La Palma Aktuell
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Nachrichtenarchiv November 2006


Donnerstag 30.11.06 - 18:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 24 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 42 % Luftdruck 1024 hPa
Höchsttemperatur heute 25,2 Grad - niedrigste Temperatur 12,8 Grad

Bauknecht, Miele, Zanker

Mit unverschämt gutem Wetter sagt uns der November Adios, meine Verlegenheit um Superlative bei Haushaltsgeräten kommt sonnig daher. - Nun mag ja der eine oder andere Neuleser fragen, was hat den guten Herren geritten uns hier mit Schleichwerbung zu überschütten, also muss ich das kurz noch mal erklären. Gutes Wetter, also Wetter in dem der blinkend weiße Stolz aller HausmanInnen frisch und fröhlich an der Leine trocknen kann nennt man Bauknecht, weil Bauknecht weiß… Miele und Zanker sollen mögliche Steigerungsformen sein, Miele weil die so teuer sind und Zanker, weil in grauer Vorzeit, also weit zurück im letzten Jahrtausend so ein knarrendes Ding bei uns in der Waschküche seinen drehenden Dienst verrichtet hat, damals schon hoffnungslos überaltert, aber dennoch der ganze Stolz meiner Mutter. - So entstehen Prägungen, aber ich gebe ganz frei weg zu, dass ich dennoch nie eine nahe Beziehung zu einer Waschmaschine aufbauen konnte. - Allerdings entstand der Ausdruck Bauknecht für gutes Wäschetrockenwetter auch nach einer katastrophale schlechten Zeit im Winter 2004, als wochenlang kaum ein Tag ohne Regen, oder zumindest 95% Luftfeuchte es unmöglich machte, Wäsche unter freiem Himmel zu trocknen. - Von solchen Zuständen sind wir diesen Winter bislang ganz weit entfernt, Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 50 war gestern und heute der Renner.

Ein Zwischennichts beschert uns dieses Wetter, König und Kaiser wären damit zufrieden, den Papst müssen wir dazu nicht mehr missbrauchen, der muss gerade höllisch aufpassen keinem Muselman erneut auf die Füße zu treten. - Ein Zwischennichts ist meteorologisch natürlich kein geltender Ausdruck, aber wie nennen Sie kein Tief und kein Hoch, eingerahmt in kurzem Zeitabschnitten von zwei Hochdruckgebieten? Bei rund um 1020 Hektopascal kann man nun wirklich nicht von einem Tief sprechen, aber das nächste Hoch ist gerade am anrücken, also fehlen mir die Worte und Umschreibungen. - Was besonders schön ist, in den beiden letzten Tagen war nicht nur wolkenfreier Sonnenschein, sondern auch noch frische und klare Luft, welche eine enorme Weitsicht ermöglichte und jeder, der nicht bei diesem Wetter die Vulkantour gemacht hat oder auf dem Roque stand, der sollte das unbedingt noch mal versuchen. - Morgen will dann der Passat wieder in Aktion treten, das bedeutet zunächst nur Wolken, vielleicht erst am Nachmittag auf der Ostseite, der Westen bleibt zunächst frei. Später, vielleicht Samstag kann es sogar zu kurzen Regenfällen kommen, hat der Wind sich aber erst mal auf seine Hauptrichtung Nordost konzentriert, dann erwischt es wieder nur den Nordosten und unser Bauknecht erhält Gewohnheitsrecht. - Alles was dabei auf der Strecke bleibt ist die notwendige Weihnachtsstimmung, die so wichtig ist für den Geschäftsumsatz im leidenden Einzelhandel und auch eine der bekanntesten Bauernregeln hier auf La Palma: "Luna de Octubre, siete lunas cubre" sagt man und das soll bedeuten, das Wetter welches man am Oktoberneumond hatte, das wiederholt sich sieben Monde lang. Damals hatte es geregnet und wieder mal darf ich erleben, dass Bauernregeln deutlich unzuverlässiger sind als die Bäuerinnenregel.



Donnerstag 30.11.06 - 07:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 15 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 58 % Luftdruck 1022 hPa

Ärztestreik

Lange Wartezeiten für die Patienten und damit völlige Überlastung der "Medicos de Cabezera" sind der Hauptgrund für einen Streik der Ärzte der Gesundheitszentren auf den Kanaren. An die eintausend Ärzte werden so heute nicht die normalen Sprechstunden abhalten sondern lediglich den obligatorischen Notdienst betreuen, zu dem sie laut Gesetz verpflichtet sind. - Der "Servicio Canario de Salud", unser öffentlicher Gesundheitsdienst ist wenig amused über die Streitbarkeit der Ärzte und hat noch einen kleinen Eklat draufgesetzt, obwohl man seit Wochen von dem heutigen Ausstand wüsste, hätte man fleißig weiter an Patienten Termine für den heutigen Tag angesetzt, so als wäre alles ganz normal. So bringt man natürlich die für heute bestellten Patienten erst mal gegen die Ärzte auf, da viele Menschen weder Zeitung lesen noch sich im Fernsehen über das Tagesgeschehen informieren, rechnet man für heute mit reichlich abgewiesenen Patienten an den "Centros de Salud". - Dass sich wirklich viele Leute überhaupt nicht informieren konnte man am Tag merken als die Tankstellen streikten, wochenlang war darüber diskutiert worden und dennoch standen an dem Tag viele Menschen ohne Sprit da, ob das nun aus medialer Übersättigung entsteht oder aus völligem Desinteresse gegenüber seiner Umwelt, das kann ich nicht sagen. - Über den Stand der aktuellen "Telenovela", ob sie ihn nun kriegt oder nicht, das wussten aber alle…

Dass bei uns im Gesundheitssystem einiges klemmt, das ist nichts Neues. Auf La Palma sind die Auswirkungen nicht so groß, La Palma ist eine der Inseln die keine Bevölkerungszunahme in den letzten Jahren zu verzeichnen hatte, die Last auf die Ärzte ist so auch nicht so groß geworden wie auf den kapitalinen Inseln. - Dennoch, auch hier gehen die Leute einfach häufiger zum Arzt, selbst ich habe mir ja schließlich diese öffentliche Dienstleistung irgendwann gegönnt und konnte persönlich keine extremen Wartezeiten feststellen. Allerdings ist es ein ganz einfaches Rechenexempel, dass auf den Kanaren pro Einwohner viel zu wenige Ärzte Dienst tun, wenn man europäische Vergleiche ansetzt, da führt auch kein subjektives Patientengefühl daran vorbei. Auch wenn es hier um einen Streik der Ärzte der lokalen Polikliniken geht, also um die medizinische Erstversorgung, der Ärztemangel in vielen Fachbereichen auf La Palma ist derart eklatant, dass es für manche Untersuchungen Wartezeiten von über einem halben Jahr gibt. - Politisch redet man sich damit heraus, dass es bei der explodierenden Bevölkerungszahl nun mal zu Engpässen kommt, das trifft aber für La Palma nun einfach nicht zu, vielmehr ist man seitens der Provinzregierung ungern dabei in nur Kosten verursachende Institutionen zu investieren. - Allerdings rückt die Unzufriedenheit mit der Gesundheitsversorgung nach dem weiteren Ausbleiben von afrikanischen Flüchtlingen immer weiter auf der Interessenskala der Wähler für Kommunalwahlen nächstes Jahr. - So munkelt man, im Mai wird gewählt und im April schüttelt man neue Ärzte aus dem Ärmel. Business as usual würde man dazu hier sagen.



Mittwoch 29.11.06 - 19:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 22 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 56 % Luftdruck 1022 hPa
Höchsttemperatur heute 24,4 Grad - niedrigste Temperatur 15,6 Grad

Speichelproben gegen Geschichtsverlust

Über die "Trece de Fuencaliente" haben wir öfter berichtet. Es handelt sich dabei wohl um die prominentesten Bürgerkriegsopfer La Palmas und gleichzeitig aber auch um eines der größten Geheimnisse aus der dunklen Zeit Spaniens. - Keiner weiß so genau, ob es sich denn tatsächlich um 13 (trece) Opfer handelt die da im Wald oberhalb Fuencalientes verscharrt wurden und so ganz genau weiß man auch nicht, ob alle die Gerüchte die seinerzeit umherschwirrten um wen es sich denn da handelt auch zutreffend sind. - Die genaue Anzahl der Bürgerkriegsopfer auf La Palma kennt auch niemand, selbst Alfredo Menderos, der Historiker für diesen Zeitraum kann keine verlässlichen Zahlen nennen, zu viele sind einfach verschwunden, manche haben auch die Seiten gewechselt und so bleiben bis heute sehr viele Fragen und Schicksale ungeklärt und werden das wohl auch für immer bleiben. - Das ist auch ganz praktisch so werden sich so einige denken, eine wirkliche Aufarbeitung der Geschehnisse im Bürgerkrieg Spaniens ist von mehreren Gesellschaftsgruppen gar nicht erwünscht. Dabei muss man nicht nur die Rechten nennen, die heute meist unter dem bürgerlichen Mantel teilweise die Partido Popular bevölkern, auch Historiker, frei von irgendwelchen Gesinnungen warnen davor Wunden aufzureißen die man nicht richtig aufklären kann. Das hätte man vor geraumer Zeit bereits machen müssen, aber kurz nach Francos Tod war die Demokratie noch viel zu schwach, um eine Gesellschaft mit einer möglichen erneuten Spaltung zu konfrontieren. Viele, wenn auch nicht alle Historiker sind der Meinung, die Demokratisierung Spaniens war nur so schnell möglich, in dem man von den Opfern Francos den Verzicht auf Rache oder Gerechtigkeit gefordert hat.

Auf La Palma hat man im Juni dieses Jahres einige Skelette im Wald von Fuencaliente gefunden und vermutet nun dort den Fundort der 13. Francogegner. Allerdings konnte man, trotz intensiver Suche nur 6 Skelette finden und hat keinerlei Anhaltspunkte, um wen es sich dabei denn nun handelt. Angehörige der damals exekutierten gibt es noch reichlich und die wollen und fordern natürlich mit Recht nun eine Aufklärung, um zumindest ihren verstorbenen Vorfahren ein angemessenes Begräbnis zukommen lassen zu können. Da man aber nicht weiß, wer denn da unter der Erde Fuencalientes so lange lag, werden die Angehörigen der vermuteten "Trece de Fuencaliente" diesen Samstag zur Speichelprobe gebeten. Aber nicht nur die, auch weitere Familienangehörige von Bürgerkriegsopfern sollen eine Genprobe abliefern, damit man bei zukünftigen Funden eine Identifizierung schneller durchführen kann. - Eine Verfolgung der damaligen Straftaten wird es dennoch nicht geben, Geschichte hat Ruh und man hofft auf die dicke Schicht Patina welche die Zeit über die Vergangenheit legt. - Bislang funktioniert dieses kollektive Vergessen gar nicht so schlecht, nach vorne sehen ist angesagt und dabei stören Leichen im Keller immer gewaltig.



Mittwoch 29.11.06 - 07:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 16 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 72 % Luftdruck 1020 hPa

Reichlich Geld, denn das Wasser muss fließen

Wasser ist einer der begehrtesten Rohstoffe überhaupt und wenn man die Lage der Kanaren mal auf dem Atlas betrachtet, dann wird einem schnell klar, welchen Reichtum wir, so knapp an der Sahara gelegen für uns geltend machen können. La Palma nimmt da, zusammen mit El Hierro und La Gomera noch mal eine Sonderstellung ein, die westlichsten Inseln haben noch mehr Wasser zur Verfügung als die zentralen großen Inseln und nach Osten, also Richtung Afrika nimmt der Wasserreichtum bereits spürbar ab, Lanzarote und Fuerteventura sind mit den westlichen wasserreichen Inseln alleine schon von der Vegetation her, nicht mehr zu vergleichen. La Palma gilt als die wasserreichste Insel überhaupt, der Passat, die Kiefern und die abrupt in die Passatwolken reichende Inseltopographie sorgen dafür, dass wir von diesem wichtigsten Grundstoff überhaupt, reichlich und in bester Qualität zur Verfügung haben.

Allerdings haben wir auch unser größtes ökonomisches Standbein an eine Frucht ausgeliehen, welche geradezu ein Säufer ist, die Banane will reichlich Wasser haben um uns Früchte zu schenken. Ob das ökologisch sinnvoll ist, eine derart trinkfeste Kultur am Rande der Sahelzone zu ziehen, diese Diskussion ist zu komplex für einen Mittwochmorgen, aber die Bananen sind nun mal da, erbringen den Großteil der Einkommen der Insel und bevor es keine verwirklichbaren Alternativen gibt, sollte man tunlichst das Wohlergehen der Bananen auf La Palma mit in sein Abendgebet einschließen. (Atheisten können sich wie üblich wohlwollend räuspern) Um die Wasserversorgung überall auf der Insel zu gewährleisten gibt es den Wasserrat, "Consejo Insular de Aguas", eine öffentliche Einrichtung mit Gewicht und Ansehen, sorgt diese Institution doch dafür, dass das Wasser überhaupt dahin kommt wo man es braucht, zu den Plantagen. - Da hat sich in den letzten Jahren bemerkenswertes getan, der "Plan Hidrológico" zeigt seit einiger Zeit echte Wirkung, trotz gleicher Anbaufläche an Bananen ist der Wasserverbrauch je nach Lage zwischen 20 und 50% zurückgegangen. Einmal hat man den Landwirten bei der Umstellung auf Sprüh und Rieselbewässerung ziemlich großzügig geholfen und dann ist man ein jahrhundertealtes Übel angegangen, man ersetzt die alten offen liegenden Leitungen durch geschlossene Rohre und macht endlich Schluss mit den enormen Verlusten an Wasser, welche durch lecke Leitungssysteme entstanden sind. - Spiegel des Erfolges beim Wassersparen sind die Preise für Bananenwasser, die liegen so tief wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Natürlich hat auch die Witterung ihren Teil dazu beigetragen, die Winter waren wasserreich genug die Reserven aufzufüllen. - Man scheint also auf dem richtigen Weg zu sein, so verwundert es nicht, dass der Haushalt des Wasserrates für nächstes Jahr auch wieder stolze 5,3 Millionen Euro haben darf. Das ist immer einer der wenigen Posten des Inselhaushaltes bei dem es kaum Streitigkeiten gibt, je mehr, umso besser. - Wenn es funktioniert, dann soll es uns recht sein und es wäre doch schön, gut und ehrenhaft, dass wir die Monokultur Banane irgendwann aus Gründen der Vernunft durch Alternativen diversifizieren können und nicht gezwungen werden diese gelbe Verlockung wegen Wassermangels rausreißen zu müssen. - La Palma ohne Bananen, das sollten wir uns noch nicht wünschen.



Dienstag 28.11.06 - 19:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 20 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 53 % Luftdruck 1022 hPa
Höchsttemperatur heute 24,9 Grad - niedrigste Temperatur 15,4 Grad

Dein Kater mein Kater

Es soll Menschen geben, die missbrauchen Kinder als Haustierersatz. - Anders herum hätte ich mir den Zorn der Mehrheit zugezogen, so bleibe ich halt auf dem Ärger der Randgruppe Married with children sitzen. Alles in Ordnung, solange die Frau, der Kater und die Kinder mir nicht einheizen… Die Reihenfolge war nun chronologisch nach dem Tagesablauf geordnet und soll keinerlei Wertung darstellen, ganz einfach nur mal dahingesagt, falls Paul die Zeilen später liest. - Meine Frau bekommt ja immer zuerst den Kaffee ans Bett, dann Paul seine, um diese Uhrzeit immer grässlich riechenden Tierkadaver aus der Katzglückfabrik und dann erst wage ich es die humane Brut aus den warmen Federn zu werfen. - Mein Pech, aber ich war immer Frühaufsteher und wenn ich darauf warte, dass der Kater oder die Kinder mir den Kaffee ans Bett bringen, dann ist der Tag bereits von gestern. Ganz selten, vielleicht 2 - 3 Mal im Jahr verschlafe ich und dann kommt meine Frau schon mit einem Kaffee an, der aber eigentlich nicht trinkbar ist, obwohl sie sonst ganz lecker Kaffee zubereiten kann, aber so wird aus dem zufälligen Verschlafen kein Vorsätzliches und genau das will wohl meine Frau damit auch bezwecken. - Wenn Männer taktisch denken könnten, dann wäre es nicht so durcheinander auf der Welt. - Ich weiß, Nietzsche und Clausewitz sahen das anders, aber es bringt uns evolutionär nicht richtig weiter irgendwann zu erklären, die Abschlachterei im Irak sei jetzt plötzlich ein Bürgerkrieg geworden und man könnte sich seitens der Invasionstruppen nun gemütlich zurückziehen, man hätte das Gewehr des Handels nun einem freien und demokratischen Irak übergeben. - Ich schweife ab, aber das sieht man es wieder, Männer können überhaupt nicht klar denken, die fangen an über Katzen zu reden und landen plötzlich im nahen Osten, wo immer der auch ist.

Vielleicht steckt auch da einer der Gründe, warum man solch heftige Geschichten wie die Erziehung von Haustieren und Kindern nicht Männern alleine überlassen sollte, die vergessen mittendrin noch solch wichtige Dinge wie Hackordnungen oder positive Vorbilder, nur weil irgendwo ein rotes oder blaues Auto im Kreis fährt und das halt ganz schnell. - (Für alle LeserInnen, ich meinte damit die Formel 1, rot ist Ferrari, blau ist Renault.) - Kein Wunder, dass eine meiner Töchter, ich sage aus Gründen des Delinquentenschutzes nun nicht welche, am Sonntag lieber mit mir Biathlon guckt als Teeniezeitschriften durchzublättern und schon sind wir beim Thema. Das ist dann ganz schnell meine Tochter und zwar aus dem Blickwinkel beider Eltern, weil meiner Frau ist das immer peinlich, wenn da zwei unrasierte Menschen (meine Tochter rasiert sich nie) da noch ungewaschen am Sonntagvormittag: "Los Uschi lauf, schießen lernst du eh nicht mehr" brüllen und sonst weiß mal wieder niemand auf dieser wintersportfeindlichen Insel was oder wer gemeint ist. - Das ist eh vorbei, Uschi läuft nicht mehr, schade, aber die Einteilung bringt das auch nicht ins Wanken. - Das kann auch prima hin und her gehen, meine Tochter ist nicht immer nur meine Tochter, wenn sie etwas ganz besonders gut gemacht hat, dann ist sie plötzlich auch die Tochter meiner Frau und vielleicht hat die andere gerade irgendwelchen Murks gemacht und wird nun eher mir zugeordnet. - Wobei ich noch mal betonen will, meine Frau, mein Kater und meine Kinder gehören sogar einer Extremrandgruppe an. Wir sind verheiratet, immer noch, immer noch mit demselben Partner und beide Kinder sind von uns (ehelich und getauft) und der Kater auch (mental) und haben auch nicht vor das zu ändern. - Natürlich haben wir sie alle lieb, auch wenn mir meine Kinder oftmals lieber sind und mein Kater auch. Das geht meiner Frau nicht anders, obwohl andersherum, Schatz dein Kind tropft, so hieß das irgendwann mal in einem Buch und genau das ist damit gemeint. - Ingrid, deine Tochter hat eine 10 in "Lengua" (hier ist die Note 1 katastrophal und die 10 eine Bombe) und meine eine 4,5 in Mathe. - Das lässt nun manche raten, aber sicher nicht um die ehemaligen schulischen Leistungen meiner Frau und mir. So geht das täglich und auch der Kater nimmt an diesem Spiel der Wechselbälger nun munter Teil, mein Kater würde nie einfach so in eine Packung Whiskas beißen, so lange die schützende Folie noch davor ist, der würde sicherlich zu einem Flaschenöffner greifen, so wie er das von mir gewohnt ist. - Das hat jetzt nichts mit Taktik zu tun, Verpackung sollte vor dem Verzehr jeglicher Nahrungsmittel entfernt werden, das ist pure Lebenserfahrung und da können meine Kinder und mein Kater noch eine Menge von mir lernen. (Die meiner Frau, die wissen eh schon alles)


Oller Schwerenöter



Dienstag 28.11.06 - 07:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 15 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 67 % Luftdruck 1023 hPa

Langes Wundenlecken

Jetzt ist es genau ein Jahr her, auf den Tag genau, dass uns der Hurrikan Delta streifte. - Und genau so muss man das immer wieder festhalten, der Tropensturm zog nördlich an den Kanaren vorbei, schickte zwar seinen Wind, ließ aber die größte Menge seiner Regenfracht über dem Atlantik nieder und so haben wir, trotz der damaligen Verwüstungen ziemliches Glück gehabt. - Man sollte sich, gerade aus Gründen der Vorbeugung immer wieder klar werden, was hätte passieren können, wenn wir neben dem Wind auch noch Niederschläge im Bereich von an die 100 l/qm² auf den Insel gehabt hätten. Die perfide Kombination, starker Sturm und sintflutartige Regenfälle richten deutlich mehr Schaden an als der Sturm alleine, man kann einfach nur sagen, Glück gehabt. - Jetzt ein Jahr danach meint man die endgültigen Schäden zu kennen und spricht von etwas über 40 Millionen Euro, für alle Kanareninseln, wobei Tenerife alleine mehr als die Hälfte dieser Summe für sich in Anspruch nimmt. - Dort waren große Überlandleitungen wie Streichhölzer umgekippt und ließen große Teile der Insel tagelang ohne Stromversorgung. - Auf La Palma sind wir dabei richtig bescheiden, je nach Interessenlage wird der Schaden auf 2 - 6 Millionen Euro beziffert. - Wobei wir ja inzwischen wissen, dass mit einer perfekten Agrarversicherung jeder Sturm willkommen ist, aber diese polemische Diskussion muss hier nicht erneut geführt werden.

Lehren, nicht Leeren sollte man aus diesen Phänomenen ziehen, sagen uns doch die Klimaforscher und Meteorologen voraus, es kann in Zukunft öfter vorkommen, dass der südliche Teil des Nordatlantiks so warm bleibt, dass tropische Hurrikans aus dem Golf von Mexiko auch die ungewöhnliche Route knapp oberhalb des Äquators wählen können und auf diese Art und Weise auch zu den Kanaren, Kapverden und anderen Regionen gelangen können, die sonst überhaupt nicht auf der angestammten Route der Wirbelstürme liegen. Allerdings scheint dieses Jahr kein richtiges Hurrikan-Jahr zu werden, war man um diese Jahreszeit bereits bei der Namensgebung auf griechische Buchstaben ausgewichen, weil die vorgesehenen Namen bereits verstürmt waren, so will die Hurrikangebärmutter Golf von Mexiko dieses Jahr einfach nicht auf Temperaturen kommen. Unmöglich ist es nicht, aber je weiter das Jahr fortschreitet, umso geringer ist die Gefahr für weitere Wirbelstürme und Statistiker sind bereits wieder wild am Rechnen, dass das mit dem Klimawandel doch nur Zufall ist. - Nachträglich muss man dabei noch mal die extrem gute Wettervorhersage des Global Forecast Systems (GFS) loben, die hatten eine Woche im Voraus den genauen Lauf Deltas errechnet und auch, dass der Kern deutlich nördlich an uns vorüberzieht. - Das nationale Wetteramt hier hatte seinen persönlichen Hurrikan in dem sie den Sturm einen Tag zu spät angekündigt hatten, da war schulfrei als längst alles wieder ruhig war. - Allerdings haben die daraus gelernt und im letzten Jahr nach Delta, wurden die Voraussagen des "Instituto Nacional de Meteorología" wieder deutlich besser und im Kurzbereich auch zuverlässiger als die globalen Wetterfrösche. - Allerdings gibt es Bauknechtwarnungen nur hier.



Montag 27.11.06 - 19:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 20 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 56 % Luftdruck 1023 hPa
Höchsttemperatur heute 21,1 Grad - niedrigste Temperatur 12,6 Grad

Ich war es nicht

Wegen eines Sixpacks Bier, sechs verletzte Polizisten und zwei Biersympathisanten festgenommen, das ist doch wieder einmal eine Geschichte nicht von hier. - Stimmt, hier würde man das Bier zusammen trinken und noch ein Päckchen drauflegen, weil es sonst nicht wirklich reicht. - Die Geschichte schreibt die Agentur "EFE" und zugetragen haben soll sich der Schluckmundraub auf Tenerife, der Mutter aller Inseln und für uns Kleininsulaner auch immer so ein bisschen wie die große weite Welt. Dort passieren solche Unmöglichkeiten, Tenerife, die Insel der unbegrenzten Möglichkeiten da guckt man öfter mal neidisch rüber, aber dann freut man sich auch wieder seiner sicheren und bekannten kleinen Welt und kann am Tresen solche Geschichten hervorzaubern, da draußen in der großen weiten Welt ist alles böse, nur hier geht es uns gut, auch eine Möglichkeit den oft wankelmütigen Lokalpatriotismus zu stärken.

Was ist denn nun passiert? An einer Tankstelle in Santa María del Mar, einem Stadtteil der Hauptstadt Santa Cruz bediente sich ein 28 jähriger sehr freizügig im "shop" und nahm einen Sixpack Bier, welche Marke wird nicht berichtet, einfach ohne zu bezahlen mit. Der Mann war nicht ganz unbekannt, auch wegen ähnlicher Einstellung zu fremdem Eigentum in vorangegangenen Gelegenheiten und so brauchte die Polizei nicht lange nach dem durstigen Dieb zu suchen und wünscht sich heute, es nicht getan zu haben. Der hatte sich mittlerweile mit seinen Freunden getroffen und auch mit seinem Bruder und nun entwickelte sich aus der vermeintlich einfachen Festnahme eines Bierdiebes eine handfeste Schlägerei, in der sechs Polizisten Verletzungen davontrugen, es aber irgendwann gelang, zumindest die beiden Brüder dingfest zu machen. - Ob das Bier nun bereits ausgetrunken war, was mich nun wieder ebenso brennend wie pragmatisch interessieren würde wird nicht berichtet, ich dachte eigentlich immer Bier beruhigt, aber das kann auf Tenerife auch anders sein, wer weiß das schon.



Montag 27.11.06 - 07:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 14 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 70 % Luftdruck 1022 hPa
Höchsttemperatur heute 22,2 Grad - niedrigste Temperatur 12,7 Grad

Virtuelle Analphabeten

80% aller palmerischen Haushalte sollen ans Netz, so das hehre Ziel der an die 6 Millionen Euro teuren Kampagne "La Palma Digital". Eines der Projekte welches am meisten Polemik auszustehen hatte macht nun immer häufiger von sich reden und man wird es nicht glauben, aber nach, ohne ganz sicher zu sein, 2 Jahren digitaler Wartezeit, hat das Projekt sogar eine eigene Webseite. - Den Menschen der Insel den breiten Zugang zum Massenmedium Nummer zwei zu ermöglichen, nach dem Fernsehen, das ist sicher nicht nur eine positive Geschichte, sondern absolut notwendig, es wird wohl keine Berufsgeneration mehr geben, die ohne Grundkenntnisse über das bunte Treiben im WWW abreiten kann. Da ist La Palma wohl immer noch hinten dran, obwohl es kaum eine andere Kanareninsel gibt über die so viel im Internet nachzulesen ist. - Da das Internet grundsätzlich nicht für die Qualität der Information verantwortlich ist, sondern lediglich die Plattform darstellt ist es aber auch hier wie im richtigen Leben, zwischen dem ganzen Quark muss man sich die handfesten Stücke herauspicken und das macht das Medium Internet, so schnell und frei es auch sein mag, wieder unendlich langsam, weil man keiner Information ungeprüft glauben kann.

Bei diesem Problem kann aber auch La Palma Digital nicht helfen, das muss jeder für sich selber erfahren, aber man kann die grundsätzlichen Möglichkeiten schaffen, damit José und Inmaculada sich auch jeden virtuellen Schabernack "reinziehen" können. - Jede Gemeinde erhält Rechner die der Bevölkerung unentgeltlich den Zugang ins Netz bieten, die Schulen erhalten auch Internetarbeitsplätze und man will den Firmen der Insel helfen ihre Arbeit mit und durch die Nutzung des Internet einfacher und schneller zu machen. - Da ist vieles bereits geschehen, vieles auch schon vor dem Projekt La Palma Digital, so haben zum Beispiel die meisten Zwergschulen bereits mehrere Rechner für das Internet, meist noch vor den weiterführenden Schulen erhalten. - Das Hauptproblem auf La Palma bleibt aber weiter ein völlig anderes, manche Regionen sitzen im Tal der Ahnungslosen und erhalten einfach nicht mal einen simplen Festnetzanschluss, weil sich der Installationsaufwand für den Leitungsmonopolisten Telefonica nicht lohnt. Andere Netze sind ohne ADSL Knoten und munter brummt das Modem um nur ein einziges Popup zu laden, hinter dem sich irgendwann die gewünschte Information verbirgt, oder verbergen könnte. - Ob die Telefonica ganz auf zukünftige Satellitentechnik setzen will und den heutigen und hiesigen Standart ADSL über Festnetz gar nicht mehr weiter vorantreiben will, das weiß weder La Palma Digital, noch ich und wahrscheinlich die Telefonica auch nicht, die kümmern sich nur um ihre gesharten Holder und so werden wohl viele Vorhaben des mutigen Projektes La Palma Digital eher virtuelle Trockenübungen bleiben.



Sonntag 26.11.06 - 19:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 21 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 58 % Luftdruck 1024 hPa

Humpa, humpa, humpa tätarä

14 Gemeinden hat diese Insel und 13 davon haben eine "Banda de Musica Municipal", lediglich Fuencaliente sticht aus dem Rahmen, die haben kein Gemeindeorchester, dafür aber ein Hotel welches mehr Gäste bewirten kann als der Ort Einwohner hat. - Schade eigentlich, man könnte sich so vieles ganz einfach aus der Kehle blasen… - Natürlich steht zwischen einem Gemeindeorchester und einem Hotel keinerlei Zusammenhang, solch abstruse Gebilde entstehen erst exklusiv im Gedankengut des Autors. - Zurück zur Musike, jedes Jahr treffen sich diese Orchester zum gemeinschaftlichen Wettbewerb, wer nun am besten tröte, wer nun am besten tröte im schönen Palma Ruhuhund, im schönen Palma Rund. Als 14. Rad am Wagen war auch wieder die viel gelobte "El Paso Legion" dabei, die "Banda de Cornetas y Tambores", allerdings als Einpeitscher und nicht im Wettbewerb. - Menschliches Begleitmaterial in Form von genauso besorgten wie stolzen Eltern begleiten diesen Tross und allein die mittägliche Fahrt von El Paso nach Tijarafe im gemeinschaftlichen Bus ist bei schönem Wetter ein angenehmes Erlebnis. - Ich fahre bei diesen Ausflügen immer gerne mit, wer sonst diese Insel aus der Position hinter dem Lenkrad betrachten muss, der ist als Beifahrer jedes Mal wieder völlig angetan davon, dass diese Insel in der Tat so wunderschön ist, wie man es immer von anderen erzählt bekommt. -

13 Orchester, hier immer "Banda" genannt, das sind an die 700 Musiker und nach und nach füllte sich dieser kleine Ort mit Bussen und PKW, bemühte Gemeindehelfer versuchten mit völlig überforderten Polizisten den Durchgangsverkehr am Überleben zu halten, man berichtet davon, dass es teilweise gelungen sein soll. - Bis nun die ganzen Orchester ihren Aufstellungsplatz gefunden hatten, vergingen gemütliche Stunden und man hatte wunderbar Zeit endlich mal wieder Leute zu treffen welche auf Grund der robusten Orographie der Insel sonst das ganze Jahr nicht zu sehen sind. "Fran", der Generaloberst der Legion El Paso wurde dann irgendwann nervös, schließlich sollten seine Trommler und Kornetthornspieler das muntere Musizieren eröffnen, aber keiner wusste so recht von wo nach wo marschiert und gespielt werden sollte, aber so groß ist Tijarafe auch nun wieder nicht und irgendwie hat dieser Mensch sowieso einen guten Riecher, er stand mit seinen Aufrechten und Aufrechtinnen wieder mal genau am richtigen Platz. - Allerdings behaupten andere Ortsansässige, mal hätte eigentlich ganz woanders spielen sollen, aber Fran muss bereits so dunkelhäutig geguckt haben, dass es niemand mehr wagen wollte ihm einen anderen Platz zuzuweisen. - Das werden wir nie richtig klären können, danach fragt auch keiner mehr, was war und nicht mehr ist, wer beschäftigt sich mit solchem Mist…

La Palma ist in vielen Bereichen gesellschaftliche Rebellion pur, eigentlich sollte das ein ordentlicher Wettkampf werden, wer denn nun orchesterlich die Nummer eins auf der Insel sei. - An Ehrgeiz und bunten Uniformen mangelt es nicht, auch nicht an Fleiß oder Ausdauer und was die da zum Vortrag brachten war durchaus hörenswert und gut choreographiert, aber ein echter Wettkampf bis auf die blanke Tuba, das bekommen wir nur im Fußball hin. - Alle 13 Orchester zogen nun im gebührenden Abstand von A zur Sporthalle durch ein ansehnliches Spalier an Musikfachinterpreten und hielten dabei sowohl den Taktstock, wie auch die Ehre der entsprechenden Gemeinde hoch. - Allerdings konnte ich wettkampfmäßig ungesunde Machenschaften beobachten, die hier mal klar, deutlich und ohne Gutmenschschönfärbereien angeklagt werden müssen. - Die haben gar nicht gegeneinander gespielt, sondern miteinander, wo bleibt der Kampf, welcher dem Wort Wettkampf erst seine wirkliche Bestimmung schenkt? - Kaum war eine der Musikgruppen an der Sporthalle angekommen, schlichen oder rannten einige der Musiker wieder zurück, rissen sich die andersfarbige Uniform vom Leib und reihten sich in eine der nachfolgenden Kapellen ein und gaben erneut ihr Bestes für König, Urbi et Orbi. - Interpretensharing könnte man das nennen, noch einfacher war es zu erklären. Nie können alle Mitglieder solcher Orchester auf Paukenschlag alle an einem Termin, und so teilt man sich halt in gewissen Positionen die Leute und hilft sich gegenseitig aus. Gibst du mir ´ne Tuba, gebe ich dir zwei Klarinetten und den Chef der Banda Municipal von Barlovento habe ich gar in drei verschiedenen Kapellen sein Kunst verrichten sehen. - So ist es völlig nebensächlich, wer denn nun die Lorbeeren mit in seine Gemeinde genommen hat, einen schöner Tag mitten in einer gewaltigen Landschaft hat man sich da gebastelt und miteinander ist halt einfach angenehmer als gegeneinander. - Das alleine kann schon Rebellion bedeuten und das ist gut so. Ein paar Photos des Bandenkrieges gibt es HIER.


Wer hat die Größte...



Sonntag 26.11.06 - 09:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 15 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 73 % Luftdruck 1022 hPa

In einem Monat ist Weihnachten vorbei

Gut, in Mitteleuropa gibt es noch den zweiten Weihnachtsfeiertag, den brauchen wir hier nicht, wir essen alles bereits am 25. auf und haben ansonsten noch genügend andere Feiertage um uns nicht zurückgesetzt zu fühlen. - Jetzt beginnt langsam die gesellschaftliche Jahresendralley, viele Leute schrecken bei diesem Datum auf und plötzlich ist der Druck wieder da, Weihnachtsfeiern müssen organisiert werden, Firmengeschenke besorgt und man muss sich langsam mal überlegen, auf welche Einladung für den gesellschaftlich harmonischen Jahresausklang man selber reagieren will. - Stress wer da nicht höflich Nein sagen kann, oder in so viele Geschäftchen verquickt ist, dass fast tägliches Erscheinen gefordert ist. An Wochenenden kulminiert die Geschichte natürlich und Bürdenträger sowie vermeintliche Lobbyisten haben zum Teil schwere doppelte Nachtschichten vor sich, alles zum Wohl der Gesellschaft und es wird wohl schon nicht zum eigenen Nachteil gereichen. - Man könnte das auch alles einfach sein lassen, genau so wie das verwirrenden Einladespiel in den Cafes und Bars den ganzen Tag und den ganzen Abend über, jeder achtet peinlich darauf sein Gegenüber ebenso oft einzuladen wie er es mit einem selbst gemacht hat. - Kleingeister behaupten dann, wenn jeder seines bezahlt hätte, dann käme das aufs Gleiche raus. - Gilt für den Kaffee wie auch für die Weihnachtsfeier. Das mag der Algebra nach stimmen, aber wer gerne einlädt und gerne eingeladen wird, der verdoppelt so seine Freude und lässt sich weder hier noch da lumpen. - Manchmal denke ich, dass zwei Drittel aller Kneipen nur so und auf Grund dieser gesellschaftlichen Freudenzwänge existieren. Das ist auch nur gut so, nimmt man das Glück des Wirtes noch hinzu, dann verdreifacht sich die Freude sogar und wenn man dann noch das Finanzministerium mit einbezieht welches ja an jedem Kaffee mitnippt, dann kann ich nur gesteigerten Konsum anraten. Weihnachten wird nun auch für Brachialatheisten tragbar und plötzlich spendet der Verein der bekennenden Beichtverweigerer für den neuen Kirchenanstrich und der Pfarrer lobt den Herren, geschickt hat der das eingefädelt mit seinem Geburtstag, so etwas nennt man modernes Marketing. - Wer dann nach den drei Festen, Weihnachten, Silvester und Reyes sich krank konsumiert oder gefressen hat der sorgt für ein gnadenvolles Auskommen der Pharmaindustrie und so funktioniert das alles prächtig. Hand wird nur von Hand gewaschen und wenn du nehmen willst so gib und das gilt selbst für Einarmige.



Samstag 25.11.06 - 08:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 16 Grad, Niederschlag: 6 mm, Luftfeuchte 59 % Luftdruck 1016 hPa

Dritte "Expoferia" holpert auf Sparwasser dahin

Seit nunmehr drei Jahren findet am Parkplatz des Hafens von Santa Cruz eine Messe statt, auf der sich Firmen der Insel dem Publikum mal anders präsentieren können, als nur durch Anzeigen und die üblichen Werbemaßnahmen. Was in den ersten beiden Ausgaben noch über 70 Aussteller bewog ein paar Tage in das Zelt am Hafen zu ziehen, lockte dieses Jahr nur noch 38 Aussteller und es blieben sogar einige angekündigte Stände ganz leer. - Auf der Fehlersuche sind nun die Organisatoren bemüht den Rückgang des Interesses auf das Datum zu schieben, allerdings war die diesjährige Ausgabe der Messe reichlich in der Presse vertreten, es kann also nicht nur daran gelegen haben. - Viel eher haben einige Firmen sicher mal Kassensturz gemacht und sich einfach ausgerechnet, dass es nichts gebracht hat für einen kleinen Stand 700 Euro auf den Tisch legen zu müssen und zusätzlich noch das Personal für die Messe begeistern zu müssen. Andere Firmen wiederum kommen bereits zum dritten Mal und berichten von guten Erfolgen auf den vorangegangenen Messen und erwarten sich erneut eine gute Chance aus der Präsentation auch spürbare Verkäufe entstehen zu lassen.

Um das Ausstellungszelt nun nicht ganz so verwaist aussehen zu lassen hat der Veranstalter im Hafen zugewandten Teil einen Autohändler seine Karossen aufstellen lassen, das schluckt ordentlich Quadratmeter und lockt auch Publikum an, welches sich sonst nicht unbedingt für die Expoferia begeistern würde. - Es wäre spannend mal zu erfahren, wie denn der Veranstalter noch auf seine Kosten kommt und wie schließlich die Analyse für die nächste Runde der Expoferia aussehen könnte. - Auf einem der Stände präsentierte sich auch der Großinvestor der in Puerto de Tazacorte so einiges bewegen will, wenn man es mal vorsichtig ausdrücken will, manche kennen die Projekte bereits von einem Werbeplakat welches mal am Flughafen hing. Eine neue Welt nannte man das und in der Tat, man erkennt den schläfrigen und in Liebe angeschmuddelten Hafen nicht wieder, harte, saubere und fremdartige Linien aus Glas und internationalem Konformistenschick begrenzen die Ortsilhouette plötzlich und mir gefällt das Wort "Neue Welt" nicht mehr so gut, eine "Andere Welt" scheint mir passender. - Das mag natürlich an meinem alterbedingten Nostalgietrauma hängen, aber ich habe auch so ein bisschen rumgelauscht, auch andere Generationen schüttelten sich vorsichtig bei dem Gedanken, dass das die Zukunft unseres kleinen Fischereihafens sein soll. Zwei sehr nette und hiesige Mitarbeiter erklärten engelsgeduldig auch die kritischen Fragen nur eine meiner Standardfragen konnte mir noch nie jemand beantworten, wer um TUIs Willen soll denn in den beiden enormen Hotels wohnen, wo jetzt schon mindestens zwei eingesessene Etablissements auf der Insel mit "Geiz hab ihn selig" All Inklusiv Angeboten nach Gästen greifen müssen, weil sonst nach deren Meinung wohl keiner mehr kommt. - Die mondänen Wohnungen genau gegenüber dem fast bis zur Unkenntlichkeit verschönerten Hafen erscheinen mir eher noch wirtschaftlich erfolgreich sein zu können und nutzen einen architektonischen Vorteil sehr gut aus, die meisten müssen von innen ja nicht sehen, wie das Haus aussieht in dem sie wohnen, sondern die gucken raus auf den Atlantik und warten auf den Sonnenuntergang.

Etwas nachdenklich verabschiede ich mich bereits bis morgen, heute geht es zum Musikertreffen in Tijarafe und danach werde ich wohl nicht mehr Zeit finden noch zu schreiben. - Ein fetter Schauer beendete heute Nacht das Königswetter und für heute ist sogar Sturmflut an der West und Nordküste La Palmas angesagt, die ersten fetten Grundseen werden aus Nordwest erwartet. - Manchmal, wenn man die Wellen so über die Hafen und Strandanlage von Puerto de Tazacorte schlagen sieht, dann könnte man fast meinen der Atlantik würde genau so gegen die neue Welt dort rebellieren und sich drohend dagegen wenden. - Noch zwei Hurrikans und niemand mehr muss El Remo zwangsräumen und auch in Puerto de Tazacorte sollte man sich vielleicht mal überlegen, nicht ganz so habe am Meer eine neue Welt schaffen zu wollen, das könnte ins Auge (des Hurrikans) gehen.


Die neue, andere Welt im Hafen von Tazacorte

Die neue, andere Welt im Hafen von Tazacorte

Die neue, andere Welt im Hafen von Tazacorte



Freitag 24.11.06 - 19:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 21 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 66 % Luftdruck 1017 hPa
Höchsttemperatur heute 23,1 Grad - niedrigste Temperatur 14,5 Grad

Königswetter

Kaiserwetter gibt es bei uns nicht, wir haben einen König und was für einen. Nun sind Juan Carlos und seine Frau bereits auf Gran Canaria und La Palma bleibt aufgeregt zurück, es kommt halt nicht jeden Tag vor, dass wir royal geküsst werden. - Das Wetter, eine einzige Pracht, als die beiden per Hubschrauber einschwebten, immer schön getrennt, jeder in einem, muss das ein grandioser Blick gewesen sein, La Palma zog sein königlichstes Kleid an um sich bestens zu präsentieren. Das Programm war reichlich pragmatisch gewählt, nach dem wohligen Bad in der Menge auf der Plaza in Los Llanos ging es nach Argual um dort in der "Casa Massieu" die Ausstellung "Fruto de la Tierra" zu eröffnen und sich mit Ab und Zugeordneten des Bananenanbausektors zu treffen. In den späteren Interviews per Radio klang das auch immer wieder durch, gerade verhandelt man hart um ein paar Kreuzer mehr in Brüssel und so ließ der König nicht locker fest und loyal hinter dem Bananenanbau auf La Palma und allen Kanaren zu stehen. - Damit kommt man hier immer gut an, ohne Bananen flutschen die Kanaren gar nicht, am allerwenigsten La Palma.

Meine Frau hat es mit einer Freundin übrigens geschafft ganz nah heranzukommen an das Königspaar auf der Plaza de Argual, mir war das nicht vergönnt, ich hatte Termine auf der Ostseite und konnte so nur die Vorbereitungen verfolgen die man auf den Straßen tat, um dem Konvoi dann den Weg auf die Ostseite zu ebnen. - Man berichtet davon, dass der König ziemlich müde und geschafft war, es sind immerhin schon drei Tage volles Kanarenprogramm und immer und überall muss er Reden halten, Proben knabbern, ein Tässchen endemischen Wein degustieren und davon wird man halt müde. So hatten sich in der an der Durchfahrtstrecke in El Paso mehrere hundert Menschen eingefunden um wenigstens einen Gruß in Richtung königliche Limousine loswerden zu können, aber der Tross beschleunigte herzhaft als man die vielen Leute sah und brauste wenig königlich an den jubelnden und winkenden Leuten vorbei. - Man tuschelt der König sei im Auto eingenickt und der Protokollchef hätte darauf hin Fluchttempo angesagt, um ihn in diesem menschlichen Moment der Schwäche nicht dem Publikum zu präsentieren. - Wobei das versteht hier jeder, es ist ja gerade der familiäre und menschliche Umgang der diesem Königshaus so hoch angerechnet wird. - Macht alles nicht, der König und Sofía waren da, La Palma hat einen außerordentlichen Tag hinter sich über den man noch länger sprechen wird und man darf halt nicht so undankbar sein und immer nur danach fragen was uns das Ganze gebracht hat. - Schade nur, dass das Königswetter morgen erst mal eine Pause einlegt, aber danach erwartet uns der Passat und der ist zwar nicht blaublütig aber mindestens so wichtig für das Gedeihen unserer Insel. Viele Photos gibt es hier zu sehen, aus "Canarias7".


Juan Carlos en Los Llanos el 24.11.06
Photo von Reiner Stach

The king will come
Da kommt er, der König

Winke winke
Hommage an eine unbekannte Monarchistin...



Freitag 24.11.06 - 07:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 17 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 58 % Luftdruck 1017 hPa

Musik hier und dort

Für den Samstag kann man zwei musikalische Veranstaltungen ankündigen, vom frühen Nachmittag an bis in den späten Abend darf man sich in unterschiedlichen Genres berieseln lassen. . In Tijarafe findet das jährliche Treffen der gemeindlichen Orchester statt, erst geht es im gemeinsamen Marsch durch den Ort und dann findet ein inoffizieller Wettstreit der 13 "Bandas" statt, wer denn die Nummer eins auf der Insel ist. - Dabei ist immer wieder erstaunlich, welche Qualität diese "Hobbyorchester" aufweisen und welche Anzahl an Mitgliedern sich dafür begeistern können, so manchen Abend und so manches Wochenende zu opfern um klassische Musik zu machen. Bei den Musikern handelt es sich meist um Schüler und Studenten die ihrer Gemeinde damit verbunden sind. Als Lohn gibt es Anerkennung und mal die eine oder andere Reise auf die benachbarten Kanareninseln oder gar ins Ausland. Angeführt wird der große Tross der 13 Orchester wie immer von der Trommler und Bläsergruppe aus El Paso, die haben einen halbmilitärischen Zack drauf und machen am meisten Krach. - Ein weiteres kulturelles Hochlicht gibt es dann abends in El Paso, ich darf dazu den Text der Ankündigung von Herrn Bittner übernehmen:

Es ist nicht überliefert, ob es ein unverbesserlicher Pessimist war oder ein lebensbejahender Optimist, dem seine Sicht der Dinge vermittelte, alles werde untergehen - nur nicht die Liebe und die Musik. Wenn dem so ist, dann ist das gut zu wissen. Nicht nur wegen der Liebe sondern insbesondere auch wegen der Musik.

Denn die Musik ist nun mal die gemeinsame Sprache der Menschen - sie ist die der Engel und sie vermittelt Leidenschaft und Gefühle. Wer das Glück hat,

am 25. November 2006 auf La Palma zu weilen, der kommt ab

20.00 Uhr in der Casa de Cultura El Paso in den Genuss einer musikalischen Reise

"Mit der Operette durch Europa"

Die vielseitige Pianistin Helene Frucht aus der Festspielstadt Bayreuth, die bereits 2003 und 2004 auf La Palma konzertierte, präsentiert auf Einladung der "Amigos de Musica" zusammen mit ihren Sängerkollegen Nicola Becht, Sopran, Ewald Bayerschmidt, Tenor und Sabina Olbrich, Sopran eine musikalische Reise durch das "gute alte Europa", als die Operette in den Hauptstädten blühte und Triumphe feierte. Es erklingen die schönsten Melodien, "Ohrwürmer" und Evergreens u.a. von Johann Strauß, Franz Lehár, Emerich Kálmán, Karl Zeller, Robert Stolz u Oscar Straus. Auch der spanische Zarzuela-Komponist Barbieri ist vertreten.

Sabina Olbrich, Sopran gewann den ersten Preis beim Gesangswettbewerb für Lieder von Edvard Grieg. Seit 1998 ist sie an der "Schlesischen Oper" in Bytom (Beuthen) als Solistin engagiert. Nicola Becht, Sopran ist Mitglied der "Jungen Kammeroper Köln", und hatte im Sommer 2006 einen vielbeachteten Auftritt als "Csárdás-Fürstin" beim "Theater Bayreuth". Ewald Bayerschmidt, Tenor war 1993 Preisträger beim Intern. Gesangswettbewerb der Budapester Staatsoper, 2005/2006 gastierte er am Tiroler Landestheater Innsbruck.Die vielseitige Pianistin Helene Frucht aus der Festspielstadt Bayreuth ist den Konzertbesuchern auf La Palma sicherlich noch von ihren Konzerten in den Jahren 2003 und 2004 in guter Erinnerung. Alle Vier waren auch Teilnehmer beim "Festival junger Künstler Bayreuth".

In der Konzertpause präsentiert das Restaurant "Sombrero" ein kleines Buffet.

Karten zum Preise von 10 Euro sind im Vorverkauf bei Amynet in Los Llanos und Sta. Cruz , sowie an der Abendkasse erhältlich.



Banda de Cornetas y Tambores El Paso



Donnerstag 23.11.06 - 19:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 22 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 77 % Luftdruck 1019 hPa
Höchsttemperatur heute 22,8 Grad - niedrigste Temperatur 15,5 Grad

Die Nordwest-Gemeinden fordern besseren Verkehrsanschluss

Die Bürgermeister der drei Gemeinden im Nordwesten der Insel, Tijarafe, Puntagorda und Garafía, fordern bessere, schnellere und sichere Straßen, ein Wunsch den man nur verstehen kann, liegen diese drei Gemeinden doch schließlich "hinter dem Barranco" und weisen die höchsten Zahlen von Landflucht aus. - Es ist in der Tat so, dass es eine anstrengende Kurbelei ist bis nach Garafía zu gelangen, allerdings muss man nicht gleich die schlechte Anbindung für die schlaffe Konjunktur verantwortlich machen, da sind zu viele hausgemachte Faktoren dabei, die sich nicht durch eine schnelle Straße beheben lassen, das wäre viel zu einfach. - Der Nordwesten ist die landwirtschaftliche Goldgrube dieser Insel, beste und fette Böden, die aber aus Rentabilitätsgründen immer weniger bewirtschaftet werden. Daran ändert auch eine Schnellstraße nichts, es ist völlig zu vernachlässigen ob Ware 15 Minuten schneller am Verkaufsort ist oder nicht, wichtig dabei ist ausschließlich ob es einen Absatzmarkt gibt, der Preise hergibt die den Anbau dieser Produkte lohnen. - Darüber hinaus wird eine schnellere Anbindung der "Nordmark" keine gewachsenen Zentren der Insel verlagern können, die beiden konjunkturellen und gesellschaftlichen "Hotspots" La Palmas, Santa Cruz/Breñas und auf der anderen Seite das Aridanetal, werden die Zentren bleiben und auch weiterhin die Leute aus der ganzen Insel anlocken.

Ein weiteres mögliches Standbein der Nordwestens der Insel ist der ländliche Tourismus und da passt eine fette Durchgangsstraße noch weniger in den Stundenplan, gerade die Abgeschiedenheit und Unberührtheit ist der Lockstoff des Nordens, alles andere, mit allem gebührenden Respekt gegenüber dem Norden, das gibt es woanders auch auf der Insel. - Völlig ernst zu nehmen ist natürlich die Angst vor weiterer Vergreisung, immer weniger junge Leute wohnen im hohen Norden, damit schließen die kleinen Schulen und drängen so noch mehr Bewohner in die Zentren der Insel. Ob da eine 10 bis 15 minütige Verkürzung der Fahrzeit eine signifikante Änderung herbeiführen würde, das ist mindestens zu diskutieren. - Der Nordwesten der Insel bleibt, auch mit Schnellstraße oder Autobahn einfach weiter vom Hafen oder Flughafen entfernt und es ist nicht abzusehen, dass sich irgendwelche Industrie auf La Palma ansiedeln wird und das gerade im Norden der Insel tun würde. - Anders sähe es aus, wenn diese Insel endlich begreifen würde, (Verzeihung, nicht die Insel, sondern die Inseloberen), dass die einzige Chance La Palmas gerade in seiner Eigenartigkeit liegt und man progressiv und konsequent seine einzigen Reichtümer ordentlich vermarkten würde, die unendliche Landschaft und die funktionierende Sozialstruktur. Da hat der Norden große Möglichkeiten, im Nischenangebot an wirklich alternativem Tourismus oder gar internationalem Vorzeigemodell einer ländlichen Region, die echte Nachhaltigkeiten angeht, auf breiter Ebene sich ökologisch orientiert und sich damit wirklich interessant macht. - Da könnte der Norden sogar den abgekaterten Zentren der Insel wirklich etwas vormachen, aber diese Möglichkeiten und Chancen sind nicht von Schnellstraßen abhängig, das ist mit Verlaub, kurzsichtig oder wenn man böse sein will, der Barranco-Blick.

Hintergrund ist der ewige Zank der Nordwestgemeinden mit den Zentren der Insel und nun die Ablehnung der größeren Gemeinden der Autobahn und schon fürchtet man im Norden der Insel wieder mal angehängt zu werden. Offen kritisiert man den Egoismus der gut erreichbaren Gemeinden im Aridanetal die eine Autobahn verhindern wollen, denn das würde den Nordgemeinden schaden und einer zukünftigen Entwicklung entgegen stehen. - Bei einem klaren Minuswachstum La Palmas in den letzten Jahren und Bevölkerungsrückgang sollte man aber auch als Lokalpolitiker in der Lage sein Schlussfolgerungen zu ziehen, die eine echte Zukunftsperspektive beinhalten. - Die kann nicht lauten eine Autobahn dorthin durch die Landschaft zu schlagen wo nichts ist, Autobahnen sind hervorragend dafür geeignet viele Menschen und viele Güter schnell von einem Fleck zum anderen zu transportieren. Es gibt aber nicht viele Güter und viele Menschen die dort transportiert werden müssen und niemand in dieser globalisierten Welt hat auf den Norden La Palmas gewartet um dort seinen Industriestandort zu finden. - Bei allem Verständnis, aber sachte ausgebaute Straßen, eine Brücke von Argual nach Amagar und schon ist der Norden ein ganzes Stück näher. Dazu muss man nicht das Aridanetal mit einer Autobahn zupflastern und aus dem Weltbiosphärenreservat La Palma eine waschechte Lachnummer machen.



Donnerstag 23.11.06 - 07:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 18 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 70 % Luftdruck 1020 hPa

Das älteste Gewerbe der Welt

Mit diesem fragwürdigen Spruch versucht man ja immer die Prostitution fein billigend zu erklären und man muss halt wohl so viel dazu anerkennen, dass es diesen Dienstleistungsbereich überall auf der Welt gibt, wohl auch im Vatikan, das erzählt man sich so. Wenn erwachsene Menschen, es sind ja nicht nur Frauen, diesen Weg des Broterwerbes freiwillig wählen, dann steht es niemandem zu das zu kritisieren oder gar zu bewerten, nur leider ist es in den allermeisten Fällen mit der Freiwilligkeit nicht besonders weit her. Menschenhandel und die damit häufig verstrickte Prostitution sind wohl der einträglichste kriminelle Gelderwerb überhaupt. In sofern müsste man die Schleuserei als ältestes Gewerbe der Welt titulieren. - Zwischen freiwilliger und gepresster Prostitution zu unterscheiden, das ist nicht immer ganz einfach, die wenigsten Frauen wagen den Sprung an die Öffentlichkeit oder in dem Fall an die Behörden und auch die sind meist machtlos, weil Beweise sehr schwer einzuholen sind und meist steht dann die Frau als Ausländerin ohne Papiere vor den Behörden und erhält außer einer Ausweisung keine weitere Hilfe, sondern muss auch noch die Repressalien ihrer "Arbeitgeber" fürchten.

Einziges Mittel gegen solche Praktiken ist eine wirkliche Liberalisierung dieses Berufes und damit mehr Transparenz, aber das wird nicht mal gesellschaftlich echt gefördert also bleibt die Prostitution, auch wenn Gesetze diesen Beruf und ihre "Arbeiter" schützen, weiter ein Gewerbe im Dunkeln. Hier auf La Palma kümmert sich die Organisation "Infosida" um die Prostituierten und nennt auch zum ersten Mal Zahlen, für die es keine offizielle Statistik gibt. - An die 80 Frauen üben auf La Palma rund um die Uhr die Prostitution aus, die meisten davon in Nachtclubs und ähnlichen Etablissements, eine Minderzahl auch in dafür angemieteten Wohnungen. Die Herkunft der Frauen ist größtenteils Süd und Mittelamerika, Kolumbien, Brasilien und Dominikanische Republik, aber auch osteuropäische Länder sind vertreten, also nicht viel anders als in vielen mitteleuropäischen Ländern. Die Frauen bleiben aber meist nur einen Monat auf La Palma und gehen dann im Rotationsverfahren in andere Regionen, so sollen dieses Jahr bereits an die 600 Frauen "Dienst" gemacht haben auf La Palma und nun, wer weiß wo, weiter der Prostitution nachgehen. In diesem Rotationsverfahren liegt auch das Problem der Kontrolle der Behörden, bis man überhaupt einem Verdacht des Menschenhandels nachgehen kann, sind die Opfer längst wieder woanders. "Infosida" geht mit diesen Informationen an die Presse um auf mehrere Veranstaltungen nächste Woche in Los Llanos hinzuweisen, man begeht den internationalen Tag gegen die geschlechtliche Gewalt und kommt man nicht daran vorbei auch über die Prostitution zu sprechen.



Mittwoch 22.11.06 - 19:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 24 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 62 % Luftdruck 1023 hPa
Höchsttemperatur heute 26,1 Grad - niedrigste Temperatur 21,5 Grad

Flugbesamung

Da könnte man jetzt auch wieder jede Menge Schabernack mit diesem Wort treiben, Flugenten, Flugananas, Flugbegleiter, aber wir sind eine seriöse Kolumne und belassen es bei Andeutungen, die Schweinereien müssen Sie sich selber denken. - 44 Millionen Samen rieselten aus dem Helikopter über der Caldera de Taburiente, Pflanzensamen, so versucht man in den völlig unzugänglichen Regionen im nördlichen Teil des Nationalparks die endemische Flora wieder aufzupäppeln. Man rechnet damit, dass 2‰ (Promille) der Sämchen auch zum Keimen kommen, das wären immerhin noch 88.0000 Pflanzen, wie viel davon dann aber wiederum die ersten Monate überstehen und die immer hungrigen Mäuler der verwilderten Ziegen und Mufflons, das weiß noch keiner und wird sich dann bei der nächsten Bestandsaufnahmen zeigen. - Nun wirft man da über der Caldera natürlich keine Alpenveilchen oder Edelweißsamen ab, sondern hauptsächlich Hoffnungsträger der so berühmten "Bencomia exstipulata", von der es, je nach Aussage nur noch zwischen 80 und ein paar tausend Exemplaren gibt und das nur noch auf Tenerife und La Palma. - Warum die Zahlen so horrend von einander abweichen, die geringere Anzahl bezieht sich auf wild gewachsene Exemplare und die höhere Zahl nennt auch die, welche in Obhut des Menschen nachgezogen wurden und so wohl auch als "Samenspender" fungieren um die vielen Samen zu produzieren.

Es flogen aber nicht nur Samen der Bencomia exstipulata durch die Calderaluft, sondern auch noch Samen des "Teide-Ginster" und diverse Natternköpfchen, sowie Zwergginster (tagasaste) und die wunderschön blühende "Viola palmenis" und sind nun sich dann selbst überlassen. - Allerdings ist der Löwenanteil der Sämereien der Bencomia vorbehalten, 33 Millionen Samen dieser Kanarischen Seltenheit sind aus dem Hubschrauber gerieselt und auf die anderen Pflanzen entfielen die restlichen 11 Millionen. - Die Wiederaufforstung mit diesen La Palma oder Kanarenendemiten geht permanent vor sich und findet in den für Menschen zugänglichen Teil der Caldera mit Jungpflanzen statt, von denen zu erwarten ist, dass sehr viel mehr als nur 2‰ der Pflänzchen überleben, aber es gibt so viele Stellen in dem großen Nationalpark, die entweder nur mit großer Gefahr, oder überhaupt nicht für Menschen zugänglich sind. - Eine der komplettesten Bildersammlung zur heimischen Flora La Palmas habe ich in Regensburg gefunden, Prof. Dr. Peter Schönfelder hält umfangreiches Bildmaterial bereit, welches HIER durchgeblättert werden kann.



Mittwoch 22.11.06 - 07:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 21 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 36 % Luftdruck 1027 hPa

Gullydeckel bleiben offen

Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind nie zu vermeiden, hoher Besuch ist immer etwas Aufregendes, allerdings kann man sich in der heutigen Zeit kaum noch vorstellen, dass sich über 90% der Bevölkerung richtig auf den Besuch freuen. - Es müssen auch keine Gullydeckel zugeschweißt werden, die Bevölkerung muss nicht Stunden in die Häuser gesperrt werden und, es ist fast so, als käme Familie zu Besuch. - So ist es auch, einer der wenigen Könige vor dem sogar Republikaner den Hut ziehen und nicht die Guillotine kommt am Freitag nach La Palma, SS. MM. D. Juan Carlos y Dª. Sofía. Das Königspaar besucht alle sieben Kanareninseln und so bleibt für La Palma auch nur ein bisschen mehr als ein halber Tag, Hauptstadt, Parador Nacional und, als erster König überhaupt, wird Juan Carlos auch Los Llanos besuchen und die Plaza de Argual, die anderen Mitglieder der Königsfamilie und auch seine Vorgänger sind meist nur bis in die Hauptstadt gekommen und vielleicht noch bis in die Caldera. Die genauen Uhrzeiten habe ich nicht gefunden, Los Llanos soll um den frühen Nachmittag besucht werden, das Parador bildet den Schlusspunkt und von dort aus geht es dann zum Abendessen nach Gran Canaria.

Der Besuch des Königs und seiner Frau kommt gerade einhundert Jahre nach dem Aufenthalt seines Großvaters, Alonso der 13. auch der schaffte den Weg nicht bis nach Los Llanos, obwohl es eigentlich vorgesehen war. - Macht nichts, Juan Carlos hat so einige Vorurteile die man bei diesem krankhaften Blutbild (blau) sonst gerne ins Gespräch wirft hier in Spanien sehr weit von sich gerückt, bei aller hitzigen Debatte um politisches Geschehen, der König und seine Familie bleiben da außen vor, lediglich extreme Strömungen entdecken im spanischen Königshaus einen Störfaktor. - Eine Familie ohne die sonst übliche noble Dekadenz, welche fast den kompletten Rest des europäischen Hochadels begleitet, die Kinder trinken und prügeln sich nicht, man pinkelt nicht in der Öffentlichkeit und hat ein genaues Gespür dafür, in welcher Epoche man sich bewegt. - Die Verdienste des Königs um die spanische Demokratie muss ich hier nicht hervorheben, es kommt nicht so häufig in der Geschichte vor, dass ein König eine Quasi-Republik ausruft und diese später auch noch gegen eine wild gewordenen Guardia Civil verteidigt, als man durch die Demokratisierung des Landes der alten Garde ihr Spielzeug genommen hatte. - Der braucht hier keine Angst haben, für Juan Carlos ist der Besuch auf den Kanaren ein Spaziergang, vielleicht kommt es ja doch auf die Person und die Taten an, warum man bei einem Staatsbesuch die Bevölkerung ausschließen muss und bei einer anderen Visite das Volk sogar einlädt.



Dienstag 21.11.06 - 18:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 24 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 23 % Luftdruck 1027 hPa
Höchsttemperatur heute 27,2 Grad - niedrigste Temperatur 19,1 Grad

Zu wenig Ärzte oder zu wenig Geld

Wohl eher beides, auf diesen Trichter kommt das "Sindicato Médico Canario" (Kanarische Ärztegewerkschaft) auf die ewige Frage hier auf La Palma, was ist faul an unserem Gesundheitssystem. - Gemeint ist damit explizit die Versorgung im Krankenhaus, die Grundversorgung über die Polikliniken der einzelnen Gemeinde ist zumindest in den größeren Zentren sehr gut. - Für "größere Angelegenheiten" werden die Patienten aus dem Gesundheitszentrum weiter in das Inselkrankenhaus verwiesen, dort sitzen oder stehen die Spezialisten ihrer Zunft und behandeln im Akkord, denn es gibt im Krankenhaus einfach viel zu wenig Ärzte, die dort ihren Dienst tun. - Zum Verständnis, die Ärzte im Krankenhaus sind sowohl für die Patienten im dort liegenden Verhältnis zuständig, als auch als Fachärzte für alle Palmeros, die in der öffentlichen Krankenkasse "Seguridad Social" versichert sind. Da es sich dabei um eine Pflichtversicherung für alle Arbeitnehmer handelt, sind fast alle Einwohner dieser Insel in diesem Verein versichert. - Man kann auch zu Privatärzten gehen, allerdings übernimmt man dann auch die Kosten sehr privat.

Grundsätzlich funktioniert dieses System, ich kann das inzwischen aus eigener Erfahrung bestätigen, aber in abgestuften Segmenten. Notfallmedizin ist hervorragend organisiert und man wird sofort und mit allem nur Notwendigen versorgt, nur wehe dem, es geht einem Stück für Stück besser. Dafür gibt es ein schriftliches Auswahlverfahren, auf dem Laufzettel stehen drei "Geschwindigkeiten" "Urgente - preferente - und normal". Das Urgente bedeutet wirklich sofort, da wird man zwischen die Wartenden geschoben oder gesetzt, preferente bedeutet auf die kurze Bank und normal, ganz folgerichtig auf die lange Bank. Und die kann lang sein, es gibt Wartezeiten von locker einem halben Jahr für bestimmte medizinische Spezialitäten und ein sehr beliebtes "Patientenoutsourcing" nach Tenerife, die behandeln unsere paar Fälle allem Anschein nach einfach noch locker mit. - Es liegt aber nicht an der Ausstattung, die ist da, aber moderne medizinische Geräte müssen auch von Ärzten bedient werden, die dafür ausgebildet worden sind und da eben liegt unser Schwachpunkt. - Die Ärztegewerkschaft klagt darüber, dass es einfach für Fachärzte keinen besonderen Anreiz gibt lange auf La Palma zu verweilen, man kann sich hier keine Lorbeeren verdienen außer der Weltbiosphärenreservatstapferkeitsmedaille und wer engagiert an seiner Karriere arbeitet, der wird auch eher eine Metropole anstreben und nicht herrlich stille Pampa. - Man müsste mehr Anreiz schaffen um die Spezialisten nicht nur nach La Palma zu locken, sondern auch hier zu halten und da kommt dann ganz schnell wieder das Geld mit ins Spiel und ich würde es nicht gerne hören aber vielleicht muss man es so probieren, den erst mal angelockten Medizinern eine Art von "Buschzulage" versprechen. - Unser schleppendes Gesundheitssystem ist, angesichts der fehlenden Immigrationsproblematik auf La Palma, ganz oben auf der Interessenliste des Wahlvolks dieser Insel und genießt höchstes politisches und auch Presseecho. - Allerdings rühren da die lokalen Matadoren ganz unnötig im Schlamm, hier auf La Palma wird nicht entschieden wie viele Ärzte wir hier bekommen, das wird im Provinzparlament entschieden. - Wenn Ihnen also nächste Woche der Bürgermeister von Tijallanocorte einen Hausbesuch abstattet und mehr Ärzte verspricht, wenn Sie ihm dafür Ihre geneigte Stimme geben, dann hat er sich versprochen.



Dienstag 21.11.06 - 07:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 22 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 24 % Luftdruck 1025 hPa

Marchan a buen ritmo

Sie marschieren in einem guten Rhythmus kann man das übersetzen, so trifft es aber meistens nur den Hammer auf den Kopf, es soll eher bedeuten, alles im grünen Bereich, oder ein bisschen ehrlicher, wir wissen nicht wann die Arbeit fertig wird, aber wir haben vorausgesehen, dass es zu Verzögerungen kommen wird. - Eile und Hetze bringt auch nichts, da droht nur der Herzinfarkt und das muss doch nicht sein. - Eine Frage darf aber dabei gestellt werden, warum tut man sich diese, wenig glaubwürdigen Planungszeiträume an, kaum ein öffentliches Bauvorhaben dauert nur doppelt so lange wie zartmündig verkündet, oft muss man die dreifache Zeit einkalkulieren, wenn man es vorher weiß, doch eigentlich gar nicht so schlimm. Was soll ich alles nennen, den Umweltkomplex bei Mazo, die Tiefgarage in Santa Cruz, die Markthalle in derselben Stadt, das archäologische Museum und nun das größte Speicherbecken der gesamten Kanaren, die La Laguna de Barlovento. - Das Meerwasserschwimmbecken von Puerto de Tazacorte will ich in diesem Zusammenhang nicht erwähnen, das wäre unfair…

Dabei muss man mal beachten, dass wir Bürger die letzten sind die auf schnelle Einhaltung der Pläne pochen, weder machen wir solche Aussagen wie, in einem Jahr ist das fertig, noch trommeln wir alle 14 Tage die Presse zusammen und wiegeln ab, eigentlich sei die Arbeit getan und nun müsse man nur noch kleine Nacharbeiten ausführen. - So geschehen mit dem Speicherbecken La Laguna de Barlovento. Das Ding hatte einfach Inkontinenz und musste geflickt werden. Ein halbes Jahr würde es dauern, dann ein Jahr, schließlich sind zwei Jahre daraus geworden und nun gab es vor zwei Wochen das Signal, alles fertig es kann weiter gehen und nun erfahren wir, dass man mit dem Befüllen des Speicherbeckens noch mindestens bis März warten muss, vorher geht gar nichts. Aber, die Arbeiten marchan a buen ritmo und wenn man uns vor 14 Tagen nicht gesagt hätte, das Ding wäre fertig, niemand von uns zeitlosen Bürgern wäre auf die Idee gekommen da mal etwas zu hinterfragen. - Die Presse ist übrigens daran schuld. Wir können die weisen und prosaisch gemeinten Aussagen der politischen Garde nicht richtig deuten, die Arbeiten sind abgeschlossen heißt zunächst nichts anderes, dass es sich dabei auch um die Arbeiten am Bauzaun handeln kann. - Eine Museumseröffnung hat nicht grundsätzlich damit etwas zu tun, dass danach auch das Publikum dieses betreten kann, es kann sich dabei auch um einen angesetzten Termin handeln der vor drei Jahren mal auf den Plan gerutscht ist und seit dem keine Renovierung erfahren hat. - Das ist alles nicht so schlimm, wir sind gerne geduldig und haben nie verlangt, dass man sich so beeilt, aber manchmal wünscht man sich halt schon so etwas wie eine Basissprache, um weiter irgendwie den Politikern in ihren Aussagen folgen zu können. - Dabei scheint das ein weltumspannendes Phänomen zu sein, hier auf La Palma beschränkt es sich wohl auf Zeiträume, aber wenn ich an solche Sätze denken wie: Die Rente ist sicher, oder zu keiner Zeit bestand Gefahr für die Bevölkerung, wir bringen Freiheit und Demokratie in den Irak und nach Afganistan, dann lobe ich mir unsere kleinen Missverständnisse. - Es ist doch ein hoher Wert, wenn sich dort die Frauen bald ohne Kopftuch begraben lassen dürfen, oder habe ich da etwas falsch verstanden?



Montag 20.11.06 - 17:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 22 Grad, Niederschlag: 0,5 mm, Luftfeuchte 48 % Luftdruck 1022 hPa
Höchsttemperatur heute 26,2 Grad - niedrigste Temperatur 18,4 Grad

Der macht ganz dusselig der Wind

Warmer Wind aus südnordnirgendwo und das auch noch in der Stärke eines mittleren Passats, aber eben aus einer Richtung, welche wir nicht als Windrichtung anerkennen. - Paul schon gar nicht, der kann mit kabbeligem Wind so viel anfangen wie ich mit einer Grundsatzdiskussion über Leid, Freud und Leitkulturen, muss einfach nicht sein, Wind kommt bei uns fleißig aus Nordost und diskutiert wird über Whiskas, Tropical und Speck, wenn überhaupt. - Dauernd raschelt etwas und reißt einen aus der Döserei, Papierfetzen täuschen bejagbare Beute vor und wie bitte soll der Kater seinen Schönheitsschlaf halten, wenn jeden Moment eine Tür knallt, ein Sonnenschirm durch den Garten fliegt oder Menschen fluchend über die Terrassen laufen und lauter als der Wind über diesen schimpfen. - Ich mag den Wind auch nicht, ganz im Gegensatz zu unserem so geliebten Passat, weiß man doch bei solch freigeistigen Böen nie was dabei raus kommt und so etwas macht weder dem Kater noch mir irgend welche Freude. - Wir schätzen es nicht so sehr wenn uns die Dinge aus den Händen oder Pranken gleiten und außerdem macht dieser warme Wind einen ganz rappelig.

Wenn Paul mürrisch oder unpässlich ist, dann liegt das sonst am Futter, vielleicht nicht richtig temperiert, zu wenig Garnitur, oder der da hat vorher schon jemand abgebissen, das alles kann den Herren ungnädig stimmen. Gut, das bekommt die Frau dann wieder in den Griff, schmeißt den gesamten aber frischen Schaleninhalt unbemerkt von mir in den Müll, und drappiert feinste Kadavergenüsse erneut mit Kresse oder Zucciniblüten dekoriert vor das Gnade versprechende Antlitz des scheinneurotischen Katers. - Warum meine Frau das frische Katzenfutter entsorgt ohne dass ich das mitbekommen soll, da gibt es eine These, welche meinen Krankenhausaufenthalt direkt und indirekt mit dem maßlosen Verzehr von Katzenfutter in Einklang bringt, aber wie gesagt, das ist nur eine These welche ich mal den negativen Folgen dieses warmen Windes zuschreiben will. - Darum geht es auch gar nicht, sondern um das zarte Seelenwesen unseres Katers, wetterfühlig bis über beide leere Hodenbeutelchen. - Gut, mich würden wohl die leeren Beutel selbst noch mehr stören als das Wetter, aber wetterfühlig bin ich auch und so kann ich den Herren bestens verstehen, ohne Sonderbehandlung mit "pata negra" Schinken und "latte cazziato" fällt der uns in eine ausgewachsene Depression und man darf sich alles wünschen, aber keine depressiven Kerle im Haus. - Rückzug ist dann angesagt, ich glaube bei Frauen nennt man das Migräne und bloß nicht ansprechen, außer in mitleidschwangeren Psalmen, oh Gott du Armer, was musst du nur ertragen. - Nein, ich schreibe nicht über mich, sondern über den Kater, das möchte ich mir dann doch verbitten. - Obwohl es mir schon zu denken gab als ich neulich meine Frauen untereinander tuscheln hörte: Seid nett zu Papa, der guckt schon wieder wie Paul und dann haben wir wieder beide am Hacken…


Störe meine Kreise nicht

Störe meine Kreise nicht


Montag 20.11.06 - 07:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 21 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 41 % Luftdruck 1018 hPa

Seeigelalarm

Diadema antillarum nennt sich dieser stachelige Zeitgenosse der weniger die Badenden am Strand erschreckt, sondern vielmehr nun die Biologen unruhig macht. Dieser Seeigel hat sich in den Jahren besonders im nördlichen Teil der Insel invasiv ausgebreitet und stellt eine nicht zu unterschätzende Gefahr für die Flora und Fauna der Küstenzone dar. In Tiefen zwischen 8 und bis hinab in eine Zone von 50 Metern ist der Seeigel aktiv und weidet praktisch die gesamt Meeresflora ab und hinterlässt einen weiß schimmernden Meeresboden, für die Biologen ein bereits bekanntes Warnsignal. Dort wo der Seeigel in Massen auftaucht kann fast überhaupt kein anderer Bodenbewohner, sei es nun Tier oder Pflanze, überleben und stört damit auch die weitere Nahrungskette in der Umgebung. An vielen Küsten dieser Welt kennt man dieses Phänomen, auch für La Palma ist es nicht unbedingt eine ganz neue Entdeckung, dass da unterhalb der Wasserlinie nicht alles bestens in Ordnung ist.

Carlos Sangil, ein Meeresbiologe möchte nun mehr Aufmerksamkeit auf diesen "weißen Tod" vor der Nordküste La Palmas lenken und fordert als einzige mögliche Schutzmaßnahme, mit den natürlichen Feinden der Seeigel schonender umzugehen. - Er schließt weitere Faktoren nicht aus, warum es diese Seeigelplage vor unserer Küste gibt, auch das Klima und die Meeresströmungen unterliegen Schwankungen und können mit dafür verantwortlich sein, dass der Diademseeigel sich so massenhaft vermehrt hat, um nun zu einer Plage zu werden. Allerdings macht er auch keinen Hehl daraus, dass in fast allen Fällen das Fehlen der natürlichen Feinde erster Grund für solche Seeigelinvasionen ist und somit meist auch auf direktes Verhalten der Menschen zurückzuführen ist. - Nun bleibt es interessant, ob man denn in den beiden marinen Schutzzonen der Insel auch über ein erhöhtes Aufkommen von Seeigeln zu klagen hat, oder ob sich dort, unter dem Schutz des Menschen, der Einfluss desselben nicht so drastisch ausgewirkt hat. - Mein Tipp dazu, wir haben ja schon die Koreaner zum Tausendfüßersammeln auserkoren, aus meist gut importierten Kreisen ist mir jetzt zu Ohren gekommen, dass Kim und Kim auch tierisch auf Seeigel stehen. Wenn das mal nicht furchtbar pickst im Fuß…



Sonntag 19.11.06 - 19:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 20 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 68 % Luftdruck 1017 hPa
Höchsttemperatur heute 22,6 Grad - niedrigste Temperatur 15,6 Grad

Operado

Die Sonntagsschicht fast abgearbeitet, nur noch der Frankfurter Flieger fehlt in der heutigen Sammlung, aber laut "AENA" der staatlichen Flughafenbetreibergesellschaft ist auch dieser Flieger bereit "operado", also pünktlich auf dem Flughafen von La Palma gelandet. - Wer dann sonntags so spät ankommt, gegen 18:10 Uhr landet die Maschine, der ist meist erst gegen 19:30 Uhr in seinem Haus und kann dann den Urlaubsbeginn eigentlich nur noch mit Koffer ausräumen und Essen gehen starten, aber wir müssen froh sein um jeden Flieger der den ungeliebten Weg nach La Palma überhaupt in Angriff nimmt. Schade ist halt, dass diese Gäste nicht diesen ersten gewaltigen Natureindruck dieser Insel in sich aufnehmen können, sondern sich aufmerksam an die Rückleuchten Joses klammern, um ihn auf dem Weg vom Flughafen nach El Paso nicht zu verlieren. - Da kann man noch mal einen kleinen Tipp abgeben für alle "Spätankömmlinge" die Shell Tankstelle oberhalb El Pasos hat 24 Stunden geöffnet und auch einen "shop", der zwar nicht Supermarktcharakter besitzt, aber auf jeden Fall vino, queso und Kaffeedrang bestens bekämpfen kann. - Ansonsten ist es für die Gäste natürlich sehr schön auch an den Wochenenden nach La Palma fliegen zu können, das gibt es erst seit zwei Jahren, vorher musste man immer unter der Woche fliegen. - Ganz am Anfang, als lediglich die LTU wusste, dass es da neben Tenerife noch eine kleine und sehr feine Insel gibt auf der man auch landen kann, wurde La Palma nur mittwochs angeflogen, später mit der Condor dann auch Dienstag und Donnerstag und nun kommen zumindest im Winterflugplan täglich Chartermaschinen, wir haben nun sieben Tage die Woche geöffnet.

Viele finden diese sieben Tage Woche gar nicht prickelnd, das muss man verstehen, wer einen Job im Tourismus auf La Palma hat, der findet im Winter dann keinen freien Tag mehr, es sei denn die Firma ist so groß, dass man sich mit mehreren Angestellten das als Turnus aufteilt. Allerdings, wenn ich an die Autovermietungen oder die Reiseleiter in Personalunion denke, dann wüsste ich nicht, wer da als zweite Frau oder Mann dahinter stehen sollte, vielfach lassen die Gästezahlen eine zweite Schicht überhaupt nicht zu. Denken Sie vielleicht gnädig daran, wenn Sie Sonntagabend, sicherlich selbst auch nicht mehr ganz fit in Ihren Transferbus geleitet werden, die erste Maschine auf La Palma landet um 9:05 Uhr und die letzte um 18:10 am Sonntag und hinter vielen die sich da den sonst freien Tag um die Ohren hauen wartet eine Familie oder Freunde, die eigentlich anderes mit einem vor hatten. - Uns ist der Sonntag eher gefällig, weil damit die Woche entzerrt wird und nicht zu viele Gäste auf einmal ankommen. - So können wir uns ganz in Ruhe vorbereiten und die Familie und Freunde haben wir einfach dabei, wenn AENA wieder operado meldet. - Noch was vom Wetter, es bleibt wohl eher trocken, die Wolkenbänke da draußen scheinen eine gefährliche Palmaphobie zu haben, aber trotzdem würde ich dafür meine Hand nicht in den Bauknecht legen dass es die nächsten Tage trocken bleibt.



Sonntag 19.11.06 - 08:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 16 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 79 % Luftdruck 1017 hPa

Der letzte macht die Tür zu

Volkssturm oder Neuanfang, so genau weiß man das nicht. Die große spanische Volkspartei, Partido Popular ist in der Gemeinde El Paso eigentlich nicht mehr, oder kaum noch vorhanden, nachdem alle in den Gemeinderat gewählten, aber auch viele der Sympathisanten der Partido Popular den Rücken gekehrt haben und mehrheitlich in die neue Partei, Centro Canario Nacionalista, kurz CCN eingetreten sind. - Vorausgegangen war die Weigerung der lokalen Gruppe El Pasos die kanarenweit abgesprochene Koalition zwischen Partido Popular und Coalición Canaria auch in unserer Stadt durchzuführen. Stattdessen gingen die drei gewählten Räte der PP einen Pakt mit dem Teufel ein, (laut Aznar die Sozialisten) und bis heute hält diese bunt rebellische Gruppe trotz aller Unken und Krötenrufe hervorragend. - Einem Parteiausschlussverfahren kamen die Abtrünnigen mit ihrem freiwilligen Austritt zuvor und nun sind Jesús, Pedro und Obdulia offiziell parteilose Räte, concejales no adscritos heißt das hier. - Für die Kommunalwahlen im Mai werden sie allerdings für die CCN antreten, so viel Mut, ganz ohne Parteischoß sich den Wählern zu stellen hatten sie dann doch nicht.



Die Partido Popular hat sich bis heute nicht von dem Exodus erholt und lange sah es soweit aus, dass man nicht mal eine Rumpftruppe an Nationalkonservativen auf die Beine bekommt. Diese "Gefahr" scheint gebannt, irgendwo schlummern immer ein paar ewige Schwarze herum, aus Kirchen und Monarchiekreisen kann man dann doch noch Bodensatz abschöpfen. - Dazu kommt noch eine wunderbare Chance, wer will der kann in El Paso schnell die politische Leiter hochfallen, man sucht händeringend Kandidaten und Hoffnungsträger und sicher muss man keine Gewissenprüfung bei der Partido Popular fürchten. - Nun kam der Chef zum Nachsehen, wie weit denn der konservative Flügel in El Paso wieder genesen ist und lud zu einem "almuerzo", also einem Mittagessen mit anschließendem gegenseitigem, Beklatschen. Wenn auch noch ohne offizielle Bestätigung, Spitzenkandiat für das Bürgermeisteramt in El Paso soll demnach Miguel Arias Cañete und ich will Sie nicht anlügen, ich kenne den Mann weder, noch habe ich je etwas von ihm gehört. - Insgesamt stehen die Chancen für die Partido Popular nicht besonders gut, über allem schwebt auch immer der große Korruptionsskandal auf den anderen Inseln, der auffällig häufig Abgeordnete der Partido Popular trifft. Was die Ortsgruppe der PP hier in El Paso reißen kann und unter Umständen auch ein Zünglein an der Waage werden kann im ewigen Kampf zwischen den Sozilisten und der Coalición Canaria, das werden wir im Mai 2007 erleben.



Samstag 18.11.06 - 19:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 21 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 59 % Luftdruck 1018 hPa
Höchsttemperatur heute 21,3 Grad - niedrigste Temperatur 15,5 Grad

Kabbelwetter die nächsten Tage

Wir gehen nun die Tage das letzte Novemberdrittel an, da darf das Wetter dann auch entsprechend unruhig werden, das ist die Grüne Insel uns schuldig. - Die letzten Tage wurden wir auf der Westseite ja noch mal von einem feinen Nordostpassat verwöhnt, blinkend klare Nächte, zwar kalt, aber für Nachthimmelverliebte ideale Umstände. Zumindest auf der Westseite lockte dann die Sonne wieder am Tage und zeigte uns noch mal, was eigentlich so unser Wetter ist, tagsüber Sonne, ein frischer Wind und nachts knackiger Sternenhimmel. - Man darf das ruhig als Bauknecht betiteln, wir sind nun im Winter, da werden solche Begriffe wieder öfter auf dem Monitor erscheinen, aber eben auch die Schlechtwäschewarnung. - Die muss jetzt wieder für die nächsten Tage ausgesprochen werden, auch wenn zwischendurch nette sonnige Abschnitte wieder den Blick frei geben werden, der Wind dreht bald auf Südwesten und treibt nach und nach die Regenzellen auf dem Atlantik an unsere Küsten. Kein starker Wind, kein Unwetter, aber einmal nass reicht auch. - Immer wieder schade, dass wir hier auf den westlichen Kanaren kein Regenradar haben, das würde die letztendliche Voraussage von Schlechtwäsche und Bauknechtderrivaten in ungeahnte Perfektion treiben, so muss man immer ein Auge auf dem Horizont haben, eines auf dem Bildschirm und schon wird klar, dass dabei wenig Sicht auf die wirklich wichtigen Dinge im Leben bleibt. - Ein interessantes Photo ist René noch gelungen, da wollte sich doch vor ein paar Tagen glatt ein kleiner Tornado bilden, nur kurz und schon hat der Wirbel wohl gemerkt, dass hier vor La Palma nicht der adäquate Platz dafür ist, selten genug solch eine Aufnahme.





Samstag 18.11.06 08:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 15 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 71 % Luftdruck 1018 hPa

Kaufen wird jetzt Pflicht

Bei uns dauert das Vorspiel zu Weihnachten nicht ganz so lange wie in Mitteleuropa, aber dafür ein paar Tage länger hinten raus, Sie erinnern sich, die Weihnachtsgeschenke gibt es erst an "Reyes", also dem 6. Januar, respektive in der Nacht davor. Traditionell wissen wir bis kurz vor dem showdown nicht was wir unseren Lieben unter die Krippe legen sollen und so komprimiert sich die große Schlacht um die Präsente auf die letzten Tage davor. - Das ist natürlich nicht gerade konsumfreundlich, wer sehr früh kauft der legt vielleicht später noch mal ein Feuerwehrauto nach, aber das Schlimmste an unserem wenig sinnvollen Kaufverhalten sind die Staus, das Gedränge und die Parkplatznöte an den Tagen an denen wir beschließen, jetzt ist es an der Zeit die Weihnachtsgeschenke zu kaufen. Irgendwie scheint das massenhysterisch zu verlaufen, die Insel bekommt kollegial den Schreck, jetzt müssen wir aber los und etwas besorgen, sonst gibt es nichts mehr. - Dagegen versuchen die beiden großen Einkaufstädte, Santa Cruz und Los Llanos mit bunten Aktionen anzugehen und locken darüber hinaus auch noch mit Lotterien, welche die meist klamme Weihnachtsbörse aufstocken soll.

Da kann man schon mal 3.600 Euro abräumen, das ist der inselweite Wettbewerb, darüber hinaus haben aber die meisten Zentren auch noch lokale Preisverleihungen, wer geschickt und glückvoll einkaufen geht, der kann bis zu 10.000 Euro einstreichen, dann muss er aber mehrere Gemeinden heimsuchen. Seit ein paar Jahren gibt es diesen Wettbewerb zwischen den Gemeinden, man versucht sich halt gegenseitig das Käuferpublikum abspenstig zu machen und hat diese Lotterien als adäquates Mittel dazu entdeckt. Um das wiederum zu nicht auf die Spitze zu treiben, bietet die Inselregierung nun die zusätzliche inselweite Lotterie an, da ist es egal wo man den Egoshooter ersteht oder die Digitalkamera. Bei so vielen Preisen geht unser Hauptproblem fast unter, beide großen Einkaufsgemeinden haben ihr Parkplatzproblem weiterhin nicht gelöst, die versprochenen Parkhäuser sind nicht für die Kampagne fertig geworden und man könnte nun einen einfachen Vorschlag machen, anstatt Geldpreise zu verteilen sollte man lieber Parkmöglichkeiten verlosen, wer mitten im Weihnachtstrubel in Los LLanos einen geschäftsnahen Parkplatz ergattert, der schmeißt vor Freude mit Geld nur so um sich. - Glauben Sie mir das, ich habe das erlebt, unser Konto hat sich danach aber nie wieder richtig erholt. - Am 6. Januar ist Reyes, ab dem 4. Januar nachmittags werden hier alle nervös und sicher haben Sie recht mit der Behauptung, man könnte das alles viel früher und stressfreier erledigen. Stimmt, aber dann wäre das nicht so wie immer und uns fehlte was.



Freitag 17.11.06 19:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 18 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 71 % Luftdruck 1019 hPa
Höchsttemperatur heute 21,0 Grad - niedrigste Temperatur 16,5 Grad

Eingreifen oder nicht

Die echte Philosophie eines Nationalparks bleibt wohl auch Definitionssache. Gar nichts anfassen, alles einfach den Gegebenheiten überlassen wäre vielleicht eine der palusibelsten Vorstellungen, aber das würde ja auch bedeuten, dass man ab einem bestimmten Eingriff des Menschen nichts mehr verändert und so diesen Anteil des Menschen mit konserviert. - Ich erinnere mich in diesem Zusammenhang an die Versuche in Teilen Australiens und den Galapagosinseln von Menschenhand eingeführte Tiere und Pflanzen wieder mit ungeheurem Aufwand zu eliminieren, die Biologen haben sich das alles sicher gut überlegt, aber bei mir bleibt da immer ein Fragezeichen stehen, denn irgendwie sind wir Menschen ja auch da und ebenso Teil der Natur und Biodiversität. - In unserem Nationalpark Caldera de Taburiente geht man seit jeher zweigleisig vor, da ist auf der einen Seite der Schutzcharakter des größten Senkkraters der Welt, aber auch der touristische Reiz und Wert dieses Phänomens sind nicht zu leugnen und man versucht beiden Ebenen, so gut es geht, eben gerecht zu werden. - Dabei können wir ruhig das Wort Versuch stehen lassen, denn eigentlich schließen sich touristische Nutzung und höchster Schutz der endemischen Flora und Fauna gegenseitig aus.

Da kommt uns ein bisschen das Brunnenprinzip entgegen, schließlich sind in die Caldera schon die Mufflons und Ziegen ein"gefallen" und viel nicht endemisches Kraut, sei es nun an Stiefeln emsiger Wanderer in die Caldera gekommen oder als "Beigabe" der dort betrieben Landwirtschaft, so ganz jungfräulich kann man uns den Nationalpark nicht mehr unterjubeln. - Also "darf" man auch wieder ein bisschen gegensteuern oder muss es vielleicht sogar tun, wer das und wie entscheidet, das bleibt oft ein kleines Geheimnis aber irgendwer muss ja mal sagen: Jetzt wird nachgeholfen oder hier steuert sich die Natur noch selbst. - Jetzt greift man mal wieder ein und bewegt sich da auch am Rande des nationalen Parkgewissens, man will durch gezielte Aufforstung die Erosion am Campingplatz minimieren, dort spült der Regen jedes Jahr heftige Rinnen in die Landschaft und dazu pflanzt man jetzt 6.000 Bäume und will so die Sturzbäche zum Erliegen bringen. - Nicht gleich aufschreien, man nimmt dazu natürlich standesgemäße Gewächse, Salix canariensis, Kanarenweide muss das wohl heißen und hier kommt man mit einem lockeren "Sauce" aus und das hat nichts mit Mojo oder Bechamel zu tun sondern ist gleichzeitig der Namen gebende Baum der Gemeinde Los Sauces. Und nicht nur das, die Weiden selbst wurden aus in der Caldera vorhandenen Beständen gezogen, also endemischer geht es gar nicht mehr und dennoch streckt sich auch dort in den ganzen Jubel, der Erosion ein autochtones Schnäppchen schlagen zu wollen wieder ein hartnäckiges Fragezeichen. - Auch Erosion ist ein natürlicher Ablauf und unsere Insel ist deutlich geformt von diesem Phänomen, wird denn Wind, Wetter und Wasser uns eines Tages sogar auf eine Höhe Fuerteventuras raspeln und noch später sogar ganz verschwinden lassen. - Wie man es macht, macht man es verkehrt, oder aber genau umgekehrt, denn bis La Palma so platt wie eine Flunder ist sind Erosion und Artenschutz für uns wohl die unwichtigsten Dinge überhaupt. Dazwischen muss irgendwo die Kunst des mittelfristigen Denkens und Handels liegen, denkt man alles zu Ende, dann ist es eh aus und wer will das schon…



Freitag 17.11.06 07:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 16 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 70 % Luftdruck 1020 hPa

Ich besser weißen als Buch

Manchmal erinnert er mich an unseren störrischen russischen Onkel, der nach dem zweiten Weltkrieg lieber in Bayern blieb als wieder zurück nach Russaland zu gehen, der wusste eigentlich auch nie von was er sprach und wenn man ihm dann das Buch mit dem Gegenbeweis unter die Nase hielt, dann wischte er die Zeilen mit einer großzügigen Handbewegung auf die Seite und beendete jede Diskussion mit dem Satz: "Ich besser weißen als Buch". - Unser Rat für Tourismus, Jaime Sicilia, und Bürgermeister von Breña Baja will nun wohl in die Fußstapfen von Onkel Nicolai treten und erklärt sämtliche Statistiken die es über den Tourismus auf La Palma gibt, für falsch oder zumindest fragwürdig. - So ganz kann man ihm dabei nicht widersprechen, Statistiken können ein großes Gefahrenpotential enthalten wenn man diese gefällig aussortiert und nicht als Trend über die Jahre hin verfolgt. - So können selbst falsch aufgenommene Statistiken über einen langen Zeitraum hin Trends anzeigen, so lange in der Erstellung der Tabellen immer wieder der gleiche Fehler eingearbeitet wird.

Ich kann Jaime Sicilia gut verstehen, es läuft halt einfach nicht so wie er und wie wir alle gerne hätten, mehr Tourismus und Auslastungszahlen die es dem Betreiber der Anlagen möglich machen ordentlich davon zu leben und das Versprechen mit den Arbeitsplätzen halbwegs aufrecht zu erhalten. - Er ärgert sich über die Aussage, dass La Palma die Insel ist auf der die Touristen am wenigsten ausgeben, so lassen laut des nationalen Statistischen Institutes die La Palma Urlauber nur täglich 34 Euro auf der Insel, gibt aber fast 63 Euro dafür aus, um zu uns zu gelangen. Damit wäre La Palma die Insel der Kanaren mit dem geringsten Urlaubsbudget neben den Kosten für das Reisepaket. In der Tat, nach La Palma fliegen ist halt etwas teurer als nach Fuerteventura zu gelangen oder Tenerife. - Als Gegenfrage muss er sich aber gefallen lassen, warum man seitens seiner Organisation kräftig und eingleisig auf Pauschaltourismus setzt, eben dieser Form des Urlaubs in dem der überwiegende Teil der Urlaubskasse im Ursprungsland bleibt. - Im Individualtourismus sind die Zahlen mehr als anders herum, dort wird lediglich der Flug im Heimatland bezahlt und alles andere wandert direkt in die Inselkasse und kommt somit der lokalen Volkswirtschaft direkt zu Gute. - Ich möchte gar nicht daran denken, was wohl die Statistik ausspucken würde, wenn diese vielen, auf eigene Rechnung anreisenden Gäste die Zahlen nicht noch drastischer aussehen lassen würden. - Was, wie und wo soll denn der Pauschaltourist in einem Vollpensionhotel in der Pampa noch zusätzlich Geld in die lokale Wirtschaft pumpen? (Vielleicht über den Maschendrahtzaun werfen oder wir stellen lokalendemitische Sammelbehälter auf.) - Ganz gefährlich ist auch die pauschale Aussage Jaime Sicilias, die fast nach Trotz klingt, es stimmt doch gar nicht, dass wir weniger Touristen haben als früher, es kommen sieben Flugzeuge mehr, also haben wir auch mehr Gäste. (Laut Statistik der "AENA" der staatlichen Flughafenbehörde landeten auf La Palma im September 2000 noch 8.194 internationale Fluggäste, im September 2006 waren es nur noch 5.986, sorry Jaime, aber ich mache diese Statistiken nicht.)

- Gut, er glaubt nicht mehr an Statistiken, aber da steht es leider drin, dass wir deutlich weniger Gäste haben als noch 1999 und 2000 und mit den sieben Flugzeugen mehr, das habe ich öfter schon versucht zu erklären. - Einmal weiß ich nicht, wo er die Zahl sieben hernimmt, aber heute fliegt kaum noch ein Charter direkt und ohne zweiten Zielflughafen zu uns. Ich glaube wir haben drei Verbindungen mehr mit Mitteleuropa als noch vor 2 Jahren, aber insgesamt weniger Plätze in diesen Maschinen um zu uns zu gelangen, weil kein Carrier mehr das Risiko auf sich nimmt, mit zu geringer Auslastung La Palma anzufliegen. Trotzdem Jaime, auch wenn es mir persönlich sehr verständlich vorkommt sich seine eigene Statistik basteln zu wollen, das bringt auf die Dauer nur Ungemach und auch diese Insel kann nicht von virtuellen, astralen oder potemkinschen Urlaubern leben und schon hat sich der Kreis zu Onkel Nicolai geschlossen. - Der hatte immer Recht.


Passend hierzu erreichte mich noch folgender Leserkommentar, er spricht für sich selbst:

Lieber Herr Siebold,
zunaechst noch alles Gute fuer Ihre Gesundheit, wir haben alles genauestens verfolgt. Zum Thema Tourismus, Golf un Autobahn.

Das muessen ja nur Verrueckte sein, denn hier auf der Insel von La Palma Ostseite sind die Hotel leer. Man kommt sich vor - eben wie ein Urlauber ohne Mitmenschen, unser Flieger vom Bodensee hat nur ganze 7 Personen herausgelassen, die Anderen flogen weiter nach Gran Canaria. Tolle Werbung fuer die schoene Insel - dabei wird in unserem 4Sterne Hotel auch noch alles (AI) angeboten. Bloss ist Niemand da vom Personal - weil eben die Gaeste fehlen. Wir brauchen die Unsinn nicht, staunen aber ueber die Ruecksichtslosigkeit der Veranstalter. Vielleicht klappt es mit ein paar Golfplaetze und Hotel und Autobahn. So macht man eben eine ganze Infrastruktor kaputt.
Der Wein beim (AI) ist genau so gut wie der von Furte.
Alles billig und keiner merkt wie bescheuert wir sind.

Genug gemeckert - wir erfreuen uns - wie immer an der schoenen Insel und trinken richtigen guten Wein einfach im Sueden bei den Weinbauern.

Herzliche Gruesse und Gesundheit fuer Sie und die gesamte Familie.




Donnerstag 16.11.06 18:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 21 Grad, Niederschlag: 1 mm, Luftfeuchte 77 % Luftdruck 1016 hPa
Höchsttemperatur heute 22,3 Grad - niedrigste Temperatur 18,3 Grad

Hallo bin auch noch da, lispelte die Autobahn!

Die Autobahn lässt mal wieder von sich hören und nun hat man die Stimme den wählbaren Politikern nicht mehr zugemutet, nun müssen die nicht wählbaren Techniker ran, da kann man nicht so viel falsch machen. - Francisco González, Generaldirektor des Straßenwesens auf den Kanaren möchte nun weiterbasteln an der transinsularen Achse, die jeden Flughafen mit jedem Hafen auf den einzelnen Kanareninseln per Autobahn verbinden soll. - Übrigens auch dann, wenn gar kein Schiff aus dem Hafen abfährt wie es in Puerto de Tazacorte der Fall ist. - Die Gemeinden sollen nun Alternativvorschläge machen, er meint damit El Paso und Breña Alta, welche aus ihren lokalen Flächennutzungsplänen die Trasse eigenhändig wieder entfernt haben. - Da spart der smarte Straßenbauer auch nicht mit Polemik gegen die Gemeinden gerichtet, erst nicken sie diverse Trassenvorschläge ab und hinterher entdeckt man den Bürgerwillen und tut so, als ob man als natural born autovía killer seine politische Karriere begonnen hätte. - Da darf er ruhig lachen, kein Mensch und auch kein Politiker ist ohne Fehler, Hauptsache es kommt hinten keine völlig unsinnige wie unnötige Autobahn dabei raus, die nichts außer Auftragsbücher von Tiefbaufirmen bereichern und nach Telde Art unter Umständen so das eine oder anderes Konto auffüllt.

Was will der gute Straßenbaudirektor denn nun von unseren Gemeinden? Ganz einfach, er will den schwarzen Peter zum dritten Mal wieder die Spur wechseln lassen und dann erneut behaupten können, das war ja euer Vorschlag und nun seht zu, wie ihr den euren Wählern verkauft. - Dabei sind die Alternativen völlig einfach und klar, die Alternative steht bereits und heißt LP2 und führt von Santa Cruz nach Puerto de Tazacorte und kann prima und ohne revolutionäre Baumaßnahmen Schritt für Schritt an zunehmenden Straßenverkehr angepasst werden - wenn dieser überhaupt noch zunehmen sollte! - In Breña Alta wäre lediglich der Abzweiger bei La Grama zu entschärfen was man elegant mit einer Unter oder Überführung machen könnte und bei El Paso kann man mal über eine Umgehungsstraße diskutieren, die aber sinnvoller Weise nur den LKW Verkehr aus dem Ort nimmt, sonst würde man dem Ort schwere gewerbliche Schäden zufügen. Dazwischen ist fast überall Platz weitere Überholspuren einzurichten, ohne Häuser abreißen zu müssen, ohne gewachsene räumliche Aufteilungen ändern zu müssen und für den Bruchteil des Geldes welches für die Autobahn vorgesehen war. - So einfach ist das, aber mit einfachen und bürgernahen Lösungen ist wohl nicht genug Geld oder Prestige zu verdienen. - Bleibt eine perfide Geschichte noch zu berichten. Eigentlich müsste die Autobahn über den "Plan Territorial de la Red Viaria de La Palma" abgesegnet werden, ein Papier welches weder fertig noch einsehbar ist. Man schiebt nun in den lokalen Flächennutzungsplänen der rebellischen, nicht Coalición Canaria konformen Gemeinden die Landreserve ein und lässt die ahnungslosen Stadträte in dem Wissen, das ist lediglich Formsache und gesetzlich so notwendig. Die Gemeinden unter der Coalición Canaria wie Los Llanos und Breña Baja veröffentlichen ihren Plan erst gar nicht, denn auch du müsste die Schlange auftauchen. - Nun wacht das Volk auf und sagt: Horcht mal liebe Führungskräfte der diskutierenden Art, wir brauchen aber gar keine Autobahn, nicht jetzt und auch nicht später, also brauchen wir auch keine Landreserve, überlegt euch das mal gut, wenn ihr wieder gewählt werden wollt. - Da kommt der Generaldirektor und sagt, ihr Lokalpolitiker habt aber doch schon zugestimmt und das mit der Formsache war nur ein fauler Trick von mir damit ihr der neuen Trasse eure Unterschrift gebt, also seid ihr jetzt wortbrüchig. - Gut, es gibt Schlimmeres und Selteneres was man einem Politiker vorwerfen kann, aber oft muss man auch als Wähler mal ganz genau hinschauen, wo denn der Feind wirklich sitzt und da ist der Stänkerer in der zweiten Reihe oft viel nachhaltiger destruktiv, als der vielleicht naive "Local hero", der nicht mit allen Wassern der hohen Politik gewaschen ist.



Donnerstag 16.11.06 07:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 18 Grad, Niederschlag: 4 mm, Luftfeuchte 82 % Luftdruck 1015 hPa

Wohin mit der Guardia Civil

Eine moderne Polizei braucht ein modernes Umfeld und wenn man sich die in Geschichte und Generationen gealterte Kaserne in Los Llanos ansieht, dann wünscht man den Beamten nichts sehnlicher, als bald in einem neuen Dienstgebäude arbeiten zu können. Es sind nun wohl an die 15 Jahre dass man von einer neuen Polizeistation für das Aridanetal spricht, nachdem man die Posten von El Paso und Tazacorte zumindest personell mit dem in Los Llanos verknüpft hat. - Die Beamten tun also reihum in den drei Gemeinden Dienst, das ist nur sinnvoll, lässt aber El Paso und Tazacorte nachmittags und an den Wochenenden ohne geöffnete Dienststelle. Dafür ist der Posten in Los Llanos immer besetzt, nur aber eben in einem Gebäude welches zwar wunderbar zentral in der Stadt liegt, aber den Charme und die Möglichkeiten einer Karawanserei der Fremdenlegion bietet.

Nun geht man die neue Polizeistation für das Aridanetal neu an, man spricht zumindest wieder mal drüber und schon wird klar, warum das nicht so ganz einfach ist einfach ein neues Polizeirevier zu schaffen. - Die Guardia Civil gehört zu den staatlichen Einrichtungen ist aber darauf angewiesen von den Gemeinden geeignete Immobilien oder zumindest Grundstücke zu erhalten und da bereits wird die Auswahl ziemlich knapp. So eine Polizeistation verspricht grundsätzlich für die Gemeinde keinen Profit, gute Lagen verpachtet man lieber an Gewerbetreibende und Geschäftsleute, die Guardia Civil wird also mit Grundstücken oder Gebäuden abgespeist, die entweder völlig untauglich für den Polizeidienst sind, oder so weit ab vom Schuss liegen, dass man gleich den Hubschrauber schicken könnte wenn jemand falsch parkt. - Man war bereits so weit schon gesunken, sich auf ein Angebot El Pasos einzulassen und in der Nähe der weiterführenden Schule (I.E.S. El Paso) ein modernes Polizeirevier aufzubauen. El Paso hätte gerne und völlig unkompliziert dort ein angemessenes Grundstück zur Verfügung gestellt. - Das lassen die Leute aus Los Llanos natürlich nicht zu, das wäre ja noch schöner wenn die Polizei aus Los Llanos in El Paso stationiert würde. - Dann lieber weiter auf die lange Bank, aber dass eine moderne Polizeitruppe, denn wir wollen eine solche, auch die Räumlichen und technischen Möglichkeiten haben muss, das scheint keine Präferenz zu haben. - Wenn das noch lange so geht, dann landet die Guardia Civil irgendwann wirklich in El Paso und bis zur Eingemeindung Los Llanos ist es dann auch nicht mehr weit hin…



Mittwoch 15.11.06 19:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 21 Grad, Niederschlag: 2 mm, Luftfeuchte 76 % Luftdruck 1014 hPa
Höchsttemperatur heute 24,2 Grad - niedrigste Temperatur 19,1 Grad

Stecker rein, Stecker raus

Wenn mich einer mal fragt, was ist denn das, was dir am meisten hier auf La Palma fehlt gegenüber deiner so progressiven und aufgeklärten ursprünglichen Heimat Bayrischer Wald, dann kommt für viele eine echte Überraschung. - Es ist eben nicht das Bier aus einer kleinen Klosterbrauerei oder die Gelbwurst vom Huabametzga oder gar die Dampfnudeln die freitags prall und fromm zugleich aus der Backröhre gezogen wurden. - Es sind die Gewitter, die im Sommer dort gegen Nachmittag deutlich und unwiderruflich das Ende der Schwüle, aber auch den Feierabend eines anstrengenden Arbeitstages beschließen. Das ist wie ein notwendiger Reim im Gedicht, oder die harmonische Auflösung eines Schussakkordes in der Musik. - Und genau das gibt es hier nicht. - Im Gegenteil, Gewitter gibt es im Sommer überhaupt nicht und selbst im Winter sind diese grollenden Wetterphänomene äußerst selten und dienen nicht der Auflösung eines unerträglich drückenden Tages, sondern verkünden nur einen Wetterwechsel und entstehen eher zufällig weil Wetter nicht nur nebeneinander sondern auch übereinander stattfindet.

Gerade jetzt gewittert es und gerade weil bei uns Gewitter eine extreme Ausnahme sind, ist hier auch nicht wirklich alles dafür ausgerichtet so eine Situation ohne Schäden zu überstehen. Erst langsam fängt man damit an die Leitungen unter die Erde zu legen, aber eigentlich überall auf der Insel liegen Telefon und Stromkabel an geduldigen Masten und warten nur darauf, dass so ein Blitz mal ordentlich durch die Leitungen fährt. - Massenweise verschmorte Netzteile oder gar komplett neu und robust verlötete Computer und Faxgeräte sind die Folgen und plötzlich steigt die nächsten Tage wieder der Umsatz an technischen Geräten die Überspannungsschutz versprechen und die morgen Vormittag bereits vergriffen sind. - Ich habe das alles doppelt und dreifach und dennoch bleibt immer so ein befremdliches Zucken wenn der Himmel erst blendet und zuckt und dann seinen mächtigen Donner die Caldera rein und wieder raus schickt, ziehe ich alle Stecker und mime den Feigling, bin aber dafür morgen wieder online, während andere bereits das digitale Wochenende einläuten und bis Samstag von nichts anderem sprechen als von dem einen Blitz, der dann wohl doch zuviel war. - Nun bleibt der Stecker drin, während wir uns hier unterhalten haben, hat sich das Gewitter bereits wieder verabschiedet, hat sich nicht festbeißen können an diesem rauen und nach oben hin schroffen und abweisenden Eiland. - Gewitter, die gehören nicht hierher, das sind fremde Phänomene die uns ganz unvermutet mal besuchen und die man, wenn man ganz ehrlich ist, wie manche ungewollten Gäste einfach den Rest des Jahres nicht vermisst. - Jedenfalls nicht hier.



Mittwoch 15.11.06 07:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 21 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 70 % Luftdruck 1015 hPa

Der Spatz auf dem Dach

Das Spruchwort kennen Sie ja, lieber einen Spatz in der Hand, als eine Taube auf dem Dach. - Damit geben sich unsere Tourismusbeauftragten nicht zufrieden und erfinden eine neue Zukunftslösung, angesichts der traurigen Zahlen in diesem Jahr verkündet man nun stolz, dass im Winter 2007/2008 die Engländer einen erneuten Versuch unternehmen diese Insel regelmäßig zu besuchen. Das wäre dann der dritte Anlauf, bislang hat jeder Veranstalter wieder hingeworfen, aber was soll ich denn den Leuten berichten wenn international nicht mal mehr so viel los ist wie im Jahr 1999 und selbst die Taube in der Hand, der individuelle deutschte Tourismus einfach nicht wider richtig Fahrt aufnehmen will, weil die Flugverbindungen und auch die Preise einem schon ziemliche La Palma Treue abverlangen. - Das hört sich schon nach einem Offenbarungseid an was man von Jaime Sicilia hört, wenn er Durchhalteparolen für den Winter 2007/2008 herankarren muss um dem Sektor ein bisschen Hoffnung zu geben. Vielleicht hat sich ja bis in den Winter 2007/2008 endlich das "All Inklusiv" auf La Palma durchgesetzt, dann klappt das mit den Engländern auch mal mehr als nur ein paar Wochen.

Noch zwei positive Meldungen kann er loslassen, es kommen mehr Kreuzfahrtschiffe dieses Jahr, Recht hat er, nur ist der erwirtschaftete Gewinn aus ein paar Tassen Kaffee und ein paar Busfahrten über die Insel nicht mal statistisch zu erfassen. - Auf einen ganz bösen Trick fällt er auch wieder rein, es gibt mehr Flüge nach La Palma kann er stolz verkünden. Da hat er eigentlich auch wieder Recht, aber es gibt deutlich weniger Kontingente nach La Palma, weil nur noch ganz selten diese Insel direkt und exklusiv angeflogen wird, sondern nur noch in Verbindung mit anderen Kanareninseln. Leider läuft man weiter ziel und planlos durch Tourismusmessen und lässt immer mehr Profil dieser Insel einfach verstreichen. Anstatt ganz progressiv mit unsere Werten und Möglichkeiten echtes Zielpublikum zu bewerben, fischt man in Teichen die dem Sonne und Strand und Massentourismus vorbehalten sein sollten. - Da muss ich mich leider immer wiederholen, man braucht uns nicht als vergleichbares Ausweichziel wenn woanders die Sonderangebote knapp werden, oder wenn eine Fluggesellschaft gerade mal wieder Kapazitäten frei hat. - Nächsten Winter lassen wir die Taube aus dem Häuschen und gucken uns den Spatzen auf dem Dach an, Billig und "All- Inklusive" Tourismus, darauf dürfen wir uns jetzt ein Jahr lang freuen?



Dienstag 14.11.06 19:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 24 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 51 % Luftdruck 1019 hPa
Höchsttemperatur heute 26,5 Grad - niedrigste Temperatur 18,7 Grad

Wanderkonsulat

Passt auch noch ein bisschen zu der Nachricht von heute Morgen. Ein Wanderkonsulat betreut nicht etwa den Alpenverein und stellt auch keine Gipfelbücher aus, hier auf La Palma bekommen die immigrierten Venezolaner am Freitag administrative Unterstützung aus ihrem Heimatland. Von 09:00 bis 18:00 Uhr empfängt man in der Casa Principal de Salazar,in Santa Cruz de La Palma Bürger seines Landes, die irgendwelche Ratschläge brauchen oder ein offenes bürokratisches Anliegen haben, um sich direkt vom Konsulatspersonal beraten zu lassen. Es ist nicht das erste Mal, dass solch ein Angebot an die hiesigen Venezolaner geht und man möchte das auch gerne öfter wiederholen. - Allerdings scheint mir ein Tag im Abstand von vielleicht einem Jahr doch ein etwas lockerer Zeitraum zu sein, aber es kann halt nicht jeder so bequem hier auf der Insel leben wie wir Deutsche. Wir sind zwar zahlenmäßig auf La Palma inzwischen hinter den Venezolanern angesiedelt, haben aber ein eigenes, wenn auch nur Honorarkonsulat, müssen aber wegen irgendwelcher Papiere nicht mehr bis Gran Canaria fliegen, wo sich das "echte" deutsche Konsulat befindet. - Ob es irgendwann mal eine permanente Vertretung Venezuelas auf La Palma geben wird, das steht in den vielen Sternen auf deren Staatsflagge, mag doch der jetzige Präsident Venezuelas, Hugo Chavez es überhaupt nicht, dass so viele seiner Landsleute eigentlich vor ihm weggelaufen sind. - Vielleicht wären ihm die Leute ja noch egal, aber es gab einen großen Geldexodus nachdem Chavez an die Macht gekommen ist und mehr als einer fürchtete um sein Geld und brachte es ins Ausland. - Eben auch nach La Palma, wo viele auch ihre Wurzeln oder Familie haben und große Teile der Gastronomie sind heute hier in der Hand von Venezolanern, da wurde kräftig investiert.



Dienstag 14.11.06 08:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 19 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 58 % Luftdruck 1019 hPa

Wellen, Frontex und Statistik

Ganz still ist es geworden um die vielen Immigranten aus Westafrika, man kann keinen Wahlkampf mehr damit betreiben und auch für die Presse sind die paar halbverhungerten Senegalesen die noch an unsere Küsten gespült werden kein Wort mehr Wert. - Gründe für den sukzessiven Rückgang der ankommenden Cayucos und Pateras darf man wohl eher in einem Zusammenspiel mehrerer Faktoren sehen und auch, weil selbst Flüchtlinge und Sklaven eine Saison haben. - Da liegt der erste der mannigfaltigen Gründe, der Atlantik gibt sich im Winter noch mal deutlich robuster und auch die Kälte macht die fast wochenlange Überfahrt aus dem Senegal so gefährlich, dass es wohl kaum noch jemand wagt, oder aus Sicht der Schlepper, dass die Fracht sich nicht mehr lohnt, es gibt zu viel "Schwund". Darüber hinaus haben die über 30.000 Schwarzafrikaner welche in diesem Jahr bereits über die Kanaren nach Spanien gekommen sind, den "Markt" derart gesättigt, dass man einfach keine weiteren billigen Arbeitskräfte benötigt. Es lohnt sich also nicht mehr noch mehr Leute nach Spanien zu schleusen. Auch haben sich die Abschiebungen in die Heimatländer drastisch erhöht und das muss sich rumgesprochen haben, wer all sein Hab und Gut in den westafrikanischen Ländern verkauft um eine zweifelhafte Chance in Europa zu erhalten, der hat ganz offene Ohren für die, welche aus dem gelobten Land wieder zurückgeflogen wurden. Last but not least schwirren vor den Küsten von Marokko bis hinab nach Guinea Schiffe und Flugzeuge der Frontex herum, der europäischen Grenzpolizei, die immer auch mal wieder mit Erfolgsmeldungen an die Presse gehen. Welcher Anteil am starken Rückgang der Flüchtlingswelle auf die Kanaren auf Kosten der Frontex geht, das lässt sich nur ahnen. Den Haupterfolg darf man sicherlich bei den Repatriierungen suchen, für die meisten der Schwarzafrikaner ist der Europatrip zu einer Rundreise geworden, allerdings einer sehr gefährlichen und teuren.

Nun noch die Statistik und auch die wäscht die aufgeblähte Fremdenangst in den Gully der Gutsherrenpolitik, wir haben wohl ein Einwanderungsproblem, aber das kommt bei weitem nicht aus Afrika.- Nimmt man die ausländischen Arbeitnehmer auf den Kanaren, (natürlich nur die legal gemeldeten) dann liegt der Anteil inzwischen bei immer noch moderaten 17%. Davon sind allerdings die Hälfte Einwanderer aus Südamerika, fast 30% aus Europa und der Maghreb steuert 9% dazu bei, der Rest verteilt ich auf echte Exoten und die Schwarzafrikaner erhalten nicht mal eine eigene Rubrik sondern laufen unter "andere Länder". - Nun wird es wieder eng für die Popularproletpropheten, die auf dem Rücken der Schwarzafrikaner, sicher gepaart mit einer sehr liberalen Einwanderungspolitik, plumpen Wahlkampf betrieben haben mit Aussagen a la: Wer hat Angst vorm schwarzen Mann. - Sollten da nicht schnell wieder tausende an Flüchtlingen an unsere Küsten kommen, dann läuft diese Kampagne deftig ins Leere und irgendwie tut mir das gar nicht leid. - Jetzt muss man im Wahlkampf zurück zu Tagesthemen rudern und das fällt angesichts der groben Töne die man aus Angst vor Überfremdung bereits angeschlagen hatte durchaus schwer. - Mal sehen ob man bis Mai 2007 noch weitere wohlfeile Randgruppen rekrutieren kann, welche für die Angst vor Überfremdung herhalten können, wird aber schwer, mangels Masse und mit den Südamerikanern will sich niemand einlassen, die stellen eine gewaltig große Wählerschaft dar und achten sehr genau auf jeden Unterton in politischen Aussagen.



Montag 13.11.06 18:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 26 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 49 % Luftdruck 1022 hPa
Höchsttemperatur heute 28,8 Grad - niedrigste Temperatur 21,0 Grad

Der Hausmanninnen erster Feind

Ob ich mich so an der Chauvikasse vorbeimogeln kann? Wenn nicht, dann borge ich mir etwas von meinen Töchtern, bleibt dann zumindest in der Familie. - Unser Wetter glänzt momentan erneut mit einer, so genannten meteorologischen Instabilität, das sagen wir hier bereits, wenn wir uns mal nicht im Einfluss des Azorenhochs befinden. Das kann Regen bedeuten, aber auch südlichen Wind und damit Calima, trockene Luft aus Afrika. Was im Sommer unangenehm heiß und trocken einher kommt, das gefällt uns im Winter, auch hier gibt es reichlich Frostbeulen die bereits bei Temperaturen unter 20 Grad die langen Unterhosen entsichern. - Könnte von mir aus ewig so gehen, geht es natürlich nicht und dieses Mal wird in den kommenden Tagen unsere trockene und warme Luft nach Mitteleuropa weiter geleitet und damit auch nach Deutschland. - Denken Sie daran, wenn Sie am Donnerstag im Biergarten sitzen, das kommt von uns, sei Ihnen aber herzlich gegönnt.

Für uns bedeutet dann der Abschied vom Calima eine Rückkehr zum Nordostpassat, der sich ganz traditionell mit starkem Wind wieder einstellen wird. Damit wird es wieder sonniger, aber nachts empfindlich kälter, die Schiesser Tausendsassa lang und grau liegen bereits entsichert im Kleiderschrank, alle Temperaturen unter 20 Grad Celsius sind sonst von manchen Frostbeulen einfach nicht zu ertragen. Für Paul basteln die Mädels gerade Pulswärmer und einen Ganzkörperschal, ob ich davon in den nächsten Tagen ein Photo machen darf, das weiß ich noch nicht. - Im Wetterwechsel, der wird wohl Mittwoch zu Donnerstag stattfinden kann es sogar regnen, wenn der Südwind über West auf Nordost dreht, dann sind wir für kurze Zeit nach West hin ungedeckt. Ganz sicher ist es noch nicht, aber ein perfides Tief könnte wohl diesen schwachen Punkt ausnutzen und bis zu uns vordringen. - Nun zur Überschrift. Bei Calima gibt es ab und zu mal ein ärgerliches Phänomen, ganz dicke Regentropfen, meist nur wenige sausen durch die staubigen Luftschichten auf uns herab. Die machen zwar nicht nass, verwandeln weiße Laken und Oberhemden aber in postmoderne Batikwäsche, der Staub aus der Atmosphäre klebt an diesen Kullertropfen und macht so manche stolze Reinweißwäsche zum erneuten Pflegefall. - Ein ungnädiges Raunen geht dann durch die Nachbarschaft und selten sieht man hunderte von fleißigen Frauen so schnell zu Wäsche eilen und gleichzeitig noch einen saftigen Fluch in Richtung Firmament ausstoßen. - Es regnet Erde sagt man dann hier, geht ganz schnell wieder vorbei, hinterlässt aber einen bleibenden Eindruck.



Montag 13.11.06 07:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 21 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 45 % Luftdruck 1021 hPa

Die Legenden der Insel als touristische Attraktivität

Reich ist diese kleine Gesellschaft an Legenden und Sagen, nicht immer alles erklären zu können oder zu müssen hat auch den Vorteil, dass die Phantasie des Betrachters auch ohne Gofio angeregt wird. - In letzter Zeit versucht man ja sogar ganz neue und moderne Legenden zu schaffen, da ist zum Beispiel die Sage von der lebensrettenden Autobahn und den, für ein Weltbiosphärenreservat unabdingbaren Golfplätzen, die zusätzlich noch Wasser in Wein und arbeitslose Landbevölkerung in Global Player verwandelt. - Allerdings zweifle ich an der Nachhaltigkeit dieser Legenden, da ist schon spannender was sich in den letzten hunderten von Jahren angesammelt hat. - Ganz richtig ist man sich der touristischen Bedeutung dieser Legenden klar geworden und hat auch brav ein Faltblättchen in spanisch, deutsch und der hier überall gesprochenen Sprache englisch gedruckt… Viel mehr ist aber nicht passiert und der interessierte Besucher wird noch ziemlich alleine gelassen mit der Legende und schließlich will er ja dann auch an den Schauplatz des wohligen Schauers, denn Legenden auf La Palma haben immer auch einen tragischen Kern.

Das liegt aber auch daran, dass die Sagenhotspots oft schlecht erreichbar sind, oder auf einem Privatgrundstück und der Eigentümer lieber ein Zweifamilienhaus hätte als eine legendenschwangere Ruine und es ist gar nicht so leicht, bis schlicht unmöglich, solches Privateigentum gegen den Willen des Eigentümers für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Ich kann meine Begeisterung aber für einen Legendenwanderweg nicht so richtig bremsen, wenn man da richtig rangeht und das eben mit einem kleinen Rundweg von vielleicht einer Stunde und ausführlichen Erklärungen für die spirituellen Vorfälle in grauer Vorzeit gibt, das wäre sicherlich eine nette Attraktion für ein Publikum welches sich an Landschaft und lokaler Gesellschaft und Kultur interessiert. - Also für unser Publikum. - Genau da weitermachen liebe Inselregierung und nicht immer auf einem Viertelweg stehen bleiben. Da kann man locker das Geld dafür ausgeben welches man sonst auf, für La Palma absolut unnötigen Tourismusmessen wie FITUR und World Travel Market ausgibt dafür einsetzen, es geht nicht nur darum irgend ein neues Publikum auf diese Insel zu locken, sondern auch darum für die Vielzahl unserer erztreuen Besucher auch mal ein neues Leckerli zu schaffen.



Sonntag 12.11.06 18:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 23 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 61 % Luftdruck 1021 hPa
Höchsttemperatur heute 23,8 Grad - niedrigste Temperatur 19,8 Grad

Die ewige Frage, wie viel Wasser hat diese Insel?

Auch die neuesten Studien geben darauf keine endgültige Antwort, es bleibt ein Spiel mit vielen Unbekannten, dem Inselinneren so viel Wasser zu entnehmen wie man denn braucht. - Das meiste Gieß- oder Trinkwasser kommt bei uns aus den hohen Lagen der Berge, nur ein kleiner Teil wird aus Regenwasser gewonnen und noch kleiner ist der Anteil an Wasser, welches sich in Kavernen und Höhlen in den unteren Regionen sammelt. Natürlich findet eine Interaktion der Wasseradern auf La Palma mit den Niederschlägen statt, so und mit Hilfe des ständig Feuchtigkeit spendenden Passats und dem Schmelzwasser aus dem Winter hofft man, dass im besten Fall die Wasseradern die man fleißig angebohrt hat, auch nie versiegen werden. Zum Teil klappt das ganz gut, man misst dabei das Alter des Wassers und kann so feststellen, hier wurde auf natürliche Art wieder nachgefüllt und hier oder dort nicht. - Die schlimmste aller Vorstellungen, die Berge wären eine Tages leer gelaufen, die will man sich gar nicht erst vergegenwärtigen, das würde das Ende aller grünen Pracht auf La Palma bedeuten.

Immerhin schickt man Wissenschaftler aus, die diesen Fragen nachgehen sollen, aber die Antworten sind auch nicht wirklich konkret, zu kompliziert scheint das unterirdische Wassersystem dieser Insel zu sein. - Gerade der "Túnel de Trasvase", von Ost nach West durch den Berg getrieben um ursprünglich überschüssiges Wasser von der Ostseite auf die Westseite zu bringen ist wieder einmal Schauplatz einer umfangreichen Untersuchung geworden, aber mit einem Fragezeichen als Ergebnis. - Beim Bau dieses Tunnels vor mehreren Jahren kam den Erbauern so viel Wasser entgegen, dass man auf ein Durchleiten des Wassers von Ost nach West verzichtete und sich lieber direkt aus diesem geschenkten Quell bereichert. Obwohl man den Hahn schon gewaltig zugedreht hat, die Quelle würde noch mehr hergeben, entnimmt man auf beiden Seiten des Tunnels immerhin fast eine Million Liter pro Stunde im Sommer. Dieses Wasser deckt den größten Teil der Bewässerung über den Sommer hinweg und hat die letzten Jahre dazu geführt, dass man über Wasserknappheit nicht mehr nachgedacht hat. - Nun aber kommt vorsichtiger Pessimismus seitens der Hydrologen, es könnte sein, dass diese Wasserpracht ein Haltbarkeitsdatum hat und eines Tages ganz einfach versiegt. - Das Wasser welches man nun aus dem Tunnel untersucht hat ist nämlich deutlich älter als 50 Jahre und man konnte keine Spuren feststellen, dass es sich mit frischem Wasser vermischt hätte und damit kann man zu der Auffassung kommen, dass diese Wasserblase nicht, oder nur ganz langsam wieder von der Oberfläche nachgefüllt wird. - Allerdings mussten die Wissenschaftler zugeben, dass es da einen Widerspruch gibt, eigentlich zeige Wasser welches älter als 50 Jahre ist, deutliche Anzeichen von Versalzung und das was da aus dem Tunnel strömt ist aber Wasser von allerhöchster Qualität. - Man weiß es halt nicht, da im Inneren unserer Insel gibt es noch jede Menge Geheimnisse und das sollte uns auf jeden Fall wieder zur Vorsicht gereichen lassen. - Wen Gott liebt, dem schenkt er Wasser und ein Leben auf La Palma. Stammt nicht von mir der Spruch, unterschreibe ich aber voll und ganz.



Sonntag 12.11.06 08:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 20 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 53 % Luftdruck 1020 hPa

Vorbildliches Verhalten

Wie weit weg von jeglicher Realität und Ethik manche Politiker auf dieser Welt sind, das zeigt uns ein ganz frisches Beispiel aus Gran Canaria. - Das könnte aber auch hier auf La Palma geschehen oder in Regensburg genau so wie in Appenzell. - Nur trifft es dieses Mal wieder meinen, fast schon persönlichen Freund José Manuel Soria, Chef der Partido Popular der Kanaren und gleichzeitig Inselpräsident Gran Canarias. - In Telde, auch auf Gran Canaria, hatte man nach Monaten der Nachforschungen einen handfesten Korruptionsskandal aufgedeckt, der Bürgermeister und fünf weitere Stadträte, allesamt Partido Popular, mussten vor dem Richter antreten und wurden nur gegen Kaution wieder auf freien Fuß gelassen und warten nun auf ihren Prozess. - Man hatte eine übliche Einnahmequelle angezapft, gegen Bares gab es schneller oder gar sonst unmögliche Baugenehmigungen oder Neuklassifizierungen von Baugelände und die gesamte Riege der Partido Popular hat da wohl kräftig mitgemischt. - Das ist oft schwer nachzuweisen, untersucht wird viel, aber man kann ja keinerlei Mithilfe von den "Zahlenden" erwarten, die hätten sonst einerseits ihr Geld in den Sand gesetzt und wäre obendrein auch noch vor den Kadi gezerrt. - In manchen Gemeinden, da fällt einem zunächst Marbella ein, ging das sogar noch weiter, da wollte man dann auch noch von der bauausführenden Firma Prozente haben, sonst geht der Auftrag an einen anderen Anbieter. - Der Skandal konnte nur durch den Selbstmord eines Bauunternehmers aufgeklärt werden, der sich aus Verzweiflung das Leben nahm, weil durch die andauernd notwendigen Bestechungsgelder seine Firma so auch ruiniert war. - Der hatte einen denkwürdigen Abschiedsbrief hinterlassen.

Dagegen sind die Vorgänge in Telde fast noch ein Kavaliersdelikt und genau so muss das der große Vorsitzende José Manuel Soria gesehen haben, denn er lobt die 6 Parteimitglieder aus Telde, sie hätten ein gutes Beispiel dafür abgegeben, wie man sich in einem solchen Fall verhält. - Das muss man ganz langsam zwischen zwei Tassen Kaffee genießen, dem geht es nicht um Korruption, die scheint als natürliches Recht verankert zu sein, sondern um den aufrechten Abgang der Erwischten und der Partei bloß keine Schande machen und gleich freiwillig austreten. - Ob José Manuel Soria da noch mitbekommt, was er eigentlich gesagt hat, das weiß ich nicht, viel wichtiger wäre es auf jeden Fall, dass die Wähler das noch mitbekommen und solchen Leuten einfach kein öffentliches Mandat mehr erteilen. - Die Staatsanwaltschaft und die Polizei fühlen sich nun bestätigt und ließen verlauten, dass in drei weiteren Kanarischen Gemeinden auch bereits überaus erfolgreich ermittelt wird, da werden wohl so einige weitere Lokalpolitiker die nächsten Wählen nicht mehr als Kandidaten erleben, sondern als Delinquenten. - Auf La Palma wird nicht ermittelt heißt es, noch nicht.



Samstag 11.11.06 19:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 23 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 65 % Luftdruck 1018 hPa
Höchsttemperatur heute 25,5 Grad - niedrigste Temperatur 16,0 Grad

Geschäftsidee?

La Palma eingeklemmt zwischen kaum rentablem Bananenanbau und touristischen Plänen die einfach so unrealistisch sind, dass deutlich mehr Schaden als Nutzen zu erwarten ist. - Wer diese Lokalkolumne häufiger liest, der weiß ja, dass dieses Thema häufiger behandelt wird, nun soll aber mal die, sicher berechtigte Kritik auch ein paar Vorschlägen weichen. - Abgesehen davon, dass hier auf La Palma niemand hungert und das fehlende wirtschaftliche Wachstum sicher nicht beruhigend ist, diese Insel hat bei weitem größere Depressionen mitgemacht und wir können uns eigentlich ruhig Zeit lassen unsere Zukunft zu schmieden, glauben Sie mir, es gibt Schlimmeres, als heute und hier auf La Palma leben zu müssen…- Was kann man aber noch machen, ohne die soziale Struktur und knappen Ressourcen dieser Insel unwiederbringlich anzutasten, denn eines ist immer klar, wir müssen auch irgend etwas tun, als lebendiges Museum wird uns keiner bezahlen wollen.

In den nächsten Wochen werde ich viele Themen dazu anschneiden, losgelöst vor irgend- welchen Reihenfolgen oder Nummerierungen, das, was in Gesprächen mit Freunden oder einfach nur als möglicher Beitrag für La Palmas Zukunft angedacht werden darf. - Leben und Sterben unter Palmen, da habe ich öfter schon mal daran gedacht, warum man hier auf La Palma nicht Hospize betreibt, die anderen Menschen einen Lebensabend mit Sonnenuntergang ermöglicht, ich könnte mir deutlich schlimmere Plätze ausdenken für die letzte Zeit und die letzte Vorstellung. - Das wäre kein großer Verbrauch an Landschaft, man könnte auch bestehende bauliche Infrastruktur dazu benutzen und würde einer Vielzahl an Kräften einen Arbeitsplatz bieten, denn da liegt ja auch noch unser Vorteil, dass wir noch billiger sind was Handarbeit angeht als Mitteleuropa. In diesem Sektor wird viel Geld verdient und man muss sich nur die Alterspyramide ansehen, um dort eher Wachstum zu erkennen als in den quietschfidelen Generationen, die noch Fortschritt stemmen müssen. - La Palma bietet allemal, bei weitem nicht nur landschaftlich, ein angemessenes und würdevolles Ambiente für eine sehr anspruchsvolle Zeit, wir konnten immer schon besser mit Menschen als mit Maschinen und das wäre dann wohl gefragt. - Kein Allheilmittel, vielleicht nur ein kleines Puzzleteilchen um die Zukunft La Palmas aus dem Schwarz-weiß Denken zu entlassen, denn diese Insel hat mehr verdient.



Samstag 11.11.06 08:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 16 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 59 % Luftdruck 1016 hPa

Gofio is coming home

Das ist das Schlimme an der deutschen Sprache, schreibt man, der Fußball kommt nachhause, dann guckt jeder ganz bedröppelt, wie denn ein Ball nachhause gehen kann. Football is coming home versteht jeder Deutsche sofort, so mögen Sie bitte meinen Anglizismus verzeihen. - Es ist inzwischen unbestritten, dass die Ureinwohner dieser Inseln aus Nordafrika kamen, allerhöchst wahrscheinlich Berberstämme aus dem Gebiet des heutigen Libyens, man ist sich nur noch nicht sicher, ob die "Berebere" denn mit den Phoeniziern, oder tausend Jahre später mit den Römern auf diese Inseln gekommen sind. Mit solchen Peanuts wollen wir uns nicht aufhalten, es geht um das Grundnahrungsmittel dieser Einwanderer, das Gofio. - Zunächst ist Gofio nichts anderes als geröstetes und später gemahlenes Getreide welches nicht gebacken verzehrt wird, sondern als Pulver. Man geht davon aus, dass die Berber das Backen von Brot einfach nicht kannten und so das Getreide nur geröstet und damit fast roh zu sich nahmen. Um welches Getreide es sich dabei handelt, das spielt keine hervorragende Rolle, man kann es aus allen Sorten bereiten, hier sind Gofio aus Weizen und Mais am häufigsten vertreten.

Das Gofio hat sich auf den Kanaren besser gehalten als die Ureinwohner, in vielen Familien sind ganze Generationen mit Brei und Breichen aus Gofio aufgewachsen, anstatt in den Babynahrungstopf von Bruder Nestlé zu greifen, mal aus Tradition, mal aus dem einfachen Grund dass es nicht mal ein Drittel von dem kostet, was man für Babybrei aus der Retorte verlangt. Noch ist das Gofio nicht aus unserem Tagesspeiseplan weg zu denken, allerdings geht seit Jahren der Verbrauch, zumindest hier auf La Palma zurück, für viele junge Leute ist Gofio doch mit dem Makel des Gestrigen behaftet. Da lautet das scheinbar selbstlose Motto dann eher, Gofio für die Welt und Hamburger für mich. - Aus dem stagnierenden Umsatz macht eine der größten palmerischen Gofiomühlen (Molinos El Guanche in Los Llanos) nun eine Tugend und bietet seit Jahren das sättigende Pulver im Senegal für wenig Geld an, als preiswerte Alternative für Babynahrung und komplette Sättigungsbeilage. - Der Preis liegt mit einem Euro für das Kilo auf dem gleichen Niveau wie hier vor Ort, immer noch teuer für nigerianische Verhältnisse, aber wer mal eine Tasse Milch mit Gofio getrunken hat, der weiß wie satt das macht und darum geht in vielen Teilen der Welt erst mal grundsätzlich. - An die 600 Tonnen werden bislang jedes Jahr im Senegal verkauft, mit steigender Tendenz, allerdings nicht unter dem Namen Gofio, dort nennt man es "Force", im Senegal spricht man französisch und schon erkennt man den Versuch des Nomen est Omen". - Ähnliches witzelt man hier, schwächelt einer und bekommt den Stein nicht angehoben oder die Schubkarre nicht vom Fleck, dann wird es angeraunt: "Hast du kein Gofio zum Frühstück gegessen?"



Freitag 10.11.06 19:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 23 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 70 % Luftdruck 1015 hPa

Wie der Herr, so´s Gescherr

Da muss man natürlich vorher fragen, wer ist hier eigentlich der Herr. - Für wen von uns, Paul und meiner einer denn nun eine Pattsituation schmeichelhafter ist, das müssen wir hier nicht diskutieren, ich will einfach mal so viel sagen, es gibt noch Chancen für beide von uns. - Allerdings sind Ähnlichkeiten zwischen Paul und mir nicht mehr zu leugnen und ich bin Realist genug da nicht auf Äußerlichkeiten kommen zu wollen, der Kerl sieht in seiner jugendlichen Pracht natürlich deutlich frischer aus als ich und außerdem steht mir Fell nicht so und bei ihm sehen selbst Designerklamotten geradezu lächerlich aus. - Das haben wir also abgehandelt, die Ähnlichkeiten beziehen sich eher auf die Wahrnehmung unserer Umwelt und auf Begegnungen der vierten bis siebten Art, also mit anderem Tier und Gemensch.

Hoppla, jetzt komm ich, das ist die einfachste Beschreibung unserer unendlichen Bescheidenheit, bei uns weiß man immer nicht wer neben wem sitzt, selbst unsere drei weiblichen Gespielinnen kommen bei den wirklichen Feinheiten immer wieder ins Schleudern. - So ist es zum Beispiel ein großer Unterschied wenn ausgerufen wird: "Guck mal, Papa sitzt neben Paul", oder es humanorientiert richtig heißen muss: "Guck mal, Paul sitzt neben Papa". - Nein, ich bin nicht Detail versessen, ich beobachte nur und poche mindestens auf Gleichberechtigung und je mehr Eigenschaften, seien es nun positive oder anders herausragende Kongruenzen zwischen Kater und mir, umso genauer muss man da mal ein Äugelchen drauf werfen. - Was ich sicherlich vergessen kann sind so was wie väterliche Avancen meinerseits gegenüber dem arroganten Stück Hauskatze, er hört mir zwar zu wenn ich ihm was zu erzählen habe, aber ob er aus meinem weisen Erfahrungsschatz auch im späteren Leben mal was nutzen kann, das bezweifle ich inzwischen öfter als er selbst. - Es wird also wohl nichts aus der, klammheimlich gewünschten Vorbildfunktion, dass der Kater manchmal zu mir aufblickt hat ganz alleine mit der unterschiedlichen Höhe zu tun auf der wir unser tägliches Leben bewirtschaften, nicht mal mit Größe. - Paul hat sich längst andere Vorbilder gesucht, findet er nach langem Studium der Fernsehzeitung keine ansprechenden Großkatzen Dokumentationen dann wird über das Medium "Frau" (größte anzunehmende Schwachstelle im Disziplindschungel) schnell eine DVD von Herrn Amazon geordert, der hält reichlich davon parat. - Ein Löwe möchte er gerne sein, solch ein stolzes Vorbild hat der wackere Langschläfer sich ausgesucht und alle Hinweise, dass unsere traute Zweisamkeit dann doch bissigen Schaden nehmen könnte verschläft der Gute einfach. - Dabei wollte ich ihm neulich schon flüstern, so ganz im Vertrauen und ich bin mir sicher, auch Sie können dicht halten, mein Vorbild ist seit geraumer Zeit bereits der Paul, weil der hat es einfach drauf.


Ich wollt ich wär ein Huhn, ich hätt nicht viel zu tun...



Freitag 10.11.06 07:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 17 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 79 % Luftdruck 1016 hPa

Ein Palmero im Guinness Buch der Rekorde

Man könnte meinen es handle sich dabei um unseren Inselpräsidenten und die Disziplin nennt sich, wer hat mehr Präsidentenämter in öffentlichen Korporationen inne als er. - Darum geht es nicht, sondern um eine ganz handfeste Geschichte, ein Palmero hat die größte weiße Süßkartoffel der Welt geerntet. Da tut es auch keinen Abbruch der Freude, dass die "boniato blanco" nicht auf La Palma gewachsen ist, sondern in seiner neuen Wahlheimat Lanzarote, genauer gesagt in Güime in der Gemeinde San Bartolomé. 37 Kilo wog das feiste Gemüse, allerdings war das schon im Jahr 2004, aber so lange dauerte es, bis man seitens der Bierbrauer den Monstertuberkel als rekordwürdig einstufte. Der alte Rekord soll bei 22 Kilo gelegen haben und in Australien gewachsen sein, keine Herausforderung für Manolo, so heißt der ursprünglich aus Garafía stammende Hobbylandwirt.

Manolo ist auf La Palma ein ziemlich bekannter Mann, zumindest bei den etwas älteren Semestern, hatte er doch bis ins Jahr 1984 den grünen Kiosk in der Einfahrt nach Puerto de Naos und musste dann aber der neuen Zeit weichen, ein Parkplatz war wohl wichtiger als DAS Fischrestaurant auf der Westseite La Palmas. Er ging danach nach Lanzarote, dort war mehr los in der Gastronomie und das wir heute, über den Umweg Monsterknolle und Guinnessbuch wieder von Manolo hören ist eine der vielen kleinen Anekdoten, die solch eine kleine Gesellschaft immer wieder für uns bereithält. - Vielleicht ist ja wirklich etwas dran an dem Spruch, dass ein Palmero der was werden will erst mal von der Insel runter muss, andererseits weiß ich es ganz gewiss, dass viele von denen, die einfach hier bleiben, der Sinn nach Rekorden und Höherem gar nicht eigen ist. - Vielleicht sollte man für solche Fälle mal das Tropical Buch der Glückseligkeit verfassen oder das Paulaner Buch der stillen Freude und sicher würde sich niemand eintragen, es gilt hier als unhöflich anderen auf die Nase zu binden, wie gut es einem geht.



Donnerstag 09.11.06 19:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 22 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 65 % Luftdruck 1017 hPa
Höchsttemperatur heute 24,0 Grad - niedrigste Temperatur 17,6 Grad

Am laufenden Meter

Unsere Familie ist natürlich völlig frei von jeglichem vorweihnachtlichen Konsumwahn. Uns kann dieses ganze Gedönse nichts anhaben, kein Christkindlmarkt der uns zum Glühweinverzehr zwingt und wer bei uns zu Hause Weihnachtslieder trällert, den strafen viele böse Blicke. - Nicht, dass wir ein durch und durch atheistischer Haushalt wären, meine Familienmitglieder glauben an mich, aber 6 Wochen vor dem eigentlichen Fest schütten unsere Santa Claus Drüsen einfach noch keine Jingle Bell Pheromone aus. - Nun kommt es aber immer zu dieser Jahreszeit zu einem gedrängten Besuchsprogramm vieler Stammgäste, - da gibt es Tage, da wird unsere Arbeit ganz einfach, die finden alle ihre Ferienhäuser selbst und wir räumen gegen Abend lediglich die willkommenen Deputate aus der Autovermietung nach Hause ins zunehmend nach Zimt und Coriander riechende Heim.

Dabei sind wir alles andere als Diaspora und Weihnachten kann man hervorragend ohne Dominosteine, Stollen, Zimtsterne, Printen, Lebkuchen und Dominasteine (iss mich auf!) feiern, aber irgendwie muss es eine deutsche Veranlagung geben, dieses kulinarische und weihnachtliche Kulturgut möglichst breit über die Welt zu streuen. - Da kommt noch ein Faktor hinzu, ich liebe dieses würzige Gebäck und lediglich die Dominasteine verursachen bei mir Gastritis, ansonsten wäre alleine diese Art Süßes ein bisschen herzhafter zu machen Grund genug dafür solch ein Fest zu erfinden. - Asche auf meinen Mohrenkopf, früher habe ich kaum mal in dieses christliche Begleitgebäck gebissen, es war halt seit September immer und überall, durch laute und schreiende Musik übermalt angeboten, aber in der palmerischen Stille und bei Sonnenuntergang mundet so ein Lebkuchen doppelt und dreifach gut und man kann mit Zimt und Zucker behaupten, es handle sich dabei um eine Rarität. - Ich muss ja nicht gleich zugeben, dass unsere Küche eher einem weihnachtlichen Lager für Jahresendgebäck gleicht, aber es handelt sich dabei ausschließlich um so genannte Bückware, die so im Alltag hier nicht frei handelbar ist. - Meine Freunde haben das inzwischen auch schon mitbekommen, auch die lieben diese würzige Art Süßigkeiten in den menschlichen Stoffwechsel zu überführen und man erhält in diesen Tage häufig ziemlich fadenscheinigen Besuch zimtgeiler Urpalmeros, die komischerweise immer gleich in die Küche stürzen und kulturelles Interesse gegenüber den diversen Leckereien heucheln. - Das ist kein Problem, alles was wir doppelt haben das geht in das Weihnachtsgebäckhilfswerk "baking for the world" oder "Hirschhornsalz ohne Grenzen" und so wird aus dem maßlosen Überfluss an weihnachtlicher Backware doch noch eine selige Geschichte von Geben und Nehmen. - So muss das ja auch wohl alles mal gemeint gewesen sein und ich komme dann um Neujahr wieder zu meinem Recht, da baumelt in jeder anständigen palmerischen Familie ein Serrano von der Decke und nach so viel Süßigkeiten kann ein kräftiges Stück Schinken nur Labsal sein.


Schwere Lasten, nicht zum Fasten



Donnerstag 09.11.06 07:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 18 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 71 % Luftdruck 1017 hPa

Hotelgäste sind keine Einwohner

Fuencaliente ist auch für palmerische Verhältnisse ein eher kleiner Ort, nicht mal 2.000 Einwohner hinterlassen bei den öffentliche Institutionen nicht besonders viel Druck. - Das hat man auch bei der Wasserkrise des Ortes gesehen, anstatt mit Gerätschaften und Personal anzurücken um die Trinkwasserversorgung so schnell wie möglich wieder herzustellen, haben sich Gesundheitsamt und das Wasserkonsortium auf Kritik und Polemik beschränkt. - Da darf die Frage gestellt werden, wie das bei einem ähnlichen Vorfall gehandhabt würde, falls man der Hauptstadt für 14 Tage das Trinkwasser komplett abdreht. - Nun müssen die Menschen aus Fuencaliente erneut erfahren wie klein ihre gemütliche und schöne Gemeinde im Süden der Insel ist, vielfach hat man bereits gefordert endlich mehr als ein Minigesundheitszentrum zu haben, bislang kann man dort von Montagmittag bis Freitagmittag seine Beschwerden aufgeben und anzeigen, ein Arzt und eine Helferin kümmern sich dann um das Notwendigste. Abends und am Wochenende müssen die Fuencalenteros nach Mazo fahren um ärztliche Hilfe zu erhalten.

Da hat auch der Hinweis nicht geholfen, man hätte doch nun mit dem großen Hotel im Sommer fast eine Verdopplung der Einwohnerzahlen hinbekommen, da gibt es eine dicke und klare Abfuhr vom Gesundheitsdienst, Gäste sind keine Einwohner und das Hotel muss seinen eigenen ärztlichen Dienst anbieten der wohl auch vorhanden ist. - Ansonsten gibt es für die nur knapp über eintausend Versicherten bei der Seguridad Social und deren Mitversicherten im Ort kein Anrecht auf mehr ärztliches Personal oder gar ein Centro de Salud welches 24 Stunden geöffnet hat. - Nach Mazo sind es an die 20 Minuten, das erscheint dem Gesundheitsamt auch zumutbar zu sein, aber man will den Wunsch unterstützen für beide Gemeinden, Fuencaliente und Mazo die Anschaffung eines eigenen Rettungswagens voranzutreiben, mehr könne man nicht für die Menschen aus Fuencaliente tun.



Mittwoch 08.11.06 17:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 21 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 59 % Luftdruck 1017 hPa
Höchsttemperatur heute 23,1 Grad - niedrigste Temperatur 18,2 Grad

Die virtuellen Wähler

Mehr Wahlberechtigte als Einwohner zu haben, das ist für die Gemeinden eigentlich ein Kunststück, aber auch nicht unmöglich. - Das geht in gewissen Maßen durch eine legale Einrichtung, wer ins Ausland abwandert und dort kein kommunales Wahlrecht erhält, der hat auch weiterhin seine Stimme in der Gemeinde in der er bis zuletzt gewohnt hat. Das allerdings muss beantragt werden und wird im Censo de Españoles Residentes Ausentes (CERA) festgehalten. Da stecken, je nach Gemeinde 10 - 15% der Wählerstimmen dahinter und lassen jede Menge an Spekulationen offen, ob denn mit diesen Stimmberechtigungen und Wahlzetteln alles so in Ordnung geht. - Allerdings handelt es sich dabei um ein Gesetz und auch wenn man Schweinereien dahinter vermutet, da ist nichts zu machen, außer man ändert das Gesetz. - Darüber hinaus gibt es aber auch noch eine etwa gleich große Anzahl an Wahlberechtigten, die einfach nicht zu finden sind und wahrscheinlich in irgend einem andern Dorf oder Stadt in Spanien leben oder in der EU und sich nie ordentlich abgemeldet haben.

Die Reinhaltung der Wählerlisten obliegt der Gemeinde selbst und da genau haken nun die Sozialisten ein, in vielen Gemeinden scheint man diese Geisterwähler gar nicht aus dem "Censo Electoral" entfernen zu wollen, die Gemeinden tun einfach nichts. - Nun wenden sich die Sozialisten aus Puntallana an das nationale statistische Institut und an die Hauptstelle für Wahlunterlagen in Tenerife und bitten diese Institutionen um Hilfe, man möchte doch bitte die nicht in der Gemeinde wohnenden Menschen aus den Wählerlisten streichen. Immerhin handelt es sich dabei um knapp über 200 Personen, und damit 10% der Wahlberechtigten dieser Gemeinde. Das wird aber nicht so einfach werden, man müsste die Lokalpolizei zu allen angegebenen Adressen schicken und die müssten dann melden, dass Pepe, José und Angustia unbekannt verzogen sind und dann kann das die Gemeinde wieder zurück an das Wahlbüro senden. - Da darf man aber skeptisch sein, es ist nicht das erste Mal, dass dieser Missstand reklamiert wird und die Lokalpolizei die tut das, was der Bürgermeister ihnen sagt. Und wenn der nicht will, dann tut der auch nichts. - Dabei darf ich unsere ausländischen Mitbürger hier auf La Palma noch mal darauf hinweisen, dass wir hier wohl das kommunale Wahlrecht haben und dieses auch ausüben sollten. Wer bislang noch nicht seinen Faltbrief der "Oficina del Censo Electoral" bekommen hat, der sollte mal in seiner Gemeinde vorsprechen, ob man ihn in den Wählerlisten vergessen hat.



Mittwoch 08.11.06 07:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 18 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 82 % Luftdruck 1015 hPa

Terrorismus und süßer Wein

Wie baut man das jetzt wieder zusammen. - Ganz einfach, die neuen Bestimmungen im Flugreiseverkehr welche nun seit ein paar Tagen europaweit gelten, machen es dem Gast unmöglich seine edlen Tropfen im Handgepäck behütet zu transportieren und so verzichten viele Besucher auf die Mitnahme eines süßen und weinigen Souvenirs. - Gerade jetzt findet auf La Palma der dritte kanarenweite Malvasía-Kongress statt, fröhliche und wissende Önologen treffen sich jedes Jahr irgendwo auf den Kanaren um dem Malvasía zu huldigen, dem schweren und einzigartigen Wein der Inseln. - Dieses Jahr trifft man sich im Parador in Breña Alta und wird sich durch fast alle kommerziell angebotenen Süßweine des Archipels trinken und weil das Ganze dieses Jahr auf La Palma stattfindet kommt man gut erzogen nicht umher, die Tropfen dieser Insel besonders zu loben.

Im Süden der Insel und in Mazo, dort baut man seit Bacchus Gedenken diesen, meist als Dessertwein getrunkenen goldgelben Tropfen an. - Allerdings werden die Kenner nicht müde zu erklären, dass ein Malvasía auch eine komplette Mahlzeit begleiten kann, ich hätte aber ernste Probleme mit diesem alkoholreichen Tropfen ein Abendessen ohne Schaden zu überstehen. - Es gibt auch trocken ausgebauten Malvasía, das ist aber eher eine önologische Rarität, eigentlich kennt man diesen Wein süß und voll und vielleicht gerade noch mit einer Trockenbeerenauslese zu vergleichen. - Der Malvasía ist ein berühmter Wein, gerade in der Geschichte wird oft davon berichtet wie englische und flämische Seefahrer sich tonnenweise diesen Wein auf die Schiffe geladen haben, um ihn mit hohem Gewinn dann in der Heimat weiter zu verkaufen. - Die Qualität stimmt, das hört man von den Experten, aber süßer Dessertwein ist nicht gerade auf der "In Spur" der kulinarischen Mode und nun bricht auch noch der Handgepäcktransportumsatz weg, keine schöne Situation für ein traditionelles Produkt dieser und der anderen Kanareninseln. - So beschwört man besseres Marketing ohne ein Beispiel zu nennen, wie das denn aussehen könnte. - Einen Ansatz könnte man ja mal in der Gastronomie machen und anstatt irgendwelcher dubiosen Schnäpse als Digestiv ein wohlfeiles Glas Malvasía reichen und den Gästen auch noch erklären, worum es sich dabei handelt. - Warum Malvasía eigentlich immer im Handgepäck reist, ganz einfach, so ein Fläschchen kostet locker über 20 Euro und das will man dann doch sicher nach Wanne Eickel bringen.



Dienstag 07.11.06 19:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 22 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 72 % Luftdruck 1016 hPa
Höchsttemperatur heute 24,7 Grad - niedrigste Temperatur 19,7 Grad

La Palma und seine PGOs

Vielleicht wage ich mich ein bisschen weit aus dem Fenster, aber als hardcore Lokalpatriot der größten Gemeinde La Palmas, nämlich El Paso, sehe ich mit gewissem Stolz eine breite Bürgerbewegung entstehen, die sich kritisch und aufmerksam mit den Zukunftsplänen dieser Insel befasst. - Ja, es geschah in El Paso, mit dem Aufbegehren gegen den lokalen Flächennutzungsplan, in dem erstmalig auf La Palma die Ostwest Autobahn, wenn auch nur als Landreserve auftauchte. - Dieser, von der satten Nomenklatura als ungezogenes Aufbegehren einer öko Minderheit betitelte Protest, hat in dem nun halben Jahr seines Bestehens bereits an vielen Grundwerten der alten Kumpelstrukturen in der Politik gerüttelt. - Die zeitnahe Drohung der Kommunalwahlen im Mai 2007 sorgt für weiteren Druck und man wird sich seitens der Politik wohl damit anfreunden müssen, dass von nun ab immer argwöhnische Augen vieler Bürger einem ruhigen und abgestandenen Politikerleben auf dieser Insel ihre demokratische Würze verleihen. - Die Frechheit, dass Bürger wissen wollen was die Politik mit unserer Zukunft vor hat ist in El Paso geboren und hat sich nun wie ein Bakterium über die gesamte Insel gefressen.

Kein einziger PGO (Plan General de Ordenación) dieser Insel geht nun ungeschoren in die nächste Runde, wie neu das ist kann man an den hilflosen Versuchen in Breña Alta und Fuencaliente verfolgen, da versuchte man die Pläne der Bevölkerung durch fadenscheinigste Erklärung unzugänglich zu machen, was nicht nur extrem hilflos erscheint, sondern ein echtes strafrechtlich relevantes Verhalten darstellt. - In Fuencaliente hat man schnell und pragmatisch klein beigegeben und den Aushang und somit die Einspruchsfrist um einen Monat verlängert. - Ich bleibe bei meiner kecken Aussage, wäre im Flächennutzungsplan El Pasos nicht die Landreserve für die Autobahn aufgetaucht und damit sofort heftigen Widerstand hervorgebracht, die meisten unserer Zukunftspapiere, seien sie nun lokal oder regional, wären ohne Aufhebens und Einsicht und Antwort der Bürger einfach im Tagesgeschehen abgenickt worden. - Ob man nun, mit Bürgerbeteiligung und breiter Öffentlichkeit bessere Pläne schmieden kann, das muss man nun dahingestellt lassen, aber ich bezweifle es einfach mal, dass man noch schlechtere und schädlichere Pläne für diese fragile Insel aufwerfen kann. - In Tazacorte hat man nicht nur Probleme mit aufmüpfigen Bürgern, dort droht auch noch der Großinvestor "Inversiones Cock S.L." mit gewaltigem Ärger, er zerrt nun den vorläufigen PGO von die Gerichte, nachdem ihm anfänglich Baugrundstücke zugesagt wurden, die dann plötzlich nicht mehr als bebaubar im Plan auftauchten. - Ich kann nicht beurteilen, ob die Zusagen die seitens der Gemeinde an den Investor gemacht wurden "Bodega-Charakter" hatten, also zwischen "Amigos" beschlossen wurden, aber die Gemeinde hat wohl nach anfänglicher Euphorie über die enormen Summen die man über Puerto de Tazacorte ausschütten wollte doch nasse Füße bekommen. Der Investor ist nicht sonderlich "amused" über das Hin und Her, seine Pläne sehen eine sehr robusten Ausbau der Hafenumgebung vor und er gibt sich kämpferisch, seine Pläne auch zu verfechten. - Es gibt einen neuen Sachbuch Bestseller, "Die Angst der Gemeinde vorm PGO"



Dienstag 07.11.06 - 07:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 20 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 77 % Luftdruck 1017 hPa

4 Jahre Weltbiosphärenreservat La Palma

1983 erklärte die UNESCO die ersten 515 Hektar palmerischen Boden zum Weltbiosphärenreservat, die Gegend um Los Tilos mit dem Lorbeerwald. 2002 war es dann so weit, dass die UNESCO die gesamte Insel La Palma zu diesem außerordentlichen Schutzgebiet erklärte, Auszeichnung und Aufgabe gleichermaßen, man muss nun auch die Arbeit machen und nicht nur das Lob einstecken. - Großer Bahnhof in der Hauptstadt gestern, der Inselpräsident hatte illustre Gäste eingeladen um diesen vierten Geburtstag gebührend zu feiern. Die Erhaltung der Biodiversität, eine ökonomische Entwicklung welche die soziale Nachhaltigkeit fördert und die Erhaltung der Traditionen und kulturellen Werte des Inselterritoriums. - So klassifiziert unser Inselpräsident José Luis Perestelo die Aufgaben des Weltbiosphärenreservates, er ist übrigens in Personalunion auch gleichzeitig noch Präsident des Konsortiums des Weltbiosphärenreservates, da kann doch eigentlich gar nichts schief gehen.

Für La Palma ist diese Auszeichnung natürlich ein Werbegeschenk erster Güteklasse und bislang hat man sich sehr darauf versteift, einige Produkte dieser Insel mit einem Gütesiegel des Reservates zu versehen, vielleicht weniger zur Erhaltung der Tradition als zur Förderung des Absatzes. - Das ist nicht schlimm, man kann ruhig damit werben mit dem was man hat, allerdings ist die damit verknüpfte Aufgabe und Arbeitsstellung welche solch eine Auszeichnung mit sich bringt immer noch ziemlich im Hintergrund versteckt.- Die Projekte, welche bislang unter dem Thema Weltbiosphärenreservat gelaufen sind haben alle einen lobenswerten Charakter und man darf dabei den Direktor des Konsortiums Antonio San Blas nicht vergessen, welcher der unermüdliche Arbeiter hinter dem breiten und gern repräsentierenden Inselchef Perestelo ist. - Allerdings vermisse ich eine klare Prämisse und vielleicht auch ein Regelwerk, was denn die vornehmlichen Ziele einer solchen Weltbiosphäre sind was man denn mit solch einem wunderbaren und schützenswerten Stückchen Erde machen kann und darf. - Die UNESCO selbst gibt wohl nur Ratschläge und Tipps, weiter will man sich nicht in die inneren Angelegenheiten der Biosphärenreservatsgeschäfte mischen und ob ein Kontrollgremium seitens der UNO gibt, ob denn die Reservate auch ordentlich gepflegt werden, das weiß ich nicht. - Manchmal denke ich mir ja, fürchte es sogar, da kommen mal irgendwann ein paar hohe Damen und Herren der UNESCO und entdecken unsere Zukunftspläne, die so gar nicht was mit Biosphärenreservat sondern eher mit Investitionsreservat gemeinsam haben. - Vielleicht werde ich aber auch wieder mal köstlich überrascht und einer der vielen Golfplätze erhält auch noch eine UNESCO Auszeichnung zum besonderen Schutz einer krassen Minderheit, den Golfspielern. - Noch eine kleine Stilblüte nachgeliefert, stammt von ganz oben, aus dem Munde unseres Präsidenten der Kanarischen Provinzregierung Adán Martín: "El desarrollo sostenible y el medio ambiente son compatibles" - Die nachhaltige Entwicklung und die Umwelt sind kompatibel. - Nach Diktat weiter regiert.


Weltbiosphärenreservatssiegel



Montag 06.11.06 19:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 23 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 82 % Luftdruck 1015 hPa
Höchsttemperatur heute 25,4 Grad - niedrigste Temperatur 19,8 Grad

Just in time

Zauberwort in einem, bis auf die Minute ausgereizten Produktionsablauf, kein Lager, die Dinge dann und dort wo man sie braucht, so liebt es die moderne Industrie und alle Räder rollen für den Fortschritt. - Das kann gut so sein, aber wenn man ein Inselchen ist und nicht einfach dahin rudern kann wo man hin will, dann gibt es da gewissen Faktoren, die eine Einbindung in diese wundersame Kette der Produktion verhindern. - Die grandiose Idee, genannt "Eje traninsular der Canarias" (kanarische interninsulare Achse), gedankliches Kind unserer jetzigen Provinzregierung sieht vor, dass alle Häfen und Flughäfen auf den einzelnen Inseln mit einer Autobahn verbunden werden, so kann man im Warenaustausch innerhalb der Kanaren einen völlig neuen Rhythmus einschlagen und sich so auf die Anforderungen der schneller kommenden Globalisierung einstellen. - Letztendlich ist unsere, fast bereits in der Polemik des Alltags verschollenen Autobahn auch ein Teil dieser "Kanarischen Lebensachse", doppelt und dreifach ad absurdum geführt, weil unsere Autobahn sogar zu einem Hafen führt von dem kein Schiff aus fährt (Puerto de Tazacorte) und wir eigentlich nichts auf diesem Verkehrsweg zu transportieren haben, was anderswo just in time benötigt wird.

Erst kommt die Autobahn und dann der Fortschritt, wie tief kann man eigentlich intellektuell sinken, um solche Phrasen einem Volk zu präsentieren, welches lesen, arbeiten und schreiben kann. - Die Außenstelle der Handelskammer Tenerife hier auf La Palma beklagt sich nun über die Verspätungen im Fährverkehr, sei es interinsular, aber auch die neue Verbindung von La Palma direkt aufs spanische Festland hat zum Teil Verspätungen von bis zu zehn Stunden. So kann das nichts werden mit der "Eje transinsular de Canarias", wenn nicht alle Rädchen ineinander greifen und jeder Teil der Gesamtaufgabe funktioniert. - Da hat man halt einfach die Rechnung ohne Poseidon gemacht, Wind und Wellen, Wetter und andere atmosphärische Eigenheiten unserer Insellage wollen einfach nicht immer just in time funktionieren. Was nutzt es dem Transporteur wenn er seine Waren, eigentlich nur Bananen zehn Minuten früher im Hafen hat, das Schiff aber erst morgen fährt weil der Seegang zu rau ist, die Besatzung streikt oder der Kahn ganz einfach mal kaputt ist und so seinen Teil des Ganzen nicht pünktlich bedienen kann. - Das gilt für den Flugverkehr genau so, wenn der stramme Wind es will, dann stehen alle Boeings still und schon wird aus just in time ein fröhliches Schau mer mal. - Wir sind eine kleine und manchmal wilde Insel im Atlantik und kein berechenbarer Produktionsstandort, die Bananen sind aber immer noch rechtzeitig zum Biegen aufs Festland gekommen und das müssen auch die Planer unserer Zukunft wissen, es bringt auf einer Insel nichts, schneller von A nach B zu kommen, wenn nach B Schluss ist. -



Montag 06.11.06 07:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 20 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 59 % Luftdruck 1015 hPa

Palmen zählen

Man kann es eigentlich nicht oft genug sagen, der Name dieser Insel ist San Miguel de La Palma und hat erst mal grundsätzlich nichts damit zu tun, dass sich hier besonders viele Palmen befinden. Das, heute fast ausschließlich gebräuchliche "La Palma", kommt als Zusatz zu dem San Miguel und weist auf den Mitursprung der ersten spanischen Besiedler dieser Insel hin, hohe Herren aus Palma de Mallorca. - Hätte schlimmer kommen können, was wäre wenn die ersten Siedler aus Krk gewesen wären oder aus Bielefeld. - Aber natürlich klingt das auch nach Palmen satt und die Vorstellung eines Kanarenreisenden wird erst komplett mit dem Blick auf sich im Wind wiegende Palmenhaine. Ursprünglich kommen die Palmen auch gar nicht von den Kanaren, bei unserer "Phoenix canariensis" handelt es sich um eine endemisierte Dattelpalme aus Nordafrika, die sich im Laufe der Zeit derart an unsere Klima und Bodenverhältnisse angepasst hat, dass sich eine eigenständige Spezies entwickelt hat. - Sie wächst nicht so schnell und wird auch nicht so groß wie ihre nordafrikanischen Vorfahren und bringt nicht mal süße Datteln hervor sondern nur bittere kleine Gnubbel, aber es ist unsere Palme und hat den Vorteil extrem robust zu sein und so gut wie überhaupt keine Ansprüche an Bodenbeschaffenheit zu stellen.

In den letzten Jahrzehnten importierte man wieder verstärkt nordafrikanische Palmen, um eine schnelle Bepflanzung ehemals wüstenartiger Landschaften zu garantieren war halt die nordafrikanische Palme plötzlich wieder gut. - Auf den Inseln Fuerteventura und Gran Canaria hat man abertausende von diesen Exemplaren gepflanzt, ein schneller touristisch stimmiges Umfeld sollte so geschaffen werden, was man sich damit aber einhandelte, das hat man, trotz besseren Wissens aber nicht beachtet. - Der rote Palmrüssler, ein tödlicher Schädling für alle Palmen, nicht nur für Dattelpalmen ist so auch auf die Inseln gekommen und nun ist man arg in Bedrängnis geraten diesen ungewollten Immigranten wieder los zu werden. Bislang gelten El Hierro und La Palma als nicht betroffen von diesem beeindruckenden Käfer dessen Larven das Palmherz auffressen, aber manch ein vorsichtiger Zeitgenosse ist sich da nicht so sicher, ob der Rüssler nicht längst auch bei uns fleißig rüsselt und dringend bekämpft werden muss. - Unser Vorteil wäre vielleicht, dass wir nur in bestimmten Lagen richtige Palmenhaine haben in denen eine wirkliche Gefahr besteht das alle Exemplare den Rüsseltod sterben, der Schädling ist nicht besonders gut zu Flügel und allein stehende Palmen mitten in der Pampa sind für den dicken Käfer nicht erreichbar. - Jetzt will man erst mal den Bestand an Palmen auf La Palma feststellen und dann daran gehen ob sich denn der perfide Schädling bei uns auch schon heimisch gemacht hat, sollten Ihnen also in den nächsten Wochen Menschen begegnen die scheinbar sinnlos in der Landschaft vor sich herbrabbeln, bitte nicht stören, es sind die Palmenzähler und wenn die aus dem Rhythmus gebracht werden, dann müssen die wieder ganz von vorne anfangen. - Eins, zwei, drei…



Sonntag 05.11.06 17:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 22 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 83 % Luftdruck 1014 hPa
Höchsttemperatur heute 24,2 Grad - niedrigste Temperatur 16,8 Grad

Kein Platz am Flughafen

Der Winterflugplan bringt immer wieder neuen Wind in unsere Branche, andere Ankunftszeiten mischen unseren Alltag auf und dass wir nun auch wieder Sonntags ran müssen, das gehört halt zu einem Job der dafür da ist, anderen einen angenehmen Urlaub zu bereiteten. - Wir sind ja froh, dass die Fluggesellschaften La Palma wieder ins Visier genommen haben, wenn kein Flugzeug mehr zu uns kommt, dann haben wir zwar Sonntag alle frei, aber auch kein Geld mehr in der Tasche. - Allerdings sind ja fast alle Charterflugverbindungen aus Deutschland nach La Palma inzwischen "Mogelpackungen", wir haben kaum noch einen Flieger für uns ganz alleine, aus betriebswirtschaftlichen Gründen bedienen die meisten Flieger auch noch eine andere Kanareninsel und sind so in der Lage eine Auslastung zu schaffen die es lohnt auch unser kleines Eiland mit so dringend benötigten Gästen zu versorgen. - Da muss man ganz bescheiden sein, angesichts der Gästezahlen auf La Palma lässt sich wohl kein Carrier mehr auf das Risiko ein, eine Maschine komplett für La Palma auf die Reise zu schicken und irgendwie müssen ja die 29 Euro Geilgeiztickets auch wieder reingeholt werden.

Manch einen Statistiker und Kopfjäger der Tourismusbehörde bringen diese äußerst flexiblen Flugpläne aber an den Rande der Verzweiflung, es ist nicht mehr abzusehen, wie viele Plätze in den Maschinen überhaupt noch nach La Palma vorgesehen sind und alleine Flugnummern zu zählen auch das bringt Ungemach. Die sicher vernünftige Zusammenarbeit zwischen Air Berlin und der Hapag Fly führt dazu, dass auf dem Papier heute Vormittag 6 Charter aus Deutschland bei uns gelandet sind. Physisch waren es dann nur 3 Flugzeuge, jedes aber mit 2 Flugnummern ausgestattet und schon herrscht echtes Gedränge in der Statistik. - Noch bis vor einem Jahr sind sogar unsere Tourismusexperten der Inselregierung auf diesen Schabernack reingefallen und haben mit den enormen Flugbewegungen geprahlt, so leicht sind die heute aber auch nicht mehr auf den Laufsteg der Dusseligkeiten zu schicken, das Geschäft mit virtuellen Flügen und Gästen war sehr kurzatmig. - Aber auch drei Flugzeuge können uns schon aus der Reserve locken, eine der drei Charter musste erst über La Palma kreisen um dann wegen knapper werdenden Sprits lieber erst Tenerife anfliegen. - Was war passiert, die anderen beiden Hapagfly, zwei Binter und eine Islas Airways standen da noch auf den Parkpositionen und so gab es schlicht und ergreifend keinen Platz für eine dritte Chartermaschine auf dem Vorfeld. - Das wird ja besser, in vielleicht 3 Jahren wenn der Flughafenumbau abgeschlossen sein wird, dann können viel mehr Maschinen bei uns parken, auch wenn damit nicht mehr Passagiere zu uns kommen. - Jetzt kommt noch eine Air Berlin/Hapagfly aus Stuttgart und noch ein bisschen später die Condor aus Frankfurt, dann haben wir unseren ersten Winterflugsonntag erfolgreich abgeschlossen und planen den nächsten Familienausflug am Wochenende für den Mai 2007.





Sonntag 05.11.06 08:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 18 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 78 % Luftdruck 1016 hPa

Es fährt ein Zug nach nirgendwo

Da lohnt es sich doch glatt nicht mehr Aprilscherze zu verfassen, hat sich doch tatsächlich eine Firma gefunden, welche von Los Barros aus eine Zugstrecke bis nach Dos Aguas legen will. - Da muss man erst mal ein bisschen durchatmen, aber am Sonntag hat man ja Zeit dafür. - Auf einer, wohl fast nicht besuchten Veranstaltung in der Casa de la Cultura El Paso stellte eine Firma unter dem Namen "Aridane´s Valley S.L." ihr eigenwilliges Projekt vor, welches man mit 15 Millionen Euro realisieren will. - Man kann ja die positiven Punkte hervorheben, es wird wirklich nicht mehr nötig sein die Beine zu bewegen um in den hochheiligen Nationalpark zu gelangen und ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass wäre ein grandioses Panaroma welches man vom Zug aus durch die Caldera aufnehmen könnte. In 20 Minuten wäre man dann bequem vom Parkplatz oberhalb Los Llanos mitten im Nationalpark und könnte sich dort bei Dos Aguas mit Erbsensuppe gestärkt noch bis zum Farbenwasserfall weiterschleppen um dort Beweisphotos für die Daheimgebliebenen schießen zu lassen.

Der Investor gibt auch an, man könnte die Bahnstrecke meist auf dem Wasserkanal bauen und so wäre der Eingriff in die Landschaft minimal und endlich könnte man auch dem schlechtbefußten Publikum das Naturwunder Caldera de Taburiente ganz nah bringen. - Das ist sicherlich richtig, wer nicht halbwegs gut zu Fuß ist, dem bleibt der Nationalpark bislang eher versperrt, es sei denn er lässt sich von den Transfertaxen oder Bussen nach Los Brecitos bringen und dann wieder zurück. - Nun haben wir aber im Lauf der Jahrtausende gelernt, dass man nicht alles machen muss was technisch möglich ist und es die Erfindung der Nationalparks eher zum Schutz vor uns Menschen gibt und nicht als primäre touristische Attraktion. Je mehr Menschen dort in den innersten Schutzzirkel kommen, um so größer wird die Belastung und bislang gibt es eine natürliche Besucherregulierung, wer nicht fit ist und sich einen sieben Stunden Marsch an die Beine binden will, der genießt die Caldera von den Aussichtspunkten und lässt diesen Schutzraum darüber hinaus unberührt. Als weiteres Argument wird die Sicherheit für die Wanderer aufgeführt, mit dem Zug können sich nicht mal mehr Knöchellahme verletzen, es sei denn sie gehen von der Zugstation in der Caldera dann noch hundert Meter weiter und knicken dann um. - Von wegen der Sicherheit, da hat man eines nicht bedacht, die Hänge der Caldera sind alles anders als stabil und sicher, jedes Jahr gehen Felsbrocken ab und bei heftigem Regen bilden sich neue Erosionsrinnen, um die dann auch ein Zug nicht herum kommt. - Lassen wir doch die Caldera einfach sowie sie ist, rau, urwüchsig, geheimnisvoll, anmaßend groß und immer ein bisschen unzugänglich. Wer das erleben will, der muss sich darauf einlassen und seinen Tribut zu entrichten bereit sein, nur so erbringt man diesem absoluten Naturwunder die gebührende Ehrung entgegen und wird mit unvergesslichen Erlebnissen belohnt. - Immerhin, die Aufgabe wirkliche Aprilscherze zu liefern, ist wieder ein bisschen schwieriger geworden.



Samstag 04.11.06 19:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 23 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 75 % Luftdruck 1016 hPa
Höchsttemperatur heute 24,7 Grad - niedrigste Temperatur 18,4 Grad

Neuer Versuch die lokalen Märkte zu stärken

Seit "kurzer Zeit" wissen wir ja um die ausschweifenden Gesetze der Marktwirtschaft und haben erkannt, dass man Produkte nicht nur herstellen muss, sondern auch verkaufen soll, sonst ist der Kreislauf zwar endemisch, aber eigentlich nur für die endemische Tonne. - Diese, einfachste Regel der Marktwirtschaft überhaupt, stellt allerdings für die meisten von uns kleine Produzenten und Dienstleister eine kaum zu überwindende Hürde dar, es mangelt den lokalen Herstellern an Präsentations und Verkaufsflächen. Man muss die guten Dinge unserer Erde tatsächlich suchen und wer sich hier nicht auskennt, der kann nur aus dem Hochglanzpotpourri in Supermarktregalen die schwere Wahl treffen, Kartoffeln aus Israel oder England, Äpfel aus Kalifornien oder Neuseeland und Fleisch aus Argentinien oder dem Kastilischen Hochland.

In der Tat habe ich oft Gäste, die würde ja gerne hiesige Produkte kaufen, wenn sie denn nur an diese auch herankämen, aber außer den beiden Märkten in Puntagorda oder Mazo ist es für nicht spanisch sprechende Menschen fast unmöglich der Dominanz der Supermärkte zu entgehen. Nun macht ein Vertriebssystem der palmerischen Fleischerzeuger einen erneuten Anlauf, um sich besser zu positionieren. Auf dem Markt in Mazo, bereits ab Donnerstag will man in Art der Direktvermarktung einen Verkaufsstand betreiben und in Todoque (Hauptstraße Nummer 451) ist man die gesamte Woche mit seinen Koteletts und Kaninchen präsent, sogar am Sonntagvormittag. SAT Ganaderías de La Palma nennt sich dieser Zusammenschluss der palmerischen Viehzüchter und die bieten nicht nur Schwein und Rind in abstrakten Verzehreinheiten an, sondern auch Kaninchen, Lamm, Ziege und Huhn. - Jetzt muss man nur noch hingehen, denen etwas abkaufen und wenn man mit der Qualität zufrieden war, dann kann doch richtig was daraus werden.



Samstag 04.11.06 09:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 19 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 83 % Luftdruck 1014 hPa

Schreck lass nach, die Kiefer schwächelt

Der Baum der Bäume, der wohl älteste Vertreter seiner Art auf den Kanarischen Inseln zeigt sich verschnupft. - Wir reden natürlich von der "Pino de La Virgen", die der "Virgen de El Pino" Namen und Wunder und somit erst Berechtigung verschaffen hat. - Die Kanarische Kiefer an welcher man die kleine Wallfahrtskirche errichtet hat wird auf sage und schreibe 800 Jahre biblischen Alters geschätzt und das stammt nicht aus der Feder phantasievoller Lokalpatrioten, sondern wurde 1996 von Forstwirten ermittelt und dann glauben wir das einfach mal, hat doch dieser Baum bei uns sowieso viel mit Glaube und Frömmigkeit zu tun, steht aber an ganz bestimmten Tagen im Jahr auch als Sinnbild für Ausschweifung, daraus entwickeln sich die wilden Bergfeste oberhalb der Kapelle und warum so viele Mädchen im Ort den Frauennamen "Pino" tragen, das wollen wir jetzt nicht in einer Feld, Wald und Wiesenstudie klären.

Was beunruhigt uns aber denn nun, noch steht die Kanarische Kiefer aufrecht und stolz da, bereits die nächsten 800 Jahre in Angriff zu nehmen. Guckt man aber ganz genau hin, dann muss man feststellen, dass der Baum im Laufe des Sommers einiges an Nadelmasse verloren hat und nicht, wie sonst bei Kiefern üblich, sofort durch neues Grün ersetzt hat. Dafür kann es viele Erklärungen geben, auch Schädlinge, aber man ist noch weit davon entfernt eine echte Diagnose zu wagen. Neben einer ganz normalen Schwankung im Wachstumsrhythmus versucht man die klimatologischen Bedingungen der letzten Jahrzehnte aufzudröseln, stellt aber auch die Frage, ob die vielen Arbeiten rund um die Kiefer und den Platz an der Kapelle ursächlich für die Malaise des riesigen Baumes sein könnten. - Wäre es nicht unser Wappenbaum und innerstes Emblem El Pasos, würde man die Schwächeanzeichen sicher ignorieren, gilt doch die Kanarische Kiefer als extrem robust und so gar nicht verpimpelt, aber die "Pino de La Virgen" ist etwas ganz besonderes und wenn die Schnupfen hat, dann hängt nicht nur im Rathaus der Haussegen schief. Was gibt es nicht alles für Geschichten was passieren soll, wenn der mächtige Baum mal fällt oder nicht mehr sein wird. - Da sind Sodom und Gomorra liebliche Begleiterscheinungen in einem Szenario, welches gut und gerne für ein dutzend Hollywood Filme herhalten könnte. Für die Leute aus El Paso stellt sich die Frage nach dem Abrutschen der Cumbre Vieja überhaupt nicht, einmal ist die woanders und somit nicht unser Problem, aber wenn unsere Pinie Schlagseite bekommt, dann sollten wir uns echte Sorgen machen. - Nun muss die Jungfrau der Kiefer Sonderschichten beten, wozu hat man denn extra eine Schutzheilige direkt neben den Baum gestellt. - Allerdings glaube ich nicht an ein wirkliches Problem unseres Monumentalbaumes, sondern eher an ein alle drei Jahre wiederkehrendes Zipperlein, verknüpft mit dem hohen Fest an welchem sich abertausende von Pilgern und Zechern rund um den Baum einfinden um der Jungfrau und dem Baum selbst zu huldigen. Wo viel getrunken wird, da bleibt auch viel an Flüssigkeit zurück und das mag die Kiefer einfach nicht und schüttelt sich jetzt mal ein halbes Jahr lang vor Grausen. - Keine wissenschaftlich fundierte These, aber irgendwo müssen doch die ganzen weiterverarbeiteten geistigen und geistlichen Getränke hin.


Die Pino de La Virgen



Freitag 03.11.06 18:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 22 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 81 % Luftdruck 1011 hPa
Höchsttemperatur heute 24,4 Grad - niedrigste Temperatur 17,1 Grad

Da ist er wieder

Eine Woche reicht, aber dicke. So schön kann kein Krankenhaus sein, dass man gerne länger als notwendig in den heilenden Hallen verweilt. - Und ich lebe noch, kein Krebs, keine Schwindsucht, aber die weißen Herren und Damen haben so andere kleine und halbgroße Midlifezipperlein gefunden, ganz ungeschoren kommt keiner davon. - Was ich alles nicht über mich wusste und was alles in welchem Zusammenhang stehen kann und immer wieder dieses breite und wissende Grinsen der Ärzte, die mir dann prächtig die Leviten gelesen haben. - Auch interessant war, wo überall hin man Schläuche und Apparaturen in mehr oder weniger bekannte Körperöffnung einführen kann, einfach enorm, was dann dabei wieder rauskommt. - Alle nur erdenklichen Untersuchungen hat man in diesen 6 Tagen geschafft, eine Einzige steht noch aus, das geht dann aber ambulant über die Bühne.

Ich war ja auch ganz gespannt auf das neue Inselkrankenhaus und muss, bis auf einen, aber himmelschreiendes Sakrileg, eigentlich nur Bestnoten verteilen, auch wenn es so etwas wie einen "Guide Aspirín" nicht gibt, vielleicht noch nicht. - Fangen wir gleich mit dem Schrecklichen an. - Der "Kaffee", den gab es morgens um 09:00 und um Mitternacht (kein Witz), bestand aus einer Tasse lauwarmer Milch neben der ein Beutel entkoffeinierter Kaffee lag und als Umrührwerkzeug gab es einen Suppenlöffel, mit dem man vorsichtig versuchte, den lauwarmen braunen Brei nicht gleichförmig über das Bett zu verbreiten. - Rettung gibt es in einem nahen Kaffeeautomaten, allerdings auch ohne Löffel, aber immerhin mit Koffein und einem Rührstäbchen welches später wohl für die Stuhlproben verwendet wurde. - Aber das war auch schon der einzige wirkliche Klopper, außer meinem Zimmernachbarn, der aggressives Schnarchen in Bestform einstudiert hatte. - Das überaus freundliche Personal hat es sich wohl zur Aufgabe gemacht, dieses Schmuckstück an Krankenhaus auch als solches zu erhalten. Mir ist selten ein homogeneres Kollektiv aufgefallen, als diese Mischung aus Ärzten, technischem Personal, Krankenschwestern und Reinigungskolonnen, die argwöhnisch und konsequent darauf geachtet haben, dass ja kein Rädchen dort aus dem Ruder läuft. - Als Patient muss man sich dem unterordnen, Widerstand ist zwecklos, aber es dient tatsächlich dem Gelingen der gestellten Aufgabe, kranke Menschen wieder auf die Gerade zu hiefen.

In spanischen Krankenhäusern ist die Tür des Zimmers auf den Gang immer offen und man legt mehr Wert auf Kontakt als auf Ruhe, so wimmelt es auch ab Mittag bis in die späten Abendstunden von Besuchern, das gehört hier mindestens zum guten Ton, wohl aber eher schon zu einer der Traditionen. Liegt einer der "Seinen" im Krankenhaus, dann wird dieser auch überschwänglich häufig besucht. - Ich mochte das anfänglich gar nicht, denn dieser Frage-Antwortkomplex :Wie geht es dir? - Weiß ich nicht. Was fehlt dir eigentlich? - Weiß ich nicht, dient schlecht als fundierte Grundlage für weiterführende Gespräche. - Außerdem muss man dafür das Buch aus der Hand legen und das tut bei mancher Literatur einfach weh. - Noch eine Besonderheit ist auffällig, jeder, nicht nur Kinder haben das Recht einen "acompañante" mit zu bringen, eine Person welche dem Patienten während der Aufenthaltszeit im Krankenhaus zur Seite steht und liegt. Dafür hat jedes Bett noch einen Lehnstuhl mit Fußablage neben sich stehen und nachts um drei auf den Gängen und am "Raucherbalkon" trifft man dann diese unausgeschlafenen Begleiter an und sinniert gemeinsam streng sinnfrei.

Das Essen war wirklich gut, man muss halt jeden Bissen lang wissen, dass man nicht in der Abuela sitzt, sondern in einem Institut welches um das körperliche Wohl bemüht ist. - Der Mitternachtstermin im Kaffee und Keksen hat mit anfänglich verwirrt, aber wenn man weiß, dass es dann vor neun Uhr morgens kein weiteres Häppchen mehr gibt, dann greift man auch zu dieser frühen Stunde in den krümelnden Kekstopf. - Das Krankenhaus war anfänglich etwas über die Hälfte belegt, nun als ich auch ging, war jedes zweite Zimmer völlig verwaist und die anderen waren nur noch mit einer Person belegt. Nimmt man dazu die wirklich gute Aussicht, von Santa Cruz bis nach Los Cancajos und das nächtliche Lichtspiel Tenerifes, dann kann man von der üblichen Auslastung touristischer Anlagen auf La Palma ausgehen. - Auf jeden Fall ist das neue Inselkrankenhaus die Einrichtung mit dem besten Blick, die Buchungsbestimmungen sind aber doch rigoros an Krankheitsbilder geknüpft. - Ich möchte mich auf diesem Weg noch bei den enorm vielen Schreibern bedanken, die uns aus diesem Anlass eine Nachricht gesandt haben, das hat sehr gut getan und ist weiterer Ansporn. - Ein anderes dickes Lob geht an unsere Freunde und Bekannte hier vor Ort, von allen Seiten hagelte es sofort nicht nur dahingehaucht Hilfsangebote, in solchen Momenten zeigt diese Gesellschaft ihre wahre Größe, das gibt unheimlichen Rückhalt und mir die Genugtuung, meine Frau in einer der arbeitsreichsten Wochen des Jahres nicht "im Stich" gelassen zu haben. - Weiter geht es, die gleichen Aufgaben warten, aber der Hebel muss neu ausgerichtet werden, mit solch feinen Leuten wie hier, wird das sicher auch gelingen.





Familie Ingrid & Mathias Siebold
Calle el Torreón 5/7
E-38750 El Paso
La Palma, Islas Canarias, Spanien
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Kanarische Ferienhäuser auf La Palma