der Rückkehr zu mageren Flugverbindungen im Sommer nach La Palma aus Deutschland. - Das wird diesen Winter wieder ganz anders werden, da schweben Flugpläne durch Äther, Raum und Web, welche ein touristisches Börsenzucken nahelegen. - Mal sehen, ob unser Inselchen die großen Erwartungen an sich selbst erfüllen kann, bislang haben wir es ja noch immer geschafft, jedem versuchten Aufschwung endemisch-autochthonen Widerstand entgegen zu setzen, auch wenn unser Nomenklaturkader politisch nachwachsender Rohstoffe lauter als jemals davon spricht, wahrhaftig die Hausaufgaben gemacht zu haben. - Man meint damit endlich Rechtssicherheit für Investoren hergestellt zu haben, welche unbedingt glauben, noch einen gra(n)tigen Fels im Atlantik zum massentauglichen Renditeabwurfressort umwandeln zu müssen. - Es wird so schlimm nicht werden, denn alle um uns herum können zwar ganz bestimmt nicht besser, aber sicherlich billiger arbeiten und anbieten, als dieser, zum ewigen "Roh" bestimmten Diamanten an Eiland.

Diesen Sommer aber ist die Insel dennoch voll, aber es lohnt sich, schon genauer hinzusehen, wer denn da der Gastronomie endlich volle Häuser beschert und auch die Orte wieder mit dichtem, fröhlichem und manchmal sogar lautem Leben füllt. - Es sind weniger Urlaubsgäste, aus Mitteleuropa sowieso, aber auch der nationale Tourismus vom Festland hat noch nicht wieder die Geschwindigkeit aufgenommen, welche eigentlich erwartet wurde. - Es sind vielmehr Eigengewächse, Familien und Freunde, also innerkanarische Dunstglocke mit ein bisschen Heimwehfieber, aber auch einer Ecke Schuldbewusstsein, der eigenen Ursuppe so lange den Rücken gekehrt zu haben. - Vielleicht schwingt das soziale Aufmerksamkeitspendel gerade wieder in Richtung Heimatverbundenheit, oder das nur alle drei Jahre stattfindenden Spektakel der Wanderung der Schutzheiligen El Pasos - und ein bisschen auch der ganzen Westseite - lockt so viele Mischpoke nach La Palma. - Ganz böse Stimmen behaupten allerdings, noch mehr als diese, dann doch irgendwie hehren Gründe, könnten auch die neuen Brachialrabatte aus der erneuten politischen Sedierungskampagne für Inselgruppen und Exklaven in Spanien sein, denn seit diesem Frühling erhalten alle Bewohner der Balearen, Kanaren, Melilla und Ceuta 75% Rabatt auf Reisen zwischen den Inseln und inzwischen auch dem Festland, anstatt der bislang bereits gewährten 50% Abschlag. - Der Reisepreis hat sich also nochmal halbiert, so fliegt und fährt man inzwischen für rund 10 Euro von einer Insel auf die andere und sorgt so natürlich für einen deutlich angestiegenen Reiseverkehr quer über das Archipel. - Nur ganz hartgesottene und zwingend eindimensionale Berichterstatter und Endempolitiker wundern sich so noch über diese gewachsene Schar an Reisende und verfallen nur zu gerne wieder in die lustige Statistikdeutungen, von bis zu vierstelligen Hurrachiffren auf dreistelligen Skalen.

Macht nichts. - "Right or wrong, my Island", sagt sich hier der bilinguale Resident und es ist schon ein Erlebnis, vielleicht 85.000 Menschen auf einer Insel zu erleben, welche dem geduldigen Papier nach an die 85.000 Einwohner hat. - Jetzt ist er völlig durchgedreht, der Siebold, nicht mal mehr selten schreiben hilft da noch, mögen Sie jetzt meinen, aber die Sollstärke 85.000 Menschen, welche bei uns auf La Palma als Einwohner gemeldet sind, die erreichen wir eigentlich nie, oder eben nur diesen wunderbaren Sommer lang. - Aufmerksame Beobachter der Insel und ihrer Verpflogenheiten wissen ja, dass etwa nur 55.000 bis 65.000 Menschen dauerhaft auf La Palma leben, wie viele es genau sind weiß man nicht, das liegt immer am Zustand der Schätzungsdrüse des Betrachters. - Schüler, Studenten, Pendler, aber auch Ausländer, welche wieder gegangen sind, sich aber nicht abgemeldet haben, oder eben Leute, die aufs Festland gezogen sind, aber ihre Privilegien als Canario nicht ablegen wollen, alle diese Leute finden weiter ihre Bedeutung in den städtischen "Padrones", sind aber nicht physisch da. - Die Gemeinden, welchen die Aufgabe zufällt, diese Listen aktuell zu halten, die sind natürlich überhaupt nicht daran interessiert, Bürger zu verlieren, da jeder gemeldete Mensch bares Geld für den Gemeindesäckel bedeutet. - Allerdings konsumieren diese nicht vorhandenen Bürger auf der Insel selten, fügen also dem Bruttoeilandprodukt kaum was hinzu. - Auf der anderen Seite wären viele staatlichen oder regionalen Einrichtungen mit Sollfüllstand komplett überfordert, wie Gesundheitsdienst oder viele Ämter und auch der Nahverkehr. Ich will mir eigentlich gar nicht richtig vorstellen, wie es wäre, sollten wirklich 85.000 Menschen an diesen Diensten oder Leistungsträgern zerren, welche die Insel bereit hält.

Diesen Sommer allerdings scheinen sich alle ein Feierdichein gegeben zu haben. So viele "Biopalmeros" habe ich noch nie auf einen Haufen gesehen, also alle, welche die Gnade der Inselgeburt hatten, und damit auch unsere Brut, gesellen sich eben dieses Jahr hinzu. - Und stündlich bis andauernd wird berichtet, wen man denn nun wieder gesehen hätte, nach so vielen Jahren, wer denn nun dick, dünn, schludrig, schwul oder gar wohlhabend geworden sei, und von wem man plötzlich alles gegrüßt wird, und mal wieder oder auch wider grüßt. - Ich gebe es zu, die Gnade meiner lang zurückliegenden Geburt bewahrt mich davor, mich an alle und jeden zu erinnern, welche denn da mal durch mein Lebenslinienlabyrinth geschlendert sind, aber ich habe ja geduldig bis beharrliche Familiengewissen um mich herum, welche mir dann schon ganz genau sagen, wer denn nun wer ist, war, sein wird und warum man den oder die nicht grüßt, diejenige und denwelchen aber auf alle Fälle. - Manchmal ist es ein Tritt gegen den Knöchel, manchmal auch nur ein kleiner Anraunzer, wenn ich wohlmöglich wieder mal gegen die Grußformeln verstoßen habe, und in gewissen städtischen Hotspots der koffeinhaltigen wie klatschbasierten Versorgung grüße ich einfach inzwischen alles und jeden und wie es scheint, grüßen alle und jeder zurück. - Es scheint da ein gewisses globales Verständnis zu geben, auch dein Gegenüber hat zwar nicht die geringste Ahnung, wer du eigentlich bist, aber irgendwas sagt einem, man grüßt besser einmal zu viel, sonst ist der Knöchel am Abend blau.

Hier gibt es allerdings wirklich geschlechtsspezifische Unterschiede. Frauen sind stinkesauer, sollten sie nach 72 Jahren nicht wiedererkannt werden, obwohl Haarfarbe, Figur, Name, Gang, Haltung und manchmal sogar das gewählte Geschlecht nicht mehr mit dem übereinstimmen, wem man eben vor 72 Jahren mal den Vortritt beim Einstieg in den Schulbus gegeben hat. - Ich hingegen frage nach dem Knöcheltritt nur noch selten, woher ich denn den, oder die eigentlich kennen muss und manchmal bin ich richtig froh, wenn meine Anstandsfrauchen bemerken, guck mal, der hat uns gar nicht wieder erkannt und gar nicht gegrüßt, der Rüpel. - Was meine Frauen nicht bemerkt haben ist, dass der Rüpel und ich uns wohl gegrüßt haben, allerdings auf echte Männerart, nämlich so knapp und maskulin, dass überhaupt keine Zeit bleibt darüber nachzudenken, wer denn eigentlich das Gegenüber ist. - Andere nehmen das natürlich nicht wahr, wahrscheinlich kennt man sich auch überhaupt nicht, aber das spielt doch eigentlich auch gar keine Rolle. - Es gibt wirklich Leute hier, die grüße ich seit Jahrzehnten, weiß aber immer noch nicht, wer das eigentlich ist, ein wirklich schlauer Kopf hat mal zu mir gesagt, vielleicht grüßt du die ja genau deswegen immer noch.

Die Insel ist voll. - Voller Eigengewächse allerdings, und dem flüchtigen Betrachter von Außerhalb mag das gar nicht auffallen, denn eigentlich sind ja nur die da, die auch hier hin gehören. - Auf keinen Fall taugt das nun zu einer Migrationsdebatte, wer denn nun hier her gehört und ob es denn überhaupt welche gibt, die nicht hier her gehören, aber die jetzige Sommerbesetzung der Insel scheint wohl homogen zu sein. - Allerdings dünnt sich das bereits wieder aus, Schüler und Studenten haben noch eine Weile Gnadenfrist, aber Pendler und Urlauber warten bereits wieder an Flugsteigen und Hafenmolen, um auf die drübschere Seite des Archipels zu gelangen. Eben dahin, wo man zwar wohnt, arbeitet, Geld verdient, und auch viele andere Dinge macht, aber doch nicht wirklich zu Hause ist. - Man mag über so hohe Subventionen mit der Fliegerei kritisch nachdenken, oder auch, warum man zu Zehntausenden den fleischlosen Erzählungen von Jungfrauengestalten folgt, mir aber ist jede Ausrede recht, mein Zuhause mit allen denen zu füllen, welche eben auch hier Zuhause sind. - Und sollten Sie sich von mir übergangen fühlen, also ich hätte Sie nicht gegrüßt, das stimmt nicht, Sie waren nur nicht schnell genug, es zu bemerken, mein bläulich geprügelter Knöchel zumindest dient mir als ewiger Beweis.





Man kann es durchaus schlechter erwischen, mit dem zu Hause meine ich...





Dienstag 08.08.2018 19:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 29 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 28 % - Luftdruck 1017 hPa
Höchsttemperatur heute 30,8 Grad - niedrigste Temperatur 24,4 Grad

Sommerfrische - La Palma
Nicht mal heute ist es wärmer als in Mitteleuropa


Glauben Sie keinem der Ihnen erzählt, der Klimawandel kommt. - Das stimmt nicht, denn der Klimawandel ist immer da, schon immer und wird auch immer da sein. - Allerdings gibt es da dieses Problem mit der Geschwindigkeit des Wandels, und ob uns denn der Wandel mitnimmt. - Statistisch gesehen war immer schon alles da, und mir kommt in Spanien immer alles Deutsch vor, wenn man Wetterphänomene mit dem Klima verwechselt. - Aber wie gesagt, der Klimawandel ist da, die Frage eben kann nur lauten, wie schnell denn rasen wir in die Warmphase einer Eiszeit und hat alles um uns herum, und auch wir denn die Zeit, da mit zu wandeln. - Nicht mal heute, am heißesten Tag des Jahres auf der Insel ist es wärmer als in Mitteleuropa und ich muss zugeben, es ist auch das allererste Mal der Fall, dass die Weinlese in Deutschland vor der hier auf der Insel beginnt. - Meine Nachbarn Pedro und Antonio, welche es eigentlich jedes Jahr schaffen, ihren eigenen Weinvorrat komplett zu tilgen, konnten es mir gestern gar nicht glauben, dass man in Deutschland bereits in rheinischen Lagen die ersten Beeren zupft und Maische daraus presst. - Bei uns sind die Trauben noch ziemlich klein und freuen sich gerade heute vielleicht über das Wetter, welches sich auch mal heiß gibt. - Allerdings wird es in Mazo auf der Ostseite, fast auf Meereshöhe sicherlich auch bald mit der Weinernte losgehen.

Man könnte ja nun eine ganz gewagte These aufstellen welche lautet, es gibt nicht nur benachteiligte Gegenden auf der Welt durch den Klimawandel, sondern auch Ecken, welche zumindest kurzfristig sogar bevorteilt werden. - Bitte den Hinweis kurzfristig beachten, da niemand auch nur annähernd voraussagen kann, wie sich drastischer Klimawandel mittel- oder gar langfristig auswirkt. - Gehen wir mal davon aus, dass ein Absinken der Temperaturunterschiede zwischen den Polen und den wärmeren Regionen die Stabilität der bereits vorhandenen Wetterphänomene erhöht. - Das würde auch bedeuten, dass das Azorenhoch noch ortsfester würde und winterliche Tiefdruckgebiete, welche von Westen nach Osten über den Atlantik "fegen" dann nur noch "schlendern". - Für uns, die Kanaren, und auch das westlicher Nordafrika würde das kühlere Temperaturen im Sommer bedeuten und mehr Niederschläge im Winter. - Besser kann es gar nicht kommen, möchte man zunächst sagen, und in der Tat, die letzten Sommer waren eher kühl und dieses Jahr bislang, sogar das kälteste seit sehr vielen Jahren. - Aber das Wasser im Winter war noch nicht so reichlich wie gewollt, aber wenn man nun dieser These folgt, dann würde in Zukunft eben das Azorenhoch von März bis November stabil sein und dann in den Wintermonaten die Tiefs nicht nur anderthalb Tage auf raschem Durchzug kostbares Nass bei uns lassen, sondern vielleicht gleich mal zwei Wochen lang, und damit auch nach neuen spanischen Kunstausdrücken verlangen. (Tiempo Hamburgueso oder des Landmanns ständige Verzückung)

Nein, ich spinne nur rum, ich sehe mir halt täglich die Wettervorhersage für Mitteleuropa an und vergleiche dann die Temperaturen mit unseren und muss feststellen, dass es seit Ende März, dort wo die "Guiris" wohnen, höhere Tagesmaximalwerte herrschen, als bei uns. - Wir kennen ja den Spruch bereits, bei uns fängt der Sommer erst am 40. April an, aber inzwischen haben wir den einhundertsiebenunddreißigsten April und heute das erste Mal zwei Tage über 30 Grad hintereinander, wenn auch nur ganz knapp. - Darum Sommerfrische und morgen ist auch schon wieder der Einzug frischer Luft aus dem Nordatlantik angekündigt, denn von dort holt unser fleißiger Wetterbartel die Luft, meist sogar bis aus isländischen Regionen. - Das eben macht unser Frühjahr so ein bisschen frisch ums flatternde Beinkleid, aber eben auch den Sommer erträglich, denn wir dürfen nie vergessen, Bruder, oder von mir aus auch Schwester Sahara, oder Mischpoke Sahel, liegen auf gleicher Breite, nur ein paar hundert Kilometer östlich. - Schon viele Gäste waren ganz angetan von unserem Temperaturspektrum zwischen 18 Grad nachts und 24 Grad tagsüber, interessant eben nur die Richtung, in welche diese touristischen Zugvögel gereist sind. - Na ja, vielleicht sollte man langsam die Bananen durch Zuckerrüben ersetzen und ich könnte mir auch gut vorstellen, wie man lokale Fachleute von hier zur Beratung an den Niederrhein schickt, wie das denn geht, mit dem Bananenanbau. Ich spinne doch nur vor mich hin und her, seriös geht anders, aber mit Sicherheit können eben echte Spezialisten auch nicht sagen, ober wir denn nun schon kurz vor der Katastrophe stehen, oder kurzfristige Wetterkapriolen mit Klima verwechselt haben.

Ansonsten geht hier alles so seinen wenig aufregenden Gang, aber man merkt, dass die Krise nun endgültig überwunden scheint, zumindest lautet inzwischen die oberste kommunale wie regionale Faustregel: Es wird wieder geklotzt, kleckern war gestern und ist als schmuddelig anzusehen. - Bei uns in El Paso ist dieses Jahr ja wieder "echte Bajada", also das alle drei Jahre stattfindende Spektakel der Niederkunft unserer Schutzpatronin. - Nur alle drei Jahre wird diese ja auch physisch in den Ort getragen, (wobei ich nur ganz knapp gerade einer Gedankenreise um physisch, getragen und Jungfrau entkommen bin) auf jeden Fall ist unsere Stadt bis Anfang September im Ausnahmezustand und lässt sich das Geld kosten, welches wir wohl physisch gar nicht haben. - Macht nichts, zweieinhalb Monate Rahmenprogramm, wobei sich mir emphathielosen Hobbyasketen immer nicht so ganz wirklich erschließt, was Autotuning, Pferderennen, Dominoturniere "Curvy-Fashion" LGTB-Love-Happenings und viele Veranstaltungen mehr, von denen ich nicht mal weiß, wie man das richtig schreibt, mit der Niederkunft einer kreuzkatholischen Jungfrauenstatue zu tun haben. - Macht nichts, wir sind wieder wer, auch wenn wir eigentlich nicht mehr haben als vor ein paar Jahre, aber die Krise ist als vorbei anzusehen. - Unser Sparprogramm ist endgültig als gestrig anzusehen, das Schlagwort "Austerity" wieder zurück ins Fremdwörterlexikon gewandert und die Schäuble-Statue wieder gegen das Goldene Kalb ausgetauscht.

Plötzlich macht es wieder Spaß, Bürgermeister zu sein, wir haben nun für ein paar Wochen ein Stadion mitten im Ort, welches frotzelnd von dem lächerlichen Rest politischer Opposition als "Bernabeu" bezeichnet wird und feiern dort Konzerte und Galas, welche vor ein paar Jahren noch als Blasphemie gegenüber den Sparzwängen gegolten hätten. - Böse Zungen behaupten auch, unsere Loly, also die Sparbürgermeisterin, welche den Stadtsäckel trotz der Krisenjahre zur Roten Null gebracht hatte, sollte sich schon mal wieder bereit machen, in ein paar Jahren wäre es dann wieder so weit, dass man ihre Dienste erneut zu schätzen wüsste. - Aber lassen Sie sich von einem faltigen Enddreißiger in Dauerschleife nicht die Feierlaune nehmen, immerhin schwillt an den Tagen rund um die "Romería", also die wirkliche "Niederkunft" der Jungfrau die Einwohnerzahl unserer Stadt auf Sollniveau an, denn wirklich alles was irgendwie "Pasense" ist, läuft auf dieser Prozession mit. - Auch unsere Brut ist dann wieder bei uns, wobei wir dann nur Basislager in Sachen Unterkunft und Verpflegung darstellen, aber endlich wieder auch physischen Kontakt zu unserer Nachkommenschaft haben.

Aber es ist schon ein ganz tolles Fest und man muss ja nicht den ganzen Quatsch mit den zu vielen Rahmenveranstaltungen mitmachen, man pickt sich sein Programm raus und Pflicht ist natürlich die "Romería" selbst. - Und auch Plicht, so wie man das auch sonst wo beobachten kann, man trägt wieder Tracht. - Meine Töchter kamen sogar zur Anprobe extra vorbei, denn nicht jeder hat solch ein "Traje típico" in seinem Kasten hängen und so ist es durchaus üblich, dass man sich solche Kleidung für das Fest leiht. - Und wer nicht rechtzeitig kommt, der muss dann mit irgendwelchen billigen Plagiaten über die Runden kommen, aber meist ist das ja auch egal, denn nach ein paar Stunden "Romería" sind die meisten Pilger eh schon so verzückt und entrückt durch den sozialen wie religiösen Kleber ethylischer Natur, welcher jegliches unserer Feste in reichlicher Form begleitet. - Gegen Mittag geht es los, dort oben an der Wallfahrtskirche, welche die Jungfrauenstatue eben die Jahrhunderte über beheimatet hat. Und die fünf Kilometer, die schafft jeder, es ist immer bergab und wenn die ersten Karren, oft sind es wahre "Prunkwagen" im Ort ankommen, fahren die letzten erst los dort oben am Llano de las Cuevas, so groß ist die Publikumsschaar, welche sich an dem Tag trifft, um mindestens sich selbst, aber natürlich auch den Ort und die Jungfrau zu feiern.

Viva la Virgen und Viva El Paso heißt es dann immer wieder, aber der Umzug selbst ist bei weitem kein steifer, klerikaler Kasteiungsumzug, sondern verdammt fröhlich, fast schon teuflisch lustig und meist auch ein Heidenspaß. - Die Zeiten, als Gottesfurcht noch was mit Angst vor dem Pfarrer oder der Kirche zu tun hatte, sind auch hier längst vorbei, aber dennoch hat auch bei vielen jungen Leuten erstaunlich viel Glaube seine Bedeutung und oft auch Wirkung erhalten. - Dennoch sind die meisten nicht wegen des religiösen Hintergrundes da, auch wenn man das vielleicht gerne so verkaufen möchte. Es ist ein Volksfest und das gewaltig, laut, fast ein bisschen exzessiv und auch professionelle Zweifler dürfen sich dort blicken lassen und ich kann allen wirklich bestätigen, Weihwasser ätzt nicht! Und wenn der lustig gekleidete Typ mit dem rauchenden "Aschenbecher" schwenkt, Weihrauch ist nicht giftig, aber Gluten- und Laktosefrei und Sie müssen nicht in Deckung gehen. - Was noch die kommenden Tage so alles passiert, das können Sie HIER nachsehen und der große Tag, das ist Samstag der 18.8. - Ab Mittag gibt es jede Menge Busse, welche Sie aus dem Ortszentrum nach oben fahren, von wo aus Sie beschwingt dann mit den vielen tausend Pilgern wieder herabsteigen können in den Ort. - Lassen Sie ihr Auto stehen, man muss die Feste feiern bevor man fällt…






Donnerstag 19.07.2018 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 26 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 28 % - Luftdruck 1020 hPa
Höchsttemperatur heute 26,2 Grad - niedrigste Temperatur 18,8 Grad

Paul lebt noch
Ich übrigens auch


Nein, ich fange nicht wieder an, regelmäßig zu schreiben. Aber mir war gerade so und vielleicht war es auch der dezente Hinweis einiger Leser, die sich häufiger nach Pauls Gesundheit erkundigen, als nach meiner. - Sicher, den eleganten Gang und dieses strahlende Selbstbewusstsein, das bekomme ich einfach nicht hin und glauben Sie mir, ich habe sehr oft versucht katzengleich zu werden. - Jetzt weniger vom Äußerlichen her, das wird nichts, da zumindest darf ich ganz ehrlich sein, eher reizt mich der geschenkte Gleichmut dieser edlen Wesen. - Den Druck, immer alles wissen zu müssen und das Attribut "aktuell" auch zu erfüllen, das gebe ich mir nicht mehr. - Scheint gesund zu sein, zusammen mit Diät und der pharmazeutischen Industrie habe ich in anderthalb Jahren sieben Kilo zugenommen und wer mich kennt, der weiß, das ist für mich ein durchaus existenzieller Zugewinn. - Meine Frau schiebt jetzt ein bisschen Panik, wenn der so weiter macht, dann wird der noch achtzig und dann wird wieder nichts mit dem ruhigen Inselleben zwischen Blumen, Katzen und unwichtigen Dingen. - Gut, ich arbeite daran, oder dagegen, das kommt ganz auf die Perspektive an, aber es gibt nun wieder deutliche Anzeichen, ich könnte doch noch das Rentenalter erreichen und genau das hatte ich mir doch auch vorgenommen. - Bis dahin müssen wir aber noch weitermachen und damit sind wir bereits beim ersten Thema, welches die Insel gänzlich, aber wohl nicht ganzheitlich betrifft, den Tourismus.

Vor ein paar Jahren, etwa zu dem Zeitpunkt als ich aufhörte regelmäßig zu schreiben, da bot sich der Insel ja ein galoppierender touristischer Zug an, auf den man nur eben hätte aufspringen könne. - Geschuldet einer interessanten soziologischen Bewegung, die sich zu anderer politischer Jahreszeit "Arabischer Frühling" nannte, sowie eines interessanten Bemühens des zornigen Mann vom Bosporus, bloß sämtliche Besucher zu verprellen. - Neben dem Wunsch, so billig Urlaub machen zu können, dass man das gleich dreimal im Jahr geben kann, erwuchs eben auch die Sehnsucht, oder sagen wir frecher der Hype, nach sicheren Destinationen, was immer sich auch hinter dem Wort "sicher" zu verbergen mag. - Hier haben unsere Inselchen und auch ganz Spanien sicherlich große Vorteile gegenüber anderen Regionen rund um unsere langen Breiten- wie auch breite Längengrade, und als die aufgeschreckten Reiseveranstalter feststellten, dass die anderen Kanareninseln bereits "full" waren, entsann man sich auch der Existenz unseres Eilands. - Plötzlich kamen Leute aus Ländern zu uns, die wir bislang nur vom Hörensagen kannten und fleißige Politiker, aber auch börsengeschulte Kader der Goldenen-Kalb-Fraktion bauten aus diesem gepumpten Aufschwung gleich wieder eine lockende Zukunft. - Ein kanarisches Bodengesetz und ein Gesetz für die "Islas Verdes", also die "Grünen Inseln" hat man aufgelegt und dort versucht, den durchaus vorhandenen Interessenten der touristischen Investoren endlich Rechtssicherheit zu geben. - So ganz klappt das nicht, denn gegen beide Gesetze wiederum sind Klagen anhängig und die Golfplätze rücken erneut in weitere Ferne, nachdem die Justiz einer Erhöhung der geforderten Bettenanzahl in den begleitenden Hotels der Golfplätze eine Absage bereitet hat. - Immerhin hat sich ein Investor das große Hotel in Puerto Naos unter das Konto gerissen, allerdings nicht als Betreiber, das macht weiterhin die Gruppe Sol Melía, aber man erhofft sich wohl Gewinne aus dem touristischen Hotelgeschäft auf der Insel. - Man darf daraus ruhig positive Stimmung basteln, auf der anderen Seite muss es die Planungsschmiede doch eigentlich auch wieder stören, wenn Investoren lieber in bereits vorhandene Infrastrukturen Geld stecken, anstatt neue Burgen zu bauen. - Der ganz- oder teilheitliche Beobachter könnte hier nun sogar applaudieren, Erhaltung des vorhandenen Anlagen geht vor Neu aus dem Boden prügeln, das hört sich doch nach der so oft besungenen "Blue-Economy" an. - Wie man das wirklich bewerten muss, ich bin da vorsichtig geworden, zu viele Züge sind bereits an uns vorbei gerauscht und oft war es gut, dass diese weitergezogen sind, mag unsere Weisheit auch nur ein Akt der gnädigen Unterlassung gewesen sein. Zum Sprung auf den fahrenden Zug des Fortschritts wäre man ja schon kognitiv bereit gewesen, ist es immer noch. - Aber wir sind halt ein bisschen schwer im Willensapparat, wieder einmal waren die Koffer nicht gepackt, wir haben die Papiere verlegt und haben sowieso den richtigen Zeitpunkt in der REM-Phase zugebracht, noch ohne gänzliche Handlungsfähigkeit erreicht zu haben.

Der "Arabische Frühling" ist zur ganzjährigen Verarschung verkommen, der zornige Mann vom Bosporus hat sein Ziel erreich und gibt sich wieder handsam, also kann man auch die touristischen Ströme wieder dorthin leiten, wo zwischen Herkunftsland und Destination noch mehr Spanne steckt, als hier bei uns auf den Inselchen. - Verdiente Wohlsprecher versuchen weiterhin die Zahlen gut zu reden, fangen wieder mit den lustigen Wortspielen um Passagiere, Besucher, Gäste und Touristen an, wobei hier kurz nur anzumerken sein, dass man jetzt als Bürger der Kanaren für Reisen zwischen den Inseln, und ganz frisch auch auf das Festland, nun zu 75% sein Flug- oder Fährticket subventioniert bekommt. - Hier erklären sich natürlich die ganzen Zuwächse im Reisesektor ganz einfach. - Mehr Urlaubsgäste allerdings haben wir aber nicht mehr auf der Insel, was dem geübten touristischen Auge sicherlich auffallen wird. Im Gegenteil, gerade unser Stammpublikum, also die deutschen Starkwadler (Natur- und Wanderreisende) aber auch Brezeldiebe (Überwinterer) haben sich zum Teil wieder von uns abgewandt, wobei ich kein Analyseergebnis melden kann, woran das nun eindeutig gelegen haben mag. - Da ist ganz bestimmt auch die Geschichte um Air-Berlin und Niki zu nennen, welche unsere Insel heftig getroffen hat, aber sicherlich ebenso eine gewisse Überhitzung. - Individualtourismus mag vor allem eines nicht, nämlich Scharen an Individuen, und ganz schnell reagiert unser Stammpublikum auf bereits kleinste Hinweise einer drohenden "Teneriffasierung". - Mögen die Bewohner der Mutter aller Inseln mir verzeihen, aber es ist halt immer in die Hose gegangen, wenn unser kleines Inselchen versucht hat, die große Schwester dort am Horizont zu kopieren. - Sofort reagieren auch wieder die Fluggesellschaften, es gibt wieder deutlich weniger Flieger aus Mitteleuropa nach La Palma und wie oft nun dieses Pendel zwischen Angebot, Nachfrage, Können und Wollen noch hin und her springt, das weiß wohl der Passat ganz alleine.

Am Vulkan kann es weniger liegen, dass uns wieder weniger Menschen aufsuchen, auch wenn die britische Presse, aber auch manch lokale Schreckschreiber hinter jedem kleinen Beben gleich eine Katastrophe wittern. - Mehrere Reihen an Schwarmbeben hatten uns letztes Jahr aus unserer vulkanischen Ruhe geworfen, obwohl uns doch eigentlich allen klar ist, dass die Baumeister "Hotspot" unter unseren Inseln noch nicht mit seinem Werk durch ist. - Allerdings war es eben bei uns unter der Insel seit der Eruption im Jahr 1971 derart ruhig, dass nun vulkanische Normalität Unruhe bei den Betrachtern der Szene ausgelöst hat. - Allerdings muss man diese Tätigkeit wohl in einem seit vielen Jahren stattfindenden Reaktivierungsprozess sehen, welcher die ganzen westlichen Kanaren betrifft und unser Inselchen nun endlich auch auf diese Vorkommnisse antwortet. - Wobei das Magma unter La Palma der am wenigsten aktive Teil der Episode zu sein scheint, unter Tenerife, auch Richtung Gran Canaria und natürlich ebenso unter El Hierro randaliert unser Schöpfer deutlich heftiger. - Aber wir sind wieder mit im Geschäft, sicherlich nicht der Mittelpunkt, aber komplett sollten wir das Thema noch nicht ausblenden. - Und man sieht ja aus dem, was auf Hawaii momentan Alltag ist, solch eine Eruption kann auch gut fürs Geschäft sein.

Lassen wir die Nebensächlichkeiten wie wirtschaftliche Dinge, Vulkanausbrüche und zukünftige Entwicklungen, und kommen zu den wirklich entscheidenden Dingen. - Wir haben es weiterhin nicht geschafft, die Zahl der "Internen Katzen" zu verringern. - Im Gegenteil, es sind nun deren acht, wobei ich den letzten Zugewinn der Gemeinschaft noch gar nicht vorgestellt habe. - Fredi haben wir den jungen Mann genannt, welcher als "Ersatz" für den verschollenen Leo gedacht war, es sich aber nur um eine Verwechslung handelte. - Zwar sieht Fredi dem Leo wohl ähnlich, aber er war es nicht, als man uns zum Tierarzt in Los Llanos lockte mit der Aussage, unser verschwundener Leo sei gefunden worden, und wir könnten ihn abholen. - Aber wir konnten natürlich Fredi dort nicht einfach zurücklassen, auch wenn es eben eine Verwechslung war, und seit dem ist der junge Kater eben bei uns und hat sich vorzüglich in die Gemeinschaft eingefügt. - Der eigentlich Knaller aber ist, Leo ist nach siebeneinhalb Monaten wieder aufgetaucht und damit sind wir erneut reichlich komplett an Krallen und Schnurren. - Schnodderige Zungen behaupten von uns, wir seien die "Guiris Locos" mit den vielen Katzen, aber Hand auf die Kralle, selten in meinem Leben wurde ich betörender angemacht. - Wo Leo war, warum der für den lächerlichen Kilometer vom Fußballstadion zu uns siebeneinhalb Monate brauchte, und was der alles in der Zeit erlebt hat, das wäre eine andere, Bücher füllende Geschichte. - Zudem haben wir momentan auch noch eine Logierkatze, denn auch unsere Brut fiel nicht weit vom Genstamm und weil unsere angehende Veterinärin natürlich keine normalen Katzen hält, sondern nur krumm und schief gewachsene, humpelt nun noch kleines Wesen mit seltsam geformten Hinterpfoten bei uns herum und bekommt es, wem auch immer sei Dank, gar nicht wirklich mit, warum die anderen Katzen auf Tische und Stühle springen können, sie aber nicht. - Paul sieht dem ganzen Treiben seit Anno-Katzenmal mit stoischer Geduld zu und war natürlich der allererste, welcher sich geduldig von dem, erst ein paar Monate alten Beinkrüppelchen bespielen ließ. - Alle Achtung alter Mann, ein Auge tränt schon ein bisschen, das Fell spiegelt auch schon eher geriatrischen Glanz wider und gerne lässt er sich auf den Schoß heben, anstatt zu springen, weil die Gelenke halt wegen der zu gerne genossenen industriellen parfümierten Tierkadavern schon ein bisschen "..ose oder …itis" aufweisen. - Aber Paul, als Integrationsgarant, weiterhin die Katze 0 - 0 - 0 auf meinem felinen Koordinatensystem und oft stelle ich sogar eine vierte Null noch dahinter und wer nun fragt, wie das gehen kann, mit vier Nullen, der hat noch nie Katzen und Kinder gehabt.

Da sind wir beim nächsten Thema, die selbstgemachte Brut. Hier überlasse ich den Grad des subjektiv bedingten Glorienabzugs meiner Schilderungen natürlich ganz ihren Fähigkeiten. Sie können mich ja nach 14 + 2 Jahren Schriftverkehrs, wenn auch meist einseitig, richtig einzuschätzen. - Die große Tochter, welche ja eigentlich die Kleinere ist, die zerstört sämtliche Arbeitsmarktstatistiken, in dem sie als unter Fünfundzwanzigjährige, in ihrem studierten Beruf bereits einen unbefristeten Arbeitsvertrag hat. - In Spanien wohl bemerkt, auf Gran Canaria, so viel darf ich noch berichten, und es ist wirklich selten dieser Umstand, wir haben oft genug darüber berichtet, wie wackelig und zerbrechlich, besonders für Jugendliche, der Arbeitsmarkt in unserem iberischen Land aufgestellt ist. - Auch genießt sie, eben gespiegelt vom elterlichen Wirken, die angenehmen Seiten des Arbeitnehmerlebens, besucht uns immer wieder im Urlaub und bringt auch hartnäckig jedes Mal den gleichen Partner mit zu uns, so dass wir uns dann doch entschlossen haben, uns den Namen des knackigen iberischen Hünen dann doch mal zu merken… Die kleine Tochter, vom Wuchs her allerdings die Größere, die braucht noch ein Jahr, ihr Studium abzuschließen, auch auf Gran Canaria, ist aber derzeit in der Schweiz auf Praktikum und hat es dort wohl vortrefflich erwischt und kommt in einer großen Tierklinik an ganz viele Aufgaben heran, welche halt in der universitären Theorie nur im trockenen Teich geübt werden können. - Allerdings droht diese wissbegierige Brut mit weiteren akademischen Höhen und rüttelt damit an meinen ganz privaten frührentlichen Plänen, welche eh nicht mit den Obrigkeiten (in dem Fall meine Frau und der Rentenversorger) abgestimmt sind. - Das war immer schon mein Problem, ich bin einfach nicht so alt, wie ich aussehe. - Das hat mir in meiner Jugend manchmal geholfen, in Erreichbarkeit von Kinovorstellungen, Schülerbällen, den Erwerb von ethylischen Getränken sowie anderen Götzendiensten, aber seit einigen Jahrzehnten ist es eher hinderlich, dass ich so alt aussehe, wie andere schon sind. - Aber wir haben einen wunderbaren Sommer vor uns und sind auch schon mitten drin. - Fast immer ist mindestens eines unserer Kinder zu Besuch, auch weil eben das große Stadtfest, die Bajada de la Virgen del Pino diesen August wieder alle "Pasenes" in die Heimat ruft, und es ist eben gerade für mich "Heimatvertriebenen" (Sohn eines Sozialisten aus dem Bayrischen Wald) dann doch ein wunderbares Bild, dass zumindest meine Brut eine Heimat gefunden hat und so etwas wie Traditionen sogar anerkennt und lebt.

Wobei ja Traditionen auch ab und zu schrecklich hinderlich sein können und wir in unserer kleinen, so auch manchmal garstig abgeschotteten Welt oft trotzköpfig alles zu Traditionen verklären, was irgendwie nach Endemie riecht. - Da liegen viele zynischen Fallen für strittig objektive Betrachter und meist hat ja nicht mal konstruktive Kritik was mit reiner Vernunft zu tun. - Das konnte ich jetzt endlich mal anbringen, da meine Frau sich ja gänzlich weigert, meine Feigheit gegenüber unserem hinterwäldlerischen Gehabe noch was zu unternehmen, doch endlich als historische Altersmilde anzuerkennen. - Integriert, assimiliert, aufgesogen und als "Guiri del turno" also Quotenausländer wieder rausgelassen. - Warum auch nicht, permanent aufrechter Gang verursacht in unserer Generation meist "Rücken" und ich kann es mir alleine zeitlich schon gar nicht mehr leisten, noch mehr medizinische Kunstrichtungen bemühen zu müssen. - Ich frage mich halt nach so vielen Jahrzehnten, wollen wir nicht, wollen wir nicht können, oder wissen wir, dass wir nicht können sollten und die ganze Weigerungshalten gegenüber Fortschritt unterliegt einem höheren Plan. - Reizvoll eigentlich daran zu glauben, wenn schon sonst nichts Höheres mein limbisches System überwinden kann und wohl schließt sich hier der Kreis hin zu Voltaire oder Leibnitz, es ist sicher die beste aller Welten. - Ganz sicher und wer daran zweifelt, der baue sich seine wohltemperierte Welt doch bitte selbst.

Sicher nicht, weil sie Candide gelesen haben, sondern eher frühabendliche Auswanderungsunterhaltung in den Prekariatsendern der privaten Szene genossen, kommen auch weiter viele Mitteleuropäer zu uns. Ich meine jetzt nicht diejenigen, welche eine wunderbare Zeit auf einer wundersamen Insel im touristischen Sinn verbringen wollen, sondern die Flüchtlinge, meist mitteleuropäischen Ursprungs, welche kommen, um hier zu leben. - Also die das tun, was wir auch getan haben und daran ist ganz sicher nichts auszusetzen, eher im Gegenteil, unterstützt das doch grundsätzlich die eigene These vom hiesigen da sein. - Also nicht das Dasein im Sinn von Sein oder nicht, sondern hier und heut und ganz lokal. - Und auch hier spiegelt die Zeit die Kommenden, aber auch Gehenden wider, und wie gelingt mir nun der Schritt, meine Eindrücke ohne den Makel der Mehrdeutigkeit zu zeigen. - La Palma hat immer schon Wandervögel angelockt, manchmal komische, manchmal lustige Vögel und sicherlich ziehen andere Leute eher ins Zillertal, als auf eine kleine Insel im Atlantik, deren Aufgabe eigentlich nur daraus zu bestehen scheint, den Passat auf seinem Weg in den Westen ordentlich zu ärgern. - Alles ist schneller geworden, auch scheint das auf die Rotationsgeschwindigkeit hinzudeuten, in welcher sich die parallele Welt derer mit Migrationshintergrund erneuert. - Und wenn wir davon ausgehen, das fast alle immer durch ihr Können und Wirken das Heil und umfassendes Wissen mit auf die Insel bringen, zumindest lauten die Vorhaben meist so, dann ist der Zugewinn für unsere Inselvolkswirtschaft sicherlich als enorm einzuschätzen.

Manchmal allerdings begreife ich nicht wirklich diese schnellere Welt, obwohl es natürlich schon reizvoll sein kann, dass es inzwischen auch digitale Esoterik gibt, man also Heiler und Gurus nicht mal mehr bis in den Norden der Insel verfolgen muss, sondern sich per Mausklick die Chakren glattbügeln lassen kann. - Oft pfiffig verknüpft mit dem allgemein wie speziell durchaus anerkannten akademischen Grad vom Coaching, was immer das auch sein mag. - Vielleicht wollen wir das auch so einfach haben, maximal drei Sätze, oder drei Sinnformeln, natürlich geteilt, bloß nichts Eigenes, dann kurz per Mausklick noch über Verfassungen abgestimmt oder Empörung ausgedrückt und schon hat man sein tägliches Weltwerk an Gutem vollbracht. - Warum das auch hier stattfinden muss, auf dem Inselchen, also La Palma als 3D-Browser mit Vibrationsalarm und in Eigenschämoptik, ich weiß es nicht. - Aber man braucht halt Bauern, als Bauernfänger, und das scheint sich über die Jahrtausende nicht geändert zu haben, in jeder Gesellschaft und überall ist die Zahl der Plätze, an denen ein Depp über die Straße geht, genau so hoch, wie die Zahl der Ecken, an denen die Schlepper auf den Deppen lauern. - Früher war eben nicht alles besser, sondern nur alles anders, und ein kleiner Tipp, unter uns, müssen Sie auch nicht unbedingt weitererzählen. Sollten Sie mal krank werden, dann gehen Sie bitte zum Arzt, nicht zum Coach, auch nicht auf die Couch, und schon gar nicht zu Dr. Google. - Und sollten Sie sich sonst nicht wohlfühlen, oft reicht ein Spaziergang im Wald, ein Vega Norte, und wenn das auch noch nicht hilft, schmeißen Sie den Alten Sack einfach raus. Aber das wissen Sie doch alles schon lange selber und wer für gute Ratschläge gutes Geld bezahlt, der ist ein guter gefangener Bauer. - Überhaupt, machen Sie Ihren eigenen Mist und hören nicht so sehr auf andere, und schon gar nicht auf mich! - In diesem Sinne, bis mir mal irgendwann wieder so ist.




Die seismischen Ereignisse der letzten 90 Tage laut Instituto Geográfico Nacional lassen doch deutlich erkennen, wo die magmatische Musik spielt.




Einfach nur so








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