La Palma aktuell
Frische Nachrichten von einer kleinen grünen Insel im Atlantik


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Autor der Texte: Simon Märkle


Gastbeitrag von Mathias Siebold

Montag 13.01.2020 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 22 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 17 % - Luftdruck 1023 hPa
Höchsttemperatur heute 22,7 Grad - niedrigste Temperatur 13,4 Grad

It never rains in western Aridane
und Paul ist hoffentlich geduldig


Lassen Sie mich zunächst aber erneut erklären, für Focus-Leser sozusagen, wie das mit dem Weiterführen der "Gelben Seiten" steht, welche früher mal unter meiner Regie liefen. - Ab 1.1.2020 sind die Seiten: www.la-palma-aktuell.de und www.la-palma-urlaub.de ganz in den Händen der Familie Märkle. - Die Beiden betreuen die Firma der Ferienhausvermittlung mit den dazugehörigen Webseiten in eigener Verantwortung. - Meine Frau und ich sind lediglich für einen, noch nicht bestimmten Zeitraum, weiterhin beratend tätig, aber Chefin und Chef sind Ellen und Simon und die haben auch bereits die ersten, deutlich positiven Akzente gesetzt. - Eine dritte Webseite, www.ferienhaeuser-la-palma.de, knapper und schlanker für mobile Geräte und die Übernahme der Betreuung des Hostel Jurado in El Paso sind da nur die ersten Anzeichen freudiger Erneuerungen. - Die Nachrichtenseite in La Palma Aktuell wird nun auch von Simon verfasst und ich werde ab und zu Gastbeiträge schreiben, welche auch als solche deutlich gekennzeichnet sein werden. - So wie dieser hier. - Meine Frau und ich beschränken unsere berufliche Tätigkeit nun ganz auf unsere beiden eigenen Ferienhäuser, die Casas Martin, und darüber hinaus leiste ich mir das Vergnügen, eine eigene Webseite dafür zu betreiben. - Die lautet www.casamartin.de (und ist auch wieder Gelb und in ähnlichen Design, denn was anderes kann ich nicht) und wird in den kommenden Monaten und Jahren auch das Nachrichtenarchiv seit dem Jahr 2002 in neuer Form beheimaten. - Allerdings werden auch auf La Palma Aktuell weiterhin allen meine Nachrichten zu finden sein, im dortigen Archiv. - Um weiter alle Unklarheiten zu beseitigen, ich bin auch noch nicht auf Rente, ich bin noch zu jung dafür, auch wenn Andere das nicht für möglich halten. Richtig Rente werde ich erst in ein paar Jahren bekommen, bis dahin müssen meine Frau und ich von den Mieteinnahmen der beiden Casas Martin leben. - Darum bezeichne ich mich immer wieder als Privatier, nicht als Rentner, und ich weiß immer noch nicht so ganz, warum das überhaupt andere Leute interessiert…

Nun also zu den wirklichen Themen und leider bleiben die geringen, und auch noch schlecht verteilten Niederschläge, das Hauptthema auf der Insel. - Verschlimmert wird die Geschichte dadurch, dass auch die letzten Jahre bereits ähnlich mau in Sachen Niederschläge waren und wir klammheimlich bis brüllend fürchten, dass unser Ertrag im Klimawandel eher eine trockene Angelegenheit werden könnte. - Allerdings mehrere ergeben Wetterphasen alleine noch kein Klima und schon gar keinen Wandel, aber nicht erst seit Greta bekommen manche Leute hier unbeherrschbares Nackenjucken bei dem Gedanken, dass wir zukünftig so ganz ohne Niederschläge aus dem Westen leben müssten. - Um tiefer in das Thema Wetter einzutauchen muss ich ein bisschen ausschweifen, da ich ja leider nicht weiß, was Sie wissen. - Es scheint überhaupt ein kleines Wunder zu sein, dass unsere Inseln, als direkter Nachbar der Sahara, sehr wasserreiche Eilande sind. - Das haben wir zum allergrößten Teil dem Nordostpassat zu verdanken, welcher als Folge des großen nordatlantischen Hochs, meist Azorenhoch genannt, feuchte Luftmassen an unsere Nordostseiten trägt. - Gerade die hohen, westlichen Inseln bringen dabei den Passat "zum Weinen", denn diese Luftmassen, die können nun nicht einfach ihren Weg weiter über den Atlantik fortführen, ohne einen feuchten Wegezoll zu hinterlegen. - Das kann richtiger Niederschlag in Form von Regen sein, oder andauernde Kondensation an der dichten Vegetation unserer Nord- und Ostseite, oder eben auch in Form von Eis, Schnee oder Graupel in den ganz hohen Lagen der Inseln.

In bestimmten Höhenlagen rund um Barlovento und Los Sauces kommen dann Jahresmittel von bis zu 2.000 Litern pro Quadratmeter heraus, und dabei sind eben Niederschläge in Form von Eis oder Kondensation noch gar nicht mitgerechnet. - Allerdings gelingt es den "inneren Werten der Insel" nicht wirklich, dieses Wasser auch nachhaltig in den vielen Kavernen vulkanischen Ursprungs zu speichern, das allermeiste Nass fließt und sickert ungenutzt in den Atlantik. - Nur an manchen Stellen gelingt es dichteren Gesteinsformationen Wasser zumindest zeitweise im Inneren zu stauen und mit Geschick und Ausdauer kann man diese wasserhaltigen Schichten aufspüren und anbohren. - Aber auch hier gilt, diese Kavernen sind weiterhin von reichlich Zufluss abhängig, nicht nur ständige Entnahme des Wassers, sondern auch das durchsickern der feuchten Last bis auf Meereshöhe, entleeren diese inneren Wasserreservoirs ständig. Es gibt auf La Palma so kein Grundwasser, es sei denn, man bohrt bis auf Meereshöhe, stößt dann aber auf Salzwasser und das dient den Fischen wunderbar, taugt aber für Mensch und Nahrungserzeugung auf dem Lande nur ganz bedingt. - Also muss es immer weiter regnen, sonst geht uns das Wasser aus, die Insel selbst leidet unter basaltischer Inkontinenz und alle Geologen mögen mir diese bildhafte Floskeln verzeihen. - Das bedeutet aber auch, alles Wasser, welches wir dem Berg nicht entnehmen, um damit zum Beispiel die extrem durstigen Bananen zu gießen, das wäre mittelfristig auch verloren, in dem es versucht, den Atlantik ein bisschen süßer zu machen. - Die genaue Verweildauer der versickernden Niederschläge kennt man nicht wirklich und sind auch stark abhängig von der Permeabilität der diversen Bodenschichten. - Zwischen ein paar Jahren und ein paar Jahrzehnten wird die Verweildauer des Untergrundwassers auf der Insel benannt. Aber genau wagt das keiner einzuschätzen und ob diese, sehr ungenauen Werte, alleine aus Unsicherheit stammen, oder auch geschmückt sind, das kann ich nicht endgültig einschätzen. Wir dürfen halt nicht vergessen, Wasser auf La Palma stellt ein inselbewegendes Geschäft dar und ist lukrativer, je weniger Wasser vorhanden ist oder scheint.

Wechseln wir nun auf die Westseite, also auf die Leeseite des Passats, dann finden wir noch schlechtere Voraussetzungen vor, als auf der Nord- oder Ostseite. - Nicht nur, dass die Verweildauer des Wasser sehr gering ist, auch regnet es im Westen lediglich bei den winterlichen Auftritten von Tiefdruckgebieten und/oder ihren Ausläufern. - Hier nun scheint das Problem zu liegen, denn seit einigen Jahren beobachten wir, dass auch im Winter diese wasserbringenden Tiefdruckgebiete so weit nördlich an den Kanaren vorbeiziehen, dass wir fast gar nicht mehr in deren Einfluss geraten. - Das war im Sommer immer schon so, nun auch noch im Winter und Schuld dafür, ganz einfach weil es für die Wettersituation auf dem Nordatlantik generell verantwortlich ist, scheint auch wieder das Azorenhoch zu sein. - Stabiler denn eh und je, und schwächelte früher im Winter das Hochdruckgebiet alle paar Wochen mal und ließ so Platz für Tiefdruckgebiete auf unseren Höhen, so verrutscht das Hoch in den letzten Wintern lediglich weiter nach Norden und anstatt Tiefs mit Niederschlägen erreicht uns warme Luft aus dem Süden. - Allerdings gibt es auch eine positive Entwicklung durch dieses stabilere Hoch auf dem Nordatlantik, die sommerlichen Temperaturausrutscher nach oben sind fast gänzlich verschwunden und damit auch die Waldbrandgefahr. - Will man so unvernünftig sein, und nach nur ein paar Jahren bereits neue Regeln basteln, dann heißt es, wärmere Winter mit weniger Niederschlägen und dafür Sommer ohne Hitzeperioden. - Natürlich sind wir dankbar für die fehlenden Hitzetage zwischen Juni und September, allerdings macht die Möglichkeit, ganz auf Regen durch Tiefdruckgebiete verzichten zu müssen und komplett vom Wasser des Passats abhängig zu sein dann doch zumindest unruhig. - Damit würden sich, und das auch wieder in einer rasenden Geschwindigkeit, die Unterschiede in Sachen wilder Vegetation je nach Insellage deutlich verhärten. - Der Norden und Osten Grün wie immer, der Süden und besonders das Aridanetal trocken und Gelb. - Grün nur noch die Bananen und die erneute Modefrucht Avocados, oder die vielen Gärten, welche eben nette Begleiterscheinung einer doch dichten Besiedlung darstellen.

Wie weit der Westen nun in den Norden reicht, das hängt ganz oft von der Windrichtung ab. Meist liegt Tijarafe noch im "Westen", ab und an aber bereits im "Norden", eben je nachdem, wie weit der Nordostpassat auch bis komplett aus Nord dreht. - Meist aber liegt die Grenze die Grenze des Einflussbereichs des Passats irgendwo zwischen Puntagorda und Garafía und hier kann es einem auf einem Ausflug passieren, dass man vom Sonnenschein direkt in dichten Nebel und Niederschläge wechselt. Ein oftmals fantastisches Spiel mit einer gewissen Prise an mythischem Kribbeln in der menschlichen Sensorik. - Dort in den Zauberwäldern, voller Flechten und Moose scheint die Welt der Niederschläge noch in Ordnung zu sein, hier auf der Westseite, und besonders deutlich unter dem Wolkengürtel des Passats, schwanken wir inzwischen deutlich, wie man denn "Gutes Wetter" definieren soll. - So wirkt die, nun drei Winter bereits anhaltende Dürre bis deutlich hinein in die Politik und die jetzige Landwirtschaftsrätin im Gobierno de Canarias, Alicia van Oostende drückt das Bananenbauernverständlich so aus: "Diesen Winter konnten wir uns keine Beregnung einsparen." - Das bedeutet übersetzt für Nichtpflanzer, man konnte sich bislang in diesem Winter, trotz anderthalb Tage Niederschlag, noch keinen Bewässerungszyklus für unsere gelbe Wappenfrucht ersparen.

Und an den Bananen hängt alles und wenn das Wasser knapper und damit teurer wird, dann werden wir hier alle nervös. - Und immer, wenn das Wasser knapp und teuer wird kommen Vor- und Rückschläge aus allen Ecken. Erinnern wir uns nur noch an die Jahre, in denen man alle alten Speicherbecken hier im Tal reaktivieren wollte, um Überschusswasser aus den winterlichen Niederschlägen zu sammeln. - Das war damals schon blöde, da viele der alten Becken längst nicht mehr dicht sind, oder unter Befüllung gar bersten würden, und darüber hinaus fehlt diesen Winter bislang überhaupt der Niederschlag, welcher spontane Überschüsse produziert hätte. - Dann taucht auch immer mal wieder das Projekt auf, den Barranco de las Angustias mit einer Staumauer zum Wasserspeicher umzumodellieren, allerdings muss man dieses Vorhaben, nicht nur wegen technischer Schwierigkeiten, wohl weit in die Tiefen fatalen Populismus schieben. - Natürlich fließen Millionen Kubikmeter Süßwasser bei Starkregen in der Caldera unangetastet in den Atlantik, aber die Caldera als Stausee nutzen, oder auch nur den unteren Teil, ich fürchte mal, das wäre ein kaum machbares Projekt.

Nun spricht man über offen und auch medial breit gefächert über den Vorschlag des bekannten Ingenieurs Carlos Soler, man solle doch den bereits vor fast 2 Jahrzehnten gegrabenen "Túnel de Trasvase" weiter aufbohren und so an die große Wasserblase gelangen, welche unter der Cumbre Nueva wartet. - In der Tat stieß man dort bei den Grabungen auf so viel Wasser, dass man mit Beton dagegen halten musste, allerdings warnen andere Stimmen davor, diese Blase von unten anzuzapfen, da man so die Wassergalerien des südlichen Teil der Caldera gefährden würde, welche den Großteil der Trink- und Nutzwasserversorgung des Aridanetals speisen. - Allerdings streitet man sich darüber deutlich, Soler meint, und nicht nur er, das würde überhaupt keinen Einfluss auf die Wasserreserven nehmen, andere hingegen werfen dem Wiederentdecker der Heiligen Quelle im Süden der Insel blanken Populismus vor. - Aber der Inselregierung bleibt angesichts der drohenden Wasserknappheit gar nichts anderes übrig, als auf den Vorschlag des streitbaren Ingenieurs in sofern zu hören, dass man wohl anstrebt, darüber ein neues Projekt anzuleiern, welches eben die offenen Fragen klären soll. - Befürworter und Gegner sind hierbei nicht zimperlich in ihrer Wortwahl, die einen meinen, ein Teil der Insel würde so komplett ausgetrocknet, die anderen meinen, das Wasser würde dadurch so reichlich und damit billig, dass die "Wassermafia", wer immer das auch sein mag, so ihre Verdienstmöglichkeiten davonschwimmen sehen würde. - Ein kräftiges Tiefdruckgebiet würde diese Diskussion sicherlich wieder etwas abkühlen, aber es ist nichts in Sicht auf unseren Breiten, es wird sogar wieder eher wärmer die kommenden Tage.

Es gibt noch ein weitere Thema die Tage, welches auch mit der Wertschöpfungskette und möglichen Knappheiten und Monopolen zu tun hat, der Benzinpreis. - Wir wissen ja, auf La Palma gibt es keine Raffinerie, man muss Benzin, Diesel und auch das Schweröl für das Stromkraftwerk alles herankarren. - Daraus entwickelt sich natürlich ein etwas höherer Preis für den Sprit an der Tankstelle, allerdings liegen wir inzwischen in Spitzen bei bis zu 30 Cent mehr für den Liter Benzin als auf Tenerife. - Und das war nicht immer so, wir kennen 5 bis 10 Cent mehr und das ist mit Mehrkosten oder eben auch der, weniger breit aufgestellten Konkurrenz hier auf der Insel zu erklären, aber zwischen 20 bis 30 Cent mehr pro Liter, das ist nur noch mit erhöhter Gier zu erklären. - Wer denn hier nun überkräftig zulangt, der primäre Lieferant, der Verteiler, oder die wenigen Tankstellenpächter hier auf der Insel, das wollen wir an dieser Stelle gar nicht wirklich vorsagen, vielleicht ist es auch eine wunderbare Kette der pekuniären Vermehrung auf Kosten aller Autofahrer auf der Insel. - Nun leben wir ja aber in den Zeiten der medialen Schnelligkeit und jeder kann immer sehen, wie viel kostet der Liter Sprit auf Tenerife, während wir hier den Tank für viel mehr Geld füllen und so wird das immer mehr zum deutlichen Tagesgespräch und erreicht natürlich dabei auch die Politik. - Die wagen es aber nicht wirklich, das Problem beim Namen zu nennen, welches Raffgier heißt, sondern doktern nun an Sondersteuern herum oder wollen den Transport günstiger machen, obwohl wird doch bereits bei 75% Subvention für See- und Lufttransport angelangt sind. - Da lauert also einiges an, sogar sozialem Sprengstoff, und es wäre vielleicht von den Nutznießern der wunderbaren Geldvermehrungskette durch Zapfsäulen im eigenen Interesse, die bislang ohne Klagen erfüllende Quellen nicht zu sehr zu schröpfen. - Erinnert irgendwie auch an die Wassergeschichte von vorhin, nach dem Motto, wie weit kann man quetschen, bevor es kaputt geht. Aber 20 bis 30 Cent mehr pro Liter Sprit als auf der Nachbarinsel, das ist durch Transportmehrkosten in keiner Weise auch nur annähernd zu erklären.

Jetzt noch der schwierige Teil meines ersten Auftritts als Gastschreiber, ich muss verkünden, Paul ist vorletzte Woche gestorben. - Das Herz hat nicht mehr mitgemacht. - Wir hatten ja bereits über Monate mitbekommen, wie Paul stark abbaut, immer dünner wurde und beim Streicheln die Rückenwirbel einzeln zählbar und immer spitzer wurden. - Darauf folgte dann schweres und stoßweises Atmen, er suchte immer eine Position einzunehmen, welche ihm das Atmen leichter machte. - Dann sind auch noch die Pfoten angeschwollen und schließlich ließ Paul auch das Essen sein, so dass ich mich entschlossen habe, mit Hilfe unseres Tierarztes dem ein Ende zu setzen. - Paul ließ mir die Ehre zukommen, in meinen Armen zu sterben, schnurrend, eine fast surreale Situation, aber nie war ich dem Tier näher. - Mit Regenbogenbrücke ist da nichts, aber die Abmachung gilt, wer zuerst geht, der wartet auf den anderen, und ich hoffe nur, der Kerl hat so viel Geduld, noch viele Jahre auf mich zu warten.

Nun aber hängt der Haussegen im Katzenreich bei uns schief, die Nachfolge ist nicht geregelt und Fred und Mia sind immer noch mit Trauern beschäftigt. - Ich habe bislang so etwas abgelehnt, mich mit Themen wie Trauer bei Tieren zu beschäftigen, aber anders ist das komische Verhalten der Katzen und die wirre augenblickliche Situation, wie die miteinander umgehen, nicht zu erklären. - Lucky, die nun älteste unserer Katzen scheint einzig die Lage tragbar einzuschätzen und versucht die anderen Katzen mit all ihrer erwachsenen Reife zu beruhigen. - Mia sucht dringend Nähe, reagiert aber oft ängstlich und Fred ist völlig von der Rolle. Eigentlich würde ihm ja nun die Rolle des Alpha-Männchens zustehen, aber dem scheint er überhaupt nicht gewachsen und starrt stundenlang wie depressiv irgend eine Wand an. - Unberührt von der ganzen Koordinatenverschiebung in unserer kleinen Welt scheint nur der neue Wirbelwind zu sein, kein Wunder, Bruno hat Paul nur am Ende seiner Tage erlebt und nicht als Mittelpunkt der Welt. - So geht das Leben weiter seinen Weg, und auch Trauer scheint einer gewissen Hierarchie zu folgen, aber das hatte ich eigentlich bislang immer nur bei Menschen vermutet.

casamartin la palma Paul im Jahr 2005, kurz nachdem er die Augen geöffnet hat

Ein Bild aus dem Jahr 2005. Das war kurz nachdem Paul die Augen zum ersten Mal geöffnet hat, die Futterspritze reicht ihm hier meine ältere Tochter Lila.




Dienstag 07.01.2020 16:00 Uhr - El Paso

Hurra wir werden mehr!!!! — oder eben auch nicht

Unsere Insel verzeichnete in 2019 einen Bevölkerungszuwachs von sage und schreibe 808 Einwohnern. Alle zusammen sind wir jetzt 81.863 Menschlein die hier dauerhaft auf der Insel leben. Das jedenfalls hat das nationale Statistikamt laut der Internetzeitung „El Apuron“ am 29.12.2019 verkündet. Da wird dann auch fein säuberlich aufgeschlüsselt, in welcher Gemeinde es welche Veränderung gab. Nur Tijarafe und Tazacorte sind geschrumpft, alle anderen haben teils ordentliche Bevölkerungszuwächse zu vermelden. Und das alles, obwohl doch angeblich junge Menschen die Insel regelmäßig verlassen und auf den großen Inseln, auf dem Festland oder im Ausland ihr Glück suchen. Und das stimmt ja auch, nur ist kaum einer so blöd sich hier abzumelden. So ein Residentenstatus ist ja von Vorteil. 75% ermäßigte Flüge sind schließlich kein Pappenstiel, und so kann man die zurückgelassene Familie auch mehrmals im Jahr besuchen. Wer sich also nicht abmeldet, bleibt als Einwohner erhalten, und die einzelnen Gemeinden profitieren auch von diesen Karteileichen. Die Zuteilung öffentlicher Gelder ist auch hier teilweise von der Einwohnerzahl abhängig.

Vielleicht hatten wir auch nur ein besonders fruchtbares Jahr, und die Inselbewohner waren im letzten Jahr etwas reproduktionsfreudiger. Aber massenhaft schwangere Frauen sind mir im vergangenen Jahr nicht über den Weg gelaufen, und die fallen ja auch irgendwie auf. Ich habe aber auch nicht darauf geachtet, verspreche aber es dieses Jahr zu machen. Da aber ständig geklagt wird, dass die Insel hier überaltert, durfte die Sterberate eher höher liegen als die Geburtenrate.

Also stellt sich die Frage, wo kommen die „Neuen“ her. Gut, seit einigen Jahren zieht es vermehrt Italiener nach La Palma, teilweise waren die zuvor auf den einer der anderen Inseln, einige kamen aber auch direkt aus Italien zu uns. Gerade in Tazacorte bildet sich nach und nach eine italienische Community. Es gibt mittlerweile nicht nur immer neue Pizzabäcker, sondern auch ein italienisches Lebensmittelgeschäft. Tazacorte hat aber ja einen Bevölkerungsrückgang, passt also auch nicht wirklich zusammen.

Mathias Siebold hat noch geschrieben, welche Zuwanderungswellen es in den vergangenen Jahrzehnten aus Deutschland gab. Die Letzte hat er nicht wirklich erwähnt. Auffallend war zumindest für mich, dass es einen verstärkten Zuzug von Deutschen gibt, die sich hier auf La Palma vor dem „Moslem“ verstecken. Der Muselmann, den solche Leute ja auch gern als „Messermann“ bezeichnen macht denen irgendwie Angst, drum rettet man sich kurzerhand auf eine abgeschiedene Insel und fühlt sich, in der hier herrschenden abendländischen Kultur entsprechend sicher. In den vergangenen 2-3 Jahren musste ich mich mehrfach mit Leuten auseinandersetzten, die der Überzeugung sind, dass in Deutschland ein Bürgerkrieg bevorstehen würde, weil nämlich der „masseneingewanderte Moslem“ versuchen würde, die Herrschaft in Deutschland zu übernehmen. Aus Angst vor dem syrischen Bürgerkriegsflüchtling werden solche Menschen also zum Präventivbürgerkriegsflüchtling - der kluge Mensch flieht schließlich vor. Von den Deutschen gehen auch jedes Jahr wieder welche zurück, so dass das auch eher ein Nullsummenspiel ergibt.

Diese Verschwörungstheorien, nachdem also der „Moslem“ die Herrschaft in Deutschland an sich reißen möchte, und dem deutschen Volke der Garaus gemacht werden soll, finden sich aber auch bei einigen Residenten, die sich schon länger auf La Palma befinden. Das sind dann aber welche, die sich selbst irgendwie links verorten, größtenteils supergesund und streng biologisch ernähren und bisher eher Angst hatten, dass Ihre Gesundheit, wahlweise von der bösen Lebensmittelindustrie oder auch durch Chemtrails oder was ähnliches zugrunde gerichtet werden könnte. Aber vielleicht liegen die Wünsche nach dem Erhalt eines gesunden Körpers und einem gesunden Volkskörpers gar nicht so weit auseinander.

Aber auch unter den Palmeros gibt es einige, die bestimmten Bevölkerungsgruppen eher ablehnend gegenüberstehen. Dabei ist spannend sich die Kommentare unter dem Artikel in der „El Apuron“ zu lesen. Bei einigen wurde schnell klar, woher der Bevölkerungszuwachs vermutet wurde. Es ist nämlich immer noch so, dass es einen starken Zuzug von Südamerikanern, und hierbei vor allem von Menschen aus Venezuela aber auch aus Cuba nach Spanien gibt. Die Kanaren sind hierbei, gemessen an der Einwohnerzahl, am stärksten betroffen. Das liegt natürlich auch daran, dass in der Vergangenheit, die Leute von hier, in diese beiden Länder gereist sind, auch um dort ein besseres Leben zu suchen. Mit der momentanen politischen und wirtschaftlichen Krise, in Venezuela, läuft die Wanderung nun in die umgekehrte Richtung. Mit einem Aufenthaltsstatus ist es für viele gar nicht so schwer, so mancher hat direkte spanische bzw. kanarische Vorfahren. Bei gar nicht so wenigen sind aber die Südamerikaner hier recht unbeliebt. Pauschal wird denen dann vorgeworfen, hier nicht arbeiten zu wollen und sich von der Gemeinschaft alimentieren zu lassen. Wenn sie jedoch arbeiten, dann wird ihnen vorgeworfen, dass sie das zu so niedrigen Löhnen machen würden, dass die „echten“ Palmeros keine Anstellung finden würden. Also auch hier in unserem kleinen Paradies gibt es unter den Palmeros welche, die einem widerlich rechten Gedankengut nachhängen und das, zumindest anonym im Internet, auch rauslassen.

Es kann also sein, dass wir in der Summe tatsächlich ein paar mehr geworden sind, aber an die angegebene Gesamtbevölkerungszahl glaubt hier eigentlich niemand. Da wie schon erwähnt, viele sich gar nicht abmelden, übrigens auch von den rückwandernden Deutschen. Aber keiner weiß eben so richtig Bescheid, da ja immer nur die offiziellen Zahlen genannt werden.

So jetzt noch eine Sache: Dieser Beitrag stammt nicht von Mathias Siebold, ich erwähne das, weil es in wohl den letzten Tagen zu Verunsicherungen kam, wer jetzt eigentlich regelmäßig auf dieser Seite schreibt. Deshalb habe ich mit M. Siebold besprochen, dass seine Beiträge, wenn sie hier erscheinen, auch als „Beiträge von Mathias Siebold“ gekennzeichnet werden.




Freitag 03.01.2020 17:00 Uhr - El Paso

Es sieht gut aus, wir bekommen wohl tatsächlich endlich eine Regierung in Spanien. In der letzten Woche haben sich der amtierende und derzeit kommissarische Ministerpräsident Pedro Sanchez von der PSOE und Pablo Iglesias von Podemos geeinigt. Beide zeigen sich nun willens die erste Koalitionsregierung auf nationaler Ebene zu bilden. Vor ein paar Monaten waren sie dazu noch nicht bereit, was uns hier, nach den Wahlen im April, gleich wieder welche im November beschert hat. An den Mehrheitsverhältnissen hat sich im Grunde aber nichts geändert. Was allerdings auffallend war, war das Erstarken der ultra-rechten VOX. Im April war ich noch glücklich darüber, dass es den Anschein hatte, dass diese, trotz anders lauteten Prognosen, doch schlechter abgeschnitten haben als erwartet, so hat sich ihr Ergebnis im November, sowohl Landesweit, als auch auf den Kanaren, nahezu verdoppelt. Ich glaube aber nicht, dass sich tatsächlich etwas in den Köpfen der Wählerschaft verändert hat. Insgesamt stehen die beiden politischen Lager mehr oder weniger unverändert da. Was früher rechts die „konservative“ PP abgedeckt hat, verteilt sich jetzt eben auf PP, die Neoliberalen, im bürgerlichen Mäntelchen auftretenden und doch weit rechten CIUDADANOS und eben VOX, die gar keine Hemmungen haben rechtsradikal aufzutreten. In Andalusien haben die Drei dann auch flugs nach den letzten Regionalwahlen eine Koalition gebildet und die „Sozialisten“ aus deren Hochburg vertrieben. Auch das hat den Druck auf die Herren Sanchez und Iglesias sicherlich erhöht, sich zu einigen.

Wir stehen also in Spanien kurz davor eine linke Regierung zu haben. Und im ausgehandelten Programm sind auch so schöne Dinge, wie Erhöhung der Sozialausgaben (man glaubt schließlich die „Krise“ überwunden zu haben und muss sich nun nicht mehr von Herrn Schäuble gängeln lassen) enthalten. Auch eine Mietendeckelung ist im Gespräch. Dies halte ich für eine sehr gute Idee, denn auch auf den Kanaren ist der durchschnittliche Mietpreis in den letzten 5 Jahren um über 30% gestiegen. (Wobei die Gründe hierfür vielfältig sind, dazu aber ein andermal mehr).

Jetzt reicht so eine Koalition aus PSOE und Podemos aber immer noch nicht, eine regierungsfähige Mehrheit zu bilden. Da muss man sich noch eine der regionalen Kleinparteien ins Boot holen, die einen ins Amt hievt. Fündig geworden scheint man diesmal bei der ERC. Dabei handelt es sich um eine katalanische, linke, aber auch nationalistische Partei. Das spanische Wahlsystem sorgt dafür, dass die regionalen Parteien, schon mit relativ wenig Gesamtstimmen einige Sitze im Spanischen Parlament erhalten. Und da die Basken, die Katalanen und auch die Canarios gerne ihre nationalistischen Parteien wählen, kommen die zusammen doch auf einige Sitze im Parlament und können so dann doch oftmals die Interessen der entsprechenden Regionen einbringen. Wobei die 1-2 Hansels der „Coalición Canarias“ da immer gar nichts zu melden haben. Jedenfalls sorgt so ein Regierungsbündnis mit den Katalanen für gewaltig Zündstoff. Die haben, mangels Zugeständnissen gegenüber den nationalistischen Interessen, schon mal dafür gesorgt, dass Pedro Sanchez seinen Haushalt nicht durchs Parlament gebracht hat, was uns die Neuwahlen im letzten April beschert hat. Auch bei den großen Koalitionspartnern herrschte hier in der Vergangenheit bezüglich Kataloniens eine Uneinigkeit. Podemos war immer gegen die Unabhängigkeit, aber unter bestimmten Bedingungen bereit, die Katalanen da selbst drüber entscheiden zu lassen. Die PSOE lehnte dies generell ab, weil dies gegen die spanische Verfassung verstoßen würde. Der Mehrheit der spanischen Bevölkerung sind die Unabhängigkeitsbestrebungen der Katalanen eh ein Dorn im Auge, da hier auch ganz offen damit argumentiert wird, dass man nicht bereit sei dem Restspanien von seinem katalanischen Geld etwas abzugeben. Das bedeutet, dass Herr Sanchez, bei zu großen Zugeständnissen, seine eigene Wählerschaft vertreibt. Wie gesagt, da ist noch gewaltig Sprengstoff vorhanden. Dennoch sieht es gut aus, dass wir zumindest diesmal eine Regierung erhalten werden. Das Prozedere hierzu sieht folgendermaßen aus: Am 5 Januar gibt es eine erste Abstimmung im Parlament, da braucht Pedro eine absolute Mehrheit, die er wohl nicht bekommen wird. Bei der nächsten Abstimmung am 7. Januar, reicht dann eine einfache Mehrheit, die hat er dann, wenn einige der kleinen Parteien nicht gegen ihn stimmen und sich stattdessen enthalten. Genau danach sieht es gerade aus.




Mittwoch 01.01.2020 11:00 Uhr - El Paso

Es geht los

So, jetzt ist es passiert. Seit heute sind wir Besitzer einer kleinen sympathischen Firma auf einer kleinen Insel im Atlantik, und tragen plötzlich eine riesige Verantwortung. Das Schöne ist, dass wir nicht ins kalte Wasser geschmissen wurden, vielmehr haben uns die Siebolds langsam in ein angenehm warmes Becken gleiten lassen. Allerdings wurden uns jetzt die Schwimmflügel abgenommen und wir müssen jetzt versuchen uns über Wasser zu halten. Uns wurde jedoch zugesichert, dass die beiden noch eine Weile als „Rettungschwimmer“ agieren, und uns auch immer wieder die Baderegeln erklären werden. Wir haben schon in den letzten Monaten gewissermaßen eine telefonische Standleitung zum Sieboldschen Büro am Laufen, von der auch weiterhin viel Gebrauch gemacht werden wird. Das ist auch gut so. Das gibt uns die nötige Sicherheit und hoffentlich unseren Gästen ebenso. Es wird sich im Prinzip nämlich gar nix ändern. Da konnte uns der Mathias in den letzten Wochen, so oft er wollte als die große, innovative Zukunft anpreisen. Alles kann gar nicht besser werden, weil einfach alles schon immer gut war, in der Firma und die zwei das fantastisch gemacht haben. Aber Tiefstapeln gehört glaub ich auch zum Sieboldschen Konzept.

Jedenfalls fühle zumindest ich mich gehörig unter Druck gesetzt. Das kommt aber nicht von außen oder gar von Ingrid und Mathias, das kann ich schon ganz gut selber machen. Es ist ja nicht so, dass ich es uns nicht zutraue die Firma gut weiterzuführen, mit der Tatsache, dass es sein kann, dass wir den Kampf gegen die global agierenden Hausvermittler verlieren könnten, damit kann ich auch leben. Flugscham, was ein schönes Wort, kann uns auch noch einen Strich durch die Rechnung machen, aber geschenkt. Was mir wirklich Druck macht, ist das Vertrauen der Familie Siebold in uns, was ja auch dafür gesorgt hat, dass wir die Firma bekommen haben.

Wie schon gesagt bleibt also im Prinzip alles beim Alten. Jetzt gehört aber diese Seite, also die la-palma-aktuell-Seite auch zur Firma. Letztendlich hat genau die den Mathias hier zur Institution gemacht. Ohne Spaß, es gibt hier auf der Insel tatsächlich Leute, die sich damit brüsten „den Siebold“ persönlich zu kennen. Wenn sich hier Residenten bei irgendeiner Frage bezüglich La Palmas nicht sicher sind, kommt manchmal die Aussage: „Da müsste man mal den Siebold fragen, der weiß das sicher.“ Mathias hat mir gesagt, dass er auch weiterhin sporadisch etwas schreiben wird, und dies dann auch an gewohnter Stelle veröffentlicht werden wird, also genau hier. Außerdem hat der Hr. Siebold jetzt eine eigene Seite, auf der seine Nachrichten veröffentlicht werden. Diese lautet: www.casamartin.de. Gleichzeitig habe aber auch ich mir vorgenommen, die Seite wieder ein bisschen zu beleben und die Leserschaft mit Informationen zur Insel zu versorgen. Irgendwie muss ich da dann meinen eigenen Weg finden. So wie früher, dass es zweimal pro Tag Nachrichten geben wird, wird es sicher nicht mehr werden, dazu fehlen mir schlichtweg die Ideen. Ich könnte ja was über meine Katzen schreiben, es sind bloß 3, aber ich kann ja nicht alles machen, wie der Herr Siebold es gemacht hat. Irgendwas wird mir aber schon einfallen und irgendwie muss man in sowas auch reinwachsen. Es soll ja wirklich keine Kopie der alten Seite sein, den Anspruch habe ich überhaupt nicht, und dem könnte ich wohl auch nicht gerecht werden. Deshalb gleich an dieser Stelle, die Bitte um Nachsicht, wenn mein Geschreibsel nicht das gewohnte Niveau erreichen sollte.

Und eins noch: Wir wünschen allen ein schönes neues Jahr.

Simon Märkle






Familie Ellen & Simon Märkle
Calle Vista Alegre 19
E-38750 El Paso
La Palma, Islas Canarias, Spanien
Festnetz: +34 922 106252
Mobiltelefon: +34 603 754072
E-Mail: maerkle@la-palma-urlaub.de

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