La Palma Aktuell
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Nachrichtenarchiv September 2009


Mittwoch 30.09.09 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 25 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 62 % - Luftdruck 1014 hPa
Höchsttemperatur heute 26,0 Grad - niedrigste Temperatur 20,0 Grad

Mit Gott an unserer Seite
Inselpräsidentin bittet Erzengel Michael um Mitarbeit

Die "Krise" hat viele Gesichter. - Gestern am Tag unseres Namenspatrons, dem San Miguel, dröhnte nur noch ein Düsenjäger über den Ort Tazacorte. - Letztes Jahr waren es noch zwei, davor drei, welche dem ebenfalls Schutzpatron der Soldaten auf diese Art und Weise ihre Devotion überbringen wollten. - Gut, eigentlich brauchen die überhaupt nicht zu kommen, aber es ist halt Tradition und Sie wissen ja wie wir auf das plötzliche Wegfallen von Traditionen reagieren, wir erfinden einfach Neue… - Zur großen Messe in der Kirche des Ortes erscheinen natürlich alle hohen Damen und Herren der Insel, da darf keiner fehlen, wenn es darum geht, dem "Patrono de la Isla" seine Aufwartung zu machen. - Auch wenn Spanien wohl die liberalsten Scheidung- sowie Abtreibungsgesetze Europas kennt, ganz im Inneren sind wir doch stockkatholisch, und die Politik beugt sich an solchen Tagen auch dem Dogma, vielleicht aber nicht wirklich in aufrichtigem Glauben, sondern eher in dem Glauben, auf solchen Veranstaltungen vom Volk gesehen zu werden. - Es fällt mir immer wieder schwer, da in vielen Handlungen unserer Politiker religiöse Hintergründe zu entdecken, es bringt sich sehr der Verdacht ein, das geschieht alles für die Galerie. - Man sagt ja auch, vor den Wahlen gehen selbst die Sozialisten in Kirche, da ist also was dran an meiner Vermutung. - Dennoch darf ich nicht und möchte auch nicht diesen Menschen wahren Glauben absprechen, die katholische Kirche bietet da ja auch pragmatische Rahmenbedingungen, wie das Recht auf Irrtum und Verzeihung. -

Interessant ist, und auch das hat bereits Tradition, dass die Inselpräsidenten diesen Tag besonders zelebrieren und auch eine Lobpreisung (Ofrenda) auf den "San Miguel Arcángel" halten. - Darin war bislang José Luis Perestelo Zeremonienmeister, wie überhaupt der kleine Mann mit solchen Auftritten sogar politische Gegner begeisterte. - Aber auch die neue Frontfrau des Cabildo Insular, Guadalupe González Taño, weiß um dieses herausragende Ereignis und zeigte keine Blöße in diesem traditionellen Akt. - Allerdings verwundert es alle immer ein bisschen, wenn Politiker die Mithilfe von Heiligen oder Schutzpatronen anflehen, wenn es nicht um Erdbeben, Feuersbrünste oder Vulkanausbrüche geht. - Nein, Guadalupe Taño bat den Heiligen Michael um Hilfe bei der Aufgabe den Arbeitslosen wieder einen Job zu verschaffen und manch einer dachte sich dabei, da hat die gute Frau die Aufgabenstellung etwas durcheinandergebracht, denn die Gewaltenteilung sagt ja wohl ganz eindeutig, für den Arbeitsmarkt ist die Politik und die Wirtschaft verantwortlich, und für das Seelenheil die kann man ruhig Religionen anstrengen. - Andere Freidenker oder gar Atheisten sind natürlich der Meinung, das sei eine Autobankrotterklärung, wenn es so schlimm um die eigenen Fähigkeiten stehe, dass man bei dem Heiligen Michael eine Arbeitsmarktpolitik einfordert, dann kann da ja was nicht in Ordnung sein. - Gut, ich finde es immer noch beruhigender den Heiligen Michael in solchen weltlichen Dingen um Hilfe zu bitten als den Westerwelle Guido, aber so hat jedes Land und jede Region seine eigenen Schrulligkeiten oder Traditionen. - Viele schöne Dinge hat Guadalupe noch gesagt, und einer Bitte an den Erzengel schließe ich mich ganz ausdrücklich an: "Danos San Miguel la claridad y la inteligencia para acertar con las medidas a tomar, que nuestras decisiones lleven a nuestro pueblo a una etapa mejor." - Gib uns Heiliger Michael Durchblick und Intelligenz, um bei der Bewältigung der Aufgaben die richtigen Mittel zu wählen, damit unsere Entscheidungen unser Volk in eine bessere Etappe führen. - Wie war das mit der Autobahn Frau Taño?



Mittwoch 30.09.09 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 68 % - Luftdruck 1016 hPa

Garafía 2.0
Astronomisches Bauvorhaben in Garafía

Eigentlich sollten wir uns freuen, da gibt es doch tatsächlich ein Ingenieurbüro vom Festland, welches mit seinen Sponsoren auf der Insel an die 120 Millionen Euro investieren will, und das auch noch im völlig strukturschwachen Garafía. - Und warum will mir dieses diabolische "eigentlich" nicht aus dem Kopf dabei. - Ein komplett neuer Stadtteil soll dort in der nordwestlichsten Gemeinde entstehen, genauer gesagt in "La Calzadilla" bei Llano Negro. - Wohnungen, viele, auch Sozialwohnungen, ein ländliches Hotel, eine Schule, gastronomische Betriebe und alles soll irgendwie mit dem astrophysikalischen Institut auf dem Roque zu tun haben, selbstverständlich nach ökologisch nachhaltigen Gedanken geplant und gebaut werden und dennoch bleibt das "eigentlich" stehen. - Als Lockangebot bietet diese Firma sich an, auch noch das so lange bereits geforderte Besucherzentrum auf dem Roque de los Muchachos zu bauen und verspricht dafür sogar mehr als 8 Millionen Euro auszugeben. - Der Bürgermeister aus Garafía kann nun nicht mehr gut schlafen, da bietet sich jemand an, in seiner von Landflucht, Arbeitslosigkeit wie Aussichtslosigkeit geschundenen Gemeinde ein anvantgardistisches Wohnprojekt von großer Reichweite zu planen und auch zu finanzieren, auf der anderen Seite kommt dieses Angebot reichlich verschwommen daher. - Weniger von den Plänen verschwommen, die wissen wohl ganz gut was sie da machen wollen, aber die Gegenfrage muss auch gestellt werden, wer bitte möchte dort nach Garafía ziehen, welche Art von Arbeit oder Beschäftigung bietet man den Menschen dort an, oder glaubt man tatsächlich, dort in Garafía einen neuen Stadtkern installieren zu können, der dann auch noch weitere Menschen anlockt und wieder so etwas wie ein Zentrum entstehen lässt.

Die Spur der man folgen sollte bei diesen Gedanken ist ja auch schon gelegt, es soll eine Siedlung werden, oder besser ein Stadtteil, der in enger Relation mit den Observatorien auf dem Roque de los Muchachos steht. - Da müsste man aber auch wieder sagen, Leute, so viele Menschen arbeiten dort nicht, dass man auf dieser Basis gleich ein Satellitendorf errichten könnte, oder wissen die von der Firma "Urbespacios" so viel mehr als wir und sind sich bereits sicher, dass wir hier auf La Palma das "EELT" bekommen, das European Extremly Large Telescope mit seinem 42 Meter Spiegel und man dadurch Wohn- und Lebensraum für hunderte von Technikern, Ingenieuren und Mitarbeitern schaffen muss, weil diese Gruppe an Menschen sich sonst wo auf der Insel verteilen würde. - Alles ein bisschen sehr wage, und wenn man schon auf das "EELT" setzt, dann wäre wohl doch eine Wohnsiedlung im Sinne der dort beschäftigten Menschen, bei aller Liebe und Schönheit der Landschaft rund um Garafía, in der Nähe der "Zivilisation" deutlich angenehmer. - Noch dazu gibt es ein winziges Detail auf bürokratischer Ebene zu erledigen, da wo die ihre Siedlung planen, darf man weder nach dem lokalen Flächennutzungsplan, noch nach dem Inselplan überhaupt eine Garage hinstellen. - Aber solche Pläne sind ja wandelbar, wer 120 Millionen Euro investieren will, der muss solche Peanuts eigentlich nicht wirklich beachten, sondern kann sich des Wohlwollens fast jeden Politikers sicher sein. - Dennoch bleibt die Sinnfrage dieses Projektes bestehen und ich werde immer hellhörig, wenn Investoren so scheinbar selbstlos ihr, sicherlich hart und ehrlich verdientes Geld, auf eine dunkelgrüne Wiese schütten wollen. - Oder gibt es diesen Bedarf an Wohnungen, weit weg von allem Stress, wo Führungskräfte und Krawattenträger ihre wohlverdiente Auszeit nehmen können und über allem der große Landschaftschill steht? - Na ja, eigentlich möchte ich das ja fast glauben, aber eben nur eigentlich.



Dienstag 29.09.09 17:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 24 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 57 % - Luftdruck 1015 hPa
Höchsttemperatur heute 24,7 Grad - niedrigste Temperatur 17,0 Grad

Der Wunderbaum
Erste grüne Triebe an den Kiefern nach dem Brand

Sieben Wochen ist es her, dass fast 4.000 Hektar Land auf La Palma gebrannt haben. - Während man erst vor einer Woche das Feuer auch offiziell als gelöscht betitelt hat, weil halt immer noch irgendwo ein paar Wurzelstöcke schwelten, sprießen bereits wieder die ersten grünen Triebe an den Kiefern in den betroffenen Waldgebieten. - Was an ein Wunder grenzen soll, ist aber für die Pinus canariensis im Grund tägliches Brot, dieser Baum hat sich daran gewöhnt mit dem Feuer zu leben und längst Strategien entwickelt, nicht nur solche Feuer zu überstehen, sondern sogar noch Nutzen daraus zu ziehen. - Auf diese Art und Weise erledigt die Kiefer sämtlichen Nebenbuhler, keine andere Pflanze schafft es diesen Lebensraum so schnell wieder in Besitz zu nehmen wie dieser knorrig-harzige Geselle. - Man kennt das ja auch aus anderen Regionen der Welt, da gibt es ja die Geschichten über Bäume in Australien die sogar die Hitze des Feuers brauchen damit die Samenkapseln sich überhaupt öffnen können und unsere Kiefer hat eine andere Strategie entwickelt, die schützt halt ihr Inneres besonders gut, schenkt alles andere den Flammen und treibt dann erneut aus. - Noch sind das natürlich nur kleine Triebe an längst nicht allen Bäumen, aber man kann damit rechnen, dass nach den ersten ergiebigeren Niederschlägen, die wohl bereits Ende dieser Woche fallen können, das Spektakel dort in der scheinbar verbrannten Wüste so richtig losgehen wird. - Bis alle Bäume wieder volles Grün haben, das dauert dann schon noch mal anderthalb bis zwei Jahre, aber die Grundfarbe des Waldes dort im Süden der Insel wird bereits noch vor dem Ende dieses Winters wieder von schwarzbraun auf grün wechseln.

Aber alleine die Feuerresistenz macht ja die Kanarische Kiefer noch nicht zum Wunderbaum, dieser, inzwischen als endemisch eingestufter Nadelbaum versorgt diese Insel auch noch mit Wasser. - Dabei reden wir jetzt mal nicht von den Wintermonaten, wenn Tiefs aus dem Westen auch uns erreichen können und Niederschläge von zum Teil beachtlicher Quantität hinterlassen, sondern von den Sommermonaten und der Wechselwirkung der tief hängenden Passatwolken mit den Kiefern. - Die bis zu 30 Zentimeter langen Nadeln hängen in ganz dichten Büscheln an den Zweigen und "kämmen" damit regelrecht die Passatwolken und so kondensiert die Feuchtigkeit an den Nadeln und tropft stetig zu Boden. - Die Kiefern selbst benötigen nur einen Bruchteil des so gewonnenen Wassers, der Rest sickert wunderbar langsam in den Boden und sammelt sich dann in unterirdischen Kavernen. - Wenn der Mensch diese Hohlräume später mal findet und anbohrt, dann kann man das Wasser auch entnehmen und für seine ganz eigenen Zwecke nutzen. - Auf diese Art und Weise sorgte die Kiefer aber dafür, dass diese Insel so aussieht wie sie heute dasteht und nicht unverdient das Prädikat "Grüne Insel" trägt. - Wie das anderes laufen kann, das zeigt das Beispiel Gran Canaria. - Die hatten auch dichte Kiefernwälder, doch war der Raubbau an dem Kiefernholz dort derart groß, weil man das Holz zum Bauen, aber auch zur massenhaften Produktion von Baumpech nutzte, dass heute dort keine großen zusammenhängende Wälder mehr existieren. - Alleine durch Niederschläge aber ist der Wasserhaushalt unserer Insel nicht zu regulieren, das Oberflächenwasser fließt viel zu schnell ab, hat kaum Zeit ins Erdreich zu versickern, sondern trägt im Gegenteil noch dazu bei, die Erosion auf den Inseln zu verstärken. - So sind wir weiterhin auf unseren Wunderbaum angewiesen, dass wir hier als geographischer Bruder der Sahara mit dem Luxus Wasser so reich beschenkt werden.


Sieben Wochen nach dem Feuer bereits erste grüne Triebe an der Kanarischen Kiefer


Sieben Wochen nach dem Feuer bereits erste grüne Triebe an der Kanarischen Kiefer


Sieben Wochen nach dem Feuer bereits erste grüne Triebe an der Kanarischen Kiefer




Dienstag 29.09.09 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 71 % - Luftdruck 1017 hPa

Wie definiere ich NEIN
Die Autobahngegner suchen klare Positionen

Früher waren immer alles "die Russen" schuld, danach "die Amerikaner", aber seit Obama wackelt ja auch dieses gefällige Feindbild und "die Deutschen" taugen ja schon lange nicht mehr für solche Spezialrollen, die haben sich früher bereits wohl hoffentlich endgültig ausgetobt. - Hier auf La Palma suchen ganz gewisse progressive Kräfte ihr Feindbild neu zu erfinden, und dazu geraten die "Ecologistas" immer mehr in den Focus, weil das Neinsager sind, und zwar Nein, des Nein wegen. - El "no por el no" formuliert sich das geläufiger in spanisch, läuft aber auf das gleiche hinaus, Fortschrittsverhinderer, zurück auf den Maulesel, wieder ab in die Höhle, das sind dann so die griffigsten Argumente gegen diese immer breiter auftretenden Proteste gegen Mammutprojekte. - Das gipfelt dann in solchen Vorwürfen wie, die Autobahngegner seien potentielle Mörder, weil sie nicht zulassen wollen, dass Krankenwagen mit Notfällen auf der Autobahn schneller ins Inselkrankenhaus kommen. - Auch am Brand in Fuencaliente waren laut dem Bürgermeister der Südgemeinde die Ökos schuld, da diese verhindert haben, dass man die Kiefern rund um den Ort abholzt. - Ich glaube nicht, dass man wirklich darauf argumentativ antworten kann, ich kann das nur so formulieren: Es ist richtig, kein Baum kann nicht brennen. - In diesem grausamen Sermon über Fortschritt und Entwicklung, und was denn nun gut sei für die Insel, gibt es sicherlich einige hardcore-Ökos, die ihren Toyota lieber gegen einen Muli eintauschen würden, aber das sind verschwindend kleine Grüppchen, oder besser nur ein paar Leute. - Der überwiegende Teil der Protestanten gegen diesen konkreten Plan, sind ganz normale Menschen, nicht nur mit ökologischem Gewissen, sondern einer allgemeinen Verantwortung gegenüber den Dingen die mit uns und unserer Umgebung geschehen. - Menschen aus völlig unterschiedlichen politischen, gesellschaftlichen und auch ideologischen Gruppen, daraus kann man keine homogene Masse basteln. - Weder von Seite der Befürworter der Autobahn, was übrigens nur ganz wenige sind, noch von der Seite der Protestanten aus, im Gegenteil, das sollte nicht mal versucht werden, nur das Ziel ist wichtig und nicht der Versuch Einklang in Grundsatzfragen über Fortschritt oder Nachhaltigkeit zu erlangen.

So steht man wohl einigen Fragen gegenüber, die man aber persönlich regeln sollte. - Es geht ja nicht nur um die Autobahn, sondern auch um noch weitere Verkehrswege wie die zweite neue Tunnelröhre, die Brücke über den Barranco de las Angustias, die Anbindung des Industriegebietes von Los Llanos an, entweder die Autobahn oder die jetzige LP3, sowie weitere kleinere Unternehmungen, welche der Inselplan vorsieht. - Da gerät man dann schnell in eine gewisse Ecke und denkt sich, wer solch einen Blödsinn plant wie die Autobahn, der macht auch alles andere falsch und bezieht nun jegliche neue Infrastrukturmaßnahme in seinen Protest mit ein. - Davor kann ich nur warnen, denn wohl wird von den Bewohnern des Nordwestens der Insel gefordert , dass man verkehrstechnisch besser und schneller an das Aridanetal angebunden wird. - Da würde diese Brücke hervorragende Dienste leisten und eine zeitliche Ersparnis von sicher 10 - 15 Minuten bringen. - Das darf man also nicht einfach komplett ausschließen. - Auch die neue zweite Tunnelröhre würde eine ähnliche Zeitersparnis bringen, vielleicht nur 8 - 10 Minuten, von Ost nach West, aber wenn wir uns mal den alten Tunnel genau ansehen, dann wird eh klar, dass dieses Relikt wohl keiner technischen Überprüfung mehr standhalten würde und wirklich eine Gefahr darstellt. - Dagegen brächte die Autobahn eine mögliche Zeitersparnis von 3 - 5 Minuten, kostet aber deutlich mehr, als Tunnel und Brücke zusammen. - Darüber hinaus wäre der Autobahnbau ein nicht mehr rückbaubarer Eingriff in die fragile Landschaft unserer Insel, eine wahre Umweltkatastrophe, würde Stadtteile El Pasos und Breña Altas zerschneiden und die Insel La Palma als Weltbiosphärenreservat absolut lächerlich machen. - Die Empörung geht nun auch dahin, dass die Inselregierung aber der Autobahn eine Priorität gegenüber dem neuen Tunnel und der Brücke eingeräumt hat, wobei doch ganz klar ist, das beide andere Unternehmungen viel sinnvoller sind, wenn man denn schon unbedingt diese Gelder nach La Palma schleppen will. - So ergibt sich als kleinster gemeinsamer Nenner in dem Protest gegen die Obrigkeit wohl die Autobahn, nicht aber die anderen Verkehrsprojekte, die wohl diskutierbar sind, aber bei weitem nicht diesen grausamen und endgültigen Eingriff in unsere Natur darstellen. - Es bleibt nur zu hoffen, dass man sich nun konzentriert gegen die Autobahn wendet, und nicht im Kleinkrieg um diese oder jene andere Straße, die einem vielleicht auch nicht gefallen mag, das primäre Ziel, die Autobahn aus dem Inselplan zu protestieren, verloren geht.



Montag 28.09.09 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 25 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 58 % - Luftdruck 1015 hPa
Höchsttemperatur heute 25,1 Grad - niedrigste Temperatur 18,0 Grad

Erzengel gegen Jungfrau - klerikale Gewaltenteilung
Am 29. September feiert man den Namensgeber der Insel

Damit kann man noch Wetten gewinnen, fragt man nach dem Namen dieser Insel. - Gut, die allermeisten Leser sind ja eingefleischte La Palma Fans und kennen die Antwort sicher: San Miguel de La Palma. - La Palma, das ist eigentlich nur eine Abkürzung, und nimmt man es mal ganz genau, dann heißt diese Insel eigentlich San Miguel, und das La Palma deutet lediglich darauf hin, dass der Brauch um die Verehrung des heiligen Michel von dem mallorquinischen Teil der Eroberer stammt, und an deren Hauptstadt Palma de Mallorca erinnern soll. Der Zusatz La Palma steht da nur, damit man weiß, wem der Brocken im Atlantik gehört, und deswegen steht da auch noch der Name der Hauptstadt der Balearen, Palma. - So müssten wir eigentlich San Miguel zu unserer Insel sagen und man könnte eher das Palma weglassen, aber über die vielen Jahre hat sich das ganz anders eingeprägt und der Name San Miguel ist selbst aus den offiziellen Registern verschwunden. - Vielleicht wäre es ja sogar besser wenn wir San Miguel heißen würden, dann wäre die Verwechslung nur noch mit einer großen spanischen Brauerei möglich, was mir nun wieder sympathischer wäre, nicht aber mehr mit Las Palmas, der Hauptstadt Gran Canarias, oder eben Palma de Mallorca. - Macht alles nichts, mir hört eh keiner zu, außer meinem Kater und ab und zu mal meine Frau. - Es ist wie es ist, diese Insel heißt nun La Palma, aber der Schutzpatron dieser Insel, das ist und bleibt der San Miguel. - Und schon wieder kommen da Einsprüche auf uns zu, da gibt es doch noch die Virgen de Las Nieves, die auch für den Schutz dieser Insel verantwortlich zu sein scheint, und bevor der Erzengel mit seinem Schwert oder Lanze auf die Jungfrau vom Schnee losgeht, weil so groß ist unsere Insel auch nicht, es geht doch. - Da hilft uns wieder ein bisschen die pragmatische Lebensweise hier auf der Insel, wir gönnen uns halt einfach den Luxus zweier Hauptgestalten im geistig-klerikalen Umfeld, auch wenn der San Miguel bis an die Zähne bewaffnet ist, das nebeneinander ist möglich.

Der Erzengel Michael ist auf jeden Fall für Tazacorte die Hauptfigur, daran gibt es überhaupt nichts zu deuteln, aber trotz des schönen Denkmals welches man ihm in Tazacorte gesetzt hat, geht die Tendenz inselweit eher deutlich zur Virgen de Las Nieves. - Inzwischen ist der 29. September gar nicht mal mehr Feiertag auf der ganzen Insel, sondern nur noch in Tazacorte, das hat zwar viele "Bagañetes" (so nennt man die Menschen aus Tazacorte) mal erzürnt, aber inzwischen hat man sich daran gewöhnt, den Miguel wohl eher für sich zu haben. - Die Jungfrau vom Schnee, die ist eigentlich die Schutzpatronin der Hauptstadt, hat sich aber über die vielen Jahre der Präsenz hier auf La Palma und der großen Devotion, wie sicher auch dem riesigen Rahmenprogramm der Festlichkeiten um diese Dame, einen besonderen Platz im Herzen den Einwohner der Insel ertrotzt oder erlächelt. - Das will ich nicht so genau sagen, auf jeden Fall ist der "Día de la Virgen" wohl inselweiter Feiertag, womit nun die Präferenzen dann doch wohl klar auf der Hand liegen. - Am morgigen 29. September, falls Sparmaßnahmen diese Tradition nicht inzwischen geändert haben, fallen immer auch noch Düsenjäger über den Ort Tazacorte ein. - Genauer gesagt "Hornets" von der Fliegerbasis "Gando" auf Gran Canaria zeigen dann gegen Mittag schneidige Flugmanöver über der Stadt im Aridanetal und wer das nicht weiß, der denkt vielleicht die Marokkaner kommen oder gar die FDP und man müsste sich dringend zur Wehr setzen. - Aber auch das hat einen einfach zu erklärbaren Hintergrund, der Michel ist ja auch noch der Schutzpatron der Soldaten, also ein wirklich viel beschäftigter Mann, so erklärt es sich vielleicht auch, warum an dem Tag immer Düsenjäger über den Ort Tazacorte fliegen und einige Pirouetten in den weltlichen Himmel über die Gemeinde schreiben. - Es ist übrigens nicht unüblich bei uns, Heilige und Schutzpatrone in der Gunst der Bevölkerung auszutauschen, auch bei uns in El Paso verehrt man die "Virgen de el Pino" mehr, als die eigentliche Schutzpatronin der Gemeinde, die "Virgen de la Bonanza". - Ja, mir geht es da nicht anders als Ihnen, so viele Engel, Jungfrauen und PatronInnen machen einen ganz wuschelig im Kopf, und nun können Sie vielleicht endlich mal nachvollziehen, warum wir Katholen manchmal so verwirrt sind…





Montag 28.09.09 08:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 19 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 69 % - Luftdruck 1017 hPa

Salamitaktik um das alte Inselkrankenhaus
Pflegeheim Las Nieves entwickelt sich in kleinen Raten

Es war ein großer Schritt für uns, als man das neue Inselkrankenhaus eröffnete. - Ein wirklich modernes Zentrum mit ausreichend Bettenkapazitäten, auch so kann man öffentliche Gelder sinnvoll anlegen. - Ich glaube das ist jetzt fast 10 Jahre her, dass man die neue Klinik endlich einweihen konnte und damit das alte Krankenhaus bei Las Nieves schließen. - Ähnlich lange wächst nun schon der Plan, dort in dem nun nicht mehr benötigten Gebäude auf die Anforderungen unserer neuen Zeit zu reagieren und ein inseleigenes Pflegeheim dort zu installieren, nachdem das dafür genutzte Sanatorium Nuestra Señora de Los Dolores in Santa Cruz de La Palma nicht nur überbelegt ist, sondern auch große strukturelle Probleme aufweist. - Allerdings braucht man eben fast diese 10 Jahre um bürokratische Hindernisse zu überwinden, da das Gebäude des alten Krankenhauses im Besitz des Schatzamtes war, welches die Nutzung aber dem kanarischen Gesundheitsdienst übergeben hat. - Das Schatzamt war wohl bereit das Gebäude an die Inselregierung zu übergeben, konnte das aber nur tun, wenn der Gesundheitsdienst das alte Krankenhaus "freigibt" und da drehte sich jahrelang gar nichts. - Grundsätzlich war man wohl bereit, dort die Insel ihr Pflegezentrum betreiben zu lassen, aber man hatte seitens des Gesundheitsdienstes auch eigenes Interesse an einem beachtlichen Teil des Gebäudes, wo man bereits eine Wäscherei und das Archiv für das Krankenhaus installiert hatte. - So verhandelte man, immer über drei Ecken, wann, wie viel, für welchen Zweck, und ob überhaupt dieser oder jener Teil des Gebäudes dann noch zur Verfügung stünde.

Das war derart aufreibend über die Jahre, dass unser alter Inselpräsident das Projekt bereits abhaken wollte und lieber einen Neubau planen, dann kam aber doch noch Bewegung in die Angelegenheit und nun endlich kann man Vollzug melden. - Allerdings zunächst nur den Bürokratischen. - In all den Jahren hat man nämlich seitens der Inselregierung zwar viele Ideen gehabt, was man denn alles machen könnte mit dem Gebäude, aber keinen echten Plan oder gar ein Projekt. - Man kann es aber dem Cabildo Insular auch nicht komplett als eigenes Versagen anheften, schließlich konnte man nie wirklich sicher sein, das Gebäude auch nutzen zu können und wie sich jetzt herausstellt, sind die an die Inselregierung übergebenen 14.000 Quadratmeter auch nicht genau die, über welche man seit Jahren sprach. - Jetzt kann also ein Projekt erstellt werden, was sich allerdings an der recht üblen Finanzlage orientieren muss und so wird dieses Pflegeheim wohl in der berühmten palmerischen Salamitaktik entstehen. - Insgesamt rechnet man mit an die 13 Millionen Euro die man benötig um das große Ziel eines Pflegeheimes und einer Station für chronisch Kranke zu bereiben, aber dieses Geld muss erst noch gedruckt (Hilfen aus Madrid), erbettelt (Hilfen von der Provinzregierung) oder im schlimmsten Fall sogar verdient (eigene Mittel) werden. - Aus Europa gäbe es nur Geld für eine Autobahn, nicht aber für ein Pflegeheim. - Zunächst, als ersten ostentativen Schritt will man nun daran gehen ein Modul für Alzheimerpatienten in das alte Krankenhaus zu installieren, dafür könnte man in diesem Jahr noch 600.000,- Euro flüssig machen. - "Con algo hay que empezar" so beginnt ein Lehrbruch für die spanischen Sprache, mit irgendetwas muss man anfangen heißt das auf Deutsch und im Moment müssen wir uns damit wohl zufrieden geben.



Sonntag 27.09.09 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 24 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 58 % - Luftdruck 1017 hPa
Höchsttemperatur heute 25,9 Grad - niedrigste Temperatur 18,1 Grad

Alles wird gut Paul!
Krisengipfel mit einem depressiven Kater

Die ersten Prognosen der Bundestagswahl haben unserem Paul nun den Rest gegeben. - Das hätte nicht auch noch sein müssen, bekommen wir doch die schlechten Nachrichten in den letzten Wochen massenweise um die Ohren gepfiffen, irgendwann steckt dann selbst der stärkste Charakter in einer tiefen Sinnkrise. - Die Asphaltwerke, die Autobahn, Golfplätze im Weltbiosphärenreservat, der schleppend laufende Tourismus, die miesen Aussichten für die Bananen, Baustellen im Gesundheitsdienst und fehlende Lehrer und nun auch noch das, die FDP taucht wieder aus der Versenkung auf, und es droht dieser herrlichen Republik, Minister aus den Reihen dieser Heuschreckenfabrik zu bekommen. - Paul will das alles nicht mehr sehen und hören, wir haben ihm zwar ein paar Lindenblütenblätter in sein Lieblingskadaverragout gebröselt, aber seit 17:01 Uhr (18:01 in der neoliberalen deutschen Republik) ist Paul in den Hungerstreik getreten und will erst wieder Nahrung zu sich nehmen, wenn das Wahlrecht für Katzen endlich durchgesetzt wird. - Nicht, dass Sie den Paul jetzt falsch verstehen, er meint natürlich nicht, dass Katzen wählen sollten, sondern das Katzen gewählt werden, denn schlimmer können die das auch nicht machen, und dabei bezieht er sich auch ausdrücklich auf die hiesige Lokalpolitik, aber auch auf gewisse Länder im europäischen Umfeld. - Allerdings in dem Zustand, in dem Paul sich momentan befindet würde ich den auch nicht wählen, der schnallt sich bald noch den Fallschirm um, oder geht in Genf baden, tiefstes Jammertal, als würde man Mäuse und Whiskas gleichzeitig verbieten wollen.

Gesprächstherapie ist eine Möglichkeit mit der ich versuche den Paul wieder psychisch etwas zu stabilisieren, und dann wende ich auch noch die Ohrreflexzonenmassage nach Dr. Umfried Windbeutel an, dem allseits bekannten und beliebten Felintherapeuten, dem schon so manches desolate Katzenvieh sein erneutes Lebensglück verdankt. - Der ist aber auch ein Sensibelchen unser Paul, der soll sich mal ein Beispiel an dem fetten und dickfelligen Mops nehmen, der meckert nie, so lange man ihm kiloweise das Futter vor den gefräßigen Rachen schiebt. - Oder auch die kleine Lucky, die trotz ihres Fahrgestellproblems, (vier Beine, aber nur drei reichen bis zum Boden) voller Freude Mäuse und andere krabbelnde Zeitgenossen jagt. - Nein, der Herr ist ein Intellektueller und ergeht sich nicht an so tierischen wie simplen Vergnügen wie er der volle Wanst oder das Jagdglück sein können, der alte Zausel grübelt und philosophiert über das Glück der Welt im Allgemeinen und seinem eigenen im ganz Besonderen. - Der war aber schon immer so, in sich gekehrt, in guten Zeiten sogar schöngeistig bis narzisstisch arrogant, aber wehe dem weht der raue Wind der schnöden Welt ungefiltert um die Ohren, der schnöden Welt in welcher der Mammonismus regiert und nur Menschen mit dem passenden Parteibuch Karriere machen können. - Augen zu, Mund zu und auch die Ohren, das kann der Paul aber nicht, sich die Ohren zuhalten, damit der ganze Mist von außen nicht an seiner Seele knabbern kann. - Aber dafür hat man doch Kumpels, oder Freunde und wer Glück hat sogar Familie und da kann der Paul sich drauf verlassen, der hat von alle dem.





Sonntag 27.09.09 11:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 74 % - Luftdruck 1018 hPa

Die Entguirisierung des Protestes
Der Kampf gegen die Autobahn findet ein breites Echo in der Bevölkerung

Was für ein Unterschied. - Am Donnerstagabend noch durften wir einer müden wie technisch minderbemittelten Darbietung der Inselregierung zum Inselplan zuhören, gestern Abend aber einem glänzend inszenierten Vortrag der "Plataforma Ciudadana" in der Casa de la Cultura von El Paso. - Die Rollen sind also klar verteilt, das Cabildo Insular, am Donnerstag vertreten durch den Rat für Planung und öffentliche Dienste (Consejero de Planificación y Servicios Públicos) Luis Viña, die "Plataforma Ciudadana" gestern Abend durch Jan Swyzen, die beiden Brüder Pedro und Felipe Yanes, sowie der allseits beliebten Pilar Acosta aus Breña Alta. - Das Haus war voll, zu groß ist die Verunsicherung und der Ärger über den erneuten Versuch der Inselregierung, eine Autobahn durch das Weltbiosphärenreservat zu schlagen, die weder sinnvoll, notwendig, noch in irgendeiner Art und Weise mit dem Ziel einer nachhaltigen Entwicklung dieser Insel vereinbar ist. - Viel Neues haben wir auch gestern Abend nicht erfahren, die Dinge sind wohl zu einfach und klar, um nicht zu verstehen, dass es um den reinen Versuch geht, diese Gelder nach La Palma zu locken, damit befreundete Baufirmen diese leckeren Aufträge bekommen. - Auch wenn das natürlich nur eine Vermutung ist, man findet einfach keine andere Erklärung dafür, dass man ausgerechnet mal parallel zu einem hervorragend funktionierenden Verkehrsweg noch eine Autobahn bauen will. - Warum es keinen kontinuierlichen Ausbau der vorhandenen Trasse gibt, um den meistbefahrenen Verkehrsweg der Insel nach Bedarf anzugleichen, das erklärt sich ganz einfach durch die Tatsache, dass die Fördermittel der Europäischen Union für die ultraperiferen Zonen der Gemeinschaft sich auf den Neubau von Straßen begrenzen, nicht aber auf den Aus- oder Umbau der vorhandenen Straßen. Das heißt im Klartext, die Autobahn würden wir aus europäischen Steuergeldern fast geschenkt bekommen, einen Ausbau der vorhandenen Straße aber müssten wir selbst bezahlen. - Na da muss es uns doch gar nicht mehr wundern, warum unsere Inselregierung eine Autobahn bauen will, auch wenn die Worte "autopista" oder "autovía" nicht mehr im offiziellen Text vorkommen, sondern inzwischen durch das Wort "(via de) preferencia" ersetzt wurden.

Wichtig zu erwähnen ist auch noch, dass diese vorgesehene Autobahn, wir bleiben bei diesem Wort, in Breña Alta ganz skurrile Kreise zieht, sogar eine Verlängerung des Weges mit einkalkuliert, um mögliche zukünftige Bebauungszonen der Gemeinde zu schonen, damit also das Argument der schnelleren Verbindung von Ost nach West auch noch weitere Seitenhiebe erhält. - Auch das Thema der Prioritäten ist sehr prägnant und macht den jetzigen Kampf gegen diese Autobahn plötzlich sogar zum wirklich zeitnahen Problem. - Wie die Streiter der "Plataforma Ciudadana" herausgefunden haben, sieht der Inselplan, "PIOLP" (Plan Insular de Ordenación de La Palma) eine Hierarchie in den Prioritäten vor, und da taucht das Projekt der Autobahn als ein "Klasse A" Objekt auf, der neue Tunnel aber bekommt den Wartelistenplatz "B" zugewiesen und die wahrscheinlich sogar vernünftige Brücke über den Barranco de las Angustias gar nur ein "C". - Das heißt also auch, dass die Autobahn noch in den bis 2012 zu bastelnden Zeitraum fällt, um an die europäischen Gelder heranzukommen, was auch wieder bedeuten würde, die Autobahn müsste dann in den kommenden 5 Jahren ab 2012 gebaut werden. - Nichts also mit abwarten und denen wird das Geld und die Lust an dem Ganzen schon vergehen, die Autobahnpläne sind konkreter und lebendiger denn je, auch gegen die lokalen Entscheidungen der Gemeinden El Paso und Breña Alta.

In diesen Komplex platzt nun noch Miguel Ángel Pulido herein, Vizechef der Planungsabteilung für territoriale Frage der Provinzregierung, und damit eigentlicher Vorgesetzter von Luis Viña der palmerischen Inselregierung und widerspricht dem Inselplan ganz deutlich in einem Interview mit der Zeitung "El Día". - Miguel Ángel Pulido führt ganz klar auf, dass es ein Abkommen zwischen der Gemeinde El Paso gibt und der Provinzregierung, welches den Bau einer alternativen kleineren Umgehungsstraße vorsieht und eben nicht die Autobahn, und man hätte seitens der Inselregierung dieses auch respektieren müssen, da nun mal die Provinzregieung weisungsbefugt über der Inselregierung steht. - Nun aber kommen die Nebensätze, von denen wir schon lange gelernt haben, dass dort eigentlich die wirkliche Information steckt: Was aber die Inselregierung wohl machen kann, ist eine mögliche Landreserve in den Plan einzubauen, damit man "anno Wirtschaftswunder" - und wenn es denn notwendig sein würde - tatsächlich solch einen neuen Verkehrsweg planen könnte. - Man wäre ja als naiver Zeitgenosse nun geneigt zu sagen, dann ist ja alles in Butter, die lokalen Tiefflieger mit ihren Autobahnplänen werden nun von der Provinzregierung zurechtgestutzt und wir können uns wieder über Bananenpreise unterhalten, aber dem ist nicht so. - Es handelt sich dabei einfach nur um den Versuch, dem Protest gegen die Autobahn die Schärfe und große Anhängerschar zu nehmen, in dem man sich wieder auf die alte Geschichte mit der gar nicht bedrohlichen Landreserve herausreden will. - Dem entgegen steht, dass unser Inselplan über Jahre hin in Zusammenhang mit der Provinzregierung ausgearbeitet wurde und Miguel Ángel Pulido wohl zu wissen hat, was in dem "PIOLP" steht und dass dort die Autoahn wieder auftaucht, und das sogar mit der Priorität "A" versehen. - Ich muss das ganz einfach als klassischen Versuch der Beruhigung, oder gar der Volksverdummung ansehen, unsere Politik ist zwar nicht sonderlich durch kognitive Hürden belastet, aber dass der Planungschef für territoriale Angelegenheiten nicht weiß und mitbekommt, was sein Inselkollege hier auf La Palma in den Plan zeichnet, das ist einfach lebensfremd, oder einfach nur peinlich. - Gut, ich kann mich auch irren, darin habe ich bereits gewisse Erfahrung gesammelt, aber ich fürchte mal einfach, so billig kommen wir aus der Sache nicht heraus.

Von solchen Versuchen lässt sich die "Plataforma Cuidadana" auch nicht beeindrucken, und man hat nun vor, die kommenden Wochen bis zum Stichtag 14. Oktober reichlich zu nutzen, um den Protest gegen diesen blödsinnigen Verkehrsweg auf noch breitere Beine zu stellen. - Radiospots werden geschaltet, Flyer gedruckt und verteilt und man hat ausdrücklich aufgefordert, diese Geschichte um die Autobahn auch mündlich an alle Bekannten weiter zu tragen. - Die Plataforma lässt auch gerade einen Einspruch gegen den Inselplan von einer Rechtsanwältin formulieren, der allerdings erst ab dem 6. Oktober verfügbar sein wird. - Diese "Alegación" wird dann auch für alle Bürger kostenlos zur Verfügung gestellt werden und auf jeden Fall in den Gemeinden El Paso und Breña Alta an neuralgischen Punkten zur Unterschrift ausgelegt. - Ob es auch noch gelingt, das in anderen Gemeinden zu machen, das wissen wir noch nicht, hängt halt einfach auch davon ab, ob man genügend freiwillige Unterstützer findet. - Die Plataforma bietet sogar an, diese "Alegaciones" dann bei der Inselregierung einzureichen, einfacher kann man es nicht machen. - Aber auch die Bürger der EU-Staaten haben das Recht gegen diese Geldverschwendung und dieses Umweltdelikt höchster Güte ihr Bedenken zu äußern. - Dazu werde ich hier in der Seite, wohl am 7. Oktober diese "Alegación" auch zum runterladen einstellen. - Man kann sich diese Beschwerde dann bequem ausdrucken und per Post, (Einschreiben ist sehr zu empfehlen), an die palmerische Inselregierung senden. - Zeitprobleme gibt es dabei nicht, denn als Abgabedatum zählt der Moment, in dem man den Brief auf der Post abliefert, und nicht der Tag an dem das Schreiben dann hier auf La Palma ankommt. - Aber so weit ist es noch nicht, das dauert halt noch ein paar Tage. - Dennoch können Sie ja in Deutschland und natürlich auch in Österreich schon mal überlegen und vielleicht auch andere Menschen ansprechen, was hier auf La Palma passieren soll, es wäre nämlich außerordentlich wünschenswert, wenn auch aus dem Ausland eine große Reaktion auf diese Pläne folgen würde. - Wie gesagt, es sind ja auch Ihre Steuergelder, die hier per Asphalt und Beton in die Insel gerammt werden sollen.

Interessant, aber auch sehr beruhigend war die Beobachtung bei der gestrigen Informationsveranstaltung die Zusammensetzung der Besucher, aber eben auch der "Plataforma Ciudadana". - War es vor drei Jahren anfänglich noch ein bisschen ein "Club der schimpfenden Guiris" - (so werden mitteleuropäische Ausländer hier manchmal betitelt) so geht jetzt der Protest in eine breite palmerischen Hand über und ich war wohl erstaunt über manche Gesichter, die ich da gestern Abend plötzlich sah und die auch Beifall klatschten, wenn wieder mal ein "Dicker Hund" über die Autobahnpläne vom Stapel gelassen wurde. - Der Protest, vor drei Jahren wirklich in ausländischer Hand erstanden, ist nun endemisch geworden, und wir können einen Schritt zurücktreten und unsere hellen Schädel aus der ersten Reihe ziehen, um lokalen Kräften den guten Vortritt zu lassen. - Eine sehr positive Entwicklung, Protestkultur ist eine sehr wichtige Form der Kultur und auch der Demokratie, und das hat man hier inzwischen deutlich und gut verstanden. - Chapeau an die "Plataforma Ciudadana" und auch an alle Aufrechten dieser Insel, die nun begriffen haben, dass man sich wohl wehren kann und muss.




Jan, "el Guiri"




Schattenboxen gegen die Schlange durchs Aridanetal




Samstag 26.09.09 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 25 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 62 % - Luftdruck 1017 hPa
Höchsttemperatur heute 25,9 Grad - niedrigste Temperatur 17,0 Grad

Prioritäten setzen
Kein Geld für ein Tierheim, aber für eine Autobahn

Wir warten immer noch auf ein Tierheim für La Palma. - Dabei hatte man uns das bereits vor geraumer Zeit versprochen, zumindest hatte unser nach Madrid geflohener Ex-Presi, der immer noch stark polarisierende José Luis Perestelo gesagt, die Inselregierung erkenne endlich ihre Verantwortung an, dieses Projekt zu übernehmen. - Dazu muss man wissen, dass eigentlich die Gemeinden verpflichtet sind, sich um diese "Probleme" zu kümmern, aber das klappt weder theoretisch noch in der Praxis. - Letztendlich versucht man nur kurz abgegebene Tiere irgendwie im Bekanntenkreis anzupreisen, dann landen diese Kreaturen bei einem Tierarzt auf der Ostseite der Insel. - Auch der hat wieder seine Kontakte und versucht noch eine Bleibe zu finden, aber wenn das auch nicht fruchtet, dann werden die einstigen Maskottchen eingeschläfert. - Da läuft natürlich einiges falsch, aber die Gemeinden sind auch finanziell nicht in der Lage ein brauchbares Tierheim zu betreiben. - Gut, vielleicht die beiden großen Städte Los Llanos und Santa Cruz, aber denken wir an Gemeinden wie Fuencaliente oder Garafía, die haben nicht mal das Geld einen Zaun zu kaufen und auch ganz andere Probleme, als dieses Tierheim. - Anders sieht es aus, wenn alle Gemeinden sich an den Kosten beteiligen und die Inselregierung ihren Senf, oder besser Futter mit in den Topf wirft, und endlich ein Tierheim erstellt, welches für die gesamte Insel zuständig sein kann. - Aber wenn, dann bitte richtig, nicht wieder so harmlose Versuche wie es mal im Norden der Insel gegeben hat, als man Privatpersonen ein Grundstück zugewiesen hatte, damit die da Hunde pflegen, aber keine weiteren Hilfen flossen. - Perestelo hatte noch versprochen, er werde Kontakt zu den Gemeinden aufnehmen, ein passendes Grundstück aussuchen und dann die Finanzierung basteln. - Darüber wird nun aus Regierungskreisen seit dem Fortgang Perestelos nicht mehr gesprochen, unsere neue Chefin, Guadalupe Taño ließ sich noch nicht herab, zum Tierheim Stellung zu beziehen.

Das soll jetzt anders werden, zumindest findet nun die Partido Popular das Thema auch publikumsträchtig genug, um damit an die Öffentlichkeit zu treten. - Carlos Cabrera, Sprecher der PP auf La Palma, will nun das Thema Tierheim in die nächste Plenarsitzung des Inselrates bringen und dann muss Guadalupe Taño dazu endlich etwas sagen und dann wissen wir ein bisschen besser, ob das ausgesessen werden soll, oder wir bis zu den kommenden Wahlen nicht mehr über die Machbarkeit eines Tierheimes sprechen werden. - An die 20.000 Unterschriften konnten nämlich die Mitstreiter der sehr rührigen Gruppe "Anda La Palma" ohne großen Aufwand zusammenbekommen, die allesamt die Inselregierung auffordern, endlich ein inseleigenes Tierheim auf die Beine zu stellen. - Das sind gewaltig viele Unterschriften und in einem möglichen Wahlkampf ein wirklich gewichtiges Argument. - Aber momentan sind wir halt mittendrin in der Zeit der großen Agonie, in der Mitte der Legislaturperiode, also genau da, wo auf die Wünsche und Nöte der Bevölkerung am allerwenigsten eingegangen wird. - Sicherlich ist das Tierheim eine Geldfrage, Grundstücke wo man das betreiben könnte gäbe es genügend, ich nenne nur als Beispiel einfach mal das Gelände der alten Müllverbrennungsanlage bei Mendo in El Paso. - Das ist weit genug weg von jeglicher Siedlung, dass auch ja niemand von dem Bellen der Hunde sich gestört fühlen könnte, das Gelände gehört auch bereits der Inselregierung und Gebäude die man vielleicht nutzen könnte, sind auch schon da. - Es liegt also nur am Geld, und auch wenn wir sparen müssen, was ich ja einsehe, dann legt unsere Inselregierung ja eindeutige Prioritäten hin, Autobahn ja, Tierheim nein oder noch nicht. - Dazu fällt mir noch eine kleine Stilblüte ein, die ich heute in der eigentlich sehr guten Zeitung "La Opinión" entdeckt habe. - Da gibt es eine Fotogalerie über den Waldbrand auf La Palma. - Überschrift ist: "Catástrofe en la Isla Bonita" und wenn man dann auf die Bilder klickt, dann kommt als erstes ganz groß das Konterfei unserer Inselpräsidentin. - Sicher hat sich der Webmaster vom Dienst beim Basteln da nichts gedacht…



Samstag 26.09.09 10:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 18 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 69 % - Luftdruck 1019 hPa

Verrückte Kartoffeln
Die Mär von der gesunden Ernährung

Die Kanarische Küche hat viele interessante Rezepte zu bieten, guckt man aber mal das gastronomische Angebot an, dann landet man im Schlachtfeld der Pizzen, der südamerikanischen Rezepte, einem sehr multilateralen Versucht internationaler Küche und jeder Menge "fastfood", der nicht nur den jugendlichen Gästen vorbehalten bleibt. - Ich weiß nicht, wie es auf den anderen Kanaren ist, aber hier auf La Palma muss man Restaurants, die sich der scheinbar unrentablen Aufgabe stellen, neben gebratenem Schweinefleisch auch ein paar traditionelle Gerichte anzubieten, wirklich mit der Lupe suchen. - Das liegt vielleicht auch an der Tatsache, dass die "traditionelle kanarische Küche" wohl eine grobe, ländliche Küche ist, die von Armut geprägt ist und auf die Phantasie der Hausfrauen angewiesen war, die aus den paar kargen Brocken, welche das Feld oder das Meer in den Haushalt einbrachten eine schmackhafte Mahlzeit zu bereiten. - Eintöpfe, nur ausnahmsweise mit Fleisch oder Fisch, Unmengen von "Gofio", dem für Mitteleuropäer fast nicht genießbaren gerösteten Mehl, Käse und Früchte, darum dreht sich die ländliche Küche der Kanaren und so findet man eben Restaurants, die einen "Puchero", eine "Potaje", eine "sopa de trigo" oder einen "escacho" auf der Speisekarte führen, nur ganz selten. - Erst die Wohlstandsrevolution, einhergehend mit der Einführung von Tiefkühlprodukten brachte die große Abwechslung auf den Tisch und nun stillt man seit zwei Generationen den wohl unaufhörlichen Heißhunger auf große karnivore Portionen. - Was früher eben den seltenen Schachtfesten vorbehalten war, ist heute für kleines Geld in allen "Brasserias", "Parillas" und "Bodegas" zu bekommen, gegrilltes Fleisch, mit Mojo gangbar gemacht, ein paar Pommes frites dazu, denn "papas arrugadas" gibt es auch bereits in vielen Restaurants nicht mehr, das reicht dann schon. - Eventuelle Gemüse- oder Salatbeigaben sind schamhafte Reminiszenzen an die vielen ausländischen Gäste, die sich ja oft schon von den großen Fleischgelüsten des Nachkriegseuropas entfernt haben.

Das schmeckt alles lecker, keine Frage, aber eben die wirklich traditionelle Küche bleibt der Oma im Haushalt vorbehalten. - Ein paar Köche gehen dagegen an, es gab sogar mal eine von der Inselregierung gesponserte Aktion um den Erhalt der "Cocina tradicionál", aber Restaurants müssen rentabel arbeiten und es ist schwieriger einen Puchero oder eine Potaje zuzubereiten und diese auch über Stunden zu bewahren, also ansehnliche Stücke Schweinefleisch auf den Grill zu packen und dazu vorbereitete Pommes frites zu servieren. - Man kann aber selbst als Gast auch ein bisschen einwirken, in dem man die Wirte immer wieder ermuntert, doch neben den Gassenhauern der täglichen Fleischeslust auch immer mal ein traditionelles Gericht anzubieten. - Erfolg sehen wir hier bei El Paso zumindest im Restaurant "La Abuela", wo - nomen est omen - auch immer wieder Rezepte aus der Zeit der Großmutter die Tageskarte schmücken. - Bei Jugendlichen scheint aber Hopfen und Malz, oder lassen wir uns besser sagen, Ziegenkäse und Gofio verloren zu sein, die bekommt man halt einfach nicht auf die Nostalgieschiene. - Wobei man ehrlich sagen muss, auch unsere traditionelle Küche kann sich nicht mit dem Beinamen "dieta mediterránea" schmücken, die so ein bisschen gesunde Welle souffliert, derbe, deftig und kaloriengeschwängert kommen unsere Eintöpfe und Sattmacher daher, aber mit dem ganzen Charme ländlicher Küche. - Die Jugendlichen aber haben sich längst einer noch nicht definierten Frittenküche verschrieben, gepaart mit sudamerikanischem Maismehl-Arepa-Cachapa Singsang, und deutlichem Drang zu Varianten der Hamburger-Familie. - Absoluter Höhepunkt, und von uns als ungesündeste Mahlzeit überhaupt gekürt, ist aber der Renner bei den Jugendlichen, die "Papas locas". (Verrückte Kartoffeln, aber eben auch, verrückte Väter) - Man nehme: Pommes frites, nicht abtropfen lassen, dann gebe man reichlich Senf, Ketchup und Mayonnaise darüber, geriebenen gelben Käse, Stückchen gebratener Dosenwürstchen, Stückchen von Formschinken und zerfleddertes Hühnerfleisch. - Diese Mahlzeit wird in den von Jugendlichen frequentierten Cafeterías und Restaurants angeboten und macht halt einfach sowie billig satt, und stillt den Durst auf gesättigte Fettsäuren, Nitrit, homogenisierte Nahrungsmittelaustauschstoffe und Cholesterin gleichzeitig. - Dazu eine Cola, fertig ist das Pennälerglück, und ich sitze daneben, bin aber längst weise oder feige genug mich jetzt nicht zum "Papa loca" zu machen, fasele dann nichts von Ballaststoffen, Vitaminen und Mineralien, sondern halte einfach meinen Mund, mache Fotos vom Tatort und schreibe mir die Kalorien einfach am nächsten Tag von der Seele.




"Papas locas"




"Papas locas" 3 Minuten später




Freitag 25.09.09 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 26 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 60 % - Luftdruck 1016 hPa
Höchsttemperatur heute 26,4 Grad - niedrigste Temperatur 17,2 Grad

Yellow Press
Gruselgeschichten aus dem Polizeibericht

Nackter Mann an Baum gebunden und dann gefoltert. - Na, ist das endlich mal eine Nachricht für die sich das Weiterlesen lohnt...? - In der Tat haben wir so etwas zu bieten hier auf der Insel, auch wenn das zuerst gar nicht nach La Palma aussieht. - Leider hat die Geschichte auch wieder einen unrühmlichen Ausgang, der nämlich ein bisschen in die alte Kerbe Ausländerfeindlichkeit geht, denn bei den betroffenen Personen handelt es sich erneut um kolumbianische und venezolanische Drogenbanden. - Aber nun zunächst die Geschichte. - Anfang des Monats bereits kam ein Mann zur Guardia Civil und meldete zunächst diesen obskuren Notfall, er sei von Unbekannten verschleppt worden, die mit ihm in die Nähe des Refugio El Pilar gefahren sind und ihn dort nackt an einen Baum gebunden hätten. - Dort in reichlich unangenehmer Haltung wurde er dann noch von den anderen mit einem Gürtel geschlagen, aber er konnte irgendwann fliehen. - Durch den Wald rannte er dann davon und hielt auf der Straße schließlich ein Auto an, welches ihn zunächst mitnahm zu seinem Zuhause. - (Ich weiß ja nicht, was ich gemacht hätte, wenn ich mit meinen drei Frauen unterwegs in den Bergen wäre, und ein nackter Mann springt mir vors Auto…) - (Ich weiß auch nicht, was meine Frau gemacht hätte…) Schließlich ging der geschlagene und gedemütigte Herr auch zur Polizei. - Die wollten ihm die Geschichte zunächst gar nicht so recht glauben, denn solche Taten sind nicht wirklich typisch für hier, mussten aber der Sache nachgehen und da das Opfer die Täter gut beschreiben konnte fand man die drei Übeltäter auch ganz schnell und einer der Prügler hatte die Tat sogar mit seinem Handy fotographisch dokumentiert, so dass der Polizei schnell klar war, die Geschichte stimmt doch. - Allerdings fand man auch schnell heraus, dass es sich bei der Tat um das Begleichen einer Rechnung aus dem Drogenmilieu handelte und das Opfer nicht nur Opfer war, sondern selber ein krummer Hund. - Inzwischen sind alle vier bei der Staatsanwaltschaft gelandet und wieder Plätze in der Drogenszene vakant.

Diese "Vakanzen" werden sich aber schnell wieder schließen, es herrscht kein Nachschubproblem des Personals der Drogenszene und sehr viele dieser "Chorizos", wie man Kriminelle bei uns auch nennt, kommen eben aus Süd- oder Mittelamerika, und versuchen sich den Lebensunterhalt hier bei uns auf die schräge Tour zu verdienen. - Das führt natürlich dazu, dass Vorurteile deutliche Bestätigung erhalten und Sätze wie: Das war aber früher anders - oder aber auch: Die sollte man nicht einsperren, sondern alle rausschmeißen schnell wieder die Runde machen. - Dabei vergisst man sehr schnell, dass die allermeisten Zuwanderer aus Mittel- und Südamerika ganz friedliche Zeitgenossen sind, die zum größten Teil auch familiäre Bande hier haben und nur ein ganz kleiner Teil dieser Immigranten wirklich Blödsinn macht. - Dennoch, und auch irgendwo verständlich, reagiert diese kleine und meist sehr nah agierende Gesellschaft schnell ablehnend, wenn die Gefahr von außen zu kommen scheint. - Auch wenn man feststellen muss, dass die meisten Konsumenten hier von der Insel kommen, und nur die Lieferanten überwiegend aus anderen Provenienzen, ist es doch sehr praktisch, die Schuld an dem Dilemma mal schnell weiterzugeben. - Aber es bleibt auch ein unangenehmes Phänomen, dass Vorurteile in dieser Hinsicht so häufig bestätigt werden und dabei die notwendige, aber meist eben sehr feine Linie zwischen gesunder Vorsicht und pauschalierender Ablehnung aufgeweicht wird.



Freitag 25.09.09 08:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 18 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 71 % - Luftdruck 1017 hPa

Volksverachtung
Der Inselplan und die Autobahn

Wir hatten gestern Abend das äußerst zweifelhafte Vergnügen einem Informationsabend über den Inselplan in der Casa de la Cultura von Los Llanos beizuwohnen. - Auch denn dieses Ereignis in der Presse nicht angekündigt war - es soll wohl Spots dafür im Radio gegeben haben - versammelten sich doch mehr als einhundert Menschen dort im großen Saal. - Als Referenten war eine Dame anwesend, die wohl als Architektin am "PIOLP" (Plan Insular de Ordenación de La Palma) mitarbeitet und der Inselrat für Planung und öffentliche Dienste (Consejero de Planificación y Servicios Públicos) Luis Viña. - Geduldig hörten wir mehr als eine Stunde dem Sermon der nicht sonderlich engagierten Dame zu, welche versuchte, uns die Äußerlichkeiten des PIOLP zu erklären. - Sprich wie man solch einen Plan überhaupt liest, und welche Ressorts davon betroffen sind, und eben auch, wie wichtig solch ein komplexer Plan ist. - Auf die Punkte, was denn aber im Plan steht, ging sie nicht ein. - Könnte sie auch nicht, das wäre viel zu ausschweifend gewesen und Thema für viele schlaflose Nächte. - Irgendwann platzte einer Anwohnerin aus El Paso der Kragen und schrie es offen heraus: "Wir wollen endlich was über die Autobahn hören, denn deswegen sind wir doch alle gekommen". - So war das auch, ich kann nicht ausschließen, dass auch ein paar Zuschauer die Werbeveranstaltung in Sachen "PIOLP" weiter so verfolgen wollte, aber eigentlich ging es den Zuhörern dort nur um diesen neuen Verkehrsweg und die Folgen, welche die Insel und die direkt betroffenen Anwohner deswegen spüren werden. - So konnte man irgendwann auch der öffentlichen Diskussion nicht mehr entgehen, obwohl man an der Körperhaltung der beiden Vortragenden ganz genau sehen konnte, dass man genau dieses eigentlich durch die "Nichtbekanntgabe" dieses Termins verhindern wollte.

Die Fragen waren dann auch wenig angenehm, manch einer formulierte detailgenau seine Anliegen, andere aber hielten ihren Ärger nicht zurück und riefen die Empörung über die maßlosen Autobahnpläne für diese kleine Insel ungebremst heraus. - "Das Volk hat bereits Nein gesagt, warum kommt dieser Mist jetzt erneut auf die Tagesordnung" rief eine der engagierten Zuhörerinnen und bezog sich damit auf die lokalen Flächennutzungspläne der Gemeinden Breña Alta und El Paso, wo man nach großen Protesten die Autobahn ja aus den Planungspapieren herausgenommen hatte. - Diesen Widerspruch konnte Luis Víña auch nicht wirklich entkräften, er betonte nur immer wieder, dass die lokalen Pläne keinen Einfluss auf den großen Inselplan haben können, dürfen und sollen und die Gemeinden ihre Planungen an den Inselplan anzupassen haben. - Warum man denn dann Jahre an Alternativen oder neuen Möglichkeiten arbeitet, um dann zu erfahren, dass die ganze Chose nicht nur für die Katz, sondern auch für den Steuerzahler war, das wusste er nicht zu beantworten, das kann man ja auch nicht. - In die gleiche Kerbe traf eine andere Frage: "Die Pläne für die Umgehungsstraße von El Paso stammen ja aus der Feder der Provinzregierung, nachdem man dort in der höchsten Instanz unseren Vorschlag der Gemeinde El Paso als technisch nicht machbar abgelehnt hatte, also von einer der Inselregierung übergeordneten Behörde, warum akzeptiert der Inselplan dann diesen Vorschlag nicht?" - Die Antwort seitens Luis Viña lautete, der Inselplan muss das nicht respektieren, und spätestens nach dieser Antwort war allen klar, dass man mit dem Mann an dem Abend nicht wirklich diskutieren kann, sondern sein Auftritt zu einer reinen Machtposse verkommen war.

Er war auch schlecht vorbereitet auf den Proteststurm und nahm schnell eine Trotzhaltung ein, die man vielleicht noch von Joschka Fischer kennt, wenn man ihn nach seinen Armani-Anzügen befragt hat. - Auch die Frage, warum man denn die aktuelle Trasse nicht respektiert und den wirklichen Erfordernissen nach und nach anpasst wurde zweifelhaft beantwortet, er meinte aus sozialen Gründen, was zunächst nur Lacher im Saal produzierte, aber er blieb bei seiner schlecht gewählten Antwort und erklärte diese, dass an der alten Straße viel mehr Menschen wohnen würden als an der neuen Trasse und somit auch mit der Autobahn weniger Anwohner belästigt würden. -Das ist gleich zweimal völliger Blödsinn, einmal bleibt die alte Straße ja vorhanden, da wird ja kein Kartoffelacker oder Radweg draus gemacht und auf der anderen Seite haben sich diese Anwohner ja von selbst an die Straße gesetzt und nicht umgekehrt. - Darüber hinaus muss man auch die vielen Gewerbebetriebe beachten, die sich im Lauf der Jahre an der "LP3" angesiedelt haben und von der Straße leben. - Geschäfte, Tankstellen, Werkstätten, Läden, Restaurants, die blieben dann alle auf der Strecke, würden man den Verkehr auf eine komplett neue Trasse legen. - Eine weitere exemplarische Antwort für das fast als lümmelhaft zu bezeichnenden Auftreten des Inselrates ist die Antwort auf die Frage, wie viel Zeit man denn spare nach Santa Cruz zu kommen, wenn man die Autobahn nützen würde. - Dazu meinte er, das kommt darauf an, wer vor einem fährt. - Nicht nur wir, sondern viele anders auch hatten da spätestens die Nase voll, mehr Zeit wollten wir dann nicht mehr verschwenden, die Arroganz der Macht ist manchmal schier unerträglich, und wir werden uns auf Einsprüche und breiteren Protest bemühen müssen. - Leider kann ich Ihnen immer noch nicht die in Arbeit befindlichen "Alegaciones" zum "runterladen" anbieten, das dauert halt noch.



Donnerstag 24.09.09 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 24 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 65 % - Luftdruck 1015 hPa
Höchsttemperatur heute 25,9 Grad - niedrigste Temperatur 17,3 Grad

Strom kommt aus der Steckdose

Inzwischen wissen wir so halbwegs, warum denn gestern für über fünf Stunden der Strom auf der gesamten Insel ausgefallen ist. - Die produzierte Energie der vier Generatoren wurde durch irgendeinen Fehler plötzlich nicht mehr ins Netz gespeist, sondern in einen Transformator auf dem Gelände, der zukünftig die Überlandleitungen der Insel anstatt mit 15 oder 30 Kilovolt mit 20 kV versorgen soll. - Dieser Transformator ist aber noch nicht ans Netz angeschlossen und leitete nun die Energie an die Erdleitung ab. - Daraufhin reagierten Sensoren, die eine automatische Abschaltung aller vier Generatoren einleiteten, ganz einfach um die Turbinen nicht zu gefährden. - Die Wiederherstellung der Versorgung dauerte so lange, weil man anfänglich überhaupt nicht auf die Idee kam, dass so etwas passieren kann, man vermutete andere Ursachen für die automatische Abschaltung. - Es ist vielleicht auch nicht so fürchterlich interessant, warum nun der Strom so lange weg war, so genau verstehe ich das eh nicht und man kann mir Kilovolt und Ampere lange um die Ohren hauen und ich höre vertrauensvoll zu, ohne das wirklich überprüfen zu können. - Aber, "no hay mal que por bien no venga", so sagt man hier wenn man damit ausdrücken will, in jedem Unglück steckt auch etwas Gutes, immerhin hat dieser kapitale Stromausfall die Diskussion um unsere Energieversorgung auf der Insel wieder angefacht.

Wer halt zentral und nur in einem Kraftwerk alle Energie der Insel produzieren lässt, dem gehen die Lichter eben komplett aus, wenn dieses einzige Kraftwerk eine Havarie hat. - Nun könnte man ja hingehen und sagen, also müssen wir ein zweites Kraftwerk haben, nur so für den Fall, dass das eine kaputt geht. - Allerdings wird sich dafür kein Stromerzeuger finden lassen, der mal eben ein zweites Kraftwerk nebenan oder anderswo einfach so mitlaufen lässt, nur für den Fall dass was passieren könnte. - Auf dem platten Land ist das einfacher, da leiten viele Kraftwerke den Strom ins Netz und wenn eines ausfällt, dann übernehmen die anderen die fehlende Kapazität. - Aber auf einer Insel geht das nicht. - Stimmt aber nicht ganz, auch hier auf der Insel kann man ein Netz von Energieproduzenten aufbauen und da erinnern wir uns doch plötzlich, dass man doch dieses hehre Ziel hatte, diese Insel irgendwann komplett mit alternativen Energien zu versorgen. - Ein leckerer Mix aus Photovoltaik, eolischer Energie, Wasserkraftwerken und dann bitte noch solch interessante Dinge wie Strömungskraftwerke, weil es doch immer heißt, der mächtige Kanarenstrom zieht hier direkt bei uns vorbei. - Da hätte man dann wirklich viele kleine, oder gar mittelgroße Kraftwerke, die nicht wirklich alle auf einmal kaputt gehen können. - Wenn man das auch noch so pfiffig anstellt, tagsüber eventuell zu viel erzeugte Sonnenenergie für ein Pumpkraftwerk zu speichern und dabei ebenso mit der eolischen Energie zu verfahren, weil es durchaus eine Flaute geben könnte, dann passt das doch alles hervorragend. - Allerdings sind wir inzwischen stecken geblieben nach der ersten Euphorie, die Photovoltaik wird nicht mehr so stark subventioniert wie noch früher, und schon ziehen die Investoren sich zurück und die angekündigten weiteren Windkraftwerke stecken noch in einem unerfindlichen juristischen Hickhack, weil mal wieder irgendjemand Mist bei den Ausschreibungen gemacht hat. - So interessierte sich bei den Herren und Damen "da oben" schon lange keiner mehr dafür, einen wirklich pfiffigen, oder wie es so schön in der Fernsehwerbung heißt "smarten" Energieplan für La Palma aufzustellen. - Öl ist noch zu billig, oder man kann es ja auch subventionieren, dann dröhnt das Kraftwerk von Los Guinches noch ein paar Jahrzehnte weiter vor sich hin. - Jetzt bricht zumindest die Diskussion um alternative Energien wieder auf, auch wenn das noch kein wirklicher Sieg ist für diesen netten Umweltgedanken, vielleicht sollten wir viel öfter diese Stromausfälle haben, damit der Druck ein bisschen erhöht wird mal was zu ändern. - Ganz lustig übrigens fand ich noch vom extra angereisten Chef unseres Energieversorgers UNELCO, La Palma hätte die beste und stabilste Energieversorgung aller Kanareninseln. - Au Backe, wenn das stimmt, dann sollte man schnell ein paar Kilo Watt übern Teich werfen…



Donnerstag 24.09.09 08:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 18 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 70 % - Luftdruck 1016 hPa

Gemischter Morgen

Jetzt in der zweiten Woche nach Schulbeginn feiern wir den ersten Tag mit einem normalen Stundenplan, nachdem das IES El Paso bislang nicht in der Lage gewesen ist, den Schulbetrieb ernsthaft aufzunehmen. - Die Gründe dafür sind noch sehr undurchsichtig, liegen aber wohl daran, dass man von außen einen völlig untauglichen Arbeitsplan aufgedrückt bekam, den man nun mit eigenen Mitteln revidieren musste. - Allerdings sollte man auch bedenken, dass die Schulleitung und die Lehrerschaft bereits seit dem 1. September wieder im Dienst sind, aber erst am 24. des gleichen Monats einen korrekten Schulbetrieb auf die Beine stellen konnten. - Die Schüler nehmen es äußerst gelassen, nur wir Eltern meckern wieder, wohl wissend, dass dann vor den Zeugnissen sich wieder die Arbeiten häufen und im Pennälergalopp alles das aufgeholt werden muss, was am Anfang vertrödelt wurde.

Kalte Küche und warmes Bier. - Der Stromausfall ist bereits wieder Geschichte, allerdings hat dieser schon ein paar Wunden hinterlassen, besonders natürlich im gewerblichen Bereich, wo viele Betriebe für an die 5 Stunden ihre Arbeit einstellen mussten, weil sich ohne elektrische Energie einfach nichts bewegt. - Gründe nennt man uns noch nicht, das ist auch heikel, denn eigentlich haftet der Stromversorger für Schäden und Verluste welche durch den Stromausfall herrühren, aber wenn das Wörtchen eigentlich nicht wäre. - Die Inselregierung hat zwar versprochen, bei der Formulierung und Behandlung der Reklamationen Hilfestellung zu geben, aber mir ist eigentlich kein Fall bekannt, in dem wirklich Schadensersatz gezahlt wurde. - Für Privathaushalte ist das eh Quatsch, jede halbwegs moderne Tiefkühltruhe übersteht einen solchen Zeitraum ohne Strom. - Fraglich sind dabei aber immer wieder die auftretenden Schäden an elektronischen Geräten, man spricht von Überspannungen beim erneuten Hochfahren der Stromversorgung, welche nicht wirklich zuträglich für ausgefeilte Elektronik sein sollen.

Das Feuer ist nun gelöscht! - Jetzt werden Sie fragen, welches Feuer, doch nicht der große Brand von Anfang August? - Doch, vorgestern wurde der nun endlich als "gelöscht" eingestuft, nachdem er am 4. August bereits als kontrolliert abgetan wurde. - In der Tat hat es an vereinzelten Stellen immer noch gekokelt. Meist waren es Wurzelstücke welche dann unter der Erde nach Vorbild der Köhler weiter gequalmt haben, und die immer noch durch die Berge ziehenden kleinen Trupps von Helfern, die auf dem Rücken eine Spritze mit 16 Litern Wasser tragen, um den letzten schwelenden Feuerchen den endgültigen Garaus zu machen, hatten reichlich Schwierigkeiten mit den geringen Wasserkapazitäten solche Schwelbrände zu löschen. - Das haben nun aber die Regenfälle der letzten Tage endgültig erledigt. - Es bestand auch keine Gefahr mehr, dass aus diesen kleinen Brandnestern ein erneutes Feuer entstanden wäre, einmal gibt es rundherum nichts mehr was brennen könnte und auf der anderen Seite ist das Wetter seit Anfang September feucht und kühl, da haben Feuer im Wald keine Chance. - Von einer Erklärung über die Brandursache haben wir noch nichts vernehmen können, ich vermute mal die haben schlichtweg keine "smoking gun" gefunden, anhand derer man Verantwortung für den Brand verteilen könnte. - So wird die Geschichte dann aber zum Politikum, weil Vermutungen und Halbwahrheiten ein unangenehmes Fragezeichen im Raum, oder im Wald stehen lassen. - Na ja, vielleicht hat ja auch die ermittelnde Guardia Civil noch eine Überraschung für uns in der Kiste, die lassen sich oftmals viel Zeit, bevor sie dann mit wirklichen Fakten ans Gericht und an die Presse treten.



Mittwoch 23.09.09 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 19 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 79 % - Luftdruck 1014 hPa
Höchsttemperatur heute 25,0 Grad - niedrigste Temperatur 19,3 Grad

Stromausfall

Einen ruhigen Nachmittag hatten wir. - Grund dafür ist (war) eine kapitale Havarie in unserem Kraftwerk "Los Guinches" nahe der Hauptstadt Santa Cruz. - Kurz vor 13:00 Uhr brach die Stromversorgung auf der gesamten Insel zusammen, nicht mal mehr die Sendestationen einiger Radio- und Mobilfunksender wurden mit elektrischer Energie versorgt, so dass auch die Handys teilweise stumm blieben. - Die Gründe für dieses Ungemach konnten wir noch nicht erfahren, da hält die UNELCO noch das Händchen drauf, wird uns aber sicherlich in den kommenden Tagen erklären, warum wir denn so lange ohne Strom bleiben mussten. - Bei uns gingen ab kurz vor 17:00 Uhr die Lichter zunächst wieder an, blieben 10 Minuten brennen, dann ging der Strom erneut weg. - Jetzt allerdings nur für 10 Minuten und ich hoffe, dass ich diese Nachricht nun auch fertig schreiben kann. - Die Stromversorgung erreichte aber manche Inselteile bereits früher als uns hier in El Paso, aber eine genaue Auflistung, wann denn wo der Strom bereits schon wieder länger unterwegs ist, die gibt es noch nicht. - Stromausfälle sind bei uns früher (als mein Bart noch rot war und meine Kinder noch virtuelle Geschöpfe) sehr häufig, aber in den letzten Jahren ist die Versorgung eigentlich sehr stabil geworden. - Aber wir haben halt nur diese eine Energiequelle, eben das zentrale Kraftwerk auf der Ostseite und wenn da etwas mal richtig schief läuft, dann stehen wir alle ohne "Saft" da. - Tankstellen, manche Supermärkte und natürlich das Inselkrankenhaus haben eigene Stromquellen für den Notfall, aber es gibt hier bei uns, besonders im ländlichen Bereich noch eine unangenehme Begleiterscheinung bei Stromausfällen. - Die allermeisten Häuser in den Außenbezirken haben ohne Strom auch kein Wasser, oder nur ganz wenig, weil dann die vielen Druckerhöhungspumpen nicht arbeiten können, mit denen wir uns hier das Wasser aus den Sammelbehältern dann in die Häuser leiten. - Ohne Strom, das kann man mal ein paar Stunden machen, aber ohne Wasser, das wird dann schnell sehr lästig, besonders für den, der als Zweiter auf den Topf muss. - Hoffen wir, das jetzt die Versorgung wieder stabil ist und dann können wir uns die nächsten Tage auf meist lustig bis interessante Erklärungen von unserem Stromversorger freuen, der natürlich versuchen muss diese Panne als höhere Gewalt darzustellen, weil sonst Schadensersatzforderungen auf ihn zukommen. - Wie gesagt, wir aber hatten einen ruhigen Nachmittag…




Unser Kraftwerk "Los Guinches" nahe der Hauptstadt




Mittwoch 23.09.09 08:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 19 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 79 % - Luftdruck 1014 hPa

Deutschland wird es richten

Gestern erst konnten wir uns ein Bild davon machen, wie unser Rat für Wirtschaft und Finanzen im Provinzparlament die Gewichtung der einzelnen Ressorts sieht, in dem er die größten Schnitte beim Gesundheitswesen und im Schuldienst ansetzt, um den Sparzwang der öffentlichen Mittel zu erfüllen. - Gestern war José Manuel Soria auf La Palma und traf sich mit Repräsentanten der Geschäftswelt zu einem Arbeitstreffen. - Auch davon wird nun berichtet und wieder dürfen wir uns über die Worte des großen Vorsitzenden der Partido Popular der Kanaren wundern, in dem er ein Ende der Rezession für das Jahr 2010 voraussagt. - Na ja, so schlecht wird er mit dem Tipp gar nicht liegen, sind wir doch schon fast komplett in der Talsohle angekommen und wenn man dann am Ende die Zahlen von 2009 und 2010 vergleichen wird, dann kann es tatsächlich in diesem Vergleich eine positive Zahl geben. - Als Grund für seinen Optimismus nennt Soria Deutschland, da scheint der Aufschwung ja schon im Galopp zu reiten, auch wenn das keiner sieht außer ihm, und im nächsten Jahr würden wieder so viele Deutsche die Kanarischen Inseln besuchen dass die Sparte Tourismus die Kanaren aus der Krise reißt. - Wir sind verzückt über so viel Weitsicht und ich wünschte mir das wäre auch so, denn eine Krise hilft nicht mal der Opposition, auch wenn es sich dadurch meist einfacher schimpfen lässt. - Allerdings befürchte ich, dass die Deutschen alleine die Kanaren nicht wieder flott machen können, zumal auf der einen Seite der britische Tourismusmarkt hier (nicht auf La Palma selbst aber auf den anderen Kanaren) das größte Spenderland ist, und auf der anderen Seite wird der konventionelle Sonnen und Strandtourismus nicht wieder den Stellenwert besetzen, wie es noch vor der "Krise" war. - Zu groß ist inzwischen die Konkurrenz aus Niedriglohnländern und gerade unser Nachbar Marokko rüstet noch gewaltig auf, zum Teil sogar finanziert aus Mitteln kanarischer Hoteliers, damit zukünftig dort eine Tourismusindustrie entsteht, welche den Preis für einen Aufenthalt mit einem mindestens vergleichbaren Angebot glatt halbiert. - Auch darf man den Faktor Ölpreis nicht vergessen, sobald die Weltwirtschaft wieder anzieht, wird auch der Preis für Öl wieder kräftig ansteigen und die Flugreisen wieder teurer machen, weiteres Gift auf die Bemühungen durch einen Anstieg der Touristenzahlen die Kanaren aus dem wirtschaftlichen Tal zu ziehen.

Für La Palma selbst hat José Manuel Soria auch Tipps auf Lager, die eigentlich an Zynismus kaum noch zu überbieten sind. - Für unsere Insel sieht er die Zukunft auch im Tourismus, obwohl die Zahlen eine deutlich andere Sprache sprechen, aber auch setzt Soria auf La Palma als Industriestandort und erntet damit sicher nicht nur meine Verwunderung. - Grundsätzlich hat er recht mit der Aussage, alleine die Bananenproduktion ist für La Palma kein Zukunftsgarant, allerdings sind Industrieprojekte für unsere Insel ja noch weniger machbar, man denke nur an die Zigarettenfabrik, die wir trotz starker Subventionen und Steuergeschenken an die "JTI" an Deutschland verloren haben, die Transportkosten und die langen Laufzeiten von und nach La Palma machen uns als Industriestandort absolut unmöglich. - Wie allerdings der Hase laufen kann, das steht wieder in den berühmten Nebensätzen geschrieben. - Um eben dem wirtschaftlichen Aufschwung La Palmas nicht im Weg zu stehen müssen bürokratische und planerische Hindernisse aus dem Weg geräumt werden meint José Manuel Soria an. - Was das bedeutet, das wissen wir auch. - Golfplätze in Naturschutzgebieten, habt euch nicht so, das dient der Wirtschaft. - Asphaltwerke in dicht besiedelten Gebieten, das muss sein, der Fortschritt braucht Autobahnen, damit er rollen kann und auch der Schlot muss wieder qualmen. - Und wenn ein Investor kommt und das nächste unnötige Hotel bauen will, oder gar ein potemkinsches Dorf in Garafía plant, dann schmeißt man prompt alle mühsam erarbeiteten Flächennutzungspläne über Bord und verscherbelt den wertvollsten Besitz dieser Insel, die noch intakte Landschaft, an den erstbesten Hallodri der mit leckeren Scheinen winkt. - Mutige Politik, die über den augenblicklichen Horizont hinausgeht und der Insel langfristig dient, die ist nicht angesagt, vielleicht auch gar nicht gewollt, denn nur kurzfristige Erfolge sichern den Arbeitsplatz der Politiker. - So kommt man dann irgendwie zu dem verzweifelten Ausruf: Es ist gar nicht so schlimm, dass Politiker kurzsichtig und egoistisch handeln, aber schlimm ist, dass wir solche Akteure immer wieder in die entscheidenden Positionen heben. - Selber Schuld heißt das in Kurzform.



Dienstag 22.09.09 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 23 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 72 % - Luftdruck 1013 hPa
Höchsttemperatur heute 25,0 Grad - niedrigste Temperatur 19,3 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 23,1 - Temp. Min 12,7 - Feuchte 24 - 75 % Niederschlag 2 mm

Potemkinscher Sand

Den ollen Potemkin kennen Sie doch noch, den lustigen wie listigen Feldmarschall, der eben mal ganze Dörfer und Häuser an den Horizont malen ließ. - Ähnlich, aber nicht genau so sieht es mit dem gewaltigen Projekt aus, das sich um den Strand der Hauptstadt Santa Cruz rankt. - Da fällt uns heute ein Foto von dem Projekt ins Auge, die Online-Zeitung "elapuron.com" bringt dieses Bild, und da ich keine Fotos klaue muss Ihnen nun ein Klick darauf genügen. - Wie Sie sicher schnell festgestellt haben, trügt das Bild dieses Projektes ein bisschen, denn hier auf La Palma haben wir keinen weißen Sand, sondern unsere bekannte schwarze gemahlene Vulkanasche. - Man kann natürlich auch sagen, das sind doch Nebensächlichkeiten, - und sicher ist es das auch - allerdings schließt sich bei mir dann sofort die Frage an, ist dieses Projekt denn dann überhaupt für uns geeignet, wenn man bereits bei der Präsentation Retuschen vornehmen muss oder einfach vornimmt, oder haben die Planer dieses ambitiösen Vorhabens keine Ahnung davon, wer wir denn überhaupt sind? - Also, der Sand für diesen Strand wird sicher nicht mit Schiffen von der Sahara angekarrt werden, sondern soll aus Tazacorte kommen, wo der Atlantik immer wieder am nördlichen Teil des Hafens neue Sandmassen aufspült, die wohl locker dafür reichen sollen und den Strand hier auf der Westseite dann auch nicht komplett geplündert lassen, nur um der Hauptstadt zu einem zweiten Strand zu verhelfen. - Weiteres Fragezeichen ist natürlich, wie man aus Krisengründen gerade die Schlüsselressorts Gesundheit und Erziehung im kommenden Jahr mit 140 Millionen Euro weniger belegt und auf der anderen Seite sich solche strammen Investitionen gönnt.

Gut, dieses Vorhaben soll aber angeblich nur 28 Millionen kosten, Peanuts also, wobei ich das nicht so wirklich glauben kann, scheint mir diese Summe doch eher wieder für einen Teilabschnitt des Vorhabens zu sein. - Solche Dinge macht man gerne mal mit uns, dass man uns erst nur einen Teil der Kosten nennt, dabei unterteilt man das Projekt in mehrere Phasen und benennt halt dann nur eine Phase, was das kosten soll. - Aber ich bin weder Stadt- noch Strandplaner und habe somit keine Ahnung was das wirklich kostet und auch weiß ich nicht, ob denn der Atlantik dort vor der Hauptstadt mitspielt und nicht im Winter wieder den ganzen Sand klaut. - Auf jeden Fall ist dieses Vorhaben für die Hauptstadt natürlich eine gewaltig gute Geschichte, man würde damit aus einer geschäftig-schönen aber auch verkehrstechnisch hektischen Stadt einen geschäft-schönen Ort und auch noch Badestadt machen, was den touristischen Wert von Santa Cruz noch deutlich erhöhen wird. - Dazu hat man bereits angedacht, die Uferstraße komplett vom Durchgangsverkehr zu befreien und die Anbindung der einzelnen Stadteile dann von "oben" her, von der Umgehungsstraße aus zu führen. - Jetzt ist man insgesamt aber erst mal froh, dass nun die Küstenbehörde auch Grünes Licht für dieses Projekt gegeben hat, das war ja bis gestern noch nicht der Fall, so dass man sich noch nicht so wirklich daran wagte, dieses Jahrhundertvorhaben als reelle Angelegenheit zu betrachten. - Ich freue mich für Santa Cruz, sieht gut aus, auch wenn halt auf dem Bild nicht nur der Strand die falsche Farbe hat, alle Hochhäuser verschwunden sind und auch das stinkende Dieselelektrizitätswerk von Los Guinches nicht zu sehen ist. - Schöne neue Welt, da spart man sich doch glatt die rosarote Brille.



Dienstag 22.09.09 08:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 19 Grad - Niederschlag 6 mm - Luftfeuchte 83 % - Luftdruck 1014 hPa

Der Rotstift schlägt zu

Wir haben "crisis". - Das ist aber eigentlich nichts Neues, alle müssen sparen und manche tun das auch. - Interessant ist dabei nur, wo gespart wird. - Auch die berühmte öffentliche Hand zeigt sich knauserig, kein Wunder, schrumpfen doch auch die Einnahmen, sprich Steuern und Abgaben, mit denen man wiederum den Haushalt finanziert. - Unser Vizepräsident der Kanarischen Inseln, José Manuel Soria, ist gleichzeitig auch der Rat für Wirtschaft und Finanzen, also der oberste Herr der Kassenbücher der autonomen Region Kanaren. - Eigentlich spricht man von Soria meist nur im Zusammenhang mit irgendwelchen Schmiergeld oder Investitionsskandalen, aber bislang konnte der smarte Schnauzerträger und bekennender Aznar-Klon sich immer noch auf träge Justiz und die plötzlichen Erinnerungslücken seiner Umgebung verlassen. - Jetzt aber kommt der Hammer, der Haushalt für 2010 muss bestückt werden und sparen ist angesagt, keine Frage. - Allerdings wird genau dort gespart wo es uns am allermeisten trifft, im Gesundheitswesen und dem Ressort Erziehung, also dem Schuldienst. - 302 Millionen weniger können die Kanarischen Inseln im kommenden Jahr an öffentlichen Geldern ausschütten, und davon will man alleine 140 Millionen Euro in diesen beiden Bereichen einsparen. Die Notwendigkeit die Ausgaben zu reduzieren kann niemand bestreiten, aber die Verteilung wohin denn weniger Mittel fließen wohl, und da zeigt sich erneut das wahre Gesicht unserer momentanen Provinzregierung, in den beiden Sektoren, die fundamental für das Wohlergehen dieser Gesellschaft sind, werden die größten Einschnitte vorgenommen, obwohl seit Jahren von der Gemeinschaft gefordert wird, dass in Gesundheit und Erziehung mehr Mittel eingesetzt werden sollen, weil es da große Defizite gibt.

Die Presseerklärung nennt leider nicht alle Zahlen, aber es gibt einen interessanten Nebensatz zu beachten. - Dort weist José Manuel Soria darauf hin, dass in den Ressorts, welche vom Staat und der Europäischen Union mitfinanziert werden, keine Einschnitte vorgenommen werden, weil man ja damit auch die Subventionssumme schmälern würde. - Das muss man so deuten, im Bereich Infrastruktur wird nicht gespart werden, neue Straßen und Projekte, die mindestens zweifelhaft im Nutzen für die Volkswirtschaft sind, dort werden keine Gelder gestrichen, bei der ärztliche Versorgung und der schulischen Erziehung aber wohl. - Leider interessiert sich momentan kaum jemand für solche fragwürdigen Entscheidungen, einen Skandal will daraus niemand backen, zu drohend sind auch Kürzungen der Provinzregierung in Sachen Werbeetats bei den Zeitungen. - Die Presseerklärungen werden also brav angedruckt und wer will, der kann sich darüber Gedanken machen, wir sind in der toten Zeit der Politik, keine Wahlen stehen an, kein vorzeitiger Regierungswechsel droht, Business as usual. - Morgen wird es sicher noch eine Erklärung der Opposition geben, welche den Haushalt als unausgewogen betiteln werden und dann ist die Sache durch, wir werden uns im kommenden Jahr auf weitere Einsschnitte im Gesundheitsdienst und der Erziehung einstellen müssen. - Der Straßenbau, und damit meinen wir leider nicht die kontinuierliche Verbesserung des bestehenden Verkehrsnetzes, kann aber ungehindert weitergehen, man muss schließlich Prioritäten setzen, und das hat man ganz klar und deutlich gemacht in der Provinzregierung der Kanarischen Inseln, die in einer fatalen Koalition aus Partido Popular und Coalición Canaria geführt wird.



Montag 21.09.09 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 22 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 76 % - Luftdruck 1017 hPa
Höchsttemperatur heute 25,6 Grad - niedrigste Temperatur 20,4 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 26,4 - Temp. Min 16,8 - Feuchte 25 - 56 % Niederschlag 0 mm

Das Wandern ist des Palmeros Lust

Na ja, es gibt sie wohl die Einwohner dieser Insel, die gerne das Wanderbein schwingen, allerdings ist die überwiegende Mehrzahl von uns wohl eher der Meinung, vom Parkplatz bis zum Laden oder Restaurant das reicht, mehr als 15 Schritte sind bereits eine Wanderung und danach fängt sofort der Marathon an. - Es liegt sicher auch an dem bekannten Phänomen, wer immer diese atemberaubende Landschaft vor sich hat, der sieht die halt bereits nicht mehr richtig und in ländlichen Regionen ist es halt immer noch so, Bewegung ist Mühe und Mühe hat man schon reichlich im Alltag. - Die jungen Leute, vorwiegend natürlich die Städter, die gehen eh lieber in eines der vielen Fitnessstudios, die Waschbretthirne und Erdbeerpopos versprechen. - Mir sind die einschlägigen Terminologien da nicht so vertraut, Köperkult oder -kultur waren noch nie was für mich, wohl mangels Masse. - La Palma ist aber wohl das Wanderparadies, das ist auf jeden Fall unseren Besuchern bekannt, vielleicht steht da auch so ein bisschen die sehr starke Fokussierung auf deutsche Touristen als Erklärung bereit, sind die Deutschen doch heftig als Wandervolk bekannt. - Zwar trifft man im Sommer schon auch ein paar Festlandsspanier in unseren Bergen oder den Wanderwegen, aber irgendwie hat es sich durchgesetzt, dass man sich auf den über Tausend Kilometer gespurten Pfaden hier auf der Insel auf Deutsch grüßt wenn man sich begegnet, und über 1.500 Meter verwandelt sich dann sogar ein lockeres Hallo oder Guten Tag in ein kerniges Grüß Gott. - Ja, ich habe das selbst erlebt, die bayrische Form des Grußes wird im Gebirge auch aus preußischen Mündern gesprochen, vielleicht bekommt dem Flachländer einfach die Höhenluft nicht wirklich, denn wenn ein Dithmarscher oder jemand aus Barsinghausen ein flottes Groß Gott von den Lippen lässt, dann kann das schon an akutem Sauerstoffmangel im Brägen liegen.

Mit unserem Prädikat, anspruchsvolle und einzigartige Wanderwege zu bieten, kann man ja auch hervorragend werben. Wandern ist und bleibt, vielleicht sogar mit steigender Tendenz, eine hervorragende Möglichkeit, sich einen Ausgleich zum stressigen Alltag zu gönnen. - Was noch nicht so hervorragend klappt das sind Veranstaltungen rund um das Thema Wandern, die eben auch so ein bisschen den Gruppensinn beinhalten und auch wenn ich das Wort so überhaupt nicht leiden kann, eventuell sogar Eventcharakter haben. - Allerdings gibt es Anfänge, und nun können wir gleich bei Anglizismen bleiben, am 2. - 3. - und 4. Oktober findet das erste "Outdoor and Walklingfestival La Palma 2009" statt, mit interessanten geführten Wanderungen und einen bunten Rahmenprogramm mit Unterhaltung, Seminaren und Musik. - Auf katholisch heißt die Geschichte übrigens "FESTIVAL DE SENDERISMO Y MONTAÑA LA PALMA 2009", organisiert wird das Ganze von der Inselregierung und angeboten über die Webseite www.senderosdelapalma.com. - Die Touren die angeboten werden sind sowohl die bekannten Wanderungen wie die Vulkantour, aber auch sehr interessante Routen durch den wilden Norden. - Alle Wanderungen werden von Kennern geführt angeboten und in der Webseite ist auch angemerkt, welchen Sprachen diese Führer mächtig sind. - Auch für gehbehinderte werden Touren angeboten, das mag zunächst etwas außergewöhnlich klingen, aber man hat ja auf der Insel die "Joëlettes", mit denen jeweils zwei Begleitpersonen einen Gehbehinderten auch relativ bequem auf den Berg bringen können, wenn es nicht gerade eine Klettertour ist. - Für die Touren muss man sich auf jeden Fall vorher anmelden, das geht ganz einfach über die Webseite, es kostet nichts an den Wanderungen teilzunehmen, An- und Abfahrt muss man halt selber organisieren. - Eine empfehlenswerte Aktion, so kann man auch neue Kontakte knüpfen und dafür gibt es von mir ein Chapeau an die Inselregierung.





Montag 21.09.09 08:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 75 % - Luftdruck 1017 hPa

www.lapalma.ic

Der Mensch und seine Symbole. - Die Kanarischen Insel erleben seit geraumer Zeit ein interessantes Phänomen, welches wohl auch als Symbolismus bezeichnet werden muss, den provinziellen Nationalismus. - Wie bei allen "…ismen" ist argumentativ nicht mehr viel zu machen, die Karren "Nation" und "Unabhängigkeit" ziehen hier auf den Inseln wieder besser als noch vor ein paar Jahren und sind zum Teil auch Ausdruck der großen Unzufriedenheit der Bevölkerung mit den minimalen Schritten welche die pragmatische Demokratie politisch so anbieten kann. - Nationalistische Parteien die ein wirres Bild von einem kollektiven Freizeitpark Kanarische Inseln schwärmen, haben wir schon lange und mit solch simplen Slogans wie "lo nuestro", was nichts anderes heißt wie "(das) unsere" sogar absolute Mehrheiten in Inselparlamenten gewinnt. - Jetzt geht dieser potemkinsche Weg der regionalen Autonomie auch weiter in neue Regionen der gesellschaftlichen Weiten, die Jugendorganisation der Coalición Canaria, die sich selbst als Nationalisten bezeichnet, will jetzt für Webseiten der Kanarischen Inseln die Top-Level Domain ".ic" beantragen. - Nationalismus 2.0 wäre dann die logische Folgerung eines wirren wie interessanten Bestrebens der Kanarischen Inseln auf Unabhängigkeit vom spanischen Mutterland, welches den Weg eines starken Föderalismus seit Jahrzehnten bereits beschreibt, ohne wirklich damit den Regionen auch in gesellschaftlicher Wirkung gerecht zu werden. - Eine Notwendigkeit für solchen Regionalismus, denn anders kann man diese Bestreben in der deutschen Sprache nicht nennen, besteht beim ersten Betrachten und besonders von außen eigentlich nicht, kaum ein anderes europäisches Land gönnt seinen Provinzen eine derart umfassende Autonomie wie das Spanien Madrids, und dennoch sind diese Diskussion und auch die erfolgreichen politischen Gruppen um das Phänomen Abgrenzung erschreckend erfolgreich.

Natürlich könnte man sagen, die Kanarischen Inseln sind bereits alleine durch die exaltierte geographische Lage nicht fester Bestandteil Spaniens, allerdings sind die finanziellen, wirtschaftlichen und auch gesellschaftlichen Bindungen an das Iberische Festland derart stark und unersetzbar, dass man eine wirkliche Unabhängigkeitsbestrebung dann doch wieder in das weite Feld der abstrusen Geschichten einreihen muss. - Es wird keine wirkliche Unabhängigkeit angestrebt, das ist nur ein Symbol, oder gar ein Fanal für fehlende politische und gesellschaftliche Eigenständigkeiten, allgemeines Unwohlsein und Politikverdrossenheit wird geschickt kanalisiert und ausgenutzt, um fragwürdige Lobbyistengruppen wie die regionalen Nationalisten zu fördern, die ihrerseits in einem Satz Unabhängigkeit wie mehr Zuschüsse aus Madrid fordern. - Als Vorbild nimmt man sich gerne die katalonischen Nationalisten, die eben anders als die Basken auch ohne den grausamen ETA-Terror eine Unabhängigkeit erstritten haben, die jeden aufmerksamen Beobachter an einem funktionierenden Gesellschaftsphänomen Spanien zweifeln lässt. - Allerdings haben die Katalanen einen großen Vorteil gegenüber den Kanarischen Inseln, Katalonien ist eine der reichsten spanischen Provinzen und kann alleine mit diesem Druckmittel in Madrid äußerst kraftvoll auftreten. Auch sind deren "nationalistischen" Parteien, allen voran die "CiU" (Convergència i Unió) so massiv in Madrid vertreten, dass kaum eine spanische Regierung ohne die Duldung dieser großen und einflussreichen Gruppe regieren kann. - Das liegt im Fall der Kanarischen Inseln leider anders, die lächerlichen 2 Abgeordneten welche "unsere" Coalición Canaria nach Madrid schicken konnte spielen ein Mauerblümchendasein in der "Moncloa" und niemand braucht diese dilettantische Randgruppe atlantischer Regionalisten. - Auch wirtschaftlich sind die Kanaren nicht in der Position weitere Zugeständnisse von Madrid zu fordern, es geht nur auf dem Mitleidsweg, oder eben über dem lustigen Umweg eines konstruierten Nationalismus, der nichts anderes darstellt als billigen Missbrauch eines extrem menschlichen Bedürfnisses, welches man Zusammengehörigkeitsgefühl nennt, oder auch regionale Identität, oder noch platter schlicht und ergreifend Heimat. - Ich fordere eine Top-Level-Domain für El Paso, www.lapalma.ep und eine weitere für unsere Familie, sonst haben wir ja den ganzen Tag nichts anderes zu tun.



Sonntag 20.09.09 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 22 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 68 % - Luftdruck 1019 hPa
Höchsttemperatur heute 23,8 Grad - niedrigste Temperatur 19,5 Grad

Meine Suppe ess ich nicht…

Aber wer sagt denn, dass nur der Kaspar oder Kinder trotzig sein können. Bei uns hier - und sicher auch anderswo auf der Welt - gehört der Trotz zum Alltag, mag es auch nur dazu dienen ein bisschen Luft abzulassen, oder einfach mal seinem Gegenüber klar zumachen: Du, ich bin auch noch da. - Eine fast schon fantastische Geschichte von zivilem, oder besser putzigen Ungehorsam - und das putzig im wahrsten Sinne des Wortes, gib es nun aus Santa Cruz, unserer stolzen Hauptstadt zu vernehmen. - So mitten im Sommer, und damit auch im Nachrichtenloch, also noch vor dem Feuer im Süden der Insel, kam irgendwann mal jemand auf die Idee zu behaupten, unsere Hauptstadt sei nicht richtig sauber und man müsse dort die Arbeit der städtischen Reinigungskräfte kritisieren. - Allerdings war eben einfach nur Sommer, und da machen eben viele dieser "Barrederos", wie die fleißigen Feger mit Besen oder Palmenwedel in der Hand bei uns heißen, ihren wohlverdienten Urlaub. - Da kann es dann schon mal sein, dass dieser oder jene Bürgersteig nicht ganz so geleckt ist wie man das eigentlich haben will, gut erklärt entsteht aber daraus noch kein Problem. - Dann war da aber doch ein Stadtrat oder ein Oberstraßenkehreraufseher der diese Kritik nicht auf sich sitzen ließ und nun extra zur Unterstützung der "Barrederos" nach eingehender Beratung eine elektrischen Straßenstaubsauger für die Stadt anmietete, für sage, schreibe, staune und bezahle 3.500,- Euro im Monat. - Irgendjemand da oben hat halt plötzlich das Wort Handlungsbedarf gekräht, und schon lässt man sich von der Werbung etwas aufschwatzen. - Das erinnert mich immer an diese kleinen Tischstaubsauger die man zur Hochzeit geschenkt bekommt, oder an die Eierköpfmaschine oder aber auch an die wunderbare Erfindung dieser Tischmülleimer, die irgendwann mal der allerletzte, aber auch wirklich allerletzte Schrei waren.

So ähnlich ergeht es jetzt auch dieser hochtechnologisch erdachten Maschine, die steht in einem städtischen Schuppen herum, nachdem die Straßenkehrer beschlossen haben, das Ding braucht kein Mensch, jeder Besen leistet die gleiche Arbeit. - Dabei lobt man seitens der Stadt die technische Ausrüstung, hohe Saugkraft, trotz Batteriebetrieb ernorme Autonomie, flüsterleise und kann sogar die Bürgersteige hochkrabbeln, aber dennoch wollen die "Barrederos" diese robotische Hilfskraft einfach nicht benutzen. - Ganz am Anfang, als man das Trumm noch ganz neu in seinen Reihen hatte, da probierte man das Gerät wohl aus, es tauge aber nur, wenn wirklich viel Müll auf einem Fleck vorhanden sei und das passiere eben nur an ganz wenigen Stellen der Stadt, in der täglichen Arbeit auf den Straßen der Kapitale sei das Gerät einfach nicht angebracht. - Dahinter steckt aber wohl sicher eher der menschliche Faktor, die Straßenfeger lassen sich doch nicht von irgendwelchen Krawattenträgern erzählen wie sie ihren Job zu machen hätten und schon gar nicht durch ein lebloses Stück Technik darauf hinweisen, dass sie den Dreck von den Straßen der Hauptstadt nicht auch alleine in den Griff bekämen. - Jetzt überlegt man, wie man denn diesen Staubsauger wieder so schnell wie möglich los wird, denn einfach nur im Schuppen stehen lassen, das kann sich die Stadt natürlich nicht erlauben. - Dann sind wir doch mal froh, dass die den Apparat nicht gleich gekauft haben und dann einsehen müssen, diese Hilfe hat keiner angefordert und wollte keiner haben. - So ist es halt mit kleinen oder auch großen Hilfsangeboten an uns Menschen, steckt doch hinter jeder dieser Aufmerksamkeiten meist eine kleine Kritik, also so ähnlich wie das war, als ich meiner ersten Frau ein Kochbuch geschenkt habe…



Sonntag 20.09.09 10:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 71 % - Luftdruck 1019 hPa

Besucherzentrum auf dem Roque will von der langen Bank

Das größte und modernste Himmelsobservatorium Europas und wir können diese hochtechnologischen Einrichtungen kaum touristisch nutzen. - Etwa so stellt sich die Aufgabe, denn diese Insel sucht dringend nach neuen Lockstoffen, mit denen man Gäste auf die Insel locken will. - Da sind noch mehr Attraktionen zumindest gedanklich auf der langen Bank, denken wir an die Heilige Quelle, die Vulkantube von Todoque, bis hin zu dem aberwitzigen Gedanken, man könnte mit Golfplätzen, noch mehr Hotels und Yachthäfen das Weltbiosphärenreservat La Palma zu einem kleinen Mallorca umformen. - Dabei das geforderte und der Insel angepasste Maß zu behalten scheint dabei nicht immer einfach. - Klar ist aber, das Observatorium auf dem Roque de los Muchachos kann wirklich viele Besucher anlocken, Sternenbeobachtung ist ein weiter verbreitetes Hobby als man denkt und wo gibt es in Europa schon einen klareren Sternenhimmel als bei uns auf La Palma, denn die Profis der Astrophysik welche die Sternenwarten auf unserem höchsten Berg betreiben, die wissen schon warum sie hier sind. - Mit dem Bau des ersten Teleskops auf dem Roque war auch die Einrichtung eines Besucherzentrums mit angedacht, wobei man seinerzeit das eben nicht konkret formuliert hat, sondern lediglich in überschwänglicher Feierlaune davon erzählt hat. - Jetzt, gut 15 Jahre nach dem freizügigen Versprechen eines Besucherzentrums auf dem hohen Berg ist immer noch nichts konkretes in Aussicht, es gibt eher Kompetenzgeplänkel zwischen der Inselregierung, der Gemeinde Garafía auf dessen Gemeindegebiet die Observatorien liegen und dem "IAC", dem Instituto Astrofísico de Canarias, welche die Oberherrschaft über das Gelände dort auf dem Roque le los Muchachos übernommen hat.

Dabei regnet es auch reichlich Kritik an der astronomischen Organisation, es wird von manchen gesellschaftlichen Gruppen bemängelt, dass wir, also die Insel, überhaupt keinen Nutzen an den teuren und modernen Geräten dort oben haben. - Das allerdings ist so nicht aufrecht zu erhalten, einmal sind die Observatorien bereits eine pauschale Werbung für diese Insel und auf der anderen Seite habe die Verantwortlichen des "IAC" in den letzten Jahren die Tage der Offenen Tür derart multipliziert, dass man fast schon von einer Charmeoffensive der bislang eher zurückgezogen arbeitenden wissenschaftlichen Gilde auf dem Berg sprechen muss. - Natürlich wäre dort ein Besucherzentrum wünschenswert, welches ganzjährig und ohne Voranmeldung den Gästen die sich auf den Berg bewegen, Informationen über das dortige Treiben gibt, und dann eben auch ein bisschen Infrastruktur in die Richtung Cafetería, Toiletten und ein Sitzplatz an der Sonne, wo man auch mal ein Stündchen oder zwei auf dem hohen Berg rasten und verweilen kann. - Warum eine solche Einrichtung aber noch nicht besteht, das kann man ganz einfach auf zwei Gründe reduzieren, da ist einmal das Geld, also wer soll das bezahlen, und auf der anderen Seite, wer leitet ein solches Besucherzentrum, Cabildo Insular, IAC, oder die Gemeinde Garafía. - Letztere muss man wohl auch sachlich ausschließen, Garafía ist eine kleine Gemeinde, arm wie eine Kirchenmaus und wohl kaum in der Lage dort auf dem Berg irgendein Besucherzentrum aufzustellen. - Die Inselregierung möchte wohl, kann aber nicht einfach loslegen, einmal verwaltet das IAC dort das Gelände und auf der anderen Seite hat das Cabildo Insular auch sehr beschränkte Mittel zur Verfügung und wie wir ja wissen, haben die ´zig Baustellen ähnlicher Natur gleichzeitig am laufen, so dass wir uns sehr gedulden müssten. - Das IAC möchte überhaupt kein Geld dafür ausgeben, aber eben auch die Finger davon lassen und zeigt sich interessiert an einem Projekt eines privaten Investors, der dieses Besucherzentrum wohl bauen will, aber Bedingungen stellt. - Und diese Bedingungen sind nicht gerade klein, sondern könnten sogar zu einem explosiven Politikum geraten, wenn man den Forderungen dieses Investors nachgibt. - Die wollen nämlich als Ausgleich für die Erstellung des Besucherzentrums in der Gemeinde Garafía Bauland haben und zwar nicht wenig. - Ein Hotel, viele Wohnungen, ein kompletter neuer Ortsteil soll dort in der Gemeinde entstehen, allerdings auf einem Gelände, welches weder der lokale Flächennutzungsplan, noch der kommende Raumordnungsplan für die gesamte Insel als urbanisierbar bewertet haben. - Die Gemeinde zumindest prüft das Vorhaben dieses Investors natürlich mit einem positiv eingestellten Blick, die Inselregierung meint dazu nur, man hätte das Projekt noch gar nicht zu Gesicht bekommen und könne so auch noch keine Wertung darüber abgeben, das müssten erst die Techniker mal vor die Linse bekommen. - Das wäre natürlich ein harter Hund, wenn man einen gut bestückten privaten Investor dort bauen lässt wo man den Bewohnern der Gemeinde selbst alles verbietet, nur weil die gleichzeitig noch ein Besucherzentrum auf dem Roque de los Muchachos in Aussicht stellen. - Man muss bei solchen Danaergeschenken auch höllisch aufpassen, was man sich denn dabei einfängt. - So kommen auch aus dem Mund unserer neuen Inselpräsidentin dazu eher dezente Töne, man ist auf jeden Fall bereit solch ein Besucherzentrum zu bauen, und wenn es dafür direkt neben den Observatorien weiterhin Kompetenzprobleme gibt, dann wird man eben dieses Zentrum woanders hin stellen. - Rückenwind dafür gibt es sogar aus den Reihen der sonst so spitzen Opposition der PSOE, dort merkt man an, dass man Gelder auch aus Madrid mit einplanen könnte, wenn man das Projekt Besucherzentrum rund um die Observatorien in eigener Regie angehen möchte. - Hauptsache man geht das nicht wieder gleich so überkandidelt an wie sich das Projekt mit der Vulkanröhre von Todoque anhört, das wird alles bereits wieder viel zu groß, kostet daher viel zu viel und wird deswegen entweder nie fertig, oder schlägt nachhaltige Löcher in den ohnehin bereits angespannten Haushalt der Inselregierung. - Bescheidenheit war bislang immer unser Trumpf der uns vor Größenwahn gerettet hat, da ist ein bisschen was verrutscht und sollte bald man wieder in die rechte Tugend gerückt werden.





Samstag 19.09.09 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 22 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 71 % - Luftdruck 1019 hPa
Höchsttemperatur heute 23,6 Grad - niedrigste Temperatur 19,0 Grad

Mir ist kalt

Dabei haben im Frühjahr die alten Männer noch gesagt, dieser Sommer kommt langsam, wird dafür aber bis Dezember dauern. - Aber das haben wir die letzten Jahre schon öfter bemerken können, die alten Männer taugen nicht mehr so richtig wenn es ums Wetter geht, da hat denen das Internet längst den Rang abgelaufen. - Oder ist es etwa so, dass der berühmte und viel zu oft zitierte Klimawandel die Bauernregeln außer Kraft setzt? - Ich weiß es nicht und will es auch gar nicht wissen, denn wenn mir kalt ist, dann habe ich grundsätzlich schlechte Laune und wenn ich bereits am 19. September nach einer Strickjacke greife, dann habe ich besonders schlechte Laune. - Dabei ist eigentlich gar nichts passiert, ein paar feuchte und wolkenreiche Ausläufer der Unwetter welche auf dem spanischen Festland gewütet haben mischten sich unter unseren Passat und brachten uns auch bereits den ersten Regen. - Allerdings sehr wenig, der Boden hat die Feuchte zwar registriert, aber für die Pflanzen brauchbar waren die paar Millimeter noch nicht. - Aber wenn es eben tagsüber bewölkt ist bei uns, dann wird es eben gerade mal 20 - 24 Grad warm und das ist für unsere Verhältnisse fast schon im Bereich Raureif einzuordnen. - Die nächsten Tage bleibt es auch erstmal noch so und es kann dann auch wieder zu Niederschlägen kommen, aber in sehr geringem Ausmaß, viel Regen ist nicht zu erwarten. - Der Himmel über dem Atlantik gibt sich aber schon winterlich, den Horizont kann man schon wieder gestochen scharf erkennen und einzelne Wolkenfelder zeugen von Feuchte.

Ich weiß auch, dass wir mit unseren Temperaturen auf sehr hohem Niveau jammern, Finnen und Eskimos reißen sich bei zwanzig Grad plus die Kleider vom Leib um nicht den plötzlichen Hitzetod zu sterben, aber wir sind nun mal verpimpelte Atlanter, die ihr ganzes Leben in einem Temperaturspektrum zwischen 20 und 30 Grad verbringen. - 31 Grad ist zu warm und 19 Grad bedeutet bereits Gefahr von Erfrierungen in den äußeren Extremitäten. - da tut es weh, Gäste dieser Insel bei 21 Grad und Bewölkung in Shorts der Schlabberklasse auf unseren Straßen und Wanderwegen zu beobachten, ich möchte denen dann immer Decken in die Hand drücken oder zur Caritas schicken, die haben Hosen mit langen Beinen reichlich rumliegen. - Aber Kälte ist eben durchaus ein subjektives Gefühl, dazu müssen wir nicht mal solche Zusatznoten wie Gefühlskälte bemühen, der eine schwitzt bei 25 Grad der andere zuppelt dann schon den Pullover aus dem Schrank. - Gut, der Oktober kann ja noch die Ehre der alten Männer auf den Bänken retten und noch mal zu Höchstform auflaufen und ich erinnere mich an ein Weihnachtsfest mit über 30 Grad, es ist also noch nicht alles verloren, denn die Hoffnung stirbt bekanntermaßen zuletzt. - Wichtig ist nun aber, dass man sich gut vorbereitet auf solche grausamen Ereignisse, wenn selbst tagsüber das Thermometer nicht mehr über die 20 Grad Marke rutscht, dann ist Winteralarm angesagt und ich muss ganz tief in meinen Kleiderschrank kriechen um an die Truhe mit dem Überlebenskit zu kommen. - Dort sind fein säuberlich die Unaussprechlichen gestapelt, vier Exemplare habe ich da noch gehortet, aus der Zeit als Adenauer noch Kanzler war, die mit den langen Beinen, die einem im Winter meist näher kommen als die eigene Frau. - Ja genau, Schiesser-Tausendsassa, lang und grau, und mit Eingriff, von dem ich zwar immer noch nicht weiß wofür der da ist, denn niemand in meinem Bekanntenkreis hat jemals den Nippel durch diese Lasche gezogen. - Bislang muss ich nur wissen das die da sind, denn noch ist es nicht so weit, aber es gibt mir ein Gefühl der Geborgenheit, sobald der erste Tag droht, an dem die Temperaturen tagsüber nicht mehr die 20 Grad erreichen, da trage ich diese alten Feldkameraden wieder, denn an den Beinen frieren ist doch ganz besonders widerlich. -



Samstag 19.09.09 09:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad - Niederschlag 3 mm - Luftfeuchte 81 % - Luftdruck 1020 hPa

Keine Galgenfrist für den Inselplan

Das Buch mit tausend Siegeln, der ominöse "PIOLP" (Plan Insular de Ordenación de La Palma) soll nun einfach ohne weitere Diskussion durch die Instanzen geschoben werden. - Der Antrag der Sozialisten der PSC/PSOE von gestern im Plenum der Inselregierung, auf eine Verlängerung der Aushangs- und Beschwerdefrist um einen weiteren Monat, wurde abgelehnt. - So bleibt der Stichtag der 15. Oktober, das ist der letzte Tag an dem man Einsprüche gegen den Plan und seine partiellen Vorgaben abgeben kann. - Darunter eben auch die wieder auferstandenen Autobahnpläne, so als hätte es den massiven Protest gegen diesen irrwitzigen Verkehrsplan nie gegeben. - Auch ignoriert man damit die lokalen Flächennutzungspläne der Gemeinden Breña Alta und El Paso, die Jahre damit zugebracht haben, einen alternativen Vorschlag zu der gigantischen Schnellstraße zu entwickeln. - Gegen den Vorschlag einer Verlängerung des Aushanges stimmten die Räte der Coalición Canaria, das war erwartet worden, denn diese Gruppierung treibt die Autobahnpläne ohne nach links oder rechts zu blicken voran, man muss denen inzwischen ein deutliches Interesse nachsagen was diesen unnötigen neuen Verkehrsweg angeht, anders ist diese Verhalten nicht mehr zu erklären. - Die Partido Popular enthielt sich der Stimme, auch eine Methode Feigheit zu präsentieren, ist man doch nach Aussage des Vorsitzenden der Partei gegen die Autobahn und viele Teilaspekte des Inselplanes, hat das aber vorher schon gesagt und bevor man den Sozialisten den Gefallen einer Zustimmung macht, gibt man sich lieber kleinlaut. - Dazu muss man aber auch wissen, dass die Partido Popular kanarenweit mit der Coalición Canaria einen Pakt der Verlierer geschnürt hat, nach dem man bei den letzten provinzweiten Wahlen derbe Verluste eingesteckt hat.

Die Sozialisten erklären sich endlich und inzwischen fast einstimmig gegen die Autobahnpläne, nachdem anfänglich der Protest nur auf lokaler Ebene stattfand und man von der Partei keine klaren Aussagen dafür oder dagegen erhalten konnte. - Das ist auf der einen Seite gut, nun weiß man endlich dass man das Problem Autobahn auch politisch angehen kann, ganz einfach in dem man die Coalición Canaria und ihre unnützen Büchsenspanner der Partido Popular in den kommenden Wahlen auf die Oppositionsbank verweist, kurzfristig aber erhalten dadurch die Autobahnpläne sogar moralische Unterstützung seitens der Anhänger der Coalición Canaria, weil es einfach nur darum geht, dem politischen Gegner keinen Raum zu lassen. - Nun wird es eilig mit den "Alegaciones" und gleich mehrere Gruppen bereiten diese Einsprüche vor, aber das ist nicht ganz so einfach. - Geht man nämlich ins Detail, dann spalten sich die Autobahngegner gleich wieder auf, hängen doch an den Plänen über die eingezeichneten Verkehrspläne im Inselplan noch mehr Fragezeichen als nur die Autobahn. - Nun wird diskutiert, legt man denn den Einspruch nur gegen die Autobahn ein, oder gleich gegen den zweiten neuen Tunnel mit und weil es so schön ist auch gleich noch gegen die Brücke über den Barranco de las Angustias? - Es ist eine breite Palette an Vorstellungen, eigentlich sind sich alle einig was die Autobahn betrifft, aber in den anderen Punkten nicht. - So wird es wohl mehrere Alegaciones geben, die einen nur gegen die Autobahn, andere werden die Brücken- und Tunnelpläne mit beinhalten und ich kann nur hoffen, dass man jetzt, aufgescheucht von der Zeitnot, endlich diese Einsprüche auch dem breiten Publikum zugängig macht. - Ich bin ganz ehrlich, es ist keine Frage, dass diese Autobahn völliger Quatsch ist, eine Umweltkatastrophe und eine pure Geldverschwendung europäischer Mittel, bei der Brücke aber, oder der neuen Tunnelröhre, da komme ich auch ins Schwanken und habe die Dinge einfach für mich noch nicht fertig bewerten können. - Gut, dann soll man sich eben auf die Autobahn konzentrieren, darüber muss man nicht wirklich nachdenken. - Sobald die Eingaben gegen diesen Verkehrsweg zugänglich sind, werde ich diese hier veröffentlichen, damit auch Sie die Möglichkeit haben, gegen diesen Irrsinn anzugehen.





Freitag 18.09.09 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 23 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 63 % - Luftdruck 1020 hPa
Höchsttemperatur heute 24,6 Grad - niedrigste Temperatur 18,6 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 26,8 - Temp. Min 14,7 - Feuchte 23 - 32 % Niederschlag 0 mm

Sommerschlussverkauf! 50% Rabatt auf alle Verkehrsstrafen!

Wer will noch mal, wer hat noch nicht, zu schnell fahren, Handy am Steuer oder nicht angeschnallt, alles zum halben Preis. - In der Tat gibt es bei uns in Spanien dicke Rabatte wer seine Verkehrsstrafe innerhalb von 15 Tagen bezahlt. - Bislang sind das 30% Rabatt, die sollen aber auf 50% erhöht werden. - Das soll ab dem kommenden Jahr so werden, die Rabattschlacht wird 2010 eröffnet. - Aber kein Rabatt ohne irgendeinen Hasenfuß. - Zum einen sind die Strafen hier in Spanien eh deutlich höher als in Deutschland, so dass man oft auch rabattiert noch mehr abdrücken muss als im teutonischen Straßenverkehr und auf der anderen Seite bekommt der, der überhaupt nicht bezahlt zukünftig mächtig Ärger. - Wer zwei Strafen hintereinander nicht bezahlt hat, der kann keinen Wagen mehr auf seinen Namen zulassen, bis die Strafen getilgt sind. - Weiterhin wird es bei Geschwindigkeitsübertretungen zukünftig keine zehnprozentige Toleranz mehr geben, wer also dann bei Tempo 50 mit 51 geblitzt wird, der muss bereits 100,- Euro abdrücken und wenn er das schnell macht, dann sind es nur fünfzig muntere Mücken. - Das wird also spannend. - Der Zahlungsverkehr wird aber auf der anderen Seite erleichtert, zukünftig kann man über die Webseite der "Dirección General de Tráfico www.dgt.es seine Strafe über das Internet per Kreditkarte bezahlen, so dass es kein Problem mehr sein kann, die fünfzehntägige Frist einzuhalten. - Man muss überhaupt erstaunt sein, dass man mit diesen Rabatten so verfährt, das kennt man aus anderen Ländern nicht. - Hintergrund ist wohl einfach die grottenschlechte Zahlungsmoral ertappter Verkehrssünder und so will man die Leute dazu animieren, doch ihren Obolus zu entrichten.

Noch einen sehr interessanten Hinweis haben wir erhalten, der auch ab kommendem Jahr interessant und für manche sogar tragisch werden kann. - Der TÜV hier in Spanien, also die "ITV" (Inspección Técnica de Vehículos) wird zukünftig nur noch versicherte Fahrzeuge überhaupt begutachten und den begehrten Aufkleber in die Windschutzscheibe kleben. Bislang war und ist es immer noch möglich, das nicht versicherte Auto mit dem Abschleppwagen zur "ITV" zu bringen. Dort erhält man dann das Dokument über die Verkehrstüchtigkeit und den Aufkleber, natürlich nur wenn alles in Ordnung ist und damit kann man dann zu seinem Versicherungsagenten gehen, der nun eine Versicherung abschließen kann. - Erst dann darf man mit dem Auto auf die Straße! - Ab kommendem Jahr aber wird die "ITV" nur noch versicherte Fahrzeuge inspizieren und da droht dann manchem eine unangenehme Köpenickiade. - Wer keinen "TÜV" hat der bekommt keine Versicherung und wer keine Versicherung hat bekommt keinen "TÜV". - Wer dann also nachlässig ist mit seinen Terminen oder mit seiner Versicherung nicht auf dem Laufenden ist, der kann sein Auto dann theoretisch auch gleich auf den Punto Limpio bringen lassen. - Um solche Szenen zu vermeiden sollte man unbedingt darauf achten, die Versicherung weiterlaufen zu lassen, auch wenn man vielleicht nur ein halbes Jahr auf La Palma ist und sich auch vor einem längeren Auslandsaufenthalt davon zu überzeugen, dass die "ITV"-Plakette auch nach Rückkehr noch gültig ist. - Auch muss man darauf hinweisen, dass Fahrzeuge die keine "ITV" mehr haben oder den Prüftermin überschritten haben, auch den Versicherungsschutz verlieren können, was dann im Falle des Falles reichlichen Ärger bedeutet. - Am besten Sie lassen sich von Ihrem Versicherungsvertreter dazu ausgiebig beraten, nicht dass Sie am Ende mit einem Fahrzeug dastehen, welches plötzlich wertlos ist, weil ohne "TÜV" und Versicherung. - Die Informationen haben wir dankend vom Teneriffa-Versicherungs-Team erhalten.



Freitag 18.09.09 08:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 18 Grad - Niederschlag 1 mm - Luftfeuchte 64 % - Luftdruck 1018 hPa

Kreuzfahrer nach Los Llanos

Nein, wir müssen uns keine Sorgen um die Moschee in Los Llanos machen, Kreuzfahrer sind keine moderne Abart der Kreuzritter, welche so oft das Schwert mit dem Kreuz verwechselt haben. - Oder ist die Bezeichnung "Kreuzfahrer" vielleicht nicht ganz korrekt für die Passagiere von Kreuzfahrtschiffen? - Die "Aidaluna" eröffnet nun die Saison der Traumschiffe und auch dieses Jahr erwarten wir erneut eine leicht ansteigende Zahl an Kreuzfahrtschiffen welche unsere Insel besuchen und damit steigen auch die Erwartungen an pekuniären Resultaten welche diese Besucher auf der Insel lassen oder lassen können. - Entweder können die Passagiere zu Fuß, oder auch mit dem kleinen Straßenzug die Hauptstadt besuchen, oder aber eine der angebotenen Bustouren über die Insel buchen. - Zum Teil bietet man diese Ausflüge zu Preisen an, die nicht wirklich nachvollziehbar sind und außer dem Mietpreis für den Bus und den Fremdenführer, geht das gesamte erwirtschaftete Geld dieser Exkursionen an die Reiseveranstalter und die Insel hat so gut wie nichts davon. - Das ist aber kein Vorwurf an die Reeder oder Touroperadoren, die machen das alles um Geld zu verdienen, sondern das ist Selbstkritik. - Viel zu nachlässig und desorientiert gehen wir mit diesem wertvollen Rohstoff "Kreuzfahrer" um, ist es doch eine hervorragende Möglichkeit, entspannten Gästen die Vorteile und Schönheiten dieser Insel zu zeigen, damit die "Kreuzfahrer" diese frohe Kunde dann in alle Welt tragen und so manch einer dieser Leute sogar später mal als Urlaubsgast auf diese Insel kommt. - Darüber hinaus muss man diesen Kurzzeitbesuchern auch die Möglichkeit lassen Geld auszugeben, wenn man sich denn schon beklagt, dass wir zwar viele Besucher auf der Insel haben, aber kein messbares Ergebnis übrig bleibt.

In El Paso hat man deshalb ein Programm ausgearbeitet, Kreuzfahrern eine mehrstündige Stadtführung anzubieten, acht Punkte mit kulinarischen, kulturellen und gewerblichen Höhepunkten unseres ländlichen Insellebens. - Geworden ist daraus nicht, wir erinnern uns ja immer noch an den politischen Putsch im Rathaus von El Paso, im Februar wurden alle guten Gedanken und Vorhaben aus der Gemeinde gekehrt und konservative gestrige Kräfte haben das Ruder wieder übernommen, die nun die ganze Arbeit der vorherigen Korporation auf den Schuttabladeplatz der Zeit verfrachtet haben. - Die in Los Llanos sind aber nicht so doof wie wir in El Paso und haben nun genau solche Touren dem Anbieter der Aida Cruises empfohlen und mit der "TUI España" einen Kontrakt geschlossen, dass man jeden Dienstag den Passagieren der "Aidas" auch eine solche Städtetour anbietet, welche die Kreuzfahrer dann in die Stadt holt und nicht nur auf die gewaltige Landschaft unserer Insel konzentriert. - Gut gemacht Los Llanos, die haben natürlich auch was zu zeigen und wenn man den Kreuzfahrern dann auch noch die Zeit lässt ein paar Souvenirs einzukaufen, dann kann sich eine solche Tour für alle lohnen. - Ich bin zwar immer noch der Meinung, das könnten wir in El Paso sogar noch besser machen, aber das Rennen hat Los Llanos gewonnen, ganz einfach, weil wir in El Paso nicht mal zum Rennen angetreten sind.





Donnerstag 17.09.09 16:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 21 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 66 % - Luftdruck 1018 hPa
Höchsttemperatur heute 22,2 Grad - niedrigste Temperatur 17,8 Grad

Der Mann mit dem Zylinder

Kennt man doch die Masche, man belagert einen Schuldner so lange in der Öffentlichkeit, bis der aus Scham, Gram oder Überlegungen der öffentliche Druck könnte seinen Geschäften schaden, endlich bezahlt. - Manche Inkassobüros bedienen sich halt dabei der Methode mit dem Herrn im Frack und mit Zylinder auf dem Kopf, der dann tagein-tagaus vor dem Haus oder Geschäft des betroffenen Schuldners auf und abwandert und damit allen Umstehenden klar Kunde tut, dass hier ein Schuldner wohnt oder sein Geschäft betreibt. - Noch einfacher ist es, wenn man den Weg über die Öffentlichkeit nimmt und der Presse den Zylinder aufstülpt, um Schuldnern gehörigen Druck zu machen. - Geschäftsleute fürchten ja solche negativen Schlagzeilen wie der Westerwelle das Wort soziale Kompetenz, kann doch so etwas durchaus zu Schäden im Geschäft führen. - Der Bürgermeister von Breña Baja bedient sich nun der Presse um einem großen lokalen Schuldner auf die Sprünge zu helfen, nachdem persönliche Verhandlungen wohl nicht gefruchtet haben. - Noch dazu handelt es sich bei dem Schuldner um eine äußerst bekannte Firma die nicht nur spanienweit ihre Geschäfte betreibt und bei den Finanzämtern dieses Landes noch heute Schauer auslöst. - Die Firma heißt "Nueva Rumasa" und gehört der Firma Ruiz Mateos, die jahrzehntelang mit dem hiesigen Fiskus im Clinch lag und schließlich vom spanischen Staat enteignet wurde. - Nicht alle fanden das gut, für viele ist diese Familie und deren Firmengeflechte auch so was wie ein Ausdruck wunderbarer Finanzpolitik und Schaffer vieler Arbeitsplätze, aber die meisten sind auch dieser neuen Firma skeptisch gegenüber eingestellt, der Name "Rumasa" und eben auch "Nueva Rumasa" ist nicht gleichbedeutend mit Solvenz.

Vor gut einem halben Jahr nun hat die "Nueva Rumasa" von der Gruppe H10 das Hotel Taburiente Playa in Los Cancajos gekauft, übrigens zur Verwunderung vieler Beobachter und Kenner der Szene. - So richtig gut läuft das nämlich bekanntermaßen im konventionellen Tourismus auf La Palma nicht und in den kommenden Jahren, mögen es zwei, drei oder gar fünf Jahre sein, wird sich an dieser Situation auch nichts grundlegendes ändern. - So muss der Verkauf des Hotels ein wahres Schnäppchen gewesen sein, denn zurzeit sind Immobilien der Urlaubsbranche hier in Spanien so gut verkäuflich wie Sand in der Wüste. - Aber die Familie Ruiz Mateos hat uns immer schon mit gewagten Transaktionen überrascht, und hier auf La Palma war man auch gar nicht wirklich böse darüber dass nun neues Kapital in das Vier-sternehotel in Los Cancajos fließt, denn es gab bereits Gerüchte, dieses Hotel könnte geschlossen werden. - Allerdings hat die Gemeinde nun keine so große Freude mehr an dem neuen Betreiber, denn der will seine fälligen Steuern für den Kauf dieser Immobilie nicht bezahlen, oder er kann das nicht. - 270.000,- Euro ist die Forderung der Gemeinde Breña Baja an "Nueva Rumasa" und obwohl man dem Konzern bereits Ratenzahlung eingeräumt hat, ist bislang kein Geld geflossen. - Bevor die Gemeinde nun den nächsten Schritt unternimmt, und die Gerichte bemüht dieses Geld einzutreiben, wagt der Bürgermeister den zumindest kniffligen Akt, um nicht zu sagen gefährlichen, sich an die Presse zu wende um diesen Umstand öffentlich zu machen und so Druck auszuüben. - Es bleibt nun abzuwarten, wie "Nueva Rumasa" reagiert. - Amused sicher nicht, stellt so etwas doch eine gewaltige Negativwerbung dar und die kann sich im Moment im Tourismus niemand erlauben. - Mal sehen, ob der Schachzug des Jaime Sicilia, so heißt der bekannte Bürgermeister aus Breña Baja aufgeht, oder vielleicht sogar nach hinten los, denn Geschäftsleute, und nun ganz besonders "global players", lassen sich nicht gerne von kleinen Lokalfürsten ans adlige Bein pinkeln.



Donnerstag 17.09.09 08:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 18 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 62 % - Luftdruck 1016 hPa

Der Puff ist zu

Meistgelesene Nachricht gestern auf La Palma, der Puff in Los Llanos wurde nun auf Anordnung der Gemeinde geschlossen. - Gelbe Presse ist halt doch für die allermeisten interessant, warum auch nicht, lenkt es doch mindestens einen Moment von den eigenen Unzulänglichkeiten ab. - Die Schließung des Bordells an der Montaña Tenisca hat aber weniger damit zu tun, dass es sich um ein Lokal handelt, in dem käufliche Liebe auf der Getränkekarte stand, sondern man begründet die Schließung anhand einer andauernden Störung der Nachtruhe der umliegenden Anwohner. - Die Kneipe besaß wohl eine Lizenz ein Nachtlokal zu betreiben, welches bis 05:00 Uhr morgens geöffnet haben darf, aber die Gäste waren wohl nicht dezent und ruhig genug, Nachbarn beschwerten sich immer wieder über Krach und Spektakel rund um das Etablissement rund um die Uhr. - Die Empörung nun um die Schließung dieses Lokals hält sich in Grenzen, niemand traut sich dagegen zu protestieren, was für ein Wunder, und die Bewohner der Montaña Tenisca sind froh, dass nun nachts dort nicht mehr so viele Testosteriden herumkurven, die einen Parkplatz und mehr suchen. - Die Geschichte mit Prostitution ist in Spanien nicht konkret geregelt, und auch Los Llanos hat keine Gemeindeverordnung, die sich ausdrücklich mit Genehmigungen oder Verboten der Prostitution beschäftigt. - Allerdings hat man auch in der Vergangenheit sich schon bemüht, dieses "Problem" nach außerhalb der Stadtgrenzen zu verschieben und bot als Argumentation auch immer den wunden Punkt der öffentlichen Ordnung und andauernder Störung der Nachtruhe der nächsten Anwohner. - Ausweichmöglichkeiten gibt es wohl genug, man spricht immer von einschlägigen "Großfamilien" in den Bananenpflanzungen in Richtung Tazacorte, aber da gibt man sich sehr bedeckt, und einen kommentierten Rotlichtführer, wie es ihn für viele Großstädte dieses Erdteiles gibt, den sucht man auch La Palma noch vergebens.

Sicher auch keine Marktlücke, wer suchet der findet heißt es da immer und ich glaube nicht, dass man sich um diese Branche wirklich Sorgen machen muss. - Allerdings ist die Prostitution hier auf La Palma wohl auch komplett in Immigrantenhand, zumindest seitens der Dienst bietenden Damen, Südamerika, Osteuropa und Afrika die am häufigsten Vertretenen Provenienzen, endemisches Angebot ist wohl eher selten. - Da taucht man dann aber gleich auch wieder in das wunde aber sehr aktuelle Thema der Zwangsprostitution ein, Immigrantinnen aus Ländern die nicht der EU angehören "erarbeiten" auf diese Art und Weise sich den Eintritt ins "Gelobte Land", allerdings nur unter dem Schutz einer fragwürdigen Gesellschaft, nicht aber mit stattlichem Brief und Siegel. - Aber in Zeiten der Krise und weiteren gesellschaftlichen Zipperlein interessiert das Schicksal dieser Frauen sehr wenig, das kann man an einem interessanten Beispiel sehr gut festmachen. - Unsere streitbare wie intelligente, aber bislang eher glücklos wirkenden Vorsitzende der palmerischen Sozialisten, Mercedes Coello wagte es neulich, ein ziemlich aufrührerisches Traktat über den Zusammenhang von illegaler Immigration und daraus folgender Prostitution zu verfassen. - Allerdings erntete Mercedes Coello keine Lorbeeren oder zumindest Aufmerksamkeit für dieses zeitlose Thema, sondern eher Häme und Aggressionen. - Nicht, dass Merche, wie sie von Freunden und Parteigängern genannt wird, von Freiern oder Luden angegriffen wurde, nein, Volkes Meinung dazu war, die Dame soll sich um unsere Probleme kümmern, wir haben genug Mist hier auf der Insel zu bewältigen und Krise noch obendrein. - So schnell kann man sich in die Nesseln setzen, sie ist schließlich Oppositionsführerin und hat damit ein fest vorgeschriebenes Themenfeld zu betreuen und bloß nicht mehr. - Manchmal trügt das mit dem unendlichen Horizont, der ist viel näher als man denkt.



Mittwoch 16.09.09 17:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 26 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 52 % - Luftdruck 1016 hPa
Höchsttemperatur heute 26,4 Grad - niedrigste Temperatur 18,4 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 26,8 - Temp. Min 14,7 - Feuchte 23 - 32 % Niederschlag 0 mm

Rumpeliger Schulbeginn

Die Bücher sind bezahlt, die neuen Klamotten auch, jetzt kommen noch die ganzen neuen Hefte und Schreibutensilien dran, danach ist man pleite und dann kann es ja losgehen. - Losgegangen ist die Schule prinzipiell ja bereits, aber bis sich so alles findet in den Aulen und Räumen läuft immer noch eine lustige Übergangszeit, die jeder eigentlich als verlorene Zeit ansehen würde, der in effizienten Linien denkt. - Ich weiß nicht, ob es auf allen Schulen so ist, denn meine Kinder gehen nicht auf alle Schulen, aber was man so hört, ist dieses Jahre der Schulbeginn allgemein nicht wirklich glatt verlaufen. - Wir sehen mal davon ab uns zu beklagen, dass so manche in den Ferien begonnene Umbaumaßnahme oder Renovierung nicht rechtzeitig abgeschlossen wurde, das kann passieren. - Lustig bis traurig aber ist, wenn die Kids endlich wieder in die Schule gehen, dort seit Monaten an einem Stundenplan gebastelt wird und man dann nach dem ersten Tag feststellen muss, dass dieser Stundenplan überhaupt nicht funktioniert. - Sportlehrer müssen plötzlich Mathematik geben, Lateinlehrer Biologie und in manchen Klassen traten plötzlich zwei Lehrer auf und streiten sich darüber, wer denn nun sein Wissen verbreiten darf und siehe da, beide stehen für die Stunde auf dem Plan. - Ursache dieser latenten Katastrophe ist ein Kunstgriff der "Consejeía de Educación" in Tenerife, welche die Stundenpläne für die Schulen nun nicht mehr dem Gutdünken der Schulen überlässt, sondern Spezialisten von außerhalb die Unterrichtspläne hat schreiben lassen. - Warum man das so gemacht hat, das entzieht sich meiner Kenntnis, nur jetzt steht man vor dem Problem, dass man die Pläne komplett neu verfassen muss, damit überhaupt irgendetwas funktioniert.

Interessant ist auch noch der Umgang mit der so viel zitierten und auch besprochenen "Schweinegrippe", die man bei uns einfach immer nur "Gripe A" nennt. - Sollte ein Kind auffällig werden, also mit Schnupfen, Fieber und allem pipapo, dann wird dieser Schüler zunächst in einem dafür vorgesehenen Raum isoliert, um dann von den Eltern abgeholt zu werden, die dann das Gesundheitszentrum informieren sollen, was nun weiter passiert. - Der Rest der Schüler in der Klasse des erkälteten Kindes bekommt dann auch eine Woche Zwangsferien, so zumindest hat man das heute meinen Mädels erklärt. - Darüber hinaus gibt es noch solch weise Ratschläge wie Händewaschen, nicht andere Menschen anhusten oder anniesen und Küsschen untereinander zur Begrüßung sind genau so verpönt, wie Händeschütteln. - Gut, irgendetwas muss man machen, auch wenn es nur Placebo-Maßnahmen sind, aber wenn die tatsächlich jedes Mal die Klasse in Quarantäne stecken in der ein Kind niest oder erkältet ist, dann brauchen die sich um den Stundenplan eigentlich auch keine Sorgen mehr zu machen. - Spätestens wenn die ersten Tests anstehen, werden wohl viele Pennäler an der Scheingrippe erkranken und nicht an der Schweinegrippe, heute bei uns am Mittagstisch haben beide Damen schon geübt, wie man den möglichst grippisch dreinguckt und unverdächtig und natürlich hustet. - Allerdings kann ich nicht recht glauben, dass man das so durchziehen kann und wird, eines Tages müssen die ja auch mal geregelten Unterricht zustande bringen. - Bei alledem fällt uns immer wieder auf, das kanarische Schulsystem hat sich in den letzten 15 Jahren kolossal verbessert, und hat längst europäisches Mittel erreicht. - In den letzten Jahren allerdings scheint man sich auf Lorbeeren auszuruhen die man einmal erreicht hat und deren Fortbestand wohl nicht weiter als erstrebenswert erachtet. - Dabei liegt es nicht an den Lehrkräften, da sind genügend motivierte Kräfte dabei, aber durch Sparmaßnahmen und fragwürdige Änderungen in der Verwaltung entstehen immer weitere Ungereimtheiten, die auch den engagiertesten Lehrer irgendwann vor den gebildeten Kopf stoßen. - Aber da steckt halt unser alte bekanntes Problem der jetzigen Provinzregierung der Kanaren, die Coalición Canaria kümmert sich lieber um monumentale Infrastrukturmaßnahmen die überhaupt keinen reellen Bezug zum wirklichen Bedarf haben, (denken wir an den Puerto de Granadilla auf Tenerife, oder den dritten Ausbau des Hafens von Tazacorte, oder eben die unsinnige Autobahn auf La Palma), als an die Bereiche in denen wir wirklich Bedarf an Mehrinvestitionen hätten, wie das Gesundheitswesen oder die Bildung. - Manchmal wundert es einen, wie das trotzdem immer alles noch funktioniert. - Wir sind eben gut im Improvisieren, oder aber wir können gar nicht mehr anders und sind längst immun gegen alles was nur im Entferntesten nach Plan riecht.



Mittwoch 16.09.09 08:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 18 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 67 % - Luftdruck 1015 hPa

Öko-Wohnheim für El Paso?

Abends kreist dann der Yogitee in Ziegenlederbeutel um das Lagerfeuer unter einem Feinstaubfilter, man malt Formen, summt spirituelle Melodien und beglückwünscht jeden, der zufrieden von der Biotoilette zurück in die Runde kommt, und sein unbehandeltes Bananenblatt vom hauseigenen Schamanen zur endgültigen Reinigung gereicht bekommt. - Ich kann es einfach nicht lassen zu sticheln, da ich immer noch der Meinung bin, Befreiung vom eigenen Dogma gibt es nur, wenn man über sich selbst lachen kann. - Dabei ist das Projekt um eine Bio-Siedlung in El Paso mit so viel Ernst bestückt, dass es bereits wirklich einen Plan und genaue Vorstellungen gibt, wie das denn man auszusehen hat, und was noch wichtiger ist, wie es denn funktioniert. - Die Idee ist ja immer schon da und die Umsetzung eines solchen Projekts eigentlich bereits längst überfällig, aber auch solche Ideen unterliegen den Gesetzen der Marktwirtschaft und kämpfen mit den gleichen bürokratischen Hürden, die jeder überwinden muss, wenn er denn einen Schuppen für seine Gartengeräte bauen will. - Und hier geht es nicht um Schuppen, sondern um einen Wohnsiedlung mit sage, schreibe und baue 33 Wohneinheiten, die wenn ich es richtig verstanden habe wohl aufgeteilt sind in touristische Häuschen und größere Wohnungen für den längeren Verbleib. - Potztausend, oder besser potzdreiunddreißig, wo klemmt man die Häuser denn in den bereits so eng geschnürten lokalen Flächennutzungsplan? - Das wird nicht die einzige Sorge der Planer sein, die dringend Unterstützung von der Inselregierung suchen, um dieses Projekt nach vorne treiben zu können, ohne entsprechende Unterstützung der diversen Korporationen kann auch ein solches Projekt nicht gedeihen.

Hört sich alles gut durchdacht aus. - Die Häuser, oder besser Wohnungen sind auf abschüssigem Gelände allesamt auf der östlichen Seite ebenerdig abschließend und nach Westen hin, da wo die Sonne und die Wärme herkommt aus dem Erdreich ragend. - So will man zuerst mal den scharfen Passat bändigen und nicht an die Häuser lassen, die Sonne aber wohl und zu dem beschränkt man mit dieser halb eingegrabenen Silhouette auch deutlich den visuellen Eingriff in die Landschaft. - Die Energie für diese Häuser wird aus einem ausgeklügelten Mix, von Wind- Sonnen- Biomasseenergie gewonnen, wobei dort keine Windräder aufgestellt werden sollen, sondern die "Brisa" wie wir den scharfen Passat in El Paso nennen, in später unterirdisch verlaufenden Röhren eingefangen wird, um dort eine oder mehrere Turbinen zu betreiben. - Pflanzenkläranlagen sollen die Abwässer klären, nachdem man die wertvolle "Biomasse" vorher noch dazu benutzt Gas zu erzeugen, das Ding ist also autark was Energie und Abwässer betrifft und nutzen sollen diese Wohnanlage eben zum Teil interessierte und konsequente Feriengäste, aber auch Studenten, Wissenschaftler und Praktikanten, die sich in dieser Kommune des guten Gewissens das Wissen um alternative Energien und Bauweisen aneignen können. - Das macht ja wirklich was her und ich könnte mir vorstellen, dass ein kleinwenig pragmatischer, das Ganze auch als Vorbild für wirklich neue Wohnideen herhalten könnte, welche unsere sich deutlich im Wandel befindliche Gesellschaft fordert. - Mehrgenerationenhäuser mit der Möglichkeit alternative Wohnideen gleich mit notwendigen gesellschaftlichen Anpassungen paaren, und dann müsste man das Ganze natürlich auch noch auf wirtschaftlich unabhängige Beine stellen, die man teils durch touristische Nutzung, dem Bereithalten von Alterswohnplätzen und der Herstellung von Energie und landwirtschaftlichen Produkten sichern könnte. - Dann sind wir gleich wieder bei der Kommune angekommen, und wenn man dieses belastete Wort durch irgendeinen progressiven Anglizismus ersetzen kann, dann wird da auch mal was draus. - Wenn alles gut geht früher, wenn alles schlecht geht später und dann nicht mehr freiwillig, sondern aus purer Notwendigkeit geboren. - Auf jeden Fall sollte man dieses Wohnprojekt in El Paso aufmerksam und mindestens wohlwollend verfolgen, allzu viele Chancen uns auf die Zukunft und deren erschreckend neue Notwendigkeiten vorzubereiten, haben wir nämlich nicht mehr. - Ach ja, treibende Kraft hinter diesem Projekt ist die lokale Abteilung der Umweltstiftung "Magec".



Dienstag 15.09.09 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 26 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 63 % - Luftdruck 1016 hPa
Höchsttemperatur heute 26,8 Grad - niedrigste Temperatur 20,5 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 26,8 - Temp. Min 14,7 - Feuchte 23 - 32 % Niederschlag 0 mm

Böse Zahlen genauer betrachtet

Auch der Sommer enttäuscht in dem kanarischen Tourismussektor. - So müssen wir uns in diesem Jahr hier auf allen Kanaren wohl auf eine böse Zahl einrichten, bis Jahresende könnte es sein, dass diese sieben Inseln in einem Jahr zwischen 1,5 und 2 Millionen Touristen weniger besucht haben als noch im Jahr 2008. - Die zuständige Tourismusbehörde, "Consejería de Turismo" spuckt nun die genauen Zahlen für den August 2009 aus, jedenfalls was den Teilsektor des internationalen Tourismus betrifft. - Dabei bildet der Sommermonat August keine Ausnahme, wir befinden uns nach wie vor im freien Fall bei den Gästezahlen. - Kanarische Gäste und Festlandsspanier haben die Kiste auch nicht aus dem Krisendreck ziehen können, allerdings sind da die Zahlen noch nicht konkret genannt worden. - Überschrift in manchen Publikationen: Der schlechteste August seit 16 Jahren, und man bezieht sich damit auf den Gästeandrang im vergangenen Urlaubsmonat. - Wirklich wundern muss uns das nicht, die Krise dünnt auf der einen Seite die Zahl der Urlauber sowieso aus und viele andere beschneiden ihr Budget ganz einfach und suchen nun billigere Ziele in Ländern mit niedrigerem Lohnniveau. - Wirklich Schuld zu verteilen gibt es somit eigentlich nicht, wir müssen mit unserem Status Quo hier auch irgendwie wirtschaften und vielleicht eines Tages einsehen, dass nicht die Masse an Urlaubern den Sektor verdienen lässt, sondern das was wirklich unterm Strich liegen bleibt. - Der Sektor selbst reagiert uneinheitlich und ziemlich nervös, die einen wollen auf Biegen und Brechen Preise senken um gegen Kroatien oder die Türkei anstinken zu können, die anderen planen eher eine Qualitätsoffensive, welche für die kommenden "Nichtkrisenjahre" dann eine erhöhte Rendite erwarten lässt. - Zweiter Vorschlag ist sicher nachhaltiger, aber vielen Hoteliers oder Betreiber von Apartmentanlagen geht die Belegung halt auf "Grundeis" und die haben bereits keine Rendite mehr, wenn um die 15% weniger Gäste deren Service buchen wollen.

Auch wenn für La Palma die Prozentzahlen im ähnlichen negativen Niveau stecken wie auf den anderen Inseln, so muss man doch für unsere Insel gesamtvolkswirtschaftlich die Geschichte ein bisschen relativieren, wir sind bei weitem nicht derart vom Tourismus abhängig wie die anderen Kanareninseln, und dabei muss man besonders die beidem östlichen Inseln Lanzarote und Fuerteventura nennen, welche von diesem Krisenjahr am härtesten geschüttelt werden. - Hier nun die Zahlen:

Für die gesamten Kanaren meldet man ein Minus im Bereich des internationalen Tourismus von knappen 18% gegenüber dem August 2008 und nimmt man die ersten 8 Monate als Vergleichszeitraum, dann steht da eine immer noch deftige Zahl von - 15,4%. Auf die einzelnen Inseln verteilt sieht das so aus:

Tenerife: Minus 18,4% oder 47.000 Gäste weniger im Vergleich August 2009/2008 und im aufgelaufenen Jahr 14,3% oder 320.000 Besucher weniger.

Gran Canaria: Minus 17,3% oder 33.000 internationale Besucher im Monatsvergleich und Minus 13,1% was 228.000 Gästen entspricht.

Fuerteventura: Minus 19,6% Touristen weniger, oder in Zahlen 26.800 zwischen August 2009/2008 und in den ersten 8 Montan zählt man 19,1% oder 187.000 Gäste weniger.

Lanzarote: Minus 16,7% oder 21.700 Gäste weniger im Vergleich August 2009/2008 und im aufgelaufenen Jahr meldet man ein Minus von glatten 18% und 197.000 internationalen Gästen weniger.

La Palma: Minus 18% oder 6.800 ausländische Gäste weniger im August 2009 als noch im gleichen Monat 2008 und in den ersten 8 Monate verzeichnet man einen Verlust von 13,3% oder 71.000 Menschen, welche aus dem Ausland die Grüne Insel besucht haben.

Für La Gomera und El Hierro hat man in dem Pressetext der Behörde keine Zahlen veröffentlicht, vielleicht wissen die gar nicht mehr, dass es immer noch 7 Inseln sind, aber mal Spaß beiseite, solche Zahlen machen eh keinen Spaß und wir dürfen davon ausgehen, dass es auf den beiden kleinsten Inseln ähnlich aussieht.




Der Strand von Puerto de Tazacorte


Dienstag 15.09.09 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 21 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 70 % - Luftdruck 1017 hPa

Keiner kennt den PIOLP

Schwer sind die Diskussionen, wenn eigentlich keiner weiß, wovon er redet. - Das passiert leider nicht selten, dennoch fällt den meisten irgendetwas zu jedem Thema ein. - Ob uns das dann weiterbringt, das darf man einfach mal dahingestellt lassen. - Allem voran beunruhigen mich unsere Planspiele hier auf der Insel, die den Gaul irgendwie von der falschen Seite satteln wollen, und dann eben noch mit Material, von dem die allerwenigsten wissen, um was es eigentlich geht. - Dennoch sind wir uns alle einig, ein Plan muss her, Spielregeln augestellt und eine Marschroute vorgegeben, die uns dann irgendwann irgendwo hin führt und nach demokratischen Vorgaben wäre das die Richtung, in welche die Mehrheit marschieren will. - So viel Theorie am Morgen, ob das gut geht. - Allerdings fordert die Demokratie ja aufgeklärte Bürger, wenn keiner weiß um was es geht, dann kann er ja auch nicht entscheiden und da liegt unser großes Problem. - Dabei darf man dann nachfragen, liegt es denn an uns selbst, dass wir zu träge sind, uns zu informieren, oder wollen die heutigen Planer und Entscheider gar nicht, dass wir über die Zukunftspapiere aufgeklärt werden. - Es ist ein bisschen von beidem, eine diabolische Mischung aus Ignoranz und Arroganz, angerührt mit Faulheit und angefeuert von Interessenlagen einzelner Gruppen. - Das Volk dabei in Unkenntnis zu halten, ohne sich dem Verdacht einer nur spärliche aufgesetzten Demokratie auszusetzen, das ist die große Kunst heutiger Regierungsarbeit, die übrigens bereits auf lokalem Niveau beginnt. - Dabei ist das keine Frage der Region oder gar politischer Gesinnungsheimat, nur neigen die Linken eher dazu sich zu verplappern und kennen das mit der Disziplin nicht so ausschweifend wie rechte Gruppierungen. - Wir kennen das ja zur Genüge aus der demokratischen Geschichte Europas, weil die Linken nicht aufhören sich zu streiten, gewinnen immer die Rechten.

Zurück nach La Palma, bevor auch ich mich in grauer Theorie verliere. - Der Inselplan liegt an und aus, noch bis zum 15. Oktober 2009. - Einsehen kann man den Plan im alten Parador Nacional in der Hauptstadt, im zweiten Stock, oder auch im Internet unter der Adresse www. piolp.es. - Na wenn der Plan doch aushängt und selbst im Internet zur Verfügung steht, dann ist doch alles in Butter, die Demokratie lebt, wir können uns alles angucken und haben sogar noch das Recht dagegen Einspruch zu erheben. - Unser Problem dabei ist nur, dass wir diesen Plan überhaupt nicht lesen können und uns die demokratischen Rechte eigentlich eine Mitarbeit beim Erstellen dieses Planes zugestehen, nicht nur verwundertes Staunen, wenn wir später unter vielen anderen Dingen erkennen müssen, dass sich dieser Plan zum Beispiel über jahrelang ausdiskutierte lokale Pläne einfach hinwegsetzt. - Das war nur das Beispiel mit der Autobahn. - Dazu muss man auch noch sagen, selbst dieser "PIOLP" (Plan Insular de Ordenación de La Palma) ist keine endgültige Fassung einer mittelfristigen Inselzukunft, sondern unterliegt noch vielen anderen Spezialplänen der Provinzregierung, die entweder noch zeitnah eingearbeitet werden müssen, oder später hinzugefügt werden, sollte das seitens der obersten Behörde, des Gobierno de Canarias gewünscht sein. - Wir haben den Gaul also von hinten gesattelt, sollen zuerst über lokale Flächennutzungspläne entscheiden, die von geringer Qualität sind, da eben der Inselplan die Zeichnungen der Gemeinden einfach wieder aufheben kann und dieser Generalplan der Insel wiederum unterliegt der Willkür einer kanarischen Provinzregierung, die anhand von übergeordneten Spezialplänen den PIOLP wieder nach Gusto löchern kann. - Sie haben Recht, das macht eigentlich keinen Spaß mehr darüber nachzudenken, schließlich leisten wir uns doch Politiker, die das alles verstehen müssen und falls Opposition, auch dagegen angehen sollen. - Aber es ist immer ein bisschen heikel, das Denken in gut bezahlte Hände abzugeben, kognitives Outsourcing führt zwangsweise zu Monumenten eines statischen Lobbyismus vom Ausmaß der Doktoren Kohl und Merkel. - Noch habe ich höhere Ansprüche für La Palma und die Kanarischen Inseln - Sie dürfen dazu ruhig lachen - und so ein ganz klein bisschen neigt sich nun die politische Opposition auch aus dem Fenster. - Zunächst will man seitens der PSC/PSOE nun eine Verlängerung des Aushanges beantragen, und fordert Informationsveranstaltungen über den "PIOLP" in allen Siedlungszentren der Insel, damit die Bevölkerung sich informieren kann und auch Fragen stellen über die vielen Dinge in dem Plan, die eben nicht für die Bevölkerung verständlich verfasst worden sind. - Es ist wohl anzunehmen, dass die Opposition damit durchkommt, dennoch bezweifle ich, dass wir überhaupt in der Lage sind die richtigen Fragen zu stellen und dass da jemand antworten wird, der auch weiß um was es geht. - Denn wir wissen nicht was wir tun, ob uns das aus der Verantwortung befreit, das müssen Philosophen klären, oder später die Geschichtsbücher. www.piolp.es Viel Spaß und wenn Sie wissen um was es geht, dann lassen Sie mich das bitte wissen…



Montag 14.09.09 20:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 26 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 60 % - Luftdruck 1018 hPa
Höchsttemperatur heute 27,4 Grad - niedrigste Temperatur 19,8 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 29,8 - Temp. Min 15,6 - Feuchte 24 - 49 % Niederschlag 0 mm

Morgen wird es auch für uns wieder ernst

Eigentlich hat die Schule ja heute schon angefangen, aber da sind wir langsam und pragmatisch, am heutigen Montag sind zuerst nur die Siebtklässler aufgerufen worden, alle höheren Jahrgangsstufen müssen erst morgen am Dienstag wieder in den Ernst des Lebens eingreifen. - Das ist ganz lustig, so ganz genau weiß das immer keiner, am Ende eines Schuljahres bekommt keiner einen Zettel in die Hand gedrückt, wann man sich den wiedersieht, das muss man selbst herausbekommen und sich dann eben noch durchfragen, welche Klassen denn nun sicher wann anfangen. - Die Schulbücher sind aber schon gekauft, der düstere Gang in die Buchhandlung liegt also bereits hinter uns, 328,- Euro nur für die Bücher habe ich hingelegt, aber ich war vorbereitet und bin deswegen auch Caballero geblieben und habe mich nicht verzweifelt am Boden gewälzt, wie das immer mal wieder vorkommen kann. - Dabei haben wir ja auch noch Glück, unsere kleinere Tochter, die nun in die 2. ESO kommt, also die achte Klasse, die bekommt einen Großteil der Bücher bereits von der Schule gestellt, aber eben nur einen Großteil und nicht alle. - Zum finanziellen Niedergang im September/Oktober kommen dann natürlich auch noch die vielen Dinge welche man in der Schule noch braucht, Schere, Stifte, Radiergummi, Geodreieck, Springmesser und Tintenkiller, sonst geht das Kind ja ohne Utensilien in die Klasse. - Dabei wundere ich mich immer wieder, wie viele Scheren und Klebestifte man in einem Schuljahr so verbrauchen kann, kein Wunder, dass das Geschwisterpaar welches die Buchhandlung bei uns im Ort leitet und ganz geschäftig gut leiden kann. - Dazu kommen dann noch die Äußerlichkeiten der beiden jungen Damen, die können unmöglich mit dem gleichen Rucksack in die Schule gehen wie noch im letzten Jahr, und seit dem Nike und Adidas auch extra für den Schulbesuch solche Krucken herstellen, kann man mit anderen Schulhefttragestellen nicht mehr klassengerecht auftauchen. - Dann müssen neue Hosen her, neue Schuhe und da meine Frau gerne einkaufen geht, sind wir Ende September eigentlich regelmäßig pleite. - Das geht aber nicht nur uns so, so wird der Monat Oktober hier auch oft einfach als "cuesta" bezeichnet, was einen anstrengenden Aufstieg bedeutet, den man finanziell einfach nehmen muss.

Dabei hilft aber immer wieder eine Prise Münchhausen, allerdings ist das eine Art von Humor, welche hier nicht so einfach verstanden wird. - Sie kennen doch die Geschichte, wo der, ich weiß nicht mehr wer, beim anstrengenden Aufstieg vor Freude immer vor sich hin pfiff, beim leichteren Abstieg aber vor Gram bald verging. - Angesprochen auf diese scheinbare Absurdität war die Antwort: Beim Aufstieg freue ich mich schon wieder auf den Weg nach unten, bin ich aber auf dem Weg ins Tal, dann graut mir bereits wieder vor dem Aufstieg. - Ich weiß nun nicht, welche Krisenbewältigung besser ist, Merkel und Steinmeier können wir eh schon nicht mehr einschätzen, ob die beiden überhaupt noch was bewegt und ob die überhaupt noch wissen warum, für wen, wann, und sicher auch nicht warum denn gerade jetzt kandidiert wird. - Eigentlich sollte man sich dann noch vor der Bundestagswahl freuen. - Hier läuft das anders, da ist der Moment näher, und wenn etwas schiefgeht, wie Masern, Ehekrach, Autounfall oder gar eine geschlossene Kneipe, dann ist Zapatero daran schuld. - So etwas eint und macht den Alltag erträglicher, aber bei einer großen Koalition weiß man ja nicht so genau, wo hin man denn nun seinen Ärger schicken soll und so wandelt sich Ärger und Wut wohl auf lange Zeit in Desinteresse oder verlagert sich in Richtung außen liegender Heilbringer, oder gar Geschichtenerzähler wie dem Westerwelle, der von Tuten keine Ahnung hat. - Von dem Anderen weiß ich nicht, geht mich auch nichts an. - Wie komme ich denn jetzt auf solch einen Mist, wo ich doch über den Schulbeginn schreiben wollte, aber manchmal reißen mich meine Assoziationsketten tief in den Abgrund sicher aber niemals zur FDP. - Ab morgen habe ich also wieder schlechte Laune, auch wenn wir nun beschlossen haben die Morgengeschichte nicht mehr wie gehabt vor dem Frühstück zu schreiben, sondern erst wenn die Kinder sicher, gut versorgt und fröhlich in der Schule abgeliefert wurden. - Schließlich soll aus denen doch mal was werden…



Montag 14.09.09 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 21 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 78 % - Luftdruck 1018 hPa

Drink an let drive

Irgendetwas muss man unternehmen nach den vielen tödlichen Unfällen mit Jugendlichen in den letzten Monaten. - Die Ratschläge welche kommen sind reichlich, viele davon aber nicht durchführbar und ob man mit Appellen und Strafen auf die Dauer wirklich erfolgreich ist, das muss sich leider erst auf der Straße beweisen. - Los Llanos arbeitet nun an einem anderen Plan, man will den Jugendlichen welche dem Alkohol auf den Leim gegangen sind mit dem Taxi nach Hause schicken, und zwar für lau. - Das könnte ein Ansatz sein, allerdings weiß man noch nicht so recht, wie man das technisch anstellen soll. - Von Gutscheinen ist da die Rede, die man in den einschlägigen Etablissements verteilen will, wobei ich leicht in Frage stellen darf, ob "Pedrito Normalhalbstarker" sich vor seinen Kumpels solch einen Gutschein verpassen lässt, damit er seinen getunten Hengst vor der Disko angebunden lässt. - Dazu kommt eben noch der Ansatz, dass viele Jugendliche abends von weit her nach Los Llanos fahren um sich dort zu amüsieren, vielleicht sogar aus Tijarafe oder gar aus Barlovento. Bezahlt denn dann die Gemeinde den Gutschein auch in diesen Fällen? - Ein Argument vieler nächtlicher Schwärmer ist ja immer, man brauche das Auto am kommenden morgen um in die Arbeit zu fahren und nur deshalb fährt man dann mit dem Auto wieder nach Hause, der Ansatz sollte also eher lauten, man fährt erst gar nicht los wenn man vorhat, Alkohol oder gar noch andere "Painkiller" als abendliche Begleitung zu seiner freien Zeit zu sich zu nehmen. - Das aber wird schwer, zumal die Busverbindungen gerade an Wochenenden nicht gerade auf Jugendliche als Publikum eingestellt sind, nur wer sehr geschockt ist der bekommt das hin, mit dem letzten Bus in die Stadt zu fahren und mit dem ersten am kommenden Morgen wieder in die eigenen vier Wände. - Dazwischen ist man auf sein Auto, Kumpels, die meist auch nicht ohne Schluckreiz den Abend angegangen sind angewiesen, oder eben aufs Taxi, welches aber selbst in Los Llanos ab einer gewissen Uhrzeit nicht mehr verkehrt. - Aber das könnten die Fahrer ja regeln, sollte es mit diesen Gutscheinen klappen, dann lohnt es sich doch auch wieder für die Taxerer sich die Samstagnacht in Los Llanos um die Ohren zu hauen. - Sicher nicht der große Wurf, dieser Versuch mit den Gutscheinen die Jugendlichen davon abzuhalten, betrunken Auto zu fahren, aber eben ein Versuch und damit respektabel, denn irgendetwas muss man machen nach den traurigen Vorgängen der letzten Monate.



Sonntag 13.09.09 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 26 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 69 % - Luftdruck 1017 hPa
Höchsttemperatur heute 26,4 Grad - niedrigste Temperatur 19,6 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 29,4 - Temp. Min 13,5 - Feuchte 23 - 55 % Niederschlag 0 mm

Die Vulkanröhre von Todoque erhält ein Besucherzentrum

Fragen Sie mich bitte nicht wann, aber es werden noch Wetten angenommen, die ein sehr breites Spektrum der nahen und mittleren Zukunft beinhalten. - Lange reden wir schon davon, die Vulkanröhre von Todoque ist ein äußerst interessantes Stück frischer Geologie dieser Insel, schließlich handelt es sich nicht um Gesteinsformationen die seit Millionen Jahren darauf warten, vom irgendeiner Plattenverschiebung zu leben, sondern es ist eine wunderbare Möglichkeit mal in den Vulkan zu kriechen, oder besser gesagt in seinen Auswurf. - Die Vulkantube von Todoque, so heißt sie auch auf Spanisch, "Tubo vulcánico de Todoque" erst im Jahr 1949 entstanden und liegt im weiten Lavafeld von Todoque, welches der "San Juan" in dem Sommer über die Weinfelder von Las Manchas bis hinunter aufs Meer auslegte. - Dabei entstehen solche Vulkantuben eigentlich ganz einfach. - Der Lavastrom kühlt an der Oberfläche zuerst ab, im Inneren aber fließt das flüssige Magma weiter, stockt dann plötzlich der Lavanachschub, dann bleibt ein Hohlraum zurück. - Viele dieser Hohlräume stürzen schnell ein, oder werden erneut mit Lava gefüllt, manche aber bleiben erhalten und wenn man diese Röhren findet, dann kann man wunderbar diese unterirdische Welt erkunden und nachsehen, was da in der fließenden Lava stattgefunden hat. - Die Vulkantube von Todoque hat auch noch einen relativ gut erklimmbaren Eingang, den man aber nicht so leicht findet. Das hat die Höhle vielleicht auch schon vor zu vielen Besuchern bewahrt, die dann unter Umständen auch durch einen Fehltritt sich auch noch verletzten, denn in dem Vulkanfeld herumzulaufen, dabei kann man sich ziemliche Verletzungen holen, ganz zu schweigen von der Gefahr, dass man in andere Höhlen stürzen könnte, die nur durch eine dünne Schicht Lava gesichert sind.

Viele Gedanken hat man sich schon gemacht diese Vulkanröhre vor zu vielen Besuchern zu schützen, auf der anderen Seite ist das einer unser hervorragenden Punkte auf der Interessenskala unserer Besucher, man muss nun also eine Möglichkeit finden, die Höhle als solche zu schützen, den Gästen aber auch Insulanern selbst dieses lebende Anschauungsobjekt unserer jungen Entstehungsgeschichte sicher und informativ zu besuchen. - Einige bürokratische Hürden gab es zu nehmen, zunächst musste der Eigentümer der riesigen Parzelle das Land an die Gemeinde Los Llanos übereignen, was dieser Herr übrigens kostenlos getan hat. - Die Gemeinde aber ist sich völlig im Klaren darüber, dass man alleine nicht die Mittel hat, diese Höhle als Punkt besonderen touristischen Interesses zu betreiben, also muss die Inselregierung mit an Bord oder besser mit in die Vulkanröhre schlupfen. - Das wurde vor einer Weile bereits getan, und nun kommt man mit den Plänen für ein Besucherzentrum aus dem Mustopf und muss dazu sagen, dass da viel Mus am Kochen ist. - Besucherzentrum mit Cafeteria, Souvenirladen, Ausstellungsraum, Projektorraum für eine 3D Animation, Empfang, Räume für die Verwaltung und ein Lager. - Dazu Parkplätze, auch für Busse und das Ganze so verpackt, dass es der natürlichen Umgebung dort angepasst ist. -Von der Straße aus zur Vulkanröhre soll es einen "Lehrpfad" geben, auf dem man bereits die Geschichte des Vulkans erfahren kann, um dann über ein Treppensystem bequem und völlig sicher in die Unterwelt des San Juan eintreten kann. - Wow, Cafeteria und alles was die da noch vorhaben und ich stelle mir gerade einen Busparkplatz vor, welcher der Umgebung angepasst ist, mitten im Lavafeld. - Was das alles kosten soll, das wurde noch nicht erklärt, aber man kann sich sicher sein, dass es für den Besucher nicht kostenfrei sein wird und kann, wenn die wirklich solch ein enormes Besucherzentrum dort hinstellen wollen. - Von touristischer Warte aus betrachtet ist das sicher gut, das ist schon wieder ein interessantes Ziel für unsere Besucher, da kann man sich locker einen halben Tag aufhalten und erfährt viel über unsere Vulkane und damit über unsere Entstehung. - Auf der anderen Seite graust es mich ein bisschen vor so viel Infrastruktur, erinnert das doch eher an die Ausflugspunkte auf Lanzarote, durch die man busweise, Schuhspitze an der Hacke des Vordermannes durchgeschleust wurde, um dann endlich in Ruhe irgendwo ein viel zu teures Stückchen Kuchen zu ergattern, um bloß aus dem Gedränge zu kommen. - Gut, so viele Leute sind eh nicht auf La Palma und werden auch nicht kommen, aber die Planung erscheint mir eine Stufe, bis anderthalb zu groß. - Und wie gesagt, wann das Ganze stattfinden wird, und wie man dafür das Geld zusammenkratzen will, das steht in diesem Falle nicht in den Sternen, sondern im Vulkan.



Sonntag 13.09.09 10:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 65 % - Luftdruck 1017 hPa

Ominöse Flugbewegungen auf La Palmas Flughafen

Sind da "ovnis" über La Palma unterwegs, oder was soll das? - ("ovnis" heißt "objetos volantes no identificados" - also unbekannte Flugobjekte, sprich Ufos) - Die Zahl der Passagiere die auf dem Flughafen von La Palma abgefertigt wurden ist in diesem August deutlich zurückgegangen, die registrierten Flugbewegungen jedoch haben aber stark zugenommen. - Aber der Reihe nach. - Es sind nicht nur weniger Besucher, oder sagen wir Touristen auf der Insel, auch die interinsularen Linien welche Tenerife oder Gran Canaria bedienen, haben deutliche Einbußen zu verzeichnen. - Ein klares Indiz für die uns allen inzwischen so vertraute "Krise", eben mal nach Tenrife fliegen, obwohl für uns Residenten die Preise recht bescheiden sind und die "Binter Canarias" immer mal wieder mit einer Rabattaktion von 15,- Euro pro Flug wirbt, das machen viele einfach nicht mehr. - Vielleicht nicht mal, weil es geldlich nicht mehr hinhaut, aber die Zeiten sind einfach nicht danach, so mancher bohrt gerade ein noch engeres Loch in seinen Gürtel, es wird abgewartet. - Da verwundert es im ersten Moment umso mehr, dass unser Flughafen für diesen August plötzlich Rekordzahlen vermeldet, zwar nicht in der Abfertigung von Passagieren oder Fracht, sondern was die Flugbewegungen anbelangt. - Hinter Madrid und Burgos liegt damit La Palma plötzlich auf Rang drei im nationalen Vergleich was diese Zunahme angeht, ein Umstand der nicht nur ein Ausrufezeichen setzt, sondern auch ein Fragezeichen. - Die Zahlen lauten wie folgt: Im August 2008 gab es auf dem Flughafen La Palma 1.880 Flugbewegungen und man beforderte damit 113.871 Passagiere. (Ankommende und Abfliegende Passagiere werden hier gezählt) - Im August diesen Jahres steigt nun die Anzahl der Flugbewegungen auf 2.509 an, die Zahl der Passagiere sinkt aber auf 101.407. - Eine starke Abnahme der Passagierzahlen, und gleichzeitig eine enorme Zunahme der Flugbewegungen, das möchte man so vielleicht als statistischen Fehler hinstellen, aber dem ist nicht so, es gibt eine simple Erklärung hierfür. - Leider, das wäre doch mal wieder eine interessante Geschichte, nachdem wir schon nichts über die Messerattacke auf Gerardo hören, und der Vulkan uns im Moment auch keine Geschichten mehr erzählt.

Gut, manch einer von Ihnen hat sich die Erklärung sicher schon einfallen lassen, was es mit diesen ominösen Flugbewegungen auf La Palma auf sich hat, die so gar keine Passagiere irgendwo hin fliegen, für alle anderen darf ich das jetzt erklären. - Sehen wir uns zunächst die Statistik etwas genauer an, dann werden wir unter dem Kapitel "Operaciones", also Flugbewegungen im August eine interessante Anzahl finden von Flugzeugen oder besser Flugapparaten, die von La Palma nach La Palma geflogen sind, nämlich genau 705. - In anderen Monaten gibt es lediglich zwischen 20 und 30 dieser interessanten Flugrouten zu vermelden, und nun im August 2009 plötzlich 705? - Jetzt wird es wohl auch allen anderen dämmern, was es mit diesem enormen Anstieg der Flugbewegungen auf La Palma Flughafen auf sich hat, man zählt da natürlich die Starts und Landungen der Löschhubschrauber und Löschflugzeuge mit, die Anfang vergangenen Monats den großen Brand im Süden der Insel zu löschen halfen. - So einfach ist das, keine Ufos, kein plötzlicher Anstieg der Passagier- oder Frachtzahlen, das Feuer bietet uns diese schief anmutende Statistik. - Interessant dabei war noch zu lesen, dass die meisten Zeitungen, welche über dieses Phänomen berichteten überhaupt nicht reflektiert haben, woher denn dieser Anstieg kommen kann. - Aber das ist so bei unserer Presse, bloß nicht denken, sonst könnte man etwas schreiben, was anderen wiederum nicht gefällt. - Obwohl man dieses Mal doch völlig unpolitisch kommentieren könnte. - Hier nun noch als Fleißarbeit die Statistik des Flughafens La Palma, ankommende Passagiere der letzten vier Jahre.


Jahr Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Gesamt
2009 36.641 39.879 42.270 44.935 39.045 39.341 51.205 49.580 342.896
2008 41.053 46.363 52.221 41.481 44.769 45.290 53.493 55.581 380.251
2007 39.913 44.358 51.098 49.021 42.238 41.377 55.199 55.840 379.044
2006 40.808 37.410 47.982 48.997 42.709 43.399 51.734 57.754 370.793





Flugroute Santa Cruz de La Palma - Santa Cruz de La Palma im August 705 mal




Samstag 12.09.09 19:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 24 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 70 % - Luftdruck 1014 hPa
Höchsttemperatur heute 26,1 Grad - niedrigste Temperatur 20,3 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 24,8 - Temp. Min 12,5 - Feuchte 23 - 50 % Niederschlag 0 mm

Autobahnkreise

Verbrauchte Sack Zement pro Einwohner, solch krude Dinge durften wir uns vor ein paar Jahren mal aus Los Llanos anhören, ganz stolz verkündete man dort, dass man die Gemeinde mit dem höchsten Zementverbrauch auf La Palma sei und der damalige Bürgermeister Juan Ramón der Erste prahlte damit auch noch. - Wirklich viel bescheidener sind wir nicht geworden, allmählich kristallisiert es sich auch heraus, dass die Autobahnpläne im neuen Inselplan "PIOLP" kein Fehler oder keine Nachlässigkeit der Zeichner oder Architekten sind, sondern ernst gemeint. - Für Breña Alta und El Paso bedeutet das aber auch, dass man die dortigen Proteste einfach unter Volksverarschung abgeheftet hat und eh das tut was man will, und nicht das, was das Volk will. - Im Falle El Pasos ist das sogar noch kräftiger, hat man doch den lokalen Flächennutzungsplan extra wieder aus dem Verkehr gezogen, um zusammen mit der Provinzregierung ein Alternativprojekt zu entwickeln, die Umgehungsstraße mit deutlich geringeren Ausmaßen, das ist nun alles wieder für die Katz, wenn man den wie immer gut informierten Kreisen trauen darf. - Was für ein perverses Spiel, da hat die Gemeinde El Paso mehr als 3 Jahre lang auf den Flächennutzugsplan warten lassen, um am Ende dann zu erfahren, es ist alles hinfällig was ihr mit eurem Protest bewegen wolltet und eurem dusseligen Alternativplan, wir nehmen euch eh nicht ernst, was dort ins Aridanetal gebaut wird, das bestimmen immer noch wir.

Das stößt natürlich nicht nur bei den harten Gegnern dieses wirren Verkehrsweges auf, den sowieso keiner braucht, sondern ist auch ein Schlag ins Gesicht der bemühten Gemeinderegierungen von Breña Alta und El Paso und wenn man sich ein bisschen die politischen Verhältnisse ansieht, dann versteht man auch gleich wieder, warum man die beiden Gemeinde so an der Nase herumgeführt hat. Die Provinzregierung wird gebildet aus einer von der Coalición Canaria angeführten Koalition mit der Partido Popular. - Breña Alta wird aber satt von der PSOE bestimmt und in El Paso gab es während des großen Protestes eine Koalition aus PSOE/PP und dann ab Juni 2007 eine Regierung der PSOE mit einem kleinen Anhängsel der PP, weil man einfach nicht die absolute Mehrheit erreicht hatte. - Das ist ja seit Februar dieses Jahres Makulatur, weil man die PSOE aus der Verantwortung geputscht hat. - So ist auch der Flächennutzungsplan der Gemeinde eigentlich auch wieder Makulatur, weil man den eh den übergeordneten Plänen angleichen muss. - So mancher, der sich über Jahre eingehend mit diesen Plänen beschäftigt hat, der kann sich nun für die vielen Jahre Arbeit bedanken, die vielen Treffen, die vielen Sitzungen, mit Technikern, mit Anwohnern, mit Finanzexperten, ob denn eine solche Alternative Lösung wie es die Umgehungsstraße sein sollte, denn überhaupt machbar ist, und dann diese Entscheidung, die Autobahn bleibt weiterhin in der "Roadmap" sowohl der Insel- wie auf der Provinzregierung stehen. - Wobei dieses Wort "Roadmap" mal eine ganz objektive Zuordnung erfährt. - Immer vorausgesetzt, die wohl informierten Kreise sind keine stummen Rechtecke, so einhundertprozentig kann man das noch nicht sagen, es gibt immer noch die kleine Chance, dass man sich mit einer zeitlichen Überschneidung herausreden will, und dass man so die lokalen Pläne der beiden Gemeinden noch nicht berücksichtig hat.



Samstag 12.09.09 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 21 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 71 % - Luftdruck 1013 hPa

Alles für die große Bajada

Da ist die eine Jungfrau erst wieder rezent in ihrer Wallfahrtskirche verstaut, da haben wir nur noch Gedanken für die nächste große Bajada, die der Virgen de Las Nieves, ihreszeichens Schutzpatronin der gesamten Insel. - Die gute Frau wird aber erst im kommenden Jahr ihren großen Auftritt haben, genauer gesagt am 4. Juli 2010 findet die dortige Romería statt, was heißt, an dem Tag wird die Jungfrauenstatue von der Wallfahrtskirche in Las Nieves in die Hauptstadt Santa Cruz getragen. - Diese Wallfahrt findet nur alle 5 Jahre statt, kein Wunder bei dem riesigen Aufwand und Rahmenprogramm welche diese Festivitäten begleiten, jedes Jahr könnte man solch ein Fest gar nicht stemmen, das würde sämtliche Rahmen sprengen, auch die finanziellen Möglichkeiten. - Damit sind wir auch schon beim Thema, beim Geld. - Nur wenigen ist es verborgen geblieben, die "Weltfinanzkrise" hat auch die Kanarischen Inseln wie ein torkelndes Dickschiff gerammt, und übrig geblieben sind Sparprogramme auf Gemeinde- und Inselbasis, die keine wirkliche Freude aufkommen lassen. - Allerdings kann es den öffentlichen Korporationen noch nicht so schlecht gehen, die Gemeinden machen sogar noch weitere Schulden um die Fiestas bunt und laut zu machen, entweder ist das schon gemeiner oder gemeindlicher Fatalismus, oder aber Jammern gehört bei denen genau so zum Geschäft wie bei niederbayrischen Viehhändlern, oder plötzlich und unverschuldet verarmten Kreditinstituten.

Auf der anderen Seite muss man ja auch sagen, solche Feste sind gut dazu geeignet die lokale Wirtschaft anzukurbeln, wobei das mit den lokalen Wirtschaften auch sehr wörtlich zu verstehen ist. - Dennoch, keiner traut sich bislang diese großen Inselfiestas mit dem Rotstift klein zu schreiben, mal sehen wie lange das noch den Puls des Volkes trifft, da gibt es nämlich bereits die ersten Stimmen, die zu maßvollerer Feierei aufrufen. - In Santa Cruz möchte man von solchen Dingen momentan nichts hören, man ist bereits fleißig dabei die herausragenden Programmpunkte der Rahmenveranstaltungen zu planen, wie der berühmte Zwergentanz oder das fantastische Minué. - Dabei fällt den Stadtoberen auf, dass ja noch eine bereits ziemlich häufig besprochene Infrastruktur seit nunmehr 13 Jahren auf gefällige Fertigstellung wartet, das so genannt "Polideportivo" der Stadt Santa Cruz. - Ein Polideportivo ist ein Sportplatz, meist als Halle geplant, in dem man so alles Mögliche an Sportarten betreiben kann, die deutsche Sprache sieht dafür den Gebrauch des Wortes Mehrzweckhalle vor. - Diese Halle hat längst zu vielen unangenehmen Diskussionen geführt, denn keiner weiß so recht, wie man denn diese vierfünftel fertige Halle denn endgültig finanziert, auch weiß man eigentlich gar nicht mehr so recht, wozu man denn diese Multisportihalle denn überhaupt braucht. - Aber seinerzeit war das eben so, jede Gemeinde die was auf sich hält, hat in den Neunzigern ein "Polideportivo" aufgelegt, das hat man damals einfach so gemacht. - Aber der Besuch der Jungfrau in der Stadt beschert Wunder bereits vorab, die Inselregierung schießt nun noch mal den Betrag von 500.000,- Euro zu, damit diese Halle endlich fertig gebaut werden kann und dann bei den Feierlichkeiten im Sommer 2010 auch genutzt werden kann. - Für welche Zeremonien, das weiß man noch nicht, aber unsere Inselpräsidentin lobt auch gleich aus, dass keine Gemeinde sich nun benachteiligt fühlen soll, weil die Inselregierung die Stadt Santa Cruz besonders sponsert, die Halle sei schließlich eine Bereicherung für alle Palmeros. - Aber sicher.



Freitag 11.09.09 19:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 24 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 71 % - Luftdruck 1012 hPa
Höchsttemperatur heute 26,4 Grad - niedrigste Temperatur 20,3 Grad

Verordnete Verkehrserziehung

Vier Verkehrstote in den letzten vier Wochen lassen keinen kalt. - Da ist einmal die öffentliche Diskussion, die zwischen der Trauer über die allesamt jungen Verkehrsopfer bis hin zu Wut über die Verursacher dieser Unfälle geht, nachdem man den Fahrer, welcher den letzten tödlichen Verkehrsunfall verursacht hatte, festnahm, da er keinen Führerschein besaß. - Liest man sich mal die Chronologie der Unfälle in der letzten Zeit durch und das Alter der betroffenen Menschen, dann wird auch die Marschrichtung klar, welche man zu beschreiten hat. - Nach wohl zweieinhalb Jahren ohne Verkehrstoten auf La Palma beginnt die unglückliche Phase am 23. Dezember 2008, wo der 19 jährige Fahrer und eine 14 jährige Mitfahrerin zwischen El Paso und Los Llanos ums Leben kamen. - Dann war ein bisschen Ruhe, bis am 15.8. bei Puntagorda zwei junge Menschen mit dem Motorrad verunglücken, die waren 24 und 26 Jahre alt und verstarben beide wohl noch am Unfallort. - Am 29. August dann verunglückte ein 22 jähriger Mann im Barranco Jurado bei Tijarafe und schließlich der tragische Tod einer 20 jährigen Frau auch wieder zwischen El Paso und Los Llanos, die als Beifahrerin dem Geschick des ebenfalls jugendlichen Fahrers tragisch ausgeliefert war. - Es sind somit allesamt junge Menschen, die da in so geballter Zahl in letzter Zeit auf unseren Straßen ums Leben gekommen sind.

Da man aber durch Strafen alleine nicht weiter kommt, was ja nun wirklich hier deutlich bewiesen wurde, da die Verkehrskontrollen in den letzten Jahren extrem zugenommen haben, muss man wohl noch deutlicher weiter in Richtung Aufklärung und Verkehrserziehung gehen und da will die Inselregierung nun ein neues Projekt ausarbeiten, welches sich vornehmlich an Jugendliche richtet. - Solche Projekte hat es früher auch schon gegeben und das Hauptproblem dabei ist ja immer, wie komme ich an diese Jugendlichen heran, wollen doch gerade die schneidigen Jungs in ihren kleinen getunten Kisten nichts von solchem Vernunftkram wissen, was ihnen da besorgte Leute erzählen. - Das wird nun die Denksportaufgabe für die Projektleiter, solche Verkehrserziehung irgendwie so attraktiv zu machen, dass diesen Maßnahmen nicht der graue Mief der Langeweile anhängt und sowieso als "uncool" abgetan wird. - Wichtig aber wäre auch eine klare Erziehung im Elternhaus die darauf zielt, dass Kinder den Mut aufbringen, auch mal Nein zu sagen, wenn denen was nicht richtig vorkommt und einfach nicht in ein Auto steigen, wenn es zu einer fröhlichen Spritztour mit anderen Jugendlichen geht. - Da trifft natürlich der Gruppenzwang auf Spuren der Vernunft und wir müssen unsere Kinder so sicher machen, dass die auch mal gegen diesen Druck der Gruppe sich behaupten können. - Leider kann man jetzt schon sagen, dass das nie immer gelingen wird, aber jeder Schritt dahin ist ein Schritt in die richtige Richtung, sei es nun mit deutlicher und öffentlicher Verkehrserziehung, oder eben auch der häuslichen Arbeit, Jugendlichen die Gefahren klar zu machen.



Freitag 11.09.09 10:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 21 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 78 % - Luftdruck 1015 hPa

Alle Schulen stehen still, wenn dein starker Arm es will

Ein oft miss- und gebrauchter Spruch in alle Richtungen, soll es doch eigentlich nur bedeuten, dass der vox populi auch Taten folgen können, wenn man nur ordentlich zusammenrückt und gemeinschaftlich auftritt. - Dafür kann man uns aber meist nicht richtig begeistern, sonst gäbe es solche wirren Pläne mit der Autobahn nicht, mit den Golfplätzen oder den Asphaltwerken, die man mitten in bewohnte Gebiete setzen will. - Im kleineren Rahmen aber klappt das wohl, dort wo die Menschen am sensibelsten sind, wenn es um das Wohlergehen ihrer Kinder geht. - Große Aufruhr an der Schule Mayantigo in Los Llanos, dort rebellieren die Eltern der Schüler einer sechsten Klasse gegen einen Lehrer, der nach ihrer Ansicht im vergangenen Jahr die Kinder mit herabwürdigen Spielen gequält hat. - Der Lehrer lag wohl in seinen Erziehungsmaßnahmen wirklich daneben, Aufhänger ist ein unter Kindern zwar übliches Spiel, anderen Schülern Kreide in den Mund zu werfen, aber das unter Aufsicht und Anleitung des Lehrers, das geht halt einfach nicht. - Auch wenn wir uns weit von körperlichen Übergriffen entfernt sehen, oder schlimmen psychischen Torturen, dieser Lehrer hat da kräftig danebengelegen und obwohl man seitens der Schulbehörde über diesen Fall informiert war, zog dieser Vorfall keinerlei Konsequenzen nach sich. - Aber jetzt kommt der eigentliche Hammer, genau dieser Lehrer ist nun für dieses Jahr gar als Tutor der Klasse eingesetzt, in welcher er im vergangenen Jahr die dusseligen Spielereien mit den Kindern gemacht hat, und das lassen die Eltern nun nicht zu.

Am Dienstag hätte der Unterricht beginnen sollen, aber als den Eltern klar wurde, dass genau dieser Lehrer nun sogar Tutor ihrer Kinder in diesem Jahr sein soll, da boykottierten sie schlichtweg den Unterricht und wandten sich an die Presse. - Jetzt am Wochenende kommt endlich die Reaktion, diese Klasse erhält einen anderen Lehrer, und am Montag kann also auch für diese Gruppe an Schülern wieder der Unterricht beginnen. - Ob auf den Lehrer disziplinäre Maßnahmen zukommen, darüber wird unterschiedlich berichtet. Der Fehler liegt aber dabei ganz klar bei der Schulleitung, die gegen besseres Wissen genau diesen Lehrer als Klassenlehrer für die Klasse eingesetzt hat, in der im vergangenen Jahr diese unglücklichen Spielchen veranstaltet wurden. - Die Eltern haben sich mit Recht und Zivilcourage gegen diesen Lapsus gewehrt, und mit ein bisschen Mut, einem kleinen Schuss zivilen Ungehorsams, gepaart mit echter Empörung, kann man so schnell, so einfach, so viel erreichen, dass ich mich manchmal frage, warum wir dieses legitime aber nicht regelkonforme Protestmenü nicht viel häufiger einsetzen. - Denn mit allem gebührenden Respekt, so schlimm war das nicht was dieser dusselige Lehrer gemacht hat, keiner der Schüler wird ein Trauma zurückbehalten oder gar in seiner zukünftigen Entwicklung gestört sein, heftigere Spielchen fechten die Kinder schon unter sich selbst aus. - So stellen die Asphaltwerke, oder die in vagen Träumen immer noch vorhandene Autobahn ein deutlich drastischeres Problem für die zukünftige Entwicklung unserer Kinder dar, aber Protest will sich nicht wirklich breit einstellen. - Das ist wahrscheinlich auch zu abstrakt und wird nicht derart als Bedrohung empfunden, wobei es sehr schade ist, dass wir dieses probate und sehr effiziente Mittel des lauten Protestes nicht häufiger einsetzen.



Donnerstag 10.09.09 17:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 27 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 60 % - Luftdruck 1014 hPa
Höchsttemperatur heute 27,7 Grad - niedrigste Temperatur 19,8 Grad

Der Tourismus liegt (auch) in den Sternen

Spricht man über die natürlichen Ressourcen der Insel, welche Gäste auf die Insel locken könnten, dann bleiben wir meist bei der Landschaft und ein paar kulturellen oder historischen Höhepunkten stecken. - Gut, das reicht eigentlich schon, wer Wandern will und einfach in sensationellen Naturlandschaften aufgehen will, der findet hier auf La Palma einen Miniaturkontinent vor, mit unzähligen Vegetations- und Klimazonen auf kleinstem Raum. - Aber wir haben mehr, viel mehr sogar. - Das mit den Golfplätzen lasse ich jetzt mal außen vor, ich werde dann immer so zynisch, und das muss auch nicht jeden Tag sein. - So manch einer hat es ja schon bemerkt, manch einer sogar ganz zufällig, dass La Palma inzwischen die europäische Nummer eins der astrophysikalischen Forschung und Beobachtung geworden ist. - Spätestens seit der Eröffnung des Grantecan dürfen wir diesen Titel führen, natürlich mit universellem Stolz. - Diese vielen Observatorien kommen nun aber nicht nach La Palma wegen der schönen Landschaft, oder gar weil wir alle so nette Menschen sind, sondern wegen der außergewöhnlich guten Beobachtungsmöglichkeiten des Sternenhimmels von unserer Insel aus. - Man sagt uns nach, wir hätten mit den saubersten Nachthimmel Europas und dafür gab es sogar schon Preise, wie den von der César Manrique Stiftung in diesem Jahr. - Gut, solche Preise sind nicht unbedingt immer beweiskräftig, und manchmal sogar von Gefälligkeiten inspiriert, aber dennoch kommt das nicht von ungefähr, dass La Palma die europäische Hochburg der Himmelsbeobachtung geworden ist.

Dazu muss man dann ganz klar sagen, wir nutzen diesen Aspekt in touristischer Hinsicht viel zu schlecht aus und müssen endlich lernen, dass unser einzigartiger Nachthimmel auch zu den natürlichen Ressourcen gehört, die man touristisch bewerben kann. - So zumindest meint das Antonio González, Präsident der Hobbyastronomen der Insel auf einem Astronomieforum, welches gerade im archäologischen Museum in Los Llanos abgehalten wird. - Dafür braucht man grundsätzlich nicht mal viel Infrastruktur, vielen reicht alleine schon der ungetrübte Blick von dunklen Stellen der Insel aus, um visuell in die unendlichen Weiten des Universums einzutauchen. - Darüber hinaus könnte man natürlich auch noch über Vorträge und öffentlichen Teleskopen deutlich mehr Schwung in die wohl älteste Wissenschaft der Welt bringen und so gezielt interessierte Menschen auf diese Insel locken. - Dazu muss man anmerken, dass seit den Beginn der astophysikalischen Beobachtungen hier auf dem höchsten Berg der Insel auch ein Besucher- und Informationszentrum geplant ist und war, dieses allerdings aus Gründen, die im Bereich eines lächerlichen Kompetenzstreits liegen, bis heute nicht realisiert ist. - Aber man muss auch wieder zugeben, dass die oft so als zugeknüpft kritisierten Astronomen dort "auf dem Berg" in diesem Jahr uns mit einer derartigen Fülle an "Tagen der Offenen Tür" positiv überrascht haben, dass vieles von der öffentlichen Kritik am "IAC" (Instituto Astrofísico de Canaris) zurückgenommen werden muss. - Was aber noch aussteht, man bräuchte wirklich ein Observatorium, welches auch zur Beobachtung für die Öffentlichkeit zugängig ist, das erst würde dann ein wirklicher astronomischer Lockvogel sein. - Aber da geht es dann sofort wieder um die leidigen Themen wie Geld und Kompetenzen und so sitzt man die Geschichte einfach mal wieder aus. - Aber nicht vergessen sollte man auch die Möglichkeit, die eine private Initiative in Tacande bei El Paso bietet, da steht ein kleines Observatorium, (Obeservatorio de Tacande) welches von interessierten Laien benutzt werden kann. - Das kostet natürlich ein bisschen was, aber wir gönnen uns doch sonst nichts…



Donnerstag 10.09.09 09:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 21 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 75 % - Luftdruck 1015 hPa

Die Müllpolizei kommt

Was wäre diese Insel nur ohne Los Llanos. - Langweilig, öde, arm und meine kleinen Kolumnen könnte ich niemals in der Häufigkeit verfassen. - Die größte Stadt der Insel, eine Metropole, ein Moloch, und wenn andere davon reden, dass man sich ein bis zweimal im Jahr eine Großstadt "geben" muss, dann reichen mir ein paar Fahrten im Jahr nach Los Llanos, um meine Notwendigkeiten an Großstadt zu befriedigen. - Los Llanos ist ein ebenso erfolgreiches wie interessantes Puzzle aus "zugereisten" Menschen der Nordregion dieser Insel, die einmal dem bäuerlichen Dogma entflohen, sofort die Nase nach oben richten, sowie Glücksrittern aller weiteren Provenienzen, ein Magnet, mit Wachstumsraten die an Zeiten erinnern, als das Wort Krise noch einzig auf familiäre Probleme hinwies. - Gleichzeitig absorbiert diese Gemeinde auch ihre Bürger politisch, da mögen Freidenker, Ökos, Kommunisten, oder schlimmeres, also Liberale in diese Stadt einfallen, und bei der nächsten Kommunalwahl wählen die dann automatisch Coalición Cananria, als bekäme man mit dem "Empatronamiento" gleich eine kleine Kapsel mitgeliefert die man schlucken muss, und danach ist man der derben Aufgabe des Denkens für immer enthoben. - Als kleines Beispiel, Los Llanos wird in absoluter Mehrheit von der Coalición Canaria regiert und das seit Jahrzehnten und dort in der Stadt, die mehr als 20.000 Einwohner zählt, haben weniger Menschen die Sozialisten gewählt als in El Paso, mit nur einem Drittel der Einwohner. - Nein, nicht prozentual, sondern in absoluten Zahlen und das liegt nicht an Rita Gómez, der schneidigen Chefin der Sozialisten in Los Llanos, sondern wohl eher an der bereits genannten Kapsel. - Los Llanos ist auch das Amerika dieser Insel, alles was man sich vorstellen kann oder auch will, das passiert dort in dem Ort, die Stadt der unbegrenzten Möglichkeiten und Absurditäten, allerdings befindet sich Los Llanos noch auf dem Amerikastatus vor Obama, vielleicht sogar noch vor Jimmy Carter oder Gerald Ford, also noch vor der Stufe der ersten Heimsuchung nach der Methode Bush.

Ronald Reagan, nun haben wir es, das passt am besten. Revolverheld ohne kognitive Altlasten, da regiert es sich prima und völlig frei von der Schusshand aus. - Wir wissen das ja schon, in Los Llanos kostet das Wegschnippen einer Kippe oder das Ausspucken eines Kaugummis auf den Boden 300,- Euro und wer seiner Katze keinen Ausweis besorgt, mit Lichtbild und Namensschild, der kann sich sein Tier dann später im nicht vorhandenen Tierheim abholen. - Nicht, dass Sie mich falsch verstehen, ich latsche nicht gerne in Kaugummis, auch finde ich das Wegschnippen einer Kippe widerlich, obwohl ich Raucher bin, aber man muss doch nicht hingehen und glauben, dass man mit solchen Strafkatalogen und Drohungen aus uns Sündern, eine bessere Rasse schaffen könnte. - Wir sind nun mal Menschen, auch wenn das nicht jeder gerne hört. - Jetzt kommt der nächste Knaller aus Los Llanos, nun kommt die Müllpolizei. - Wer seinen Hausmüll nicht ordentlich verpackt, zu früh auf die Straße stellt, oder außerhalb der Container deponiert, der läuft Gefahr in die Mühle der "WTF" zu geraten, der "Waste Task Force". - Das sind speziell ausgebildete Mitarbeiter der Gemeinde, die zusammen mit der Lokalpolizei auffällige Mülltüten öffnen und nach Hinweisen untersuchen, die zur Identifizierung des Mülltütenerstpackers schließen lassen. - Dann wird ein Ermittlungsverfahren eingeleitet, mit Fotobeweisen und dokumentarischer Schilderung der vorgefundenen Beweise und wenn man dann den Delinquenten stellt, dann kommt die berühmte Regel der 300 zur Anwendung, so viel kostet das in Los Llanos, wer seinen Müll nicht regelkonform im öffentlichen Straßenland deponiert. - Klar wäre es schön, und auch ich habe mich schon oft am Müllcontainer geärgert, was die Lausemenschen dort so alles rein- und danebenwerfen, aber dennoch wäre es billiger, einfacher, schneller und sauberer, wenn man einfach ein oder zwei Müllwerker mehr einstellt, die den Müll wegräumen, auch wenn der nicht normkonform entsorgt wurde. - Bleibt anzumerken, dass der Müll, sei er nun gesellschaftlich anerkannt in Containern deponiert, oder eben schluderig daneben geworfen, sowieso auf der fragwürdigen Müllkippe im Barranco Seco landet.



Mittwoch 09.09.09 19:09 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 26 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 62 % - Luftdruck 1014 hPa
Höchsttemperatur heute 26,8 Grad - niedrigste Temperatur 19,5 Grad

Paul der Psycho-Pate

Lange nichts mehr gehört von Paul, Sie zumindest nicht. - Wir sehen, hören und spüren den Kerl fast den ganzen Tag und manchmal sogar die ganze Nacht. - Seitdem Paul nicht mehr Alleinherrscher der felinen Schar in unserem Haushalt ist, hat sein Verhalten sich erneut grundlegend geändert. - Zunächst war er ja überhaupt nicht angetan von den beiden Findlingen und mied diese dahergelaufenen Straßenkatzen wo und wie er nur konnte, zwar ohne Gewalteinsatz aber dennoch so deutlich, dass wir uns ernsthafte Sorgen um diesen Familienverband machen mussten. - Inzwischen hat er sich aber an die beiden anderen Katzen gewöhnt, muss aber jeden Tag, und wie bereits erwähnt, manchmal auch jede Nacht, sein Alpha-Duktus vorführen. - Das beginnt mit der Weigerung die Nahrung neben seinen Artgenossen einzunehmen. - Er frisst nur, wenn er entweder alleine in der Küche ist, da haben wir hygienischerweise die Futterschalen aufgestellt, oder falls eine andere Katze in der Nähe ist und ihn beobachten kann beim Fressen, dann müssen wir seine Futterschale auf die Anrichte stellen, damit er dort ungestört oder besser ungekatzt weiterschlemmen kann. - Auch rührt er nicht Nahrung an, die bereits von den anderen Rackern "besprochen" wurde, das ist unter seiner Würde, die könnten Katzengrippe haben. - Daran kann man sich gewöhnen, der König isst ja auch nicht mit dem Pförtner und irgendwie fühlen wir uns dem Erstgefundenen ja auch verpflichtet, schließlich habe ich dem Vieh ja mal ewige Kumpeltreuer geschworen und, wer ist für mich da in den schweren sommerlichen Zeiten wenn Drachenflugtag war? - Klar der Paul, wenn er will.

Die weiteren Marotten sind etwas schwieriger zu ertragen, besonders die nächtlichen Attacken. - Es ist nett und durchaus liebenswert, nachts besucht zu werden, allerdings wäre mir eine höfliche Begrüßung der mich nachts um 03:00 Uhr besuchenden Person dann doch lieber, als die Paulsche Begrüßungsformel die da lautet: Ohne Vorwarnung einmal quer durch Gesicht geleckt. - Allerdings ist der damit natürlich erfolgreich, jeder Humanoid ist dann sofort wach und bereit mit Paul etwas zu unternehmen, damit der einem bloß den Bleschel aus dem Gesicht nimmt. - Man kann natürlich auch nachts die Tür zu machen, aber das schätzt Paul nicht und hinterlässt somit klare Kratzspuren an den Türzargen und das macht auch deftige Geräusche, die man vielleicht zunächst in seinen Traum einarbeitet, aber irgendwann dann eben doch jeden in den Wachzustand treiben. - Meist will er aber dann nicht etwa eine Mahlzeit zu sich nehmen, sondern einfach nur ein bisschen plaudern. - Über das blitzschnelle Unterscheiden zwischen großer Maus und kleiner Ratte, und wie man einen Vogel sogar im Fluge fängt, wobei ich manchmal schon denke, der erzählt aber auch einen Haufen Mist, wenn er damit prahlt, dass er heute Nacht wieder einen Adler mit einer Pfote gefangen hat. - Aber Männer sind so, und nachts sollte man nicht groß widersprechen und dem Paul sowieso nicht, denn der droht dann sofort mit einer mittelschweren Depression und das ist dann großer Familienalarm. - Wenn der da als vierbeinige Anklage in einer Ecke sitzt, und sein Grimassenspiel voll auf Selbstmitleid und aller Tragik dieser Welt ausrichtet, dann stehen hier alle Räder still, die Quarantänefahne weht über unserem Haus und die vielen Frauen, die auch noch um mich herumwuseln, belegen mich mit felinen Flüchen, da sicher ich den Grund für Paules Depressionen gegeben habe. - Dabei will der Stinksack einfach nur immer im Mittelpunkt stehen, der wird ja sogar schon depressiv wenn ich ans Telefon gehe und ihn dabei von der Schulter lege, um ihn nicht mit der Schnur zu erdrosseln. - Neulich hat er mich erwischt, wie ich die kleine Katzendame auf dem Schoß hatte, unsere kleine behinderte, die zwar vier Beine hat, aber nur drei davon bis zum Boden reichen. - So schnell konnte ich Lucky, so heißt die kleine Schwarze überhaupt nicht von mir schleudern, dass er mich dabei nicht erwischt hätte. - Alle Bekundungen, ich hätte die nur aus erzieherischen Maßnahmen kurz auf meine Augenhöhe genommen, um der mal ein paar Dinge klar zu machen, haben nicht gefruchtet. - Das bedeutet dann drei Tage Höchststrafe, tagsüber kein Wort mit mir gewechselt, nur dieser mephistophelische Blick, oder so wie die jungen Philosophen immer bei Dostojewski gucken, kurz bevor sie sich in der Newa ertränken, und nachts die harte Variante des paulschen Zungenkusses, einmal kreuz und einmal quer durch die Visage, drei Nächte lang, dann spricht der Psycho-Pate wieder mit mir.





Mittwoch 09.09.09 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 21 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 75 % - Luftdruck 1014 hPa

Verantwortung übernehmen

Chapeau vorab, das macht man nicht… Vielleicht könnte man auch einfach sagen, die machen doch nur ihre Arbeit, aber leider stellt das bislang eine Ausnahme dar. - In Los Llanos kümmert sich nun die Gemeinde um Jugendliche, die aus welchem Grund auch immer, meist aber natürlich durch familiäre Desaster motiviert, nicht mehr den Anschluss an die Gesellschaft finden und als Katalogeintrag den wenig glorreichen Titel der "sozialen Außenseiter" erhalten haben. - In unserer so engen wie aufmerksamen Gesellschaft gibt es den Grundsatz der Nichteinmischung, ein Handwerkszeug welches selbst schwierige Nachbarschaften möglich macht, allerdings auch den Weg ebnet für schwerste Verletzungen der elterlichen oder familiären Aufsichtspflicht. - Dennoch mischt sich keiner ein, sicher auch aus Respekt gegenüber anderen Menschen, das will ich noch mal betonen, aber in manchen Fällen fehlt für die verantwortlichen Personen dabei das soziale Regulativ, weil wenn keiner meckert, dann wird das schon in Ordnung sein war ich mache. - In diesen schwierigen bis verkorksten Verhältnissen bezahlen die Kinder meist die Zeche auf nachhaltige Weise, Schulabbruch, soziale Ausgrenzung, keine Perspektive und schon sind Karrieren vorgezeichnet. - Die Abteilung für soziale Fragen im Rathaus von Los Llanos hat nun bereits erfolgreich ein Programm begonnen, in dem man auffällige Jungendliche, man nennt Kinder im Alter von fünf bis fünfzehn Jahren, nach der Schule betreut werden. - Zwangsweise ist das nicht, das kann man ohne richterlichen Beschluss nicht machen, aber man kann daran arbeiten, meist in Beratung mit der Schule, wer denn von den Jugendlichen Hilfe benötigt, weil da nachmittags niemand ist der sich um die Kinder kümmert und so die Jungs und Mädels Gefahr laufen aus dem gesellschaftlichen Kurs zu geraten. - Hausaufgabenhilfe mit gewissem Druck, handwerkliche Kurse, Sportveranstaltungen, so sieht das meistens aus und dann entlässt man die Jugendlichen gegen Abend wieder, damit sie zurückkehren können in den vielleicht vorhandenen Kreis der eigenen Familie. Dabei müssen die Kinder nicht mal aus dem gebranntmarkten Kreis der "zerrütteten" Familien stammen, es reicht heute leider aus arm zu sein um den gesellschaftlichen Anforderungen nicht mehr folgen zu können. - Mit 32 Kindern in der Betreuung fing man an, jetzt sind es noch 25 Jugendliche, die man nach der Schule unter öffentliche Fittiche nimmt, wobei nicht erwähnt wird, warum die Zahl der betreuten Kinder denn abgenommen hat. - Dennoch muss man der Gemeinde Los Llanos in dieser Hinsicht große Anerkennung zollen, da wird mal nicht von Amts wegen an Wohlfahrtsorganisationen weiter verwiesen oder schlicht weg einfach nur auf die "modernen Zeiten" geschimpft, sondern man übernimmt Verantwortung und stellt sich den Begleiterscheinungen einer liberalen Gesellschaft, die halt einfach nicht in der Lage ist, soziale Ausgrenzung zu verhindern. - Chapeau nach Los Llanos!



Dienstag 08.09.09 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 23 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 73 % - Luftdruck 1014 hPa
Höchsttemperatur heute 24,5 Grad - niedrigste Temperatur 20,4 Grad

Asphaltcowboys

Einer meiner Lieblingsfilme… - Allerdings laufen hier ein paar Darsteller um Asphalt herum, da erinnert man sich in die tiefsten Zwischenräume der niederbayrischen Politik auf Landesebene zurück. - Es ist ja kein Geheimnis mehr, dass im Lampenladen von Juan Ramón, also dem Industriegebiet der Gemeinde Los Llanos zwei Asphaltwerke entstehen sollen. - Gemunkelt und geredet hat man so einiges darüber, aber richtig Bescheid wissen, das ist ein anderes Ding und studiert man die Abfolge und die Dinge rund um die Genehmigungen für diese beiden Industrieanlagen, dann tauchen da mindestens interessante Dinge auf. - Keine Frage, die Insel braucht mindestens ein Asphaltwerk, wo sonst bekommen wir das Material für den Straßenbau her, aber keiner will diese Dreckschleudern haben, und das sind diese Anlagen leider wirklich. - Trotz moderner Filtertechnik und behutsamen Umgang, so eine Aufbereitungsanlage von Asphalt für den Straßenbau ist keine Dönerbude oder Wäscheklammerfabrik, sondern eine die Gesundheit gefährdende Anlage und deshalb schreibt das Gesetz auch vor, dass solche Anlagen mindestens 2.000 Meter von der nächsten bewohnten Siedlung entfernt sein müssen. - So lautet zumindest der Gesetzestext des Dekrets 2414/1961, welches das Genehmigungsverfahren für solche Anlange bestimmt. - (Artikel 4 des Textes: "Las industrias fabriles que deben ser consideradas como pelogrosasa, insalubres, o nocivas sólo pdrán complazarse como regla general a una distancia superior a 2.000 metros a contar der núcleo más próximo de población agrupada) - Nun wissen wir ja aber alle, wo das Industriegebiet von Los Llanos ist und können uns eigentlich ausmalen, dass es dort unmöglich sein wird, eine solche Anlange zu errichten, weil es überall dort rundherum bewohnte Siedlungen gibt. - Da kann doch gar nichts passieren möchte man meinen, aber da haben wir eben nicht mit unseren Asphaltcowboys gerechnet.

Wir hatten lediglich Einblick in das Genehmigungsverfahren des einen Asphaltwerkes, gehen aber mal davon aus, dass im Fall der zweiten Anlage die Sache genauso gelaufen ist. - In dem dortigen Antrag erkennt man an, dass man dem Dekret 2414/1961 untersteht, allerdings ersetzt man in dem Text das Wort "núcleo poblado" durch den Terminus "núcleo urbano" und schon ist die ganze Kiste dort legal. - Um nun kein Missverständnis aufkommen zu lassen, da schiebe ich keine Schuld auf die beiden Firmen die ihre Asphaltmischanlagen da haben wollen, wo zukünftig viel Asphalt gebraucht wird, (Begradigung der LP2 und eben eventuell die autovía), sondern da hat doch jemand nicht richtig hingeguckt, als er diese Genehmigungsverfahren mit einem positiven Bescheid unterschrieben hat. - Um ein "núcleo urbano" darzustellen, braucht man mindestens eine Bevölkerung von an die 10.000 Menschen, ein "núcleo poblado" hingegen entsteht bereits bei einer Bevölkerung von an die 50 Menschen mit mindestens 10 Häusern und eigenen Straßen. - Nun wird der Unterschied klar deutlich, ein "núcleo urbano" gibt es rund ums Industriegebiet von Los Llanos wirklich nicht, "núcles poblados" hingegen bereits in etwa 120 Meter Entfernung. - Grob geschätzt fallen in den Umkreis von 2 Kilometern sogar an die 1.200 Häuser, mit vielleicht einer Bevölkerung von 6.000 - 7.000 Menschen, allesamt nicht "urban", aber dennoch existent und mit Sicherheit viele "núcleos poblados". Da also liegt der Trick wohl in der Geschichte vergraben und sicher ist das ein gefundenes Fressen für Advokaten und auch eventuell für die politische Opposition, aber die tut sich hier bekanntlich schwer mit der eingefahrenen Schiene, dass die Führung der Gemeinde Los Llanos dem selben politischen Apparat angehört wie die Genehmigungsinstanzen in der Provinzregierung der Kanarischen Inseln. - Wir erinnern uns, Juan Ramón der Erste, war bis vor etwa anderthalb Jahren von Bürgermeister von Los Llanos, jetzt aber hat er sich aufgeschwungen ins höchste kanarische Verwaltungsamt und bekleidet nun den Posten des "Consejero de Obras Públicas y Transportes". - Der unterschreibt nun die Dinge als Verantwortlicher, die er als Bürgermeister mal auf den Weg gebracht hat, auch eine Art Amtshilfe, die mir noch sehr bekannt vorkommt aus dem Bayrischen Wald. -

Es gibt noch weitere interessante Einzelheiten über die Genehmigungsverfahren der Asphaltwerke dort zu berichten, aber das kann man sich angesichts dieser Gesetzeslage eigentlich sparen. - Vielleicht sollte man noch wissen, dass in diesem Umkreis von 2.000 Metern rund um den zukünftigen Standort der Asphaltwerke sechs Schulen liegen, und auch wenn daraus immer noch kein "núcleo urbano" wird, fordert der Gesetzestext dies ja auch gar nicht, sondern möchte diese Art von Industrie von allen Menschen einfach fern halten. - Dabei ist es auch interessant, dass wir uns hier immer noch an ein Gesetz aus dem Jahr 1961 halten müssen. - Das liegt aber daran, dass nach der Verteilung der großen Autonomien in Spanien, es nun den Provinzen überlassen ist, dieses Gesetz neu und aktuell zu fassen, da man das aber auf den Kanaren nicht gemacht hat, gilt immer noch dieses Gesetz mit nunmehr 48 Jahren auf dem Buckel, und wir wissen doch, damals galt es noch als schick, wenn der Schlot qualmte. - Nun muss man aber mal nachdenken, wo man denn nun auf La Palma solch ein, oder zwei Asphaltwerke denn überhaupt hinstellen könnte, ist diese Insel doch nicht so groß, aber ohne ein solches Asphaltwerk geht es auch nicht, denn alle von uns, auch die abgebrühtesten Ökos wollen auf Straßen fahren. - Mir fallen nur ganz wenige Standorte ein, die natürlich dann auch sehr abgelegen sind und wenig verkehrsgünstig. - Die Asphaltwerke aber in die bevölkerungsreichste Region der Insel zu packen, ins Aridanetal, so etwas kann nur Aspahltcowboys einfallen.




Das Industriegebiet von Los Llanos




Dienstag 08.09.09 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 21 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 78 % - Luftdruck 1011 hPa
Höchsttemperatur heute 24,9 Grad - niedrigste Temperatur 19,6 Grad

Heute beginnt der Ernst des Lebens

Eigentlich dachte ich, Ernst sei bereits aus der Schule und in der Politik…. Aber mal Spaß beiseite, die Ferien für die allermeisten Schüler und Familien sind heute vorbei, zumindest der Alltag hat uns wieder, ob dass auch den Ernst des Lebens zurückbringt, das liegt dann ja doch an jedem Einzelnen. - Der Schulbeginn staffelt sich hier ja in Spanien, aber heute genau fangen die Kurse 2009/2010 für die Educación Primaria an, das bedeutet für die Klassen eins bis sechs. - Diese Kurse beinhalten die zahlenmäßig größte Gruppe an Schülern, für dieses Jahr haben sich 125.500 Pennäler in den Zentren angemeldet, das sind ein paar weniger als noch im vergangenen Jahr. - Die Zahl gilt übrigens für die gesamte Region der Kanarischen Inseln, aber das haben Sie sich sicher bereits gedacht. - Vor einer Woche bereits begannen die Vorschulklassen, die auch meist als Kindergartenersatz ge- und missbraucht werden und in der kommenden Woche fangen auch die Kurse der "Educación Secundaria" (85.700 schüler) an, also die Klassen sieben bis zehn. - Dieser Zyklus wird hier meist nur in der Kurzform betitelt, ESO heißt das dann und das O im ESO kommt von dem Zusatz "Obligatorio" bei der "Educación Secundaria" und eine Übersetzung ist dabei auch nicht notwendig. - Mit dem Abschluss der ESO, also nach der zehnten Klassen endet damit auch die Schulpflicht, wer allerdings vorher bereits das sechzehnte Lebensjahr erreicht hat, der kann auch seine Hefte nehmen und sich aus der Schule trollen, was leider immer noch viel zu viele Schüler machen. - Die Aussichten im Berufsleben für diese Gruppe werden aber immer schwieriger, nicht nur wegen der momentanen "Krise", auch hier auf den Kanaren verlangen interessante Berufsbilder eine immer höhere schulische Bildung von den Bewerbern.

Nachdem man diese Hürde genommen hat, also die zehnte Klasse, und damit im Besitz des ersten schulischen Titels, kann man die Klassen der "Bachillerato" Kurse (33.000 Schüler) belegen, die in der Regel zwei weitere Jahre verlangen. - Es kann aber gut sein, dass hier eine "Ehrenrunde" eingelegt wird, bis man alle Scheine beieinander hat, nur wer ganz hart und geradlinig seine Schulzeit durchzieht, der steht bereits mit siebzehn Jahren mit seinem Abitur in der Hand vor den Universitäten. - Dafür reicht es allerdings nicht, nur die beiden Kurse des Bachillerato erfolgreich zu besuchen, es muss auch noch die eigentliche Universitätszulassung bestanden werden, die "PAU" - Die schließt sich allerdings direkt an den letzten Kurs des Bachillerato an und nennt sich ausgeschrieben "Pruebas de Acceso a la Universidad" und diese finden dann nicht in den bislang besuchten Schulen statt, sondern zentral in unserer Hauptstadt. - Wer auch noch diese Hürde gemeistert hat, der darf dann auf die Universitäten gehen, hier auf den Kanaren gibt es deren zwei, die Universität La Laguna auf Tenerife und die Universität Las Palmas de Gran Canaria. - Spätestens dieser Schritt bedeutet dann für den Schüler/Studenten den großen Schritt aus dem elterlichen Klammergriff und den großen Sprung in die viel bewunderte Freiheit, allerdings bedeutet das auch, dass diese Freiheit für die Eltern teuer erkauft werden muss. - Wohnheim mindestens, aber da sind die Plätze stark limitiert und auch nicht wirklich beliebt. - Also muss eine Wohnung her, entweder zur Miete oder über den Weg des Kaufes und auf diesem Schritt bleiben viele geträumte Berufskarrieren dann auch hängen, weil die Familien diese doppelte Haushaltsführung einfach nicht bezahlen können. - Daneben bieten sich noch die Kurse der "Formación Profesional" an, die können auch bereits nach Abschluss der ESO besucht werden, das sind Berufsschulen, welche die Schüler für ganz bestimmte Berufe vorbereiten. - Ein Ausbildungssystem wie in Deutschland, mit Lehre und Gesellenbrief gibt es hier nicht, allerdings sind die Kurse der "Formación Profesional" die einzigen, die trotz eines allgemeinen Rückgangs der Schülerzahlen noch Zuwächse verzeichnen. - Das ist eine klare Ansage auf die gestiegenen Anforderungen welche der Arbeitsmarkt an Berufsanfänger stellt. - Dennoch beklagt man weiterhin eine viel zu große Anzahl an Jugendlichen, die komplett ohne Schulabschluss oder Berufsausbildung auf den Arbeitsmarkt drängen, ein Markt, der sich zunehmend abwendet von diesen jungen Menschen. - Spätestens da beginnt dann wirklich der "Ernst des Lebens".



Montag 07.09.09 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
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Der Teufel lädt zum Tanz

Da hätte ich vor lauter Fiestas fast eines der aufwendigsten und bekanntesten Feste der Insel unterschlagen, das Teufelsfest in Tijarafe, welches hier eigentlich nur noch "el diablo" genannt wir. - Dabei tanzt, oder bewegt sich muss man vielleicht sagen, eine Figur, der man ein Kostüm angezogen hat, und mit reichlich Feuerwerkskörpern bestückt, um dann nachts um 02:30 Uhr etwa mitten durch die Menge zu tanzen. - Natürlich mit gezündetem Feuerwerk, und wer es halt so lange in Tijarafe bereits ausgehalten hat, um diesen Teufel zu sehen, der hat meist schon so viel Teufelstrunk in sich, dass der das auch lustig und schön findet, mit Verbrennungen und angesengten Haaren wieder von dieser Fiesta nach Hause zu kommen. - Dabei verhageltes einem eigentlich diese Fiesta so ein bisschen, in dem blanken und wenig folkloristischen Wissen, dass gerade in den letzten Wochen 4 junge Menschen auf unseren Straßen den Tod gefunden haben und man sich gar nicht vorstellen will, wie denn die vielen Menschen dort oben aus Tijarafe nachts, oder besser am frühen Morgen dann in ihre Dörfer fahren wollen. - Das Fest gehört sicher zu den großen Traditionsfiestas dieser Insel, aber irgendwie nagt der Zahn der Aktualität doch sehr an solchen feurigen Vergnügen. - Und das eben nicht nur wegen der Verkehrstoten, die man wohl auch in den Zusammenhang mit den vergangenen Fiestas rückt, auch erinnern wir uns noch an den verheerenden Waldbrand, dessen Ursache zwar immer noch nicht geklärt ist, man aber wohl munkelt und vermutet, dieser sei durch Böllerschüsse einer anderen Fiesta verursacht worden. - Zumal noch ein rechtliches Damoklesschwert über solchen Veranstaltungen hängt die mit Feuerwerk zugange sind, ein neues nationales Gesetz hat deutlich schärfere Auflagen im Umgang mit solchen Knallkörpern und Feuerwerken aufgemacht, so dass diese Figur eigentlich gar nicht mehr seinen teuflisch feurigen Tanz aufführen dürfte. - Da ist man allerdings am überlegen, wie man für nächstes Jahr, denn das Gesetz gilt erst ab 2010, eine Ausnahmegenehmigung erreichen könnte, damit dieser Teufelstanz weiterhin stattfinden darf.

Für Tijarafe ist dieses Fest der große Jahreshöhepunkt sogar, sonst gelingt es einem dort in der so ruhigen und pretiös gelegenen Gemeinde kaum so viele Menschen in den Ort zu locken. - Auch aus diesem Grunde hat man diese Fiesta, und eben besonders den Teufelstanz als "Kulturgut öffentlichen Interesses" (Bien de Interés Cultural) einstufen lassen. - Dabei unterschlägt man allerdings ein bisschen das wahre Fest, denn Teufelsfest ist eigentlich überhaupt nicht richtig. - Es ist das Fest der Geburt der Maria, welche in der katholischen Kirche den 8. September als Geburtstag zugeschrieben bekam und Maria wird bei uns in allen diversen Rollen und Namen als Schutzpatronin in den Gemeinden verehrt. - Im Falle Tijarafes ist des Virgen de Candelaria und der gegenüber versprüht der Teufel in der Nacht vom 7 auf den 8. September sein ganzes noch vorhandenes Höllenfeuer, bis er irgendwann ausgebrannt und leer sich gegenüber der Kirche verbeugt und seine Niederlage zugibt, weil nun die Maria geboren wurde und mächtiger ist als sein Werk und seine Kraft. - Das Fest ist also eigentlich der Untergang des Teufels und der echte Höhepunkt der anschließende Gottesdienst, aber das ist irgendwie weit weniger interessant, als die Figur des Teufels selbst. - So hat sich das verselbstständigt, man geht zum "Teufel" wenn man auf diese Fiesta geht und keineswegs zur Schutzpatronin des Ortes, obwohl es eigentlich um die mildtätige Dame geht und nicht um den feuerspeienden Kerl. - Aber so ist das nun mal, auf der Suche nach Aufregung, Adrenalin und ausgelassenen Festen, lockt halt der Teufel doch deutlich mehr als eine virtuelle Jungfrau. - Ich kann nur hoffen, dass alle wieder gesund nach Hause kommen, und nicht den Teufel als Vorbild für ihr Verhalten im Straßenverkehr wählen.



Montag 07.09.09 09:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 77 % - Luftdruck 1014 hPa

6 Wochen Fiesta und kein bisschen weise

Unsere Schutzpatronin, die Virgen del Pino ist wieder in ihrer gleichnamigen Kapelle angekommen und damit endet nun ein sechswöchiges Fest, welches die Gemeinde El Paso schon irgendwie an die Grenze seiner Kapazitäten katapultiert. - Nicht nur, dass man einen Haufen Geld ausgegeben hat, man spricht von einer halben Million, die viele und andauernde Feierei macht auch den Alltag höchst kompliziert, weil Ansprechpartner nicht zu erreichen sind, in anderen Umständen, oder einfach nicht mehr in der Lage irgendetwas zu begreifen. - Da möchte man sagen, gut, dass das nur alle drei Jahre vorkommt, mehr Auflagen eines solche Feiermarathons könnte man sich unmöglich gestatten. - Auch die frommsten Pilger und die lustigsten Partylöwen sind sich nun einig, es ist Zeit geworden, dass Alltag einkehrt. - Die "Fiestas", so sagt man in der Kurzform sind allgemein gut angekommen, allerdings gibt es wohl Kritik an der Organisation, weil in dieser Auflage plötzlich so viel Wert auf Äußerlichkeiten gelegt wurde, was sonst so gar nicht unser Ding in El Paso ist. - Aber gemeckert wird auch immer, dennoch waren Dekorateure aus Tenerife bei uns, um den Ort schnieke zu machen und genau das ist eben der Unterschied, Los Llanos mag schnieke sein oder gar die Hauptstadt, aber El Paso doch nicht, El Paso ist ehrlich. - Mit dem Fahnenmeer und den vielen Girlanden hat sich die Organisation keine wirklichen Freunde gemacht, und das werden sicher noch weniger werden, wenn die Opposition erst mal kommt und benennt, was denn das alles gekostet hat, mit den Fähnchen bis über den Kirchturm. - Aber so lange Fiesta ist wird nicht kritisiert, erst feiern, dann Kater und dann wird wieder aufeinander eingedroschen, unter dem zarten Antlitz der Jungfrauenstatue geziemt es sich nicht auf den Putz zu hauen.

Beeindruckend bei der Vielzahl der Rahmenveranstaltung bleibt aber sicher, die echte und starke Zuwendung der Pasenes (so heißen die Einwohner El Pasos) zu ihrer Schutzpatronin, da könnte man den ganzen Rummel drum herum auch wegklappen, es käme alleine mit der wirklichen "Bajada", also dem Besuch der Statue in der Stadt, dem späteren Rundgang durch die Stadtteile und anschließend mit der "Subida" auch noch eine wunderbare Fiesta dabei heraus. - Manche wünschen sich das auch so, nicht nur aus Gründen irgendwelcher religiösen Reaktionen, sondern denen sind 6 Wochen Ausnahmezustand einfach zu viel und eigentlich haben Disconächte, Pferderennen, Fußballturniere und Hüpfburgen für die Kleinen nicht wirklich was mit dem Hintergrund dieser Feier zu tun. - Ich bin sogar der festen Überzeugung, man könnte dieses Fiesta heftig abspecken, ohne Glanz von dieser nur alle drei Jahre stattfindenden Feier zu nehmen, zu groß und fest ist der Glaube und die Verehrung an die Virgen del Pino selbst. - Allerdings ist es bei uns längst Tradition, aus eigentlich eher stillen und tief religiösen Akten ein wildes Fest zu machen, so nimmt man dem oft als verstaubt und eher verbiestert und erst dreinblickenden Katholizismus ja auch die Maske ab und öffnet solch ein Fest selbst für beinharte Agnostiker. - Anfänglich machte ja das Feuer im Süden der Insel dem Ablauf der Feierlichkeiten zu schaffen, zu groß war der Schreck noch Anfang August das Feuer könne auch El Paso erreichen, so mussten einige Veranstaltungen komplett abgesagt, andere verschoben werden und erst nach der ersten Woche kam man so richtig in Schwung. - Jetzt ist das letzte Glas getrunken, die letzte Tortilla verspeist und die Jungfrau wieder in ihrem fast goldenen Käfig angekommen, wo sie nun die kommenden drei Jahre die Einwohner aus El Paso wieder aus einem guten Platz mit Übersicht über die Gemeinde beschützen kann. - Zyniker sagen ja auch, den besten Schutz gäbe es, wenn die Dame dort oben bliebe, denn solche Fiestas, so viele Wochen lang, die hinterlassen immer Katholeralschäden in beträchtlichem Ausmaß. - Aber nun gönnt sich El Paso eine echte Ruhepause - bis zu diesem Wochenende - da finden die Fiestas in Las Manchas statt und Las Manchas gehört ja zum großen Teil auch zu El Paso. - Heiliger Pankratius, pass auf meine Pankreas auf…




Das abschließende "Bergfest" bei der Kapelle "Pino de la Virgen"




Sonntag 06.09.09 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 25 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 65 % - Luftdruck 1015 hPa
Höchsttemperatur heute 26,8 Grad - niedrigste Temperatur 20,1 Grad

Costas gibt nicht auf

Der alte Grieche möchte man meinen, aber man meint eben nur. - "Costas" steht für "Demarcación de Costas" und ist die provinzielle Unterabteilung der Küstenbehörde in Madrid, welche wiederum dem Umweltamt untersteht. - Costas mag also unsere wilden, oder halbwilden Siedlungen an den Küsten nicht, und würde diese am allerliebsten alle ausradiert wissen. - Dazu beruft man sich auf ein sehr gutes und positives Gesetz aus dem Jahr 1988, nachdem der direkte Küstenstreifen, und dabei ist außerhalb des als urban betitelten Geländes ein Streifen von 100 Meter von der Wasserlinie aus vorgesehen, nicht privat genutzt oder bebaut werden darf. - Das ist gut so, kann doch die Küste nun nicht mit irgendwelchen Palästen oder Häusern zugepflanzt werden, es bleibt offen für alle und jedermann und so muss das ja auch sein, wenn man in einer offenen und liberalen Demokratie wohnt, wie es Spanien nun mal ist. - Allerdings hat man dieses Gesetz leider auch sehr häufig umgangen, in den Boomjahren wuchsen an unseren Küsten Siedlungen, Hotelmeilen und gar ganze Städte, so dass man sich immer mal wieder fragte, warum machen wir eigentlich Gesetze. - Aber in den wirren Zeiten des Baubooms in Spanien wagte man es politisch nicht, oder wollte es auch gar nicht, irgendjemanden an ein kleines und so unschuldiges Gesetz zu erinnern, welches irgendwann mal in einem Anflug von heroischer Küstenphilosophie entstanden ist. - Jetzt allerdings erinnert man sich an dieses Gesetz, der Bauboom ist eh vorbei, oder besser gesagt, die vorhergehenden Regierungen haben derart übertrieben, dass man vor lauter Marbella schon das Mar nicht mehr sieht…

Allerdings wendet man sich hier auf den Inseln, nicht nur auf La Palma, meist gegen die Hütten und nicht gegen die Paläste, so dass man sich schon fragt, ob dahinter nicht jemand, oder eben eine Interessengruppe steht, welche dieses Gesetz für ihre Hintergründe ausnutzen will. - Dabei fällt eben auf, dass dieses Gesetz meist ohne jegliches Nachfragen angewandt werden soll, und die Tatsachen des Bestandschutzes überhaupt nicht bewertet werden. - Die meisten Siedlungen hier an den Küsten sind ja nun deutlich älter als 1988, können also gar nicht von diesem Gesetz belangt werden, so zumindest möchte man meinen, wenn man den lustigen bis verwirrenden Windungen verwaltungstechnischer und juristischer Begriffsstrategen sonst schon nicht folgen kann. - Das schien allerdings für die Küstenbehörde völlig uninteressant zu sein, so fielen hier auf La Palma bereits die Siedlungen "Los Guirres", die unter Ausländern meist als Playa Nueva bekannt war, viele Häuser bei der "Playa Zamora", am Faro von Fuencaliente und in La Bombilla wurden die Abrissverfügungen auch bereits verteilt. - Allerdings konnte man das Vorgehen der Küstenbehörde nach langem Kampf doch stoppen, Anwohner der Küstenlinie aus El Remo habe da einen Durchbruch erreicht, nachdem sie nachweisen konnten, dass bereits vor dem Jahr 1988 dort die Küstenbehörde den Grund nicht als nicht bebaubar betitelt hatte. - Diese Urteile dulden nun das Eigentum auf dem Küstenstreifen für weitere 60 Jahre, besser gesagt 2 x 30 Jahre, aber man kann eben die Verlängerung beantragen, dann erst kann dort abgerissen werden. - Darauf hin stellte die Küstenbehörde die Abrisse auf der Insel komplett ein, äußerste sich allerdings nicht zu den Urteilen und zu der temporären Niederlage. - Nun aber legt Costas im Norden der Insel nach und verteilt Abrissverfügungen in Küstensiedlugen zwischen Tijarafe und Puntagorda. - Dabei waren deren Bürgermeister noch im Frühjahr 2009 erst nach Madrid geflogen und hatten dort in einer Art Kuhhandel mit Höhlen und Häusern angeblich mit der Küstenbehörde ausgehandelt, dass man die dortigen Häuser stehen lassen könne, wenn diese denn als öffentliche Gebäude zu touristischen Zwecken jedem offenstehen würden. - Damals meinte man noch, die Küstenbehörde hätte das geschluckt, allerdings dürfen wir auch nicht vergessen, dass es wohl einen Kopf dieser Behörde in Madrid gibt, die ausführenden Positionen auf provinzieller Ebene aber hier auf Tenerife sitzen, mit wohl deutlich gefilterten Interessen. - Das wird wieder spannend, wie es jetzt im Norden weitergeht und überhaupt, was nun mit denjenigen Häusern in den bereits genannten Siedlungen ist, die nicht nachweisen können, dass sie bereits vor 1988 dort gestanden haben.



Sonntag 06.09.09 10:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 21 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 78 % - Luftdruck 1017 hPa

Die Autobahn ist wieder da

Aber lassen Sie uns den Sonntag korrekt beginnen, "autovía" muss das eigentlich heißen, also eine Schnellstraße mit 2 Spuren in jede Richtung, weil eine echte "autopista" oder "motovía" noch breiter und größer ist. - Uns langt aber dieser Autobahn völlig und eben nicht nur die Autobahn, die absolut unnötig ist, sondern noch mehr die Tatsache, dass diese auf einer völlig neuen Trasse laufen soll, nicht auf der bislang so guten und immer noch locker ausbaufähigen Ost-Westtangente, der LP3. - Leider muss man den Kritikern von damals recht geben die sagten, es hat keinen Sinn gegen die Autobahntrasse in den lokalen Flächennutzungsplänen von Breña Alta und El Paso anzugehen, diese Autobahn ist kein lokales Machwerk, sondern würde wenn dann von der Provinzregierung erbaut und die muss sich nicht um lokalen Pläne kümmern und tut das in der Regel auch nicht. - Dennoch war der Protest, der erfolgreiche Protest gegen die Autobahn auch auf lokaler Ebene wichtig, auch wenn es rechtlich nichts gebracht hat, konnte man doch sehr gut die Protestbereitschaft spüren und auch ein bisschen üben, denn bislang kannten wir hier auf La Palma nicht wirklich, so etwas wie eine notwendige Protestkultur. - Dass unsere Wünsche und Begehren den höhergestellten Politikern komplett Wurst sind, das müssen wir nun durch die Veröffentlichung des PIOLP (Plan Insular de Ordenación del Territorio de La Palma) erfahren, denn dort erscheint die "autovía" nonchalant erneut auf dem Papier. - Einige erkennen zwar kleine Änderungen in der Trassenführung, aber ist das Gesamtergebnis das Gleiche, die Autobahn lebt. - Allerdings im Stillen versucht man uns jetzt diese Schlange durch das Weltbiosphärenreservat zu verkaufen, und da man Wahlschlachtvolk, also uns, grundsätzlich für dumm, blind und manipulierbar hält, kommt der Aushang der "PIOLP" auch mitten in den Sommermonaten, wo viele weg sind, andere völlig damit beschäftigt die vielen Fiestas lebendig zu überstehen, und man sowieso keinen Gedanken an so etwas virtuelles wie Zukunft verschwendet. - Jetzt geht die ganze Chose also wieder los, zuerst mal müssen die Leute informiert werden, weil die allerwenigsten wissen, was in diesem inselweiten Plan überhaupt steht und dann muss neuer Protest formiert werden. - Die Plataforma Ciudadana hat auch bereits angekündigt eine Eingabe gegen die komplette Trassenführung der "autovía" verfassen zu lassen, die dann auch bequem aus dem Netz heruntergeladen werden kann, um dann präsentiert zu werden. - Sie werden darüber natürlich hier informiert, wenn das so weit ist.

Jetzt muss ich aber noch mal ein Ding dazwischen schieben, theoretisch ist es möglich, dass dieser Inselplan, so wie er am 29. Juli dieses Jahres in erster Lesung im Inselparlament verabschiedet wurde, noch nicht die in den lokalen Flächennutzungsplänen von Breña Alta und El Paso geschehenen Änderungen übernommen hat. - Allerdings ist es weltfremd zu glauben, dass eine nachträgliche Korrektur geschehen wird, denn einmal wäre dass dann eine substantielle Änderung im Plan die dann eine erneute "erste Lesung" bedingen würde und wir wissen ja noch viel zu gut, dass die treibende politische Kraft hinter den Autobahnplänen die Coalición Canaria ist, welche eben bislang mit den Autobahn nur am Bürgerprotest und an den damals sozialistisch regierten Gemeinden Breña Alta und El Paso gescheitert ist. - Da der PIOLP aber das übergeordnete Papier ist, müssen sich die lokalen Flächennutzungspläne nun nachträglich dem Inselplan anpassen, so dass man nun auch erklären kann, warum nun die Putschisten im Rathaus von El Paso den lokalen Flächennutzungsplan ohne weitere Änderung von den Sozialisten übernommen haben, der ist eh für die "Katz" kann man ja nun offen im Bezug auf die Autobahnpläne sagen. - Ich will Sie jetzt noch ein bisschen weiter verwirren, denn auch der PIOLP ist noch nicht aller Tage Abend, denn eigentlich regelt der "Plan general de carreteras" wo Straßen auf den Inseln gebaut werden die über die Kompetenz der Inselregierung hinausgehen und darüber sprechen wir, wenn wir von der "autovía" reden. - Und dieser ominöse Plan ist noch gar nicht fertig, da kann dann also wieder mal "nachgebessert" werden, falls dem PIOLP auf seinem ruhmreichen Weg in die Zukunft der Insel irgendein Stolperstein auf die Autobahn fallen. - Das ist das schon ein Drachen mit mehreren Köpfen, aber Bangemachen gilt nicht, dann müssen die Köpfe halt alle weg. - Theoretisch kann man auch auf den politischen Wechsel im Jahr 2011 hoffen, aber Hoffnung alleine ist nicht ausreichend, sondern das muss unterstützt werden durch massiven Bürgerprotest. - Und dieses Mal dürfen alle ihren Unmut gegen diese unsinnige Schlange durch das Weltbiosphärenreservat ausdrücken, man kann also auch aus dem Ausland seine Eingabe machen und die muss bewertet und beantwortet werden. - Aber gemach, in den nächsten Tagen ist es erst so weit, dass es diese "Alegación" gibt. - Zeit ist noch bis zum 14. Oktober, dann endet die Einspruchsfrist. -

Jetzt aber noch mal grundsätzlich zu den Autobahnplänen und warum die Gruppen der Autobahngegner keine einfach "Neinsager" sind oder gar Gegner einer Verbesserung unserer Verkehrswege. - Grundsätzlich fordern wir ja eine deutliche Verbesserung der Straßen hier auf La Palma, was vor allem den Sicherheitsaspekt betrifft und in zweiter Linie die abgelegenen Zonen des Nordens besser mit den Wirtschaftszentren Aridanetal und Santa Cruz/Breñas betrifft. - Allerdings verlangen wir einen kontinuierlichen Ausbau der vorhandenen Verkehrswege, die bislang bereits sehr leistungsfähig sind und eben keine neuen Trassen, die dann auch noch wie im Falle El Pasos kilometerweit parallel zur alten Straße führen. - Man gibt uns als Erklärung für eine eventuelle Notwendigkeit der Autobahn auch Wachstumszahlen im Straßenverkehr auf La Palma vor, die absolut jeglicher Realität entbehren. - Im Gegenteil, die Krise hat den Bestand der Fahrzeuge bereits verringert, die Bevölkerung wächst nicht mehr und es wird die Aufgabe sein ein alternatives Verkehrs- und Transportkonzept für ein Weltbiosphärenreservat zu erstellen und nicht längst überholte Konzepte aus der dunklen Tasche der Verkehrsplanung zu zücken, mit denen man hofft wirtschaftlichen Aufschwung in öde Regionen zu tragen. - Das ist alles Mist, denn auch mit der Autobahn wird sich dennoch keine Industrie hier auf La Palma ansiedeln, denn wir sind und bleiben eine Insel, weit draußen im Atlantik und die weiteren Transportwege verbieten eigentlich produktive Tätigkeit von Waren, die voluminös oder schwer sind, weil einfach zu teuer in der Logistik. - Darüber hinaus gibt es aber eine wunderbare Erklärung, warum man dennoch am Bau absolut unnötiger und auch für die Wirtschaft nicht förderlicher Straßen ist, man bekommt das meiste Geld eh von der Europäischen Union gestellt. - Dabei gibt es aber die Prämisse, das muss ein Neubau einer Straße sein, weil die in Brüssel oder Straßburg wohl immer noch den Schmonzes glauben, den ihnen die Provinzregierung der Kanaren vormacht, dass wir hier ein unterentwickeltes Land seien, was den Straßenbau angeht. - Das waren wir, und da hat sicherlich die Europäische Union eine hervorragende Rolle gespielt um uns straßentechnisch auf eine Augenhöhe mit den anderen europäischen Regionen zu bringen. - Aber das ist vorbei, wir sind längst angekommen, und haben jetzt Defizite im Gesundheitswesen und im schulischen Bereich und dafür sind aber keine Gelder aus Brüssel/Straßburg zu holen. - Es ist also nicht komplett unsere eigene Schuld, warum wir an solch monumentalem Mist festhalten, für solchen Schwachsinn gibt es lockende Gelder aus der Europäischen Union, um ein paar mehr Ärzte und Lehrer einzustellen allerdings nicht.





Samstag 05.09.09 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 25 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 65 % - Luftdruck 1016 hPa
Höchsttemperatur heute 27,4 Grad - niedrigste Temperatur 19,2 Grad

Grummelt der Vulkan immer noch?

Vor ein paar Wochen habe ich mal einfach die Schuld an vielen Ungereimtheiten irgendeinem außergewöhnlichem Phänomen in die Schuhe geschoben. - Natürlich gibt es keine erhöhte vulkanologische Tätigkeit im Moment hier auf La Palma, aber viele Dinge laufen aus dem Ruder, oder sind einfach nicht in normalen Zusammenhängen so erklärbar, dass halbwegs vernünftige Menschen sich damit zufrieden geben können. - Mir fällt immer noch keine Erklärung dazu ein, dass die Stimmung auf der Insel weiterhin extrem angespannt ist, alleine durch die "Krise" und einen heißen Sommer entstehen keine solchen gesellschaftliche Unsicherheiten, wobei natürlich wirtschaftliche Probleme in den Familien nicht unterschätzt werden dürfen. - Aber vielleicht höre ich auch wieder nur das Gras wachsen, so augenscheinlich nach außen ist ja auch nichts besonderes los auf dieser Insel, aber eben bildhaft betrachtet wohl im Inneren, und so entsteht auch meine Metapher von dem grummelnden Vulkan, kein Geologe muss mir bitte jetzt schreiben und eines Besseren belehren… Hauptsächlich macht sich eine gewisse Stase bemerkbar, fast Fatalismus mit dem man Dingen begegnet und so werden ganz wichtige Angelegenheiten für diese Insel nicht mehr ausreichend diskutiert und bearbeitet, sondern fast schon als schicksalhafte Entscheidung einfach hingenommen, fast so als sei dem Einzelnen längst die Möglichkeit des Handelns genommen. - Das führt einen natürlich wieder auf den Pfad eventueller wirtschaftlicher Schwierigkeiten, in solchen Zeiten werden Abhängigkeiten wieder deutlicher und für den Alltag maßgeblich, was keinen besonders guten Nährboden für einen glücklichen Alltag darstellt. - Vielleicht lassen sich auch daraus die vielen zwischenmenschlichen Probleme erklären, die seit geraumer Zeit nun, ein echtes Datum, wann der Vulkan angefangen hat zu grummeln kann ich nicht nennen, tief in manche Familien hineinstechen, und zum Teil bislang untrennbar geglaubte Dinge einfach zerrupft werden und dabei Werte vernichtet, ich meine nun keine weltlichen Werte damit, die vorher als feste Burg im eh schon anstrengenden Alltag einfach so dastand. - Trennungen, Streit, dumme Neid- oder Missgunstgeschichten, all das war sicher immer dar und gehört wohl einfach zur menschlichen Lebensform, aber so geballt wie das in letzter Zeit hier auf der Insel austritt, das gibt mir zu denken. - Vielleicht bin ich da besonders hellhörig, gerade aus dem Grund heraus, da für mich familiäre Harmonie so extrem wichtig erscheint und wir jetzt mit ansehen müssen, wie andere Menschen diese Werte als völlig austauschbar und ersetzbar erklären, bloß weil man sich vielleicht nach 15 Jahren nicht mehr neu in die Marotten seines Alten oder seiner Alten neu verlieben kann. - Da stechen blanke Egoismen durch, die vielleicht zum Teil verständlich sind, weil jedes Individuum doch auch wieder einen möglichen Anspruch auf das "Glück" verdient - und unser Rechtssystem gaukelt einem das sogar vor - wobei Verantwortlichkeit und Pflicht gegenüber anderen oft grausam verletzt werden. - Mag ja auch einfach nur sein, dass uns der Hafer sticht auf unserer kleinen Insel und es uns in den letzten Jahren einfach unverschämt gut gegangen ist und wir dabei die eigentlichen Werte welche diese Gesellschaft hier so stark und solidarisch gemacht haben, nämlich Bescheidenheit und Bedacht, einfach nicht zu dem neuen Kleid der auch für La Palma propagierten Moderne passen. - So, jetzt habe ich Sie missbraucht für meine kleinen unschönen Beobachtungen über den alltäglichen Tellerrand hinaus, schön, dass wir mal darüber gesprochen haben. - Grund hierfür ist aber auch ein aktuelles Thema, schon wieder gab es auf der Insel einen tödlichen Verkehrsunfall mit einer Jugendlichen. - Die vierte Tote innerhalb weniger Wochen, und immer waren es junge Menschen die da auf der Straße ihr Leben verloren haben. - Heute Morgen gegen sieben Uhr prallte ein PKW mit einem Pickup unterhalb des "Cruze de Tajuya" zusammen. - Die junge Frau starb noch am Unfallort, ein zweiter Jugendlicher liegt mit Verletzungen im Krankenhaus und ein 51 jähriger Mann musste "lediglich" im Centro de Salud von Los Llanos ärztlich versorgt werden. - Das sind viel zu viele Verkehrstote in den letzten Wochen, es wird langsam schwer aufrichtig zu kondolieren, solche Worte verlieren drastisch an Wirkung durch inflationären Gebrauch. - Dennoch, möge Gott oder wer auch immer den Angehörigen die nötige Kraft geben, um den schlimmen und so unerwarteten Verlust einer Tochter, einer Nichte oder einfach nur eines Freundes irgendwie zu verarbeiten.



Samstag 05.09.09 10:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 75 % - Luftdruck 1017 hPa

Weltbiosphärenreservatskrisenverhandlungen

Die gesamte Insel La Palma wurde von der UNESCO zum Weltbiosphärenreservat erklärt, wobei man manchmal nicht weiß, ob da das Wort Welt, Biosphäre oder Reservat funktionsgebend ist. - Manchmal fühlt man sich schon so ein bisschen wie in einem Reservat, "draußen" läuft die Welt an einem vorbei, und unsere besorgten Jungs und Mädels von der Coalición Canaria kümmern sich bestens darum, dass innerhalb des Reservates keiner auf die Idee kommt Eigeninitiative zu entwickeln, oder gar so was wie demokratische Strukturen fordern könnte. - So lange genug zu verteilen da ist klappt das auch, Bayern ist doch wohl das allerbeste Beispiel dafür, dass pfiffige Diktaturen es sogar wagen können sich vom Volk wählen zu lassen, und das immer und immer wieder. - Fast hat es den Anschein hier, als sei die Coalición Canaria ähnlich erfolgreich, allerdings sind unsere Krisen hier derart profund, dass nun die Mittel knapp werden, den Betrieb am Laufen zu halten. - Inzwischen wird überall das Geld knapp, wir haben ja bereits gehört, dass selbst Stadträte entlassen werden können und keine Korporation oder öffentliche Institution, die nicht Finanzierungsschwierigkeiten hätten. - Selbst das Konsortium der Weltbiosphäre leidet nun unter der mangelnden Zahlungsmoral der Rathäuser, bis auf weniger Korporationen sind fast alle Gemeinden im Rückstand mit ihren Verpflichtungen.

Auf an die 250.000,- sind inzwischen die Schulden aufgelaufen, das bringt das Konsortium nun in mittelschwere Probleme, denn auch die haben Kosten zu begleichen und Löhne zu zahlen. - Man mag nun geteilter Meinung sein, was den Sinn oder den "biosphären" Wert der Arbeit dieses Konsortiums angeht, aber schließlich ist das die Organisation welche sich um die Belange unsere Weltbiosphäre kümmert und da haut die Krise nun mit gewaltigen Schlägen ins Kontor. - Allerdings ist man nicht untätig seitens des Konsortiums, der Chef selbst, der rührige Antonio San Blas steht nach eigenen Aussagen in gutem Kontakt mit den Gemeinden welche noch Außenstände haben und ist zuversichtlich, dass diese Gemeinden ihn nicht komplett hängen lassen. - Gut, das muss er auch sagen, sollte es sich noch feister herumsprechen, dass die knapp bei Kasse sind, dann wird es auch für das Konsortium immer schwieriger noch Lieferanten zu finden, denn heute kann es sich kaum noch ein Gewerbe erlauben, lange Zeit auf Zahlungen zu warten. - Aber nicht alle Gemeinden sind im Zahlungsverzug, Santa Cruz, die beiden Breñas und Mazo sind auf dem Laufenden was die Zahlungen angeht, die anderen 10 Gemeinden der Insel allerdings noch nicht. - Da sticht auch Los Llanos deutlich hervor, man kann in "El Día" nachlesen, dass die seit der Gründung des Konsortiums des Weltbiosphärenreservates hier auf La Palma im Jahr 2004 noch nicht einen müden oder "biosphärischen" Euro bezahlt haben, und sich so deren Schulden gegenüber dem Konsortium auf inzwischen 108.000,- Euro angesammelt haben.





Freitag 04.09.09 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 28 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 55 % - Luftdruck 1017 hPa
Höchsttemperatur heute 28,2 Grad - niedrigste Temperatur 19,5 Grad

Kurz und knackig

Die Gemeinde San Andres y Sauces schiebt einen reichlichen Schuldenberg vor sich her. - Der drückt derart gewaltig, dass nun sogar die Gemeindeverwaltung sich ein paar Politiker ersparen will und schickt nun 4 Stadträte in den "Ruhestand". - Das heißt, dass von politischer Seite aus nur noch die Bürgermeisterin und 2 Stadträte die komplette Arbeit erledigen wollen. - Allerdings waren die anderen Stadträte eh nur im Status der "dedicación parcial", was bedeutet, dass die ihren Posten eben nur als Nebenerwerb ausgeübt haben. - Damit will man monatlich 4.000,- Euro einsparen, denn jeder dieser Stadträte hat bislang 1.000,- Euro für seinen Einsatz erhalten. - Weiterhin meldet man aus der Nordostgemeinde, dass auch die Bürgermeisterin ihr eigenes Gehalt kürzen will. - Allerdings war die Dame, Nieves Dávila von der Coalición Canaria eh immer schon im Kreuzfeuer der Kritik, da sie ein ungewöhnlich hohes Gehalt für ihren Bürgermeisterposten einstreicht, nämlich 5.430,- Euro im Monat. - So kommt nun eine Reduzierung ihres Gehaltes gerade in Zeiten der Krise und der Gemeindeschulden recht, allerdings fällt diese Kürzung sehr kurz aus, denn weiterhin sollen monatlich an die 4.770,- Euro auf ihr Konto gehen, das ist immer noch mehr, als die allermeisten Berufskollegen hier auf La Palma für den Job eines Bürgermeisters erhalten.

Die Straße von El Remo nach Fuencaliente rückt wieder in den Focus der Gespräche. - Für so etwas haben wir hier auf La Palma die Partido Popular, die sich angewöhnt hat mir mehreren Presseerklärungen wöchentlich immer irgendetwas auf den Nachrichtentisch zu bringen. - In der Tat gibt es ein Projekt, welches die Siedlung El Remo mit einer Küstenstraße mit der Südspitze der Insel verbinden soll, das wären auch nur ein paar Kilometer. - Gerade nach dem Feuer dort im Süden ist von den Befürwortern dieser Straße das Thema der schlechten Erreichbarkeit Fuencalientes während des Feuers eingebracht worden, die Leute hätten dort nicht fliehen können, sondern seien an der Küste "eingesperrt" gewesen. - Gut, auch wenn es dort an der Küste zu keiner Zeit gefährlich wurde, solche Sicherheitsthemen sind schon Argumente welche ernst genommen werden. - Auf der anderen Seite wird der Bau dieser Straße von technischer Seite sehr anspruchsvoll, man müsste diese Straße praktisch permanent als Tunnel führen, weil das Gelände dort aus ständig nachrutschendem Vulkangeröll besteht. - Darüber hinaus gibt es Bedenken seitens der Naturschützer, die gesamte Küstenlinie dort gehört zur marinen Schutzzone La Palmas, welche von El Remo eben bis nach La Zamora im Süden reicht. - Man hatte gerade eben diese Zone ausgesucht, weil dort keine Straße ist, die Gegend extrem schwer zugänglich, und so am besten vor dem Zugriff des Menschen geschützt ist.



Freitag 04.09.09 10:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 67 % - Luftdruck 1017 hPa

Sicherungen

Einen Monat nach dem Brand im Süden und Südosten der Insel kam nun endlich die zuständige Dame des Landwirtschaftsrates der Provinzregierung nach La Palma. - Pilar Merino heißt die Dame, und auf Deutsch wäre die im Posten des Landwirtschaftsministerin, aber in Spanien heißen nur die "echten" Minister der Zentralregierung in Madrid so, die Landes- oder besser Provinzfürsten und Fürstinnen müssen sich mit der Bezeichnung "Consejero(a)" zufrieden geben, was eben "Rat" bedeutet. - Guter Rat ist bekanntlich teuer, ein Ratsherrentopf meistens auch, und ich bin immer noch gespannt, ob es jemals in der Gastronomie auch einen Ratsfrauentopf geben wird. - Die gute Frau Merino hat sich nun also nach La Palma orientiert, aber eben einen Monat nach dem Feuer und das begleitete deren Besuch von Anfang an mit einem negativen Vorzeichen. - Natürlich wird es Hilfen geben für die Landwirte welche ihre Felder verloren haben, wie die aber im Einzelnen aussehen und wann es Bares auf der Kralle gibt, das wissen wir noch nicht. Wichtig ist der guten Frau, dass man die nun verbrannten Zonen nicht aufgibt, sondern wieder "unter Pflug" nimmt, wie man in der Branche sagt. - Gut gebrüllt Pilar, wir können es uns nicht erlauben weitere Agrarflächen zu verlieren, allerdings dürfen wir nicht vergessen, dass der Sektor Weinbau auf der Insel nicht nur die Brandfolgen zu beklagen hat, sondern seit Jahren bereits in einer selbstgeschaffenen Krise steckt, die von Überproduktion und falscher An- und Ausbaustrategien geprägt ist.

Man schätzt, dass im Süden der Insel zwischen 70 und 90% der Weinernte in diesem Jahr durch das Feuer vernichtet wurden. - Vielleicht sind es auch nur 50%, so zumindest hört man es auch aus weniger impulsiven Kreisen, aber das ist ja kontraproduktiv solche Zahlen zu verbreiten, denn dann würde ja die Spendierlaune der öffentlichen Hand deutlich nachlassen. - Aber das ist eigentlich ziemlich egal, wie viele Prozent denn dieses Jahr im Süden weniger an Trauben geerntet werden, die Bodegas dort, natürlich mit Ausnahmen, stecken seit ein paar Jahren eh ganz tief in der Absatzkrise, ganz einfach weil immer weniger Verbraucher die roten Tropfen aus dem Süden oder Südosten der Insel schätzen. - Auch die Önologie unterliegt gewissen Moden und im Moment dreht halt der Trend ganz klar zu den frischen Weißen aus dem Norden La Palmas, oder auch in Richtung der sauber ausgebauten Weine der Bodega Tamanca, deren junger Chef keine Angst vor Edelstahlfässern und Reinzuchthefen hat und Tradition als Basis für Wissen ansieht, nicht aber als Dogma. - In der Tat ist zu befürchten, dass viele Landwirte im Nebenerwerb ihr Weinfeld nach dem Brand nicht mehr weiter pflegen, denn der Bedarf an Trauben für die Keltereien ist in den letzten Jahren meist deutlich geringer als das Angebot. - Noch dazu gibt es auch auf dem Sektor der dortigen Genossenschaften eine wenig förderliche Zahlungsmoral, manch ein Winzer hat seine Ernte von 2006 noch nicht bezahlt bekommen und fragt sich natürlich jetzt, ob er denn dieses Jahr überhaupt wieder abliefern soll, oder lieber aus dem kleinen Rest der Ernte ein paar Fässchen zum Eigen- und Freundesverbrauch ausbaut. - Frau Pilar Merion hat eh noch einen sehr guten Ratschlag im Ratskoffer mitgebracht: Die Winzer sollen sich als Vorbild die Bananenbauern nehmen, die hätten allesamt Agrarversicherungen abgeschlossen und dann wäre es egal, ob Schnee, Hagel oder Feuer die Ernte vernichtet, die Versicherung schreitet dann ein. - Allerdings bezahlt die Versicherung nicht bei sinkenden Preisen wegen Überproduktion und schon gar nicht, wenn die Bodega, an die man die Trauben liefert, nicht bezahlen kann. - Das wäre noch eine schnuckelige Idee, eine Versicherung gegen die Folgen der Globalisierung, oder gar gegen schlechtes Management.



Donnerstag 03.09.09 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 26 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 60 % - Luftdruck 1017 hPa
Höchsttemperatur heute 26,8 Grad - niedrigste Temperatur 19,6 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 29,9 - Temp. Min 18,2 - Feuchte 23 - 30 % Niederschlag 0 mm

And the winner is:

Das Restaurant "Carmen". - Verdient gewonnen muss man sagen hat die Equipe des Restaurants Carmen den "Gallo de Oro 2009" mit der Tapa: "Milhojas de salado". - Süßkartoffel mit Paprikagemüse und Stockfisch. - Überhaupt hat sich das Restaurant in der Urbanisation Celta in letzter Zeit zu einem angenehmen kulinarischen Treffpunkt entwickelt, immer ein bisschen feiner als die anderen Restaurants, aber der ehemals biedere Charme einer anderen, uns fremden Klasse ist verschwunden, auch Pedro Normalverbraucher kann sich dort inzwischen wohl fühlen, nicht nur die Honoratioren wie das früher mal war. - Zwei zweite Preise wurden vergeben, einmal das Restaurant "Carpe Diem" in Tazacorte, wo man nicht nur den Tag genießen kann, sondern eben auch noch die Tapa "Milhojas de conejo y papas". - Gratulation! - Der dritte Preis geht wieder nach El Paso und zwar an die Bar/Cafetería K-Chote, dort beeindruckte man mit einem Saltimboca derart, dass die Jury nicht darüber hinwegsehen konnte. - Es gibt auch noch weitere Preise und da taucht endlich auch Los Llanos mal auf, denn sonst räumt El Paso fast alle Preise wieder ab, so wie das die letzten Jahre auch schon war. - Die ersten Preise gingen bei jeder Ausgabe dieser Tour immer nach El Paso. - Also, der "Gallotapa", ein Sonderpreis für ein lokales Gericht geht an die "Bar Punto de Encuentro" in Los Llanos und das prämierte Gericht ist ein "Carne en salsa", so wie man das hier nennt und eigentlich einem Schweinegulasch entspricht. - Allerdings gibt es auch Kritik an der Verleihung dieses Preises an die Bar, denn die hatte nur 2 Wochen offen und die restliche Zeit waren die auf Urlaub. - Das macht die Tapa natürlich nicht schlechter, aber viele konnten eben dieses Gericht überhaupt nicht verkosten. - Ein anderer Preis, von manchen sogar als der Wichtigste betitelt ist der "Gallo Popular". - Dabei stimmen die Besucher der Restaurants die Wertungen ab und nicht wie bei den anderen Preisen eine Jury aus Köchen und wichtigen Menschen und auch der Preis geht wieder nach El Paso, an die Cafetería Anne. - Hühnchen mit Trockenfrüchten und Honig war dort das gelobte Gericht, aber beim "Gallo Popular" wird eben nicht nur die Qualität der Speisen bewertet, sondern das Publikum entscheidet natürlich auch nach Sympathie und wo man besonders freundlich bedient wurde. - Dann gibt es noch einen Preis, von dem ich nun überhaupt nicht weiß was er bedeutet, und nachlesen konnte ich das auch noch nicht, aber es handelt sich um den sogenannten "Premio Dorada" und "Dorada" ist die Brauerei, welche Bier für die Ruta del Gallo gespendet hat. - Auch wenn ich nicht weiß, für was dieser Preis gut ist, müssen wir der Vollständigkeit halber doch noch erwähnen, dass dieser Preis an die Tasca Barbanera ging, auch wieder in El Paso. - Nun muss man aber nicht glauben, dass man nur in El Paso gut essen kann auf La Palma, bloß weil alle Jahre wieder die Restaurants aus dem Ort die meisten Preise einheimsen und man muss eben auch erwähnen, dass bei der Ruta del Gallo nur die drei Städte Tazacorte, Los Llanos und El Paso mitmachen. - Daher kommt übrigens auch der Name, Ruta del Gallo, was so viel heißt wie der Weg des Hahnes. - Die Leute auf der Westseite, vornehmlich die des Aridanetals, werden von den Hauptstädtern wegen der ländlichen Herkunft verächtlich "Gallos" genannt, also Hähne. - Im Gegenzug nennen die Leute aus dem Aridanetal die Hauptstädter "Portugeses", was eben auf die vielen portugiesischen Auswanderer hinweisen soll, die sich mal in Santa Cruz niedergelassen haben. - So richtig beleidigend finde ich aber beide Ausdrücke nicht, sie werden auch heute kaum noch angewandt, aber irgendeinen Namen musste man der Chose doch geben.

Noch ein Hinweis in Sachen El Paso. - Morgen ist dort lokaler Feiertag, man feiert sich selbst. - "Día Típico" nennt man das und es lohnt sich dennoch nach El Paso zu fahren. - Dort rund um den Palmenpark und die Tourismusinformation werden dann höchst endemische Dinge gezeigt und vorgestellt. - Da geht es ganz lustig her, gleich noch am Vormittag, das Rathaus spendiert ein Fass Wein, Nachbarschaften schlachten ein Schwein, andere bringen Süßigkeiten und weitere kulinarische Spezialitäten mit, da kann eigentlich nichts schiefgehen. - Nur Einkaufen kann man also morgen in El Paso nicht.




Día Típico in El Paso




Donnerstag 03.09.09 09:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 77 % - Luftdruck 1017 hPa

(Unten) Angekommen

Schlimmer geht´s nimmer und vorwärts immer. - Was würden Sie sagen, wenn es in Deutschland an die 9.000.000 Arbeitslose gäbe? - Rechnet man die 8.748 Menschen ohne Arbeit hier auf La Palma auf die Zahlen in Deutschland um, dann ergäbe das etwa dieses Verhältnis. - Dabei interessiert nicht etwa die Quote, die man aus dem Anteil der aktiven Bevölkerung errechnet, sondern die Last, die auf der Gesamtheit der Bevölkerung lastet. - Aber es gibt auch gute Nachrichten, im dritten Monat nacheinander sinkt nun die Zahl der Arbeitslosen auf La Palma, im Juni und Juli minimal, jetzt aber im vergangenen August gleich um 172 Personen. - Allerdings sind diese Veränderungen bei der Zahl der Arbeitslosen jedes Mal auf den Vormonat bezogen, nicht aber auf den gleichen Monat im Vorjahr, was ja dann auch eine saisonbereinigte Aussage möglich macht. - Im August 2008 waren auf La Palma "nur" 7.256 Menschen ohne Arbeit und diesen August eben 8.748, die Zahlen sprechen leicht für sich. - Dennoch muss man den Bruch der Tendenz anerkennen, der übrigens nicht landesweit ist, im Schnitt nimmt die Arbeitslosigkeit in Spanien weiterhin zu, allerdings nicht mehr dramatisch, der Boden ist nah. - La Palma könnte also früher gelandet sein als seine Umgebung, und so ist das wohl auch, und überhaupt hat uns die "Krise" nicht so gewaltig erwischt wie die anderen Inseln. - Noch ein kleines Licht am Horizont kann so auch sein, dass wir eben nicht wie erwartet die magische 10.000er Grenze in der Zahl der Arbeitslosen erreichen, sondern uns nach dem ewigen Rekord von 9.055 Menschen ohne Arbeit im April dieses Jahres wieder in lauere Gefilde begeben.

Allerdings ist noch nichts gewonnen, denn noch ziehen die Konjunkturprogramme der Zentralregierung, und der August war der erste Monat, in dem wir wieder Touristenzahlen hatten, die etwa dem Vorjahr entsprechen, nachdem der Mai, Juni und auch der Juli uns sehr enttäuscht hatten. - Man muss das immer ein bisschen im Vergleich zu den anderen Kanareninseln sehen. - Dabei fällt auf, dass La Palma fast bereits traditionell die Rote Laterne trägt was die Arbeitslosigkeit angeht, aber sich nun im Vergleich deutlich besser schlägt als die "progressiven" Inseln wie Lanzarote und Fuerteventura, die brachial unter dem Einbruch im Tourismus leiden. - Während bei uns in den Krisenjahren die Zahl der Arbeitslosen von an die 6.000 Menschen bis hin zu 9.000 angehoben haben, hat sich die Zahl der Menschen ohne Arbeit auf Fuerteventura gut verdoppelt und auf Lanzarote im gleichen Zeitraum gar verdreifacht. - Inzwischen überragen Lanzarote mit 16.500 und Fuerteventura mit 10.300 Arbeitslosen uns auch in der Quote, ein seltenes Vergnügen welches uns da zu Teil wird. - So wird zwar für die Gesamtheit der Kanaren ein Sinken der Arbeitslosigkeit im August gemeldet, allerdings sind es nur 298 Menschen weniger auf der Liste der "INEM" (Servicio Público de Empleo Estatal) und davon gibt es alleine auf La Palma 172 Menschen ohne Arbeit weniger, die restlichen sechs Inseln mit an die 96% der Gesamtbevölkerung der Kanaren, müssen sich einähnlich positives Ergebnis aus 126 Arbeitslosen weniger zusammenschnüren. - Noch kein wirklicher Grund zur Freude, die Lage bleibt weiterhin sehr angespannt, aber nun können wir von unten die Lage besser einschätzen, wer erstmal breitflächig auf der Erde liegt, der kann das positive Gefühl, tiefer wird man nicht mehr fallen, doch wunderbar auskosten.



Mittwoch 02.09.09 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 24 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 63 % - Luftdruck 1018 hPa
Höchsttemperatur heute 25,2 Grad - niedrigste Temperatur 21,0 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 29,9 - Temp. Min 18,2 - Feuchte 23 - 30 % Niederschlag 0 mm

Ruta del Gallo mit unterschiedlicher Kritik

Die "Ruta del Gallo" ist nun mit den ersten Septembertagen zu Ende gegangen und grundsätzlich muss man auch dieses Jahr wieder sagen, das war ein deutlicher Erfolg. - Die "Ruta del Gallo" ist ein Angebot vieler Bars und Restaurants hier im Aridanetal, einen Monat lang bietet man eine Tapa und ein Getränk für den fast symbolischen Preis von 2 Euro an. - Hintergrund ist Werbung für die Etablissements und auch für das ganze Aridanetal, so beteiligen sich an der Organisation eben nicht nur die Wirte der Bars, sondern auch die drei Rathäuser der Aridanegemeinden, Tazacorte, Los Llanos und El Paso, die Handelskammer, sowie der Verband der Einzelhändler aus Los Llanos an der Aktion. - Auch Lieferanten wie Dorada und lokale Bodegas beteiligen sich als Sponsoren, immerhin ist es die vierte "Ruta" bereits die man dieses Jahr organisiert, da ist auch Platz für Werbung, zumal man letztes Jahr festgestellt hat, dass die Leute hier aus dem Tal dieses Angebot sehr gerne annehmen. - Also die Organisatoren loben nun auch die diesjährige Ausgabe dieser "kalorien- alkoholhaltigen Werbekampagne, und lassen uns dazu auch Zahlen wissen. - 25.000 Besucher sollen in den 24 an der "Ruta" teilnehmenden Restaurants und Bars aufgetaucht sein und haben 30.000 Tapas gegessen und ebenso viele Getränke konsumiert. - 8.300 "Gallo-Pässe" wurden unter die Leute gebracht, auf diesen Faltblättern konnte man sich die Besuche abstempeln lassen und so nimmt man dann an der Verlosung von vielen Preisen teil und knappe 5.000 Menschen haben auch ein Votum abgegeben, wer denn nun den "Gallo de Oro" bekommt, den "Goldhahn" für die beste angebotene Tapa. - Morgen werden dafür die Preise übergeben, und dann erfahren wir wer denn gewonnen hat, für die Teilnehmer an der Verlosung der Preise hat eine Frau aus Tenerife gewonnen, ein Wochenendaufenthalt im großen Hotel im Süden und die gute Frau muss nun noch mal nach La Palma kommen um ihren Preis auch abzuwohnen. - Das wird aber sicher kein Problem sein, ein Besuch La Palmas lohnt sich allemal.

Aber zu den Zahlen zurück, denn bei 25.000 Besuchern wurde ich sofort stutzig, und in der Tat, letztes Jahr hatte man noch 40.000 Besucher vermeldet, das wäre also ein drastischer Rückgang des Interesses an dieser pfiffigen Werbekampagne. - Aber da müssen wir vorsichtig sein, einmal wissen wir ja nicht, ob man letztes Jahr vielleicht sehr großzügig gezählt hat und in diesem Jahr einfach mal ein bisschen genauer hingeguckt hat. - Allerdings muss man auch vermelden, dass dieses Jahr "nur" 24 Bars und Restaurants an der "Ruta del Gallo" teilgenommen haben und im Jahr 2008 zählte man noch 40 Etablissements. - Die Organisation meint dazu, man hätte mehr auf Qualität gesetzt als auf Quantität, aber ich weiß aus allerersten Händen, dass man händeringend noch mehr Bars und Restaurants begeistern wollte, sich aber viele Wirte nicht mehr für diese Art von Werbung begeistern können. - Dazu muss man auch noch rechnen, dass eben in diesem Jahr im August in El Paso die ganze Zeit Fete war, die Feiern zu Ehren der Schutzpatronin des Ortes die nur alle drei Jahre stattfinden, und so die Kneipen und Restaurants eh reichlich zu tun hatten. - Was für den Besucher und "Tapadeur" eine angenehmer und auch billiger Zeitvertreib ist, bringt manche Lokale eben an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit und wenn man noch zusätzlich Personal benötigt um die vielen kleinen Häppchen und Getränke zu servieren, dann lohnt sich das für den Wirt mit den 2 Euro pro Person schon lange nicht mehr. - Auch haben sich aus diese Grund viele bekannte und eingesessene Betriebe nicht mehr an dieser Werbeveranstaltung beteiligt, man fürchtete ganz einfach den sonst einrückenden Stammgästen nicht mehr genügend Zeit spenden zu können. - So haben manche Lokale auch eine Begrenzung der Uhrzeiten für die Ausgabe der Tapas und Getränke festgemacht, die zwar im "Gallo-Pass" vermerkt war, aber auf diese Einschränkungen im "Kleingedruckten" achten die allerwenigsten Gäste und da gab es oftmals lange Gesichter, wenn die Leute extra aus Tazacorte nach El Paso gefahren sind um ihre Tapas zu verkosten dann darauf hingewiesen wurden, dass dieses Angebot nur bis 20:00 Uhr gilt. - Das ist bei manchen unangenehm aufgestoßen, aber viele Restaurants haben das zur Bedingung gemacht, sonst hätten sie nicht an der Kampagne teilgenommen. - Dennoch, auch mit vielleicht weniger Bars und auch Besuchern in diesem Jahr, die Idee ist gut, die Durchführung im Großen und Ganzen auch, nur an den Details wird man weiterhin feilen müssen. - Aber das ist ja fast schon wie im richtigen Leben…





Mittwoch 02.09.09 10:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 22 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 75 % - Luftdruck 1018 hPa

Verordnete Nostalgie

Manchmal sticht uns ein bisschen der Hafer, der endemische Hafer natürlich. - Wie es um die Landwirtschaft auf der Insel bestellt ist war schon häufig ein Thema in dieser kleinen Kolumne und auch die Bemühungen der öffentlichen Hand, der "Agrarinsel" La Palma wieder etwas von dieser fast vergessenen Bedeutung zu verleihen. - Jeder Schritt ist da wichtig, nachdem man vielleicht sogar in höchsten Kreisen begriffen hat, dass der Tourismus für La Palma kein gleichwertiger Ersatz für die Landwirtschaft werden kann, besonders im konventionellen Bereich des Tourismus ist die Wertschöpfung gegenüber den eingesetzten Ressourcen einfach viel zu gering. - Darüber hinaus verschwindet der möglicherweise erwirtschaftete Mehrwert wieder von der Insel, oder gelangt überhaupt nicht hier her, weil die Zahlungen der Reisen in der Ursprungsregion der Urlauber gemacht werden. - Darüber hinaus stimmen die Grundbedingungen auf dieser Insel einfach nicht, um am bröckeligen Kuchen des konventionellen Tourismus abzubeißen, wir sind kein Billiglohnland und verfügen nur über geringe Angebote in touristischer Infrastruktur und ballermannschen Lockstoffen wie lange und gut erreichbare Strände, und vor allem, ständig und billige Flugverbindungen. - Wir müssen also das mit dem Tourismus dahin stellen wo es hingehört, in eine Nische der palmerischen Volkswirtschaft, wo durchaus Geld verdient wird, gutes Geld sogar, aber eben nicht als Ersatz für den Primärsektor dienen kann und wird. - Eigentlich sind sich inzwischen alle darüber einig, aber was hilft solch ein profundes Wissen, wenn von irgendwoher plötzlich wieder ein renditengeiler Investor auftaucht, und karierte Maiglöckchen verspricht und unsere Naivität dabei komplett ausnutzt.

Aber es wird ja was getan für die Landwirtschaft, das muss man durchaus zugestehen, allerdings fehlt mir dabei so ein bisschen der Glaube, die Schritte seien allesamt überdacht. - Es ist Stückwerk, zum Teil aus populistischen Gründen, oder eben fallen Hilfen dahin, wo es eine besonders aufrichtige Folgeschar unserer Freunde der Coalición Canaria gibt. - Die Programmpunkte Marketing und Organisation kommen so auch viel zu kurz in den vielen Hilfsprogrammen und sicher gut gemeinten Aktionen, aber wir wissen doch genau wo es klemmt. - Ganz allein an der Organisation des möglichen Absatzes der Produkte, denn genügend "Fachpersonal" um landwirtschaftliche Produkte herzustellen, das haben wir allemal. - Man muss nur den Bauern wieder auf die Scholle bringen und das geht nur, wenn er damit erfolgreich wirtschaften kann und auch einen entsprechenden Lohn für seinen krummen Rücken und seine Schwielen an den Händen erhält. - Ich will das Beispiel Bananen eigentlich gar nicht anführen hier, aber auch dort liegen die Probleme komplett im fehlenden oder schwachen Marketing, und wir deshalb im Sommer die kleinen gelben Glücksbringer als Sondermüll entsorgen müssen. - Landwirtschaft ist auch etwas für junge Leute, es ist einfach nicht richtig, dass man Menschen im noch nicht so fortgeschrittenen Alter nicht für die Landwirtschaft begeistern kann, es liegt einzig und allein an den schlechten finanziellen Aussichten, die einem möglichen Jungbauern aus gesellschaftlichen Gründen lieber in anderen Branchen ein Auskommen suchen lässt. - Da kommt ein nun neu angelegtes Projekt der Inselregierung welches sich "AgrecoJoven" nennt, eigentlich wie ein Stück aus Schilda daher. - Jugendliche sollen da an die Landwirtschaft herangeführt werden und zunächst zeigt man Ihnen, wie denn die Urgroßväter auf La Palma Landwirtschaft betrieben haben und mit Sichel und Sense den Weizen vom Feld geholt haben. - Liebe Leute, bei aller Liebe zu nostalgischen Gedanken, und der Gott der frühen Jahre ist mein Zeuge, dass ich auch ein Nostalgiker bin, aber erst nach Feierabend und nach dem dritten Bier. - Solche Aktionen gehören ins Museum und da sind die wichtig, aber wenn man heute junge Leute für die Landwirtschaft begeistern will, dann heißt das moderne Agrarmethoden kennenlernen und Absatzmärkte studieren, wer heute Landwirt sein will, erfolgreicher Landwirt, der muss eigentlich auch Betriebswirt sein, sonst bleibt er ewig hinter dem Esel stehen. - Also, Hacke in die Hand wohl, aber vorher erst nachdenken, planen, rechnen und dann säen. - Und wer ein guter Landwirt ist, der hat die Ernte bereits verkauft, bevor die überhaupt abgeschlossen ist.



Dienstag 01.09.09 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 27 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 61 % - Luftdruck 1017 hPa
Höchsttemperatur heute 28,3 Grad - niedrigste Temperatur 20,6 Grad

Die Brezeldiebe können kommen

Jetzt muss ich natürlich erstmal ausholen, denn wir haben viele Neuleser erhalten, die irgendwie über den Waldbrand zu uns gekommen sind und sich nun einfach nicht mehr abschütteln lassen… - Also, Brezeldiebe werden liebevoll Langzeitgäste genannt, die meist dem mitteleuropäischen Herbst und Winter ein Schnäppchen schlagen wollen, und dann für ein paar Monate auf La Palma ein Häuschen mieten. - Dieser Homo sapiens ladronens roscilla neigt eben nicht nur dazu, die schöne Landschaft und das milde Wetter dieser Insel zu genießen, sondern bringt regelmäßig die Versorgungslage an Teutonenlebensmitteln aus dem Gleichgewicht. - Der Bäcker backt halt immer die gleiche Anzahl Brote und Brezeln und wenn dann plötzlich die Langzeiturlauber auf der Insel sind, die halt auch ihre Ernährungsgewohnheiten mitbringen, dann kommt es zu einer drastischen Schieflage zwischen Angebot und Nachfrage. - Wenn unser eins, also die resistenten Residenten mit der Lizenz zum Daueraufenthalt auf dieser Insel dann zum Bäcker gehen und eine endemische Brezel kaufen wollen, weil wir ja so tierisch integriert sind, dann heißt es oft: Tut mir Leid, Brezeln sind schon alle. - Daher der Name Brezeldieb, so einfach ist das. - Das schwierige Gefüge im Angebot an Nahrungsmitteln welche den mitteleuropäischen Verdauungstrakt liebkosen gerät dann eben aus dem Gleichgewicht und bis sich Disponenten und Bäcker und Fleischer auf den latenten Mehrverbrauch dieser Nahrungsmittel eingerichtet haben, sind die Brezeldiebe oft schon wieder weg und dann bleiben die auf den Rollmöpsen oder eben dem leckern Salzkringeln sitzen. - Das fiese ist ja auch, die Brezeldiebe sind ja meist Frühaufsteher, die wollen ja was haben vom Tag und bis wir alt eingesessenen unseren Esel erstmal gesattelt haben und damit gegen Mittag erst im Ort auftauchen, bis dahin ist dann sie Semmel schon gegessen, oder eben die Brezel schon verdaut. - Kurzzeiturlauber, meist auch Gäste oder Touristen genannt sind keine Nahrungskonkurrenz für die "Residenten", die wollen ja meist autochthones Essen für die paar Tage auf La Palma und gehen verachtend an Vollkornbäckereien vorbei und greifen auch nicht zu, wenn die 2 Monatslieferung mit 6 Gläsern Rollmöpse doch noch kurz vor dem Ablauf des Haltbarkeitsdatums in den Verkauf kommt.

Aber es geht ja nicht nur um Brezeln und dem für mitteleuropäische Peristaltik so ungemein wichtigen Vollkornbrot. - Es geht auch um die paar Dinge welche die Deutsch-Emigranten so ab und zu einfach auf dem Tisch haben wollen. - Schattenmorellen, Grieß, Quark, Leberwurst, Camembert und Bratwürste und was da noch so alles an teutonischen Spezialitäten durch die Supermärkte geschoben wird. - Wobei man ja wirklich sagen muss, es gibt kaum noch irgendwelche Begehrlichkeiten, welche inzwischen auf La Palma noch nicht gestillt werden. - Früher, als alles anders war und nur manches besser, da rief man sich abends an, wenn der kleine Supermarkt in Los Llanos schräg gegenüber der Bar Capri mal tiefgekühlten Rosenkohl im Angebot hatte. - Gut, man rief sich erst gegenseitig an, wenn man seinen eigenen Einkauf bereits erledigt hatte, man soll ja seinen Nächsten lieben wie sich selbst und nicht noch mehr. - Heute sorgen Konzerne für eine breite Auswahl an Importprodukten und ein jeder Supermarkt hat inzwischen solch kulinarische Zackenkronen wie "Feuertopf" und "Linseneintopf mit Cocktailwürstchen" im Konservenregal stehen, gerade so, als beglücke deutsche Dosenkochkunst endlich den wahren Iberer. - Da sind Erasco und Maggi erfolgreicher als viele Eroberer vor ihnen, auf deutsches Essen ist die Welt versessen… - Allerdings muss ich immer noch die miserable Verfügbarkeit von Ravioli in der Dose anklagen, aber das habe ich ja an anderer Stelle bereits getan. - Das kann natürlich jeder für sich selber ausmachen, ob er dann und wann in den Multikulti-Warenkorb greift, oder sich streng endemisch integriert ernährt. - Man kann auch Mischkost betreiben, ich erwische mich auch ab und zu mit einer Brezel in der Hand und habe mir auch schon sündhaft teure deutsche Salami gekauft, die auf irgendeinem aufregenden Transportweg schließlich seinen Platz in einem palmerischen Supermarkt gefunden hat. - Da haut der "Spar" nun kräftig ins Regal und überrascht mit einer breiten Palette an Frischprodukten, die Brezeldiebe werden staunen, die hätten die 20 Kilo Pakete mit Deutsch-Food gar nicht vorher auf die Post bringen müssen, der deutsche Pansen wird auch hier jetzt mir Matjes, Kartoffelsalat, Schinkenspicker und Bratwürsten bedient. - Nein, es gibt nicht immer alles, das wäre übertrieben und natürlich kostet das einen Brocken mehr als bei Aldi in der Südkurve, aber der Kram wird ja sogar per Flugzeug nach La Palma transportiert, das sind dann also "Flugmatjes" möchte man gerne bei dem Preis dann auch feststellen. - Also Brezeldiebe und anonyme Mettwurstliebhaber, einfach mal einen Sparmarkt besuchen und wenn Sie da ganz früh hingehen, dann erwischt sie der aufgeklärte integrationssüchtige Brachialresident auch nicht, der schläft meist noch um die Morgenstunden. - Allerdings habe ich mich ein bisschen auch darüber geärgert, hat mir meine Frau doch Harzer-Käse und Romadur mitgebracht, und ich dachte schon, ich sei damit der einzige Mensch auf der Insel, der seine immer noch deutschen Kaumuskeln in diese lieblich duftende Nahrung drücken darf. - Weit gefehlt, der Spar macht selbst das möglich, meine Frau kommt dann am nächsten Tag vom Einkaufen wieder und präsentiert mir voller Stolz Harzer-Käse und Limburger aus der Kühltheke unseres verträumten Spar-Marktes in El Paso. - Angesichts nun fast permanenter Verfügbarkeit solcher Produkte verfliegt natürlich die Exklusivität meines Romadurs und meines Harzers, von liebevoller Frauenhand aus Deutschland mitgebracht, aber einen Trumpf habe ich noch in der Hinterhand, ich habe Händlmaiersenf, Bernbacher Nockerlgrieß und Maggi Fette Brühe noch in der Speisekammer, und ein bisschen neidisch dürfen Sie nun schon werden…





Dienstag 01.09.09 10:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 21 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 83 % - Luftdruck 1016 hPa

Schüler sind keine Risikogruppe

Das sehen die Lehrer sicher anders… - Gestern debattierte man im Nationalparlament den Fortgang in den Bemühungen dieser lustig betitelten Grippe entgegenzutreten. - Alles halb so wild möchte man da aus den Berichten über die Debatte herauslesen, dennoch hat Spanien die Bestellungen an Impfportionen noch mal erhöht, bis Dezember will man genügend Vorrat haben, um bis zu 60% der Bevölkerung impfen zu können. - Damit widerspricht man sich ein bisschen selbst, die Unsicherheit bleibt bestehen, denn wenn es nicht so schlimm ist, warum dann die vielen Impfstoffe. - Da kommen dann natürlich gleich wieder die Vermutungen über eine groß angelegte Show der Pharmaindustrie, welche ihren persönlichen Weg aus der Krise gefunden hat. - Wer weiß das schon, wahrscheinlich ist aber, dass man in der Branche einfach nur diese Geschichte gerne aufgreift und natürlich ein Geschäft daraus macht, so reagieren die Märkte nun mal und mit Krankheit und Angst der Bevölkerung konnte man immer schon gutes Geld verdienen. - Also, Schüler werden nun doch nicht generell geimpft, das ist die große Neuerung die auf dem Ministertreffen beschlossen wurde, bislang wollte man alle Kinder bis zum 14. Lebensjahr generell impfen, das ist jetzt vom Tisch. - Impfungen werden jetzt nur noch für das Personal der Krankenhäuser und der öffentlichen Sicherheit verordnet, sowie für bestimmte Risikogruppen, die etwas schwammig mit der Pathologie "chronischer Krankheiten" umschrieben werden, wobei man sicher nicht die Leute mit nachhaltigem Fußpilz meint. - Was auch klar gemacht wurde, der Schulbeginn wird nicht verschoben, das wurde immer noch auf Länderebene diskutiert, ich glaube in Navarra hatte man das sogar wirklich vorgehabt, daraus wird nun nichts, auch wenn Bildung in Spanien Sache der Provinzregierungen ist, gegen diesen Ministerbeschluss wird wohl keine autonome Region aufbegehren.

Das andere Tagesthema bleibt die Messerattacke gegen den palmerischen Rat für Infrastruktur Gerardo Hernández. - Eigentlich weiß man immer noch nicht mehr, aber es sickern ein paar Dinge durch, welche sofort auf den fruchtbaren Boden der gelben Presse gedeihen. - Wann hat man so etwas schon mal auf unserer kleinen und so langweiligen Insel? - Ein Verbrechen aus Leidenschaft, aus Passion, und dann noch mit einem Promi! - Also, die geheimnisvolle Frau mit dem Messer soll eine Ex-Geliebte gewesen sein, vierzig Jahre alt und aus El Paso kommen. - Man kolportiert inzwischen sogar Initialen, aber gesichert ist das alles nicht, aber dass die Frau aus El Paso kommt, daran zweifelt niemand, ist unser Ort doch bekannt, berühmt und berüchtigt, für alle möglichen und unmöglichen Dinge, Ursprung und Grund zu sein. - Heftige Diskussionen soll es noch vor der Messerattacke zwischen Gerardo und der Frau aus dem Dunklen gegeben haben, nur der Wortlaut des Streits, den hat sich leider niemand gemerkt, obwohl plötzlich Augen- und Ohrenzeugen auftreten, die eigentlich ganz woanders wohnen. - Da fällt mir wieder der Ausdruck "Knallzeuge" ein, dieses Wort gibt es wirklich und stammt aus dem Umfeld der Polizei. - So bezeichnet man Menschen, die den Unfall nur gehört haben, aber eigentlich keine Beobachtung gemacht haben und so auch nicht wirklich was zur Aufklärung beitragen können, das aber vielleicht gerne machen würden. - Der gute Gerardo liegt immer noch im Krankenhaus und wird behandelt, und hier draußen kennen wir eigentlich schon seine Vorliebe welche Unterhosen er am liebsten trägt. - Es ist ein bisschen peinlich, aber wir spielen da alle mit und Gerardo sollte so schnell wie möglich eine umfassende Presseerklärung loslassen, damit die menschliche Neugier und der Spaß am Ungewissen baldmöglichst befriedigt werden. - Wenn man uns weiter spekulieren lässt, dann kommen noch solche Geschichten wie bei Berlusconi raus, und so tief ist hier noch niemand gesunken.





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