La Palma Halbaktuell
Nicht mehr so ganz frische Nachrichten von einer kleinen grünen Insel im Atlantik


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Samstag 21.09.2019 10:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
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Wichtig ist, was nicht passiert
Sagt das Huhn in Tijarafe


Von dem besagten Huhn haben die allermeisten noch nichts gehört, manch ein aufmerksamer Leser allerdings wird sich vielleicht erinnern, dass dieses Huhn aus Tijarafe immer mal wieder nicht überfahren wurde. - Oft hat uns dieses Bild dazu gedient, die vielfach flache Nachrichtenlage auf der Insel ein bisschen zu erhellen, allerdings ist es für das Huhn ziemlich wichtig, genauer gesagt sogar existenziell, dass es nicht überfahren wurde. - Als Huhn bekommt man meist aber erst Aufmerksamkeit, wenn man im Topf landet, oder aber kontrastreich den bereits brüchigen Asphalt auf Regionalstraßen koloriert. - Niemanden interessiert, was nicht passiert, allerdings besteht so ziemlich unser ganzes Leben aus epischen "Ungeschehnissen" und, und glauben Sie mir, das ist mindestens gut so, meist sogar wünschenswert. - Oft erinnere ich mich dabei an die Worte meines, oft lauten, aber manchmal auch weisen Vaters, der da sagte: Hüte dich vor kleinen Männern mit runden Brillen und wenn es wieder mal heißt, wir leben in Großen Zeiten, dann lauf schnell und weit… (Vati, ich hab´ auch dich gehört…) - Um nun irgendwie wieder einen hiesigen Bezug herzustellen, ich sprechen vom Waldbrand auf Gran Canaria, welcher vor Monatsfrist nicht nur unsere Region beunruhigt hat. - Ganz platt könnte man ja nun sagen, schön, dass es uns auf La Palma nicht erwischt hat, aber so einfach und unbesprochen können wir das Huhn natürlich nicht überleben lassen. - Es geht vielmehr um die vielen Nachrichten, welche während und nach dem großen Feuer auf Gran Canaria nicht den Weg, oder vielleicht nicht das Interesse der Beobachter gefunden haben.

Was uns, natürlich richtig und gefordert erreicht hat, das waren heftige Bilder insgesamt dreier Flächenbrände, von denen man heute noch nicht ganz sicher ist, ob denn Feuer Nummer eins, irgendwas mit den Feuern zwei und drei zu tun hatte. - Darüber müssen wir uns jetzt auch keine Gedanken machen, zumindest fand das alles in der gleichen Region, also Hinterland Gran Canarias, und im gleichen Aufmerksamkeitskreis statt, und wen interessieren angesichts der vielen Bilder, ob das nun mehrere Feuer waren, oder nur eines. - Oder nehmen wir die Zahlen, 9.200 Hektar sind laut der ermittelnden BIIF (Brigada de Investigación de Incendios Forestales) durch das Feuer betroffen. - Das sind 92 Quadratkilometer, bei einer Gesamtinselfläche von 1.560 Quadratkilometer bedeutet das im Umkehrschluss, dass 94% der Insel nicht vom Feuer erreicht wurden. - Aber das sind Zahlenspiele, wichtiger ist allerdings, dass kein Mensch zu Schaden gekommen ist. - Und das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis der hervorragenden Arbeit der vielen Helfer und auch Institutionen, welche in solchen Fällen Hand und mehr anlegen. - Hier muss auch niemand besonders hervorgehoben, aber eben auch niemand rausgelassen werden, auch die Politik hat in diesem Fall funktioniert, sei es eben auch nur als schneller Türöffner für die Beschaffung von Material und Personal. - Leider kennen wir ja aus anderen Regionen oft viel schlimmere Folgen solcher Feuer und wenn man auch nur die geringste Erfahrung mit ähnlichen Flächenbränden sammelt, kommt man nicht umhin, den absolut professionellen Umgang der Einsatzkräfte und Behörden auf Gran Canaria und auch in anderen Fällen hier bei uns, in drohenden Feuerkatastrophenfällen zu loben.

Dabei muss man auch ganz klar sagen, solch ein Feuer, einmal außer Kontrolle, und bei Wettersituationen, welche deutlich von der negativen Seite die berühmte Regel 30-30-30 berühren, kann man überhaupt nicht durch Menschhand und Technik löschen. - Das geht erst, wenn die Wetterbedingungen das zulassen und meist halten bei uns eben die Hitzeperioden nur ein paar Tage an. - Gute Einrichtung, Azorenhoch wir preisen dich! - Was man allerdings schon machen kann, das sind die Schnittstellen zwischen brennender Landschaft und den Menschen und deren Güter zu trennen, und natürlich zu allererst dafür sorgen, dass keine Leben in Gefahr geraten. - Manch einem wird zu früh evakuiert und auch zu früh abgesperrt, aber eben gerade diese Evakuationen, sowie das, zum Teil störrische Freihalten von Flucht- und Einsatzwegen beweisen sich als Erfolgsrezepte, auf welche man hier mit Regelmäßigkeit, und auch mit gewissem Stolz zurückblicken kann. - Natürlich läuft das niemals ganz glatt, oder gar perfekt ab, aber es hat viel häufiger funktioniert, als nicht, und daher ist auch dieses Mal wieder viel mehr nicht passiert, als passiert. - Auch sollte man erwähnen, die großen privaten Hilfsangebote in Sachen Tierrettung während des Feuers, da haben sich wunderbare Netzwerke aufgetan, wer denn Tiere freiwillig transportieren und verpflegen kann, die aus den betroffenen Gebieten geholt werden müssen. - Allerdings bleiben auch Hausaufgaben weiterhin stehen, das allererste Mittel gegen solche Feuer ist immer die Prävention, und das zweite eben die Schnelligkeit, mit der man an die Brandherde gelangen kann, um diese möglichst noch bekämpfen zu können, bevor diese unkontrollierbare Ausmaße erreichen.

Darüber hinaus gibt es direkt im Anschluss an solche Feuer auch die üblichen Diskussionen, bis hin zu politischer Nutzung solcher Sachlagen, und ganz vorne dabei steht immer wieder die Forderung nach mehr technischen Mitteln. - Hier auf den Kanaren fordert man vor allem die Aufstockung der Löschmöglichkeiten aus der Luft. - Dort auf Gran Canaria möchte man gerne die großen Canadair-Maschinen, auf den kleinen Inseln wie La Gomera, El Hierro und natürlich auch La Palma fordert man mehr Hubschrauber. - Warum das so ist, erklärt sich einfach. - Die kleinen Inseln sind steiler, und meist brennt es in Schluchten und schlecht vom Boden aus erreichbaren Gebieten und dort sind Hubschrauber deutlich effektiver einzusetzen, als auf den flacheren Landschaften der großen Inseln. - Am liebsten möchte man natürlich alles, aber je weiter die Temperaturen sinken, und je mehr das satte Grün der Landschaft nach den ersten Regenfällen gegen das Graubraun der versengten Bäume an Ausdruck gewinnt, um so eher sinkt der mediale und damit auch politische Druck, diesen Wünschen auch Taten folgen zu lassen. - Es geht natürlich dabei um Geld und um Verfügbarkeiten, und da es häufiger auf der Iberischen Halbinsel brennt, als auf den Kanaren, wird man wohl die Einsatzmittel hin und her schieben müssen und mit der Hoffnung leben, dass es nicht überall gleichzeitig brennt. - Was auch noch zu beobachten ist, und hier dient La Palma als Beispiel, in den letzten Jahrzehnten, hat nicht die Anzahl der Brände zugenommen, aber die Schäden, welche daraus entstanden sind. - Und hier bleibt eben zu erwähnen, die Menschen siedeln und arbeiten immer näher am Wald, und die Schutzbemühungen um die Kanarische Kiefer haben auch, sogar wortwörtlich gefruchtet, und Wald und Mensch sind immer näher zusammengerückt. - Früher, als alles anders war, und nur manches besser, da brannte der Wald schon mal ein paar Tage länger, aber der Wald war eben auch weiter von menschlichem Leben, Hab und Gut entfernt. - Und heute steht uns zwar ein deutlich effektiverer, und zum Teil beachtlicher Park an Technik zur Verfügung, dieser wird aber fast ausschließlich dazu verwendet, Siedlungen und Eigentum vor den Flammen zu schützen, und zur strategischen Brandbekämpfung kommt man erst, wenn sich das Wetter und die ganze Aufregung wieder beruhigt haben.

Fast schon wagt man es, den dritten Sommer am Stück ohne großes Feuer auf La Palma feiern zu wollen, allerdings sollten wir ehrlicherweise noch ein paar Wochen abwarten, bevor wir uns, und auch dem Wetter auf die selbst gepolsterte Schulter klopfen. - Drei Hitzeperioden hatten wir abzureiten, allerdings nicht die ganz üblen Dinge mit Südwind Temperaturen über 40 Grad. - Aber dieser August war zwar deutlich wärmer als die beiden vorangegangenen, jedoch bei weitem nicht so heiß wie noch 2016 oder 2012. - Es gab auch mehrere Feuer bei uns, aber sämtliche Ereignisse konnten sofort von wachsamen Bürgern und den Einsatzkräften noch in der Entstehung eingedämmt werden, so dass diese es nicht in die Nachrichten geschafft haben. - So können wir auch hier wieder melden, viel wichtiger, was nicht passiert ist, als das, was tatsächlich geschehen ist. - Allerdings beobachteten wir auch wieder ein Phänomen, welches bei Hitze mit Wind aus Nordost und klarer Luft passieren kann, der Wein verbrennt noch vor der Reife am Stock. - Eben kein Calima, oder Südwind, sondern ein verrutschtes Azorenhoch und ein Tief weiter nörlich, welches uns die Tür zur, sonst unser Wetter bestimmende Kaltluft abgeschnitten hat. - Der Wind wie eigentlich immer aus Nordost, sogar weiter als Fallwind über die Cumbre Nueva ins Tal hineinschneidend, aber dieser Wind war eben heiß und die Luft so klar, dass in den oberen Zonen Las Manchas viele Weinfelder stark gelitten haben. - Am Rebstock vertrocknet, noch vor der Reife, und so beklagen die Winzer in den mittleren Zonen deutliche Ernteausfälle. - Die Sonne sticht dann richtig auf der Haut und wer die Tage auf dem Feld arbeiten musste, oder auf dem Dach, weil er doch hoffte, mit seinen Imprägnierarbeiten den Regen irgendwie anzulocken, der wird sich auch ungern an diesen Sommer erinnern.

Andere erinnern sich ebenso ungerne an diesen Sommer, da der internationale Tourismus auf La Palma auch irgendwie Hitzefrei genommen hat. - Auf der anderen Seite überrannten uns Gäste von den anderen Inseln, und auch zum Teil vom Festland, die billigen Flüge über die hohen Subventionen ermöglichten es für viele. Das darüber hinaus enorm angestiegene Angebot an Ferienhäusern über die Modalität Vivienda vacacional machten für zahlreiche Besucher einen Kurztrip auf die "Schöne Insel" zusätzlich reizvoll und erreichbar. - Booking oder Airbnb zusammen mit 75% Rabatt auf Flüge innerhalb der Kanaren ergeben eben ein neues Bild der Familienselbstverschickung und plötzlich sind eben Urlaubsreisen über den Teich auch für Leute möglich, die sich das bisher verkniffen haben. - Kurztrips allerdings und es bleibt abzuwarten, wie lange sich das der lange Arm des Imperium (Kanarenhoteliers) friedlich mit ansehen wird. - Bislang gab es nämlich kaum räuberische Schnittstellen zwischen den Hotelbetrieben und den Anbietern von Ferienhäusern, da jedes Ressort seine eigene Klientel selbst mitbrachte und es kaum möglich war, des anderen Gäste abspenstig zu machen. - Nun allerdings stehen die Ferienhäuser, welche inzwischen auch tageweise, oder für das Wochenende alleine Unterschlupf anbieten, und das gleich für die ganze Familie unter 80 Euro, heftig in der Konkurrenz zu den Hotels und so kommt es nicht überraschend, dass die neue Tourismusrätin der Kanaren bereits angekündigt hat, die Modalität Vv, also Vivienda vacacional, erneut von allen Seiten betrachten zu wollen. - Allerdings ist nicht zu erwarten, dass da grundsätzlich neue Dinge bei rauskommen werden, denn sicherlich wird man es nicht schaffen, das touristische Vermieten generell zu verbieten. - Wie denn auch, denn eigentlich darf doch jeder mit seinem Eigentum machen was er will und kein, auch nur im Ansatz quotengeiler Politiker, wird eine solch breit aufgestellte und frische Gewerbestruktur zerstören wollen. Allerdings versucht man die Regeln deutlich zu verschärfen und leider zuckt hier sofort wieder mein Limbisches System gewaltig, denn nach meiner Erfahrung treffen solche Verschärfungen immer diejenigen, welche sich nicht hinter internationalen Verschachtelungen und Heerscharen von Anwaltskanzleien verstecken können.

Auf La Palma direkt greift das Problem des "Overtourism" und der damit einhergehenden Gentrifizierung nicht wirklich so weit, dass es soziale Tremoreinheiten geben könnte. - Vielleicht eher eine Gewichtsverlagerung von internationalem zu regionalem Tourismus. - Wohl aber drohen eben die Reiseveranstalter und die Hoteliers damit, der Insel noch weiter die kalte Turbine zu zeigen und dann droht da schon die Geschichte mit der "kritischen Masse" an Gästen, die man minimal auf die Insel karren muss, damit sich da überhaupt eine Wertschöpfungskette knüpfen lässt. - So ganz ohne Subventionen wird es da sicher nicht ablaufen können, unter dem Deckmantel der Werbekostenzuschüsse laufen ja sowieso schon viele Jahre lang ganz lustige Zahlungen an interessierte Carrier des fliegenden Dienstes. - Und dann müssen wir auch unbedingt noch über die Kollateralschäden der Billigfliegerei reden, die eine ganze Branche erzittern lassen und bereits mehr als einen, ehemals stolzen Piepmatz vom Himmel gegeizt hat. - Es war nicht alles der Hunold ganz alleine, zumindest habe ich jetzt noch nicht gehört, dass gerade der die Condor retten sollte, und eigentlich möchte ich gar nicht daran denken, wie das denn hier auf der Insel aussehen könnte, wenn auch noch der Condor chronische Mauser bekommt. - Da machen aber die paar Zehntausend Euro, welche nur noch palliativ aus La Palma kommen könnten, auch den Geier nicht mehr flott, und so bleibt wieder mal nur das System Hoffnung auf irgendeinen Scheich oder gelangweilten chinesischen Neureichen.

Wie aus einer anderen, wunderbaren wie wundersamen Welt der himmlischen Geschichten muss da den weltweiten operierenden Fluggesellschaften unser kleiner Beitrag zum fliegenden Golden Kalb vorkommen. - Da sich Fortschritt auch bei uns dummerweise immer noch über Wachstum definiert, feiert man weiterhin die steigenden Gästezahlen an unserem Flughafen. - Immer neue Rekorde und fast gelingt es unserem breit gestreuten Frohmut darüber zu vergessen, dass lediglich die Passagierzahlen in Sachen Regionalverkehr stark ansteigen sind und die Anzahl der internationale Gäste erschreckend abnimmt. - Aber ein Zuwachs ist da, auch wenn der sich natürlich leicht damit erklären lässt, dass man mal wieder die Zuschüsse für Reisen zwischen den Insel und dem Festland deutlich erhöht hat. - Es ist absolut verständlich, dass solch fraktionierte Regionen wie Inselarchipele getrennt vom Mutterland darauf bedacht sind, die Verbindungen zwischen den Inseln zu vereinfachen. Allerdings sind Zuzahlungen, gemischt aus regionalen- und staatlichen Steuerkassen, von 75% des Preises irgendwie schon auffällig und verschieben das Wort Zuzahlung in Richtung Passagier. - Da wir allgemein nur selten über unseren atlantischen Tellerrand hinausgucken, kribbelt es auch eher ganz zart, oder eben nur bei furchigen Generalhinterfragern, wie es denn sein kann, dass in anderen Regionen der Welt Inlandsflüge abgeschafft werden sollen, und wir für subventionierte 9 Euro von La Palma nach Tenerife fliegen und das manchmal sogar mehrfach am Tag. - (Und dass wir uns richtig verstehen, die Piloten und Flugbegleiter bekommen mehr…)

Wie sonnenköpfig wir da sein können, das Ganze verkaufen wir dann auch noch als Fortschritt, zumindest uns selbst. - Ich kann nur hoffen, dass Greta weit an den Kanaren vorbei zurücksegelt, wenn die das mitbekommt, dann haben wir ganz schnell Fridays for Shitstorm und man erklärt uns zum Archipiélago non Greta. - Ich darf sogar noch eine Anekdote dranheften, auch die Form der Subventionierung der Flug- und Schiffsfahrten zwischen den Inseln und dem Festland ist bemerkenswert. - Der Rabatt wird bereits von der Fluggesellschaft und den Reedereien beim Kauf des Tickets berücksichtigt. - Was zunächst wie ein feiner Zug gegenüber den Reisenden aussieht, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen zur bunten Aufforderungen das Firmenvermögen doch möglichst schnell und einfach zu steigern. - Mit jedem Anstieg der Rabattierung, (zunächst 33%, dann 50% und nun 75%) ging eine generelle Preiserhöhung bei den entsprechenden Fluggesellschaften und Reedereien einher, denn man befördert fast ausschließlich Passagiere, welche diesen Rabatt erhalten und da man den Rest sowieso aus der Öffentlichen Hand wieder ausbezahlt bekommt, geht es den Platzadlern und -walen (Hirsche wären wegen mangelnder Flugeigenschaften unangebracht) hier ziemlich gut. - Nur am Rande bleibt noch zu erwähnen, dass es jahrelange Untersuchungen gegen manche Fluggesellschaften gab, wegen eines Verdachtes des Subventionsbetrugs. Aber wer kommt denn schon auf solch eine abwegige Idee, dass höchst honorable Firmen, zumindest nach Selbstauskunft, diesen Umstand ausnützen könnten, nur weil sie keinen weiteren Nachweis für den Erhalt von Subventionen brauchen, als die eigenen Belege.

Aber bloß nicht an funktionierenden Systemen rütteln und es gibt ja längst die Weisheit der banalen Vernunft, welche da lautet: Lieber gut geschmierte Seilschaften, als Bremsklötze einer gewissen Klasse, welche Gewissen klasse finden. - Der musste sein, aber in der Tat wabert immer mal wieder diese Erkenntnis durch abgedunkelte Räume, meist zu fortgeschrittener Stunde, wenn der austretende Atem der anwesenden Freidenkerlehrlinge bereits mehr Ethanol enthält als Gretagas. - Dann wiederholen selbst manche Flatratesozialisten die hier oft erzählte Geschichte, dass es doch vielleicht besser gewesen wäre, die Coalición Canaria am Drücker zu halten, weil dann wenigstens die paar Seilschaften noch funktionieren würden und man nicht überall bei Minus fünfzehn anfangen müsste. - Es kommt übrigens häufiger vor, dass die Erzähler dieser Schwänke sich dabei eine Taschenlampe unters Kinn halten… - Ich habe in der Tat bereits mittelalt gediente Sozialisten nach plötzlicher und unvermeidlicher Amtsübernahme in dunklen Fluren schluchzen hören: "So eine Scheiße, jetzt sind wir dran, kann uns bitte einer mal sagen, wie das eigentlich geht?" - Das mag sich nun für das sozialdemokratische Umfeld der deutschen Leser unverständlich anhören, aber hier, im Land wo Gofio und Mojo pudern und fließen, sind wir Sozen immer noch Volkspartei. - Die Angst der Sozialisten vor der eigenen Moral kann allerdings noch schlimmer sein, als die vor der eigenen Ideologie, und glauben Sie mir, zumindest davon habe ich Ahnung, denn ich gönne mir schon lange eine ideologische Moralphobie mit sakralem Nationalverlustsein. - So, jetzt haben Sie ein ganzes Wochenende Zeit, darüber nachzudenken, was ich damit gemeint habe, aber ich bin mir sicher, Sie haben was Besseres zu tun. - Wäre ja auch schade, es wäre mehr passiert als nicht!




Friede ist möglich. Nichts ist passiert, Mia frisst eh nur parfümierte Tierkadaver aus dem Aufreißbeutel und Kokoschka kommt immer mal wieder um nachzusehen, ob unter dem Laub der Feige schon neue Körner zu picken sind.





Sonntag 18.08.2019 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 31 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte low - Luftdruck 1012 hPa
Höchsttemperatur heute 35,5 Grad - niedrigste Temperatur 28,9 Grad

Taburiente Trail
Endlich Sommer?..


Wer kurze oder knappe Nachrichten sucht, der wird hier nicht weiterkommen. - Ich habe Sie also gewarnt, und sollen Sie ungeduldig sein, oder lieber teilbare Bilderbücher anklicken, dann werden Ihnen die kommenden Zeilen nichts bringen. - Mir dann auch nicht, denn ich habe mir Mühe gegeben und die fordert zumindest Aufmerksamkeit. - Ich habe mich komplett aus dem tagesaktuellen Nachrichtengeschehen zurückgezogen, kann Ihnen aber eine Alternative nennen. - Da die meisten Seiten mit Nachrichtenanspruch über La Palma unreflektierte und lediglich mehr oder weniger treffende Übersetzungen der lokalen Hurra-Presse sind, möchte ich Sie gerne auf den Blog von Roger Frey verweisen, welcher noch selbst denkt und verfasst und durchaus in der Lage ist, dem Vorgefundenen die richtigen Fragezeichen zu verleihen. - Kurz, knapp, knackig, eben was ich nie konnte, aber ehrlich gesagt, auch nie versucht habe: HIER kommen Sie zu den Nachrichten von Roger, und der Mann kennt sich wirklich gut hier auf der Insel aus. - Wer Zeit für einen Tee hat und ein bisschen mehr, der bleibt bei mir und scrollt jetzt weiter.

Seit drei Jahren nun halten sich die sommerlichen Temperaturen in Grenzen und machen damit einen Teil der fehlenden Winterniederschläge wieder wett. - Nicht ganz natürlich, aber die Insel sähe anders aus, hätten sich zu den drei, zu trockenen Wintern, auch noch drei heiße Sommer gesellt. - Nun allerdings schlägt der Sommer deutlich zu, auch wir orientieren uns mal wieder an der Vierzig Grad Marke, allerdings von unten. - Macht schnell mit eurem Feuer dort auf Gran Canaria, hörte ich mich noch sagen letzte Woche, denn dieses Wochenende brauchen wir unsere Hubschrauber selber. - Leider ist die Entwicklung genau anders herum, das dritte Feuer auf der großen Nachbarinsel scheint sogar das heftigste zu sein und da die Hitzewelle noch mindestens zwei weitere Tage anhält, bleibt die Situation äußerst angespannt. Die Waldbrandgefahr steigt natürlich mit Temperaturen zwischen dreißig und vierzig Grad sprunghaft an und wir können nur hoffen, dass die Leute vernünftig sind. - Und sollte dennoch was passieren, mögen unsere Brandbekämpfer dann so schnell vor Ort sein, damit aus unvorsichtigen Fahrlässigkeiten kein schrecklicher Flächenbrand entstehen kann.

Immer auch wieder die gleichen Diskussionen, ob man denn genügend technische Mittel vorhält und da muss man ganz einfach sagen: Man kann gar nicht genügend Helikopter, Pumpen, Flugzeuge und weitere Technik bereit stehen haben, sollte es eben zu einem solchen Flächenbrand kommen. - Hat auch was damit zu tun, dass das Zeug, und natürlich damit das Personal nur kurz im Jahr gebraucht werden und man es nicht wirklich planen kann, wann es denn nun wo brennt. - Vielleicht auch mal eine europäische Aufgabe, oder noch weiter Regionen übergreifend, schließlich ist immer irgendwo auf der Welt Waldbrandzeit und auf der anderen Seite nicht. - Löschflugzeuge hätte man gerne hier stationiert, aber das mag für Gran Canaria noch Sinn machen, für La Palma und die anderen kleinen Inseln, also La Gomera sowie El Hierro, sind Flächenflieger kaum wirksam einzusetzen Unsere abrupte Orografie macht es für Flugzeuge viel zu schwer und damit auch gefährlich, in Schluchten rein zu fliegen, wohlmöglich noch in verrauchte Barrancos, und dort dann das Wasser auch noch gezielt abzuwerfen. - Für uns macht ein gutes Zusammenspiel aus Hubschraubern und fähigem Bodenpersonal Sinn und da haben wir in den vergangenen Jahren im Zusammenspiel mit lokalen Kräften und den Hubschraubern der landesweit operierenden "BRIF" (Brigada de Refuerzo contra Incendios Forestales) gute Erfahrungen gesammelt. - Die haben im Sommer immer zwei Maschinen hier auf La Palma stationiert, allerdings sind das nicht wirklich "unsere Hubschrauber", sondern die sind natürlich im Brandfall für alle Kanareninseln da und so befinden sich diese beiden Helikopter auch erneut im Einsatz auf Gran Canaria. - Es sollte also nicht gleichzeitig auf zwei Kanareninseln brennen und damit haben wir im Grunde auch schon wieder die Frage beantwortet, ob man denn genügend Technik und geschultes Personal bereithalten kann. - Radio Eriwan gibt wie immer die adäquate Antwort, im Prinzip ja, besonders im Winter und nach langen Regenfällen haben wir genügend Einsatzmittel gegen die Waldbrände… Im schlimmsten Fall, also bei solchen Wettersituationen wie diesen, und sollte es dann auch noch auf mehreren Insel gleichzeitig brennen, so wie das im Sommer 2012 der Fall war, dann bleibt Radio Eriwan stumm und wir müssen auf milderes Wetter warten.

Aber nun stecken wir in der Hitze, zumindest noch bis Mitte kommender Woche und können nur hoffen, dass alle diszipliniert bleiben mögen und niemand feurigen Mist baut. - Richtig Sommerpause haben übrigens unsere Politiker auch nicht, in Madrid sucht man weiterhin noch Möglichkeiten, eine Regierung zu bilden, allerdings hat man schon längst aufgegeben Mehrheiten formen zu wollen, es geht längst nur noch darum, mit würdigen bis mitleidigen Stimmenthaltungen doch noch Neuwahlen zu verhindern. - Vielleicht sollte man aber, angesichts der neue gemalten Parteienlandschaft, (fünf statt zwei plus Regionalisten) auch neue Formen der Regierungsbildung überlegen. - So könnte man ja mit geheimer, anstatt namentlicher Abstimmung den Fraktionszwang lockern, oder eben gleich, nach Vorbild der "Cabildos Insulares" generell den meistgewählten Listenersten zum amtierenden Präsidenten machen, um so zumindest eine Minderheitsregierung möglich machen. - Allerdings bräuchte man zu solchen Änderungen überhaupt erstmal Mehrheiten in Regierung und Parlament und schon stehen wir wieder am Anfang. - Was dann folgen könnte wären natürlich auch wieder die Neuformierungen anhand der lustigen Erfindung der Misstrauensanträge und folgende Abstimmungen. - Das durften wir ja gerade eben im Cabildo Insular de La Palma erleben, und haben auch noch länger was davon, zumindest nachrichtentechnisch, denn wieder liegt das Problem im technisch/juristischen Detail und der Demokratie nicht gerade dienenden Forderungen von Koalitionsdisziplinen in den Parteien.

Nach einem geglückten Misstrauensvotum gegen Nieves Lady Barreto, von der Coalición Canaria, welche mit knappem Stimmenvorteil die Wahl zum Inselvorstand gewonnen hatte, ist nun Mariano Zapata von der Partido Popular als Inselpräsident bestätigt worden. - Das natürlich nur mit Hilfe der Sozialisten unter dem Ex-Inselpräsidenten Anselmo Pestana und nun haben wir auf La Palma das, was man in Deutschland eine Große Koalition nennen würde. - Allerdings kommen uns solche Sachen hier natürlich "Deutsch" vor und immer wenn Restvernunft Einlass in die Politik fordert, dann stellen sich die Parteien quer. - Vor Jahren noch waren das die Sozis, jetzt sind es die konservativen Brüder der Partido Popular, welche sich gegen das "Bündnis wider die Natur" hier auf La Palma wenden und die sechs Ratsmitglieder der Partido Popular kurzerhand aus der eigenen Partei geworfen haben. - Aus disziplinären Gründen wie es heißt, als müsse man uns doch tatsächlich erneut beweisen, dass die meisten unserer Parteien lediglich an ihrem eigenen Wohlstand interessiert sind und weniger an Land, Leuten und Regionen. - Allerdings lassen sich unsere "Sechs Aufrechten" davon bislang nicht kleinkriegen, obwohl man denen nun sogar ans Geld geht. - Da nun die Partei, also die Partido Popular sagt, sie hätten gar keine Vertreter mehr im Cabildo Insular, verlieren die Räte, welche in der Liste der Partido Popular angetreten sind ihren Fraktionsstatus und damit die Rechte auf Gehalt, Büros und Mitarbeiter. - Sie werden also momentan behandelt wie die Räte der Opposition und Geld gibt es lediglich für die Anwesenheit in Kommissionen und Plenen. - Einer allerdings kam durch, Mariano Zapata, der wurde ganz knapp vor dem Rauswurf, (oder war es während, oder gar davor?) schnell noch zum Rat für Steuerangelegenheiten in Los Llanos bestimmt und erhält somit ein Gehalt.

Machbar nur, weil in Los Llanos Noelia García in absoluter Mehrheit regiert und es wird Sie nicht überraschen, dass die der Partido Popular angehört. - Manche sagen übrigens: Noch, und die anderen fünf Räte bleiben weiterhin ohne Gehalt! - Ob das rechtlich alles haltbar ist, das wissen wir nicht, ebenso wenig, ob denn die Parteiausschlüsse einer juristischen Prüfung standhalten und zumindest hier sind sich die allermeisten Beobachter sicher, dass diese Rauswürfe im Ruck-Zuck-Verfahren nicht mit den Gesetzen vereinbar sind. - So einfach kann man niemanden aus der Partei werfen und vor allem nicht so schnell, so dass die Ratsmitglieder, welche der Partido Popular angehören, oder zumindest auf deren Liste kandidiert haben, noch relativ gelassen wirken. - Wobei ja drei der sechs Inselräte gar nicht der Partei angehören, also auch nicht rausgeworfen werden können, aber wohl deren Fraktionsstatus angezweifelt wird. - Allerdings hält das die jetzige Inselregierung nicht davon ab, dennoch kräftig los zu regieren, obwohl eigentlich auch politische Ferien wären. - Darüber hinaus muss man ja das Regieren nicht erst lernen, man kann sich ja auf die funktionierenden Kader der Genossen rund um Anselmo Pestana verlassen, die zogen ja bislang auch schon die Seile. - Fäden zu sagen wäre wohl an dieser Stelle lässig bis fahrlässig. - Ich persönlich kann mir so klammheimlich Freude über den Umstand nicht verkneifen, dass nun der Präsi (PP) ohne den Vize (PSOE) nicht mal mehr an Büroklammern kommt, wobei der Umstand an sich, dass die Coalición Canaria nicht nur die Inselvertretung La Palmas verloren hat, sondern ist inzwischen in keinem Cabildo Insular der Kanaren mehr als Regierungspartei vertreten ist, den klammheimlichen Bereich deutlich verlassen hat.

Haushalt 2019 durchgewunken, übrigens der größte Inselhaushalt aller Zeiten, und man denke auch bereits an 2020 (ob ich mal nachfrage, wie da die Gehälter der PP-Abgeordneten mit eingerechnet sind…) und so merken wir schon, wo das langlaufen soll. - Endlich mal Klotzen ohne Krise und ohne Coalición Canaria, also Füllhorn über die Insel ausgießen und nicht darauf achten müssen, dass die "gewissen Kanäle" zuerst und reichlich gefüllt werden. - Und man legt auch gleich los, der Bauauftrag für den touristischen Komplex auf der ehemaligen Müllverbrennungsanlage in den Bergen El Pasos ist raus. - Mendo nennt sich diese Ecke, auf dem Weg in den Süden, dort in der Nähe der Kirche Santa Cecilia, und bei allem gebührenden Respekt vor der eigenen Kritik, so richtig meckern über diese neueste Errungenschaft in Sachen Zielgebietsaufwertung fällt mir hier schwer. "Centro de Apoyo Ambiental y Recreativo de Mendo" heißt das Ding offiziell und soll eine Art Gleitschirmfliegersternenbeobachtungsmüllzeigefingerinterpretationszentrum mit Biosphärenschwingungsmanometer werden. - Mal wieder ein Alleinstellungsmerkmal als Substantiv in Google, aber auch im Anspruch an sich schon einigermaßen hoch geschraubt und so ganz werde ich den Verdacht nicht los, dass man sich dabei ein bisschen touristisches Patchwork gönnen will. - Gut, alles ist besser, als die ehemalige Nutzung als schwelende Müllverbrennungsanlage, und ich möchte mich auch gar nicht mehr wirklich daran erinnern, wie es dort oben noch vor 10 Jahren aussah. - Obwohl schon lange nicht mehr in Betrieb, warfen viele Leute ihren Dreck dennoch dort einfach in den Wald und irgendwelche Hirnis zündeten den Kram dann auch immer wieder mal an. - In dem Zusammenhang mag dann auch die Architektur des neuen Gebäudes durchaus als Verbesserung der Umgebung gelten, allerdings gebe ich gerne zu, dass ich von Architektur sogar noch weniger verstehe, als von Mode.

Die Gleitschirmflieger freuen sich wohl auf die neue Startgelegenheit, allerdings ist das für die nun auch keine Neuerfindung der Balken in der Luft, und man darf durchaus so weit kritisch bleiben und hinterfragen, ob es denn wirklich neue Besucher auf der Insel geben wird, da man nun auch von Mendo aus mit dem Gleitschirm starten kann. - Aber die Hobbyastronomen, an die gewandt könnte schon was richtig locken, denn dort will man auch mehrere Teleskope/Observatorien einrichten und dem interessierten Laien zur Verfügung stellen. - Und das hat seit Jahrzehnten gefehlt, auch wenn die Führungen auf dem Roque sich über die Jahre hin deutlich verbessert und professionalisiert haben, so richtig selber gucken, und die Nacht an der Linse hängen, das konnte und kann man bislang nur privat. - Allerdings steht natürlich immer noch die Nagelprobe aus, denn alleine das Bereitstellen der Infrastruktur verspricht ja noch keine verwertbare Nutzung. - Und hier habe ich meine Bedenken, denn bislang sind wir meist nicht sonderlich gut gefahren bei der Handhabung öffentlicher Ressourcen in Sachen touristischer Nutzung. Aber gerne lassen wir uns positiv überraschen, und manch einer wird nun weise bis hämisch lächeln, der Siebold denkt doch tatsächlich noch vor dem Baubeginn des "Centro de Apoyo Ambiental y Recreativo de Mendo" bereits über die Nutzungsvergabe des Komplexes nach. - Das wäre ein bisschen so, als würde man heute bereits eine Abflug aus BER buchen, und wir sind alle ganz gespannt, von wo aus denn eher geflogen wird. - Gleiches gilt übrigens, zwar nicht in Sachen Fliegen, sondern in Sachen Baden, ob denn nun auch endlich der entscheidende erste Schritt in Sachen Bau des Bades der Heiligen Quelle stattfinden kann. Allerdings gibt es hier eine neue Hürde, inzwischen ist Fuencaliente wieder nach den Kommunalwahlen ein wohlfeiler Hort der Coalición Canaria geworden, und man somit neue Auseinandersetzungen mit dem Cabildo Insular erwarten könnte.

Wieder Auferstanden aus Ruinen ist unser Wunsch nach dem "TMT", dem riesigen Teleskop mit einem Primärspiegeldurchmesser von 30 Metern. - Darum hatten wir uns ja schon seit ein paar Jahren beworben, kamen allerdings nie über die Position des ersten Ersatzspielers hinaus. - Klar, die Hauptfinanzierung liegt bei US-Amerikanischen Universitäten und die haben ja schon reichlich Infrastruktur der himmlischen Beobachtungsart auf Hawaii und so wollen die natürlich auch das Monsterding auf ihrem Territorium haben. - Allerdings gibt es Probleme auf Hawaii mit den dortigen Nachkommen der Ureinwohner, diese wollen nämlich keine weiteren astrophysikalischen Einrichtungen mehr auf ihrem Heiligen Berg, und protestierten dagegen. - Alles musste vor Gericht, doch dieses gab Grünes Licht für den Bau, moderne Wissenschaft geht vor, und alte Götter müssen weichen, und so zog man sich hier auf La Palma auch gedanklich bereits zurück und schloss mit den Möglichkeiten, das riesige Teleskop zu bekommen, bereits zähneknirschend ab. - Nun aber ignorieren viele Gegner des Baus des großen Teleskopes auf Hawaii den Gerichtsentscheid und protestieren weiter und haben die Bauarbeiten wohl sogar mit physischer Präsenz zum Erliegen gebracht. - Und sofort keimt nun wieder Hoffnung bei uns auf, und der Ruf geht erneut bis in den Pazifik, wenn ihr das Ding dort nicht gebaut bekommt, dann kommt doch zu uns, uns ist nichts heilig. - Das waren nun natürlich meine Worte, allerdings ist der Widerstand gegen die Einrichtungen auf unserem höchsten Berg der Insel auch nicht wirklich sehr groß, zwar gibt es Einspruch der rührigen Organisation "BenMagec", nur weiß man aus Erfahrung, dass diese Einsprüche kaum Gewicht in hiesigen Entscheidungsprozessen finden. - Allerdings steckt der wirkliche Haken eh auf anderer Seite, die Geldgeber sind wohl das Problem, weniger die hiesige Verwaltung, oder die Qualität der Möglichkeiten der Himmelsbeobachtung. - Es ist natürlich verständlich, dass man lieber im "eigenen Land" das Geld ausgibt und man hat eben dort auf Hawaii bereits die gesamte gewohnte sekundäre Infrastruktur und Netzwerke, welche man hier auf der Insel erst schaffen müsste. - Es sind also wohl weniger Hawaiianische Götter, welche den Standort des Teleskops bestimmen, sondern schnöde, öde, profane aber verständlich Gründe, welche sich um Geld, Einfluss und Gewohnheiten drehen. - Sollte es aber dennoch zu einem Bau des riesigen Teleskops auf La Palma kommen, dann würde das für die Insel den endgültigen Podestplatz der Himmelsbeobachtung der nördlichen Hemisphäre bedeuten und könnte auch Startschuss für viele weitere Investitionen in Sachen Hochtechnologie sein. - In dem Sinne, liebe Brüder der ökologischen Fraktion, hier bin ich mal anderer Hoffnung als ihr.

Vom Thema her sind wir ja bereits touristisch und bleiben das noch ein bisschen, denn es läuft auf der Insel im Moment überhaupt nicht gut. - Noch blüht der sommerliche Besuchszirkus der anderen Inseln und da wir inzwischen ja bei 75% Rabatt innerhalb der Inseln für Flüge und Schifffahrten angekommen sind, wird kräftig zwischen den Inseln hin und her geflogen und gefahren. - Darüber hinaus haben sich ja auch mit der massenhaften Legalisierung von neuen Urlaubsquartieren in Form der Vv (Viviendas vacacionales) viele neue Angebote ergeben. - Und das wird reichlich genutzt, besonders eben die Möglichkeit, bei vielen diesen neuen Übernachtungsmöglichkeiten auch nur drei, zwei, ein Wochenende, oder gar nur einen Tag zu mieten, und dennoch bleiben dabei die Preise weit unter denen der Hotelangebote. - Darüber hinaus sind die Leute von den anderen Inseln auch weltmeisterlich in der Unterbringung von 8 Personen in 3 Betten und meist wird kein Wert auf irgendwelchen Luxus gelegt, sondern eben auf günstig und unkompliziert. - Viele der neuen Vermieter haben noch gar nicht so richtig nachgerechnet, ob sich denn das anhand der Kosten und der anfallenden Steuern von 20% plus 6,5% Mehrwertsteuer überhaupt lohnt, nur einen oder ein paar Tage zu vermieten, aber mit Kalkulation hatten wir das noch nie so richtig. - Zu fürchten bleibt darüber hinaus die Überraschung, wenn man am Jahresanfang bei der großen Steuerabrechnung mitbekommt, dass das Finanzamt längst weiß, wie viele Gäste im Haus waren, und wie viel eingenommen wurde. - Auf der anderen Seite nehmen diese neuen Übernachtungsmöglichkeiten natürlich auch den Hotels die Buchungen weg und sorgen so für neuen Ärger zwischen Hoteliers und Ferienhausbranche. - Dabei was das bislang eigentlich ein recht friedliches Nebeneinander, denn Urlauber in Ferienhäuser, welche 14 Tage auf der Insel verweilen wollen, wären sonst nie in ein Hotel gegangen und das Angebot der Ferienhäuser reichte bislang nicht aus, auch für Kurzzeitbuchungen breite Angebotsschienen zu entwickeln. - Aber noch weiter gedacht kann das auch zum Bumerang werden, da nun nicht nur die Hotels Auslastung verlieren, sondern auch die Reiseveranstalter, denn die Buchungen der Unterkünfte per Handy über Portale lassen diese "Touroperatoren" ja außen vor, und die werden sich dann allerdings überlegen, ob man weiter Flugkontingente auf solche unsicheren Ziele bucht, wie es La Palma nun einmal ist. - Daraus kann auch folgen, dass somit die Fluggesellschaften einen Rückzieher machen, da ohne große Vorreservierungen der Reiseveranstalter des Risiko zu groß wird und La Palma damit erneut viele Verbindungen verlieren könnte.

Man muss eben auch hier die Dinge weiterdenken und dabei haben wir noch nicht einmal die, inzwischen auch hier auftauchende, Gentrifizierung erwähnt. - Das mag nun von Insel zu Insel verschieden wirken, und vielleicht stutzt sich das auf unserer Insel auch bald wieder zurecht, da viele neue Quartiere ganz auf kanarisches Publikum zugeschnitten sind und diese Nachfrage ab Mitte September wieder fast komplett einschlafen wird. Auch können wir nicht abschätzen, wie denn die Condor sich vielleicht von Thomas Cook lösen könnte und wie man es schafft, die Franzosen und Skandinavier zu halten, welche ja bereits gedroht haben La Palma wieder aus dem Programm zu streichen, sollte man nicht mit "Werbekostenzuschüssen" die Flüge auf die Insel subventionieren. - Das Wort ist in der Branche eigentlich verboten, allerdings wissen wir das doch alle schon lange und gäbe es nicht die Rabatte für Flüge zwischen den Inseln und aufs Festland, welche auch nichts anderes als eine Subvention sind, dann würden die politisch Verantwortlichen wohl versuchen, Statistiken irgendwie umzuschreiben. - Das haben wir alles schon gehabt, und wieder einmal zeigt sich eben die Verletzbarkeit der Inselvolkswirtschaft und das Problem, dass wir ein klein bisschen zu groß sind, um auf "Süßen Geheimtipp" zu machen, viel zu klein allerdings, um Wertschöpfungsketten der konservativen Tourismusindustrie zu befriedigen. - Es kommen auch noch weitere Handicaps hinzu, da nicht jeder mit dem Segelboot über den Atlantik geschippert wird, sondern man als "normaler" Urlauber eben doch den Flieger bemühen muss, um auf die Kanaren zu kommen. So spüren wir, trotz manch konträrer Aussagen darüber, so etwas wie "Flugscham" bei unserem angestammten Publikum. - Eben gerade weil wir diese "grün angehauchten Pädagogen" gerne bewirten und ja generell auf Natur und "Grüne Insel" machen, wie könnte man da die Tatsache übersehen, dass Fliegen nicht gerade umweltfreundlich ist. - Gut, ein bisschen nachgedacht kommt man wohl auf den Trichter, dass man für ein bis zweimal 14 Tage im Jahr durchaus einen Flug buchen kann ohne gleich "Persona non Greta" zu werden, und das Hauptproblem eher in den vielen Kurzreisen liegt. - Dazu erzählte mir ein Gast eine ganz verstörende Geschichte, welche schon nicht mehr als skurril zu bezeichnen ist, sondern ins Reich der Perversion gleitet. - Anstatt sich eine Unterkunft in einer der meistbesuchten Metropolen der hippen Städtehopperszene zu besorgen, gibt es Spezialisten, welche morgens in die besuchte Stadt fliegen, abends zurück und am kommenden Morgen wieder hin. - Also die Flüge von und nach der besuchten Stadt zusammen sind billiger, als die Unterkunft für eine Nacht. - Wohl auch der Grund, warum Greta nötig ist und das mit Feinjustierung an den Stellschrauben alleine alles nicht mehr machbar scheint.

Aber der Tourismus auf der Insel schwankt bei den Besucherzahlen nicht nur alleine, weil unsere Stammgäste aufgeklärt und kritisch durch die Welt laufen, sondern es gibt viele andere Gründe, warum La Palma kein massenkompatibler Dauerbrenner ist. - Wieder ausgehend davon, dass unser bisheriges Stammpublikum eher, wie ich, über dreißig ist, deutlich sogar, spielt die generelle Unsicherheit in Sachen Flugplanung eine große Rolle. - Dabei geht es nicht nur darum, dass nach LTU, Air Berlin und Germania, die jeweils größten Fluggesellschaften für La Palma Urlauber aus deutschen Gefilden weggebrochen sind, was sonst da noch herumfliegt, wie eben auch der Premiumcarrier Condor inzwischen weniger Flugpläne herausgibt, sondern eher unverbindliche Serviervorschläge. Manche Routen auch nicht mehr selbst bedient, sondern von Chartern bis aus Lampukistan fliegen lässt. - Das irritiert mindestens und ich habe allergrößtes Verständnis dafür, dass man sich ungerne die Urlaubsplanung umwerfen lässt, manchmal gleich mehrfach. - Wie, jetzt anderer Flugtag? - Quartier umbuchen, Mietwagen, Kollegen Bescheid geben. - Was, jetzt auch noch anderer Flughafen, neu planen, Anreise einen Tag vorher, Hotel besorgen. - Ich könnte mir andere Ferien vorstellen und in der Tat, viele haben inzwischen auch gleich zu Iberia-Expres gewechselt, oder haben die Schnauze gestrichen voll und bleiben, so wie ich, einfach zu Hause. - Mit zunehmendem Alter steigt die Anforderung an den Leidensdruck das Land zu verlassen und Deutschland ist, sicher auch nicht nur auf dem Lande, durchaus lebenswert.

Es bleibt auch weiter schwer nun für Nachwuchs im touristischen Nutzerkollektiv zu sorgen, auch wenn man unseren touristischen Planern durchaus nicht vorwerfen kann, es nicht versucht zu haben. - Über sportliche Aktivitäten wollen wir locken, Tauchen, Extremläufe, Mountainbike und dann natürlich auch die bereits angesprochenen Aktivitäten rund um die Himmelsbeobachtung. - Fast als Fußnote, besser aber wohl als Anekdote ist bei den Bemühungen um neue Gäste auf der Insel aufgefallen, dass man doch tatsächlich nach China gereist ist, um dort darauf hinzuweisen, dass der spanische Ehemann einer chinesisch/taiwanesischen Dichterin hier auf der Insel im Jahr 1979 beim Tauchen ertrunken ist. - Ich will gar nicht weiter darauf eingehen, da mir sonst die Zynismusdrüse wieder anschwillt, aber vielleicht sollte man schon darauf achten, so ein bisschen bei seinen Leisten zu bleiben. - Und diese Leisten haben deutlichen europäischen Einfluss und vielleicht ist es eben gerade die immer wieder mit dem Holzhammer der Nichtbeachtung auf uns eingeprügelte Wahrheit, dass wir außer Nischen eigentlich gar nichts haben und sind. - Aber wohl schließt sich hier damit wieder ein Kreis, Nischen sind In und wir haben auch beobachtet, dass es einen deutlichen Pendelausschlag gibt, welcher sich manchmal auf La Palma zu bewegt, und dann wieder weg und wir eigentlich immer dann authentisch sind und sicher schrullig-reizvoll, wenn uns die Welt da draußen wieder mal mit der großen Ignoranz mehr anscheinend als scheinbar gestraft hat. - Das Schlimmste, was uns touristisch passieren könnte wäre, eines Tages so schnell werden, dass wir auf einen fahrenden touristischen Zug aufspringen, der gerade mal wieder als Trend über die heute dominanten sozialen Medien neue Freuden verspricht. - Aber ich habe feste Zuversicht, dass wir auch weiterhin allen modischen Versuchen touristischer Hochglanzaugenblicke widerstehen können, und sei es auch nur aus gepriesener Unterlassung. - Und genau da liegt unsere Nische, während andere sich bereits dreimal um die eigene Achse ge- und verdreht haben, harren wir immer noch in gleicher Richtung aus und landen felsenfest sicher, da wir gar nicht abgehoben sind. - Hoch lebe unsere Sturheit und gepriesen sei unsere Unbeweglichkeit, und sollten Sie einen Fels in der Brandung des sich andauernd verändernden Alltags, ein kleines Stück unverrückbaren Basalt im Atlantik suchen, auf dem die Dinge noch analog klappern und nicht digital piepsen, ich hätte da eine gute Adresse für Sie…

Apropos analoges Klappern. - Meine Kreise werden kleiner und mit ganz viel geduldiger Beobachtung scheint es sogar zu sein, die Kreise werden solventer. - Vielleicht liegt es ja auch am Alter, nicht auszuschließen, wer bereits über Globuli stolpert, dem taugen diese sicherlich nicht mehr, aber die Aussicht, die Welt nicht noch einmal erobern zu müssen, die hilft schon ganz gewaltig. - Jetzt ist die zweite Tochter auch fertig mit dem Studium, und auch wenn es noch nicht reif zum Spruche ist, für den weiteren Fortgang ihrer materiellen Existenz muss ich wohl auch kaum noch beitragen. - In der Firma greifen jüngere Hände nicht mehr nur unter die Arme, sondern auch schon in die Zukunft, und meine Frau zweifelt inzwischen nicht mehr grundsätzlich an mir, sondern nur noch an Details… Also alles klar für die Dreiviertellive-Krise, und eigentlich müsste ich mir jetzt peinlich zu enge Fahrradhosen kaufen, den Jakobsweg "machen", oder mindestens anfangen, mir Pinsel zu kaufen, weil Männer in meinem Alter oft glauben, malen zu können. - Aber nichts von dem reizt mich, auch nicht ansatzweise. - H0 Märklin oder Fleischmann, mit Faller-Häuschen, das fällt leider weg, mangels Masse und Infrastruktur, also Blümchen auf der Terrasse, mit großem Erfolg übrigens, Schwarzwurzeln im Garten, mit deutlich geringerem Ertrag, und auch wenn ich es noch nicht einmal versucht habe, mein ältere Tochter hat mir sogar schon ein Netflix-Konto eingerichtet. - Und den Jakobsweg, den gebe ich mir täglich, er heißt nur anders bei mir, und ist im Gesamtzusammenhang ein bisschen eingekürzt, und vielleicht auch körperlich weniger anspruchsvoll. - Aber ich spreche mit meinen Nachbarn täglich, manchmal sogar mehrfach, weil mein Jakobsweg nicht nur weg-, sondern auch wieder hin führt, und ich beherrsche inzwischen mehrschichtige Unterhaltungen über das Wetter und die Wasserpreise, je nachdem man von Nord nach Süd läuft, oder halt umgekehrt.

Nicht zu unterschätzen dabei ist die notwendige soziale Kontrolle und das kollektive Senkblei einer nicht weiter definierten allgemeinen Moral, allerdings gebe ich zu, es unheimlich zu genießen, daran täglich ein ganz kleines bisschen zu feilen… Ich habe fast schon eine Sitzkuhle in die Bank meines Dreh- und Angelpunktes des täglichen Weges gedrückt, aber ich verzichte auf die früher so üblichen Schnitzereien ins geduldige Holz. - Sie wissen schon, diese vagen, aber dennoch ewigen Versprechungen in Herzen gemeißelt. - Vielleicht verzichte ich ja auch drauf, weil die Ewigkeit aus meinen summierten Jahresringfalten errechnet ja auch lächerlich kurz geraten kann. - Also keine Spuren hinterlassen, oder so wenige wie möglich und in der Tat, meine Greta-Skala in den letzten Jahren kann sich immer mehr sehen lassen. - Ich verreise eigentlich gar nicht mehr, wenn ich mal weit, also bis nach Los Llanos fahre, dann ziehe ich als Festtagsstaat meine, inzwischen zu eng gewordene Marken-Jeans an, esse kaum noch Fleisch, bringe immer wiederverwertbare Tüten mit zum Einkauf und versuche, auch lokale und saisonale Produkte zu bevorzugen. - Meine beiden Schwachpunkte sind der "Vorkriegsdiesel" (welcher Krieg hier gemeint ist, das verrate ich nicht…) den wir als Familienfahrzeug zur weiteren Fortbewegung nutzen, sowie unser Strom aus der Steckdose. - Nach wie vor verbrennt man in unserem Kraftwerk neben der Hauptstadt Fuel-Oil, um unseren elektrischen Strom zu erzeugen. - Wenn das Greta wüsste, aber ich finde gut was dieses blonde Geschöpf da macht, und ganz vielen gefällt das nicht, weil Greta und Umfeld uns unmissverständlich klar gemacht haben, dass uns das alle angeht, ausnahmslos, und nicht nur die selbst ernannten linksgrünversifften Illuminaten wie mich. - Zurück von Greta zu Jakob, also dem mit dem Weg, vielleicht sollte sich jeder mal überlegen, dass er nicht Jakobs Weg gehen muss, um irgendwie weiter zu kommen, sondern seinen eigenen. - Und Wege gibt es reichlich, für jeden und überall und die sind viel näher, als man sich das zu vermuten traut. - Mich macht es eben stutzig bis argwöhnisch, wenn man sich selbst näherkommen will, indem man Dinge nachmacht, die andere für sich, erfunden haben, oder meist nur als pekuniäre Quelle nutzen. - Yoga beginnt nicht mit dem Kauf einer besonders schicken Yoga-Matte! Des Jakobs Weg dem Jakob und wer glaubt, er könne sein eigenes Kreuz stehen lassen, weil es irgendwo heißt, jeder trage des anderen, der sollte das zugesteckte Geld von der Konfirmation lieber der Caritas geben. - Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit, ein Fleißbildchen haben Sie sich dafür deutlich verdient!




Das Monster hinter den Zinien





Montag 15.07.2019 13:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 23 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 61 % - Luftdruck 1021 hPa

Verspätete Ostern im Cabildo Insular, die Partido Popular hat die Eier gefunden!
Und dann war da noch der Tag, der Flug und die Drachen…


Spannender kann man es kaum machen, als hier auf der Insel. - Gut, in Madrid läuft auch noch ein Krimi, der sogar weit reichendere Folgen haben kann. Dort stellt man sich die Frage, wer denn alles durch schallend-ostentative Enthaltung glänzen will und damit den Beau Pedro Sánchez zum Presidente durchwinken will. - Keiner will da schon wieder Neuwahlen und man ist sich einig, wer dieses Mal eine Regierungsbildung in Madrid verhindert, der ist der Verlierer der dann kommenden Wahl, aber wenn man vorher wüsste, wer sich alles enthalten will, dann könnte man selbst mit Nein stimmen und so schon wieder prächtige Opposition sein. - Bis dahin muss Pedro noch ein bisschen arbeiten und alle gefügig halten, die neue Vielparteienlandschaft profiliert zukünftig wohl eher geschickte Verhandler, als starke Persönlichkeiten und noch fehlt uns die Erfahrung zu wissen, ob das gut für uns ist, oder schlecht. - Im Cabildo Insular de La Palma ist auch noch nicht so ganz klar, wie denn die zukünftige Regierung aussehen wird, auch wenn es bereits eine Inselpräsidentin gib, sowie seit letzter Woche einen beantragten Misstrauensantrag gegen die erste Dame der Insel, welcher am 24. Juli durch Abstimmung Nieves Lady Barreto als dann Vierwochenpräsidentin bereits wieder in den Ruhestand schicken könnte. - Konjunktiv deshalb, da immer noch die Möglichkeit besteht, dass dieses Votum für oder gegen amtierende Präsidentin gar nicht stattfinden kann. - Ich glaube zwar, es findet statt, aber wir müssen seriös bei solchen Entscheidungen bleiben, denn die mutigen gewählten Inselräte der Partido Popular könnten noch vorher aus der Partei geschmissen werden.

Jetzt wird es noch ein bisschen komplizierter und ich hoffe, Sie haben ein bisschen Zeit mitgebracht. Aber ich weiß ja aus Erfahrung, dass die Leser dieser Kolumne sich längst damit abgefunden haben, dass hier Lesemodus, und nicht rüberscrollen angesagt ist. - Da ich nicht weiß, was Sie wissen, muss ich auch wieder ein bisschen ausholen und die Zahlen erneut aufrufen, wie denn nun nach der Wahl am 26. Mai die Zusammensetzung im Cabildo Insular de La Palma ist. - 8 Sitze fallen auf die Coalición Canaria mit Nieves Lady Barreto an der Spitze, 7 Ratsposten haben die Sozialisten unter Anselmo Pestana ergattert, und 6 die Bürgerlichen der Partido Popular mit ihrem Capo Mariano "Viva" Zapata. - Da es eine Sonderklausel für die Zusammensetzung der höchsten Inselinstanzen gibt, wird immer die Nummer eins der meistgewählten Partei Inselvorstand. - Sollten sich die anderen aber einig sein, wie in diesem Fall, und man sich besser gewappnet glaubt, dann kann die Geschichte nur über einen Misstrauensantrag gegen die Person des Präsidenten gehen. - Nun haben sich, nach vielen Wochen des Verhandelns und Schacherns, die PSOE und die PP zusammengetan, um eben und endlich die Coalición Canaria aus dem Amt zu drängen. - Unter der Hand, oder besser hinter der Bodega weiß man zwar, das alles bereits vor den Wahlen so abgesprochen war, aber man tut, was eine Partei tun muss, nämlich: So. - Allerdings sind diese beiden Parteien ja auf Landesebene eigentlich gesetzte Gegner und so besteht oft Koalitionsverbot in den Gemeinden, oder Autonomen Regionen, bestimmt von den Parteizentralen in Madrid. - Hatte vor vier Jahren noch die PSOE zu einer solchen Liaison auf Inselebene Nein gesagt, so will das dieses Mal die landesweit so hart gerupfte Partido Popular nicht.

Aber Madrid ist weit und wir haben wirklich was anderes zu tun, als den Bürgerlichen dort das Taschentuch unter die Tränen zu halten und so wagen nun die sechs Räte der PP hier im Cabildo Insular den Disziplinbruch, und streben eine Regierung mit den lokalen Sozis auch gegen das klare Verbot aus Madrid an. - Eier muss man haben, denn nun riskieren die Leute hier vor Ort den Parteiausschluss, genau so, wie das den Sozis vor vier Jahren schon gegangen ist. - Damals, ich weiß es noch wie heute, da versteckten sich die gewählten Räte der Sozis, damit man ihnen den Parteiausschluss nicht persönlich per Bürofax zustellen konnte, noch vor dem Misstrauensvotum, damit die Abstimmung überhaupt gültig wäre. - Rechtlich ist es immer noch fragwürdig, ob denn ein Inselrat überhaupt weiter Stimmrecht hat, wenn er aus der Partei, mit welcher er ins Cabildo gewählt wurde, rausgeschmissen wurde. - In diesem Fall sieht das ein bisschen anders aus, denn drei der sechs für die PP angetretenen Räte sind gar keine Mitglieder der Partido Popular, sondern parteilos, und können so auch gar nicht aus der Partei geworfen werden. - Ob man da bereits im Vorfeld schlauer als alle anderen war, oder das nur ein, jetzt passender Zufall ist, das konnte ich noch nicht herausbekommen. - Darüber hinaus erklärt Madrid, die Disziplinarmaßnahmen gegen die Räte aus La Palma sind zunächst vorläufig, man sei noch am prüfen, ob denn ein fristloser Rauswurf in dieser Situation überhaupt machbar sei. Auf jeden Fall könnte man lediglich drei der sechs Räte die Stimmmöglichkeit entziehen, dann bleiben aber immer noch 10 Stimmen (7 x PSOE und 3 x PP) übrig, welche dann gegen die gewählte Präsidentin sind, die eben nur auf 8 Stimmen kommt. - Jetzt wird es aber noch komplizierter, denn der vom neuen Pakt ausgesuchte Präsidentschaftskandidat, Mariano Zapata, der würde schon unter den Parteiausschluss leiden und ob der dann Präsi werden könnte, ohne Parteizugehörigkeit, darüber zerbrechen sich jetzt bereits viel klügere Leute als wir den Kopf.

Auf jeden Fall setzen da Raul Camacho, Carlos Cabrera und Mariano Zapata mit ihrer Indisziplin ihre politische Zukunft aufs Spiel, und das für die Insel, und darum gibt es hier einen Sonderchapeau, auch wenn es mir in meiner Linkssiffdrüse immer wehtut, Leuten von der Partido Popular Beifall zu spenden. Aber diese drei Figuren, wie auch viele andere lokale Vertreter der Bürgerlichen hier auf der Insel haben so ganz und gar nichts mit dem Sumpf in Madrid zu tun, der leider so hervorstechend spanische Politik ganz nah an Lampukistan gebracht haben. - Ich versuche dabei auch auf die Menschen zu blicken und nicht nur auf Ideologien oder Programme, und so finden wir je selbst bei der Coalición Canaria durchaus fähige Leute. Allerdings ist es mir nicht möglich, jeglichen Nationalismus, und sei er auch in regionaler Form vorhanden, wie das eben hier die CC vertritt, auch nur andeutungsweise zu unterstützen. - Niemand ist mehr oder weniger wert, weil er hier oder dort geboren und aufgewachsen ist, und wer erklärt, dass er aufgrund bestimmter Herkunft eine bessere Behandlung für sich und seine Leute einfordert, der hat einfach noch nicht einmal die Grundbegriffe des menschlichen Zusammenlebens erfahren. - Wer sich dabei sogar noch auf eine Gottheit beruft, also "With God on our side" der begeht auch noch lupenreine und rassenfeile Blasphemie, eben auch genau der Gottheit gegenüber, welcher er so gerne in seinem Schild führt.

Also, Nationalismus geht gar nicht, auch kein selbst ernannter, in schrulliger regionaler Kluft, mit Trachten und Tradition populistisch weich gebügelt. - Allerdings darf man auch nicht gleich jeden und jede Angst vor Fremdem als rechtslastiges Gedankengut einordnen, das gehört mit zu den Grundängsten der Menschen. Aber dafür hat uns doch, wer auch immer, mit Hirn und anderen kognitiven wie emphatischen Fähigkeiten ausgestattet, und was wird aus Fremdem und Fremden, denen man eine Chance gibt und kennenlernt? - Ach wie schön, dass ich nicht objektiv sein muss, sondern denken und schreiben kann was ich will. - Also, auch wenn es nun klar ist, dass es am 24. Juli zu einer "moción de censura" (Misstrauensabstimmung) kommen wird, ist es danach immer noch nicht sicher, ob wir denn dann eine Inselregierung haben, welche auch aus allen möglichen juristischen Winklen gesehen brauchbar regieren kann. - Allerdings sieht es eher so aus, als würde die Parteizentrale in Madrid nur laut klappern mit den provisorischen Rauswürfen. - Denn dort weiß man ganz genau, der politische Gegner, das sind in dem Fall nicht die Sozialisten, sondern die auf dem mitte/rechts konkurrierenden Freibeuter der "Ciudadanos" Bewegung, welche den bürgerlichen Altrockern der Partido Popular schon sehr viele Wähler und Personal streitig gemacht haben. - Für heute lassen wir das mal gut sein mit der Lokalpolitik, das wird uns allerdings sicher noch weiter beschäftigen, aber insgesamt sind das gute Nachrichten für die Insel und beide Koalitionspartner haben da fähige Leute in ihren Reihen, welche deutlichen Anlass zur Hoffnung spenden.

Das Wetter bleibt weiter Thema, denn inzwischen schreiben wir ja 77. Mai und immer noch will es einfach nicht so richtig Sommer werden. - Die Großwetterlage ist einfach noch nicht bereit, und auf der anderen Seite müssen wir halt auch sagen, das kühle Wetter hat deutliche Vorteile. - Auf die Gefahr mich zu wiederholen und manchen Inselgast ein bisschen vor das Sonnenbein zu treten: Man kann auf der Höhe und der direkten Nachbarschaft zur Sahara nur überleben, wenn man eben diese außergewöhnlichen Wetterumstände hat, welche uns der Nordostpassat beschert. - Auch im Sommer Temperaturen im mittleren Zwanzigerbereich sind für uns lebensnotwendig, und lassen uns auch die trockenen Winter und den Wassermangel dadurch deutlich besser überstehen. - Inzwischen sehen das auch viele hitzegeplagten Mitteleuropäer so, und darüber hinaus dürfen wir auch nicht vergessen, dass uns diese gemäßigten Temperaturen die Flächenbrände vom Leib hält. - Auch das war ja beschreibend diesen Sommer bisher, riesige Waldbrände im Osten Deutschlands und hier machte es das Wetter den Feuerwehren jedes Mal leicht, die entstandenen Brandherde gleich nach Ausbruch schnell wirksam zu bekämpfen. - Der dritte Sommer in Folge bislang ohne Hitzewelle, also auch ohne großes Feuer, und von mir aus kann das so bleiben. - Allerdings, da wir gerade bei unverschämten Wünschen sind, ein bisschen mehr Niederschlag im Winter wäre dann doch noch auf der Liste. - Im Großen muss man sich ja aber schon Gedanken machen und wenn das die Folgen des Klimawandels für die Kanaren sind, trockenere Winter, aber kühlere Sommer, dann könnten wir sogar mit einem Blauen, aber trockenen Auge davonkommen. - Aber das ist natürlich viel zu unbestimmt, drei Sommer machen noch keinen Klimawandel, und so lange der Passat weht, kann uns ja eh nichts passieren. - Man könnte ja fast Nationalist werden, angesichts dieser elysischen Winde… - "Vientos Alisios" so nennt man den Passat bei uns, allerdings ist der Passat ja ein Kind des Azorenhochs, des "Anticiclón de las Azores" und schon müssen wir das mit einem anderen Archipel teilen und aller Nationalismus fällt da schon wieder wie ein tausendjähriges Souffleé, Verzeihung, Auflauf, in sich zusammen.

Ganz eigen, endemisch, autochthon hingegen sind einige Schrullitäten, welche es irgendwie wirklich nur hier bei uns auf der Insel zu bestaunen gibt. - Nichts Böses, nur eben, weil wir so sind, und da fällt mir ganz akut die am Wochenende stattfindende Rallye ein, welche das Aridanetal nun zwei Tage wieder in Motorbrummen eingehüllt hat. - Aber Autorennen haben bei uns Tradition, und ab wann etwas Tradition ist, das bestimmen traditionell wir selbst. - Interessant dabei ist nun der Name dieser Veranstaltung, denn die Rallye nennt sich "Rally Senderos de La Palma" und das heißt: Rallye, und dann eben: Wanderwege La Palmas. - Hintergrund ist hier, der private Sponsor wollte nicht mehr und da man Traditionen bewahren will ließ die damalige Inselregierung sich nicht lumpen und schritt als Geldgeber ein. - Und weil gerade kein anderer Topf offen stand, griff man in den für Tourismus und verpasste der hochmotorisierten Veranstaltung den so passenden Namen mit den Wanderwegen. - Der damalige Tourismusrat könnte sich heute als "Persona non Greta" in das Goldene Buch der Stadt Schilda einschreiben. - Ich weiß wirklich nicht, ob sich jemals außer mir Gedanken über den Namen eines Motorrennens im Weltbiosphärenreservat gemacht hat, welches mit Benzin und Reifenabtrieb für die Wanderwege dieser Insel Werbung fahren soll. - Auf jeden Fall halten mich die meisten meiner Freunde für einen links-öko-gedrehten Spinner, der aber harmlos ist und einfach keine Autorennen mag. - Ein andere Punkt schoss mir noch in die Augen, unser Umweltamt, und die vom Archäologischen Institut haben immer mehr die Erbauer der Steinmännchen und Steinkreise im argwöhnischen Blickwinkel. - Sie wissen schon, diese aufeinandergestapelten Steine, wo bei mir ab Stein drei bereits alles wieder umfällt und ich schon daran gedacht habe, mal Sekundenkleber mitzunehmen… - Vielleicht ist es der dankbaren Absenz von Waldbränden ja geschuldet, dass man immer wieder große Artikel in der Zeitung verfasst, in welche inselbekannt Steinschützer darauf hinweisen, dass es ein Naturfrevel sei, wenn man solche Steinmännchen aufstellt oder gar Spiralformen mit Steinen in die Landschaft malt. - Böse, wer die Landschaft verändert, in dem er mehrere Steinchen derart kunstvoll übereinanderstapelt, dass die Säule nicht umfällt, und wer es wagt, Steinkreise, also die Dinger, welche die Ureinwohner der Insel bereits auf Steine gekritzelt haben, in die Landschaft zieht. - Wir sind halt schon ein ganz bestimmtes Völkchen, solch ein furchtbarer Klotz aus Sichtbeton und Lavasteinen, wie der Flughafen, das ist Fortschritt, und wer am Strand, oder schlimmer im Wald, Steinchen aufeinanderstapelt, der frevelt an unserer Landschaft. - Vielleicht ist das ja der eigentliche Sinn des Nationalismus, Steine stapeln und Kreise ziehen, das sind höchste archäologischen Schätze, wenn es nur alt genug ist, aber Frevel, wenn man es heute macht. - Mein Gott, solche Probleme möchte ich auch mal haben. - Es kommt eben doch auf den richtigen Zeitpunkt an und es gibt wohl einen Unterschied zwischen alt und historisch und ich frage mich immer wieder, warum meine Frau mir das andauernd erklären will, wenn ich vor dem Spiegel stehe.

Dinge, die Sie noch unbedingt wissen müssen. sind kaum passiert. Vielleicht die 500 Teilnehmer am "Orgullo LGTBi" in Tazacorte, also unsere Antwort auf den "CSD" und wie schnell, und fast sogar einfach, in unserer so kreuzkonservativen Gesellschaft Homosexualität das geworden ist, was sie ist, nämlich alltäglich. - Ansonsten, La Palma wabert unspektakulär weiter durch Raum und Zeit und auch die seismischen Aktivitäten haben die letzten Monate nachgelassen. - Kaum noch Bewegung in unserem Untergrund, aber das kann sich auch schnell wieder ändern, denn die westlichen Kanaren sind immer noch über dem vulkanischen Hotspot, der uns ja alle geboren hat, und sicher auch die kommenden Jahrmillionen noch weitere Inseln hervorbringen wird. - Unter El Hierro ist es weiter unruhig, rund um den Teide auf Tenerife auch, und zwischen der Mütter aller Inseln, (Tenerife) und Gran Canaria ebenso, wobei die vielen kleinen, zum Teil sogar Schwarmbeben rund um den Teide ja bereits seit dem Jahr 2004 zu Diskussionen führen. - Auffallend ist, dass die Beben unter El Hierro ein bisschen stärker sind, als jene unter Tenerife, allerdings geringer in der Anzahl. - Als fröhlicher Laie mit wachen Augen macht sich da jeder so seine eigenen Gedanken, die weit weg von wissenschaftlicher Unterfütterung sind, sicherlich aber kann man die seismischen Ereignisse unter den Inseln nicht komplett unabhängig voneinander betrachten. - Allerdings hat sich eine Auffälligkeit in Sachen vulkanischer Beobachtung auf La Palma nun geklärt. - Es gab während der letzten Schwarmbeben im Sommer bis Spätsommer 2017 ja auch die Meldung einer geodätischen Station, welche eine Bodendeformation von mehreren Zentimetern gemeldet hat. - Solche Daten können dann durchaus erschrecken, allerdings muss man bei der Station "HOTE" einfügen, dass diese in einem bewässerten Hotelgarten steht, neben Palmen, und so keine glaubhaften Daten senden kann, da Pflanzen durchaus in der Lage sind, Bodenbewegungen im Zentimeterbereich zu bewerkstelligen. - Allerdings stammen die letzten Aufzeichnungen dieser Station aus dem Frühling vergangenen Jahres, man verzichtet wohl inzwischen vorsichtshalber auf deren Daten. - Unten füge ich eine Grafik des "IGN" Instituto Geográfico Nacional ein, welche die seismischen Ereignisse der letzten 3 Monate aufzeigt und dort kann man sehr gut erkennen, wo die Lava musiziert.

Mich ganz privat beschäftigt ja nun eher eine andere Tradition, welche fast schon den Schrecken verloren hatte, nämlich die des Drachenflugtags. - Da der Großteil unserer flugfähigen Familienangehörigen eh nicht mehr hier im Geltungsbereich des Nestvorstandes hockt, waren die Flugbewegungen eher sporadisch in viele Richtungen, allerdings mit der Hauptdirektive, die Mütter aller Drachen bleibt im Horst. - (Mein Gott bekomme ich Ärger, wenn die wiederkommt…) - Nun hat aber auch das Nesthäkchen ausstudiert und wird auf die Weltwirtschaft losgelassen, und so ergibt sich halt doch auf einmal wieder die Möglichkeit, dass man in der Zentrale noch ein bisschen zusammenhockt, oder eben einen Ausflug in ferne und fremde Gefilde unternimmt. - Nach Bayern, also ganz fremd für meine Brut, aber ich konnte die Reisenden ja noch gut unterrichten, schließlich komme ich genau da her. - Bitte, lass das nicht schon der Schluss des Kreises sein, und irgendwie habe ich schon die Hoffnung, die kommen zurück und sagen aus: Ach deshalb bist du so kauzig! - Bis dahin aber muss ich wieder alte Tugenden auffrischen und den Dosenöffner finden. - Ravioli, kalt und direkt aus der Dose, manche Dinge vergehen nie und manche werden auch nie besser. - Inzwischen gibt es ja keine Ravioliunterversorgung mehr hier auf der Insel, so wie wir überhaupt nicht mehr in einer kulinarischen Diaspora leben, so wie das vor 15 Jahren noch eher der Fall war. - Dieses Mal muss ich auch noch unter erschwerten Umständen die vorübergehende Eremitierung abarbeiten, man hat mir eine achte Katze untergejubelt, und was für eine. - Patita heißt die schwarze Dame und natürlich schleppt eine Tierärztin kein unbelecktes, oder gar umkompliziertes Vieh an, sondern irgendwas ist da schief gegangen bei der Schöpfung und die Hinterbeine der kleinen Katze sind falsch herum am Körper angebracht. - Jetzt nicht rechts oder links falsch, sondern die Knie und Pfoten zeigen nach hinten, also die ganz große schöpferische Ohrfeige. - Wie man sich so überhaupt fortbewegen und trotzdem sogar noch Mist bauen kann ist erstaunlich, nur darf ich halt diese ganz spezielle Katze nicht über unsere Terrasse hinaus wirken lassen. - Natürlich denken die auch über eine Operation nach, allerdings mahnen mögliche Nebenwirkungen wohl dazu, eher den Fehler der Schöpfung zu respektieren, als den des Operateurs.

Noch hat die kleine Dame die Tatsache nicht akzeptiert, dass sie im Moment nur mich hat. Wahrscheinlich fürchtet das arme Tier, dass ich nun für den Rest ihres Lebens der Nahrungsspender und Zeitvertreiber sein könnte. - Das ist natürlich ein Schock, zumal die anderen Katzen sich keineswegs als mitleidig erweisen und keinen Hehl aus der Ablehnung gegenüber allem Fremdem und Neuem machen, zumal das quakende Ding auch noch irgendwie komisch daherkommt. - Da sind wir schon wieder bei unmotivierter Ablehnung fremder Dinge und hier wird es uns doch nicht einfallen, den anderen Katzen eine irgendwie rechtsgedrehte Ideologie zu unterstellen. - Nur der Paul, der ist sowieso ganz anders, der setzt sich einfach neben Patita und sorgt mit seiner schlichten, aber dennoch deutlichen Präsenz für Ruhe. - Mich erinnert das ein bisschen an "Sit ins" der wunderbaren Zeit, als Hippies noch gut rochen, oder auch an Gandhi, der mit seiner stoischen Friedfertigkeit eine der aggressivsten Weltmächte zur Verzweiflung brachte. - Keine Ahnung, wo der Paul das her hat, aber ich denke mal über einen felinen Integrationspreis nach, der mich dann allerdings zu Ingrids Metzger des Vertrauens zwingen würde. - Ich werde das aber verschieben, ist ja irgendwie auch pervers, ein Tier für seine Friedfertigkeit loben zu wollen, in dem man andere Tierkadaver verfüttert. - Bloß nicht die Dinge zu Ende denken, davon bekommt man Plaque auf der Seele und dem Gemüt und Paul kann sich ja nun schließlich nicht um alles kümmern, was wir so beim Empathieren verschütten.

Aber es funktioniert, eine Tasse, ein Löffel und dieses wunderbare Brot vom Bäcker aus Los Llanos, das auch nach vielen Tagen noch hervorragend schmeckt, weil Sauerteig und Kunst des Umgangs mit diesem sensiblen Lebewesen endlich auch den Weg zu uns gefunden hat. - Neben der Post, unten an der Plaza, kommen eigentlich aus Fuencaliente, heißt "Zulay" und es tut so gut, mal wieder Brot zu essen, welches aus den Händen eines Bäckers kommt, und nicht aus dem Reagenzglas eines Lebensmitteltechnologen. - Nein, war keine Schleichwerbung, sondern mit dem Zaunpfahl, aber ohne Scheiß, für mich so ziemlich der einzige Grund, überhaupt noch nach Los Llanos zu fahren, ist deren Brot. - Und damit komme ich dann auch ohne großen Gewichtsverlust über die Runden, bis die Drachen wieder nach Hause finden und die kleine Katze mit dem Fußicap dann auch reneut an die Menschheit glauben kann. - Aber so ein paar Tage mal Klausur, kann nur gut sein, und so komme ich dann wenigstens im Selbstgespräch mal zu Wort. - Aber es fallen einem, ohne soziale Sofortkontrolle, natürlich auch wieder jede Menge an schrägen Dingen ein und ich will mich nun in Zukunft Shanti Kom Unist nennen und den Markt für spirituelle Salberei hier auf der Insel komplett aufmischen. - Hand auflegen, Räucherstäbchen schütteln, links herum mit Vera um die Aloe in Sütterlin tanzen und Coaching von morgens bis menos, bis der Globuli so richtig rollt. - Dabei blicke ich Ihnen tief in die Seele, bis ich besser weiß als Sie, was Sie eigentlich wollen und warum es unheimlich wichtig ist, dass Sie gerade jetzt Ihren Ballast, auch den um die Börse herum, in mich entleeren. - Stück für Stück bastle ich mir dann so einen Aschram zusammen, pflanze nach und nach Atlantik um die Scholle und gehe erst, wenn die Bauern alle wieder eingefangen sind und kein Geld mehr haben. - Mensch, wir sind doch alle erwachsen, wir wissen doch, wie der Hase läuft, aber hier auf der Insel scheint manchmal ein aberwitziger Geist zu herrschen und Dinge, über die man in Mitteleuropa schon vor 25 Jahren nur noch Witze machte, die werden hier plötzlich wieder zu Handelsware. - Nicht guter Rat ist teuer, sondern schlechter, und meinen bekommen Sie absolut gratis. - Glauben Sie an sich, an Ihre Ideen und Kraft und fragen Sie Freunde, Familie, also Leute, die Sie kennen, kritisieren können und somit schätzen, wohin der Weg denn gehen könnte und nicht Leute, die sich es zum Verdienst gemacht haben, sich selbst an Ihnen, und sei es auch nur finanziell, aufzurichten. - Und wenn es zwickt, also so richtig, auch im Gemüt, dann geht man zum Arzt, der hat das viele Jahre, unter und mit Mühen gelernt und die Kasse bezahlt das sogar. - So, Shanti Kom Unist geht jetzt wieder Spongebob gucken, das ist heilsamer als diese ganze verlogene Gesundbeterei und darüber hinaus freut es mich erneut, Ihnen wieder mal erfolgreich die Zeit gestohlen zu haben.




Das Haus der Begierde. - Cabildo Insular de La Palma, sowie Delegación del Gobierno. - Also Inselregierung und Vertretung der landesweiten Behörden.




Seismische Ereignisse unter den Kanaren der letzten 3 Monate. - Magnituden zwischen 0,7 und 3,9 mbLg. Die Grafik stammt vom "IGN", dem Instituto Geográfico Nacional





Montag 01.07.2019 13:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 23 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 65 % - Luftdruck 1021 hPa
Höchsttemperatur heute 29,5 Grad - niedrigste Temperatur 19,6 Grad

Wenn Zwei keine Eier haben, freut sich die CC
Und in eigener Sache: Wir holen uns frischen Wind in die Firma


In bekannt ausführlicher Art und Weise beschäftige ich mich mit der spannenden Regionalpolitik im weiteren Teil der Kolumne, zunächst aber ein kleiner Hinweis in eigener Sache. - Aufmerksame Beobachter haben bereits festgestellt, dass unten in unserem digitalen Angebot für Ferienhäuser neue Namen aufgetaucht sind. - Und hier darf, oder besser muss ich gleich einen Psalm der Beruhigung für alle unsere Stammgäste säuseln: Es bleibt alles so wie es ist, aber wir verpassen dem "so wie es immer war" eine Zukunft. - Die Märkles und die Siebolds haben sich zwar nicht gesucht, aber dennoch gefunden. - Wir waren ja auch gar nicht auf der Suche nach Partnern, aber immer schreibt das Leben die deutlich besseren Geschichten und in der Tat, nach guten zwanzig Jahren munterem Treiben in Sachen ländlicher Tourismus auf La Palma haben auch wir herausbekommen, dass die Summe aller Erfahrung leider oftmals den Horizont einengt. - Stundenlang habe ich nach einer autohöflichen Beschreibung für alt werden, oder aufkommende Betriebsblindheit gesucht, aber nur das Ding mit dem verengten Horizont gefunden, also wird es dringend Zeit, da eine Frischzellenkur in Sachen Firma einzuleiten. - Darüber hinaus hat uns ja die Flucht vor der teutonischen Bürokratie nach vielen Jahrzehnten dann doch noch eingeholt, und inzwischen überfrachtet man uns auch in unserem Geschäft mit einer dermaßen enormen Anforderung an administrativen Tätigkeiten, dass wir uns entschlossen haben, zu wachsen und die Aufgabe der zukunftsorientierten Tätigkeiten jüngeren Leuten zu übergeben. - Dabei werden die frischen Kräfte, also die Familie Märkle, sich in ihrem jugendlichen Tatendrang auch an Dinge wagen, welche meine katzenhafte Angst vor Veränderungen im Alltag gar nicht zulässt. - Sie wissen ja, stehen bleiben, oder innehalten. und das lange, sind leider meine einzig errungenen katzenartigen Eigenschaften, allerdings kann ich das gut und nachhaltig. -Ich bin ja irgendwann mal, aber auch gerne bei Bob Dylan und HTML stehen geblieben, aber kundige Beobachter der Welt da hinter dem palmerischen Horizont haben mir gesteckt, dass sich der Planet weiter gedreht hätte. -- Also, Firma Siebold, La Palma Urlaub, wird nun Firma Siebold/Märkle, La Palma Urlaub und der Martin Bretschneider bleibt natürlich auch als genordeter Pol der Ruhe in unserer Mitte, an irgendwas muss man sich ja festhalten. - Vielleicht ist es einfach auch nur ein ganz bisschen vernünftig und aufrichtig, andere den Karren mit ziehen zu lassen, wenn man gemerkt hat, dass man inzwischen eher Bremse als Motor ist. - Aber am Lenkrad drehen, das traue ich mir dann doch noch eine Weile zu…

So, jetzt geht es aber im gewohnten Ton weiter und wir wenden uns zunächst dem bereits bekannten Wetterphänomen zu, welches da heißt: Kommen Sie zum Abkühlen auf die Kanaren. - Wer von den horrenden mitteleuropäischen Temperaturen im Frühsommer fliehen will, weil an die vierzig Grad einfach nicht wirklich lustig sind, der kann gerne zu uns kommen. - Vor Ende Juni fängt bei uns der Sommer gar nicht erst an und es gab wirklich in den vergangenen Wochen Tage, da war es bei uns 20 Grad frischer, als in Mitteleuropa. - Sicher hat das auch was mit Zufall zu tun, Wetter gehorcht nicht immer allen Regeln, auch nicht denen eines, wie auch immer schnell fortschreitenden Klimawandels. - Das Wetter hält sich halt nicht immer an das Klima und ich bin mir nicht sicher, ob man aus drei trockenen Wintern und drei kühlen Sommern bereits eine Regel basteln kann. - Apropos Regeln, da ist einiges aus der Spur gelaufen und ich glaube inzwischen fest daran, dass den Bauer die Regel der Bäuerin aufmerksamer verfolgt als die Bauernregeln… Hier sagt man ja, und das nicht erst seit wir das auch bemerkt haben, der Sommer beginnt auf La Palma am 40. Mai, allerdings haben wir inzwischen fast schon den 60. des Wonnemonats und der Sommer ist immer noch in den Startlöchern. - Deutlich weniger Wasser in den Wintermonaten, nur Oktober und November konnten überzeugen, danach praktisch keine Niederschläge mehr im Westen der Insel, aber dafür keine heftigen Hitzeperioden im Sommer und die 40 Grad-Marke scheint ganz, aber auch ganz weit weg.

Die positive Geschichte daraus lautet, kein Waldbrand in den vergangenen Sommern. - Sicher gibt es weiterhin genügend kognitive Fehlfarben, welche Unkraut schlecht kontrolliert abfackeln oder Kippen in den Straßenrand werfen, aber da diese teuflische Wettersituation, die man 30-30-30 nennt, in den vergangenen Sommern nur ganz selten, oder kurz eingetreten war, konnten alle Ausrutscher in Sachen Feuer schnell von den aufmerksamen Einsatzkräften unschädlich gemacht werden. - Die Temperatur über 30 Grad, die Windgeschwindigkeit über 30 Knoten und die relative Luftfeuchtigkeit unter 30%, ab solchen Werten steigt die Möglichkeit, dass aus einem kleinen Brandherd ein verheerender Flächenbrand wird, sehr stark an. - Darüber hinaus hilft natürlich die moderate sommerliche Temperatur auch den Pflanzen, ohne Regen über den Sommer zu kommen, allerdings reicht das überhaupt nicht aus, den generellen Wassermangel auf der Insel auszugleichen. - Wobei das mit dem "Wassermangel" auch durchweg aus diversen Blickwinkel betrachtet werden kann, denn ausschließlich die intensive landwirtschaftliche Nutzung durch die Monokultur Bananen lässt das Problem überhaupt erst aufkommen. - Wir haben vor Jahren bereits das alles mal nachgerechnet, wie viel Wasser hat die Insel, wie viel braucht oder verbraucht sie und sind dabei auf so viele Unbekannte in der "Eimerkette" gestoßen, dass wir immer noch den suchen, der die genannten Kubikhektometer gemessen hat. - Rund herum bleibt es aber dabei, etwas mehr als 90% des erreichbaren Nutzwassers geht in die Landwirtschaft (61 der vorhandenen 66,5 Kubikhektometer - laut Consejo Insular de Aguas de La Palma) und davon auch wieder ein ähnlich hoher Anteil in die Bananenproduktion. - Das bisschen Rest an Wasser für die Haushalte ist eigentlich überhaupt kein Problem, plätschert quasi als "Nebenprodukt" durch die vielen Tausend Dreiviertelzoll Leitungen über die Insel, oder wird über die in den letzten Jahrzehnten neu verlegten Stadtwasserleitungen in die Haushalte gebracht.

So wird eine Ursache gleichzeitig zur Wirkung, wie die Erfindung des Hambos, und um mal ein bisschen ADF zu persiflieren, Winnetou stirbt im dritten Teil nur, weil es zwei Teile davor gab. - Der Wassermangel auf der Insel Schrödingert so einzig um die Bananen herum. Nur die Bananen leiden unter der Wasserknappheit, sind aber auch gleichzeitig der Auslöser dafür. - Allerdings wäre es zu einfach gedacht, damit unserer "Brotfrucht" Schuld zu geben, denn die Gegenfrage muss dann lauten, was machen wir denn mit dem vielen Wasser, wenn die Bananen nicht (mehr) da wären? - Oder noch frecher, was soll denn das ganze Wasser, wenn keiner mehr dafür bezahlen will, weil es im Überfluss vorhanden ist? - Der Umwelt und der "Restinsel" ist es nämlich ziemlich egal, ob man das Wasser, bevor man es in den Atlantik kippt, zunächst durch eine Bananenplantage jagt und wer jetzt meint, da gelangen Reste an Mineraldünger mit den Ozean, der sucht nach dem Furz der Katze in der Kiste mit dem Aufdruck: Vor dem Öffnen Schrödinger fragen! - Wasser wird teurer durch Verknappung, dadurch entsteht plötzlich Interesse und jetzt bekommt die Angelegenheit ein wirtschaftliches Geschmäckle und was kann es Besseres geben, als eine höchst möglich breite Beteiligung an der Wertschöpfungskette durch natürliche Ressourcen? - Das "Wasserproblem" auf La Palma ist ein gutes Beispiel für die groteske Wirkung marktwirtschaftlicher Strukturen, welche auf Wachstum basieren. Wachstum kann und wird in diesem Fall durch eine Mehrwertsteigerung ersetzt, die schlicht und ergreifend durch Verknappung einer natürlichen Ressource entsteht. - Das Ganze auch noch zu subventionieren, oder korrekter auszudrücken, Ausgleichszahlungen für europäische Standortnachteile zu zahlen, machen die ganze Angelegenheit wirklich rund und rücken die beiden Ausdrücke Banane und Republik ortsnah gesetzt in einen pekuniär interessanten Blickwinkel.

Aber lassen wir die schlimme Geschichte vom Wassermangel wohltemperiert hinter uns, und kümmern uns kurz, um das, was uns sonst noch in den letzten Wochen beschäftigt hat, außerhalb der politisierten Heilswelt . - Neben Landwirtschaft und Tourismus suchen wir doch immer noch nach einem weiteren Standbein für, irgendwann subventionierfähiges Gewerbe. Da sich die Produktion von irgendwelchen Dingen wegen des Standortnachteil und dem unverschämten Umstand, eine "Hochlohnregion" zu sein verbietet, fällt wenigen noch weniger ein, wie man denn Abhängigkeiten von außen minimieren könnte. - Ein sich anbietendes Feld könnte hier eben die Hochtechnologie sein, natürlich angelehnt an die Observatorien auf dem höchsten Berg unserer Insel. - Sehr erfolgreich spielen wir hier, neben wenigen anderen Standorten auf der Welt, wirklich in vorderster Reihe mit, und wollen auch gerne weiter dabei sein. - Als echten Coup kann man wohl die Ansiedlung der Teleskope rund um das CTA (Cherenkov Telescope Array) bezeichnen, aber da uns Katholen der Himmel nie genug sein kann, wollten wir, neben anderen Observatorien, auch noch das 30-Meter-Teleskop haben. Das observierende Monster ist eigentlich für Hawaii vorgesehen, dort aber bei Bewohnern auf Ungnade gestoßen.. - La Palma avancierte zum gehandelten Ausweichstandort, allerdings erteilten nun die entsprechenden Institutionen auf dem gleichrassigen Archipel doch die Baugenehmigung, so ist es höchst unwahrscheinlich geworden, dass das TMT doch noch bei uns entstehen könnte.

Das wäre natürlich eine ganz große Geschichte geworden und hätte La Palma zum unangefochtenen Hotspot der Himmelsbeobachtungen auf der nördlichen Hemisphäre gemacht. - Allerdings gibt es hier auch die Kritik, all diese hochtechnologischen Apparate dort "auf dem Berg", die würden wenig bis keine direkten Einkünfte, oder gar Synergieeffekte erzielen, eine Kritik, die ich zwar verstehen kann, aber nicht nachvollziehen. - In der Tat klafft eine gewisse Lücke zwischen Gerät und Forschung, und die Gefahr der Hochtechnologie steckt ja in sich selbst, unklug vermarktet findet hier auf der Insel lediglich die mechanische Beobachtung statt, und die Auswertung und Forschung, also in dem Bereich, wo die Wo(man)power und Lorbeeren beteiligt sind, die wird anderswo betrieben. - Dagegen versucht(e) ja unser Politvisionär Anselmo Pestana mit einem Technologiecenter anzustinken, aber irgendwie fiel das Ganze nicht wirklich auf olfaktorisch fruchtbaren Boden, wenn wir mal in der Terminologie des Anstinkens bleiben wollen. - Aber eben nicht nur Rohstofflieferant zu sein, wobei unser Rohstoff der Standort mit den Superbedingungen für Himmelsbeobachtung ist, sondern auch an den weiteren Schritten der Wertschöpfungskette teilhaben zu wollen muss doch mindestens erlaubt sein. Nun aber scheinen ja nicht nur dem Technologiecenter, sondern auch Anselmo selbst unpässliche Dinge dazwischengekommen zu sein, und schon sind wir bei meinem Lieblingsthema, der Lokalpolitik in seinen schrillsten Farben.

Wir erinnern uns, am 26. Mai gab es Wahlen, nicht nur zu Brüssel und Straßburg, sondern hier in Spanien wurden auch die meisten Kommunen und Autonome Regionen neu mit politisch nachwachsendem Rohstoff beschickt. - Hier auf den Inseln gibt es darüber hinaus noch die "Cabildos Insulares"; so eine Art Inselgouverneur oder Gouvernante samt Hofstaat wird auch noch bestimmt und hat in vielen Dingen sogar mehr Einfluss, als den meisten Kommunen lieb sein kann. - In den meisten Gemeinden waren die Dinge allerdings ziemlich einfach zu bestellen, hier auf der Insel sowieso, da der lokale Trend zur absoluten Mehrheit Anklang zu finden scheint. - In den anderen Gemeinden paktierten meist PSOE mit der PP, außer in der Hauptstadt, dort hat sich eine Notgemeinschaft aus Partido Popular und den selbst ernannten Nationalisten der Coalición Canaria geformt. - Auch, weil es zunächst von allen Seiten hieß, es gäbe keine Vorgaben aus Madrid in Sachen Denk- und Paktverbote. - Allerdings erwies sich das nicht wirklich als haltbar, auch weil es dem Sozialisten im Gobierno de Canarias wohl gelungen scheint, einen Regierungspakt ohne Partido Popular und ohne Coalición Canaria zu schmieden. Immerhin wäre es ein absolutes Novum, wenn eine der beiden letztgenannten Parteien nicht die Kanaren mitregieren würden, seit es diese wunderbare Erfindung der Autonomen Regionen gibt. - Das hat natürlich auch was mit dem breiter gewordenen Parteienspektrum zu tun, auch wir in Spanien entdecken in den letzten Jahren ideologische Lücken, wo man diese früher niemals vermutet hätte. - Mitteliberalfortschrittlichkohäsionär oder auch linksintellektuellpferdeschwanzversifft, oder einfach Neokazikentum wie auf La Gomera, die Parteiverdrossenheit schafft noch mehr Parteien, wie konnte das denn nur passieren? - Sicher hat Demos sich beim Schaffen der Kratie diese sich einfacher vorgestellt, wahrscheinlich auch mit mehr respektablem Publikum besetzt und nicht, wie aus gegebenem Anlass, aus "Sigis Pack" bestehend.

Ob nun aus Wut, oder einfach nur, weil man eigentlich gar nicht wirklich weiß, wo denn La Palma eigentlich liegt, hat jetzt die Parteizentrale der bürgerlichen Partido Popular in Madrid angeordnet, es dürfe keinen Pakt geben zwischen den Sozialisten der PSOE und den eigenen Leuten in der Inselregierung La Palmas, man würde, wenn überhaupt, die Coalición Canaria als bevorzugten Partner sehen. - Das geht allerdings gegen alle Wetten und auch die meisten Wünsche hier auf der Insel, eigentlich hatten wir uns alle bereits auf eine Inselregierung eingestellt, in welcher Mariano Zapata von der Partido Popular Inselpräsident geworden wäre, mit den Stimmen der Sozialisten, welche dafür die meisten Ämter plus das Rathaus der Hauptstadt bekommen hätte. - Also eine Art Groko, endemisiert Granco geschrieben. - So wird es nun, zumindest vorläufig, zu einer Minderheitsregierung in unserem Inselparlament kommen, denn die gewählten Vertreter der Partido Popular haben wohl zugestimmt, nicht mit den bösen Sozialisten zu paktieren, aber wollen auch nicht mit der Coalición Canaria unter eine Decke schlüpfen. - Es könnte sich also der interessante Aspekt begeben, dass die CC mit ihren 8 Räten wohl am Drücker sitzt, aber gegen die 7 Sozialisten und die 6 Bürgerlichen keinen Schnitt machen könnte. - Also Duldung ja, Liaison nein. - Auf der anderen Seite sind ja Minderheitsregierungen, (nicht Minderheitenregierungen) schon irgendwie die Königsform der Demokratie, denn dann muss ja wirklich über jeden Serviettenring und Kugelschreiber verhandelt und geschachert werden. - Allerdings wissen wir aus Erfahrung, dass solche Kabinette nicht besonders haltbar sind, aber vielleicht werden wir ja eines Besseren belehrt und die illustren Damen und Herren der Opposition machen ihre ganz eigene Inselpolitik und degradieren die federführende Coalición Canaria zur regierenden, aber wirkungslosen Staffage.

Wir fühlen uns deutlich vier Jahre zurückversetzt, nur waren damals die Vorgaben ein bisschen anders gesteckt. Damals verboten die selbst ernannten Sozialisten der PSOE/PSC den Inselsozis mit der Partido Popular zu knuddeln, und mussten nach ostentativem, aber eierlosen Protest dann doch mit der Coalición Canaria paktieren. - Jetzt sind die Räte der Partido Popular an gleicher Stelle und wo man vor vier Jahren noch kurz mit Rebellion drohte und sogar ein Parteiaustritt für die wilden palmerischen Sozialisten in Frage kam, so wird heute die Parteidisziplin nicht wirklich in Frage gestellt. - Darum, wenn Zwei keine Eier haben, dann freut sich die Coalición Canaria, und erst wenn wir über den Inselrand hinaus blicken, dann könnte es sogar keine politische Zukunft ohne PP und CC geben, wie man nun im Gobierno de Canarias mal versuchen will. - Allerdings ist der letzte Mojo noch nicht verdaut in Sachen Cabildo Insular de La Palma, wer Asier Antona kennt, denn quirligen Palmero, der es bis an die Spitze der kanarischen Partido Popular geschafft hat, der ahnt, irgendwas kommt da noch und vielleicht erfindet man ja sogar noch eine neue Form der politischen Auseinandersetzung. - Man kennt das ja auch aus Deutschland, die beste sozialdemokratische Politik seit Jahrzehnten macht Angela Merkel, im Gegenzug schafft sich die SPD selbst ab, als morbide Verneigung vor dem großen Frollein. - Es gibt also weiterhin Vorbehalte, ob denn Nieves Lady Barreto von der Coalición Canaria vier Jahre lang Inselpräsidentin bleiben kann und wird. Es sägt zwar keiner aktiv an ihrem Stuhl, aber konspirativen Mehrheiten in der Opposition kann es eigentlich ziemlich egal sein, wer "unter" ihnen Präsident ist.

Nicht wirklich einfacher, aber mit deutlich mehr Selbstvertrauen beladen geht es im Gobierno de Canarias in die neue Legislaturperiode. Dort schart Ángel Víctor Torres Pérez von den Wahlsiegern der PSOE die Kollegen der Nueva Canarias, Podemos und ASG (Casimiro Curbelo, der Gomerakazike und derzeit einziger kanarischer Sozialist mit zwei nachweislich vorhandenen Testikel) um sich herum und erreicht damit wohl Mehrheiten im kanarischen Parlament, allerdings ahnt schon jeder Beobachter, dass es nicht ganz leicht sein wird, eine Viererbande als Regierungsmodell auch über Jahre hin stabil zu halten. - Auch wird bemängelt, dass diese Konstellation sehr linkslastig ist, und der bürgerliche Block aus Partido Popular und Ciudadanos plus Coalición Canaria so keinen Einfluss auf die Regierungsarbeit hat. - Warum auch sollen die es einfach haben, und der nächste Spannungsbogen entsteht dann noch mal in Madrid, wenn der smarte Pedro Sánchez ein ähnliches Kunststück für das ganze Land aufführen will, also eine Regierung bilden bei so vielen Unbekannten. - Politik ist nicht einfacher geworden, seit dem mehr Parteien Lücken entdeckt haben, und diese mit Populismus füllen wollen, da Argumente seit Facebook ja deutlich an Gewicht verloren haben. Aber vielleicht ist das auch eine ganz gute Chance, so Leute an die Spitze zu bringen, die wirklich Geschick haben und fähig sind, aus vielen Töpfen einen irgendwie verdaulichen Brei anzurühren. - Ansonsten, um den Kreis zur Überschrift wieder zu finden, zwei Einäugige zusammen können vielleicht auch perspektivisch sehen und dann wäre da noch das Startup nach Vorbild Carsharing, nur dieses Mal Cojonessharing und bringen Sie mich bitte nun nicht in die Verlegenheit, Ihnen das erklären zu müssen.

Auf die Augen gibt es auch wieder was, allerdings hat das mit dem vorhergehenden Text nichts zu tun. - Spaziergang durch El Paso, geschmückt anlässlich des Herz-Jesu-Fest (Sagrado Corazón de Jesús) 2019. - Aber auch ohne den Schmuck, ab und zu einfach gucken und erleben, was für ein Glück und Geschenk, hier leben zu dürfen.
























Montag 03.06.2019 17:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 29 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 10 % - Luftdruck 1018 hPa
Höchsttemperatur heute 29,5 Grad - niedrigste Temperatur 19,6 Grad

Brot und Spiele funktionieren,
aber auch Populismus will gelernt sein


Aber zunächst auf Wunsch vieler Leser, ein Katzenzustandsbericht. - Wer nur den Bericht zur politischen Lage der Inselnation lesen will, der scrollt runter bis unter Fredis Bild. -

Paul. Ich bin, also dreht sich die Welt.
Der Ursprung der Dinge, die Katze 0.0.0.0. Manche meinen gar, hätte Paul mein Herz nicht ertrotzt, dann wäre ich zum Arschloch geworden und ich frage mich gerade was das soll, dass meine Frau meinen häufigen Gebrauch des Konjunktivs anklagt... - Ich war ja eigentlich immer eher der "Hundetyp", so wegen Disziplin und wer lauter bellt, der hat öfter recht, und so ganz genau kann ich das auch nicht wirklich erklären, aber heute könnte ich mir ein Leben ohne Katzen überhaupt nicht mehr vorstellen. -Das liegt natürlich an Paul und unserer gemeinsamen Werdung. Schließlich hat das Tier die ersten Wochen seines Lebens in der Brusttasche meines Overalls verbracht. - Das Vieh hat meinen Herzschlag aufgenommen und ich seinen Geruch, allerdings war dann auch der Geruch und aufkommende Probleme mit der Semipermeabilität meiner Berufskleidung, welche dann dazu geführt haben, dass Paul nach ein paar Wochen aus meinem Overall ausziehen musste. - Man kann den ganzen Werdegang des stolzen Felin ja auch in dieser Seite nachlesen, also beschäftigen wir uns eher mit dem, was heute aus diesem Wunderwesen geworden ist.

Chef, ohne auf Chef zu machen, also diese natürliche Autorität, und wirklich alle anderen Katzen halten sich daran. - Spielen mit ihm ja, man sagt ja den Siam-Thai-Katzen nach, sie wären bis ins hohe Alter verspielt. - Kann ich nur bestätigen, allerdings macht Paul jeder anderen Katze klar, ab wann aus Spiel Belästigung wird und ein fast pfeifartiger Ton aus seinem, von den Jahren fast entkernten Maul, beendet jeglichen Spieltrieb unserer anderen Mitbewohner. - Paul ist inzwischen ja älter als ich, also wenn man diese lustigen Umrechnungstabellen anwendet, und wir Beide machen daraus ein lustiges Spiel. - Möchte er auf meinen Schoß, dann tippt er mit einer Pfote meinen Oberschenkel an und ich greife dann unter seinen Körper und summe so ähnlich, wie ich mir einem das Geräusch eines Treppenlifts aus der Werbung vorstelle. - Meine Frau und die anderen Katzen verdrehen dann immer die Augen, als könne der alte Mann mir nicht mehr aus eigener Kraft auf den Schoß springen, aber die Frage ist doch eine ganz andere, warum soll ich springen, wenn ich gehoben werde? - Paul holt mich mittags immer noch ab, von der Straße, er kennt halt das Poltern des 2,5 Liter Saugdiesels japanischen Ursprungs genau, und selbst wenn ich vier Einkaufstüten und sonst was ins Haus zu transportieren habe, zuerst muss das Tier auf die Schulter gehoben werden, dann erst kann ich versuchen, die Tüten wieder aufzunehmen. - Als Dank summt er mir dann auf dem Weg zur Haustür per Schnurren seine Erlebnisse der letzten Stunden mit, manchmal auch noch durch beherztes Kopflecken begleitet, drum wachsen meine Haare wohl auch über dem rechten Ohr ein My länger im Monat, als auf der paulabgewandten Seite.

Kochen und Essen sind mit Paul ein bisschen lästig bis schwierig, denn er besteht auf Humannahrung. Zumindest fordert er immer, ein vielleicht auch nur symbolisches Deputat. Aber kein bourgeoiser Braten will einfach gelingen, kein Soufflé divine Luftigkeit erreichen, wenn Paul rund ums Arbeitsbrett seiner Überwachungspflicht nachkommt. - Sicher, man könnte nun darüber diskutieren, ob Katzen auf dem Schneidebrett sitzend ein hygienisches Problem darstellen könnten, aber ich darf Sie beruhigen, bislang hat Paul sich davon noch kein Ringmuskelzipperlein eingefangen. - Ich versuche es noch mal deutlicher zu bewerten, Paul glaubt nicht, er sei ein Mensch, er weiß es besser, und amüsiert sich köstlich darüber, wie menschartig wir versuchen, es ihm gleich zu tun. - Sieben Katzen in einem Haushalt sind eigentlich zu viele, allerdings hält Paul als einziger guten Kontakt zu allen anderen Einwohnern, eben auch zu uns. - Jede andere Katze in unserem engsten Kreis hat Krach mit einem anderen Mitglied, nur der Paul sitzt im Zentrum und alles dreht sich um ihn herum. - Selbst die Oberzicke Penny sucht seinen gütigen Kopfstoß und Abschlecker, nachdem sie fauchend und mehrfach drohend über die Terrasse gejagt ist, um bei unseren beiden schwarzen Teilzeitteufelinnen Eindruck zu schinden. - Paul schwebt da deutlich über den Dingen, allerdings bar aller Arroganz, eben mit der Selbstverständlichkeit, wenn alles andere sich um einen dreht.




Lucky. Oder warum das Glück nur drei Beine braucht.
Die klein Dame im bunten Look kam als Zweite zu uns, zusammen mit ihrem Bruder Mops, welcher allerdings vor einer Weile bereits schon mal vorgegangen ist, also nicht mehr auf uns warten wollte. - Lucky hat zwar vier Beine, allerdings reichen davon nur deren drei auf den Boden, was ihr zunächst den Status einer Behinderten einbringt. - Aber sie war immer die geschickteste Jägerin, die mit den schnellsten Reaktionen und ihr Humpeln war ab einer gewissen Geschwindigkeit überhaupt nicht mehr zu bemerken. - Nur wenn sie sich langsam bewegt, dann sieht man, dass hinten Links die Pfote fehlt und sie unbeholfen über den Boden hinkt, aber je schneller sie läuft, desto weniger fällt diese Einsparung ins Gewicht. - Es gibt in Erzählungen ja dieses wunderbare Wesen des Scheinriesen, genau da knüpft unser Humpelchen auch an und manchmal grübeln wir darüber, wie schnell die Dame denn nur auf lediglich zwei Pfoten sein könnte. - Allerdings war Lucky niemals eine Spielerin, auch nicht als junge Katze, sie jagte nur auf deftiges Verlangen Stoffmäusen hinterher oder balgte sich mit angebotenen Menschenhänden.

Dafür schmust sie um so lieber, allerdings muss man Zeit mitbringen, denn bis Lucky mal bequem auf einem Schoß sitzt und den Schnurrmotor anwirft, muss man stillhalten. - Auch sollte man nicht die beste Kleidung anhaben, denn Lucky zieht an den drei noch bekrallten Extremitäten diese nie ein, und verfängt sich so reichlich oft in den gewebten Maschen jeglicher Kleidung. - Man sieht immer, wer mit Lucky gekuschelt hat, auch Jeans und T-Shirts können Laufmaschen bekommen, aber wer Katzen zuhause hat, der ist mit Kleidung eh pragmatisch aufgestellt. - Lucky hält sich die anderen Katzen auf Abstand, nicht mit Gewalt oder Gezicke, sondern über die Jahre haben die anderen felinen Hausbewohner gelernt, dass Lucky sich selbst genügt. Nur Paul darf ihr zu nahe kommen, aber das liegt wohl eher an der Ausnahmestellung Pauls. - Lucky kann zwar mit anderen Katzen zusammen sein, wäre aber doch schon lieber einzige Prinzessin, oder inzwischen Königin des Terroirs. - So klein und zart vom Wuchs her, nach feuchten Rasseträumen qualnaher Züchter wohlmöglich auch keine Schönheit und sicherlich im Zooladen gänzlich unverkäuflich. Aber ich bin so mächtig stolz, ihr Freund zu sein.




Mia. Bipolar als Schönheitsfleck.
Keine unserer Katzen ist schöner, hat weicheres Fell und bewegt sich eleganter als Mia. - Die Dame, nun im besten Alter, versucht allerdings meist höchst erfolgreich nicht als Schönheitsgöttin im Sinn der Allgemeinheit zu wirken. - Mia ist schwierig des Tages, und eine liebreizende Diva nachts, und klug wer die Tageszeiten im Kopf hat, bevor er sich dem Tier nähert. - Nur wer sie kennt, der mag die Drohungen richtig deuten und die Hand rechtzeitig auf Armlänge zurück zu ziehen, sonst wischt oder beißt sie deutlich ihre Unantastbarkeit herbei. - Wir haben uns lange gefragt, warum das so ist, denn als junge Katze war sie umgänglich und sogar zutraulich zu Lucky, Mops und Paul, aber seit Lufy und Penny auch noch in den Familienbund gestürmt sind, ist Mia wohl permanent in Sachen Hackordnung unterwegs. - Allerdings nicht im Kampfmodus, sondern eher gestresst und schmollend, und nur wenn man ihr nachts und alleine zugewandt ist, dann erlebt man dieses beeindruckende Tier verschmust und hingebungsvoll. - Es gilt ja eigentlich für alle Katzendamen, sie wollen alleinige Prinzessin sein, bei Mia scheint das derart ausgeprägt, dass sie damit oft nicht klarkommt und tagsüber als feliner Soziopath für schlechte Laune und Umsatz bei Pflasterproduzenten sorgt. - Allerdings weiß sie und wir inzwischen damit einigermaßen gut umzugehen, sie verschwindet nach dem morgendlich Frühstück bis Mittag in mein Zimmer und legt sich auf meine, noch warme Decke. - Keine andere Katze wagt sich während dieser Klausur zu ihr, nur ab und zu Paul, der irgendwie alles darf, und erst am Nachmittag kommt Mia dann zum gemeinschaftlichen Anschmollen ins unfreiwillige Rudel zurück. - Nun müssen wir noch ein paar Stunden bis Sonnenuntergang überbrücken und während dieser Zeit ist es eben ratsam, Mia nicht mal aufmerksam zu beobachten. - Auch das mag sie nicht, selten habe ich eine derart diabolische Mimik bei anderen Augenpaaren gesehen und erlebt, wie bei Mia, und das sind die, Gott sei Dank seltenen Momente, in denen ich froh bin, dass die Natur aus Mia keinen Panther geschaffen hat. - Das wäre auch blöd, dann könnte man nämlich die schmusende und sabbernde Mia gar nicht erleben, welche sich nachts dann aus dieser rohen und garstigen Schale spinnt. - Mia, ein teuflischer Plan der Natur und nur was für Kenner und echte Liebhaber feliner Bipolarität, und während ich stolz bin, Luckys Freund zu sein, bin ich einfach nur froh, dass die schwarze Oberbitch Mia mich nicht auf ihrem Diätplan hat.




Lufy. If you can´t be with the one you love, love the one you´re with. Auch Pragmatik kann vier Beine haben und schwarzes Fell. - Lufy kam aus Gran Canaria zu uns, als Begleiterin unserer älteren Tochter und beim, ich glaube dritten Besuch, hat die, manchmal gedrungen wirkende Dame beschlossen, einfach nicht mehr ins Reisekörbchen hüpfen zu wollen, sondern lieber hier im Grünen zu bleiben. - Lufy ist unauffällig, bis sie auffallen will, legt sich dann aber mit allen anderen Katzen ohne Angst vor jeglicher Hackordnung an und beweist sich am Futternapf sturer als ein niederbayrischer Landtagsabgeordneter. - Aber auch sie ist überfordert mit der hohen Anzahl an Mitgliedern der felinen Fraktion in unserem Familienverbund und so schafft Lufy sich eine Parallelwelt bei unseren Appartments. - Einfach nur die Treppe hoch und mindestens bei jedem zweiten Gast schlupft Lufy jetzt in die Einzelkatzenrolle und ist dann außerhalb der Futterzeiten und der nachmittäglichen Blauen Stunde bei uns nicht mehr zu sehen. - Dort, bei den Gästen spielt Lufy nun geschickt die Rolle von der armen, ungeliebten und grausam verstoßenen Katze, die auch nur ganz wenig und schrecklich dürftig zu essen bekommt. - Es kommt vor, dass Lufy für den kompletten Aufenthalt der Gäste nun "Leihkatze" ist, und sich dort auch äußerst liebevoll und verschmust gibt, Charaktereigenschaften, welche die Migrantin aus Gran Canaria bei uns im Rudel nur dann zeigt, wenn im Sommerloch mal ein paar Wochen überhaupt keine Gäste bei uns in den nahen Ferienhäuser zu umgarnen sind. Als unverkennbare Eigenheit vollführt Lufy als mittelschnelle Gangart eine Art verunglückter Schnurgang, welche aussieht wie der "Tölt" der isländischen Pferde und ihr dabei der, dank überschwänglicher Diät der Doppelfütterung angefressener Wanst, lustig unter dem Körper schwingt. - Das bleibt bitte unter uns, wie alle schwarzen Katzen ist auch Lufy sehr eitel und mag es auch gar nicht, wenn man ihre Makel bemerkt, wie zum Beispiel auch ihre krächzende Stimme. - Sie ist von Geburt aus schwer heiser und kann kaum Laute von sich geben, selbst meckern gelingt ihr nur schwach hörbar, aber da Schnurren aus dem Bauch kommt und nicht aus der Gurgel, sucht sie ihre Kommunikation am liebsten im positiven empathischen Bereich.




Penny. - Ein seltener Gast mit strammem Auftritt.

Die "Gelbnase", wie sie ursprünglich von uns genannt wurde, kam als ausgesetztes Findelkind mit einer, vermeintlich Viererbande, ganz klein zu uns und wir bemerkten dieses fünfte Rad auch erst am kommenden Tag. - Während die anderen Katzenkinder unsere Nähe suchten, blieb Penny im Hintergrund und war, obwohl auch erst ein paar Wochen alt, und sicher auch zuvor bei Menschen untergebracht, sehr scheu. - Erst langsam gewöhnte sich das bunte und zarte Mädchen an uns und blieb mit ihrem Bruder Leo bei uns. - Die anderen drei konnte wir vermitteln, das waren die stärkeren Tiere, aber Penny und Leo blieben bei uns. - Penny wollte sich nie wirklich in die Hackordnung einführen, auch hier war nur Paul die Ausnahme und gemeinsamer Berührungspunkt, noch heute gibt es auf dem Weg zum Futternapf nur Fauchen für alle anderen Katzen und argwöhnische Blicke, wenn ein anderes Tier sich ihr zu ungeschickt nähert. - Sie verschwindet den ganzen Tag, kommt genau zweimal zu uns, morgens das leckere Nassfutter abholen, und dann noch mal am späten Nachmittag zu dem, was ich Blaue Stunde nenne, und dann sitzt Penny für ein bis zwei Stunden auf dem Terrassentisch und beobachtet in angespannter Ruhe die feline Lage. - Ich komme gut mit ihr klar, sie lässt sich auch gerne streicheln, ist allerdings fuchsteufelskratzig, wenn man sie, nach ihrem Gefühl, falsch bekrault. - Ohne Vorwarnung schlägt sie dann zu und kann hässliche Risse auf menschlicher Haut hinterlassen und nur wer ihre Körpersprache zu deuten vermag, dem ist der Kontakt mit unserer Penny ein Vergnügen. - Ich bin mir allerdings ziemlich sicher, dass Penny mindestens noch eine weitere Familie als Relaisstation ihr Eigen nennt, vielleicht sogar noch mehrere, denn sie ist sehr gut genährt und manchmal sind ihre wirren und bunten Haare sogar mühsam gestriegelt. - Aber das soll es ja viel häufiger geben, als allgemein kund, dass Katzen gleich mehrere Besitzer haben und die glücklichen Katzenväter und Mütter gar nichts von ihrem geteilten Glück wissen. - Bei Penny bin ich mir sicher und gebe auch deutlich zu, so viel Charakter und Übermut braucht auch mehrm als nur zwei entschleunigte Menschen im Austragsmodus.




Leo. - Die langsamste Katze der Welt.
Wenn jemand sieben Monate für einen knappen Kilometer braucht, dann ist das selbst für meine Verhältnisse langsam. - Leo büchste nach einem Tierarztbesuch in Panik aus, die Transportbox war irgendwie nicht richtig zu verschließen und schon war das Tier in die Pampa geflüchtet. - Das war am Vormittag eines Tages, der eigentlich der Heiligabend heißt. So verbrachten wir den sowie die kommenden Tage "Leo und Leomäuschen" rufend, rund um die Tierarztpraxis und sicher erinnern sich die Anwohner der Zone noch heute, an die verheult jammernden "Alemanes", die ihre Katzen an Weihnachten suchten. - Aber es nützte nichts, Leo blieb verschwunden, der zarte und immer ein bisschen zu ängstliche Kater, den wir extra nicht weggeben haben, da er uns eben zu schwach und zu wenig überlebenstauglich schien. - Wir hatten schon bessere Weihnachten erlebt und es dauerte ein paar Monate, bis wir drüber weg waren und uns sicher, der Kater ist nun an einem besseren Ort. - Natürlich meinten wir damit, eine sorgende Familie, bei der er warmen Unterschlupf gefunden hat. - Im Juli des kommenden Jahres nun sprang plötzlich eine Katze mit kurzem Gruß auf den Schreibtisch, an dem wir gerade saßen. - Es war Leo, und sofort lockte er uns in die Küche, wo es eben neben dem Trockenfutter auch immer mal wieder besonders trefflich parfümierte Tierkadaver als "Leckerli" versteckt gibt. - Als wäre nichts geschehen, als wären keine sieben Monate vergangen, Leo war zurück. - Zwar schmal und ein bisschen staubig, aber gesund und freundlich, wie immer schon. - Wenn er nur erzählen wollte, ob er denn die Insel einmal umrundet hat, um wieder zu uns zu kommen oder ob er denn tatsächlich Monate bei anderen Wirten zugebracht hat, bis ihn irgendein Geruch, oder ein Geräusch, auf unsere Fährte brachte. - Wir wissen es nicht, aber das Tier hat einen ganz besonderen Platz bei uns, auch wenn er niemals der große Schmuser oder Sofalieger war. - Leos Revier ist der Garten und die Umgebung, oft sieht man ihm unter einem Strauch liegen, oder ganz voller wilder Sämereien und Stacheln wieder auf unsere Terrasse springen, aber wirklich weit weg geht er nicht mehr, wohl aus Angst, dann wieder von El Paso aus über Barlovento zu uns müssen. - Ein bisschen peinlich gegenüber Leo ist uns auch immer noch, dass wir bereits "Ersatz" für ihn besorgt hatten, aber wir erklären ihm den Fall wie folgt:




Fredi. - Fünf Kilo Trottel, auf liebenswerte Weise dargeboten.
Leo war weg und wir suchten auch in den, in gewissen Kreisen immer noch als "neu" genannten Medien, ob denn irgendjemand unseren armen und "rachitischen" Waisenknaben gefunden hatte. - Aus ihrer Wahlheimat meldeten sich dann unsere Kinder, also die beiden Humanoidn, welche uns lange als Katzenersatz treffliche Dienste geleistet haben und riefen aus: Da hat jemand Leo gefunden und beim Tierarzt in Los Llanos abgegeben. - Man hätte auch bereits telefoniert, wir sollten nur noch hinfahren und das Tier abholen, aber vorher müssten wir noch ein Beweisfoto an eine bestimmte Adresse schicken, damit auch sichergestellt wäre, wir seien die berechtigten "Kätzer". - Auf meine Gegenfrage, ob ich denn auch mal ein Foto von dem Findling bekäme, um zu gucken, ob es denn wirklich unser Leo sei, antwortete man mir abschlägig in der patzigen Art und Weise, welche den Umgang mit selbst ernannten Animalisten manchmal sehr hakelig macht. - Dennoch eilten wir ohne Zögern zum angegebenen Veterinär und meldeten uns dort als Leoeltern. Es war natürlich nicht Leo, außer grau, kastriert und verloren gab es keine weitere Ähnlichkeiten, aber der kleine Kater wusste sofort, als wir den Raum mit den Käfigen betraten, dass es nun für ihn um Alles ging. - Natürlich nahmen wir ihn mit, der Tierarzt drängte auch darauf, denn schließlich sei der kleine Eunuch bereits seit 3 Wochen bei ihm und keiner sonst wolle ihn haben.

Fredi, warum der so heißt, das verrate ich nur Fred. Er lebte sich sehr schnell bei uns ein und als kastriertes, junges Männchen gab es da auch wenig Schwierigkeiten. - Paul war wie immer der erste, welcher den Neuling als Mitglied unserer eingeschworenen, aber doch oft zänkischen Gruppe etablierte, und heute ist der verschmuste, aber doch trottelige Koloss nicht mehr aus unsere Mitte wegzudenken. - Zusammen mit Paul bildet er sogar so etwas wie das Zentrum unserer Kommune. - Alles paletti und prima, "Alma" auf La Palma, wäre da nicht Hitler, also der Kater, welcher unser Revier ab und zu durchstreift und immer Ärger mit Fredi hat. - Ich weiß gar nicht, wie oft unser dicker Trottel bereits von Hitler verprügelt wurde, manchmal auch blutig gebissen und Fell ausgerissen, aber immer wieder stellt sich Fredi dieser Bedrohung in den Weg, und will einfach nicht einsehen, dass man ohne Killerinstinkt kein Killer sein kann. - Alle anderen Katzen aus unserer bunten Truppe meiden klug, wohl aus Erfahrung, den Kontakt mit dem Kater, welcher den verräterischen Farbklecks auf der Oberlippe trägt. - Nur Paul war mal vor langer Weile auch mit ihm zu Gange und hat ihn zumindest vom Grundstück gejagt, obwohl Paul nun wirklich kein Furcht einflößender Kater ist, sondern eher ein zartes Gewächs. - Aber darauf kommt es wohl nicht an, denn eigentlich ist Fredi deutlich schwerer als der Gegner, und dennoch zieht er immer den Kürzeren, wird aber dann von uns allen tage- und wochenlang rührend umsorgt. Aber man kennt das ja auch aus dem Menschreich, er hat halt schwere Knochen und das ging sogar so weit, dass ein Nachbar, den ich immer auf meinen Spaziergängen durch den Kiez treffe meinte, eine unserer Katzen sei trächtig, wir hätten da wohl nicht richtig aufgepasst. - Allerdings gibt es bei uns nicht aufzupassen, denn alle unsere Katzen sind sterilisiert, Mannderl wie Weiberl, zumindest im felinen Teil unserer Gemeinschaft ist Sex kein Thema. - Was er gesehen hatte war halt Fredi, der wirklich eine gewissen Tracht mit sich herumträgt, die schon nach Trächtigkeit aussieht, aber in Wirklichkeit Kummerspeck ist. - So sieht unser Alltag aus, die Freuden beginnen erst, nachdem alle sieben Felinen zum Frühstück unblutig aufgetaucht sind, beide Töchter telefonisch, oder per digitalem Text ihren Glücksinnnachweis erbracht haben, und wir noch ohne Stolpern und fremde Hilfe unsere Schuhe angezogen bekommen haben. - Aber dann geht es los, mit Schwung, Kraft und Energie ins Entschleunigen…




Fred als Stressbremse




Wir haben gewählt, in Spanien muss man sagen, wieder mal, denn bereits im April fanden die landesweiten Abstimmungen über die Zusammensetzung des Parlamentes in Madrid statt. - Nun, am vergangenen 26. Mai wieder im ganzen Land, aber Kommunalwahlen, und in den meisten Autonomen Regionen wurde auch die "Besatzung" der regionalem Regierungen neu bestimmt und darüber hinaus durften wir natürlich auch noch unser Sandkorn in Richtung Europa werfen. - Als grobe Zusammenfassung kann man als Sieger den bereits regierenden Beau Pedro Sánchez ausrufen, der es als einer der wenigen europäischen Linken geschafft hat, dem "S" in oder vor dem Parteikürzel einen Zugewinn zu verschaffen. - Hat aber auch damit zu tun, dass die Linkspopulisten der Podemos den Übergang aus dem Dauerprotest in den politischen Alltag nicht gut verkraftet haben, und die Spaltung der Bürgerlichen in Partido Popular und Cuidadanos sehr viel mediale Aufmerksamkeit schluckt. - Der Rechtsausleger VOX bleibt deutlich hinter seinen Erwartungen zurück und kann auch nicht als Zünglein an Baleks Waage dienen und einem rechten Bündnis in Spanien dienen. - Aber auch die PSOE das Pedro Sánchez braucht Partner, und mehr, als nur die , jetzt auf Mittelstrecke zurückgerupften Überflieger der Podemos. - Die Regionalparteien machen hier wieder das Konzert komplett, sowohl Basken, als auch Katalanen können Sánchez zum Präsidenten machen, oder eben liegen lassen. - Das mit dem liegen lassen hatte allerdings ja bereits dazu geführt, dass überhaupt Neuwahlen ausgerufen werden mussten und so dürfte Pedro Sánchez wohl auf der Hut sein, mit den Sitzen der katalonischen ERC auf irgendeine feste Beziehung zu setzen. - Anders als in manchen Ländern muss in Spanien der Presidente del Gobierno von einer Mehrheit der Parlamentarier gewählt werden, sonst kann er keine Regierung bilden. - Zwei Anläufe hat er dazu, sollte das scheitern kann der König ihn oder eine andere Person erneut beauftragen einen weiteren Versuch der Regierungsbildung zu starten, aber ohne namentliche Abstimmung im Parlament geht in Spanien nichts. - Allerdings könnte man auf eine Duldung zumindest von Ciudadanos und Podemos hoffen, also Pedro Sánchez im Mix aus eigenen Stimmung und Enthaltungen andere Gruppen gewählt werden, aber wer weiß das schon, wie weit da die Verhandlungen bereits gediehen sind.

Auf den Kanaren haben auch die Sozialisten ( 25 Sitze von 70) gewonnen, allerdings kennt man ja die Tradition hier und die lautet: Es regieren immer die Verlierer. - Das würde in diesem Fall bedeuten, Partido Popular (11 Sitze ) und Coalición Canaria (20) schließen einen Pakt, allerdings reicht das auch noch nicht zu einer Mehrheit, die liegt bei 36 Sitzen, wie man unschwer errechnen kann. Also müssen weitere Partner her, und hier bieten sich an: Nueva Canarias mit 5 Sitzen, Podemos mit deren 4, der "Che" aus La Gomera, Casimiro Curbelo mit seiner ASG und 3 Sitzen und last und natürlich least, Ciudadanos, mit 2 Sitzen. - Geht man nun davon aus, dass ein Rechtsbündnis nur noch Ciudadanos irgendwie interessieren könnte, kann man wohl annehmen, dass Ángel Víctor Torres Pérez von der PSC/PSOE neuer Präsident des "Gobierno de Canarias" wird. - Sicher ist das noch nicht, denn die kleinen Gruppierungen sind immer für Überraschungen gut, und hier muss man auch noch besonders Casimiro Curbelo hervorheben, absolute Vaterfigur und irgendwie Alleinunterhalter der gomerischen Politik, welcher es geschafft hat, sich von der PSC/PSOE abzunabeln und so ganz sein eigenes Ding zu machen. - Und das auch noch erfolgreich, davon haben wir Sozis hier auf La Palma nur noch ein paar dürftige Erinnerung an bereits getrocknete Träume. - Auch wir standen kurz davor, hier eine eigene palmerische Sozitour zu starten, allerdings ruderten dann die Leute um Anselmo Pestana wieder zurück und zogen es doch vor, erneut unter den Mantel der PSC/PSOE zurück zu kriechen. - Allerdings muss man fairerweise hinzufügen, es ist überhaupt nicht gewiss, dass ein ähnlicher "Soziputsch", wie der auf La Gomera, auch auf La Palma erfolgreich gewesen wäre. Die politischen Grundempfindlichkeiten der Inseln sind bemerkenswert unterschiedlich und lassen sich so gut wie überhaupt nicht über die Ufer einzelner Inseln hinaus exportieren.

Auf La Palma hat es eher einen Dämpfer für die Sozis gegeben, gegen den Landes- und Regionaltrend verlieren hier die Sozis, etwas an Einfluss, werden aber immer noch, ganz knapp hinter der Coalición Canaria, im Inselparlament die zweite Kraft. - Sieben Sitze erringen die Sozialisten unter Anselmo Pestana, acht Stimmen hat Nieves Lady Baretto der Coalición Canaria an sich binden können und Mariano Hernandez Zapata der Partido Popular kommt mit einem respektvollen Ergebnis und sechs Sitzen davon. - Anders als in Regional- oder Stadtparlamenten wird automatisch die Listennummer Eins der meistgewählten Gruppe Inselpräsident, in dem Fall also Nieves Lady Baretto Presidenta del Cabildo Insular de La Palma. - Um nun doch noch weiter zu regieren, müsste als Anselmo Pestana zusammen mit der PP die Vertrauensfrage im Cabildo Insular stellen und könnte also mit einer "Moción de censura" die CC in die Opposition schicken. - Auch möglich wäre eine Beteiligung der PSOE an einer CC-Regierung, allerdings könnte das nicht wirklich nach dem Geschmack Anselmos sein, der sich eigentlich deutlich fester im Sattel und der Gunst der Inselstimmung wähnte. - Allerdings darf ich hier mal einen ganz frechen Spruch raushauen: Der Steigbügelhalter darf sich nicht wundern, dass der Reiter, sitzt er einmal fest im Sattel, keinen Steigbügelhalter mehr braucht. - Hatte man doch Anselmo vor vier Jahren noch vorgeworfen, er würde die Coalición Canaria durch die Regierungsbeteiligung im Cabildo noch künstlich am Leben halten, so soll er nun als Juniorpartner in einem solchen Pakt Zweite Geige spielen? - Auf der menschlichen Seite nicht vorzustellen, allerdings ist Anselmo Pestana erfahrener Berufspolitiker und so wir dürfen gespannt bleiben, wie das in unserer Inselregierung ablaufen wird.

Andere Parteien spielen im Cabildo Insular keine Rolle mehr, auch Podemos konnte den Erfolg von vor vier Jahren nicht wiederholen und hat keine Vertretung mehr im höchsten Inselhaus. - Das schwache Abschneiden der, ehemals hoch gehandelten Linkspopulisten hier auf den Inseln ist auch bemerkenswert, besonders wenn man die Renaissance der Coalición Canaria betrachtet, welche ja Populisten in Reinkultur, also der eigenen Sache sind, und deren Verschwinden als Partei man bereits seit mehreren Legislaturperioden immer wieder vor sich hin säuselt. - Man braucht nicht mal Lehren daraus zu ziehen, es liegt auf der Hand, Populismus funktioniert prächtig. Allerdings hat sich diese, älteste Form der Bauernfängerei, eben bis hinein in Kleinstgemeinden und Spitzenklöpplervereine professionalisiert und inzwischen haben selbst Stadtratsaspiranten von Gemeinden mit nicht mal Zehntausend Einwohnern Pressereferenten und Wahlkampfmanager. - Man muss halt, wie fast alles im Leben, auch Populismus richtig betreiben, um erfolgreich zu sein. - Das Volk ist zwar weiterhin ungebildet bis blöd, allerdings von der täglichen Besudelung über Medien, welche "die Neuen" genannt werden, bereits derart überbelichtet, dass man noch lauter, greller, aber auch greifbarer sein muss, als eventuelle Konkurrenten. - Die kleinen Schatten und Nuancen bekommt man halt bei einer Überbelichtung nicht mehr mit, und schon sind Inhalte nicht mehr wichtig, schon gar nicht solch ein Schmuddelkram wie Ideologien, sondern nur noch die Form. - Also nicht wirklich eine neue Entwicklung, nur eben auch inzwischen bei uns auf der Provinz angekommen und man könnte das Ganze, mit naiv gutem Willen, auch als eine Form der Evolution betrachten. - Inzwischen wird also nicht mehr der, mit der dicksten Keule zum Anführer gewählt, sonder derjenige, welcher am geschicktesten optische und mediale Präsenz verbreitet. - Wenn einer Gutes tut, aber niemand sonst es mitbekommt, dann kommt der gute Mann, die gute Frau, oder meinetwegen auch das gute Diverse vielleicht in den Himmel, nicht aber in den Stadtrat.

Vielleicht erkläre ich mir auch nur so das erdrutschartige Wahlergebnis zur Bürgermeisterwahl in El Paso, wo ein omnipräsenter Derwisch die allererste absolute Mehrheit seit der Demokratie im Ort holt und das auch noch mit 9 von 13 möglichen Sitzen. - Sergio Rodríguez hat uns allen gezeigt, wie es geht. Einfach das, was man macht, und das was man vorgibt zu machen, sichtbar werden lassen, und schon läuft die Chose. - Ob denn der ganze Aktionismus auch sinnvolle Projekte generiert, oder die angestoßenen Unterfangen vielleicht auf der Arbeit anderer oder früherer Legislaturen beruhen, das muss nicht hinterfragt werden, sondern nur professionell dargeboten, und schon funktioniert es.- Meinen allergrößten Respekt vor einer solchen Leistung an sich und hier kann man vielleicht am allerbesten mitbekommen, wie weit auch Kommunalpolitik inzwischen wie ein Dienstleister organisiert werden kann. - Schon wieder klammheimliche Freude keimt da auf, weil man es dem sympathischen Wirbelwind natürlich gönnen will, erfolgreich zu sein, aber man darf nicht wirklich ins Nachdenken geraten, was wir denn da eigentlich alles tun, und mit welchem Geld und wohin die ganze Reise denn gehen soll. - Kommunalpolitik in Hochglanzformat, tutorials auf Youtube statt Ratsherrentopf und Henry Kissinger Zitate auf Facebook ersetzen jegliche Ideologien und lassen eventuelle Gegenfragen wie kleinkariertes Karrenbauertum aussehen. - Ok, so lange die Fiesta läuft, und man das Geld nicht zurückzahlen muss, so lange funktioniert der Tanz um das Goldene Kalb, besoffen vom Griechischen Wein und ich hoffe, das könnte ewig so weitergehen - wirklich! - Geht es natürlich nicht, das wissen wir doch, aber alleine Zweifeln ist bereits kontraproduktiv und welcher Kleingeist bitte wagt es hier noch zu zaudern, oder gar zu hinterfragen? Populismus funktioniert, weil das bereits im Wort steckt, denn das Volk bekommt genau das, was es sehen will und letztendlich ist das nur eine andere Form des Ausdrucks Brot und Spiele.

Nur kurz noch sehen wir auf ein paar andere Gemeinden und hier gibt es auch auf Los Llanos zu blicken. - Noelia García (PP) hat endlich ihre absolute Mehrheit erreicht, nach Jahrzehnten, und Alicia Vanoostende fährt für die PSC/PSOE das beste Ergebnis der Sozialisten seit sehr langem ein und man glaubt es kaum, die Sozis stellen im neuen Stadtrat von Los Llanos genau so viele Räte, wie die Coalición Canaria. - Solch ein Ergebnis wäre in der Ära Juan Ramón der Erste (Hernández Gómez) undenkbar gewesen, allerdings hat sich Juan Ramón der Zweite (Rodríguez Marín) eine Schlagzeile zu viel gegönnt und ist gar nicht mehr ins Rennen gegangen. - Allerdings kann Alicia sich den Erfolg ins Puderdöschen stecken, Opposition gegenüber einer absoluten Mehrheit ist wie Schattenschmusen und ob Frau Vanoostende genau so wie Jovita aus El Paso zurück ins Cabildo darf, oder eben in der Etappe verhungern muss, das wird sich erst nach der Regierungs(um)bildung im Cabildo Insular herausstellen. - In Tazacorte passierte ähnliches wie in Los Llanos, auch dort trat der "Große Mann" der Lokalpolitik nicht mehr an, Ángel Pablo Rodríguez von der Unión Bagañeta, einem lokalen Auswuchs der Coalición Canaria, der durfte nicht mehr antreten, da er vom Gericht in Sachen Bebauungspläne für Puerto de Tazacorte ein Verbot zur Ausübung öffentlicher Ämter aufgebrummt bekam. - Allerdings konnte die smarte Carmen von der PSC/PSOE nur bis auf drei fehlende Stimmen daraus profitieren. - Wirklicher Wahlsieger ist in Tazacorte Juan Miguel Rodríguez, ehemals der "Mann fürs Grobe" hinter Ángel Pablo bei der Unión Bagañeta, der nach internen Unstimmigkeiten von der UB zur Nueva Canarias gewechselt ist und nun plötzlich die meistgewählte Liste Tazacortes anführt. - Wie nun der Mann fürs Grobe Feinarbeit leisten will, das wird sich auch zeigen müssen, denn nun stehen Koalitionsverhandlungen an. - Da wurde in den letzten Legislaturperioden allerdings gerade in Tazacorte derart viel Arcopal zerschlagen, dass man sich es heute gar nicht vorstellen kann, mit Juan Miguel Rodríguez irgendwie eine Regierungskoalition auf die Beine zu stellen.

In den meisten anderen Gemeinden gab es keine Überraschungen, Fuencaliente ist nun wieder in der Hand der Coalición Canaria, Mazo nach vielen Jahren wieder rötlich, und Francisco Paz aus Barlovento, von der PSC/PSOE, hat nun auch eine absolute Mehrheit, nachdem sein Modell, keine bezahlten Stadträte, sondern statt dessen studiertes Personal, wohl doch auf fruchtbaren Boden gestoßen ist. - Ganz wichtig allerdings ist, und das macht mich auch sehr stolz: In keiner kanarischen politischen Institution sie die, landesweit wohl für Aufregung sorgenden Rechtspopulisten der VOX, auch nur annähernd vertreten. - Nicht einen Stadtrat, nicht einen Vertreter in den Cabildos und auch das kanarische Parlament bleibt frei vom dumpfen Dröhnen wirrer Dummschwätzer der drübscheren Seite. - Da die großen drei Parteien auf den Kanaren, PSC/PSOE, Partido Popular und Coalición Canaria unisono keine, oder noch keine Vorschriften in Sachen Koalitionsdisziplin aufgegeben haben, könnte es bald einen bunten Flickenteppich aus Parteifarben über die Kanaren verteilt geben. - Vielleicht könnte man es aber schon als kleinen Wink mit dem Zahnstocher deuten, in Garafía haben PSC/POSE und Partido Popular bereits einen Koalitionsvertrag unterschrieben, in Mazo sind die gleichen Partner laut Presse gerade dabei zu unterzeichnen. - Ein Zaunpfahl ist das noch nicht, aber manche deuten das wohl so, dass es in den Kommunen und Parlamenten, in welchen es eine Koalition geben muss, wohl eher PSC/PSOE und Partido Popular die näheren Partner sind und die Coalición Canaria wohl mit sich selbst koalieren muss. - Wobei ja die Berufspopulisten mit Traditionsgeschmäckle mit "sich selbsten" ja gute Erfahrung haben, lautete doch früher einer ihrer, doch meist griffigen Wahlslogans: "Lo nuestro", also "Unseres" und was soll man dem noch hinzufügen.



Freitag 19.04.2019 12:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 18 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 60 % - Luftdruck 1024 hPa

Die sieben Plagen der Migration
Erst Aussteiger, dann Atomflüchtlinge, später Heiler, jetzt Coaches…


So gut wie niemand ist Einheimischer, fast nirgendwo. - Ich kann hier doch nicht einfach die Klassiker unter den Sprüchen auftischen, auch wenn sie noch so probat seien, ich muss doch mindestens dem Motto treu bleiben: Hier wird weder geteilt noch kopiert, hier denkt man noch selbst. - Allerdings wird sich der geneigte, wie gedungen-geduldige Leser wieder zunächst durch mehrere Absätze Monatsgeschehen lesen müssen, und wer glaubt, dem nicht belesen zu sein, der klickt jetzt einfach wieder weg, sonst haben wir Beide nichts davon. - Wenn Sie weiterlesen wollen schlage ich vor, Sie kochen sich jetzt einen Earl Grey, einen Kaffee, oder machen sich eine Flasche Vega Norte Albillio Criollo auf, sonst stehen Sie das nicht durch.

Der April hat sich doch noch Mühe gegeben, ein bisschen an der großen Regenschuld abzuarbeiten, aber gute 10 Millimeter machen zwar mal nass, spülen auch die Gewächshäuser vom gelben Staub frei, aber wirklich Entlastung der deutlich angespannten Lage auf dem Wassermarkt brachte das nicht. - Darüber hinaus sind die Winzer gar nicht erpicht auf spätes Wasser, die Reben haben bereits wieder zarte Blätter und mit dem Niederschlag sprießt der Mehltau noch besser als durch die Nachtfeuchten alleine. - Also niemals kann man es allen recht machen, aber in der Tat, Dezember, Januar, Februar, das wären die wunderbaren Monate für kräftige Regenfälle. - Eine Kopie der letzten beiden Winter, gute Niederschläge im Oktober und November, und dann nichts Verwertbares mehr, zumindest nicht bei uns im Aridanetal. - Der Norden und der Nordosten der Insel sieht komplett anders aus und es wird wohl auch kommenden Sommer gelingen, die intensive Landwirtschaft des Aridanetals und seinen riesigen Bananenplantagen mit Überschusswasser der anderen Seite zu gießen, aber ob der Gesamtwasserhaushalt der Insel damit langfristig überfordert wird, das wissen wir nicht wirklich.

Noch fehlt es nicht an Wasser generell auf der Insel, es ist nur ungleichmäßig verteilt, und mit ein bisschen Argwohn stellt man schnell fest, dass wir nicht nur keine Antworten haben, sondern nicht einmal die richtigen Fragen zum Wasserhaushalt stellen. - Auch hört man nun wieder häufiger die Theorien von der gewollten Verknappung des kostbaren Rohstoffs Wasser, eben weil nur knappes Wasser teuer ist, und damit hohe Renditen verspricht. - So ganz kann man das auch nicht von der Hand pusten und ins lustige Reich der Verschwörungsgeschichten schicken, immerhin ist das Wasser auf der Insel in privaten Händen, vertreten durch Genossenschaften, Aktienverbände und Interessengesellschaften. - Auch die so oft berührte und immer wieder gescholtene "Öffentliche Hand", also hier die Gemeindewasserversorgung kann sich dem nicht entziehen, denn auch die Kommunen kaufen ihr Wasser von Aktiengesellschaften und sind auf deren Kompetenz angewiesen. - Aber lassen wir Spekulationen über Pfründe und Gründe mal weg, wir wissen schlichtweg nicht, ob man ohne langfristige negative Folgen die Insel weiterhin so anbohren und durchlöchern kann, wie wir das seit Jahrhunderten bereits machen, um ans Wasser zu gelangen. - Allerdings darf man auch bedenken, dass ja jegliches Süßwasser auf der Insel irgendwann in den Atlantik fließt, es also unerheblich scheint, ob es vorher durch eine Kanalisation, eine Bananenplantage, oder durstige Körper geflossen ist. - Dass die falschen Fragen gestellt werden, kann ich auch gleich ein Beispiel begleiten, unser längstjähriger Lieblingspolitiker José Luis Perestelo mahnt an, man solle doch zukünftig touristische Großanlagen nur noch zulassen im Verbund mit einer Meerwasserentsalzungsanlage, obwohl der gute Mann ganz sicher weiß, dass über 95% des Inselsüßwassers in die Landwirtschaft gehen und der Wasserverbrauch der touristischen Analgen eigentlich zu vernachlässigen ist.

Aber das bringt uns zum nächsten Thema, was macht eigentlich unser Tourismus. - Hoch gelobt, schrill gefürchtet und auch hier kann man Parallelen zum Wasser ziehen, so ganz richtig weiß keiner, wie tief man denn bohren oder ausbauen kann, ohne strukturelle Probleme zu verursachen. - Die Zahlen sind wieder deutlich rückläufig, und es zeigt sich eben, dass die Zauderer und vorsichtigen Warner schon mit der Aussage Recht behalten haben, dass die Zuwächse der Jahre seit, sagen wir mal 2014, zumindest größtenteils darauf zurückzuführen waren, dass andere touristische Destinationen "Frühling" hatten. - Gemeint sind dabei Marokko, Tunesien, Ägypten, aber auch die Türkei, also alles Länder, welche zwar nicht in Konkurrenz zu La Palma standen bislang, wohl aber zu den anderen Kanareninseln. - Und hier wird nun ein Zusammenhang deutlich, denn als Lanzarote, Fuerteventura, aber auch Gran Canaria und Tenerife echte Probleme hatten, genügend Betten für ihre Gäste zu finden, da entsannen sich die großen Reiseveranstalter unseres kleinen Eilands und machten aus einer Not eine Jugend, und schickten uns Gäste, welche eigentlich nicht unbedingt nach La Palma wollten, sondern auf die Kanaren. - Wie weit man damit La Palma, aber auch den neuen Gästen einen Gefallen getan hat, das darf durchaus subjektiv betrachtet werden, allerdings hapert es doch an der Nachhaltigkeit dieser neuen Inselfreunde, zu weit auseinander scheinen hier Erwartungen an ein tropischen Inselarchipel mit Baströckchenseligkeit auf der einen Seite, fehlende touristische Infrastrukturen, Wetterkapriolen mit Schneefall und Dauerregen, sowie nicht tourismuskonform abgeschmirgelte Ureinwohner auf der anderen Seite zu stehen.

Auch fordern eben inzwischen die touristischen Urgesteine der Kanaren "ihre" Gäste zurück, und die Reiseveranstalter schmollen daneben auch noch, da die kanarischen Hoteliers letztendlich nichts anderes als Geschäftsleute sind, und über die Jahre der wachsenden Gästezahlen die Preise derart hochgeschraubt haben, dass nun der eine oder andere Touroperator allein aus "erzieherischen Gründen" den Kanaren Kontingente einfach streicht, und trotz Erdogan in die Türkei verschiebt. - Gut, ein bisschen was ist hängen geblieben, allerdings darf man wohl spitz fragen, ob man daraus gleich die Wirkung basteln darf, La Palma aus den Dornröschenschlaf des nicht durchgetakteten Tourismus nun aufs massentaugliche Parkett zu schicken. - Es ist halt nicht einfach, sicher zwischen Startschuss und Zapfenstreich zu unterscheiden, wenn man so ganz unmusikalisch ist, zumal keiner so wirklich glaubhaft noch mittelfristige Bewegungen auf dem touristischen Markt voraussagen kann. - Langfristige wirtschaftliche und geopolitische Entwicklungen zu prognostizieren, das hat was mit Higgs-Bosonen zu tun, oder der Fähigkeit Schwarze Löcher in Echtzeit zu umschiffen, also lassen Sie uns ernsthaft bleiben. - Man muss halt mehrfach um die Ecke denken, aber auch jedes Mal richtig abbiegen, um strategisch irgendwie zukunftsträchtig und nachhaltig agieren zu können, dagegen scheint leider das abgedroschene Gelaber unserer politischen Planer aus der Zeit zu stammen, als Wachstum noch gottgegeben schien und der Tanz um das Goldene Kalb gesellschaftliche Pflicht war. - Vielleicht könnte man aber auch ganz einfach nachdenken, und bleibt bei dem, was man eh schon hat.

Das klingt jetzt schon fast wieder revolutionär kontraprogressiv, hat aber was damit zu tun, dass viele Menschen nicht nur weiterkommen wollen, sondern vielleicht auch mal innehalten. - Leute, wir haben die Entschleunigung erfunden, allerdings ohne es zu wissen! - Meine Kinder würden jetzt behaupten, Papa, du wirst alt, und sicher ist das nicht von der Hand zu weisen, schon gar nicht aus dem Gesicht, aber wenn alle Dinge letztendlich Kreise sind, dann ist man gestrig und Avantgarde gleichzeitig, wenn man einfach mal stehen bleibt. - Man könnte ja auch hingehen und sagen, wir werden mit unseren Gästen alt, langsam, beschaulich und halten uns aus dem Trubel um die ersten Plätze heraus, und entsagen dem schwindlig drallen Wandel im Aufstiegskarussell. - Und ich lasse auch das Argument nicht gelten, dann stirbt man zusammen mit seinen alten Gefährten einfach weg, denn es bleibt dann doch ein Naturgesetz, dass alle alt werden, auch die hinter uns, also doch nachwachsende Rohstoffe sind. - Manche vielleicht nur im Kopf, andere sicher überall. - Das hat auch nur im übertragenen Sinn mit Alter zu tun, sondern mit einer stringenten Ehrlichkeit über eigene Fähigkeiten, die da doch viel eher die Nische und Lücke sind, als medial vorzeigbare Events und Sensationen. - Wir sind eben nicht der Wandel und die Zukunft, sondern das Verlässliche, das Gleichbleibende, und wer endlich den Mut besitzt, den Schritt zu setzen und zu behaupten, Wachstum interessiert uns nicht, sondern nur Fortschritt, der hat den ersten bereits getan.

Die wunderbare Einzigartigkeit der Insel und auch Authentizität hat sich bislang immer nur durch Unterlassung erhalten, eben nicht weil man kluge Vorschriften oder Reglungen gefunden hätte, sondern trotz dieser. - Es hat sogar eine Gesetzmäßigkeit: Wir sind überhaupt nicht schnell genug, Vorschriften, Gesetze, aber auch Moden umzusetzen, wir brauchen viel zu lange, unseren Giermodus anzuwerfen. Während der Rest der touristisch-europäischen Welt über Golfplätze bereits morbide Witze reißt, suchen wir immer noch nach Möglichkeiten, diese post-amüsante Freizeitgestaltung irgendwie in unser Portfolio mit einzupassen. - Dabei schaffen wir es nicht einmal, eine gesetzliche Grundlage dafür zu erstellen, und irgendwie erinnert das dann auch wieder an die Ananasfarmen in Alaska, welche behördlich durchaus genehmigungsfähig sind. - Jetzt laufen wir gerade wieder dem bereits erschlafften Aufschwung der Erdogan-Miesepeter Touristenumverteilung hinterher und feiern Bauprojekte der Branche, welche erst in der zweiten Instanz juristisch durchgefallen sind, also durchaus noch nicht komplett aus dem Rennen scheinen, da ja theoretisch noch was geht. - Nicht ein einziger touristischer Nutzungsplan hat bisher auch nur irgendwie den Gästestrom auf der und auf die Insel beeinflusst. - Eher im Gegenteil, die Debatte um die massenhafte Regularisierung von Ferienunterkünften der "airbnb-Klasse" als "Vivienda Vacacional" hat Fronten geschaffen, zwischen Privatvermietern und dem "Imperium", welche nun juristisch in Spanien und auch hier auf den Kanaren ausgefochten werden. - Das "Imperium" ist natürlich die patronal-geschützte Klasse der Hoteliers auf den Inseln, und denen spucken nun ganz viele kleine Miniunternehmer in die bislang ungeteilte Suppe, und der Ausgang der ganzen Geschichte ist überhaupt nicht absehbar. - Auch wenn es für La Palma nur ganz gelegentlich zutrifft, die Konkurrenz auf dem Immobilienmarkt zwischen Inselbesuchern und einheimischen Wohnungssuchenden ist deutlich spürbar und wird täglich neu ausgefochten. In den Ballungsgebieten der großen Inseln hat das bereits zu prekären Situationen geführt, auf unserem Inselchen bleibt, mangels Nachfrage, die "Turismofobia" noch marginal.

Bei den "Big Games" werfen wir also fast immer erst, nachdem die Partie bereits zu Ende ist, bei den kleinen Schlachten kommen wir besser rüber und können auch jetzt wieder die Inbetriebnahme einer neuen touristischen Infrastruktur auf unserem Inselchen stolz vermelden. - Böse Zungen behaupten zwar, es sei eigentlich nur eine weitere Pinkelstätte in Edelstahl und Vulkanstein für termingeplagte Kreuzfahrer, welche in klimatisierten Bussen eilig zu den endemischen Abtropfstation gefahren werden. - Wie gesagt, böse Zungen, denn in Wirklichkeit hat man sich wohl größte Mühe gegeben, der Vulkanhöhle von Todoque ein entsprechendes Besucherzentrum zu widmen. - So weit allerdings gleich voraus, räumliche Nähe mit dem "Tubo Vulcanico de Todoque" hat das Besucherzentrum nicht, es ist zu weit weg, der Besuch der Höhle gehört nicht zum Programm und darüber hinaus gibt es ja im Besucherzentrum auch eine alternative Höhle. - Ob das nun eine "fake-tube" ist, das muss jeder für sich bestimmen, aber so kommt man schon besser, einfacher und sicher höhlenschonender an die profunden Informationen. Es geht um die Vulkanröhre im Lavastrom des San Juan, welcher im Jahr 1949 dort knapp an San Nicolás vorbei pladderte und eben auch diese, höchst interessante Röhre fabrizierte. - Die wirkliche Höhle kann man nur mit Vorbestellung besichtigen, oder eben wenn die Arbeitszeit des Aufsichtspersonals um ist, am einfachsten man bucht den Besuch bei "La Palma Outdoor".

Das Besucherzentrum muss nicht gebucht werden, ist zu normalen Uhrzeiten auch immer geöffnet und taugt wohl, die Geschichte rund um den vulkanischen Ursprung der Insel wie auch die Entstehung der Höhle zu verdeutlichen. - Schmuck ist das alles geworden, anhand des vielen Edelstahls werden auch die Millionen sichtbar, welche das gekostet hat, und wenn man schnell genug ist, dann kann man vielleicht auch noch der Wirt werden, der die Cafetería dort eines Tages betreiben darf. - Einen bessern Blick kann man kaum bieten, die Busse werden alle dort halten und eigentlich kommen auch so ziemlich alle La-Palma-Besucher am "Schloss Basaltsouci" vorbei. - Ebenso soll der kleine Laden noch mit Leben und Gewerbe bestückt werden, und auch hier darf man gespannt sein, wer das denn übernimmt. - Sprachgewandtes Personal empfing uns, englisch, deutsch und natürlich spanisch, man lässt den geneigten Betrachter der ausgestellten Dinge dort mit seinen Fragen nicht alleine und führt durch die kleine Alternativhöhle. - Das ist alles nicht verkehrt, auch wenn der Bau an sich irgendwie an die britische Serie "UFO" von annodunnemal erinnert, mitten im Lavafeld des San Juan glaubt man sich eh auf einer anderen Welt, also findet sich eine gewisse Stringenz in der Komposition. - Wer dachte, man sollte vielleicht einfach nur die echte Höhle sicher zugänglich machen und vor dem Zugriff der vielen Interessenten schützen, wird eines deutlich besseren belehrt, es geht nicht mehr um die Höhle an sich, sondern um einen weiteren touristischen Hotspot der Insel, der besucht werden muss. - Interessant bleibt die Geschichte um die Namen und die Verwirrung darum, denn die Höhle, welche eigentlich hier als "Tubo de Todoque" bekannt ist, die wurde irgendwann mal von Leuten, die Todoque anscheinend nicht mögen, in "Cueva de las Palomas" umgetauft. - Also Taubenhöhle. - Wie naturklug das nun wieder ist, einen Namen mit Alleinstellungsmerkmal wegzuwerfen, um einen Allerweltsnamen zu vergeben, aber jeder kann das ja halten wie er will. - Das Besucherzentrum wiederum heißt "Centro de Interpretación de las Cavidades Volcánicas Caños de Fuego" was geradeaus übersetzt: "Interpretationszentrum der Vulkanhöhlen Feuerrohre" heißt und selbst eingefleischten Regionalisten fragendes Nasenflügelbeben und Schultertucken entlockt. - Eigentlich eine tolle Geschichte, wenn man nicht so viel Brimborium, teures Brimborium, drum herum machen würde. - Für ein Zehntel des Geldes und Zeit hätte man die gleichen Inhalte mit der Originalhöhle auch veranstalten können, aber das ist nur die eine Seite. Dann hätte man ja nicht so viel Geld in den Umlauf bringen können, das ist die andere Seite. Vielleicht folgt das Ganze ja dem höheren Plan, die nicht alternative Höhle vor unserem Zugriff zu schützen und ich bin ja lange genug hier, um immer an höhere Pläne zu glauben.

Was sonst noch los war. - Tazacorte in dreifacher Hinsicht. - Der Hafen soll schon wieder umgebaut werden, wobei die neue Mole um weitere 200 Meter verlängert werden soll. - Nach den rund 80 Millionen Euro, welche man in zwei Stufen bereits verbaut hatte und immer noch kein Schiff dort anlegen will oder kann, außer den Seglern wie der Alex II, soll es nun in die nächste Runde gehen. - Allerdings reichen auch die nächsten, niemand weiß wie viele Millionen aus, die Insel zu drehen, denn das wäre schon nötig, damit der Hafen von Puerto de Tazacorte, "El Tarajal" genannt, endlich eine Bedeutung über die christliche Spaßschifffahrt hinaus erlangen könnte. - Die einzigen Häfen, welche wirklich für La Palma interessant ist, liegen auf Tenerife, und das befindet sich im Osten La Palmas und so bleibt Santa Cruz de La Palma einfach eine Stunde näher. - Macht nichts, Hauptsache es kommt Geld auf die Insel, die EU merkt schon lange nichts mehr und immerhin, man kann doch prima Konzerte dort im ungenutzten Areal des neuen Hafens abhalten, also warum das ganze Gemecker.

Die Umgehungsstraße des Ortes wird nun auch wieder weitergebaut, und wir erinnern uns, das gehört zum großen Gesamtkunstwerkplan, zur "Eje Transinsular de Canarias". - (Jeder Hafen und Flughafen der Inseln soll mit Autobahnen verbunden sein, damit man schneller von Lanzarote nach El Hierro kommt. - Man könnte natürlich auch den Flieger nehmen, aber…) Sicher ist die Ortsdurchfahrt der Villa de Tazacorte eng, allerdings darf man fürchten, dass mit der Umgehung des Ortes auch die Besucher im oben gelegenen Ort weniger werden. - Das kann natürlich auch ein Vorteil sein, wenn der Ort ruhiger wird, allerdings gibt es ja auch Gewerbe und gerade in den letzten Jahren haben sich angenehme und Publikum lockende Betriebe dort niedergelassen.

Und auch hier gibt es wieder böse Zungen und die meinen, man braucht eh den Hauptort Tazacortes nicht mehr besuchen, wenn erst der Umbau der Avenida de la Constitución vonstatten gegangen ist. - Das ist die halbrunde Straße, auf deren dem Meer zugewandte "Rambla" sich Lokale installiert haben und eben den Leuten, aber auch Besuchern dort einen angenehmen Abend mit wunderbarem und unverbaubarem Blick auf die Orinocomündung versprechen. - Das soll nun "tiefergelegt" werden und wieder hat man eben diese Umbaumaßnahmen nicht mit der Bevölkerung und den betroffenen Gewerbetreibenden abgestimmt, denn transparente Stadtplanung ist nicht wirklich unser Ding. - Es geht wieder einmal um die Gelder, welche die Kommunen im Rahmen von Umbauten zu "Zonas Comerciales Abiertas" erhalten. - Die Gemeinden planen selten nach Notwendigkeit, sondern alle Zuschüsse, die es nur irgendwo gibt, sollen halt abgegriffen werden. - Da wird viel in den Orten rumgewerkelt, ohne Bürgerbeteiligung, und meist auch ohne Sinn und Verstand, da wir uns eher hohe Gehälter für Stadträte leisten, als ausgebildete Stadtplaner.

In El Paso fand und findet Ähnliches statt, dort allerdings weiten sich diese Maßnahmen zu einer Kampagne gegen Parkraum aus und mal so ganz unter uns, das Einzige, was El Paso an Lockstoff für Einheimische hat, sind die Parkplätze und die Bequemlichkeiten, die damit einhergehen. - Viel zu spät bekommen das die Leute dann immer erst mit, meist sind die Aushänge der Projekte dann auch irgendwie nicht lautstark verkündet und wenn die Aufträge erst verteilt sind, dann ist das eh meist nicht mehr zu stoppen. - Aber auch hier gibt es die Möglichkeit für die Bürger sich mehr einzubringen, immer wieder mein einfacher Tipp, Leute mischt euch unter die Ortsgruppen der Parteien und werdet dort aktive Mitglieder, dann bekommt man solche Planungen früh genug mit, oder kann diese sogar verhindern. - Man kann sogar relativ einfach solche Ortsgruppen der Parteien "kapern", die meisten politischen Gruppierungen hier auf der Insel haben nur ganz wenige Mitglieder in Ihren Ortsgruppen. Auf jeden Fall muss man sich als Bürger aktiver beteiligen, und zwar noch bevor Pläne beschlossen werden, und nicht danach. - Übrigens ist ein Klick auf einer bekannten Empörungswebseite kein Ersatz für aktive Beteiligung, vom Sofa aus die Welt, oder wenigstens das Dorf retten, das geht leider nur im digitalen Ponyhof mit der Regenbogenapp.

Jetzt endlich kommen wir zur Überschrift und da steckt die Frage dahinter, welche mich schon lange Jahrzehnte bewegt: Wie sehen denn eigentlich die migratorischen Bewegungen auf der Insel aus, und warum gibt es hier so viele Deutsche? - Verstehen Sie mich nicht falsch, ich habe nichts gegen Deutsche, ganz und gar nicht, bin selber einer, allerdings muss ich immer wieder feststellen, dass es ganz viele von uns gibt und ich manchmal das Gefühl habe, gerade hier auf der Insel sammele sich ein klein bisschen verzerrtes Spiegelbild der Guten Stube. - Auch ich kam nicht mit der ersten Welle an, falls es eine solche Welle überhaupt gab. Auch wir, also damals mein Vater und ich, landeten ja auf der Insel, weil irgendjemand irgendjemanden kannte, der einen Bekannten eines Bekannten auf der Insel hatte. - So läuft oder lief das, inzwischen ist allerdings La Palma kein weißer Fleck auf der Fluchtroute von und nach Everland mehr, um denn nun mal dem geduldigen Godot auch ein bisschen verbale Abwechslung zu verleihen. - Vor wem man denn wirklich wegläuft, das erkennen die meisten erst, wenn sie sich selbst eingeholt haben, allerdings lässt ein heftiger Umgehungswandel ja auch die Möglichkeit, nicht nur weg, sondern auch auf etwas zu zu laufen. Wir haben ja bereits öfter nach dem Grund gesucht, warum denn nun La Palma so deutsch ist, sind aber immer in der Erklärung stecken geblieben, dass eben bereits vorhandene Kontakte für einen weiteren dauerhaften Nachschub sorgen. - Darüber hinaus gibt es natürlich auch noch den Hinweis, dass es wirklich viele Deutsche gibt, so aus rein europäischem Blickwinkel und wahrscheinlich haben wir damit auch schon die beiden Hauptfluchtursachen geklärt. - Neckisch kann man sich ja nun auf die Suche nach dem Deutschen-Zero machen, (Deutsch-Null gefiel mir irgendwie nicht) aber die Suche nach Dinge vor der Pamir, also noch der Kaiserzeit, die machen ganz viel Mühe. - Nur kurz für Neu-Neubürger, die Pamir, der berühmte deutsche Frachtsegler, war hier während des Ersten Weltkriegs interniert und es gab tatsächlich Nachkommen aus Multikulti zwischen Besatzung und Palmeras. - Offiziell übrigens nur einer, allerdings gibt es viele Geschichten, welche den Seeleuten der Pamir deutlich mehr als ein bleibendes Argument zugetraut haben, aber eben nicht angetraut. - Aus dem Hafen aus dem Sinn, und dann noch die Sache mit dem Frachter, welcher sich noch vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs auf Reede vor unserem Hafen begab und dem man andichtet, Versorger für deutsche U-Boote gewesen zu sein, welche den Atlantik auf der Suche nach dem Endsieg durchpflügten.

Die Geschichte gibt dazu allerdings deutlich weniger her, als das mit der Pamir, und schnell müssen wir einsehen, dass sich Deutsche auch ganz anders in der Welt verbreiten können als in Uniformen, und ich persönlich finde das einen evolutionär-feinen Charakterzug. - Auswanderer war damals noch der treffende Name, mit ein bisschen Patina von Joseph Conrad und einem Akzent von Hardy Krüger hatte das sogar noch etwas verwegenes. - Wir bewunderten diese Leute natürlich und wir waren wissbegierig und der damalige Umtauschkurs von Deutschmark zu Pesetita erlaubte selbst, solch wenig solventen Bayerwaldlandwirten wie uns, die Verwirklichung des Traums der tropischen Bettflucht. - Allerdings fiel uns auch damals bereits auf, dass es nicht unbedingt ein "Deutsches Haus" auf der Insel gab, wo alle Teutonen sich gerne beim Absingen von leidkulturellem Liedgut einfanden, sondern auch damals waren das bereits viele Individualisten. - Und viele Individuen ergeben selten einen homogenen Brei, sondern meist ein klumpiges Süppchen. - Wir galten damals als Aussteiger, später Umsteiger und ich bezeichne mich seit Jahren aus Solidarität nur noch als Flüchtling, würde das aber gerne in Rentner, ober direkter, in Rentenempfänger umtauschen. - Ja genau, vor dem Gedankengut habe ich mich selbst vor einem halben Jahrhundert gewarnt, wohl wissend, dass es genau so kommen wird. - Darum Um- und nicht Aussteiger, denn wer immer in die Rentenkasse einzahlt, der verdient den Anarchieorden eines Aussteigers nicht, greift eher nach der Auszeichnung des Bodenpiloten, bleibt aber dafür in der Krankenversicherung.

Nach uns kamen die Tschernobyl-Flüchtlinge, manche sogar mit Geigerzählern, und brachten Worte wie Bequerel und Fallout mit auf die Insel und erklärten La Palma erneut zum Paradies. - Eine Bezeichnung übrigens, welche bei weitem nicht jede Brandungswelle teutonischer Migratoren bei ihrem L-Day begleitet hat. - Die Tschernobyl-Flüchtlinge, die waren und sind immer noch mein Lieblingsgrüppchen, die wollten halt nicht La Palma nach einem imaginären Vorbild formen, sondern suchten genau das, was La Palma bereits war. - Das ganze Gegenteil war die nächste Generation, vielleicht schon die ersten Erben oder Steuerflüchtlinge, welche mit konkreten Plänen, aber meist wenig Wissen und noch weniger Takt auf die Insel kamen. - Diplomatenkoffer auffällig gebeult, nach außen, und eben die beißende Gewissheit: Wir bringen das Glück auf die Insel, La Palma hat auf uns gewartet und wir bewegen die Dinge in unserem Sinne, weil das hier ja alles nur zurückgebliebene Analphabeten sind. - Das war der Zeitraum, als ich das erste Mal begriff, es gibt Leute, die kommen nicht nach La Palma, weil sie diese Insel lieben, sondern weil sie glauben, hier auf lauter Deppen zu treffen und man so einfacher Geschäfte machen kann. - Das ging in den allermeisten Fällen ganz furchtbar schief, aus der Zeit stammt auch dieser irre, wirre aber auch ein bisschen wahre Spruch: "Wie kann man auch auf La Palma ein kleines Vermögen machen? - In dem man ein großes mitbringt." Wenn Arroganz auf Sturheit trifft, dann gewinnt immer die Sturheit und darüber hinaus sorgten diese wilden Investoren auch mit lautem Klappern des Mammon dafür, dass es genügend hilfreiche Hände und Taschen gab, welche sich um das große Vermögen kümmerten. - Ich habe ausgewiesene Global-Player erlebt, welche nach einer durchzechten Bodega-Nacht Generalvollmachten unterschrieben haben, und sich dann wunderten, wenn selbst ernannte Generäle sich die Taschen damit voll machten. - So hatten Sie das Wort Generalvollmacht auch noch nicht seziert…

Auch lernte ich die Gnaden der Fluktuation in alle Richtungen kennen, und nachdem es sich wohl herumgesprochen hatte, dass wir zu blöd sind für Besserwisser und Schlaumeier, und mit den vielen Glasperlen nichts anzufangen wüssten, kamen die Zivilisationsflüchtlinge. - Also Lehrer mit Tinnitus, Banker ohne Bank, Frührentner die immer zu früh kommen und alle möglichen Leute, welche das einfache Leben suchten und irgendwie gehört haben, dass dieses Leben gerade hier auf der Insel so extra-leicht sei. - Wer Glück hatte und fortlaufende Zahlungen aus dem Land der Guiris, der fand hier durchaus dieses einfachere Leben, meist allerdings auch gemischt mit der ganzen Packung Selbstmitleid und Weltschmerz, den man trotz allergrößtem Rucksackschütteln beim Fortmachen nicht aus dem Wandergepäck bekommt. - Man sprach auch von der Epoche der weinenden Frauen, denn oft brachen Ehen oder weniger komplexe Partnerschaften unter dem ausgewanderten Druck schneller auseinander, als in der bunten Ablenkung der profanen Zivilisation. - Sie ging töpfern, er integrieren, und brachte das in der Dorfkneipe zu erstaunlichen Erfolgen, allerdings meist nur im Kreis eingefleischter Starktrinkerlogen, welche überall auf der Welt Niederlassungen unterhalten. - Meist ging man getrennt zurück, und auch hier erlebt man ein seltsames Phänomen, man erklärt Remigration als Scheitern des ersten Versuchs, obwohl es doch eigentlich nur ein weiterer Schritt auf dem Weg ist. - Aber immer waren die anderen Schuld und sowieso die Insel, welche halt einen rauen und verschlossenen Charakter hätte. - Allerdings haben viele Frauen irgendwann ausgeweint, manche sogar den Kerl einfach nur zum Deibel geschickt und leben heute noch, meist mit frech kolorierter Haartracht, glücklich töpfernd und immer links rum um die Aloe tanzend, das Ende jeglicher zivilisierter Müdigkeit feiernd. - Chapeau an alle, die sich hiermit angesprochen fühlen, meine Hochachtung!

Ob das Ursache, Wirkung oder einfach nur Zufall war, keine Ahnung, aber irgendwann begann die Phase, dass nun das Chakren einrenken und rituelle tibetische Drüsenrülpsen auch die klamme Börse sanieren sollte, und nun boten plötzlich Gurus und ähnliche vollakademische Wirkungskader Heilung bei allen möglichen Zipperlein. - Da gab es welche, die konnten selbst die dritten Zähne nachwachsen lassen, andere trommelten den Haarausfall weg, Krebs war plötzlich ein Erfindung der Chemtrailpiloten und wer den schönsten Aluhut basteln konnte, der bekam eine rhythmische Selendrainage mit südusbekischen Klitoralklammern aus Himalayagrottenbarschdarm zum halben Preis. - Da gab es Heilung gegen Bares, gegen Krankheiten, die noch gar nicht erfunden waren, meist aber gegen Leiden, deren Namen der Heiler selten trefflich buchstabieren konnte. - Mal so unter uns, man konnte eigentlich nur hoffen, dass so gar keiner von denen mal ernsthaft krank wurde. - Wirklich nie begriffen aber habe ich, warum selbst dieser ganze Zinnober irgendwie den Regeln der Mode unterliegt, und sich inzwischen die Zahl der selbst ernannten Heiler mit der der wirklich ausgebildeten Ärzten auf der Insel etwa wieder die Waage hält. - Vielleicht sind ja auch die meisten Leute inzwischen geheilt, vielleicht haben viele ja auch die große Steinigungswelle mit Globuli nicht überlebt, aber wahrscheinlich ist die große Schar an Latanen einfach weiter gezogen, um sich endlich um andere Regionen dieser düstern Welt kümmern zu können. Wenn Sie nicht wissen was ein Latan ist, ein kleiner Tipp, ein Latan tritt immer nach einer Schar auf…

Berufe im Wandel der Zeit. Manche Heiler haben auch umgesattelt und machen jetzt auf Coach, nein, nicht auf Couch, das wäre dann eher mein Ding. - Was genau nun ein Coach macht, das beantwortet man am besten mit dem Wort: Coaching! Das hat allerdings einen ähnlich niedrigen Stringenzwert wie Consulting, so ganz genau weiß nämlich keiner wirklich was das ist, und ganz kleinlich betrachtet gibt es sogar auffallend viele Doppelspitzen, welche Coaching und Consulting gleichzeitig anbieten. - Im Grunde geht es darum, irgendwie für, meist gut gemeinte Ratschläge Geld einzufordern, und allen dabei weiß zu machen, man wäre niemals selbst darauf gekommen und ich glaube noch, Consulting ist noch teurer als Coaching. - Allerdings werden zum Teil aufwendige Geschäftspläne und Strategiepapiere aus dem Netz zusammenkopiert, heruntergeladen und neu sortiert wieder abgeheftet, also irgendwas bekommt man meist für das Geld, aber wer als Vorbild die Coaches und Consulter unserer Gorch Fock-Uschi hat, dem könnte unser Inselchen ja schnell zu klein werden. - Aber es hat oft funktioniert, häufiger noch als wirklich Bauern gefangen werden, es muss halt jeden Tag eine coachempathische Person über die Plaza von Los Llanos laufen und just in dem Moment sollte der Cortado am Kiosk, zwecks Sprinteinsatz bereits bezahlt sein. - Man könnte sonst zu spät kommen, denn das Gewerbe der Dummschwätzer ist spätestens, seit die Leute nicht mehr über Plätze laufen, sondern sich freiwillig in virtuellen Foren oder Markplätzen tummeln und auch noch Hilfe rufen, immer auf dem Sprung, und nicht mehr auf direkten Kontakt angewiesen. - Keine Ahnung, welche wunderbaren Blüten aus dem Flüchtlingssektor sich noch auf unserem kleinen Inselchen breit machen werden, La Palma und deren autochthone Indis haben eh so gut wie nie was aus der parallelen Welt der migratorischen Horden und deren modischen Ritualen mitbekommen . - Mit Religion hatten wir noch nicht wirklich was, oder UFO und X-Akten, das wäre doch sicher auch noch eine Idee für zukünftige Übersiedlungswillige, oder sollten wir an eine Außenstelle für Reichsbürger denken? - Ich könnte ja mal einen Geschäftsplan ausarbeiten, meine Rente aufbessern, mit ein bisschen Coaching von der Couch aus…

Sollte sich nun eine Berufs- oder Sozialgruppe noch nicht ausreichend beleidigt fühlen, oder das Ganze zu ernst genommen haben, dann machen Sie bitte selbst weiter, ich kann mich doch nicht um alles kümmern. - Bitte immer daran denken, Sie sind natürlich nicht gemeint und wer es im Text bis hier her geschafft hat, der hat entweder viel zu schnell gescrollt, nur um zu gucken, wie viel ich dieses Mal geschrieben habe, oder gehört der immer knapper werdenden Zunft der Belesenen an. - Es war mir eine Freude Ihre Zeit zu teilen, Frohe Ostern!




Das meinten die wohl, als sie sagten, sie sollten gegenüber wohnen, nicht drin.
Es geht wohl um Architekten...




Aber rausgucken geht wunderbar, so stellt man sich doch gerne eine Kaffeepause vor




Ganz unten kann man etwa erahnen, wo es zur "echten Höhle", also dem Tubo de Todoque geht.




Geballtes Wissen in futuristischer Pracht




Höhlenforscher erforschen forsch die Höhle




We should call it "alternative cave" and not "fake-tube"





Donnerstag 28.02.2019 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 19 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 22 % - Luftdruck 1027 hPa
Höchsttemperatur heute 22,5 Grad - niedrigste Temperatur 17,6 Grad

Vom richtigen Zeitpunkt für einen Waldbrand
Regen bringt Segen und andere voll bekloppte Dinge aus Makaronesien


Da dieser Winter wieder mal so richtig auf Sommer macht, haben wir auch eher mit sommerlichen Problemen zu kämpfen, als mit der Jahreszeit angepassten Dingen. - Nur der Januar war von den Temperaturen her fast angemessen, Dezember und auch jetzt der Februar deutlich zu warm, und sowieso, es regnet nun seit Jahren bereits wieder viel zu wenig. - Eigentlich fing der Winter, also die Jahreszeit, in welcher es auf der Westseite überhaupt regnen kann, wunderbar an. - Mehrere Niederschläge ohne Starkregen, also "gutes Wasser" ließen im November und Oktober bereits hoffen, aber alle Auguren der Trockenheit, des Klimawandels und der schlechten Laune sollten Recht behalten, seit nunmehr drei Monaten ist kein brauchbarer Regen hier im Aridanetal gefallen und man darf sich, nicht nur als Bananenpflanzer; dann doch berechtigte Sorgen machen. - Das Aridanetal trägt jetzt im Winter fast Sommerkleid und die Pflanzer stöhnen über die hohen Wasserpreise. - Im Norden und Nordosten sieht das anders aus, dort bringen nicht nur die selten gewordenen Tiefs das begehrte Nass, dort taugt auch das Azorenhoch als Wasserspender und manchmal auch als Retter in der Not.

Die Not zeigte sich am Abend des 14. Februar im Nordwesten der Insel, genauer gesagt bei Llano Negro in der Gemeinde Garafía, das erste Feuer im Jahr drohte dort zum ausgewachsenen Waldbrand zu werden. - Eigentlich sprach alles gegen uns, das Wetter, die Uhrzeit und auch die Jahreszeit, denn im Winter sind die beiden Hubschrauber des Innenministeriums nicht auf der Insel, welche sonst vom nahen Puntagorda aus vielleicht noch rechtzeitig hätten eingreifen können. - So aber war die Dunkelheit zu nahe und der Hubschrauber des Gobierno de Canarias, welcher auch unserem Flughafen steht, konnte nicht mehr starten und auch die anderen Helikopter der Nachbarinseln wären deutlich zu spät gewesen. - Auch steht ja im Winter nicht die große Mannschaft bereit, welche im Sommer extra für die Waldbrände vom Umweltamt und der Inselregierung bereitgestellt werden und das Wetter war die Tage vorher heiß, trocken und windig und so kam es dann auch. - Trotz gewaltiger Bemühungen, schnell genügend Leute heran zu führen, wurden innerhalb kürzester Zeit mehr als 130 Hektar von einem Feuer ergriffen. - In ein paar Stunden nur, und wenn wir in unseren reich gefüllten Erinnerungsbrandschatz blättern, dann hat selten ein Feuer gleich zu Beginn seiner heißen Karriere derart viel Wald angegriffen. - Aber es fing gleich nach Anbruch der Dunkelheit an zu regnen, erst zögerlich, dann kräftig und so konnte eine Katastrophe abgewendet werden. - Ich sage das mal einfach so frei heraus, wäre das Feuer einen, oder zwei Tage vorher ausgebrochen, auch zur ähnlichen Uhrzeit, dann wäre aus der Geschichte ein gewaltiger Flächenbrand entstanden, den wahrscheinlich der am 14. Februar aufkommende Regen dann nur noch schwerlich hätte so einfach löschen können.

Klar, man muss auch mal Glück haben und vielleicht taugt der frühe Schreck im Jahr ja auch dazu, uns nach nunmehr guten zwei Jahren ohne großes Feuer, erneut so wirkungsvoll zu sensibilisieren, dass auch dieses Jahr kein Jahr des Feuers wird. - Natürlich wird wieder ermittelt, Gewitter oder die faketrächtige Mär von der Selbstentzündung scheiden selbstverständlich aus, und man hat in de Nähe des Feuerherdes stattfindende Rodungsarbeiten im Fokus des polizeilichen Interesses. - Aber da ja das Glück auf unserer Seite war, wird wohl der Ermittlungsdruck nicht allzu groß sein und der Alltag die Neugier abschmirgeln. - Berichtenswert dabei ist allerdings auch, dass man in aller Schnelle die konkurrierenden Reedereien Olsen und Armas dazu gebracht hat, für den Notfall zusammen zu arbeiten. - Beide Fährunternehmen schicken abends jeweils ein Schiff über La Gomera aus Tenerife zu uns, und am Abend des 14. Februar dieses Jahres hat man es organisiert, dass die Armas-Fähre auf La Gomera alle Passagiere der Olsen, welche nach La Palma wollten, übernahm, damit die große Schnellfähre Benchijigua Express, rasch nach Tenerife zurück konnte, um dort bereits alarmierte Hilfskräfte an Bord zu nehmen und nach La Palma zu bringen. - Was dann allerdings nicht mehr geschah, denn der zunehmende Regen dort im Nordwesten der Insel machte eine weitere Mobilisierung von Einsatzkräften hinfällig. - Dennoch, eine gute und schnelle Idee und wieder eine Statue aus Alternativgranit mehr an der Allee der nicht gebrauchten Helden. - Seien wir aber froh, keine Helden an den Tagen produziert zu haben und feiern mal den Regen, im genau richtigen Moment, an der genau richtigen Stelle. - Und jetzt noch ein sattes Tief mit deutlicher Inkontinenz mal auf unserem Breitengrad, damit das Aridanetal auch noch mal vor dem Sommer gegossen wird, dann wären wir mit dem Wetter einigermaßen versöhnt. - Sonst müssen wir erneut auf einen milden Sommer hoffen, so wie die beiden letzten Jahre, damit der nicht gefallene Regen hier im Aridanetal im Sommer nicht eine Dürre als Ersatz sendet.

Aber jetzt ist erstmal Karneval dran, da lassen wir Feuergefahren oder die Trockenheit gerne aus den Augen, und noch mehr aus dem Sinn. Brot und Spiele sind wichtige Bausteine auf dem Weg zu einer zufriedenen, und damit leitbaren Gesellschaft und alles, was solch butterzarte und zuckersüße Zerstreuungen angeht, da sind wir Weltmeister. - Bei Weltmeister natürlich immer daran denken, für Insulaner ist die Insel bereits die ganze Welt und hinter dem Horizont mag es vielleicht weiter gehen, aber wer von uns möchte da schon hin? - Und unser Karneval ist natürlich auch der allerschönste überhaupt, darüber macht man auch keine Witze und Scherze und sollte jemand das auch noch kopieren, dann werden wir ziemlich sauer. - Wobei man ja durchaus geteilter Meinung sein kann, ob das Bewerfen mit tonnenweise parfümiertem Talkumpulver überhaupt kopierenswert erscheint, man bedenke nur mal den folgenden Skandal, sollte die Deutsche Umwelthilfe e. V. just am Rosenmontag mal die Feinstaubkonzentration in unserer Hauptstadt messen wollen… - Eigentlich reicht ja schon ein mittelmäßiger Calima für Alarm, wenn man den denn unbedingt lostreten will, aber wir sind so weit ab von irgendwelchen Hysterien in Sachen Tutvielleichtnichtgut, dass es uns zur Ehre gereicht, ordentlich eingepulvert zu werden. - Darüber hinaus ist es ja Tradition, und alles was die Vorfahren bereits gemacht haben, das kann doch gar nicht schlecht sein. - Gut, Evolution braucht andere Motoren, aber unser Stressniveau brummt auf ganz niedrigem Niveau.

Was wir also in Sachen Stressvermeidung an Lebensjahren und auch Qualität gewinnen, das investieren wir, nicht nur im Karneval, in Hochleistungsethanolumwandlung. Dabei spielt die Ähnlichkeit der Worte geistig und geistlich durchaus skurrile Streiche, Saufen ist halt doch eine abendländische Kernkompetenz, und hier kommt wieder der Traditionsfaktor beim Umrechnen von Prozent in Promille ins Trudeln. - Natürlich hat Karneval nur ganz peripher mit der christlichen Heilslehre zu tun, drum müssen die armen Klosterschüler auch immer am Rosenmontag und Faschingsdienstag ohne Ablass büffeln, während der Rest der Bevölkerung sich einen wahrhaften Heidenspaß macht. - Obwohl, manchmal glaube ich ja, wer am Faschingsmontag sich dem Spektakel "Indianos" in Santa Cruz hingeben will, der muss trinken, und das ganz viel und ganz schnell, damit man überhaupt ohne existenziellen Schaden über den Tag kommt. - Natürlich sollte man das mal erlebt haben, die meisten Psychotherapeuten stufen das zwischen Nahtoderfahrung und Einchecken bei Ryanair mit 2 Stücken Handgepäck ein. - Nur ganz kurz und als Bildungsauftrag: Am Rosenmontag feiert man in Santa Cruz de La Palma den "Día de Los Indianos". - Es werden hier die reich gewordenen Reimmigranten von den Antilleninseln, vornehmlich Kuba persifliert. - Darum weiß gekleidet, als Zeichen des Wohlstands, in Begleitung farbiger DienerInnendarstellerInnen und dann wird jeder "bepudert", also mit dem "Polvo" beworfen, was durchaus als mehrdeutig gewertet werden kann und soll. "Echar un polvo" (Puder werfen) wird meist mit Verballhornen und noch öfter mit Sex haben im ordinären Sinn besetzt, und nun versteht der von Metoo-Debatte verunsicherte und von der Sorge belastete Mitteleuropäer, ob denn Gluten, oder falsch herum drehende Milchschlumpfbakterien im Babypuder stecken, warum es uns einen derart heiligen Spaß bereitet, gerade die Personen, welche sich verstecken wollen, tonnenweise zu bepudern. - Woher kommt das Pulver? Darüber gibt es mehrere Versionen, allerdings scheint die Variante, dass früher alle Passagiere aus Übersee zunächst durch ein Aerosol aus Insektenpulver stapfen mussten, bevor sie unsere erlauchte Insel betreten durften, zu den Erklärungen mit dem besten logischen Hintergrund. - Samstag in Los Llanos, ebenso Pulverwarnung, auch wenn ganz ohne historischen Hintergrund und Montag in Santa Cruz. - Viel Spaß, aber sagen Sie nicht, es hätte Sie niemand gewarnt!

Am Aschermittwoch ist übrigens nicht alles vorbei, je nach Gemeinde dauert das noch ein paar Wochen an, und erst wenn die Sardine beerdigt ist, oder in El Paso das Kaninchen, dann ist Karneval auch bei uns vorbei. - Praktisch haben wir dann nicht mehr so lange Fastenzeit, mit einmal Beichten kommt man dann bis Ostern, und dann ist ja auch schon wieder Sommer und nun begreifen alle, dass Pragmatismus erster und einziger Zusatzartikel in unserer, meist guten Verfassung ist. - Die brauchen wir in diesem Jahr auch, denn gleich mehrfach wird nun im Frühjahr gewählt, am 28. April die Zusammensetzung des spanischen Parlaments in Madrid, und am 26. Mai dann die Wahlen für die Gemeinden, die Inselregierungen, der Autonomen Regionen und des Europaparlaments. - Das mit Madrid, also die nationalen Wahlen, das war der vorausgesehene Unfall des smarten Sozis Pedro Sánchez, der unter der Duldung der Linkspopulisten des Pferdeschwanzträgers Pablo Iglesias und der baskischen wie katalanischen Regionalisten in Nationaluniformen den altbackenen Mariano Rajoy aus dem Amt misstraut hatte. - Allen war klar, dass das nicht gut geht, Nationalisten machen immer alles kaputt, das ist deren einzige Daseinsberechtigung, und als Preis für die Zustimmung des Haushaltentwurfes des sozialistischen Beaus Pedro Sánchez, forderten so denn auch die katalanischen Separatisten derart viele Zugeständnisse in Sachen Eigenstaatlichkeit, dass Pedro dieses "unmoralische Angebot" nicht annehmen konnte.

Also Neuwahlen, und wirklich neu hierbei ist nun das laute Auftreten der Rechtsaußen der Gruppierung "VOX", welche nun nach langen Jahren des Widerstands der gesamten Iberischen Halbinsel, nun Portugal alleine in Europa ohne Rechtspopel wirken lässt. - Nicht ganz Zweistellig schätzt man das Potenzial der Dumpfbacken ein, allerdings droht eben eine Achse aus Bürgerlichen der Partido Popular, Ciudadanos und Vox und ich bin alt genug, dass sich mir beim politischen Gebrauch des Wortes "Achse" immer noch das Resthaar kräuselt. - Wie man dem denn begegnen könnte, wird nun oft diskutiert, und nur ganz zögerlich züngelt manchmal der Gedanke an eine mögliche "GranCo" durch. - Also wenn Ihnen die GroKo spanisch vorkommt… Wobei ein Pakt zwischen den Sozialisten der PSOE und den Bürgerlichen (PP oder C´s) hier in Spanien immer noch als fast undenkbar gilt. - Allerdings hat sich die Parteienlandschaft hier ebenso verändert und wer wirklich die Extremisten vom Regieren, oder mindestens Mitregieren abhalten will, der muss sich halt Freunde in der Mitte suchen. - Allerdings haben diese Neuwahlen nun auch dazu geführt, dass kaum noch andere vernünftige Dinge irgendwie sinnvoll diskutiert werden können, es wäre halt leider nicht das erste Mal, dass politische Parteien beim Ringen um ihr Überleben das eigentliche Ziel, das Land und die Leute, dabei komplett übersehen haben. - Das wiederum macht es den Populisten einfach, und schon beißt sich die Vernunft und politische Mitte eben wieder genau dorthin, wo es am demokratischten ist. - In den Umfragen hat aber die PSOE weiter brauchbar zugelegt, die Sozialisten hoffen auch auf den Effekt, dass man durch aus dumpfe, aber deutliche Auftreten der Rechten die eigentlich linke Volksseele wieder an die Urnen rufen kann.

Mit Respektabstand dann die Wahlen für die Gemeinden und Autonomen Regionen und in diesem Jahr eben mit der "Testwahl" bereits im August. - Es heißt zwar, für die Gemeinden sollte man die Personen wählen, und nicht die Parteien, allerdings fällt es den meisten schon schwer, die politische Himmelsrichtung eben mal um 180 Grad zu drehen. - Hier auf den Kanaren bleibt das Problem, dass immer Koalitionen der Verlierer regiert haben, also PP und CC wenn die PSOE gewonnen hat, und nach den letzten Wahlen CC und PSOE weil die Bürgerlichen die Mehrheit stellten. - Nun aber erwartet man ein sieben-Parteien-System im Gobierno de Canarias, PP (Patido Popular), PSC/PSOE (Partido Socialista Canaria/Partido Socialista Obrero Español), CC (Coalición Canaria); C´s (Ciudadanos), NC (Nueva Canarias), Unidos-Podemos und VOX (= Stimme) und plötzlich ist alles wieder möglich. - Vieles hängt dann natürlich davon ab, ob es in Madrid bereits eine stabile Regierung gibt, eventuelle Koalitionen werden gerne von Oben nach Unten durchgereicht. - Aber wieder bietet sich hier auf den Inseln dann die Coalición Canaria als Königsmacher an, oder eben als Steigbügelhalter, je nachdem wie prickelnd man es findet, dass wiederum ein Lobbyistenverein in Nationalistenrock die Geschicke einer ganzen Region bestimmt. Auf La Palma scheint es lediglich für die Bildung des Cabildo Insular eine Liste der Rechtsaußen zu geben, in den Gemeinden genügt das breite Auftreten der Gruppierung Ciudadanos (C´s abgekürzt) noch für einen neuen Farbtupfer. Und wir, bereits alpinen Faltenwurf bietende Altlinke, trauern immer noch dem Zusammenschluss der Izquierda Unida mit Podemos nach, da Linkspopulismus für uns Steinzeitadler immer noch als Marxileg gilt. - Sollten Sie das mit dem Marxileg nicht verstehen, ist das auch nicht schlimm, Sie haben hier jetzt eh bereits mehr Text gelesen als 14 Tage Twitter und Facebook zusammen, da muss man doch nicht jedes Wort auf die Engelswaage legen…

Die Parteien hier auf der Insel, insbesondere in den kleinen Gemeinden haben deutliche Schwierigkeiten, genügend automobile Winkelemente zu finden, also Personal, welches die Listen auffüllt, aber nicht in den Rahmen eines echten politischen Dienstes als Stadtrat kommen kann. - "Puestos de no salida" nennte man das, und nehmen wie hier mal als Beispiel die schöne Stadt El Paso, dann muss nach der gemeldeten Einwohnerzahl von knappen Achttausend Menschen jede Liste, welche antritt, aus mindestens16 Personen bestehen. - 13 Kandidaten und 3 Ersatzleute und selbst Minigemeinden mit gerade ein paar hundert Einwohnern brauchen auch pro Liste immer noch 8 Leute, welche bereit sind, ihre Gesinnung offen zu tragen. - In El Paso braucht man also 4 x 16 Kandidaten, da Coalición Canaria, PSOE, PP und Ciudadanos antreten werden, allerdings geht es lediglich um vielleicht sieben Posten für Stadträte, welche dann auch ein Gehalt beziehen. - Alle anderen gehen also für Ehre, Gesinnung, vielleicht gedungen, oder für Ruhm und manchmal auch nur Rum ins Rennen und bemühen sich in den, locker drei Monaten Wahlkampf so viele Bekannte wie möglich davon zu überzeugen, dass man doch die eigenen Liste wählen möge. - Inzwischen hat man auch auf La Palma den ,möglichen migratorischen Einfluss auf die Gemeindewahlen entdeckt, und so findet sich in fast jeder Liste auch ein Quotendeutscher, oder sonstiger Kandidat mit flüchtigem Hintergrund wieder.

Aber Politik hat auch hier inzwischen einen unguten Ruf und Geruch erhalten, junge Leute sind fast überhaupt nicht mehr zu begeistern, und ältere Leute meist eben nur auf Besitzstandswahrung aus, also haben die Nummer Eins, Zwei und Drei der Listen in den kleinen Gemeinden heftige Probleme, massenkompatiblem und möglichst auch noch sozial beliebten Füllstoff für ihre Listen zu finden. - Die wichtigste Person ist natürlich immer die "Nummer Eins" der Liste, denn hierbei könnte es sich um den kommenden Bürgermeister oder die Bürgermeisterin handeln, den Alcalde, oder die Alcaldesa. - Aber Vorsicht, auch in der Kommunalpolitik gibt es Tricks und Finessen, denn die Kandidaten für die Listen in den Gemeinden können auch gleichzeitig auch noch in den Listen für das Inselparlament, also Cabildo Insular, oder er Regionalregierung, und des Gobierno de Canarias antreten. - Das bedeutet allerdings, dass dann die eigentlich zum Bürgermeister auserkorene Figur zwar die Stimmen erringt, und für die Liste und Partei in der Gemeinde holt, dann aber ins Cabildo oder ins Parlament wechselt, und so die Nummer Zwei dann plötzlich zum Chef der Liste oder gar Bürgermeister wird. - Zwei Posten, das geht theoretisch auch, aber gerade ein Bürgermeister ist dann doch noch eher "analog" und durch permanente Präsenz in der Gemeinde erwünscht, wobei ein Parlamentarier des Gobierno de Canarias durchaus auch noch im Cabildo stecken kann, oder sogar in Madrid als Abgeordneter oder Senator. - In El Paso schicken sogar Coalición Canaria und PSC/PSOE solche Doppelagenten ins Spiel, denn für die selbst ernannten Nationalisten tritt Sergio Rodríguez an, aber eben auch für das regionale Parlament, und Jovita Monterrey stellt sich ihren Heimatbürgern nicht ganz alleine für die PSC/PSOE, sondern steht auch noch auf der Liste der Partei für das Cabildo Insular, wo sie bislang in drei Regierungen das Ressort Soziales bestens betreut hat. - Warum man das macht ist klar, man schickt, oder lässt im Falle des Sergio Rodríguez, solche bereits bewährten Galionsfiguren in den Herkunftsgemeinden, um dort möglichst viele Stimmen zu erreichen, schickt sie dann aber weg, um höhere Aufgaben, Weihen und sicher auch Diäten zu erhalten. - Das ist nichts Illegales, das darf man machen, aber einen BMW ausstellen, um dann einen Opel zu verlosen, na ja, das wird nicht nur Bayern wie mich, dann doch ein bisschen ärgern. - Kann natürlich sein, dass der Opel im Alltag viel besser ist, aber mal Hand auf die Gangschaltung…

Wobei basispolitische Arbeit genau so und dort beginnt, und ich kann eigentlich jeden Wutbürger, der sich über "das System" beschwert nur auffordern, doch zum "Tatbürger" zu werden und sich in irgendeiner politischen Ortsgruppe mal zu bemühen, "das System" ein bisschen besser zu machen. - Es ist nämlich nicht so, dass es keine Möglichkeit gäbe, "das System" zu verändern, es ist halt einfach nur furchtbar anstrengend, lästig und man hat weniger Zeit am Büdchen zu stehen, in die Glotze zu gucken, oder widerwertigen Kram zu teilen. - Also, wer wirklich was auf dem Kasten hat, der brüllt nicht aus Spalieren, meist ziemlich vermummter Zeitgenossen, oder noch feiger, aus anonymen Netzwerken halbalphabetischer Teilungsdödel und Likelecker, sondern geht in der politischen Basis seine Mitarbeit anbieten. - Sicher, wenig spektakulär, und wirkliche Höhepunkte, wie der kognitive Orgasmus, wenn man mal wieder ein besonders perfides Schimpfwort fast ohne orthografische Kapitulation verschleudert hat, sind selten, aber man könnte ja auch mal was Anständiges tun, und die Dinge wirklich so betrachten, wie sie sich der Heilige Demokratius mal ausgedacht hat. - Jetzt ganz ohne Schärfe, jede Ortsgruppe jeder Partei hier würde sich freuen, wenn es auch Mitbürger mit migratorischem Hintergrund in ihren Reihen gäbe, welche sich um Veränderung und Verbesserung auf anständige Art und Weise bemühen. - Man nennt das übrigens auch, sich in sozialen Netzwerken rührig zu bewegen, wenn man basispolitisch tätig ist…

Das gute Wetter sorgt natürlich auf touristischer Seite für weitere Freude, allerdings haben wir den "Germania-Schock" nicht wirklich gut verdaut. - Etwas mehr als ein Drittel der Fluggastkapazität aus Deutschland ist auf einen Schlag weggefallen, die Auswirkungen für La Palma waren heftiger, als nach dem Air-Berlin Ausfall. - Kommt natürlich auch hinzu, dass bei Germania keine Staatsmittel dafür sorgten, den Flugverkehr wenigstens noch ein paar Wochen aufrecht zu erhalten und auch wenn es keine konkreten Zahlen gibt, wir haben reichlich Stornos hinnehmen müssen. - Die meisten Urlauber aber konnten umgebucht werden und in der, eigentlich guten Nachricht, ist auch schon wieder die schlechte enthalten, denn augenscheinlich reichen die noch vorhandenen Flugkapazitäten aus, die Nachfrage nach La Palma zu bedienen. - Wir hatten das ja vor Monaten schon befürchtet, nein, nicht den Germania-Ausfall, aber die Vielzahl der Flieger aus Deutschland nach La Palma in diesem Winter drohte von Anfang an, uns irgendwie wieder auf die Füße zu fallen. - Jetzt sind die Preise für Flüge nach La Palma natürlich ohne das Überangebot wieder deutlich angestiegen, das merkt man sofort an dem Rückgang spontaner Buchungen. - Allerdings bleibt auch das Problem überhaupt, die Preise für die Flüge sind generell zu niedrig, um irgendwelche Schwankungen ausgleichen zu können, eigentlich fliegen alle Gesellschaften seit Jahren bereits ohne "Reservekanister" in Sachen liquider Mittel außerhalb brennbarer Flüssigkeiten. - Aber das reicht nun fast schon wieder an eine Grundsatzdiskussion heran, ob denn der Ruf nach geilem Geiz nicht letztendlich am eigenen Ast oder Flügel sägt. - Die Kanaren generell bekommen aber auch ihr Fett weg. Nach dem Arabischen Frühling, dem irgendwie kein Sommer folgte, und der politisch unsicheren Lage in vielen konkurrierenden Destinationen kehrt nun wieder Ruhe ein in Regionen wie Nordafrika und auch der Türkei, und plötzlich können die Einkäufer der Reiseveranstalter auch wieder feilschen um die Bettenpreise auf den Kanaren, nachdem man jahrelang jeden Traumpreis bezahlen musste. - Das wiederum hat auch zur Folge, dass nun die Kanaren untereinander wieder um Gäste kämpfen, und das geht für La Palma immer schlecht aus, da wir gegen die hervorragenden touristischen Infrastrukturen auf den anderen Inseln nicht anballermannen können. - Und wie es immer ist, als Begleiterscheinung eines jeden Trends, gibt es auch die Gegenbewegung, die Nische. - Unsere Stammgäste und Suchende nach Kanaren ohne Trubel und Strandverkäufer, die können wieder bestens bedient werden. - Wir sind und bleiben eben eine ganz besondere Insel für ganz besondere Menschen, und das ist und bleibt wohl auch gut so.




Gott sei Dank aus dem Archiv... Jahr 2012 Enrique, El Paso




Männer in Frauenkleidern, dunkelhäutig, lebensfroh und als Mitbringsel der Kolonialisten. - Irgendwie ist unser Karneval auch ein bisschen das Museum für Klischees aus der Ära, aus der das Missverständnis mit Indien und Indianern entstand. - Ob das noch zeitgemäß ist, von so was hab ich doch keine Ahnung!




Wahlkampf hat viele Gesichter...





Mittwoch 16.01.2019 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 18 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 27 % - Luftdruck 1023 hPa
Höchsttemperatur heute 14,4 Grad - niedrigste Temperatur 20,6 Grad

Man nannte mich Kamov
Semiinteressantes und stringentes Halbwissen aus einer kleinen, fast heilen Welt


Es wird Zeit, dass es mal wieder regnet. - Wer einen Text auf solche Weise beginnt, der prüft seine Leser wirklich. - Aber es ist wirklich so, gerade bei uns auf der Westseite stecken wir schon wieder in der Regenschuld, und zwar deutlich, auch wenn Oktober und November zunächst vielversprechend begonnen haben. - Es schloss sich halt ein Dezember an, welcher so ziemlich der wärmste war, an den ich mich erinnern kann. - Halt nicht nur ein paar Tage mit über 30 Grad, sondern der gesamte Monat war deutlich zu warm und hinterließ überhaupt keine Niederschläge. - Aber natürlich waren wir, also die bananenlose Zunft der Tourismusabhängigen, sehr erfreut über dieses Geschenk, aber wer nachhaltiger denkt als nur spontan und momentan, der wartet schon auf die notwendigen Regenwolken. - Aber die Großwetterlage ist einfach nicht in Stimmung, auch wenn inzwischen, ziemlich genau mit dem Jahreswechsel, die Temperaturen stark gefallen sind, und uns wieder sehr frische, nachts meint man sogar eisige Luft, weit aus dem Norden des Atlantiks erreicht. - Dank des aufwendigen Wasserverteilungssystems auf unserem Inselchen leidet die Landwirtschaft keinen Mangel, denn die Überschüsse an Nass aus dem Norden und Nordosten werden auf die trockene Westseite verschoben. Aber das ist teuer und dient eben auch nur den Plantagen und nicht der Landschaft ganz allgemein.

Die Mandeln zeigen sich allerdings dankbar für das viele Wasser im Spätherbst und den hohen Temperaturen im Dezember und bieten, besonders im Nordwesten der Insel, ein geradezu spektakuläres Bild. - Auch bei uns in El Paso in den oberen Regionen blüht es in wunderbarsten Farben zwischen weiß und rosa, in den unteren Lagen allerdings beginnt die Mandelblüte erst zaghaft. - Das fragen sich immer wieder viele Leute, warum denn die Mandeln zunächst oben blühen, und nicht, wie viele andere Pflanzen in den tieferen Lagen, welche im Winter meist wärmer sind. - Die Mandeln brauchen einen rauen und kalten Herbst, um das alte Laub los zu werden und in den unteren Lagen gelingt das nicht wirklich. - Man kennt das ebenso von anderen "Prunus Arten", die gelten nach warmen Wintern als "blühfaul" und in den unteren Regionen der Insel ist eben eine echte Winterbrache nicht möglich. - So blühen die Mandeln, aber auch die Äpfel und Pflaumen zunächst und meist auch ausgeprägter in unseren Höhenlagen. - Leider hat die Produktion an Mandeln auf der Insel über die Jahrzehnte, und auch Jahrhunderte deutlich verloren, unsere kleinen Früchte, welche ja eigentlich die Kerne sind, haben sich deutlich von massenkonformen Produktionsstätten und anderen Sorten vom internationalen Markt verdrängen lassen. - Fast meint man, die Mandeln hätten auf La Palma nur noch dekorativen Charakter, allerdings finden unseren kleinen Kerne auf dem lokalen Markt weiter Gefallen und in den letzten Jahren hat man sogar feststellen können, dass der Ruf nach Nischenprodukten und regionalen Erzeugnissen auch unseren Mandeln erneute Aufmerksamkeit zukommen lässt. - Es bleibt also zu hoffen, und natürlich auch zu wünschen, dass im Rahmen der Gegenbewegung zur globalen Gleichschaltung und Geiz ist geil Stimmung auch unsere Mandeln wieder mehr Bedeutung erlangen, als einfach nur schmückendes Beiwerk für manche Schluchten und Täler, meist im Norden der Insel zu sein.

Die Wahlen zur Besetzung der Gemeinden und Regionalparlamenten im Mai dieses Jahres bestimmen nun deutlich die Berichterstattung in den Medien und man sehr auf der Hut sein, was denn noch Berichterstattung, und was bereits Wahlkampf ist. - So werden auch die Tagesgespräche durch Presseerklärungen gefüttert, vielleicht sogar manipuliert, obwohl man doch eigentlich der Meinung sein könnte, der geneigte Leser sei inzwischen in der Lage, Nachrichten so weit zu analysieren, dass ein möglicher Wahrheitsgehalt noch als Bodensatz auffällt. - Auf der anderen Seite bleibt man allerdings immer wieder mit, vor Schrecken offenem Mund im Nachrichtennetz hängen, mit welch einfachen und dummblöden Falschnachrichten die Populistenzunft ihre Anhänger nährt. - Aber es ist halt so wie bei allem Neuen in Sachen Information, auch die Sozialen Netzwerke machen Dumme dümmer und Schlaue schlauer und wer wirklich glaubt, er könne mit Likes und Clicks die Welt verändern und gar besser machen, der wird wohl nicht schlauer werden. - Nicht die korrupten Politiker sind das Problem in einer Demokratie, sondern diejenigen, welche sie wählen und das sollte wohl hier bei uns auch die Fußnote für die kommenden Monate sein.

Ein eventueller Streik der Müllwerker konnte durch Hinhalteverhandlungen auf jeden Fall auf ein Datum bis nach den Wahlen verschoben werden und das Gleiche steht nun auch erneut für die, so genannte Freiwillige Feuerwehr an. An deren Freiwilligkeit zweifeln sie selbst schon Jahrzehnte lang und haben sich, auch mangels alternativer Masse, ja längst unabdingbar gemacht. - Da es, außer am Flughafen, auf La Palma keine Berufsfeuerwehr gibt, ist halt die Freiwillige Feuerwehr so alternativlos wie Hosenanzüge. - Nicht zu verwechseln übrigens mit den Brigaden gegen Waldbrände, da sind wohl auch Profis am Werk. - Die Unterscheidung ist übrigens sehr einfach, die Rote Feuerwehr kommt wenn Häuser brennen, die Gelbe, wenn die Insel lodert. - Aber die Jungs wissen, wie man sich gut verkauft und für alle Vereine und Verbände ist der Zeitraum an die fünf Monate vor regionalen Wahlen angezeigt, sich mal zu melden.

Der eigentliche Skandal aber ist abgesagt, von den vielen Geldern, welche durch das Rückzahlungsprogramm aus mal zu viel gezahlter Mehrwertsteuer nun auf die Inseln geschaufelt werden, muss nur ein kleiner Teil zurückbezahlt werden, und nicht an die 80%, wie das zunächst hieß. Dabei geht es um 14 - 16 Millionen Euro im Jahr zusätzlich für unser Inselchen, und das über 10 Jahre lang und die Regionalregierung (Coalición Canaria) wollte unseren Inselpräsidenten (PSC/PSOE) unbedingt noch vor den Wahlen schwächen. Und das, obwohl man im Inselparlament sogar einen gemeinsamen Regierungspakt hält, und brachte eben die enorme Fehlleistung an die Presse. - Dabei ging es um die schriftlichen Nachweise der korrekten Verteilung der Gelder und das ist nicht ganz so einfach, besonders eben wenn auch noch die ganzen Gemeinden am Geldausgeben fröhlich beteiligt sind. - Inzwischen aber hat man sich wieder geglättet, weit über 80% der Ausgaben des FDCAN für das Jahr 2017 sind nun glaubhaft postuliert und statt knappen 14 Millionen werden wohl nun "nur" noch etwas mehr als 2 Millionen Euro zurückbezahlt werden müssen. Also doch Erdnüsse statt Kokosnüsse, und damit ist die ganze Sache wieder vom Tisch. - In wie weit die einzelnen Projekte dieser enormen Geldschleuder wirklich der Entwicklung der Insel zuträglich sind, oder überhaupt spürbar werden, das muss mindestens abgewartet werden und wird wohl auch der subjektiven Betrachtung unterstehen. - Man spürt aber aller Orten, es ist viel Geld unterwegs auf der Insel und trotzdem macht die Gemeinde El Paso mehr Schulden, als noch in den Jahren der "Dürren Kuh", aber wer wird denn schon so blöd sein und warnenden Stimmungsbremsen zuhören, wenn der Tanz um das Goldene Kalb so viel angenehmer ist.

Bleibt als Inselthema noch die Hauptverkehrsverbindung, die LP3 von Santa Cruz in das "Ballungsgebiet" auf der Westseite. (Merke, auch Kleinvieh kann sich ballen, und wie!) Da die Autobahn durchs Weltbiosphärenreservat an den Bürgern und der fehlenden Finanzplanung zumindest mittelfristig gescheitert ist, steckt man nun alle Aufmerksamkeit in die Verbesserung des vorhandenen Straßennetzes. - Engpass dabei ist, und bleibt auch wohl weiter, der alte Cumbre-Tunnel, von Ost nach West. - Umgekehrt kann man ja seit dem Jahr 2003 bequem bereits zweispurig den Weg auf die Ostseite nehmen, aber um ins Aridanetal zu gelangen, muss man immer noch gute 6 Kilometer weiteren Weg nehmen und eben die alte Tunnelröhre bemühen, welche zwar oft geflickt, nie aber verbreitert wurde. - Das bleibt auch so, obwohl man nun seit Monaten diesen guten Kilometer durch den Fels auf modernen Status hieven will und nun hat man sich entschieden, den Verkehr in der alten Röhre nicht mehr zweispurig zu gestalten, sondern nur noch eine Spur zu ermöglichen. - Aus Sicherheitsgründen heißt es natürlich, und in der Tat, auch wenn ich gerne den alten Tunnel zum Überholen genutzt habe, es war schon immer knapp und ich habe gewisses Verständnis für diese Aktion. - Allerdings löst die Einspurigkeit auch nicht das dringendste Sicherheitsproblem, wenn dann ein Unfall passieren würde, und in den Zeiten, da ein Drittel aller Fahrer selbst im Tunnel noch auf das Handy starrt, braucht man für einen Unfall auch keinen Überholvorgang mehr, dann wird der Tunnel auch nicht breiter oder sicherer, obwohl nur noch eine Spur markiert ist. - Be- und Entlüftungen oder Fluchtwege sind weiterhin nur auf klingonisch ausgeschildert. (Richtig, es gibt keine Klingonen!) - Allerdings will man auf der Westseite ein paar hundert Meter nach dem Tunnelausgang dann eine Überholspur einrichten, somit könnte man die verlorene Zeit aus dem Nichtüberholungsvorgang im Tunnel wieder aufholen. - Das mit der verlorenen Zeit gebe ich allerdings lieber in die, durchaus griffigen Hände eines Marcel Proust, denn ganz ehrlich lassen sich mit all den Maßnahmen ein paar Minuten maximal auf dem Weg von Ost nach West einsparen, oder verlieren, ganz wie weit man denn seine Zeit mit Marcel verloren oder gewonnen hat. - Mag sein, dass berufliche Vielfahrer, welche mehrfach am Tag die Inselseiten kreuzen, wirklich aus der Addition der gesparten Minuten irgendwas basteln können, für Fulanito Normalo wird das nicht mal für die Parkplatzsuche in Los Llanos, oder den Cortado bei Don Manuel reichen. - Aber die Aufregung ist groß und laut, und ich frage mich manchmal, erinnert sich eigentlich überhaupt niemand mehr daran, dass wir vor 2003 sogar noch in beiden Richtungen täglich die alte Tunnelröhre benutzt haben und dennoch rechtzeitig zum Kaffee gekommen sind? - Manchmal sogar rechtzeitig zur Arbeit.

Durch die touristische Brille betrachtet bleibt La Palma weiter die Unvollendete. - Die fetten Jahre, auch wenn es nur deren zwei waren, flattern langsam zurück in normales Tagesgeschäft und die vielen versprochenen Infrastrukturen und Hotels bleiben weiter ungefähr. - Neue Besucherzentren werden geschaffen, manche sogar nicht nur eingeweiht, sondern tatsächlich eröffnet, und fast hektisch glaubt man betonen zu müssen, dass alle positiven Veränderungen hausgemacht seien, alle negativen Entwicklungen allerdings ohne eigenes Zutun geschehen würden. - Ein kleines bischen ist das auch so, auch wenn die Welt grundsätzlich deutlich komplexer daherkommt als Populisten generell glaubhaft machen wollen. - Unser touristischer Erfolg hängt nämlich zu einer, fast schon perfiden Prozentzahl einfach davon ab, in wie weit Fluggesellschaften und Reiseveranstalter das "Risiko La Palma" auf sich nehmen wollen. - Jedes Attentat in konkurrierenden Destinationen oder jede Pleite einer Fluggesellschaft mit La Palma tauglichem Kompass beeinflusst unser touristisches Dasein mehr als 20 Jahre Arbeit, um uns als Zielgebiet oder gar Marke zu profilieren. - Es mutet fast kokett bis schrullig an, wenn dann mit schon trotziger Stringenz der Fährte einer chinesischen Dichterin nachgegangen wird, deren spanischer Gatte im Urlaub hier beim Tauchen verunglückt ist. - Schrullig dabei der Ernst, man könnte so vielleicht auf dem chinesischen Markt Gäste beeindrucken, wenn wir einen Wanderpfad haben, der den Namen einer chinesischen Dichterin mit verunglücktem Ehemann trägt. - Alles ist erlaubt, aber das ist eben genau das was ich meine, wenn ich immer wieder sage, wir ziehen uns jede Klamotte an, springen auf jeden Zug und haben Angst, nicht am globalen Kuchen des Tourismus teilhaben zu können, beklagen uns dann aber, wenn wir austauschbar werden, da wir ja nun fremde Kleider tragen. - Leider, na ja, leider nur vielleicht, sind wir kein Global Player, sondern ein Global Spielzeug und es ist uns sehr unangenehm, daran erinnert zu werden. - Allerdings können sich unsere, fast schon heldenhaften Wiederholungsbesucher darauf verlassen, dass wir, auch aus Unterlassung, die unvollendete Pforte zum Paradies bleiben werden. - Kein schöner Platz in diesem Land und vielleicht begreifen wir je eines Tages, dass die Leute eigentlich zu uns kommen, um das zu sehen und erleben was wir sind, und nicht das, was wir glauben sein zu müssen.

Und was ist nun mit dem Kamov? - Nein, wir sind und waren keine Helikoptereltern. - Ich muss und musste diesen Job ganz alleine erledigen, meine Frau macht da nicht mit. - Allerdings möchte ich auch erwähnen, dass mein Job als Helikoptervater deutlich älter ist, als die Bezeichnung an sich. Ich habe ja auch schon einen "Blog" geschrieben, als es das Wort "Blog" noch gar nicht gab… - Natürlich ist das kein Freispruch, allerdings erkenne ich auch gar keine Schuld, ich bin nicht nur bekennender, sondern auch stolzer und überzeugter Helikoptervater und stehe auch weiterhin dazu, dass mein Versuch, die Kinder bei Regen bis auf drei Meter an das Klassenzimmer heran zu fahren, sicher durch den Brutpflegeauftrag mehr als gedeckt ist! - Umfassende Brutpflege ist halt doch mehr als Füttern und Wickeln in den ersten Lebensjahren, eigentlich hört das nie auf, auch wenn das Wickeln deutlich an Zeitaufwand verliert und oft erst wieder mit dem Enkelismus auftritt . - Darum geht es auch gar nicht, sondern natürlich dreht sich alles in einem Vater um seine Brut. - Gut, bei manchem auch noch um Fußball, oder dem angeborenen Weber-Jagdgrill-Instinkt, aber das trifft auf meine Krepeligkeit nun wirklich nicht zu. Aufmerksamen Lesern, also nicht diejenigen mit der Facebook-Teilamnesie, ist es sicherlich klar, dass die Rotoren eines Vollblutvaters sich nicht nur über dem Nachwuchs drehen, sondern auch über und im Schöpfungsbeauftragten selbst. - Es ist also nicht nur das bekannte Bild von dem besorgten Vater, welcher andauernd und manchmal sicher auch überbesorgt um die eigene Brut herumschwebt, sondern es dreht sich auch im Vater alles nur um die eigenen Kinder. Darum wähle ich als Selbstporträt eben den Kamov, diesen lustigen, aber auch mächtigen russischen Helikopter mit dem doppelten Rotor.

So einfach ist das gar nicht, sich in gegensätzliche Richtungen gleichzeitig zu drehen, aber als Humanoid hat man ja viele Jahre Zeit, das trefflich zu üben und seit ein paar Jahren dreht sich die doppelte Chose bei mir wunderbar. - Wer mich kennt, der weiß nun ganz genau, sicher waren seine Kinder über die Feiertage auf La Palma und sind nun wieder weg und nun muss er, also der Kamov, irgendwie wieder Drehzahl aufnehmen, damit seine Flügelschläge auch wieder bis auf die anderen Inseln spürbar sind. - In der Tat, beide Kinder waren da, ein paar Tage sogar beide zusammen, wobei das dann schon ein gewaltiger Lebensimpuls der Starkwetterfraktion ist und ich beim Konstrukteur schon mal nachgefragt habe, ob es einen solchen Kamov vielleicht sogar mit einem Dreifachrotor geben könnte. - Also einen für jedes Kind, da individuelle Brutpflege auch für einen Helikoptervater durchaus plausibel sein kann, und natürlich auch einen für den Vater selbst, denn wenn sich nicht alles dreht, auch ohne die Kinder, dann verliert solch ein Wesen jeglichen Auftrieb. - Man könnte auch drastischer formulieren, wenn Eltern, oder hier eben Väter, aus ihrem eigenen, krüppeligen Dasein nichts gemacht haben, dann definieren sie ihre Erfolge eben über die Kinder. - Diese Aussage steht ziemlich deutlich der gegenüber, welche kinderlose Menschen als Egoisten bezeichnet und ich kann hier nicht wirklich zur Wahrheitsfindung beitragen, ich bin viel zu sehr mit meinem Bemühen beschäftigt, diese vielen Rotoren über und in mir irgendwie im Rhythmus zu halten.

Netter Besuch hat mir noch ein wunderbares Bild geschenkt, welches wohl aus der weisen Welt unserer Brüder im Glauben, also den Moslems kommt: Die Eltern sind der Bogen, die Kinder die Pfeile. - Wenn man nun unbedingt will, also so einen populistischen Fehlinterpretierungskomplex hat, dann könnte man das mit Pfeil, Bogen und Islam auch als alternative Weisheit deuten, aber mir gefällt dieses Bild ausgesprochen gut, wobei es natürlich dem Schwirren und Schweben eines Helikoptervaters eigentlich widerspricht. - Die Eltern sollen die Kinder fortschicken, in die Selbstständigkeit, je kräftiger der Arm des Bogenschützen, um so weiter geht der Pfeil. - Also ich finde eine andere Insel schon gewaltig weit geschossen, andere zielen noch viel weiter, wobei ja das Zielen an sich auch schon wieder als Beeinflussung gelten könnte, oder ein Bedrängungsversuch darstellen, so wie das meine Frau gerne zu meinem Schwebeflug anmerkt. - Allerdings muss ich hier mal die digitale Welt loben, denn sicher ist auch anderen Hubschraubervätern mit gespanntem Bogen bereits der Trick eingefallen, an den Pfeil eine kleines Bändchen zu befestigen. - Also wohl weit weg schleudern, aber immer noch Kontakt halten. - Hier haben mir allerdings die anonymen Kamovtiker mit ihren subtilen Einkaufstipps sehr geholfen, denn es gibt diese Kontaktstrippen jetzt auch bereits wireless. - Das fällt dann nicht so sehr auf und verfängt sich beim Pfeile verschießen auch nicht so schnell in den Rotoren. - Allerdings muss man als Helikoptervater natürlich auch immer noch bedenken, dass all dieses Schwirren, Bemühen und Bedecken die Kinder zu Co-Piloten macht. - Also nicht zu Kopiloten, das sind die Typen, die weiterfliegen wenn man Pinkeln geht, sondern man kennt doch aus der Medizin, den Begriff der Co-Abhängigkeit. - Dem Alten geht es gut, wenn die Brut fein drauf ist. - Also sind die Kinder gezwungen, ein zufriedenes und vielleicht sogar erfolgreiches Leben zu führen, weil es ja sonst dem Alten nicht gut geht… - Da liegt vielleicht dann doch der Vorteil des Helikoptervaters, dem geht vielleicht irgendwann einfach der Sprit aus und lässt die Pfeile endlich so weit fliegen, wie sie wollen.




Selbstportrait




Gruppenbild mit Kamov. - Das Foto ist übrigens ziemlich genau 10 Jahre alt.




Der Strand von Puerto de Tazacorte Weihnachten 2018




Tunnelblick auf La Palma





Donnerstag 06.12.2018 17:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 23 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 11 % - Luftdruck 1020 hPa
Höchsttemperatur heute 24,8 Grad - niedrigste Temperatur 19,8 Grad

Warum man Katzen niemals Hitler nennen sollte -
sowie anderer, langweiliger Alltag auf einer palmenbesetzten Insel


Seit unsere Kinder aus dem Haus sind, sind meine Frau und ich immer aus dem Häuschen, wenn es unseren Katzen irgendwie nicht gut geht. - Typisches postbrüterisches Verhalten von Eltern aus der prekären Mittelschicht, zumindest nach der neuesten Merzschen Spezialtabelle, möchte man nun meinen, aber hier irren Sie. - Nicht, dass wir an der Mittelschicht zweifeln, aber unsere Kinder waren immer nur ein Katzenersatz, nicht umgekehrt! - Wir bewegen uns also heute auf höchst ernsthaftem Niveau und da kommen wir dann auch schon auf die Leiden des jungen Fred zu sprechen. - Unserer jüngsten Eroberung der felinen Familie, dem Wonneproppen der Fünfkiloklasse, welcher mal kurzzeitig mit dem verlorenen Sohn Leo verwechselt wurde, und deshalb bei uns gelandet ist. - Leo kam ja nach über sieben Monaten wieder zu uns zurück, nachdem der eben so viele Monate brauchte, den schlappen Kilometer vom Tierarzt zu uns zu bewältigen. Aber nichts scheint für ungut, wenn es um Katzen geht, und natürlich haben wir den Fred behalten, obwohl Leo durch sein Auftauchen irgendwie unmissverständlich klar gemacht hat, dass wir gerne einer Verwechslung erlegen sind. - Fred ist ein junger, verspielter Kater mit leerem Beutel, also kastriert, aber das hält ihn nicht davon ab, sein und damit unser Revier vor einem schrecklichen Ungeheuer beschützen zu müssen, dessen Beutel noch prall gefüllt ist. - Dieser streunende Kerl ist ein großer, weißer Kater, mit ein paar braunen Flecken und eben einer knappen Färbung über der Schnauze, welche von mehr als ein paar Meter Entfernung eben durchaus gewisse Ähnlichkeit mit dem, oder einem Hitlerbärtchen hat.

Mittiger Pigmentfleck und böse, schon ist der Name gemacht, und heftig setzt dieses Tier unserem Fred zu. - Auch wissen wir, dass unser alter Paul sich bereits mit dem fiesen Gesellen heftige Schlachten geliefert hat, und durch den ganzen Garten jagte. - Wer da die Oberhand behielt, das habe ich nie wirklich herausbekommen, genau so wenig ob inzwischen Paul um Hitler einen Bogen macht, oder umgekehrt. - Fred allerdings scheint trotz seiner leiblichen Fülle dem felinen Regionalbesamer nicht widerstehen zu können, immer wieder bekommen wir Teil der Feindseligkeiten mit, manchmal auch nur noch Fellknäuel und den Kampf- oder Angstgeruch, welchen kämpfende Katzen wohl unkontrolliert abgeben. - Fred ist meist deutlich gezeichnet von den Schlachten, aber immer wieder geht Fred auf den Eindringling zu, nicht umgekehrt, was wieder einmal die Nähe von Helden und Deppen erklären könnte, welche ja auch oftmals durch die Geschichte eilt. - Aber irgendwann mal muss Hitler auch heftig was um die Ohren bekommen haben, noch nicht wirklich einen Endsieg, sonst wäre er ja nicht mehr da, aber eines Tags sahen wir ihn von Weitem, wie er hinkend und schreckhaft über unser Grundstück irgendwas suchte, was nach Refugium aussah. - "Hitti geht es nicht gut", murmelte ich zu meiner Frau, welcher neben mir stand und die Szene ebenso fragend beobachtete, und als ich nur das Wort "Hitti" ausgesprochen hatte, zuckten wir beide als wohlerzogene Nachkriegsdeutsche zusammen und schämten uns, dem Begriff Hitler ein Diminutiv verpasst zu haben. - Inzwischen weiß ich, dass Hitler ein relativ häufig vorkommender Name für Katzen mit bedauernswerten Eigenschaften wie Pigmentierungen ist, ich habe auch schon mal ein fieses Unkraut aus Unwissenheit des echten Namens "Hitlerkraut" genannt. - Weihnachten kommt ja unsere tierafine Tochter für ein paar Wochen zu Besuch und wir haben vor, Hitler zu fangen, und dann kastrieren zu lassen. - trotzdem werde ich Ángel dann nicht "Staufi" nennen. - Immerhin werden wir somit das Geheimnis lüften, ob der wirklich nur ein Ei hat, aber auf jeden Fall erwarten wir dadurch regionalen Frieden und ganz sicher werden wir uns einen neuen Namen für das Tier ausdenken. - Nicht nur, weil keine Katze einen Hitler verdient hat, sondern auch weil "Hitti" nun einfach mal gar nicht geht.

Wie ich jetzt davon auf das nächste Thema komme, manch aufmerksamer Mensch könnte darauf kommen. - Bislang galt Spanien ja als jungfräulich, zumindest was diese neue, komische Bewegung angeht, welche sich rechtspopulär irgendwie als Protest, aber doch mit kernigem Nationalismus durch das gute, würdevolle Europa frisst. - Überall in der Alten Welt, außer auf der Iberischen Halbinsel, geht ein reichlich dämlich grinsendes Gespenst um, welches den über Jahrzehnte doch erworbenen Anstand verloren hatte und plötzlich wieder nationale Fratzen, Phrasen und Egoismen als tragbaren Alltag etablieren will. - Mit doch deutlichem Stolz habe ich immer wieder darauf hingewiesen, dass in Spanien und Portugal der Protest Links ist, und einen Pferdeschwanz trägt, mit "El de la coleta" Pablo Iglesias der "Bewegung Podemos". - Das war mal, eben bis letzten Sonntag bei den Regionalwahlen in der Autonomen Region Andalusien ohne Ach, aber mit Krach die Partei "Vox" ins Regionalparlament eingezogen ist, mit immerhin ganz knappen 11 Prozent der Wählerstimmen. - "Vox" versteckt sich nicht mal über den neoliberalen und europafeindlichen Umweg oder Ausrede, wie es die AFD in Teilen heute noch macht, sondern ist unverhohlen nationalistisch und scheint mit "Trumpscher Einstellung" ohne wirkliches Programm doch ausreichend zu punkten, um nun plötzlich Zünglein an einer bislang nicht vorhandenen Waage zwischen Links und Rechts in Andalusien zu sein.

Wir dürfen nie vergessen, dass "nationalistisch" in Spanien anders begriffen wird als im deutschen, historischen Begriffswerk, in dem das Wort als Synonym für mindestens einen Weltkrieg und gefühlten tausend Jahren Leid steht. - Allerdings schien auch hier in Spanien der Nationalismus seit den Neunziger Jahren überwunden, denn die Gestrigen aus der Franco-Ära, welche bräsigen Unterschlupf zunächst in der Alianza Popular und später Partido Popular gefunden hatten, die sind eigentlich aus anderem Holz geschnitzt, als die neuen Populisten, welche sich dort am rechten Rand finden. - Auch der Streit um die einseitige Unabhängigkeitsbewegung in Katalonien, und den "sanften" Umgang des jetzigen sozialistischen Regierungspräsident Pedro Sánchez mit den Abtrünnigen, mag das beachtenswerte Abschneiden der Rechtspopos zu unterstützen, aber hauptsächlich finden sich dort nach den ersten aber ernsten Analysen auch die Erniedrigten und Abgehängten wieder, welche in einer sich immer schneller drehenden Anspruchsstellung unserer modernen Gesellschaft keinen Platz mehr für sich zu finden scheinen. - Soziale Ungerechtigkeit und den Migranten werfe man alles in den Rachen, das sind die häufigsten Gründe, welche die Vox-Wähler angeben und das ist dann doch einen ziemlich genaue Parallel zu dem, was sich auf dem Rest unseres Kontinents auch getan hat. - Ein Kontinent wird inkontinent fällt mir dazu nur ein, und zeichnet einen meiner größten Irrtümer überhaupt in schrillen Lettern, als ich vor nunmehr 2 Jahrzehnten glaubte, der Geist des Nationalismus sei in Europa endgültig auf die Seite der vergessenen Schmuddelkinder gewechselt. - Es ist deutlich anzunehmen, dass sich diese Populisten auch in weiteren Autonomien und dann auch in Madrid zweistellig etablieren werden, und selbst hier für La Palma hat diese Gruppierung eine Kandidatur zum Inselparlament für das kommende Jahr angemeldet. - Da bin ich dann auch noch mal kräftig gespannt, was die hier reißen können, wo wir uns doch eigentlich schon reichlich Regionalisten leisten, welche sich leicht überspannt gar Nationalisten nennen. - Nun bleibt also nur noch Portugal, und irgendwie beschleicht mich das Gefühl, als fürchte man dort auch bereits die nächsten Wahlen.

Nun aber zu den palmerischen Tagesthemen und hier droht Ungemach in Sachen Müllabfuhr. - Ein Streik könnte ab Mitte des Monats für unangenehme Verhältnisse sorgen und man kann nur hoffen, dass man vorher noch eine Lösung findet. - Was ist geschehen? - Die Inselregierung folgt hier ebenso neoliberalen Vorbildern aus der Wirtschaft wie anderyswo und versucht Personalkosten über den Trick neue Firmen und damit Arbeitsverträgen zu schaffen. - Ganz legal die Angelegenheit und so gründete man einige Firmen der Öffentlichen Hand, deren Verträge aber nicht so vorteilhaft für die Arbeitnehmer ausgefallen sind, wie die der direkt beim "Cabildo Insular" angestellten Arbeiter, Angestellten und Beamten. - Eine dieser Schöpfungen ist das "Consorcio de Servicios de La Palma", das brauche ich wohl nicht zu übersetzen und eben diese Firma kümmert sich auch um die Müllabfuhr in 12 unserer 14 Gemeinden. Nur Tijarafe und Puntagorda sind bislang noch nicht bei der Müllentsorgung dem inselweiten Verbund beigetreten. - Die Angestellten des "Consorcio de Servicios de La Palma" hatten wiederholt eine Gleichstellung ihrer Verträge mit denen der direkten Angestellten des Inselparlamentes gefordert, allerdings gab es nun Ende des vergangenen Monats eine konkrete Absage der juristischen Abteilung des Cabildo Insular. - Darauf drohte die Arbeitnehmervertretung des Konsortium mit einem unbegrenzten Streik ab dem 15. Dezember, zumindest was die Arbeiten in Sachen Müllabfuhr angeht. - Da ist nun dringender Handlungsbedarf angesagt, in Sachen Müllabholung sind wir nämlich äußerst verwöhnt, in den Innenstädten und an den großen Straßen werden die Container täglich geleert und in den Siedlungen und an den kleinen Straßen zwei, bis viermal in der Woche. - Weihnachten in Müllbergen, das möchte man sich gar nicht erst vorstellen.

Ein weiterer Dauerbrenner hier ist das Thema "FDCAN", also der "Fondo de Desarollo de Canarias". - Eigentlich kommt das Geld aus jahrelang fehlerhaft überwiesener Mehrwertsteuer an Madrid, welche nun an die Kanaren zurückgegeben wird, aber daraus hat man gleich ein Konjunkturprogramm geschneidert, welches etwa 14 Millionen Euro pro Jahr im kommenden Jahrzehnt auf die Insel La Palma schütten soll. - Einfach so, aber man muss eben den Umgang mit diesen Geldern auch nachweisen, und hier taucht bereits im ersten Jahr ein deutliches Problem auf, welches nun 12 der 14 Millionen Euro für das Jahr 2017 gefährden könnte. - Die Gemeinden haben sämtlich Anträge gestellt, die Inselregierung auch, aber die Federführung, eben auch über die Abrechnungen, die hat das Cabildo Insular. - Und genau hier scheint das Problem zu liegen, glaubt man zumindest der Führung des Gobierno de Canarias, welche in den Händen der Coalición Canaria ist. - Hier auf der Insel werkelt ein Pakt aus Sozialisten und Coalición Canaria und unser Inselpräsident ist der Sozialist Anselmo Pestana. - Der sieht das nun ganz anders und spricht von kleinen technischen Details, welche die Abrechnungen der einzelnen Projekte verzögern könnte. - Aber grundsätzlich hätte man alles nachgewiesen und auf der Straße glaubt man bereits an einen politischen Komplott, in dem man den Sozialisten Pestana auflaufen lassen will, und als Schuldigen hinstellen, welcher 12 Millionen "verschludert" hätte, damit man im kommenden Jahr als Coalición Canaria wieder besser im palmerischen Inselparlament punkten kann. - Das sind natürlich nur Vermutungen, Geschwätz vom Stammtisch, dem Friseur und Taxifahrern, aber eigentlich kennt man das hier schon, ein dreiviertel Jahr vor den Wahlen werden die alten Pakte gekündigt, möglichst mit klaren Schuldigen, um dann als Retter auftreten zu können. - Mich erinnert das mit dem "FDCAN" sehr deutlich an den "PlanE", der untere Zapatero Arbeitsplätze schaffen sollte, oder vor ganz vielen Jahren "La Palma Digital", als man überall in den Gemeinden Computer aufgestellt hatte. - Alle diese Maßnahmen verpufften fast gänzlich, kaputte oder unbetreute Computerterminals, komische Straßenbaumaßnahmen die niemand verstand oder brauchte, oder auch Begegnungszentren und Interpretationsräume, in denen sich niemand begegnet oder interpretierte. - Der "FDCAN" ist allerdings noch größer als "PlanE" und "Digital", aber auch hier fürchte ich, dass viel von dem Geld zwar nicht in dunkle, wohl aber in Kanäle fließt, welche einfach keinen Ausgang haben. - Aber wir lassen uns doch alle immer gerne positiv überraschen, und wenn man die politischen Spiele nicht so weit treibt, dass man gleich 12 Millionen Euro wieder von der Insel räumt, so lange soll mir das eigentlich ziemlich peripher an der Tangente vorbeitingeln. - Aber, der Wahlkampf ist eröffnet und ich bin mir ziemlich sicher, in den kommenden Monaten wieder von Leuten gegrüßt zu werden, die mich seit gut drei Jahren sicher nur zufällig übersehen haben.

Warum heute eigentlich ein Feiertag ist wird sich mancher fragen, und die Antwort heute sei doch Nikolaus, ist dabei nur bedingt zutreffend. - Sicher feiert man in vielen Regionen heute den Nikolaustag, aber als Feiertag dient uns hier der nunmehr 40. Geburtstag der Verfassung im Lande und darauf ist man dann schon stolz. - Dennoch hat es der Verfassungstag weiter nicht zum eigentlichen Nationalfeiertag geschafft, welcher immer noch dieser so verzwickte 12. Oktober bleibt, der "Día de la Hispanidad". Darüber habe ich aber auch schon mehr geschrieben, als mir eigentlich zusteht, also ehren wir heute die Verfassung, auch wenn wir uns um die Verfassung der Verfassung schon ein bisschen Sorgen machen. - Vierzig Jahre ist eigentlich kein Alter, aber solch ein "Maß aller Bürgerdinge" sollte dann schon auf dem "Laufenden" gehalten werden und in der Tat ist die Kritik an einem Reformstau in Sachen Verfassung schon von vielen Seiten aus groß. - Aber Änderungen oder Reformen von Verfassungen sind aus gutem Grund nicht so einfach, Zweidrittelmehrheiten in beiden Kammern, plus anschließendes Referendum bei Kernthemen, das muss erstmal erreicht werden. - Und das auch noch mit inzwischen 5 Parteien plus regionalen "Störkräften" im Parlament, kein Wunder, dass da die meisten Gruppierungen sich lieber dem gepflegten Populismus und der gezieltem Desinformation hingeben. - Konstruktive und progressive Arbeit an einer Verfassungsänderung ist den allermeisten Volksvertretern viel zu anstrengend und auch ein bisschen gefährlich. - Aber immerhin, der kleinste gemeinsame Nenner des geordneten Zusammenlebens hier im Lande wird vierzig Jahre alt und ich gratuliere in leicht ergrauter Weise. - Ich meine beide, also Carta Magna und ich, und natürlich kommt es immer auf die Verfassung an…

Es gibt Jahre mit viel Orangen oder Äpfeln und dann wieder Jahre, da muss man diese Früchte geradezu suchen. - Und nicht immer erkennt man Gesetzmäßigkeiten, sei es nur der Natur oder der Gentechnik geschuldet, manchmal weiß man einfach nicht, warum dieses Jahr ein Apfeljahr, ein Birnenjahr oder ein Hippiejahr ist. - Letztes Jahr gab es wenig dieser erfrischenden, aber meist nicht ganz frischen jungen Leute bei uns auf der Insel, vorletztes Jahr hingegen waren es viele. - Natürlich meist zum Überwintern, oder für ein paar Monate und es gab auch schon Jahre, da wurden es so viele, dass manch ein Bürger des kleinen Hafenortes Puerto de Tazacorte sogar das Eingreifen der Obrigkeiten forderte. - Aus den Höhlen hinauf auf dem Weg zum El Time hat man die Hippies wohl vertrieben, aber rumsitzen und jede Zeit zur guten Zeit machen, das ist auch hier eher ein "Delekt" als ein Delikt. - Gut, das mögen die Laden- und Gastronomiebetreiber dort anders sehen, mit jedem Recht auf ihrem eigenen Interesse, aber mir fehlt immer was, wenn es dort nicht dudelt, lacht, ein bisschen fantasievoller aufgeräumt wirkt als sonst, und von mir aus auch ein bisschen süßer riecht. - Vielleicht liegt es auch daran, dass ich vor mehr als 40Jahren selbst mal Hippie war, wenn auch nicht auf La Palma, sondern auf ein paar griechischen Inseln. - Ganz jung noch, von Piräus aus mit dem Dampfer "Elli" nach Kos, Ios und Naxos und ich glaube mich zu erinnern, dass uns damals die Leute dort auch nicht unbedingt geliebt haben. - Allerdings muss ich zugeben, dass wir seinerzeit eine komplett andere Gattung an Hippies waren. Wir konnten gerade mal saufen, Karten spielen und drei Griffe auf der Gitarre, A, D und G, aber damit hat auch der Wind geblowt und die Times gechanged. - Wir waren die Strandkönige, zumindest bis jemand mitbekam, dass um die Ecke am nächsten Strand jemand mit einer Gitarre saß, die sogar alle 6 Seiten hatte und der auch noch C greifen konnte, also wirklich alle Dylan-Strandhauer ablallern durfte. - Dagegen sind unsere Hippies hier in Puerto de Tazacorte wahre Hochleistungsblumenkinder, also die "Next Generation Plus", die jonglieren mit sieben Geräten gleichzeitig und können vier Instrumente mindestens und trällern Bachkantaten genau so unangestrengt, wie sie das Gitarrensolo von Highwaystar auf dem indischen Sitar zupfen. - Chapeau, meistens, aber immerhin, sie riechen noch genau so, wie wir damals auch, und warum eigentlich ertappe ich mich dabei meist froh zu sein, dass meine Kinder Wohnungen haben, Arbeitsverträge und nicht so sehr dem Vater nachstreben? Man sollte bei allem in sich hineinsehen auch immer darauf achten, dass man wieder herausfindet…

Kurz noch weiter im Puerto. - Ein Schiff fehlt, und was für eines. - Ob es nun wirklich die Rennjacht des Königs war, oder "nur" das Trainingsschiff der spanischen Olympiamannschaft, auf dem der König mal war, ich weiß es nicht. - Wir sprechen von der "Hispania", die 1988 gebaute 24 Meter-Jacht liegt seit 2014 in Puerto de Tazacorte und sollte eigentlich wohl mal als Charterboot Interessenten einen Segeltörn der sportlichen Ausnahmeklasse ermöglichen. - Warum das nicht richtig funktioniert hat, darüber gibt es viele Vermutungen, auf jeden Fall war dieses Schiff immer eine Augenweide, selbst für solche Landbären wie mich. - Irgendwann aber zog das Schiff aus dem schützenden Hafen hinaus auf Reede, so nennt man das wohl, wenn mal vor dem Hafen liegt, und damit eben auch den winterlichen Wellen schutzlos ausgeliefert. - Anfänglich noch zog man das Schiff bei ganz schwerer See noch zurück in den Hafen, dann aber lag die "Hispania" nur noch draußen vor Tazacorte und jetzt bei der gewaltigen Dünung Mitte November legte eine Welle das Schiff auf Halbmast. (Landrättisch ausgedrückt für Mastbruch) - Viele wetteten bereits auf den Untergang der "Hispania", aber das Schiff war nicht nur stolz, sondern eben auch so gut gebaut, dass es der gewaltigen Dünung bislang widerstanden hat. - Jetzt ist das Schiff aber dennoch weg, geschleppt sagt man, von einem Katamaran. - Wohin, darüber gibt es unterschiedliche Aussagen, einige sagen nach Tenerife, andere sagen, man zog es Richtung El Hierro. - Schade, dass La Palma diesem wunderschönen Schiff kein Glück gebracht hat, ich dachte eigentlich, das passt.

Was aber wieder passt, das ist die älteste Kiefer der Kanarischen Inseln, die "Pino de la Virgen" in El Paso. - Mag halt einfach so sein, dass La Palma eher für alte Bäume taugt und wirkt, als für schnittige Rennboote. - Dem Baum zumindest scheint es wieder besser zu gehen, nachdem man schon Angst hatte, dieses Wahrzeichen der Westseite, oder wohl eher sogar der ganzen Insel zu verlieren. - Mehr als achthundert Jahre misst man dem Baum zu, Wissenschaftler aus Gran Canaria hatten das mal ermittelt. - Aber eben auch, dass wir schlecht mit der Kiefer umgegangen sind, in dem man Ende des letzten Jahrtausend den Vorplatz der Wallfahrtskirche, deren Namensgeber der Baum ist, so gestaltet hatte, das man die unteren vier Meter des Stammes mit eingegraben hat. - Ob das nun wirklich die Ursache für das kränkelnde Aussehen des Baumes war, das weiß man nicht, aber nun hat man den gesamten Vorplatz der Kirche erneut umgestaltet und dabei eben dem Baum seinen unteren Teil des Stammes wieder zurückgegeben. - Es ist gelungen, da haben sich ein paar Leute wirklich Gedanken gemacht, denn man hat das nicht einfach wieder in den Ursprungszustand zurückgebaut, sondern gleichzeitig den Vorplatz der so wichtigen und bekannten Wallfahrtskirche neu gestaltet, und so gut wie keinen Platz für die vielen Pilger und Veranstaltungen verloren. - Wenn man genau hinsieht, glaubt man auch bereits ein satteres Grün der Nadeln der mächtigen Kiefer zu sehen, aber es hat eben auch gut geregnet die letzten Wochen und wenn es um dieses emblematische Kunstwerk der Natur geht, um den "Pino aller Pinos", dann sind wir Leute aus El Paso immer ein bisschen sehr voreingenommen. - Chapeau, gut gemacht, aber wem es eingefallen ist, das Bauschild genau in den Blick aller ankommender Besucher zu stellen, der sollte hundert Vaterunser, zweihundert Avemaria, und das alles einbeinig links herum hüpfend um den Baum beten müssen. - Aber sicher ist das wieder nur mir aufgefallen…




die stolze Hispania im Jahr 2014




und hier nach dem Mastbruch 2018
Bilder von Federico





der Pino de la Virgen im Jahr 2014






der gleiche Baum und der neu gestaltete Vorplatz heute





und der Grund für die Vaterunser



Donnerstag 01.11.2018 17:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 23 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 44 % - Luftdruck 1021 hPa
Höchsttemperatur heute 23,8 Grad - niedrigste Temperatur 15,3 Grad

Plaudereien am atlantischen Kamin
Was die Anderen übrig lassen


Das Wetter lässt sich bislang erfreulich an, schließlich haben wir Winter, oder sagen wir besser Regenzeit. - Das mit den vier Jahreszeiten stimmt hier auf den Kanaren eh nicht wirklich, und der Spruch mit dem ewigen Frühling, genau so wenig. - Eigentlich kennen wir nur Sommer und Winter und übersetzen das so: Die Jahreszeit, in welcher es überhaupt nicht regnet, und die andere Jahreszeit. - Also jetzt hat die andere Jahreszeit begonnen und da wir uns eher Sorgen um unseren Wasserhaushalt machen, als um die Sonnenstunden, dürfen wir vermelden, der Oktober hat hier auf der Westseite bereits an die 50 Millimeter Niederschlag gelassen. - Auf der Ostseite natürlich deutlich mehr, die bekommen nicht nur den Regen eines einlaufenden Tiefs ab, sondern immer auch noch die Nachwehen, wenn auf dem Atlantik bereits wieder das Azorenhoch regiert und so den Wind mitsamt Feuchtigkeit als Passat an die Nord- und Ostseite der Insel bläst. - Locker die doppelte Menge an Niederschlag haben die erhalten, aber dass alles in der Welt mindestens zwei Seiten hat, nicht nur die Wurst, das wissen ja auch deutlich schlauere Leute als wir. - Auf der Westseite allerdings bringt der Passat nichts, außer Fallwinden im Aridanetal, wir sind auf die knappen Tiefdruckgebiete angewiesen, welche eben ausschließlich im Winter der Azorenhochschleuder entgehen. - (Hochschleuder als Wortspiel, da es die vom Westen her anbrausenden Tiefs so weit in den Norden, also nach "oben" schleudert, dass diese nicht bis "runter" zu den Kanaren wirken können.) - Ganz wichtig aber dabei ist nicht nur die Menge des Niederschlags, sondern natürlich auch noch wie der Regen fällt, und am allerliebsten ist uns da die Hamburger Version, langsam und stetig. - Und genau so hat das auch funktioniert hier bei uns im Westen, keine Starkregen, sondern für die Landwirtschaft gut brauchbare Niederschläge ohne negative Folgen.

Einfach nur nach der Regenmenge die Jahre für den Wasserhaushalt zu bewerten ist nämlich sehr zweifelhaft. - Kurze Starkregen bringen mehr Gefahren mit sich als Nutzen, alles was die Erde nicht schnell an Niederschlägen aufnehmen kann, läuft sonst eben ungenutzt in den Atlantik und nimmt auf seinem Weg dahin auch noch die knappe und kostbare Schicht an Humus mit, welche diese junge Insel in ihrer kurzen Lebensperiode anhäufen konnte. - Betrachtet man das Inselrelief, dann wird einem auch schnell klar, wie das Wasser und damit die Erosion diese Insel beeinflusst, und in ein paar Millionen Jahren wohl auch dafür sorgen wird, dass dieses Eiland wieder unter dem Meeresspiegel versinkt. - Aber das Wasser birgt auch akute Gefahren, nicht nur in geologischen Zeiträumen betrachtet, und Gedanken an Mallorca in diesem Jahr oder Madeira vor ein paar Jahren machen uns das immer wieder klar. - Dennoch kann das auch bei uns passieren, es muss nur die falsche Niederschlagszelle am falschen Hügel "kleben" bleiben und schon reißt auch bei uns ein fließender Barranco alles mit in die Tiefe, was Menschen in die Nähe des natürlichen Wasserablaufs gestellt haben. - Meist sind die Leute ja so weise, nicht in, oder an eine Schlucht zu bauen, aber nicht immer erkennt man die Gefahren, oder will davon einfach nichts wissen. - Dabei weisen die Risikopläne der Insel sogar klar darauf hin, selbst die größte Stadt der Insel, Los Llanos de Aridane wird von zwei Barrancos durchzogen, welche man allerdings ohne wache Augen gar nicht wahrnehmen wird. - Sicher hat der "Barranco Tenisca", welcher vom Riachuelo in El Paso bis hinunter nach Tazacorte führt, in den letzten Jahrzehnten nicht mehr durchgehend Wasser geführt, allerdings ist der Spruch der alten Leute, dort wo Wasser floss, wird auch wieder Wasser fließen, vielleicht besser in Erinnerung zu behalten. - Nicht auszudenken was passieren könnte, sollte sich eine fette Niederschlagszelle aus Südwesten an den Südhängen des Bejenado stundenlang abregnen, und den Barranco Tenisca somit wieder mit Wasser bis zu seiner Mündung in Puerto de Tazacorte bestücken. - Ich will da niemandem Angst machen, allerdings ist ein solches Szenario viel wahrscheinlicher, als jegliche Gefahr durch ein vulkanisches Ereignis auf unserem Inselchen. - Wer die Risikopläne innerhalb des Raumordnungsplans (PIOLP) der Insel alle mal studieren will, (Wasser, Vulkan, Feuer) der kann sich HIER versorgen und das ist nun erneut der Moment, in dem alle Inselmakler mich wieder hassen…

Die Winterzeit ist allerdings auch die ökonomisch bessere Jahreszeit für die Insel, da nun wieder das internationale touristische Halbjahr angelaufen ist. - So viele Flüge wie noch nie aus dem Ausland, wobei besonders Deutschland wieder als geballte Urlaubsmacht auftritt und man kann sich erneut fragen, wo sollen denn die Leute alle unterkommen, wenn wirklich sämtliche angekündigten Flieger voll bei uns landen werden. - Da fürchten Beobachter aus der "Bettenbranche" natürlich gleich wieder ein Streichprogramm der betriebswirtschaftlichen Art der Fluggesellschaften, und solch ein Hin und Her mit den Flugverbindungen ist niemals gut für nachhaltige Planungen. - Immerhin hat man es schließlich geschafft, mit dem "Kunstgriff" "Vivienda vacacional" eine legale Form der privaten Ferienvermietung zu schaffen, welche viele Anbieter endlich und nötig aus einer bislang ungeregelten Ecke heraus holt. - Man kommt ziemlich einfach an diese Papiere, die Gemeinden und die Inselregierung sind fleißig dabei, allerdings sollten alle Nutzer wissen, das Ding rund um die "Vv" ist noch nicht komplett zu Ende gedacht und dreht in Teilen auch noch die Runden durch juristische Instanzen. - Grundsätzlich kann man aber nur jedem Häuslebesitzer raten, welcher bislang ohne gesetzlich Grundlage sein Haus dem geneigten Gast angeboten hat, sich in diese Schiene zu begeben.

Aber lassen Sie uns kurz auch die möglichen Folgen betrachten. - Gerade im städtischen Bereich tragen solche Angebote nämlich zur weiteren Gentrifizierung bei, was auf La Palma noch nicht wirklich deutlich spürbar ist, und in den touristischen Zonen kann geballtes Auftreten von privaten Zimmern schon dazu führen, dass die Hoteliers sich angegriffen fühlen. - Das darf man ruhig ein bisschen weiterdenken, denn auch für La Palma deutet sich hier eine mögliche Gefahr an, welche die Verfügbarkeit von Flugmöglichkeiten auf die Insel einschränken könnte. - Die Reiseveranstalter sind bislang die Garanten für die Fluggesellschaften, auch die Route nach La Palma zu bedienen, läuft aber das Geschäft zukünftig eher an den "Tour Operaters" vorbei, und hauptsächlich über die, wie soziale Medienpilze aus dem Boden schießende Portale wie die Luftmatratzenfrühstücker (Airbnb), dann könnten solch kleine, und mit viel Risiko für die Reiseveranstalter behafteten Ziele wie La Palma schnell wieder hinten runter fallen und wir ganz den Launen der Billigflieger ausgeliefert sein. - Da dreht sich der Wind so schnell, dass man noch gar nicht so genau weiß, wie man denn seine Flügel halten soll und bei all dem, für uns viel zu schnellen Wandel, gibt es immer wieder noch die Hoffnung, dass alle neuen "Hypes" auch immer lukrative Nischen hinterlassen. - Für solch kleine Krauter wie uns, also "La Palma Urlaub" allemal, wir sind sowieso die Nische der Nische und hoffen, dass uns die großen Portale so viel Luft lassen, dass Atmen nicht zum Japsen wird. - Allerdings bleibt auch wieder im touristischen Geschäft für die Insel die wenig schmeichelhafte Aussage: Es ist eigentlich völlig egal, ob wir an einer touristischen Marke basteln, oder einen strategischen Plan aufstellen, die Infrastrukturen für Besucher zu verbessern, unsere touristische Zukunft wird nahezu gänzlich von außen bestimmt. Wie ein solch kleines "Produkt", welches unsere Insel letztendlich in dieser "Industrie" darstellt, überhaupt in den Rahmen globaler Finanzinteressen passt, das wird sich zeigen müssen.

Tourismus, Landwirtschaft, das sind, neben den Einkünften aus staatlichen Zuwendungen, zu denen ich auch Renten und Gehälter der öffentlichen Dienste zähle, die privaten Säulen unserer Inselvolkswirtschaft. - Die Zahlen, wer denn nun da die Vorherrschaft hat, die lassen sich gnädig dehnen, es kommt halt immer darauf an, zählt man die Subventionen mit, die Einkünfte aus Synergieeffekten und wie weit man in die letzte Reihe der Wertschöpfungskette vordringt. - Geschenkt, wer denn nun mehr zum "Ibp" beiträgt, also zum Inselbinnenprodukt, auf zwei Beinen steht es sich zwar ausgeglichen, aber niemals so gut, wie auf vier, oder gar noch mehr tragenden Säulen. - Industrie ist zu verwerfen, weit von den Kontinenten, noch dazu doppelte Insellage, denn alle Güter kommen und gehen über Tenerife, die Mutter aller Inseln, und überhaupt, was sollen wir Improvisationskünstler und Nischentüftler denn überhaupt produzieren, was Andere nicht besser, wahrscheinlich noch günstiger, sicher aber billiger als wir herstellen können. - Es gibt Gedanken über Energieproduktion, welche auch exportiert werden könnte, aber das mal grob nachgerechnet, und selbst noch ohne "Tesla- Handicap", ist das auch ein schwieriges Geschäft und wohl anderswo deutlich effektiver zu erledigen. - Wir könnten auch auf "Offshore" machen, also Jersey oder Cayman für Arme, oder besser für Reiche mit Armen, aber dann sind wir ja doch irgendwie wieder Europa und ein Teil Spaniens, und irgendwie passt das doch auch gar nicht zu uns.

Irgendwas mit Hochtechnologie, also was Kleines, Leichtes, was man nicht transportieren muss, nicht lagern und was auch nicht so leicht kaputt geht und dafür können sich sogar noch mehr Leute begeistern als nur ich. - Allerdings schoss unser Lieblingspräsident aller Präsidenten dann doch zu schnell vor, als er bereits vor fast einem Jahrzehnt einen Technologiepark plante und sogar die Anschubfinanzierung bereits auf dem Papier hatte, es kam einfach keiner, der dort am Flughafen unserer Insel sich niederlassen wollte um hoch zu technologisieren. - Aber so ist das halt, richtig kluge Köpfe sind ihrer, oder sollten wir sagen, unserer Zeit meist voraus. - Oder ist es etwa einfach nur naiv, uns als Guanchensiliconvalley anzubieten? - Vielleicht liegt es auch daran, dass wir eher mit Silikon als mit Silikat umgehen können, meist besonders reichlich nach dem ersten Regen. - Dabei haben wir die allerbesten Voraussetzungen dafür bereits geschaffen, oder vielleicht gerechter gesagt geschenkt bekommen, denn die Idee, auf unserem höchsten Berg, dem Kumpelberg, dem Roque de Los Muchachos, ein Observatorium vom Allerfeinsten hinzustellen, das was ursprünglich auch nicht unsere eigene Idee.

Zusammen mit Izaña auf Tenerife bilden unsere vielen Teleskope das "IAC" das "Instituto Astrofísico de Canarias" und neben Hawaii und Chile sind unsere Apparate die führende Technologie der Astrophysik auf der Welt. - Noch haben wir mit dem "Grantecan" sogar das größte optische Spiegelteleskop, und neu die größten Cherenkov-Teleskope der Welt, und niemand aus der Branche der Sternengucker kommt in seinem Metier an uns vorbei. Auch wenn uns gerade ein Rückschlag erreicht, denn das erhoffte 30 Meter Teleskop, das so genannte "TMT" soll nun doch auf Hawaii gebaut werden, und nicht bei uns auf dem Dach der Insel. - Gut, wir waren immer nur der Plan B für das Riesending, aber wir hatten uns wohl Hoffnungen gemacht, nachdem es hieß, dort auf Hawaii könnte es Probleme mit der Aufstellungsgenehmigung geben. - Das hat sich nun Anfang dieser Woche geklärt, die Baugenehmigung wurde wohl von einem Gericht dort bestätigt und so rücken wir ein deutliches Stück weiter weg, von B nach A zu rücken. - Ganz raus aus dem Rennen sind wir aber dennoch nicht, es gibt auf Hawaii seitens einiger Einwohnergruppen Widerstand gegen weitere Observatorien auf deren Berge. - Macht nichts, mit den bereits dort auf dem Roque installierten Teleskopen sind wir bereits Weltspitze und haben immer wieder bewiesen, dass wir auch größer können als Bananenrepublik, allerdings ist es uns bislang nicht wirklich gelungen, auch Forschungsstandort zu werden. - Das droht so ein bisschen, dass zwar bei uns die technischen Installationen stehen, die Beobachtungen aber woanders kontrolliert werden und sowieso die Forschung. Dazu sollte man vielleicht noch einen Hebel suchen, um kompletter Standort zu werden, nicht nur Bereitstellungsraum für Hochtechnologie. - Wo dieser Hebel liegt, und wie der überhaupt aussieht, das weiß ich nicht, aber irgendwie die Angelegenheit mit einer physikalischen oder überhaupt naturwissenschaftlichen Fakultät einer Universität zu verknüpfen, könnte doch so verkehrt nicht sein. - Vielleicht sollte man ja sogar über den eigenen kanarischen Horizont hinaus mal was versuchen, weit gucken ist doch eh ein Teil des astrophysikalischen Modells, und wenn die Propheten und Profen des eigenen Landes schon nicht hören und spuren, dann könnten wir es doch auch mal mit Bildungsimmigration versuchen. - Also Hirnimport statt Hirnflucht, und dieses Bild müssen Sie mir gestatten, denn "Fuga de cerebro" also Hirnflucht, so nennt man hier das Phänomen, wenn die Klugen gehen, und wir bleiben.

Gut in den Zusammenhang passt, dass man inzwischen auch die touristische Möglichkeit sieht, auch interessierten Laien die guten Beobachtungsmöglichkeiten der Insel näher zu bringen. - Bislang wächst das alles auf sehr privater Basis, nun aber hat man uns das Projekt eines Zentrums für Sternenbeobachtung präsentiert, welches sich eben an uns Normalastros richtet. - Und gut gemacht, das Zentrum liegt nicht auf dem Roque selbst, ist auch nicht Teil des dort gerade in Bau befindlichen Besucherzentrums, sonder diese Station befindet sich besuchernah im oberen Teil des Aridanetals, genauer gesagt in El Paso, nämlich in Mendo. - Manchem klingelt bei dem Namen "Mendo" alter Schlager, manchem auch altes Zeug, und in der Tat, dort wo das zukünftige "Centro de Apoyo Ambiental y Recreativo" stehen soll, dort hat man viele Jahre lang den gesamten Inselmüll verbrannt und später Sperrmüll zwischengelagert. - Im Jahr 2006 wurde das Gelände dann aber geschlossen und über mehrere Jahre hin aufwendig versiegelt und zurückgebaut. - Allerdings ist man ganz vorsichtig in Sachen wann denn dieses Zentrum zur Verfügung stehen kann, und so ganz privat erzähle ich Ihnen auch noch, dass hier auf der Insel im kommenden Jahr Wahlen sind, wir also manches Projekt vorgestellt bekommen, dessen Halbwertzeit eher vierteljährlich neu berechnet werden sollte. - Aber der Weg ist richtig, auch wenn die Brücke noch nicht da ist.

Als Familiennachrichten habe ich leider die schlechte Kunde, dass eine unserer ältesten Katzen nicht mehr lebt. - Mops, der große, graue Kater ist letzte Woche gestorben, es ist der erste Verlust aus dem "Inneren Kreis" unserer achtköpfigen felinen Schar. - Wir hatten ja bereits mehrere Tiere aus der Umgebung aufgenommen, welche bereits so krank waren, dass es eigentlich nur noch um das Wann und Wie ging, aber so richtig aus der Familie, also nach zusammen fast 12 Jahren, das war dann noch ein anderer Brocken. - Nierenversagen, keine Chance mehr, eine "Zivilisationskrankheit" wie man sagt. - Allerdings hat mir der sanfte Riese die Angelegenheit ganz einfach gemacht, er ist eines Nachts selbst gegangen, ich musste ihn erst gar nicht auf den Edelstahltisch des Tierarztes heben, für den letzten Dienst. - Damit hat er mir einen riesigen Gefallen getan, ich habe doch immer so viel Angst davor entscheiden zu müssen, wann es denn so weit ist, das Leben eines anderen Individuums zu beenden, um eventuelle Qualen zu verhindern. - Mops lag die letzten zwei Wochen meist unter seinem Lieblingsbaum, der großen Sapote gleich neben unserem Wohnhaus. - Er hatte ja kaum noch Kraft, aß und trank aber immer noch ein wenig von den gereichten Leckereien, und noch bevor eben die Entscheidung getroffen werden musste, geht es noch, oder quält er sich schon, da lag er morgens bereits tot unter seinem Baum. - Friedlich, und da liegt er weiterhin, ein bisschen tiefer, mit viel guter Erde über sich.




Die Regenzeit ist da. - Das einzige Gewitter diesen Winter, dauerte nur 10 Minuten und war dann wieder weg






Natürliche Abflüsse Westeite der Insel, aus dem PIOLP





Farewell sanfter Riese





Donnerstag 04.10.2018 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 22 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 60 % - Luftdruck 1015 hPa
Höchsttemperatur heute 24,3 Grad - niedrigste Temperatur 19,8 Grad

"Noble" geht die Welt nach Tazacorte
Inselthema tunnelt sich ins Aus


Monatelang haben wir uns hier auf der Insel um die "Mutter aller Probleme" die Köpfe heiß geredet, und als das Problem dann da war, dann wurde es zum Fliegenschiss. - Martin und Angela haben wenige Gemeinsamkeiten, allerdings ist Ausharren, oder Wegmerkeln, oder eben Ausbrettern, dann doch irgendwie die selbe Philosophie: So schlimm wird es schon nicht werden, wie Pack, Pöbel und Journaille das auch schildern und erwarten mögen. Allerdings geht es hier nicht um Migranten, also auch um mich, sondern um den Tunnelblick. - Keiner spricht mehr darüber, dass nun nachts für ein paar Stunden der alte Tunnel gesperrt ist und man zwischen Mitternacht und 06:30 Uhr über den Süden oder das Refugio El Pilar fahren muss, wenn man von der Ost- auf die Westseite der Insel will. - Man könnte das auch so beantworten, es will eigentlich um die Uhrzeiten eh niemand diesen Weg auf sich nehmen, und wenn, dann hat er es eh nicht anders verdient, als 20 Minuten seiner kostbaren Lebenszeit zusätzlich auf die Straße schütten zu müssen. - Wir haben wahrlich andere Probleme, fast schämt man sich jetzt auch ein bisschen dafür, darüber so einen großen Aufstand gemacht zu haben und wenn ich mich richtig erinnere, gab es sogar Rücktrittsforderungen gegen unseren Rat für Straßenbau im Inselparlament, wegen der der Causa Tunnel. - Wer den Rücktritt fordert, der tritt selbst hinein, nicht nur ungeschriebenes, sondern sogar noch jungfräuliches, wie unbeachtetes Gesetz, weil´s einfach viel zu schön wär´.

Der Sommer will noch nicht so richtig weichen, obwohl wir bereits die "Sol picante" hatten, also die "stechende Sonne". - Dieses Phänomen tritt meist in der Winterzeit auf, da der Hintergrund extrem saubere Luft ist, also frei von Saharastaub, Nebel oder anderer Schwebstoffe, welche als Filter, wenn auch unbeabsichtigter, dienen könnten. - Dann sticht die Sonne spürbar auf der Haut und selbst manche Pflanzen leiden darunter, empfindliche Blätter bekommen braune Stellen und unbedarfte Wanderer in unseren Bergen einen Sonnenbrand, welcher mit den Ausdruck, sich gewaschen zu haben, völlig falsch beschrieben wird. - Aber schon lugt auch schon ein kleines Tief herüber, so klein, dass man es auch locker nur als "Störung" bezeichnen könnte. - Allerdings bereits eine wintertypische "Störung" für unser Wettergeschehen. Das Azorenhoch war nicht kräftig genug, um eben dieses "Tiefchen", wie sonst üblich, auf dem Nordatlantik zu halten und strikt nach Mitteleuropa zu drücken. - So kann es ab Sonntag/Montag bereits zu den ersten winterlichen Niederschlägen kommen. - Damit meinen wir Regen aus dem Westen und damit auch die einzige Möglichkeit überhaupt, Niederschläge ins Aridanetal zu bekommen. - Darüber hinaus könnte uns diese "Störung" auch eine Weile begleiten, da nach Norden hin noch weitere Tiefs warten und sich so schnell auch kein neues Azorenhoch bilden kann, welches uns dann wieder Wetteralltag bringen wolltw. - Ob uns wirklich bereits der erste Winterregen beschert wird Anfang kommender Woche, das ist jetzt noch nicht sicher, auf jeden Fall ist da kein Monster unterwegs mit Starkregen oder Sturm, sondern eben nur der zweite Fingerzeig, nach der "stechenden Sonne", dass nun der Sommer auch bei uns Altersflecken bekommt.

Das Inselthema überhaupt seit ein paar Tagen aber ist der erste Besuch eines Kreuzfahrtschiffes im Hafen von Tazacorte. - Wobei die Einschränkung erlaubt sei, das allererste Schiff war die finnische "Kristina Regina", welche im Dezember 2002 zur ersten Einweihung des neuen Hafens von Puerto de Tazacorte gekommen war. Allerdings schließt sich hier gleich doch wieder ein Kreis, denn die damalige "Kristina Regina" und die heute im Hafen liegende "Island Sky" haben wohl Gemeinsamkeiten. - Beides sind "Old Fashion Vessels", also Schiffe, welche so aussehen, wie man das noch aus den Zeiten des "Blauen Bandes" kennt. - Und da setzt wohl auch der Hebel der "Noble Caledonia" an, der Reederei, welche die "Island Sky" und ein paar andere gleichgesinnte Fahrzeuge durch die Weltmeere und Flüsse schickt. - Gegen die monsterhaften schwimmenden Städte, welche die modernen Massenverschickungsfrachter, als Schiffe verkleidet das Kreuzfahrtsegment endgültig aus dem "Dunstkreis Christlichen Seefahrt" ins Industriesegment schipperten, siedeln und "segeln" ein paar kleine, meist auch feine Nischenanbieter, die zwischen Nostalgie und Individualismus eine Spalte wie auch Sparte wittern. - Das kennen wir hier nur zu gut, Nischen belegen ist unsere Spezialität, allerdings oft leider nicht aus trefflicher Weisheit, sondern meist aus Unterlassung. - Ein, mir wohlbekannter Teil meines Seins, die bräsende Zynismusdrüse, die hat sogar mal den Satz geformt: Wir sind immer zu spät dran, auf irgendeinen Zug aufzuspringen, meist rettet uns das aber vor dem Globalisierungsvor- rück- und zuschlag. - Allerdings selbst für das "Slow-Movement" zu langsam zu sein, das macht uns dann doch einzigartig.

Schluss mit den Wortspielereien, irgendwie muss man doch dem verlorenen Hafen von Puerto de Tazacorte, oder wie man auch gerne sagt, dem Hafens des Aridanetals, ein Sinn geben. - Zweimal in den letzten 15 Jahren neu eingeweiht, weil gleich zweimal, für insgesamt an die 80 Millionen Euro ausgebaut. Und dennoch findet sich einfach keine Reederei, oder auch kein Ziel, welches der eigentlichen Aufgabe dieses Hafens, nämlich Fracht- und Fährverkehr aufnehmen soll. - Beide Erweiterungen sollten Dynamik, Arbeitsplätze und damit Wohlstand nach Tazacorte bringen, aber das ist nur zum Teil geschehen. - Immerhin, die Fischerboote liegen nun sicher im Hafen und die Marina ist schick und nützlich geworden, allerdings waren dafür die Euro-Millionen nicht vorgesehen, sondern eben für einen Fracht- und Fährhafen. - Allerdings liegt Puerto de Tazacorte schlichtweg auf der falschen Inselseite, denn so gut wie alle Schiffe, welche La Palma anlaufen, kommen aus Tenerife und fahren auch dort wieder hin. - Die Mutter aller Inseln liegt allerdings östlich von uns, und um Tazacorte, also die Westseite zu erreichen, müssten die Schiffe etwa eine Stunde Fahrzeit mehr aufwenden. - Darüber hinaus hat der Hafen von Puerto de Tazacorte überhaupt keinen Infrastruktur, keine Kräne und was man sonst noch braucht, um "echte" Schiffe zu be- und entladen, und darüber hinaus sind beide neuen Molen für "echte" Schiffe auch deutlich zu kurz geraten. - Lediglich El Hierro könnte von Puerto de Tazacorte aus ohne Umweg angefahren werden, allerdings gibt es so gut wie überhaupt kein Frachtaufkommen zwischen El Hierro und La Palma und Passagiere, an guten Tagen vielleicht gerade im zweistelligen Bereich. - Das hatte man schon mal zwei Sommer lang versucht, die Reederei Armas schickte die "Volcán de Tauce" zu uns nach "Tarajal", wie der Hafen von Puerto de Tazacorte auf offiziellen Blättern heißt, auf dem Weg von El Hierro nach Santa Cruz de La Palma. - Dabei fuhren mehr Leute von Tazacorte nach Santa Cruz, als von El Hierro nach La Palma und als die Subventionen dafür ausliefen, war auch Armas unsere Inselseite kein Schiff mehr wert.

Ein paar Großsegler sind gekommen, allen voran die Alexander von Humboldt 2, welche das eigentliche Eröffnungsschiff für die neueste Mole war. - Glossig dabei, das Schiff musste noch am Abend von der neuen, neuen Hafenmole an die alte, neue Hafenmole verlegen, da das Wasser an der neuen Neue zu bewegt war für die Nacht. - Seitdem legen alle Schiffe, eben diese Großsegler wie die Alex2, die Alva oder die Salomon gleich an der alten, neuen Mole an und lassen das neuere Bauwerk draußen liegen. - Aber das riesige Gelände vor der neuen, neuen Mole, das wird gerne genutzt, mal um den vielen Kindern der Insel das Fahrradfahren beizubringen, mal um einem Konzert Raum zu geben, oder eben einfach nur, um auch mal eine Strecke auf der Insel zu joggen, welche keine Höhenmeter bolzt. - Aber ein Hafen ist eben nur ein Hafen, wenn dort auch Schiffe verkehren und so versucht man alles erdenkliche, um auch den Hohn der Bevölkerung loszuwerden und die investierten Millionen ein bisschen zu rechfertigen. - Da kommen eben Kreuzfahrtschiffe genau recht, denen es eben egal ist, ob ein Hafen eine Stunde weiter weg ist als ein anderer, und ob es dort Hafentechnik für ein Frachtterminal gibt. - Allerdings entwickelt sich ja das Kreuzfahrgeschäft in Richtung Megalomanie, und wie bereits erwähnt, man hat in Puerto de Tazacorte lieber gleich zwei Stummelmolen gebaut, als eine, welche auch ein Schiff mit Normalgröße aufnehmen könnte. - So kann man doch noch eine schöne Geschichte basteln, eben aus dem kleinen Hafen und den kleinen Schiffen, welche eben diese Nischen belegen, und wenn dann noch dazu ein solches der "Noble-Kategorie" daher kommt, dann wittert man selbst bei uns einen Erfolg. - Das Schiff mag zwar bereits etwas älter sein, 1992 gebaut, aber liest man den Katalog der Reederei, der "Noble Caledonia" dann wird einem schnell klar, für rund 500 englische Pfund am Tag, pro Person, da muss schon was geboten werden, was eben Aida und Carnival nicht können und auch nicht wollen. - Liest man den Katalog weiter, dann erfahren wir, dass das Schiff bereits am 8. Oktober wieder bei uns erwartet wird, um dann weiter auf die Kapverden zu fahren. - Ob das aber bereits einen dauerhaften Besuchstermin hergibt, das wissen wir natürlich nicht.

Hätten wir, oder zumindest unsere noblen Inseloberen gerne, und so hat man den vergessenen Bahnhof am Hafen heute zumindest nachgeholt. - Apropos zu langsam. Die Passagiere der "Island Sky", an die 90 rüstig bis rostige Kronjuwelen mit Brexit-Zukunft, die waren bereits in unseren besten zwei Bussen vor der Einweihung entschwunden, die Insel zu erkunden. - Man muss halt früher aufstehen, um Rentnern den Tag mit dusseligen Reden madig zu machen und so können wir nur hoffen, dass diese muntere Schar unsere Insel an der lieblichen Landschaft wiedererkennt, wenn man Zuhause die 14.000 Bilder der neuntägigen Kreuzfahrt auf die Platte lädt. - Meine Frau frug mich noch, warum man denn überhaupt dann die Politiker, bis rauf in die Höhen des Gobierno de Canarias holt, wenn die Gäste bereits den Rollator im Bus verstaut haben, und man muss halt ganz einfach anerkennen, es geht dabei einzig um das gute Gewissen und noch mehr um die gute Presse. - So erwartet man eben auch von den Medien den Hinweis, die "Island Sky" läutet das Erwachen des Hafens von Puerto de Tazacorte ein und Dank der weisen Entscheidungen, gleich zwei Hafenmolen zu kurz zu bauen und lediglich 80 Millionen europäische Euro in den Atlantik gelegt zu haben, sind heute 90 britische Rentner auf der Insel, welche unserem Eiland mit Reichtum drohen. - Man nennt solche Krüppelhäfen dann einfach "Puerto Boutique", man muss eben nur phantasievoll sein und bessere Autoren haben als Welke oder der Postillion. - Die Geschäftsleute der Gemeinde wurden sogar per Schreiben aufgefordert, doch heute ganz freundlich zu sein, schließlich wollen wir uns von der besten Seite zeigen, allerdings waren Besucher bereits in El Paso das Seidenmuseum besuchen und wurden anschließend noch in die Berge gekarrt. - Ich fürchte mal, da bleibt nicht viel kleben, also finanziell gesehen, aber vielleicht erzählen die Reisenden ja nach der Heimkunft, welch nettes indigene Volk auf diesem kleinen Inselchen sie empfangen hat , und dass man da unbedingt mal wieder hinreisen muss um Glasperlen zu verteilen.

Also, Hafen und Schiffsgröße passen schon mal zusammen, und ein bisschen gibt das auch die Brötchengröße vor, welche wir vielleicht backen sollten. - Tückisch bei der Kreuzfahrt für die besuchte Region ist auch, dass die Ausflüge wohl schon bereits im Reisepreis inbegriffen sind, also so gut wie kein Gast des Schiffes sich heute aufgemacht hat, Puerto de Tazacorte den Reichtum zu bringen. - Macht aber alles nichts, nun kann niemand mehr sagen, der Hafen ohne Schiffe, und alle Zyniker werden höflich, bestimmt und nachhaltig aufgefordert, den Hafen "Tarajal" nicht mehr als den Schildas zu bezeichnen, sondern als Tor zu Welt des Aridanetals. - Ganz böse Zungen behaupten ja auch, der Hafen von Puerto de Tazacorte sei gar kein doppelter Flüchtigkeitsfehler der Mario Barth-Klasse, sondern von den Portugiesen (so nennt man bei uns auf der Insel die Bewohner der Hauptstadt Santa Cruz) extra so schräg geplant, dass mit den Mölchen dort im Westen die Vormachtstellung des wirklichen Hafen La Palmas nicht gefährdet wird. - Hier ziehe ich mich aus der Vermutungsschraube heraus, denn die Empfindlichkeiten zwischen West und Ost, die verstehe ich weder zwischen Rhein und Oder, noch eben diesseits oder drübschererdings auf der Insel. - Ich glaube ja doch eher, da hat irgendein Planer sich beim Planen falsch herum vor das Inselrelief gesetzt und dabei gar nicht gemerkt, dass Tenerife auf der anderen Seite liegt. - Nun warten wir noch auf die Millionen aus Europa, um die Insel zu drehen, und ich hoffe inständig, dass das nicht wieder der gleiche Ingenieur macht, welcher eben das Doppelte Molchen geplant hat. Sonst könnte es sein, dass die Insel nicht von West nach Ost, sondern von oben nach unten gewendet wird, denn drehen und wenden ist halt nicht gedreht wie gewendet. - Dann liegt zwar Tazacorte auch im Osten, also näher an Tenerife, aber da die Mole selbst für ausgewachsene U-Boote zu klein ist, könnte das auch eher suboptimal enden. - Mal sehen, was draus wird, 90 Briten machen noch keinen Frühling, und irgendwie hatte ich mir das mal anders vorgestellt, als man ausrief: Her mit den kleinen Engländerinnen!





Heute an der neuen, neuen Mole in Tarajal










Man kann die zwei Molen gut auseinaderhalten, beide allerdings zu kurz geraten.




Hier die Volcán de Tauce im Jahr 2005, als die jetzt alte, neue Mole noch die neue, neue Mole war. - Die Route El Hierro, Tazacorte, Santa Cruz de La Palma, Tenerife hielt zwei Sommer lang, einmal in der Woche.




März 2015, die eigentliche Einweihung der neuen, neuen Mole durch die Alexander von Humboldt 2. - Danach hat bis heute dort kein Schiff mehr festgemacht.




Und jetzt eine bereits historische Aufnahme, Dezember 2002, die Kristina Regina als erstes Schiff damals an der jetzt alten, neuen Mole. - Das Bild ist so klein, da man seinerzeit noch per Dampfmodem Daten ins Netz speisen musste und komprimierte und schnitt, wo es eben nur ging.





Dienstag 18.09.2018 18:30 Uhr - El Paso – Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 28 Grad – Niederschlag 0 mm – Luftfeuchte 12 % - Luftdruck 1019 hPa
Höchsttemperatur heute 28,6 Grad - niedrigste Temperatur 18,2 Grad

Jetzt ist der Sommer doch zu Ende gegangen
Wer durch den Tunnel fährt, der kann in die Röhre gucken


Der Sommer ist dann zu Ende, wenn die Brut die Insel wieder verlassen hat, also jetzt. - Acht Katzen und ein Kerl, mehr ist nicht mehr da, und das Problem sind nicht die Katzen, so sieht das meine Frau. - Zugkinder statt Helikoptereltern, ein kanarisches Modell, wobei man in vielen, oder vielleicht sogar den meisten Fällen, das statt auch durch ein und ersetzen kann. - Viele Menschen haben das hier gemein und man merkt deutlich an der allgemeinen Stimmung, dass die vielen Hoffnungen wieder weg sind, also zurück auf den anderen Inseln. Die kleineren Kinder gehen wieder in der Schule und die drei Monate dauernde Fiesta wegen der eisernen Jungfrau der Kiefer ist auch vorbei ist. - Endlich sagt die Vernunft, schade der Schweinehund, in, um und um uns herum. - Katerstimmung sicherlich ein bisschen, aber wenn anderswo unter solchen Umständen dann wieder in die Hände gespuckt wird, um neu zu beginnen, da brauchen wir erst mal eine Auszeit, eine Reflektionsperiode, welche durchaus bis Weihnachten dauern kann. - Da kommt die Brut ja dann wieder auf die Insel, der Sommer glüht dann erneut eine oder zwei Wochen und jetzt erst wird mir eigentlich klar, dass ich kein Helikoptervater bin, sondern von meinen Kindern erhoffe, sie würden die Sommer über mir einschweben lassen. Also falsch herum gekoptert. Abnabeln ist wichtig, aber beidseitig, vielleicht lerne ich das ja auch irgendwann, aber wahrscheinlich erst nächsten Sommer.

Vom Wetter her sieht das natürlich anders aus, hier kann der Sommer durchaus bis in den November andauern. - Aber auch nur, weil wir eben nicht afrikanisch bestimmte Temperaturen haben, sondern unser ganz spezielles Klima, welches ganz eigen ist und wohl eher mit Madeira und den Azoren zu vergleichen ist, als mit anderen Regionen in unserer räumlichen. wie kulturellen Nähe. - Immer Hochdruck, seit März dieses Jahres bereits, also im Einfluss dessen, was der Mitteleuropäer als Azorenhoch kennt, und eben die Wettermaschine für den eurasischen Kontinent darstellt. Für uns bedeutet das, kühle Temperaturen selbst im Sommer, da der stetige Nordostwind frische Luft weit oben im Nordatlantik sammelt, und zu uns herunter trägt, und damit unsere Breitengrade um kühle Längen schlägt. - Die große Frage lautet immer, ab wann im Herbst oder Winter kippt dieses System, welches eben als weiteren Nebeneffekt die von West nach Ost wandernden Tiefs so weit in den Norden rückt, dass uns das Nass von dort nicht erreichen kann. - Ein bisschen blickt der wetterinteressierte Inselbürger in dieser Jahreszeit auch immer auf die höchst informativen Seiten der NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration) welche, beknnter als "Hurricane Center", echt bereits mit Coolheitsfaktor 5 bewindet(klar für uns Wetternerds), hervorragend verfasste Vorausschauen für Stürme und Hurrikane liefert. - Aber auch da gilt wieder das gleiche, so lange das große Hoch dort über den Azoren wacht, bleibt hier das Wetter langweilig. - Man kann es auch ein bisschen pathetischer sagen, besonders wenn uns die Fallwinde des Passats hier im Westen mal wieder die Kübel von der Terrasse pfeifen: So lange dieser Wind weht, kann uns nichts passieren. - Das gilt übrigens auch für den Flughafen. - Wind, auch starker Wind aus Nord oder Nordost, der macht nichts, das ist der gute Wind, alles was aus Süden, oder noch schlimmer den Vornamen „Westen“ trägt, das kann Unheil bringen.

Der momentane Aufreger auf der Insel liegt mal wieder auf der Straße, oder besser gesagt im Tunnel. - Im alten Inseltunnel, also diese enge und knappe Tropfsteinhöhle, durch welche fast der gesamte Fahrzeugverkehr von der Ost- auf die Westseite der Insel geführt wird. - Auch wer nicht die Gnade der frühen Geburt hat, der wird sich vielleicht sogar noch daran erinnern, wie es vor dem Jahr 2003 war. Damals gab es nur diesen einen Tunnel um von einer Inselseite auf die andere zu kommen. - (Fast hätte ich es gar nicht bemerkt, dass ich zunächst „richtige Seite“ geschrieben habe, statt „andere Inselseite“...) Es war schon kritisch, diesen alten Tunnel in beide Richtungen zu betreiben, wenn sich dort 2 LKW oder Busse begegneten, dann legte man erhöhten Wert auf die Fahrpraxis der Kapitäne. - So hoffte man ja bereits lange, noch im alten Jahrtausend auf einen, oder besser 2 neue Tunnel, musste aber bis ins neue Millenium warten. - Der Tunnelneubau wurde aber eigentlich nur halb abgeschlossen, denn neben der, seit 2003 in Betrieb befindlichen Röhre, welche nur den Verkehr von West nach Ost aufnimmt, sollte ja knapp nördlich davon noch eine zweite Röhre entstehen, welche dann natürlich den Gegenverkehr auch zweispurig aufnehmen könnte. - Das war Teil der großen „Eje Transinsular de Canarias“ und damit auch wieder ein Teil der dafür vorgesehenen Autobahn von Santa Cruz de La Palma zum Hafen von Tazacorte. - Nun wissen wir ja alle, dass kein Mensch diese Autobahn braucht, und eigentlich ist das Ding auch schon vom Tisch, aber von dort eben noch nicht im Mülleimer gelandet, sondern in einer Ablage, welche durchaus von Zeit zu Zeit mediale Blähungen von sich gibt. - Ob wir irgendwann auch die zweite Tunnelröhre ohne Autobahn bekommen, damit vernünftig bleiben und eher vorhandene Trassen nutzen, das liegt noch vollständig in den Sternen, aber eben auch in der europäischen Zahlungsbereitschaft gegenüber ihrer ultraperipheren Zone, und welcher Hansel (also Juanito) gerade am politischen Drückerchen ist, und ob der Benzin oder Biogas in den Adern hat.

Der heutige neue Tunnel, obwohl er nach nun 15 Jahren schon gar nicht mehr so neu ist, der ist aber eben nur für den Verkehr in eine Richtung geplant und erlaubt. - Das war damals auch die Zeit der großen Unfälle in den Alpentunnel und dann erließ man ja viele neue Vorschriften in Sachen „Fahren im Berg“, was sicherlich richtig und wichtig ist, aber eben lokale pragmatische Lösungen manchmal behindert. - Man kann die zweispurige Röhre zwar auch für den Verkehr in beide Richtungen öffnen, was hin und wieder auch geschieht, aber das beschränkt sich auf Notfälle und ist zeitlich auf den Notfall limitiert. - Wenn schlechtes Wetter zum Beispiel Steinschlag auf der Zufahrt zum alten Tunnel ausgelöst hat, dann öffnet man den neuen Tunnel für beide Richtungen, muss aber dann nach Beendigung des Notfalls wieder auf Normalverkehr zurück gehen. - Seit Jahren nun steht eine Generalüberholung der alten Tunnelröhre an, auch dringend erforderlich, auch von vielen gewünscht, aber nun droht eben ein Verkehrschaos, da man den neuen Tunnel nicht für einen Ersatzverkehr dauerhaft nutzen kann. - Die Überholung des alten Tunnels lässt sich irgendwie nicht als Notfall verkaufen, ob da nun übereifrige oder einfach nur unbestechliche Techniker am Werk waren, welche einer Nutzung des neuen Tunnels über mehrere Monate nicht gutheißen, das lassen wir mal offen.

Man muss also eine andere Lösung finden, da der alte Tunnel nicht ohne zumindest temporäre Komplettschließung saniert werden kann. - Eifrig durch die Presse gekaut hat man jegliche pragmatische Lösung inzwischen verwerfen müssen, der zuständige Rat für Verkehr im Inselparlament, dem Cabildo Insular, traut sich inzwischen nicht mehr, gegen der Rat von Technikern Grünes Licht für eine „inseleigene Lösung“ zu geben, und beklagt das öffentlich, nachdem er für jeglichen Ärger, der sicherlich kommen wird, zuständig scheint. - Aber er will zumindest keine rechtlichen Probleme bekommen, was sicherlich auch wieder verständlich ist. - Die jetzige Lösung heißt, der alte Tunnel wird saniert, 24 Stunden am Tag, aber lediglich für die Zeit von 0 Uhr bis 06:30 komplett für den Verkehr gesperrt. - Tagsüber fließt der Verkehr wie gehabt, aber sicherlich mit Behinderungen und wohl möglich auch kurzzeitigen Sperrungen in Richtung Ost nach West. - Von West nach Ost gibt es überhaupt keine Sperrungen, allerdings möchte man für eventuelle Notfälle bereit sein und wird deswegen zeitweise eine Spur des neuen Tunnels als Reserve sperren. - Daraus bin ich überhaupt nicht schlau geworden, was diese „Reservespur“ soll, aber vielleicht ist es auch zu spät für mich, jetzt noch schlau werden zu wollen.

Zwischen 00:00 Uhr und Nullsechshundertdreißig müssen die Verkehrsteilnehmer, welche von Ost nach West wollen, also über die Südstraße fahren, oder die Verbindung über die Cumbre Nueva/Refugio El Pilar wählen. - Eigentlich sind nur noch ganz wenige Autos zu der Zeit auf der Strecke unterwegs, es betrifft damit gar nicht so viele Leute und die Aufregung sollte sich somit eigentlich in Grenzen halten. - Allerdings fürchtet man nun natürlich, dass damit die Gesamtzeit, welche die Tunnelsanierung dauert, deutlich verlängert wird, aber seitens der Inselregierung wird da freudig erklärt, man rechne weiterhin mit vier Monaten, eher weniger sogar, da man erneut mit der ausführenden Firma verhandelt hätte. - So sollen noch Ende dieses Jahres die Arbeiten am alten Tunnel abgeschlossen sein, welch freudige Nachricht. - Ob das wirklich so funktioniert, wie man uns das weismachen will, das ist eine andere Geschichte, denn wir sind beharrlichere Dinge gewohnt, was unsere öffentlichen Bauten angeht. - Aber immerhin, wir sind planerisch nun in der Ersten Welt angekommen, also in der Welt, in der hochkomplexe Dinge eigentlich gar nicht mehr zu machen sind, da viele Vorschriften sich gegenseitig widersprechen und eigentlich undurchführbar machen. - So manch einer erinnert sich nun gerne, oder zumindest nostalgisch an die Zeit zurück, als man Notfalllösungen mindestens ein Leben lang anwenden konnte, aber früher war eben lediglich alles anders, und sicherlich nicht besser. - Man könnte ja auch jeden Abend einen größeren Stein auf die Straße auf die östliche Zufahrt des alten Tunnels legen, und damit eine Notfallöffnung des neuen Tunnels für beide Seiten erzwingen, aber solch göttlich-endemische Lösungen haben wir uns seit unserem Beitritt zum Club der Ersten Weltler wohl selbst unmöglich gemacht.

Die meisten Inselgäste werden also gar nichts mitbekommen von unserer Tunnelpolemik, und wir bereiten uns ja wieder auf einen guten Winter vor, zumindest was eben der Zustrom an Inselgäste ausmacht. - Nachdem der Sommer aus internationaler Sicht eher schlecht war, bietet der Winterflugplan so viele Verbindungen aus Deutschland an, wie noch nie zuvor. - Ob das gut geht, ich weiß es nicht, denn es bleibt zu fürchten, dass nicht alle dieser Verbindungen auch erfolgreich sein werden. - Da ja Flugpläne inzwischen nichts anderes mehr sind, als wage Absichtserklärungen der Gesellschaften vielleicht dann und wann in Erwägung zu ziehen, auch wirklich ein Flugzeug auf den Weg zu bringen, lässt sich jetzt natürlich noch nicht sagen, ob diese vielen Verbindungen wirklich zu so vielen Gästen auf der Insel führen werden. - Man hat durchaus seit Jahresanfang nämlich spüren können, dass manch internationale Anbieter sich wieder aus dem La Palma-Markt zurückgezogen hat, nachdem auf den anderen Insel wieder Kapazitäten frei geworden sind. - Die Türkei und Ägypten sind als Kanaren-Konkurrenz wieder vermehrt im Spiel und auch Marokko knabbert an unserem, so sicher geglaubtem traditionell konservativem Urlaubsmarkt. - Letztendlich hängt es auch vom Wetter ab, ob La Palma touristisch einen guten Winter vor sich hat oder nicht, denn es ist verständlich, aber auch immer wieder erstaunlich, wie deutlich die Buchungszahlen vom Wetter in Mitteleuropa abhängig sind. - Jetzt weiß ich gar nicht so recht, was ich Ihnen wünschen soll, also wohl eher Gesundheit und gute Laune, als gutes Wetter! Bis zum nächsten Mal...





Echte Eunuchenfreundschaft, Paul und Fredi





Samstag 25.08.2018 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 26 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 44 % - Luftdruck 1018 hPa
Höchsttemperatur heute 26,8 Grad - niedrigste Temperatur 20,2 Grad

La Palma auf Sollstärke
Würde der Sommer doch niemals enden


Erst in den letzten Tagen haben wir endlich den Fluch besiegt, der da hieß in diesem Jahr, in Mitteleuropa ist es wärmer als bei uns. - Jetzt hat sich der Sommer endlich eingerichtet, gut und bequem, allerdings fehlt die große Hitze und auch der manchmal störende Staub aus der Sahara glänzt durch vornehme Abwesenheit. - Ein lauer Sommer bislang, kaum Waldbrandgefahr, obwohl wir gut gerüstet sind auf den Kanaren. - Tagsüber kratzen wir von unten mit wohlfeilem Abstand an der dreißig Grad-Marke, nachts an die zwanzig, aber ein geschicktes und schattiges Plätzchen ausgesucht, lässt uns immer den kühlen Zug des Passats spüren. - Wer aber in die Berge geht, der muss gewaltig aufpassen, sich nicht zu verbrennen. Einmal die Meereshöhe, dann die Nähe zum Äquator und was man auch nicht vergessen darf, wir haben derart saubere Luft, dass alles, was die Sonne ausstrahlt, eben noch kräftiger bei uns auf der Haut landet. - Und eben diese Verbindung mit dem leicht kühlenden Hauch des Passats, welche einem noch vorgaukelt, man sei nicht vom Sonnenbrand bedroht, die kann dann den Ausschlag geben, sich einen gewaltige Verbrennung auf dem zarten Organ abzuholen. - Hut, lange Ärmel und lange Hosen sind da schon gute Vorbereitung, oder Cremes mit einem Lichtschutzfaktor nahe einer dreistelligen Losung, wobei ich für den Kollateralgewinn, keine stoppelig-käsigen Männerbeine mehr optisch konsumieren zu müssen, schon unendlich dankbar bin.

Aber mitteleuropäische Sandalenträger sind eh nicht so häufig bei uns im Sommer anzutreffen, wir haben deutliche Nebensaison, was den internationalen Tourismus angeht. - Kein Wunder, bei der Temperaturverteilung auf dem Kontinent, möchte man sagen, aber es liegt wohl eher an der Rückkehr zu mageren Flugverbindungen im Sommer nach La Palma aus Deutschland. - Das wird diesen Winter wieder ganz anders werden, da schweben Flugpläne durch Äther, Raum und Web, welche ein touristisches Börsenzucken nahelegen. - Mal sehen, ob unser Inselchen die großen Erwartungen an sich selbst erfüllen kann, bislang haben wir es ja noch immer geschafft, jedem versuchten Aufschwung endemisch-autochthonen Widerstand entgegen zu setzen, auch wenn unser Nomenklaturkader politisch nachwachsender Rohstoffe lauter als jemals davon spricht, wahrhaftig die Hausaufgaben gemacht zu haben. - Man meint damit endlich Rechtssicherheit für Investoren hergestellt zu haben, welche unbedingt glauben, noch einen gra(n)tigen Fels im Atlantik zum massentauglichen Renditeabwurfressort umwandeln zu müssen. - Es wird so schlimm nicht werden, denn alle um uns herum können zwar ganz bestimmt nicht besser, aber sicherlich billiger arbeiten und anbieten, als dieser, zum ewigen "Roh" bestimmten Diamanten an Eiland.

Diesen Sommer aber ist die Insel dennoch voll, aber es lohnt sich, schon genauer hinzusehen, wer denn da der Gastronomie endlich volle Häuser beschert und auch die Orte wieder mit dichtem, fröhlichem und manchmal sogar lautem Leben füllt. - Es sind weniger Urlaubsgäste, aus Mitteleuropa sowieso, aber auch der nationale Tourismus vom Festland hat noch nicht wieder die Geschwindigkeit aufgenommen, welche eigentlich erwartet wurde. - Es sind vielmehr Eigengewächse, Familien und Freunde, also innerkanarische Dunstglocke mit ein bisschen Heimwehfieber, aber auch einer Ecke Schuldbewusstsein, der eigenen Ursuppe so lange den Rücken gekehrt zu haben. - Vielleicht schwingt das soziale Aufmerksamkeitspendel gerade wieder in Richtung Heimatverbundenheit, oder das nur alle drei Jahre stattfindenden Spektakel der Wanderung der Schutzheiligen El Pasos - und ein bisschen auch der ganzen Westseite - lockt so viele Mischpoke nach La Palma. - Ganz böse Stimmen behaupten allerdings, noch mehr als diese, dann doch irgendwie hehren Gründe, könnten auch die neuen Brachialrabatte aus der erneuten politischen Sedierungskampagne für Inselgruppen und Exklaven in Spanien sein, denn seit diesem Frühling erhalten alle Bewohner der Balearen, Kanaren, Melilla und Ceuta 75% Rabatt auf Reisen zwischen den Inseln und inzwischen auch dem Festland, anstatt der bislang bereits gewährten 50% Abschlag. - Der Reisepreis hat sich also nochmal halbiert, so fliegt und fährt man inzwischen für rund 10 Euro von einer Insel auf die andere und sorgt so natürlich für einen deutlich angestiegenen Reiseverkehr quer über das Archipel. - Nur ganz hartgesottene und zwingend eindimensionale Berichterstatter und Endempolitiker wundern sich so noch über diese gewachsene Schar an Reisende und verfallen nur zu gerne wieder in die lustige Statistikdeutungen, von bis zu vierstelligen Hurrachiffren auf dreistelligen Skalen.

Macht nichts. - "Right or wrong, my Island", sagt sich hier der bilinguale Resident und es ist schon ein Erlebnis, vielleicht 85.000 Menschen auf einer Insel zu erleben, welche dem geduldigen Papier nach an die 85.000 Einwohner hat. - Jetzt ist er völlig durchgedreht, der Siebold, nicht mal mehr selten schreiben hilft da noch, mögen Sie jetzt meinen, aber die Sollstärke 85.000 Menschen, welche bei uns auf La Palma als Einwohner gemeldet sind, die erreichen wir eigentlich nie, oder eben nur diesen wunderbaren Sommer lang. - Aufmerksame Beobachter der Insel und ihrer Verpflogenheiten wissen ja, dass etwa nur 55.000 bis 65.000 Menschen dauerhaft auf La Palma leben, wie viele es genau sind weiß man nicht, das liegt immer am Zustand der Schätzungsdrüse des Betrachters. - Schüler, Studenten, Pendler, aber auch Ausländer, welche wieder gegangen sind, sich aber nicht abgemeldet haben, oder eben Leute, die aufs Festland gezogen sind, aber ihre Privilegien als Canario nicht ablegen wollen, alle diese Leute finden weiter ihre Bedeutung in den städtischen "Padrones", sind aber nicht physisch da. - Die Gemeinden, welchen die Aufgabe zufällt, diese Listen aktuell zu halten, die sind natürlich überhaupt nicht daran interessiert, Bürger zu verlieren, da jeder gemeldete Mensch bares Geld für den Gemeindesäckel bedeutet. - Allerdings konsumieren diese nicht vorhandenen Bürger auf der Insel selten, fügen also dem Bruttoeilandprodukt kaum was hinzu. - Auf der anderen Seite wären viele staatlichen oder regionalen Einrichtungen mit Sollfüllstand komplett überfordert, wie Gesundheitsdienst oder viele Ämter und auch der Nahverkehr. Ich will mir eigentlich gar nicht richtig vorstellen, wie es wäre, sollten wirklich 85.000 Menschen an diesen Diensten oder Leistungsträgern zerren, welche die Insel bereit hält.

Diesen Sommer allerdings scheinen sich alle ein Feierdichein gegeben zu haben. So viele "Biopalmeros" habe ich noch nie auf einen Haufen gesehen, also alle, welche die Gnade der Inselgeburt hatten, und damit auch unsere Brut, gesellen sich eben dieses Jahr hinzu. - Und stündlich bis andauernd wird berichtet, wen man denn nun wieder gesehen hätte, nach so vielen Jahren, wer denn nun dick, dünn, schludrig, schwul oder gar wohlhabend geworden sei, und von wem man plötzlich alles gegrüßt wird, und mal wieder oder auch wider grüßt. - Ich gebe es zu, die Gnade meiner lang zurückliegenden Geburt bewahrt mich davor, mich an alle und jeden zu erinnern, welche denn da mal durch mein Lebenslinienlabyrinth geschlendert sind, aber ich habe ja geduldig bis beharrliche Familiengewissen um mich herum, welche mir dann schon ganz genau sagen, wer denn nun wer ist, war, sein wird und warum man den oder die nicht grüßt, diejenige und denwelchen aber auf alle Fälle. - Manchmal ist es ein Tritt gegen den Knöchel, manchmal auch nur ein kleiner Anraunzer, wenn ich wohlmöglich wieder mal gegen die Grußformeln verstoßen habe, und in gewissen städtischen Hotspots der koffeinhaltigen wie klatschbasierten Versorgung grüße ich einfach inzwischen alles und jeden und wie es scheint, grüßen alle und jeder zurück. - Es scheint da ein gewisses globales Verständnis zu geben, auch dein Gegenüber hat zwar nicht die geringste Ahnung, wer du eigentlich bist, aber irgendwas sagt einem, man grüßt besser einmal zu viel, sonst ist der Knöchel am Abend blau.

Hier gibt es allerdings wirklich geschlechtsspezifische Unterschiede. Frauen sind stinkesauer, sollten sie nach 72 Jahren nicht wiedererkannt werden, obwohl Haarfarbe, Figur, Name, Gang, Haltung und manchmal sogar das gewählte Geschlecht nicht mehr mit dem übereinstimmen, wem man eben vor 72 Jahren mal den Vortritt beim Einstieg in den Schulbus gegeben hat. - Ich hingegen frage nach dem Knöcheltritt nur noch selten, woher ich denn den, oder die eigentlich kennen muss und manchmal bin ich richtig froh, wenn meine Anstandsfrauchen bemerken, guck mal, der hat uns gar nicht wieder erkannt und gar nicht gegrüßt, der Rüpel. - Was meine Frauen nicht bemerkt haben ist, dass der Rüpel und ich uns wohl gegrüßt haben, allerdings auf echte Männerart, nämlich so knapp und maskulin, dass überhaupt keine Zeit bleibt darüber nachzudenken, wer denn eigentlich das Gegenüber ist. - Andere nehmen das natürlich nicht wahr, wahrscheinlich kennt man sich auch überhaupt nicht, aber das spielt doch eigentlich auch gar keine Rolle. - Es gibt wirklich Leute hier, die grüße ich seit Jahrzehnten, weiß aber immer noch nicht, wer das eigentlich ist, ein wirklich schlauer Kopf hat mal zu mir gesagt, vielleicht grüßt du die ja genau deswegen immer noch.

Die Insel ist voll. - Voller Eigengewächse allerdings, und dem flüchtigen Betrachter von Außerhalb mag das gar nicht auffallen, denn eigentlich sind ja nur die da, die auch hier hin gehören. - Auf keinen Fall taugt das nun zu einer Migrationsdebatte, wer denn nun hier her gehört und ob es denn überhaupt welche gibt, die nicht hier her gehören, aber die jetzige Sommerbesetzung der Insel scheint wohl homogen zu sein. - Allerdings dünnt sich das bereits wieder aus, Schüler und Studenten haben noch eine Weile Gnadenfrist, aber Pendler und Urlauber warten bereits wieder an Flugsteigen und Hafenmolen, um auf die drübschere Seite des Archipels zu gelangen. Eben dahin, wo man zwar wohnt, arbeitet, Geld verdient, und auch viele andere Dinge macht, aber doch nicht wirklich zu Hause ist. - Man mag über so hohe Subventionen mit der Fliegerei kritisch nachdenken, oder auch, warum man zu Zehntausenden den fleischlosen Erzählungen von Jungfrauengestalten folgt, mir aber ist jede Ausrede recht, mein Zuhause mit allen denen zu füllen, welche eben auch hier Zuhause sind. - Und sollten Sie sich von mir übergangen fühlen, also ich hätte Sie nicht gegrüßt, das stimmt nicht, Sie waren nur nicht schnell genug, es zu bemerken, mein bläulich geprügelter Knöchel zumindest dient mir als ewiger Beweis.





Man kann es durchaus schlechter erwischen, mit dem zu Hause meine ich...





Dienstag 08.08.2018 19:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 29 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 28 % - Luftdruck 1017 hPa
Höchsttemperatur heute 30,8 Grad - niedrigste Temperatur 24,4 Grad

Sommerfrische - La Palma
Nicht mal heute ist es wärmer als in Mitteleuropa


Glauben Sie keinem der Ihnen erzählt, der Klimawandel kommt. - Das stimmt nicht, denn der Klimawandel ist immer da, schon immer und wird auch immer da sein. - Allerdings gibt es da dieses Problem mit der Geschwindigkeit des Wandels, und ob uns denn der Wandel mitnimmt. - Statistisch gesehen war immer schon alles da, und mir kommt in Spanien immer alles Deutsch vor, wenn man Wetterphänomene mit dem Klima verwechselt. - Aber wie gesagt, der Klimawandel ist da, die Frage eben kann nur lauten, wie schnell denn rasen wir in die Warmphase einer Eiszeit und hat alles um uns herum, und auch wir denn die Zeit, da mit zu wandeln. - Nicht mal heute, am heißesten Tag des Jahres auf der Insel ist es wärmer als in Mitteleuropa und ich muss zugeben, es ist auch das allererste Mal der Fall, dass die Weinlese in Deutschland vor der hier auf der Insel beginnt. - Meine Nachbarn Pedro und Antonio, welche es eigentlich jedes Jahr schaffen, ihren eigenen Weinvorrat komplett zu tilgen, konnten es mir gestern gar nicht glauben, dass man in Deutschland bereits in rheinischen Lagen die ersten Beeren zupft und Maische daraus presst. - Bei uns sind die Trauben noch ziemlich klein und freuen sich gerade heute vielleicht über das Wetter, welches sich auch mal heiß gibt. - Allerdings wird es in Mazo auf der Ostseite, fast auf Meereshöhe sicherlich auch bald mit der Weinernte losgehen.

Man könnte ja nun eine ganz gewagte These aufstellen welche lautet, es gibt nicht nur benachteiligte Gegenden auf der Welt durch den Klimawandel, sondern auch Ecken, welche zumindest kurzfristig sogar bevorteilt werden. - Bitte den Hinweis kurzfristig beachten, da niemand auch nur annähernd voraussagen kann, wie sich drastischer Klimawandel mittel- oder gar langfristig auswirkt. - Gehen wir mal davon aus, dass ein Absinken der Temperaturunterschiede zwischen den Polen und den wärmeren Regionen die Stabilität der bereits vorhandenen Wetterphänomene erhöht. - Das würde auch bedeuten, dass das Azorenhoch noch ortsfester würde und winterliche Tiefdruckgebiete, welche von Westen nach Osten über den Atlantik "fegen" dann nur noch "schlendern". - Für uns, die Kanaren, und auch das westlicher Nordafrika würde das kühlere Temperaturen im Sommer bedeuten und mehr Niederschläge im Winter. - Besser kann es gar nicht kommen, möchte man zunächst sagen, und in der Tat, die letzten Sommer waren eher kühl und dieses Jahr bislang, sogar das kälteste seit sehr vielen Jahren. - Aber das Wasser im Winter war noch nicht so reichlich wie gewollt, aber wenn man nun dieser These folgt, dann würde in Zukunft eben das Azorenhoch von März bis November stabil sein und dann in den Wintermonaten die Tiefs nicht nur anderthalb Tage auf raschem Durchzug kostbares Nass bei uns lassen, sondern vielleicht gleich mal zwei Wochen lang, und damit auch nach neuen spanischen Kunstausdrücken verlangen. (Tiempo Hamburgueso oder des Landmanns ständige Verzückung)

Nein, ich spinne nur rum, ich sehe mir halt täglich die Wettervorhersage für Mitteleuropa an und vergleiche dann die Temperaturen mit unseren und muss feststellen, dass es seit Ende März, dort wo die "Guiris" wohnen, höhere Tagesmaximalwerte herrschen, als bei uns. - Wir kennen ja den Spruch bereits, bei uns fängt der Sommer erst am 40. April an, aber inzwischen haben wir den einhundertsiebenunddreißigsten April und heute das erste Mal zwei Tage über 30 Grad hintereinander, wenn auch nur ganz knapp. - Darum Sommerfrische und morgen ist auch schon wieder der Einzug frischer Luft aus dem Nordatlantik angekündigt, denn von dort holt unser fleißiger Wetterbartel die Luft, meist sogar bis aus isländischen Regionen. - Das eben macht unser Frühjahr so ein bisschen frisch ums flatternde Beinkleid, aber eben auch den Sommer erträglich, denn wir dürfen nie vergessen, Bruder, oder von mir aus auch Schwester Sahara, oder Mischpoke Sahel, liegen auf gleicher Breite, nur ein paar hundert Kilometer östlich. - Schon viele Gäste waren ganz angetan von unserem Temperaturspektrum zwischen 18 Grad nachts und 24 Grad tagsüber, interessant eben nur die Richtung, in welche diese touristischen Zugvögel gereist sind. - Na ja, vielleicht sollte man langsam die Bananen durch Zuckerrüben ersetzen und ich könnte mir auch gut vorstellen, wie man lokale Fachleute von hier zur Beratung an den Niederrhein schickt, wie das denn geht, mit dem Bananenanbau. Ich spinne doch nur vor mich hin und her, seriös geht anders, aber mit Sicherheit können eben echte Spezialisten auch nicht sagen, ober wir denn nun schon kurz vor der Katastrophe stehen, oder kurzfristige Wetterkapriolen mit Klima verwechselt haben.

Ansonsten geht hier alles so seinen wenig aufregenden Gang, aber man merkt, dass die Krise nun endgültig überwunden scheint, zumindest lautet inzwischen die oberste kommunale wie regionale Faustregel: Es wird wieder geklotzt, kleckern war gestern und ist als schmuddelig anzusehen. - Bei uns in El Paso ist dieses Jahr ja wieder "echte Bajada", also das alle drei Jahre stattfindende Spektakel der Niederkunft unserer Schutzpatronin. - Nur alle drei Jahre wird diese ja auch physisch in den Ort getragen, (wobei ich nur ganz knapp gerade einer Gedankenreise um physisch, getragen und Jungfrau entkommen bin) auf jeden Fall ist unsere Stadt bis Anfang September im Ausnahmezustand und lässt sich das Geld kosten, welches wir wohl physisch gar nicht haben. - Macht nichts, zweieinhalb Monate Rahmenprogramm, wobei sich mir emphathielosen Hobbyasketen immer nicht so ganz wirklich erschließt, was Autotuning, Pferderennen, Dominoturniere "Curvy-Fashion" LGTB-Love-Happenings und viele Veranstaltungen mehr, von denen ich nicht mal weiß, wie man das richtig schreibt, mit der Niederkunft einer kreuzkatholischen Jungfrauenstatue zu tun haben. - Macht nichts, wir sind wieder wer, auch wenn wir eigentlich nicht mehr haben als vor ein paar Jahre, aber die Krise ist als vorbei anzusehen. - Unser Sparprogramm ist endgültig als gestrig anzusehen, das Schlagwort "Austerity" wieder zurück ins Fremdwörterlexikon gewandert und die Schäuble-Statue wieder gegen das Goldene Kalb ausgetauscht.

Plötzlich macht es wieder Spaß, Bürgermeister zu sein, wir haben nun für ein paar Wochen ein Stadion mitten im Ort, welches frotzelnd von dem lächerlichen Rest politischer Opposition als "Bernabeu" bezeichnet wird und feiern dort Konzerte und Galas, welche vor ein paar Jahren noch als Blasphemie gegenüber den Sparzwängen gegolten hätten. - Böse Zungen behaupten auch, unsere Loly, also die Sparbürgermeisterin, welche den Stadtsäckel trotz der Krisenjahre zur Roten Null gebracht hatte, sollte sich schon mal wieder bereit machen, in ein paar Jahren wäre es dann wieder so weit, dass man ihre Dienste erneut zu schätzen wüsste. - Aber lassen Sie sich von einem faltigen Enddreißiger in Dauerschleife nicht die Feierlaune nehmen, immerhin schwillt an den Tagen rund um die "Romería", also die wirkliche "Niederkunft" der Jungfrau die Einwohnerzahl unserer Stadt auf Sollniveau an, denn wirklich alles was irgendwie "Pasense" ist, läuft auf dieser Prozession mit. - Auch unsere Brut ist dann wieder bei uns, wobei wir dann nur Basislager in Sachen Unterkunft und Verpflegung darstellen, aber endlich wieder auch physischen Kontakt zu unserer Nachkommenschaft haben.

Aber es ist schon ein ganz tolles Fest und man muss ja nicht den ganzen Quatsch mit den zu vielen Rahmenveranstaltungen mitmachen, man pickt sich sein Programm raus und Pflicht ist natürlich die "Romería" selbst. - Und auch Plicht, so wie man das auch sonst wo beobachten kann, man trägt wieder Tracht. - Meine Töchter kamen sogar zur Anprobe extra vorbei, denn nicht jeder hat solch ein "Traje típico" in seinem Kasten hängen und so ist es durchaus üblich, dass man sich solche Kleidung für das Fest leiht. - Und wer nicht rechtzeitig kommt, der muss dann mit irgendwelchen billigen Plagiaten über die Runden kommen, aber meist ist das ja auch egal, denn nach ein paar Stunden "Romería" sind die meisten Pilger eh schon so verzückt und entrückt durch den sozialen wie religiösen Kleber ethylischer Natur, welcher jegliches unserer Feste in reichlicher Form begleitet. - Gegen Mittag geht es los, dort oben an der Wallfahrtskirche, welche die Jungfrauenstatue eben die Jahrhunderte über beheimatet hat. Und die fünf Kilometer, die schafft jeder, es ist immer bergab und wenn die ersten Karren, oft sind es wahre "Prunkwagen" im Ort ankommen, fahren die letzten erst los dort oben am Llano de las Cuevas, so groß ist die Publikumsschaar, welche sich an dem Tag trifft, um mindestens sich selbst, aber natürlich auch den Ort und die Jungfrau zu feiern.

Viva la Virgen und Viva El Paso heißt es dann immer wieder, aber der Umzug selbst ist bei weitem kein steifer, klerikaler Kasteiungsumzug, sondern verdammt fröhlich, fast schon teuflisch lustig und meist auch ein Heidenspaß. - Die Zeiten, als Gottesfurcht noch was mit Angst vor dem Pfarrer oder der Kirche zu tun hatte, sind auch hier längst vorbei, aber dennoch hat auch bei vielen jungen Leuten erstaunlich viel Glaube seine Bedeutung und oft auch Wirkung erhalten. - Dennoch sind die meisten nicht wegen des religiösen Hintergrundes da, auch wenn man das vielleicht gerne so verkaufen möchte. Es ist ein Volksfest und das gewaltig, laut, fast ein bisschen exzessiv und auch professionelle Zweifler dürfen sich dort blicken lassen und ich kann allen wirklich bestätigen, Weihwasser ätzt nicht! Und wenn der lustig gekleidete Typ mit dem rauchenden "Aschenbecher" schwenkt, Weihrauch ist nicht giftig, aber Gluten- und Laktosefrei und Sie müssen nicht in Deckung gehen. - Was noch die kommenden Tage so alles passiert, das können Sie HIER nachsehen und der große Tag, das ist Samstag der 18.8. - Ab Mittag gibt es jede Menge Busse, welche Sie aus dem Ortszentrum nach oben fahren, von wo aus Sie beschwingt dann mit den vielen tausend Pilgern wieder herabsteigen können in den Ort. - Lassen Sie ihr Auto stehen, man muss die Feste feiern bevor man fällt…






Donnerstag 19.07.2018 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 26 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 28 % - Luftdruck 1020 hPa
Höchsttemperatur heute 26,2 Grad - niedrigste Temperatur 18,8 Grad

Paul lebt noch
Ich übrigens auch


Nein, ich fange nicht wieder an, regelmäßig zu schreiben. Aber mir war gerade so und vielleicht war es auch der dezente Hinweis einiger Leser, die sich häufiger nach Pauls Gesundheit erkundigen, als nach meiner. - Sicher, den eleganten Gang und dieses strahlende Selbstbewusstsein, das bekomme ich einfach nicht hin und glauben Sie mir, ich habe sehr oft versucht katzengleich zu werden. - Jetzt weniger vom Äußerlichen her, das wird nichts, da zumindest darf ich ganz ehrlich sein, eher reizt mich der geschenkte Gleichmut dieser edlen Wesen. - Den Druck, immer alles wissen zu müssen und das Attribut "aktuell" auch zu erfüllen, das gebe ich mir nicht mehr. - Scheint gesund zu sein, zusammen mit Diät und der pharmazeutischen Industrie habe ich in anderthalb Jahren sieben Kilo zugenommen und wer mich kennt, der weiß, das ist für mich ein durchaus existenzieller Zugewinn. - Meine Frau schiebt jetzt ein bisschen Panik, wenn der so weiter macht, dann wird der noch achtzig und dann wird wieder nichts mit dem ruhigen Inselleben zwischen Blumen, Katzen und unwichtigen Dingen. - Gut, ich arbeite daran, oder dagegen, das kommt ganz auf die Perspektive an, aber es gibt nun wieder deutliche Anzeichen, ich könnte doch noch das Rentenalter erreichen und genau das hatte ich mir doch auch vorgenommen. - Bis dahin müssen wir aber noch weitermachen und damit sind wir bereits beim ersten Thema, welches die Insel gänzlich, aber wohl nicht ganzheitlich betrifft, den Tourismus.

Vor ein paar Jahren, etwa zu dem Zeitpunkt als ich aufhörte regelmäßig zu schreiben, da bot sich der Insel ja ein galoppierender touristischer Zug an, auf den man nur eben hätte aufspringen könne. - Geschuldet einer interessanten soziologischen Bewegung, die sich zu anderer politischer Jahreszeit "Arabischer Frühling" nannte, sowie eines interessanten Bemühens des zornigen Mann vom Bosporus, bloß sämtliche Besucher zu verprellen. - Neben dem Wunsch, so billig Urlaub machen zu können, dass man das gleich dreimal im Jahr geben kann, erwuchs eben auch die Sehnsucht, oder sagen wir frecher der Hype, nach sicheren Destinationen, was immer sich auch hinter dem Wort "sicher" zu verbergen mag. - Hier haben unsere Inselchen und auch ganz Spanien sicherlich große Vorteile gegenüber anderen Regionen rund um unsere langen Breiten- wie auch breite Längengrade, und als die aufgeschreckten Reiseveranstalter feststellten, dass die anderen Kanareninseln bereits "full" waren, entsann man sich auch der Existenz unseres Eilands. - Plötzlich kamen Leute aus Ländern zu uns, die wir bislang nur vom Hörensagen kannten und fleißige Politiker, aber auch börsengeschulte Kader der Goldenen-Kalb-Fraktion bauten aus diesem gepumpten Aufschwung gleich wieder eine lockende Zukunft. - Ein kanarisches Bodengesetz und ein Gesetz für die "Islas Verdes", also die "Grünen Inseln" hat man aufgelegt und dort versucht, den durchaus vorhandenen Interessenten der touristischen Investoren endlich Rechtssicherheit zu geben. - So ganz klappt das nicht, denn gegen beide Gesetze wiederum sind Klagen anhängig und die Golfplätze rücken erneut in weitere Ferne, nachdem die Justiz einer Erhöhung der geforderten Bettenanzahl in den begleitenden Hotels der Golfplätze eine Absage bereitet hat. - Immerhin hat sich ein Investor das große Hotel in Puerto Naos unter das Konto gerissen, allerdings nicht als Betreiber, das macht weiterhin die Gruppe Sol Melía, aber man erhofft sich wohl Gewinne aus dem touristischen Hotelgeschäft auf der Insel. - Man darf daraus ruhig positive Stimmung basteln, auf der anderen Seite muss es die Planungsschmiede doch eigentlich auch wieder stören, wenn Investoren lieber in bereits vorhandene Infrastrukturen Geld stecken, anstatt neue Burgen zu bauen. - Der ganz- oder teilheitliche Beobachter könnte hier nun sogar applaudieren, Erhaltung des vorhandenen Anlagen geht vor Neu aus dem Boden prügeln, das hört sich doch nach der so oft besungenen "Blue-Economy" an. - Wie man das wirklich bewerten muss, ich bin da vorsichtig geworden, zu viele Züge sind bereits an uns vorbei gerauscht und oft war es gut, dass diese weitergezogen sind, mag unsere Weisheit auch nur ein Akt der gnädigen Unterlassung gewesen sein. Zum Sprung auf den fahrenden Zug des Fortschritts wäre man ja schon kognitiv bereit gewesen, ist es immer noch. - Aber wir sind halt ein bisschen schwer im Willensapparat, wieder einmal waren die Koffer nicht gepackt, wir haben die Papiere verlegt und haben sowieso den richtigen Zeitpunkt in der REM-Phase zugebracht, noch ohne gänzliche Handlungsfähigkeit erreicht zu haben.

Der "Arabische Frühling" ist zur ganzjährigen Verarschung verkommen, der zornige Mann vom Bosporus hat sein Ziel erreich und gibt sich wieder handsam, also kann man auch die touristischen Ströme wieder dorthin leiten, wo zwischen Herkunftsland und Destination noch mehr Spanne steckt, als hier bei uns auf den Inselchen. - Verdiente Wohlsprecher versuchen weiterhin die Zahlen gut zu reden, fangen wieder mit den lustigen Wortspielen um Passagiere, Besucher, Gäste und Touristen an, wobei hier kurz nur anzumerken sein, dass man jetzt als Bürger der Kanaren für Reisen zwischen den Inseln, und ganz frisch auch auf das Festland, nun zu 75% sein Flug- oder Fährticket subventioniert bekommt. - Hier erklären sich natürlich die ganzen Zuwächse im Reisesektor ganz einfach. - Mehr Urlaubsgäste allerdings haben wir aber nicht mehr auf der Insel, was dem geübten touristischen Auge sicherlich auffallen wird. Im Gegenteil, gerade unser Stammpublikum, also die deutschen Starkwadler (Natur- und Wanderreisende) aber auch Brezeldiebe (Überwinterer) haben sich zum Teil wieder von uns abgewandt, wobei ich kein Analyseergebnis melden kann, woran das nun eindeutig gelegen haben mag. - Da ist ganz bestimmt auch die Geschichte um Air-Berlin und Niki zu nennen, welche unsere Insel heftig getroffen hat, aber sicherlich ebenso eine gewisse Überhitzung. - Individualtourismus mag vor allem eines nicht, nämlich Scharen an Individuen, und ganz schnell reagiert unser Stammpublikum auf bereits kleinste Hinweise einer drohenden "Teneriffasierung". - Mögen die Bewohner der Mutter aller Inseln mir verzeihen, aber es ist halt immer in die Hose gegangen, wenn unser kleines Inselchen versucht hat, die große Schwester dort am Horizont zu kopieren. - Sofort reagieren auch wieder die Fluggesellschaften, es gibt wieder deutlich weniger Flieger aus Mitteleuropa nach La Palma und wie oft nun dieses Pendel zwischen Angebot, Nachfrage, Können und Wollen noch hin und her springt, das weiß wohl der Passat ganz alleine.

Am Vulkan kann es weniger liegen, dass uns wieder weniger Menschen aufsuchen, auch wenn die britische Presse, aber auch manch lokale Schreckschreiber hinter jedem kleinen Beben gleich eine Katastrophe wittern. - Mehrere Reihen an Schwarmbeben hatten uns letztes Jahr aus unserer vulkanischen Ruhe geworfen, obwohl uns doch eigentlich allen klar ist, dass die Baumeister "Hotspot" unter unseren Inseln noch nicht mit seinem Werk durch ist. - Allerdings war es eben bei uns unter der Insel seit der Eruption im Jahr 1971 derart ruhig, dass nun vulkanische Normalität Unruhe bei den Betrachtern der Szene ausgelöst hat. - Allerdings muss man diese Tätigkeit wohl in einem seit vielen Jahren stattfindenden Reaktivierungsprozess sehen, welcher die ganzen westlichen Kanaren betrifft und unser Inselchen nun endlich auch auf diese Vorkommnisse antwortet. - Wobei das Magma unter La Palma der am wenigsten aktive Teil der Episode zu sein scheint, unter Tenerife, auch Richtung Gran Canaria und natürlich ebenso unter El Hierro randaliert unser Schöpfer deutlich heftiger. - Aber wir sind wieder mit im Geschäft, sicherlich nicht der Mittelpunkt, aber komplett sollten wir das Thema noch nicht ausblenden. - Und man sieht ja aus dem, was auf Hawaii momentan Alltag ist, solch eine Eruption kann auch gut fürs Geschäft sein.

Lassen wir die Nebensächlichkeiten wie wirtschaftliche Dinge, Vulkanausbrüche und zukünftige Entwicklungen, und kommen zu den wirklich entscheidenden Dingen. - Wir haben es weiterhin nicht geschafft, die Zahl der "Internen Katzen" zu verringern. - Im Gegenteil, es sind nun deren acht, wobei ich den letzten Zugewinn der Gemeinschaft noch gar nicht vorgestellt habe. - Fredi haben wir den jungen Mann genannt, welcher als "Ersatz" für den verschollenen Leo gedacht war, es sich aber nur um eine Verwechslung handelte. - Zwar sieht Fredi dem Leo wohl ähnlich, aber er war es nicht, als man uns zum Tierarzt in Los Llanos lockte mit der Aussage, unser verschwundener Leo sei gefunden worden, und wir könnten ihn abholen. - Aber wir konnten natürlich Fredi dort nicht einfach zurücklassen, auch wenn es eben eine Verwechslung war, und seit dem ist der junge Kater eben bei uns und hat sich vorzüglich in die Gemeinschaft eingefügt. - Der eigentlich Knaller aber ist, Leo ist nach siebeneinhalb Monaten wieder aufgetaucht und damit sind wir erneut reichlich komplett an Krallen und Schnurren. - Schnodderige Zungen behaupten von uns, wir seien die "Guiris Locos" mit den vielen Katzen, aber Hand auf die Kralle, selten in meinem Leben wurde ich betörender angemacht. - Wo Leo war, warum der für den lächerlichen Kilometer vom Fußballstadion zu uns siebeneinhalb Monate brauchte, und was der alles in der Zeit erlebt hat, das wäre eine andere, Bücher füllende Geschichte. - Zudem haben wir momentan auch noch eine Logierkatze, denn auch unsere Brut fiel nicht weit vom Genstamm und weil unsere angehende Veterinärin natürlich keine normalen Katzen hält, sondern nur krumm und schief gewachsene, humpelt nun noch kleines Wesen mit seltsam geformten Hinterpfoten bei uns herum und bekommt es, wem auch immer sei Dank, gar nicht wirklich mit, warum die anderen Katzen auf Tische und Stühle springen können, sie aber nicht. - Paul sieht dem ganzen Treiben seit Anno-Katzenmal mit stoischer Geduld zu und war natürlich der allererste, welcher sich geduldig von dem, erst ein paar Monate alten Beinkrüppelchen bespielen ließ. - Alle Achtung alter Mann, ein Auge tränt schon ein bisschen, das Fell spiegelt auch schon eher geriatrischen Glanz wider und gerne lässt er sich auf den Schoß heben, anstatt zu springen, weil die Gelenke halt wegen der zu gerne genossenen industriellen parfümierten Tierkadavern schon ein bisschen "..ose oder …itis" aufweisen. - Aber Paul, als Integrationsgarant, weiterhin die Katze 0 - 0 - 0 auf meinem felinen Koordinatensystem und oft stelle ich sogar eine vierte Null noch dahinter und wer nun fragt, wie das gehen kann, mit vier Nullen, der hat noch nie Katzen und Kinder gehabt.

Da sind wir beim nächsten Thema, die selbstgemachte Brut. Hier überlasse ich den Grad des subjektiv bedingten Glorienabzugs meiner Schilderungen natürlich ganz ihren Fähigkeiten. Sie können mich ja nach 14 + 2 Jahren Schriftverkehrs, wenn auch meist einseitig, richtig einzuschätzen. - Die große Tochter, welche ja eigentlich die Kleinere ist, die zerstört sämtliche Arbeitsmarktstatistiken, in dem sie als unter Fünfundzwanzigjährige, in ihrem studierten Beruf bereits einen unbefristeten Arbeitsvertrag hat. - In Spanien wohl bemerkt, auf Gran Canaria, so viel darf ich noch berichten, und es ist wirklich selten dieser Umstand, wir haben oft genug darüber berichtet, wie wackelig und zerbrechlich, besonders für Jugendliche, der Arbeitsmarkt in unserem iberischen Land aufgestellt ist. - Auch genießt sie, eben gespiegelt vom elterlichen Wirken, die angenehmen Seiten des Arbeitnehmerlebens, besucht uns immer wieder im Urlaub und bringt auch hartnäckig jedes Mal den gleichen Partner mit zu uns, so dass wir uns dann doch entschlossen haben, uns den Namen des knackigen iberischen Hünen dann doch mal zu merken… Die kleine Tochter, vom Wuchs her allerdings die Größere, die braucht noch ein Jahr, ihr Studium abzuschließen, auch auf Gran Canaria, ist aber derzeit in der Schweiz auf Praktikum und hat es dort wohl vortrefflich erwischt und kommt in einer großen Tierklinik an ganz viele Aufgaben heran, welche halt in der universitären Theorie nur im trockenen Teich geübt werden können. - Allerdings droht diese wissbegierige Brut mit weiteren akademischen Höhen und rüttelt damit an meinen ganz privaten frührentlichen Plänen, welche eh nicht mit den Obrigkeiten (in dem Fall meine Frau und der Rentenversorger) abgestimmt sind. - Das war immer schon mein Problem, ich bin einfach nicht so alt, wie ich aussehe. - Das hat mir in meiner Jugend manchmal geholfen, in Erreichbarkeit von Kinovorstellungen, Schülerbällen, den Erwerb von ethylischen Getränken sowie anderen Götzendiensten, aber seit einigen Jahrzehnten ist es eher hinderlich, dass ich so alt aussehe, wie andere schon sind. - Aber wir haben einen wunderbaren Sommer vor uns und sind auch schon mitten drin. - Fast immer ist mindestens eines unserer Kinder zu Besuch, auch weil eben das große Stadtfest, die Bajada de la Virgen del Pino diesen August wieder alle "Pasenes" in die Heimat ruft, und es ist eben gerade für mich "Heimatvertriebenen" (Sohn eines Sozialisten aus dem Bayrischen Wald) dann doch ein wunderbares Bild, dass zumindest meine Brut eine Heimat gefunden hat und so etwas wie Traditionen sogar anerkennt und lebt.

Wobei ja Traditionen auch ab und zu schrecklich hinderlich sein können und wir in unserer kleinen, so auch manchmal garstig abgeschotteten Welt oft trotzköpfig alles zu Traditionen verklären, was irgendwie nach Endemie riecht. - Da liegen viele zynischen Fallen für strittig objektive Betrachter und meist hat ja nicht mal konstruktive Kritik was mit reiner Vernunft zu tun. - Das konnte ich jetzt endlich mal anbringen, da meine Frau sich ja gänzlich weigert, meine Feigheit gegenüber unserem hinterwäldlerischen Gehabe noch was zu unternehmen, doch endlich als historische Altersmilde anzuerkennen. - Integriert, assimiliert, aufgesogen und als "Guiri del turno" also Quotenausländer wieder rausgelassen. - Warum auch nicht, permanent aufrechter Gang verursacht in unserer Generation meist "Rücken" und ich kann es mir alleine zeitlich schon gar nicht mehr leisten, noch mehr medizinische Kunstrichtungen bemühen zu müssen. - Ich frage mich halt nach so vielen Jahrzehnten, wollen wir nicht, wollen wir nicht können, oder wissen wir, dass wir nicht können sollten und die ganze Weigerungshalten gegenüber Fortschritt unterliegt einem höheren Plan. - Reizvoll eigentlich daran zu glauben, wenn schon sonst nichts Höheres mein limbisches System überwinden kann und wohl schließt sich hier der Kreis hin zu Voltaire oder Leibnitz, es ist sicher die beste aller Welten. - Ganz sicher und wer daran zweifelt, der baue sich seine wohltemperierte Welt doch bitte selbst.

Sicher nicht, weil sie Candide gelesen haben, sondern eher frühabendliche Auswanderungsunterhaltung in den Prekariatsendern der privaten Szene genossen, kommen auch weiter viele Mitteleuropäer zu uns. Ich meine jetzt nicht diejenigen, welche eine wunderbare Zeit auf einer wundersamen Insel im touristischen Sinn verbringen wollen, sondern die Flüchtlinge, meist mitteleuropäischen Ursprungs, welche kommen, um hier zu leben. - Also die das tun, was wir auch getan haben und daran ist ganz sicher nichts auszusetzen, eher im Gegenteil, unterstützt das doch grundsätzlich die eigene These vom hiesigen da sein. - Also nicht das Dasein im Sinn von Sein oder nicht, sondern hier und heut und ganz lokal. - Und auch hier spiegelt die Zeit die Kommenden, aber auch Gehenden wider, und wie gelingt mir nun der Schritt, meine Eindrücke ohne den Makel der Mehrdeutigkeit zu zeigen. - La Palma hat immer schon Wandervögel angelockt, manchmal komische, manchmal lustige Vögel und sicherlich ziehen andere Leute eher ins Zillertal, als auf eine kleine Insel im Atlantik, deren Aufgabe eigentlich nur daraus zu bestehen scheint, den Passat auf seinem Weg in den Westen ordentlich zu ärgern. - Alles ist schneller geworden, auch scheint das auf die Rotationsgeschwindigkeit hinzudeuten, in welcher sich die parallele Welt derer mit Migrationshintergrund erneuert. - Und wenn wir davon ausgehen, das fast alle immer durch ihr Können und Wirken das Heil und umfassendes Wissen mit auf die Insel bringen, zumindest lauten die Vorhaben meist so, dann ist der Zugewinn für unsere Inselvolkswirtschaft sicherlich als enorm einzuschätzen.

Manchmal allerdings begreife ich nicht wirklich diese schnellere Welt, obwohl es natürlich schon reizvoll sein kann, dass es inzwischen auch digitale Esoterik gibt, man also Heiler und Gurus nicht mal mehr bis in den Norden der Insel verfolgen muss, sondern sich per Mausklick die Chakren glattbügeln lassen kann. - Oft pfiffig verknüpft mit dem allgemein wie speziell durchaus anerkannten akademischen Grad vom Coaching, was immer das auch sein mag. - Vielleicht wollen wir das auch so einfach haben, maximal drei Sätze, oder drei Sinnformeln, natürlich geteilt, bloß nichts Eigenes, dann kurz per Mausklick noch über Verfassungen abgestimmt oder Empörung ausgedrückt und schon hat man sein tägliches Weltwerk an Gutem vollbracht. - Warum das auch hier stattfinden muss, auf dem Inselchen, also La Palma als 3D-Browser mit Vibrationsalarm und in Eigenschämoptik, ich weiß es nicht. - Aber man braucht halt Bauern, als Bauernfänger, und das scheint sich über die Jahrtausende nicht geändert zu haben, in jeder Gesellschaft und überall ist die Zahl der Plätze, an denen ein Depp über die Straße geht, genau so hoch, wie die Zahl der Ecken, an denen die Schlepper auf den Deppen lauern. - Früher war eben nicht alles besser, sondern nur alles anders, und ein kleiner Tipp, unter uns, müssen Sie auch nicht unbedingt weitererzählen. Sollten Sie mal krank werden, dann gehen Sie bitte zum Arzt, nicht zum Coach, auch nicht auf die Couch, und schon gar nicht zu Dr. Google. - Und sollten Sie sich sonst nicht wohlfühlen, oft reicht ein Spaziergang im Wald, ein Vega Norte, und wenn das auch noch nicht hilft, schmeißen Sie den Alten Sack einfach raus. Aber das wissen Sie doch alles schon lange selber und wer für gute Ratschläge gutes Geld bezahlt, der ist ein guter gefangener Bauer. - Überhaupt, machen Sie Ihren eigenen Mist und hören nicht so sehr auf andere, und schon gar nicht auf mich! - In diesem Sinne, bis mir mal irgendwann wieder so ist.




Die seismischen Ereignisse der letzten 90 Tage laut Instituto Geográfico Nacional lassen doch deutlich erkennen, wo die magmatische Musik spielt.




Einfach nur so





Montag 16.10.2017 17:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 25 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 40 % - Luftdruck 1022 hPa
Höchsttemperatur heute 27,2 Grad - niedrigste Temperatur 22,5 Grad

Keine Veränderungen, keine Nachrichten
Keine Beben seit nunmehr 60 Stunden


Bis nun die Veröffentlichungen der chemischen Proben kommen, welche am Wochenende so zahlreich gewonnen wurden oder neue Schwarmbeben das anzeigen, setze ich die Berichterstattung über die Vorkommnisse hier wieder aus. - Um sich die Zeit bis zu den nächsten Rumms zu vertreiben, wenn dieser denn überhaupt kommt, können Sie ja das Tagebuch des San Juan nachlesen. - Carlo beschreibt als Zeitzeuge die Tage aus seiner Jugend im Juli 1949 und lässt uns dabei auch spüren, wie solch ein Ausbruch denn hier von sich gehen kann.






Sonntag 15.10.2017 17:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 33 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 5 % - Luftdruck 1022 hPa
Höchsttemperatur heute 33,0 Grad - niedrigste Temperatur 24,8 Grad

An die Heilige Barbara erinnern wir uns erst, wenn es donnert
Keine Beben seit nunmehr 36 Stunden


Die zweite Runde Schwarmbeben ist gestern (14.10.) gegen 04:17 zu Ende gegangen und erneut waren die Magnituden so niedrig, dass wir keines der rund 40 Beben bemerkt haben. - Ob, wann und wie die dritte Runde losgeht, das weiß niemand, aber alle sind äußerst gespannt, und wie bereits mehrfach beschrieben, wir haben inzwischen so viel technisches Material hier auf der Insel und Wissenschaftler frei rumlaufen, dass es geradezu schade wäre, sollte das schon alles gewesen sein. - Man kann nach diesen beiden Episoden auch unmöglich bereits Schlüsse ziehen, also abwarten, Seismographen gucken und nicht der Sensationspresse auf den Leim gehen, sondern sich informierten.

Hier kommt nun auch die Barbara ins Spiel, diese Dame aus der Heiligen Clique dient einer ganzen Reihe an Bevölkerungsgruppen als Patronin und Schutzbedienstete, unter anderen den Feuerwehren, Bergleuten und damit irgendwie auch den Geologen. - Der Spruch mit dem Donner und der Erinnerung, den kenne ich nur aus Spanien, Fulanito hätte gesagt: "Nadie se acuerda de Santa Bárbara hasta que no truena". - In der Überschrift steht die Bedeutung des Spruches dem Sinn nach und es gibt halt immer im Leben die Momente, in denen man sich vorbetet, Mensch, hätte ich nur damals aufgepasst, als man mir das zeigen wollte. - Somit ist die Barbara eigentlich ein omnipräsente Dame, denn selbst wenn man Geschichte eigentlich nachlesen kann, gibt es in Europa, und jetzt auch wieder in Österreich fatale Tendenzen, welche man eigentlich besser wissen müsste, hätte man nur die angebotene Information besser genutzt.

Der Kreis zu den momentanen Vorgängen unter der Insel und der Barbara schließt sich jetzt bei ein bisschen verärgerten Geologen, denn nun werden die von allen Seiten angegangen, was sollen wir denn tun, wenn tatsächlich das Unaussprechliche ausgesprochen und gebrochen wird. - Unaussprechliche, das sind eigentlich Männerunterhosen, lang, grau, gerippt, mit schnodderigem Eingriff, aber in der Tat, bei vielen hier auf den Kanaren gibt es ein Denkverbot in Sachen Vulkan, obwohl man auf einem solchen lebt, gebiert, gebaut und geliebt hat. - Und es hoffentlich immer noch tut. - Die meisten winken ab, aber keiner weiß, was er denn eigentlich tun sollte und seit Jahren schon, sogar seit Jahrzehnten, ich bin sogar Zeuge dessen, versuchen Wissenschaftler rund um die Kunst mit dem Hämmerchen zu schwingen dem Publikum beizubringen, was man denn tun sollte, falls der Vulkan genau das tut, wozu er da ist, nämlich neues Land und Leben schaffen. - Die "Involcan" bietet dazu seit Jahren Vortragsreihen an, tingelt über die Inseln und hält unter dem Namen "Canarias: Una ventana volcánica en el Atlántico" - Kanarische Inseln, ein vulkanisches Fenster im Atlantik eben durchaus interessante Beiträge. - Dabei geht es auch um den Schutz ziviler Einrichtungen, aber nur eine Handvoll Leute kommt immer zu diesen Vorträgen, meist lokale Politiker, welche noch ein passendes Pressefoto brauchen, ansonsten ist das Interesse äußerst schmal.

Dabei wäre das gar nicht verkehrt, sich überhaupt Gedanken dazu zu machen, wobei sich ja die Ausbrüche hier auf der Insel in den letzten Jahrzehnten und Hunderten eher zu einem lokalen Volksfest gewandelt haben, nachdem der erste Schock verflogen war. - Damals hatten die es ja auch besser, kein Twitter, keine britischen Zeitungen, keine Spontanspezialisten bei Facebook, welche bereits Szenarien durchs Netz jagen, die nun wirklich keine Grundlage haben, aber dennoch gekalbt werden. - Wir wissen auch viel zu viel, registrieren Beben Dank der Geräte, welche unser Hintern, aber auch unsere Katzen gar nicht spüren und wer weiß denn, ob das nicht alles einfach wieder in Alltag übergeht und wir nur was davon mitbekommen haben, weil die Wissenschaft und die Netzwelt derart präsent sind. - Kommt halt drauf an, wie die Barbara drauf ist, und man sollte den wissenschaftlichen Gruppen, aber auch den politischen Garden dankbar sein, dass man einen ausgereiften Plan bereithält, welcher uns allen bei Vulkandonner dienen soll. - Das ist der so genannte "Pevolca" (Plan Especial de Protección Civil por Riesgo Volcánico de la Comunidad Autónoma de Canarias) und das ist wirklich ein mächtiges Machwerk, als schnelle Lektüre oder Handbuch allerdings ein bisschen zu gewaltig. - Hoffentlich haben das wenigstens die vom Zivilschutz gelesen, die wären nämlich die wichtigen Leute, allerdings fürchte ich mal, da überfordert mit 342 Seiten A4 der gute Wille mal wieder die guten Leute. - Aber Sinn macht das dennoch, alle Seiten ausdrucken, heften, dann über den Kopf halten, da hat kein Vulkan eine Chance…




Seit 04:27 am 14.10.2017 ist wieder mal Sendepause
Grafik vom IGN




Aus der Familie Olzem nun eine Fleißarbeit, die Beben seit 8.10.2017 unter der Insel in 3D.
Vielen Dank!





Samstag 14.10.2017 17:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 30 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 5 % - Luftdruck 1021 hPa
Höchsttemperatur heute 30,6 Grad - niedrigste Temperatur 24,0 Grad

Weitere Schwarmbeben rücken uns erneut in den Focus der Aufmerksamkeit
Gleiche Stelle, etwas schwächer, etwas höher


Schreibrente wieder abgesagt für mich, eine neue Episode an Beben unter der Cumbre Vieja lässt uns wieder aufhorchen. - Die Epizentren liegt fast exakt dort, wo auch der erste Schwarm sein Rumpeln hinterlassen hat, Raum westliche Cumbre Vieja, südlich Jedey, nördlich Los Canarios. - Die Beben waren insgesamt etwas schwächer, der einzige Rumms über 2,0 kommt gerade mal auf 2,1 aber die Beben liegen im Schnitt etwa 5 Kilometer höher als die Beben am 8. und 9. Oktober dieses Jahres. - Jetzt sind es rund 20 Kilometer Tiefe, nicht mehr deren 25 Kilometer. - Seit 04:17 herrscht erneut Ruhe unter der Insel und erneut hat man auf der Insel keines der Beben wahrnehmen können.

Auf jeden Fall wissen wir jetzt, mit einem Durchgang ist die Sache noch nicht erledigt und nun erwarten wir natürlich weitere Entladungen in den kommenden Tagen und Wochen. - Ob man nun aus den höher liegenden Hypozentren aber gleich aufsteigende Magma konstruieren will, das ist sehr umstritten, auch könnte man meinen, dass man nun durch die Verdopplung an seismischen Stationen viel genauer die Herkunft der Beben ermitteln kann. - Von den Gasanalysen, welche gerade genommen werden haben wir nichts weiter gehört, allerdings geistern Tabellen durchs geologische "Greynet", welche Bodendeformationen aus dem Süden der Inseln aufweisen sollen und zwar 3 bis 5 Zentimeter in einer Messstation im Süden, und das bereits kurz vor dem ersten Schwarmbeben. - Das Instituto Geográfico Nacional allerdings dementiert diese Aussagen und will keine Bodendeformationen entdeckt haben, wird jedoch kommende Woche eine weitere GPS-Station und zwei Neigungsmesser installieren.

Das Geografische Institut dient inzwischen mit weiteren Informationsseiten dem steigenden täglichen Bedarf an Information über die Vorkommnisse unter La Palma und bringt jetzt auch die ersten Grafiken außerhalb der ständigen Reihe. - So zeigt man mit den Balkendiagrammen auch sehr gut auf, dass der Schwarm an Beben gestern und heute Nacht deutlich geringer in der Anzahl war als die Startversion letztes Wochenende. - Auch bringt man ein Hörspiel (viele unter den Lesern werden gar nicht mehr wissen, was das ist) des Bebens um 20:54 Uhr und wir verfolgen dieses Beben auch weiter auf den Grafiken des IGN, weil es eines der wenigen ist, welche selbst wir interessierte Amateure erkennen können. - Weiter gilt, keine Aufregung, so lange die Beben so zart, so tief und so unregelmäßig kommen, muss niemand seine Tasche packen. - Nachfolgend die professionelle Sicht der Dinge wieder aus der Feder von Rainer Olzem und Timm Reisinger, Zukünftige Entwicklung La Palmas und der Kanaren.




Zum Hörspiel, 20:54 findet man den Urheber des Magma-Rap




Wir sprachen doch mal von Frequenzen... Das gleiche Ereignis aus anderer Sicht




Die vier neuen seismischen Stationen, das Hörspiel stammt von PLPI





Die Häufung der Beben seit letzter Woche



Zukünftige Entwicklung La Palmas und der Kanaren
Von Rainer Olzem und Timm Reisinger


Während der letzten fünf Jahrhunderte gab es auf La Palma sieben Vulkanausbrüche. Dabei lagen die zeitlichen Intervalle zwischen den einzelnen Ereignissen bei 22 bis 237 Jahren. Nur 22 Jahre vergingen zwischen den beiden jüngsten Eruptionen, der San Juan-Eruption von 1949 und dem Ausbruch des Teneguía im Jahre 1971, während das längste Intervall zwischen dem Ausbruch des El Charco 1712 und der 1949er San Juan-Eruption 237 Jahre betrug. In etwa der gleichen Zeitspanne von rund 500 Jahren ereigneten sich auf den Nachbarinseln Tenerife sechs und auf Lanzarote zwei Eruptionen.




Historisches Foto der Teneguía-Eruption von 1971 (von der Website: Museos de Tenerife - Centro de Documentation de Canarias y America - www.museosdetenerife.org)




Der allerjüngste Vulkanausbruch auf den Kanaren fand sogar erst vor wenigen Jahren statt, nämlich die Eruption eines submarinen Vulkans südlich von El Hierro. Im Juli 2011 begann auf El Hierro eine Serie von Erdbeben, wobei der Bebenherd zunächst unter dem Vulkankegel des Tanganasoga südwestlich von La Frontera im El Golfo-Tal lag. In den folgenden drei Monaten bebte die Erde mehr als 8.500-mal, einige Beben erreichten eine Magnitude größer 3 auf der Richter-Skale. Ende September 2011 verlagerte sich dann die seismische Aktivität an die Südspitze der Insel, wo am 10. Oktober vulkanischer Tremor einsetzte und sich später ein Förderschlot am Meeresboden 5 bis 6 km vor der Küste in 1.000 m Tiefe öffnete. Am 12. Oktober öffneten sich zwei weitere Schlote in einer Entfernung von 3,7 km und 2,7 km vor der Küste in Wassertiefen von 750 m und 500 m. Diese Ereignisse führten schließlich zu einem neuen Seamount südlich El Hierro.




Teneguía 2015: Auch heute noch treten heiße Gase aus dem Rand des Hauptkraters aus




Da stellt sich die Frage, wann und wo die nächste Eruption auf La Palma und auf den Kanaren stattfinden wird. Wird ein alter oder ein neuer Vulkan auf einer der Inseln ausbrechen oder ein neuer Vulkan auf dem Meeresgrund entstehen, der in nächster Zeit die Fläche einer der Insel vergrößert oder in ferner Zukunft gar eine neue Insel erschafft? Vielleicht wird sich in nächster Zeit El Hierro an seiner Südspitze flächenmäßig vergrößern, möglicherweise bildet der Seamount in ferner Zukunft aber auch das Fundament einer weiteren Insel des kanarischen Archipels.

Jede Insel mit prähistorischen oder historischen Eruptionen ist ein potenzieller Kandidat für zukünftige Ausbrüche, eine Eruption wird in einem absehbaren Zeitraum von Jahren bis Jahrhunderten auf einer der Inseln stattfinden. Für La Gomera ist die Wahrscheinlichkeit allerdings eher gering, da sich die jüngsten Eruptionen bereits vor etwa 2,8 Millionen Jahren ereigneten. Die größte Wahrscheinlichkeit eines neuen Vulkanausbruchs gibt es jedoch im Westen und Südwesten des Kanarischen Archipels bei La Palma und El Hierro, denn dort liegt vermutlich der mehr oder weniger ortsfeste Hotspot, über den der Ozeanboden - die ozeanische Afrikanische Platte - nach Osten driftet.




Heftige Ausgasung des Unterwasser-Vulkans vor El Hierro (vistaalmar.es)




"Eruptionen können auf den Kanarischen Inseln nicht vorhergesagt werden", so die klare Antwort von Professor Juan Carlos Carracedo von der Universidad de Las Palmas de Gran Canaria: "Am nützlichsten ist hier die Untersuchung der seismischen Aktivität, die einem Ausbruch vorangeht."

Die Untersuchung der seismischen Aktivität

Für die Vorhersage von Vulkanausbrüchen stehen generell fünf Überwachungsmethoden zur Verfügung, die je nach Vulkan-Charakteristik in unterschiedlicher Kombination eingesetzt werden: die Aufzeichnung seismischer Aktivität, die geodätische Überwachung der Topographie, die Messung gravimetrischer und magnetometrischer Veränderungen, die Erfassung von oberflächennahen Temperaturerhöhungen und die chemische Analyse aufsteigender vulkanischer Gase. Bis auf die Aufzeichnung der seismischen Aktivität sind die meisten dieser Techniken auf ozeanischen Vulkaninseln nur sehr begrenzt anwendbar.

Für die Überwachung der Seismischen Aktivität wird, um Tiefe und Herd vulkanischer Beben zu ermitteln, in der Regel ein Netz von äußerst empfindlichen Seismometern rund um den Vulkan eingerichtet. Ein Eruptionsprozess wird zunächst vom Aufstieg des Magmas eingeleitet. Wenn das Magma auf vorgezeichneten oder neuen Bruchlinien, Spalten oder Rissen zur Erdoberfläche emporsteigt, entstehen durch Spannungen im Umgebungsgestein und durch Entgasungsprozesse des Magmas charakteristische seismische Signale. Gestein zerbricht dabei und Risse beginnen zu vibrieren. Die Zerstörung von Gestein löst Erdbeben mit hoher Frequenz aus, die Bewegung der Risse dagegen führt zu niedrigfrequenten Beben, dem so genannten Tremor.




Ein moderner Seismograph (physicalthescience.blogspot.com)




Gerade die schwachen Erdbeben, die eine Stärke von weniger als 1 auf der Richter-Skala haben, sind häufig Anzeichen dafür, dass ein Vulkan aktiv wird. Mit Hilfe moderner Technik werden Veränderungen der seismischen Aktivität heute in Echtzeit ermittelt. Strukturen und Vorgänge unter der Erdoberfläche können damit unmittelbar und exakt dargestellt und analysiert werden.

Sowohl die CSIC (Consejo Superior de Investigaciones Científicas) als auch das IGN (Instituto Geográfico Nacional) unterhalten auf den Kanarischen Inseln ein Netzwerk von Messstationen zur Überwachung insbesondere der seismischen Aktivität. Diese seismischen Aktivitäten können schon Jahre vor einem Ausbruch stattfinden, bis sie mit zunehmender Aktivität auch von der Inselbevölkerung wahrgenommen werden. Aufgrund der Position der Kanaren auf einer relativ stabilen ozeanischen Platte, weit weg von seismisch aktiven Rift- und Subduktionszonen, ist die Seismizität auf den Inseln ohnehin gering. Kleinere Beben mit Magnituden auf der Richter-Skala kleiner 3 sind jedoch häufig, insbesondere im Bereich der untermeerischen Inselflanken. Diese Beben werden nicht - wie 90% aller Erdbeben auf unserem Planeten - durch plattentektonische Prozesse, sondern ausschließlich durch Magma-Intrusionen und durch vulkanische Aktivitäten verursacht. Nur etwa 3% aller Erdbeben weltweit sind vulkanischen Ursprungs.

Der Teneguía-Eruption 1971 gingen heftige Erdbeben voraus, die nicht nur die Bewohner von Fuencaliente in Angst und Schrecken versetzten und nicht mehr ruhig schlafen ließen, sondern auch die Menschen bis hinauf nach Los Llanos beunruhigten. In Fuencaliente wurden 2.500 Einwohner evakuiert und wohnten vorübergehend in Schulen, in Los Llanos übernachteten die Menschen aus Angst vor einstürzenden Häusern im Freien. Erst mit dem Ausbruch des Vulkans am 26. Oktober 1971 ließen die Erdbeben nach.

Das La Plama 24-Journal berichtete über den Zeitraum der Eruption, als die Angst vor den Erdbeben nachließ: "Von nun an war von Angst keine Rede mehr - die rund drei Wochen dauernde Geburt des Teneguía artete zu einem regelrechten Volksfest aus. Tausende stürmten die Montaña de Las Tablas, von wo das glutvolle Naturschauspiel aus sicherer Entfernung beobachtet, fotografiert und gefilmt werden konnte. Sonntags packten die Palmeros Kinder und Proviant ein - und ab ging´s zum Vulkangucken. Fechu, damals sechs Jahre alt, erinnert sich: "Alle haben sich dort getroffen und Picknick gemacht." Und mehr als das. Die Eruption des Teneguía feuerte zudem den 1971 noch in den Kinderschuhen steckenden Tourismus an. Die kleine, bis dahin nahezu unbekannte "Isla Bonita" rückte in den Focus von Millionen Fernsehzuschauern, und Reisebüros offerierten sofort Sonderangebote für Vulkan-Fans."

Niemand kann zurzeit sagen, wann es erneut zu solchen Schlagzeilen in den Nachrichten kommen wird.




Der Teneguía-Ausbruch von 1971 war ein gesellschaftliches und touristisches Großereignis, das La Palma erst als Urlaubsinsel bekannt machte (historisches Foto)





Freitag 13.10.2017 17:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 32 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 10 % - Luftdruck 1021 hPa
Höchsttemperatur heute 32,1 Grad - niedrigste Temperatur 21,9 Grad

Fast möchte man zur Tagesunordnung zurück
Nach drei Tagen, ein schwaches Beben um 14:30 Uhr


Manch einer wird sich fragen, warum machen wir hier eigentlich die Pferde scheu. - Ein paar kleine Beben, die kein Mensch spürt, und schon schicken die Heerscharen an Wissenschaftlern auf die Insel und tun so, als wären wir der plötzliche Mittelpunkt der seismischen Verzückung. - Auch auf die Gefahr hin mich zu wiederholen. - In der Tat, diese Beben sind in einer vulkanisch aktiven Zone normal und üblich, und auch sehr schwach und zu tief um irgendjemand mit auch nur einem geringen Vorwissen zu beunruhigen. - Das außergewöhnlich aber daran ist, dass es eben hier unter der Insel 40 Jahre keine solche seismische Episode gegeben hat. - Eben weil es bei uns schon anormal ruhig war, ist diese, für vulkanisch aktive Zonen normale Aktivität neu, und darum der ganze Aufwand mit der nun stärkeren Überwachung und dem Medienecho.

Wenn wir nun die jetzigen Vorgänge unter La Palma mit denen unter El Hierro aus dem Jahr 2011 vergleichen, dann wird schnell klar, dass wir es hier bislang mit einem viel geringeren Ausmaß an Aktivität zu tun haben. - Von Juli 2011 bis Oktober steigerten sich unter der Nachbarinsel die Beben auf 50 bis 100 pro Tag, von denen bis zu einem Drittel auch über dem Wert von 2,0 lagen. - Das ist heute und hier anders, auch wenn wir nach ein paar Tagen noch kein Resümee ziehen dürfen, tippen die allermeisten Beobachter doch auf einen anderen Verlauf, eben auf eine horizontale Verschiebung von Magma dort unter der 20 Kilometer Marke. Und das nicht nur hier unter La Palma, sondern auch unter Tenerife und der Meerenge zwischen Tenerife und Gran Canaria, wo es auch seit Monaten bereits eine erhöhte Anzahl von Beben gegeben hat. - Am kommenden Montag hieß es, will man uns dann die Ergebnisse der Reihenuntersuchungen der mehreren Tausend "Schnüffelproben" geben, welche fleißige Wanderer mit lustigen Rücksäcken momentan auf der Insel sammeln. - Rainer Olzem und Timm Reisinger haben auch nun wieder Profikost für uns und erklären uns heute Grundlegendes um die Überwachung von Vulkanen, selbstverständlich immer im Bezug zu unserem Inselchen La Palma.


Der heutige Artikel von Rainer Olzem und Timm Reisinger lautet:

Die Überwachung von Vulkanen - Vorhersage von Vulkanausbrüchen


Vulkanausbrüche mit katastrophalen Folgen sind, statistisch gesehen, sehr selten. In ihrer Häufigkeit liegen sie zusammen mit Erdbeben nur auf Platz 5 der Hitliste der Naturkatastrophen, die häufigsten sind Waldbrände, Überschwemmungen, Seestürme und Heuschreckenplagen.

Für die Überwachung von Vulkanen stehen generell fünf Methoden zur Verfügung, die je nach Vulkan-Charakteristik in unterschiedlicher Kombination eingesetzt werden:

* die Aufzeichnung seismischer Aktivität,
* die geodätische Überwachung der Topographie,
* die Messung gravimetrischer und magnetometrischer Veränderungen,
* die Erfassung von oberflächennahen Temperaturerhöhungen und
* die chemische Analyse aufsteigender vulkanischer Gase.



Aufzeichnung seismischer Aktivität



Die Stationen zur Vulkanüberwachung auf La Palma (IGN)



Ein Eruptionsprozess wird zunächst vom Aufstieg des Magmas eingeleitet. Wenn das Magma auf vorgezeichneten oder neuen Bruchlinien, Spalten oder Rissen zur Erdoberfläche emporsteigt, entstehen durch Spannungen im Umgebungsgestein und durch Entgasungsprozesse des Magmas charakteristische seismische Signale. Gestein zerbricht dabei und Risse beginnen zu vibrieren. Die Zerstörung von Gestein löst Erdbeben mit hoher Frequenz aus, das sind die vulkanotektonischen Beben, die Bewegung der Risse dagegen führt zu niedrig frequenten Beben, dem so genannten Tremor.

Um Tiefe und Herd der vulkanischen Beben zu ermitteln, wird in der Regel ein Netz von äußerst empfindlichen Seismometern rund um den Vulkan eingerichtet. Denn gerade die schwachen Erdbeben, die eine Stärke von weniger als 1 haben, sind häufig Anzeichen dafür, dass ein Vulkan aktiv wird. Über ein automatisches Übertragungssystem werden die Daten direkt zum vulkanologischen Institut weitergeleitet. Mit Hilfe moderner Technik werden Veränderungen der seismischen Aktivität heute in Echtzeit ermittelt. Strukturen und Vorgänge unter der Erdoberfläche können damit unmittelbar und exakt dargestellt und analysiert werden.

Geodätische Überwachung

Dringt Magma aus der Tiefe nach oben, so können in bestimmten Bereichen des Vulkans Deformationen der Erdoberfläche in Form von Aufbeulungen, Absenkungen, Neigungen, Buckeln und Rissen entstehen. Diese Deformationen können mit meist in Bohrlöchern des Gesteins fest installierten Neigungsmessern (Klinometern) und Dehnungsmessern (Extensiometern) vor Ort gemessen werden. Diese Phänomene können aber auch schon mit einfachen Mitteln wie zum Beispiel mit einem Bandmaß oder durch aufgesprühte Linien erkannt werden.

Anfang August 1982 hatten Geologen im Kraterboden des Mount St. Helens in den USA viele schmale Bodenrisse entdeckt und sie mit Farblinien markiert. Zwei Tage später bereits waren die Linien deutlich gekrümmt, was eine Veränderung der Risse durch aufsteigendes Magma anzeigte. Wenige Tage später kam es zu einer heftigen Eruption des Vulkans. Im Oktober 2004 wurde am Mount St. Helens eine Aufbeulung einer Vulkanflanke von mehr als 100 m beobachtet, die auch mit bloßem Auge sichtbar war.

Eine komplexere und exaktere Methode zur Erfassung morphologischer Veränderungen ist zum Beispiel die Messung horizontaler Entfernungen mit Electronic-Distance-Meters (EDM). Ein EDM kann elektromagnetische Signale senden und empfangen. Die Wellenphase verschiebt sich dabei in Abhängigkeit von der Entfernung zwischen EDM und reflektierendem Objekt und gibt damit das Ausmaß der entstandenen Verschiebung an. EDMs haben Reichweiten bis zu 50 km und hohe Messgenauigkeiten von wenigen Millimetern. Oberflächenveränderungen vor allem größerer Gebiete und abgelegener Vulkane werden mit Hilfe von satellitengestützten geodätischen Messverfahren beobachtet.

Da sich in Folge von Deformationen des Geländes auch Grundwasser- und Oberflächenwasserstände relativ zu einander verändern können, werden oft Grundwassermessstellen eingerichtet und in gewässernahen Gebieten Fluss- und Seewasserpegel installiert.




Vulkanische Messstation



Messung gravimetrischer und magnetometrischer Veränderungen

Dringen heiße Gesteinsschmelzen in oberflächennahe Erdschichten, so werden lokale Veränderungen im Schwerefeld beobachtet. Diese örtlichen Veränderungen werden durch Dichteunterschiede zwischen Magma und Umgebungsgestein verursacht. Solche so genannten mikrogravimetrischen Anomalien lassen sich mit Hilfe von hoch empfindlichen Gravimetern entdecken, die an aktiven Vulkanen zum Einsatz kommen. Beim Magma-Aufstieg können auch lokale Änderungen des Magnetfeldes registriert werden, die durch thermische Einwirkungen verursacht werden.

Erfassung von Temperaturerhöhungen

Der Aufstieg des etwa 1.200°C heißen Magmas aus einer Magmakammer oder direkt aus dem oberen Erdmantel geht in erster Linie mit einer lokalen Temperaturerhöhung des Nebengesteins einher. Mit Hilfe ortsfester Stationen zur Temperaturmessung und durch Infrarot-Aufnahmen von Satelliten aus können solche thermischen Aufheizungen festgestellt werden, die durch oberflächennahe Stauung aufgestiegener Schmelzen entstehen.

Analyse aufsteigender Gase

Eruptive Gase sind die Haupttriebkraft der vulkanischen Aktivität. Änderungen ihrer Menge, ihrer Temperatur und ihrer chemischen Zusammensetzung sind für die Vorhersage eines Vulkanausbruchs von grundlegender Bedeutung. Generell sind die Schwankungen im Chemismus der Gase umso höher, desto heißer die Gase sind und desto reger die vulkanische Aktivität ist. Bei hohem Gasausstoß lässt sich die Konzentration gewisser Gase mit Hilfe ihres Absorptionsspektrums im sichtbaren Licht auch durch Fernerkundung bestimmen.

Die geochemische Überwachung erstreckt sich auch auf die Beobachtung von Grundwasser und von Quellen. Denn unterirdisches Wasser wird oft von vulkanischen Gasen kontaminiert, die dem Magma entweichen und sich im Boden ausbreiten.




Gasfluss-Messgerät des Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung, Kiel, zur Messung der Schwefel-Dioxid-Konzentration in vulkanischen Gasen



Trotz der Vielzahl der Frühwarnsysteme und vieler neuer Erkenntnisse auf diesem Gebiet wird sich bei Vulkanausbrüchen eine gewisse Unberechenbarkeit nie ausschalten lassen. Parallel zur Vorhersage gefährlicher Eruptionen sind Schutzmaßnahmen, Risiko- und Handlungspläne, Aufklärung der betroffenen Bevölkerung und gesetzliche Regelungen für den Ernstfall notwendig.



Donnerstag 12.10.2017 17:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 25 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 40 % - Luftdruck 1020 hPa
Höchsttemperatur heute 25,0 Grad - niedrigste Temperatur 18,6 Grad

Unter allen Wipfeln ist Ruh
Aber jeder Furz wird analysiert


Zu keiner Zeit bestand Gefahr für die Bevölkerung… Kennt man ja und leider hat eben die inflationäre Nutzung von verbalen Beruhigungskanons dazu geführt, dass immer mehr Leute den Aluhut greifbar nah an der Garderobe haben. - Die seismische Aktivität unter der Insel ist seit gestern Früh komplett eingeschlafen und so neigen wir eben dazu, die ganze Geschichte bereits als normale Episode einer Vulkaninsel abzutun. - Sieht wohl so aus, aber wir haben doch bereits gelernt, dass auch solche Pausen nicht unbedingt auf ein Episodenende hinweisen müssen, manchmal sogar als Cliffhanger dienen. - Wir haben uns es alle viel zu schnell aufgeregt, wegen der paar Minibeben unter der Insel solch einen Aufstand zu machen, das scheint wenig professionell. - Das ist die eine Seite der Ansicht, allerdings ist das Unnormale in dieser Normalität, dass eben gerade unter unserer Insel die letzten 40 Jahre alles komplett ruhig war, nicht mal solche Minibeben auftauchten. - So das Fazit über das, eigentlich viel zu große Echo für solch magere Beben, wenn ein Stummer einen Piep von sich gibt, dann wundern sich alle, wenn ein Plappermaul aber mal den Mund hält, dann bekommt das niemand mit.

Was unter der Insel stattfindet, darüber sind sich eigentlich auch alle einig, Magma ist auf dem Weg von irgendwo nach nirgendwo und bahnt sich dabei seinen Weg durch die Kavernen unter der Insel und begeht dabei diese seismische Ruhestörung. - So auch das Ergebnis des ersten Treffen unter den Regeln des "Pevolca", damit des Plans, wie man denn gegenüber vulkanischer Aktivität hier auf den Inseln zu reagieren hat. - Also völlig normal, das häufigste Wort im Antwortkatalog auf Fragen um die seismischen Aktivitäten, und so tief, so gering und ohne Anzeichen von aufsteigender Magma, dass man es eigentlich bereut, überhaupt aufgestanden zu sein. - Aber an der Geschäftigkeit der betroffenen Institute bemerkt man auch nicht nur deren Professionalität, welche seit Tenerife 2004 und El Hierro 2011 extrem zugenommen hat, sondern eben auch das Interesse, warum die alten Wipfel da plötzlich rülpsen und furzen.

Um die Furze kümmert man sich auch ganz besonders, man hofft nämlich durch die Ausgasungen über die Oberfläche besser verstehen zu können, was es um den Magmafluss da unter unseren Füßen auf sich hat. - An der Zusammensetzung und der Dichte der Gase meint man mehr über das Vorhaben des Magmastroms herauszubekommen, als über die seismischen Daten alleine und dazu hat man angefangen, Tausende an Proben zu sammeln, und das an der gesamten Cumbre Vieja. - Dazu schickt man geländegängige Mitarbeiter mit Schnüffelgeräten los, die leicht auf dem Rücken zu tragen sind, und nach einem bestimmten Raster auf der Karte drückt man den Schnorchel auf die Erde und das Gerät saugt die Gase ein und analysiert diese. - Bis man dann zu einem Ergebnis kommt, wird es Montag, also alles schön parallel zu den seismischen Aktivitäten im "Parlament" von Barcelona, nur wird man seitens des Nationalen Geographischen Institutes auf ein Ultimatum der Cumbre Vieja verzichten. - Nachfolgend bekommen wir eine Lehrstunde aus professioneller Feder, welche uns ausführlicher über das Phänomen der vulkanischen Beben der Kanaren informiert.



Nachfolgend ein aktueller Beitrag von Rainer Olzem und Timm Reisinger

Die Erbeben unter La Palma


Welche Ursache haben nun die vielen kleinen Erdbeben unter La Palma? Sind es tektonische Beben, sind es Einsturzbeben oder vulkanische Beben? Dazu muss man zunächst verstehen, wie die Kanaren und wie La Palma entstanden sind.

Betrachtet man die Lage der einzelnen Inseln der Kanaren zueinander und deren unterschiedliches Alter, so fällt auf, dass die Inseln zunächst einen von Nordosten nach Südwesten und danach einen von Ost nach West verlaufenden Inselbogen bilden. Nach Nordosten setzt sich der Inselbogen mit den untermeerischen Erhebungen Dacia, Conception Bank, Anika und Lars fort. Auch südwestlich von El Hierro liegt eine Kette von Seamounts auf dem Ozeanboden: El Hierro-, Endeavour-, Paps- und Tropic-Seamount.

Weiterhin fällt auf, dass das Alter der Seamounts und Inseln von Nordosten nach Südwesten abnimmt, so ist der älteste Seamount Lars vor 68 Millionen Jahren (Ma) entstanden, Anika vor 55 Ma, Dacia vor 47 Ma, Selvagens vor 30 Ma, Lanzarote und Fuerteventura vor 24 Ma, Gran Canaria vor 15 Ma, Tenerife vor 12 Ma und die jüngsten Inseln La Palma und El Hierro schließlich vor 2 bzw. 1 Ma.




Bathymetrische Karte der Kanaren und von Madeira mit den Inseln und zugehörigen Seamounts. Die fetten Linien markieren die Spur der Hotspots (Hoernle & Carracedo, 2008)




Dieser Abfolge im Alter der Inseln folgt auch der Grad der Erosion. Während die nordöstlichen Seamounts alte, bereits wieder bis unter die Meeresoberfläche erodierte ehemalige Vulkaninseln darstellen und die östlichen Inseln Lanzarote und Fuerteventura nur noch relativ flache Erhebungen über dem Meeresspiegel sind, weisen die jungen westlichen Inseln große Höhenunterschiede in ihrer Topografie auf. Sowohl diese Abfolge im Alter der Inseln als auch der Grad ihrer Erosion deuten auf eine Entstehung des Kanarischen Inselbogens durch einen sog. Hotspot hin.

Hotspots sind über lange geologische Zeiträume hinweg mehr oder weniger ortsfeste Magmenaufstiege aus dem Erdmantel, die Erdkruste dagegen wandert aufgrund der Plattentektonik über den Hotspot hinweg und das Magma bahnt sich dabei wie ein Schweißbrenner den Weg durch die Erdkruste und bildet nach und nach eine Kette von Vulkanen. Dabei ist in der Regel nur der jeweils jüngste Vulkan dieser Kette aktiv, während die älteren Vulkane immer mehr erodieren. Die derzeitige Position des Hotspots ist durch den aktiven Vulkanismus auf La Palma und im Atlantik vor El Hierro zu vermuten.

La Palma und die gesamten Kanarischen Inseln liegen weitab von tektonisch aktiven Plattengrenzen. Die Afrikanische Platte besteht aus der ozeanischen und der kontinentalen Platte, die sich gemeinsam mit einer Geschwindigkeit von 2,3 bis 3,0 cm/Jahr nach Osten bewegen, zwischen beiden Platten befindet sich keine Plattengrenze. Deshalb sind alle diese Beben unter La Palma rein vulkanischer Natur.

Unterschiedliche Arten vulkanischer Erdbeben

Die Vulkanologie beschreibt unterschiedliche Arten von vulkanischen Erdbeben: Vulkanotektonische Erdbeben, Langperiodische Erdbeben und den Tremor:

Vulkanotektonische Erdbeben werden durch steigenden Druck in einer Magmakammer ausgelöst, oder wenn Magma in die Erdkruste eindringt. Diese Beben werden nicht direkt durch Bewegungen des Magmas ausgelöst, sondern es sind - wie tektonische Erdbeben - Reaktionen auf geänderte Spannungsverhältnisse im umgebenden Gestein. Diese Erdbeben sind hochfrequent, sie schwingen im Bereich von 5-15 Hertz.

Langperiodische Erdbeben werden durch Vibrationen von Magmen und Gasen verursacht, die sich im Gestein bewegen und dieses zum Bersten bringen. Langperiodische Erdbeben sind niedrigfrequent im Bereich von 1-5 Hertz. Die Hypozentren dieser Beben liegen meist in geringer Tiefe und sind oft Zeichen eines bevorstehenden Vulkanausbruchs.

Die dritte Form vulkanisch bedingter Erdbeben ist der Tremor. Als beständiges langperiodisches Signal wird er durch den Aufstieg des Magmas verursacht, das die Spalten und Klüfte im Gestein vibrieren lässt. Nach neueren Erkenntnissen soll der Tremor durch "Magma-Wackeln" ausgelöst werden, das Schütteln, das auftritt, wenn aufsteigendes glutflüssiges Magma mit der umgebenden blasigen Gashülle interagiert. Wenn Tremor registriert wird, steht der Vulkan mit großer Wahrscheinlichkeit unmittelbar vor einer Eruption.

Einige Wochen bis Minuten vor einem Ausbruch bleiben die Erschütterungen bei fast allen Vulkanen auf ein enges Frequenzband zwischen 0,5 bis 2 Hertz beschränkt. Kurz vor und während der Eruption steigen dann die Beben auf eine höhere Frequenz an und die Bandbreite erweitert sich auf 0,5 bis 7 Hertz.

Sind die Erdbeben Vorboten eines bevorstehenden Vulkanausbruchs?

Allen Vulkanausbrüchen auf La Palma in historischer Zeit gingen mehr oder weniger starke Erdbeben voraus. Der Ingenieur Leonardo Torreani (1560-1628) berichtet von einem schrecklichen Erdbeben unmittelbar vor dem Ausbruch des Vulkans von Jedey 1585, dem ersten dokumentierten Vulkanausbruch auf La Palma. Der Ausbruch des Martin 1646 war von einem heftigen Beben begleitet, den Ausbruch des San Antonio 1677 sollen mehrere leichte Beben angekündigt haben. Auch dem Ausbruch des Vulkans El Charco 1712 gingen nach einem Augenzeugen bereits 5 Tage vorher viele Erdbeben voraus und mehr als 15 Beben in der letzten Nach vor dem Ausbruch. Die Eruptionen des San Juan 1949 sind gut dokumentiert, es wird von vielen leichten und heftigen Beben über die gesamte Aktivität von 37 Tagen berichtet. Auch der Eruption des Teneguía 1971 gingen schwere Erdbeben voraus, die bis nach Los Llanos zu spüren waren und die erst mit dem Ausbruch des Vulkans am 26. Oktober 1971 nachließen.

Die vielen aktuellen Beben auf La Palma mit Magnituden zwischen 1,1 und 2,6 auf der Momentenmagnitudenskala sind höchstwahrscheinlich vulkanotektonischer Art und sind damit auf Veränderungen der Spannungsverhältnisse im Gesteinsuntergrund durch Bewegungen des Magmas zurückzuführen. Sie wurden in Tiefen zwischen 20 und 33 km an der Grenze zwischen der ozeanischen Kruste und dem oberen Erdmantel registriert, also in einer Tiefe, in der auch der Hotspot zu vermuten ist. Bei solchen Beben, die in einem engbegrenzten Bereich und in einem begrenzten Zeitraum alle von ähnlicher Magnitude stattfinden, spricht man auch von Schwarmbeben. Die für vulkanische Beben relativ große Tiefe und die geringen Magnituden sprechen nicht für einen unmittelbar bevorstehenden Vulkanausbruch




Hier der "Tremor" unter El Hierro bei Beginn der unterseeischen Eruption vor deren Südküste aus dem Jahr 2011




Heute unter La Palma




Die beiden letzten Beben lieben bereits deutlich zurück. Grafiken vom besten Geografischen Institut aller Institute: IGN





Mittwoch 11.10.2017 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 25 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 36 % - Luftdruck 1019 hPa
Höchsttemperatur heute 25,4 Grad - niedrigste Temperatur 16,9 Grad

Vorbild Katalonien, vulkanische Reaktivierung, erst mal ausgesetzt
Zwei schwache Beben nachts


Allerdings können wir nicht irgendwo nachfragen, was denn diese Wechselgeschichte mit Schwarmbeben, und dann gar nichts mehr, zu bedeuten hat. - Zwei schwache Beben gegen 02:00 morgens, beide etwas unter 20 Kilometer und beide im Südwesten der Insel, dort wo auch die Vielzahl aller Beben gemessen wurde. - Es schwanken immer wieder die Angaben über die Anzahl der Beben welche bislang unter der Insel stattgefunden haben, das liegt auch daran, dass ganz schwache Beben, also unter 1,0 nicht immer exakt bestimmt werden können und daher der nationale Dienst diese gar nicht in den meisten Grafiken darstellt. - Es gibt durchaus Diskussionen darüber, ob man das nicht doch machen sollte, allerdings fürchtet man eben bei diesen schwachen Beben eine derart hohe Fehlerquote in der genauen Lokalisierung, dass man falsche Schlüsse auf die Gesamtentwicklung ziehen könnte. - Aber da gibt es eben unter den Spezialisten deutlich mehr als eine Meinung, aber die Darstellung der der Beben ab 1,5 ergibt auch bereits ein anschauliches Bild.

Heute findet ein Treffen der angesprochenen wissenschaftlichen Institute statt und dafür wird auch der "Pevolca" (Plan Especial de Protección Civil por Riesgo Volcánico de la Comunidad Autónoma de Canarias) bemüht, ein ambitiöser Plan, welcher als Gesamtkunstwerk vieler Institutionen eine Antwort auf jegliches vulkanisches Risiko darstellen soll. - Jahrzehnte hat man um einen solchen Plan gerungen und hauptsächlich geht es eben dabei auch um klare Richtlinien, wer was wie wo und wann zu tun und zu sagen hat, und was man dann tun sollte, damit der Vulkan nicht einfach den Katalanen machen kann. - Noch haben wir nichts über ein Ergebnis oder Nachrichten in Sachen heutiges Treffen erfahren, müssen also selbst auch abwarten, wie sowieso die Geduld des Geologen höchste Tugend scheint. - Und das nicht nur, weil die sich oft mit Zeitabschnitten beschäftigen, welche für uns Amateurklopfer gar nicht erfassbar sind, sondern weil man eben auch in einer Situation wie jetzt nur das analysieren kann was passiert, wenn man denn Aussagen treffen muss. - Erneut möchte ich darauf hinweisen, dass diese Wissenschaftler in Sachen Vulkanismus hier auf den Kanaren extrem ungern Voraussagen treffen, hat uns doch erst letztlich auch die Eruption, (oder waren es gar deren drei) unter und vor der Insel El Hierro gelehrt, dass man selbst auf den Kanaren schlecht Beispiel an vorhergegangenen Vorfällen nehmen kann.

Die seismische Aktivität hier unter La Palma ist derart gering, dass viele Gruppen sich überhaupt nicht damit beschäftigen wollen. - Auch der Großteil der Bevölkerung tut jeglichen Gedanken an so etwas gönnerisch mit einem Armwinken ab, nur hat die britische Sensationspresse uns doch schnell wieder entdeckt, stammt doch der Großteil der Schauergeschichten um den besagten Mega-Tsunami aus der Feder britischer Wissenschaftlicher und der BBC. - Witzig dabei ist, dass man sich hier in Zeitungen darüber aufregt, wie schnell solch unseriöse Berichterstattung doch stattfindet, man selbst beim Empören sich aber ebenso der Bilder bedient. - Ein bisschen wirkt das wie das Motto: Ich zeige Ihnen mal, welch unmögliche Bilder andere zeigen… Aber auch die ersten ernsthaften Videos machen die Runde, so hat Juan Ramón García Martel von der Universität Las Palmas bereits ein Video über die seismische Aktivität unter La Palma der Tage 8. und 9. Oktober gebastelt und allen bereitgestellt. - Der gleiche Wissenschaftler hat ähnlich gute Arbeiten auch im Zusammenhang mit der Eruption 2011 vor El Hierro fabriziert. - Hier wird einem auch ein bisschen die Entfernung der Beben zur Oberfläche klar, denn 20 Kilometer, das ist schon eine ganze Ecke. - In Sachen Katastrophen und anderen gut verkäuflichen Dingen bringe ich hier erneut den Artikel, der hier in der Seite bereits heimischen Geologen Timm Reisinger und Rainer Olzem, welche der Tsunami-Geschichte ein bisschen auf den Puls fühlen.




Gastbeitrag von Rainer Olzem und Timm Reisinger (aus dem Jahr 2015)

La Palmas Flankensturz und der Tsunami
Die Szenarien von Ward & Day und von McGuire und die Vorgeschichte


Der amerikanische Geophysiker Steven N. Ward von der University Santa Cruz in Kalifornien und der englische Geologe Simon Day vom Benfield Hazard Research Centre in London haben 2001 einen viel beachteten Artikel über einen bevorstehenden Zusammenbruch der Westflanke der Cumbre Vieja verfasst: Cumbre Vieja Volcano - Potential collapse and tsunami at La Palma, Canary Islands. Hier eine Übersetzung ihrer Zusammenfassung:

"Geologische Befunde weisen darauf hin, dass eine zukünftige Eruption des Cumbre Vieja-Vulkans auf La Palma eine Erdrutsch-Katastrophe an der Westflanke der Insel auslösen könnte, wobei 150 bis 500 km³ Gestein ins Meer stürzen würden. Mit einer geologisch plausiblen Einschätzung des Erdrutsches haben wir eine Modellierung vorgenommen, mit dem Ergebnis, dass durch diesen Kollaps der Inselflanke Tsunamis entstehen werden. Legt man diese Erdrutschmassen von 150 bzw. 500 km³ zugrunde, die mit einer Geschwindigkeit von 100 m/s ins Meer stürzen, so können Wellen entstehen, die das gesamte atlantische Ozeanbecken überqueren und an den amerikanischen Ostküsten Höhen von 10 bis 25 m erreichen."



Das Spaltensystem auf der Cumbre Vieja während der San-Juan Eruption 1949: nach Carracedo 2008 (links), historisches Foto von Bonelli Rubio während der Eruption (rechts)

Die Vorgeschichte: Am 24. Juni 1949 brach auf der Cumbre Vieja nach vielen vorangegangenen Erdbeben, die bereits seit Februar des Jahres auftraten, der Vulkan Duraznero aus, dem am 08. Juli die Spalteneruption des Llano del Banco-Vulkans und am 12. Juli die Explosion des Hoyo Negro folgten. Diese zeitlich versetzte vulkanische Aktivität an drei unterschiedlichen Ausbruchstellen auf der Cumbre Vieja zwischen dem 24. Juni und 30. Juli 1949 ist als San Juan-Eruption in die geologische Geschichte der Insel eingegangen. Gleichzeitig riss auf der Cumbre ein 3 km langes Spaltensystem auf, das vom Duraznero über das Hoyo Negro bis zum Llano del Banco reichte und Spaltenbreiten zwischen 1 und 4 m aufwies.

52 Jahre später inspirierte dieses Spaltensystem die beiden Geowissenschaftler Ward & Day zu ihrer spektakulären Einsturzhypothese. Sie gingen als worst-case-Szenario von einem Gesteinsblock von 25 km Länge aus - das ist der gesamte Südwestteil von La Palma von der Cumbrecita bis nach Fuencaliente -, von 15 km Breite - das ist die gemittelte Breite der gesamten Südhälfte La Palmas - und von 1.400 m Höhe. Das Gesteinsmaterial - immerhin mehr als 500 km³ - aus der durch den Flankensturz entstehenden 375 km² großen Abbruchfläche stürzt die steilen Gleithänge hinab und wird 60 km weit in den Atlantik verfrachtet, bis es den Meeresboden in 4.000 m Tiefe erreicht.

Der Felssturz verursacht innerhalb von 2 Minuten eine 900 m hohe Wassersäule, in 50 km Entfernung von der Küste beträgt die Wellenhöhe noch 500 m. Nach 10 Minuten kommt die Rutschung zum Stillstand, während die Breite des Tsunamis auf 250 km angewachsen ist und mehrere 100 m hohe Wellen die Küsten der westlichen Kanarischen Inseln Tenerife, La Gomera und El Hierro zerstören. In den folgenden 15 bis 60 Minuten bewegen sich die Wellen ostwärts auf die übrigen Inseln zu, während 50 bis 100 m hohe Wellen auf die Westküste des afrikanischen Festlands treffen.



Ankunftszeiten und Wellenhöhen des La Palma-Tsunamis nach Ward & Day (csegrecorder.com)

In Richtung Westen wandern die Wellen in einer 500 km breiten Front über den Atlantik und zerstören mit bis zu 25 m Höhe nord-, mittel- und südamerikanische Küsten und weite Inlandsbereiche, was einen Schaden von mehreren Milliarden Dollar verursacht. Auch die spanischen und englischen Küsten werden von 5 bis 7 m hohen Wellen überrollt.

Soweit das Schreckensszenario von Ward & Day. Ein Jahr später setzt Bill McGuire, ebenso wie Simon Day Mitarbeiter des Benfield Hazard Research Centre und dessen Direktor, in seinem Horrorszenario: "A Guide to the End of the World - Everything you never wanted to know" noch einen drauf: Die instabile Westflanke von La Palma könnte durch eine Eruption abgesprengt werden, und die ins Meer stürzende Landmasse könnte einen so gewaltigen Tsunami verursachen, wie seit menschlichen Aufzeichnungen noch nie erlebt. Es könnte noch fünf, zehn oder zwanzig Eruptionen benötigen, um die Flanke zum Absturz zu bringen, es könnte aber auch schon der nächste Ausbruch sein, es könnte jeden Moment passieren. Sein Ausspruch "es ist nicht die Frage, ob, sondern wann" bezeugt, dass McGuire, auch "Desaster Man" genannt, fest von seiner These überzeugt ist. Und wie es der Zeitgeist so erfordert, erwähnt er auch noch den Klimawandel, der durch steigende Meeresspiegel und vermehrte Regenfälle den Flankeneinsturz geradezu provoziere.

Dieses Szenario hat echte Science-Fiktion- und weniger wissenschaftliche Qualität. Es passt aber gut in den weltweiten medialen Katastrophen-Hype. Keiner kann zurzeit sagen, wie stabil die Westflanke von La Palma ist. Bereits im Jahre 1994 installierte geodätische Messgeräte zeigten jedenfalls keine außergewöhnlichen Bewegungen.

Mega-Tsunami vernichtet New York - Eine realistische Betrachtung

Die Medien in aller Welt griffen die Schreckensmeldungen von Ward & Day und von McGuire vom Londoner Benfield Hazard Research Centre über den Flankensturz auf La Palma und den größten von Menschen jemals erlebten Tsunami an den amerikanischen Ostküsten dankbar auf, denn mit der Angst der Menschen lässt sich wunderbar Geld machen: Mega-Tsunamis bedrohen Amerika (Die Welt), Mega-Tsunami - Welle der Zerstörung (ORF), Gefahr von den Kanaren (FAZ), Warum ein Felsriss in Spanien New York bedroht (Pravda).




Quelle: netambulo.com



Erfreulicherweise haben einzelne Wissenschaftler und Wissenschaftliche Institute zum Wahrheitsgehalt des medial inszenierten Horrorszenarios Stellung genommen. Trefflich die Arbeit der Delfter Wissenschaftler:

Die Fakultät für Hoch-Tief-Bau und Geowissenschaften der Technischen Universität Delft in Holland hat 2006 die Berichte von Ward & Day und von McGuire einer wissenschaftlichen Plausibilitätsprüfung unterzogen. Die holländischen Wissenschaftler bescheinigen Ward & Day und McGuire einen völligen Mangel an bodenmechanischen Kenntnissen: Die Insel habe eine sehr stabile innere Struktur. Das Risssystem, das sich 1949 beim Ausbruch des San Juan entlang der Südwestflanke der Cumbre Vieja gebildet hatte, sei nur ein "harmloses Oberflächen-Phänomen" und sei einfach eine Absackung des Vulkans, wie es sie schon früher gegeben habe. Insbesondere die alten Absackungen, die in keinem Fall zu einem Kollaps geführt haben, bewiesen im Grunde, wie stabil La Palma sei. Die Holländer modellierten die Insel höher und steiler, konnten aber keinen Flankensturz erkennen.

Sie modellierten auch den "Dampfkessel-Effekt" als Folge einer phreatomagmatischen Eruption, aber der Druck verpuffte ausschließlich nach oben und verursachte keinen seitlichen Druck, der die Flanke instabil werden ließ. Bei einer phreatomagmatischen Eruption kommt das glutflüssige Magma mit Meer- oder Grundwasser in Kontakt, wobei das Wasser schlagartig verdampft und sein Volumen auf das 1.000-fache vergrößert, was zu einer hochexplosiven Dampferuption führt.

Die Insel könnte möglicherweise in dem Fall instabil werden, wenn sie etwa um 1.000 m in der Höhe wachsen würde. Legt man die Wachstumsrate der Vergangenheit zugrunde, würde das mindestens 10.000 Jahre dauern. Der Vulkan hat seine kritische Höhe und Steilheit noch lange nicht erreicht. Und wenn in ferner Zukunft die Westflanke der Cumbre tatsächlich abrutschen würde, würde die Bewegung der ersten Meter mehrere Tage lang dauern, möglich wäre es außerdem, dass die Flanke ein Stück weit rutscht und dann in stabiler Stellung verharrt.

Und was den größten Tsunami in der Geschichte der Menschheit angeht: Welche Daten die Delfter Forscher auch in das Modell eingaben, sie konnten in keinem Fall einen signifikanten Tsunami erzeugen. Selbst unter den extremsten Bedingungen ermittelten sie nur eine Welle von 15 bis 100 cm Höhe an den amerikanischen Küsten. Ward & Day und McGuire würden offenbar einen falschen Algorithmus verwenden, um die Größe des Tsunamis zu berechnen.

Übrigens arbeitet das Londoner Benfield Hazard Research Centre im Auftrag großer Versicherungsgesellschaften, für die Schreckensszenarien stets ein wichtiger Motor ihrer Gewinne sind. "War es eventuell ein cleverer Schachzug von McGuire, durch die Auftragsforschung mit Ward & Day die mediale Aufmerksamkeit zu erregen und indirekt Werbung für große Versicherungsgesellschaften zu machen oder war es Zufall, dass schon kurz nach der Veröffentlichung alle namhaften Zeitungen und Zeitschriften über den bevorstehenden Mega-Tsunami berichteten?" fragt eine Studentin am Lehrstuhl für Geomorphologie der Uni Bayreuth und fügt hinzu: "Das ist eine Frage, die sich ohne Aussagen von Betroffenen wohl nicht beantworten lässt und auch die gegen McGuire gerichteten Unterstellungen basieren nur auf Spekulationen."


Dieser Text ist ein Ausschnitt aus dem Buch "Geologischer Wanderführer La Palma" von Rainer Olzem und Timm Reisinger und gehört nach meiner Auffassung längst auch zum Handgepäck einer Vorbereitung für eine Reise nach La Palma. - Auch für geologische Laien verständlich erklärt, bereiten die Wandertouren auf der Insel noch viel mehr Spaß, man kann die vielen Dinge, denen man mit Staunen auf den Touren begegnet, dann nicht nur beim Namen nennen, sondern weiß auch noch warum das so ist. - Nicht als Ersatz für den Rother Wanderführer, immer noch das Meisterwerk für La Palma auf Schusters Rappen, aber als ideale Ergänzung für Menschen, welche zwischen Ausgangspunkt und Belohnungsbier der Wanderung die Augen auf der Vulkaninsel La Palma offen halten. - Auf La Palma gibt es dieses Buch bei Sorpresa in El Paso zu kaufen, manchmal auch nur als Vorbestellung, oder man geht auf das Bestellformular in der Webseite Rainer Olzem und Timm Reisinger zum Buch.







Dienstag 10.10.2017 19:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 24 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 39 % - Luftdruck 1018 hPa
Höchsttemperatur heute 25,9 Grad - niedrigste Temperatur 18,2 Grad

Dreimal niesen ist noch keine Lungenentzündung
Auf der Suche nach Beben und flotten Sprüchen


Heute hat es noch überhaupt kein Beben unter der Insel La Palma gegeben und gestern ab sechs Uhr morgens nur noch eines, gegen 22:20 Uhr. - Dafür hat es kräftig im Süden Tenerifes gerummst, mit 4,0 bewertet, und das Beben, welches auch von Teilen der Bevölkerung im Süden der großen Nachbarinsel gespürt wurde, fand um 05:38 statt. - Auch die Wissenschaftler können keinen Bezug zwischen dem relativ starken Beben im Süden Tenerifes zu unserem Bebenschwarm herstellen und ob sich die Magmaaktivität nun anderswo hin verschiebt. - Genau so vorsichtig, wegen des plötzlichen Erscheinens der Beben unter La Palma, ist man nun mit deren plötzlichen Wegbleiben, weder das Eine kann gedeutet werden, noch das Andere, sondern läuft alles unter normaler Aktivität eines Inselarchipels, welches auf einem vulkanischen Hotspot liegt. - Dafür wird aber kräftig aufgerüstet hier auf der Insel, Involcan und IGN haben bereits neue Messstationen auf die Insel gebracht und es wird bereits gewitzelt, gehen Sie bitte auf Zehenspitzen durch den Wald, sonst könnten die vielen Seismographen Ihr Getrampel noch für Beben halten und auch rauchen Sie bitte nicht dort, da man sonst einen heftigen Anstieg bei der Messung der Gase feststellen würde.

Morgen gibt es dann ein erstes Treffen aller fachlich Beteiligten und man wird sicherlich danach auch eine Pressekonferenz geben, obwohl das öffentliche Interesse sich noch deutlich zurückhält, was sich aber sicher schnell ändern würde, falls ein stärkeres Beben auch von der Bevölkerung zu spüren wäre. - Man will natürlich auch vorsichtig sein mit der Berichterstattung und das ist gut so, man stelle sich nur vor, wenn unvorsichtige, oder noch schlimmer sensationsgierige Schreiberlinge aus den Vorgängen unter unserer Insel gleich ein katastrophales Szenario basteln würden. - Alles schon erlebt, dann wäre der Tourismus ganz schnell in Gefahr und das ist auch mit ein Grund, warum ich sofort darüber geschrieben habe. Wir dürfen solche Vorgänge nicht unkommentiert lassen, sonst frickeln sich alternative Fakten und viele "Likes" liebende Spontanexperten mal lustige, mal Schaden anrichtende "Nachrichten" zurecht. - Es ist nicht leicht, dabei die Waage zu halten, wir erinnern uns gut an die "Vulkanologische Krise" auf Tenerife in den Jahren um 2004, als maulkorbähnliche Aufforderungen an Wissenschaftler und Presse eine seriöse Berichterstattung um die damaligen Vorgänge dort sehr erschwerten. - Darüber hinaus bekamen sich auch noch die Professoren selbst in die Haare und alles endete mit erneuter Ruhe unter der Insel, ohne dass es zu einer vermuteten Eruption kam, aber man hat darauf hin seine Hausaufgaben gemacht. - So lief das dann im Jahr 2011 auf El Hierro schon viel besser, nicht nur mit der Eruption, sondern auch mit der Berichterstattung und den dargestellten Daten, welche für alle Welt sichtbar gemacht wurden. - Wer Verschwörungstheorien abwenden will, der kann am besten durch Offenheit dagegenhalten, und eben auch seine Worte gut wählen.

So hat auch ein alter Bekannter der kanarischen Vulkanologie nun dazu Stellung bezogen, der berühmte Juan Carlos Carracedo, heute Chef der "Estación Volcanológica de Canarias del Consejo Superior de Investigaciones Científicas" (Kanarischen vulkanologischen Station des hohen Rates der wissenschaftlichen Forschungen). - Der durchaus streitbare Wissenschaftler ist auch bekannt, zusammen mit dem Engländer Simon Day, für ein Risikobewertungsinstitut (Benfield Hazard Research Centre ) über ein mögliches Abrutschen der Westflanke der Cumbre Vieja zu forschen. - Das Worst Case Ergebnis daraus wird uns fast jedes Jahr in der Sauren-Gurken-Zeit als Aufschnitt serviert und dabei werden wir auch schon mal als Killerinsel oder gefährlichster Vulkan der Welt bezeichnet. - So viel Ehre haben wir sicherlich nicht verdient, allerdings verbinden wir eben den Namen Carracedo immer wieder mit diesem Thema. - Nun hat der verdiente Geologe aber einen anderen netten Vergleich gefunden der so lautet: "Man wird doch bei einem Patienten, nur weil er dreimal niest, nicht Lungenentzündung diagnostizieren". - Passt gut, denn diese kleinen Beben, auch wenn es in knapp 48 Stunden schon über einhundert waren ab 1,0 bis 2,7 dürfen überhaupt nicht in der Lage sein, für echte Beunruhigung oder gar bereits Angst zu sorgen. - Es ist völlig normal, dass sich unter den Kanaren Magma bewegt, das war immer so und wir immer so sein, allerdings hat der Patient, um zu Carracedos Bild zurück zu kommen, vierzig Jahre lang nicht genießt, also ist es doch mit einem Ausrufezeichen versehen, wenn er nun plötzlich dreimal niest.

Neben meinem Plappern bekommen wir nun auch noch professionelle Begleitung, die Geologen Timm Reisinger und Rainer Olzem, die ich zu meinen Freunden zählen darf, und die sich allerbestens auf den Kanaren und besonders La Palma auskennen, werden in den kommenden Tagen uns mit geologischem Grundwissen um Vulkanologie beehren. - Auch haben sie versprochen, falls unsere derzeitige vulkanische Aktivität doch in Richtung Eruption geraten könnte, sofort auf die Insel zu kommen. - Allerdings halten auch die Beiden die Aussicht für eher unwirklich. - Ich zitiere: "Alles kann passieren, von nichts (wahrscheinlich) bis zu einem Ausbruch (sehr unwahrscheinlich). - Den meisten sind diese beiden Geologen schon bekannt, sie haben mehrfach in meinen Seiten über die Geologie der Insel berichtet und sind auch Herausgeber des geologischen Wanderführer La Palmas. - Wenn die Beiden Zeit haben, dann gibt es fast jeden Tag nach meinem Sermon auch Fakten von Rainer Olzem und Timm Reisinger. - Und noch als mein Hinweis: Ich habe nicht die dauerhafte Berichterstattung wieder aufgenommen, wie mir das aus vielen Mails bereits wieder in die Finger gelegt wird, sondern werde lediglich bei solchen Themen wieder schreiben und sobald wieder Ruhe unter der Insel eingekehrt ist, ist auch wieder Ruhe bei meinen Nachrichten. - Nun folgt der erste Teil der Berichterstattung aus dem Hause Olzem/Reisinger.


Die unterschiedlichen Ursachen der Erdbeben

Geologen unterscheiden drei grundsätzlich unterschiedliche Arten von Erdbeben: tektonische Beben, vulkanische Beben und Einsturzbeben. Tektonische Beben.

Die Erde hat einen schalenförmigen Aufbau mit einer dünnen Kruste von im Mittel etwa 35 km Dicke, darunter folgen der 2.900 km dicke Erdmantel und schließlich der Erdkern mit einem Durchmesser von 6.940 km. Die Erdkruste besteht aus mehreren Einzelteilen - riesigen Platten. Angetrieben durch dynamische Prozesse im Erdmantel, durch sogenannte Konvektionsströme, wandern die Erdplatten langsam auseinander, gegeneinander oder aneinander vorbei. Es sind bis zu 16 Zentimeter im Jahr. Dieses Phänomen nennt man Plattentektonik.




Erdbeben treten überwiegend an den Plattenrändern auf (Quelle: BGR)


Dort, wo die Platten aneinander grenzen, bauen sich gewaltige Spannungen innerhalb des Gesteins auf, wenn sich die Platten in ihrer Bewegung verhaken und verkanten. Wenn die Erdkruste den Spannungen schließlich nicht mehr standhält, wenn also die Spannungen die Scherfestigkeit des Gesteins überschreiten, entladen sich die Spannungen durch ruckartige Bewegungen der Erdkruste und es kommt zu einem tektonischen Beben. Tektonische Beben machen 90% aller Erdbeben aus. Sie sind die gefährlichste Art von Erdbeben, haben meist eine hohe Energie und besitzen zudem die größte Reichweite.

Einsturzbeben
Einsturzbeben werden durch das Einstürzen von unterirdischen Hohlräumen im Gestein verursacht, auch durch den Einsturz unterirdischer Hohlräume im Bergbau (Gebirgsschlag). Einsturzbeben setzen weitaus weniger Energie frei als tektonische Beben und haben nur geringe Reichweiten. Sie machen rund 7% aller Erdbeben aus.

Vulkanische Beben
In vulkanischen Zonen aufsteigendes Magma kann ein lokales vulkanisches Erdbeben auslösen. Auch vulkanische Beben setzen viel weniger Energie frei als tektonische Beben und haben ebenfalls nur geringe Reichweiten. Etwa 3% aller Beben sind vulkanischen Ursprungs.

Wie wird die Stärke von Erdbeben gemessen?
Zur Beschreibung der Stärke von Erdbeben wurden viele unterschiedliche Skalen entwickelt. Grundsätzlich unterscheiden muss man zwischen der Magnitude und der Intensität. Während die Magnitude ein Maß für die bei einem Erdbeben freigesetzte Energie darstellt, beschreibt die Intensität die örtliche Schadenswirkung bzw. die Wahrnehmung durch den Menschen. Ein Erdbeben hat nur eine Magnitude als Maß der seismischen Energie, aber von Ort zu Ort unterschiedliche Intensitäten, die in der Regel mit zunehmender Entfernung vom Erdbebenherd abnehmen.

Intensität
Zur Bestimmung der Intensität eines Erdbebens wird meist die MSK-Intensitätsskala nach Medvedev, Sponheuer und Karnik (MSK) verwendet, die 12 Stärkegrade benennt. Die Intensität II wird grade noch gespürt, bei der Intensität VI treten erste leichte Gebäudeschäden auf, Intensität X ist allgemein gebäudezerstörend und Intensität XII schließlich tiefgreifend landschaftsverändernd.

Intensitäten werden nicht gemessen, sondern beruhen auf Beobachtungen. Sie hängen damit sowohl von der Entfernung zum Epizentrum als auch vom jeweiligen Baugrund und der Qualität der Bausubstanz ab. Das Epizentrum ist der Punkt auf der Erdoberfläche, der exakt über dem Erdbebenherd, dem Hypozentrum, liegt.

Magnitude
Die bekannteste Magnitudenskala ist die Richterskala, die 1935 von dem amerikanischen Seismologen Charles Francis Richter (1900 - 1985) und dem deutschen Seismologen Beno Gutenberg (1889 - 1960) entwickelt wurde. Zur Bestimmung der Magnitude werden die Bodenbewegungen eines Bebens mit einem Seismometer gemessen.




In einem Seismogramm werden Erdbebenwellen graphisch aufgezeichnet


Aus dem Seismogramm wird die größte Bodenbewegung abgelesen. Dieser Wert bestimmt, zusammen mit der Entfernung zwischen dem Standort des Seismometers und dem Bebenherd, die Magnitude. Die Berechnung ist kompliziert:

Die Magnitude eines Erdbebens nach Richter ist definiert als der Logarithmus der größten Auslenkung (in µm), mit der ein Standard-Seismometer (Wood-Anderson Horizontalseismograph) das Erdbeben aus 100 Kilometer Entfernung registrieren würde. Eine Auslenkung von 1 Millimeter entspricht 1000 Mikrometer - der Logarithmus von 1000 ist 3, somit ist der Wert auf der Richterskala 3, sofern das Beben in 100 km Entfernung stattfand. Richter hat eine Tabelle aufgestellt, in der man für jede Entfernung einen Wert für die Magnitude ablesen kann. Logarithmisch heißt, dass der Zuwachs um eine Magnitudeneinheit (z. B. von 6 auf 7) eine 10-fach größere Bodenbewegung und eine Steigerung der Bebenenergie um das 32-fache bedeutet.

Ein Erdbeben mit einer Magnitude von 2 - 3 auf der Richterskala ist nur selten spürbar und passiert weltweit mehr als 1.000 mal pro Tag. Erdbeben mit einer Magnitude von 3 - 4 sind leichte, meist spürbare Beben, die sich geschätzt bis zu 50.000 mal pro Jahr ereignen, doch selten Schäden anrichten. Erst Beben der Magnitude 6 - 7 sind starke Beben, die im Umkreis bis zu 70 km Zerstörungen bewirken. Magnituden von 9 - 10 ereignen sich alle 1 - 20 Jahre und richten im Umkreis von 1.000 km völlige Zerstörung an. Ein Erdbeben der Magnitude größer 10 wurde glücklicherweise bisher noch nie registriert, es käme einer globalen Katastrophe gleich.

Von der Richterskala heißt es, sie sei nach oben offen, was aber nicht stimmt, denn man kann mit den von Richter ausgewählten Messgeräten keine sehr starken Beben erfassen. Inzwischen haben Seismologen weitere Skalen entwickelt, die ebenfalls Magnitudenwerte liefern mit Werten größer 6,5. Eine der aktuellsten Skalen ist die Momentenmagnituden-Skala. Aber auch die Momentmagnitude ist nur in der Theorie nach oben offen, denn in der Praxis wird es auf der Erde niemals Werte über 10,6 geben. Ein Erdbeben der Stärke 10,6 wäre nämlich so stark, dass die gesamte Erdkruste aufbricht. Und weil nicht mehr als die gesamte Erdkruste aufbrechen kann, kann es auf der Erde auch keine Erdbeben geben, deren Momentmagnitude stärker als 10,6 ist.




Die Wellen der Station EHIG bei Mazo am 9.10.2017. - Die Linien selbst können bei starkem Seegang deutlich dicker werden, so wie das auf der Graifk des folgenden Tages zu sehen ist.







Und hier befindet sich die Station "EHIG"

Alle drei Grafiken hat das IGN zur Verfügung gestellt.




Montag 09.10.2017 17:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 21 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 55 % - Luftdruck 1020 hPa
Höchsttemperatur heute 23,7 Grad - niedrigste Temperatur 17,5 Grad

Cumbre Vieja erklärt einseitige Unabhängigkeit von den wissenschaftlichen Instituten
Nächtliche Schwarmbeben, dann Ruhe


Wir sind inzwischen immerhin bei über 40 Beben in den Stärken 1,1 bis 2,9 und alle diese Beben ziehen einen Kreis um die Cumbre Vieja, eines der aktivsten Vulkangebilde der Kanaren überhaupt. - Noch hat niemand diese Erdstöße gespürt, so ist diese plötzliche Unruhe im Untergrund auch überhaupt kein Tagesgespräch, allerdings würde sich das natürlich schnell ändern, wenn es auch Beben einer Stärke ab 3 geben würde. - Aber nun ist zunächst mal Ruhe, seit 06:11 Uhr hat kein weiterer Eintrag im Katalog unseres Nationalen Geographischen Institutes Erdbewegungen unter der Insel angezeigt. - Ganz böse Synapsen aus dem Verschwörungsreichsmilljöh betrachten allerdings alle nationalen Institute mit dem Aluhut auf, allerdings haben wir in den vielen Jahren "Quakehunting" auf den Inseln uns immer auf diese Institution verlassen können und tun das auch weiterhin. - Fehler können auch dort passieren, werden aber meist in wenigen Stunden korrigiert, so wie man heute Morgen ein Beben auch nah unter der Oberfläche gemessen hatte, das aber wohl ein Irrtum war. - Allerdings kommt es auch immer wieder zu Spannungen zwischen den nationalen Wissenschaftlern des IGN und den lokalen der Involcan und es ist schwer für Außenstehende einzuschätzen, was denn hier Professorengezicke ist oder ab wann es interessengesteuertes Formulieren oder gar Verschweigen gibt.

Was nun diese Pause in Sachen Beben zu bedeuten hat, das weiß auch wieder keiner, Vulkane verhalten sich niemals nach wissenschaftlichen Vorstellungen, uns hilft immer nur messen und vergleichen. Auf jeden Fall haben diese Beben unter der Insel das starke Interesse aller an der geologischen Beobachtung der Insel arbeitenden Institute nun geweckt und man verspricht uns ein Gipfeltreffen aller Beteiligten für Mittwoch und sind ganz gespannt darauf. - Als einziger und immer greifbarer Mann steht hier wieder Nemesio Pérez des "Involcan" zur Verfügung und der gilt als allerbester Kenner unserer zickigen Vulkane hier auf den Inseln. - Und hier erfahren wir eben, dass wohl im Sommer dieses Jahres auf der Cumbre Vieja erhöhte Gasausschüttungen gemessen wurden, diese allerdings immer noch im Rahmen "normaler" Werte zu sehen waren. - In der Tat gab es eine großangelegte Messaktion, an welcher auch internationale Universitäten beteiligt waren und das Involcan selbst hat im Juli dieses Jahres dazu eine Pressemeldung verbreitet in dem einerseits auf die erhöhten Werte hingewiesen wurden, aber eben auch auf die langfristigen Werte, anhand derer dann doch wieder Normalität in die Überschrift gezaubert wurde. - Die Kunst über Vulkanologie zu berichten, ohne die Menschen zu erschrecken, ist sicher nicht jedem gegeben und so wird uns noch oft der Versuch begegnen, Vorgänge als normal zu beschreiben, welche für den Homo erschrecktus auf der Straße ein Horrorszenario darstellen könnten. - Ein Versuch das anormal-normale um die jetzigen Vorgänge unter unserer Insel zu beschreiben könnte so lauten: Da es ganz normal ist, dass ein aktiver Vulkan seismische Aktivität produziert, war die jahrzehntelange Ruhe unter der Cumbre Vieja anormal, also ist die zur Normalität gewordene Anormalität jetzt endlich wieder normal…

Auf jeden Fall wird nun auch jede Menge an wissenschaftlichem Material nun auf die Insel geschleppt und wir werden uns auf Tabellen und Grafiken freuen, wie man diese auch seinerzeit auf El Hierro zusammengestellt hat, so dass jeder dem Vulkan minütlich den Puls fühlen kann und seinen Odem analysieren. - Was allerdings die Cumbre Vieja daraus macht, oder der Magmafluss unter der Insel, dort in 20 - 30 Kilometer Tiefe, das weiß keiner. - Alles kann gehen, auch ein völlig unspektakuläres Verschwinden der Tätigkeit dort im Untergrund und im Moment ist das alles noch eher auf "Nichts" gepolt und nicht auf Krawall, aber immer und nicht nur jetzt muss jeder der auf Vulkaninseln lebt eben wissen, dass seine Erdung zum Untergrund besonders sensibel und direkt ist. - Wir haben allerdings noch keine Taschen gepackt… - Also 67 Beben über 1,1 ab 7.10.2017 um 10:29 bis jetzt 9.10.2017 um 17:20 - Drei Beben über der Stärke von 2, keines der Beben wurde bislang von der Bevölkerung gespürt und fast alle Beben befinden sich genau unter dem südlichen Teil der Insel, also dem neuen Abschnitt, der Cumbre Vieja. - Heißt nur falsch herum, (Cumbre Vieja = Alter Gipfel) ist aber jünger als der nördliche Teil der Insel, welcher als nicht mehr aktiv bezeichnet wird. - Seit heute Morgen allerdings keine seismische Tätigkeit mehr, aber wir wissen ja, Anormalität bei Vulkanen ist völlig normal…




Grafik vom IGN (Instituto Geográfico Nacional)




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Sonntag 08.10.2017 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 26 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 28 % - Luftdruck 1019 hPa
Höchsttemperatur heute 26,6 Grad - niedrigste Temperatur 17,4 Grad

Es rappelt in der Kiste
Mehrere kleine Beben erinnern uns an unseren Ursprung


Na wenn der Siebold wieder schreibt, dann muss doch irgendetwas passiert sein. - Nicht ganz richtig, passiert ist eigentlich nichts, ich schreibe auch nicht wieder dauernd, sondern möchte Ihnen von unserem kleinen Beben erzählen, welche seit gestern Mittag unsere Aufmerksamkeit geweckt haben. - Genau zehn Beben über der Stärke von 1,5 mbLg (das Ding mit der nach oben offenen Skala…) hat es unter dem südlichen Teil der Insel gegeben und wer weiß, dass alle Kanaren vulkanischen Ursprungs sind, der wird sicher dazu meinen, das sei alles ganz normal. - Ist es eigentlich auch, allerdings war unsere Insel eben die letzten Jahrzehnte ungewöhnlich ruhig in Sachen seismischer Bewegung, seit dem Jahr 1973 hat es keine stärkeren Bebenserien mehr unter der Insel gegeben. Die wenigen Beben, welche wir dennoch hatten, die führte man auf den Einsturz unterirdischer Kavernen unter oder neben der Insel zurück, nicht aber auf magmatische Bewegungen. - So dachten wir auch zunächst, wieder einmal ein solcher Einsturz, allerdings bebte die Erde immer wieder bis heute Mittag und das in Stärken von 1,4 bis 2,9 wobei nicht berichtet wird, dass irgendjemand eines dieser Beben auch gespürt hätte. - Liegt wohl an der Tiefe der Ereignisse, meist zwischen 20 und 30 Kilometer unter der Insel.

Durch die Wiederholungen allerdings ist die These vom Einsturz irgendwelcher Hohlräume unwahrscheinlich geworden, so dass man nun davon ausgeht, dass es wohl unter dem südlichen Teil der Insel Bewegung von Magma gibt. - Wären wir nun auf El Hierro, auf Tenerife oder zwischen Tenerife und Gran Canaria, dann wären solche Ereignisse keine Meldung wert, aber genau unter unserer Insel ist das eben wohl zumindest beachtenswert. - Was nun daraus zu folgern ist, da geraten wir schnell an unsere Wissensgrenzen, denn nach der genauen Verfolgung der Vorgänge um das Jahr 2006 auf Tenerife oder der Eruptionen vor der Nachbarinsel El Hierro haben wir auf jeden Fall eines gelernt, die wirklichen Spezialisten in Sachen kanarischer Vulkanologie halten sich mit Vorhersagen äußerst zurück. - Darüber hinaus ist Sonntag, kaum ein Institut, welches sich mit der Materie beschäftigt ist besetzt, und lediglich Nemesio Pérez vom lokalen "INVOLCAN" (INSTITUTO VOLCANOLÓGICO DE CANARIAS) äußerst sich bislang dazu und eben genau so wissend, also kurz: "Es handelt sich wohl um eine Reaktivierung der magmatischen Masse unter der Insel, welcher nicht zwingend in einer Eruption enden muss." - Vom IGN, also vom Nationalen Geographischen Institut heißt es noch kürzer, man wird die Angelegenheit genau beobachten und hier auf der Insel kümmern sich bislang lediglich zwei Lokalzeitungen um die Vorgänge unter der Insel. - Da diese Beben niemand gespürt hat, ist auch niemand alarmiert und man kann nun wohl die interessante Frage stellen, wenn ein normaler Vorgang unnormal erscheint, weil er nicht andauernd stattfindet, darf man dann noch von Normalität sprechen?

Im Moment muss auch niemand alarmiert sein, die Tiefe der Ereignisse lassen eher darauf schließen, dass nichts passiert, allerdings wäre es auch wieder fahrlässig zu behaupten, es wird sicher nichts passieren. - Wir können auch am Anfang einer längeren Phase seismischer Aktivitäten stehen, falls sich unter der Insel Magma in den Kammern sammelt oder sogar aufsteigen will. - Wir wissen ja auch alle um die Geschichte mit der Drohung, ein Abstürzen der Westflanke des Vulkangebildes Cumbre Vieja könnte einen großen Tsunami auslösen, und deshalb sind alle immer besonders hellhörig, wenn sich im Süden der Insel La Palma etwas tut. - Allerdings müsste dazu schon deutlich mehr passieren, als eine Eruption, denn wir wissen ja aus der Geschichte, dass weder der Teneguía 1972, noch der San Juan 1949, und weitere Ereignisse davor, die Insel so weit schütteln konnten, dass die Flanke der Cumbre Vieja sich medienwirksam gebeugt hätte. - Wir müssen abwarten, wie sich das alles entwickelt. - Noch fehlen die Daten der Gase, aus denen man vorsichtig schließen könnte, ob Magma aufsteigt oder nicht und vielleicht kann ich bereits morgen wieder in meine selbst gewählte Nachrichtenrente gehen, sollten uns keine weiteren Beben mehr aus unserer Lethargie rütteln.






Grafik vom IGN (Instituto Geográfico Nacional)





Kolumne eingestellt im Februar 2017

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Sonntag 19.02.2017 10:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 15 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 47 % - Luftdruck 1021 hPa

Servus

Am Mittwoch bin ich endlich nach Hause gekommen, bin aber noch ziemlich klapprig und mache nur ganz langsame Fortschritte. - Aber ich lebe noch, das ist, zumindest für mich, die gute Nachricht, und nun werden wir in den kommenden Wochen sehen, wie ich wieder auf die Beine komme. - Auf jeden Fall habe ich beschlossen - gut, eigentlich bleibt mir gar keine andere Wahl - so einige Dinge zu ändern und dazu gehört auch, dass ich mehr Zeit für meine Familie, Firma und Freunde brauche. Auch muss ich versuchen Druck von mir zu nehmen und so werde ich diese Kolumne aufgeben, auch wenn es mir wirklich nicht leicht fällt. - Aber nach über 14 Jahren reicht das dann auch, ich hatte eh viel zu oft das Gefühl, das ist sowieso schon alles geschrieben und vieles wiederholt sich immer wieder. - Nun ist Schluss damit, auch wenn das Vielen nicht gefallen wird. - OK, Einige jubeln auch, besonders die Hochglanzwerbebranche der Insel, die oft ein bisschen pikiert über meine Rundschläge war, und auch die Halbalphabeten der Facebook-Generation, welche von mehr als drei Zeilen Text bereits hoffnungslos überfordert sind. - Aber die drei Fs (Familie, Firma und Freunde) kommen einfach zuerst, und ich bin wirklich angezählt, und muss haushalten mit meiner Energie.

Mit der Firma (Ferienhäuser La Palma Urlaub) geht natürlich alles normal weiter, aber wie das mit der Seite La Palma Aktuell in Zukunft weiter läuft, das lasse ich komplett offen. - Zunächst ändere ich da auch nichts, es kommen auch noch neue Bildergalerien dazu, Kai Stockrahm, Herbert Schaar und Richard Wurdel haben bereits neue Bilder angekündigt, also wird es sich auch weiterhin lohnen, ab und zu die Seite aufzuschlagen. - Sie dient ja auch weiter zum Nachschlagen oder stöbern, nur das "Aktuell" wird eben täglich ein bisschen trüber, aber darüber mache ich mir zum jetzigen Zeitpunkt noch keine wirklichen Gedanken. - Vielen Dank für die Besserungswünsche, das waren so viele nette Nachrichten und auch ganz vielen Dank für die Jahre Begleitung in meiner Kolumne. - La Palma ist auf einem guten Weg im Moment, es geht wirklich aufwärts, auch wenn vielleicht schon fast wieder zu schnell, aber ich werde diese Entwicklung in Zukunft von meinem Schemel im Elfenbeinturm betrachten, und endlich mal die Schnauze halten.

Was aber noch erledigt werden muss, das ist die Geschichte um die Spenden für Frans Familie und natürlich werden wir den Spendern auch weiterhin Rechenschaft ablegen, wie denn die Gelder für die Ausbildung der Kinder verwendet wird. - Die ersten Überweisungen sind gerade unterwegs und da ich nicht mehr öffentlich darüber berichten kann, bitte ich alle interessierten Spender sich bei uns per Mail zu melden. - In Ihrer Mail geben Sie bitte an: "Ich habe am XX.XX.201X den Betrag von XXX Euro überwiesen und möchte gerne in den E-Mail-Verteiler aufgenommen werden." - Die von SOS La Palma werden darauf hin diese Angaben bestätigen und dann sind Sie in meinem Archiv für ein Rundschreiben, immer wenn sich was Neues in Sachen Frans Familie und den Spenden ergibt.






Samstag 28.01.2017 16:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 49 % - Luftdruck 1022 hPa
Höchsttemperatur heute 18,0 Grad - niedrigste Temperatur 11,8 Grad

Leider geht es mir gesundheitlich erneut schlechter und ich weiß noch nicht, wie das weitergeht. - Ich stelle nun die Nachrichten aus, ich habe wirklich keinen Kopf dafür im Moment, wann es weitergeht, das kann ich noch nicht sagen.




Ihre Familie Ingrid & Mathias Siebold
Calle el Torreón 5/7
E-38750 El Paso
La Palma, Islas Canarias, Spanien
Tel. von Deutschland: + 34 922 497216
email: m.siebold@la-palma-urlaub.de
Kanarische Ferienhäuser auf La Palma