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Nachrichtenarchiv Mai 2005


Dienstag 31.05.05 - 18:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 22 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 70% Luftdruck 1021 hPa

Winterflugplan mit echten Überraschungen

Immer wieder heiß erwartet von allen die ihr Geld mit dem Urlaub anderer Menschen verdienen, sind die künftigen Arbeitszeiten und die richten sich für uns vornehmlich nach dem Flugplan. Endlich sickern die ersten Verbindungen durch, die ab November dann wieder gelten und da gibt es reichlich Überraschungen. Der Flugplan ist noch lange nicht komplett, die meisten Fluggesellschaften zögern das immer weiter raus, Flexibilität ist angesagt und das wird langfristig auch der Gast zu spüren bekommen. Die Zeiten, da man sich auf feste Uhrzeiten und Wochentage bei den Charterverbindungen verlassen konnte, sind längst vorbei.

Der Trend geht klar zum "Gabelflug", es werden dabei Drehkreuze eingerichtet und dorthin karrt man alle Reiselustigen erst einmal und dann wird aufgeteilt auf die entsprechenden Destinationen. Das ist für die Fluggesellschaften viel besser zu kalkulieren und bei den knappen Margen die im Charterverkehr noch erzielt werden, auch wirtschaftlich wohl nicht mehr anders zu machen. Die Air Berlin praktiziert das erfolgreich seit Jahren und nun greift auch die Condor großflächig auf diese Praxis zurück. Für die Gäste heißt das häufig, sie müssen eine Zwischenlandung in Deutschland in Kauf nehmen um dort die anderen La Palma Liebhaber aufzusammeln, die aus dem Rest der Republik auch dorthin geflogen wurden. Vielleicht nicht die aller bequemste Art zu reisen, aber wirtschaftlich und logistisch macht das Sinn. Auf den ersten Blick gibt es nun mehr Verbindungen von Deutschland nach La Palma, aber eben nicht mehr Flugzeuge und Sitzplätze. Ganz neues eröffnet die Condor, man kann ab November Freitags aus Frankfurt zu uns fliegen, Samstags aus München und am Sonntag noch mal aus Frankfurt. Zum provisorischen Winterflugplan geht es HIER. Die Flüge sind noch nicht über die Webseiten der Fluggesellschaften zu buchen, aber unser Partner für Flugreisen in Halle kann da helfen, die kommen bereits an Flüge heran. IA-Reisen



Dienstag 31.05.05 - 08:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 17 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 67% Luftdruck 1022 hPa

Kein Feuer mehr

Pünktlich zum Weltnichtrauchertag hat die Caldera das Qualmen sein lassen, noch vor Sonnenuntergang erklärten die Autoritäten das Feuer als kontrolliert. Es steigt kein Rauch mehr aus der Caldera auf und alles kann als kräftiger Schreck abgehandelt werden, Feuer in der Caldera ist ein Alptraum für uns. Die erste Sichtung des Feuers geschah kurz vor 15:00 Uhr und schon kurze Zeit später setzten sich die Einsatzkräfte der Feuerwehr und des Zivilschutzes in Bewegung, mussten die Löscharbeiten aber den Hubschraubern überlassen, dort wo es brannte war das Gelände viel zu steil, um vom Boden aus eingreifen zu können.

Das Feuer wütete in einem Waldstück welches sich "Lomo de las Madres" nennt, zwischen der Hacienda del Cura und Los Brecitos. Auch wenn das Feuer in der Caldera brannte, der Nationalpark selbst war nicht betroffen, dieses Gelände gehört noch nicht zur höchsten Schutzzone, es wird als "Vorpark" (pre-parque) bezeichnet. 3 Löschhubschrauber der Grupo de Intervención en Emergencia (GIE), aus La Palma, Tenerife und El Hierro flogen zahlreiche Einsätze und wurden gegen 20:30 nach erfolgreichen Löscharbeiten wieder in die Einsatzzentralen zurück beordert. Feuerwehrleute, Mitarbeiter des Zivilschutzes und Lokalpolizei blieben die ganze Nacht in der Caldera um ein eventuell erneutes Aufflammen zu verhindern. Da gestern Feiertag war und wunderbares Wetter herrschte, waren sehr viele Besucher im Nationalpark. Alle Ausflügler konnten unbeschadet den großen Krater verlassen, viele wollten gar nicht gehen und lieber das Spektakel betrachten, wurden aber dann von den Einsatzkräften aufgefordert, die Zone zu verlassen. Zwischen 4 und 6 Hektar Kiefernwald und Buschzone sind verbrannt und die Ursachen des Feuers sind noch zu klären. Seit dem verheerenden Waldbrand im Sommer 2001 hat man durch schnelles Eingreifen alle Brandherde schnell bekämpft und so eine Ausdehnung verhindert. Auch gestern klappte das hervorragend und wenn man immer etwas positives suchen will, die Generalprobe für die sommerliche Waldbrandsaison ist mit Bravour bestanden.



Montag 30.05.05 - 18:15 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 24 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 68% Luftdruck 1024 hPa

Brand in der Caldera de Taburiente

Jetzt ist klar, warum der Hubschrauber die ganze Zeit fliegt, es brennt in der Caldera und damit ist die befürchtete Waldbrandsaison noch im Mai eröffnet. Bislang haben wir keine genauen Informationen wie weit die Brandbekämpfung bereits Erfolge gezeigt hat. Es steigt weiterhin weißer Rauch aus der Caldera, aber nicht besonders viel. Sobald weitere Informationen kommen melden wir uns wieder, spätestens morgen Früh. Danke für das Photo Michael.


22:00 Uhr Das Feuer ist unter Kontrolle und Dank des Einsatzes dreier Hubschrauber, ein Koordinator und zwei mit Wassersäcken, können wir die Nacht ruhig angehen. Warum das Feuer ausgebrochen ist, das wird noch untersucht, aber es besteht keine weitere Gefahr.


30.05.05 Caldera

Montag 30.05.05 - 18:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 24 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 68% Luftdruck 1024 hPa

Der Teufel soll amtlich werden

Der Teufel als schützenswertes Kulturgut und das eingeschrieben in die offiziellen Statuten der kanarischen Inseln, das wäre doch was einmaliges und so würde man den Benedikt sofort auf die Insel locken können, zur Inquisition. Die Überschrift ist aber nur fast richtig, es muss heißen das Teufelsfest, aber jeder sagt hier nur, ich gehe zum Teufel wenn er das berühmte Teufelsfest in Tijarafe meint. Ein Teufelsfest an sich würde ja bedeuten, dass man den Satan, den Antichrist feiert und passt immer noch nicht in unsere doch eher katholisch geprägte Kulturlandschaft. Passt aber doch, weil die Geschichte, des wohl wildesten Spektakels der Insel ein religiöses Happy-End hat, der Teufel geht unter den strengen Augen der Virgen de Candelaria in Flammen auf und schon ist alles wunderbar. Dass die meisten Besucher dieses Festes aber nur kommen um den Teufel zu sehen und der eine viel größere Anziehungskraft besitzt als die Patronin de Ortes, kann nur als menschlich angesehen werden und siehe da, auch strenge Katholiken menscheln ab und zu, sonst würde sich das mit der Beichte doch auch gar nicht lohnen.

Bevor man mich jetzt exkommuniziert, ich bin tatsächlich auch Katholik, kommen wir zurück zur Geschichte. Tatsächlich soll diese Festivität als "Gut von kulturellem Interesse" (Bien de Interés Cultural) eingestuft werden und man fragt sich warum. Das Fest gibt es seit mehr als hundert Jahren und würde auch weiter ohne staatlichen Segen funktionieren, der Teufel verliert seine Anziehungskraft nie. Dahinter steckt aber ein ganz anderer Gedanke, man will damit verhindern, dass die Idee und Ausführung dieser Festivität Nachahmer auf anderen Kanareninseln oder gar auf anderen Kontinenten stattfindet. Da gab es bereits reichlich Ärger mit dem weißen Karneval in Santa Cruz, der wird seit Jahren nun auch in Gran Canaria imitiert, sehr zum Argwohn unserer strengen Kulturwächter. Warum wir nur Bananen exportieren wollen aber keine Kultur, das liegt wohl daran, dass man mit Kultur so schlecht Geld verdienen kann. Wobei ich mir ja sicher wäre, dass der Teufel ein absoluter Exportschlager wäre, oder hat da schon ein anderer ein Copyright darauf?



Montag 30.05.05 - 09:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 17 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 68% Luftdruck 1024 hPa

Día de las Canarias

Ein Feiertag für uns, mit vielen öffentlichen Auftritten von Politikern, man feiert sich selbst und seine Geschichte, Herkunft und Zukunft. Die kanarischen Inseln, politisch Europa, geographisch Afrika, geologisch Atlantik und kulturell stark südamerikanisch angehaucht ringen nicht um eine eigenständige Identität, die kommt ganz von alleine wenn man sich auf das begrenzte Territorium einer Insel begibt. Die kanarischen Inseln sind jung, das gilt sowohl für geologische Abläufe, wie auch für gesellschaftliche. Alles was es auf den Kanaren gibt, stammt ursprünglich nicht von hier, sondern hat der Wind, die Wellen und später Schiffe und dann Flugzeuge zu uns gebracht. Hier ist nichts entstanden, außer dass der Vulkan seine schwarze Fracht bis über die Meeresoberfläche gestreckt hat.

Aber alles was dieses Archipel erreicht, wird hier geformt und auf irgendeine Art und Weise verändert und damit kanarisch. Es gibt Pflanzen, die gibt es nur hier, nicht weil der Vulkan sie in seiner Lava mit ausgespuckt hätte, sondern weil die Pflanzen sich an die meteorologischen und geologischen Umstände anpassen mussten. Das gleiche gilt für die Tierwelt, das gleiche gilt auch in letzter Konsequenz für die Menschen die hier leben, auch sie sind alle Immigranten. Gerade auf La Palma spürt man das ganz besonders, abhängig von den Epochen der Armut oder des Wohlstandes, es ist ein ewiges Kommen und Gehen und formt damit aber in keiner Weise einen Widerspruch zu einer kanarischen Identität. Die Kanaren sind weiter Schmelztiegel vieler Kulturen und Herkünfte und wir leben davon, dass Einflüsse von außen uns verändern und wir im Gegenzug, allem was zu uns kommt, unsere Marke aufprägen. Das ist das Praktische an den Kanaren, wir brauchen keine Identität und Leitkultur suchen, die kommen ganz von alleine wenn man sich auf diese wundersamen schwarzen Inseln begibt und so tolerant ist, sich im Rhythmus des Passats, des Atlantik und den vielen wunderbaren Menschen treiben zu lassen.


         



Sonntag 29.05.05 - 18:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 24 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 70% Luftdruck 1021 hPa

Hoher Besuch will uns mit Honig locken

Am morgigen "Día de las Canarias", Feiertag und bis über beide Ohren geschmückt, besucht uns der Präsident der kanarischen autonomen Regierung, Adán Martín. Mit im Reisegepäck hat er noch den Landwirtschaftsrat und wenn uns der große Häuptling an so einem großen Tag besucht, dann führt der doch was im Schilde. So will ich mal mit dem inoffiziellen Grund seines Besuches beginnen. Es hat eine große Regierungsumbildung gegeben. Die ursprüngliche Koalition von den Bürgerlichen der Partido Popular mit der Coalición Canaria ist von Adán Martín aufgelöst worden, die Räte der PP wurden in die zweite Reihe gesetzt und nun regiert die Coalición Canaria in Minderheit alleine, allerdings mit stummer Duldung der Sozialisten. Nun kommt der Chef nach und nach auf alle Inseln und bespricht dort mit den Inseloberen seiner Partei, wie die zukünftige Linie auf Inselebene auszusehen hat.

Nun der offizielle Teil seines Besuches und der ist viel süßer. Er weiht die "Casa de la Miel" ein in Aguatavar in der Gemeinde Tijarafe. Dieses "Honighaus" soll allen Imkern dieser Insel offen stehen, mit allen Apparaturen zur Analyse, Gewinnung, Weiterverarbeitung und Verpackung des süßen Saftes. Besonders die kleinen Imker La Palmas werden davon am meisten profitieren, sind denen doch moderne Gerätschaften im Umgang mit dem Honig meist viel zu teuer. Der Honig aus La Palma gewinnt immer mehr Freunde und dann wird es vielen Imkern möglich sein, ihre Produkte bereits veredelt, also im ansprechenden Glas zu verkaufen und nicht als Massengut, der dann gemischt als anonymer "Blütenhonig" in den Handel kommt. Gekostet hat die Einrichtung 286.000 Euro, bezahlt hat diesen Betrag das Landwirtschaftsamt der Kanaren, die Inselregierung und auch die Gemeinde von Tijarafe hat etwas dazu beigesteuert. Betreut werden die Anlagen von der "Asociación de Apicultores Benahoritas", die haben Mitglieder auf der ganzen Insel, aber die Einrichtung steht allen Imkern offen. Dieses Jahr soll es besonders viel Honig geben, der nasse Winter hat in den Höhenlagen für enorm viel Blüten gesorgt und die Zahl der Bienenvölker hat stark zugenommen. Wir können also noch viel Süßes von La Palma erwarten.



Sonntag 29.05.05 - 09:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 18 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 72% Luftdruck 1022 hPa

So viel Natur wollten wir eigentlich gar nicht

Das Wetter ist Schuld, warm und feucht, ein paar Tropfen Regen und schon haben wieder Besuch von einer Heerschar kleiner possierlicher Tierchen, die ab und zu unsere Naturverbundenheit auf eine harte Probe stellen. Tausendfüßer, nicht Tausendfüßler habe ich mir sagen lassen (füßeln ist etwas ganz anderes) und auf keinen Fall Drahtwürmer, wie sie auch auf Deutsch häufig bezeichnet werden, bevölkern erneut unseren Lebensraum. Für Hardliner taugt auch die wissenschaftliche Bezeichnung Diplopoda julidae ommatoiulus moreletii, aber bis man das ausgesprochen hat, ist die Plage auch schon wieder vorbei. Auf La Palma heißen die Tiere einfach "Bichos negros" = schwarze Würmer und wer ein bisschen geschichtlich angehaucht ist, der nennt sie "Falangistas", angelehnt an die Franco Schergen, warum? Sie sind schwarz, treten immer in Massen auf und keiner braucht sie.

Genug der Politik, die Viecher sind nicht gefährlich, aber ein ästhetisches Problem. Die Tausendfüßer brauchen Feuchtigkeit und am liebsten verdrücken sie sich in dunkle Ecken, lichtscheues Gesindel also und nun liegt der braune Vergleich schon wieder ganz nah. Hier kollidieren nun aber die Interessen von Tier und Mensch, der Tausendfüßer ist intellektuell nicht in der Lage den Unterschied zwischen schützendem Erdreich und einem Badezimmer zu erkennen. Kommt die Sonne um die Ecke, dann heißt es Abmarsch in dunkle Zonen und das kann auch der versiegelte Wohnbereich der Gattung Homo sapiens sapiens sein. Ganz pfiffige Artgenossen dieser Humanoiden verstreuen nun Gift um sich dieser Plage zu erwehren das hilft aber nur temporär, die Tiere sind nicht an Reviere gebunden und wie der Name schon sagt, gut zu Fuß. Was kann man gegen die Tiere machen? Eigentlich gar nichts, Besen in die Hand, wegfegen und auf die Sonne warten die gerade wieder über die Cumbre Nueva krabbelt. Dann ist der Spuk so schnell vorbei wie er gekommen ist und wir können mal wieder darüber nachdenken, wie viel Natur wir wirklich wollen.


Bicho negro

Schreibtischtäter



Samstag 28.05.05 - 18:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 21 Grad, Niederschlag: 1 mm, Luftfeuchte 70% Luftdruck 1020 hPa

Die virtuelle Medizin schafft reale Probleme

Seit etwas mehr als zwei Jahren läuft in den medizinischen Stationen und dem Krankenhaus La Palmas ein in Spanien einzigartiges Pilotprojekt. Die Daten aller Patienten, Untersuchungen und Behandlungen sollen von jedem Computerterminal der Gesundheitszentren abgefragt werden können und so einen ernormen Zeitvorteil für den behandelnden Arzt geben, per Knopfdruck hat er die gesamte Historie und die Untersuchungsergebnisse der Patienten auf seinem Monitor. Hört sich erst mal nach vernünftig angewandter Technik an, unser Gesundheitssystem kann einen Beschleuniger ganz gut vertragen und wenn man Datenschützer an der kurzen Leine hält, dann sollte das doch klappen.

Die Datenschützer brauchen sich aber keine zu großen Sorgen machen, das System funktioniert nicht oder zeitweise so schleppend langsam, dass die Ärzte länger auf den virtuellen Befund warten, als die Behandlung des anwesenden Patienten. Teilweise verschwinden Daten völlig, so dass viele Mediziner schon wieder dazu übergegangen sind, neben der Eingabe am Rechner, das ganze auch noch mal mit Kugelschreiber auf Papier festzuhalten. Das Problem liegt an den knappen Netzwerkleitungen zum Server der auf Gran Canaria steht. Die private Firma, welche das System beitreibt wiegelt das als Kinderkrankheiten ab, eine Diagnose die von wahrlichem Können der IT-Experten zeugt und ich kann nur hoffen, dass unsere Ärzte sich nicht an deren Leistungsstand orientieren. Die Mediziner haben jetzt eh die Nase voll und fordern schnelle Besserung, sonst empfiehlt man den Netzstecker zu ziehen. Wäre vielleicht gar nicht verkehrt, wenn der Arzt wieder dem Patienten mehr Aufmerksamkeit schenken kann als dem Monitor und der Tastatur. Vermutlich wäre es besser das Wachkoma des Servers zu beenden, aktive Sterbehilfe für siechende Netzwerke, ist so was erlaubt?



Samstag 28.05.05 - 08:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 20 Grad, Niederschlag: 1 mm, Luftfeuchte 68% Luftdruck 1018 hPa

Letzte winterliche Attacke

Eingekeilt zwischen einem Tief über der südlichen Sahara und dem sich erneut formierenden Azorenhoch bleiben Reste eines kleinen atlantischen Tiefausläufer bei uns und sorgten für minimalen Niederschlag auf der Westseite in Form von ganz feinen Regentröpfchen. Die Regenmenge ist kaum messbar, meist verdampfen die kleinen Tropfen schon beim Auftreffen auf die Erde. Allerdings verbreitet dieser "serena" wie wir hier sagen, aber um diese Jahreszeit Unmut bei den Landwirten, wäscht er doch den mühsam aufgebrachten Schwefel von den Weinreben und ernährt mit seiner Feuchtigkeit den Wein-Schädling Nummer eins bei uns, den Mehltau. Von den Tomaten und Zucchini will ich gar nicht reden, der Wettlauf zwischen Mehltau und dem hungrigen Biohobbylandwirt ist eine ganz einseitige Geschichte. Da haben wir wieder das berühmte Bukowski-Syndrom, hätte mir der Mehltau eine Zucchini gelassen, dann wäre diese gesund gewesen. (Bukowski-Syndrom, siehe 23.09.04, ich schreibe nicht alles zweimal.)

Der Wind muss her um diese feuchten Schichten zu vertreiben und vielleicht heute Abend bereits dürfen wir auf unseren, nicht von allen geliebten Nordostpassat hoffen. Das völlige Ausbleiben der "vientos alisios" wie der Passat hier in der zahmen Form heißt, in Verbindung mit feuchtwarmer Luft aus dem Westen, sorgt regelmäßig für Schwierigkeiten im Flugverkehr mit Tenerife. Der Nordflughafen "Los Rodeos" liegt klimatologisch so ungünstig, dass bei solchen Wettersituationen die Sicht gleich null sein kann. Gestern mussten fast vierzig Flüge gestrichen, oder zum Südflughafen umgeleitet werden. Der Nordflughafen auf Tenerife wird fast ausschließlich für den nationalen und interinsularen Verkehr benutzt, da er verkehrstechnisch extrem günstig für den Ballungsbereich Santa Cruz, La Laguna und Puerto de La Cruz liegt. Der Südflughafen, "Reina Sofía" mit einer Landebahn auf der auch das Spaceshuttle landen könnte, bedient die touristischen Zentren im Süden der Insel und wird fast nur von Chartermaschinen angeflogen. Pläne, den Nordflughafen ganz zu schließen und nur noch den großen Südflughafen zu benutzen gab es häufiger, allerdings müssten dann tausende von Passagieren täglich noch 80 bis 100 Kilometer Autobahn auf sich nehmen, um in die Inselzentren zu gelangen. Es bleibt also alles wie es ist, damit können wir umgehen und außerdem liegt Ikea und McDonalds gleich um die Ecke vom Nordflughafen, das darf man uns nicht nehmen.



Freitag 27.05.05 - 17:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 23 Grad, Niederschlag: 0,5 mm, Luftfeuchte 65% Luftdruck 1018 hPa

Pan para hoy y hambre para mañana

Brot für heute und Hunger für morgen ist ein Sprichwort hier wenn es darum geht, einen kurzzeitigen Gewinn einer langfristigen Strategie vorzuziehen. Eigentlich hatte ja man zum Schutz vor solchen "kurzfristigen Gewinnmitnahmen" extra das Wort Nachhaltig erfunden, häufig angewandt, in der Adjektivform allem und jedem zugeordnet und auch auf La Palma höchst beliebt und unter "sostenibilidad" bekannt. Ein Leserbrief in der Zeitung "La Voz de La Palma" beginnt mit den Worten "Pan para hoy..." und bezieht sich kritisch und fast ängstlich auf die zukünftige touristische Planung der Insel.

Der Rückgang des Tourismus auf den Kanaren (La Palma hat in den letzten vier Monaten als einzige Kanareninsel ein Plus) sollte uns zu denken geben, ob wir uns in einem Markt begeben sollten, der zahlenmäßig schrumpft und zusätzlich einem starken Preiskampf unterliegt. Bereits heute ist es möglich zu allen Jahreszeiten Angebote für unter 500 Euro, eine Woche Hotel, Halbpension und Flug hin und zurück nach Mitteleuropa zu bekommen und da bietet auch La Palma schon keine Ausnahme mehr. Der Nettowert eines Gastes nach Abzug aller Kosten die im Ursprungsland bleiben, ist enorm gering und wird noch schmäler werden, wenn der Preisdruck weiter zunimmt. Dass der Preisdruck im konventionellen Tourismus immer stärker wird gilt als sicher, selbst kanarische Hoteliers beginnen bereits mit der Planung von Hotelkomplexen im nahen Marokko, dort kann billiger gebaut werden und Löhne sowie Erstehungskosten ermöglichen die Preise an die neuen Forderungen der Reiseveranstalter anzupassen. - Unschön wäre es, wenn unsere Küste mit großen Hotels ihren unverwechselbaren Charme verliert, schlecht wäre es, wenn diese Hotels keine Gäste fänden um sie zu wirtschaftlich betreiben, schlimm wäre es, wenn diese Hotels alle voll wären und La Palma nichts daran verdient. "Pan para hoy y hambre para mañana", muss nicht so kommen, aber irgendwie habe ich jetzt genau so schlechte Laune wie die engagierte Frau, die den Leserbrief verfasst hat.



Freitag 27.05.05 - 08:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 22 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 65% Luftdruck 1019 hPa

Wer will den Nationalpark haben?

Im November 2004 entschied das Verfassungsgericht, dass die spanischen Nationalparks von den jeweiligen autonomen Provinzen geleitet und verwaltet werden müssen und nicht mehr zentral aus Madrid gesteuert werden sollen. Wie das im Einzelnen ablaufen soll steht nicht in dem Urteil und nun beginnt das Kompetenzgerangel zwischen den einzelnen Behörden und Abteilungen. Die Provinz "Santa Cruz de Tenerife" hat alleine drei Nationalparks in ihrem Gebiet, "Teide" auf Tenerife, "Garajonay" auf La Gomera und den wohl bekanntesten, "Caldera de Taburiente" auf unserer schmucken Insel.

Eigentum verpflichtet, das weiß jeder der mehr als eine Hundehütte sein Eigen nennt und plötzlich zieren sich die öffentlichen Korporationen das Wort, "unser" Nationalpark zu benutzen. In anfänglicher Euphorie hatten sogar die Gemeinden, in deren Gebiet die Parks liegen gefordert, die Verwaltung ganz in ihre Kompetenz zu legen, bis man das schöne Papier auch von der Rückseite betrachtet hat und den Faktor Kosten entdeckte. Im Falle La Palmas reden wir jetzt wieder über El Paso, der Nationalpark liegt fast ganz in dieser Gemeinde. Da unser Bürgermeister aber zur Vernunft neigt, hat er gedanklich den Park jetzt wieder zurück in die Hände der Inselregierung gegeben, sollen die sich die Finger und Geldbeutel an diesem enormen Krater verbrennen. Unsere Inselregierung ist vieles, sicherlich aber nicht bescheiden und hat diesen Vorschlag gerne aufgegriffen, bislang allerdings ohne die Zustimmung von der alles bestimmenden Provinzregierung der Kanaren. Die einmalige Caldera de Taburiente, Naturspektakel ohne Gleichen und Aushängeschild dieser Insel wird plötzlich zum Klotz am Bein. Wie schön war das doch früher, als jeder Blödsinn der im Nationalpark geschah auf Madrids Konto ging, jetzt müssen wir selber dafür gerade stehen und die Möglichkeit der Selbstkritik ist nicht unsere markanteste Eigenschaft.



Donnerstag 26.05.05 - 16:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 27 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 62% Luftdruck 1021 hPa

Gefühlter Baustopp

Wenn an einer Baustelle nicht gearbeitet wird, heißt das noch lange nicht, dass die Arbeiten ruhen. So ähnlich versucht uns das der Chef der Straßenbauabteilung der kanarischen Provinzregierung zu erklären, warum an der Umgehungsstraße von Los Llanos im Moment nicht gebaut wird. Es gibt keinen Baustopp und es wird keinen geben erzählt er immer wieder und die im Moment nicht getätigten Bauarbeiten werden in Kürze sogar noch beschleunigt. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen und vielleicht liegt es ja am Einstein-Jahr, dass ich nicht begreife, wie man "Nichts" auch noch beschleunigen kann. Seine beruhigenden Worte, Ende 2006 ist alles wie geplant fertig, lasse ich mal als "Schröderschen Imperativ" stehen, wir sind alle einem psychologischen Phänomen aufgesessen, dem gefühlten Baustopp.

Wir sind schon ein ganz undankbares Völkchen und machen aus jeder Findungsphase einer Großbaustelle gleich ein Trara. Unsere kleinbürgerlichen Vorstellungen wie so ein Jahrhundertprojekt abgewickelt werden soll, planen - finanzieren - bauen - fertig, sind nicht dazu imstande die komplexen emphatischen Abläufe zwischen Planern und ausführender Firma zu begreifen. Der Mann spricht davon, dass bald der "adäquate Rhythmus" in die Baustelle kommt (El ritmo adecuado se conseguirá enseguida) und wir von Raupenschleppern, Baggern und anderen weltlichen Dingen. Schande über uns, wir spüren nicht die Schwingungen der Baustelle die auch dann da sind, wenn die Bauarbeiter weg sind. - Eine Schande wäre es auch, Sie ohne eine Aufklärung für den "Schröderschen Imperativ" ziehen zu lassen. Veni, vidi, vici, ludi, et fugi, ich kam, sah, siegte, spielte und machte mich vom Acker und alles mit Ausrufezeichen. Bevor man mir jetzt die schwere Keule des großen Latinums über die Tastatur schlägt, das war ein Scherz, ich mag ihn den Gerhard.


Über allen Baggern herrscht Ruh, warte nur, bald baggerst auch du!



Donnerstag 26.05.05 - 08:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 23 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 63% Luftdruck 1022 hPa

Bis Montag handlungsunfähig

Es wird höchste U-Bahn, dass der Mai endlich zu Ende geht. Die Bajada de la Virgen de Las Nieves vor Augen, schlittern wir von einer Fiesta zur anderen und in dieser wahren Inflation an Festivitäten geht vieles einfach unter. Das Fronleichnamsfest in Mazo zum Beispiel, kultureller und gesellschaftlicher Höhepunkt der Gemeinde, eingerahmt in eine Vielzahl von Konzerten und Darbietungen, findet weniger Beachtung, weil alle anderen mit der Vorbereitung des "Día de Las Canarias" beschäftigt sind, welcher am 30. Mai gefeiert wird. Das ist übrigens inselweiter Feiertag, "Corpus Christi", wie Fronleichnam hier heißt, dagegen nur in Mazo. Die Blütenteppiche als Straßenbilder und Devotionalbauten in stattlicher Größe, gefertigt von den Nachbarschaften der Gemeinde hätten alleine einen ganzen Monat Aufmerksamkeit verdient, aber das lässt unser strammer Feier-Kalender nicht zu.

"Día de Las Canarias" fängt heute bereits an, wer Kinder auf verschiedenen Schulen hat sollte sich die Termine genau notieren und welche Tortilla er für welche Festivität backen muss und welches Kind er wann und wie gekleidet wem übergeben muss. Heute Abend in Todoque, morgen in El Paso, Samstag überall und dann ein Ausflug, weiß der Guanche wohin und der wirkliche Feiertag ist erst am Montag. Ich mach mir jetzt eine Strichliste, welches Kind gerade auf welcher Veranstaltung ist und wann ich gegebenenfalls das Kind auch wieder zurück in den familiären Kreis holen darf. Da sich viele Veranstaltungen in den nächsten Tagen überschneiden, habe ich schon ernsthaft erwogen, meinen Kindern einen Micro-Chip unter die Haut zu pflanzen, der eine perfekte Ortung ermöglicht. Man könnte dann vom heimischen Bildschirm aus die ganze Geschichte besser synchronisieren und die Nutzdauer so eines Kindes deutlich effektiver gestalten. Wenn es einen kollektiven Freizeitpark wirklich jemals geben sollte, dann bin ich strikt dagegen. Da stehen hohläugige Eltern nachts auf der Straße, warten auf ihre Kinder und fragen sich gegenseitig welches Fest wir denn gerade feiern. - Ach, das ist noch gar kein Fest, das sind erst die Proben, Herrgott lass es Alltag werden oder Juni, ich nehm alles.



Mittwoch 25.05.05 - 17:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 29 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 68% Luftdruck 1021 hPa

Sag mir wo du herkommst und ich sage dir wie du heißt

Das ist nicht immer so einfach wie man meint, klar wohnen auf La Palma die Palmeros, aber wie heißen die Leute aus Mazo? Da gibt es ein paar Überraschungen und wir gehen mal die 14 Gemeinden der Insel zusammen ab. Die einfacheren Geschichten sind: Fuencaliente, da wohnen die Fuencalenteros, respektive Fuencalenteras, wenn es sich um weibliche Einwohner unserer südlichsten Gemeinde handelt. Die Zuordnung der Geschlechter bleibt aber nicht immer erhalten, bei den Ausnahmen wird das schwierig. Weiter einfach, Garafía = Garafiano/a, so heißt auch die dortige Hunderasse, der wunderschöne "pastor garafiano". Barlovento = Barloventero/a, Puntagorda = Puntagordero/a, Tijarafe = Tijarafero/a, Los Sauces = Saucero/a. Das sind die einfachen Fälle, aber schon bei der Hauptstadt fängt es an schwieriger zu werden.

Zwar heißen die Leute aus Santa Cruz fast ganz regelkonform Santacruceros/as (das z wird zum c), aber es gibt noch mehr Bezeichnungen für die Leute aus Santa Cruz. So nennen die älteren von der Westseite die Hauptstädter "Portugeses" oder auch "Palmeros", weil die Leute aus dem Westen sagen, sie fahren nach La Palma wenn sie Santa Cruz meinen. Machen wir es noch komplizierter, in der näheren Umgebung der Hauptstadt, also auch in Breña oder Mazo sagte man früher zu Santa Cruz nur "ciudád", also Stadt und so zu den Einwohner dann "Ciudadanos". Mit Santacrucero kann man aber keinen Fehler machen, das stimmt dann sowohl auf der West, wie auf der Ostseite. Die nächsten komplizierteren Fälle sind Mazo, dort wohnen die Mazucos oder Mazucas und die beiden Gemeinden Breña Alta und Breña Baja werden zusammengefasst und heißen Breñunscos und Breñuscas. Ein Zweifelsfall bleibt bei Puntallana, da sagen manche Puntallaneros, einige aber nach der Regel von Los Llanos, Puntallanense. Ein absichtliches Weglassen des ersten n in Puntallana gereicht dann zu der Beschreibung einer wenig voluminös gestalteten Prostituierten, das ist die höfliche Umschreibung für das, was Puta llana auf Deutsch heißt.

Im Aridanetal wird es dann noch komplizierter. Die Leute aus El Paso heißen nicht Paseros, sondern Pansenes und da gibt es auch keinen Unterschied mehr zwischen Mann und Frau, es ist genau so la Pasense wie el Pasense. Die selbe linguistische Gleichgeschlechtlichkeit herrscht bei den Einwohner von Los Llanos, da lebt la Llanense friedlich neben el Llanense. Die Krönung der Namensgebung besitzt aber sicherlich die Gemeinde Tazacorte, dort leben die Bagañetes, das wird von allen akzeptiert und selbst die Menschen die in Tazacorte wohnen bezeichnen sich selber so. Dabei ist der Ursprung dieses Namens überhaupt nicht geklärt, es gibt, mindestens zwei Versionen. Der Chronist der Stadt meint, das kommt von dem Wort Bago, welches teilweise in Südamerika für die Bananen genommen wird. Ich wage es niemals einem Chronisten zu widersprechen, aber das Wort Bagañete ist wohl älter als die Bananen auf dieser Insel sind, da erscheint mir die andere Version eher glaubhaft. Es soll eine Zusammensetzung der Worte Banda und ñeque sein. Ñeque kommt auch aus Südamerika und heißt auf Deutsch so viel kräftig oder gar tüchtig. Banda hat ganz viele Bedeutungen, unter anderen auch die: Anderes Ufer; nicht gesellschaftlich, sondern landschaftlich. Phonetisch ist der Schritt von Banda ñeque zu Bagañete nicht weit und noch einen Hinweis gibt es, die Santacruceros sagen, zumindest die mit ein paar Jahren Erfahrung auf dem Buckel, sie fahren zur Banda, wenn sie auf die Westseite müssen. Weitere Versionen werden in den nächsten Jahren folgen, immer wenn ich Zeit habe, frage ich einen Bagañete danach. Man kann dem Ganzen natürlich mit der genitivfeindlichen Umschreibung, die Leute aus... la gente de... entkommen, aber daraus kann man keine Geschichte machen.



Mittwoch 25.05.05 - 08:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 20 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 67 % Luftdruck 1020 hPa

Schlange stehen für die Jungfrau

Auch wenn es die Tickets jetzt im Internet zu kaufen gibt, alle fünf Jahre wiederholt sich das gleiche Schauspiel, Schlange stehen für die beliebtesten Eintrittskarten der Insel, der Tanz der Zwerge am 14. Juli. Am Montagabend bereits zogen die ersten Interessenten vor die einzige Verkaufsstelle für die Karten, bewaffnet mit Decken, Stühlen und Proviant, um die ganze Nacht dort auszuharren. Jeder wollte der Erste sein, wenn am kommenden Morgen der Verkauf der Eintrittskarten beginnt. Für die ersten drei Vorstellungen der Zwerge am 14. Juli sind nun bereits keine Karten mehr zu bekommen, aber für den 23. Juli wohl, da finden vier weitere Auftritte der weltberühmten kleinen großen Männer statt.

Für das Minué am 13. Juli gibt es momentan noch an die 90 Karten für die erste Vorstellung um 22:00 Uhr, aber noch mehrere hundert für den zweiten Auftritt der ab 23:30 Uhr beginnt. Fast 4.000 Karten für die beiden Spektakel wurden gestern per Internet geordert, es ist das erste Mal in der Geschichte der Bajada de La Virgen de Las Nieves, dass es einen Kartenverkauf über dieses moderne Medium gibt. Für viele Anhänger des größten Inselfestes, welches nur alle 5 Jahre stattfindet, begann aber die "Bajada" gestern bereits mit dem traditionellen Schlange stehen vor dem Verkaufshäuschen. Da will man von Anfang an dabei sein, die Füße sollen einem weh tun, wie später den tapferen Zwergen die stundenlang in unbequemen Kostümen wahre Kunststücke vollbringen. Das ist für uns aus dem "Westen" nicht so ganz nachvollziehbar, kommen doch unsere Jungfrauen (Virgen) fast inflationär oft in die Orte, nämlich jedes Jahr oder im speziellen Fall von El Paso immerhin alle drei Jahre. Ist halt doch ein anderes Völkchen, "die da drüben im Osten". Allerdings hatten die bereits "blühende Landschaften" noch bevor dieses Wort überhaupt erfunden wurde.



Dienstag 24.05.05 - 17:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 25 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 67 % Luftdruck 1018 hPa

Gofio-Wanderweg ?

Wenn die Universität La Laguna (Tenerife) und das Wissenschaftsministerium sich für unser kulturelles Erbe interessieren, sollte man einfach mal zuhören. Einmal weil die von der Universität immer was zu erzählen haben und wenn das Ministerium da mit macht, dann kann es schon nicht mehr unser Geld kosten. Es geht nicht nur um das Gofio an sich, das ist ja immer noch da und bedarf noch keinen Schutz aus nostalgischer Hand, es geht eher darum, wie die ländliche Bevölkerung sich früher selbst mit diesem Hauptnahrungsmittel versorgt hat, bevor man es praktisch im Supermarkt aus den Regalen fischen konnte. Besonders die Ecke um Tenagua bei Puntallana auf der Ostseite der Insel hat es den Wissenschaftlern angetan, dort wurde früher sehr viel Weizen gezogen, aus dem die Familien dann selbst das süße Pulver der harten Arbeit herstellten.

Eine Art Museum soll entstehen, mit angeschlossenem Wanderweg der auch an Weizenfeldern vorbeiführt und den Zusammenhang von Landschaft, Bevölkerung und Ernährung Leute erklären kann, die seit einer Generation nur verpackte Nahrungsmittel kennen. Noch gibt es die Generationen davor, die uns diese Geschichten erzählen können und die dazu benötigten Gerätschaften im Schuppen liegen haben. Die Hacken für die Erde, den Pflug der von geduldigen Rindern gezogen wurde, die Sensen und die Lastschlitten auf denen dann der Weizen ins Dorf auf den Dreschplatz gefahren wurde. Gedroschen wurde oft gemeinsam, weil man dazu mehrere Rinder braucht, die dann im Kreis immer auf dem Dreschplatz (La Era) ihre Runden zogen, bis man das begehrte Korn hatte. Geröstet wurde dann aber zu Hause, in großen Metallpfannen um anschließend mit einem schweren Mahlstein aus schwarzer Lava das geröstete Korn in süßes Gofio zu verwandeln.

Dieses Stück historisches Kulturgut soll nun nicht mehr nur auf speziell dafür zelebrierten Fiestas gezeigt werden, sondern eine ständige Einrichtung erhalten mit Beteiligung der Bevölkerung. Da weder die Universität La Laguna mit solchen Dingen Geld verdienen muss und das Wissenschaftsministerium auch nicht, muss man sich um die Rentabilität einer solchen Einrichtung keine Gedanken machen. Es wird auch noch viel nachgedacht und geforscht, wie man das Ganze am besten gestaltet und so herrscht keine Eile und in ein paar Jahren kann ich dann die Öffnungszeiten des Gofio-Museums bekannt geben. Ist nicht böse gemeint, Traditionspflege hat Zeit zu haben, sonst kann es nichts werden.


Dreschen wie früher auf La Palma



Dienstag 24.05.05 - 08:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 18 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 65 % Luftdruck 1018 hPa

Zahlenspiele um den Tunnel

Im Mai 2003 wurde unser neuer Straßentunnel unter der Cumbre Nueva eröffnet, der nun die Hauptverbindungsstraße der Insel in West-Ost Richtung verbindet. Die 2.660 Meter haben seinerzeit 25,5 Millionen Euro verschlungen und führte wohl zu Diskussionen um die Notwendigkeit solcher großen Bauvorhaben. Nun streitet sich keiner mehr, ob das denn gerechtfertigt war, die neue Tunnelröhre gehört längst zu unserem Alltag. 7 Minuten eher in Santa Cruz ist zwar nicht unbedingt ein Quantensprung, aber pfiffige Betriebswirte können mit solchen "Cortado-Zeiteinheiten" gewaltige Summen formulieren. Hochgerechnet auf ein Jahr, ergibt die Zeitersparnis in Euro ausgedrückt die Summe von 1,1 Millionen Euro, welche natürlich nur fiktiv vorhanden sind, aber wen stört das schon. Ich habe mich immer schon gefragt, was ich mit den sieben Minuten früher in Santa Cruz anfangen soll, zwei Cortados trinken? Das ist dann aber schon ein Euro und wo bitte kommt der in dieser Kalkulation vor. Was ist mit den zwanzig Minuten Parkplatzsuche in der Hauptstadt und der kalkulatorische Lohnansatz für mein Nervenkostüm?

Nimmt man jetzt noch die Spritersparnis mit in die Kalkulation, das berechnet man mit 945.000 Euro pro Jahr, dann amortisiert sich der Tunnel in etwas mehr als 12 Jahren. Die 700.000 Euro Betriebskosten pro Jahr fließen nicht mit in die Rechnung ein, die bleiben einsam auf dem Papier stehen, wer will, der kann sich die Summe abholen. Immerhin haben 10 Menschen einen sicheren Arbeitsplatz gefunden die sich um den Unterhalt und die Sicherung der Tunnelanlage kümmern. So hat es letztes Jahr unser Tunnel auch auf Platz zwei der sichersten Tunnel Europas geschafft, laut ADAC. (Gut, dass die Prüfer nicht unsere alte Röhre entdeckt haben, die immer noch den Ost-West Verkehr aufnimmt.). Letzte Zahl bevor ich los muss Zeit sparen, am Tag passieren durchschnittlich 8.500 Fahrzeuge den Tunnel, die Westseite müsste also in knapp drei Tagen völlig leer sein. Was, die kommen alle wieder zurück? Muss wohl so sein und das auch noch sieben Minuten eher...



Montag 23.05.05 - 19:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 25 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 65 % Luftdruck 1017 hPa

Sonne, Wind, Wasser und der Vulkan könnten La Palma unabhängig machen

So ein Inselchen hat es nicht ganz leicht wenn es um die Stromversorgung geht, wir müssen unseren gesamten Strom selbst erzeugen und wenn mal was schief geht, dann ist es zappenduster bei uns. Bislang kommt etwa 92% unseres elektrischen Stroms aus dem Diesel-Kraftwerk nahe der Hauptstadt, ein kleines Wasserkraftwerk bei Los Mulatos und ein paar Windräder erzeugen den Rest. Eben mal den Strom von einer anderen Stelle beziehen geht nicht und wenn man weiter denkt, dann wird Diesel auf die Dauer nicht einfach immer nur teurer, sondern auch irgendwann mal knapp.

Nun ist strategisches Denken angesagt, wie könnte man die Insel unabhängig von fossilem Brennstoff machen und da kommen unsere Stärken auch gleich ins Rampenlicht. Man kann Energie aus Wind gewinnen, haben wir reichlich, aus der Sonne, aus Wasser und geothermisch, dank unserer Vulkane. Selbst die Möglichkeit Gammastrahlen aus dem Weltraum als Energielieferant zu nutzen kommt mit aufs Papier, die Astrophysiker auf dem Roque de Los Muchachos forschen in der Materie. Die Windenergie ist am einfachsten praktikabel, kann aber niemals dazu dienen als primärer Energielieferant zu dienen, so viele Windräder will niemand bei uns haben. Wasserkraft ist nur beschränkt vorhanden und dabei bedürfte es enormen baulichen Maßnahmen um weitere Staubecken zu erstellen, also auch wieder ein großer Eingriff in unser Naturbild. Sonnenenergie wird eher für ganz lokale Einrichtungen interessant sein, Haushalte und Gebäude mit warmem Wasser zu versorgen ist eine Sache, ein 230 Volt Netz für 85.000 Menschen sicher zu stellen eine ganz andere.

Un poco de todo sagt man hier, ein bisschen von allem könnte es werden und bis die Forscher auf dem Roque soweit sind die Gammastrahlung dazu zu bringen unsere Insel zu beleuchten, kommen wir zu dem interessantesten Projekt der alternativen Stromerzeugung auf La Palma., die geothermische Energiegewinnung. Eine deutsche Firma hat bereits auf den Azoren ein solches Kraftwerk errichtet und zeigt sich recht zuversichtlich über die Möglichkeiten, hier auf La Palma ähnlich erfolgreich zu sein. Im Gegensatz zur Windenergie sind geothermische Kraftwerke keine Landschaftsfresser, absolut leise und außer einem Verwaltungshäuschen versteckt man den ganzen "Rest" unter der Erde. Anfänglich ist eine Produktion von 3 Megawatt angepeilt, die später auf 15 Megawatt erhöht werden sollen. Mit diesen 15 Megawatt macht man sich noch lange nicht unabhängig vom Dieselkraftwerk bei Santa Cruz, aber die Grundversorgung wäre damit bereits erreicht. 18 Millionen Euro soll das kosten, hat man mal eben so überschlagen. Natürlich nur ganz grob überschlagen, aber bei so ambitiösen Projekten guckt doch keiner aufs Geld. Meine kleinen Töchter sind zwar etwas beunruhigt, das ist ihnen nicht geheuer, dass man sozusagen den Vulkan anzapft um Strom zu bekommen. Sie glauben mir ja inzwischen auch schon nicht mehr alles und ich habe versucht ihnen zu versichern, dass in Zukunft trotzdem kein Dampf oder Lava aus der Steckdose kommt.



Montag 23.05.05 - 08:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 18 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 64 % Luftdruck 1018 hPa

Geisterstadt

Boomtown nennt man Los Llanos auch, da bewegt sich was, da wird Geld verdient und wer sich auch nur in die Nähe dieses pulsierenden Kraftfelds begibt, der wird gnadenlos davon angesteckt und mitgerissen. Man darf nur nicht zum falschen Zeitpunkt kommen, so zum Beispiel Sonntagabend im Mai und auch noch so vermessen sein, dass dann irgendein Restaurant offen hätte, für wen auch, es war keiner da. Es hätte uns gleich stutzig machen müssen, Parkplätze so nah am Zentrum, da ist was faul. Ein paar ältere Damen saßen Schatten suchend in den Hauseingängen und auf unserer Suche nach wuselndem Stadtleben empfing uns eine gähnend leere Plaza. Nicht mal Touristen, die sonst zu jeder Tageszeit unterwegs sind kamen uns entgegen, hatten wir am Ortseingang ein Schild übersehen: "Los Llanos heute geschlossen"?

Sicher nicht, wir haben dann auf dem Territorium von El Paso doch wieder eine Lokalität entdeckt welche uns mit den nötigen Kalorien versorgt hat, da war zwar auch nichts los aber immerhin hat man uns bedient. Los Llanos schläft nur, erholt sich vom anstrengenden Alltag und der zwingenden Aufgabe die größte Stadt der Insel zu sein. Wer so viel baut, so viel Geschäfte hat und in einer Geschwindigkeit wächst, die für uns Bauern aus El Paso immer als Zeitraffer anmutet, der braucht seine Auszeiten. Das sieht heute schon wieder ganz anders aus und ich denke mit Wehmut an den schönen Parkplatz den wir gestern Abend noch gefunden haben. Vielleicht hätten wir das Auto dort stehen lassen sollen und zu Fuß nach Hause gehen, manche haben noch einen Koffer in Berlin, andere einen Parkplatz in Los Llanos.



Sonntag 22.05.05 - 18:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 27 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 62 % Luftdruck 1017 hPa

Eintrittskarten für die "Bajada" kommen in den Verkauf. Ab Dienstag gibt es Tickets für die diesjährige Bajada de la Virgen de las Nieves. Die einzige Verkaufsstelle in der "Calle Trasera" wird am Dientag öffnen und zwar von 10.00 - 13:00 Uhr und von 16:00 - 19:00 Uhr. Es werden pro Person maximal 8 Eintrittskarten ausgegeben. Neu wird sein, dass man auch über das Internet die Karten ordern kann, dann aber maximal 4 pro Kreditkarte. Im Vorverkauf kosten die Karten für das Minué am 13. Juli zwischen 16 und 20 Euro. Der Tanz der Zwerge, der berühmteste Akt der Festlichkeiten kann für 15 - 20 Euro gebucht werden, da gibt es auch mehrere Vorstellungen, unsere Zwerge haben gute Beine.

Karten die über das Internet bestellt wurden, können auch am Schalter der Vorverkaufsstelle abgeholt werden, aber auch in zwei Filialen der "Caja Canaria". Einmal in der Hauptstadt an der Avenida El Puente und als Bonbon für die Westseite, in der Filiale der Caja Canarias an der Plaza in Los Llanos de Aridane. Die Abholung der Karten welche über das Internet gekauft wurden sollte 48 Stunden vor Beginn des jeweiligen Spektakels erfolgen. Dieser neue Weg des Kartenverkaufs über das Internet ermöglicht nun auch Urlaubern welche uns zur Zeit der Bajada besuchen, ihre Karten für eines der Spektakel bereits im Ursprungsland zu ordern. Für die Organisatoren der Bajada ist dieser elektronische Schritt neu und man wird sehen, ob das Ganze reibungslos abgeht. Also ab Dienstag unter www.cajacanarias.es, unten auf der Seite.



Sonntag 22.05.05 - 10:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 21 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 58 % Luftdruck 1019 hPa

Fahrplanwechsel der Reederei Olsen sorgt für Freude

Wir hatten es kaum zu hoffen gewagt, aber die Reederei Olsen hat unser Flehen nun doch erhört und mit der offiziellen Einweihung der größten Schnellfähre der Welt einen Fahrplanwechsel vollzogen. Die Benchijigua Express fährt ja schon seit Anfang des Monats zwischen Tenerife La Palma und Gomera, aber bislang noch ohne offizielle Weihen und war deshalb vielleicht immer verspätet... Der neue Fahrplan macht es jetzt wieder möglich, an einem Tag per Schiff nach Tenerife zu fahren und abends wieder zurück. Die Benchijigua Express fährt dann morgens um 6:30 ab La Palma nach Los Cristianos und abends um 20:00 Uhr wieder nach La Palma zurück. Ohne irgendwelche Verspätungen zu berücksichtigen ist die Fähre dann um 22:00 wieder in La Palma.

Diesen Fahrplan hatten wir schon mal und das hat sich für alle bewährt. Daraus ergeben sich auch wieder neue Möglichkeiten für internationale Besucher die Insel zu erreichen, ohne auf die knappen Angebote der Chartergesellschaften angewiesen zu sein, welche im Sommer direkt nach La Palma fliegen. Die Südflughafen Tenerifes, Reina Sofia, wird täglich von mehreren Charterflügen aus ganz Europa bedient, der Fährhafen Los Cristianos liegt nur wenige Kilometer weiter und mit Bus oder Taxi kommt man ganz unkompliziert dort hin. Gerade für Gäste, die am Wochenende nach La Palma reisen wollen oder müssen, ist das eine ganz interessante Verbindung, weil es am Wochenende keine Charterflüge aus Deutschland nach La Palma gibt. - "Das Meer verbindet uns jetzt und trennt uns nicht mehr" sprach prosaisch der Bürgermeister von Santa Cruz bei der offiziellen Eröffnung der neuen Verbindung. Der Chef der Reederei ging sogar noch ein Stückchen weiter und sprach von einem palmerischen Schiff, weil es bei uns im Hafen schläft. Ist mir alles recht, Hauptsache das Schiff kommt pünktlich ins Bett und treibt sich nachts nicht mehr auf dem Atlantik rum, damit die Reiseleiter und Autovermieter dann noch vor Mitternacht Feierabend machen können. Der neue Fahrplan ist wirklich eine Bereicherung, aber für alle die im Tourismus arbeiten bedeutet das auch wieder reichlich Nachtschichten.



Samstag 21.05.05 - 16:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 26 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 62 % Luftdruck 1019 hPa

Nein, bescheiden sind wir nicht

Insulaner, besonders die auf Inseln wohnen welche man in weniger als einem Tag umrunden kann, haben eine ganz feste und selbstverständliche Ansicht über ihren beschränkten Lebensraum. Der nahe Horizont duldet keine Zweifel dass man im Garten Eden wohnt und jedem dem diese empfehlenswerte Gnade nicht gegeben ist, dem ist der Horizont zu nah und blickt, sucht und vermutet dahinter das Glück. Wenn es um La Palma geht, dann kennen wir keine Bescheidenheit, ist auch gut so, sonst nimmt uns eh keiner ernst. Anders ist es auch nicht zu erklären, dass man sich gewappnet fühlt ein gigantisches astrophysikalisches Observatorium zu beherbergen. Die Einrichtungen des IAC (Instituto de Astrofísica de Canarias) auf unserem höchsten Berg, dem Roque de los Muchachos, sind heute schon in Teilbereichen Weltspitze.

Das Observatorium "Grantecan", mit dem derzeit größten optischen Primärspiegel der Welt (10,4m) ist noch nicht mal eröffnet, da will man sich bereits als Standort für zukünftige Observatorien anbieten welche einen Spiegeldurchmesser von 50 - 100 Meter haben sollen. Projektiert wird dieses Monsterobservatorium von der ESO (European Southern Observatory) mit Sitz in Garching. Jetzt gibt es aber ein kleines Problem, Spanien ist an diesem europäischen Verbund noch gar nicht beteiligt, will aber in den nächsten Monaten dieser Organisation beitreten. Nun denkt man darüber nach, das "Grantecan" als Lockstoff zu verwenden und der ESO für Forschungsaufgaben zur Verfügung zu stellen, im Tausch dafür soll das "Overwhelmingly Large Telescope", so der Arbeitstitel des Monsterprojektes, auf dem Roque de los Muchachos entstehen. Da spricht man von Summen, welche diese Insel noch nicht mal hinter dem Horizont kennt, so ein Observatorium soll an die eine Milliarde Euro kosten. Wie gesagt, bescheiden sind wir nicht gerade, noch nicht mal im Club und schon wollen wir Chef sein. Samstag 21.05.05 - 09:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 19 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 63 % Luftdruck 1021 hPa

Kein U-Boot gefangen

Von 1962 bis 1974 betrieb die CIA einen Sonarhorchposten in Puerto de Naos und noch heute weiß eigentlich niemand so genau, was die wissensbedürftigen Neuweltler dort noch so getrieben haben. Das Gebäude ist jetzt fast verfallen und wartet auf eine zukünftige Nutzung, währenddessen bietet es 2 Hausbesetzern als behelfsmäßige Unterkunft. Offizielle Aufgabe des kleinen Trupps von US-Agenten war die Vermessung des atlantischen Grabens vor unserer Haustür und dazu diente als Tarnung ein Forschungsauftrag der Columbia-Universität. Jeder wusste aber, dass es sich dabei nicht um ein ziviles Forschungsprojekt handelte, sondern um eine Sonarstation der CIA welche den U-Boot Verkehr der UDSSR im Nordatlantik überwachen sollte.

Witzige Geschichten erzählen ehemalige Zivilangestellte der Station, zum Beispiel wurde von allen verlangt, dass man nach den Mahlzeiten eine dreiviertel Stunde Tischtennis spielen musste, harter militärischer Drill, der mir so noch nie als Methode der CIA zu Gehör gekommen ist. Da wir von einer Zeit sprechen als Spanien noch als Diktatur regiert wurde, gibt es so gut wie überhaupt kein offizielles Papier über diese Anlage und so wird diese Geschichte von Gerüchten und Legenden genährt. Da wird von nächtlichen Kämpfen berichtet, angeblich sollen sowjetische Gegenagenten versucht haben die Station zu zerstören. Andere sprechen vom Auftauchen mehrerer U-Boote vor Puerto de Naos, was die dort wollten kann auch keiner sagen, aber die Welt der Spionage bringt eben dieses Flair der Vermutungen und Getuschel. Wahrscheinlich war es einfach nur der langweiligste Außenposten der CIA in der Welt, wenn man 12 Jahre lang kein U-Boot fängt und nur Tischtennis spielt, dann rauscht die Geschichte gnadenlos an einem vorüber.



Freitag 20.05.05 - 17:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 26 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 64 % Luftdruck 1019 hPa

El Paso feiert seine Kreuze

Im Monat Mai werden auf La Palma nach und nach alle Kreuze die am Wegesrand stehen geschmückt und auch vom Pfarrer gesegnet. Das macht jede Gemeinde anders und auch in El Paso ist der Pfarrer eigentlich durch, aber so ganz ohne Fiesta macht das keinen richtigen Spaß. So gibt es zum Abschluss der ganzen Kreuz-Segnungen oberhalb von EL Paso die "Fiestas La Cruz de Las Canales". Man muss nicht richtig viel Religiöses erwarten, das erreicht man mit einer Messe am Sonntag und die eigentliche Kreuzsegnung am Sonntagabend. Dieses listige Bauernvolk aus El Paso macht aber daraus drei Tage Fiesta. Drei Tage feiern für einmal Messe, das lässt sich doch sehen und vielleicht hat sich ja unser Pfarrer Domingo inzwischen an unsere kompakt schnelle Art Gottesdienste zu begehen endlich gewöhnt. Bei Domingo muss man aufpassen was man schreibt, der kann Deutsch...

Gefeiert wird am Festplatz im Ortsteil La Rosa, dort wo eine Viehtränke steht zu der früher das Wasser in Kanälen hingeleitet wurde und nun wissen wir auch warum "Cruz de Las Canales" heißt. Zu erreichen ist der Platz am einfachsten über den Abzweig in Richtung Cumbrecita und dann die erste Straße links. Heute geht es los mit Eselrennen und einem Fußballturnier, ab 20:00 Uhr treten dann vier Folklore Musikgruppen auf, unter anderen "Alma de Tacande" und "Trio Valle". Danach tanzt sich El Paso unter freiem Himmel durch die Nacht. Morgenvormittag gibt es eine Pferdeschau, abends dann Pferderennen und einen Auftritt der palmerischen Antwort auf die Wühlmäuse, das "Trio Zapatista". Wer dann immer noch kann, der darf noch mal eine Nacht tanzen, Hauptsache er wird dann Sonntagmorgen in der Messe gesehen. Sonntagabend gibt es noch mal ein Pferderennen, danach ein Konzert des Orchesters aus El Paso und spät macht man dann endlich das worum es eigentlich gehen sollte, man segnet das Kreuz.

Eine ganz spezielle Vorführung gibt es heute auch noch, "Arrastre" mit unseren endemischen Rindviechern. Früher wurde diese äußerst zähe Rasse als Arbeitstier genutzt, um mächtige Lasten zu bewegen und Pflüge durch die steinigen Äcker der Insel zu ziehen. Darüber hinaus ist die "raza palmera" weniger anspruchsvoll in ihrer Futterwahl und bei weitem nicht so krankheitsanfällig wie moderne Hochleistungskühe. Es sind sehr schöne und auffallend gutmütige Tiere, für einen Stierkampf oder Rodeo-Reiten sind unsere Rinder nicht geeignet. "Tranquilo" eben, wie die Palmeros selbst. Was diese Tiere allerdings können, zeigen sie in einem Spektakel welches sich "Arrastre" nennt. In diesem Wettkampf ziehen die Rinder gewaltige Baumstämme hinter sich her und wer die größte Last bewegt, der hat gewonnen. Das ist immer eine Riesengaudi und mit Hilfe von reichlich endemischen Wein, trocknen die Kehlen von den Anfeuerungsrufen auch nicht so schnell aus.





Freitag 20.05.05 - 08:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 17 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 64 % Luftdruck 1021 hPa

Die Jungfrau bekommt ein eigenes Flugzeug

Für den Juli, Monat in dem die absoluten Höhepunkte des größten Inselfestes stattfinden, hat die Fluggesellschaft "Binter Canarias" nun extra einen Jet gechartert um die enorme Nachfrage bedienen zu können. Eine Boeing 737 wird mehr als 60 Flüge nach La Palma realisieren, mit den vorhandenen ATR 72 wird es weitere 70 Sonderflüge nach La Palma geben, so dass alleine die Binter im Juli fast 80.000 Menschen nach La Palma und wieder von der Insel transportieren kann. In den wirklich "heißen" Tagen, also am 6. 7. 12. 13. und 14. Juli stellt die Binter bis zu 18 Verbindungen täglich mit La Palma her, dazu kommen noch die 8 Flüge der "Islas Airways", es sollte also kein Problem sein, La Palma in den Tagen der "Bajada de La Virgen de Las Nieves" zu besuchen.

Vielleicht bekommt unsere Jungfrau sogar noch ein eigenes Schiff, zwei Reedereien denken ziemlich laut darüber nach, eine extra Verbindung an den genannten Tagen zwischen Los Cristianos oder Santa Cruz de Tenerife nach La Palma einzurichten. Es scheint also wirklich zu gelingen, für die große Woche Transportmöglichkeiten für über 20.000 Menschen zu schaffen, nun müssen wir nur noch zusehen, wo diese denn auch schlafen. Mit den, schätzungsweise 12.000 Gästebetten welche die Insel momentan zu bieten hat, ist das natürlich nicht zu machen, viele der Gäste kommen aber privat in Familien unter und den Möbelhäusern sei jetzt angeraten Beistellbetten zu ordern und nicht erst im Juli. Zusammenrücken ist dann angesagt, 85.000 Palmeros, 20.000 Gäste für die Bajada und vielleicht noch mal 7.000 "normale" Touristen, so viele Menschen waren noch nie gleichzeitig auf der Insel.



Donnerstag 19.05.05 - 17:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 26 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 65 % Luftdruck 1020 hPa

Meine Frau war mal wieder einkaufen

An den israelischen Kartoffeln ist sie dieses Mal vorbeigekommen, die waren auch nicht nach unserem Geschmack. (Wer die Geschichte nicht kennt: Newsarchiv - 29.4.05) Selbst Kiko, Wirt von der Abuela, hat diese Kartoffeln an seinen Lieferanten zurück geschickt, damit konnte er auch nichts anfangen und hat seinem Lieferanten gedroht, wenn du nicht Kartoffeln aus La Palma oder Tenerife besorgen kannst, dann suche ich mir einen anderen. Kartoffeln beiseite, inzwischen liegen wieder endemische Knollen in unserer Speisekammer und gut, dass man über Geschmack unterschiedliche Meinungen haben kann, bei uns zu Hause haben alle meinen Geschmack (zu haben).

Bei solch einem Haustyrann wie ich es sein muss, ist es nicht einfach einkaufen zu gehen, achte ich doch inzwischen akribisch auf die Herkunft der Produkte. Das sieht dann so aus, antreten zur Provenienzkontrolle, der gesamte Einkauf wird gefilzt. Bei jedem Produkt welches nicht aus La Palma oder zumindest von den Kanaren stammt, muss meine Frau eine glaubhafte Erklärung abgeben, dass es keinen endemischen Ersatz gab und original italienische Teigwaren auf La Palma noch nicht produziert werden. Meine Kinder mögen das ausländische Zeug, da will ich dann mal ein Auge zudrücken und kaue weiter an meinen steinharten Makkaroni aus Gofio. Neulich habe ich meine Frau und meine beiden Töchter bei einem knallharten Etikettenschwindel gestellt, saßen die drei doch in einem abgedunkelten Raum und naschten eine Tafel Schokolade. Das kam mir verdächtig vor und so habe ich die Tafel konfisziert und nach Rücksprache mit der Handelskammer in Santa Cruz musste ich feststellen, dass keine Firma mit dem Namen "Ritter Sport" im kanarischen Handelsregister eingetragen ist. Kam mir gleich so komisch vor, da steht mit Filzstift auf der Tafel: Hergestellt auf La Palma, seit wann können wir Deutsch? Um weiteren Schaden von meiner Familie abzuwenden habe ich den Rest der Tafel heroisch selbst vernichtet, wer einen Darm hat, von Ramons Mojo gestählt, dem kann Schokolade aus fernen Ländern nichts anhaben.

Die Strafe folgt sofort, drei Wochen nur Lokalfernsehen, kein ARD, kein ZDF und Gottschalk muss mal ohne meine drei Damen auskommen. Zusätzlich mussten die Drei noch Handarbeit machen, aus allen Schokoladenpapieren die ich bei weiteren Spindkontrollen entdeckt habe, mussten Sie eine Kollage erstellen. Auf einem großen Brett aus heimischen Holz steht nun in Resten von Bounty, Mars und Snickers Papier in großen Lettern: "Globalisierung go home", damit müssen die Frauen dann dreimal um die Kirche von El Paso laufen und dürfen nur mit dem Taxi nach Hause fahren, wenn sie ein Auto finden welches auf La Palma hergestellt wurde. Wenn Sie sich jetzt fragen, warum schreibt der Siebold heute so einen Blödsinn, dann lautet meine Antwort, weil ich spitzen Laune habe. Die Sonne scheint, kein Wölkchen am Himmel, gleich gibt es authentische Curry-Wurst zum Abendessen, danach darf ich noch ein autochtones Weizenbier trinken (selbstklebende Etiketten welche die endemische Herkunft beweisen trage ich immer am Mann) und vor allem ich muss mich nicht mehr um das Forum kümmern.


Es ist vollbracht, die Currywurst ist nun anerkanntes spanisches Lebensmittel



Donnerstag 19.05.05 - 08:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 17 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 65 % Luftdruck 1019 hPa

Heute ein Gastkommentar von Michael K. Nathan

Es geht also doch - wenigstens ein bisschen

Da sitzt der Mensch an seinem Hamburger Frühstückstisch, schaut missgelaunt aus dem Fenster in den wolkigen Himmel, der gerade einen kräftigen Schauer niederprasseln lässt und träumt von der palmerischen Sonne, von dem guten Albillo-Wein aus El Castillo und von dem Huhn in Zitronensauce aus der Tasca Catalina und blättert desinteressiert im Abendblatt (das allerdings schon morgens um 6 Uhr im Briefkasten liegt).

Die unnötigen Flyer, jene Werbebroschüren mit all den schönen Dingen, die keiner braucht, wurden schon unbeachtet zum Entsorgen auf den Boden gelegt, und plötzlich: Halt! Da steht doch tatsächlich in großen Lettern: Freuen Sie sich auf Spanien! Auf 12 bunten Seiten stellt Galeria-Kaufhof nicht nur einfach Lebensmittel aus Spanien vor.Gleich nach dem hübschen Titelbild, auf den ersten beiden Seiten werden tatsächlich Produkte der Kanaren vorgestellt und zum Kauf angeboten!

Da lesen wir von zwei Sorten Mojo, von Herreño, dem geräucherten Käse aus Ziegen- Kuh- und Schafsmilch, von Flor de Guimar, dem reinen Ziegenkäse aus Rohmilch oder auch vom El Tofio, dem Ziegenkäse in Paprikahülle. Auch unsere kleinen Bananen fehlen nicht. Sie werden sogar ausführlich beschrieben: ...Schönheitspreise werden sie nicht gewinnen. "... Sie sind klein und haben braune Flecken. Die sind typisch für diese Bananen und zeugen von angenehm aromatischer Süße. Geschmacklich sind sie unübertroffen und das ist doch das Wichtigste". Dazu gibt es dann noch den kanarischen Bananenlikör und den Guanchenrum, den Likör aus Rum, Honig und Kräutern. Und auch die kanarische Süßkartoffel fehlt nicht.

Die angebotenen Weine stammen aus Teneriffa und Lanzarote, wo auch die kleinen Kakteen her stammen sollen. Den Namen La Palma suchen wir leider vergeblich auf dieser Doppelseite. Aber immerhin. Es ist ein Anfang. Man müsste den Lebensmitteleinkäufern vom Kaufhof auf die weltmeisterlichen Ziegenkäse aus La Palma, auf das Salz "unserer" Saline und auch auf die Weine gerade der jungen Winzer hinweisen. Vielleicht gibt es dann auch mal einen Flyer Freuen Sie sich auf die Produkte La Palmas...



Mittwoch 18.05.05 - 16:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 24 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 66 % Luftdruck 1021 hPa

Das Forum ist tot, es lebe das Forum!

Endlich geht es weiter, es haben sich mutige neue Betreiber gefunden, die dieses La Palma Forum mit allen Rechten, Pflichten und Residenten übernommen haben. Wenn es ein Forum in einem halben Jahr auf über 400.000 Klicks bringt, dann muss man sich wohl nicht über die Berechtigung eines Forums für und über La Palma unterhalten, sondern nur noch um das Wie. Nach einem eher schleppenden Start kam das Forum mächtig in Schwung und bald war klar, dass La Palma keine Insel der Glückseligkeit darstellt, wenn man sich in die anonyme Welt der Daten und Pixel begibt. In dieser Anonymität geraten die Finger mal viel zu schnell auf die Tastatur und schreiben Dinge, die man einem reellen Gegenüber niemals ins Gesicht sagen würde.

Allerdings untersteht das wunderbare Recht auf freie Meinungsäußerung immer der Würde anderer Menschen. Wenn das nicht beachtet wird, muss von Dritter Seite eingegriffen werden und das geht nur, wenn es tatsächlich eine Dritte Seite gibt. Nicht nur als Betreiber einer kommerziellen Webseite zum gleichen Thema, sondern viel mehr aus meiner Sicht und Art mit anderen Menschen umzugehen, war ich als Betreiber und Moderator dieses Forums ungeeignet. Darüber hinaus war es mir sehr unangenehm, von Palmeros angesprochen zu werden, welche Dinge da über sie erzählt werden in meinem Forum.

Wir dürfen nicht glauben, dass die Inhalte des Forums nur unter "Deutschen" die Runde machen. Viele Palmeros können etwas Deutsch oder haben deutsche Freunde oder Familienmitglieder und bekommen den Inhalt des Forums wohl erklärt. Mag sein, dass manche Übersetzung dann auch noch gefärbt wird von eigenen Interessen der Übersetzer. Daran sollten wir denken, wenn wir über Andere und Anderes sprechen. Vielleicht wird es etwas mühsamer, seine Texte auch noch mal von der anderen Seite zu betrachten, vielleicht werden manche Beiträge dabei sogar noch viel wertvoller. Man kann wunderbar kritisieren ohne zu verletzen, man kann sogar beleidigen, wenn man sich dabei selbst einbindet und nicht Satire mit Zynismus verwechselt. Die Linie zwischen Spaß und Beleidigung ist ganz fein, die Aufgabe so nah wie möglich an diese Linie zu geraten, ohne diese zu überschreiten, sollte man sich eigentlich erst gar nicht stellen. Die Kunst liegt bekannterweise im Auge des Betrachters, wenn man nachher schreiben muss, ich hab´s doch gar nicht so gemeint, dann hat man vorher etwas falsch gemacht. - Wie schön, dass es dieses Forum wieder gibt, ich freue mich darauf und wünsche den neuen Betreibern ein glücklicheres Händchen als ich es hatte. - La Palma Forum



Mittwoch 18.05.05 - 08:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 18 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 65 % Luftdruck 1022 hPa

Wie viel Technik braucht der Bananenbauer

Revolutionäres geschieht im Aridanetal, das zweitgrößte Staubecken der Insel oberhalb von Los Llanos (Dos Pinos) bedient jetzt direkt mehr als dreihundert Bananenbauern aus La Laguna, Todoque und Triana. Bislang wurde das Speicherbecken ausschließlich als "Wasserlager" genutzt und bei Bedarf, also im Sommer, floss dieses Wasser wieder zurück in das bestehende Bewässerungssystem. Jetzt bedient sich die "Bewässerungsgemeinschaft Dos Pinos" (So etwas gibt es hier wirklich) direkt aus dem Becken in ihrem eigenen Netz, schließlich haben die über dreihundert Bauern auch ein Viertel der Baukosten des Wasserspeichers bezahlt. Nun ist nicht wirklich etwas revolutionäres an der Tatsache, dass man sein eigenes Wasser auf die Bananen kippt, das Wie aber schon.

Zukünftig können die angeschlossenen Bananenbauern per PDA oder Handy ihre Fincas beregnen lassen, genauso wie in der schönen Welt aus der Fernsehwerbung. Jetzt muss "Pepe Platano" also nicht mehr die Gummistiefel anziehen, zu seiner Plantage fahren und an einem großen Rad drehen um die Bananen zu wässern, jetzt genügt ein Anruf aus der Kneipe und schon macht er seine Bananen nass. Um den Segen dieser Technik richtig genießen zu können stelle ich mir das aber so vor, Pepe fährt in seine Plantage, stellt sich mitten in die Bananen, ruft die berühmte Nummer an und es fängt an zu regnen. (Ich darf darauf hinweisen, dass es sich dabei um keine 0190er Nummer handelt) Wenn nun das Handy nicht nass geworden ist, dann kann Pepe den Regen auch wieder abstellen. Die Steuertechnik dieser Anlagen lässt sogar noch viel mehr zu, die Bananen können vollautomatisch bewässert werden, die Messungen von Feuchtigkeitsfühlern im Boden gemixt mit dem Wetterbericht der kommenden Tage bestimmen die Wassermenge welche auf die Plantage verteilt wird. Ziel der ganzen Geschichte, außer das Ego der Programmierer zu sichern, ist Wasser sparen zu wollen. Ob das klappt wird sich zeigen, denken Sie mal darüber nach, wenn irgend ein Lausejunge so ein PDA in die Hände bekommt oder das ganze System gar auf Windows basiert...



Dienstag 17.05.05 - 17:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 24 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 67 % Luftdruck 1020 hPa

Die Markthalle von Santa Cruz, die unendliche Geschichte

Jetzt sind es vier Jahre, dass die Renovierung der Markthalle in unserer Hauptstadt Santa Cruz einfach nicht zu einem endgültigen Abschluss kommt. Den Markthändlern war ursprünglich ein Zeitraum von 14 Monaten genannt worden, in dem sie ihre Waren in einem Ersatzquartier anbieten müssen, danach sollte der historische Markt in Santa Cruz in neuem Licht und Glanz erscheinen. Aus 14 Monaten wurden 48, aus einer Renovierung wurde eine Komplettsanierung und aus dem ursprünglichen Kostenvoranschlag eine Satire-Zeitung. Bei der Sanierung historischer Gebäude gibt es immer wieder Überraschungen und so sollten Schuldzuweisungen wegen planerischer Inkompetenz zumindest zurückhaltend ausgesprochen werden. Der letzte "neue" Eröffnungstermin wurde für Mai dieses Jahres angekündigt, jetzt haben wir Mai und keine Markthalle.

Inzwischen haben die Hauptstädter aber einen neuen Bürgermeister und der gibt nun einen neuen "neuen" Termin für die Wiedereröffnung, November 2005. Schuld daran ist der alte Bürgermeister, dafür sind abgelegte Politiker grundsätzlich da. Die Verzögerungen in der Bauphase ergaben sich aus den ständig wachsenden Kosten. Die Baufirma legte immer dann einen Zwischenspurt ein, wenn die nächste turnusmäßige Zusage für den aus allen Nähten platzenden Kostenvoranschlag nicht nur zugesagt war, sondern auch auf dem Tisch lag. Jetzt fehlen nur noch 500.000 Euro für die technische Ausrüstung der Markthalle, also Kühlhäuser, Theken, Tresen und alles was an Technik auch noch so in eine Markthalle gehört. Nun werden aus 48 Monaten 54 (+) und aus bislang geduldigen Markthändlern, bald wilde Marktschreier. Der neue Bürgermeister hat nämlich genau so wenig Geld wie sein Vorgänger im Stadtsäckel liegen und nun muss erst mal eine Betteltour durch die Instanzen der Provinzregierung gemacht werden. Eigentlich kann er sich aber Zeit lassen, der magische Termin, alles in Santa Cruz muss vor der "Bajada de La Virgen de Las Nieves" fertig sein ist eh schon vom Tisch. Vielleicht klappt es aber bis zur nächsten Bajada, die findet im Jahr 2010 statt, dann aber unter der Schirmherrschaft eines anderen Bürgermeisters, dieser wäre von den Markthändlern inzwischen verkauft worden, in Scheiben, nicht am Stück.



Dienstag 17.05.05 - 08:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 18 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 66 % Luftdruck 1021 hPa

Die Schneejungfrau per Internet

Keine Anzüglichkeiten am frühen Morgen, es geht um das größte Fest der Insel, die "Bajada de La Virgen de Las Nieves". Nun kündigen die Organisatoren revolutionäres an, Karten für bestimmte Vorstellungen sollen auch über das Medium Internet verkauft werden. Allerdings müssen wir noch bis Ende des Monats warten, dann erst geht der Kartenverkauf los. Möglich macht diese moderne Version des Kartenvorverkaufs eine Zusammenarbeit zwischen der katalonischen Firma "IC Software" und den Veranstaltern des Inselfestes. Zu buchen werden die Karten über die Webseite der Stadt und des größten Sponsors sein, der "Caja Canaria".

Das ganze Spektakel findet nur alle 5 Jahre statt, eigentlicher Höhepunkt und historischer Auslöser für dieses Fest, ist die Wallfahrt mit der Statue der "Virgen de Las Nieves" aus dem gleichnamigen Ort in die Hauptstadt Santa Cruz. Am 16. Juli wird die Jungfrau in den Ort getragen und bleibt dort bis zum 5. August. Die beiden bekanntesten Vorführungen sind jedoch das Minué am 13. Juli nachts und der Tanz der Zwerge einen Tag später. Dieses Jahr erwarten die Veranstalter mehr als 20.000 Besucher und zumindest für die Kernzeit "semana grande" vom 13. - 17. Juli wird man wohl auf der Ostseite der Insel kein freies Bett mehr erhaschen können.



Montag 16.05.05 - 17:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 25 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 66 % Luftdruck 1022 hPa

Schwere Krise der autonomen kanarischen Regierung

Vielleicht helfen Vergleiche am besten, obwohl die kanarischen Inseln aus zwei Provinzen bestehen, Gran Canaria und Tenerife, bilden sie dennoch zusammen ein Parlament welches am ehesten den Landesregierungen der deutschen Bundesländer entspricht. Wir stehen also auf der Stufe direkt unter Madrid aber noch über den Provinzregierungen und den einzelnen Inselvorständen. Seit 1995 stellen Partido Popular und Coalición Canaria gemeinsam die kanarische Regierung, allerdings mit Schwergewicht bei der Coalición Canaria, kurz "CC". Noch vor den Wahlen im Jahr 2003 wollte man diese Koalition sogar bis in die Stadtparlamente aller Inseln fest schweißen, das gelang aber nur zum Teil und bröselt seit dem in Madrid die Partido Popular nicht mehr an der Macht ist gewaltig.

Nun hat Adán Martín, Präsident der kanarischen Regierung, den Pakt ganz aufgekündigt und der Partido Popular alle politischen Ämter in der Regierung weg genommen. Nun hat die "CC" zwar keine Mehrheit der Sitze, allerdings erwartet man von dem lachenden Dritten, den Sozialisten der PSOE, mindestens stillschweigende Unterstützung. Seit der Nationalwahl im März 2004 in Madrid, hat die Partido Popular für die Regionalisten der "CC" natürlich als Koalitionspartner reichlich an Attraktivität verloren. Was soll man denn mit einer Partei an seiner Seite, die in Madrid nichts mehr zu sagen hat. Da wendet man sich lieber den momentan auf nationaler Ebene bequem regierenden Sozialisten zu, diese Verbindung ist viel fruchtbarer als auf der Seite der Verlierer zu stehen. Ob dieser gewaltige Schnitt sich auf bis in die unteren Parlamente fortsetzen wird, das ist noch nicht ganz klar, noch versuchen die Inselregierungen die umständlich geschnürten Koalitionen zu verteidigen. Es ist aber jedem klar, wenn oben die Coalición Canaria mit den Sozialisten gemeinsame Sache macht, dann wird es schwer werden in den unteren Regierungsebenen die alte Gruppierung mit der Partido Popular aufrecht zu erhalten. Politik ist zwar wenig erheiternd, aber durchaus unterhaltend.



Montag 16.05.05 - 08:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 17 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 68 % Luftdruck 1023 hPa

Escarabajos

Unter diesem Namen wäre das Auto nie ein Welterfolg geworden, reden wir doch nicht über sechsbeinige Krabbeltiere, sondern über den VW Käfer. Escarabajo heißt auf Deutsch nichts anderes als Käfer und dieses Auto ist so lustig wie die Geschichte, dass mir vor ein paar Wochen doch tatsächlich jemand erzählen wollte, der Käfer heißt auf Deutsch Beetle. Da will ich aber nicht kleinlich sein, die automobile Linguistik schenkt uns diese Möglichkeiten, ich habe schließlich auch einen Pick-up und keinen Aufnehmer. Darum geht es den über dreißig Mitgliedern des ersten und einzigen "Escarabajo Club" La Palmas aber gar nicht, sondern um gemeinsame Freude ein Auto zu besitzen welches sowohl mit Tiernamen betitelt wird, als auch mit mythischen Vergleichen.

Der älteste Käfer in den Reihen der Clubmitglieder stammt aus dem Jahr 1951 und gehört einem Insektenfan der nicht mal halb so alt ist wie sein Auto und das Wort Reliquie für sein Gefährt wählt. Gemeinsame Ausfahrten, geselliges Basteln und verbaler Austausch rund um ein Auto, welches erst zum Kult aufgestiegen ist, als man sich längst ein anderes kaufen konnte. Die Mitglieder des palmerischen Käferclubs sind aber nur Teildogmatiker, zugelassen in ihren Reihen sind auch alte Bullys und Kübelwagen, einzige Vorraussetzung ist, dass der Motor hinten sitzen und luftgekühlt sein muss. Dieser Geniestreich der Vereinsstatuten verhindert eine schleichende Unterwanderung der Escarabajos und Käfer, durch die neureiche Beetle-Bewegung. Wir sind also alle gleich und auch auf La Palma findet man am Wochenende Auto waschende Clubmitglieder an Tankstellen und anderen Knotenpunkten der Mobilität. Von einem Mantaclub habe ich allerdings noch nicht gehört, vielleicht mangels Masse. Immerhin gibt es doch einen Unterschied zu mitteleuropäischen Autoclubs, auf La Palma ist der Präsident der Käferfreunde eine Frau und die fährt und fährt und fährt.



Sonntag 15.05.05 - 17:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 24 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 69 % Luftdruck 1024 hPa

Der Passatflüsterer

Klappt doch hervorragend mit dem Nordostpassat, einmal ´ne Runde heftig über ihn abgelästert, schon weht er wie man ihn kennt und lässt einen prächtigen Wolkenwasserfall über die Cumbre Nueva kriechen. Die Wolken hat er auch schon fast alle vertrieben und nun stimmt das Bild wieder, welches in allen Reiseführern beschrieben wird. Kommt man von der wolkenbedeckten Ostseite durch den Tunnel, empfängt einen strahlende Sonne. Nicht immer, sondern nur wenn der Passat es will.

Zum Wetter habe ich noch eine kleine Geschichte. Früher, als ich noch in Gärten arbeitete und mein Geld mit der Hacke in der Hand mehr schlecht als recht verdiente, hatte ich die Ehre öfter mal mit Paco zusammen zu arbeiten. Paco galt als Mensch der über das Wetter Bescheid weiß und viele Jahre lang, zog ich meinen nicht vorhandenen Hut vor dem Wissen dieses erfahrenen Menschen. Wer Kenntnis wollte, ob es morgen regnet oder der Wind bläst, der hat Paco gefragt und fast immer hat das auch gestimmt. Irgendwann, nach ein paar Jahren habe ich mich mal getraut zu fragen, Paco woher weißt du das und warum schaust du nicht in den Himmel wenn du mir erklärst wie das Wetter morgen wird? Lange hat er sich am Kopf gekratzt, das hat er immer gemacht wenn er nicht wusste, ob er soll oder nicht, dann kam er raus mit der Sprache. - "Mathias, ich bin ein alter Mann und kann nicht mehr so viel schlafen und wache immer ganz früh auf, dann ist mir langweilig und ich mache den Fernseher an, da sagen die mir wie das Wetter morgen wird".



Sonntag 15.05.05 - 09:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 17 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 70 % Luftdruck 1025 hPa

Verschrumpelte Väter

Oft frage ich mich, warum wir immer seltener große Ausflüge über die Insel unternehmen. Natürlich habe ich hunderte von Entschuldigungen parat, ich fahre nicht gerne Auto, wir haben so viel zu tun, das kennen wir doch schon und alles was einem so einfällt, um seine gewohnte Umgebung nicht verlassen zu müssen. Früher, ja früher da waren wir jedes Wochenende in irgendeinem Nest dieser Insel, haben die Landschaft erkundet und sind dann in ein Lokal eingekehrt um auch kulinarisch hinter die Gepflogenheiten dieser Region zu kommen. Das ist etwas, was Menschen die aus großen Flächenstaaten kommen nicht glauben können, auf La Palma ist man in 10 Autominuten in einer anderen Landschaft, die Farben sind andere, die Gerüche und auch die Menschen haben ihre ganz eigenen Bewegungen und Mundart. Man könnte eine Ehe von einem Mann aus Tijarafe mit einer Frau aus Mazo fast schon bilateral nennen, mindestens aber multikulti.

Der eigentliche Grund, warum ich mich kaum noch aus El Paso rauswage ist aber ein ganz anderer. Das könnte man fast schon häusliche Gewalt nennen, es liegt an den perfiden Bemerkungen meiner kleinen Tochter, welche sie in der Öffentlichkeit gegenüber meiner in Ehre gefalteten Gesichtshaut äußert. Sind wir irgendwo auf der Insel in einem Restaurant, wo man uns und unsere uneingeschränkte familiäre Solidarität noch nicht kennt, grinst dieses Kind von Anfang an so diabolisch und siegessicher, dass ich schon lange keine Lust mehr habe mit ihr Essen zu gehen. Das teuflische Ritual ist immer das gleiche, irgendwann stellt der Kellner oder die Kellnerin die Frage, ob man denn "Papas fritas" (Pommes frites) oder "Papas arrugadas" (verschrumpelte Kartoffeln) als notwendige Sättigungsbeilage haben will. - Hier sagen wir für Kartoffeln nicht "Patatas" wie das eigentlich auf Spanisch heißt, sondern "Papa" was natürlich auch Vater heißt.- Nun schlägt die triumphale Stunde meiner kleinen Tochter und beginnt mein Leidensweg. Auf die Frage nach den Beilagen kommt immer sofort ihre Antwort: "Queremos papas fritas un papa arrugado ya tenemos" - "Wir wollen Pommes frites, einen verschrumpelten Vater haben wir schon".


verschrumpelte Väter



Samstag 14.05.05 - 17:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 21 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 69 % Luftdruck 1024 hPa

Nordostpassat mit Mangelerscheinungen

Das Azorenhoch ist endlich wieder da wo es hingehört und eigentlich könnten wir nun mit dem Sommer beginnen. Allerdings ist dieses Hoch nicht von besonders kräftiger Natur und hat noch mit jeder Menge Wolken in den oberen Luftschichten zu kämpfen, welche ein ebenso schlappes Tief hier einfach noch hat liegen lassen. Was unserem Hoch jetzt fehlt, ist der Wind, der so wichtige Wind, nur er schafft es den berühmten Wolkenwasserfall zu bauen und die übrigen Wolken auf der Westseite wegzublasen. Die Großwetterlage (hört sich immer so ein bisschen wie "Großdeutschland" an) ist aber einfach nicht danach, ein Hoch welches im Zentrum nicht mal an die 1030 Hektopascal erreicht, kann keinen Wind liefern der den Namen Nordostpassat verdient. Trade-Winds sagten früher die Seefahrer, weil sie mit diesem Wind bis in die neue Welt gereist sind, jetzt kämen sie mit diesem lauen Lüftchen nicht mal aus dem Hafen heraus, wie gut nur, dass Herr MAN und Herr VOLVO zusammen den Schiffsdiesel erfunden haben. Eigentlich hätte ich die Lösung, man müsste das Azorenhoch zu Ramón schicken und eine ordentliche Portion Schweinefleisch mit dem berühmten Mojo servieren, das gibt immer ganz zuverlässige Winde.



Samstag 14.05.05 - 09:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 19 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 69 % Luftdruck 1023 hPa

Plan hin, Plan her, ein Plan muss her

Es ist vollbracht, der "Plan Territorial Especial" (PTE) ist von der Inselregierung abgesegnet worden, Coalición Canaria und Partido Popular stimmten dafür, die Sozialisten der PSOE enthielten sich der Stimme, stummer kann Geschrei wohl nicht sein. Dieser höchst beachtete Plan soll die zukünftige touristische Entwicklung der Insel steuern und Rahmenbedingungen setzen, wo ist der Anfang, wo das Ende. Ohne diesen Plan geht gar nichts und jeder der auch nur im Entferntesten mit Tourismus auf dieser Insel zu tun hat wartet sehnsüchtig darauf, dass wir endlich wissen, wo ist Links, Norden, Oben und Rechts. Um diese klare Richtungsvielfalt endlich an die nächsten Behörden weiter schicken zu können hat man auch noch den Kunstgriff angewandt, etwa 50% aller Eingaben abzusegnen und neben den Plan zu legen, aber nicht eingearbeitet. Die andere Hälfte der Eingaben, es sollen weit über hundert sein, gehen zurück an die Absender und jeder dieser Absender hat nun das Recht gegen die Ablehnung seiner Eingabe Protest einzulegen.

So angreifbar verlässt nun dieses wichtige Dokument unsere Insel und landet auf den Tischen der Provinzregierung und wird dort weiter zu den Abteilungen geleitet, die solche Dokumente bearbeiten. Zuerst wird sich die COTMAC "Comisión de Ordenación del Territorio y del Medio Ambiente de Canarias" mit unserem Plan beschäftigen, welche etwa einer Raumordnungsbehörde entspricht und wenn diese nicht über die vielen spitzen Steine stolpert die dieser Plan so in sich hat, dann geht es weiter an die Provinzregierung. Dort beginnt dann das so beliebte Schubladenspiel, wo ist der Plan gerade, wer hat schon Ja gesagt und wer formuliert gerade noch sein Nein. Mich verlassen bei all diesen so furchtbar demokratischen Verfahren manchmal die Kräfte noch an die Möglichkeit der Demokratie zu glauben. Weil alles immer in der Schwebe ist, macht eh jeder was er will. Dieser Plan muss her, sei es auch der schlechteste überhaupt, selbst ein Don Quixote braucht Windmühlen um diese zu bekämpfen. Jetzt sind wir gerade erst dabei die anderen zu fragen, ob wir denn überhaupt Windmühlen bauen dürfen.



Freitag 13.05.05 - 18:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 21 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 68 % Luftdruck 1022 hPa

823,20 Euro im Monat

Das ist der neue Monatslohn den Arbeiter im den Bananenpackstationen erhalten. Darauf haben sich die Gewerkschaft CCOO und der Verband der Bananenpacker auf der Insel geeinigt. Das geschieht meist ohne großen Tumult, gestreikt wird auf La Palma eher im öffentlichen Dienst, die anderen können sich das nicht leisten, wenn man so will. Die staatlichen Abzüge in der Einkommensgruppe sind sehr gering und trägt größtenteils der Arbeitgeber. Ein kleines notwendiges Nachgeplänkel, die Gewerkschaft wollte eigentlich mehr, und die Verbände eigentlich weniger bezahlen, Smalltalk as usual. Wenigstens ist die Inflationsrate damit ausgeglichen und mehr kann man im Moment wohl nicht erwarten.

Scheint sehr knappes Geld zu sein mit dem da viele auskommen müssen, in wenigen Branchen wird deutlich mehr bezahlt, Lebensmittel kosten auf La Palma auch nicht wenig und trotzdem klappt das. Dazu muss man wissen, dass auf La Palma die meisten Leute in Eigentum leben, also kein Batzen Miete fällig wird und fast jede palmerische Familie eine kleine "huerta" bestellt, in der Kohl, Kartoffeln, Möhren und vieles bunte mehr gezogen werden. Ein Stall mit Kaninchen, vielleicht noch 4 Ziegen und schon ist man ein Stück unabhängiger vom knappen Gehalt. Das Monatsende doch immer wieder das Wort "crisis" fällt und die Leute seltener in den Kneipen auftauchen kommt wohl daher, dass die Monate doch immer länger sind als kurze Gehaltsstreifen. Richtig schwierig ist es für junge Leute, die sich aus der schützenden Familie ihre eigene Unterkunft suchen wollen und nicht die Gnade haben, dass der Vater noch irgendwo ein Grundstück zu vererben hat und selbst wenn er es hat, die Palmeros, besonders die mit vielen Grundstücken, haben die Eigenschaft sehr alt zu werden.



Freitag 13.05.05 - 08:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 18 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 67 % Luftdruck 1021 hPa

Unser Vulkan hat eine Webseite

Das Institut für Technologie und erneuerbare Energien "Instituto Tecnológico y de Energías Renovables" (ITER), veröffentlicht nun wöchentlich einen Bericht über die aktuelle Entwicklung unseres weltberühmten Vulkans, Cumbre Vieja. Nemesio Pérez, Direktor dieser Abteilung welche dem Umweltministerium untersteht, will damit den Behauptungen gegenübertreten, die geologische Überwachung unserer Insel sei unzureichend. Jetzt gibt es also auch für La Palma eine vulkanologische Ampel, wie es sie für die großen Inseln schon seit längerem gibt. Die Einteilung der Skala ist ganz einfach: Grün = nichts los, Gelb = man hat anormale Werte gemessen, Rot = Es wird angenommen, dass es zu einer Eruption kommt.

Diese Ampel ist für die Bevölkerung gedacht, die Geologen selbst haben wieder eine andere, welche deutlich komplexer ist und viele Zwischentöne kennt. Die "vulkanologische Krise" auf Tenerife (siehe 10.05.) hat diesen Drang zur Öffentlichkeit angestoßen, jeder soll nachsehen können, wie es unserem Vulkan geht. Diese Cumbre Vieja Peep-Show ist aber auch nicht unumstritten, welcher Laie kann denn beurteilen was es bedeutet, dass der Co2 Ausstoß erhöht ist und dass mehr Radon freigesetzt wird als im so genannten normalen Zustand. Man müsse sich einfach mal vorstellen was passiert, wenn Focus diese Seite entdeckt und erneut die Insel journalistisch zum Einsturz bringt. In einer Region mit aktiven Vulkanen gibt es keine Normalität, man kann nur die Schwankungen feststellen und daraus Schlüsse ziehen. Nichts ist los auf La Palma meint Nemesio Pérez, auch ihr wolltet eure Vulkanampel haben, jetzt habt ihr sie und dass ihr damit nichts anfangen könnt, das ist euer Problem. Irgendwie freut es mich ungemein, wie uninteressant wir für die Vulkanologen sind. Hier geht es zu den wöchentlichen Berichten über die Cumbre Vieja.



Donnerstag 12.05.05 - 17:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 21 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 68 % Luftdruck 1018 hPa

Schnelle Fähre, langsame Häfen

Seit dem die neue und rasante Schnellfähre "Benchijigua Express" die Häfen Los Cristianos im Süden Tenerifes, La Gomera und La Palma bedient, ist diese bis heute nicht ein einziges Mal pünktlich gefahren. Das ist für La Palma vielleicht einfach nur lästig, wenn die Fähre ein bis zwei Stunden zu spät kommt, auf Gomera ist der Ärger größer. Der größte Teil des Touristenstromes welcher nach La Gomera zieht, wird über den Südflughafen Tenerifes abgewickelt. Die Gäste werden dann per Bus zum nahen Hafen von Los Cristianos gebracht und dort auf die Fähre geleitet. Rückwärts geht es den gleichen Weg und wenn dann die Leute zwei Stunden zu spät in Tenerife sind, kann es Ärger geben mit dem Flieger, der ist im ungünstigsten Fall schon in der Luft.

Nun könnte man meinen, die neue Fähre kann nicht so schnell fahren wie versprochen, daran liegt es aber nicht, sondern die Abfertigung in den Häfen dauert viel zu lange. Besonders im Hafen von Los Cristianos sind die Anlagen völlig überfordert mit dem enormen Andrang an Fahrzeugen die sich auf der Verladestation tummeln um dann im Bauch der schnellen Fähre zu verschwinden oder diesem zu entkommen. Wenn fast 400 Autos und LKW aus dem Hafen in den Ort entlassen werden, entstehen solche Staus, dass manchmal einfach nichts mehr geht. Langfristig wird der Hafen von Los Cristianos eh durch einen weiter nördlich gelegenen ersetzt, aber wer unsere Planungsspontanität kennt, der weiß sehr gut, bis dahin haben die Chinesen die größte Schnellfähre der Welt und wir müssen wieder nachlegen. Nachlegen will auch die Reederei Olsen und hat schnell Besserung versprochen, hat auch fast schon funktioniert, heute war die "Benchijigua Express" nur eine dreiviertel Stunde zu spät auf La Palma. Wir brauchen also keine schnelleren Fähren mehr, sondern schnellere Häfen. - Ich kann da einen empfehlen, Puerto de Tazacorte, da liegt bestimmt kein anderes Schiff und wenn ich dann überlege, wie die Autos dort bis in den Ort rein stehen und auf das Schiff warten, dann habe ich diesen Satz nie geschrieben.



Donnerstag 12.05.05 - 08:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 18 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 67 % Luftdruck 1019 hPa

Kursus über typisch kanarische Bauweise

Die Inselregierung hat nun einen offenen Lehrgang eingerichtet, in dem Interessierte sich über die alte und typische kanarische Architektur und Bauweise informieren können. In Zusammenarbeit mit dem "Centro Internacional para la Conservación del Patrimonio" (Cicop) - Internationales Zentrum für die Erhaltung des Kulturerbes - geht es in erster Linie um die Möglichkeiten der Restaurierung alter Gebäude. 100 Stunden Theorie sind im Angebot und natürlich richtet sich dieser Kursus an die vielen Bauunternehmer, welche immer wieder vor dem Problem stehen, welche Materialien darf ich anwenden um ein historisches Gebäude zu sanieren.

Erst in den letzten beiden Jahrzehnten hat man wieder begonnen, sich auf den Erhalt alter Gebäude zu besinnen, auch wenn es deutlich teurer und zeitintensiver ist, als eine nachhaltige Generalsanierung, die nichts anderes bedeutet als einen Abriss und einen Neubau mit Hohlblocksteinen. Um aber alte Gebäude halbwegs original restaurieren zu können, muss man um die damals verwendeten Materialien Bescheid wissen. Die Katrol und Silicon Epoche auf La Palma hat nur wenig Maurer und Handwerker übrig gelassen, die sich noch auf den Umgang mit den Materialien auskennen, die früher in Zeiten des Mangels und Improvisationszwangs verwendet wurden. Hintendran steht aber immer wieder die Frage der Finanzierung, sei es im öffentlichen, wie auch im privaten Bereich. Auch wenn es nun bald ein paar mehr Handwerker gibt, die wissen wie man original restauriert, bleibt es eine Frage des Geldes wer es sich leisten kann in einem alten Haus zu wohnen.



Mittwoch 11.05.05 - 19:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 24 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 68 % Luftdruck 1018 hPa

Trasmediterránea gibt Fährverkehr auf den Kanaren auf

Sag zum Abschied leise Adios. Der Weggang der ehemaligen Staatsreederei war eigentlich vorprogrammiert, Stück für Stück zog diese alle Fähren ab und legte eine Route nach der anderen still. Zuletzt blieb nur noch die Alcántara, welche Tenerife, Gran Canaria und Fuerteventura miteinander verband. Nun hat die Reederei angekündigt, diese Route am 31. Juli auch noch aufzugeben und damit endet eine fast hundert Jahre alte Geschichte für die kanarischen Inseln. Seit 1917 gibt es die Trasmediterránea, gegründet von einem Verband von Schiffsausrüstern in Barcelona. Unter Franco wurde die Linie zum Staatseigentum und verband für ganz kleines Geld als "öffentlicher Fernverkehr" alle größeren spanischen Häfen miteinander. Im Jahr 2002 wurde die Reederei privatisiert und hat im Passagierverkehr zwischen dem Festland und den Balearen ihre stärksten Routen.

Auf den Kanaren machte die Trasmediterránea nie Gewinn, die Konkurrenz von "Olsen" und "Armas" ist zu mächtig im interinsularen Passagier und Frachtverkehr. Zeitweise wurden zwischen Gran Canaria und Tenerife zwei Tragflügelboote eingesetzt, aber auch mit dieser moderneren Technik wurde kein Geld verdient. Letztes Aufbäumen war der Einsatz des, seinerzeit größten Fährkatamarans der Welt, der "Millenium Dos", dieser wurde aber auch nach kurzer Zeit zum Fähreinsatz auf die Balearen geschickt. Was den Kanaren aber noch an Präsenz der Trasmediterránea erhalten bleiben wird, vorerst zumindest, ist der Halbfrachter J.J. Sister der zwischen den Kanaren und Cádiz verkehrt, so wie zwei schnelle Frachtfähren die im RoRo Verfahren die gleiche Strecke bedienen.



Mittwoch 11.05.05 - 08:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 17 Grad, Niederschlag: 1 mm, Luftfeuchte 67 % Luftdruck 1018 hPa

Selbstverstümmelung

Preise über Preise regnet es auf die palmerischen Käseproduzenten und Jahr für Jahr wird mehr Käse erzeugt und auch verkauft. Käse aus La Palma boomt, nicht nur hier, sondern auch auf Tenerife gönnen sich immer mehr Menschen einen ordentlichen Biss in dieses herzhafte Stück La Palma. Neben Wein und Blumen, ist die Produktion von Ziegenkäse eine der wenigen wachsenden Sparten in unserer Landwirtschaft und diese wird nun aus einer Ecke bedroht, die aus Brüsseler Feder stammt und hier nicht beantwortet wird.

Jeder, der in der EU Käse für den öffentlichen Verkauf produziert, muss ein Zertifikat nachweisen, dass er Trinkwasser bei der Herstellung benutzt hat. (Das Wasser kommt übrigens nicht in den Käse, sondern dient nur der Reinigung der Anlagen) Ein eigentlich selbstverständlicher Vorgang, es geht aber um die Bescheinigung und die ist auf La Palma nicht zu bekommen. Die Gemeinden lehnen es ab diese Zertifikate auszustellen, permanente Kontrollen und Analysen wie es die EU Richtlinien vorschreiben scheinen den Gemeinden zu teuer und zu aufwendig. Die größeren Käseproduzenten lassen nun ihr Wasser von privaten Labors untersuchen, die vielen kleinen Käsemacher können sich das nicht leisten. El Paso hat nun die Notbremse gezogen und die öffentliche Wasserversorgung einer privaten Firma übertragen, vielleicht sind die in der Lage für das was sie berechnen, auch gerade zu stehen, Trinkwasser.



Dienstag 10.05.05 - 17:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 21 Grad, Niederschlag: 2 mm, Luftfeuchte 67 % Luftdruck 1016 hPa

Absolute Ruhe

Gehen wir mal kurz nach Tenerife, ist nicht weit und Sie müssen dazu nicht mal aufstehen. Jetzt ist es ein Jahr her, dass häufige aber kleine Erdstöße im Norden der Insel, etwa in der Region von Icod de los Vinos und Santiago, große Unruhe in die Bevölkerung brachten. Wissenschaftler, heimische aber sogar Japaner arbeiteten fieberhaft daran Erklärungen dafür zu finden, was denn im Inneren der Insel vor sich geht. Ende letzten Jahres nahmen die Erdbeben an Häufigkeit wieder deutlich ab und die Inselregierung erklärte die Vorwarnstufe für beendet, seitens der Autoritäten wollte man das Wort "vulkanologische Krise auf Tenerife" schnell und nachhaltig im Atlantik verschwunden sehen.

Viele Wissenschaftler sehen diese Krise aber noch lange nicht als beendet an, die Erde bebt zwar deutlich seltener in der Region, aber die Gassemissionen sind weiter um ein Vielfaches höher, als zu "normalen" Zeiten. Das muss in Anführungsstriche, denn eines haben wir sicher nun begreifen müssen, wir leben auf Inseln mit vulkanologischer Aktivität, welche davon "normal" ist, das liegt nur im Auge und Interesse des Betrachters. Die Politiker rufen: "Absolute Ruhe" und die Wissenschaftler kratzen sich verlegen am Hals und haben wohl die Hoffnung längst aufgegeben, uns Laien überhaupt etwas davon erklären zu können. Dinge die so komplex sind, dass selbst Wissenschaftler von höchsten Weihen sich nicht einig werden können, müssen ans Volk gebracht werden und das übernimmt pragmatischer Weise dann jemand der noch weniger davon versteht.

Wenn irgend etwas Gutes oder Verwertbares aus dieser Krise geblieben ist, dann die Tatsache, dass wir bald einen Plan erhalten werden, der das vulkanische Risiko auf den Kanaren bewertet. Einmal soll es Karten geben, auf denen die Zonen mit erhöhtem Risiko verzeichnet sind. Da waren sich die Geologen wieder nicht ganz einig wie diese Karte aussehen soll, von Vergangenheit und Gegenwart auf die Zukunft zu schließen ist und bleibt ein Spiel mit vielen Variablen und Konjunktiven, aber es soll diese Karte geben. Vielleicht hat die Politik ja auch an der Karte noch "mitgearbeitet" und schnell noch ein paar Regionen von touristischem Interesse "normalisiert". Das behaupten aber nur dunkle Kreise und mir würde so etwas nie über die Lippen kommen.

Wichtiger ist aber ein Zivilschutzplan, der auch erarbeitet wird und die Folgen einer möglichen Katastrophe lindern soll, von der wir nicht wissen wann, ob und wo sie kommt. Polemik beiseite, das ist das Mindeste was man tun kann, allen Organisationen die irgendwie mit Zivilschutz zu tun haben, ein Papier in die Hand zu drücken, welches ihre Position und Aufgabe im Fall einer Katastrophe ist. Zudem erhalten die Organisationen spezifische Ausbildungen im Katastrophenschutz, Evakuierungspläne sind dabei, Notfallmaßnahmen und Befehlsketten werden festgelegt damit man weiß, wer das Sagen hat und wer nicht. Ganz stolz wird berichtet, die kanarischen Inseln sind die erste autonome Region Spaniens welche solch einen umfassenden Plan hat. - Das mag vielleicht ein ganz klein bisschen daran liegen, dass die anderen keinen Vulkan haben.



Dienstag 10.05.05 - 08:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 17 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 67 % Luftdruck 1015 hPa

397 neue Steuerzahler

Am 7. Mai war der Stichtag, bis dann konnten sich illegal in Spanien aufhaltende Menschen, die einen Arbeitsvertrag oder eine Zusage darüber nachweisen konnten, ihren Aufenthalt in Spanien regulieren. Etwas mehr als 90% aller Anträge werden wohl positiv entschieden werden, Amnestien dieser Art gab es schön früher in Spanien, aber noch nie in diesem Ausmaß. Mit dieser Maßnahme will man ganz einfach eines bezwecken, die Schwarzarbeit einzuschränken und denen, die eh schon hier sind und arbeiten, eine legale Plattform dafür geben. Dazu müssen nicht nur die Immigranten mitmachen, sondern auch die Betriebe und Firmen in welchen diese bislang gearbeitet hatten. Da hapert es noch am allermeisten, viele Firmen sind nicht bereit, Arbeitsverträge anzubieten, dann müsste man den gesetzlichen Mindestlohn bezahlen und Abgaben an den Staat entrichten.

Mit Schätzungen muss man vorsichtig sein, aber "offene Kanäle" sprechen davon, dass nicht mal die Hälfte aller illegal Beschäftigten einen Antrag auf Regulierung ihres Aufenthaltes gestellt haben. Die positive Bilanz, an die 700.000 Steuerzahler in ganz Spanien mehr, das bringt der Sozialversicherung alleine ein Plus von fast 1,5 Milliarden Euro im Jahr. Davon haben 22.000 Menschen auf den kanarischen Inseln ihre Papiere beantragt und davon wiederum 397 auf La Palma. Nach Nationalitäten, den größten Brocken an neunen Steuerzahlern auf La Palma stellen die Kolumbianer, dicht gefolgt von Venezolanern und mit der Bronzemedaille muss sich Marokko zufrieden geben.

Kleiner Nachtrag: Vorsicht mit der Wäsche, heute kann es zu Schauern kommen, wie gesagt, trau keinem Wind aus Westen!



Montag 09.05.05 - 19:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 24 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 65 % Luftdruck 1015 hPa

Endemischer Speiseplan für Ziegen

Das Konsistorium des Weltbiosphärenreservats hat sich eine neue Aufgabe gestellt. Unsere etwa 30.000 Ziegen auf der Insel sollen möglichst nur noch Futter bekommen, welches von der Insel selbst stammt. In den letzten Jahren stieg der Import von Zusatzfutter, meist auf Trockenbasis sehr stark an, für viele Landwirte ist es praktischer Futter zu kaufen, als es zu produzieren oder mit den Ziegen durch die Weidegründe zu ziehen. Der Landwirtschaftsrat unterstützt diese Maßnahme und weist darauf hin, dass es früher weit über 100.000 Ziegen auf der Insel gab und diese allesamt nur mit Futter aus der Umgebung ernährt wurden.

Ein Landwirtschaftsprofessor von der Universität La Laguna wird auch an dem Projekt beteiligt, er soll den idealen Menüplan für die Ziegen erstellen und dazu das Potential unserer Pflanzenwelt erkunden. Auch unser Inselpräsident meldet sich dabei zu Wort, "aprovechar los recursos naturales de La Palma para obtener una rentabilidad que beneficie a la economía insular". Etwa - Die natürlichen Ressourcen La Palmas ausnutzen um eine hohe Rentabilität erhalten, welche der Ökonomie der Insel zu Gute kommt. Gestern noch die Globalstrategie, heute lindernde Worte für die besagten Berufsnostalgiker. Man könnte das auch alles zusammenbringen, wer sagt denn, dass eine größere touristische Infrastruktur es nicht zulässt, dass regionale Landwirtschaft, Kunsthandwerk, Kneipen ohne Speisekarte auf Russisch und manch schrulliges Produkt dieser Insel daneben bestehen kann. Vielleicht nehmen die uns ja mit in ihrem großen Boot, an dessen Bug ganz groß die Fahne der weiten Welt stolz im Wind steht, vielleicht können wir ja sogar ein kleines endemisches Geschäft mit denen machen. Allerdings weiß ich auch, dass ganz vielen von uns auf dem großen Boot der Globalisierung unendlich seekrank werden wird, diese Seekrankheit hat in Spanien noch keinen richtigen Namen, die Folgeerscheinungen könnte man aber "resina cuatro" nennen. Jetzt ran ans Wörterbuch.



Montag 09.05.05 - 08:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 18 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 65 % Luftdruck 1017 hPa

Unsere Stadt muss schöner werden

Nur noch gute zwei Monate bis zur "Bajada de la Virgen de Las Nieves" und Santa Cruz sieht immer noch aus wie eine große Baustelle. Alles läuft im Zeitrahmen hört man aus den Ämtern, positives Denken ist eine feine Sache. Jetzt ist wirklich Endspurt angesagt, man hat nun 31 Arbeitslose eingestellt, die in den nächsten Wochen alle Ecken und Winkel der Stadt fein machen sollen. Bis zum größten Fest der Insel muss alles fertig und schön sein, schließlich erwartet man rund um die Festlichkeiten an die 20.000 Besucher, denen man sich im besten Licht präsentieren will.

Das nur alle 5 Jahre stattfindende Spektakel ist weit über die Inselgrenzen hinaus bekannt und Fernsehbilder aus der Hauptstadt wandern dann nicht nur in die Bildschirme auf dem Festland, sondern auch nach Südamerika. Vor der "Bajada" zittern immer die Verantwortlichen der Stadt, geht da was schief oder nicht zur Zufriedenheit der aufmerksamen Beobachter, dann kann das gravierende politische Folgen haben. Dieses Mal hat das politische Donnerwetter schon früher stattgefunden und der neue Bürgermeister glaubt sich damit auf der sicheren Seite. Wenn nun etwas schief geht, dann kann er das immer noch auf die Fehlplanungen seines Vorgängers schieben. Er sollte aber lieber nicht auf ein intaktes Langzeitgedächtnis der Bürger unserer Hauptstadt hoffen, sondern kräftig in die Hände spucken, da gibt es noch einiges zu tun, bevor die Zwerge tanzen können.



Sonntag 08.05.05 - 17:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 25 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 60 % Luftdruck 1017 hPa

Reichlich Koks im Stall

Fast 2 Kilo Kokain konnte die Guardia Civil bereits am vergangenen Donnerstag in einem Stall in Tacande bei El Paso sicherstellen. Vorausgegangen war die Festnahme von drei jungen Leuten, einem Mann und zwei Frauen, welche von der Guardia Civil schon seit geraumer Zeit observiert wurden. Schließlich wollte man die Drei in einem Auto anhalten, die gaben jedoch Gas und warfen ein Päckchen aus dem Auto. Das Päckchen konnte die Polizei sicherstellen, die Dreierbande wurde festgenommen, wer keine Ortskenntnis hat der sollte nicht versuchen vor der Guardia Civil fliehen. Die jungen Leute waren mit ihrem Auto in eine Sackgasse gefahren, so ein Pech aber auch... Bei den anschließenden Hausdurchsuchungen konnten insgesamt 1.968 Gramm Kokain sicher gestellt werden, mehrere Mobiltelefone, Chemikalien zum Stecken der Drogen und fast 2.000 Euro in bar. Versteckt hatte man das alles in einem Stall in der Nähe des Wohnhauses eines der Festgenommenen.



Sonntag 08.05.05 - 10:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 21 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 61 % Luftdruck 1015 hPa

Festhalten

An die 300 Millionen Euro sollen in den nächsten 4 bis 5 Jahren im Aridanetal an privaten Investitionen rund um den Tourismus fließen. Der Wirtschaftsrat der kanarischen Provinzregierung gibt das bekannt, nach dem er sich auf La Palma mit den Bürgermeistern von Tazacorte und Los Llanos, sowie den Vertretern der Investoren getroffen hat. Der Hinweis an die Investoren war klar, seitens der Regierung gibt es grünes Licht für insgesamt 14 neue Projekte. Dabei handelt es sich um 8 Hotels, zwei Golfplätze und einen Sporthafen. Der Wirtschaftsrat hat mit seiner Aussage, "Das kann nicht nur das ökonomische Modell La Palmas verändern, sondern auch das soziale" völlig recht, muss dabei natürlich offen lassen in welche Richtung und Wertigkeit sich diese Veränderung begibt.

Man will aber dabei bleiben, auf keinen Fall mehr als 25.000 Gästebetten auf der Insel zur Verfügung zu stellen und bestreitet aufrichtig, dass es sich dabei um ein massentouristisches Modell handelt. Man will nur Qualität bieten, alles vom Feinsten und spricht von "unserem Menorca" als Vorbild. Wenn das klappt, wunderbar und man ist sich auch im Klaren darüber, dass dann die Auslastung stimmen muss. Hauptargument für die Zahl von 25.000 Betten ist immer wieder, nur wenn das Angebot groß genug ist, dann interessieren sich die großen Reiseveranstalter für die kleine Insel und stellen genügend Kapazitäten an Transportmöglichkeiten, in diesem Falle Chartermaschinen zur Verfügung. Festhalten kann ich da nur sagen, das wird ein gefährliches Spiel. Machen die Gäste bei diesem Modell nicht mit, weil die internationale Konkurrenz in diesem Sektor beinhart ist und deutlich billiger, dann haben wir nicht nur ein Bananenproblem, sondern auch noch eins welches Überangebot an touristischer Kapazität heißt. Interessant ist auch, dass in diesem Zusammenhang nie die Worte "kulturelle Integrität, soziale Harmonie, Biodiversität und Nachhaltigkeit" auftauchen. Die Worte kommen dann wieder aus der Kiste wenn es darum geht Berufsnostalgiker und Träumer zu beruhigen und davon haben wir viele auf der Insel, mich eingeschlossen.



Samstag 07.05.05 - 17:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 29 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 63 % Luftdruck 1017 hPa

Mit Musik geht alles besser

Luis Morera, Miguel Pérez y Eduardo Martín bilden zusammen die Folkloregruppe "Taburiente", die seit etwa 30 Jahren sehr erfolgreich Musik auf den Kanaren machen. Nun gehen die drei Künstler auf eine Tournee durch die Oberstufenschulen dieser Insel und wollen dort mit ihrer Musik die Schüler zum kritischen Denken auffordern und anschließend auch in Gesprächsrunden über den Umgang mit Kultur, Historie und Zukunft der Kanaren reden. "Taburiente" hat sich wiederholt für Umweltschutz und sehr stark gegen den Irak -Krieg eingesetzt, mit Worten und Musik, wie es Musiker wohl auch am besten können. "Wir haben immer klar gegen den Wind und die Flut gesungen" ein Zitat welches hoffen lässt. Auch wenn man das ungewöhnlich findet, Volksmusik als Protestinstrument, ich staune immer wieder, was hier alles möglich ist.

Um so spannender wird diese Geschichte, wenn man nun hört, dass unser Inselpräsident als Schirmherr hinter der Aktion steht und die "Caja Canarias", als Sparkasse der kanarischen Inseln das auch sponsert. "Taburiente" steht nicht nur für kanarische Volksmusik, sondern auch für manch unbequemen Spruch und Tat, welche nicht immer sehr schmeichelhaft für unsere Inseloberen waren. Wenn Politiker andere zu kritischem Denken auffordern, kann das auch nach hinten los gehen. José Luis Perestelo, so heißt unser Inselpräsident hat aber immer wieder seinen hervorragenden politischen Instinkt bewiesen, das ist ein alter Fuchs was so etwas angeht. Kommenden Montag startet die Tournee im neuen Oberstufeninstitut von El Paso, wir sind also mal wieder die Ersten.



Samstag 07.05.05 - 09:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 21 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 67 % Luftdruck 1017 hPa

Waldbrandgefahr

Über zwei Monate ohne Regen und die Wälder voller Unterholz nach dem feuchten Winter schrauben bereits jetzt Anfang Mai die Waldbrandgefahr auf ein Maximum. Die Alten munkeln bereits, so ein kalter Winter wird einen ganz heißen Sommer bringen. Dabei vertrocknen dann die vielen Kräuter und Sträucher die während der nassen Monate unter den Kiefern gewachsen sind. Bricht nun ein Feuer aus, dann verbreitet es sich rasend schnell, dort wo nur Kiefern stehen und kein Unterholz, dauert das deutlich länger. Die Kiefern selbst fangen erst sehr spät Feuer, es hat schon viele Brände gegeben, in welchen es unten im Wald gebrannt hat, Kräuter, Sträucher und Laubbäume fielen den Flammen zum Opfer und die Kiefern blieben fast unbeschadet.

Nun hat mir ein deutlich älteres Semester erzählt, wie man früher mit solchen Situationen umgegangen ist. Da hat man im April und Mai immer wieder an bestimmten Stellen Feuer gelegt um das Unterholz abzubrennen. Gezielt und bewusst und nur an windstillen Tagen und so früh im Jahr, dass die Kiefern noch so voller Wasser sind, dass sie kein Feuer fangen konnten. Damit nahm man einem eventuellen Brand in den Sommermonaten die Nahrung und schützte so die nähere Umgebung der Siedlungen und Weideflächen für die Tiere. Heute ist man anders gegen Waldbrände erfolgreich, die permanente Überwachung und ein schnell bereitstehender Löschhubschrauber lassen hoffen, keine präventiven Maßnahmen wie früher ausüben zu müssen. Der letzte große Waldbrand war im Sommer 2001, in den Jahren danach ist es den Feuerwehren immer gelungen, jedes Feuer sofort zu loschen. - Heute war die erste Nacht des Jahres in der die Temperatur nicht unter 20 Grad gesunken ist und keine Spur von Feuchtigkeit spendenden Passatwolken. Eigentlich schon Sommer, aber ich traue keinem Wind der aus Westen oder Süden kommt, noch sind die Würfel nicht gefallen und wir dürfen weiter auf den Besuch eines Tiefdruckgebietes hoffen.



Freitag 06.05.05 - 18:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 26 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 67 % Luftdruck 1016 hPa

Kapitale Kläranlage

Für die drei Gemeinden Breña Alta, Breña Baja und Mazo war es immer schon ausgemacht, dass man gemeinsam eine Kläranlage betreiben will. Zusammen leben, zusammen essen und zusammen... Gute Idee, das Geld ist auch bereits bewilligt, Umweltministerium und Provinzregierung teilen sind die Kosten. Nun will auch Santa Cruz, unsere Hauptstadt ihren kapitalen Beitrag leisten, bislang und unter alter Führung wollte man sich immer selber um seine "Belange" kümmern. Santa Cruz hat ja eine Kläranlage bei "Maldonado", was übrigens frei übersetzt so was wie "schlecht gespendet" bedeutet. Die städtische Kläranlage hat aber das gleiche Problem wie die Anlagen von Los Llanos und Tazacorte, aus einem unerfindlichen Grund haben die Kläranlagen sich geweigert mit zu wachsen mit der Einwohnerzahl. Dadurch entstehen, neben dauernden Kosten auch Belästigungen für die Anwohner.

Der Trick des neuen Bürgermeisters ist genau so einfach wie genial. Anstatt aus dem Gemeindesäckel den teuren Unterhalt und notwendige Sanierungsmaßnahmen der eigenen Kläranlage zu finanzieren, will man nun zukünftig seinen kapitalen Beitrag bis zum Flughafen schicken, da nämlich soll die neue Kläranlage hin. Man spricht von kleinen Modifikationen des Projektes die notwendig sind, ganz so klein können diese aber nicht sein, man verdoppelt damit die Menge der zu klärenden Abwässer. Eigentlich soll Ende des Jahres bereits mit dem Bau begonnen werden, das erscheint nun fragwürdig, da muss völlig neu geplant werden. Insgesamt stehen nur 3 Millionen Euro zur Verfügung und davon muss auch noch die Kläranlage von Los Llanos vergrößert werden. Vielleicht kann man ja die Fluggesellschaften als Sponsor gewinnen, als zusätzliches Landehilfsmittel, immer der Nase nach.



Freitag 06.05.05 - 08:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 19 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 67 % Luftdruck 1018 hPa

Caldera nur noch per Taxi

Geht es nach der Verwaltung und der Gemeinde El Paso, dann haben in Zukunft nur noch Fahrzeuge mit Sondergenehmigung die Erlaubnis in die Caldera de Taburiente zu fahren. Die Wanderer müssen dann ihr Fahrzeug auf einem Parkplatz am "Lomo de Los Caballos" abstellen und dann entweder zu Fuß oder mit einem Taxi in das Flussbett fahren oder bis nach Los Brecitos. Das kann alles noch eine ganze Weile dauern, erst mal muss ein Parkplatz geschaffen werden am südlichen Grat der Caldera.

Eins ist sicher, damit erreicht man den höchsten Grad an Sicherheit, den Nationalpark nicht zu übervölkern. Das ist gut, seit dem man die Piste hinab ins Flussbett asphaltiert hat, sind reihenweise auch Leute in den Park gefahren, die einfach nur mal nachsehen wollten, wo denn die Straße hingeht. In Zukunft, ab wann das sein wird ist nicht abzuschätzen, wird es nach diesen Plänen keine Möglichkeit mehr für Spontanbesuche in unserem touristischen Aushängeschild Nummer eins geben. Nur ganz wenige werden zu Fuß vom Lomo de los Caballos in die Caldera steigen, die anderen müssen auf ein Taxi warten und ihren Obolus entrichten um in den Nationalpark zu gelangen. Notbremse kann man diese ganz Maßnahme nennen, sicher nicht populär, aber man will ja auch die Straße nach Los Brecitos auf dem nördlichen Hang der Caldera teeren und dann spätestens müssten restriktive Maßnahmen her um den Nationalpark vor zu vielen Besuchern zu schützen.



Donnerstag 05.05.05 - 17:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 24 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 68 % Luftdruck 1016 hPa

Wohin mit 2.160.000.000 Liter Wasser

Das ist die Menge, welche aus dem größten Staubecken der kanarischen Insel abgepumpt werden muss, La Laguna de Barlovento im Nordosten La Palmas. Das Becken verliert permanent Wasser und erst nach Wochen der Suche hat man die Ursache entdeckt. Ganz unten und direkt an den Auslassrohren hat sich Erdreich abgesenkt und dabei wurde die Folie aufgerissen. Der Schaden ist ohne die Entleerung nicht zu beheben, man muss an der Stelle erneut Material unter dem Becken auffüllen, sonst reißt die Folie erneut. Keine feine Idee, unseren größten Wasserspeicher gerade jetzt, kurz vor dem Sommer zu entleeren und wie man dieses kostbare Gut sinnvoll und gerecht verteilen will. Darüber gab es bereits reichlich Streit, nun aber scheint ein für alle verträgliches Verfahren gefunden zu sein.

250 "Pipas" (eine Pipa sind 480 Liter) stündlich, werden in den Kanal "El Manchon" auf die Westseite geleitet, 300 "Pipas in der Stunde fließen in das Bewässerungssystem von Barlovento und noch mal 700 "Pipas" sind für die Landwirte von San Andres und Los Sauces vorgesehen. Rein theoretisch wäre das Staubecken dann in 160 Tagen leer und man könnte frühestens im September mit der Reparatur anfangen. Die Techniker wollen aber versuchen noch mehr Wasser in die Kanäle zu schicken, dann könnte man früher anfangen. Das wäre auch gut so, denn für die Auffüllarbeiten unter dem Staubecken und das erneute Versiegeln mit Folie soll auch noch mal 4 -5 Monate dauern. Das hieße wiederum, dass im Winter 2005/2006 kein überschüssiges Wasser in dem Speicherbecken gesammelt werden kann und man im Sommer 2006 mit einem leeren Becken dasteht. Es gibt bereits einige Stimmen, die nun fordern das Wasser lieber schneller in den Atlantik zu schicken und dann mit den Arbeiten schnell zu beginnen. Das ist aber ein Gedanke der sich nicht besonderer Beliebtheit erfreut, Wasser wegkippen und in solchen Mengen, das bringt kein Palmero übers Herz.

In eigener Sache, das Kalenderblatt April 2005 ist jetzt im Netz und kann HIER aufgeschlagen werden.



Donnerstag 05.05.05 - 09:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 17 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 69 % Luftdruck 1018 hPa

La lluvia de Abril vale por mil

Ein alter Spruch und heißt nichts anderes als, Regen im April zählt tausend mal mehr. Der Spruch kommt natürlich von den kanarischen Inseln, der April beschließt allgemein unseren Winter und damit die Möglichkeit, dass atlantische Tiefdruckgebiete uns vom Westen her erwischen und uns Regen schenken. Der Regen im April ist deshalb sehr geschätzt, als letzter Gruß des Winters, als Wegzehrung durch die vielen kommenden Monate der Trockenheit. War aber nichts mit Regen im April, der Mai muss es jetzt machen, es sieht aber nicht danach aus. Da steckt ein Tief an die tausend Meilen westlich von uns und hat nichts anderes zu tun, als den Atlantik nass zu machen. Rührt sich nicht von der Stelle, dreht sich um sein Ego und hat wohl Entscheidungsschwächen. Gäbe es so was wie Tiefdruckflüsterer, dann könnte man diese enorme Wasserverschwendung stoppen und dem Tief einen kleinen Ausflug Richtung Osten empfehlen. Ich darf daran erinnern, dass es heute genau 2 Monate sind, in denen es nicht geregnet hat. Ich gebe aber die Hoffnung nicht auf, dass vor dem bei uns fast endlosen Sommer doch noch mal Regen fällt. Wer hätte es im Januar oder Februar gewagt, solche Worte auszusprechen. Zu Regen im Mai gibt es keinen Spruch, einmal weil sich keine Zahl auf "Mayo" reimt und außerdem ist das viel zu selten.



Mittwoch 04.05.05 - 17:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 25 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 69 % Luftdruck 1020 hPa

Gewissen oder Gesetz

Die neuen Gesetze zur Liberalisierung der Ehen Homosexueller werden langsam zum Tagesthema. Noch ist das Gesetz nicht unter Dach und Fach, aber angesichts der klaren politischen Verhältnisse in Madrid gilt es als sicher, dass in Zukunft gleichgeschlechtliche Ehen in allen Punkten der Heirat von "Männlein und Weiblein" ebenbürtig sind. Mit Namensrecht, Adoptionsrecht und allem was dazu gehört und natürlich auch dem Begriff Hochzeit = Matrimonio. Dass diese Ehen nicht in der Kirche geschlossen werden, versteht sich von selbst, aber auch in Spanien sind zivile Ehen längst tagtäglich. Heute habe ich ein paar ältere Frauen gesehen, die hastig und verärgert an einem kleinen Plakat rumkratzten, auf dem irgendeine Schwulengruppe für die Eheschließung von Homosexuellen warb.

Gesellschaftlich ist das hier auf La Palma noch nicht ganz durch, die jungen Leute finden es lustig und machen ihre Späßchen dazu, manch Mittelalten interessiert es überhaupt nicht, aber ein großer Teil der Bevölkerung lehnt es ab, manche aus religiösen Gründen, manche aus politischen, weil sie mit der Partido Popular sympathisieren. Man muss aber auch da genau zuhören, fast niemand regt sich darüber auf, dass es Schwule und Lesben gibt, das ist nicht das Problem, auch wir sind inzwischen im 21. Jahrhundert angekommen. Die meisten stören sich an dem Begriff Heirat und sehen durch gleichgeschlechtliche Ehen dieses vermeintlich hohe Gut in Frage gestellt. So auch unser Bürgermeister, auf den lasse ich eigentlich nichts kommen, aber wenn einer Jesús heißt, dann ist das doch fast schon Omen genug. Er lehnt es ab, homosexuelle Ehen zu schließen und beruft sich dabei auf sein Gewissen, auch er möchte das Wort Matrimonio allein für Ehen benutzen, die auch vor dem Traualtar Bestand hätten. Bis Dezember muss Jesús nun hoffen, dass niemand in El Paso auf den Gedanken kommt, gleichgeschlechtlich zu heiraten. Da käme er in Bredouille, wem muss ich genügen, dem Gesetz oder dem Gewissen. Ab Dezember wird es dann wieder einfacher, da kommt sein Kollege aus dem sozialistischen Lager ans Ruder und seit wann haben Sozialisten ein Gewissen...


Kirche und Rathaus von El Paso

Rein von der Höhenlage steht in El Paso die Kirche über dem Rathaus



Mittwoch 04.05.05 - 09:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 17 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 70 % Luftdruck 1023 hPa

Bananen vor Gericht

Notwendige Strukturwandel kann man angehen oder auch auf sich zukommen lassen. Die Bananen sind gleichzeitig Fluch und Segen dieser Insel, eine so deutliche Abhängigkeit von einer Monokultur macht verletzbar. Je nach Sichtweise und Institution beziffert man das Einkommen dieser Insel aus den Bananen von 40% - 70% des "Bruttoinselprodukts" und selbst wenn man von der unteren Schiene ausgeht, wäre La Palma ohne die Bananen absolut pleite. Bislang schützen Kontingentierungen und Beihilfen die kanarischen Bananen. Das soll ab dem Januar 2006 anders werden, die WHO hat uns auf die Finger geklopft, die mittelamerikanischen Bananenproduzenten haben erfolgreich ein neues System und die Liberalisierung des europäischen Marktes gefordert.

Um keinen neuen "Bananenkrieg" in die ohnehin gespannten Beziehungen zwischen der alten und der neuen Welt zu provozieren, schlägt man nun einen Einheitstarif für Bananen vor, welcher alle Produzenten befriedigen soll. Die Vorstellungen über diesen Tarif schwanken von 75 Euro seitens der Mittelamerikaner zu 230 Euro pro Tonne, welche die Europäer als absolute Untergrenze betiteln. Das Scheitern der Verhandlungen war somit klar, nun ist ein Schiedsgericht eingesetzt worden, welches einen Tarif bestimmen soll. Ein Kanadier, ein Australier und ein Japaner sollen jetzt über unsere Zukunft bestimmen und es scheint ausgemacht, dass ein Kompromiss kommen wird der niemanden befriedigen kann. Die EU hat allerdings angekündigt keinen Tarif unter 230 Euro anzuerkennen, die neue starke Achse Madrid - Paris steht noch hinter uns. Es wird eine Verurteilung mit Bewährung geben und ich kann nur hoffen, dass die Bewährungszeit sehr lang sein wird. Strukturwandel, die uns aus dieser erdrosselnden Abhängigkeit herausführen könnten, sind nicht in Legislaturperioden zu bewältigen und deshalb nicht von politischem Interesse. Der Konsum von Bananen soll ja angeblich Glückshormone im menschlichen Körper freisetzen, die Produktion der kleinen und krummen Gelben sicher nicht.



Dienstag 03.05.05 - 17:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 24 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 69 % Luftdruck 1022 hPa

Einer der es wissen müsste

Spanien in den Zeiten der "Zweiten Republik" von 1931 bis 1936 und dem sich dann anschließenden Bürgerkrieg aus dem die Truppen Francos als blutige Sieger hervorgingen wird in vielen Werken beschrieben. Über die Kanaren in der Zeit gibt es bereits weniger Literatur. Über La Palma ganz speziell nur die Randnotizen und der Blick von außen, auf die Insel, welche sich am längsten aller Kanaren republikanisch hielt und erst mit Kanonenschüssen des Kriegsschiffes "Canalejas" am 25. Juli 1936 auf den Mirador de la Concepción auch unter den braunen Mantel begab. Diese Erinnerungslücken können nun geschlossen werden, Alfredo Mederos erlaubt uns einen tiefen Blick in diese Zeit, von innen und von außen.

Alfredo Mederos Pérez wird am 17 Januar 1934 in Breña Alta geboren und studiert von 1952 bis 1957 Chemie an der Universität von La Laguna auf Tenerife. Er blieb der Universität als Dozent treu, Doktorarbeit 1964 und Professor ab 1973. Neben seiner Lehrtätigkeit an der Universität belegte er noch politische Posten und war Generalsekretär der sozialistischen Volkspartei der Kanaren (Partido Socialista Popular (PSP) und auch Mitglied der Inselregierung Tenerifes. Daneben schrieb er bereits ein Buch "Eine Insel der Freiheit in einem Meer des Franquismus" (Una isla de libertad en el mar del franquismo), dort wird die "rote Woche" beschrieben, also die kurze Etappe der Insel La Palma als einzige "Republikanerin" unter den ganzen Kanaren. - Nun kommt sein neuestes Werk in den Handel und wird sich mit der kompletten Historie La Palmas beschäftigen, beginnend mit der Formierung politischer Parteien und den ersten demokratischen Wahlen in Spanien 1773. Dieser Zeitraum kann nicht ausgelassen werden um Hintergründe der "Zweiten Republik" und dem anschließenden Franco-Regime zu erklären. Der Titel des Buches lautet "Republik und franquistische Verfolgung auf La Palma" - Republica y Represión Franquista en La Palma. - Das Buch wurde letzte Woche feierlich in Santa Cruz vorgestellt und soll inzwischen im Buchhandel zu erhalten sein.



Dienstag 03.05.05 - 08:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 17 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 68 % Luftdruck 1022 hPa

Zwergschulen wieder im Blickpunkt

La Palma gönnt sich noch viele kleine Schulen der ersten Jahrgangsstufen, die "Unitarias", dort werden drei Vorschulklassen angeboten und je nach Schule, bis zur vierten Klasse unterrichtet. Oft sind in diesen Schulen, auf bis zu 7 Jahrgänge verteilt, nur noch 10 bis 15 Schüler, aber 2 Lehrer. Paradiesische Zustände möchte man meinen und für die Eltern ein Segen, liegen doch diese Schulen meist "um die Ecke". Die Schulbehörden betrachten dieses Paradies aber von der Kostenseite aus und da muss man unumwunden zugeben, ein Lehrer für etwa 10 Schüler und dazu der Unterhalt der Schulgebäude und die notwendige Infrastruktur, lassen diese kleinen Zwergschulen als wahre Kostenschleudern dastehen. Die drastischen Rückgänge der Geburtenrate schlagen jetzt voll zu und auch die Zuwanderer können das nicht mehr ausgleichen. Selbst die "Sozialflüchtlinge" aus Mitteleuropa die noch Kleinkinder mitbringen werden seltener und war es vor 10 Jahren noch ein Privileg als Ausländer seine Kinder in eine bestimmte Schule zu geben, so drehen sich Privilegien schnell im rauen Wind der Realität.

Jedes Jahr um diese Zeit geht das Bangen wieder um welche der "Unitarias" dem Rotstift zum Opfer fällt, erwischt hat es nun die Schule von Los Quemados in der Gemeinde Fuencaliente. Die Anwohner sind natürlich sauer darüber, müssen doch ab dem nächsten Kurs die Eltern die Schüler bis in den Hauptort bringen. Ohne abzuwarten, wie viele Schüler sich für das kommende Schuljahr anmelden, ordnete die Schulverwaltung die Schließung der kleinen Schule an. Damit wollten die Behörden einem Trick aus dem Weg gehen, den manche der "Unitarias" mit Hilfe der Eltern bereits in den vergangenen Jahren angewandt hatten. Dieser bestand daraus, dass man Kinder auf mehreren Schulen gleichzeitig angemeldet hatte um den fiktiven Bestand an Schülern für das kommende Jahr zu erhöhen und dann, nach dem die Behörden grünes Licht für ein weiteres Schuljahr gegeben haben, zog man die Anmeldung wieder zurück. Irgend wie ist man uns auf die Schliche gekommen.



Montag 02.05.05 - 17:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 22 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 68 % Luftdruck 1019 hPa

Pilot oder Kapitän, das ist hier die Frage

Was machen bäuerliche Gestalten aus El Paso wenn Feiertag ist, der Himmel so blau, dass es fast schon schmerzt und der größte Trimaran der Welt in Santa Cruz einläuft? Richtig, wir machen einen Ausflug in die Hauptstadt, nehmen uns ordentlich zu essen und zu trinken mit und machen uns auf den Weg. Wir aus El Paso nehmen uns immer was zu essen und zu trinken mit, wenn wir den weiten Weg von über 30 Kilometer auf die andere Inselseite in Angriff nehmen, man weiß ja nie, was einen erwartet. Ein netter Bummel durch die fast menschenleere Stadt und dann eine Stunde auf der Hafenmole, denn der größte Trimaran der Welt und schnellstes Fährschiff kam mit genau einer Stunde Verspätung im Hafen an. War doch gut, dass wir Reiseproviant dabei hatten.

Mit der Verspätung, dass kann man erklären. Die Fähre bedient in der Früh bereits die Route La Gomera - Los Cristianos und weil jetzt an diesen Brückentagen unheimlich viele Canarios von einer zur anderen Insel fahren, dauern Lade und Löschvorgänge deutlich länger als an normalen Tagen. Das Schiff ist wirklich gewaltig und die futuristische Form erinnert gar nicht so an Schiff, Nautik, Seemannsgarn und Buddel voll Rum, sondern nur noch an Technik. Wenn man dazu noch weiß, dass der Kapitän dort oben auf der kleinen Brücke das ganze Schiff per Joystick über den Atlantik dirigiert, dann ist man fast geneigt, eher das Wort Pilot zu benutzen und nicht Kapitän. Da im Hafen von Santa Cruz wieder mal gebaut wird, musste die Benchijigua Express umständlich im Hafenbecken drehen, um an die im Moment einzige Teleskoprampe des Hafens zu gelangen. Da waren nicht mehr viele Meter Spielraum zwischen dem Schiff und der Hauptstadt, der Mann dort oben am Joystick hat sicher etwas geschwitzt, war es doch auch das allererste Mal, dass er mit dem 127 Meter Koloss in La Palma anlegte. Ahoi Herr Pilot und immer eine handbreit Luft unter den Flügeln. Mehr Photos von der Benchijigua Express gibt es HIER.


Benchijigua Express auf La Palma



Montag 02.05.05 - 08:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 15 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 70 % Luftdruck 1019 hPa

Das Kreuz mit den Kreuzen

Hunden und Familien mit Kleinkindern stehen wieder schwere Tage ins Haus, die Kirche schießt im Mai zwar nicht scharf, aber laut. Die Kreuzfeste beginnen und wir haben viele Kreuze auf La Palma, die es in den nächsten Wochen zu schmücken gilt. Das übernehmen die Nachbarschaften und viele fleißige Hände kümmern sich darum, dass alles sauber und ordentlich ist in den Kreuzstationen, mindestens eine Kerze brennt und frische Blumen dem Ganzen einen munteren Rahmen verleihen. In manchen Gemeinden legt man sogar Juwelen mit in den kleinen Altar, Langfinger haben aber keine Chance, argwöhnisch werden die Kreuze von den Nachbarn bewacht. Dann kommt der Pfarrer der Gemeinde und zusammen mit der gläubigen Schar aus der Nachbarschaft geht man die Kreuzstationen ab und segnet diese. Das ist bis jetzt alles ganz friedlich und niemand kann sich daran stören, das kennt der Mitteleuropäer eigentlich aus allen katholisch angehauchten Regionen.

Allerdings werden bei uns Böller in die Luft geschossen, als akustisches Signal für die klerikale Endkontrolle der Kreuze. Wie viele bei jedem Kreuz, das habe ich nie herausbekommen, aber für Hunde und Kleinkinder scheint dieses Wirken der katholischen Kirche einfach nur erschreckend, ausgewachsene Schäferhunde verkriechen sich hinter dem Sofa und Babys üben ihre Stimmbänder. Auf der Ostseite werden die Kreuzfeste noch heftiger begangen als im liberaleren Westen, soll aber nicht heißen, dass uns Wessis nicht auch das Blut vor Frömmigkeit (oder vor Schreck) in den Adern gerinnt, wenn wieder mal ein Böller ganz plötzlich neben einem in die Luft geht. Ein paar Gemeinden müssen morgen arbeiten, andere nicht. Für die vier Nachbargemeinden auf der Ostseite, Breña Alta, Breña Baja, Mazo und Santa Cruz de La Palma ist es das größte Fest des Jahres und dementsprechend arbeitet dort morgen niemand. Der Hintergrund ist nicht rein religiös, sondern auch geschichtlich. Morgen am 3.Mai feiert Santa Cruz de La Palma seinen Gründungstag von 1493.

Zum Thema Kreuze auf La Palma gibt es beeindruckende Photos auf der Webseite von Berni Patten.



Sonntag 01.05.05 - 17:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 24 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 70 % Luftdruck 1016 hPa

Heiße Füße

Ein nette Geschichte lese ich da gerade in der Zeitung "El Día" über einen 67 jährigen Mann aus Breña Alta, der fast sein gesamtes Leben barfuß verbracht hat. Anselmo Apolo Silva Padrón heißt der gute Mann und trägt nur bei wichtigen Anlässen, wie seiner eigenen Hochzeit, den Beerdigungen guter Bekannter, die bei einem Alter von 67 Jahren häufiger eintreten und langen Reisen Schuhe. Er ist Landwirt und hat auch im Straßenbau gearbeitet, jahrelang als die erste Straße auf den Roque de los Muchachos gebaut wurde, immer ohne Schuhe. Als Kind begann bereits seine Leidenschaft für nackte Füße, beim Militär musste er Schuhe tragen, das fand furchtbar und konnte erst danach wieder ohne Fußhüllen laufen. Seine beiden Leidenschaften sind seine kleine Landwirtschaft, bestehend aus einem Acker und ein paar Tieren. Früher verkaufte er auch dem Markt, seine Kräfte ließen aber nach und nun versorgt er nur noch seine Familie und Freunde. (Vielleicht ist er ja Schuld daran, dass ich Kartoffeln aus Israel essen muss...) Seine andere Leidenschaft ist das Wandern, ganz ohne Schusters Rappen, immer wenn er Zeit hat geht er auf Tour und seine Lieblingsroute führt das Flussbett hinauf in der Caldera de Taburiente. Alle Achtung, das schaffen viele andere 67 jährige nicht mal mit Schuhen. Auf die Frage, warum er denn sein Leben barfuß verbringt, kommt eine ebenso verblüffende wie logische Antwort. Er habe immer so heiße Füße und da ist es unangenehm, Schuhe zu tragen. Wird er komisch angesprochen auf seine barfüßige Leidenschaft, dann sagt er immer, ich wurde ohne Schuhe geboren und bin einfach dabei geblieben. So kommt es vor, dass man sogar mit Jesuslatschen noch "overdressed" sein kann.



Sonntag 01.05.05 - 10:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 19 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 69 % Luftdruck 1017 hPa

Wer pünktlich ist versäumt das halbe Leben

Der erste Mai fällt auf einen Sonntag und pragmatische Gesetze des Müßiggangs bescheren uns so einen weiteren freien Tag, den Montag. Daraus ergibt sich zwangsläufig ein unendlich langes Wochenende. "Puente" - Brücke heißt das hier und ist immer Anlass für Festivitäten aller Art. El Paso hat sich ein neues Spektakel ausgedacht, das erste Jugend-Kultur-Festival, organisiert vom Rathaus und alles was mit Jugend, Kultur und Festival auch nur im Entferntesten zu tun hat, war und ist diese Tage auf den Straßen. Ein dicht gedrängtes Programm, vom Pferderennen über klassisches Konzert, sportliche Veranstaltungen wechseln sich ab mit Theater, Flohmarkt gegen Autoshow, keine Chance auch nur annähernd alle Programmpunkte abzutingeln.

Muss auch nicht sein, wer alles will bekommt eh nur graue Haare und einen Herzinfarkt dazu. Pünktlichkeit ist dabei auch nur kontraproduktiv, wer um 18:00 Uhr an der Kirche steht, weil dort die Trommelgruppe aufbrechen soll, der versäumt das Konzert welches um 16:00 angesetzt war, aber eben gerade begonnen hat. Keine Angst, man kommt dennoch rechtzeitig zum Trommeln, Zeit ist dehnbar, auch ohne Einstein bemühen zu müssen. Um 18:00 Uhr kann es mit dem Trommeln auch gar nicht losgehen, der Chef der Truppe wird gegen 19:00 Uhr erst geweckt, tiefer und notwendiger Schlaf auf Grund einer vorausgegangenen Zeit-Raum Krümmung ist wichtiger als Uhrzeiten.

Gegen 20:00 Uhr ist man sich einig, dass es nun bald losgehen kann und die ersten Trommler haben sich auch schon eingefunden. Fran, so heißt der Chef der Truppe hat sich inzwischen von einer Bar zur anderen wenigstens näher in die Richtung seiner Aufgaben bewegt und eigentlich könnte es losgehen, aber die Hälfte aller Trommler müssen erst mühsam aus den Lokalen gerufen werden. Schließlich sind dann alle zusammen, nun fehlt Fran wieder und ohne den geht doch nichts. Gegen 21:00 Uhr werden die beiden Lokalpolizisten nervös und machen sich auf die Suche nach Fran, kommen aber selbst nicht wieder und nun wissen wir auch warum die Lokal-Polizisten heißen. Fran ist aber irgendwie an denen vorbeigeschlüpft und steht nun endlich an der Spitze seiner geduldigen Schar an Trommlern, es kann aber nicht losgehen, weil die Polizisten nicht da sind und ohne die geht es auch nicht. Die kommen dann aber auch schnell und um 21:15 Uhr, fällt der erste Paukenschlag und so ist es kein Wunder, dass ich die Trommelgruppe noch nie bei Tageslicht ordentlich photographieren konnte. Pedanten könnten jetzt behaupten, das sind über drei Stunden Verspätung und da offenbart sich die ganze Erbärmlichkeit dieser Pharisäer. Wir haben mehr als drei Stunden Leben geschenkt bekommen, wir wären alle längst im Bett, wenn Fran uns nicht an seiner unendlich großzügigen Auslegung der Relativitätstheorie hätte teilhaben lassen. Danke Fran, ohne dich wäre mein Leben viel kürzer.


El Paso La Palma

Fran, die Zeitmaschine



Familie Ingrid & Mathias Siebold
Calle el Torreón 5/7
E-38750 El Paso
La Palma, Islas Canarias, Spanien
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Kanarische Ferienhäuser auf La Palma