La Palma Aktuell
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Nachrichtenarchiv Oktober 2006


Samstag 28.10.06 17:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 23 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 65 % Luftdruck 1011 hPa
Höchsttemperatur heute 24,0 Grad - niedrigste Temperatur 15,2 Grad

Bis bald

Liebe Leser, ich muss mich für ein paar Tage verabschieden, das Krankenhaus ruft, ich lasse mir die Falten wegspritzen und ein bisschen Silikon in die Lippen pusten… Böse Zungen behaupten, es wäre dann schon mein zweiter "Urlaub" im Jahr. - Ich weiß nicht wie lange es dauern wird, der Ärzte Künste sind unergründlich. Allen in der nächsten Woche anreisenden Gäste sei versichert, es ist alles organisiert und läuft wahrscheinlich sogar besser als wenn ich auch da wäre.



Wenigstens eine, die mich vermissen wird



Samstag 28.10.06 08:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 16 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 78 % Luftdruck 1014 hPa

Kleine Schritte

Seit ein paar Jahren darf man hier auch in der Öffentlichkeit über häusliche Gewalt reden und das ist ein erster Schritt um den Opfern zu ermöglichen, aus einem bislang erdrückenden Tabu auszubrechen. - Es ist nicht leicht in solch einer engen und eingeschworenen Gemeinschaft wie dieser hier auch den Täter im Hause zu entdecken, jeder kennt jeden und an wen wende ich mich und keine Gesellschaft stellt gerne irgendjemanden aus seinem privaten Umfeld an den Pranger. - Ihr vertragt euch doch wieder, der ist doch gar nicht so schlimm, versuche es doch noch mal und denk daran, vielleicht bist du auch nicht ganz unschuldig daran, dass dein Mann dich schlägt. - Die Zeiten dieser, eigentlich kriminellen Sätze, sind aber auch auf La Palma vorbei und es gibt mehrere private, wie auch öffentliche Einrichtungen welche sich der Frauen annehmen, die beschlossen haben ihrem Martyrium zu entgehen. - Es gibt mehrere Frauenhäuser und Beratungsstellen in denen man erfahren kann, wie die nächsten Schritte sind und welche Rechte man hat.

Hauptproblem bleibt die meist finanzielle Abhängigkeit, aber auch da versucht man mit speziellen Programmen entgegen zu wirken und diesen Frauen ein neues Umfeld zu ermöglichen, mit Arbeit und Wohnung. - Allerdings müssen auch viele Frauen einfach "runter" von der Insel, viel zu nah ist das alles hier und man kann der Familie oder den Freunden und Bekannten der Peiniger eigentlich gar nicht richtig entgehen. - Die Organisation "Mujeres, Solidaridad y Cooperación", eröffnet nun ihre zweite Anlaufstelle auf La Palma, seit dem in Los Sauces seit März vergangenen Jahres bereits eine Beratungsstelle unterhalten wird. - In El Paso und zwar im Rathaus selbst gibt es nun eine wöchentliche Sprechstunde, jeden Freitag von 08:00 - 15:00 Uhr. Gerne hätte man ein anderes Lokal ausgesucht mit weniger Publikumsverkehr, aber bevor diese Beratungsmöglichkeit wegen Raummangels wieder abgesagt werden muss, ist das Rathaus gerne eingesprungen. Eine Sozialarbeiterin wird dort beratend tätig sein und den ersten Kontakt zu den Frauen herstellen. - Dort wird man dann besprechen, wie im einzelnen später vorgegangen wird und welche Möglichkeiten den Opfern zur Verfügung stehen. - Alles kleine Schritte, aber viel besser als gar nichts und auch hier wird der Tag kommen, an dem nicht die Opfer sich verstecken müssen, sondern die Täter.



Freitag 27.10.06 19:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 22 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 59 % Luftdruck 1015 hPa
Höchsttemperatur heute 23,8 Grad - niedrigste Temperatur 14,8 Grad

Die "vierte Polizei" kommt nun doch nicht

Neben Policía Nacional, Guardia Civil und Policía Local suchte eine vierte Exekutive ihren Sinn und nannte sich schon mal Policía Autonómica oder Policía Canaria. - Warum, wieso weshalb man denn glaubte eine vierte Exekutive auf den Kanaren zu brauchen, das kann man nicht mit Notwendigkeiten erklären, denn diese gibt es einfach nicht. - Allerdings wachen wir oft kindlich eifersüchtig über unseren Autonomiestatus und dem käme es schon recht, eine eigene Polizei zu haben. Guardia Civil und Policía Nacional werden nicht von den autonomen Regierungen gesteuert, sondern sind in der Hand des Innenministeriums und damit oft außerhalb der Reichweite unserer Politiker. Die Policía Local ist Gemeindesache und da lassen sich die lokalen Korporationen auch nicht gerne reinreden und so muss man es seitens der Provinzregierung hinnehmen, keine eigene Polizeitruppe zu haben. - Die Frage nach dem wieso kommt erneut, Guardia Civil und Policía Nacional schaffen die Arbeit hervorragend und oft ist es von großem Vorteil bei den Ermittlungen sofort den gesamten nationalen Polizeidienst zur Verfügung zu haben.

Wäre da nicht der Neid, welcher sich auf das Baskenland und Katalonien bezieht, die haben nämlich ihre eigenen Polizisten, die baskische "Ertzaintza" und die "Mossos D'Escuadra" in Katalonien. Allerdings sind es politisch verständliche Gründe, warum man in den beiden Provinzen die Hauptarbeit nicht der Guardia Civil anvertraut, der Bürgerkrieg hat schlimmste Assoziationen mit der Gestalt des "Guardia Civil" in den beiden Regionen hinterlassen. - Das ist auf den Kanaren nicht so und außerdem sind beide Provinzen zu den wohlhabenden Spaniens zu zählen, und die dürfen einfach mehr als ein dauernder Nettoempfänger. - Nach fast 10 Jahren vergeblichem Wühlens um diese neue Polizeitruppe gibt man nun auf, besser gesagt die beiden landesweit vertretenen Parteien, Sozialisten und Partido Popular ziehen nun einen Schlussstrich um diese, wirklich unnötige Diskussion. - Man schlägt dagegen vor, die Lokalpolizei zu stärken und mit weiter reichender Befugnis auszustatten, wie das allerdings aussehen soll, das wird erneut auf die ewig lange Bank geschoben werden. - Über den Sinn und Unsinn dieser Kanarischen Polizei noch ein Fakt: 200 Agenten der Policía Canaria sollte es auf allen Kanaren geben, rechnet man das auf La Palma mal um, dann stehen uns rein rechnerisch 8, in Worten acht autonome Polizisten zur Verfügung. - Fünf Tage Woche, acht Stunden Schicht und Urlaub eingerechnet, ergibt das eine permanente Präsenz von knapp zwei Agenten auf freier Wildbahn. - Hört sich nicht gerade schlagfertig an diese Truppe.



Freitag 27.10.06 07:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 15 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 77 % Luftdruck 1015 hPa

Die ersten "Umfaller"?

Wir bleiben noch mal bei der Politik, da zeichnet sich unter Golfständen ein zaghaftes Aufbegehren seitens einer kleinen, aber bereits etablierten Partei, der Iniciativa por La Palma y Nueva Canarias" kurz INPA/NC ab. - Bislang hat sich keine Partei, außer den Grünen, im Klartext gegen die Kolonialisierungspläne für La Palma gewandt, die unter dem Deckmantel eines sicher benötigten Fortschritts, das Terrain für internationale Finanzjongleure öffnen soll. - Im lokalen Bereich sieht das schon besser aus, aber nicht mal die Sozialisten haben es bislang fertig gebracht diese Pläne in den oberen Chargen zumindest kritisch zu hinterfragen. - Da liegt nun die Hoffnung auf Mercedes Coello, der neuen Frontwoman der Sozis und ich könnte mir vorstellen, dass da in den nächsten Monaten noch einiges kommt. - Da aber hat nun die INPA/NC denen den Rang des ersten Meckerns abgelaufen, war aber auch nicht so schwer, schließlich ist man als permanente Opposition darauf angewiesen von den Missständen anderer zu leben, eigene Taten kann man ja nicht vorweisen.

Interessant ist der Ton und die Argumente wie man, erst Mal nur mit dem Golfplatz von Fuencaliente umgeht. - Kein Wort von Spekulation oder Globalisierung, sondern die Ablehnung des Golfplatzes wird aus ganz anderen Argumenten untermauert. - Man müsste tausende von Kanarischen Kiefern fällen, unserem emblematischen Wappenbaum, der darüber hinaus auch noch geschützt ist. - Wer mal solch einen Baum fällen will, weil er zum Beispiel in die Stromleitungen wächst oder das Fundament des Hauses angeht, der hat einen bürokratischen Kampf vor sich, welcher an grobe Schikane erinnert und dort sollen im Handstreich tausende dieser Bäume fallen, nur weil eine kleine Clique den Golftourismus auf La Palma für nachhaltig und fortschrittsfest tituliert hat. - Noch ein Argument, der Golfplatz würde das letzte Viertel der großen Vulkantour abschneiden und dem geneigten Wanderer einen mehrere Kilometer langen Umweg aufdrücken um nach Fuencaliente zu gelangen. Diesen Wanderweg, neben der Calderatour sicher das zweite Hochlicht, begehen doch jedes Jahr Zehntausende von Wanderern diesen Weg, auf jeden Fall viel mehr Menschen, als man auf dem Golfplatz erwartet. - Die würden zukünftig bei Jedey bereits wieder absteigen oder die Route auf dem gleichen Weg zurück unternehmen und so den Ort Fuencaliente einer seiner gewachsenen Einnahmequellen berauben, die Versorgung der müden Wanderer mit Speis und Trank und manchem Souvenir. - Auf auf, auch der Wahlkampf der Vernunft ist eröffnet, wir erwarten weitere Vorschläge!



Donnerstag 26.10.06 19:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 24 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 52 % Luftdruck 1016 hPa
Höchsttemperatur heute 26,2 Grad - niedrigste Temperatur 15,5 Grad

Jetzt ist die Mercedes aus dem Sack

Eine Frau als Inselpräsidentin, das wäre doch mal was und es gibt tatsächlich die Möglichkeit ab dem Juni 2007 eine Frau im höchsten Inselamt zu wissen. Und das hier auf La Palma, fast hätte ich geschrieben, wo denn sonst. - So langsam müssen ja die Parteien aus dem Kandidatenmustopf kommen, wir wollen wissen an welche Köpfe wir uns gewöhnen müssen und die anderen Parteien sind darauf angewiesen zu wissen, auf wen sie dich den einschießen sollen. -Das Amt des "Presidente del Cabildo Insular" ist zwar eigentlich gar nicht so besonders machtvoll, aber mit hohem Ansehen verbunden, zumindest wenn der Amtsinhaber nicht zu offensichtlich seine Position ausnutzt. - Um den "Presidente" scharen sich die "Consejeros" und dort wird die eigentliche Arbeit gemacht, der Chef moderiert eigentlich mehr als er entscheidet, aber das mit Würde, wenn es denn so etwas in der Politik noch gibt. - Meist handelt es sich dabei aber um gewachsene Seilschaften, die Consejeros fürs Grobe und der gütige Präsident aller Insulaner als Fels in der Brandung der alle Ungemach abreitet. - Eigentlich so wie überall und deshalb nicht besonders aufregend.

Für Aufregung soll jetzt Mercedes Coello Fernández Trujillo sorgen, das ist die neue Spitzenkandidatin für das höchste Inselamt aus den Reihen der PSC/PSOE, also den Sozialisten. Bislang sitzt die gelernte Ärztin in Madrid als Abgeordnete und kümmert sich dort um den Einfluss der Provinz Tenerife und war vorher politisch als Stadtrat in Santa Cruz, sowie als Consejera im Inselparlament tätig. - Nun kommt ein gewagter Sprung, man kann noch nicht wissen ob nach hinten oder nach vorne, Spitzenkandidatin für die Sozialisten La Palmas. - Das ist ein echter Hammer, Mercedes Coello gilt als äußerst versierte Politikerin, die sich ohne Probleme auch an der ganz hohen Front der nationalen Belange bewegt und ist mit Zapatero "ganz eng" wie man hier sagt. - Da kann aber auch der Schwachpunkt liegen, eigentlich hat man für solche Ämter immer gerne Leute welche Inselpolitik im limbischen System verankert haben und da tut eine Madrider Karriere oft nicht endemisch gut. - Und genau da wieder liegt der große Vorteil, dass Sie etwas kann muss sie nicht mehr beweisen und hat den Vorteil, nicht aus der eignen und vielleicht kontaminierten Nachzucht palmerischer Parteiinteressen zu stammen. - La Palma erfährt momentan, aufgestachelt durch die Geschichte mit der Autobahn und den hochtrabenden touristischen Plänen, eine Art von Aufklärungsdrang, da passt Mercedes Coello genau richtig rein, den Vorwurf in der autochtonen Suppe kräftig mitgerührt zu haben, den kann man ihr nicht machen.

Eigentlich war als Kandidat Manuel Marcos Pérez vorgesehen, erprobter sozialistischer Haudegen und heute Generalsekretär der PSC La Palmas. Ob es ihm so leicht fällt auf die Kandidatur zu verzichten, wie er uns das gerne wissen lässt, das könne wir getrost hingestellt lassen, er wird auf jeden Fall auch nach den Wahlen sein jetziges Amt weiter ausüben. - Nun ist also Frau Coello Kandidatin, das heißt natürlich nicht, dass sie auch Präsidentin wird. - Das geht wohl nur über eine Koalition, zu ausgewogen ist das Dreigestirn der politischen Bühne auf La Palma, Coalición Canaria, Partido Popular und eben Partido Socialista Canario. Eigentlich verbieten sich beide Parteien als möglicher Machtgenosse, zudem spielt man sich seitens der beiden anderen Parteien das höchste Inselamt immer hin und her. - Nun haben aber Coalición Canaria und auch Partido Popular deutlich an Wählergunst verloren und man erwartet einen guten Zuwachs bei den Sozialisten. - Es wird aber schwer, so viel Stimmen auf sich zu vereinigen, dass eine Koalition zwischen Coalición Canaria und Partido Popular unmöglich wird. - Helfen können da ganz viele Stimmen, oder auch die kleinere Parteien wie "INPA" oder die "CCN", die sich angesichts der auch hier herrschenden Agonie in der Parteienlandschaft wohl einiges an Zuwachs versprechen dürften. - Wie das dann ausgeht, das werden wir alle erleben, aber immerhin, die Sozialisten haben den ersten Paukenschlag los gelassen und nun dürfen die anderen erst mal dran kauen, wen sie denn gegen Frau Coello antreten lassen wollen.



Donnerstag 26.10.06 07:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 17 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 78 % Luftdruck 1013 hPa

Schwarze Wasser in Puerto de Tazacorte

Schwarze Wasser (aguas negras) ist eine nette Umschreibung für Abwasser und kaum war der erste Regen da, da kann die Kläranlage von Los Llanos schon wieder nicht an sich halten und ergießt überschüssiges Wasser mit Beiladung in den Barranco de Tenisca. - Alles ist ein einziger Fluss sagen manche, alles kommt irgendwann ganz unten an und ganz unten ist in dem Fall Puerto de Tazacorte, gleich neben der Hafeneinfahrt. - Um das Ganze ein bisschen attraktiver zu machen, der Hauptbestandteil der schwarzen Wasser aus Los Llanos ist schon einfaches Wasser, aber wenn es viel regnet, dann nimmt sich der Fluss nicht wählerisch auch humane Hinterlassenschaften mit auf die Reise. - In zwei bis drei bis vier Jahren gehört das alles der Vergangenheit an, Los Llanos erhält eine neue Kläranlage und dann soll endgültig Schluss sein mit dem innergemeindlichen peristaltischen Lastenausgleich. - Die Leute aus Puerto de Tazacorte sind ganz schön sauer, oder besser stinkig auf die in Los Llanos, man kennt dieses Problem seit vielen Jahren und hat es einfach bislang nicht befriedigend lösen können.

Es scheint ja ein Winter mit viel Wasser zu werden und man verspricht auch schnelle Abhilfe, aber leider hat man es nicht geschafft, den vorgesehenen fäkalen Bypass rechtzeitig fertig zu stellen. - Von der Kläranlage in Los Llanos soll sich ein Rohr bis weit in den Atlantik schlängeln und das überschüssige Wasser ableiten, bis die neue Kläranlage fertig ist. Einen halben Meter Durchmesser hat dieser "emisario submarino" und alle Rohre sind schon da und größtenteils auch bereits verlegt, aber eben noch nicht ganz und das bringt nun nicht nur die Gemeinde Los Llanos wieder auf die Anklagebank, sondern auch das Gobierno de Canarias, die sind für die Arbeiten verantwortlich und wäre es Tacoronte oder Las Palmas und nicht Puerto de Tazacorte, dann lägen alle Rohre sicher schon bis fast nach Amerika. - Ganz böse Zungen behaupten nun, vielleicht ist sogar die neue Kläranlage in Los Llanos noch eher fertig als dieses Rohr in den Atlantik. - Noch bösere Zungen beschreiben nun, wie man das dann unnütze Rohr weiter verwenden kann. Man will eine mächtige Pumpe installieren und alles was unten in Tazacorte noch ankommt wieder hoch nach Los Llanos pumpen, nicht in die Kläranlage, sondern mitten auf die Plaza.



Mittwoch 25.10.06 19:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 22 Grad, Niederschlag: 2 mm, Luftfeuchte 61 % Luftdruck 1010 hPa
Höchsttemperatur heute 23,8 Grad - niedrigste Temperatur 19,0 Grad

Gefühlte und echte Zahlen

Wenn der ganz persönliche Eindruck und auch das Erzählte so ganz heftig an Statistiken abprallt, dann stimmt irgendetwas nicht. - Dabei bin ich überhaupt nicht geneigt, Tresen oder Spielplatzparolen eher Glauben zu schenken als ordentlich geführten Tabellen mit Zahlen und Summen. - Sollte man sich nicht vorsätzlich verzählen, was ich angesichts mancher Statistiken im touristischen Bereich einfach mal annehmen muss, dann traue ich den Instituten wohl zu, solch unverwechselbare Objekte wie Schüler oder Autos zu zählen. - Aufgeschreckt durch einen unverholt rassistischen Beitrag in einem der vielen privaten Fernsehsender auf den Kanaren habe ich mal in den Statistiken gewühlt, ob denn wirklich der ausländische Druck auf unser Schulsystem so groß ist, dass man daraus bereits ein Endemie schwangeres Wahlkampfthema machen kann. - Man hatte eine Schule in Las Americas (Tenerife Süd) besucht und angeklagt, dass in einer dieser Klassen nur noch ein einziger geborener Canario war, der Rest Südamerikaner, Europäer und auch ein asiatisch anmutendes Gesicht blickte in die gierige Kamera. - Ganz zur medialen Unfreude der Moderatoren ließen sich weder die Schüler, noch die Lehrerin dahingehend aus, dass das ein Problem sei, es war eine lockig flockige Mischung aus vielen Kulturen, eben genau das, was die Bevölkerungsentwicklung der Kanaren immer schon ausgemacht hat.

Harte Zahlen gab es danach im Studio aufbereitet. Waren es im Schuljahr 1996-1997 noch 5.268 ausländische Schüler, so stieg diese Zahle gewaltig in den letzten Jahren an, auf bis 21.310 im letzten Winter, um dann wieder leicht zu sinken auf 20.169 für 2005-2006. - Das sei eine Bedrohung der kanarischen Leitkultur hat man nicht gesagt, das war abschweifend in Richtung meiner bayrischen Ursuppenvergangenheit. - Überfremdung, Bedrohung und wo bleiben die inneren Werte. - Was nicht gesagt wurde in dem Bericht, dass insgesamt 247.900 Schüler auf den öffentlichen Schulen der Kanaren gehen, da nehmen sich plötzlich die so bedrohlichen 20.169 wieder ganz klein und moderat aus. Das sind knapp über 8 Prozent und diese Immigranten sind absolut notwendig, um nur halbwegs den Bevölkerungsschwund auf den Kanaren auszugleichen. Die Anzahl der Schüler auf den Kanaren sinkt seit Jahren gewaltig und ist nur teilweise damit auszugleichen, dass Immigrantenkinder diese Geburtenrückgänge ausfüllen, ein fruchtiges Wahlkampfthema muss also anders gefunden werden. - Auf den kleinen Inseln sieht es aber heftiger aus was das Verhältnis von Einheimischen zu ausländischen Schülern angeht, auf La Palma zum Beispiel sind von den 5.900 Schülern aller Jahrgangsstufen 619 Kinder (also fast 11%) mit einem Pass aus einem anderen Land, allerdings auch bereits wieder mit sinkender Tendenz, das waren letztes Jahr noch mehr. - Der Pulitzerpreis für Journalistik wird diesem Fernsehteam nicht verliehen werden, die sind ausgezogen um ein Überfremdungsszenario darzustellen und damit ein Klima der Verunsicherung zu schaffen, 6 Monate vor den Wahlen wird das jemand so gewollt haben. - Nichts, aber auch gar nichts bleibt davon hängen, die Anzahl der ausländischen Schüler geht sogar zurück. - Bleibt noch anzumerken, die Zahlen beziehen sich auf öffentliche Schulen, private Einrichtungen und Berufsschulen sind nicht mit erfasst.



Mittwoch 25.10.06 07:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 18 Grad, Niederschlag: 37 mm, Luftfeuchte 86 % Luftdruck 1011 hPa

Die schnelle Yanqiu Ling war feucht

Ich freue mich immer, wenn ich Sie ein bisschen mit der Überschrift überraschen kann. - "Yanqiu" heißt das noch aktuelle Tiefdruckgebiet bei uns und das nächste, welches sich wohl spätestens in zwei Tagen auch über Mitteleuropa ergießen wird. "Yanqiu", die Geheimnisvolle aus dem Reich der Mitte hat uns alle erstaunt, mit einem solch schnellen Durchzug und mit solchen Niederschlagsmengen auf einmal hatten wir dann doch nicht gerechnet. - Jetzt schon gießt "Yanqiu" bereits die ausgetrockneten Landschaften Andalusiens und wenn sie dort auch so verschwenderisch mit dem Wasser umgeht, dann kann man sich nur für die dortigen Wasserreservoirs freuen. "Yanqiu" soll übrigens mit europäischen Buchstaben so ausgesprochen werden: Jänntscho, mal sehen, ob sich die Moderatoren daran halten werden. - Hier ist es übrigens überhaupt nicht üblich so privat mit Wetterphänomenen umzugehen, ein Tief ist ein Tief und ein Hoch ein Hoch, lediglich das für uns so wichtige Azorenhoch erhält gnädigerweise oft den Beinamen "Anticiclón de los Azores".

Ich hätte vielleicht auch noch eine Erklärung, warum Tiefs immer weibliche Namen haben und Hochs immer männliche, in romanischen Sprachen ist das Tief weiblich: la borrasca und das Hoch männlich, el anticiclón. - Vielleicht liegt es aber auch daran, dass Tiefdruckgebiete immer ziemlich unberechenbar sind und einem schon mal viele Schnippchen auf einmal schlagen und so ein Hoch eher eine langweilige weil sehr verlässliche Angelegenheit…. - Wie geht es nun weiter? Vielleicht hat "Yanqiu" auf ihrem schnellen Weg auf den europäischen Kontinent noch ein paar Wolkenzellen liegen lassen, ganz kann man die Gefahr eines erneuten Schauers noch nicht bauknechtisieren. Allerdings sollten wir die nächsten zwei, drei Tage Ruhe haben, es müsste möglich sein die Wäsche bis zum Wochenende trocken zu bekommen, wir erwarten einen sehr bescheidenen Zwischenbauknecht. - Am Wochenende will dann unbedingt "Zippora" uns einen Besuch abhalten, den Namen kenne ich nun überhaupt nicht, kann aber bestätigen, dass es sich um einen weiblichen Namen handeln muss, die trockenen und namenlose Diagramme meiner favorisierten Wetterstationen verkünden erneuten Regen und Tief für Samstag.



Dienstag 24.10.06 18:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 20 Grad, Niederschlag: 18 mm, Luftfeuchte HI % Luftdruck 1006 hPa

Herzlich Willkommen auf den Azoren

Ein garstiger kleiner Sturm hat sich da noch zu uns durchgekämpft und sorgt nun dafür, dass der Regen fröhlich fordernd an die Fensterscheiben schlägt. - Dabei ist die Westseite komplett in weiche Wolken gehüllt, wie man sieht, sieht man nichts und so muss das wohl überwiegend auf den Azoren sein mit dem Wetter. - Bei uns ist das nicht ungewöhnlich, aber eher selten, wenn man sich überhaupt noch traut irgendwelche "Standards" heran zu ziehen. - Bauernregel hin, Bäuerinnenregel her, in der Regel treffen uns pro Wintersaison 6 - 10 Tiefdruckgebiete aus dem Westen, zugleich auch die einzige Methode den Westen der Insel mit "echtem" Wasser zu beglücken. Ob uns so ein Tief erwischen kann, das hängt einzig von unserer klimatologischen Lichtgestalt ab, nein, nicht dem Kachelmann, sondern dem Azorenhoch. - Ist kein robustes Hoch auf dem Nordatlantik, dann herrscht dort das Chaos und so kann uns im Sommer die afrikanische Hitze erreichen und im Winter die Tiefs. - In der Regel, schon wieder,… haben wir an die 300 Tage im Jahr ein ziemlich konstantes Hoch auf dem Nordatlantik und die verbleibenden Tage sind für Tiefs reserviert. - Allerdings werde ich das Gefühl nicht los, dass in den letzten beiden Jahren diese Zahlen hart an einer neuen Statistik schreiben, ob das bereits Ausdruck des schneller werdenden Klimawandels ist, das muss ich ja nicht behaupten oder gar beweisen.

Sieht man sich mal so auf dem Nordatlantik um, dann war die Investition in Gummistiefel und Grippetabletten nicht die Allerschlechteste, der ist voll der Atlantik von kleinen aber kompakten Regenzellen und weit und breit kein Hoch in Sicht, welches diese "revolutionären Zellen" mal bis nach Stammheim schicken würde. - Theoretisch kann es noch die ganze Woche so gehen, allerdings mit abnehmendem Wind, ob und wie viel es dann regnen wird, das hängt davon ab, ob die Wolkenformationen uns treffen oder knapp daran vorbei den Atlantik gießen. - Hier wäre ein Regenradar eine feine Angelegenheit, kommt ja vielleicht auch noch. - Der Wind ist aber auch noch wichtig, weht er so heftig wie jetzt im Moment, dann haben die Flugzeuge Schwierigkeiten auf La Palma zu landen, dort treffen dann Fall und Scherwinde auf und so ist manch ein Pilot gut beraten, eine Zwischenlandung auf einer der großen Kanareninsel einzulegen um es später noch mal zu versuchen. - Bislang sind heute seid Mittag wohl 9 Maschinen nicht auf La Palma gelandet, darunter die Charter aus Hannover und Nürnberg. Der Wind lässt aber langsam nach und so kann man damit rechnen, dass morgen der Flughafen wieder angeflogen werden kann. - Die bei uns abreisenden Gäste werden in solch einem Fall von den Fluggesellschaften untergebracht, ist natürlich immer ein bisschen nervig und aufregend, aber nur so kommen manche La Palma Urlauber auch mal zu dem Zufall, im größten Hotel der Insel untergebracht zu werden, denn Platz ist in der größten Hütte…


Kleine, aber feine und ertragreiche Linse
Jeder Regen hat seine "Linse vorab", die hier stammt von heute Morgen über dem Birigoyo.



Dienstag 24.10.06 07:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 20 Grad, Niederschlag: 1 mm, Luftfeuchte 86 % Luftdruck 1010 hPa

Wassersammeln kann wieder losgehen

Wen Gott liebt, dem schenkt er Wasser und ein Leben auf La Palma. - Das soll nun nicht heißen, dass aufklärungsfanatische Atheisten auf La Palma nicht glücklich werden können, aber so ein bisschen christliche Lockerheit, der wird schon wissen für was es gut ist, kann Vieles vereinfachen. Wir wollten aber nicht über Gott und das Leben plaudern, sondern über das Wasser, Dreh und Angelpunkt ländlicher palmerischer Denkweise überhaupt. - Die La Laguna de Barlovento, das größte Speicherbecken der kanarischen Inseln und damit natürlich auch das größte La Palmas, kann in den nächsten Tagen wieder befüllt werden. - Im Frühjahr 2005 musste man das zu zwei Drittel gefüllte Becken ablassen, genau an der unterirdischen Station von welcher aus das Wasser in die verschiedenen Leitungssysteme verteilt wird, hatten sich Hohlräume gebildet, die Folie war darauf hin eingerissen und tausende an Liter Wasser liefen stündlich ungenutzt aus dem Becken. - Man hatte natürlich auch die Befürchtung, das austretende Wasser würde den Untergrund noch mehr wegspülen und die Havarie immer weiter vergrößern.

Niemand hier sah das mit Wohlbehagen, unsere größte Wasserreserve in den Atlantik kippen und wir stehen einen ganzen Sommer da, ohne die beruhigenden 3 Kubikhektometer, welche dieser enorme Speicher aufnehmen kann. - Es wurden sogar zwei Sommer ohne die "La Laguna de Barlovento" und wir haben es eigentlich nicht mal richtig gemerkt. - Glück haben wir gehabt und auch sonst einfach genug Wasser, allerdings hätte es auch anders kommen können. - Geschickt wie die Herren aus der Inselregierung nun mal sind, hat man es sogar hinbekommen dass Madrid die Reparatur bezahlt, das verzögerte die Fertigstellung zwar um ein ganzes Jahr und manch ein Landwirt klagte heftig gegen diese Pokerpartie, aber es hat funktioniert und nun steht man als Sieger da. - Es sei ihnen gegönnt, das Wetter war auch absolut auf unserer Seite und dazu kommt noch ein immer wieder unterschätzter Faktor, die Bewässerungsanlagen auf La Palma wurden in den letzten Jahren allesamt saniert und man spart enorm viel Wasser damit ein. - 3,5 Millionen Euro hat man zur Sanierung des Speicherbeckens ausgegeben und nun kann man hoffen, dass wieder 15 Jahre Ruhe ist.



Paul nimmt Kurs auf Mexiko
Die mexikanische Westküste bereitet sich auf die Ankunft von "Paul" vor. Der Wirbelkater hat bereits Windgeschwindigkeiten von bis zu 140 Stundenkilometern erreicht und bedroht nun etliche Touristenorte. (dpä)


Montag 23.10.06 19:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 21 Grad, Niederschlag: 2 mm, Luftfeuchte 89 % Luftdruck 1012 hPa
Höchsttemperatur heute 21,8 Grad - niedrigste Temperatur 16,9 Grad

Gegendarstellung

Ich muss das heftigst dementieren, Paul rast nicht, liegt auf meinem Schoß und insistiert, Mexiko persönlich nicht zu kennen. - Überhaupt, Paul ist wahrscheinlich ein Siamkater, oder gar ein "Heiliger Birma", aber das sagen Sie dem arroganten Kerl bitte nicht, sonst haben wir noch mehr heiligen Bimbam als uns lieb ist. - Auf keinen Fall ist Paul ein Wirbelstromkater und nur um ein robustes Exemplar dieser Gattung kann es sich bei dem Bedrohungsszenario gegenüber Mexiko handeln. - Man muss da aber ganz vorsichtig sein und zeitig auf eventuelle Falschinformationen reagieren, hatte uns doch schon der kleine Lapsus, in einer Textstelle mal "Bin Paul" geschrieben zu haben, ohne "ich" davor und eben das "bin" groß. - Das hat ein dreiviertel Jahr gekostet, Paul als "primer target" wieder von der Wunschliste Condoleezzas und Georges entfernen zu lassen. Die "Katze des Bösen" wurde darauf hin zwischen dem Süd und Nordkoreanischen Stacheldrahtzaun ausgesetzt und soll dort für Bombenstimmung sorgen. - Aber auch das ist nicht Paul sondern Saul, es ist ein ewiges Rennen zwischen perfiden Plagiatsversuchen und hinterhältigen Vorwürfen. - Da müssen wir uns doch seit Monaten mit einem langhaarigen britischen Adligen herumärgern, der doch tatsächlich behauptet, er sei das Gründungmitglied der Beatles und nicht Paul.

Ich will Sie nun nicht langweilen mit solchen Problemchen, aber wenn ich Ihnen verrate, dass es einen ähnlichen Namensrechtstreit mit dem Vatikan gibt, dann können Sie sich ja vielleicht vorstellen, wie anstrengend das ist, jeden Tag erneut auf die Reinhaltung Pauls Persönlichkeitsrechte zu achten. - Nein, Paul wirbelt nicht in Mexiko und war auch nicht mit Peter and Mary eine Bankräuberei machen, er sorgt höchstens für ein bisschen Aufregung unter der felinen Damenschar der Nachbarschaft. - Die Vaterschaftsklagen lassen uns kalt, nachdem unser Anwalt Catweasel jetzt großflächig und in vielen Sprachen Spots im Fernsehen und Radio laufen und selbst bis Tinizara plakatiert hat: Paul is important but impotent. - Übrigens ist Paul auch nicht daran schuld, dass es heute bereits angefangen hat zu nieseln und nicht erst morgen, wie ursprünglich abgesprochen. Und überhaupt, es nieselt und regnete keine Cats and Dogs.





Montag 23.10.06 07:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 17 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 81 % Luftdruck 1014 hPa

Legislaturendworkshop

Verkehrte Welt, früher hatte man beste Chancen Bürgermeister zu werden wenn man ganz viele Straßenkilometer teert, heute darf man sich nicht dabei erwischen lassen, so ändern sich die Zeiten. - Gleich geblieben ist aber ein weiterer Wählerlockstoff, das sind Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, bezahlt vom Arbeitsamt aber überreicht von der Gemeindeverwaltung und es kann kein Zufall sein, dass gerade jetzt fast jede Gemeinde eines dieser Programme auflegt. - Im besten Fall und das haben wir häufiger schon erlebt, bringen die "Talleres" richtig was, sind da gute Ausbilder dabei, dann haben die Teilnehmer einen echten Gewinn und deutlich mehr Chancen und vor allem mehr Selbstbewusstsein im Moment der Arbeitssuche.

Es gibt natürlich auch den umgekehrten Fall, da werden dann diese Arbeitslosen, die eigentlich in einer Disziplin ausgebildet werden sollen als billige Arbeitskräfte für die Gemeinde benutzt, ein halbes Jahr Straße fegen und Blumen gießen, das kann im Sinne des Erfinders nicht gewesen sein. - Jetzt ist Tazacorte mit seinem ABM-Füllhorn dran, man richtet sich an 36 Arbeitslose ohne erste Berufserfahrung und ohne Ausbildung, da ist besonders viel Einsatz notwendig. - Die öffentlichen Gärten und Gebäude sind Zielobjekt für diese Gruppe, "Edificación y conservación del casco histórico y su entorno", nennt sich dieser Zyklus dem Gemeindearbeiter und Techniker als Ausbildungspersonal zur Verfügung stehen. - Da ist man schon fast wieder geneigt, die Version der billigen Arbeitskräfte anzuwenden, allerdings will man auch ein ganz interessantes Projekt angehen, einen Orchideengarten will man anlegen. Gute Idee, auch wenn Orchideen eigentlich nach dem Gedankengut der Endemie überhaupt nicht auf die Kanaren gehören, man hat uns Jahrhunderte mit den hin und herreisenden Emi und Immigranten als Mitbringsel aus den Urwäldern Südamerikas und Kubas Orchideen mitgebracht. - Gute Maßnahme, schöne Idee, das werden wir uns in einem halben Jahr ansehen.



Sonntag 22.10.06 18:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 22 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 76 % Luftdruck 1013 hPa
Höchsttemperatur heute 24,7 Grad - niedrigste Temperatur 16,5 Grad

Butter bei die Fische

Ob das richtiges Deutsch ist weiß ich nicht, aber was es bedeutet ist jedem klar. Ist schon erstaunlich wie phantasievoll manchmal, eine der präzisesten Sprachen der Welt, mit Lebewesen und tierischen Fetten umgeht. Ich werde die nächsten Tage meine Freunde mal mit einem deutlichen "Mantequilla al pescado" überraschen und deren Reaktion abwarten, kann natürlich auch sein, dass man damit intellektuellen Kredit verspielt. - Kritisieren ist eine notwendige Maßnahme, wenn irgendwer oder was Vorschläge oder Taten präsentiert, welche man mit seiner eigenen Meinung nicht vertreten kann. - Das ist völlig legitim, das gehört zu den Grundrechten einer Demokratie und wenn man halbwegs glaubhaft sein will, dann zeigt man sein Gesicht oder seine Unterschrift unter der Kritik und versteckt sich nicht hinter Kollektiven, oder gar dem virtuellen Raum in den man oft das Internet schieben will. - Wenn es ganz gut läuft, dann hat der, die oder das Kritisierende sogar noch eine eigene Meinung dazu und eine mögliche Alternative. Diese Hochkultur der Kritik findet man allerdings in der Politik kaum noch, dort muss es genügen andere schlecht oder zumindest unglaubwürdig zu machen, schon hat man einen Teil dessen erreicht was man wollte. - So wird aus notwendiger konstruktiver Kritik schnell lauer Dampf, oder auch Margarine bei die Fischmehl.

Wenn sich dann noch Zeitungen finden die das abdrucken, dann geht das übel riechende Pamphlet seinen Sinn entleerten Weg und findet sicher noch ein paar pickende Gefolgsleute die immer schon vor dem Textende nicken, weil das Geschriebene aus einem bestimmten Umfeld oder Kreis stammt. - Heute in "El Día": CC critica el "nulo" criterio de Padilla sobre el PGO- Die Coalicíon Canaria kritisiert den "Nullstandpunkt" Padillas über den PGO. - Zur Erklärung, die Coalición Canaria ist in El Paso die Oppositionsgruppe, Padilla ist Dolores Padilla unsere Bürgermeisterin und der PGO ist der lokale Flächennutzungsplan. - In dem, absolut überlesenswerten Artikel steht der Vorwurf im Raum, die Bürgermeisterin würde sich nicht um den PGO kümmern und hätte keine klare Meinung dazu. Sie hätte sich einmal für die autovía ausgesprochen, in dem sie in erster Lesung den PGO mit verabschiedet hat, dann dagegen, als sich die Landreserve als Autobahn entpuppte und nun wolle sie eine Umgehungsstraße für El Paso, was ja wohl das gleiche wie eine autovía sei. - Wie gesagt, der Vorwurf richtet sich gegen den Nullstandpunkt um den Flächennutzungsplan und kritisiert wird der Umgang mit der drohenden Autobahn. Dass eine Umgehungsstraße eines Ortes nichts mit einer Autobahn zu tun hat, nur weil die Autobahn auch an El Paso vorbei gegangen wäre, das alleine disqualifiziert schon, da muss man gar nicht mehr an das Plenum erinnern in dem sich die gesamte Gruppe der Coalición Canaria gegen den Flächennutzungsplan ausgesprochen hat, nicht aber gegen die Autobahn, das hätte ich gehört, ich war dabei. - Schade, dass anonym eine der wenigen politischen Leistungsträger unseres öffentlichen Lebens so plump angegangen wird, da steht kein Name in dem Artikel wer denn nun von der Coalición Canaria so etwas verzapft haben könnte, sondern als Meinungsträger die gesamte Partei. - Nun mal Butter bei die Fische Coalición Canaria, seid ihr etwa die Autobahnbefürworter und traut es euch nur nicht zu sagen?



Sonntag 22.10.06 - 08:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 17 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 78 % Luftdruck 1015 hPa

Die unerträgliche Langsamkeit des Parkhauses

Santa Cruz bekommt ein Parkhaus und Los Llanos auch. Wer eher seine Autos im Tiefen abstellen kann, das geht wohl ganz klar in Richtung Hauptstadt, aber die haben ja auch deutlich früher angefangen. - Nun fürchtet man in Los Llanos um eine robuste Verzögerung des Parkhauses, welches eigentlich innerhalb von 18 Monaten fertig gewesen sein sollte, nach Baubeginn im Juni 2005 nähert sich der Termin auf Hochgeschwindigkeitsreifen. Die tatsächliche Reife des Vorhabens sieht allerdings ganz anders aus, bislang ist dort nur ein riesiges und tiefes Loch, wie dort die Konsumenten bald ihre Weihnachtseinkäufe tätigen sollen, das wird täglich fragwürdiger. - Man fürchtet natürlich auch den negativen Effekt den eine solche Verzögerung immer auf die Lokalpolitik wirft, sollte man dieses, sicher notwendige, aber auch prestigeträchtige Unterfangen nicht bis zu den Wahlen im Mai 2007 hinbekommen, dann kann das schon wieder entscheidende Wählerstimmen kosten.

Bis Dezember hat die Firma noch Zeit alles unter die Erde zu bekommen und vorher darf man natürlich nur unken, aber noch nicht mehr. - Interessant wird die Frage, ob die Gemeinde Los Llanos als Bauherr mit der ausführenden Firma nur einen lockeren Vertrag abgeschlossen hat, oder den Zeitraum von 18 Monaten als verbindlich gesetzt hat. Bislang kenne ich keine öffentlichen Bauvorhaben die solche mentalen Arbeitsbeschleuniger wie Konventionalstrafen beinhalten, in diesem Falle scheint das auch nicht der Fall zu sein, denn die Schweißperlen stehen auf den Stirnen der Gemeinderäte und nicht auf denen der Baufirma. - Eigentlich ist es ja nicht so schlimm wenn sich solche Sachen verzögen, wäre da nicht der verflixte Wahltermin, der mit guten Taten und großem Schaffen ruhiger angegangen werden kann, als mitten in Baustellen. - Die Tiefgarage liegt am alten Friedhof von Los Llanos, also wunderbar zentral und soll mal 400 Stellplätze haben. - Wer da parken darf und kann, das muss sich auch erst noch zeigen, man kann dort Parkplätze kaufen oder auch mieten. Ein gewisser Teil soll bereits an Anwohner verkauft worden sein oder zumindest versprochen, wer dann den Betrieb des Parkhauses übernimmt, das wissen wir auch noch nicht, die Gemeinde möchte das nicht selber machen sondern lieber eine private Betreibergesellschaft dort sehen. - Das wäre auch noch ein netter Fall, Parkhaus ist fertig, aber keiner findet sich, der diese innerstädtische Infrastruktur für den Zeitraum von 50 Jahren übernehmen will. - Das Parkhaus wird Los Llanos sehr gut stehen, sind dort doch die Stellplätze für PKW nur sehr knapp vorhanden. - Und auch wenn ich Pasener Lokalpatriot bin, die Innenstadt von Los Llanos hat man in den letzten Jahren zu einem wahren Schmuckstück verwandelt, dort zu bummeln das macht richtig Spaß, es stört halt nur gewaltig das Auto auf dem Rücken durch den Ort zu tragen.



Samstag 21.10.06 - 17:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 21 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 82 % Luftdruck 1015 hPa
Höchsttemperatur heute 23,8 Grad - niedrigste Temperatur 16,8 Grad

Jetzt kommt das Geld für die Waldbrandschäden

Was für ein Waldbrand werden Sie sich nun mit Recht fragen, immerhin haben wir einen kompletten Sommer ohne einen einzigen Flächenbrand auf La Palma hinter uns. - Es geht um den großen Waldbrand letzten Sommer, der Anfang September 2.000 Hektar in Schutt und Asche legte und erst nach 6 Tagen kontrolliert werden konnte. Jetzt, deutlich mehr als ein Jahr danach, hat der Ministerrat in Madrid eine Partie von 750.000 Euro losgemacht um die Schäden des gewaltigen Brandes halbwegs zu tilgen. - Geld ist immer willkommen, auch mehr als ein Jahr danach und wir sollten uns nicht beklagen, dass dieses Geld so spät kommt, die größten augenblicklichen Schäden eines solchen Waldbrandes kontert die Natur sowieso von selbst, zumindest dort, wo es um reine Flächen mit kanarischer Kiefer geht. - Schwerer und nachhaltiger betroffen sind Kulturlandschaften oder Flächen auf denen die dort wachsende Vegetation nicht dieses beneidenswerte Phänomen der Regeneration besitzt, wie es der Kanarischen Kiefer eigen ist. - Je nach Witterung kommt bereits nach ein paar Monaten aus den nur scheinbar toten und total verkohlten Stämmen das erste zarte Grün wieder hervor, eindrucksvoller kann eine Reinkarnation selten dargestellt werden.

Das Geld ist trotzdem nötig, so ein Waldbrand hinterlässt sehr viel mehr Arbeit als nur verbrannte Erde, Leitungen müssen erneuert werden und wieder einmal hat sich letztes Jahr gezeigt, wie wichtig es ist die vorhandenen Waldwege frei zu halten um im Fall der Fälle Einsatzkräften den Zugang zu den Brandherden zu ermöglichen. - Nach eingehendem Studium der Wetterdiagramme für die kommende Woche kann man auch getrost nun wirklich das Ende der Waldbrandsaison verkünden, (was will er uns damit sagen??) und auf eine interessante Kampagne gegen das Feuer dieses Jahr zurückblicken, welche 6 Tote gefordert hat und zwei zerstörte Löschhubschrauber, ohne dass es auf La Palma auch nur ein einziges Mal gebrannt hätte. - Der eine stürzt bei einem Werkstattflug nach Gran Canaria in den Atlantik und nimmt sechs Menschen mit in den Tod, der zweite verbrennt auf El Hierro in seinem ersten Einsatz gegen den dortigen Brand und hier ist man sich inzwischen ganz sicher, dass man keinen Hubschrauber mehr verleiht an andere Inseln, das tut denen nicht gut. - Allerdings waren das auch gar nicht unsere Flugapparate sondern Maschinen vom Umweltamt gestellt, die mögliche Brände auf La Palma verhindern sollten. - Mal sehen, ob man uns nächstes Jahr in der heißen Zeit auf wieder Hubschrauber schickt, bei solch effizienter Ressourcenverwaltung, kein Brand gelöscht aber 2 Totalschäden, kann man schon ins Grübeln kommen.



Samstag 21.10.06 - 08:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 17 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 76 % Luftdruck 1016 hPa

Die Insel der braven Menschen

Mit Stolz und Freude verkündet unser oberster staatlicher Beamter, José Antonio Batista erneut Zahlen über die Kriminalstatistik dieser Insel, die eigentlich die Polizei um ihre zukünftigen Arbeitsplätze fürchten lassen muss. Stolz und Freude sind auch deshalb dabei, weil es zwischen der Inselregierung und eben den Abgesandten der staatlichen Organisationen immer gewisse Kompetenzreibereien gibt, die in den letzten zwei Jahren oft anstrengend polemische Kaktusblüten trug. - José Antonia Batista und die oberen Herren der Inselregierung können sich überhaupt nicht leiden und man wirft sich gegenseitig so ziemlich alles zwischen Unfähigkeit und schuldhaftem Handeln vor. Der Gipfel des, ebenso unnötig wie für Bürger ärgerlichen Streits war sicher das martialische Auftreten der "Unipol" in Los Llanos. Dort fühlten sich die satten Grandes von lärmenden Jugendlichen an den Wochenenden derart bedroht, dass man eine Einsatztruppe der Lokalpolizei aus Tenerife nach La Palma flog, die Unipol, ohne dem Sicherheitschef der Insel, eben José Antonio Batista davon in Kenntnis zu setzen. - Zur Erklärung, Guardia Civil und Policía Nacional gehören unter die Regie des Zentralstaates, die Lokalpolizei untersteht den Gemeinden direkt.

Die Botschaft kam klar an, die staatlichen Behörden seien nicht in der Lage die Sicherheit La Palmas zu garantieren, also muss der Sheriff kommen und eine vermummte und martialischen Eingreiftruppe hinter pubertierenden Jugendlichen herschicken. - Nun darf Batista wieder mal kontern und nennt die neuesten Quartalszahlen seiner "Klientel", die sich auf der guten Seite aus den Gendarmen rekrutiert und auf der bösen Seite von den "Chorizos" (etwa Gauner). Bei den Straftaten, "delitos" gab es einen Rückgang von 247 aus dem Sommer 2005 auf 197 in 2006, was prozentual 20 Prozent darstellt, in der Tat eine auffällige Zahl. - Auch die Aufklärungsrate ist erneut gestiegen, bei der Guardia Civil kletterte diese von 60 % auf 74 % innerhalb eines Jahres und bei der Policía Nacional stieg diese von ohnehin bereits starken 82 % auf 84 %. - Da sind besonders auch die spektakulären Fälle aus dem Drogenhandel zu nennen, im 2 Wochenrhythmus wanderten immer wieder Grüppchen von Händlern und Kurieren zum Staatsanwalt. - Allerdings scheinen die Rauschmittelaktivisten aus nachwachsenden Rohstoffen zu bestehen, so viele kann man gar nicht von der Straße pflücken, da kommen sofort Neue und nehmen frei gewordene Stellen ein. - Insgesamt erneut ein erfreuliches Bild für diese Insel, es passiert wirklich nicht viel und den Rest hat die Polizei im Griff und José Antonio Batista kann sich wieder ein paar Wochen aus der fast schon traditionellen Polemik gegen seine Person herausziehen. - Man könnte das Ganze auch anders werten, auf La Palma ist nichts zu holen, es lohnt sich für Chorizos einfach nicht uns zu besuchen.





Freitag 20.10.06 - 18:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 24 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 63 % Luftdruck 1013 hPa
Höchsttemperatur heute 25,6 Grad - niedrigste Temperatur 18,0 Grad

Immer kräftig auf die Finger

Ei wer hätte das gedacht, dass La Palma da noch mehr draus macht. - Die Protestwelle rollt weiter, bei uns kommen die 68er halt ein paar Jahre später, aber gewaltig. - Die Autobahn, die ist schon auf dreiviertel Weg ins Museum für potentaten Größenwahn, das hatten uns viele nicht zugetraut, aber der Protest war anhaltend und nachdem man in El Paso einmal den schlafenden Riesen Mehrheit geweckt hatte, legte man in Breña Alta bravourös nach. - Da stand ein treffender Satz zu lesen, "Mi voz es tu voto." - Das muss man erklären. Voz und voto, das heißt beides Stimme auf Deutsch, aber Voz ist die Stimme die aus dem Mund kommt und Voto die Wählerstimme. Passt gut und natürlich hilft die Nähe zu den Kommunalwahlen, wer es jetzt von den lokalen Politikern nicht kapiert hat, dass man heute, als Pro- Autobahn- Progressist, nicht mal mehr eine blecherne Radkappe gewinnen kann, den kann man im Mai 2007 nur bemitleiden. - Ohne wirklich bereits "Gloria" verkünden zu wollen, aber ich bin hoch erfreut und stolz, dass man hier nun aufgewacht ist und nicht mehr alles mit sich machen lässt.

Ein viel schwierigerer Protest kann auch einen Erfolg vermelden, die Asamblea Ecologista hat unter enormen Zeitdruck noch eine Eingabe gegen den touristischen Sondernutzungsplan für La Palma erarbeitet und in nur knapp mehr als einer Woche über eintausend Exemplare des Protestschreibens der Inselregierung übergeben können. - Ein besonders beachtenswerter Erfolg, weil der immer nur PTE genannte Plan ein unendlich kompliziertes Schriftstück ist welches kaum jemand in allen Teilen gelesen hat und sicher auch nicht komplett interpretieren kann, man hat jetzt nur den Protest gegen eine erweiterte Neuauflage kund tun können, das muss man erst mal alles erklären. - Bei der Autobahn ist das ein bisschen einfacher, da kann man sagen NEIN oder JA, beim PTE gibt es keine solch einfachen Floskeln die volksnah Meinung schaffen. - Nun wird natürlich langsam Kritik laut, da sei eine wilde Truppe unterwegs, die gegen alles sei und den brillanten Fortschritt für La Palma in Frage stellt, aus rein egoistischen Gründen, weil wir wohl Tofu knabbernd wieder auf Eseln reiten wollen. -

Was richtig ist an der Kritik, es wird momentan nur Nein gesagt und kaum ein greifbarer Alternativvorschlag findet sich als besseres Argument als ein robustes Nein. - Das hat aber auch damit zu tun, dass sich in den letzten 6 Monaten die planerischen Dummheiten derart gehäuft haben, dass man eigentlich nur damit beschäftigt war, Informationen über die meist gut gehüteten Pläne zu erlangen, Rechtssicherheit zu erfragen und Leute auf die Straße zu trommeln. - Da ist wenig Zeit für konkrete Alternativvorschläge geblieben, die werden aber kommen, wenn man erst mal den Kopf zu uns neigt und uns fragt, was wir denn dazu zu sagen haben. - Das wollen die Planer nämlich immer noch nicht und vor ein paar Tage noch machte sich ein lokaler Tourismustherapeut, (das sind die, welche die Belegungszahlen immer freihändig in die Presse fabulieren) von 3 - 4 verwirrten Umwelttrotteln sprach, die gegen alles seien und man am besten gar nicht wahrnehmen sollte. - Ziemlich viele sind wir und es ist interessant, wie schnell manche Leute nervös werden und sich auf ein solches Niveau herablassen. - Da passt ganz gut ins Bild, dass man den Chefredakteur der einzigen unabhängigen Zeitung La Palmas (La Voz) nun mit Gefängnis droht, weil er einen Leserbrief abgedruckt hat, in dem der Stadtverwaltung von Santa Cruz mangelhaftes Geschick vorgeworfen wird. - Mir gefällt das auch nicht, das Nein um des Neins Willen, aber Teile der politischen und wirtschaftlichen Nomenklatura dieser Insel sind überhaupt nicht gewillt oder in der Lage auf Argumente anderer Sichtweisen einzugehen. - Dabei wäre zuhören gar nicht so verkehrt, die Welt hat sich nämlich weiter gedreht und wir stehen einer komplizierten Zukunft gegenüber, die nicht einfach durch plumpes Kopieren der Fehler in anderen Ferienregionen gewonnen werden kann.



Freitag 20.10.06 - 07:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 19 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 83 % Luftdruck 1013 hPa

Auch Breña Alta packt die Autobahn in die Tonne

Ein lustiges Plenum muss das am Mittwochabend gewesen sein, mit Brüllerei, Beschuldigungen und Drohungen vor Gericht zu gehen. - Im Zentrum der heftigen Debatte wieder mal der halblinksgedrehte Bürgermeister Blas Bravo, der sich selbst zu den Sozialisten zählt und der parteilosen Rätin María José García, die erklärte und kämpferische Autobahngegnerin ist. - In der Abstimmung war man sich aber wieder einig, Sozialisten, Bürgerliche und eben die Parteilose sorgten für eine bequeme Mehrheit, die Räte der Coalición Canaria enthielten sich der Stimme, obwohl man im Vorfeld auch zugesagt hatte gegen die Autobahn zu stimmen. - Nun wird man die Techniker auffordern, den lokalen Flächennutzungsplan ohne die Landreserve für die Autobahn neu zu erarbeiten und dann mit Bürgerbeteiligung eine Alternative zu erarbeiten. - Hört sich gut an, allerdings sei die Frage erlaubt, wozu brauche ich eine Alternative zu einer Trasse die keiner will? In Breña Alta sieht es nicht anders aus als auf dem gesamten restlichen Weg der LP2, konsequenter und kontinuierlicher Ausbau der bereits vorhandenen Trasse ist die einzige Möglichkeit, die von allen Seiten akzeptiert würde.

Nach dem Beispiel El Pasos wissen wir ja nun, dass die Gemeinde grundsätzlich eine von der Provinzregierung geforderte Landreserve ablehnen kann. - Im Gegenzug hat aber dann die übergeordnete Raumordnungsbehörde auch die Möglichkeit solch einen lokalen Plan bis nach dem Vulkansubruch schmoren zu lassen, dabei brauchen die Gemeinden dringend die Rechtssicherheit des Flächennutzungsplanes um ihren eigenen Leuten ohne Zweifel sagen zu können, hier geht was, hier dürft ihr bauen und dort nicht. - Die Gefahr, dass El Paso und Breña Alta noch Jahre ohne lokalen Flächennutzungsplan dastehen werden ist wirklich vorhanden. Das blockiert heftig die lokale Entwicklung und dennoch hat man in beiden Gemeinden das hingenommen um dem starken Kugelschreiber am Wahltag im Mai 2007 nicht völlig hilflos gegenüber zu stehen. - Die Rolle des Bürgermeisters Blas Bravo aus Breña Alta ist dabei sehr fragwürdig, zwar hat er, noch bevor der PGO der Gemeinde öffentlich ausgehängt wurde, bereits gesagt, man wird später die Autobahn wieder herausnehmen, später aber dann Unverständliches gemurmelt und schließlich die Aushangsfrist nicht verlängert, welches ihm überhaupt keine Sympathien eingebracht hat. - Eines ist aber Fakt, in zwei der fünf Gemeinden mit "Autobahnanschluss" hat man nun diesen Verkehrsweg abgelehnt. In den anderen Dreien taucht die Autobahn entweder gar nicht auf, oder es handelt sich erneut um Geheimpapiere der Klasse "for eyes only" und man will dem wählenden Publikum nicht zumuten, sich mit solchen Nebensächlichkeiten beschäftigen zu müssen.



Donnerstg 19.10.06 - 17:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 24 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 71 % Luftdruck 1012 hPa
Höchsttemperatur heute 24,7 Grad - niedrigste Temperatur 17,8 Grad

Mobilmachung an der Weinfront

Drei Jahre ohne Unwetter und Schädlinge hinterlassen tiefe Spuren im önologischen Sektor der Insel, drei Rekordernten hintereinander, das verträgt keine Marktwirtschaft. - Die Folgen sind klar aufgezeichnet, der Preisverfall ist in vollem Gange und manch ein, nicht mehr so fröhlicher Winzer, lässt seine Trauben gleich am Rebstock hängen, oft lohnt sich die Ernte nicht mehr. - Nun kann man auf den raschen Klimawandel pochen, der uns mindestens ein Preis stützendes Unwetter pro Sommer schickt und so die Produktion wieder in die Rentabilität schickt, oder man kann versuchen unsere Weine zu diversifizieren und zu verbessern um damit auch noch andere Regionen mit palmerischem Wein zu beglücken. - Die im Bordeaux haben sicher schon große Angst vor uns, es bleibt aber ein Gerücht, dass Mouton-Rothschild bereits vorsorglich sich einige Namen für zukünftige "Crus" gesichert hat. - Taburiente Premier Cru Classé, Chateaux Cheval Jedey und Chateaux Margeaux Aspærìn.

Crus beiseite, darum geht es nicht, aber man will in Fuencaliente, neben noch einem Weinmuseum auch eine önologische Forschungsstation aufmachen, die dem Winzer unter die Flasche greift und mit Neuerungen und Verbesserungen unserem Wein eine vergoldete Zukunft bereiten kann. - Das Feld für solche Tätigkeiten ist groß, man kann da nicht nur zu neuen Sorten greifen, sondern auch mal daran gehen, unsere vorhandenen Moste anders als bisher auszubauen. Es muss ja nicht immer gleich "Barrique" sein, aber so würde der weinselige Hase laufen, man muss nur aus dem Wein etwas Besonderes machen, schon sind die Leute bereit ein bisschen mehr dafür auszugeben als für den üblichen Kichererbsenbegleiter. - Ich erinnere mich noch gut, als die Italiener anfingen den Inhalt der 2 Liter Bomben Frizzantino und Lambrusco in kleine neckische und stylische Flaschen abzufüllen, ein durchdesigntes Etikett darauf und schon wurde billiger Gossentrunk zum edlen Schlüpferstürmer, meist in deutschen Supermärkten zu finden. - Ganz so krass muss man es ja nicht machen, aber auch rund um die Önologie sind Innovationen und Phantasie doch sicher gestattet.

Hier noch das Leserphoto der Woche von Ralf K. Auf der Avenida Enrique Mederos, kurz nach dem verlassen der Arche Noah.

Der Platz des himmlischen Friedens



Donnerstg 19.10.06 - 07:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 19 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 83 % Luftdruck 1013 hPa

Monsterpötte

Naht die kältere Jahreszeit, dann kommen auch wieder die Kreuzfahrtschiffe und das lokale Gewerbe in Santa Cruz erhofft sich ein paar Sondereinnahmen. - Auch im Sommer kommen Kreuzfahrtschiffe, die Anzahl ist allerdings verschwindend klein gegenüber dem "Gedränge" welches im Winter herrscht. - Immerhin kommen so an die 180.000 Passagiere und noch mal 50.000 Besatzungsmitglieder auf die Insel, wie viele davon aber das Schiff verlassen wollen oder dürfen, das kann man nicht sagen. - Jeder Gast ist hier auf der Insel gern gesehen, freuen wir uns doch wenn es den anderen ebenso gut hier gefällt wie uns selber, aber leider lassen die "Kreuzfahrer" sehr wenig Geld hier auf La Palma, vergleicht man das mit anderen Häfen welche auch noch von den großen Pötten angelaufen werden. - Das hat mindestens zwei Gründe, einmal sind wir meist bereits der dritte oder vierte Hafen der angelaufen wird und die Gäste haben dann natürlich ihren zollfreien Einkauf bereits auf anderen Inseln getätigt und hier füllt man höchstens noch mal seine "Necessaires" auf. - Aber auch Selbstkritik darf da nicht fehlen, oft kommen die großen Schiffe sonntags zu uns und da hat außer ein paar Kioske niemand offen und bietet seine Ware an. - Die Geschäftleute hören diese Kritik nicht so gerne und kontern damit, es lohnt sich nicht für ein paar blasse Engländer den Laden den ganzen Tag offen zu halten, die gucken nur und erzählen einem dann, dass sie dies und jenes bereits billiger auf Gran Canaria gekauft hätten.

Was sonst noch bleibt sind organisierte Busausflüge über die Insel, La Palma klimatisiert in vier Stunden und ein unvermeidlicher Stopp in einer Bar in welcher dann 70 Coffees oder Softdrinks gereicht werden. - Das Kreuzfahrtpublikum wird auf seinen schwimmenden Palästen ja derart königlich hofiert, dass kein Restaurant hier auf La Palma eine Chance bekäme denen unsere Küche vorzuführen. - Ob wirklich ein paar Gäste welche uns so ganz knapp und nur durch die Busscheiben kennen lernen später mal wiederkommen weil es ihnen auf La Palma so gut gefallen hat, darüber kann ich keine Statistik aus dem Ärmel zaubern. - Von der reinen Anzahl her sind 180.000 Gäste natürlich eine enorme Anzahl, aber was dabei zählbar für die Insel abfällt, das ist kaum erwähnenswert. Trotzdem könnte man noch mehr daraus machen und die Inselregierung hat auch schon diverse Aktionen ausprobiert uns dem Gast angenehm zu präsentieren, aber bislang hat das nicht nachhaltig gefruchtet. - Erstmals überhaupt und neue Rekorde aufstellen werden zwei Monsterpötte, die "Navigator of the Seas" und "Voyager oh the Seas", mit einer Länge von 311 Meter die längsten Schiffe die jemals Santa Cruz de La Palma angelaufen haben. - Allerdings wird das erst im nächsten Jahr sein, es bleibt also noch Zeit die Mole ein bisschen länger zu machen.


Aus dem Archiv...



Mittwoch 18.10.06 - 18:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 21 Grad, Niederschlag: 1 mm, Luftfeuchte 86 % Luftdruck 1011 hPa
Höchsttemperatur heute 22,1 Grad - niedrigste Temperatur 18,4 Grad

Wasserbroker

Es gibt Probleme, die gibt es nur hier. - Eigentlich ist es nicht mal ein richtiges Problem, sondern eine Folge der Falschinterpretation der Gesetzte der Marktwirtschaft und die gelten hier auf La Palma auch für Wasser. - Regnet es, also meist Anfang bis Mitte Oktober, dann saust der Wasserpreis für die Bananen in den Keller, eigentlich logisch, wenn man davon ausgeht, dass es normal ist, das Wasser einer Region in den Händen von privaten Gesellschaften zu haben. Wenn man nun schlecht kalkuliert, oder den Wetterbericht nicht liest, dann ist man darauf angewiesen das teure Wasser zu kaufen und wenn man es ganz schlecht macht, dann kauft man ein paar Tage vor dem Regen so viel Wasser dass man damit ein komplettes Speicherbecken voll machen kann, muss aber dann, mitten im Regen den Preis für Sommerwasser bezahlen. - Meist sind die Landwirte in lokalen Wasserkonsortien organisiert und beziehen ihr Wasser immer aus demselben Speicherbecken, eben mal woanders eine Schippe dazukaufen, das geht wegen der Leitungen nicht.

Diese lokalen Konsortien müssen ihrerseits das Wasser kaufen und das kommt entweder aus der Caldera, dem Wassertunnel oberhalb Los Llanos oder dem Brunnen und Zisternensystem, welches in den tieferen Zonen angesiedelt ist und nur Wasser minderer Qualität hergibt, weil es oft einen hohen Salzgehalt hat. Die Preise variieren dabei von 8 Cent pro 480 Liter (una pipa) bis hin zu 16 Cent und genau so viel mussten nun die Landwirte rund um das Speicherbecken von "Cuatro Caminos" bei Las Manchas für das Wasser bezahlen und ärgern sich nun mit Recht. - Insgesamt halt sich zwar der Schaden in Grenzen, bei den 160.000 zugekauften Pipas an Wasser sind das 12.800 Euro mehr, verteilt auf über 100 Landwirte, aber hier geht es doch, fast wie immer um das Prinzip. - Wer denn nun der wenig fachkundige Wasserbroker war, der da kurz vor dem Regen noch mal kräftig Wasser zu "Sommerpreisen" geordert hat, das wird nicht berichtet, man meint aber der hätte wenig Freunde, zumindest so lange bis das teure Wasser dann endlich verbraucht ist und man billiger Winterwasser hat nachkaufen können. - Insgesamt sind aber die Preise für Bananenwasser in den letzten Jahren sehr stabil geblieben, es gab keine, ausgesprochen trockenen Sommer mehr. Der letzte Wassernotstand ereignete sich im Winter 2003/2004, nachdem es ein trockenes Frühjahr 2003 gegeben hatte und es im Winter 2004 einfach vor Februar nicht regnen wollte. Damals bezahlte man weit über 30 Cent pro pipa Wasser, ein Rekordniveau welches wir danach nie wieder erreicht haben.



Mittwoch 18.10.06 - 07:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 19 Grad, Niederschlag: 8 mm, Luftfeuchte 79 % Luftdruck 1012 hPa

Basisarbeit

Loli tunnelt sich durch, könnte man vielleicht als fußballerisches Bild verwenden, aber ich glaube die versteht genau so wenig von diesem Kampfsport wie ich. Dolores Padilla ist Loli, unsere Bürgermeisterin und erklärte Autobahngegnerin, geht nun die nächste Runde um uns vor dieser absolut unnötigen Schlange zu bewahren und man kann auch gleich einen Erfolg vermelden. Seitens der regierenden Koalition in El Paso, 4 Sozialisten und 3 noch parteilose Räte, die allerdings in die nächste Runde unter der Fuchtel der CCN antreten werden, haben Gespräche mit der technischen Abteilung der Raumordnungsbehörde und dem Umweltamt begonnen. - Deshalb Basisarbeit, man spricht immer nur von der Legislative, also die gewählten Volksvertreter die Entscheidungen treffen, seltener aber von dem technischen Stab, der diese Entscheidungen ausarbeiten und vorbereiten muss. - Man ist sich einig, El Paso darf einen neuen Flächennutzungsplan ausarbeiten, ohne Autobahn und Landreserve, dafür aber mit einer Umgehungsstraße für den Ortskern, aber nur zweispurig. - Damit wären eigentlich alle unsere Wünsche, Hoffnungen oder Forderungen erfüllt und dennoch steht diese Nachricht nicht in roten Bildzeitungslettern hier, sondern noch alltagsmäßig schwarz und bescheiden.

Viel mehr ist nicht geschehen, als die rechtlichen Möglichkeiten abzuklopfen und wie man das seitens der Techniker und Architekten sieht. - Der eigentliche Promotor der "Eje transinsular de Canarias", das Gobierno de Canarias hat sich noch nicht dazu geäußert und letztendlich treffen die die Entscheidungen. - Allerdings ist es ein klarer Punktsieg für El Paso, nun kann keiner mehr sagen, das was ihr wollt ist unmöglich und überhaupt ihr meckert immer nur und gebt keine Alternativen. - Ganz vorsichtig verschiebt Loli so auch den möglichen Zeitpunkt für einen neuen Flächennutungsplan El Pasos bis weit ins nächste Jahr, am besten bis nach den Kommunalwahlen, es wäre nicht auszudenken, sei es ein Nein oder ein Ja von solch gewaltigem Ausmaß eine Regierung tragen zu lassen deren Restlaufzeit gerade mal ein, zwei Monate beträgt. - Kommt El Paso, angeführt von Loli und Jesús mit seinen Plänen durch, dann kann man getrost die gesamte Autobahn auf La Palma knicken und damit werden sich gewisse Eminenzen im Gobierno de Canarias nicht so schnell anfreunden wollen. - Das muss man sich mal vorstellen, da gehen doch ein paar rebellische Landeier aus El Paso los und wollen Jahrtausendprestigeobjekte kippen… - Noch kein Hurra, noch kein Freudentaumel, so weit sind wir noch nicht. - Es ist aber beruhigend zu wissen, dass wir hier lokal auf die richtigen Leute gesetzt haben die nun, angespornt durch den gewaltigen Bürgerprotest ihre Aufgabe verlässlich wahrnehmen. - Da fliegen die Chapeaus nur so rum.



Dienstag 17.10.06 - 18:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 21 Grad, Niederschlag: 5 mm, Luftfeuchte 84 % Luftdruck 1010 hPa
Höchsttemperatur heute 22,1 Grad - niedrigste Temperatur 18,4 Grad

Vorsicht, depressive Männer

Was ist schlimmer, schlechtes Wetter oder die Angst vor schlechtem Wetter? - Paul interessiert das nicht die Bohne und bekommt seinen Hausmacher-Depri wirklich erst wenn dicke Regentropfen und feuchter Wind sein natürliches Umfeld unerreichbar machen. - Wobei die Frage hier nicht mal angetastet wird, was schlechtes Wetter eigentlich ist und 5 Millimeter Niederschlag eigentlich nur Weicheier aufschrecken können und 22 Grad (über null) doch Hitzefrei auf den Lofoten bedeuten würden. - Darum geht es nicht, Männer brauchen keine Beispiele für Depressionen oder schlechte Laune, das ist einer der wenigen Punkte in dem wir unendlich phantasievoll sein können. - Was soll ich Mäuse jagen, die sind doch nass und dann wird mir kalt und das kann ich nicht leiden, also lass ich mich lieber zum Halbtrockennassenaffen machen, krieche in meine Kiste und schmolle hemmungslos. So einfach ist das, Männer sind grundsätzlich aus Zucker und der kann Regen nun mal nicht ab.

Leiden bringt natürlich nur etwas in der ostentativen Form, oder für die Focus Leser, wenn kein Schwein guckt, dann bringt Leiden überhaupt nichts, also muss man dafür sorgen von den Schutz Befehlenden auch richtig wahrgenommen zu werden. Bei Paul ist das einfach, der lässt sich von seiner Lieblingspeinigerin eine Mütze aufsetzen und schon bemerkt jeder den gebeutelten Seelenzustand des Katerchens und man kann das noch in Sekundensequenzen ausdrücken, wie lange das dauert, bis die Seelenmassage in Form irgendwelcher whiskaschen Leckereien von zarten Frauenhänden bis tief in seinen Rachen geschoben werden. - Das klappt bei mir nur suboptimal, aber man spricht auch mit mir wenn ich robust leide, nur kommt dann niemand mit einem Bier oder einem Landjäger angelaufen regelt den Fall so männerkompatibel. Alles was ich ernte sind Sätze wie: Stell dich nicht so an, hast du schon vergessen aus welchem Land du bist und überhaupt, denk an die Gäste, bei dem Gesicht welches du machst könnten die noch meinen, es regnet immer hier. - Ich habe den feinen Anspruch an meine Disziplin und mögliche Vorbildfunktion schon bemerkt, ich bin ja nicht mein dickfelliger Kater, das ist wohl der Punkt wo sie mich immer kriegen. - Hab Sonne im Herzen, damit könnte man es versuchen, aber ich kann leider nicht singen und will damit nicht alles noch schwieriger machen. - Ich kann Regen einfach nicht leiden, der macht nass und kalt und ich lasse mich weder gerne nass machen, noch kalt, das kann man doch verstehen.


Depri-Paul



Dienstag 17.10.06 - 07:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 20 Grad, Niederschlag: 3 mm, Luftfeuchte 77 % Luftdruck 1010 hPa

Wasser Marsch in Fuencaliente

Man kann es wieder trinken, wenn man noch will… Das Gesundheitsamt hat gestern für fast ganz Fuencaliente das Trinkwasser wieder als solches freigegeben, die Chlorwerte liegen nun wieder innerhalb der angestrengten Parameter. - Lediglich in Los Quemados wartet man noch auf die Freigaben, das liegt aber nur daran, dass man das Ergebnis der dortigen Wasserproben gestern noch nicht in den Händen hielt. Seit dem 3. Oktober mussten die Einwohner der südlichsten Gemeinde La Palmas aus Flaschen ihren Durst stillen, das Leitungswasser durfte nur als Brauchwasser herhalten, trinken durfte man es nicht. - Was war geschehen? Man hatte seitens des Gesundheitsamtes in einem Wasserreservoir ein Bakterium gefunden und darauf hin die Gemeinde unterrichtet. (Um welches Bakterium es sich handelt, das sagt man uns bis heute nicht.) Darauf hin hat die Gemeinde ihre Aufgabe weit übererfüllt und wohl aus Unkenntnis so viel Chlor ins Wasser gekippt, dass man den Wassergehalt im Chlor kaum noch messen konnte.

Einmal aufgeschreckt wird man die strengen Damen und Herren des "Área de Salud de La Palma" nicht mehr los und verbot nun den Genuss des Wassers nicht mehr wegen eines inzwischen geflüchteten Bakteriums, sondern weil derart viel Chlor im Wasser war, dass man damit sogar manche Politikerseele hätte bleichen können. - Seitens der Gemeinde musste man den gravierenden Lapsus zugeben, ärgert sich aber auch darüber, dass man beim Chloren des Wassers keine Hilfe des Gesundheitsamtes hatte, sondern immer nur die Rückmeldung einen Tag später. - Nun wurde eine automatische Chlorungsanlage installiert und der Bürgermeister will so schnell wie möglich wieder zum Tagesgeschehen zurück, Chlor greift nicht nur die Atemwege an, sondern auch die Popularität. - Nein, ich bin nicht hämisch, darf aber genau in diesem Zusammenhang mal darauf hinweisen, dass die einzige Gemeinde der Insel welche Trinkwasser nach der geltenden EU Verordnung in ihre Rohre schickt, El Paso ist. - Unter dem alten Bürgermeister Jesús Rodríguez hatte man die Verteilung und Überwachung des Gemeindewassers an die Firma "Canaragua" übergeben, Spezialisten ihres Faches, was man halt einfach nicht von den meisten angestellten Gemeindearbeitern erwarten darf. Damals hat er sich viel Häme und Spott deswegen anhören müssen, besonders von der oppositionellen Coalición Cloraria, nun kommt die späte Bestätigung, Trinkwasser ist ein sehr verderbliches Lebensmittel und da lässt man am besten nur Profis ran. - Prost nach Fuencaliente.



Montag 16.10.06 - 19:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 21 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 64 % Luftdruck 1013 hPa
Höchsttemperatur heute 23,8 Grad - niedrigste Temperatur 18,5 Grad

Der ewige Kampf gegen die Landflucht

Nicht immer gelingt es aus einer Not eine Tugend zu machen, aber wenigstens versuchen, das lohnt immer. - La Palma hat nicht nur eine West und eine Ostseite, La Palma hat auch noch Boomzonen und eben Regionen in denen es außer Landschaft fast nichts weiter gibt. - Wir reden vom hohen Norden der Insel und um gleich allen Vermutungen entgegen zu wirken ich schätzte den Norden nicht, solch grandiose Landschaften und solch enorme landwirtschaftliche Möglichkeiten wie dort, gibt es auf der gesamten Insel nicht mehr. - Allerdings besitzen grandiose und unberührte Landschaften eher einen touristischen Wert und halten von sich alleine nicht die jungen Leute dort im Norden. - Landwirtschaft, das wäre eine gute Lösung, zerbröselt aber sofort wieder im Billigrausch der Massenware, man kann niemanden zwingen mit der Hacke in der Erde zu wühlen, just for fun, denn der Absatz unserer lokalen Produkte ist ein mittelprächtiges Trauerstück.

So wandern seit nunmehr drei Generationen die jüngeren Menschen aus dem Norden in die beiden Wirtschaftszentren, Santa Cruz und seinen Speckgürtel und das Aridanetal. Mit sinkender Zahl an jungen Leuten verkümmern entsprechende Angebote dort und schnell ist dann der Schritt gemacht sich in den "Metropolen" niederzulassen. Aber auch Familien, denen inzwischen die Schulen knapp werden, verlassen den Norden, einfach nur der Bequemlichkeit halber. - Das ist niemandem vorzuwerfen, jeder darf sich sein Plätzchen aussuchen. - Kleine Lichtpunkte gibt es da hin und wieder, so hat der "Bauernmarkt" bei Puntagora, "Mercadillo" genannt, seinen festen Platz und seine Besucher gefunden und bietet wunderbare lokale Produkte in einem angenehmen Rahmen. Allerdings gereicht das nur zu einer Wochenendveranstaltung, Samstagnachmittag und Sonntagvormittag hat der Markt offen, zu mehr reicht es auch nicht. - Nun legt man wieder ein Programm auf um genau aus dieser Einbahnstraße zu gelangen, 20 arbeitslose Frauen aus Puntagorda werden auf die lokalen Produkten losgelassen und man will versuchen, neue Marktstrategien und auch Darreichungsformen zu entwickeln um den Sektor mit ein bisschen Frischluft zu bewedeln. Dazu will man eine verlassene Finca aus Gemeindebesitz wieder herrichten, dort produzieren und auch vermarkten. - Das alles bezahlt vom Arbeitsamt und begleitet von Fachkräften, eine interessante und leider notwendige Maßnahme. Man kann nur viel Erfolg wünschen und hoffen, dass auch hinten dabei etwas rauskommt und es nicht bei einer zeitlich begrenzten Arbeitsbeschaffungsmaßnahme bleibt. - Alles ist besser als nichts zu tun, mein Kompliment an Puntagorda.



Montag 16.10.06 - 07:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 19 Grad, Niederschlag: 1 mm, Luftfeuchte 78 % Luftdruck 1013 hPa

Agricola arat

Der Bauer pflügt, für Nicht Lateiner und hier heißt pflügen arar und der Bauer agricultor. Gut, wo das Spanische herkommt das brauche ich Ihnen nicht zu erklären, aber es ist oft verblüffend, dass ich meinem Ex- Lateinlehrer ab und zu die Absolution erteilen muss, habe ich doch diese ungesprochene Sprache als nutzloses Beiwerk im Schülerquälungskatalog abgetan. - Pflügen ist wichtig für die Landwirtschaft und da es auf La Palma nur in Ausnahmen Traktoren gibt welche die Erde aufwühlen und zum bestellen vorbereiten, macht man das heute mit kleinen handlichen Motorpflügen oder wenn´s ein bisserl nostalgisch sein darf mit dem Ochsen, Kuh oder Bullengespann. - Wir haben meist so kleine Anbauflächen, da lohnt die Anschaffung eines Traktors nicht, auf vielen Flächen könnte solch ein Ungetüm und auch noch mit Pflug bewaffnet nicht mal umdrehen.

Das Pflügen mit Rindern war vor dem auftauchen der Motorpflüge das täglich Brot für Rind und Bauer, schwere und unhandlich erscheinende Pflüge aus Holz benutzte man hier. - Ob heute noch jemand tatsächlich mit dem Ochsengspann auf den Acker geht, das weiß ich nicht, aber jeder Bauer der was auf sich hält hat ein paar Rinder der palmerischen Rasse im Stall stehen und einen dieser vorsintflutlichen Pflüge. Die werden immer rausgeholt wenn es diese Nostalgieveranstaltungen gibt und dann veranstaltet man Wettpflügen oder einen anderen Wettkampf der sich "Arrastre" nennt. Wie pflügen geht, das weiß man und beim arrastre müssen Baumstämme so schnell wie möglich über eine Rinderrennstrecke gezogen werden, der Landmann hat einen Heidenspaß dabei, die Rinder konnte ich nicht befragen. - Wenn man nun glaubt, das sei eine absolute Randerscheinung und nur erznostalgischen Gruppen vorbehalten, dann haben Sie sich ausnahmsweise mal geirrt. In San Antonio del Monte brachte man es auf 72 Gespanne, das ist eine absolute Rekordmarke. - Nicht bestätigt werden konnte der Verdacht auf Blutdoping bei 4 Kühen aus Tinizara, doch bestätigt werden konnten 72 Fälle von Weindoping bei den Gespannführern.


Raza Palmera, die Arbeitskuh auf La Palma



Sonntag 15.10.06 - 17:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 23 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 75 % Luftdruck 1014 hPa
Höchsttemperatur heute 25,8 Grad - niedrigste Temperatur 16,8 Grad

Lidl light

Mehrere Jahre hat man versucht die Discounterkette Lidl von den Kanarischen Inseln fern zu halten, mag man es als Protektionismus betiteln, aber harte Discounter haben noch nirgendwo auf der Welt auf Dauer der Handelskette vom Erzeuger bis zum Verbraucher gut getan. - Schön ist es billig einzukaufen für den Verbraucher, aber das System welches dahinter steckt, schlechte Arbeitsbedingungen für die Angestellten und ruinöser Preisdruck auf die Hersteller der Produkte sind ungern beachtetes Begleitmaterial in einer offenen Preisschlacht. Das muss nicht grundsätzlich zu Gammelfleisch und schlechter Qualität führen, aber regionale Produkte finden in den Angeboten der Discounter überhaupt keinen Platz mehr. - Nun war es eigentlich vorauszusehen, dass man auf die Dauer die "Lex Antilidl" nicht durchsetzen konnte, Lidl wird auch auf die Kanaren kommen, allerdings unter Auflagen, die wohl schmerzhaft für die Kette sind.

In Arrecife auf Lanzarote, Puerto de Rosario auf Fuerteventura und den Gemeinden La Laguna, Puerto de la Cruz, Granadilla, San Miguel und Adeje auf Tenerife sowie in Telde, Ingenio, Vecindario und Agüimes werden Lidl Supermärkte entstehen. - Das geht jetzt einfach mit Gemeindelizenzen, nach dem Lidl in ganz Spanien jetzt nicht mehr als Discounter auftritt, sondern als ganz normaler Supermarkt. Dafür muss Lidl nun mehr als 1.000 Produkte gelistet haben und die überwiegende Anzahl der Ware darf nicht aus Kisten verkauft werden, sondern muss in Regale gepackt werden. Eher eine Randnotiz ist das Abgeben von Kunststofftüten gratis, aber auch eine Forderung nicht als Discounter da zu stehen, sondern als Supermarkt. - In den kanarischen Lidl Filialen wird es also mehr Angestellte pro Quadratmeter Verkaufsfläche geben als dieses zum Beispiel in Deutschland der Fall ist und damit auch ein bisschen teurer. Auf jeden Fall bläst Lidl nun zum Angriff auf die hier vorherrschenden Ketten, aber nicht auf La Palma, es gibt keine Pläne das kurze Glück des billigen Geldes auch hier installieren zu wollen. Wird sich wohl nicht lohnen und darüber hinaus haben sich auf La Palma viele kleine und tüchtige Läden gehalten, welche die Sehnsucht nach uniformierten Supermärkten in einem gesunden Rahmen hält. - Das hat ganz gut funktioniert, unsere Supermärkte glänzen, zumindest was Frischprodukte angeht nicht von brillanter Qualität und so haben sich jede Menge Nischen aufgetan in die rührige Händler gesprungen sind.



Sonntag 15.10.06 - 09:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 18 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 59 % Luftdruck 1016 hPa

Sicherheit geht vor

Jetzt, wo der Winter mit seinen Regenperioden wieder vor der Tür steht überlegt man erneut, wie man denn unseren Nationalpark Caldera de Taburiente sicherer für den Besucher machen kann. - Die neunzehn Brücken, welche man zunächst vorgeschlagen hatte, sind ja längst wieder vom Tisch, der Eingriff in den Nationalpark wäre dann doch zu groß gewesen. Ein Vorschlag lautet, das Flussbett im Winter gänzlich zu schließen, fällt viel Regen in der Caldera dann mutiert der kleine Bach in einen reißenden Fluss und das hat auch schon mal Todesopfer gefordert. - Nun regnet es aber nicht den ganzen Winter und inzwischen kann man die Wettervorhersagen schon so weit deuten, besteht Gefahr oder keine und dann temporär das Flussbett für Besucher sperren. Eine komplette Schließung im Winter würde uns eines der beliebtesten Ausflüge für unsere mitteleuropäischen Gäste berauben.

Ein anderer Vorschlag scheint mir sinnvoller, die Besucher sollen sich anmelden und ihr Wandervorhaben schildern, dann können die "vigilantes" (Parkranger) Tipps geben oder Warnungen aussprechen und abends auch abschätzen ob sich noch jemand im Krater aufhält. - Für Gruppen überlegt man obligatorisch einen Guide zu fordern, das hören die Wanderführer der Insel sicher gerne. - Manche Wege will man komplett schließen, weil diese einfach zu gefährlich sind und da muss man ganz einfach sagen, im Zweifelsfall geht die Sicherheit vor. - Auf alle Fälle kann man nur jedem anraten, sich vorher zu informieren wie denn das Wetter die nächsten Tage aussieht, wann es dunkel wird und wie lange man für diesen oder jenen Weg braucht. Da muss natürlich auch die Nationalparkverwaltung noch ein bisschen drauflegen und geeignetes Personal, möglichst auch mit rudimentären Fremdsprachenkenntnissen einstellen. - So viel Sicherheit wie nötig und so wenig Regularien wie möglich und dann steht der berühmte Kessel der Caldera weiterhin als absolute Nummer Eins unserer landschaftlichen Ressourcen auch jedem weiterhin offen. - Und wenn dann Regen droht und man Sie warnt nicht in die Caldera zu gehen, dann muss der Gast auch vernünftig genug sein diesen, wohlmöglich lebensrettenden Hinweis aufzunehmen.


Cascada de Colores en la Caldera de Taburiente
Cascada de Colores in der Caldera de Taburiente



Samstag 14.10.06 - 18:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 24 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 69 % Luftdruck 1016 hPa
Höchsttemperatur heute 25,0 Grad - niedrigste Temperatur 17,5 Grad

Na, na, na, es wird doch nicht etwa regnen?

Der Himmel sieht schon sehr winterlich aus heute, klare Horizontlinie und die Sonne sticht durch die klare Luft, el sol pica sagt man hier dazu. - Geht man nach der Jahreszeit, Mitte Oktober, dann kann die erste Husche ruhig kommen, auch wenn wir diesen Sommer wirklich nicht von Wasserknappheit reden können, die Landschaft und die Bäume und Sträucher könnten jetzt schon einen reinigenden Regen gebrauchen. - Die Chancen auf Regen stehen gut, weit westlich von uns ein inzwischen wieder kraftloses Azorenhoch welches momentan nicht ins Wettergeschehen eingreifen kann und über Mitteleuropa ein starkes Hoch welches nun auf der westlichen Flanke einTief zu sich heranzieht. Dieses Tief, nicht besonders heftig oder garstig, liegt derzeit nördlich von uns und will nun Richtung Nordosten ziehen, hat aber reichlich lange und klebrige "Finger", besser Ausläufer und von denen können uns wohl ein oder zwei noch erreichen. - Frühestens Montag und dann besteht noch Wäschewarnung bis Donnerstag etwa, dann sollte das Tief so weit in den Norden gezogen sein, um keinen Einfluss mehr auf uns ausüben zu können.

Für uns bedeutet das Wind aus West - Südwest, kein Sturm aber wegen der abrupten Orographie der Insel kann es auf der Ostseite ab und zu auch Fallwinde geben. Die Temperaturen bleiben gleich, steigen nachts eher noch an, auch das ist typisch für ein atlantisches Tief in dieser Jahreszeit. - Da klingt es fast widersinnig, dass man seitens der Inselregierung in Absprache mit dem Umweltamt die Aufenthaltsdauer für den Hubschrauber gegen Waldbrände auf La Palma noch über den 15. Oktober hinaus verlängern will. Waldbrandgefahr besteht die nächsten Tage sicher nicht und wenn es ein paar Tage regnet, dann haben wir bis Ende des Monats nichts mehr zu befürchten. - Von mir aus könnte der Hubschrauber aber das ganze Jahr auf La Palma bleiben und die Inselregierung hat nur getan was man von ihr erwarten muss, so viel wie möglich für La Palma heraus zu holen.



Samstag 14.10.06 - 09:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 20 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 70 % Luftdruck 1018 hPa

Zarter Hinweis aus Brüssel

"Es ist einfacher Autobahnen zu bauen als echte Innovationen zu finanzieren", das kommt mal nicht von uns, sondern von Rudolf Niessler, Referatsleiter für Regionalpolitik in Brüssel und diese Aussage geht ganz klar an die Adresse Spaniens. - Was meint der gute Mann damit, ganz einfach, es hat keinen Sinn perfekte Infrastrukturen in die grüne Wiese zu stellen wenn man nichts hat, was man darin herstellen oder darauf befördern will. - Es geht um die Kohäsions und Strukturfonds, von denen an die 35 Milliarden Euro an Spanien gehen, für den Zeitraum von 2007 bis 2013. - Das ist deutlich weniger als für den letzten 6 Jahre Abschnitt und fast nur halb so viel wie Polen erhält, da gehen 67 Milliarden hin, Spanien ist damit endlich nicht mehr größter Nettoempfänger. Rudolf Niessler schickt nun an die Adresse Spaniens den klaren Hinweis, man möchte doch bitte den Focus nicht mehr nur auf Infrastrukturen richten sondern das Geld für echte Neuerungen und ökonomisch sinnvolle Maßnahmen verwenden.

War der gute Mann auf La Palma? - Nein, es gehörte bislang zum normalen Verfahren das Geld breitflächig in Infrastrukturen zu stecken und Spanien hatte auch Nachholbedarf, aber der ist längst aufgeholt. Wir hier auf La Palma müssen auch nicht glauben, man hat damit exklusiv La Palma und seine geschwollene Verkehrsplanung gemeint, das Schreckgespenst unnötige Autobahn ist kein La Palma typisches Problem. - Aus diesem Geld will man aber unsere "Autovía" finanzieren, obwohl man für einen kleinen Teil der Summe unsere vorhandenen Trasse wunderbar ausbauen könnte und mit dem Rest des Geldes zum Beispiel ein Unfallkrankenhaus im Aridanetal finanzieren könnte oder solch eine echt innovative Einrichtung wie ein geothermisches Kraftwerk. - So muss das der Herr Niessler gemeint haben. - Wie weit europäische Vernunft bis zu unseren Provinzfürsten durchdringt, das muss noch beäugt werden, denn man rechnet deutlich mit den vielen Millionen für die Straßenbauprojekte auf den Kanaren. - Jetzt muss die spanische Regierung der EU antworten, wie viel in welche Regionen davon geht und bis Jahresende muss auch ein Prioritätenkatalog in Brüssel vorgelegt werden, welche Projekte denn notwendig erscheinen. - Man hat seitens der Provinzregierung schon angemerkt, dass man im Zweifelsfall auch Geld vorstrecken will um die Projekte durch zu ziehen, sollte man in Brüssel den Rotstift vierspurig ansetzen. - Das ist aber alles noch Vorgeplänkel und es könnte doch tatsächlich passieren, dass man hinter irgendeiner Brüsseler Tür doch auch über unsere Autobahn zu sprechen kommt. - Leute in Brüssel, schaut auf diese Insel!

Fast weiter im Text, allerdings geht es nicht mehr um die EU, die finanziert keine Golfplätze oder Hotels, höchstens die Straßen dorthin. Nun geht es wieder um die Eingaben gegen den touristischen Nutzungsplan, kurz "PTE" genannt, man kann noch bis zum 18.10. dagegen seine Unterschrift geben. - In der Webseite der "Asamblea Ecologista" kann man sich die vorbereitete Alegación als Word oder PDF Dokument herunterladen, ausdrucken und dann an vielen Stellen der Insel diese abgeben. Wo, das steht auch in der Seite der rührigen Organisation. - Heute Vormittag findet in Santa Cruz auf der Plaza España dazu eine Veranstaltung statt, auf welcher man auch noch sein Nein zu 5 Golfplätzen, jeder Menge Sporthäfen und an die 13 neue Hotels auf La Palma abgeben kann.



Freitag 13.10.06 - 19:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 23 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 73 % Luftdruck 1017 hPa Höchsttemperatur heute 26,4 Grad - niedrigste Temperatur 18,3 Grad

Shopping

Bleiben wir beim Thema von heute morgen. Brückentage scheinen nur Männer vollständig zu lähmen, Frauen nutzen einen solch entspannten Tag für ihr lieblings"ing" aus, das shopping. - Und das in der Stadt! - Bis Los Llanos durfte ich sie noch fahren, aber am Ortsrand hat man mich dann abgestellt, man sagt es gäbe kein entspanntes shopping wenn ich dabei wäre. - Ich kann nicht genau sagen ob das ein Selbstschutzmechanismus ist, auf jeden Fall muss mein finster blicking so etwas von konsumschädlich sein, dass es nur zwei Möglichkeiten gibt. Entweder der Alte wird wieder nachhause geschickt und macht dort puenting weiter, oder man gibt ihn in einer der vielen Männeraufbewahrungsanstalten ab, die es reichlich in Los Llanos gibt, um den Damen ein entspanntes shopping zu ermöglichen. - In manchen Läden soll es sogar schon eine kleine Bar geben, dort kann man die Männer mit einem kühlen Bier sediert halten und man muss nur die Kreditkarte abgeben und wird später hoffentlich von vielen Tüten rechts und links der richtigen Frau wieder ausgelöst.

Ich mache so etwas aber nicht mit, morgens bereits Bier trinken ist mit ein Graus und außerdem fühle ich mich bei Paul deutlich besser aufgehoben, wir machen dann Partnerschaftsschnurring und erzählen uns was für tolle Kerle wir doch seien. - Irgendwann geht Paul dann wieder Mäuse jagen und ich blödsinnige und unnütze Computerprogramme installieren, halt das, was jeder am besten kann. - So lässt es sich vortrefflich puenting machen und der zarte Hinweis, dein Mittagessen steht im Kühlschrank und du musst nur den Löffel da reinstecken und langsam zum Mund führen sagt mir auch gleich, das wird ein längeres Stück Passivleben, da bleibt sogar noch Zeit für ein Siesting, besser kann es einem doch gar nicht gehen. - Pfiffige Männer stehen aber wieder früh genug auf, um den aus dem Dschungel rückkehrenden Frauen reichlich Anerkennung für ihre opulente Beute zu zollen, so siebzehn Tüten auf drei Frauen verteilt, da darf mit Lob nicht gespart werden. - Ein Kaffee macht mich so weit gefügig, dass ich auch die zweieinhalb Stunden Modenschau ohne deutliche Ausfallerscheinungen überstehe, mitten in Tüten, Kartons und Kleiderbügeln, begleitet von frenetischen Ausrufen der Paris Hilton Klasse fühle ich mich fast wie zuhause. - Später, wenn der beruhigende Schleier der Dämmerung unser Gemüt wieder glättet, dann gehe ich noch mal los um mich mit meinen testosteriden Kumpels über die Sachlage zu unterhalten, friendly klöning nennt man das. - Wir sind so gut, so großzügig und gönnen unseren Frauen ja richtig was und nach dem dritten Bier glauben wir langsam was wir da erzählen und zuhause sitzen drei vergnügte Frauen und freuen sich darüber, dass ich mich freue. - Ach übrigens, in den Tüten war auch was für mich, Whiskas für Paul…



Freitag 13.10.06 - 09:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 20 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 66 % Luftdruck 1018 hPa

Puenting

Donnerstag ein Feiertag, das lädt zum "puenting" ein und vor Montagmorgen rührt sich dann kein starker Arm mehr. "Puenting" kommt von "puente", das heißt Brücke und alles was bei uns modern und guay ist, das bekommt ein "ing" hinten dran und schon haben wir damit unsere Weltoffenheit deutlich demuestring. - Wer die gestrigen Feierlichkeiten halbwegs gut überstanden hat der bereitet sich nun auf ein anstrengendes Wochenende vor, es beginnt so langsam die Zeit der Bodegabesuche, man will dem ersten Wein beim säuseling zuhören. - Dabei gibt es natürlich noch den aus dem letzten Jahr zu trinken, manchmal sogar Restbestände aus 2004 und nur hart gesottene Kehlen und anschließende Verdauungsorgane überstehen das sprining von Fass zu Fass und Jahrgang zu Jahrgang. - Böse Zungen behaupten ja, das ist alles Taktik, die Bodegabesitzer wollen ihren Besuchern überhaupt keine wirklich Freude bereiten, sondern suchen nur wohlfeile humanoide Behälter, in denen man seinen alten Wein entsorgen kann. Verklapping würde man auf neudeutsch sagen, bei uns heißt das bodeging.

Offiziell ist natürlich auch bei uns der Martinstag der erste Weinanstich, aber da unsere Weinlese in den tiefen Lagen bereits Ende Juli beginnt, wäre mancher Wein zu Martin schon wieder alt und das darf natürlich nicht passieren. - Noch beißt er gewaltig der kommende Saft, aber nach mehreren Gläsern Altware sind die Geschmacksknospen selbst schon puenting und wer traut sich das schon, eine freundliche Einladung, manchmal mit robustem Unterton, nachhaltig auszuschlagen. - In den hohen Lagen der Insel geht die Weinlese noch bis weit in den November hinein, bei uns wird Wein, von fast Meereshöhe bis auf 1.200 Meter angebaut, so kommt es vor, dass man unten bereits den neuen Wein verkostet und oben noch den Buckel krumm macht bei der Lese. - So ist das auf einer Insel auf der man im Winter im Atlantik baden kann, während sich oben auf den Bergen der Schnee breit macht, es ist halt ein kompletter Kontinent in Miniaturformat, muy compacting halt. - Sollten Ihnen in den nächsten drei Tagen relativ unkontrollierte, aber tief fröhliche Kameradschaften begegnen, die Sie auf ein Glas in eine Bodega einladen wollen, seien Sie vorsichtig und behaupten hinterher nicht, Sie seien nicht gewarnt worden. - Achten Sie auf jeden Fall auf ein ausgeglichenes Verhältnis von flüssiger zu fester Nahrung, das schützt vor solchen auffälligen Kollateralerscheinungen wie borraching oder gar vomitaring.


...Noch beim Bier...
Die republikanische Garde beim "Puenting" - Grandola Villa morena....



Donnerstag 12.031.06 - 18:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 25 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 72 % Luftdruck 1016 hPa
Höchsttemperatur heute 25,5 Grad - niedrigste Temperatur 19,6 Grad

Die Nachhaltigkeit geht um

Das absolute Zauberwort für alle die hier noch etwas werden wollen, ohne "Sostenibilidad" geht hier nichts mehr, keine Rede, kein Projekt, langsam wird es knapp auf La Palma vor so viel Nachhaltigkeit. - Man muss auch nicht so kleinlich sein und den ursprünglichen Sinn dieser, eigentlich wunderbaren Vokabel ernst nehmen. Man kann das sogar noch steigern, das heißt dann nachhaltiger Fortschritt oder hier "progreso sostenibile" und schon werden aus Hafenlokalen und Hotelanlagen Vorzeigebetriebe welche die Ehrung erhalten "Biosphere" zu sein. Warum man das auf englisch titelt, das weiß ich nicht, vielleicht klingt das einfach ein bisschen schicker als unser holperiges "biósfera". Zehn palmerische Firmen sind von dem "Instituto de Turismo Responsable" mit diesem Preis ausgezeichnet worden, dieses Institut ist ein Wechselbalg, gesäugt von der UNESCO und der Tourismus Weltorganisation. - Ich freue mich für die Lokale, da sind auch richtig nette dabei, aber bei der Verleihung des Preises an zwei große und hypermoderne Apartmentanlagen die immer wieder im Sonderangebotskalender auftauchen habe ich mich doch schon gefragt, ob man sich da nicht einfach in der Organisation, in der Insel oder im Wörterbuch geirrt hat.

Ganz aus dem Häuschen bin ich bei den Begründungen warum man denn den Preis verliehen hat und den Aussagen der Prämienträger. Zitatausschnitt eines Politikers….es dient als Beispiel dafür, dass die Insel auf respektvolle Art und Weise mit der Landschaft umgeht, unserem primären Reichtum (Schatz). Zitat eines Geschäftsführers: ….sowohl das Institut wie das Weltbiosphärenreservat sind ein idealer Motor damit wir uns alle die Notwendigkeit ins Gewissen rufen wie wichtig die Umwelt für La Palma ist. …. Heute sind wir nur 10 Betriebe die mit diesem Preis ausgestattet worden sind, irgendwann sind es dreihundert oder fünfhundert. Dann werden wir eine Insel mit einer Zukunftsvision haben, deren primäres Element die Nachhaltigkeit ist, damit die Gäste noch vor ihrer Ankunft wissen, sie werden nette Einwohner antreffen die beschlossen haben konsequent ihre Umwelt zu schützen. - Das war nicht ich, das waren Zitate und das macht mir Angst, wenn Nachhaltigkeit dann schon gilt, wenn sie auf ungechlortem Papier gedruckt wurde. - Macht aber nichts, Hamburger sind ja jetzt auch wieder gesund, nachdem nur noch glückliche deutsche Kühe dafür geschreddert werden.


Los Cancajos
So sieht sie aus die "Biosphere", da wäre ich nie drauf gekommen



Donnerstag 12.10.06 - 08:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 20 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 68 % Luftdruck 1016 hPa

Noch ein Museum, noch mal 600.000 Euro

Scheint der Einheitspreis für Museen zu sein und noch eine Parallele gibt es zum Seidenmuseum in El Paso, auch hier ist das Geld noch nicht da. - Wir sprechen vom "Ecomuseo Insular del Mar", was nur umständlich mit "ökologisches Meeresmuseum der Insel" zu übersetzen ist und dieses will man, wo auch sonst, in Puerto de Tazacorte dem geneigten Besucher anbieten. - Allerdings gibt es in Puerto de Tazacorte nicht nur die Finanzierungslücke, sondern auch noch bürokratische Hürden mit dem gewünschten Standort. Man möchte mit dem Museum das neue/alte Kühlhaus im alten Hafen ersetzen, eine Einrichtung die nie in Funktion getreten ist, weil man sich nicht über die Betriebskosten einigen konnte. - Man braucht es auch gar nicht, weil die Fänge der Fischereiflotte in Puerto de Tazacorte inzwischen so gering sind, dass man den Fisch nicht auf Halde legen muss.

Das Kühlhaus liegt an einem der schönsten Plätze des Ortes und ist nicht nur wegen der immer wieder zur Polemik reichenden Diskussionen jedem dort ein Dorn im Auge, man würde halt gerne im innersten Kreis der touristischen Flanierzone lieber ein Museum betrieben und keinen leeren Industriebau dort stehen haben. - Nun muss man das Grundstück aber noch aus den Fängen des Fischerei/Landwirtschaftministeriums loseisen, die haben noch die Rechte an dem immobilen Filetstück und um dort ein Museum zu errichten, müsste man das Grundstück an das Wirtschaftministerium übergeben. - Das sind aber nur bürokratische Hindernisse, der Hammer kommt wenn es ums Geld geht, bislang gibt es nur eine Zusage von der Inselregierung und die steht bei 120.000 Euro. - Das Museum selbst soll auch der Aufklärung dienen und den Besucher zum bewussten Umgang mit der Biosphäre Ozean anregen, deshalb "Ecomuseo". - Jedes Museum kann nur gut für die Insel sein und dort ist sicherlich der richtige Platz um auch genügend interessiertes Publikum zu finden. Nun bleibt nur noch die Frage, wer ist schneller, El Paso mit dem Seidenmuseum oder Tazacorte mit dem Meeresmuseum. Wetten werden noch angenommen, Einsendeschluss ist nicht vor 2008 zu erwarten.



Mittwoch 11.10.06 - 17:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 26 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 69 % Luftdruck 1017 hPa
Höchsttemperatur heute: 26,7 Grad, niedrigste Temperatur: 19,0 Grad

Schwieriger Feiertag, wenn man nachdenkt

Der morgige Feiertag überrascht immer alle ausländischen Mitbürger oder Besucher, klar, woher sollen die den wissen, dass morgen der spanische Nationalfeiertag ist, der 12. Oktober. Warum dieses Datum, ganz einfach, an diesem Tag soll Christopher Columbus, hier Cristóbal Colón, eine folgenschwere Entdeckung gemacht haben. - Manch einer wünscht sich ja, er hätte tatsächlich lieber eine Abkürzung nach Indien gefunden, aber wer weiß, wofür es mal gut sein wird... - Nun macht die Entdeckung Amerikas alleine noch keinen schwierigen Feiertag daraus, das hätte jedem passieren können, aber was dann darauf hin dort geschah, das schreibt die Geschichte in vielen, leider meist blutigen Zeilen. - Denkt man mal ganz nachkriegsdeutsch, dann würde man sich wohl lieber einen anderen Nationalfeiertag aussuchen als einen, dem eine der grausamsten und blutigsten Historien überhaupt anhaften. - Nun führt ja aber auch geläutertes Deutschtum nicht grundsätzlich an jeder krüppeligen Geschichte vorbei, dass es in Deutschland überhaupt noch ultrarechte Kräfte in Länder und Stadtparlamenten gibt, kann aber keine Entschuldigung für den fragwürdigen Nationalfeiertag hier sein. - Hauptsache Geschichte wiederholt sich nicht andauernd, mehr können wir wohl nicht erwarten.

Zurück zum Nationalfeiertag hier und dem, vielleicht bewundernswert lockeren Umgang mit seiner eigenen Geschichte. - Man kann ja sagen, das ist doch alles lange her und nun ist Schluss mit Sünderrock und Aufklärung, es will doch eh keiner mehr wissen. - So lange man weiß was damals geschah ist das auch kein Problem, aber da sehe ich die Schwierigkeiten in solch einem Feiertag, denn es ist ja ein Feiertag und bislang ist es zwar vielen gelungen sich erfolgreich aus den Geschichtsbüchern herauszuwinden, aber damit hat man die Geschichte nicht geändert, sondern nur im eigenen Interesse verbogen. - Wenn es etwas an Deutschland gibt wovor ich allergrößte Hochachtung habe, außer Landjägern, dann ist es die schonungslose Art und Weise, wie man bis heute die eigene Geschichte präsent hält. - Ob das etwas nutzt oder nicht, um zukünftig diese Welt friedlicher zu gestalten, das muss sich erst noch beweisen, aber immerhin, man versucht es. - Das geht uns hier völlig ab, nichts ist weiter weg als gestern und auch wenn man die Geschichte ohne Probleme überall nachlesen und offen diskutieren kann, das tut dem Feiern keinen Abbruch. - Anderer Weg und bislang auch erfolgreich, demokratischer, aufgeklärter und unbedrohlicher als Spanien, steht kaum ein anderes europäisches Land da. - Ganz im Gegensatz zu den ehemaligen Kolonien, dort auf dem Weg nach Indien...

Den Blick immer nur nach vorne gerichtet, das ist wohl keine deutsche Eigenschaft und langsam glaube ich schon an ein genetisches Problem, dass wir grundsätzlich immer alles analysieren müssen. - So zwischen diesen Welten gerät man da manchmal ins Wanken und weiß nicht so recht, darf man sich am süßen Topf des Vergessens laben oder geschieht damit Unrecht. - Die Franco Zeit hat damit überhaupt nichts zu tun, der Nationalfeiertag ist viel älter und mit Verlaub, gegen die Kolonialisierung der "Neuen Welt", war Franco nur ein lausiger Despot der seine eigenen Leute umgebracht hat. - Weiß man dann auch noch, dass der 12. Oktober in vielen südamerikanischen Ländern als Rassentag betitelt wird, "Día de la Raza", dann bleibt einem gar nicht mehr viel übrig, als ganz schnell das Nachdenken aufzugeben. - Aus dem Stand auf die Schultern seines Schattens springen ist eben nicht jedem vergönnt, dazu braucht man sehr biegsame Ethikstränge, aber es funktioniert. - Hier sagt man auch noch, etwas unverfänglicher "Día de la Hispanidad" und gleichzeitig feiert man auch noch die Schutzpatronin "Virgen de El Pilar" und hat so auch noch den kirchlichen Segen. - Was soll da noch passieren und wirklich, eigentlich ist morgen wichtiger als gestern und feiern macht Spaß.



Mittwoch 11.10.06 - 07:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 20 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 52 % Luftdruck 1020 hPa

Das Museum welches ein Museum werden will

Eigentlich könnte man uns Etikettenschwindel vorwerfen, das Seidenmuseum in El Paso ist auf dem Papier gar kein Museum, sondern bislang nur eine Werkstatt in der der geneigte Interessierte den gesamten Werdegang von der Raupe bis zur fertigen Krawatte bestaunen kann. Zugleich aber produzieren dort mehrere Damen traditionelle Produkte aus dem feinen Rohstoff, müssen mit ihrer Hände Arbeit aber ihren Unterhalt verdienen, so ist ein Besuch im Seidenmuseum von El Paso eigentlich eine Betriebsführung. Dafür bekommt die Firma "Las Hilanderas" lediglich eine sehr kleine Miete von der Stadt berechnet, der Besucher kann aber nicht nur alte Gerätschaften bestaunen, sondern auch noch den Damen bei der Arbeit zusehen.

Allerdings ist das Platzangebot sehr beschränkt und man hatte doch vor, nicht nur das Untergeschoss des historischen Gebäudes als Museum zu nutzen wie es im Moment der Fall ist, sondern wollte einen richtig großen Ausstellungsraum in dem man alle Fundstücke rund um die Seidenproduktion zeigen kann. - Dafür braucht man Geld, je ehrgeiziger man ist um so mehr und so geht nun die dritte Generation an lokalen Würdenträgern Haushaltpläne schmieden und manch ein regionaler oder staatlicher Politiker traut sich schon gar nicht mehr nach El Paso, es hat sich herum gesprochen, dass hier jeder Besuch auch zärtlich nach Finanzierungsmöglichkeiten angesprochen wird. - Jetzt ist man einen wirklichen Schritt weiter, seit dem die Sozialisten mit ihrer Ankerfrau Loli Padilla das Zepter der Stadt in der Hand haben, öffnen sich ja plötzlich Kanäle bis in das Machtzentrum Madrids. "Bien de Interés Cultural" (BIC) ist das Zauberwort, etwa "Kulturgut öffentlichen Interesses" möchte man nun das Museum klassifizieren und da könnte man mit bis zu 100.000 Euro an Zuschüssen aus Madrid hoffen. - Allerdings sind die guten Kontakte nach Madrid auch wieder kontraproduktiv was die Beziehungen hier regional und inselpolitsch betreffen, es ist kein Geheimnis, dass El Paso auf der Verteilerliste öffentlicher Gelder aus dem Regionaltopf ganz hinten steht. In unserer rebellischen Stadt hat eine ungewöhnliche Koalition aus bürgerlichen Kräften und den Sozialisten den auf den Kanaren überall mitbestimmenden Damen und Herren der Coalición Canaria das Spielzeug weggenommen. - Das muss bestraft werden, mit Liebes und Finanzentzug. - Insgesamt braucht El Paso an die 600.000 Euro für das Museum, so viele Parteien kann man gar nicht gleichzeitig wählen.



Dienstag 10.10.06 - 19:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 27 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 62 % Luftdruck 1017 hPa
Höchsttemperatur heute: 27,5 Grad, niedrigste Temperatur: 19,6 Grad

Kastilische Sprache, schwere Sprache

Irgendwann musste das so kommen, eine meiner Töchter hat eine "Goda" als Lehrerin und nun muss die ganze Klasse alles neu lernen. - "Goda", also "Gotin" ist nicht abwertend gemeint, so nennt man hier die Festlandspanier, auch wir Bayern bezeichnen ja jeden der nicht aus Bayern kommt zunächst als "Preiß" wiederum nicht abwertend gemeint, aber halt fremd. - Elternsprechtage sind, neben Aufräumtagen, meine absolute Leidenschaft, ich bin immer der einzige Kerl unter vielen Frauen, also auch schon wieder Randgruppe, aber das bin ich gewöhnt. - Raquel heißt die wirklich nette und hübsche Lehrerin die man uns da vom Festland geschickt hat, da eine der Unseren für längere Zeit erkrankt ist und schon gehen die Missverständnisse los. - Nein, sie hat nichts am Eifer unserer Zöglinge auszusetzen noch am Betragen, das läuft wohl alles innerhalb der pennälerschen Parameter, es geht eher um die Orthographie und die Aussprache.

Wir reden halt so, "es nuestro habla" ("el habla" kann auch Slang bedeuten, wird aber meist für Dialekt oder Idiolekt benutzt) und sind, genau so unverständlich stolz darauf wie die Bayern. Nun haben wir aber das Problem, dass in der Schule nicht Dialekt gilt oder Spanisch so wie wir glauben man müsste das sprechen, sondern "Castellano" und diese Sprache hat den Nachteil, dass es Unterscheide zwischen "C" "Z" und "S" gibt. - Die gibt es hier aus pragmatischen Gründen nicht, hacer, coser oder auch cazar, alles spricht sich wie mit einem angeschärften deutschen "S" aus. Es ist phonetisch egal ob man eine zervesa ordert oder eine serveza, man bekommt immer Bier. - Der böse Trick dabei ist, man sollte Bier nicht nur bestellen und trinken können, sondern auch ausschreiben und wenn man die Unterschiede nicht hören kann, dann muss man diese lernen. - Im Kastilischen kennt man das "C" mit einem harten englischen "TH", das "S" ist weich wie ein Kinderpopo und das "Z" wird so gesprochen wie wir das mit allen drei Buchstaben machen. Richtig muss es also therveza heißen, aber wenn man das so hier bestellt, dann ist man sofort als Oberlehrer oder "peninsular" geoutet. - Meine Tochter beschwerte sich anfänglich bei mir, dass die Lehrerin im Diktat so undeutlich spräche und Buchstaben benutze, die es hier nicht gibt. - Das erinnert mich hart an meine ersten Schultage, als wir einen "Preißn" als Lehrer hatten und uns wunderten, dass man Leute mit solch gravierenden Sprachfehlern zum Lehrer machen kann. - Dea arme Mo, dea ko koa Deidsch ned. (Der arme Mann, der kann kein Deutsch nicht)



Dienstag 10.10.06 - 07:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 20 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 53 % Luftdruck 1018 hPa

Reichlich Chlor im Rohr

Die südlichste Gemeinde der Insel macht seit nun über eine Woche Schlagzeilen, die öffentliche Trinkwasserversorgung leidet unter einem "Watergate", erst entdeckte man bakteriellen Befall und danach schüttete man wohl so viel Chlor in das Wasser, dass nun nicht mehr die Bakterien das Problem darstellen, sondern die kurativen Maßnahmen. - Da steckt gewaltige Polemik dahinter und man übersieht dabei gerne und schnell, dass die Entdeckung der Bakterien auch ein Hinweis dafür ist, dass das Kontrollsystem funktioniert. - Die Entscheidung nun Chlor dagegen einzusetzen war wohl auch richtig, das schreibt hier das Gesetz so vor, nur die Dosierung erfolgte wohl nicht angemessen, man kippte viel zu viel davon in die Leitungen um dem fiesen Bakterium den Garaus zu machen. - Seit über einer Woche nun darf man das Wasser aus dem öffentlichem Leitungssystem nicht trinken und der Bürgermeister hat eine unangenehme Woche hinter sich, gibt man ihm doch die gesamte Schuld an dem unerfreulichen Zustand. - Der Chlorgehalt soll inzwischen wieder auf ein "normales" Maß gesunken sein, aber bevor man wieder die Erlaubnis zum Trinken des Wassers gibt, müssen erneute Analysen abgewartet werden.

Das Gesundheitsamt hat nun sogar eine Untersuchung eingeleitet, nicht gegen eine Person, sondern um die Umstände aufzuklären. Zu einfach ist es nun die Schuldigen einfach in der Gemeinde zu suchen, eine Gemeinde mit nicht mal 2.000 Einwohnern und den entsprechend knappen Mitteln kann keine hochmoderne Überwachungsanlage finanzieren welche das Trinkwasser permanent überwacht, das können nur Spezialisten und damit sind die Gemeinden hier schlicht und ergreifend überfordert. - Das Eingeständnis dazu fehlt allerdings und das ist das einzige was man der Gemeindeverwaltung vorwerfen könnte. - Jetzt ist man wieder mal schlauer und hat unter dem Druck der öffentlichen Halbhinrichtung des Bürgermeisters eine automatische Chlorungsanlage gekauft, damit so etwas nicht erneut passieren kann. - Da muss aber auch das Gesundheitsamt sich die Frage gefallen lassen: Warum lässt man die Gemeinden mit der Problembehandlung alleine wenn man schon einen Makel feststellt, da hätte man doch auch einen Spezialisten schicken können um mit Rat, Chlor und Tat zu helfen. - Andere Gemeinden haben aus diesem Dilemma bereits ihre Schlüsse gezogen und die Trinkwasserversorgung in die Hände einer privaten Firma gegeben, die wohl Ahnung hat davon was sie macht, die "Canaragua S.L." - Das heißt nicht, dass nicht auch in den anderen Gemeinden sich mal ein perfides Bakterium in die Leitungen schmuggeln könnte, aber die Firma hat die Mittel und die Kenntnis davon, wie man korrekt damit umgeht. - Auf lange Sicht wird es eh fragwürdig sein, ob man den diffizilen Umgang mit dem Lebensmittel Trinkwasser in den Händen der Gemeinden lassen soll, der Aufwand der Kontrollen ist derart groß, dass sich wohl eher eine inselweite Lösung anbietet. - Gefreut hat der wasserliche Fauxpas in Fuencaliente nur die beiden Abfüller von Tafelwasser auf der Insel, die haben verkauft wie nie.



Montag 09.10.06 - 18:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 27 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 66 % Luftdruck 1016 hPa
Höchsttemperatur heute: 27,8 Grad, niedrigste Temperatur: 19,8 Grad

Schön, dass wir darüber geredet haben

Bis vor ein paar Jahren wusste ich nicht, was ein Mediator ist und ich glaube die ganz große Mehrheit hier auf der Insel weiß das auch nicht. Das macht aber nichts, wir bekommen nun solche und stellen dieses sogar selbst her. Ausbilden wäre besser gesagt, man hat nun seitens der Inselregierung einen Lehrgang ins Leben gerufen der in 520 Unterrichtsstunden aus trockenen Juristen, Psychologen, Soziologen oder Pädagogen ausgebildete Mediatoren macht, dafür gibt es dann auch einen netten Titel: "Máster en mediación familiar". Da steckt auch schon im Titel um was es vorwiegend geht, man will den Familien dieser Insel in Problemsituationen einen neutralen Zuhörer und Ratgeber zur Seite stellen. Man hofft natürlich auf diese Art und Weise Konflikte innerhalb der Familien im kleinsten Rahmen abhandeln zu können und damit auch vorbeugend gegen irgendwelche unwiderrufliche Aktionen wirken, die oft bei Scheidung, Trennungen oder Problemen mit der garstigen Brut entstehen können.

Das klappt natürlich nur, wenn sich die anderen helfen lassen und das ist oft gar nicht leicht. Dafür bekommen die Mediatoren aber auch die entsprechende Ausbildung, den Konfliktparteien gleichermaßen objektiv gegenüber zu stehen ist sicher nicht ganz leicht. Gerade in unserer kleinen und überschaubaren Gesellschaft ist solch ein Angebot sicher sehr sinnvoll, gibt es wirkliche Probleme in der Familie, dann weiß kaum jemand eine unvoreingenommene Person, die ohne eigenes Interesse in solchen Konflikten vermitteln kann. Man kennt sich halt oder ist über mehrere Ecken verwandt oder arbeitet sogar zusammen, da ist es um Objektivität nicht gut bestellt. - Ich freue mich ausdrücklich, die Inselregierung loben zu können für solch eine positive Maßnahme, richtig gemacht kann das viel Leid, viele Tränen, machen Prozess und vielleicht sogar blaue Augen verhindern. - Als Paul davon gehört hat wollte er sofort einen Mediator anrufen um noch mal ganz von vorne die Reihenfolge in der Familienhierarchie feststellen zu lassen. - Dem habe ich aber gleich ganz objektiv meinen Familienvorstandsausweis unter die feuchte Nase gehalten, so lange der Kater seine Pfoten in mein Whiskas steckt, … Weiter kam ich nicht, drei weibliche Mediatorinnen, ganz neutral natürlich, haben mich augenblicklich zur Ordnung gerufen. - Jetzt muss ich wieder Fressnäpfe putzen und dem Kater Geschichten vorlesen und habe viel Zeit dabei über meine mediale Rolle in diesem Film nachzudenken.



Montag 09.10.06 - 07:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 20 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 55 % Luftdruck 1016 hPa

Autobahnen retten Leben

Sonderbare Stilblüten hört man von den letzten Verfechtern einer Autobahn auf La Palma. Die Argumente waren noch nie besonders sinnreich oder gar nachhaltig, jetzt werden alte Frauen in Puntagorda rekrutiert um der Autobahn einen Nutzen zu geben, der Volksautobahnsturm macht mobil. - Alle Autobahngegner machen sich verdächtig das Leben alter Menschen im Norden der Insel aufs Spiel zu setzen, denn nur auf der Autobahn kann man im Notfall das rettende Krankenhaus erreichen. - Wer sich gegen dieses Argument wehrt, der kann sich gleich neben die ETA stellen, weiter gedacht sind Autobahngegner potentielle Mörder. - So weit sind wir gekommen und eigentlich hat es ab diesem Punkt keinen Sinn mehr zu diskutieren, aber es ist immer schwierig Meinungen und Argumente auszutauschen, wenn die andere Seite zwar eine Meinung hat, aber keine Argumente. - Dass die Autobahn überhaupt nicht nach Puntagorda gehen soll sondern nach Tazacorte, das kann man getrost weglassen und seit ewigen Zeiten fordern wir für die am dichtesten besiedelte Region der Insel ein Unfallkrankenhaus in dem man auf Notfallmedizin spezialisiert ist. Dann muss niemand im Notfall auf die andere Inselseite, das wäre ein echter Schritt in die Moderne.

Wer sich nicht auf die Großmutter in Puntagorda verlassen will und das schlechte Gewissen welches damit hervorgerufen werden soll, der rudert plötzlich wieder an andere Ufer zurück. - Welche Autobahn? - Heißt es da immer mal wieder, wer sagt denn dass wir eine Autobahn bauen wollen, es geht nur darum eine Landreserve freizuhalten, falls man in, vielleicht 20 Jahren einen neuen Verkehrsweg benötigt. - Gleichzeitig liest man aber, dass die Provinzregierung die Finanzierung der unter Anhang II im Verkehrswegeplan aufgeführten Projekte von 2017 auf 2013 vorziehen will und raten Sie mal welche Straße in dem berühmten Anhang auftaucht. - Es wird ganz schön eng für die bislang so unangefochten regierenden Platzhirsche und deshalb hört man seit Wochen eigentlich überhaupt nichts mehr aus den oberen Chargen der Entscheidungsträger. Da schickt man lieber austauschbare Drittbänkler mit der Omageschichte aus Puntagorda zum Volk, so hoch entwickelt schätzt man unsere Intelligenz ein. - Das Problem ist aber, man findet keinen dem man das Kompliment vierspurig zurückgeben könnte, die Autobahn ist momentan kein Thema im inneren Kreis der Macht. Die Wahlen sind viel zu nah und die Gefahr, dass das Völkchen eine vernünftige Antwort auf die Fragen haben will: Warum brauchen wir eine Autobahn, bekommen aber kein Krankenhaus und ausreichend Toiletten an den Schulen, ist viel zu groß.



Sonntag 08.10.06 - 17:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 27 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 62 % Luftdruck 1015 hPa
Höchsttemperatur heute: 28,2 Grad, niedrigste Temperatur: 19,1 Grad

Wie machen die das bloß?

Ich bin ja nicht sonderlich fit was Preise anbelangt, habe noch nie Handytarife verglichen oder bin auf die andere Straßenseite gegangen weil es dort das Whiskas für 8 Cent weniger gibt. - Meine Frau meint ja, du hast ja nur Angst dass du vergessen hast was du kaufen wolltest wenn du über die Straße musst, aber in dem Fall stimmt das nicht, falls ich mal einkaufen gehe, dann sind Bier, Zigaretten und Whiskas immer im Wagen, auch wenn sich zuhause das noch stapeln sollte, so etwas wird bei uns nie schlecht. - Wenn ich mal an Preise rangehe, dann kommt das alle Vierteljahr bei der Steuererklärung und da trage ich dann brav die Ausgaben ein und freue mich immer wie ein Alonso wenn der linke Betrag, = Einnahmen, die rechte Zahlensäule, = Ausgaben überschreitet. - Das nennt man dann wohl funktionierende Firma, mehr verstehe ich von der Marktwirtschaft nicht. Von der Differenz der beiden Summen muss man dann 20% ausrechnen, und die bekommt dann eine ehrenvolle Institution die sich Agencia Tributaria nennt, was auf deutsch wohl Finanzamt heißt.

Warum das, trotz aller fehlender Geizgeilheit bei mir immer noch funktioniert, das muss auch an manchen Preisen hier liegen. Einmal im Jahr zieht die Gemeinde ihren Steueranteil ein und da staune ich nicht schlecht, kostet mein Auto doch nur schlappe 50,74 Euro Steuern jährlich, das ist etwa die monatliche Telefonrechnung meiner großen Tochter, die ein gesteigertes Mitteilungsbedürfnis hat. - Allerdings kann ich nur die Steuern für das Auto absetzen, die Telefonrechnung meiner Tochter reicht mir die Steuerbeamtin mit einem mitleidigen Lächeln wieder über den Tresen, sie habe auch Töchter meint sie wissend, aber das ist Privatvergnügen oder Vermögen. Recht hat sie! - Richtig nachdenklich werde ich bei den Kosten für die Müllabfuhr, 38,71 Euro im Jahr, bei dreimaliger Abholung in der Woche. - Passt man dabei ein bisschen auf und packt kein Glas in die Müllsäcke oder sperriges Gut daneben, dann nehmen die jegliche Anzahl von Müllbeuteln ohne zu meckern mit und ich frage mich nun, wie die das machen. - Ob das kostendeckend ist, das weiß ich nicht und auch nicht, ob die anderen Gemeinden auch so billig und so oft den ganzen Müll abholen. - Komisch, wenn etwas zu teuer erscheint, dann geht jeder gleich meckern und reklamieren, aber ich bin mir sicher, es ist noch niemand auf die Gemeinde gegangen und hat gesagt, ich würde gerne mehr für die Müllabfuhr bezahlen, das ist zu billig und die machen einen solch hervorragenden Job, da muss man was drauflegen. - Ein Freund von mir, Carlos der berühmte Fernsehkoch, hat vor Jahren mal zu mir gesagt: "Mathias, wir müssten Luxussteuern bezahlen, dass wir hier leben dürfen." - Irgendwie hat er Recht, aber ich werde es nicht weitersagen…



Sonntag 08.10.06 - 08:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 20 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 76 % Luftdruck 1016 hPa

Gone with the wind

Ja der Passat, von vielen geliebt, weil sie wissen dass das unser Wind ist, von anderen gefürchtet, weht er einem doch ab und zu so heftig um die Ohren, da fällt es schwer sein Fähnchen im Wind zu halten. - Ist die Fahne dann auch noch 300 Quadratmeter groß und in der unverschämten Höhe von 50 Meter an einem schmalen Phallus befestigt, dann leistet der Passat ganze Arbeit und holt das polemische Stück kurzerhand auf den Boden der Tatsachen zurück. - Nicht mal nur klammheimliche Freude kommt da bei den vielen Gegnern der 360.000 Euro teuren Fahne auf, peinlicher kann der Einstand gar nicht sein. - Mitten in der Hauptstadt Gran Canarias hat man, gegen viel Widerstand diese riesige Fahne mit den Farben der Insel aufgestellt, als Zeichen und Symbol der Größe, so wie man das von dem Inselpräsidenten José Manuel Soria gewohnt ist. - Immer ein bisschen mehr Schein als Sein, das geht ja noch, aber wer so maßlos übertreibt, den zwingt das blanke Leben in die Knie.

Wer die Fahne hat, der braucht für den Spott nicht zu sorgen und so wird dieses aufreizende Stück Stoff doch noch unfreiwillig zum Symbol. - Allerdings in eine ganz andere Richtung als gedacht, nun verkündet der leere Fahnenmast nicht mehr die Größe und Erhabenheit, sondern die Unfähigkeit und Anmaßung. - Die Fahne wird sicher in ein paar Tagen wieder hängen und Soria weiter in unerträglicher Art seine eigene Rolle darin sehen, aber das ist ja das Gefährliche, wenn die Arroganz nicht mehr mitbekommt, dass es nur ein ganz kleiner Schritt in die Lächerlichkeit ist. - Vielleicht lernen ja seine Parteigenossen in Tenerife davon, die träumten bereits von einer noch größeren Fahne, aber bei der Partido Popular habe ich so meine Bedenken was das Lernen anbelangt. - Können wir auf La Palma denn daraus etwas lernen? Sicherlich, man muss immer bedenken was man kann und welche Möglichkeiten einem zur Verfügung stehen, sonst bläst einem der Wind des echten Lebens ein Ständchen oder gar gewaltig den Marsch. - Autobahn, 5 Golfplätze, zahlreiche Sporthäfen und Hotels die ganze Küste lang, das ist alles viel zu groß für uns, daran werden wir uns verschlucken und Schuld war dann sicher auch der Wind.



Samstag 07.10.06 - 19:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 26 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 64 % Luftdruck 1017 hPa
Höchsttemperatur heute: 27,4 Grad, niedrigste Temperatur: 19,6 Grad

Schenk mir einen bunten Lustballon

Manchmal weiß man nicht so ganz genau, ob uns der Tierarzt nur vereiern wollte und Paul die Testikel gar nicht entfernt hat, aber meine Frau steht voll und ganz hinter dem Tierarzt, schließlich ist er groß, schlank, schwarzhaarig wie meine Füße und hat brillant blaue Augen. - Nun dürfen Sie nicht glauben, ich würde gut aussehenden Männern nicht vertrauen, aber sind wir doch mal ehrlich, Tierärzte müssen grobschlächtig aussehen, fast animalisch, mindestens aber ländlich und die letzten Krumen von der manuellen Darminspektion einer trächtigen Kuh noch an der Schulter tragen. - (Meine bäuerliche niederbayrische Vergangenheit holt mich nicht oft ein, aber wenn ich an unsere Tierarztgeschichten denke…) - Wir gehen also davon aus, dass Paul mit Testosteron nicht all zu viel anfangen kann und die Avancen der Nachbarskatzen als Aufforderungen zum jugendfreien Spiel auffasst. - Allerdings glaube ich ab und zu an gewissen Körperhaltungen und Bewegungen doch noch rudimentäre Vermehrungsanlagen zu erkennen. Vielleicht weiß er es nicht, vielleicht haben es ihm die anderen Katzen aber erzählt oder er hat mit den Kindern neulich "Fritz the cat" im Fernseher geguckt.

Paul ist es zu peinlich über Sex und Fortpflanzung zu sprechen, da blockt er heftig ab und lässt mich alleine mit meinem ganzen Wissen über Bienchen, Blümchen und keiner will das hören. - Bei den Kindern komme ich damit auch nicht an, Aufklärung, das macht heute die Gesellschaft und die Schule, das ist Stoff der dritten und vierten Klasse und dennoch gehen die Geburtenraten auch in Spanien seit Jahren zurück. - Zurück zu Paul sonst wird mir das noch peinlich, den habe ich neulich mit einem Luftballon erwischt, den er verdächtig unter seinen Körper drängte. Mit etwas Phantasie könnte man daraus einen imitierten Geschlechtsakt erkennen, aber meine Frau behauptet ja immer von mir ich phantasiere den dreiviertel Tag vor mich hin und deshalb will ich mich da nicht grundsätzlich festlegen. - Aber was macht der mit einem Luftballon unter sich, da soll es doch für humanoide Frustgenossen ähnliche Begattungshilfen geben und wir wissen doch um die permanente Menschelei des virtuellen Katers. - Als Kumpel ist man ja immer um das Seelenheil seines Freundes besorgt und ich würde schon komisch reagieren wenn meine Freunde mit aufblasbaren Gummipuppen zum Gottesdienst erscheinen. - Meine Kinder meinten noch als sie den Besteigungsversuch des Lustballons sahen, schwul ist er nicht und ich habe es gelassen, mit ihnen nun das auch noch zu diskutieren, denn von manchen Sachlagen habe ich überhaupt keine Ahnung. Falle es ein Akt war muss dieser heftig oder enttäuschend gewesen sein, irgendwann fuhr Paul die Krallen aus und der Ballon war nur noch ein Fetzen Gummi. - Ich weiß auch nicht was das war, vielleicht war "die" Ballon zickig oder hat im falschesten Moment den es nur geben kann den falschen Namen geflüstert, vielleicht hat er auch nur gespielt und der Ballon war eine überdimensionale Kampfratte die der unbesiegbare Held von Paulhausen im Handstreich erledigt hat. - So wird es wohl gewesen sein, aber warum der Tierarzt mich mit seinen großen blauen Augen immer so verschmitzt anlächelt wenn er mich sieht, das gibt mir immer noch zu denken.


Paul mit seiner Chantal



Samstag 07.10.06 - 08:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 21 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 71 % Luftdruck 1018 hPa

Den Waldi ganz flach halten

Ein, manchmal sogar zweimal im Jahr geht die Gemeinde El Paso auf Rattenhatz, das aber nicht mit einer Heerschar an Kampfkatzen oder Rattenterriern sondern, ganz perfide mit Gift. Ich weiß nicht mehr wie der teuflische Wirkstoff heißt, aber das Gift tötet nicht sofort sondern löst langsam innere Blutungen aus, so schöpfen die Artgenossen keinen direkten Verdacht und fressen das Zeug noch bevor die Wirkung an anderen Tieren zu erkennen ist. (So etwas können sich nur Menschen ausdenken) - Richtig ausgelegt, also ganz tief in die Natursteinmauern geschoben sind diese Beutel mit dem kontaminierten Weizenkörnern keine direkte Bedrohung für andere Tiere, Hund, Katz und was von den Menschen sonst noch an Biosphäre geduldet wird, kommt an die Giftbeutel gar nicht heran. - Die Gefahr besteht aber in dem Moment, wenn die vergifteten Ratten und Mäuse, nach Wasser und Sterbeplatz suchend sich ganz leicht einfangen lassen. Da ist so mancher Waldi oder Putzi ganz heiß drauf, freut sich doch so ein gehätscheltes Haustier endlich mal eine Ratte erlegt zu haben. - Da sollte man in El Paso die nächsten Tage großzügig seinen Kinderersatz mit Nahrung versorgen und am besten nicht alleine umher springen lassen. - Den Waldi ganz flach halten, mindestens zwei Wochen. - Ob die anderen Gemeinden zeitgleich diese Aktion durchführen weiß ich nicht, das kann man aber erfragen.

Diese Aktionen sind schon effektiv, danach ist wieder eine ganze Weile Ruhe, aber richtig nachhaltig sind solche Maßnahmen natürlich nicht, die Ratte an sich hat damit kein Problem, kleinen Populationsschwankungen gleicht man mit erhöhter Nachwuchsproduktion mühelos aus. - Richtig gefährlich ist es allerdings für die Raubvögel, die sich neben Eidechsen und Geckos auf die kleinen und mittelgroßen Nager spezialisiert haben. - Die kann man nicht flach halten und es gibt keine genauen Aussagen darüber wie viele der Raubvögel solchen Aktionen zum Opfer fallen. Ich kann aber aus langjähriger Beobachtung sagen, dass die Population an Falken wieder viel stärker geworden ist als noch vor vielleicht 15 Jahren, das liegt aber daran, dass in den Weinfeldern kaum noch Gift gegen die Eidechsen ausgelegt wird. - Fragen müssen wir uns selbst ob es den notwendig ist gegen eine scheinbare Plage anzugehen. Hier auf La Palma gibt es ein Überangebot an Nahrung für die Ratten und Mäuse und so müssen die Tiere nicht unbedingt die Nähe des Menschen suchen um Futter zu finden, da bleibt ein gewisser Abstand gewahrt und meist hört man die fleißigen Nager nur und sieht diese nicht. Man sieht oft nur die toten Exemplare, von heißem Gummi auf der Landstraße erlegt oder in kompakter Form, nur der Kopf als Mitbringsel anhänglicher Haustiere.



Freitag 06.10.06 - 19:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 27 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 60 % Luftdruck 1021 hPa
Höchsttemperatur heute: 31,4 Grad, niedrigste Temperatur: 20,3 Grad

Wir alegieren, also sind wir

Man kann uns wirklich nicht nachsagen nicht unbequem zu sein. Innerhalb einer Woche schieben wir jetzt die dritte "alegación" nach und wir müssen langsam aufpassen, nicht irgendwann eine algeación gegen uns selber zu unterschreiben. Eine "algeación" ist eine offizielle Eingabe, nicht nur gegen einen öffentlichen Plan, man kann damit Neuerungen fordern oder vorschlagen. - Es ist die zugelassene Form sich mit den Plänen auseinander zu setzen und den Planern zu sagen: Horcht mal Leute, uns ist da etwas aufgefallen und das hätten wir gerne von euch korrigiert. - Dem Gesetz nach müssen alle Eingaben beantwortet werden und dann wird man sehen, in wie weit man auf die Forderungen eingegangen ist. - Übrigens liegt das nicht an uns, dass nun derart viele "alegaciones" fast zeitgleich in Gemeinde und Inselbüros landen, die Landreserve für die "autovía", der Golfplatz von Breña Alta und nun die Neuerungen am PTELPA (touristischer Sondernutzungsplan für La Palma) sind uns zeitgleich vor den Latz geknallt worden und man hat uns keine Zeit gelassen in angemessenem Abstand darauf zu reagieren. Der PGO Breña Altas hing nur bis zum 5.10. aus und damit endet auch die Einspruchsfrist und der erneute Aushang des PTE ist noch offen bis zum 18. 10., es ist also schon wieder Zeitnot. Die "Asamblea Ecologista" hat nun einen Einspruch ausgearbeitet, in dem auf alle fragwürdigen Entscheidungen des PTE eingegangen wird, vor allem auch die Inkompatibilität mit dem Gesetz: "Decreto 55/2006, de 9 de mayo" in dem eine Nachhaltigkeitsstudie für die geplanten Vorhaben unabdingbar ist.

Der Grundton der Forderung lautet, den PTE zurück zu ziehen und unter Einhaltung aller gesetzlicher Bestimmungen und Bürgerbeteiligung einen neuen Plan zu erarbeiten, der den Notwendigkeiten der Insel und seiner Bevölkerung Rechnung trägt. - Die jetzige Version sieht einen kompletten Ausverkauf der touristischen Ressourcen an den konventionellen Tourismus vor, der angesichts der enormen Konkurrenzsituation mit aufstrebenden Billiglohnländern für La Palma eine komplette Sackgasse darstellt. - Golfplätze, Sporthäfen und Hotels ist die wenig phantasievolle Antwort auf unsere notwendige touristische Zukunft, dass davon die Kanaren, ganz Spanien und bald auch Marokko und andere Länder bereits Überkapazitäten aufweisen, das wird in keinem Moment bedacht. - Die logische Konsequenz daraus wäre ein teuflischer Preiskampf, den wir als kleine Destination und Hochlohnland niemals gewinnen können. - In dem PTE werden Golfhotels ausgewiesen in denen die Machbarkeitsstudie einen Übernachtungspreis von Euro 200 - 250,- pro Tag vorsieht, das kann und wird nicht gut gehen, das ist ein sehr schlechter Witz. - Darüber hinaus geht der Plan von Wachstumsraten aus, die längst nicht mehr der Aktualität entsprechen, Ludwig Erhard ist nicht mehr und das europäische Wirtschaftswunder hat nachhaltige Schlagseite und bis die Chinesen zu uns kommen um bei uns Golf zu spielen, haben wir unseren Ruf und unsere Landschaft längst ruiniert.

La Palmas einzige Chance auch mit dem Tourismus eine nachhaltige Entwicklung zu bestreiten wäre eine komplette und glaubhafte Abwendung vom konventionellen Tourismus. Uns braucht man nur als Alternative, nicht aber als Appendix Tenerifes oder austauschbares Ziel, wenn Reiseveranstalter mal wieder Sonderaktionen ins Leben rufen wollen. - Selbst die TUI hat die Kanaren bereits mehrfach zart gewarnt, nicht immer auf dem selben touristischen Pferd zu reiten, sondern mit Qualität und neuen Ideen den Markt zu bereichern. - Das war zwar in einem anderen Zusammenhang, aber niemand der Reiseveranstalter braucht La Palma als teures Neuziel in einem bereits gesättigten Angebot. - Echter alternativer Tourismus, basierend auf unseren Möglichkeiten und Fähigkeiten, da geht immer noch was. Alles rund ums Weltbiosphärenreservat und glaubhaft "grün" und unverwechselbar, da könnte man sogar die Reiseveranstalter mit ins Boot holen, die müssen auch immer sehen wie sie ihr Angebot interessant komplettieren können. - Wer diese Kolumne liest, der weiß, dass ich schon oft über dieses Thema geschrieben habe und fest an die touristischen Möglichkeiten dieser Insel glaube. - Allerdings würden diese durch den massiven Bau an konventioneller touristischer Infrastruktur unweigerlich zerstört, wir besäßen dann als alternatives Ziel keinerlei Glaubwürdigkeit mehr. - Die Bevölkerung oder das potentielle Publikum einer Region grundsätzlich für dumm und indoktrinierbar zu halten ist ein schlimmer und weit reichender Fehler. HIER können Sie sich das Worddokument mit der Alegación herunterladen, es ist und bleibt auf spanisch, für eine komplette Übersetzung bleibt keine Zeit. - In den kommenden Tagen werden wir Läden auf der gesamten Insel nennen in denen man die Alegación hinterlegen kann, damit kann man vielen Leuten den Weg in die Hauptstadt sparen. Wichtig dabei ist, Ausweiskopie, sei es Residencia oder Pass muss dabei sein. Wir werden Sie weiter informieren, wo Sie die Eingaben abgeben können.



Freitag 06.10.06 - 07:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 21 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 66 % Luftdruck 1023 hPa

Die Fahnen hoch, der Pudel wird begossen

Schön, dass manche Parteien es einem furchtbar einfach machen und sich selbst als mögliche Alternative für eine neue Politik ausschließen. - Gemeint ist damit die Partido Popular, die auf allen Ebenen der politischen Bühne kein Schmierentheater auslässt um sich endgültig lächerlich zu machen. - Das geht ganz oben los, da schmiedet man gemeinsam mit der erzkonservativen Zeitung "El Mundo" Konspirationsgerüchte und rückt Zapatero doch tatsächlich in den Kreis der Mitwisser um das Attentat vom "11/M" in Madrid. - Es sei doch die ETA gewesen und wer heute mit diesen Verbrechern verhandeln will, der macht sich mit schuldig. - Dabei müsste doch genau eine Partei, die auf den Segen und die Fürbitte der katholischen Kirche setzt wissen, wie man Konflikte, auch mit Gestrauchelten regeln sollte. - Selbst der inzwischen ausgediente Halbgrande José María Aznar meldet sich noch mal in seiner ganz eignen Art zu Wort und verlangt von den Muselmanen dieser Welt eine Entschuldigung für die jahrhundertlange Besetzung Andalusiens. - Kein Wort der Entschuldigung, sein Volk jahrelang belogen zu haben mit angeblichen Beweisen für Massenvernichtungswaffen im Irak und oft konfirmierten Zusammenarbeit Saddam Husseins mit dem Schreckgespenst Al Queda.

Aber auch regional glänzt die Partido Popular eher mit Korruptionsgeschichten und lokalem Größenwahn. - Unser großer Vorsitzender der Partido Popular für die Kanaren, José Manuel Soria, zugleich Inselpräsident Gran Canarias hat sich ja mit seiner 360.000 Euro teuren Fahne bereits in Spinnesbuch der Rekorde eingetragen, aber das ist noch nicht alles, was Soria kann, das können die Kollegen auf den anderen Inseln noch besser. - Auf Tenerife will nun der zweite Mann der Partido Popular und Sprecher der Partei, Ángel Llanos, eine noch größere Fahne für Tenerife haben, einen Meter höher als die in Gran Canaria und nur ein Tröpfchen teurer, da fällt einem glatt das Haushaltsdefizit aus dem nicht mehr schließbaren Mund. - Soria applaudiert dazu und das zahlende Volk steht da wie ein begossener Pudel. - Gut, dass die Partido Popular auf La Palma nicht viel zu sagen hat, sonst hätte man den Roque de los Muchachos schon mit einer 3 Quadratkilometer großen Fahne eingekleidet, aber so ist das wohl, wer nichts mehr zu sagen hat, der setzt auf Symbole, je größer desto besser. - Dabei tun mir die vielen lokalen Räte Leid, die dieser Partei immer noch Glauben schenken, na ja, aber das könnten sie selber ändern.


Morgens auf La Palma
Manchmal lohnt es sich, früh aufzustehen.



Donnerstag 05.10.06 - 17:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 27 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 57 % Luftdruck 1023 hPa
Höchsttemperatur heute: 27,9 Grad, niedrigste Temperatur: 24,9 Grad

Moby Dick will sein Walrecht ausüben

Verzeihen Sie mir bitte, aber manchmal komme ich an Wortspielen einfach nicht vorbei. - Es geht natürlich um das kommunale Wahlrecht welches jedem EU Bürger zusteht, wo immer er auch seine Wurzeln neu ausgerichtet hat. - Allerdings machen die Wenigsten davon Gebrauch, schade eigentlich, dass sich so viele der Integration auf diese Art verweigern, man sollte das nicht nur als Recht betrachten, sondern auch als Pflicht. - Schließlich sind Wahlen die einzig verbleibenden demokratischen Mittel, unseren Segen oder unser Missfallen darüber auszudrücken, wer denn für uns 4 Jahre lang sprechen und arbeiten soll. So einfach kann man das lokal sehen, wir müssen uns nicht mit großpolitischen Themen beschäftigen sondern einfach damit, welche Nase der Local Heros uns am besten vertritt und sein Amt als Aufgabe betrachtet und nicht als Sprungbrett für höhere politische Lorbeeren.

Politisches Desinteresse ist kein Kavaliersdelikt sondern sorgt immer wieder dafür, dass platte Sprüche von Sonnenschein und Fortschritt den Etablierten und Satten einen Vorsprung verschaffen, buisiness as usual, weil zu viele Menschen das schweigend und nicht wählend hinnehmen. - Noch betreibe ich keinen Wahlkampf, das überlege ich mir noch, aber in diesen Tagen treffen die Faltbriefe des "Censo Electoral" bei allen gemeldeten Ausländern ein, die hier das kommunale Wahlrecht besitzen. - Nun kommt die schwere Aufgabe, diesen Brief zu öffnen aber dann steht es sogar auf Deutsch geschrieben, was man damit zu tun hat. Datum und Unterschrift und ab zur Post. Damit hat man noch nicht gewählt, aber den Wahlschein angefordert, der dann später gesondert kommt. - Wer diesen Faltbrief nicht erhält, der soll in den nächsten Tagen mal auf die Gemeinde gehen und nachfragen, ob er denn nicht im "Censo electorál" geführt wird, das kann schon mal vorkommen. Dafür sind die Gemeinden da und es ist noch ausreichend Zeit eine Eintragung in die Wählerlisten vorzunehmen. - Immerhin besitzen fast dreitausend Ausländer, meist Deutsche hier das kommunale Wahlrecht und nur ein Bruchteil davon übt dieses aus. - Da gibt es politische Gruppen hier, die freuen sich einen Reibach über solch mangelndes Interesse der Ausländer an ihrem Umfeld, das sollte man ändern. - Also weitersagen, Faltbriefe abschicken und nur wer wählt, darf hinterher auch meckern.



Donnerstag 05.10.06 - 07:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 25 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 37 % Luftdruck 1026 hPa

Gift gegen Gift

Ohne Frage, das Wasser auf La Palma ist von hervorragender Qualität, reinstes Mineralwasser welches da aus den Bergen fließt. - Das Problem liegt nur daran, wie bekomme ich dieses nasse Lebensmittel ins Haus. - Durch kilometerlange Leitungen fließt das Wasser und im privaten Bereich kümmert sich jeder selbst darum, dass seine Leitungen in Ordnung sind und die Auffangbehälter sauber. Garantiert erhält man dabei fast kalk und auf jeden Fall chlorfreies Wasser, bester Grundstoff für solch leckere Getränke wie Kaffee oder Tee. - Was sonst noch drin ist im Wasser, eventuelle Verschmutzungen die sich auf den vielen Kilometern Rohrleitung eingeschlichen haben, das bleibt außen vor, die private Wasserversorgung kennt kein Kontrollsystem. Allerdings haben sich unsere Verdauungsorgane längst an kleine Beiladungen gewöhnt, es soll ja sogar humanoide Lebensformen geben deren intestinale Organe Döner oder Hamburger ohne bleibende Schäden aufnehmen können.

Es gibt aber auch in den Gemeinden ein öffentliches Wassernetz, welches in den letzten zehn Jahren auch fast alle Haushalte erreicht. Da gelten andere Regeln, Kontrollen sind angesagt und das Wasser muss in vorgeschriebenen Mengen und Abständen gechlort werden. - Das schmeckt dann nicht mehr so gut, aber man wähnt sich auf der sicheren Seite. Wer ein Gewerbe betreibt, sei es Restauration oder auch nur Vermietung, der muss einen Gemeindewasseranschluss vorweisen, oder aber sein Privatwasser nach den gleichen Regeln kontrollieren und chloren. - Ob diese Kontrollen funktionieren, das merkt man spätestens dann, wenn irgend eine Unregelmäßigkeit auftaucht, so wie jetzt in Fuencaliente. Dort entdeckte man ein Bakterium in einem der Wasserspeicher, welches lässt man uns nicht wissen und handelte dann nach dem vorgeschriebenen Plan und erhöhte die Chlormenge. Nun ist aber Chlor auch ein Gift und so darf man seit Montag in Fuencaliente das Gemeindewasser nicht mehr als Trinkwasser nutzen, so lange bis keine Bakterien mehr zu finden sind und man die Chlormenge auf ein unbedenkliches Maß zurückschrauben kann. - Unangenehm für die Bevölkerung, aber immerhin, die Kontrollen scheinen zu funktionieren. - In Fuencaliente muss alles Trinkwasser von weit her in Rohren geleitet werden, wegen der erhöhten vulkanischen Gasemissionen ist das dortige Wasser kontaminiert und nicht zum menschlichen Konsum geeignet. Je länger die Leitung, um so größer die Probleme, das gilt nicht nur für Wasser.



Mittwoch 04.10.06 - 18:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 33 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 22 % Luftdruck 1026 hPa
Höchsttemperatur heute: 35,7 Grad, niedrigste Temperatur: 26,4 Grad

La Palmas Kommunalwahlkampf beginnt in Venezuela

So ganz richtig ist das nicht, denn unsere politische Nomenklatura befindet sich seit Monaten in hellem Aufregungszustand, vielleicht nur noch mit dem PMS (Prämenstruelles Syndrom) zu vergleichen. Eigentlich will man nur, dass alle einen in Ruhe lassen, aber das geht ja bei Politikern nicht und dann werden die so dünnhäutig und unleidlich, dass sich jeder Außenstehende nur erschrickt. - Dieses bekommen aber die vielen Wähler in Südamerika, meist in Venezuela gar nicht mit, da zählt nur der schöne Schein der Hochglanzbroschüren und man muss sich nicht in lokalem Hickhack verfangen, sondern kann ganz groß auf die Pauke hauen. - Es geht schließlich um fast 12.000 Wählerstimmen, also je nach Gemeinde zwischen 15 und knapp über 30% der wahlberechtigten Personen. - Sie stutzen jetzt mit Recht, warum wählen auf La Palma in kommunalen Wahlen Menschen, die gar nicht mehr präsent sind in den Gemeinden, sondern unter Umständen noch nie in ihrem Leben in der entsprechenden Ortschaft waren. - Wer die spanische Staatsbürgerschaft in der Fremde nicht abgibt, der behält nicht nur sein staatliches Wahlrecht, sondern auch das Kommunale, ganz im Gegensatz zu den Vereinbarungen innerhalb der Europäischen Union. Die letzte in Spanien gemeldete Gemeinde hat somit oftmals mehr Menschen im Wahlregister als Einwohner überhaupt. - Ein Zustand der bereits öfter mal kritisiert wurde, aber von keiner Partei jemals wirklich angegangen wurde. - Man fürchtet, wenn man in dem Topf herumwühlt und es nicht schafft, das Wahlgesetz zu ändern, dann bekommt man von den vielen Venezuelawählern nie mehr eine Stimme.

Die Palmeros im Ausland, oder auch Ex-Palmeros, man wird sein Leben lang nicht "exkommunalisiert" sind auf La Palma in vielen Fällen das Zünglein, oder besser Zunge an der Waage und haben häufig zu Mehrheiten in den Gemeindekorporationen geführt, die man eigentlich so hier nicht erwartet hätte. - Wer da in Venezuela die besten Kontakte hat, der gewinnt auch die meisten Wählerstimmen, aber nach jeder Wahl tauchen auch wieder viele "verdächtige" Stimmzettel auf, die eher den Eindruck vermitteln nicht von Individuen ausgefüllt worden zu sein, sondern von einer fiktiven Hand, die denen, welche die Wahlbescheinigung nicht erreicht hat, einfach mal die Arbeit abgenommen wird. - Beweisen konnte oder wollte man es nie, es betrifft wohl alle Parteien und da ist kein Handlungsdruck aufzubringen. Der "Censo Español de Residentes Ausentes" (CERA), also die Wählerliste der nicht anwesenden Einwohner, (man könnte auch nicht einwohnende Einwohner sagen) ist nicht nur für La Palma wichtig, auf den noch kleineren Inseln geht sogar der Witz um: Haben die in Venezuela schon gesagt, welchen Bürgermeister wir die nächsten vier Jahre bekommen?



Mittwoch 04.10.06 - 07:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 27 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 30 % Luftdruck 1024 hPa

Kurznachrichten

Aufgeschreckt durch das Presseecho hat der Bürgermeister von Fuencaliente sein Herz für die marine Schutzzone teilweise wiederentdeckt. Mehrfach hat ihn das Landwirtschaftsministerium aufgefordert den Sporthafen aus den lokalen Gemeindeplänen zu streichen, diese Einrichtung sei nicht kompatibel mit einer marinen Schutzzone. Nun will er einen "Hafen light", die Schutzzone aber auch behalten und versichert, sollte er sich zwischen Hafen und Schutzzone entscheiden müssen, dann würde er sich gegen den Hafen aussprechen. - Kleiner Tipp, ein bisschen schwul geht nicht.

Alle Welt hackt auf die Inselregierung ein, man würde die Winzer und Bodegas der Insel im Most stehen lassen. - Das Grundproblem der Marktwirtschaft, man muss nicht nur produzieren, sondern auch verkaufen schlägt mal wieder gnadenlos zu. Jahrelang hatte man die Winzer finanziell unterstützt, mehr Wein anzubauen und stillgelegte Flächen wieder zu reaktivieren und nun haben wir den Wein - und davon viel zu viel. - Weitergedacht, die Opposition fordert nun, die subventionierte Überproduktion durch weitere Subventionen zu verwalten, was immer das angesichts der bevorstehenden Kommunalwahlen heißen mag. Butterberge, Milchschwemme, Weinseen und ich kann nicht helfen. - Wann endlich kommt die bedrohliche Überproduktion von Gerstensaft und Whiskas?

Datenschutz ist Definitionssache. Ganz zart kamen ein paar Datenschützer jetzt auf den Gedanken, die Datensammelei unserer Gesundheitszentren sei zumindest bedenklich. - Wenn der Server läuft, dann kann theoretisch jeder Arzt und jede Sprechstundenhilfe auf die Krankenakten der Hälfte aller Palmeros zugreifen. - Ich sehe das nicht so dramatisch, eineinhalb Stunden gestern Abend bei Ramón, da ich wieder auf die Kinder warten musste, haben mir mehr Leiden und Krankengeschichten meiner Wartegenossen offenbart als der Arzt wohl weiß. Irgendjemand hat angefangen von seinem Blinddarm zu erzählen und im Laufe des Abends habe ich von Organen gehört, die ich so nie in einem menschlichen Körper vermutet hätte. - Konsequenter Datenschutz sieht so aus: Kommt ein Patient zum Arzt, der fragt, wo tut es denn weh und der Patient antwortet, das kann ich ihnen aus Datenschutzgründen nicht sagen. - Das wäre auch eine Möglichkeit der Gesundheitsreform.



Dienstag 03.10.06 - 18:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 34 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 29 % Luftdruck 1021 hPa
Höchsttemperatur heute: 34,1 Grad, niedrigste Temperatur: 22,4 Grad

Konterattacke des Azorenhochs sorgt für Calima

Auch beim Wetter interessiert mich oft die Frage, was wäre wenn? - Das ist natürlich nichts für Realisten oder anderen phantasie oder zeitlose Menschen, die auf solche Nachforschungen meist mit dem einfach strukturierten Satz antworten: Hätte meine Tante einen S..., dann wäre es mein Onkel. (Ich bin mir jetzt aber nicht ganz klar, welchen Artikel dann das Onkel hat) - Zurück zum Wetter und den verführerischen 34 Grad. Vorgestern noch drohte uns reichlich Ungemach seitens eines fetten und äußert feuchten Tiefruckgebietes, welches sich bis auf wenige hundert Kilometer an uns herangeschlichen hatte. - Das geht natürlich nur wenn das Azorenhoch nicht an seinem Platz ist oder derart schwächelt, dass jedes mittelmäßige Tief aus Westen dem Hoch ein Tief pfeifen kann. - Es hätte sogar noch schlimmer kommen können, ganz weit im Westen formierte sich gerade wieder ein hoffnungsvolles Hoch und es wäre nicht das erste Mal gewesen, dass ein aus Westen anreisendes Hoch ein Tief zwischen sich und dem afrikanischen Festland knebelt. Das würde tagelange und heftige Niederschläge für uns bedeuten, gerade das, was der Erholung suchende Mitteleuropäer an den Kanaren am allermeisten schätzt.

Das war das "was wäre wenn", aber da draußen hat sich ein wirklich formidables Hoch gebildet mit 1035 Hektopascal im Kern, also ein Hoch welches diesen Namen auch verdient. - Nun dreht sich dieser gewaltige Rotor wieder und hat es doch tatsächlich geschafft, das Tief westlich von uns nach Norden zu drücken und später wird dieses dann auch den angestammten Weg über die Biskaya an Mitteleuropa nehmen. - Wie lange das noch dauert, das warten wir noch mal ein bisschen ab, aber der Regen nächste Woche in Deutschland hätte auch für uns bestimmt sein können. - Denken Sie daran bei der Regenschirmwahl, vielleicht haben Sie ja einen mit den kanarischen Farben: Weiß, blau und gelb. - Bei uns bleibt es noch ein paar Tage sehr warm, die Luft die nun aus Nordosten zu uns kommt, die ist noch sehr warm, trocken und zum Teil kontinentalen Ursprungs aus Südeuropa und auch Nordafrika. Erst in zwei oder drei Tagen wird dann der Einfluss des feuchten atlantischen Ozeans und der Kühlstation Kanarenstrom wieder über unser Wetter bestimmen. - Der Wind wird deutlich auffrischen, das ist Tradition wenn sich der Passat nach längerem Ausgang wieder zurückmeldet. Gerne würde ich Ihnen das Geschilderte auch in Graphiken zeigen, aber man klaut keine fremden Tabellen und Bilder. Wen es interessiert: http://www.inm.es/web/infmet/modnum/hirlam.html, dann "Pasada" = 00 > "Nivel" = superficie > "Parámetro" = Presion > Alcance und dann kann man ab "00" das ist jetzt, bis in 48 Stunden in die meteorologische Zukunft blicken.



Dienstag 03.10.06 - 07:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 23 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 54 % Luftdruck 1018 hPa

Binter fliegt weiter nach La Gomera

Da hat man gerade noch mal die Kurve genommen, das war knapp. Die Ankündigung der Fluggesellschaft Binter Canarias ab dem 1. November unsere runde Nachbarinsel nicht mehr anzufliegen hat großes Echo und Empörung ausgelöst, schließlich hat man einen schmucken Flughafen und auch wenn dort im Durchschnitt nicht mal 50 Passagiere pro Tag landen und damit der Flugbetrieb nicht kostendeckend aufrecht zu erhalten ist, es geht weiter. - Seitens der Inselregierung erklärt man, der Flugbetrieb sei obligatorischer öffentlicher Passagierverkehr und könne nicht einfach eingestellt werden. - Nun kann man aber andererseits eine private Fluggesellschaft, auch wenn die Provinzregierung Anteile an der Binter hält, nicht dazu zwingen diese Strecken anzufliegen, man kann sie nur bitten, verhandeln und schließlich, denn wir reden hier von der Marktwirtschaft, dafür bezahlen, dass man den Flugbetrieb aufrecht erhält. - Mich freut es für La Gomera und besonders für die nun geretteten Arbeitsplätze.

Alegaciones, alegaciones. Es geht weiter, neben der allgemeinen Eingabe gegen den Flächennutzungsplan Breña Altas und damit gegen die Landreserve für die geplante "autovía" kann man nun auch noch einen Vordruck ausfüllen und gegen den Golfplatz der Gemeinde Einspruch erheben. "El colectivo de vecinos afectados" hat mit Hilfe der "La Centinela - Ecologistas en Acción" ein Schriftstück ausgearbeitet, in dem explizit auf die negativen Folgen dieser Einrichtung hingewiesen wird und hofft so auch auf breite Beteiligung der Insulaner, um einen weiteren unnötigen Brocken touristischer Infrastruktur zu verhindern, welcher La Palma Stück für Stück zu einer austauschbaren Kopie anderer Destinationen machen würde. - Abgabefrist ist auch der kommende Donnerstag, 5.10. im Rathaus von Breña Alta, der Vordruck kostet nichts, allerdings muss man wieder mit den berühmten 75,- Cent Gemeindegebühren rechnen um seinem Protest auch die notwendige Kostenmarke zu verleihen. - Wer nun glaubt, wir wären immer gegen alles, dem sei nur knapp gesagt, wir sind für die Zukunft La Palmas und das nachhaltiger als die Pläne der Inselregierung. - La Palma hat keine Zukunft als austauschbares Zielgebiet in dem die Reiseveranstalter mit ihren Preisvorstellungen den Markt diktieren und touristische Destinationen wie bei Ebay gegenseitig in den Preiskampf treten müssen. - La Palma hat einzig eine touristische Chance als wirkliches alternatives Ziel und nicht als Kopie anderer Gebiete, die bereits jetzt den Preiskampf gegenüber Billigdestinationen zu verlieren scheinen. HIER kann man sich die "Alegación" gegen den Golfplatz in Breña Alta herunterladen. (Word-Dokument) An weiteren Alegaciones, gegen die Bichos negros und eventuelles schlechtes Wetter arbeiten wir mit Hochdruck...



Montag 02.10.06 - 19:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 27 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 69 % Luftdruck 1014 hPa
Höchsttemperatur heute: 29,0 Grad, niedrigste Temperatur: 20,4 Grad

Arbeitswandern

Es gibt Arbeitsessen, Arbeitsurlaub und eben auch Arbeitswandern. - Das käme dem geneigten WandersmannFrau natürlich nie in den Sinn, dass Wandern auf den über 1.000 Kilometern ausgewiesener Wanderwege auf La Palma zur Arbeit ausufern könnte. - Wobei, manchmal hat man schon den Eindruck, dass es da "Zugeständniswanderungen" gibt, nach dem Motto, heute gehe ich mit dir in die Berge, dafür ist morgen Strandtag oder "capitalines Shoppen" in der Hauptstadt. - Die Wanderwege müssen aber auch gepflegt werden, Steine aus dem Korridor geräumt und hier und da ist eine Balustrade zu ersetzen oder der Weg aufzufüllen. - Das hat prinzipiell etwas mit der Sicherheit der Wanderwege zu tun, aber auch mit der so notwendigen und immer noch verbesserungswürdigen Ausschilderung der Wege. - Allerdings hat sich da bereits vor Jahren schon kräftig was getan, dennoch merke ich immer wieder an der Unsicherheit mancher Gäste, dass da auch noch Handlungsbedarf besteht. Wir empfehlen für La Palma wunderbar die Karte vom Freytag & Berndt Verlag, die kann sowohl als Wander-, wie auch als Straßenkarte genutzt werden. - Die Karte gibt es inzwischen auch hier auf La Palma zu kaufen.

Was in Mitteleuropa etwa der Alpenverein darstellt, das macht hier die "Federación Canaria de Montañismo" und genau die werden in den nächsten vier Monaten alle Wanderwege abschreiten um diesen die Absolution per pedes zu verleihen. - Was nicht in Ordnung ist, das wird bei Kleinigkeiten sofort erledigt, sind größere Arbeiten zu machen dann wird das an den Rat des Umweltamtes hier auf La Palma weitergegeben, der dann die entsprechenden Mittel veranlasst. - Erfreulich ist dabei zu bemerken, dass man neben allen hochtrabenden Plänen, die eigentlich so gar nicht richtig zu unserer kleinen Insel und unseren Möglichkeiten passen, die wirklichen "Hochlichter" des touristischen Flairs dieser Insel nicht gänzlich aus den Augen verliert. - Mit den geplanten Herbergen, vier an der Zahl, an den größten unserer Routen gelegen tut man ein weiteres um dem eigentlichen La Palma Publikum einen Dienst zu erweisen. - Es geht doch...


Wandern auf La Palma



Montag 02.10.06 - 07:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 21 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 64 % Luftdruck 1014 hPa

Spätschicht und traumhafte Einsichten

Die nationalen Meteorologen haben wieder mal Recht gehabt, kein Schauerband hat uns erreicht, obwohl gestern Abend erneut Linsen über der Punta de los Roques standen und man nachts auf dem Meer, allerdings weit im Westen noch Wetterleuchten wahrnehmen konnte. - Das war gut so, fängt doch jetzt die Jahreszeit der Spätschichten wieder an, viele Gäste buchen wegen der horrenden Flugpreise im Charterverkehr nach La Palma lieber über Tenerife oder Gran Canaria und kommen dann mit den interinsularen Flüge, oft mit der letzten Maschine an. Dann sind alle bereits müde, auch ich, wenn man gegen 22:30 Uhr die Gäste begrüßt und wenn es dabei regnet, dann ist das mindestens kontraproduktiv, meist sogar suboptimal. - Gestern Abend hatte ich noch Zeit mit einem Gast ein bisschen zu reden, wir mussten auf weitere Gäste warten, die noch auf dem Weg vom Flughafen zu uns waren. Ein erstaunliches Gespräch entwickelte sich daraus und ich frage mich nun, ob denn das wirklich alles so einfach von außen zu durchschauen ist.

Der Gast war wohl vor 10 Jahren das letzte Mal auf La Palma und wollte sofort von mir wissen, was das denn am Flughafen wird. - Das wird ein kompletter Neubau, um die 130 Millionen Euro kostet das, dann können wir 3 Millionen Fluggäste abfertigen und in 3 - 4 Jahren ist das Ganze fertig. - Ob das denn nötig sei wollte er noch wissen, das konnte ich nicht wirklich bejahen und ob es denn auch auf La Palma so etwas wie öffentlichen und privaten Gelddruck gäbe, da musste ich erst Mal nachfragen was er damit meinte. - Es ist einfach zu viel Geld unterwegs welches untergebracht werden muss und so erstelle man in ganz Mitteleuropa fragwürdige Projekte, die eigentlich nicht notwendig sind, nur um zu investieren. Dabei spielen Faktoren wie Rendite und Rentabilität eine untergeordnete Rolle, das Geld muss von der Straße, koste es was es wolle. - Ob wir denn hier nicht auch so etwas haben, wollte er erneut von mir wissen, oder ob man La Palma als Sparbüchse noch nicht entdeckt hätte. - Selbst wenn es schon spät war und ich eigentlich nur noch den süßen Duft meines Kopfkissens ersehnte, da muss man nur eins und mehrere zusammenzählen, es sieht bei uns nicht anders aus. - Öffentlicher Gelddruck, weil sonst Zuschüsse verloren gehen, siehe Flughafen und Autobahn und natürlich die ganzen privaten Investitionen die nun als ökonomisches Wundermittel für La Palma angepriesen werden wie die Sporthäfen, Golfplätze und Luxushotels, die nur mit dem ganz heißen Rechenschieber in die Gewinnzone manipuliert werden können. - Na herzlich Willkommen im Club meinte er noch, da kommt ja noch einiges auf euch zu und schaut bloß, dass ihr auch was von dem vielen Geld abbekommt. - 10 Minuten Gespräch, völlig unbekannter Mensch, klare, wenn auch nicht besonders aufmunternde Analyse, habe schlecht geschlafen heute. - Ist das wirklich alles so einfach und jeder der denkt, man könnte etwas ändern, längst ein abgehalfterter Caballero aus der La Mancha der gegen Golfmühlen kämpft? - Na ja, vorhin um kurz vor sechs habe ich in den Spiegel gesehen, da fehlt nicht mehr viel. - Kein Wunder bei dem Traum: Ich ritt auf Paul durch die ausgetrocknete Landschaft der kastilischen Hochebene, nur bewaffnet mit einem Golfschläger...



Sonntag 01.10.06 - 18:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 26 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 67 % Luftdruck 1012 hPa
Höchsttemperatur heute: 26,8 Grad, niedrigste Temperatur: 18,2 Grad

National oder Global

Keine Angst, keine Globalisierungsstandpauke folgt nun, ich bin immer nur einmal am Tag böse. - Es geht um das Wetter und dieses enorm fette und regenreiche Tief welches sich keine 500 Kilometer entfernt von uns im Kreise dreht. - Dort liegt es schon eine ganze Weile und kann sich gar nicht so richtig entscheiden, wohin des Weges. Grund dafür ist ein starkes Hoch sehr weit nordwestlich von uns, welches wohl mal in ein paar Tagen ein Azorenhoch werden soll. Das versperrt nun dem Tief seinen normalen Weg gen Nordosten und so regnet es schmollend den Atlantik nass. Allerdings ist es so nah, dass jegliche Instabilität uns doch noch den ersten Herbst/Winterregen bescheren könnte. - Da unterscheiden sich nun das nationale Wetteramt und das Global Forecast System deutlich in ihren Berechnungen, laut GFS wird uns heute Nacht eine Schauerfront erreichen, laut INM, Instituto Nacional de Meteorología nicht und nun kann man würfeln was denn passieren wird. Insgesamt muss man aber sagen, dass die nationalen Meteorologen in letzter Zeit wieder die Nase vorne hatten, nachdem man beim Durchzug des Hurrikans "Delta" so ziemlich peinlich daneben gelegen hatte. - Heute Morgen glaubten wir eine "Linse" (Altocumulus lenticularis) über dem Birigoyo gesehen haben, aber die war so flüchtig, dass man sich wohl nicht wirklich darauf stützen kann, diese Wolken als endgültigen Regenanzeiger verwenden zu können. - Sonst ist das so, ist die "Linse" erst da, meist über dem Birigoyo oder dem Massiv Bejenado/Punta de Las Roques, regnet es Stunden später mit Gewissheit. In Ermangelung irgendwelcher Kriegsverletzungen kann ich mich auch nicht auf das Kratzen oder Jucken von Körperteilen verlassen, es bleibt also spannend die nächsten Stunden. - National oder Global, wer behält Recht?


Altocumulus lenticularis über La Palma



Sonntag 01.10.06 - 10:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 20 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 64 % Luftdruck 1015 hPa

Fuencaliente, ein Bürgermeister sieht rot

Vielleicht hätte man auch Geld sagen können. Anders ist es kaum zu erklären, dass man in der kleinen Gemeinde an der Südspitze, die bereits mehr Hotelbetten hat als Einwohner nun noch einen Golfplatz haben will und als krönendes Kompott einen Sporthafen in der marinen Schutzzone. Sollte das Projekt des Sporthafens durchgesetzt werden, dann droht das Landwirtschaftsministerium damit die Schutzzone aufzuheben, mit ungeahnten Folgen für die gesamte Meeresfauna und Flora an der Westküste der Insel. - Ganz abgesehen davon, dass irgendwann uns die UNESCO wohl mal auf die Finger sehen will, was wir denn mit unserer Weltbiosphäre machen, wo sollen denn die ganzen Schiffe herkommen die dann in den vielen Sporthäfen der Insel ihren Ankerplatz suchen. Breña Baja plant auch gerade Einen, Puerto de Tazacorte wartet auch und in der Hauptstadt will man sogar zwei Neue anlegen, obwohl man bereits Einen hat. - Die Großmannssucht oder der Profilierungswille einiger unserer Gemeindefürsten nimmt nun mit den Flächennutzungsplänen und dem touristischen Sonderplan geradezu groteske Züge an. - Es ist nicht nur kurzsichtig mit, ich weiß gar nicht wie vielen neuen Sporthäfen, sich gegenseitig Konkurrenz zu machen, es ist einfach gefährlich. Das gleiche gilt für den absoluten Wahnsinn auf La Palma gleich 4 Golfplätze zu installieren anstatt, wenn es denn unbedingt sein muss, mit einer Einrichtung dieses Genres anzufangen.

Vielleicht erreicht man aber damit, angesichts der nahen Kommunalwahlen endlich das Ende des Gemeindefürstentums auf La Palma, hier fast verniedlichend "Caciquismo" genannt. - Allerdings stellt sich Pedro Nolasco, der Bürgermeister von Fuencaliente gar nicht mehr zur Wiederwahl, warum man dann aber solche Entscheidungen, die unwiderruflich das Landschaftsbild der Insel und der Küste verändern nicht Leuten überlässt, die das dann später politisch auch vertreten müssen, das wird er uns wohl nicht beantworten. - Dreimal hat man nun den Bürgermeister aufgefordert, das Projekt schriftlich zurück zu ziehen, man wartet seitens des Ministeriums immer noch auf eine Antwort. - Etwas ähnliches geschieht in Los Llanos, da schweigt allerdings der Bürgermeister nicht und sieht kein Problem dabei einen Golfplatz teilweise in ein Landschaftsschutzgebiet zu legen. Das geht ganz einfach, wird der touristische Sonderplan (PTE) mit allen seinen Änderungen vor dem Inkrafttreten des lokalen Flächennutzungsplanes der Gemeinde verabschiedet, in dem dann das Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen ist, dann kommt zuerst der Golfplatz und dann der Landschaftsschutz. - Da wollte ich doch einen gemütlichen Sonntag verbringen und kann keinen Tag ohne solche neuerlichen Meldungen genießen, da werkeln ein paar wenige Köpfe hart an der Zukunft dieser Insel, die so dann keine mehr hat. - Neu ist dabei eines zu bemerken, es läuft nicht mehr im Stillen und Geheimen ab, die Zeitung "Diario de Avisos", anders als "El Día", rückt momentan aus dem bedrohlichen berlusconischen Schweigen heraus. - Ob das Hoffnung heißt oder später Fatalismus, das kann ich noch nicht beurteilen. Noch sieben Monate bis zur Kommunalwahl, mal sehen was die Caciques bis dahin noch alles an Porzellan zerschmeißen.





Familie Ingrid & Mathias Siebold
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La Palma, Islas Canarias, Spanien
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Kanarische Ferienhäuser auf La Palma