La Palma Aktuell
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Nachrichtenarchiv November 2007


Freitag 30.11.07 - 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 22 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 61 % Luftdruck 1016 hPa
Höchsttemperatur heute 22,8 Grad - niedrigste Temperatur 14,7 Grad

Betten oder Bananen

La Palma hat so lange Erfahrung mit Monokulturen und sich der daraus ergebenen Abhängigkeiten, dass wir bereits einen gewissen Fatalismus besitzen. - Dieser schützt uns wunderbar vor Angst vor morgen, aber dennoch müssen wir hart daran arbeiten, wie denn die weitere wirtschaftliche Zukunft dieser Insel aussehen kann. - Eigentlich klingt alles erst mal ganz einfach, wir müssen ein zweites, besser noch drittes oder gar viertes Standbein aufbauen, um endlich unsere komplette Abhängigkeit von der Bananenproduktion zu verlieren. - Wir können uns leider nicht mehr darauf verlassen, dass die kleine gelbe Frucht uns auch weiterhin so viel Freude macht, der Globalisierungswettkampf kann uns da einen deutlichen Strich durch die Banane machen. - Also überlegen wir, was kann man denn sonst noch auf La Palma machen und da wir eine Kanarische Insel sind, fällt uns natürlich auch sofort der Tourismus ein. - Keine Frage, der Tourismus ist ein hervorragendes Mittel unsere Abhängigkeit von der Monokultur Banane zu lindern, auf keinen Fall darf man aber davon ausgehen, der Tourismus könnte die Landwirtschaft hier auf La Palma ersetzen, oder gar unnötig machen. Wir müssen also ganz genau hinsehen, wie weit wir uns nun touristisch aus dem Fenster lehnen wollen, spätestens seit Paracelsus wissen wir ja, dass alleine die Dosis dafür verantwortlich ist, ab wann etwas beginnt schädlich zu werden. - Seit dem der neue Flughafen uns direkt mit Mitteleuropa verbindet, hat sich ja ein spürbares Gästeaufkommen entwickelt, ohne dass man leitend oder planend eingegriffen hätte, die bisschen andere Insel als Tenerife und Gran Canaria, das zog allein bereits Gäste an. - Ganz andere Urlauber als auf unseren Nachbarinseln. Um La Palma zu besuchen musste man immer ein bisschen aktiver sein, sich selbst um Informationen bemühen und vielleicht sogar der Reisebürofachfrau noch mal den Unterschied zwischen Las Palmas und La Palma erklären.

Wir waren - nein - wir sind ein alternatives touristisches Ziel, welches all die Gäste ansprechen kann, die keinen Urlaub von der Stange wollen, sondern selbst mitgestalten, wie denn ihre "schönste Zeit des Jahres" aussehen soll. Wer nach La Palma fährt, der orientiert sich (noch) nach der Insel und deren Möglichkeiten und nicht nur nach der touristischen Infrastruktur, die man inzwischen so zusammenfassen kann: Wie gut und billig ist das Hotel, wie viel muss ich zum "All inklusive" noch zuzahlen, gibt es auch ein Wellness-Angebot und ist das Wetter da wirklich immer schön und droht kein terroristischer Anschlag? - Wo man letztendlich hinfährt, Türkei, Griechenland, Marokko oder Spanien, das steht längst im Hintergrund für den vielgereisten Pauschaltouristen, er hat, so behauptet es die Werbung zumindest, Anrecht auf billigen Urlaub, wo immer es auf der Welt denn sein mag. - Das bedeutet für die Regionen, welche um diese Gäste buhlen, dass man sich nach einem bestimmten Standard richten muss, der ziemlich schnell sein Kleidchen ändern kann und wer dann da nicht mehr mitmacht, der hat bereits verloren. - Wir müssen nur ein paar hundert Kilometer weiter nach Osten sehen, da baut man an den Traumstränden Marokkos zahlreiche Hotelanlagen, allerfeinste Qualität, Golf und alles was anscheinend sein muss auch mit dabei. Investoren sind übrigens auch kanarische Hoteliers, die längst wissen, wo der globalisierte Hase lang läuft, nämlich immer in die Region, wo die billigeren Arbeitskräfte sind und keine umweltbesorgten Gutmenschen doch tatsächlich Landschaft schöner finden als Beton. - Leider gibt es bei uns die Bestrebungen, anstatt auf alternativen Tourismus zu setzen, die Fähnchen nach genau diesem konventionellen Tourismus auszurichten und beachtet dabei einfach nicht, welche Folgen das für uns als Insel und Region haben kann. - Zumal im konventionellen Tourismus nur noch das Preisfähnchen alleine im Wind weht, wer sich anderen angleicht, der macht sich vergleichbar und wenn dann die Konkurrenz plötzlich aus Billiglohnländern den Preis diktiert, dann können wir nicht mehr mithalten. - Kombiniert man so etwas noch mit einem Überangebot an Betten, dann ist die Spirale nach unten vorprogrammiert.

Auch für die vielen versprochenen Arbeitsplätze, welche man aus den vielen neuen Hotels und Golfplätzen gewinnen will, sieht das nicht anders aus. Es bleiben wenige gut bezahlte Stellen, welche meist von konzerneigenen Kräften besetzt werden und die breite Masse an Arbeitsplätzen wird zwangsläufig dann mit Immigranten aus Ländern mit geringerem Lohnniveau besetzt, ganz einfach, weil wir hier nicht so billig arbeiten können. - Das ist keine Schwarzmalerei, es geschah und geschieht längst auf den andern Kanaren, die jede neue Anforderung der Preisspirale nach unten mitmachen müssen, um überhaupt noch genügend Gäste zu erhalten. - Es ist schwer zu verstehen, warum wir uns in dieser Situation nicht ganz eindeutig auf die eigenen Vorteile besinnen und unsere touristischen Bestrebungen auf ein komplett alternatives Angebot ausrichten. - Es ist noch unverständlicher, wenn man sogar weiß, dass auch die Reiseveranstalter immer auf der Suche nach Lücken im abgegrasten Geschäft des Massentourismus sind, der breite Preiskampf in allen Segmenten macht die Veranstalter sehr hellhörig für neue und gute Ideen, die eben noch nicht auf der "Geiz ist geil" Schlachtbank liegen. - Warum wir dann so heftig versuchen, die Fehler anderer zu kopieren, das ist nur durch Mutlosigkeit zu erklären, oder deutlich schärfer, so wie es viele Umweltschützer vermuten: Nur am Komplex Tourismus-Bauwirtschaft gäbe es die Möglichkeit, für Entscheidungsträger mit zu verdienen. - Wirklich mutig wäre, vielleicht sogar schon visionär, genau mit dem Gegenteil von internationalem touristischen Standards zu werben, wir sind wir, wir sind und bleiben es auch und wenn jemand daran Interesse hat, dieses schrullige und aufmüpfige Völkchen, mitsamt seiner schroffen Vulkaninsel zu besuchen, dann sei er bestens willkommen. - Das hört sich erst mal nach Steinzeit und Rückständigkeit an, ist es aber nicht, sondern wäre eine Möglichkeit für uns und mit unseren Mitteln Tourismus zu betreiben, der nicht von der Insel und seinen Bewohnern verlangt, sich komplett zu verändern und den momentanen Standards anzugleichen. - Betten statt Bananen, das kann keine Zukunftslösung sein, es sei denn, man erfindet irgendwann seitens der geliebten Europäischen Union eine "Abschaffungsprämie" für leer stehende Hotelbetten. - Lachen Sie nicht, es gibt längst Stilllegungsprämien in der Landwirtschaft und vielleicht wissen unsere Planer ja mehr als wir und man arbeitet zielgerichtet darauf hin. - Wie sieht das dann mit den Golfplätzen aus, gibt es dann da eine Umwandlungsprämie wenn man einen Kartoffelacker daraus macht? - Gott, oder wer auch immer, schütze die Bananen, sorgen die kleinen gelben Früchte doch noch dafür, dass wir Tourismus machen dürfen und nicht machen müssen.



Freitag 30.11.07 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 15 Grad, Niederschlag 0,5 mm Luftfeuchte 73 % Luftdruck 1014 hPa

Spiele für echte Männer

Jede Gemeinde hier hat "ihr" Fest und oft kann man das Ausmaß eines solchen Spektakels auch daran erkenne, dass dieses nicht jedes Jahr stattfindet. - Was für die Hauptstadt die Prozession und der Besuch der "Virgen de las Nieves" ist, das stellt für die Nordost-Gemeinde Barlovento das Schauspiel "La Batalla de Lepanto" dar. - Da in Barlovento sowieso alles anderes ist als auf dem Rest der Insel, findet dieses Fest mal in Abständen von zwei und mal in drei Jahren statt. - Die berühmte Lepanto-Schlacht gilt bei vielen Historikern als Rettung des Abendlandes vor dem Islam, als die Schiffe der "Heiligen Liga" unter Juan de Austria den muselmanischen Admiral Ali-Pascha und seine Übermacht im Oktober 1571 bei den Ionischen Inseln vernichtend schlug. - Die Folgen aus dieser Schlacht überlassen wir mal den Geschichtsschreibern und da gibt es sehr unterschiedliche Deutungen, da es nicht nur Historiker gibt die von links nach rechts schreiben, sondern auch solche, die das von oben nach unten tun. - Die Frage kommt nun auf, wie kommt man nun in einer ländlich geprägten Gemeinde darauf die Seeschlacht von Lepanto nachzuspielen, ein paar tausend Kilometer entfernt vom eigentlichen Geschehen.

Auch da hilft uns wieder die Kirchengeschichte, wie so oft auf dieser frommen Insel. Die Virgen de Rosario war die Schutzpatronin der Flotte unter Juan de Austria, extra von Papst Pius V dazu auserkoren, gleichzeitig ist aber diese Jungfrau im Nebenberuf auch noch für die Gemeinde Barlovento zuständig. - Aus dieser Doppelbelastung heraus entstand der Wunsch der Barloventeros ihre Patronin und die Helden von Lepanto zu ehren, in dem man diese Schlacht alle paar Jahre nachspielt. - Das ist übrigens nicht nur in Barlovento so, sondern auch noch in anderen Gemeinden auf dem spanischen Festland, aber auf den Kanaren sind wir da die Einzigen welche solch ein Spektakel aufführen. - Bei uns heißt dieses Fest "Moros y Cristianos" und wird von den Einwohnern der kleinen Gemeinde wirklich mit großem Eifer nachgespielt. Wer Barlovento, diese friedliche und liebenswerte Gemeinde im extremen Nordosten der Insel kennt, der wundert sich schon gewaltig, was da in den späten Augusttagen alle zwei oder drei Jahre los ist. - Nun soll alles noch viel größer werden und besser, aber dann fehlt es ganz schnell an Personal, denn nicht wirklich viele Einwohner haben neben ihrer Arbeit noch Zeit und Lust an den vielen Übungen zu diesem Fest teilzunehmen, schließlich braucht so eine Schlacht reichlich Soldaten. - Nun will man die Rekruten aus dem Ausbildungslager nahe der Hauptstadt dazu begeistern in der Seeschlacht von Barlovento mitzumachen und geht es nach dem Chef der Kaserne, dann sind die Soldaten nächstes Mal dabei. - Das wäre übrigens ein Novum, weil sonst eigentlich nur Bewohner der Gemeinde dieses Spektakel aufführen, aber wenn man so richtig ranklotzen will, dann kann man sich doch schon mal "Söldner" leisten und die gelangweilten Rekruten können endlich mal Krieg spielen. - Ein bisschen gemein ist das schon, diese Schlacht immer wieder nachzuspielen, denn der Ausgang ist ja immer der gleiche. - Noch hat man keinen Ali-Pascha-Darsteller gefunden, der die nachgespielte Seeschlacht mal gewinnt. - An was das wohl liegt... Die nächste Auflage der Rettung des Abendlandes findet im August 2008 statt, Sie können sich das ja schon mal in Ihrem Urlaubskalender markieren. - Ein paar Bilder aus Barlovento aus dem Jahr 2005 gibt es HIER.


moros y cristianos La Palma Barlovento



Donnerstag 29.11.07 - 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad, Niederschlag 0,5 mm Luftfeuchte 62 % Luftdruck 1014 hPa
Höchsttemperatur heute 19,1 Grad - niedrigste Temperatur 14,7 Grad

Keiner will sie haben

Die Kehrseite einer modernen Individualgesellschaft ist hier auf La Palma eigentlich noch nicht so sehr sichtbar, die meisten Familienbande halten meist noch. - Das ändert sich aber schnell und nun warnen auch Organisationen und Psychologen davor, dass mit der Auflösung der Großfamilie ganz neue Anforderungen an soziale und öffentliche Dienste gestellt werden. - Bedenklicher Anlass zu dieser nun breit gewordenen Diskussion ist der Fall einer 87 jährigen Frau, die seit nunmehr 4 Jahren im Inselkrankenhaus wohnt, obwohl sie bereits im Jahr 2003 entlassen wurde. - Es gibt einfach keinen Platz wo sie hin kann, die inzwischen an Altersdemenz leidende Frau hat kein zuhause in dem sie aufgenommen werden kann und auch keine öffentliche Anstalt oder Altersheim will sie haben. - Dabei hat die Frau wohl Familie, aber nur einen Onkel und eine Schwester gibt es hier noch auf La Palma, die beide auch über 80 Jahre alt sind und so die Pflege der Frau nicht übernehmen können. Der Rest der Angehörigen, eben die jüngeren also in der Lage wären sich um die Frau zu kümmern, wohnen weit weg auf dem spanischen Festland verstreut und können so auch nicht eingreifen. - Es gibt zwar die Klinik "Hospital de Los Dolores" in dem man chronisch Kranke aufnimmt, aber man will seitens der Klinikleitung auf jeden Fall verhindern, dass man zum Altersheim mutiert.

Inselkrankenhaus und die Angehörigen selbst haben bereits mehrfach versucht, einen Platz dort für die alte Dame zu ergattern, dort will man sie aber nicht aufnehmen, sie sei keine chronisch Kranke Person, sondern schlicht weg alt und deshalb gehöre sie in ein Altersheim. - Wir haben aber keine Altersheime in denen Menschen rund um die Uhr betreut werden können, sondern nur Tagesheime und haben uns bislang erfolgreich darauf verlassen, dass die Familien diesen Pflegeteil gerne übernehmen. - Das wird in Zukunft nicht ausreichen, denn solche Fälle werden sich sicherlich häufen in den nächsten Jahren, auch hier werden ältere Menschen durch die Auflösung der Großfamilien zu "Überbleibseln" der modernen Individualgesellschaft. - Als Lösung steht das alte Krankenhaus bei Las Nieves da, die Idee, sogar schon ein Projekt für ein Altersheim liegt seit Jahren auf dem Tisch, aber alles was Kosten verursacht und kein glänzendes Prestigeobjekt mit Monumentalcharakter ist, das wird auf die Bank geschoben, auf die lange. - In der öffentlichen Diskussion schiebt man die Schuld um den 4 Jahre langen Aufenthalt in Krankenhaus dieser Frau noch der "bösen" Familie in die Schuhe, die hätten sich um sie zu kümmern, das sei immer so gewesen und so solle es weiter sein. - Schön wäre das schon, wird aber wohl ein frommer Wunsch bleiben, es gibt heute schon genügend Fälle, in denen durch Nachbarschaftshilfe oder die ambulanten Pflegedienste der Gemeinden diese älteren Menschen noch aufgefangen werden, aber das wird bald nicht mehr ausreichen und dann sollten wir gewappnet sein für die Senioren, die man hier auf La Palma alleine hat sitzen lassen. - Das bitte ist keine Schuldzuweisung, sondern ein ganz normaler Vorgang in unserer sich verändernden Gesellschaftsordnung, in der die häusliche Pflege des familiären Altenteils im Haus keinen Platz mehr hat. - Natürlich kein La Palma spezifisches Problem, eher im Gegenteil, aber auch wir werden modern, mit allen Vor- und Nachteilen.

Hier noch ein Veranstaltungshinweis für El Paso. - Im Moment finden die VI. Umwelttage statt auf denen es reichlich Vorträge und Kurse gibt. - Als kleiner Auszug, was vielleicht für Gäste und hiesige Deutschsprachler interessant wäre: Bis Samstag noch die Bonsai-Ausstellung in der Tourismus-Information. - Am Samstag dann um 19:00 Uhr Kurs zur Bestimmung von Speisepilzen in der Casa de la Cultura, man sollte sich aber unter 649 99 68 21 vorher anmelden. - Um 20:00 Uhr wird dann erstmalig auf La Palma der Dokumentarfilm "7 Cimas Para 7 Islas " aufgeführt, von Juan Diego Amador. - Auch in der Casa de la Cultura.





Donnerstag 29.11.07 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 15 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 70 % Luftdruck 1015 hPa

Meckern vorab

Gut, immerhin haben wir bereits Ende November, aber ich halte es dennoch für etwas verfrüht, bereits jetzt über das schlechte Weihnachtsgeschäft zu meckern. - Die beiden Sprecher der Einzelhandelsverbände aus Los Llanos und Santa Cruz würden sich sehr zufrieden zeigen, wenn man das Vorjahresergebnis erreichen könnte, so vorsichtig ist man geworden dieses Jahr. - Allgemeine Teuerung, steigende Hypotheken und zunehmend die Konkurrenz aus dem Versandgeschäft, auch über das Internet stehen als Störfaktoren den lokalen Einzelhändler gegenüber. - Und dann natürlich der besondere Feind jedes inseleigenen Geschäftes: Tenerife. - Das tut unseren wackeren Geschäftsleuten immer wieder am meisten weh, die kauflustigen Karawanen von Palmeros auf die Fährschiffe gehen zu sehen, um sich auf der Mutter aller Inseln mit Waren bis weit über die Notwendigkeitsgrenze einzudecken. In der Tat gehört dieser Treck der untreuen Konsumenten fast schon traditionell zur Vorweihnachtszeit, ganze Familienausflüge werden da unternommen, um im "Bermudadreieck" der Haushaltskasse seine engmaschigen Netze zu werfen. - Da locken "Ikea" "Toys"R"us" und diese mächtige Hallen des "Alcampo" Supermarktes, alle ganz nah beieinander und bringen die dem Palmero sonst angeborene Kaufhemmung völlig durcheinander. Da wird dann gekauft was die Börse hergibt oder der Kleinkredit für Weihnachten und zuhause auf La Palma muss der arme Einzelhändler darben…

Das ist natürlich leicht übertrieben, denn daran haben wir uns längst gewöhnt an diese Konkurrenz, aber wirklich träumen hiesige "Tandler" schon mal vor einem Streik der beiden Reedereien in der Vorweihnachtszeit. - Da wir keine Lokführer auf La Palma haben, aus ganz verständlichen Gründen, nicht etwa weil wir was gegen die hätten, ruhen unsere Stillstandshoffnungen halt auf dem Sektor Schifffahrt und Flugverkehr. - Ein weiterer, ganz wichtiger Faktor für das Gelingen des Weihnachtsgeschäftes ist auch die Auszahlung der Hilfen für die Bananenbauern. - Da erwartet man in den nächsten Tagen die erste Zahlung für dieses Jahr, was dann einen enormen Aufschwung für die Umsätze bringen würde. - Wo auch immer man sich dreht, oder steht auf La Palma, die Bananen sind dabei. Diese Abhängigkeit ist immerzu spürbar und auch wer nun nicht ein Familienmitglied hat, das direkt von den Bananen lebt, dann arbeitet es doch in einem Laden oder Geschäft, welches auch wieder mehr oder weniger Kunden hat, je nachdem, wie es mit den Bananen läuft. - Los Llanos und Santa Cruz haben natürlich auch noch dieses "Berührungsproblem", Autofahrer meiden diese beiden Städte gerne wegen der fehlenden Parkplätze und das stört das Weihnachtsgeschäft dann doch deutlich. - Gut, Los Llanos hat extra Plätze für diese "Jahreszeit" angelegt, aber dennoch bedeutet zu den Haupteinkaufszeiten eine Fahrt in die Westseitenmetropole enormen Stress für den Fahrzeuglenker. - Da dieser, in unserer patriarchalischen Welt auch meistens mit dem Hintern noch auf der Geldbörse sitzt, kann das zu unschönen Einbrüchen im vorweihnachtlichen Einzelhandelsumsatz führen. - Da immer noch mein Vorschlag: - Abholung von zuhause per Taxi, man fährt uns in die Innenstadt, deponiert mich in einer Cafetería mit Zeitungen oder passablen Gesprächspartnern (gleich gesinnte Konsumagnostiker) und meine Frauen erledigen derweil die notwendigen Einkäufe. Dann werden wir allesamt wieder abgeholt und zurück in die Pampa gefahren. - Gegenvorschlag, ich bleibe gleich zuhause, meine Frauen fahren alleine und ich huldige dann später, viel später auch den reichlichen und bunten Dingen, welche meine Familie im selbstlosen Einsatz für den Not leidenden Einzelhandel dieser Insel erworben haben. - Glauben Sie mir, an meinen Frauen liegt es nicht, dass die Einzelhändler bereits meckern, noch bevor der Kuchen überhaupt angeschnitten ist. - Kauft Leute, kauft: Ihr seid die Konjunktur!



Mittwoch 28.11.07 - 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 69 % Luftdruck 1016 hPa
Höchsttemperatur heute 20,5 Grad - niedrigste Temperatur 13,3 Grad

Tenerife ist nicht La Palma

Das ist keine sonderlich kluge und neue Erkenntnis, sollen wir auch gar nicht sein, können wir auch gar nicht sein und wollen wir auch gar nicht sein. - Allerdings haben die da drüben wohl einen etwas kräftiger gebauten Rat für Umwelt als wir hier, denn Wladimiro Rodríguez, so heißt der gute Mann, behauptet klar und fest: Auf Tenerife werden keine Gebäude abgerissen, nur weil sie innerhalb der 100 Meter Marke an der Küste liegen. - Damit legt sich der Umweltrat natürlich direkt mit der Küstenbehörde an, die auch auf Tenerife, zumindest sagen die das, genau so wie auf La Palma den Küstenstreifen von unzulässiger Bebauung freimachen wollen. - Ob Wladimiro besonders pfiffig ist und einen rationalen Ausweg aus dem Dilemma kennt wenn es um den Kahlschlag an den Küsten geht, das weiß ich nicht, oder geht er einfach davon aus, dass man als Inselregierung Tenerifes so viel mehr Macht besitzt, als wir hier auf unserer kleinen Insel. - Denkbar wäre das schon, nicht das erste Mal funktionierten Dinge auf den großen Inseln wohl, auf den peripheren aber nicht. - Vielleicht stellt er sich auch nur klarer hinter seine Schutzbefohlenen als unser Rat für Tourismus, vielleicht redet er aber auch nur lauwarmen Dampf in die Presse, wer weiß das schon, bevor es darum geht das zu beweisen. Auf jeden Fall bezeichnet Wladimiro Rodríguez dieses Küstengesetz von 1998 als "Barbarei", eine Bezeichnung der wir uns hier gerne anschließen.

Was wirklich anders ist auf Tenerife, da geht es auch um öffentliche Gebäude und das berühmte Hotel "Médano", also um andere Interessen als hier auf La Palma. - Auf unserer Insel sind bislang vom Abriss nur Hütten betroffen und keine Paläste, da scheint es nicht so den großen Druck auf die Politik zu geben, außer den verbalen Nebelschwaden auch konkretes Handeln anzusetzen. - Oder sollte es sogar so weit kommen, wie viele hier befürchten, dass das Küstengesetz nur da Anwendung findet wo kein massiver Widerstand zu befürchten ist und wo keine Arbeitsplätze bedroht sind oder große private Investitionen. - Es ist sehr undurchsichtig wie und warum das Küstengesetz so deftig bei uns im Süden der Insel zuschlägt, an anderen Stellen aber geredet, verhandelt und wohl auch Zugeständnisse gemacht werden. - Das nutzt aber den Hüttenbesitzern in Puntalarga, El Faro und La Zamora momentan wenig, denn dort wird weiter abgerissen, immer wenn ein Hausbesitzer dem Abriss zustimmt, um die Strafe nicht bezahlen zu müssen mit der gedroht wird. - So kann das nicht weitergehen, da muss ein kompletter Stopp her und dann alle Karten auf den Tisch legen und gemeinsam mit der Küstenbehörde überlegen, wie man denn den wohl notwendigen Küstenschutz gewährleisten kann, ohne erst mit der Abrissbirne an manchen Orten vollendete Tatsachen zu schaffen. - Bei uns auf La Palma bleibt ja auch immer noch die brennende Frage offen: Was wollen wir dann eigentlich machen mit dem wieder gewonnenen Küstenstreifen, wenn die Hütten erst weg sind. - Offiziell geht es um die Renaturierung, allerdings wissen wir ja, dass man vorhat im Süden einen 11 Kilometer langen Küstenwanderweg zu bauen, der zwar öffentlich wäre, allerdings im kompletten Widerspruch zur Idee der Renaturierung steht. - Verborgen kocht immer noch der Vorwurf, man benutzt die scharfen Gesetze der Küstenbehörde nur dazu die Siedlungen wegzuschaffen um das Gelände interessanter für private Investoren zu machen. - Vielleicht bleibt daher die Unterstützung von politischer Seite gegen den Abriss hier auf La Palma immer im Stadium des ostentativen Entrüsten stehen. Kommt es aber hart auf hart, dann schreckt die Politik zurück, wie neulich erst im Rathaus von Fuencaliente, als man es nicht wagte, die Hüttensiedlungen dort in den lokalen Katalog der Gebäude öffentlichen Interesses aufzunehmen. - Wir werden mal wieder mit unserem Instinkt alleine gelassen, aber der funktioniert bei uns ganz gut und wir kommen einfach nicht umhin zu behaupten, da stinkt was!


Der Beginn der Regenerierung... Photo von Bernd Schmid



Mittwoch 28.11.07 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 13 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 76 % Luftdruck 1017 hPa

Vox populi

Was macht man mit einem Fahnenmast, der 50 Meter hoch aufragt, mitten in der Stadt steht und, außer von dem bestraften Größenwahn eines Ex-Inselpräsidenten zeugt, nur noch rumsteht wie ein falsch proportionierter Phallus. - Genau das wollte die Zeitung Canarias 7 nun wissen und lud ihre Leser ein, dazu Vorschläge zu machen. - Es geht um das 360.000 Euro teure Symbol der Macht und Verrücktheit des Ex-Inselpräsidenten Gran Canarias, José Manuel Soria, welcher nun, eigentlich abgewählt durch taktische Koalitionen zwar nicht mehr Inselpräsident ist, aber Rat für Finanzen im Provinzparlament. - Zurückgelassen hat er diesen langen Spargel und eine 300 Quadratmeter große Fahne mit den Farben der Insel Gran Canaria, die aber nur kurz an der "Fuente Luminosa" im strammen Passat wehte. - Das teure Stück Fahne war dem starken Passat nicht gewachsen und wurde bereits zweimal vom Mast gerissen, bis dann der politische Wechsel auf Gran Canaria dafür sorgte, dass man dieses übergroße Stück Größenwahn lieber endgültig vom Mast holte. - Die Folgekosten seien zu hoch, nach jedem stärkeren Wind die Aufhängung der Fahne wieder flicken, das ging ins Geld und außerdem war das ja die Fahne des geschassten Soria und die wollte dann natürlich kein Politiker mehr sehen.

Nun steht da noch der Fahnenmast und was wird aus dem? - Einfach ausgraben und wegschmeißen würde ja bedeuten, dass man die 360.000 Euro nun komplett aufgibt. - An die einhundert Vorschläge hat Canarias 7 bereits von Lesern gesammelt und das innerhalb einer Nacht, was denn nun zu machen sei und viel nettes und ruhmvolles steht da nicht geschrieben. - Zum Wäschetrocknen schlug man vor, man solle eine Piratenflagge daran hissen, oder dem Ex-Inselpräsidenten in den Vorgarten stellen. - Allerdings melden sich auch viele zu Wort, welche die Fahne wieder haben wollen, genau mit den Worten mit denen einst Manuel Soria diese verkaufte: Es ist das Symbol Gran Canarias und keine politische Fahne, sie soll den Stolz und die Ehre aller "Canariones" symbolisieren. - Da ja im Internet in solchen Kommentaren alles ganz anonym abläuft, vermutete einer nun sogar, Soria könnte die positiven Beiträge selbst verfasst haben, weil er sonst keinen kenne, der für diese Fahne gewesen sei. - Dem ist sicher nicht so und man spürt schon noch die politischen Nachwehen, welche diesem teuren Stück Straßendekoration nachhängen. - Schönster Vorschlag war, man solle den Mast einfach so stehen lassen wie er nun ist, als Mahnmal für Verschwendung öffentlicher Gelder. - Guter Vorschlag finde ich und wenn es dazu dienen sollte, zukünftig weniger von unseren Steuergeldern einfach in den Wind zu hängen, dann haben die Fahne und die ganze Diskussion und Polemik doch noch ihren Sinn gehabt. - HIER geht es zum Artikel und den Kommentaren in Canarias 7.



Dienstag 27.11.07 - 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 19 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 65 % Luftdruck 1018 hPa
Höchsttemperatur heute 21,2 Grad - niedrigste Temperatur 12,9 Grad

Warum hältst du nicht einfach die Schnauze!

Keine Angst, ich werde Sie nicht beschimpfen. - Außerdem erkläre ich gleich noch das Ausrufezeichen hinter der Überschrift anstatt eines Fragezeichens. - Es ist nämlich keine Frage, obwohl da ein Warum steht. - "Por qué no te callas" ist in Spanien nun in aller Munde und sogar in Mode, nicht etwa weil man damit sein Gegenüber zum Schweigen bringen will, sondern weil man stolz ist auf seinen König, dem endlich mal der steife und blaue Kragen geplatzt ist. - Diese Worte stammen nämlich vom König Juan Carlos, der sich sonst wohl gewählter ausdrückt, aber dem es gegolten hat, der hatte auch nichts anderes verdient. - Hugo Chávez Frías, Präsident der "República Bolivariana de Venezuela" wurde so von unserem König auf dem Spanisch-Südamerikanischen Gipfel in Chile abgekanzelt und das nicht nur zu Recht, sondern zum Gefallen aller seiner Untertanen oder vielleicht besser Staatsbürger. - Es gibt die Worte des Königs inzwischen hier in Spanien bereits als Lied, als Handyklingelton und irgendwie kommt es einem vor, als hätte der König Juan Carlos auf seinen langsam älteren Tage mit diesem unflätigen Ausspruch mehr für die Sympathien gegenüber dem Königshaus getan, als alle Besuche auf Wohltätigkeitsveranstaltungen der letzten Jahre zusammen. - Der Ausruf: "Por qué no te callas" ist inzwischen in Spanien richtig Kult geworden und sorgt in den abendlichen Unterhaltungen am Tresen für deutlich mehr Spaß als die Debatte über den Haushalt. - Aber was ist denn eigentlich passiert, das muss ich Ihnen erklären, denn in Mitteleuropa hat man das höchstens in knappen Schlagzeilen und unter Auslassung wichtiger Dinge wiedergegeben.

Hugo Chávez ist ja bekannt für seine, bislang nur verbale Angriffslust und als Linkspopulist haut er natürlich immer wieder auf alles ein, was irgendwie in die Richtung von Imperialismus und Kolonialismus geht und da hat er viel zu hauen in unserer Welt. - Da ihm sein spanischer Lieblingsgegner, Jose María Aznar aus demokratischen Gründen verloren gegangen ist und der heutige Präsident Zapatero nun wirklich nicht in die Kolonialschiene passt, glaubte Chávez sich durch eine politisch postume Attacke auf Aznar genügend profilieren zu müssen, weil der Typ irgendwie so was braucht. Er nannte Aznar einen Faschisten und auch wenn es viele Spanier gibt, die das vielleicht nicht so ganz anders sehen, das geht dann doch zu weit, einen Landsmann will man von einem wie Chávez dann doch nicht angegriffen wissen. - Zapatero wollte das auch klarstellen, obwohl er eigentlich der natürliche politische Feind ist und hob vor versammelter Mannschaft und vieler Präsidentenkollegen zu einem Statement an, in dem er von Chávez verlangte, die Aussage Aznar sei ein Faschist, öffentlich wieder zurück zu ziehen. - Während Zapatero sprach, faselte und schimpfte, auch wieder vor versammelter Mannschaft, der immer mehr zum Linksclown abdriftende Chávez weiter vor sich her und wollte Zapatero einfach nicht ausreden lassen. - Bis eben dann sich der König nach vorne neigte, Chávez fixierte und diese, ach so treffenden Worte aussprach: Halt doch einfach die Schnauze. - Zweimal übrigens, weil Chávez wohl im ersten Moment gar nicht mitbekommen hat, dass der König sich herabgelassen hatte an ihn ein paar Worte zu wenden.

Zapatero konnte irgendwann aussprechen und so, sicherlich ungewollt, erster Verteidiger des doch ziemlich in Kritik geratenen Jose María Aznar werden. - Ob es ihm Recht war, dass ausgerechnet er den ewigen Widersacher verteidigen musste, das können wir dahingestellt lassen, auf jeden Fall erwies sich dieser Vorfall später für Zapatero als sehr nützlich, die Anerkennung breiter Schichten der Spanier war ich gewiss und immerhin, im März kommenden Jahres sind Wahlen. - Der König wollte nichts weiter zu den Vorfällen sagen, es wusste wohl auch nicht in dem Moment, was für einen späteren Triumphzug seine, eigentlich ungezogenen Worte antreten sollten. - Auf den Videos kann man so gut nachvollziehen, wie dem sonst so erfahrenen und weisen König der plappernde Chávez derart auf die Nerven ging, dass er sich zu den drastischen Worten hinreißen ließ. - Als schlechte Verlierer im Nachhinein erwiesen sich Chávez selbst, der nun auf eine Entschuldigung des Königs besteht und so lange die Beziehungen mit Spanien "Einfrieren" will. - Auf diese Entschuldigung wird er ewig warten und als diplomatische Reaktion aus Spanien kam nur eine formelle Anfrage, man möchte doch bitte erklären, was "Einfrieren" der Beziehungen im Klartext bedeutet. - Der zweite Verlierer war Mariano Rajoy, neuer Konkurrent um das spanische Präsidentenamt und wenig charismatischer Nachfolger Jose María Aznars. Der musste dann unbedingt noch mal vor die Presse und Zapatero kritisieren, er hätte sich nicht genug für Aznar und die spanische Ehre eingesetzt. - Rajoy hat das Video wohl nicht gesehen und ist wie so oft, einfach nicht auf dem Laufenden, also: "Por qué no te callas"



Dienstag 27.11.07 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 13 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 73 % Luftdruck 1018 hPa

Schachern um jedes einzelne Gebäude

Die einen werden es ausgleichende Gerechtigkeit nennen, die anderen kompletten Kahlschlag. - Die Küstenbehörde wird nicht müde immer weitere Gebäude auf La Palma zu finden, welche aus dem Weg müssen, um der Gesetzeslage irgendwie gerecht zu werden. - Ist für die Siedlungen im Süden der Insel die Lage leider ziemlich aussichtslos, beginnt an anderer Stelle das Geschacher um einzelne Gebäude. Im Konkreten geht es nun um das Gebäude im alten Hafen von Tazacorte, in dem heute die "Taberna del Puerto" Gäste an der Uferpromenade bewirtet. Auch dieses Haus soll weg, mal wird eine Strandvergrößerung als Grund genannt, mal nennt man prinzipielle Sicherheitsfragen, da das Gebäude nach der Umgestaltung des Strandbereiches bei hoher See immer mal wieder unter Wasser gesetzt wird. - Wie dem auch sei, wir haben ja bereits mitbekommen, dass nicht alles transparent und offen verständlich ist, was uns aus dem Abrisskatalog der Küstenbehörde noch so droht. Allerdings scheint es auch Möglichkeiten zu geben einzelne Gebäude vor dem Abriss zu bewahren, so zumindest lässt und das der Bürgermeister Tazacortes wissen.

Zauberwort dabei ist erneut die Klassifizierung der Gebäude als "von kulturellem oder historischem Interesse", so wie man das auch, aber wohl eben ohne Erfolg mit den Küstensiedlunge im Süden vorhatte. - Dort allerdings konnte man nicht mal den Gemeinderat dazu gewinnen, diese Häuschen dort als von solchem Interesse zu bezeichnen, was zu sehr großem und verständlichen Unmut seitens der Verteidiger der Siedlungen geführt hat. - In einem Gespräch mit dem Vizechef der Küstenbehörde in Madrid konnte der Bürgermeister das Anliegen vorbringen, dieses Gebäude seitens der Gemeinde als "von kulturellem Interesse" (Bien de Interés Cultural - BIC) in den lokalen Flächennutzungsplan zu schmuggeln und er wurde, nach seiner Aussage, mit einer positiven Antwort entlassen. - Allerdings würde die Küstenbehörde das Gebäude dann für sich beanspruchen, für welche Nutzung oder ob alles so bleiben könnte, nämlich als Ausflugsrestaurant, das bleibt weiter ungeklärt. - Auf jeden Fall konnte der Bürgermeister noch ein gutes Argument anbringen, schließlich hätte in diesem Gebäude bereits die Statue der "Virgen de Las Nieves" geruht, als man diese noch auf Wallfahrten um die komplette Insel trug. - Wenn das kein Grund ist ein Gebäude vor dem Abriss zu schützen, dann ist es Zeit, an aller katholischen Macht zu zweifeln. - Vielleicht wäre das auch noch ein guter Hinweis für die vom Abriss bedrohten Siedlungen. Man sollte auch mal versuchen mit dem katholischen Volkssturm zu argumentieren, schließlich hat jede Siedlung am Meer auch eine Schutzpatronin, die Virgen del Carmen und diese wird auf jeder Prozession auch an jeder Hütte vorbeigetragen. - Was die Carmen segnet, das darf Costas nicht nehmen und jetzt muss ich aufhören, sonst droht mir noch die Exkommunizierung und das kann man sich hier beim besten Willen nicht erlauben.


Taberna del Puerto im alten Hafen von Tazacorte - Photo von Walter Stumreich


Montag 26.11.07 - 17:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 21 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 55 % Luftdruck 1018 hPa
Höchsttemperatur heute 22,8 Grad - niedrigste Temperatur 13,4 Grad

Im Bienenstock hängt der Haussegen schief

Was war man stolz auf La Palma um seinen süßen Sektor Imkerei. - Richtig guter Honig, immer mehr Verkaufserfolg und dann schleppte ein unvorsichtiger Imker die Varroa-Milbe ein, die sich inzwischen auf die gesamte Insel verteilt hat. - Man hat zwar inzwischen gelernt mit dem Bienenparasiten umzugehen, aber das bedeutet für den Imker natürlich ständige Wachsamkeit und immer wieder Behandlungen seiner Völker mit Apistan oder auch anderen Mitteln die geeignet scheinen die Milbe zu bekämpfen. - Ganz bekommt man den Schädling sowieso nicht mehr los, man wird sich wohl damit begnügen müssen die Population der Varroa so zu kontrollieren, dass die Milbe nicht zu viel Schaden zufügen kann. - Man weiß sogar wer der Schuldige ist, er hatte, ganz gegen Vorschriften und Vernunft, aus Tenerife gebrauchte Wabenrahmen mitgebracht und da müssen halt bereits Milben angehaftet haben. - Außer schalen Blicken der anderen Imkerkollegen wird aber dem Unglücklichen nichts passieren, man kann zwar wissen wer es war, aber es vor Gericht zu beweisen, das ist dann wieder eine andere Geschichte. - Was will man denn auch mit ihm machen, verklagen auf die Übernahme aller Kosten die Varroa zu bekämpfen?

Das ist aber nicht alles was den Imkern auf La Palma den Honig um Munde stecken lässt, es gibt auch Ärger, und dieses Mal sogar vor Gericht, wegen der "Casa de la Miel" in Tijarafe. - Das "Haus des Honigs" ist eine von der Inselregierung bezahlte Immobilie, in welcher es ein Labor und Abfüllanlangen gibt, welche den Imkern La Palmas dazu dienen sollte ihre Produkte besser vermarkten zu können. - Man gründete zu dem Zweck eine private Betreibergesellschaft, diese sollte das "Honighäuschen" verwalten und eben für die Imker in Betrieb halten, aber man verkrachte sich innerhalb der Gesellschaft mit der praktischen Folge, dass die "Casa de la Miel" seit einem Jahr zu ist und niemand mehr davon was hat. - Es wird wohl nicht möglich sein in Kürze aufzudröseln, wer denn nun der Böse ist und wer der Gute, so liegen viele Akten nun bei Gericht und werden von kostenintensiven Anwälten weiter gefüttert, bis irgendwann mal ein Richter sich der Sache annimmt und ein Urteil fällen muss. - In der Inselregierung ist man nun sauer, denn das gute Stück "Honighaus" steht ohne Nutzung herum, man traut sich aber auch nicht einzugreifen denn man weiß sehr gut, man kann sich beim Versuch so einen Streit zu schlichten ganz schnell eine, oder einen kompletten Satz gut gereifter Ohrfeige einfangen. - Darüber hinaus sind einige Imker eh nicht gut zu sprechen auf die Inselregierung. Viele sind nicht einverstanden mit der Verpflichtung nur Königinnen der Rasse "abeja negra canaria" einer Verwandten der Schwarzen Iberischen Honigbiene "Apis mellifera iberica" hier auf La Palma zu verwenden. - Das sei zwar schön nostalgisch, aber der Ertrag viel geringer als bei anderen Rassen. - Honig gibt es weiterhin hervorragenden auf La Palma, vielleicht sogar von glücklichen Bienen. - Ob die Imker glücklich sind, das interessiert ja den Verbraucher eh nicht.



Montag 26.11.07 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 13 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 72 % Luftdruck 1018 hPa

Die Erfindung des Hydranten

Manche Dinge kommen bei uns nie an, so wie zum Beispiel MacDonalds und ob das jetzt ein schwerer Verlust ist, das kann jeder für sich selbst entscheiden. Andere Dinge kommen mit Verspätung bei uns an, oder wir erfinden diese einfach neu. - Dazu gehört die pfiffige Idee, die Feuerwehr das Löschwasser nicht mehrumständlich und zeitraubend von Wasserwagen an den Brandherd fahren zu lassen, sondern aus überdimensionalen Wasserhähnen einen prächtigen Strahl direkt von der Straße zu haben. - Wer genau es wirklich erfunden hat, diese glorreiche Einrichtung der Hydranten, keine Ahnung, im Zweifelsfall geht das auch an die Ricola-Fraktion, sonst müssen wir wieder diskutieren… - Los Llanos, welche Gemeinde sonst auf dieser Insel hat mehr progressiven Schwung und urbanen Elan, hat nun die Hydranten neu erfunden und die Innenstadt mir diesen Tausendsassas ausgestattet. - Jahrelang hat man gebuddelt und rund um die Plaza mehrere Straßen auch in Fußgängerzonen umgewandelt und in der Tat, das haben die richtig gut und schön gemacht. Es macht nun noch mehr Spaß dort durch die Gassen und Wege zu flanieren, man muss eigentlich jeden Gast der diese Insel besucht einmal mindestens dort hin schicken, die Alt- und Innenstadt in Los Llanos ist wirklich eine Perle geworden.

Während der Bauarbeiten entsann man sich dann eben auch dieses äußerst intelligenten Kunstgriffs, starke Wasserleitungen unter die spätere Straßendecke zu legen, mit Entnahmestellen alle paar ´zig Meter. - Die Hydranten in Los Llanos sehen allerdings nicht so aus, wie sich das der geneigte Mitteleuropäer vorstellt, unsere Hydranten sind in den Gehsteigen versteckt und man muss eine Schutzklappe aufhebeln um dann die Wasserschläuche der Feuerwehr dort anzuschließen. - Ist weniger spektakulär als diese kindsgroßen "echten" Hydranten, bringen aber letztendlich den gleichen Nutzen. Findet man diese Anschlussstellen, kein Auto steht drauf und Druck ist in der Leitung, dann kann man damit prima gegen den urbanen Feuerteufel angehen. - Ein großes Lob geht nach Los Llanos, wobei das allerdings eigentlich gar nicht nötig wäre, denn man lobte sich mit einer langen Presseerklärung bereits selbst und ist ganz stolz darauf, den Hydranten auf unserer Insel erfunden zu haben. - Aber nicht nur das, man hat sogar einen Kombihydranten erfunden, sollte es gerade mal nicht brennen, was öfter vorkommt, dann kann man diese pfiffigen Wasserhähne auch dazu benutzen, die städtischen Blumenkübel und Straßenbäume zu gießen. - Das ist dann wohl auch der Unterschied zwischen einer ländlichen verschlafenen Gemeinde wie unser El Paso und dem quirligen Metropolis Los Llanos. - In Los Llanos gibt es Hydranten, mit denen man Blumen gießen kann. Wir in El Paso haben keine Hydranten, wir haben nur Wasserentnahmestellen in den Straßen, mit denen wir im Alltag die Blumen gießen und sollte es mal brennen, die Feuerwehr mit Wasser versorgen.



Sonntag 25.11.07 - 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 19 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 76 % Luftdruck 1017 hPa
Höchsttemperatur heute 19,8 Grad - niedrigste Temperatur 13,4 Grad

Es passiert immer gerade so viel, dass die Zeitungen voll werden

Vielleicht liegt es daran, dass auf La Palma inzwischen die meisten Hühner in Ställen gehalten werden. - Sonst würden sicherlich mehr Hühner in Tijarafe überfahren und man könnte reißerisch darüber berichten. - Ich muss ja immer ein bisschen nachdenken, was unsere Leser denn interessieren könnte, den überwiegenden Teil der lokalen Nachrichten die hier verbreitet werden, den kann ich Ihnen eh nicht zumuten, Langweilen können Sie sich sicher alleine besser. - Von Sport und Yellow-Press habe ich keine Ahnung und Polizeiberichte mit Beschreibungen von abgerissenen Gliedmaßen sind auch nicht mein Ding. - Jetzt wird es aber langsam eng mit den Themen, denn sooooo viel passiert hier auch nicht auf La Palma und ganz so einfach, wie Sie sich das vielleicht vorstellen, sind Sie ja auch nicht zu unterhalten. - Über Politik parliere ich ja am liebsten, aber das kann ich auch nicht jeden Tag machen, sonst droht für viele auch wieder die Langeweile. - Außerdem bin ich nicht objektiv, zumindest tue ich nicht so, denn eigentlich ist niemand wirklich unparteiisch. Vielleicht sind die so genannten subjektiven Berichte ja sogar die gefährlichsten, weil sie versuchen Tendenzen zu verstecken und allgemeine Wahrheiten anstreben oder gar verkaufen, die es natürlich nicht gibt. - Über das Wetter kann man auch nur schreiben wenn es garstig ist oder außergewöhnlich gut oder schlecht. - Heute ist normales Wetter, genau so wie gestern und so wie es morgen sein wird. - Ist nicht wirklich prickelnd so eine Meldung und ziemlich weit vom Pulitzerpreis entfernt. - Aber eines habe ich festgestellt, ein bisschen sensationslustig sind unsere Leser schon, die meisten Zugriffe haben wir, wenn es einen Waldbrand auf La Palma gibt und wir aktuell berichten können…

Nun haben wir aber gerade kein Feuerchen und werden wohl die nächsten Monate auch keines bekommen, also werden wir uns weiter durch Lokalnachrichten boxen müssen, auch wenn sich viele der Possen und der Polemik um Hin und Her in unserer kleinen Welt immer wiederholt. - Da ist zum Beispiel die Geschichte um die Eintrittgelder für Marcos und Corderos. - Gestern sagt die Opposition in San Andrés y Sauces die Bürgermeisterin hat Mist gemacht, heute sagt die Bürgermeisterin, sie hat alles richtig gemacht. - Morgen kommt dann wieder ein Nein der Sozis und übermorgen das energische Doch der Chefin in Los Sauces. - Der Witz dabei, dass diese Eintrittsgelder gar nicht kassiert werden und man sich um potemkinsche Einnahmen für die Gemeinde zankt, der wird halt auch nicht besser, nur weil man ihn dauernd erzählt. - Wenn dann Paul auch noch streikt und an diesem Tag nur faul auf seinem Sofa liegt und so gar keinen Streich begehen will, dann wird es wirklich eng. Dann könnte man ja noch über unser strenges Matriarchat schreiben, in dem meine drei Frauen (nix Muslim, sondern Frau und Töchter meine ich damit), peinlich genau darauf achten, ihre Machtstrukturen jederzeit zu festigen und mit dem Kerl im Haus lediglich Zweckpakte eingehen um den tropfenden Wasserhahn zum Schweigen zu bringen. - Aber wenn ich darüber schreibe, das wird dann wieder teuer für mich, unsere Chauvikasse ist so gierig wie der lustige Schell von den Lokführern und vielleicht genau so umgänglich. - Dann eben doch den Offenbarungseid abgeben und darüber schreiben, dass mir einfach nichts eingefallen ist, mit dem ich Sie angemessen über die zwei kleinen Absätze hinaus informieren und unterhalten kann. - Geschafft, nun stehen da doch wieder ein paar Zeilen, ich habe mein Versprechen eingehalten und morgen passiert schon wieder was, über das man schreiben kann. - Einen schönen Abend noch.



Sonntag 25.11.07 - 09:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 14 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 76 % Luftdruck 1017 hPa

Landflucht und Metropolen

Dabei bleiben wir eigentlich beim Thema von gestern Abend. - Die eine Stadt lockt mit Arbeitsplätzen und der neuen Zeit, die sich ja eben auch in Parkplatznot ausdrückt, die andere Gemeinde hat mehr Parkplätze als Einwohner und niemand braucht diesen vielen Platz. - Garafía, die nordwestlichste Gemeinde der Insel ist stark überaltert, jeder zweite Einwohner ist bereits über 60 Jahre alt und es gibt keine Aussicht, dass dieser Umstand sich ändern würde, sondern eher im Gegenteil, die Landflucht hält weiter an. - Junge Menschen ziehen fort, weil die Schulen zu weit weg sind und eben auch die Arbeitsplätze, jeden Morgen nach Los Llanos zu fahren und abends wieder zurück, das machen die Wenigsten auf Dauer mit und dann eben das fast komplett fehlende kulturelle und gesellschaftliche Leben, weil sich die nicht mal 1.900 Einwohner der Gemeinde auch noch in vielen kleinen Ortsteilen aufsplittern. - Der eigentlich Hauptort, Santo Domingo, sammelt auch nur 500 Bewohner in seiner nächsten Umgebung, keine wirkliche Macht wenn es darum geht Geschäfte in den Ort zu locken um eine anständige Versorgung auf die Beine zu stellen. Dazu kommt eine fast komplett handlungsunfähige Gemeindeverwaltung, die derart von Schulden und aktuellen Liquiditätsproblemen gequält wird, dass man eigentlich nur noch Mangel verwaltet und keine Projekte mehr auflegen kann, welche die Situation ändern könnte.

Dabei hat die Gemeinde Garafía eine der bemerkenswertesten Landschaften dieser Insel und beherbergt auf ihrem Gemeindegebiet auch die Observatorien des IAC auf dem Roque de Los Muchachos. - Davon kann aber keiner abbeißen, es wird keine Miete bezahlt und auch die Versorgung der astrophysikalischen Einrichtungen geschieht über die Ostseite der Insel. - Das Verwaltungszentrum für die Observatorien kam auch nicht nach Garafía sondern nach Breña, also wieder blieb nichts übrig für die Seniorengemeinde im Nordwesten der Insel. - Der Bürgermeister, oder soll man besser sagen Altenpfleger Albilio Reyes, weiß sich nun nicht mehr anders zu helfen als laut und progressiv diese Umstände anzuklagen und deutliche Hilfe von der Insel- und Provinzregierung einzufordern. - Immer voran wenn es darum geht, die von der Moderne abgehängten Nord-Gemeinden zu stärken, ist die Forderung nach neuen und schnelleren Verkehrswegen. Verständlich was man da will, allerdings sollte man mal ein Stück weiter überlegen, ob denn solche Aktionen nicht auch genau das Gegenteil bewirken können. - Die Argumente pro schnellere Straßen sind klar, man könnte dann die jungen Leute im Ort halten, weil diese dann bequem und schneller in die Metropolen fahren können um zu arbeiten. Theoretisch richtig, allerdings wird dieser Umstand auch niemanden locken in die Orte zurückzukehren. - Man sollte eher versuchen die vorhandenen Qualitäten konsequent zu nutzen und zum Teil schützen die langsamen Verkehrswege ja auch die Vorteile des Nordens, nämlich die unzerstörte Landschaft. - Ländlicher Tourismus und Landwirtschaft sind wohl die einzigen Möglichkeiten, aber das sind doch gar keine so schlechten Aussichten, wo wir doch wissen, dass regionale Selbstversorgung ein Zukunftsmarkt ist und ruraler Tourismus einer der wenigen Teilbereiche des Tourismus, der noch gut ausbaufähig ist. - Warum denn unbedingt so werden wollen wir Los Llanos, das gibt es doch schon und wird sicher keine Industrie und Arbeitsplätze an den Norden abgeben, also bleibt doch nur der Weg in die Nischenangebote, aber da dann bitte konsequent arbeiten. - Das gleiche gilt eigentlich auch komplett für La Palma im Vergleich mit den großen Kanareninseln, es wird uns nicht helfen die Großen zu kopieren, wir müssen unseren eigenen Stiefel machen, sonst machen wir uns selber unnötig, weil die fremden Stiefel die gibt es ja bereits im Überfluss.



Samstag 24.11.07 - 17:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 21 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 54 % Luftdruck 1018 hPa
Höchsttemperatur heute 22,1 Grad - niedrigste Temperatur 14,2 Grad

Brot, Spiele und Parkplätze

Menschen lockt man mit Brot und Spielen, das ist nichts Neues, will man aber Käufer nach Los Llanos locken, dann muss man schon noch Parkplätze dazu schieben, sonst kommt keiner an das Brot ran. - Die Weihnachtskampagnen sind ganz wichtige Stationen für den Einzelhandel der Orte und da hat Los Llanos in den letzten Jahren reichlich Probleme gehabt. - Nicht etwa, dass die Attraktivität fehlen würden, nirgendwo sonst gibt es so viele schicke und zum Teil sogar witzige Läden wie dort, aber man konnte die Leute von außerhalb nicht locken, weil einfach keine Parkplätze rund um die Innenstadt vorhanden sind und viele Käufer sich inzwischen in den berühmten "Speckgürtel" orientiert haben um ihre Einkäufe bequem zu erledigen. Zum "Speckgürtel" muss man natürlich auch El Paso zählen, unsere Gemeinde hat ordentlich profitiert in den letzten 10 Jahren von der Parkplatznot in Los Llanos, das muss man ganz klar anerkennen. - In Los Llanos hat man das auch erkannt und will nun mit dieser Kampagne die Leute nicht mehr nach El Paso ausbüchsen lassen, dieses Jahr soll zuhause gekauft werden. - Wie macht man das, wenn man keine Parkplätze hat? Die Antwort kommt mit einer guten Idee.

Man hat einige Grundstücke mitten im Ort ausfindig gemacht, die nicht bebaut sind und aus diversen Grünen noch einen Dornröschenschlaf vollführen dürfen, also noch nicht bebaut sind. - Diese Flächen werden nun als temporäre Parkplätze ausgewiesen, so alleine will man 500 Stellplätze schaffen und so die Parkplatznot der Metropole lindern. Zusätzlich schafft man noch "Blaue Zonen", das sind keine Aufenthaltsorte für Leute aus dem Starktrinkermilieu, sondern Kurzparkzonen, in denen man sein Auto eine Stunde lang abstellen darf, kostenlos. - Da kommt dann die gute, alte Parkuhr wieder zur Geltung und ich bin mal sehr gespannt, wie das funktionieren soll mit den Anwohnern der Innenstadt, die dann ja praktisch vertrieben werden sollen. - Zusätzlich will man noch jede Menge an verkaufsfördernden Attraktionen anbieten wie Straßenmusik und anderen kleinen kulturellen Leckerbissen auf der Straße. Eben Brot, Spiele und Parkplätze, so lockt man die Verbraucher der mobilen Konsumgesellschaft. - Apropos mobil. - Los Llanos soll die Stadt in Europa sein, welche pro Kopf am meisten angemeldete Kraftfahrzeuge hat. - Fragen Sie mich jetzt bitte nicht nach dem amtlichen Beweis, glauben Sie mir einfach oder versuchen Sie mal Samstagmittag einen Parkplatz zu bekommen. - Man sagt den Leuten aus Los Llanos nach, da gehe die Tendenz zum Drittwagen um. Das erklärt sich aber ganz logisch. Einen Wagen braucht man dazu, einen nahen Parkplatz vor dem Haus zu reservieren. Das zweite Auto benutzt man, um vom Haus zum entfernt parkenden Drittwagen zu kommen, mit dem man dann seine dringenden Erledigungen machen kann. Kommt man dann wieder zurück, dann tauscht man Drittwagen wieder gegen Zweitwagen und fährt damit vor das Haus, wo man mit dem Erstwagen einen Parkplatz reserviert hat. Den kann man nun einnehmen in dem man den Zweitwagen wieder wegfährt und ganz aufmerksame Leser haben nun mitbekommen, dass die Geschichte nicht aufgeht. - Die kann auch nicht aufgehen, weil zu viele Autos die hoch gelobte Mobilität einfach wieder ersticken, es sei denn, man fährt immer im Kreis und hält bloß nicht an. Das ist dann die höchste Form der Mobilität, die verselbstständigt sich sogar, weil sie endlich keinen Beförderungsauftrag mehr braucht, oder so dumme Ausreden wie, ich wollte doch von A nach B kommen. - Brot, Spiele und Parkplätze, so einfach lassen wir uns das Weihnachtsgeschäft doch nicht von miesepetrigen Ökofuzzis und Tabellen über den Sinn und Unsinn von stehendem Verkehr verwässern. - Auf nach Los Llanos, am besten alle auf einmal.


So löst man Parkplatzprobleme in Los Llanos



Samstag 24.11.07 - 08:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 14 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 71 % Luftdruck 1017 hPa

Administrative Schlappe für die Küstensiedlungen im Süden

Müssen Lokalpolitiker dem Gesetz gehorchen oder dem Volk? - Die Versuche, die Siedlungen im Süden der Insel vor dem Abriss durch die Küstenbehörde zu retten, haben einen weiteren Rückschlag hinnehmen müssen. - Eine Bürgerinitiative hatte einen Vorschlag ausgearbeitet anhand dessen man die Siedlungen im Süden der Insel "El Faro, Puntalarga und La Zamora" als von historischem Interesse in den Katalog der Gemeinde aufnehmen sollte. Der Vorschlag war gut ausgearbeitet und man bezieht sich auf die Notwendigkeit der kleinen Siedlungen mit dem Zugang zum Meer bereits in der ersten Epoche der Besiedlung durch die spanischen Eroberer. Damals war der Zugang zum Meer für die Siedler im Süden der Insel fundamental, weil Verkehrswege auf dem Land noch fehlten und eben daraus erwuchsen später diese Siedlungen, die sich natürlich im Lauf der Jahre veränderten. - Im Plenum, einzig und alleine zu diesem Zweck einberufen wurde dieser Vorschlag komplett abgelehnt, es gab lediglich eine Enthaltung seitens eines Rates der PP, alle anderen stimmten gegen den Vorschlag. Als Begründung für die Ablehnung des Vorschlags wurde angeführt, dass man den lokalen Flächennutzungsplan abändern müsste um die Siedlungen in den "Catálogo Municipal de Bienes Inmuebles con Valor Patrimonial" aufnehmen zu können. Dieser Plan befindet sich aber in der Endphase der Erstellung und man fürchte eine Verzögerung von vielleicht ein bis zwei Jahren wenn man den Plan komplett umändern müsste.

Außerdem könne man als Gemeinde nicht einfach im Flächennutzungsplan herumzeichnen, ohne sich das von den übergeordneten Behörden genehmigen zu lassen und man fürchte, dass sowohl die Raumordnungsbehörde in Tenerife, wie eben auch das Küstenamt, die beide aktiv an der Erstellung des Planes beteiligt sind, diesem Vorschlag zustimmen würden. - Das ist natürlich nicht komplett richtig diese Aussage, eine Gemeinde kann sehr wohl Bedingungen stellen und auf Zugeständnissen beharren, allerdings braucht man dazu Mut, Zeit und vielleicht sogar ein bisschen Verhandlungsgeschick. - Ideal wäre natürlich die Unterstützung seitens der politischen Parteien welche das Gros der Kommissionen stellen und das wäre in dem Fall ja sogar gegeben für Fuencaliente. - Die vielen Bürger welche weiterhin versuchen werden die Siedlungen im Süden der Insel zu retten, haben nun eine weitere Erfahrung einstecken können, man kann auf vollmundige Frohsinnsreden der meisten Politiker nichts geben, die da so gerne als Retter in der Not auftauchen. Im Moment auf den es ankommt, nämlich vielleicht auch gegen fragwürdige Gesetze und Unbequemlichkeiten vor anderen Instanzen die eigenen Bürger zu schützen, leider Fehlanzeige. - Seitens der lokalen Politik hat man die Siedlungen längst aufgegeben, das ist nun raus. - Also doch keine Volksvertreter, sondern Gesetzes- und Interessenverwalter anderer, nichts Neues im Süden der Insel.



Freitag 23.11.07 - 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 19 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 65 % Luftdruck 1018 hPa
Höchsttemperatur heute 21,6 Grad - niedrigste Temperatur 15,1 Grad

Vulkanröhre von Todoque soll besuchergerecht hergerichtet werden

Ich glaube solch ähnliche Überschrift habe ich schon öfter gebracht, denn es ist wirklich nicht neu, was man nun da vorhat. - In der Tat ist die Vulkantube von Todoque ein sehr interessantes Stück unserer geologischen Geschichte und bietet einen spektakulären Einblick in das Innere eines erkalteten Lavastromes. - Lassen Sie mich vielleicht zunächst in kurzen und unwissenschaftlichen Worten erklären, was eine Vulkantube ist: An der Oberfläche kühlt der Lavastrom natürlich zuerst ab und wird fest, darunter aber bewegt sich die flüssige Lava weiter und zum Teil entstehen echte Ströme, die erst nach Kilometern wieder an die Oberfläche gelangen und dann erstarren. Fließt nun die Lava in solch einem Stollen schneller ab als weitere Lava nachfließen kann, dann bleibt ein Hohlraum zurück, mit den typischen Charakteristiken einer Vulkantube. Mich hat immer am meisten beeindruckt, dass die Seitenwände dieser Höhle völlig glatt sind und von tiefbrauner Farbe die an Schokolade erinnert, wo doch das gesamte Umfeld außerhalb der Röhre schwarz und alles andere als glatt ist, sondern spitz, steil und messerscharf zeigt sich die schneller erkaltete Lava an der Oberfläche. Da muss ich gleich eine Warnung anschließen, man sollte nie ohne Überblick oder Wissen in solch ein frisches Lavafeld gehen, knickt man um oder stürzt, dann sind glatte Schnittwunden das Beste was einem noch passieren kann, man kann auch furchtbar einstürzen, nämlich wenn man genau auf eine Stelle tritt, unter der ein Hohlraum ist.

Diese Vulkantube ist eigentlich mehrere Kilometer lang, aber immer wieder unterbrochen von Einstürzen. Ein an die 500 Meter langes Stück kann man aber betreten und eben so auch besichtigen. Bislang konnte man die Röhre eigentlich nur erreichen wenn man Landfriedensbruch beging, denn es war Privatgrund auf welchem sich die Höhle befindet. - Diese Tatsache machte es auch unmöglich die Tube als touristisches Merkmal auszunutzen, denn der Eigentümer hatte kein Interesse an solch einem Vorhaben. - Als Schenkung landete das Grundstück bei der Gemeinde Los Llanos und die scheint auch nicht in der Lage zu sein dieses Stück vulkanologisches Kleinod für den Besuch herzurichten. Nun soll das Grundstück an die Inselregierung überschrieben werden und die wollen jetzt einen Vulkanwanderweg dort einrichten, damit man diese Röhre auch gefahrlos besuchen kann. Bislang ist der Einstieg ziemlich kniffelig und man muss wissen wo man hintreten kann um keinen Einsturz der zum Teil sehr dünnen Decke zu riskieren. - Kenner des Vulkanfeldes vom Ausbruch des San Juan 1949 vermuten noch mehr Vulkantuben unter dem breiten Lavafeld, aber eigentlich findet man solche Höhlen nur, wenn diese sich durch einen Einsturz offenbart. - Nun hat also die Inselregierung das Projekt "Vulkantube von Todoque" in die Hand genommen und es wäre wirklich wünschenswert, wenn es nun endlich vorangehen kann mit einem weiteren touristischen Highlight dieser Vulkaninsel. - Apropos Vulkan, es kommen ja immer wieder neue Leser auf diese Seite, denen sollte man vielleicht mal die San Juan Geschichten von Carlo empfehlen, dabei geht es genau um den Ausbruch des San Juan, eindrucksvoll und sehr persönlich geschrieben.


So entsteht eine Vulkantube


So entsteht eine Vulkantube




Freitag 23.11.07 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 15 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 73 % Luftdruck 1017 hPa

Posse um die Gebühren für die Wanderungen in Los Tilos

Ein wahres Schreckgespenst für Wanderer und Liebhaber der Landschaft dieser Insel geht seit einem guten halben Jahr um. Das Rathaus von San Andrés y Sauces hatte in einem Plenum beschlossen, saftige Gebühren für den Eintritt in die Wanderwege rund um Los Tilos zu berappen. Dabei sticht der Preis von Euro 20,- pro Person für den Besuch der Quellen von Marcos und Corderos besonders hervor und hat zu heftiger Kritik aus fast allen Ecken der Insel, aber auch von außen geführt. - Gut, in dem Preis von 20 Euro wäre auch bereits ein Führer (Wanderführer) enthalten und eine Versicherung für den Fall, dass was passiert, während man sich auf diesem Wegesabschnitt befindet. Auch erwähnt werden muss, dass sich der Preis halbiert für Bewohner dieser Insel, der so genannte Endemiten- oder Residentenrabatt. - Nun sind die meisten Besucher aber nicht unbedingt Menschen die auf dieser Insel leben, sondern man richtet dabei natürlich das Augenmerk auf Besucher von außerhalb und will sich von diesen den Erhalt der Wanderwege rund um Los Tilos bezahlen lassen. Das ist auf der einen Seite verständlich, dieser Wunsch kollidiert aber frontal mit dem Gedanken einer freien und zugänglichen Landschaft für jedermann, welche nicht zuletzt das größte und fast einzige touristische Aushängeschild unserer Insel ist. - Wenn der Gast, welcher unsere Insel besucht, für jeden Weg und Pfad, den er gedenkt hier zu wandern, extra bezahlen muss und dann auch noch solche saftigen Gebühren wie die 20 Euro für die Quellen, dann schadet man damit dem zarten Pflänzchen Wandertourismus auf La Palma enorm. - Es ist ja klar, funktioniert der Eintrittskatalog in Los Tilos, dann wird es schwer sein andere Gemeinden davon abzuhalten, auch auf diese Art und Weise ihren Stadtsäckel sanieren zu wollen.

Nun darf aber auch noch eine weitere Frage gestellt werden, kann das Rathaus von San Andrés und Sauces überhaupt den Zutritt zu dieser Landschaft nur gegen Gebühr zulassen. - Einige Kollektive sind da anderer Meinung, nicht nur die Organisatoren von geführten Wanderungen und einheimische Wanderclubs, nun ist auch die Opposition der Gemeinde aufgewacht. - Der Sprecher der Sozis im Rathaus meint nun herausbekommen zu haben, dass das Rathaus überhaupt nicht die Kompetenz besitzt, solche Gebührenordnungen aufstellen zu können. - Das sei Sache der Inselregierung und somit sei der Beschluss nichtig. - Der Sprecher der Sozialisten zählt noch jede Menge Paragraphen auf, welche das belegen sollen, damit will ich Sie aber nicht langweilen. - Nun kommt aber die Posse, bislang sind diese Gebühren noch von niemandem erhoben worden und man findet auch keine Aussage der Gemeinde, ab wann denn die Eintrittpreise überhaupt fällig seien. So könnte man nun auch sämtliche Kritik an den Gebührenplänen für nichtig erklären, denn es wird eh nicht kassiert. - Es sollte schnell eine Lösung gefunden werden und eine inselweite Reglung her, welche sich um mögliche Gebühren für den Eintritt zu bestimmten Sehenswürdigkeiten kümmert. Auf jeden Fall muss man sich dabei überlegen, ob es Sinn macht, wenn diese Insel sich dem Vorwurf der Abzockerei ausgesetzt sehen muss, falls solche grob überhöhten Forderungen an unsere eh schon spärlich fließende Gästezahl gestellt werden.



Donnerstag 22.11.07 - 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 22 Grad, Niederschlag 1 mm Luftfeuchte 69 % Luftdruck 1015 hPa
Höchsttemperatur heute 23,3 Grad - niedrigste Temperatur 15,2 Grad

Vorsicht der Inspektor kommt

Früher war das ganz einfach. - Da entdeckte irgendjemand, dass Tenerife mal wieder Inspektoren nach La Palma geschickt hat und so kamen gewisse Leute diese Tage nicht zur Arbeit. - Besonders im Baugewerbe und in der Gastronomie war das früher üblich, dass es dann zu großen Ausfällen in der Belegschaft kam, eben so lange bis die Damen oder Herren Inspektoren wieder die Insel verlassen haben. Das war meist schon nach ein bis zwei Tagen der Fall und nur selten haben die Aufpasser wirklich jemanden erwischt. - Später ging man subtiler vor und schickte nicht immer die gleichen Inspektoren und gleichzeitig wurden die Strafen so drastisch erhöht, dass sich inzwischen beide Parteien, Arbeitgeber und Arbeitnehmer doch deutlich scheuen ein unangemeldetes Arbeitsverhältnis zu wagen. - Die Kontrollen werden von der staatlichen Versicherung Seguridad Social durchgeführt, welche eine Zwangsversicherung für alle in Lohn und Brot stehenden Angestellten aber auch Selbstständige ist. Jeder der in Spanien arbeitet muss in diesen Pool einzahlen, aus dem die Kranken- Renten- und Arbeitslosenversicherung in einem finanziert werden. Man kann sich zwar durch Zusatzversicherungen mehr Schutz dazukaufen, aber grundsätzlich kommt keiner um die Seguridad Social umhin.

Nun wird es für die immer noch schwarz arbeitenden Spezialisten noch schwerer ihre dubiosen Tätigkeiten auszuüben, ab heute hat die Insel La Palma ihr eigenes Inspektionsbüro mit immerhin 5 Mitarbeitern, die sich nun dauerhaft und ständig um ihr scheues Klientel kümmern werden. Vorbei also die sicheren Tage, in denen kein Inspektor auf der Insel weilt um Angst und Schrecken zu verbreiten, nun kann die Kontrolle jeden Tag kommen um so Schaden an der Versicherung abzuwenden. - Schwarzarbeit gibt es hier wohl genau so häufig wie anderswo und wird es wohl auch immer geben, man müsste schon wahre Heerscharen an Kontrolleuren über die Insel schicken um jeden Spitzbuben oder Spitzmädchen bei der unangemeldeten Arbeit zu erwischen. - Was noch positiv zu erwähnen ist, durch die Schaffung dieses eigenen Standortes hat man immerhin 4 neue Arbeitsplätze geschaffen, denn nur eine dort arbeitende Kraft war bislang schon für die Seguridad Social auf Tenerife tätig und wird die anderen Angestellten so auch anlernen. - Ich weiß nicht ob es müßig ist zu erwähnen, dass die 4 neuen Angestellten einen ordentlichen Arbeitsvertrag haben nun nicht schwarz arbeiten… Was auch nicht bestätigt werden konnte ist, dass man in Ländern Schwarzafrikas den Zustand unversichert der Arbeit nachzugehen Weißarbeit nennt.



Donnerstag 22.11.07 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 15 Grad, Niederschlag 4 mm Luftfeuchte 91 % Luftdruck 1013 hPa

Vererbungslehre

Vielleicht könnte uns Darwin etwas dazu erzählen, vielleicht aber auch ein Familientherapeut. - Gepflegte Feindschaften sind zumindest stabil, da weiß man was man hat und muss sich nicht besonders wundern, von welcher Seite und aus welchem Grund auch immer die Attacken kommen. Neu ist aber, dass sich solche Techtelmechtel der unschönen Art vererben, und zwar nicht innerhalb einer Familie, sondern nun abhängig von den öffentlichen Posten. - Natural born enemies gibt es sicher immer, denkt man an Parteichefs und deren Vorliebe für die Opposition, oder eben das alte Spiel mit den Gewerkschaften und den Arbeitgebervertretern. - Hier aber hat sich eine Feindschaft eingenistet, die wirklich nur schwer zu verstehen ist, nun aber bereits in dritter Generation gepflegt wird. - Die Bürgermeister der größten Stadt der Insel, Los Llanos, pflegen und pflegten allesamt ein äußerst gespanntes Verhältnis mit dem Vertreter der Zentralregierung in Madrid und diese besondere Vorliebe wird auch stets und berechenbar erwidert. - Da kommt dann ein neuer Bürgermeister und ein neuer oberster Vertreter der staatlichen Behörden und auch diese beiden fetzen sich beim ersten konkreten Anlass in aller Öffentlichkeit, genau so wie es die beiden Vorgänger gemacht haben.

Meist fängt der Bürgermeister zu stänkern an, so wie das auch in diesem konkreten Fall war, es geht um die Anzahl der Polizisten welche als "Guardia Civiles" in Los Llanos ihren Dienst tun. - Es gab ja leider diesen tragischen Fall, in dem ein junger Mann in einer nächtlichen Prügelei verstorben war und nun der Bürgermeister in seiner, allerdings verständlichen Ratlosigkeit angesichts einer solchen Ausschreitung, deutlich mehr staatliche Polizeikräfte fordert. - Das darf er machen, muss sich aber dann auch die Antwort seines Gegenübers anhören. - Mit Zahlen kann man ja lustig umgehen und im letzten Interview mit dem Bürgermeister kam so auch die Zahl von nur 14 Beamten der Guardia Civil vor, welche in Los Llanos Dienst tun sollen und das sei viel zu wenig. - Dem gegenüber kontert nun der Vertreter der staatliche Behörden, es seien nicht 14, sondern 47 Beamte in Los Llanos stationiert und das sind mehr als je zuvor, nicht mal unter Franco hatte man so viel "grüne Polizei" stationiert. - Des Rätsels Lösung ist ganz einfach, der Bürgermeister hat die Beamten genannt, die pro Schicht zur Verfügung stehen und nicht die Gesamtanzahl. - Mehr Stadtpolizei soll also her und die sollen sich darum kümmern dass die Sperrstunden eingehalten werden, denn das ist Kompetenz der lokalen Ordnungskräfte und nicht Sache der Guardia Civil. - Wäre nicht der Anlass für diese erneute Streitepisode so tragisch, der gewaltsame Tod eines jungen Mannes, dann könnte man sich eigentlich wunderbar zurücklehnen und den beiden Kontrahenten stundenlang beim Streiten zuhören.



Mittwoch 21.11.07 - 17:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 21 Grad, Niederschlag 17 mm Luftfeuchte 92 % Luftdruck 1010 hPa
Höchsttemperatur heute 21,7 Grad - niedrigste Temperatur 18,0 Grad

Horch was kommt vom Norden rein

Alle sind zufrieden, nachdem der Wind nun auf Nordwest gedreht hat, müsste es dort, im Nordwesten der Insel nun auch endlich geregnet haben. Bislang war, was bei südlichem Einfluss gar nicht so selten ist, dieses Gebiet von den Niederschlägen ausgenommen. - Ordentlich hat es geregnet, insgesamt 86 Millimeter konnten wir messen, hat der Durchzug dieses Tiefdruckgebietes gebracht. - Etwas kann noch hinzukommen, aber je weiter der Wind auf Norden dreht, umso unwahrscheinlicher sind weitere Regenfälle im Aridanetal. - Auf dem Nordatlantik spielt sich momentan wieder mal richtig viel ab und ein zweites, noch deutlich kräftigeres Tief schickt sich schon an auf die Kanaren aus dem Westen zuzusteuern. - Bevor Sie nun schlechte Laune bekommen, weil Sie entweder hier wohnen oder einen Flug zu uns gebucht haben, lesen Sie bitte noch ein bisschen weiter, denn es gibt ja nicht nur Tiefdruckgebiete rund herum. - Weit im Norden, genau zwischen den beiden Tiefdruckgebieten steckt ein nettes Hoch, welches sich nun von Zauberhand weiter nach Süden schiebt und wohl dafür sorgen wird, dass das nachfolgende Tief dadurch so weit nach Norden abgelenkt wird, dass es uns nicht mehr erreichen kann. - Garantien gibt's dafür nicht, aber jede Menge Erfahrung und wunderbare Vorhersagemuster, die allesamt darauf hindeuten. - Auf jeden Fall ist auch die Tatsache, dass der Wind bereits einen Schwenk auf nördliche Richtungen gemacht hat, ein bestechender Vorbote dieses Hochs und wir können damit rechnen, dass wir ab morgen komplett wieder unter Hochdruckeinfluss stehen.

Allerdings plänkern noch reichlich Regenwolken um die Kanaren herum, welche dann von Wind aus der anderen Richtung erneut gegen die Inseln geschleudert werden. Dann regnet es vorzugsweise im Nordosten der Insel, es können aber auch noch bei uns im Westen, meist in den hohen Lagen, noch Niederschläge fallen, da manche Wolkenbänke so hoch sind, dass sie locker über unsere Bergkämme hinweg reichen. - Auf jeden Fall ändert sich damit morgen auch wieder die Temperaturverteilung. - Das Hoch kommt aus dem weiten Norden und bringt daher auch reichlich kühle Luft zu uns. Nachts wird es also wieder kälter, dafür kann tagsüber die Sonne wieder rauskommen und die Temperaturen somit wieder über die 20 Grad Marke hiefen. - Auch könnte es den ersten Schnee auf dem Roque und den anderen Bergen über 2.000 Meter geben, es ist Feuchtigkeit genug da und eben auch kommende Kälte. - Auf dem Atlantik, vor Tazacorte ergibt sich auch wieder das immer gleiche winterliche Bild, wenn der Barranco de Las Angustias das Wasser aus der Caldera ins Meer spült. - Reichlich Erde und Geröll kommt da mit, so dass viele Quadratkilometer des Ozeans eine komplett andere Färbung aufweisen als der "Rest" des Meeres. Schade um die viele Erde welche da weggespült wird und auch schade um das viele Süßwasser, welches wir immer wieder ungenutzt den Barranco ins Meer tragen lassen müssen. - Allerdings sind die Gedanken, die Schlucht welche aus der Caldera herausführt mit einem Staudamm zu verschließen, schon lange nicht mehr Tagesgespräch, zu groß wäre der optische und geographische Einschnitt für die Landschaft. - Wenn es aber mal wieder zwei trockene Winter hintereinander gibt und der Ölpreis weiter so rapide steigt, dann werden wir schnell wieder drüber reden, denn Strom erzeugen könnte man mit dem vielen Wasser aus der Caldera auch noch, bevor man es zum Gießen nimmt.


Braune Wasser aus der Caldera färben das Meer



Mittwoch 21.11.07 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 18 Grad, Niederschlag 5 mm Luftfeuchte 95 % Luftdruck 1010 hPa

Und passt es nicht, dann wird es passend gemacht

Regelmäßig im Winter überschwemmen große Brecher aus Nordost die Strandpromenade in Puerto de Tazacorte. - Das war früher nicht so heißt es immer wieder, aber dabei müssen wir wohl sicher einen Nostalgiker-Abzug einsetzen, denn auch vor der kompletten Umgestaltung des alten Hafens kam der Atlantik im Winder regelmäßig die Strandhütten einreißen. - Oder zumindest "sauber machen". - So hat man früher gewitzelt, wenn die groben Grundseen mal wieder eines der Kiosk-Lokale überschwemmt hatten. - Das passiert ja heute nicht mehr, die beiden Lokale sind gut geschützt nun den großen Wellen abgewandt und so weit wie möglich an den Felsen gebaut. - Nach dem der neue Strand dort entstanden ist, bewegen sich die Brecher ein paar Meter weiter südlich über jegliche Absperrung hinweg und tragen in jeder Wintersaison reichlich Wasser und Sand auf die Uferpromenade. - Vielleicht hat man seinerzeit bei der Planung des Strandes nicht auf die alten Menschen gehört, die genau das prognostizierten, denn eines ist klar, man kann von Menschenhand die Wellen wohl ein paar Meter umleiten, deren Kraft und Zerstörungswut wird man aber nicht bremsen können.

Nun hat man wieder neue Pläne, der Strand soll genau dort, wo das Wasser regelmäßig über die Promenade schwappt verlängert werden, so will man den auslaufenden Wellen mehr Platz geben um ihre komplette Energie zu verlieren. - Dazu muss allerdings das Gebäude der "Taberna del Puerto" fallen, beliebter Ort um vom Promenadenbummel zu verschnaufen und in erster Strandreihe dem Badebetrieb zuzusehen. - Die Techniker und Architekten der Küstenbehörde werden wohl wissen was sie machen, allerdings fragt schon wieder keiner die alten Leute und die sind nicht der Meinung, dass man mit einer simplen Verlängerung des Strandes verhindern kann, dass sich das Wasser wieder seinen Weg auf die Promenade sucht. - Man gewinnt mit der Strandverlängerung keine Höhenmeter, alles bliebe danach auf dem gleichen Höhenniveau und das sei der entscheidende Faktor, ob die Wellen über die Brüstung schlagen oder nicht. - Schön, dass ich mich in Unwissenheit zurückhalten kann, das Meer ist nicht meine Heimstatt, aber so viel habe ich auch schon mitbekommen, dass keiner besser über die Tücken und "Gewohnheiten" des Atlantiks besser Bescheid weiß als die alten Leute. - Man will also kräftig Hand anlegen am Strand von Puerto de Tazacorte und in dem Zusammenhang wird auch wieder das "Unvollendete" genannt. - Das was mal ein Meerwasserschwimmbecken werden sollte, mit Baubeginn vor deutlich mehr als 20 Jahren, soll nun ein Parkplatz werden, mit vielen Stellplätzen für sommerliche Besucher. - Schön, dass wir so viel Zeit haben und keine Termine nennen müssen, aber man könnte ja wirklich mal Hand an dieses Filetstück im alten Hafen von Tazacorte legen. - Allerdings grinsen die alten Leute aus dem Hafen immer so wissend wenn man ihnen erzählt, nun geht es los, das Ding wird nun fertig und ich bin mir sicher, die alten Leute da wissen nicht nur über das Meer Bescheid, sondern auch über vollmundige Redner und Glücksverkäufer. - Mein kleiner winterlicher Tipp, man sollte es in Puerto de Tazacorte einfach mal mit einer öffentlichen Toilette versuchen für den Strand, bevor man einen Ozean bändigen will und Tiefgaragen unter dem Meeresspiegel baut. - Aber urbanistisch war ich ja immer schon ein Kleingeist.


Hohe Wellen im alten Hafen von Tazacorte



Dienstag 20.11.07 - 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 19 Grad, Niederschlag 17 mm, Luftfeuchte 95 % Luftdruck 1010 hPa
Höchsttemperatur heute 20,0 Grad - niedrigste Temperatur 17,7 Grad

Klimarettung oder Börsenbluff mit Umweltverschmutzung ?

Die "Weatherwind II" ist auf dem Weg zu uns, dabei haben wir doch gerade "Wind" und "Wetter" genug aus dem Westen. - Dieses Schiff gehört der Firma Planktos, welche sich eine wunderbare Geschichte ausgedacht, hat um Geld zu verdienen und gleichzeitig die Welt zu retten. - Geld verdienen ist nichts Neues, das machen wir alle irgendwie mehr oder weniger erfolgreich und die Welt retten, das ist doch mal eine schöne Aufgabe dazu. - Der Firma Planktos hat dazu eine interessante Idee zu bieten, welche auf der Tatsache basiert, dass Meeresplankton das eklige und widerliche CO² gerne und in großen Mengen in das wunderbare und feine O (Sauerstoff) umwandeln kann. - Das machen eigentlich alle Pflanzen mit Hilfe der Photosynthese, aber im Falle der Firma Planktos, will man das vermehrt, wie der Name das schon aussagt, mit Meeresplankton machen. - Dazu "düngt" man das Meer mit Eisenpartikeln, welche nun ein gewaltiges und schnelles Planktonwachstum hervorrufen, das dann natürlich auch wieder erhebliche Mengen an CO² zum Wachstum braucht. Darüber hinaus fördere die erhöhte Menge an Plankton als primärer Nahrungslieferant auch die restliche Meeresfauna, denn für ganz viele Meeresbewohner ist Plankton die Nahrungsquelle Nummer eins. - So könne man die Welt vor dem Klima-Kollaps retten und weil man sich eben mit dem Retten der Welt nicht zufrieden gibt, kann man auch noch seinen Haushalt mit der Firma Planktos sanieren, zumindest wenn man Aktionär wird. - Man denkt seitens der Manager von Planktos daran in den Handel mit Klimazertifikaten einzusteigen, sicherlich eine gewinnträchtige Geschichte. - Wenn das denn alles stimmt und ohne Nebenwirkungen auch funktioniert.

Genau da liegt des Pudels Kern, oder der Alge, reine Theorie, oder im natürlichen Ablauf funktionierende Abläufe müssen deswegen noch lange nicht im Großen künstlich nachgestellt werden können. - Ich darf mich bar jedes Detailwissens bei dieser Aktion nennen, genau so wie das unserer Provinzregierung geht. - Ich freue mich immer herzhaft, wenn es diese Übereinstimmungen gibt. - Unsere Provinzregierung ist nun aber hellhörig geworden, weil es eben neben den netten Vorstellungen der Firma Planktos auch durchaus warnende wissenschaftliche Stimmen gegen die "Impfung" der Meere mit Eisenstaub oder Pulver gibt. - Auf jeden Fall gibt es wohl keine wirklich fundierten Langzeitstudien über massive Einsätze von Eisenpulver im Meer und auch welche "Kollateralschäden" dabei entstehen können. - Nun nimmt aber dieses Schiff, die "Weatherwind II" Kurs auf die Kanarischen Inseln und soll wohl in unserer Umgebung 100 Tonnen Eisenstaub im Atlantik versenken, um eben dort das Planktonwachstum zu stimulieren. - Genau weiß man es nicht, wo das denn passieren soll, aber man ist inzwischen sehr sensibel geworden, wenn irgendjemand in unserer Nähe irgendetwas ins Meer kippen will. - Nun bittet man seitens unserer Provinzbehörden die Zentralregierung in Madrid, uns bei der Suche und der Beobachtung dieses Schiffes zu helfen, da wir selbst nicht über ausreichende Möglichkeiten verfügen. - Es kann ja durchaus sein, dass das eine wunderbare Geschichte zur Rettung unseres verschnupften Klimas sein kann, aber wir wissen das nicht genau. - Aber das genau geht uns an, wir müssen es genau wissen, bevor man solche Versuche vor unsere Haustür startet. - Wie die Firma Planktos sich selbst und ihre Vorhaben beschreibt, dass können Sie HIER (Link entfernt, da nicht mehr aktuell) nachlesen.



Dienstag 20.11.07 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 18 Grad, Niederschlag 11 mm, Luftfeuchte 95 % Luftdruck 1009 hPa

Nachtschichten für die Lokalpolizei in Los Llanos

Ob nun verstärkte Präsenz der Polizei den Tod des jungen Mannes bei einer Rauferei vor dem Kino in Los Llanos hätte verhindern können, das kann man so einfach natürlich nicht behaupten. - Aber als direkte Konsequenz daraus schickt die Stadtverwaltung nun an den Wochenenden bis zu 10 Polizisten auf nächtliche Streife in der Innenstadt und den einschlägig bekannten Vergnügungszentren. - Diese Maßnahme soll vorerst mal bis Weihnachten begrenzt werden und dann will man weitersehen. - Es ist nicht so, dass nach Weihnachten alle Jugendlichen plötzlich still und friedlich sind, aber man erhofft sich ja auch noch Hilfe von der Guardia Civil, die aber momentan so unterbesetzt ist, dass man keine weiteren Kräfte für nächtliche Streifengänge einsetzen kann. - Man schiebt sich da die Aufsichtspflicht immer so ein bisschen hin und her, während die Stadt mehr Guardia Civil fordert, weißt man von den staatlichen Polizeikräften immer wieder darauf hin, dass man eigentlich nicht dazu da sei, nachts auf pubertierende Jugendliche aufzupassen. Das sei Aufgabe der Stadt und auch der privaten Sicherheitskräfte, welche auch das Kino unterhält. - In dem Zusammenhang erhebt die Stadtverwaltung Vorwürfe gegen die Aufpasser des Kinos und fragt laut nach, warum denn die Sicherheitskräfte des Kinobetreibers nichts mitbekommen hätten von der tödlichen Schlägerei. - Wörtlich: "Die sind nicht dazu da Salat zu verkaufen oder Rauchen zu gehen, die sollen arbeiten und eingreifen, zumindest so lange bis die Polizei vor Ort ist." - Da bleibt vielleicht noch anzumerken, dass das, was wir schlicht "Kino" nennen, ein Komplex mit mehreren Diskotheken und anderen Vergnügungslokalen ist, welches immerhin für den Besuch von bis zu 1.200 Personen zugelassen ist.

Nachtschichten an den Wochenenden für die Stadtpolizei bedeutet natürlich auch, dass diese Kräfte dann tagsüber fehlen und man will aus Kostengründen nicht unbedingt mehr Personal einstellen, denn die Policía Local muss komplett aus dem Stadtsäckel bezahlt werden. - Darum ist man auch so zögerlich mit den Nachteinsätzen und würde die Verantwortung gerne weiter delegieren, aber das ist nicht so einfach und besonders nach solch einem wirklich tragischen Todesfall kann man sich eigentlich gar nicht mehr heraushalten. - Los Llanos bezahlt da den Preis einer Metropole, die saugt nicht nur an Werktagen die Geschäfte und Arbeiten an, sondern eben auch an Wochenenden die vergnügungswilligen Jugendlichen der kompletten Westseite. - Es ist für die meisten jungen Leute überhaupt keine Frage, wohin man denn am Wochenende geht um sich deftig zu amüsieren, da kommt nur Los Llanos in Frage mit seiner großen Anzahl an etwaigen Etablissements. - Das ist auch eine gesellschaftliche Frage welche man sich seitens der Stadtverwaltung stellen muss. - Man kann nicht nur von den netten Steuereinahmen der vielen Lokale profitieren, ohne dass man die negativen Begleiterscheinungen auch mit einkalkulieren muss. - Wo viele Jugendliche am Wochenende zusammenkommen und Alkohol und sicher auch noch andere Aufputschmittel präsente Begleiter sind, da kommt es fast unweigerlich zu schwierigen Situationen. - Natürlich muss man an den Wochenenden mit Polizeikräften dort sein, aber sicher sollte man auch die Eltern der Jugendlichen mit einbeziehen, in den Versuch aus einem Vergnügungsabend kein gewalttätiges Spektakel werden zu lassen.



Montag 19.11.07 - 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 22 Grad, Niederschlag 27 mm, Luftfeuchte 76 % Luftdruck 1009 hPa
Höchsttemperatur heute 22,8 Grad - niedrigste Temperatur 16,3 Grad

Wilder, hemmungsloser Sex bei Krabbeltieren

Mal sehen, auf welchem Index nun diese Webseite landet, oder welche neuen Zugriffe wir haben… Der erwartete Regen ist gekommen und mit ihm wieder unsere kleinen possierlichen Begleiter, die Tausendfüßer. Nicht in solchen Massen wir schon mal vor drei Jahren, als wir mit dem Besen die Wände abkehren mussten, aber immerhin, man bringt sich seitens der Schnurfüßer mal wieder in Erinnerung. - Seit Jahren beobachte ich nun schon diese Marathon-Tiere und bin immer wieder aufs Neue fasziniert, was diese, scheinbar so unnützen Geschöpfe, so alles drauf haben. - Da ist einmal ihre Überlebensstrategie, die ganz einfach heißt, wenn es warm und trocken ist, dann ab in die Erde und warten bis wieder tausendfüßergerechte Umweltbedingungen herrschen: feucht und nicht zu kalt. - Das können diese Tiere auch mal Jahre aushalten, wie man aus Untersuchungen in Australien festgestellt hat, kommt dann aber wieder Regen, dann entsteigen die Tierchen in Massen dem Erdreich und tun das, wozu wohl alles Leben auf dieser Erde oberflächlich orientiert ist: Fressen und sich Vermehren. - Da die Tausendfüßer keine Zähne haben, gestaltet sich das Fressen eher zu einem Lutschen und Saugen (der Bayer in mir spricht dann immer von "zuzln") und es muss weiche Nahrung sein, feste Körper können nicht aufgenommen werden. Weiches Obst, am besten schon im breiigen Zustand ist ideal, es kann aber auch Aas sein. Neulich erwischte ich ein Rudel dieser Diplopoden beim Festmahl in einem bereits ziemlich leer gelutschen Mäusekörper, den Paul (unser Kater)wohl nach erfolgreicher Jagd zurückgelassen hat. - War mir neu, dass die auch tierische Nahrung zu sich nehmen, aber nachdem ich gesehen habe, dass die sich an auch bereits durchgekauten Kaugummis laben, muss man diesen Zeitgenossen wohl kulinarischen so einiges zutrauen. - Wär´ ja mal was für das Promidinner…

Was man aber wohl noch nicht so richtig weiß, das ist das mit der Fortpflanzung. - Dabei haben die Tiere aber ein ausgeklügeltes Überlebenspaket mitbekommen, welches unsereins vor Neid ja schier erblassen lässt. - Falls keine Partner vorhanden sind, legen die Weibchen einfach mal so aus Verdacht Eier ab und sollte dann, rein zufällig, weil er gerade nichts anderes vor hatte, ein männliches Tier über die Eier stolpern, dann werden diese eben flugs besamt. - Gar nicht auszudenken, was solche Möglichkeiten in die Humanwelt transferiert bedeuten würden und ganz sicher hat Boris Becker da heißes Interesse daran, das könnte der Besenkammergeschichte ein komplett neue Wendung verleihen. - Sind aber genügend begattungswillige Exemplare vorhanden, dann können die auch richtigen Sex machen, so mit allem Drum und Dran. - Fragen Sie mich jetzt bitte nicht, was so "mit allem Drum und Dran" im Detail gemeint ist, sonst erzähle ich das später Ihrem Partner… - Nun habe ich endlich auch den photographischen Beweis dafür und das sind sicherlich ganz rare Aufnahmen, nicht jedem ist es vergönnt, dem Diplopoda Julidea ommatoiulus moreletii beim Kopulieren zuzusehen. - Das ist recht wild zur Sache gegangen, mal lag er oben, mal sie, wobei ich ganz ehrlich nicht genau weiß, wer denn nun "er" und wer "sie" war. - Aber immerhin, der (die) kleinere der Beiden schien der (die) deutlich aktivere zu sein und weil ich nun ganz geschickt die Chauvikasse umschiffen will, nahm ich an, das sei das Weibchen. - Danach zog man sich übrigens wieder zurück, keine Zigarette und beide taten das, was Tausendfüßer am besten können, sie liefen davon. - Weiter konnte ich nicht beobachten, der nächste Schauer trieb mich zurück unter die schützende Pergola, zu gerne hätte ich dem Weibchen noch beim Nestbau und der Eiablage zugesehen. - Was, die bauen keine Nester und legen ihre Eier einfach unbeobachtbar in die Erde? - Ein anderes Mal werden mir da auch noch spektakuläre Aufnahmen gelingen, was ein echter Tausendfüßer-Spanner ist, der bekommt das auch noch raus.







Montag 19.11.07 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 19 Grad, Niederschlag 0 mm, Luftfeuchte 82 % Luftdruck 1009 hPa

Europa übersetzen

Den europäischen Segen für die Insel sehen wir eigentlich täglich. Summen und Unsummen an Hilfen sind auf diese Insel geflossen, um uns aus dem vermeintlichen Dornröschenschlaf zu wecken. - Unsanft war der Aufprall. - Nicht nur, weil so viel Geld auch Projekte möglich macht, die bar jeder Vernunft sind und sogar noch schlimmer, diese Insel durch Stahlbeton und Prestigeprojekte bedrohen. - Darüber wollen wir uns aber heute nicht mokieren, das haben wir bereits oft genug getan. - Heute geht es eher mal um die kleinen "Nebensächlichkeiten" aus dem Gabenkatalog der Europäischen Union und deren Unvereinbarkeit mit den regionalen Gepflogenheiten. So verständlich und korrekt es erscheint, dass man für die Produktion von Lebensmittel einheitliche Auflagen schafft, so groß sind auch die Probleme für Kleinproduzenten diese zu erfüllen. - Dabei geht es natürlich um die Käse- und Weinherstellung hier auf La Palma, welche nach den europäischen Vorstellungen so natürlich nicht sein kann.

An die zwanzig Weinabfüller haben das notwendige Kapital aufgebracht ihre Anlagen so weit zu bestücken, dass diese nun den europäischen Erforderungen entsprechen. Alle anderen, und es gibt auf La Palma an die 3.000 kleine Bodegas, dürfen nun ihre Weine zwar noch selber keltern, aber nicht mehr in den Verkauf bringen. Alles was denen bleibt, ist der Verkauf der frischen Trauben an die großen Bodegas, oder den Wein selber zu trinken. - Viele machen das auch, es ist finanziell nicht möglich für Nebenerwerbswinzer den Weinkeller so aufzurüsten, damit er europäisch genormten Vorstellungen entspricht. - Genau so ergeht es den vielen kleinen Ziegenkäseproduzenten, die mit ein paar Ziegen das Haushaltsbudget aufgebessert haben, in dem sie wöchentlich ein paar Laibe Käse zum Laden an die Eck gerollt haben, oder die Nachbarschaft versorgt. - Auch dort darf nicht mehr verkauft werden, wer nicht alle, peinlich genauen Auflagen erfüllt, dürfte eigentlich den Käse sogar nicht mehr herstellen und selbst essen. So zumindest interpretieren das scharfe Kritiker die Forderungen der Europäischen Union an unsere Ziegenkäsebauern. - Man spricht von an die 150 Kleinbetrieben, denen jetzt die Schließung droht, weil es auch, wie beim Wein, für Kleinstproduzenten nicht machbar ist, alle Auflagen zu erfüllen. Wer da 5 oder 10 Ziegen im Garten oder Stall hat, um ein paar Käse jede Woche zu machen, der kann sich kein Labor in seinen "Betrieb" stellen, sondern kann nun seine Milch wegschütten. - Eigentlich hat man ja, genau für diesen Moment, eine Molkerei auf La Palma aus inseleigenen Mitteln erstellt, bei El Paso, neben dem Schlachthof, aber diese ist einfach noch nicht fertig, weil es Probleme mit der Baufirma gab und nun der notwendige Maschinenpark noch fehlt. Dort sollten diese Kleinproduzenten ihre Milch abliefern, aber es ist nicht abzusehen, wann und vor allem wie das geschehen soll. - Bei aller Liebe zur notwendigen Hygiene und europäischen Normen, für ganz viele Haushalte, welche einen Teil ihres Budgets durch kleinen Nebenerwerb in der Landwirtschaft bestritten haben, bedeutet das schlichtweg das Aus. - Gut verständlich, dass man Produkte, welche über Landesgrenzen hin vertreibt und verkauft einem Standard unterwerfen muss, der lokale Markt fordert aber Frische und Individualität, wie sie seit jeher geboten wurde. - Ich werde meinen Käse weiterhin, nun verbotenerweise vom Nachbarn kaufen, so lange er sich das noch traut. - Gefragt wäre eine lokale Lösung und vielleicht die Möglichkeit zweigleisig zu fahren, Produkte welche exportiert werden sollen müssen die europäischen Auflagen erfüllen und wer nur den lokalen Markt bedienen will, der soll so produzieren wie er es immer gemacht hat. - Der Käufer hat dann die Entscheidung welches Produkt er wählen will und so viel Eigenverantwortung sollte man erwachsenen Menschen auch im regulierten Europa schon zutrauen.



Sonntag 18.11.07 - 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 22 Grad, Niederschlag 0 mm, Luftfeuchte 73 % Luftdruck 1010 hPa
Höchsttemperatur heute 23,8 Grad - niedrigste Temperatur 15,5 Grad

Störung der Totenruhe

Wenn hier Wahlkampf ist, dann geht es oft heiß zu. - Besonders der kleine Wahlkampf, wenn es also um Kommunale Wahlen geht, dann gehen die Gemüter hoch und manch einer greift dann zu drastischen Maßnahmen, oder was die Gegenseite zu solchen erklärt. - Um eine, vielleicht als Anekdote zu bezeichnende Auseinadersetzung im Kommunalwahlkampf geht es nun vor Gericht weiter, die Sozialisten aus Tazacorte wollen sich die Störung einer ihrer Wahlkampfveranstaltungen durch Mitglieder der Partei Unión Bagañete nicht gefallen lassen. - Was war geschehen? - Vor den Wahlen veranstalten alle Parteien Treffen, auf denen die Bürger in den einzelnen Ortsteilen eingeladen werden, das sind hier so genannte "mitins", ein Kunstwort welches dem englischen "meeting" entliehen, und dem Spanischen zurechtgebogen wurde. - Die Sozialisten halten also eines dieser Treffen ab, mitten im Ort und Mitglieder der Unión Bagañete, übrigens spätere Wahlgewinner fahren mit einem Autokorso so lange hupend und gröhlend im Kreis, bis man das Treffen woanders hin verlegen muss und endlich die Polizei eingreift und die hupenden Autos vertreibt. - Ein weiterer Vorfall ereignete sich danach noch auf einer Veranstaltung im Hafen von Tazacorte, auch dort tauchten die Autos der Unión Bagañete- Anhänger wieder auf und hupten sich lautstark ins Gedächtnis der Veranstalter der PSOE.

Die Sozis haben sich diese Geschichte nicht gefallen lassen und alle führenden Mitglieder der Unión Bagañete angezeigt, wegen Verletzung diverser Auflagen welche sich um den Ablauf von freien und demokratischen Wahlen bemühen. - Insbesondere stehen der Bürgermeister und sein Stellvertreter vorne auf der Liste der Angeklagten und nun kommt es endlich zur mündlichen Anhörung vor Gericht in Los Llanos de Aridane. - Ich wollte sicher nicht über solch einen kleinen Zwischenfall schreiben, gäbe es da nicht eine bemerkenswerte Zusatzinformation. - Es handelt sich bei dieser Anhörung vor Gericht nicht etwa um einen Vorfall bei den vor einem dreiviertel Jahr abgehaltenen Kommunalwahlen, sondern es geht um die vom Mai 2003. - Das ist mir anfänglich gar nicht aufgefallen, bis ich den Namen des Sozialisten las, der sich derart bei seinen Auftritten von den hupenden Rüpeln der Unión Bagañete gestört sah, dass er das Gericht anrufen musste. Es handelt sich bei dem Herren um Imeldo Concepción, ehemaliger Spitzenkandidat der Sozialisten in Tazacorte, der im April 2005 an einem Herzinfarkt verstorben war. - So schnell sind unsere Gerichte und nun gewinnt die Anhörung der bösen Hupeonkels vor Gericht eine besondere Note. - Wir kennen das ja schon mal aus dem Gesundheitswesen mit seinen Wartelisten, da wird auch manchmal Patienten endlich ein Termin genannt und diese sind bereits verstorben. - Nun wird das Gericht darüber entscheiden müssen, ob denn Strafen gegen die Beschuldigten ausgesprochen werden und ob es denn überhaupt möglich sein kann, wenn der Hauptankläger bereits verstorben ist. - Kann natürlich sein, dass sich unsere Gerichte wieder so viel Zeit lassen, bis auch die Angeklagten verstorben sind, was wir natürlich alle nicht hoffen wollen. - Eigentlich sollte man diese Geschichte, und wenn auch nur aus Scham vor der langen Zeit, die unsere Gerichte brauchen um etwas zu verhandeln, ganz schnell vergessen. - Imeldo Concepción wird es auch nicht postum erfreuen, wenn seine damaligen Gegner nun, oder in einer fernen Zukunft zu einer symbolischen Geldstrafe verurteilt werden. Nimmt man es genau, dann sind solche Verfahren, nach so langer Zeit eigentlich Störung der Totenruhe und so unnötig wie ein Kropf.



Sonntag 18.11.07 - 10:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 18 Grad, Niederschlag 1 mm, Luftfeuchte 82 % Luftdruck 1013 hPa

Bevölkerungskontrolle

Komisches Wort, klingt erst Mal nach George Orwell, soll aber die Antwort auf die wachsende Angst auf den Inseln vor Überbevölkerung sein. - Diese Angst, oder vielleicht besser, dieses Unbehagen, wird aber allerdings auch medial geschürt und von den selbsternannten Nationalisten der Coalición Canaria als wirkliches Problem danach wieder behandelt. - Das geht schon in die Richtung: Gib mir ein Problem welches nicht von hier kommt, dann müssen wir uns nicht um das desolate Gesundheitssystem kümmern und wir können eine Bedrohung von außen herstellen, die uns so einen Schulterschluss mit der Bevölkerung ermöglicht. - Das sind alt bekannte Strategien, die leider oft auch fruchten. - In der Tat geht das Gespenst Überfremdung seit geraumer Zeit bereits um und hat sich, nach Jahren der permanenten Berieslung durch einschlägige Medien wirklich seinen Platz in der Besorgnis der Bevölkerung erkämpft. Dabei werden Flüchtlinge aus Afrika plötzlich genau so in einen Topf geworfen wie Rückkehrer aus Südamerika und Übersiedler vom spanischen Festland und auch die europäischen Immigranten geraten da in die Schusslinie. - Das aufzudröseln liegt nicht im Sinne der Erfinder, denn dann würde man ja bald feststellen, dass es überhaupt keine Überfremdung auf den Kanaren gibt, sondern meist nur notwendigen Zuzug, der die eigenen Lücken durch die geringen Geburtenraten füllen soll. - Wenn man von Überfremdung reden kann, dann vielleicht in den Tourismusexklaven auf manchen Inseln, in denen es in der Tat keine einheimische Bevölkerung mehr gibt. - Das liegt aber mehr an den extrem geringen Löhnen welche rund um den Billigtourismus gezahlt werden, von denen Einheimische nicht wirklich leben können.

Man klagt seitens der regionalen Kräfte, bei ausländischen Arbeitnehmern sei die Arbeitslosenrate geringer als bei der einheimischen Bevölkerung, deshalb denke man daran eine Möglichkeit zu schaffen, die Canarios über ein Bevorteilungsgesetz zuerst den Zugang zu den offenen Stellen zu ermöglichen und dann erst den Immigranten. - Das geht im Falle europäischer Gesetze natürlich nicht und es wird auch nicht möglich sein Festlandsspanier in ihrem eigenen Land gegenüber regionaler Bevölkerung zu benachteiligen. - Und wer nun aus anderen Ländern kommt, die nicht Spanien oder der EU angehören, hier ordentliche Arbeitspapiere hat, der unterliegt auch den hiesigen Bestimmungen und kann auch nicht diskriminiert werden. - Das geht also nicht und man unterliegt dort auch einfach einem Irrtum. Die meisten Immigranten welche hier keine Arbeit finden, die gehen wieder fort von den Inseln und tauchen dann natürlich nicht in der Arbeitslosenstatistik auf. - Wo tatsächlich Druck besteht, das ist der große und graue Markt der illegalen Beschäftigung, aber dagegen helfen keine neuen Gesetze, denn die gibt es schon reichlich, sondern stärkere und bessere Kontrollen. - Auf dem Schwarzmarkt tummeln sich natürlich vorwiegend Immigranten, da einerseits deutlich geringere Löhne gezahlt werden und auch niemand von den Sozialleistungen wir Renten- und Arbeitslosenversicherung profitieren will, welche für die einheimische Bevölkerung wohl ein großes Thema sind. - Nach Erhebungen des Nationalen Statistischen Institutes sind die meisten ausländischen Arbeitnehmer hier auf den Kanaren auch keine Problemfälle, sondern eher jung, kerngesund und zahlen ihre Beiträge in die öffentlichen Kassen ohne diese zu belasten. So gehen zum Beispiel ausländische Arbeitnehmer nur halb so häufig zum Arzt wie einheimische Arbeiter und wischen so die populistische Mär von den hohen Gesundheitskosten welche die Ausländer generieren, komplett vom Diskussionstisch.

Die Kanaren waren immer eine Region mit ständigem Kommen und Gehen und je besser es uns hier geht, umso größer ist natürlich die Anzahl derjenigen, die auch an unserem Wohlstand teilhaben wollen. Das war vor gar nicht so vielen Jahren noch komplett anders, da entvölkerten sich die Kanaren geradezu auf der Suche nach bessern Bedingungen in Richtung Amerika. - Viele kommen nun wieder zurück, oft bereits die Söhne oder die Enkel der damals geflohenen und man sollte dabei höllisch aufpassen, gerade dieser Gruppe eine mögliche Überfremdung anzudichten. Es ist also eher ein Index für unseren Wohlstand, wenn viele zu uns kommen, als eine Gefahr für unser Auskommen und unsere Traditionen. - In einem anderen Punkt muss ich der jetzigen Regierung allerdings Recht geben, wir haben ein Problem mit dem urbanistischem Druck durch Zweitwohnsitze. - Dabei entsteht die aberwitzige Situation, dass es auf den Kanaren weit mehr als 100.000 Wohnungen und Häuser gibt, die entweder komplett leer stehen, oder eben nur zeitweise genutzt werden, von Menschen, welche nicht dauernd auf den Kanaren leben. - Allerdings verbieten sich da Maßnahmen aber wegen der möglichen Schädigung unserer ohnehin schon gebeutelten Bauwirtschaft. - Sollte man da die Investitionshähne zudrehen und den Bau von Wohnungen und Häusern nur noch mit der Auflage der kompletten Nutzung durchsetzen wollen, dann gerät unsere Bauwirtschaft in eine komplette Krise. - Vielleicht sollte man diesen Gesamtkomplex lieber gar nicht anrühren, aus der so einfach erhofften Schuldzuweisung an Immigranten kann schnell ein komplexer Bumerang werden, denn eines müssen wir uns immer wieder klar machen: Ohne die vielen Ausländer, seinen sie nun billige Arbeitskräfte, oder Investitionen bringende Zuzügler, wäre unser Wohlstand nicht der, den wir heute genießen.



Samstag 17.11.07 - 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 19 Grad, Niederschlag 5 mm, Luftfeuchte 94 % Luftdruck 1011 hPa
Höchsttemperatur heute 19,8 Grad - niedrigste Temperatur 18,9 Grad

"Sauberer Punkt" öffnet nun auch an den Wochenenden

"Sauberer Punkt" wäre die korrekte Übersetzung unserer Einrichtungen mit dem Namen Punto Limpio. - Um es den Deutschen verständlicher zu machen sollte man vielleicht zu einem Anglizismus greifen, sonst versteht man es nicht, man meint damit "Clean Points". - Seitdem Auskunftsschalter "Service Points" heißen und ein gutes Geschäft "win-win" Situation, ist doch jedem Deutschen klar, dass ein "Clean Point" nur ein Werkstoffhof sein kann, oder für Linguistiknostalgiker ein Sperrmüllplatz mit Ringelpiez und Personal. - Jetzt mal ohne gedrungene Polemik, diese "Puntos Limpios" auf La Palma sind eine phantastisch gute Einrichtung, man wird doch dort tatsächlich allen Müll los, den der aufgeklärte und umweltbewusste Mitbürger weder in den normalen Mülltonnen oder im Wald entsorgen kann. - Ganz positiv gedacht und wenn die Müllverwertungsanlage bei Mazo mal wirklich ihren Dienst aufnehmen wird, könnte man daraus wirklich ein progressives Müllverwertungskonzept spinnen und wir gehen einfach mal davon aus, dass das dann auch so laufen wird.

Wichtig bei der Umwelterziehung der Bewohner ist ja auch immer der Faktor Bequemlichkeit. - Daher funktioniert bei uns die Müllabfuhr mit drei wöchentlichen Abholungen eigentlich bestens und die Puntos Limpios sind dazu da, den Rest des Abfalls ordentlich und sortenrein entgegen zu nehmen und dann nach Mazo weiter zu leiten. - Diese Werkstoffhöfe sind von der Inselregierung flächendeckend verteilt, einer in Tijarafe soll den Nordwesten bedienen, einer in Puntallana den Nordosten und hier im Aridanetal gibt es einen am "Callejon de la Gata" im neuen Industriegebiet der Stadt Los Llanos. - Eigentlich ist jeder der über ein Automobil verfügt in der Lage, solch einen Clean Point zu erreichen wenn er seine Alte loswerden will, ich meine natürlich alte Waschmaschine, oder was sonst noch an Geräten oder weiteren Dingen im Haus kaputt gehen kann. - Dass immer mal wieder so etwas auch in Barrancos geschmissen wird ist deshalb unverständlich, denn dahin muss man ja auch fahren und dann hätte man doch auch den Punto Limpio ansteuern können, da wird man wirklich alles los, außer Hausmüll und es kostet den Privatbürger auch keinerlei Entsorgungsgebühr. - Nun geht man noch ein Stück weiter und verbessert den Service erneut, man öffnet nun diese Werkstoffhöfe jeden Tag in der Woche, auch Samstag und Sonntag und nimmt so dem letzten Umweltmuffel das Argument, der Punto Limpio sei immer zu wenn er Zeit hätte und so müsste er ja notgedrungen die Waschmaschine im Barranco entsorgen. - Da fällt mir nur noch ein Chapeau an die Inselregierung ein, denn ich will heute nicht intensiver nachdenken darüber, was denn mit dem vielen Müll geschieht, der da wunderbar auf den "Clean Points" gesammelt wird, so lange wir die zentrale Müllverwertungsanlage in Mazo noch nicht haben. - Trotzdem, das ist Bürgernähe und ich könnte mir gut vorstellen, dass die Sonntagsöffnung der Werkstoffhöfe sogar so manchen lustigen Familienausflug ersetzen kann. - "Komm Mutti, wir gehen heute mal entsorgen!" - "Nein, nicht den Opa einpacken, der funktioniert doch noch und bekommt doch schöne Rente" - Öffnungszeiten sind ab kommender Woche: Montag bis Mittwoch 08:00 - 19:00 Uhr und Donnerstag bis Sonntag 08:00 - 15:00 Uhr.

WS (Wetterskriptum) Das mit dem geringen Unterschied zwischen Maximal- und Minimaltemperatur ist kein Irrtum. Das entsteht, wenn den ganzen Tag die Sonne nicht durch die Wolken lugen kann und alleine der Wind unsere Temperatur bestimmt. - Übrigens können wir morgen und übermorgen wohl mit einem Zwischenbauknecht rechnen, bevor dann der nächste Tiefausläufer die Bananenbauern wieder glücklich macht.



Samstag 17.11.07 - 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 19 Grad, Niederschlag 4 mm, Luftfeuchte 92 % Luftdruck 1014 hPa

Ein Toter nach Prügelei in Los Llanos

Auch das gibt es auf unserer so friedlichen Insel. Da hilft dann keine Statistik wie sicher und kontrolliert unser Inselleben so stattfindet, ein 28 Jähriger aus Mirca bei Santa Cruz erlag gestern seinen Kopfverletzungen die er bei eine Prügelei in Los Llanos erhalten hatte. - Die Unglücksnacht selbst liegt schon zwei Wochen zurück, es war die Nacht vom 3. zum 4. November, als es vor dem Millenium-Kino in Los Llanos zu der Auseinandersetzung zwischen mehreren jungen Männern kam. Wie man nun im Nachhinein feststellen konnte ging es wohl um den lächerlichen Grund, wer denn wen nach Hause fahren wolle oder nicht. - Dabei verprügelten wohl 2 junge Männer im Alter von 23 und 32 Jahren die Insassen des Fahrzeuges, dessen Fahrer der später Verstorbene war. - Ob es vorher schon zwischen den Kontrahenten zu Auseinandersetzungen kam, lässt man uns wissen, dass man keine Bandenkriminalität dahinter vermutet, auch keine Abrechnung im Drogenmilieu, sondern eine saudumme, wohl alkohol- und testosterongeschwängerte Aktion zwischen "starken Männern" war.

Der nun Verstorbene erhielt einen Schlag an den Kopf, der ihn sofort ohnmächtig werden ließ und als es der zu Hilfe gerufenen Ambulanz nicht gelang den jungen Mann wieder auf die Beine zu bringen fuhr man ihn ins Krankenhaus. - Dort stellte man dann schwere Schädelverletzungen fest und brachte ihn weiter ins Universitätskrankenhaus nach Tenerife. Dort verstarb er gestern, ohne jemals wieder aus dem Koma erwacht zu sein. - Die Schläger waren selber deutlich von dem Geschehen überrascht und ließen sich von der gerufenen Polizei in der gleichen Nacht noch ohne weiteres festnehmen, wurden aber dann wieder auf freien Fuß gesetzt, weil es sich ja bislang lediglich um eine Prügelei mit einem Verletzten handelte. Nun wurde die beiden erneut festgenommen und sitzen in Untersuchungshaft, es soll geklärt werden ob man denn eine Anklage wegen fahrlässiger Tötung erhebt. - Aus dieser Geschichte folgen wird eine erneute Diskussion um die Sicherheitslage in Los Llanos, denn die Metropole zieht jedes Wochenende Jugendliche aus der ganzen Insel an und es kommt immer wieder zu Zwischenfällen mit meist alkoholisierten Jugendlichen. - Da wir aber sonst kein echter krimineller Schwerpunkt sind, sondern eben die Statistiken weit ins Land der Braven und Harmlosen rücken, haben wir einfach eine Polizei welche personell so schmal besetzt ist, dass man keine dauerhafte Überwachung der Umgebung der Vergnügungsviertel leisten kann. - Eine Diskussion bleibt uns allerdings erspart, dieses Mal waren keine südamerikanischen Immigranten die Protagonisten der Vorfälle, wie es sonst oft wohl ist und gerne seitens unserer lokalen Behörden propagiert wird, jetzt haben sich ganz normale "Jungs" aus La Palma so geprügelt, dass einer nicht wieder kommt. - Das Wetter hat sich dieser unschönen Geschichte angepasst, das Tief kam überpünktlich und heute zeigt sich La Palma in grauem Kleid mit Nieselregen.



Freitag 16.11.07 - 17:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 22 Grad, Niederschlag 0 mm, Luftfeuchte 76 % Luftdruck 1014 hPa
Höchsttemperatur heute 25,8 Grad - niedrigste Temperatur 15,4 Grad

Wer schützt den Vulkan

Wenn der Vulkan rumst, dann brauchen wir Schutz, später aber, wenn jeder zum Vulkan will um ihm ins Maul zu blicken, dann kehrt sich die Schutzbedürftigkeit um. - Hier hat man Sorgen um den Teneguía, den jüngsten kanarischen Vulkan, der eben mal lockere 36 Lenze auf seinem kleinen Buckel hat. - Zu viele Besucher und das auch noch völlig ungeordnet machen dem Vulkan zu schaffen und man fürchtet die Erosion durch die vielen Fußtritte noch mehr als liegen gelassene Picknick-Tüten oder Endgültigeres. - Der Teneguía ist kein harter Felsbrocken, sondern besteht zum größten Teil aus durch Eruptionen aufgeschüttetem Lavagrus. Jeder Fußtritt bringt die kleinen Partikel, hier Picón oder Gransón genannt ins Rollen und irgendwie immer nur bergab, nie bergauf, so dass an manchen besonders interessanten Stellen der Teneguía bereits leidlich "abgelatscht" wirkt. - Gut, das würde durch normale Erosion, Wind und Regen auch passieren, aber eben nicht so schnell und so deutlich an bestimmten Stellen, wo jeder Wanderer halt gerne langgehen würde. - Wie man nun den Teneguía einerseits vor dem Ansturm der Gäste schützen kann, aber andererseits auch nicht den touristischen Wert dieses Vulkanhügels aufs Spiel setzt, das soll nun untersucht werden.

Allerdings gibt es da ein Problem. - Der Teneguía ist zum größten Teil Privatbesitz, auch wieder ein Unikum welches es wohl nur auf La Palma gibt, das ist die Insel, auf der die Vulkane einzelnen Familien gehören… Daraus entstehen Probleme, oder auch nicht, ganz wie man das sehen will. Die jetzigen Eigentümer haben sich nie wirklich um ihren Besitz gekümmert, warum auch, sie können ja damit nichts anfangen. Theoretisch können sie aber ihren Besitz dem Publikum unzugänglich machen und damit wäre eigentlich das Problem gelöst. So einfach, oder eben so drastisch will das aber auch niemand wirklich, denn so verlören wir ja einen Touristenmagneten, denn wer will bei seinem Aufenthalt auf der Vulkaninsel nicht den jüngsten Vulkan sehen. - Man wird also eine Möglichkeit finden müssen, welche es den interessierten Besuchern weiterhin ermöglicht den Vulkan, mehr oder weniger nah zu besuchen, aber gleichzeitig dafür zu sorgen, dass man den Teneguía nicht zum Niedertrampeln freigibt. - Es wird wohl dahinauslaufen, dass man gewisse Wege anlegt und diese pflegt, damit es nicht zu weiterer Erosion durch Wanderschuhe kommt, den Rest aber für den Publikumsverkehr sperrt. - Man denke da an den Nachbarvulkan San Antonio, dort ist das bereits so geregelt, allerdings auch nicht zur Freude aller. - Denn mit dem Anlegen der Wege entstehen auch wieder Kosten, denn diese müssen ja erst Mal gebaut werden und später gepflegt und da stellt sich sofort immer wieder die Frage, wer soll das bezahlen. - In Frage kämen die Inselregierung, die Gemeinde, oder die Besucher. Der jetzige Eigentümer könnte auch noch ins Spiel kommen, denn eigentlich ist das ja sein "Claim" aber man rechnet in der Hinsicht nicht mit Schwierigkeiten seitens des Besitzers. - Zuerst muss aber mal nachgedacht werden, wie man denn die touristischen Interessen mit denen des Landschaftsschutzes unter einen breiten Hut bekommt und irgendwie bin ich mir sicher, dass es am Ende eine neue Möglichkeit geben wird auf La Palma ein paar Euros Eintrittsgeld loszuwerden. - Nicht, dass ich Hellseher bin, das ist einfach mal so dahingesagt.


Der Teneguía auf La Palma



Freitag 16.11.07 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 15 Grad, Niederschlag 0 mm, Luftfeuchte 66 % Luftdruck 1015 hPa

Endlich Regen…

Schluss mit lustig, irgendwann müssen wir doch mal mitbekommen, dass auch bei uns der Winter eingekehrt ist. Auch wenn man noch nicht wirklich von bedrohlicher Trockenheit reden kann, für Mitte November sieht diese Insel noch reichlich sommerlich aus, der kompakte Niederschlag im Oktober hat nicht ausgereicht das Landschaftsbild in "winterlich" zu verwandeln. - Natürlich buchstabiert jeder gutes Wetter anders und wer seine Brötchen mit dem Tourismus verdient, der sieht das halt anders als der Kollege von der Bananenfront, dem so ein Tief fast hemmungslose Freude bereitet. - Wenn wir in diesem Winter auf unsere 600 Millimeter Niederschlag kommen wollen, dann muss auch der November seinen Teil dazu beitragen, betrachten wir es also als eine Zukunftsinvestition, die Grüne Insel soll grün bleiben und dazu bracht man Regen. - Bis auf dieses kompakte "Zweitagestief" Mitte Oktober, rutschen bislang noch alle Regenwirbel, die aus dem Westen auf uns zusteuerten kurz vor den Kanaren nach Norden, nun aber wird uns das nächste Tief erwischen, so klein können wir uns gar nicht machen.

Noch liegt die Regenfront an die 1.000 Kilometer nordwestlich von uns, nach Norden kann dieses Tief aber nicht mehr ausweichen, denn da liegt ein dickes Hoch und lässt den Regenwolken keinen Weg Durchschlupf offen. Samstagmittag oder vielleicht erst am Abend werden uns die ersten Ausläufer erreichen und bis das komplette Tiefdruckgebiet durchgezogen ist, kann durchaus eine komplette Woche vergehen. Das hängt alles von dem Hochdruckgebiet weiter im Norden ab, bleibt es stabil dort wo es sich nun befindet, dann kann das Tief gar nicht nach Nordost ausbüchsen, denn über Nordwestafrika und Südeuropa hat ein weiteres großes Hoch die Tür zu gemacht und zwingt so den Tiefdruckwirbel auf unserer Höhe zu bleiben. - Allerdings ist das Tief nicht bedrohlich, weder von der erwarteten Regenmenge her, noch von den Windgeschwindigkeiten, es wird wohl eher die unangenehme Eigenschaft der Hartnäckigkeit mitbringen. - Es wird keinen Dauerregen geben, aber eben immer mal wieder einen Schauer oder langweiligen Nieselregen. - Da uns der Wind aus Südwest, anfänglich fast komplett aus Süd erreichen wird, steigen die Nachttemperaturen wieder an, tagsüber hängt es dann davon ab, wie oft die Sonne durchkommen darf, um die Werte auf einen lockeren "Mittzwanziger" zu heben. - Jetzt die Tage anreisende Gäste müssen aber nicht traurig sein, wer ein bisschen flexibel ist, der findet immer die Sonnenseite der Insel, die sich halt je nach Wetterlage verschiebt. - Schlimmstenfalls packt man sich mit einem Buch ins Bett, lässt sich ein nettes Getränk an den Nachttisch servieren und macht das, wofür Urlaub eigentlich da ist, Erholen.



Donnerstag 15.11.07 - 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 21 Grad, Niederschlag 0 mm, Luftfeuchte 73 % Luftdruck 1016 hPa
Höchsttemperatur heute 23,8 Grad - niedrigste Temperatur 17,7 Grad

Legenden mit Wahrheitsgehalt

Eigentlich kann einer Legende ja nichts Schlimmeres passieren als die Realität. - Die meisten Legenden haben sich so in Wohlgefallen aufgelöst, was übrigens sehr schade ist und uns ja auch solch schöner Geschichten wie alles um San Borondón berauben würde. - Ja, dort wo wir die Insel hinstecken, da ist keine, aber dennoch gibt es Menschen die waren auf dieser Insel und ich hatte neulich erst wieder das Glück die scheue Insel photographieren zu können. - Das Photo gibt es aber erst später, eben mit weiteren Geschichten zu San Borondón, denn heute geht es um die Legende von der "Alma de Tacande". - Hierzu gibt es nun neue Erkenntnisse, aber dieses Mal machen diese Entdeckungen die Legende sogar noch plausibler. - Ich muss Ihnen wohl jetzt zum Verständnis eine Kurzform der Legende liefern: Am 30. Januar 1628 hörten Nachbarn die Schreie eines Neugeborenen, eine Wiege bewegte sich selbstständig und bis zum 26. April hörte man auch den süßen Gesang einer Mutter, die ihr Kleines in den Schlaf singen wollte. Nur war niemand in dem Haus zu sehen, sonst würde ja keine Geistergeschichte daraus. Am 26. April 1628 verkündete nun die Stimme, sie wolle einen Geistlichen sehen und zwar Juan Montiel, aus der Gemeinde Los Llanos, der in der Kirche Nuestra Señora de los Remedios diente. Der kam dann auch prompt angeritten und die Stimme redete mit dem braven Gottesdiener. Es stellte sich heraus, dass die Stimme zu Ana Gonzales gehörte, Bewohnerin des Hauses, die aber bei der Geburt ihres Sohnes Salvador ums Leben kam. Juan Montiel betete nun eifrig und versuchte sich an einer schnellen und kompakten Teufelsaustreibung, die wohl auch teilweise gelang. Ana Gonzales gab noch von sich, dass sie nun auf dem Weg ins Fegefeuer sei und zitierte als letzte Botschaft noch den Namen ihres Schutzengels. Der kam allerdings auf lateinisch und nach dem fünften Buchstaben verklang die Stimme für immer. Der düstere Aberglaube machte dann daraus den Namen "Satán" und man mied dieses Haus ordentlich. So und auch anders wird die Geschichte erzählt und nicht jede Gemeinde hat ein Haus mit einer sprechenden Seele.

Inzwischen hat die rührige Chronistin aus Los Llanos auch historische Unterlagen gefunden, nachdem man nun beweisen kann, dass es Ana Gonzales und ihren Sohn Salvador tatsächlich gab und der Junge auch wirklich in der Kirche "Los Remedios" getauft wurde. - Sie starb wirklich bei der Geburt des Jungen, dieser soll aber eben nicht in dem Haus seine ersten Tage verbracht haben welches heute "Alma de Tacande" heißt, sondern bei seinem Vater, den man nun auch herausgefunden hat, der Juan Pérez hieß. - Viele Nachbarn des Hauses, welches nach dem Tod Ana Gonzales verlassen wurde berichteten aber von den seltsamen Geräuschen und manche berichteten auch, dass sich eine Wiege in dem Haus bewegte, ohne dass jemand in dem Haus wäre. - Eigentlich liegt das Anwesen "Alma de Tacande" ab von größeren Siedlungen, allerdings gab es dort einen Weg von Tacande kommend nach "Monte de Enrique" auf dem viele Bewohner des unteren Tacande in die Berge zogen um Baumheide für ihre Ziegen zu holen. - Es gab also reichlich Zeugen dieses Geschehens und nach geraumer Zeit interessierte man sich sogar in der damaligen Diözese auf Gran Canaria für den Vorfall auf der kleinen Insel La Palma und hieß den Neffen Ana Gonzalez´ nach Las Palmas reisen um zu berichten. Der Bericht über das Umtreiben der armen Seele von Tacande, nichts anderes heißt "Alma de Tacande" auf deutsch berührte den Bischof dort so sehr, dass man auf einer Kirchensynode 1629 alle kanarischen Pfarreien dazu aufrief, für die ewige Ruhe der Ana Gonzales auf La Palma Gottesdienste zu halten. - Heute steht das Gebäude dem Verfall preisgegeben an einem kleinen Feldweg und jeder der will kann es besuchen, ich rate aber davor ab hineinzugehen. - Das hat nicht so sehr was mit dem Geist zu tun, der immer noch darin weilen soll, sondern damit, dass einen jeden Moment die Decken auf den Kopf fallen kann. - Die Gemeinde El Paso will das Gebäude nun kaufen, restaurieren und dann in einen thematischen Wanderweg rund um El Paso einbinden. - Wann das geschehen wird, ganz einfach, wenn mal wieder Geld im Stadtsäckel ist, denn keine Legende spricht davon, dass unter dem Kopfkissen der Ana Gonzales sich ein Goldschatz verbergen soll.


Alma de Tacande in El Paso - La Palma



Donnerstag 15.11.07 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 18 Grad, Niederschlag 0 mm, Luftfeuchte 72 % Luftdruck 1019 hPa

Licht aus in El Paso

Die Energie, welche nicht gebraucht wird, muss auch nicht produziert werden. - Das ist ähnlich logisch wie mit dem Müll, der nicht entsorgt werden muss, wenn er erst gar nicht entsteht, also Thesen, welche der Realität dann doch mit gewissem Abstand gegenüberstehen, aber dennoch komplett richtig. - Man muss sich in vielen Dingen dieses kleine Stückchen Naivität gönnen, wer immer Realist ist, der bekommt einen schmalen Mund und erklärt sich und anderen bereits vor jeder Aktion, dass diese doch eigentlich sinnlos sei. - Allerdings besteht die Mehrheit der so genannten freien Welt aus Bürgern die sich als so genannte Realisten bezeichnen und man braucht nun wieder keine Naivität um zu wissen, dass Mehrheiten wohl etwas bewegen können. - Um was geht es? - Heute Abend sind wir mal alle Gutmenschen und schalten das Licht von 20:00 Uhr bis 20:05 Uhr aus. - Warum? - Ganz einfach, weil wir mal ausprobieren wollen, ob es tatsächlich noch genügend handelnde Menschen gibt, angesichts eines grausam schnell fortschreitenden Klimawandels. - Natürlich bringt diese Aktion dem Planeten keine Verschnaufpause, aber darum geht es noch nicht, sondern darum, sich und anderen Mut zu machen den bequemen Standpunkt des Realismus zu verlassen und mal wieder tätig zu werden.

Natürlich geht es auch um das eigene gute Gewissen, Gutmenschtum schließt reelle Eigenbeurteilung nicht aus, wir wollen nicht bei denen stehen die gar nichts gemacht haben, aus welchem Grund auch immer. - Also, die Gemeinde El Paso wird heute Abend die öffentliche Beleuchtung von 20:00 Uhr bis 20:05 Uhr ausschalten und fordert alle Bürger auf, das gleiche bei sich zuhause zu tun. - Einen heißen Tee, ein kaltes Bier, eine kleine Kerze auf der Terrasse und dabei sein, wenn El Paso zwar nicht die Welt retten will, aber eine sehr gute menschliche Eigenschaft, das gemeinsame Handeln angesichts drohender Gefahren. - Von denen gibt es noch mehr als den fortschreitenden Klimawandel, aber wir können ja nicht alles auf einmal machen. - Ist doch eigentlich schön, wenn jemand mal aufruft zu etwas was kein Geld kostet und die höchste Anstrengung dabei ist, aufzustehen, zum Lichtschalter zu gehen und auf den Knopf zu drücken. - Ob diese Aktion was bringt, das wissen die Realisten sicher knallhart zu beantworten. - Allerdings haben Realisten auch noch nie etwas verändert und mich haben wirbelnde Naive immer schon mehr begeistert als resignierte Besserwisser. - Licht aus heute Abend, für ganze fünf Minuten - auch wenn es nur für uns selber ist.



Mittwoch 14.11.07 - 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 25 Grad, Niederschlag 0 mm, Luftfeuchte 53 % Luftdruck 1018 hPa
Höchsttemperatur heute 27,4 Grad - niedrigste Temperatur 17,2 Grad

Statisten zwischen Gut und Böse, Links und Rechts

Eigentlich haben Statistik und Statisten nicht wirklich was miteinander zu tun. - Dennoch, in den wiederholten Umfragen des "CIS" (Centro de Investigaciones Sociológicas) = (Zentrum für Soziologische Studien) über die Bewertung unserer Politiker, bleibt den erlauchten Bürgervertretern keine andere Funktion. - Meist befasst sich das "CIS" natürlich mit der "großen" Politik in Madrid, aber es gibt auch immer mal wieder Umfragen in den autonomen Regionen und da kommt dann schon Interessantes heraus. - Natürlich muss man mit solchen Werten vorsichtig sein, aber das "CIS" ist ein staatliches Institut und muss keine Gefälligkeitsumfragen starten und ist auch allgemein anerkannt, die besten Ergebnisse zu liefern. - Hier auf die Kanaren bezogen gibt es lustige Bewertungen unserer drei Spitzenpolitiker und man kommt einfach nicht um den Schluss herum, dass wir von den Schlechtesten regiert werden. - Zur Erinnerung, das "Gobierno de Canarias", also die autonome Regierung der Kanarischen Inseln wird im Großen und Ganzen von drei Parteien bestimmt und geführt. Da ist die Coalición Canaria, das sind Regionalisten ohne echten Gesinnungsanspruch, gut ist nur das, was für die Kanaren gut ist. Dann gibt es die Partido Popular, zweitgrößte spanische Sammlung, eigentlich mit der CDU zu vergleichen, aber auch den rechten Rand bedienend, da sich Reste der Franco-Anhänger auch unter dem Mantel der Partido Popular wohl fühlen. Dann gibt es noch die PSOE, die Sozialisten, die im Gegensatz zu der deutschen SPD kein stimmloses S in der Abkürzung tragen. - Nach den Regionalwahlen im Mai dieses Jahres, in denen die Sozialisten große Zugewinne verzeichnen konnten und die anderen beiden Parteien deutliche Federn lassen mussten kam es dennoch zu der Neuauflage einer Koalition zwischen Coalición Canaria und der Partido Popular.

Nun geht es in der betreffenden Umfrage aber nicht um die Parteien direkt, sondern um deren Alpha-Männchen, die da heißen: Paulino Rivero, (Coalición Canaria) Präsident des Gobierno de Canarias, José Manuel Soria (Partido Popular), Ex Inselpräsident Gran Canarias und jetziger Finanzchef der Kanaren, sowie Fernando López Aguilar, Chef der kanarischen Sozialisten. - Nun fragt die "CIS", wer denn von den drei "Großkopferten" am meisten Mist gebaut hat und diese Statistik führt José Manuel Soria unangefochten an, eigentlich bereits seit dem er auf großer Bühne Politik betreibt. Die Zahlen, 28,8% der Befragten sagen er hätte am schlechtesten agiert, auf immerhin 20,5% bringt es der jetzige Präsident Paulino Rivero und Fernando López steht am besten da, aber immerhin noch mit 18,2% der Stimmen. - Nun könnte man ja sagen, das kommt daher weil die Sozialisten ja nur in der Opposition sind, da kann man nicht so viel Mist machen wie in der Regierung. - Das sehen die kanarischen Wähler aber anders, denn nach den positiven Eigenschaften befragt, zeichnet sich ein ähnliches Bild. Mit den besten Noten belegen die Canarios Fernando López, 23,4% sind dieser Meinung, allerdings glauben das auch von Manuel Soria 21%. - In diesem Teil der Umfrage landet Paulino Rivero abgeschlagen mit lediglich 16,4% der Stimmen. - Es gibt noch weitere Teilauswertungen, aber immer gleich bleibt die Tatsache, dass die Kanarischen Inseln von den beiden unbeliebteren Politikern regiert werden. - Eine Umfrage ist noch sehr interessant, wie denn die Bürger die Position der Parteien sehen. Die Sozialisten sind da langweilig, die packen fast alle nach "Links" nämlich 38%, aber immerhin noch 17% n die "Mitte". Die Partido Popular wird aufgeteilt wie folgt: 15% sagen "Mitte", 22% sagen "Rechts" und deutliche 15% sagen "Extreme Rechte". - Die Coalición Canaria wird so bewertet: 28% "Mitte", 18% rücken die Coalición Canaria nach "Rechts" und immerhin noch 7% nach "Links". - Weil wir gerade bei Zahlen sind, eine Umfrage flechte ich noch ein, nämlich die, wie sich die Canarios selbst politisch sehen. 38% der Bewohner der Kanaren bezeichnen sich als Anhänger der Mitte, 26,8% als "Mitte-Links" oder "Links" und nur 14,4% als "Mitte-Rechts" oder "Rechts". - Aber genau so werden wir regiert, "Mitte-Rechts" eben weil die beiden Spitzbuben Paulino Rivero und Manuel Soria gemeinsame Sache machen, genannt, die Koalition der Verlierer. - Die anschließende Tabelle gibt einfachen Überblick darüber.

Gobierno de Canarias Räte 03 Räte 07   +/- Stimmen 03 Stimmen 07      +/-
PSOE 17 26   + 9 235.234 309.404 +74.170
CC 23 19   - 4 304.413 209.700 -94.713
PP 17 15   - 2 283.186 217.706 -65.480




Mittwoch 14.11.07 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad, Niederschlag 0 mm, Luftfeuchte 42 % Luftdruck 1019 hPa

Die Reste der Hütten aus Puntalarga landen in El Paso

Da dachte man, so ganz ohne Zugang zum Meer könnte man sich hier in El Paso um die Hüttenabrisse an der Küstenzone herummogeln, aber nein, nun wird es auch zu unserem Thema. - Am Freitag bereits meldete die Lokalpolizei, LKW hätten Bauschutt aus dem Abriss in den Steinbruch gebracht, der an der Zufahrt zur Cumbrecita seit rund 30 Jahren Kies und Sand produziert. - Da der Betreiber des Steinbruchs als Auflage hat, innerhalb der nächsten 10 Jahre alle von ihm gebuddelten Löcher auch wieder zuzuschütten und renaturieren, liefern viele Baufirmen dort ihren Bauschutt ab. - Das ist zunächst auch nicht verboten, solange es sich um reinen Schutt handelt, der aus Hohlblocksteinen und Zement besteht. - Holz, Kunststoffe und jegliche Art von Flüssigkeiten sind nicht erlaubt und der Betreiber der Anlage ist verpflichtet jede angelieferte Ladung zu kontrollieren und bei Missachtung der Vorschriften wieder wegzuschicken. - Nun steht aber nicht jeden Moment ein Lokalpolizist neben dem Steinbruch und so gibt es wohl gewissen Spielraum für die Auslegung von "sauberem oder reinem" Schutt, zumindest befürchtet man die seitens der Gemeindeverwaltung. - Am Freitag nun kam die Polizei rechtzeitig und konnte sogar Photos machen von den Abfällen die dort per LKW abgeladen wurden und diese Reste waren keineswegs nur ausgesuchter Bauschutt. - Nach dem Schreckbesuch der Polizei schickte der Betreiber der Anlage schnell Arbeiter in den Müllberg und ließ aus diesem alles was nicht reingehört aussortieren und kippte eine frische Lage Erde darüber.

Am Samstagvormittag war dann alles geleckt sauber und man konnte nur noch peinlich genau getrennten Bauschutt unter einer frischen Schicht Erde hervorlugen sehen, der überall her stammen konnte und nicht zwingend aus Puntalarga oder El Faro. - Ganz bemerkenswert war auch die Anwesenheit zweier Mitarbeiter des Steinbruchs, welche sich weiterhin ganz fleißig daran machten, eventuelle Reste von Kunststoff oder Holz aus dem Schutt zu suchen. - Eigentlich arbeiten die Samstag nicht, man vermutete nach dem Polizeiauftritt am Freitag wohl drohende Neugier der Presse und hatte alles fein rausgeputzt. - Die Bürgermeisterin El Pasos ist nun sauer, denn niemand hatte die Gemeinde informiert, dass man den Steinbruch in El Paso beschicken will und hat jetzt verboten, weiteren Schutt aus dem Häuserabriss im Süden der Insel hier abzuladen. - Zuerst muss geklärt werden, wer denn nun den Auftrag gegeben hat, den Schutt hier zu entsorgen und damit trifft man wohl auf die Küstenbehörde und deren Lizenzunternehmer. - Pikant dabei ist, dass die Küstenbehörde dem Umweltministerium eingegliedert ist und das wäre natürlich eine grandiose Schlappe, wenn diese Behörde letztendlich den Auftrag erteilt hat, illegal Müll zu entsorgen. - Allerdings hat die beauftragte Abrissfirma bereits vor etwa drei Wochen sich an die Inselregierung gewandt, man möge der Firma sagen, wo man denn den Schutt deponieren könnte. Da gab es allerdings keine Antwort, denn nimmt man es ganz genau, dann haben wir überhaupt keine Deponie für solche Abfälle. - Ob nun die Inselregierung als Endlagerstätte für den Hüttenzauber aus dem Süden der Insel El Paso vorgeschlagen hat, das wird man wohl nicht herausbekommen, aber eines ist sicher, die Polemik geht weiter und so reicht der Hüttenabriss im Süden der Insel nun auch bis nach El Paso.



Dienstag 13.11.07 - 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 25 Grad, Niederschlag 0 mm, Luftfeuchte 63 % Luftdruck 1017 hPa
Höchsttemperatur heute 28,8 Grad - niedrigste Temperatur 18,2 Grad

Mrs. Jones

Mit der Zeit wird alles heil, nur die Pfeife hat ihr Teil… Man versuchte uns in frühester Jugend ja schon zu belügen, freigeistige Eltern mit Willhelm Busch und andere übergaben die Fatalismuserziehung lieber der katholischen Kirche. - Hauptsache hinten, also da wo es ernst wird, kommt was Moralisches dabei raus. - Aber sonst war alles in Ordnung im Bayrischen Wald, kein anderes Fleckchen der Erde hätte ich so ungern verlassen wie diesen Hort der Traditionen und dem wohlriechenden Selbstbewusstsein aus modernen Melkanlagen und geranienbestückten Balkonen, die wie ziemlich offenherzige Dirndlkleider nach wohlfeilen Gästen winken. - Da bleibt nur noch La Palma als Alternative, oder vielleicht doch ein Campingplatz in der Fuldaschleife, aber ich habe mich dann wohl richtig entschieden… Was will uns der Kerl denn heute wieder erzählen, bislang ist kein Thema in Sicht und die Überschrift steht da auch noch völlig ohne Erklärung, also wird es mal Zeit, und Deutsche Markenbutter bei die Fische. - Eigentlich wollte ich mich nur über die zunehmende Verrohung unseres familiären Umgangstones beklagen und habe Sie dazu ausgesucht, weil meine Frauen mir dabei nicht zuhören und der Kater immer nur süffisant grinst. - Besonders meine Kinder klagen immer häufiger über mein historisches Äußeres, was sowohl mit meiner Kleidung, aber auch mit meinem gewagten Faltenwurf im Gesicht zu tun hat. - Da ich ja Enterbung angedroht hatte, wenn man mir Faltencreme zum Geburtstag schenkt, musste ich diese Schmach noch nicht hinnehmen, aber so manche körperliche Annäherung meiner Kinder endet im Versuch mir die Kopfhaut glatt zu ziehen um dann triumphierend zu behaupten: "Bringt schnell eine Klammer, dann hält das vielleicht!"

Allerdings stehe ich zu meinem, sowohl in Demut wie in praller Freude gereiftem Teint, jede Scharte, jede Furche, oder wie meine Brut respektlos sagen würde, jeder Barranco in meinem Gesicht hat eine Geschichte und ich bin nett genug Ihnen nicht alle zu erzählen. - Das alles hat aber auch Positives, seit ich einen Spiegel habe schäme ich mich kaum noch für andere ästhetische Mängel und habe eine offenen Blick erlernt, der es mir auch ermöglicht andere Menschen deutlicher zu sehen. - Schlimm ist allerdings das Gemecker an meinem Kleidungsstil und nur zu gerne möchte man mit mir so was degeneriert Beleidigendes durchführen wie eine Farb- und Stilberatung. - Da ich von meiner Herkunft, aber auch geprägt vom handfesten palmerischen Lebensstil genug beraten bin, gilt eine Grundregel bei der Kleidung, diese darf mich nicht verändern, sondern nur meine dünnen weißen Beine verbergen und auch den unaussprechlichen Rest, den man nicht zeigen darf. - Modische Accessoires, oder körperlicher Veränderungen wie Ohrringe für Männer, Tätowierungen oder gar ein schicker Haarschnitt gelten als Feigheit vor dem eigenen Aussehen und werden mit deutlichem Achtungsentzug an Carlos´ Tresen bestraft. - Deshalb ist da ja auch mein natürlicher Lebensraum hier, nur Sein, nicht der Schein bringt einen weiter. Neulich, da wagte eine meiner Töchter mal einen sehr gewagten Versuch der Vermittlung. Sie hatte beim Bummeln, also nach weiblichem Verständnis "Shoppen", einen fetzigen Männerbekleidungsladen in Los Llanos entdeckt und schlug mir nun vor, wenn ich mitkäme und sie könnte mich dort neu einkleiden, dann dürfte ich zukünftig sogar aus dem Auto steigen, wenn ich sie mittags von der Schule abhole. - Das hat dann doch ein bisschen weh getan, aber ich weiß nun endlich, warum die meisten, auf ihre Kinder wartenden Eltern vor der Schule nicht aussteigen. - Nicht, dass die faul wären, die dürfen das nicht. - Leider erhalte ich in der Hinsicht von meinem Kumpel Paul keine wirkliche Unerstützung, der meinte lapidar, ich solle mir ein dickes Fell zulegen, am besten so ein Schönes und Glänzendes wie er hat. - Gut, ein dickes Fell habe ich schon lange, ähnlich lange wie den Spiegel, aber mich tröstet dann immer wieder ein netter Gedanke; - Ich habe nicht viel Geld und bin kein Modell, also muss meine Frau mich wirklich lieben, sonst hätte sie George Clooney geheiratet oder Bill Gates. - Nein, sie hat aber mich ausgesucht und es tut mir schrecklich leid für Bill und George, da kommt ihr zu spät. - Neulich war doch Halloween, da kam Mrs. Jones zu uns, zumindest nannten wir die Kürbisfratze so, nachdem mir beim abendlichen Beleuchten des Kopfes immer wieder dieses Lied "Me an Mrs. Jones" durch den Kopf ging und meine Techno- und Tokio-Pension geschulten Kinder das plötzlich mitsangen. - Ein paar Tage nach Halloween war Mrs. Jones für die anderen dann schnell vergessen. Da ich mich dieser Dame aber verbunden fühlte, blieb sie noch eine Weile bei uns und ich konnte photographisch das doofe Pfeifenzitat von Wilhelm Busch endgültig widerlegen. - Allerdings brachte mir die zügige Alterung der Mrs. Jones auch noch ein perfides Kompliment einer meiner Töchter ein, die nun gönnerische behauptete: "Papa, nun haben wir jemand in der Familie, der noch mehr Falten hat als du!" - Nach Diktat verreist, zum Selbstbewusstseinskurs bei Carlos am Tresen.


Mrs. Jones wird alt


Mrs. Jones wird alt


Mrs. Jones wird alt


Mrs. Jones wird alt




Dienstag 13.11.07 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 18 Grad, Niederschlag 0 mm, Luftfeuchte 46 % Luftdruck 1017 hPa

Masterplan

So ein Masterplan wäre Klasse, einen für die ganze Insel, der ganz klar regelt, wo denn nun was geschehen darf und wie man am besten aus komplexer Inselsicht die bauliche, landwirtschaftliche und touristische Zukunft der Insel angeht. - Schön wäre es in der Tat und eigentlich soll es einen solchen Plan auch geben, den "PIOLP" (Plan Insular de Ordenación de La Palma) - von dem es allerdings bislang nur ein Arbeitspapier gibt. - Wann dieser Plan kommt, das steht völlig in Frage und auch, wie dieser Plan denn überhaupt kompatibel zu den vielen lokalen und Sonderplänen sein kann. - Überall auf der Insel arbeitet man momentan an den lokalen Flächennutzungsplänen "PGO" (Plan General de Ordenación Urbanistico) und darüber schwebt der immer noch von schwerer Polemik belastete touristische Sondernutzungsplan, der "PTE".( Plan Territorial Especial de Uso Turístico de La Palma) - Bereits hier gibt es Unstimmigkeiten, Flächen welche im PTE als landwirtschaftliche Parzellen vorgesehen sind, tauchen im lokalen Raumordnungsplan der Hauptstadt als bebaubare Flächen auf und keiner weiß nun so recht, welcher dieses Pläne denn nun Vorfahrt hat, das Recht auf seiner Seite, oder mal ganz naiv gefragt, welcher Plan denn nun besser ist. - Diese Unstimmigkeiten, beschränken sich keinesfalls auf die Hauptstadt und manchmal scheint es, als arbeiteten verschiedene Architekten- und Technikerteams an diversen Plänen um die Wette, nur um als erste "ihren" Plan durch die Instanzen zu boxen.

Mit dem Recht der neuen Zeit hat man uns bislang ziemliche Planlosigkeit vorgeworfen, ein Umstand der sicher nicht von der Hand zu weisen ist, aber auf der anderen Seite auch enorme Möglichkeiten für Gewerbe und private Unternehmungen brachte. - Planung soll aber sein, möglichst langfristige, damit man nicht in so was Ähnliches wie einen Dauerplanungszustand gerät, der jegliche weitere Aktivität über Jahre hin lähmt. - So ist das nämlich zum Teil in einigen Gemeinden, die arbeiten nur noch daran ihren lokalen Plan zu erstellen und sind bis auf kleiner Aktionen fast handlungsunfähig. - So schön es ist, ganz lokal nach den Begebenheiten und Notwendigkeiten der einzelnen Gemeinden raumordnerisch planen zu können, man wird aus diesem Patch-Work keinen neuen Inselplan basteln können, welcher nicht mit den Interessen anderer Gemeinden, aber eben auch der Sondernutzungspläne wie dem PTE kollidiert. - Manchmal bekommt man fast das Gefühl, diese ganzen Pläne sind allesamt Versuchsballons, irgendwann schmeißt man diese alle in einen Sack, rüttelt kräftig und dann kommt vielleicht ein Inselplan dabei heraus. - Die Fäden laufen eigentlich alle zusammen bei der "COTMAC" (Comisión de Ordenación del Territorio y del Medio Ambiente de Canarias) und es gibt auch wunderbare Begleitung für die lokalen Techniker und Politiker während der Planerstellung, aber man sieht ja leider bereits beim ersten flüchtigen Blick die vielen Dissonanzen zwischen den Plänen und wird sich darauf gefasst machen müssen, im Detail dann wohl mehr als schräge Musik zu entdecken. - Vielleicht haben wir ganz einfach die Insel vom falschen Ende her gezäumt und machen viel zu viele Pläne auf einmal, wo doch der Masterplan für die komplette Insel überhaupt noch nicht steht. - Es sind auch wirklich viele Köche am Werk und bislang stimmt die Menüfolge nicht, zumindest ist es ziemlich ungewöhnlich mit dem Nachtisch zu beginnen, der wohl am ehesten den lokalen Flächennutzungsplänen entsprechen würde.



Montag 12.11.07 - 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 26 Grad, Niederschlag 0 mm, Luftfeuchte 53 % Luftdruck 1018 hPa
Höchsttemperatur heute 28,6 Grad - niedrigste Temperatur 20,3 Grad

Gleicher als die anderen

Alle hier wohnenden Ausländer, welche fest hier gemeldet sind, kommen genau so in den Genuss von 50% Rabatt bei Flug- oder Schiffsreisen wie alle Canarios, immer wenn Start oder Ziel der Reise die Kanaren sind und man im spanischen Territorium bleibt. - Wirklich alle? - Eben nicht. - Den Rabatt können bislang nur Personen bekommen, deren Herkunftsland in der Europäischen Union liegt und damit eben nicht die vielen Südamerikaner, welche zum Teil schon Jahrzehnte bei uns leben. - Das klagt man nun an und in der Inselregierung hat man nun beschlossen diesen Umstand ändern zu wollen und startet nun eine Anfrage in Madrid, um für die nichteuropäischen Bewohner der Inseln das gleiche Recht einzufordern wie für die Bürger der Europäischen Union. - Allerdings war der Entschluss eine diesbezügliche Anfrage zu starten nicht einstimmig, die Sozialisten stimmten gegen den Vorschlag, weil sie damit den Europäischen Gedanken aufgeweicht ahnen, der eben für die Länder die sich in dieser Union befinden Vorteile bereithält, die für andere Länder nicht gelten. - Witzig dabei ist das Abstimmungsverhalten gewesen, die sonst eher zuzugsfeindliche Partido Popular stimmte gar für den Vorschlag, weil man eben mit in der Inselregierung sitzt und die sonst viel liberaleren Sozialisten, die sonst ja keinen Unterschied kennen wollen, eben gegen den Vorschlag.

Das ist wieder mal ein Paradebeispiel für Regionalpolitik, in der aus Koalitionsgründen eigentliche Maxime, oder vielleicht etwas billiger als Gesinnung bezeichnet, gnadenlos den Tod durch vollzogene Parteidisziplin nehmen. - Gut, aber das ist nichts insel- oder gar kanarenspezifisches, selbst Grüne können zu Kriegsministern werden wenn sie gerade am Drücker sind, Politik ist halt nichts für harte Wirbelsäulen. - Entschieden wird das natürlich nicht hier, wer den Rabatt erhält und wer nicht, sondern da, wo das bezahlt wird und das ist zu gleichen Teilen die Zentralregierung in Madrid und die Provinzregierung der Kanaren. - Ohne Madrid geht da also gar nichts und die müssen ja nicht nur die Rabatte für die Canarios bezahlen, sondern auch noch für die Einwohner der Balearen und der autonomen Städte auf marokkanischem Territorium, Ceuta und Melilla. - So ist das nicht nur eine Frage der Angleichung, sondern eine ziemlich teure Angelegenheit und deshalb wohl auch die Ablehnung der Sozialisten auf diesen Vorschlag. - Als einfachen Wahlkampf kann man diese Bemühungen der Coalición Canaria und ihrer Vasallen der Partido Popular nicht abtun, die nächsten Gemeindewahlen sind erst wieder in guten drei Jahren und an den Nationalwahlen im kommenden März dürfen eh nur spanische Staatsbürger teilnehmen. - Auf dem folgenden, etwas schiefen Photo kann man mal augenscheinlich den Rabatt erfahren, das macht sich ganz schön bezahlt. Dabei fällt natürlich auf, dass nur die Personen diesen Rabatt erhalten, nicht etwa mitgeführte Autos oder Fahrräder. - Die Preise stammen aus dem Aushang der Reederei Armas und gelten für die einfache Fahrt von La Palma nach Tenerife.


Rabatte für Reisen von den Kanarischen Inseln für Einheimische und so genannte Residenten



Montag 12.11.07 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 21 Grad, Niederschlag 0 mm, Luftfeuchte 44 % Luftdruck 1017 hPa

Ja is denn scho Weihnachten?

Ist es natürlich noch nicht, aber die Vorbereitungen sind wirklich im vollen Gange. - Mag ja sein, dass in Mitteleuropa die Wetterregie stimmt und mit dem ersten Schnee auch die Weihnachtskampagne so wunderbar unterstützt, bei uns merkt man es nur an den Auslagen im Supermarkt, dass da was droht. - Stimmt nicht ganz, auch die Gemeindearbeiter wurden unsanft und schwitzend daran erinnert, denn es macht keinen Spaß, bei 30 Grad plus die Weihnachtsdekoration an den Straßenlaternen anzubringen. - Ist ein skurriles Bild, schwitzende Männer die Gerüste aus Neonröhren in Form von Schneeflocken tragen, aber was tun wir nicht alles, um uns ein bisschen was vorzugaukeln. - Im Supermarkt liegen jetzt seit knappen zwei Wochen die Sonderposten "Navidad und Reyes", Berge von Turrones, Bombones und die unvermeidlichen Polverones stapeln sich unübersehbar in der Mitte der Kaufhalle. - Auch Stollen und Lebkuchen sind dabei, nicht so viel wie endemisches Jahresendpflichtgebäck, aber immerhin, diese Spezialitäten haben längst dauerhaften Einzug in das Angebot der Läden gehalten.

Man sagte mir aber, dass das eigentlich ganz human sei, im November damit anzufangen die Weihnachtsartikel dem geneigten Käufer zu präsentieren, in Deutschland gäbe es seit Ende September in manchen Läden bereits Nikoläuse zu kaufen. - Na dann sind wir ja richtig zivilisiert und den Jahreszeiten besser angepasst, das stimmt aber nur, wenn man die Weihnachtslotterie nicht mitwertet. - Diese unverzichtbaren Lose für den 22. Dezember liegen bereits seit Ende August zum Verkauf bereit und zeigen uns so, kein bisschen unauffällig, dass da bald wieder was im Busch ist, oder besser, unterm Baum liegt. - Wo die Weihnachtslotterie wirklich so was wie Tradition hier ist, stammt das mit der Dekoration der Städte aus einem kulturellen Miximport aus Amerika und Mitteleuropa, denn früher, Sie wissen schon, als vieles anders war und nur manches besser, da kannte man hier weder Santa Claus, noch das Christkind. - Die Weihnachtstage selbst sind so eigentlich hier auch nur der kirchliche und besinnliche Teil des Festes, Geschenke und Völlereien waren früher alleine dem Dreikönigstag vorbehalten. - Das ist zum Teil immer noch so, geschenkt wird an "Reyes", aber inzwischen jinglen hier die bells auch schon für "Santa", wie man den "Claus" auch gerne in Kurzform nennt und ganz romantische supermarktverkaufsstimmungsfördernde Tonbänder säuseln einem auch schon mal was vom Tannenbaum in die Ohren, der angeblich immergrüne Blätter hat. - Nur Traditionsbrutalos sorgen sich um diese schleichende Zersetzung regionalen Brauchtums, es wäre auch kaum noch möglich den Kulturmix wieder aus dem Tagesgeschehen zu verbannen, zu wichtig scheint der umsatzfördernde Charakter der so genannten Vorweihnachtszeit. - Dennoch, als Ex-Christkind-Gläubiger und Anhänger der weißen Weihnacht, die man im Bayrischen Wald vielleicht noch öfter kennt als im flachen Land, bin ich absolut resistent gegen langsam aufkommendes Börsendrücken in den Wochen vor "dem Fest". - Wären da nicht unsere Kinder, die auch ein Recht haben später kribbelnde Erinnerungen zu haben, wenn es um Weihnachten geht, und die ganze Magie, welche dieses Fest wohl für junge Menschen noch versteckt hält. - Kindskopf müsste man sein.



Sonntag 11.11.07 - 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 26 Grad, Niederschlag 0 mm, Luftfeuchte 52 % Luftdruck 1018 hPa
Höchsttemperatur heute 29,2 Grad - niedrigste Temperatur 22,0 Grad

Kurze Hosen, weiße Turnschuhe und weiße Socken

Eigentlich hätte man ja ein richtiges Volksfest daraus machen können, aber die einzigen Pfiffigen waren zwei schwarzafrikanische fliegende Händler welche direkt am Ausgang des Hafens ihre beiden Tapeziertische aufgebaut hatten und wertvollste Kleinodien aus chinesischer Massenfabrikation anboten. - Kein Flohmarkt, keine Musikkapellen am Hafen, wie das früher schon mal war, wenn sonntags große Kreuzfahrtschiffe anlegen, dabei hätte man heut richtig absahnen können. - Immerhin hatten in der Stadt einige Geschäfte offen, die den vielen Besuchern vielleicht ein paar Dollar oder Euro aus der Tasche locken konnten. - Es waren nämlich reichlich Käufer unterwegs, über 8.000 Menschen, zumindest theoretisch. - Wie angekündigt lag eines der größten Passagierschiffe der Welt in unserem Hafen, die 311 Meter lange "Navigator of the Seas" und dazu noch die "Thomson Destiny", auch ein schmucker Kahn, der aber neben der Wuchtbrumme "Navigator" wie ein schmächtiger Donaudampfer aussah. - Beide Schiffe zusammen brachten nun über 8.000 Menschen in den Hafen unserer schnuckeligen Hauptstadt Santa Cruz, allesamt auf der Suche nach neuen Eindrücken und vielleicht auch einem kleinen Souvenir um sich nach der Kreuzfahrt zu fragen, aus welchem Hafen denn eigentlich der Nippes stammt.

Die "Navigator of the Seas" ist ein wirklich imposantes Schiff und wenn man bedenkt, dass die Reederei "Royal Caribbean Cruises Ltd" 21 Schiffe ähnlichen Kalibers auf den Weltmeeren schippern hat und weitere im Bau, dann muss man einfach davon ausgehen, dass diese Kreuzfahrten ein immer noch wachsendes Geschäft sind. - Mit 311 Metern Länge konnte die "Navigator" auch nicht in der kompletten Länge bei uns an der Außenmole anlegen, so dass der Bug in den Hafen ragte, aber das kennen wir schon von dem Besuch der "Queen Elizabeth II", die hatte mit ähnlichen Proportionsproblemen unseres Hafens zu kämpfen. - Mit dem dritten Schiff, der "Volcán de Tejeda", einem Armas-Fährschiff war der Hafen dann komplett dicht, mehr passt nicht mehr rein und bis die Nachtfähren aus Tenerife kommen, sind die beiden großen Pötte dann aber auch schon wieder unterwegs, mehr als einen Tag hält es solche Kreuzfahrtschiffe nirgends. - Wir sind natürlich hingefahren, so ein Schiff müssen wir uns ansehen, aber leider habe sich unsere Befürchtungen bestätigt, man darf diese Schiffe nur noch von weitem betrachten, das popelige Volk darf nicht nah ran. - Gleich hinter der Armas-Fähre war Schluss und man musste sich mit einem fernen Blick auf die weißen Traumschiffe begnügen, was natürlich nicht nur unser Missfallen erregte. Da gab es schon heftige Diskussionen mit den armen Wächtern, die da alle wieder zurückschicken mussten, welche sich so ein Schiff mal von nahem ansehen wollen. "Wieso dürfen die hier anlegen, wenn wir dann das Schiff gar nicht sehen können?" So und so ähnlich lamentierten manche und ich kann mir auch nur diszipliniert erklären, von wegen Sicherheitsbestimmungen und weil wir ja alle potentielle Attentäter sind oder Drogenkuriere. - Schön ist das nicht und stellt für den "Pedro-Normalverbraucher" erneut diese ganze Geschichte Kreuzfahrtschiffe in Frage, wer auf der Insel hat denn überhaupt was davon, wenn plötzlich 8.000 Menschen in kurzen Hosen durch die Straßen bummeln.

In kurzen Hosen, weißen Turnschuhen und weißen Tennissocken und warum ist das nur so, dass fast alle Vorurteile immer wieder bestätigt werden müssen. - Die meisten Passagier waren Briten, aber es gab auch Amerikaner und leider kann man inzwischen, seit dem auch Kreuzfahrten für alle jenseits der Hartz IV Barriere erschwinglich sind, auch diese Nationalitäten kaum noch unterscheiden. - Der ehemalige elitäre und schnöde Prunk den solche Kreuzfahrten ausmachten, als Lothar Günther Buchheim noch über so etwas berichtete muss wohl längst vorbei sein, inzwischen trotten da mittelalterliche Herrschaften im bloßen Oberkörper von der Gangway und erschrecken neugierige Palmeros mit der leuchtenden Farbe Weiß. - Da wir nicht so richtig wunschgemäß nah an das Schiff herankamen, richtete sich unser Interesse fast zwangsläufig auf die Passagiere und diese zögerten nicht, sämtliche Klischees zu erfüllen und eines ist sicher, allesamt sind das keine potentiellen La Palma Urlauber, die kämen hier im Gelände keine 500 Meter weit. - Deshalb mussten die auch aus dem Hafen gefahren werden, die meisten hätten sonst den Weg in die Stadt nicht mehr geschafft, so ziemlich jeder verfügbare Bus der Insel war eingeteilt kurzbehoste Menschen vom Schiff zur Hafeneinfahrt zu karren und zurück. - Großer Bahnhof im Hafen von Santa Cruz de La Palma, für eines der größten Schiffe der Welt. - Es hat uns gefreut, diese Besucher begrüßen zu dürfen, was das für La Palma gebracht hat und wer von den Gästen morgen noch weiß, wo er heute war, das frage ich einfach mal nicht. - Gut 25 Bilder haben wir mitgebracht, diese können Sie sich HIER ansehen.





Sonntag 11.11.07 - 09:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 22 Grad, Niederschlag 0 mm, Luftfeuchte 66 % Luftdruck 1020 hPa

Tradition und Fortschritt

Heute hat ja jedes Altersheim und jede Metzgerei eine Internetseite, auch wenn die meisten Metzger noch davon leben das Kotelett über den Ladentisch zu verkaufen. - Ansonsten ist wohl das Internet als Werbeplattform nicht zu toppen, mit keinem anderen Medium kann man so viele Menschen weltweit erreichen, wenn sie denn die Seite überhaupt finden oder gar finden wollen. - Na gut, wem erzähle ich das… - Manchmal verwundert es gar ein bisschen, wie lang sich einige Sektoren oder Gewerbe gegen das Internet verschließen, vielleicht auch weil das Produkt nicht kompatibel mit der so genannten neuen Welt der Vermarktung scheint. - Traditionelles Kunsthandwerk, nicht nur auf La Palma, hat da sicher Nachholbedarf. Seitdem die alten Handwerksbetriebe oder Künstler nicht mehr für den Alltagsgebrauch produzieren, weil niemand mehr geklöppelte Topflappen oder handgeschmiedete Wärmflaschen als Gebrauchsgegenstand nutzt, ist man alleine an den Verkauf von interessierten Besuchern, oder auf Brutalnostalgiker angewiesen und beide Zielgruppen glänzen nicht unbedingt mit dauernder Präsenz.

Natürlich darf man auch die Frage stellen, ob denn das technisch überholte Handwerk von gestern überhaupt noch Stellenwert benutzt und warum man sich oft nah an den Vorwurf wagt, jedes überholte Gewerk gleich als Kunsthandwerk zu deklarieren. - Das mal nur so dahingedacht, das ist aber sicher eine komplett subjektive Empfindung, weil ich einfach keine geklöppelten Topflappen und Spitzendeckchen sammle und in der Tat, auch vom Tragen gehäkelter Unterwäsche keinen Gebrauch mache. - Dennoch gibt es natürlich Sammler solcher regionalen Pretiosen und es wäre schlichtweg auch traurig und nachlässig, solche früheren Dinge und Fertigkeiten zu vergessen. Will man aber diese Gewerke weiterführen, auch welchem Grund auch immer, dann reicht der museale Erfolg alleine nicht, ideal wäre es halt, die Kunsthandwerker und Werkerinnen könnten durch einen Verkaufserfolg dafür sorgen, dass diese Spezialitäten heute auch noch Wert besitzen. - Nun will man in Mazo, bislang nicht gerade als die progressive Gemeinde bekannt, dem lokalen Sektor die Möglichkeit bieten über ein Internetportal ihre handwerklichen Kunstgegenstände einem sehr breiten Publikum zu präsentieren, nämlichen allen Weltbürgern die über dieses berühmte www verbunden sind. - Warum nicht, es kommt ja im normalen Geschäftsverkehr auch nur darauf an, dass Verkäufer und Käufer sich finden und leider musste man feststellen, dass die hiesige Laufkundschaft an interessierten Gästen und Nostalgikern nicht ausreicht. - Leider kann ich noch keine Adresse verkünden, wo man denn zukünftig gehäkelte Nostalgie aus Mazo ordern kann, (man strickt noch an der Seite) aber e-bay soll sich schon mal warm anziehen, am besten mit bunt bestickten langen Unterhosen, wenn die Nostalgie-page aus Mazo erst am Netz ist.



Samstag 10.11.07 - 17:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 23 Grad, Niederschlag 0 mm, Luftfeuchte 70 % Luftdruck 1021 hPa
Höchsttemperatur heute 25,3 Grad - niedrigste Temperatur 25,51 Grad

- Samstagabend, Zeit für eine weitere Geschichte von Enrique Naumann.

Ein Hoch auf die spanische Sozialversicherung
Unlängst, wir saßen gerade in familiärer zweiköpfiger Eintracht bei einem etwas verspäteten Mittagsmahl und labten uns genüsslich an einer leckeren Kichererbsensuppe (das liest sich etwas übertrieben ausgedrückt, war aber wirklich so), da unterbrach ein Telefonanruf unsere Idylle. Von der spanische Versicherung rief man an; eine freundlich und angenehm kompetent klingende Dame fragte mich nach meinem Namen. Den gab ich preis, das heißt den, unter dem ich glaubte, bei der spanischen Versicherung geführt zu sein. Das ist nicht selbstverständlich, denn seit meiner Kindheit werde ich selten bei meinem richtigen Namen genannt, das gilt im privaten Bereich und ganz besonders bei spanisch sprachlichen Behörden. Die Dame am anderen Ende des Drahts zeigte sich denn auch hocherfreut: Sie hatte die gewünschte Zielperson an der Strippe. Und dann fragte sie etwas für mich zunächst völlig Unerwartetes. Ob ich 1966 und 1967 in Schweden ein einjähriges landwirtschaftliches Praktikum abgelegt habe.
Herre Gud, ging es mir durch den Kopf. Das ist einer jener wenigen Ausdrücke des momentanen Erschreckens, der mir aus meiner Zeit in Schweden noch in Erinnerung ist. Was wollte die spanische Versicherung mit solchen alten Geschichten? Um meine Verblüffung erst mal zu vertuschen antwortete ich dann etwas zögerlich, das stimme, sei aber doch schon 40 Jahre her. Sicher, meinte sie, 1966 und 1967, das habe sie ja soeben gesagt. Und sie rufe an, weil ihr von der Deutschen Rente eine Anfrage vorliege, ob ich bei der Antragsstellung zur Inanspruchnahme meiner Rente diese Zeit in Schweden irgendwie und irgendwo geltend gemacht hätte, also ob ich rentenrelevante Beiträge in der fraglichen Zeit eingezahlt habe. In Spanien hätte ich dieses Praktikum nicht geltend gemacht, fügte die Dame noch aufklärend hinzu. Freilich hatte ich das nicht, konnte ich versichern.
Aha, aber in Deutschland?
Nein.
Das Bohren der Dame verunsicherte mich noch mehr, und ich versuchte, in fehlerfreiem und verständlichem Spanisch wie möglich zu erklären, wie es zu der seltsam anmutenden Frage aus Deutschland gekommen sein könnte. Ich hätte, sagte ich ihr, anlässlich der Klärung über meine Rentenansprüche aus in Deutschland eingezahlten Beiträgen so etwas wie einen Lebenslauf abliefern müssen mit besonderer Berücksichtigung meines beruflichen Werdegangs, und da sei eben auch mein Aufenthalt in Schweden zur Sprache gekommen. Und dort, fügte ich hinzu, hätte ich keine Beiträge eingezahlt und das auch der Deutschen Rente mitgeteilt. Vielleicht hätte ich Letzteres nicht ausdrücklich genug getan. Nach einer Weile gemeinsamer Ratlosigkeit einigten wir uns dann darauf, dass sie, von der Spanischen Rente, nach persönlich telefonisch von mir erteilter Auskunft der deutschen Rente mitteilen werde, ich hätte in der Zeit in Schweden keine rentenrelevanten Beiträge eingezahlt. Um die Dame etwas aufzumuntern, machte ich ihrem Arbeitsgeber ein Kompliment und versicherte ihr, dass die Spanische Rente nach meinem Dafürhalten gegenüber der Deutschen Rente bürokratisch erfrischend einfach gestaltet sei und sie solle sich glücklich preisen, dass sie nicht bei germanischen Behörden arbeiten müsse. Dass ich mich nicht vollständig hinter diese Äußerung stellen konnte, ließ ich außen vor. Aber ob denn mit meiner bislang festgesetzten Rente Alles beim Alten bliebe, wollte ich noch wissen. Könnte sein, war die Antwort, könnte aber auch nicht. Die Suppe auf dem Teller war inzwischen kalt geworden und selbst mit Wohlwollen an Gazpacho denkend nicht mehr genießbar. Gelegenheit also, das Telefongespräch noch einmal zu rekapitulieren. Es fiel mir dann ein, dass einmal die Deutsche Rente, vor einem halben Jahr oder so ähnlich, schriftlich bei mir nachgefragt hatte, ob ich für eine andere Praktikumszeit, auf deutscher Scholle, rentenrelevante Beiträge eingezahlt hätte. Hatte ich nicht und den Umstand der Deutschen Rente umgehend schriftlich gemeldet. Warum nun, grummelte ich innerlich, wurde in dem Zusammenhang nicht auch gleich nach meinem Aufenthalt in Schweden gefragt. Und, weil ich schon mal am Grübeln war, gingen mir die seltsamsten Gedanken durch den Kopf.
Wenn nun die Deutsche Rente irgendwie erfahren haben sollte, dass ich zwar 1981 nach La Palma gekommen war, aber erst 1986 eine amtliche Arbeitserlaubnis bekommen hatte, obwohl ich schon zwei Jahre vorher, also 1984, in die spanische Rentenversicherung aufgenommen worden war und sogar Steuererklärungen hatte machen müssen - ich käme ziemlich in Erklärungsnot und die Deutsche Rente wohlmöglich ins Rotieren. Länger dienende Deutsche auf La Palma entsinnen sich vielleicht noch an das heillose Durcheinander, das hier seinerzeit behördlicherseits bezüglich der amtlich-bürokratischen Behandlung der Ausländer herrschte und besonders solcher, die hier arbeiten wollten.
Käme die Deutsche Rente nun auf den Gedanken, diese scheinbaren Ungereimten unbedingt ganz genau hinterfragen zu müssen, sollte sie das - bitte, bitte, und das hoch drei - nicht auf dem Umweg über die Spanische Rente tun. Die freundliche Dame am Telefon, wenn sie denn die nämliche wäre, die sich wieder mit meinem Vorgang beschäftigen müsste, könnte sonst den Eindruck gewinnen, ich hätte mein Kompliment ihr gegenüber nicht aufrichtig gemeint.




Samstag 10.11.07 - 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 23 Grad, Niederschlag 0 mm, Luftfeuchte 31 % Luftdruck 1021 hPa

Vorbildlicher Brandschutz

Wir hier auf La Palma sind ja wunderbar durch die Waldbrandsaison gekommen, trotz der Wahnsinnstemperaturen Ende Juli. - Tenerife, Gran Canaria und La Gomera hatten da weniger Glück, auf den beiden großen Inseln gab es verheerende Brände und dort mussten sich die Autoritäten auch ziemlich schlechte Vorbereitung und Brandbekämpfung vorwerfen lassen. - Es klingt nun ein bisschen arrogant wenn ich das sage, aber hier auf La Palma wäre das nicht passiert, ganz einfach deshalb, weil wir besser vorbereitet sind und auch auf Grund der vielen Waldbrände der letzten Jahre ganz einfach die größere Erfahrung haben. - Dabei lasse ich mit gerne den Vorwurf des Lokalpatriotismus gefallen, was für mich im übrigen eine Auszeichnung ist, aber in der Tat hat keine Insel so viel für den Brandschutz getan wie La Palma. - Mag man unserer Inselregierung auch nicht immer positiv zugewandt sein, aber die Maßnahmen über die letzten Jahre hinweg, auch gesammelt durch negative Erfahrungen, tragen nun verdiente Früchte. - Wir hatten nämlich dieses Jahr auch Brände, aber keinem von diesen Feuern erlaubt, sich so weit auszubreiten, dass überhaupt die großen Waldbrände entstehen, welche irgendwann dann eine Eigendynamik entwickeln, die dann nicht mehr aufzuhalten ist.

Es kommt auf die ersten Stunden an, da muss man das Feuer klein halten und ganz schnell bekämpfen. Wenn man das nicht schafft, dann hat man bereits verloren. Um schnell zu sein braucht man funktionierende Alarm- und Befehlsketten, niemand der in den Prozess der Brandbekämpfung eingebunden ist, soll erst um Erlaubnis fragen müssen, Vorgesetzte informieren oder gar, wie auf den anderen Inseln zum Teil geschehen, erst auf den Schichtbeginn der Feuerwehr warten, bevor man mit der Brandbekämpfung beginnt. Das war bei uns früher auch nicht selbstverständlich, da gab es auch diese Lücken in der Informationsstrecke und keiner wusste was zu tun ist und wer eigentlich das Sagen hat und wer sich traut den Hubschrauber anzufordern oder den Inselpräsidenten aus er Siesta zu klingeln. - Das hat sich gewaltig verbessert und so erreichten diesen Sommer die Einsatzkräfte jeden, auch noch so kleinen Brandherd sofort. Dabei ist es auch wichtig hinter den Leuten zu stehen und vermeintliche Brandmeldungen, die sich später als gelockerter Gartengrillabend herausstellen nicht als Fehlalarm zu deuten und dafür Schelte zu verteilen. - Dazu kommen noch die statischen Maßnahmen wie die Brandschneisen, die zwar zunächst einen hässlichen Einschnitt in die Landsaft bedeuten, aber in Falle eines Großbrandes der allerbeste Schutz gegen weitere Ausbreitung des Feuers ist. - Dann hat man auch noch viele Kilometer an Druckwasserleitungen verlegt, im Norden bis in die letzten Winkelnchen, um im Brandfall schnell Wasser an die betroffenen Stellen zu schaffen. Man fliegt dann Feuerwehrleute per Hubschrauber an den Brandherd, diese legen Schläuche zur großen Druckwasserleitung und schon kann man schnell löschen und hat Wasser im Überfluss zur Verfügung. - Vier Millionen Euro hat man bislang in die Wasserleitungen verbaut, man kann so viel Geld auch viel schlechter anlegen. - Das Leitungssystem zur Bereithaltung von Löschwasser in den Bergen wird nun ausgeweitet, auch die Cumbre Vieja wird nun Leitungen erhalten und zwar von der Brandschneise neben dem Autotunnel, hinab (und auch hinauf) bis nach Fuencaliente. - Dafür will man noch mal 3 Millionen Euro locker machen. - Meinen Glückwunsch haben sie und nun geben wir noch mal Geld aus für mehr Ärzte und Lehrer und vergessen das mit der Autobahn, dann komm ich auch knuddeln und schreibe nie wieder was Böses.



Freitag 09.11.07 - 17:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 30 Grad, Niederschlag 0 mm, Luftfeuchte 30 % Luftdruck 1021 hPa
Höchsttemperatur heute 30,9 Grad - niedrigste Temperatur 21,2 Grad

Das Azorentief

Nicht gleich wieder meckern und alles besser wissen… Ja, eigentlich spricht man ja von dem Azorenhoch und meint damit, das sonst wetterbestimmende Kraftwerk im Nordatlantik. - Nun aber, nach Temperaturen von 30 Grad in der zweiten Novemberwoche auf La Palma, sehe ich mich doch genötigt darüber zu berichten. - Einmal, weil diese Temperaturen nicht wirklich der Jahreszeit entsprechen, aber auch deswegen, weil sich momentan eine Wettersituation fast komplett wiederholt, welche uns Ende Juli diese berühmten 4 Tage mit Hitze von über 40 Grad beschert hatte. Jetzt, natürlich deutlich schwächer und moderater meckert niemand über die unwinterlichen Temperaturen, es sei denn man sieht das von der besorgten Warte unserer Landwirte aus, die eine verständlich andere Ansicht von "gutem Wetter" haben. - "Schuld" an dieser Wettersituation ist nun mal nicht direkt das Azorenhoch, denn da wo das sein sollte befindet sich nämlich ein fettes Tief, welches sich seit nunmehr drei Tagen nicht wirklich bewegt oder gar Auflösungserscheinungen zeigt. - Dass sich dort ein Tief befindet, das geht natürlich auch nur wieder deswegen, weil das Ex-Azorenhoch sich weit nach Nordosten gewagt hat und sich mit dem Kern nun westlich Irlands befindet. - Das beschert Zentraleuropa Sturm und Kälte, uns aber lässt es in den Einfluss trockener kontinentaler Luftmassen geraten, die sehr warm sind. - Dabei regiert bei uns bodennah immer noch deutlicher Hochdruck, die Windrichtung Südost und später Ost wird aber bereits vom Tiefdruckwirbel mitbestimmt, welches da eben bei den Azoren seine linksgedrehten Pirouetten in den Atlantik pflügt.

Die Landwirte hätten es natürlich lieber gesehen, das Tief würde uns besuchen, denn bislang haben wir diese Wintersaison erst die 49 Millimeter von Mitte Oktober als Niederschlag gehabt, aber das wird wohl nichts, denn das Tief zeigt nun eine kleine Tendenz nach Norden und alle Rechenbeispiele sagen auch voraus, dass das Tief nicht zu uns kommt. Noch weiter westlich baut sich auch schon wieder ein neues Hoch auf, welches dann wohl den Platz des fehlgeleiteten "Azorentiefs" einnehmen wird und uns wohl Anfang kommender Woche wieder "normales" Wetter bescheren wird, allerdings ohne konkrete Aussicht auf Niederschläge. - Im Juli dieses Jahres spielte uns eine fast gleiche Wettersituation ja diesen bösen Streich mit den Werten an die 44 Grad, jetzt dagegen ist das wunderbar angenehm. So ganz ungewöhnlich sind diese Temperaturen aber für uns im Winter auch nicht, das kommt immer mal wieder vor und man sollte nicht so weit gehen und das gleich wieder dem Klimawandel zuschreiben. - Man braucht bloß an den November letzten Jahres denken, da hatten wir etwa um die gleiche Zeit auch sehr warmes Wetter, wenn auch ein paar Grad unter den jetzigen Werten. - Auf den Karten kann man wunderbar verfolgen, woher der Wind kommt und warum, betrachtet man mal den Sitz des Hoch- und des Tiefdruckgebietes. Daraus folgt auch die Berechnung der Niederschlagsmengen und da zeigt man uns, dass man die Azoren momentan ziemlich nass macht. - Das nationale spanische Wetteramt, das Instituto Nacional de Meteorología stellt uns solche feinen Karten zur Verfügung und man darf diese sogar weiterverwenden, man muss halt nur dazuschreiben, woher sie sind. - Da kann sich manch anderer ein Scheibchen von abscheiden, ich meine dabei nicht nur die Karten an sich, sondern auch den Willen andere daran teilhaben zu lassen.


Wetter La Palma

Windrichtung und Windtemperatur


La Palma Wetter

Druckverteilung auf dem Nordatlantik, dort wo das Tief sitzt, sollte "normalerweise" ein Hoch sein


Niederschläge

Vorausberechnete Niederschlagsmengen



Freitag 09.11.07 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 21 Grad, Niederschlag 0 mm, Luftfeuchte 32 % Luftdruck 1019 hPa

Eine Hausnummer für saubere Energie

Die Vorgaben sind klar, La Palma soll sich selbst mir ausreichend Energie versorgen, um seine Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen endgültig abzuwerfen. - Unsere Insel scheint prädestiniert dafür zu sein, das leuchtet ein, können wir doch auf reichlich Sonnenschein und Wind zählen, die beiden ausschlaggebenden Faktoren um aus Photovoltaik und Windkraft unsere elektrische Energie zu beziehen. - Was uns aber noch von anderen Regionen unterscheidet, denn Wind und Sonne gibt es auch anderswo reichlich, wir haben auch noch genügend Wasser und Höhenunterschiede auf der Insel, um aus Wind und Sonne erzeugte Energie zu speichern. - Das kann man kurz erklären. - Hauptprobleme für Energieproduktion aus Sonne und Wind sind Flauten und die Nacht. Da läuft dann einfach gar nichts, also muss man bei Wind und tagsüber Energie speichern und das ist nach wie vor sehr aufwendig. - Man will nun hier auf La Palma bei günstigen Bedingungen, sprich viel Wind und Sonne Wasser in hoch gelegene Speicher pumpen und dieses Wasser dann nachts oder bei Flaute wieder ins Tal zu lassen und damit werden dann die Turbinen gespeist. - Pfiffige Idee, bedeutet aber auch, dass wir somit fast die doppelte Menge an Energie mit Windkraft oder Photovoltaik bereitstellen müssen als die Insel tatsächlich verbraucht, denn die Pumpen um das Wasser in die hoch gelegenen Stationen zu bringen müssen ja auch permanent laufen.

Alles nur eine Frage des guten Willens heißt es nun seitens der Techniker des Instituto para la Diversificación y el Ahorro de Energía (IDAE), welche gestern ihre Vorstellungen den lokalen und regionalen Politikern vorgestellt haben. - Wo ein Wille ist, oder besser ein guter Wille, da ist auch viel Geld und das wird notwendig sein um solch ein ambitiöses Projekt durchzuführen. Momentan rechnet man mit einer Investitionssumme von 412 Millionen Euro und der Löwenanteil dabei, gut die Hälfte, geht dabei an den Bau von Photovoltaikparks. Der Rest in Windkraftanlagen und eben die hydraulischen Pumpkraftwerke. - Ich gehe einfach mal davon aus, dass die Techniker die benötigten Leistungen und damit verbundene Kosten richtig angesetzt haben, dennoch wird es noch teurer werden. Man müsste ja dann auch noch die Versorgungsleitungen anpassen da ja dann tagsüber und bei Wind dezentral produziert wird und wenn man auf Wasserkraft umstellt wieder zentral. Das bedeutet, dass man ein zweites Leitungsnetz bereithalten muss und Kontrollanlagen welche die Nivellierung in den Netzen regelt. - Machbar ist das allemal und teilt man die Kosten durch die Anzahl der Einwohner dieser Insel, dann landet man bei guten 5.000 Euro pro Bewohner, Erwachsene, Omas, Kinder und Kindsköpfe eingeschlossen. - Man denkt an einen Zeitraum von 5 bis 10 Jahren in denen man die Insel "sauber machen" könnte und das sagt mir sofort, dass es auch unter den Technikern und Ingenieuren von wissenschaftlichen Instituten richtige Sonnenköpfchen gibt. - Die Zeche zahlt wie immer der Verbraucher und bei diesem Satz stellen sich immer sofort allen die Nackenhaare, soweit vorhanden hoch, obwohl das doch eigentlich klar ist, dass der, der den Strom verbraucht, ihn auch bezahlen muss. - Niemand hat gesagt, dass saubere Energie billig ist und die umgerechnet 5.000 Euro pro Kopf sind ja auch nur für die Umrüstung und noch nicht für den späteren Betrieb. - Aber es ist machbar und man wird einen Mix aus öffentlichen und privaten Investitionen dafür heranziehen müssen. - Was damit aber noch nicht vom Tisch ist, das ist die Frage mit den Treibstoffen für Autos, Flugzeuge und Schiffe. - Da müssen dann noch mal alle miteinander ran, denn dieses "Problem" kann La Palma wohl nicht autark lösen, es sei denn, man erfindet endlich den Mojoverbrennungsmotor oder andere außerordentliche endemische Fortbewegungsmittel, denn wir wollen doch sicher nicht zurück zu unseren Wurzel und "back to the burro". - Burro heißt übrigens in Spanisch nicht Butter, sondern Esel.



Donnertag 08.11.07 - 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 27 Grad, Niederschlag 0 mm, Luftfeuchte 43 % Luftdruck 1020 hPa
Höchsttemperatur heute 29,3 Grad - niedrigste Temperatur 23,1 Grad

Wir waren es nicht, wir waren es nicht!

Die richtige Form im Umgang mit dem Abriss der Häuser und Hütten auf La Palma bringt manche Gruppen und Organisationen ziemlich ins Schwanken. - So hat zum Beispiel auch die PSC-PSOE, der kanarische Teil der in Madrid regierenden Sozialisten seine leidliche Pein da angemessen Position zu beziehen. - Allen voran, unsere bei den letzten Wahlen zur Inselpräsidentschaft gescheiterten Sozi-Chefin Mercedes Coello, welche durch ein paar unvorsichtige Interviews in die Rolle des Racheengels gerutscht ist, will nun in einer Pressekonferenz genauer Stellung beziehen. - Da steht einmal das sichtbare Geschehen, staatliche Behörde lässt Hütten auf La Palma abreißen, verschont aber augenscheinlich Paläste. Das rückt natürlich die Sozialisten in die Ecke der bösen Kolonialisten und bei dem Wort Kolonien geht jeder Palmero, gleich welcher Couleur unweigerlich in die Luft und wird zum Lokalpatrioten. Dann bemühten sich die politischen Gegner der Sozis hier auf La Palma auch noch zu Rettern der Siedlungen aufzuspielen in dem sie ziemlich aussichtslose Unterfangen, wie die Deklaration der Siedlungen zu Zonen des öffentlichen oder kulturellen Interesses, als wirksames Schutzmittel vorstellen wollten. Frau Coello, so wie das nun mal ihr Naturel ist, konnte darauf hin ihren bereits in Madrid zu höchster Streitkunst geschulten Mund nicht halten und donnerte in einem Interview gegen die gesetzlosen Spießgesellen der Coalición Canaria, sie würden die friedlichen Bürger dieser Insel dazu aufrufen, sich gegen das Gesetz zu stellen. - Da hat sie sich selbst ziemlich eins ausgewischt, denn die Coalición Canaria beherrscht dieses Spiel, welches man landläufig als "ins Messer rennen lassen" nennt perfekt und lässt reihenweise andere Akteure den eigenen Verbaltod sterben, weil sich die Gutwilligen mit wehenden Fahnen und brillant geglaubten Wahrheiten um Kopf und Kragen reden.

Meinen Kindern erkläre ich das immer so. Man darf nicht lügen, auf keinen Fall, aber man muss auch nicht immer unaufgefordert und als erste die Wahrheit sagen, man kann auch einfach mal den Mund halten und sich vor weiteren Lautäußerungen erst mal umhorchen oder umsehen. - Mag sein, dass ich damit erreichen will, dass meine Kinder mal was lernen was ich selber nur ansatzweise beherrsche, aber eben gerade in der Politik sollte man peinlich genau nachdenken, wann und ob man etwas sagt. - Die ganz große Posse ist dann, wenn man auch noch darüber nachdenken kann WAS man sagt, aber das ist nach meiner Erfahrung eigentlich im politischen Leben schon zweitrangig. - Glauben Sie mir, ich will nun auf keinen Fall meine Kinder für die Politik schulen, sie sollen es nur später mal einfach haben und weniger blutige Nasen bekommen als ich… Mercedes Coello bekam nun auch noch die Möglichkeit zur Richtigstellung und siehe da, die Sozis sind es gar nicht, welche die Hütten auf La Palma abreißen. - Gut, das wusste ich vorher auch schon, die Küstenbehörde arbeitet schon länger an dem Abriss der nach dem Gesetz von 1988 illegalen Siedlungen an Spaniens Küsten, als die Sozialisten in Madrid an der Macht sind. - Also hat eigentlich niemand Schuld und wie man den Abriss nun stoppen kann, um dringend notwendige weitere Überlegungen anzustellen ob das denn wirklich richtig ist was man hier auf La Palma treibt. - Allerdings sind die momentanen "Geschäftsführer" in Madrid wohl die Sozis und so sollte es für Frau Coello leichter sein als für die politischen Gegner, dringend eine Reflektionspause bei der Küstenbehörde einzufordern. Also, bitte anrufen in der Hauptstadt: Hallo Madrid, hier ist La Palma, nicht Las Palmas und nicht Palma de Mallorca, sondern die kleine Insel mit dem großen Herzen, wir haben da ein Problem…



Donnerstag 08.11.07 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 24 Grad, Niederschlag 0 mm, Luftfeuchte 29 % Luftdruck 1019 hPa

Her mit den kleinen Engländerinnen

Da reden wir seit Tagen über den ersten Charterflug auf die Insel und können einfach keine Zeitzeugen mehr finden, da spielt sich hinter unserem Rücken eine erneute Premiere ab. - Die Briten sind wieder da und zwar geballt. - An die vierhundert Gäste kamen am Montag aus London und Manchester nach La Palma, in zwei Maschinen welche die Agentur Thomson auf den Weg zu uns gebracht hat. - Engländer auf den Kanaren, was ist daran neu oder gar erwähnenswert? Sind doch die Briten sogar das größte Emissionsland (geht gerade noch so das Wort) für internationalen Tourismus auf den Kanaren. - Bei uns auf La Palma war aber immer schon alles anders und bislang konnten wir nur zwei klägliche Saisonversuche vorweisen, auch den Söhnen Angels und Saxons (die Worte gehen jetzt eigentlich nicht mehr) ein wunderbares touristisches Ziel zu bieten. - Warum auch nicht, man sollte halt auch im Tourismus nicht immer nur dieses eine bestimmte Bild der Briten vor Augen haben, welche Urlaub so tendenziös in Richtung Alkohol auslegen. - Auch wenn mein letzter Aufenthalt auf Fuerteventura wohl nur dazu bestimmt war diese Vorurteile zu bestätigen, wir werden die Hoffnung nicht aufgeben, dass es Thomson gelingt, La Palma taugliches Publikum zu uns zu bringen.

Sollte das so weitergehen, zwei fast vollständig ausgebuchte Flüge aus England pro Woche, dann könnten wir auch endlich wieder aus dem seit Jahren anhaltenden Abwärtstrend der internationalen Gästezahlen herauskommen. - Da sitzen aber wieder zwei Seelen in meiner Brust, oder vielleicht besser zwei Gedanken im meinem Kopf. - Natürlich ist es gut, wenn endlich wieder mehr Gäste auf diese Insel kommen, das ist prinzipiell keine Frage. - Es gibt da aber auch noch den Gedanken, wieder steigende Gästezahlen könnten die aufgekommene Diskussion um die zukünftige Tourismusplanung dieser Insel wieder unter Erfolgsgemurmel ersticken. Dann ständen die beinharten Verfechter der konventionellen Tourismus wieder mit breit grinsendem Gesicht da und könnten somit jede echte Innovation für unnötig erklären, denn es geht doch wie gehabt und alle Mahner hatten dann plötzlich wieder Unrecht. - Da ist natürlich taktisch gedacht, denn nur unter dem Druck sinkender Gästezahlen und katastrophaler Auslastungen war man annährend bereit, echte alternative Möglichkeiten zumindest in Betracht zu ziehen. - Das könnte sich mit dem frischen Wind der Engländer hier auf La Palma wieder ändern. - Eigentlich soll man aber so nicht denken, denn dann stellt man sich ja eigentlich auf eine Stufe mit den Zahlenvirtuosen, die vor ein paar Jahren das mal so gerechnet haben: Es sind vierhundert Engländer auf die Insel gekommen, also sind die Gästezahlen um vierhundert Prozent gestiegen. - Schwamm drüber, das war einmal und mir sollen die Engländer herzlich willkommen sein, so lange sie mir nicht mein Bier wegtrinken. - Da sehe ich aber kein Problem, die meisten sind kaserniert in den Küstenhotels untergebracht und kommen wohl gar nicht dazu, uns Landeier im berühmten Hinterland zu erschrecken. - Also, her mit den kleinen Engländerinnen!




Dieses Photo ist gestellt und spiegelt nicht die Meinung der Redaktion über englische Besucher wider...



Mittwoch 07.11.07 - 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 27 Grad, Niederschlag 0 mm, Luftfeuchte 51 % Luftdruck 1018 hPa
Höchsttemperatur heute 28,8 Grad - niedrigste Temperatur 21,0 Grad

Am Sonntag schwappt der Hafen über

Platz da am Sonntag für den Besuch eines Schiffes der Sonderklasse, der "Navigator of the Seas". - Mit einer Länge von 311 Metern ist es das längste Schiff was unseren Hafen in Santa Cruz jemals angelaufen hat und so schläft der Hafenmeister sicherlich schon seit Tagen nicht mehr sonderlich ruhig. - Bis dahin hielt den Rekord die "Queen Elizabeth 2" oder einfach "QE2", aber die ist ja nun "gerade mal" 293 und einen halben Meter lang. - Auch die Höhe dieses schwimmenden Luxustempels ist enorm, 72 Meter misst das Schiff, von denen man allerdings die unsichtbaren 8 Meter Tiefgang abziehen muss, dann reicht der Pott aber immer noch 64 Meter über die Hafenmole heraus, da wird es uns selbst von der oberen Plattform der Mole nicht gelingen, irgend jemand auf den Kopf zu spucken. - Das wollen wir ja auch gar nicht, sondern uns artig rausputzen für den Sonntag und wie immer wird es, wenn ein Schiff solchen Kalibers das erste Mal unsere Insel anläuft ein offizielles Begrüßungskomitee geben. Dazu fordern die Stadtoberen auch die Geschäftsleute auf, ihre Läden am Sonntag zu öffnen, es wäre doch wirklich schade wenn bis zu 3.800 Passagiere die auf das Schiff passen in Santa Cruz rumlaufen und sich nichts kaufen könnten außer einem Cortado in einer Bar. - Wir wissen natürlich nicht, wie viele Passagiere tatsächlich auf dieser Fahrt auf dem Schiff sind und wie viele davon wiederum sich überhaupt von Bord trauen, haben die doch eigentlich alles an Bord was man braucht. - Sogar eine Eislauffläche, das ist dann am Sonntag auch noch eine Premiere, La Palmas erste Eissporthalle, leider fährt diese am Abend jedoch wieder weg. - So ein Pech, wollten wir doch gerade den ersten Eishockey-Club der Insel bilden, die "El Paso Roaring Fourties", weil keiner mehr von uns unter vierzig Jahren alt ist.

Man muss sich das aber mal vorstellen, sagen wir mal einfach nur 3.000 Passagiere laufen durch die engen Straßen von Santa Cruz und vielleicht noch mal die Hälfte der Besatzung, das wären dann auch noch mal 600 Köpfe. - So viele Menschen passen doch gar nicht in die Altstadt und vielleicht sollten sich das die Geschäftsinhaber doch tatsächlich noch mal mit der Sonntagsöffnung überlegen und lieber doch fluchtartig am Sonntag weit aus der Hauptstadt zu fliehen. - Auf jeden Fall ist das wieder mal eine gute Chance La Palma auch anderen Urlaubern näher zu bringen, die sonst vielleicht nicht auf die Idee gekommen wären unsere Insel zu besuchen. Leider werden die nicht sehr viel von der Insel selbst zu sehen bekommen, da wird es ein paar Busfahrten geben und ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass meist das Publikum solcher Schiffe auch nicht unbedingt La Palma tauglich ist. - Ich habe mal den überfallartigen Besuch von etwa 60 kurzbehosten Briten in der Kneipe von Carlos erlebt, die sind da am Sonntagnachmittag ohne Anmeldung reingefallen, weil der Busfahrer kein anderes taugliches Cafe fand. - Abgesehen davon, dass diesen Nachmittag die einzige Bedienung in der Kneipe nach der Bereitstellung von an die 30 "soft-drinks" und weiteren 3 koffeinfreien Kaffees völlig fertig war, außer dem bemühten Reiseleiter wäre niemand von den Gästen körperlich in der Lage gewesen einen La Palma Wanderurlaub ohne Schäden zu überstehen. - Mal sehen, ob ich am Sonntag meine Familie zu einem Ausflug in die Hauptstadt gewinnen kann, dann gibt es auch ein paar Photos von der Überschwemmung in Santa Cruz…



Mittwoch 07.11.07 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 22 Grad, Niederschlag 0 mm, Luftfeuchte 47 % Luftdruck 1020 hPa

5 Jahre UNESCO-Weltbiosphärenreservat

Die einen nennen es Aufgabe und Chance, andere leider Garantie für eine umweltfreundliche und soziale Zukunft. - Es ist jetzt 5 Jahre her, dass die UNESCO die komplette Insel zum Weltbiosphärenreservat erklärt hat, eine Auszeichnung welche diese Insel sicherlich verdient hat und zukünftig viel daraus machen kann. - Allerdings ist eine solche Auszeichnung keine Garantie für eine soziale und umweltgerechte Zukunft, wenn wir uns den Orden einfach um den Hals hängen und so weiter machen wie bisher. - Großes Fest gestern im "Teatro Chico" und in der Tat, so etwas darf man feiern und natürlich stolz sein darauf. Unser Inselpräsident war verhindert, so durften andere an den Rednerpult und die Vizechefin ergriff das Wort, Guadalupe González Taño. - Korrekte Rede, in jedem Satz das Wort Nachhaltigkeit strategisch positioniert, da kann nicht viel schief gehen, schließlich ist das auch nicht der erste Jahrestag und die uniformen Sätze über die brillante Zukunft dieser Insel purzeln jedem nur so aus dem Mund heraus. Es ist eine biodiverse Freude mal nicht über Haushaltsdefizite, Bebauungspläne, sinkende Touristenzahlen und Ärztemangel parlieren zu müssen, das Weltbiosphärenreservat ist Labsal für das trübe Leben und Leiden unserer Politiker, denen im Alltag sonst nichts erspart bleibt. - Übrigens funktioniert das Konsortium des Weltbiosphärenreservates gar nicht schlecht, es finden regelmäßig Kurse, Vorträge und andere Veranstaltungen statt, welche durch den Umstand des UNESCO-Lobes erst ihre Berechtigung finden. - Das ist aber nur die eine Seite, leider betrachten viele Planer und manche einflussreichen Leute das Weltbiosphärenreservat lediglich als Bestätigung aller Vorhaben und Ideen, die oft in keiner Weise mit Sinn und Herausforderung eines Biosphärenreservates zu tun haben können.

So bleibt dieser Insel aber auch kaum etwas erspart und manchmal wundert man sich, wie viel dieses Eiland und ihre bewundernswert aufrechten Bewohner ertragen können. - Gut, das geht meist nur deshalb, weil auch hier die Politik sich längst komplett von dem was man Volk nennt geistig losgesagt hat und in einer erhobenen Traumwelt ihre "Truman-Show" ableiert. - Fast möchte man ja den Elfenbeinturm zitieren, aber das wäre zu lyrisch. - Innerhalb der Feierlichkeiten zum Weltbiosphärenreservatsgeburtstages kam dann auch Leopoldo Fernández Cabeza de Vaca zu Wort, gerade abgelöster Direktor der Tageszeitung "Diario de Avisos". - Vielleicht ist die Nähe zu der Zeitung auch der Hintergrund warum man seine Worte abdruckt, allen anderen Anwesenden sollte es aber zumindest peinlich gewesen sein, was der gute Mann aus Valladolid da zu sagen haben glaubte. - Neben dem üblichen und sicher erlaubten Lobgehudel über das Weltbiosphärenreservat, lobte doch der gelernte Journalist unseren guten Umgang mit dem Müll und das Vorhaben mindestens vier Golfplätze auf La Palma zu installieren und das im Zusammenhang mit dem Jubiläum des Weltbiosphärenreservates. - Gut, dass bei solchen Anlässen niemand von der UNESCO dabei ist, die würden sonst das Siegel der Biosphäre sofort wieder einrollen und mitnehmen. - Unser Müll wird immer noch in eine Schlucht geschüttet, genauer gesagt in den Barranco Seco auf halbem Weg von der Hauptstadt nach Puntallana. - Das ist zum Teil Notwendigkeit und wird sich, leider auch wieder nur um Teil ändern, wenn die Müllverwertungsanlage in Mazo irgendwann ihren Dienst aufnehmen kann. - Das in positiven Zusammenhang zu bringen mit einem Weltbiosphärenreservat verschlägt nicht nur mir komplett die Stimme. - Genau so geht das mit den Golfplätzen. - Man kann viel darüber diskutieren, ob Golfplätze eine wirtschaftliche Zukunft für diese Insel bieten können. Aber diese künstlich angelegten und Landschaft fressenden Parkanlagen mit Pflanzen, die überhaupt nicht von hier sind und in Wasser und Pestizidverbrauch die Bananen sogar noch locker übertreffen, in einen Zusammenhang zu bringen mit der hehren Aufgabe ein Weltbiosphärenreservat zu erhalten, das ist, immer noch mit allem gebührenden Respekt vor jeder konträren Meinung, kompletter Unfug. - Ich habe es auch nicht geglaubt, bis ich es gelesen habe und zwar hier, im Diario de Avisos von heute.



Dienstag 06.11.07 - 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 25 Grad, Niederschlag 0 mm, Luftfeuchte 50 % Luftdruck 1020 hPa
Höchsttemperatur heute 26,8 Grad - niedrigste Temperatur 15,2 Grad

Zwei erste Flieger

Vor ein paar Tagen habe ich ja mal gefragt, ob zufällig ein Leser in dem ersten Charterflieger aus Deutschland nach La Palma saß und uns was dazu erzählen kann. - Bislang haben wir zwar viele Zuschriften erhalten, aber wirklich drin in der (oder den Maschinen) saß leider keiner, so dass ich die Bitte hier noch mal wiederhole. - Wer ist am 4.11.1987 mir der LTU aus Düsseldorf nach La Palma geflogen? - Wir können die Frage sogar noch ausdehnen und den 11.11. 1987 dazu nehmen, denn eigentlich gibt es sogar zwei erste Charterflieger nach La Palma. - Wie ist das denn möglich werden Sie sich fragen, aber weil La Palma wirklich was Besonderes ist, (nun glauben Sie mir das doch endlich mal) ist es tatsächlich so. - Und es hat wirklich etwas mit der Besonderheit dieser Insel zu tun. - Am 4.11. 1987 ist wirklich die erste Chartermaschine mit Ziel SPC, das ist das Kürzel unseres Flughafens pünktlich gestartet. Eine Boeing 757 mit 220 Passagieren an Bord, die ist allerdings nie auf La Palma angekommen. - Ich darf Sie beruhigen, die Maschine ist nicht abgestürzt, wurde auch nicht entführt und der Pilot hat sich auch nicht nach San Borondón verflogen, sondern musste wegen schlechten Wetters auf La Palma nach Tenerife ausweichen. - Das passiert halt ab und zu mal bei uns bei Westwind, da stören dann Scherwinde oder heftige Niederschläge den Anflug deutlich und die Piloten sind besonnen und klug genug, dann auf einen anderen Flughafen auszuweichen, der nicht das Problem der Scherwinde bei dieser Wetterlage hat.

Die erwarteten ersten Gäste landeten also auf Tenerife und nicht auf La Palma und wurden dann auf eine Fähre gebracht und kamen also den Rest des Weges per Schiff zu uns. - Der "große Bahnhof" für die ersten Chartergäste wurde also vom Flughafen an den Hafen verlegt und dort spielte nun eine Kapelle zur Begrüßung auf. - Ob die Gäste dann noch wirklich froh und vergnügt dieses Konzert mit anhören wollten, oder einfach nur in die Betten, da sie ja inzwischen 5 Stunden Flug und 8 Stunden Fähre (damals noch aus Santa Cruz de Tenerife) hinter sich hatten, das darf man wirklich bezweifeln. - Eine Woche später nun landete dann die LTU aus Düsseldorf wirklich als erste Chartermaschine bei uns und nun kann man sich aussuchen, wer denn nun die Premierengäste sind. - Dabei muss ich erwähnen, dass das natürlich nicht die ersten internationalen Touristen, oder besser Gäste bei uns auf La Palma waren, aber bis dahin musste man halt auf einer anderen Insel umsteigen und dann entweder mit den Inselhoppern oder dem Schiff zu uns kommen. - Internationaler Tourismus im größeren Stil und eben dann als Paket buchbar, begann aber eben erst mit dem Eintreffen der ersten Chartermaschine direkt aus Deutschland. - So war das damals und nur nach La Palma kommen zwei "erste Flieger"…



Dienstag 06.11.07 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 15 Grad, Niederschlag 0 mm, Luftfeuchte 64 % Luftdruck 1019 hPa

Die Faxen dicke

Die Geschichten und Vorgänge um die touristische Zukunft Puerto de Tazacortes nehmen inzwischen immer groteskere Ausmaße an. - Seit Jahren versucht die Finanzgruppe "Inversiones Cock" den kleinen Hafen so richtig umzukrempeln und aus einem verschlafenen Nest eine architektonische Vision in Glas und Beton zu kreieren. - Gut, dass wir nicht über Geschmack und Architektur reden müssen, denn davon habe ich keine Ahnung. - Anfänglich sah alles gut aus für den Investor, es sollten nicht nur Hotels entstehen, sondern auch noch Luxuswohnungen genau gegenüber vom neuen Hafen. Eigentlich fing man schon an, die Chalets, Lofts und Apartments zu verkaufen, zumindest machte man auf Messen und in Broschüren bereits kräftig Werbung. - Ob tatsächlich schon jemand Vorverträge zum Kauf hat, oder eine Zusage getroffen, das wissen wir allerdings nicht. - Zu seiner Zeit schien auch der Haussegen zwischen der Gemeindeverwaltung Tazacorte und dem Investor "Inversiones Cock" noch komplett intakt, nicht selten sprach man in den Medien gemeinsam von einer goldenen Zukunft für den kleinen Hafen.

Es war aber wohl noch nicht das verflixte siebente Jahr, es muss andere Gründe haben, warum denn nun zwischen den ehemaligen "Partnern" ein offener und heftiger Rosenkrieg ausgebrochen ist. - Vieles lief nicht mehr so wie man wollte, die Gemeinde musste Zusagen gegenüber dem Investor zurücknehmen weil diese nicht in die Vorgaben der neuen Raumordnung passen und seit gut einem Jahr hat sich eine ehemalige Interessengruppe, Investor-Rathaus in erbitterte Feinde verwandelt. - Vor geraumer Zeit hieß es dann, der Investor, der auch keine Möglichkeit in Funk, Fernsehen und Zeitung auslässt, sein Missfallen über die Behandlung interessierter Investoren hier auf La Palma auszudrücken, ziehe sich komplett zurück und gehe lieber dort hin, wo man ihn und sein Geld auch angemessen willkommen heiße. - Das war aber auch nur wieder ein, vielleicht kalkuliertes Spektakel, nun aber packt er den Hammer aus und will die Gemeinde Tazacorte auf fast 6 Millionen Euro Schadensersatz verklagen. - Man rechnet die Kosten auch vor, die sich, ohne die Grundstücksankäufe und die Bau- sowie Erschließungspläne auf 5,7 Millionen belaufen und die will man nun zurück haben. - Im Rathaus von Tazacorte dürfte es nicht nur heute lange Gesichter geben, da hat ein Investor nun den lockenden Geldbeutel gegen das Schwert getauscht und hat die Faxen dicke. - Ob solch eine Klage überhaupt Erfolg haben kann, wer weiß das schon im Irrgarten der Justiz und wer, was, wann und wie versprochen und wieder gebrochen hat, darüber wird man sich wohl nie richtig einigen können. -Eigentlich ist die Situation auf La Palma schon spannend genug, Golf ja, Golf, nein, mehr Hotels und Autobahn, oder doch nicht und dafür lieber kleine, aber nachhaltige Brötchen und dann kommt auch noch ein Investor und will sein Geld zurück. - Große Zeiten wehen uns auf La Palma entgegen und irgendwie habe ich das Gefühl, wir sollten uns ganz tief ducken und die Birne aus der Schusslinie nehmen.



Montag 05.11.07 - 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 23 Grad, Niederschlag 0 mm, Luftfeuchte 61 % Luftdruck 1016 hPa
Höchsttemperatur heute 25,4 Grad - niedrigste Temperatur 14,2 Grad

Die ersten Kastanien

Der "San Martín" ist nah und damit meinen wir den Feiertag und nicht die große Supermarktkette die uns hier auf La Palma mit dem Nötigen wie Unnötigen versorgt. - Ganz wichtig für einen gelungen San Martín Tag sind natürlich die ersten Kastanien, von denen wir hier auf La Palma große Mengen haben. So viele sogar, dass man sie früher exportiert hat, aber nun müssen wir sie alle selber essen und wenn es nach uns geht, dann machen wir da gerne mit. - Wir sprechen natürlich über Esskastanien, auch so genannte Maronen und nicht über die Rosskastanien, die übrigens überhaupt nicht mit der Esskastanie verwandt sind, obwohl man das nach Aussehen und pickeliger Schale eigentlich vermuten will. - Drüben auf der Ostseite, oberhalb San Joses, hat man sogar Kastanien extra angepflanzt und dafür viele Terrassen in den steilen Abhang gezogen. Heute fallen dort fast alle ohne geerntet zu werden auf den Boden, weil es sich einfach nicht lohnt diese zu sammeln und zu verschicken. Ein paar Wackere gehen noch sammeln und verkaufen diese auf den lokalen Märkten, aber es scheint so unsinnig zu sein diese zu kaufen, wo doch überall auf der Insel ab einer gewissen Höhe diese Bäume ganz umsonst ihre Früchte spenden.

Es scheint ein doch noch ein relativ gutes Kastanienjahr zu werden, auch die vier Tage Ende Juli der großen Hitze hat den Bäumen nicht wirklich so viel schaden können, dass wir diesen Herbst leer ausgehen, so wie das viele bereits befürchtet hatten. - Gut, so ganz große und dicke Exemplare wie man das eigentlich am liebsten hat sind uns heute nicht in die Hände gefallen, aber dennoch reichlich und wunderbar prall gefüllt kommen die ersten Kastanien daher. Das Schöne bei der frühen Ernte ist auch immer, dass die Kastanien noch komplett ohne Einwohner sind, bis die Würmer und Maden über die Früchte herfallen können vergehen noch zwei Wochen, danach muss man dann schon einige aussortieren. Hier werden die Kastanien in großen Metallpfannen über dem offenen Feuer geröstet und dann direkt aus der Hand verspeist. Es gibt auch noch Zubereitungen wie Kastanienmus als deftige und kalorienreiche Nachspeise, aber eigentlich nimmt man die runden Kuller als gegebenen Anlass mit viel jungem Wein verspeist zu werden, denn eben an San Martín wird auch der "Heurige" das erste Mal gekostet. - Kastanien und Wein, eine gute Kombination, denn die Früchte sorgen dafür, dass man größere Mengen des jungen Getränkes zu sich nehmen kann, die Kastanien sorgen für das, was man im Starktrinkerkreisen eine "gute Unterlage" nennt. - Es sind zwar noch ein paar Tage hin bis San Martín, aber uns haben die ersten Kastanien schon hervorragend gemundet, auch ganz ohne Wein.


Esskastanien uaf La Palma



Montag 05.11.07 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 14 Grad, Niederschlag 0 mm, Luftfeuchte 72 % Luftdruck 1014 hPa

Visionäre bauen Parkplätze

Da ist die eine Tiefgarage noch nicht mal fertig, da wird die nächste schon geplant. - So ist unsere illustre Hauptstadt, immer so weit ihrer Zeit voraus, dass eigentlich kein normaler Bürger sie einholen kann. - Die heftige Polemik um den unvollendeten Garagenpark unter der "Avenida del Puente" ist noch in vollem Gange, da rückt man mit dem nächsten Projekt an die Oberfläche, noch eine Tiefgarage soll her, da wo heute die Parkplatzfläche am Hafen, gegenüber dem Postgebäude ist. Einig werden darüber muss man sich mit den Hafenautoritäten und die kommen aus Tenerife, denn unsere Häfen (Santa Cruz und Puerto de Tazacorte) werden gar nicht hier auf La Palma verwaltet, sondern gehören zu den "Puertos de Tenerife". - Vielleicht ist das auch gut so und die zuständigen Leute dort wissen gar nichts über unsere leidvolle Tiefgaragengeschichte, die uns ja immer noch in Atem hält. - Allerdings muss man den Stadtoberen wohl Recht geben, nichts scheint für eine Stadt so wichtig zu sein wie Parkplätze, um unsere mobile Gesellschaft auch voll auskosten zu können. - Über die letzten Jahre, oder vielleicht sogar 15 Jahre hat die Hauptstadt Santa Cruz deutlich als wirtschaftliche Metropole gegenüber den drei Städten im Aridanetal verloren, ganz einfach weil der Hauptstadt der Platz fehlt um zu expandieren und die Parkmöglichkeiten für die Kunden der Gewerbebetriebe.

So sind einige größere Firmen bereits mit ihrem Hauptsitz ins Aridanetal abgewandert, weil es einfach keinen Sinn macht, schwere und transportintensive Güter dem Kunden anzubieten, wenn der keine Möglichkeit findet, mit dem Auto oder dem LKW dem Geschäft auch nur nahe zu kommen. Der Standort am Hafen, also am südlichen Eingang der Stadt ist eigentlich sogar noch sinnvoller als der des Parkhauses mitten in der Stadt, weil man so die Autos gleich noch vorher abfangen kann und nicht erst durch den Ort schleusen muss. - In dem Zusammenhang musste man ja leider feststellen, dass die Umgehungsstraße bislang keine Erleichterung im gewünschten Maße brachte, nach wie vor quält man sich stehend in den Ort, zumindest in den Geschäftsstunden. - Man schätzt aber, schätzt, weil die Zahl nicht konkret zu ermitteln ist, dass fast die Hälfte des Stadtverkehrs auf Parkplatzsuche ist und nun hofft man mit der Tiefgarage in der Stadtmitte dieses Problem lösen zu können. Sollte dann noch die weitere Tiefgarage am Hafen die restlichen Parkplatzsuchenden aufnehmen, dann sollte es in mittlerer Zukunft eine Wonne sein, mal wieder in die Hauptstadt zu fahren. - Wer Zeit hat, und die haben die meisten Gäste der Insel doch wohl, der parkt eh noch vor dem Kreisverkehr welcher die Umgehungsstraße abtrennt und bummelt dann ein paar Minuten in die Stadt hinein und kann diese dann richtig genießen. - Wer keinen Klotz am Bein, in diesem Falle kein Auto hat, für den erschließt sich Santa Cruz und seine netten Ecken und Winkel allemal viel besser. Eine Stadt, vor 500 Jahren an den Fels gebaut, die wird nie richtig autogerecht sein und sind wir doch mal ehrlich, wenn die viel gepriesene Mobilität wegen fehlender Parkplätze vor den Stadtgrenzen endet, dann scheint das doch nicht der richtige Weg zu sein. - Auch ja, da wäre ja noch die Möglichkeit mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren, aber so weit sind wir noch nicht, da bauen wir lieber noch ein paar Tiefgaragen.



Sonntag 04.11.07 - 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 25 Grad, Niederschlag 0 mm, Luftfeuchte 51 % Luftdruck 1011 hPa
Höchsttemperatur heute 25,9 Grad - niedrigste Temperatur 17,4 Grad

Caldera-Rundweg bis auf weiteres nur noch sonntags

Am Sonntag will mein Liebling mit mir Segeln gehen… Bitte schön, wen es allerdings auf den wunderschönen Caldera-Rundweg zieht, von Los Brecitos aus durch das Flussbett wieder zurück, der sollte das Segelboot an dem Tag lieber stehen lassen und in der Caldera wandern. - Alles wird besser, schöner und neuer und natürlich auch sicherer, so betitelt man die Veränderungen die es dort geben wird. Zum einen teert man ab Montag nun das Stück Flussbett-Los Brecitos und zwischen dem Campingplatz und Dos Aguas wird eine Steilwand gegen Steinschlag gesichert, so dass hier wie dort keiner mehr vorbei kann. Fragen Sie mich bitte nicht, wie lange das dauert, man versichert un zwar, dass man mit Hochdruck und sogar von beiden Seiten aus anfangen will die Straße zu teeren, das sind aber halt 11 Kilometer und unter schwierigen Umständen, weil eben schmal und mit gewaltigen Abhängen. - Die anderen Arbeiten an der Steinschlagfront sollen in ein bis zwei Wochen beendet sein, aber da will sich auch niemand festlegen, lassen Sie uns also lieber geduldig sein. - Übrig bleibt so vorerst nur der Sonntag, da wird nämlich weder an der Straße gearbeitet, noch an der Stelle oberhalb von Dos Aguas, so dass der nächste Wandertermin erst wieder am Sonntag den 11 November ansteht. - Nun kann man mal wieder mit Recht fragen, warum man diese Arbeiten gerade in die Hochsaison legt, aber irgendwann muss das doch mal gemacht werden ist dann die Antwort. Das mit dem "Muss", da sind nämlich viele Leute gar nicht einer Meinung, wird doch befürchtet, dass mit der Konditionierung der Zufahrt nach Los Brecitos viel mehr Autos den Weg zum beliebtesten Einstieg in den Nationalpark finden. - Deshalb sind seit langer Zeit, man kann ruhig sagen seit Jahren auch Diskussionen im Gang, die Zufahrt nur noch für autorisiertes Personal und Taxis sowie Busse zu genehmigen und den privaten Verkehr komplett aus der Caldera zu verbannen. - Allerdings ist das nicht ausdiskutiert, immerhin sind Inselregierung, Nationalparkverwaltung und die Gemeinde El Paso an der Grundsatzfrage beteiligt. - Und jeder hat natürlich seine Vorstellungen, wie das alles auszusehen hat.

Wie lange kann so etwas dauern, 11 Kilometer mit einem einspurigen Asphaltband zu überziehen. Eigentlich eine Sache von wenigen Wochen sagt der erfahrene Tiefbauer, aber bei uns ist selbst der "Tiefbau" eher ein "Hochbau", weil man halt rechts und links des steilen Weges keine Ausweichmöglichkeiten hat mit den Maschinen schnell und effektiv zu arbeiten. - Ganz böse Stimmen unken was von bis zu 6 Monaten, aber das will ich einfach nicht glauben, das würde ja eine komplette Saison bedeuten in der man den schönen Weg nur sonntags machen kann. - Wenn wir aber davon ausgehen, dass die Arbeiten an der Steinschlagfront bald abgeschlossen sind, dann wären auch wieder 2 Tage pro Woche möglich, denn die Straßenarbeiter sind nur bis Freitag zu Gange, die Hochseilspezialisten, welche sich um die Steilwand zwischen Dos Aguas und dem Campingplatz bemühen arbeiten nun sogar bis Samstag. - Natürlich kann man weiterhin sein Auto im Flussbett abstellen und dieses so weit hochmarschieren bis nach Dos Auguas. Das ist alleine auch schon eine sehr schöne Wanderung, man bekommt den Krater zwar dann nur von unten zu sehen, aber eindrucksvoll ist das allemal. - Man kann aber an so vielen anderen Stellen dieser Insel wunderbare Wanderungen unternehmen, so dass kein Urlauber befürchten muss, seine Wanderstiefel nicht am Basalt der Insel La Palma reiben zu können. - Natürlich ist die Caldera eines der Traumziele, aber dann muss man sich halt in den kommenden Wochen oder Monaten mal auf den Sonntag beschränken. - Sollte sich daran was ändern, dann bemühen wir uns, Sie auf dem Laufenden zu halten.


Caldera de Taburiente bei Dos Aguas - La Palma



Sonntag 04.11.07 - 10:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 19 Grad, Niederschlag 0 mm, Luftfeuchte 73 % Luftdruck 1014 hPa

Bauernregeln auf den Müll

Wenn der Hahn steigt auf den Mist, dann ändert sich das Wetter oder es bleibt wie es ist. - Diese allmächtige Beschwörungsformel hat mit ihrer, fast bereits politischen Weisheit sicher Überlebenschancen. Die meisten anderen Sinnsprüche um das Wetter, meist aus dem ländlichen Raum stammend, werden nun meistbietend versteigert oder wenigstbietend auf dem Müllabladeplatz unbenutzten Wissens entsorgt. - Vielleicht stimmten diese Sprüche ja nie, aber niemand wollte widersprechen, weil einfach keiner es besser wusste. - Manche dieser Sprüche sind aber auch so perfide allgemeingültig, dass irgendetwas immer stimmt. So zum Beispiel die Mär von dem Regen der kommt, wenn man El Hierro von La Palma aus sehen kann. - Stimmte das, dann müsste es eigentlich jeden dritten Tag regnen und so schiebe ich diese Weisheit mal auf die katastrophale Versorgung mit Brillengläsern bei der Landbevölkerung La Palmas aus der Zeit, als man die Bauernregeln schuf. - Allerdings stimmt diese Regel ja auch, wenn man sie zeitlich gesehen sehr locker auslegt, irgendwann regnet es schon, nachdem man El Hierro gesehen hat. - Wird es im Winter, also jetzt, weil wir uns längst hier auf La Palma auf nur noch zwei Jahreszeiten geeinigt haben plötzlich über Nacht warm, dann muss es auch regnen. - Theoretisch erklärbar, man meinte damit eine Änderung der Windrichtung und ein Aussetzen des frischen Nordostpassats, aber dennoch regnet es auch noch nicht zwingend, sonst müsste ich nun mit dem Regenschirm zum Bäcker gehen. - Dort werde ich aber erfahren, ja, auch am Sonntag, dass das Wetter inzwischen nur noch "raro" ist, also komisch und eigentlich müsste es regnen, tut es aber nicht.

"Luna de Octubre, siete lunas cubre", das ist so was wie die Siebenschläferregel auf Kanarisch. Die besagt, so wie das Wetter am Oktoberneumond ist, so bleibt es sieben Monate lang. - Darüber müssen wir eigentlich auch nicht mehr diskutieren, denn das hat noch nie gestimmt, einen ganzen Winter lang keinen Regen, oder andauernd Regen, das gab es noch nicht. - Allerdings macht uns der Verlust dieser Bauernregeln auch hilflos. - Früher, als alles anders war, aber nur manches besser, da gab es Oberbauernregler, das waren die, die immer wussten wie das Wetter wird und jeder konnte sich daran halten und pünktlich zum ersten Regen die Frühkartoffeln setzen. - Frühkartoffeln deshalb, weil man pro Wintersaison hier zweimal Kartoffeln anbaut. Das geht natürlich nur, wenn man bereits Anfang Oktober die begehrte Knolle unter die Erde bekommt und danach dann tatsächlich der Regen fällt. - Diese alten Propheten des Wetters waren Anfang Winter immer die begehrtesten Gesprächspartner auf den Bänken rund um die Dorfstraße El Pasos. Man durfte die, meist von Sonne und schwerer Feldarbeit gedörrten hageren Gestalten natürlich nicht so plump ansprechen wie etwa: "Paco, wann regnet es, wann können wir die Kartoffeln in die Erde setzen". - Nein, das war ein genau ausgeklügeltes Spiel von versteckten Fragen und ebenso verwirrenden Antworten und wer dann glaubte, Paco hätte ein klares Regenzeichen losgelassen, der wurde am nächsten Tag nicht mehr auf der Bank gesehen, weil er nämlich zuhause seine Saatkartoffeln in den Boden rammte. - Spätestens wenn Paco dann einen Tag lang nicht erschien war es Zeit die Kartoffeln zu pflanzen, denn inzwischen hatte es sich rumgesprochen, dass "Mister Weather himself" in seinem Garten die Hacke schwingt. - Das alles gibt es nicht mehr, nicht nur weil Paco schon seit ein paar Jahren von uns gegangen ist und nun wetterlos seine Tage verbringt, keiner der alten Männer kennt sich mehr mit dem Wetter aus und hilfloses Stirnkratzen ist an die Stelle von regenschwangeren Sprüchen gerückt.

Man könnte ja nun medientreu diesen Verlust an treffenden Bauernregeln dem Klimawandel in die Schuhe schieben. - Der Klimawandel hat ja inzwischen einen ähnlichen Status wie die "Russen" (als es noch die gute alte CCCP gab) zu jener Zeit waren die an allem Schuld, ob nun bäuerliche Hämorrhoiden oder pandemische Missernten. - Ich glaube das aber nicht, denn der Klimawandel hat nichts damit zu tun, dass wir das Wettergeschehen über unseren Köpfen einfach nicht mehr richtig deuten können. Es liegt eher an den vielen Wettervorhersagen und genauesten Diagrammen, die uns tagtäglich in unvorstellbar großer Fülle gereicht werden. - Nicht, dass diese Daten nicht richtig wären, aber sie widersprechen so zutiefst den alten Regeln unseres Wetterglaubens und sind so lächerlich abstrakt und seelenlos, dass es eigentlich überhaupt keinen Spaß mehr macht über das Wetter zu reden. - Stellen Sie sich das vor: Da sitzt so ein Prophet, 65 Jahre Feldarbeit und die dabei erworbene Erfahrung spiegelt sich in jeder Gesichtsfalte und Schwiele an den harten Händen und dann kommt so ein dummsäuseliger Jugendlicher daher, (gilt für Männer bis 55 Jahre) und erzählt, was er sich doch gerade für Wetterdiagramme vom Global Forecast System heruntergeladen habe. - "Alles Mist die Bauernregeln" tönt er dann "und überhaupt kaufe ich meine Kartoffeln im Supermarkt, dann ist es egal ob es regnet oder nicht". - Ist doch kein Wunder, dass sich so niemand mehr traut noch was über das Wetter zu erzählen, wenn es eh alle besser wissen. - Heute müsste es eigentlich regnen, nicht nach den Diagrammen, sondern nach den Bauernregeln.



Samstag 03.11.07 - 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad, Niederschlag 0 mm, Luftfeuchte 69 % Luftdruck 1014 hPa
Höchsttemperatur heute 21,4 Grad - niedrigste Temperatur 15,0 Grad

Samstagabend, Zeit für eine Geschichte von Enrique Naumann:

Der Superwhisky in der Bar Central

Die Bar Central ist jedem Pasense ein Begriff, obwohl sie seit etlichen Jahren in ihrer ursprünglichen Form nicht mehr existiert. Trotzdem wissen auch jüngere Semester genau, welche Stelle in El Paso gemeint ist, wenn dieses Lokal im Gespräch auftaucht. Sie kann auch über eine Hausnummer zuzüglich eines Straßennamens aufgespürt werden, jedoch ist diese für El Paso neumodische Methode der Ortsbezeichnung noch nicht generell verinnerlicht; sicher: Die Polizei und die Briefträger müssen sich berufsbedingt einigermaßen in der Hinsicht auskennen.
In dieser Bar, als in ihr noch im Urzustand ausgeschenkt wurde und ob deren Eigenarten und die mit ihr zusammenhängenden Vorkommnisse man viele Seiten aufschreiben könnte, gab es mal ein paar Wochen lang einen ganz besonderen Whisky. Das war der "vergessene" Whisky. Und das kam so: Jahrzehntelang wurden in der Bar kaum Renovierungen vorgenommen; dass so etwas überhaupt manchmal vorkam, merkte man eigentlich nur an der in regelmäßigen Zeitabständen allfälligen Anbringung eines neuen Außenanstrichs. Innen blieb augenfällig alles, wie es immer war. Da jedoch waren Renovierungen eigentlich am dringendsten, und dem damals amtierenden Amtsarzt konnte man im Handumdrehen eine schlechte Laune aufhängen, indem man ihn auf die Zustände in der Bar erinnerte; und das war ganz und gar nicht im Sinne des Amtsarztes, denn an jene Zustände brauchte er nicht erinnert werden. Die Erfüllung neuerer gesetzlicher Regelungen, besonders die Hygiene betreffend, konnten vor der Bar Central nicht einfach Halt machen dürfen. Mit welchen Überredungskünsten auch immer, manche nannten sie auch Drohungen, brachte er die Betreiber schließlich dazu, die Bar einige Wochen lang zwecks Renovierung des Notwendigsten zu schließen. Letzteres bezog sich besonders auf die Küche; aber auch die geradezu vorsintflutlich ausgestatteten sanitären Anlagen waren dran. Manche Leute wussten nur vom Hörensagen von diesen Einrichtungen. Und da tauchte der Superwhisky auf.
Ein Karton der Marke "Johnny Walker" fand sich unter der Holztreppe zur Toilette. Da hatte er sich, geschlagene dreißig Jahre lang vergessen, seiner Unversehrtheit erfreut. Ziemlich viel Staub hatten ihm - verständlicherweise - die Zeitläufte aufgebracht. Vielleicht hatte das edle Nass gedacht, auf diese Weise seinen Dornröschenschlaf bis ins Uferlose auszudehnen.
Die beiden Betreiber der Bar waren Brüder, und der mehr geschäftsmäßig versierte Partner erkannte sofort die ökonomische Brisanz des Fundes und schenkte ab da diesen Uraltwhyisky zum doppelten Preis eines normalen 0815-Wyiskys aus. Nicht alle nahmen von dem Angebot Gebrauch; man trank gern auf La Palma (und tut es immer noch), aber der hohe Preis wirkte vielfach abschreckend. Andere hingegen wollte partout nach einem Probetrunk eine ganze Flasche erwerben. Aber der ökonomisch denkende der beiden Betreiber wusste ganz genau, dass das glasweise Ausschenken in die Kasse viel mehr brachte, als er für eine ganze Flasche ohne schamrot zu werden hätte verlangen müssen. Unter jenen, die eine ganze Flasche kaufen wollten, war auch ein langjähriger Freund von uns. Den wurmte es, dass auch ihm es ihm nicht gelingen wollte, einen der scheinbar nicht erreichbaren Liter des edlen Hochprozentigen zu erwerben. Dieser Freund kann, wenn er will, auf ziemlich listige Gedanken kommen, und diese auch ihm selbst wohlbekannte Fähigkeit nutzte er für seine Zwecke aus: Er lauerte den Zeitpunkt ab, bis der ökonomisch versierte Bruder mal nicht da war, sondern nur dessen eher fürs Praktische zuständige Bruder. Den bat er dann um den Verkauf einer Flasche des Latrinen-Treppenhaus-Whiskys. Nach einiger Zeit und mit viel Überredungskunst hatte er den zunächst noch störrischen Bruder soweit, dass er eine Flasche herausrückte. Aber ja nicht weitersagen, lautete die eindringlich vorgebrachte Bitte, und am wenigsten meinem Bruder. Keine Angst, versicherte der erwähnte Freund, ich werde stumm sein wie ein Fisch.
Hier eine Randbemerkung: Auf La Palma sind die Fische nur bedingt stumm.
Unser Freund brachte den kostbaren Erwerb, neutral in ein Stück Papier eines Viehfuttersacks eingewickelt, nicht zu sich nach Hause, denn dann wären Fische zu Spatzen geworden, sondern kam damit zu uns. Freudig und stolz zeigte er uns das Schnäppchen und bat, es für ihn aufzubewahren. Zunächst wollte er uns jedoch demonstrieren, dass es mit der gerühmten Qualität wirklich zum besten stand. Die Flasche wurde geköpft, und andächtig trank jeder von uns ein paar kleine Schlückchen. Es handelte sich in der Tat um ein edles Gesöff, das musste sogar ich zugeben, der ich Whisky nicht mag. Also blieb die Flasche bei uns, und unser Freund kam ein bis zwei Mal die Woche vorbei und genehmigte sich und uns einen Drink, denn so musste das ja zeitgemäß korrekt heißen.
Genau wollten wir dann doch noch wissen, um welch horrende Summe er denn für die antike Flüssigkeit gerupft worden sei, und das erklärte er uns. Als schließlich der Kauf im Prinzip abgemacht war, kam man natürlich auch auf den Preis zu sprechen. Nach einigem Nachdenken kam der Verkäufer mit folgendem Vorschlag: Also . . . vor 30 Jahren habe die Flasche 300 Peseten gekostet; dann wären im aktuellen Fall 400 Peseten nicht zu viel.
Aber nein doch!



Samstag 03.11.07 - 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 16 Grad, Niederschlag 0 mm, Luftfeuchte 74 % Luftdruck 1017 hPa

Laika und die LTU

Sicherlich flog Laika nicht mit der LTU ins All, aber wir feiern gerade halt zwei Erstflüge, eben vor 50 Jahren flog das erste terrestrische Lebewesen ins All und viel bedeutender für uns kleine Insel, vor 20 Jahren landete die erste Chartermaschine mit Urlaubern auf unserem Flughafen. - Seien Sie mir nicht böse, wenn ich den Jahrestag der direkten Fluganbindung La Palmas höher einstufe als den weiten Ausflug einer niedlichen Hündin. Der Weltraumflug hat uns nicht direkt beeinflusst, der Flugverkehr aber schon und so lassen Sie uns den ersten Charterflug feiern, der vor 20 Jahren erstaunte Gäste auf diese Insel brachte. - Es war die LT 100 aus Düsseldorf und damals war man noch leicht überfordert mit dem vielen Gepäck was die Reisenden aus dem fernen Mitteleuropa da anschleppten, bislang hatten die Mitarbeiter auf dem Flughafen halt lediglich die kleinen Inselhopper abgefertigt und die Politikerschleuder nach und aus Madrid. - Die reisen halt immer mit kleinem Gepäck, aber wer 14 Tage auf La Palma Urlaub machen will, der sollte schon was im Koffer haben und eben nicht das kleine Schwarze, sondern deftige Wanderausrüstung und eine Strickjacke für die weniger lauen Abende. Es findet auch eine Feier dazu statt, in der Hacienda San Jorge, eines unserer touristischen Urgesteine, feiert sich der Sektor selbst.

Zuerst flog nur die LTU nach La Palma und immer nur mittwochs, was für die paar Hotels und Unterkünfte seinerzeit eine bombige Auslastung garantierte. Es war die wunderbare Zeit als es noch kein Bettenüberangebot auf La Palma gab und man eigentlich in der Hauptsaison Matratzen auf den Garagenboden legen konnte und dieses als "ländliche Idylle" verkaufte. - Das war natürlich überzeichnet, aber in den Jahren gab es wirklich einen grotesken Mangel an adäquaten Unterkünften, was sich aber in den 90er Jahren dann schnell änderte. - Flog anfangs nur die LTU, so gesellten sich bald die Germania und die Deutsche BA hinzu und danach auch die CONDOR, was zu einem wahren Tourismusboom auf La Palma führte, der erst ab dem Jahr 2001 wieder in sich zusammenbrach, weil nun die Zahl der Unterkünfte bei weitem die Nachfrage überstieg. Seit dem Jahr 2001 sinken auch die Gästezahlen im internationalen Flugverkehr ständig, so dass die Schere zwischen Angebot und Nachfrage immer größer wurde. - Was La Palma nie erreicht hat, ist eine Stabilität zwischen den Jahreszeiten. Kann man im Winter mit an die 30 Verbindungen von und nach Mitteleuropa rechnen, so sind es im Sommer nur an die 10 Strecken welch bedient werden. Lediglich in den Monaten Mitte Juli bis Mitte September gibt es noch ein Aufflammen des nationalen Tourismus, aber auch diese zwei Monate können die Stagnation im Tourismus auf La Palma nicht gänzlich ausgleichen. - Die LTU fliegt inzwischen unter Regie der Air Berlin und hat in den letzten Jahren ihr La Palma-Angebot auch verringert, aber die Pessimisten welche gesagt haben, die roten Flieger kommen überhaupt nicht mehr zu uns, haben zumindest bislang nicht Recht behalten. So gehört der Anblick dieser Maschinen auf unserem, noch kleinen Flughafen, unauflösbar zur bislang kurzen touristischen Geschichte La Palmas. - Was daraus wird und auch aus der LTU, das wird zum großen Teil auch von internationalem Geplänkel abhängig sein. Vom Hin- und Hergeschiebe der Milliarden und mir ist gar nicht wohl dabei, dass solche Traditionsunternehmen, genau so wie wir als kleine touristische Destination dabei willenlose Spielbälle werden. - Aber das ist nun mal so, fängt man an mit den Großen zu spielen, dann setzen die die Regeln und alle Warnungen: "Spiel nicht mit den Börsenkindern" verhallen in der verlockenden Scheinwelt von Hochglanz und Renditehascherei.

In diesem Zusammenhang suchen wir noch Gäste der "Ersten Stunde". - Sollten Sie zufällig in der ersten Maschine, oder in einer der ersten Chartermaschinen nach La Palma geflogen sein, dann würden wir uns freuen, darüber berichten zu können. - Melden Sie sich bitte!



Freitag 02.11.07 - 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 22 Grad, Niederschlag 0 mm, Luftfeuchte 66 % Luftdruck 1017 hPa
Höchsttemperatur heute 22,8 Grad - niedrigste Temperatur 15,4 Grad

Schleichende Privatisierung des Gesundheitssystems?

Die Wartezeiten um Fachärzte in gewissen Gebieten aufsuchen zu können sind in den letzten Jahren derbe angestiegen. - Leider ganz im Gegenteil zu den Wahlversrechen der Coalición Canaria/Partido Popular, gelingt es einfach nicht genügend Fachpersonal zu finden um alle Patienten zeitnah bedienen zu können. - Hintergrund ist nicht so sehr der immer beklagte Fachärztemangel an sich, sondern die miserable Bezahlung der Spezialisten im öffentlichen Gesundheitssystem. Diese gehen dann lieber in Ballungszentren in denen man nachmittags, nach dem Klinikdienst noch eine eignen Praxis betreiben kann und lassen die kleinen Inseln wie La Palma dann lieber links, meinetwegen auch rechts liegen. - Der Gesundheitsdienst weigert sich aber immer noch das anzuerkennen und lehnt es komplett ab, eine Art "Buschzulage" für Ärzte zu bezahlen, damit sie sich alleine auf den Klinikdienst auf den kleinen Inseln konzentrieren können. - Die Wartelisten sind nun soweit gewachsen, dass massiver Druck und große Unzufriedenheit seitens der Patienten auch größeren Widerhall in der Presse finden und spätestens dann sieht man sich gedrungen etwas zu unternehmen. - Allerdings haben wir hier auf La Palma einen ziemlich rührigen Rat für Gesundheit, den jungen Asier Antona, ein politischer Hoffnungsträger der sonst so verkrusteten Bürgerlichen der Partido Popular auf den Kanaren. - Der macht nun wirklich was, außer Reden und Lamentieren, dass eigentlich immer andere die Schuld haben, aber ob er das Richtige macht, das muss sich erst noch beweisen.

Nachdem er bereits vor Wochen angekündigt hat, alle Patienten der Wartelisten für Rehabilitationsmaßnahmen nun auch von privaten Zentren und Therapeuten behandeln lassen will, natürlich auf Kosten der allgemeinen Versicherung (Seguridad Social), folgen nun weitere medizinische Spezialitäten, welche nun auch in private Hände gelegt werden sollen. - Patienten der Warteliste für Gynäkologie, Neurologie sowie Augenheilkunde sollen nun auch in den "Genuss" einer privaten Behandlung kommen, um auf diese Art und Weise die Wartelisten abzubauen. - An Kritik gegenüber diesen Plänen wird nicht gespart und Gewerkschaften sowie die Sozis sehen darin die Vorbereitung für eine beginnende Privatisierung des Gesundheitssystems. Asier Antona wehrt sich natürlich gegen diese Anklagen und behauptet steif und fest, das sei nur eine vorübergehende Maßnahme, bis die Wartelisten abgearbeitet worden sind. - Allerdings muss er sich den Vorwurf gefallen lassen, sollte sich nichts am Fachärztemangel auf La Palma ändern, dann entstünden natürlich sofort wieder neue Wartelisten und somit würde man nur die Symptome bekämpfen, nicht aber die Ursache. - Einen weiteren Vorwurf gibt es, den ich nicht nachprüfen kann, es bestünde eine Verbindung zwischen dem Rat für Gesundheit auf La Palma und den ausgesuchten privaten Gesundheitszentren und so wolle man sich Patienten und damit Arbeit und Einkommen sichern. Das ist natürlich ein grober Vorwurf, den ich nicht wirklich glaube, aber genau Hinsehen, wie denn die Vergabepraxis an die private Zentren abläuft, das sollte man auf jeden Fall tun. - Wenn man das denn überhaupt prüfen kann. - Auf die Dauer kann das natürlich dem öffentlichen Gesundheitssystem nur schaden, gewisse Fachgebiete auszugleidern. Die Kosten für die externen Behandlungen sind teurer als wenn man es innerhalb des "Servicio Canario de Salud" machen würde und so sägt man sich dann das Geld aus der eigenen Kasse, aus der man eigentlich neue Ärzte und medizinisches Fachpersonal einstellen sollte. - Als einmalige Maßnahme um die Wartelisten zu drücken kann die externe Vergabe sicherlich helfen, aber als Dauerzustand gefährdet es tatsächlich das öffentliche Gesundheitswesen.



Freitag 02.11.07 - 08:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 16 Grad, Niederschlag 0 mm, Luftfeuchte 76 % Luftdruck 1017 hPa

Private Sammlungen sollen öffentlich werden

Neidisch über alle Ohren gibt sich unser verdienter Kulturrat der Inselregierung, Primitivo Jerónimo. - Unsere Museen sind knauserig mit Ausstellungsstücken belegt und zuhause horten die Palmeros Schätze und Sammlungen, welche von einzigartigem kulturellem Wert sind. - In der Tat ist es überraschend, welche Schätze so mancher Jäger und Sammler in seinem Haus hortet, aber eben nur den paar Freuden oder Familienangehörigen zugänglich macht. Die Palette ist enorm breit, von Spielzeugautos angefangen, über Photos aus den Anfängen des letzten Jahrhunderts, Malereien aus den flämischen Zeiten La Palmas und auch solche interessanten Kuriositäten wie Käfer aus aller Welt. Dazu kommen natürlich noch die vielen Hobbyarchäologen, welche bei der Feldarbeit oder beim Hausbau Reste der Ureinwohner gefunden haben und diese nun in der guten Stube oder in der Garage aufbewahren, anstatt ans Museum zu geben. - Letzteres hat aber einen triftigen Grund, warum man mit solchen Fundstücken lieber nicht an die Öffentlichkeit geht. Man fürchtet halt weiteres Interesse der Inselarchäologen, die dann Haus und Hof umkrempeln kommen in der Hoffnung auf weitere Hinterlassenschaften der Benahoaritas. Besonders bei Hausbauten verzichtet der Bauherr gerne darauf irgendwelche Funde publik zu machen, droht doch damit ein Baustopp um die Funde nach professionellem Maßstab freizulegen. Man geht davon aus, dass nur ein Bruchteil der bislang gefundenen Reste der Ureinwohner in öffentlicher Hand sind, der Großteil liegt in irgendwelchen privaten Truhen herum und wartet auf eine erneute Entdeckung.

Raus mit den Schätzen die eigentlich allen gehören, so könnte man den Aufruf Primitivos auch betiteln, aber wer rückt schon gerne etwas heraus, was er im engeren Familienkreis bislang gehütet und gepflegt hat. - Meine beiden Sammlungen, Rechtschreibfehler über viele Jahre hinweg und eine unüberschaubare Anzahl an Unkräutern im Garten habe ich schon mehrfach angeboten, allerdings wollte diese Utensilien niemand haben, aber immerhin, meinen guten Willen konnte ich damit demonstrieren. - Mit vielen Sammlern ist man bereits in Kontakt und sucht nun Möglichkeiten wie man diese Schätze am besten ausstellen kann, so soll es bald eine Ausstellung geben mit einer Sammlung von Muscheln, die ohne weiteren Minderwertigkeitskomplex als eine der größten der Welt betitelt wird. - Natürlich wird keiner so kleinlich sein und so etwas nachprüfen wollen, warum denn auch den Spielverderber machen, wenn uns etwas besonderen Spaß macht. - Etwas störend an der nun seit ein paar Jahren einsetzenden Sammelwut der öffentlichen Hand ist der ewige Zickenkrieg der beiden Inselmetropolen, Santa Cruz im Osten und Los Llanos im Westen der Insel. - Auch wenn Los Llanos nun das archäologische Inselmuseum besitzt, landen die meisten solcher Schätze in Santa Cruz im Inselmuseum San Francisco, da hat man die besseren Beziehungen. Erst sind es die störrischen Privateigentümer die ihre Schätze nicht gerne hergeben und dann streiten sich auch noch die Stadtoberen, wer denn nun die Pretiosen ausstellen darf. Vielleicht sollte man sich auch noch auf eine Sammlung an Witzen konzentrieren, welche die Bewohner beider Städte schon über den jeweils anderen Ort gemacht haben, oder gar ein Museum über monumentale Bauvorhaben auf La Palma, die dann nie entstanden sind. - Als neutralen Ausstellungsort schlage ich El Paso vor, die einzige Gemeinde der Welt ohne Zugang zum Meer, aber mit der Genehmigung einen Yachthafen bauen zu dürfen.



Donnerstag 01.11.07 - 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 21 Grad, Niederschlag 0 mm, Luftfeuchte 66 % Luftdruck 1017 hPa
Höchsttemperatur heute 22,2 Grad - niedrigste Temperatur 15,7 Grad

Aufgeräumter Hafen

Da inzwischen Topfschlagen und Piñata klopfen nicht mehr zu unseren Aufgaben bei Kindergeburtstagen gehören, verbringen wir meist einen Teil eines solchen Festtages mit einem Ausflug. - Vielleicht sollte ich aber doch für Mitteleuropäer die "Piñata" erklären. - Es handelt sich dabei um einen mit Süßigkeiten in Massen gefüllter Papierbeutel, der an einem Baum, oder Terrassendach aufgehängt wird. In der pazifistischen Variante baumeln von der bunten Papiertüte jede Menge Fäden herunter von denen einer dazu gemacht ist, den Boden der Piñata zu lösen und die unendliche Menge an Süßigkeiten über die darunter kreischenden Kinder zu verteilen. In der Brutalovariante, meist bei "Knabengeburtstagen" angewandt, verbindet man dem Ehrenkind die Augen und er muss dann mit einem Stock bewaffnet auf die arme Papiertüte schlagen, bis diese kaputt geht und so auch ihre süße Fracht über die darunter stehenden Kinder loslässt. Allerdings ist diese Form der Piñata-Öffnung sehr gefährlich, meist trifft der geblendete Schläger erst alle anderen Kameraden, bevor die Piñata den erforderlichen Schaden erleidet. - Gut, so etwas ist im vorgerückten Alter unserer Kinder nicht mehr erforderlich, darüber sind sie längst erhaben und schlagen inzwischen lieber verbal, dafür nicht weniger schmerzhaft. - Also, unser Ausflug trug uns nach Puerto de Tazacorte, einmal rauf und runter bummeln und eben die neuen Geburtstagsklamotten auf der Promenade präsentieren - Wenn man mit Zeit und Muße die Dinge betrachtet und nicht durch den schmalen Sehschlitz des Alltags, dann wird man vielleicht erst fähig, wirklich Dinge zu erkennen.

Einen schönen Hafen haben wir da, aufgeräumt, geputzt und unendlich friedlich liegen da die Boote an ihren neuen Anlegern. Nicht, dass mich das nun gewundert hätte, wie anders sollen die Boote daliegen, aber es herrschte eine wunderbare Stimmung und selten, vielleicht nie zuvor hat dieser kleine Hafen eine angenehmere Stimmung vermittelt. Ob es nun daran liegt, dass endlich auch ein paar marine Schmachtfetzen da an den Stegen liegen, eben gepaart mit den bekannten kleinen Fischerbooten, oder ob es am Geruch lag, dem so unverwechselbaren nach Fischerhafen, ich weiß es nicht. - Ein wenig Stolz kommt dann schon auf, so kann man sich präsentieren, selbst das " Cayuco" war schon weggeräumt als wollte man schnell wieder auf vergessenen Provinzhafen machen. Natürlich trottet man dann weiter zur alten Hafenmole und der kleinen neuen Fußgängerzone und wieder beschleicht einen das Gefühl, dass man hier richtig ist. Keine Hektik, keine vorgetäuschte Schnelligkeit, alles läuft seinen vertrauten und auch ein bisschen selbstgefälligen Gang, aber eben nicht aus Arroganz, sondern mit dieser angeborenen Selbstverständlichkeit, welche den hier Geborenen als großer Schatz mit in die Wiege gelegt wurde. - Sauber, bunt, gefällig, ein plattes Meer zum Anbeißen und auch jetzt am 1. November noch eine ganze Reihe badevergnügter Besucher, die allesamt dem Charme dieses kleinen Ortes erlegen sind. - Vielleicht liegt es auch nur daran, dass man mit guter Laune und in bester Gesellschaft nur die Vorzüge sieht, vielleicht liegt es aber auch daran, dass man nur dann die Vorzüge erkennen kann, an denen andere, zu anderen Zeiten und mit anderen Launen bewaffnet immer grundsätzlich vorbeisehen. - Das passt schon da unten in Puerto de Tazacorte, von Menschen für Menschen gemacht und Schick und Grell ist was für andere Inseln und andere Menschen.





Donnerstag 01.11.07 - 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad, Niederschlag 0 mm, Luftfeuchte 71 % Luftdruck 1017 hPa

Fischfarmen nähren neue Polemik

Die Diskussionen um die Umweltverträglichkeit von Fischfarmen sind nicht neu. - Sehr viele Kritik und Kritiker gibt es dort und in der Tat gibt es wohl wenige dieser Einrichtungen die mehr als nur Profit für den Betreiber hinterlassen. - Allerdings gibt es, wie überall im Leben, wohl auch "Solche" und "Solche" und zumindest bei den Fischfarmen, die es heute vor der Küste Tazacortes gibt, scheint die Belastung für die Umwelt nicht so groß zu sein wie anderswo. - Ich hatte vor einem Jahr die Möglichkeit mit einem Berufstaucher zu sprechen, der in ganz Spanien für die Firmen welche Schwimmkäfige aufstellen, arbeitet. Da normale Hobbytaucher nicht in die Tiefen vordringen in welcher sich der Boden unter den Käfigen vor der Küste Tazacortes befindet, (50 bis 60 Meter) sind das die einzigen Aussagen eines "Augenzeugen" über den Zustand des Meeresbodens vor La Palmas Westküste. (siehe 24.06.2006) - Natürlich kann man von einem Mitarbeiter "zweiten Grades" der Fischfarmen auch vermuten, er würde die Geschichte geschönt darstellen, aber diesen Vorwurf kann ich insoweit minimieren, da diese Taucher selbst bereits in anderen Zonen Spaniens den beklagenswerten Zustand des Meeresbodens unter Fischzuchtanlagen angeklagt haben. - Nach der Aussage von Arnaudis Dominguez, so heißt der Taucher, ist unter den Schwimmkäfigen vor La Palmas Küste noch alles in Ordnung, weil dort die Strömungen das überschüssige Futter und die Exkremente der viele Tiere im weiten Atlantik sofort verteilen. - An wenigen anderen Stellen der Küsten Spaniens hätte er solch gesunden Meeresboden unter den Schwimmkäfigen von gewerblichen Fischzuchtanlagen gesehen. - Verantwortlich dafür, die Wassertiefe unter den Käfigen und die permanente Strömung. - Da ich niemand andern kenne, welcher wirklich da unten war muss ich das so glauben und Vergleiche mit Fischfarmen welche in niedriger Wassertiefe und in stehenden Gewässern betrieben werden sind einfach nicht passend. - Es bleibt natürlich die Gefahr, welche sich durch das eventuelle Einbringen von Medikamenten an die Fische und die Beschichtungen an den Netzen, welche den Algenbewuchs verhindern sollen. - Darüber hinaus besteht immer wieder die Gefahr, dass bei Sturm und hohem Wellengang tausende der Fische ins Meer entkommen und somit eine Gefahr für die heimische Meeresfauna darstellen können. Es wird also ein Abwägen bleiben, wie gefährlich oder schädlich sind die Fischfarmen und wie groß ist deren Nutzen.

Grundsätzlich muss man eben aber auch sagen, dass die bislang betriebene Fischerei in den Weltmeeren mit der früheren Jagd auf weiter Flur vergleichbar ist und die Fischzucht in Käfigen die planmäßige Viehzucht der Landwirtschaft auf das Element Wasser ausdehnt. - Auch in der konventionellen Landwirtschaft gibt es Betriebe welche die Umwelt über Gebühr belasten und andere, welche das nicht tun. - Die Frage muss also heißen, wer überwacht diese Betriebe und wer kann wirksame Empfehlungen geben, oder besser gleich Richtlinien, wo solche Fischfarmen entstehen können und unter welchen Auflagen diese betrieben werden. - Aktueller Hintergrund ist die geplante Ausweitung der Fischzuchtanlagen vor La Palmas Westküste, weiter in Richtung Norden und damit in Gewässern der Gemeinde Tijarafe. - Dort ist man gar nicht einverstanden mit den Plänen die Fischzucht weiter auszubreiten. Das allerdings weniger aus den besprochenen Umweltschutzbedenken, sondern in Tijarafe stört man sich verständlich daran, dass die Anlagen zwar in den Gewässern Tijarafes liegen würden, aber lediglich Tazacorte davon profitiert, weil nur dort ein Hafen ist der die Fischzuchtanlagen bedienen kann. - So käme kein Arbeitsplatz deswegen nach Tijarafe und man könnte von der Küste einfach nur zusehen, wie man die Fische nach Tazacorte bringt und dort das Geld verdient. - Ob überhaupt so viele neue Anlagen entstehen werden ist sowieso fraglich, denn eine Studie der Fischereibehörde der Kanaren hat eine Maximalgrenze von einer Produktion von 4.000 Tonnen Speisefisch pro Jahr ermittelt, geplant sind aber an die 12.000 Tonnen. -Ein bedenkenswerter Unterschied. - So wird es dringend Zeit, genauere Studien über die Verträglichkeit der Fischfarmen vor unserer Küste einzuholen und zwar von Leuten, die wirklich was davon verstehen. Die Studie ist auch wieder nur auf Grund von Vergleichen anderer Regionen getroffen worden und die spezifischen Bedingungen vor der Küste La Palmas finden darin keine Berücksichtigung.


Fischfarm vor Puerto de Tazacorte - La Palma



Familie Ingrid & Mathias Siebold
Calle el Torreón 5/7
E-38750 El Paso
La Palma, Islas Canarias, Spanien
Tel & Fax von Deutschland: + 34 922 497216
email: m.siebold@la-palma-urlaub.de
Kanarische Ferienhäuser auf La Palma