La Palma Aktuell
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Nachrichtenarchiv Juni 2007


Samstag 30.06.07 - 17:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 24 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 60 % Luftdruck 1020 hPa
Höchsttemperatur heute 24,8 Grad - niedrigste Temperatur 16,6 Grad

Auto abmelden - so einfach geht das (oder auch nicht)
Wie man sein Auto von hier aus in Deutschland abmeldet, darüber habe ich mich schon im Internet informiert. Die Informationen waren aber immer ein wenig unterschiedlich und deshalb habe ich meinen Joker aus der Tasche gezogen: Meinen Bruder. Der fristet nämlich sein berufliches Dasein bei der zuständigen Kreisverwaltung und somit in direkter Nachbarschaft zur Kfz-Zulassungsstelle. Und deshalb hab ich den mal auf das Thema angesetzt. Eigentlich wollte ich ihm ja die Nummernschilder und die nötigen Papiere zuschicken, damit er sie dort für mich abgibt, aber weil ich nun nicht genau wusste, welche Papiere er dafür benötigt, hat er erstmal den Leiter der Zulassungsstelle ausgefragt. Und der sorgte für eine Überraschung. Er meinte nämlich, da bräuchte man nichts weiter tun, die Abmeldung würde ganz automatisch vorgenommen, weil das KBA (Kraftfahrt-Bundesamt) die Information direkt aus Spanien bekommt und an die Zulassungsstelle weiterleitet. Na, das ist ja ein Ding! So einfach geht das?

Nein, so einfach geht das eben nicht. Und weil ich mir das auch gar nicht vorstellen konnte, habe ich meinen Bruder gebeten, doch noch einmal etwas genauer nachzufragen. Das hat er dann auch gemacht, und diesmal bekam er zu hören, daß es zwar ein europäisches Abkommen geben soll, nach dem die Zulassungsstellen europaweit solche Abmeldungen automatisch vornehmen sollen, daß das aber in der Praxis mit südeuropäischen Ländern wohl doch noch nicht so klappt. Wäre ja auch zu schön gewesen. Aber dann hatte der Dienststellenleiter doch noch einen Alternativvorschlag parat: Ich solle mal eine Kopie meiner spanischen Anmeldebescheinigung schicken und dazu ein Foto von den alten Nummernschildern, nachdem die Plakette abgekratzt ist. Und praktischerweise könne ich das auch per Email machen.

Nichts leichter als das. Aber erstmal mußte ich einen Scanner finden, um die Papiere einzuscannen. Und da konnte mir wieder mal Britta helfen. Die hat so ein Gerät im Büro, das einfach alles kann (außer Kaffee kochen), und hat mir die "Permiso de Circulation", die "Tarjeta Inspeccion Tecnica de Vehiculos" und meine schriftliche Bitte um Abmeldung des Kfz mal eben als Datei auf einen USB-Stick gezaubert. Danach habe ich eigenhändig die Plaketten von den Nummernschildern abgeschabt und dies mit meiner Digicam dokumentiert. Alles zusammen habe ich dann per Email meinem Bruder geschickt, und der hat das dann bei der Zulassungsstelle vorgelegt. Allerdings zunächst ohne Erfolg, denn die dortigen Mitarbeiter waren mit dieser Sache überfordert, also Chefsache, und der Chef war nicht da. Also nicht viel anders als hier.

Ein paar Tage später hat er ihn dann aber erwischt. Mein Bruder den Chef, meine ich. Und der hat ihm sofort alle Papiere wieder in die Hand gedrückt und gesagt, er bräuchte noch einen Nachweis über den Verbleib des Kfz-Briefes. Oh Mist, hab ich vergessen. Den hat ja der ITV behalten und mir dafür eine gestempelte Kopie mitgegeben. Für die Zulassungsstelle in Deutschland. Ich Dussel! Also nix wie hin zu Britta, nochmal einscannen. Und ab damit per Email. Und dann erhielt ich nach wenigen Tagen eine Email von meinem Bruder mit folgender Überschrift: "Es ist geschafft!!!!!!!!!!!!!". Jubel! Na also, geht doch. Und das alles für 5,90€ Abmeldegebühr und ein wenig Lauferei und Email-Schreiberei. Das Ganze hat zwar 4 Wochen gedauert, aber ehrlich gesagt, ich hätte das kaum für möglich gehalten. Und ob jemand anderes das auch so machen kann, davon bin ich nicht überzeugt. Vielleicht muß man dazu, wie so oft, jemanden kennen, der jemand anderen kennt und der etwas weiß oder kann, was sonst keiner weiß oder kann. Also ähnlich wie hier. Also doch Europa, oder?

Ach ja, und dann hat der Chef der Zulassungsstelle noch gesagt, die Benachrichtigung meiner deutschen Kfz-Versicherung über die Abmeldung würde automatisch erfolgen. Da bin ich jetzt aber mal gespannt. Ich warte einfach mal eine Woche ab und frag dann lieber nochmal nach.

So, eine Sache muß hier unbedingt noch rein: Danke Bruderherz! Und solltest Du mal ein Auto auf La Palma abmelden wollen, sag einfach Bescheid.






Samstag 30.06.07 - 09:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 18 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 71 % Luftdruck 1019 hPa

Residencia ade

Richtig muss es heißen, Tarjeta de Residencia, der "Personalausweis" für hier lebende Ausländer. - Diese kleine Karte hat bereits ihre eigene Geschichte, denn viele Formen dieses Ausweises gab es und auch ebenso viel Missverständnisse um dieses Papier. Früher aber, bis reichlich vor drei Jahren, war diese "Residencia" sogar Pflicht. Zuerst war es ein A4 Blatt mit Text, aber ohne Photo. Dann wollte man dem Umstand abhelfen, dass hier lebende Ausländer nur einen Pass als Legitimation besitzen, der aber viel zu groß ist um ihn immer bei sich zu führen und legte kleine, rote Ausweise auf, die dann mit Photo versehen waren und als Personalausweisersatz sehr beliebt waren. - Was die wenigsten wussten, weil es auch so nie gehandhabt wurde, die Residencia, ob nun kleines rotes Büchlein oder später die Karte, waren eigentlich nur in Verbindung mit dem nationalen Pass gültig. - Das hat hier aber eigentlich niemanden interessiert, so lange man sich in Spanien bewegte, konnte man mit der Tarjeta de Residencia alleine alles machen. - Aber der Aufwand diesen Ausweis zu bekommen, der immer für 5 Jahre galt, war ursprünglich riesengroß. - Mietvertrag oder Hauseigentumsnachweis, Steuerbescheide, Kontoauszüge, Einwohnermeldeamtsbestätigung, Pass, alte Residencia und das alles in mehrfach kopierter Ausfertigung wurde verlangt. Damit konnte man sich dann in Santa Cruz in der Nationalpolizei anstellen und bekam dann den Ausweis, oder die Karte nach etwa sechs Monaten. - Dabei gab es dann auch die lustigen Fälle, das die Bürger, welche einen Mietvertrag vorwiesen, der zum Beispiel nur eine Laufzeit von einem halben Jahr hatte, ihre Tarjeta de Residencia erhielten, die dann allerdings schon wieder abgelaufen war, weil das Amt sich an das halbe Jahr Mietvertrag geklammert hat.

Eines der letzten Geschenke der Amtszeit José María Aznars war es, den Zwang eine Tarjeta de Residencia zu tragen abzuschaffen. - Es steht auch klar gegen die Statuten des Schengener Abkommens, dass man von im Ausland lebenden Bürgern einen zusätzlichen Ausweis verlangt. - Ich glaube, seit dem Ende des Jahres 2003 war es also keine Pflicht mehr eine Tarjeta de Residencia zu besitzen und wieder hat das keiner mitbekommen. Auf den Banken, im Reisebüro und selbst auf den Ämtern verlangte man wieder diesen Ausweis, obwohl dieser inzwischen per Dekret nicht mehr notwendig war. - Meist konnte man reden und mit der Meldebestätigung der Gemeinde (Certificado de Empadronamiento) alles klären, aber manche blieben hartnäckig und wollten weiter die Tarjeta de Residencia sehen. - Bei den Ämtern hat sich dieser Irrglaube dann schon bald gelegt, aber einige Banken und Reisebüros wollten weiterhin dieses Papier sehen, um tätig werden zu können. - Das durften sie auch, denn als Privatorganisation können die selbst bestimmen, welche Unterlagen man für ein Geschäft mit einem Kunden fordert. - Denn, um völlige Verwirrung zu schaffen, gab es die Tarjeta de Residencia weiterhin, als freiwilliges Papier und nun mit sehr viel weniger Aufwand, aber immer noch großen Bearbeitungszeitraum versehen. - Damit ist jetzt auch wieder Schluss, die Tarjeta de Residencia wird seit April dieses Jahres nicht mehr ausgestellt, es genügt nun für alle hier lebenden Nicht-Spanier, sich in das Register der hier lebenden Ausländer einzutragen. - Das wiederum ist Pflicht und als Belohnung erhält man dann einen, diesmal grünen A4 Ausdruck, der bestätigt, dass man sich in das Register hat eintragen lassen. Dieser Vorgang dauert nur 1,5 Stunden, kostet 6,70 und man braucht nur noch die NIE und den gültigen deutschen Pass, oder bei erst kürzlich angereisten den noch vorhandenen Personalausweis. - Wer noch eine Tarjeta de Residencia hat, der muss sich erst dann ins Register eintragen lassen, wenn die Karte ihre Gültigkeit verliert. - Es ist als keine Eile geboten. - Dieses neue Zertifikat hat nun den Vorteil, für alle die hier länger als 5 Jahre leben dauerhaften Charakter zu besitzen und man somit nie wieder den Weg zur Meldestelle machen muss. Wer unter 5 Jahren hier lebt, der muss sich nach 5 Jahren erneut melden und erhält dann die dauerhafte Bescheinigung. - Nachteil ist, dass dieses Papier alleine nicht als Ausweis gilt und man so theoretisch immer seinen Pass mit sich führen muss, weil in Spanien Ausweispflicht gilt. - Das war zwar zu Zeiten der Tarjeta de Residencia nicht anders, weil diese eigentlich auch nur in Verbindung mit dem Pass gegolten hat, meist haben sich jedoch die Behörden mit der Tarjeta alleine zufrieden gegeben, weil ja da ein Photo drauf war. - Es könnte also gut sein, dass man bald noch mal eine kleine Novellierung des Meldegesetzes für Ausländer bearbeiten wird, es ist einfach unpraktisch wie es nun gehandhabt wird. - Nun werden wir mal sehen, wie lange es dauert, bis man in der "freien Wildbahn" mitbekommen hat, dass die Ausländer nun wieder mit andern Papieren rumlaufen als noch vor einem halben Jahr. - Allerdings habe ich die Tejeta de Residencia im Alltag auch noch nie gebraucht und komme seit vielen Jahren mit dem spanischen Führerschein als "Dokument" aus, was zwar eigentlich auch nicht ausreicht, aber mir reicht es aus, wenn das meinem Gegenüber ausreicht, der einen Ausweis von mir will. - Theoretisch kann es aber schon sein, dass man in eine Kontrolle gerät, sich dann zu deutsch verhält und meckert und schon wollen die Ordnungshüter dann den Ausweis samt Registerbestätigung sehen. - Wenn man den dann nicht dabei hat, dann kann es sogar ein Strafgeld kosten. - Alles eine Frage der Einstellung, für die nächsten Jahre tragen wir Ausländer grün und eigentlich bin ich mir sicher, dass das nicht unsere letzte Farbe war…


Unsere neuen Kleider



Freitag 29.06.07 - 18:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 23 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 61 % Luftdruck 1019 hPa
Höchsttemperatur heute 23,7 Grad - niedrigste Temperatur 16,0 Grad

San Juan, heute ist der 29. Juni 1949

Rubens hatte Francisco engagiert, seinen Freund namens Pablo, der mit der Fähre am Morgen aus Tenerife gekommen war, abzuholen. Pablo brachte nicht nur die neue Kameraausrüstung mit, sondern auch etliche Messgeräte, die er mit Rubens Hilfe installieren wollte. Francisco war Feuer und Flamme, weil er einen festen Auftrag hatte, der ihm so viel Geld brachte, dass er einen Ersatzfahrer für den Patrono stellen konnte.

Ich hatte das Glück gehabt, dass Francisco mich gestern Abend in Los Llanos abholte, und Mutter JA sagte. Selbstverständlich hatte Francisco tausend Schwüre aufzubringen, wie gut er auf mich aufpassen würde. Ich konnte in der Nacht bei Julio schlafen und hörte die Geschichten vom Vulkan, die Ramón immer wieder erzählen musste.

Der Vulkan war ruhig. Von Breña aus konnten wir ein dünnes Rauchband erkennen, das über dem Berg hing. Heute war wenig Wind.

Francisco kam mit lautem Hupen den Weg zur Finca runter. Wir standen alle da und staunten über die Kisten auf dem Laster und über Pablo. Er war Spanier und redete vornehm. Rubens hatte jetzt auch den Mann aus Las Manchas, der den Husten hatte, für eine Expedition, wie er es nannte, gewonnen. Auch einige andere Leute aus der Nachbarschaft waren gekommen und wollten mal hören, was es zu verdienen gab. Ich fand das alles sehr aufregend und versuchte Francisco klar zu machen, dass ich bei der Expedition auch mitmachen wollte. Ramón war mittlerweile von allen anerkannt, und ich war doch nur ein paar Jahre jünger als er. Julios Vater sollte auch mitgehen. Er hatte am Abend zuvor den Hirten in Tacande Geld gegeben und war nun frei für die nächsten Tage.

Rubens und Pablo standen über eine Karte gebeugt und diskutierten. Die anderen luden die Kisten ab und packten aus, immer wieder von Zwischenrufen unterbrochen, dass sie ja aufpassen sollten, das seien teure und empfindliche Geräte. Ich hielt mich immer in der Nähe von Rubens auf. Der Mann hatte für mich eine unerklärbare Faszination bekommen. Plötzlich wurde Pablo laut. Es ging um Theorien und er stützte seine These auf neueste Erkenntnisse, und danach sei der Ausbruch eines Vulkans im Süden der Insel wahrscheinlich. Er habe der Guardia Civil auch gesagt, dass die Maßnahmen zur Evakuierung völlig voreilig getroffen wurden und aus der Luft gegriffen seien. Julios Vater bestätigte, dass er gestern Abend in Las Manchas Leute bei ihren Häusern gesehen habe. Großvater Manuel war schon vorgestern wieder zu seinem Haus gegangen, weil er gießen wollte.

Wir fuhren in zwei Wagen nach Fuencaliente. Rubens und Pablo hatten sich darauf verständigt, dass Rubens Messungen am Cabrito vornehmen solle, während Pablo von Fuencaliente bis zur Küste gehen werde.
Francisco fuhr erst die Geräte für Pablo an eine Stelle unterhalb von Fuencaliente, dann kam er zurück, und wir luden das ab, was Rubens mit nehmen wollte. Francisco meinte, dass ich auch etwas tragen sollte. Er hantierte mit einer braunen Schachtel an einem Lederband, in der ein Fernrohr war. Ich nahm die Schachtel. Und dann hatte ich noch einen Wassersack über dem Rücken. Julios Vater ging vor. Dann folgten Rubens und Francisco, die ein Gerät an einer Stange trugen und schließlich Ramón und ich.

Es war ein sehr weiter Weg. Am frühen Nachmittag hatten wir den Cabrito erreicht. Rubens begann sofort mit dem Zusammenbau der Geräte. Ich weiß noch, wie Fancisco einen langen Metallstab eingraben musste, was ihn sehr ärgerte. Rubens schien nicht sehr interessiert. Er erledigte den Aufbau und besprach dann mit Julios Vater und Francisco die weitere Expedition. Er entschied sich für den Aufstieg in den Berg. Er wollte auf dem Westhang nach Verwerfungen suchen. Francisco sollte die drei am Abend am Refugio abholen.

Eigentlich war ich froh, dass ich mit Francisco wieder zurückgehen konnte. Ich war noch nie hier im Süden im Berg gewesen. Es war ein glühend heißer Nachmittag, und wir versanken im Sand. Endlich erreichten wir wieder den Wald und die Fuente del Tion.

Mutter war froh als ich wieder zuhause war, aber trotz meiner Müdigkeit jammerte ich so lange rum, bis sie nachgab und ich noch eine Nacht bei Julio bleiben durfte. Francisco hatte noch einige Fässer aufgeladen, und jetzt mussten wir uns auch beeilen. Bis zum Refugio war es weit, und die Sonne stand schon im Westen. Es war fast dunkel als wir oben ankamen. Immer wieder musste er Soldaten erklären, was er auf dem Berg zu suchen habe, weil der Weg eigentlich gesperrt war. Am Refugio war ein Lager der Soldaten und einige Militärfahrzeuge standen unter den Bäumen. Ja, sie hatten diesen Engländer gesehen, völlig verrückter Kerl! Zuletzt sei er in den Llanos del Agua gewesen. Wir warteten und warteten. Endlich sahen wir Lampen zwischen den Bäumen blinken. Die Soldaten riefen Erkennungsworte hin und her. Schließlich kam die Truppe an und stellte sich vor dem Zelt des Comandante auf. Einer der Soldaten machte einen Bericht. Der Engländer habe ihnen erklärt, dass ein neuer und weitaus stärkerer Ausbruch bevorstehe. Wahrscheinlich sei ein neuer Krater an der Westflanke, nördlich von dem aktiven Krater, weil hier alles in ständiger Bewegung sei. Der Mann habe ihnen Stellen gezeigt, wo das Gelände sich geöffnet habe. "Oben auf dem Berg quer durch die Llanos del Agua läuft ein viele hundert Meter langer Riss!" er betonte die Hundert . "Weiter nördlich ist ein Graben entstanden, der einige Meter breit ist und in Richtung des Barrancos de los Cubos läuft. Und dort fauchen heiße Gase aus allen Löchern! Ich habe den Eindruck, als ob der ganze Berg angehoben wird. Alles zittert! - Die Abteilung steht jetzt im Tal zwischen Los Charcos und La Barquita, und der Engländer hat gesagt, dass er so lange dort bleibt bis der Befehl zum Abrücken kommt!" - "Der Engländer kann mich mal...", der Comandante drehte sich zum Zelt, und wir sahen ihn mit der einen Hand am Kinn, mit der anderen auf den Kartentisch gestützt eine Weile stehen. Er blickte in die Lampe, dann kam er wieder auf den Melder zu. "Von Vulkanen verstehe ich nichts, lassen Sie die Abteilung abrücken und bringen Sie mir den Engländer hierher"!

Es dauerte eine kleine Ewigkeit bis die Lampen oben zwischen den Bäumen blinkten. Wieder gab es ein Hin und Her mit Losungen. Der Abteilungskommandant machte Meldung, dann wurde durchgezählt und weggetreten. Rubens erschien mit Julios Vater beim Comandante, dann standen die drei über die Karte gebeugt. Rubens war überzeugend. Ramón und ich kletterten zu Francisco in den Laster, der Stromdiesel dröhnte durch den Wald.



Vulkanroute, Richtung Norden

Wer jetzt erst anfängt mit den San Juan Geschichten, der sollte noch lesen was bisher geschah



Freitag 29.06.07 - 08:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 18 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 74 % Luftdruck 1018 hPa

Zwangsgeräumte Wohnung wird zum Welterbe

Die Ureinwohner Tenerifes hatten reichlich Respekt vor dem Berg, der heute Teide heißt und nun von der UNESCO sogar zum Welterbe deklariert wurde. - Das ist so ziemlich die höchste Auszeichnung die man bekommen kann und darum wird das auf Tenerife auch fast so hoch gefeiert wie der Berg selber ist. - Der Teide ist mit seinen 3.718 sogar der höchste Berg Spaniens und ganz ohne Zweifel das Wahrzeichen der Insel Tenerife, wenn nicht sogar aller Kanareninseln. - Wie sagte der Inselpräsident Tenerifes so schön, nachdem es klar war, dass der Teide diese Auszeichnung bekommen wird: Bis jetzt war es unser Berg, nun gehört er der ganzen Welt. - Symbolisch gesehen, denn der Teide ist natürlich auch ein absoluter Touristenmagnet und Tenerife muss mit durch den Tourismus große Teile seiner Volkswirtschaft erwirtschaften. - Da stoßen auch wieder die Interessen der Umweltschützer mit denen der Marktwirtschaft zusammen, an die dreieinhalb Millionen Gäste besuchen jedes Jahr den Nationalpark und sorgen so, nach Aussagen der Umweltschützer, für eine nicht erträgliche Last, die auf diesem Welterbe liegt. - Man kann mit einer Seilbahn absolut bequem auf den Gipfel fahren und eigentlich gehört dieser Programmpunkt zu den Dingen mit dem "Muss-Faktor", wenn man die größte der Kanareninseln besucht. - Dort oben angekommen wird zumindest sehr scharf überwacht, dass keiner der Besucher die gekennzeichneten Wege verlässt, andauernd trällern schrille Pfeifen der Wächter ausgebüchste Urlauber wieder auf den rechten Weg zurück. Der Disput zwischen Umweltschützern und der touristischen Nutzung von Naturlandschaften wird immer weitergehen, jeder versucht seinen Standpunkt so gut wie möglich zu vertreten und es bleibt nur zu hoffen, dass die Kompromisse die man da permanent schließen muss, nicht zu sehr einseitig sind.

Der Teide gehört aber auch zu den aktivsten Vulkanen der Welt und manch ein Geologe behauptet sogar, dass er bald mal wieder "an der Reihe sei", nachdem man im Jahr 2004 eine mittelschwere Krise durchlitten hat, hunderter kleiner Beben und erhöhte Gasemissionen erschreckten die Bewohner an der Nordflanke des riesigen Berges. - Inzwischen hat sich der Berg wieder beruhigt und die Zahl der Erdstöße und auch die Gasemissionen sind wieder etwa im Durchschnitt des letzten Jahrzehntes, so dass man nicht mehr von einer akuten Aktivität sprechen kann. - Da hat sich Guayota mal wieder gemeldet, der böse Dämon vor dem die Ureinwohner so Angst hatten, denn das Teide-Massiv war ursprünglich seine Wohnung in der er gehaust hat. - Diese böse Welt nannten die Guanchen "Echeyde", die Eroberer der Insel machten daraus dann später "El Teide" und so hat der Berg seinen Namen bekommen. - Der Legende nach wohnt aber Guayota nicht mehr im Teide, denn Achamán, der Obergott der Guanchen vertrieb den Bösewicht und ließ auch den Sonnengott "Magec" wieder frei, der im "Echeyde" von Guayota eingesperrt war. - Daraus lesen Spezialisten einen vergangenen Vulkanausbruch heraus, das Grollen und Poltern der Eruptionen deuteten die Ureinwohner auf einen cholerischen Anfall des bösen Dämonen. Dann verdunkelte die austretende Asche den Himmel, weil Guayota den Magec eingesperrt hat und später, als der Ausbruch wieder zu Ende war und der Himmel wieder klar, das war doch ganz deutlich das Eingreifen Achamáns, der nun den Guayota wieder verscheucht hatte. - Ganz oben auf dem Berg kann man einen kleinen Zipfel erkennen, das ist der Deckel mit dem Achamán den Teide verschloss, damit Guayota nicht wieder zurück in seine Behausung kann. So, aber auch anders werden diese Geschichten erzählt und nun ist eine zwangsgeräumte Dämonenwohnung Welterbe geworden, da kann man nur gratulieren und hoffen, dass Guayota nicht über einen Hintereingang wieder in seine Bude zurückgekommen ist.


Photo von Roland Pfau



Donnerstag 28.06.07 - 17:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 21 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 63 % Luftdruck 1019 hPa
Höchsttemperatur heute 21,7 Grad - niedrigste Temperatur 16,6 Grad

Wehret den Anfängen

Für was dieser Ausspruch schon so alles herhalten musste. - Nein, es geht nicht um eine schleichende Machtübernahme rechtsradikaler Kräfte, von der Seite droht hier keine Gefahr. - Was allerdings droht, ist eine heimliche Verschmelzung mehrerer Gemeinden und damit echte Qualitätseinbußen für die Bürger der einzelnen Städte oder Dörfer. - Für Außenstehende mag es ja skurril scheinen, dass wir hier für schlappe 80.000 Einwohner 14 unabhängige Gemeinden haben, die sich allesamt solchen Luxus wie Schulen, Post und eigene Verwaltung gönnen. - Da findet der Rotstift jede Menge Angriffsfläche und natürlich, man könnte das alles vereinfachen und zusammenlegen und so eine Menge Geld sparen. Darum kommt man argumentativ nicht umher und auch der Augenschein bestätigt die Tatsache, dass zum Beispiel die drei Aridane-Gemeinden praktisch bereits zusammengewachsen sind. - Damit meine ich Tazacorte, Los Llanos und El Paso. - Guckt man ein bisschen genauer hin, dann ist das mit der drohenden Eingemeindung in gewissen Bereichen schon Fakt, auch wenn das kaum einer gemerkt hat. - El Paso und Tazacorte haben bereits keinen eigenen Guardia Civil Posten mehr, sondern nur noch kleine Zweigstellen des Hauptquartiers in Los Llanos. Die Gesundheitszentren bieten inzwischen keinen Notdienst mehr am Wochenende, auch da müssen die Einwohner El Pasos oder Tazacortes nun nach Los Llanos, wenn mal außer der normalen Dienstzeit der Ärzte was passiert.

Nun geht es noch ein Stückchen weiter, die Post plant ihr Büro in Tazacorte aufzugeben und dieses in die Hauptpost der großen Schwester, eben Los Llanos zu verlegen. - Jetzt aber beginnt der Aufschrei und der Bürgermeister Tazacortes poltert auch gleich los, das lassen wir nicht mit uns machen. - Mit Recht fordert er das Fortbestehen der Post in Tazacorte, wer mal etwas anderes machen muss als nur eine Briefmarke kaufen, der soll dann in das immer verstopfte und chronisch zu geparkte Los Llanos, um sein Päckchen zu verschicken, oder abzuholen. - Auch wenn das mit der Post vielleicht nur ein kleines Beispiel ist, der verständliche Weg Kosten zu sparen geht nicht nur auf Kosten der Bequemlichkeit der Bürger, sondern verschärft auch noch die Sogwirkung der großen Ballungsgebiete und damit die mögliche Entvölkerung anderer Gebiete. - Wir brauchen dabei nur in den Norden der Insel zu sehen, dort dreht sich der schlimme Kreislauf der Landflucht bereits heftig. - Erst gehen ein paar Menschen, weil sie anderswo vielleicht bessere Bedingungen vorfinden. - Dann sinkt das öffentliche Angebot, weil eben nicht mehr so viele "Kunden" da sind und aus Kostengründen verschwinden dann Schulen, Läden, Krankenstationen und eben auch die Post, was wiederum dazu fährt, dass man niemanden mehr in diese Service-Wüsten locken kann. Kleinere Gemeinden, weniger Geld und dann verfällt auch der öffentliche Dienst und alles weitere, was eine Gemeinde so an Eigenheiten und damit auch Kultur zu bieten hatte oder hat. - Das kennt man aus vielen anderen Regionen der Welt, mit den bekannten negativen Folgen für die Bürger, die Ballungsgebiete werden immer dichter und das Umland vergreist und verliert damit auch seine Identität. - Ob es gelingen wird, diesen Trend zu bremsen, das müssen wir sehen, denn die Post ist eine staatliche Einrichtung und untersteht weder den Gemeinden noch dem Provinzparlament. - Man muss diejenigen, die so laut fordern die Eigenständigkeit der Gemeinden zu erhalten auch nicht als plumpe Lokalpatrioten einstufen, es geht lediglich um Lebensqualität für die Bürger und damit auch um die Zukunft der Gemeinden. - Ein bisschen Lokalpatriotismus ist doch auch gar nicht verkehrt, es ist doch schön, so eine bunte und abwechslungsreiche Kulturlandschaft zu haben. Sollten aber El Paso und Tazacorte irgendwann nur noch pure Vorstädte der Metropole Los Llanos sein, dann verschwinden diese vielen kleinen Eigenheiten und Vorteile, die man eben hat, wenn man sich den Luxus leistet auch für wenig Menschen das komplette Angebot bereit zu halten. - Nein, die Kulturlandschaft des Aridanetals bricht nicht zusammen, bloß weil es keine Post mehr in Tazacorte geben soll, aber es ist wieder ein Stückchen mehr auf dem Weg zur Pauschalgesellschaft. - Darum, wehret den Anfängen. - Wäre ja noch schöner, wenn ich die vielen Pakete die Herr Amazon immer meiner Frau schickt, in Los Llanos abholen müsste..



Donnerstag 28.06.07 - 08:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 17 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 72 % Luftdruck 1018 hPa

Rätlein wechsle dich

In Los Llanos ist das mit dem Zählen so eine Sache. Die vergangenen Kommunalwahlen vom 27. Mai sind jetzt erst entschieden worden, nachdem ein manipuliertes Auszählungsdokument nicht nur aufgetaucht war, sondern sogar gewertet wurde. - Das hat nun der oberste kanarische Gerichtshof wieder rückgängig gemacht und so erhält die CCN ihren dritten Ratsposten wieder zurück, auf Kosten der CC, die damit "nur" noch auf 11 Mandate kommt. - Das aber ist nicht weiter schlimm, auch 11 Räte bedeuten eine bequeme absolute Mehrheit, eigentlich war die ganze Aufregung unnötig. - Allerdings ist die Manipulation eines Auszählungsbeleges kein Kavaliersdelikt und einige Leute müssen sich nun weiter unangenehme Fragen stellen lassen. - Der Vorfall ereignete sich in einem Wahllokal in Argual, dort tauchte ein Beleg auf, in dem die Wahlergebnisse deutlich sichtbar später korrigiert wurden. - Allerdings gibt es auch zwei weitere Belege, denn alles wird in drei Kopien angefertigt und auf diesen sind keine Berichtigungen zu finden, sondern enthalten die wohl ursprünglich ermittelten Zahlen, welche der Gruppierung der CCN eben genau diese Stimmen überlassen, welche ihnen das dritte Mandat geben.

Indalecio Pérez, Chef der CCN, sieht sich nun bestätigt, denn sein Protest hat sich bestätigen können. - Es kann auch in der Tat nicht sein, dass bei solch wichtigen Dokumenten wie es ein Auszählungsbeleg einer Wahl nun mal ist, deutlich nachträglich überschriebene Dokumente den Vorzug vor einem nicht manipulierten Bericht erhalten. - Da liegt wohl der eigentliche Skandal. Wer den Zettel da überkritzelt hat, das wird sich wohl nicht mehr ermitteln lassen, aber dass der Wahlausschuss seine allerersten Zahlen offiziell korrigiert, weil ein, sichtlich manipuliertes Dokument auftaucht, das muss man noch mal in Augenschein nehmen.- Zuerst hieß es, die CCN hat drei Räte erhalten, dann kam die Korrektur, es seine nur noch zwei, weil in Argual neue Zahlen aufgetaucht seien. - Das wollte die CCN nicht auf sich sitzen lassen und ging damit vor Gericht und hat nun auch Recht bekommen mit ihrer Beschwerde. - Also, wieder einen Rat mehr an die CCN und einen weg von der Coalición Canaria und das lustige daran, wenn es bei solchen Manipulationsversuchen überhaupt etwas zu lachen gibt, damit ändert sich im Rathaus rein gar nichts, an der absoluten Mehrheit der Coalición Canaria rüttelt dort in Los Llanos niemand. - Allerdings muss man den Achtungserfolg der CCN in Los Llanos auch anerkennen, drei Räte beim allerersten Antritt einer Partei, das ist mindestens ein Ausrufezeichen.



Mittwoch 27.06.07 - 19:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 19 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 75 % Luftdruck 1019 hPa
Höchsttemperatur heute 20,8 Grad - niedrigste Temperatur 16,6 Grad

San Juan, heute ist der 27. Juni 1949

Am Morgen des 25. Juni hatte sich eine Gruppe von Leuten aus Breña auf den Weg gemacht, um nach Rubens zu suchen.

Ramons Vater hatte es sich zur Aufgabe gemacht, den Mann zu finden, weil sein palmerisches Gewissen von diesem verrückten Ausländer beansprucht wurde. Vielleicht hatten auch die Erzählungen Ramóns dazu beigetragen, für diesen Weggefährten seines Sohnes Verantwortung zu spüren. Und außerdem sollte Ramon die versprochenen 50 $ bekommen.

Als Ramon und sein Vater nach dem Abstieg am 24. Juni die Piste am Roque Niquiamo erreichten, kam die Guardia Civil ihnen entgegen. Sie fragten Ramón über Rubens aus, aber bekamen wenig zu wissen, weil er zu erschöpft war. Sie hatten den Wagen in den Campanarios entdeckt und ihn mitgenommen. Die Verbindung zu Ramón war Ihnen bekannt. Es war ungewöhnlich, dass sie Vater und Sohn in ihrem Wagen mitnahmen und zur Finca nach Breña fuhren. Ramón ging kopfüber zu Bett. Der Vater sprach mit der Guardia Civil und beteuerte, dass Ramón gegen seine Weisung gehandelt habe. Es stellte sich heraus, dass Rubens ein Engländer war. Er hatte sich den Wagen von einem Freund in Puerto de La Cruz geliehen und nach La Palma transportiert. Offensichtlich verfügte er über viel Geld. Seine Identität wurde gerade überprüft. Eine Aufenthaltsgenehmigung für La Palma besaß er nicht, er war aber auf Tenerife polizeilich gemeldet. Die Guardia Civil lehnte jede Beteiligung an einer Suchaktion ab, weil Rubens ihre Anweisungen missachtet habe. Gegen eine private Initiative mit Anmeldung hatten Sie keine Einwände.

Sieben Mann hatten sich am Morgen eingefunden, und sie beschlossen in drei Gruppen zum El Fraile vorzudringen. Zwei Gruppen gingen vom Refugio östlich und westlich um La Barquita in Richtung Los Charcos. Dort wollten sie wieder zusammentreffen. Die andere Gruppe wollte zwischen Nambroque und den Malforadas einen Weg suchen. In dieser Gruppe waren ein Nachbar aus Las Manchas, der ebenfalls in Breña untergekommen war, Ramóns Vater und Ramón. Sie nahmen den Weg zwischen dem Montaña de la Morcilla und dem Nambroque zum kalten Wasser. Die Quelle war versiegt. Am Fuß des Nambroque entlang gingen sie weiter hoch in Richtung El Fraile. An vielen Stellen hatten Gerölllawinen die Pfade begraben. An der Westseite des Nambroque entdeckten Sie einen Tiefen Riss im Berg, der sich bis an den Fuß des Fraile hinzog. Sie folgten dem Riss in gehörigem Abstand und überquerten die gefährliche Zone am unteren Hang des Fraile nach oben. Inzwischen waren auch die beiden anderen Gruppen auf Los Charcos zusammengetroffen und gingen den Höhenweg weiter nach Süden.

Es war still auf dem Berg. Der leichte Nordost legte einige Wolken an den Hang. Ab und zu knackte es im Inneren des Berges, manchmal hörte es sich dunkel an, manchmal wie das ferne Abbrechen eines riesigen Astes.- Immer wieder polterten irgendwo Steine zu Tal. Sie warteten auf der Höhe bis die beiden anderen Gruppen sich zu Ihnen gesellten. Weiter unten, berichteten sie, sei die Kammlage an vielen Stellen aufgerissen.
Ramóns Vater bestimmte, dass zwei Mann auf den Rand des Fraile gehen sollten, die anderen sollten in Abständen von etwa 50 Metern an der Westflanke einen Weg finden, er selbst ging vor. Alle alten Pfade waren mehr oder weniger verschwunden. Vor jedem Schritt setzte er seine Stange in das Geröll. Immer wieder lösten sich Steine und Aschefelder. Nach etwa einer Stunde hatten sie den Fraile umrundet.

Vor ihnen lag im Rücken der Cumbre Vieja ein kantiges Loch, aus dem es in Abständen fauchte und zischte. Dann flog glühender Staub in die Höhe, und gelbbrauner Qualm trieb mit dem Wind davon. Der Wald unterhalb im Westen war völlig in Asche gehüllt. Der Berg aber hatte sich nach Osten geöffnet. Trotz energischer Warnung von Ramóns Vater wagte sich der Nachbar aus Las Manchas vor zur Abbruchkante. Die wabernde Glut in den Klüften stach ihm in die Augen. "Schwefel", sagte er laut zu sich selbst, als wolle er das Getöse übertreffen. Der Krater war mit gelblich glänzender Kruste überzogen. Er versuchte in Augenblicken der Ruhe den Austritt zu erkennen, und glaubte einen Deckel zu sehen, der sich ab und zu erhob, damit ein Schwall von Glut und Qualm herausschießen konnte. Er meinte, einen oberen und einen tiefer gelegenen Glutkessel zu erkennen. Dann drehte der Wind kurz. Die Hitze versengte ihm das Gesicht und drang in seine Lunge. Er kam kaum auf die Beine und taumelte hustend zurück zu den anderen. Es hatte ihn getroffen, und er keuchte und japste nach Luft, um sich dann wieder in einem fürchterlichen Husten zu krümmen. Alles Wasser konnte hier nicht helfen. Es sollte Stunden dauern bis er sich einigermaßen erholt hatte.

Die Gruppe auf dem Fraile hatte unterhalb des neuen Kraters etwas Helles erkannt, das möglicherweise ein Kleidungsstück sein konnte und winkte in die Richtung. Ramóns Vater beschloss, dass ein Mann mit dem Kranken zurückgehen und am Fraile warten sollte. Er selbst und Ramón wollten nördlich des Kraters absteigen. Da die beiden auf dem Fraile sie dann nicht mehr sehen konnten, sollte ein Mann aus Breña an der Abstiegstelle bleiben. Es war eigentlich leichtsinnig, seinen Jungen mit in den Abstieg zu nehmen, aber erstens vertraute er ihm mehr als einem Fremden und zweitens wollte er ihn bei sich haben. Sie banden sich die Felle um die Schuhe, sondierten nochmals Wind und Entfernung und begannen mit ihren Stangen den Abstieg.

Tatsächlich zeigte sich zwischen einer Ansammlung großer Steine etwas Helles. Ramón meinte eine Bewegung gesehen zu haben. "Er liegt da, das ist er", rief er zum Vater hinab, der schon aus dem Hang ausgestiegen war, und auf Ramón wartete. Einen Moment standen die beiden und blickten von unten in den gelb schwarzen Krater etwa zweihundert Meter über ihnen, dann fanden sie Rubens.

Er war in einem leidlich guten Zustand und hatten einen furchtbaren Durst. Ramón nahm ihm vorsichtig den Wassersack aus den Händen. Rubens Augen wanderten mit einem kindlich dankbaren Ausdruck von einem zum anderen, er murmelte englische Worte. Plötzlich riss es ihn hoch: "Die Kamera, sie ist da oben, meine ganze Filmtasche ist da - da - runtergefallen, und beinahe wäre ich auch abgestürzt!" - "In den Krater?" wollte Ramóns Vater wissen und wandte den Blick ab. Die ganze Zeit war es ruhig gewesen, und jetzt schoss eine Gassäule in den Himmel. "Wir müssen versuchen, meine Tasche zu finden", flehte Rubens. "Ich habe doch nur gewartet bis er sich beruhigt".- "Du siehst, er ist ganz ruhig, und Herr Rubens oder wie auch immer Du heißen magst, ich nehme dich jetzt mit! Kannst Du laufen, oder fehlt dir es an irgendetwas?!" Rubens rappelte sich hoch. Er war ziemlich zerschunden. Ohne Stangen einen Hang abzusteigen, kann Kratzer verursachen.

Sie winkten dem Mann oben am Krater und nahmen den direkten Weg nach Norden. Das Lärmen des Kraters nahm wieder zu. Als sie den Fuß des Fraile erreichten donnerte eine neu Eruption über den Berg. Die beiden Männer auf dem Fraile sahen den Beginn eines Lavaflusses, der bald die Stelle erreichen sollte, an der Rubens sich aufgehalten hatte.

Auf dem Weg zum Refugio kamen Ihnen Soldaten entgegen. Sie sollten den neuen Vulkan beobachten. Heute am 27. Juni hat sich der Berg beruhigt. Der Lavafluss war nur von kurzer Dauer. Soldaten berichteten, dass sie vom Kraterrand in das Innere des Glutkessels sehen konnten. Rubens hatte sich mit der Guardia Civil arrangiert und eine neue Kameraausrüstung bestellt. Er kam heute Abend mit dem Wagen vorgefahren, um sich zu bedanken und Ramón zu fragen, ob er am 29. Juni, also übermorgen, wieder mit ihm nach oben gehen wolle.



Photo von Susanne Rittinghaus



Mittwoch 27.06.07 - 08:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 18 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 72 % Luftdruck 1017 hPa

Wasser halt in Fuencaliente

Schon wieder hat man im Stadtwasser der Gemeinde Fuencaliente Kolibakterien gefunden und nun erneut den Konsum dieses Wassers verboten. - Vor etwa 8 Monate war das schon einmal geschehen, allerdings hatte man darauf hin automatische Chlorungsmaschinen in den Wasserbehältern angebracht und dachte damit sei das Problem behoben. - Noch sagt keiner, ob es die gleichen Erreger sind wie beim letzten Mal, das Gesundheitsamt will noch die Gegenproben abwarten, bevor es dazu konkret Stellung nimmt. - Betroffen soll der gesamte Stadtteil Los Canarios sein, also der eigentliche Ortskern, aber auch über Los Quemados wird gesprochen, ohne genau zu verifizieren ob dort auch kein Wasser entnommen werden darf. Allerdings sind die Nachbarn alle benachrichtigt worden, das klappt gut und schnell, man hat ja leider damit auch bereits schon Erfahrung sammeln können. - Warum nun erneut in Fuencaliente das Wasser durch Bakterien verschmutzt ist, das kann man bislang nur ahnen. - Aber man muss einen Umstand dabei wissen, die Gemeinde Fuencaliente hat kein eigenes Wasser, weil dort der Gasanteil im Boden derart hoch ist, dass man dieses Wasser weder zum Trinken, noch zum Gießen verwenden kann. - Es muss also alles Wasser, meist aus Mazo über Leitungen herangepumpt werden und dann in großen Wassertanks aufbewahrt werden, da vermutet man die Schwachstellen.

Hauptproblem beim Fall der Wasserverschmutzung von 8 Monaten war fehlende Sachkenntnis im Umgang mit dem verschmutzten Wasser. Arbeiter der Gemeinde, man sagt bis heute noch, dass es der Bürgermeister selbst gewesen sein soll, hatten danach derart große Mengen Chlor ins Wasser geschüttet, dass man es auch aus diesem Grund nicht mehr hatte trinken können. - Eine kleine Gemeinde mit nicht mal 2.000 Einwohnern hat nicht so viel Geld, sich ein eigenes Labor leisten zu können und täglich Wasserproben zu analysieren und das gesamte Wassernetz im Auge zu behalten. - Daher springt das Gesundheitsamt ein und macht die Wasseranalysen, aber eben nicht täglich wie man es eigentlich fordert, sondern das liegt dann im Ermessen des Amtes. - Nun reagiert man in der Gemeinde insofern, dass man ein eigenes Wasseramt gründen will, mit Labor und Techniker und eben ein bis zwei Mitarbeitern, welche auch die Tanks samt automatischer Chlorungsanlagen permanent kontrollieren. - Das schaffe Arbeitsplätze und so will man in Fuencaliente nicht den Weg gehen, den die meisten anderen Gemeinden der Insel bereits gegangen sind und die Wasserversorgung an eine Firma übergeben haben, die sowohl das ausgebildete Personal, wie auch die notwendige Technik zur Wasserkontrolle bereits mitbringen. - Auf jeden Fall hat das Gesundheitsamt Fuencaliente bereits seit einiger Zeit auf dem "Kieker" und die ersten Hausaufgaben scheint man nicht so besonders erfolgreich absolviert zu haben. - Für den neuen Bürgermeister der Stadt, Gregorio Alonso Méndez gibt es gleich zum Anfang seiner Legislatur richtig Arbeit, mal sehen, wie lange es dauert, bis es auch in Fuencaliente wieder Wasser marsch heißt.



Dienstag 26.06.07 - 18:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 23 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 61 % Luftdruck 1019 hPa
Höchsttemperatur heute 24,1 Grad - niedrigste Temperatur 17,2 Grad

Und wirklich nur eine Kiste

Meine Frau ist keine begeisterte Seidenraupenzüchterin. - Gut, der Rest der Familie macht das auch nur aus rein wissenschaftlichen Gründen, wir haben unsere Rohseide noch nie versilbert, sondern hängen die immer nur zum Ansehen auf die Terrasse. Wir können also keine ökonomisch orientierte Gegenbilanz zur monsterhaften Belegung unseres Büros bieten. - Meine Frau kennt das und hat uns deshalb auch aufgefordert, maximal eine Kiste dieser Raupen groß zu ziehen, das haben wir auch befolgt, zumindest anfänglich…Da wir die grotesken Würmer ja retten mussten, sind wir ja auch irgendwie nicht alleine Schuld an dem Schlamassel, sondern können immer eine gewisse Verantwortung auch an den Zoll weitergeben, der die Raupeneier so lange bei sich zur Aufbewahrung ließ, dass wegen lauter Frühgeburten kein Weitertransport mehr möglich war. - Es handelt sich also um eine streng begrenzte humanitäre oder wurmanitäre Aktion, wir versprechen das nie wieder zu machen. - Denn aus einer Kiste sind inzwischen sieben geworden, die Viecher wachsen halt einfach und nun sind Teile des Büros nur noch für Seidenspinnerraupen zugänglich geworden.

Meine Frau ist ja hart im Nehmen, sonst hätte sie es auch nicht so lange mit mir ausgehalten, aber inzwischen geht das Ganze doch hart an die Grenzen der Belastbarkeit. - Die Raupen sind, während sie noch fressen durchaus kontrollierbar, denn sie bleiben immer dort wo die Maulbeerblätter sind. - Das ändert sich in dem Moment, in dem sie sich verpuppen wollen, dann begeben sie sich auf Wanderschaft und suchen einen geeigneten Platz um die vorletzte Rolle in ihrem Leben zu spielen. - Nun wird es eng, denn es sind ganz einfach zu viele der fetten Monster und inzwischen wandern diese die Wände hoch, verkriechen sich hinter Bildern und der erste hat sich bereits im Drucker der Kinder verpuppt. - Die Stimmung ist dementsprechend und wir mussten versprechen, das ganze Büro neu zu streichen, wenn die Raupenplage erst wieder vorüber ist und haben schon mal, vorab sozusagen, ein Seidenraupenhaltungsverbot für die nächsten Jahre aufgedrückt bekommen. - Was noch ganz lustig ist, das einzig lustige meint meine Frau bei dem Thema, auch unsere Hausgeckos haben inzwischen mitbekommen, dass es da im Büro fette und leicht zu erwischenden Beute gibt und machen sich nun daran, die übergroße Zahl der Raupen etwas zu dezimieren. - Allerdings ohne messbaren Erfolg dabei zu haben, es sind immer noch viel zu viele. - Vielleicht noch drei oder vier Tage, dann haben sich alle eingesponnen und ich kann langsam mit den Aufräumungsarbeiten beginnen. - Vielleicht könnte man ja nächstes Jahr wirklich mal nur eine Kiste dieser faszinierenden Tiere großziehen denke ich mir gerade, als der Blick meiner Frau mich vernichtend trifft. - Meine Frau kann schon seit langem Gedanken lesen, zumindest die ihrer Kinder, die des Katers und natürlich meine. - Versprochen, keine Seidenraupen mehr, wir versuchen es nächstes Jahr mal mit Skorpionen…


Alptraumwürmer oder Spender für höchste Eleganz, Seidenraupen



Dienstag 26.06.07 - 08:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 18 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 72 % Luftdruck 1019 hPa

Laien gegen Waldbrände?

Die Gewerkschaft Comisiones Obreras erhebt schwere Vorwürfe gegen die Inselregierung. - Das ist eigentlich nichts neues, scheint Hauptaufgabe der Gewerkschaften geworden zu sein. Man muss also ein bisschen näher hingucken um was es geht. - Wir gehen ja wieder mal auf die Sommerperiode zu und damit auf die Waldbrandsaison. Nun hat die Inselregierung kürzlich mit dem Verband der freiwilligen Helfer aus La Palma einen Vertrag geschlossen, der diese Gruppe von Menschen mit in die Brigaden gegen Waldbrände einschließen soll. - Das ist erst mal gut, aber die Gegenfrage lautet, wie viele dieser freiwilligen Helfer hat überhaupt Erfahrung mit großflächigen Bränden. Weitere Frage lautet, wie schnell sind diese Kräfte überhaupt verfügbar, da es sich ja um freiwilliges Personal handelt und in wie weit sind diese Leute belastbar, sollte wirklich in diesem Jahr ein großer Waldbrand zu bekämpfen sein. - Da hakt die Gewerkschaft ein und verlangt die Einstellung von mehr Spezialisten in die Arbeitertrupps, die sich im Sommer gegen die Waldbrände stemmen. Von 220 Plätzen seien nur 170 Stellen besetzt und von diesen haben auch nur an die 50 Arbeiter tatsächliche Erfahrung in der Brandbekämpfung. - Dazu muss man wissen, dass hier auf La Palma die eigentliche Feuerwehr nicht für Waldbrände zuständig ist, sondern die Arbeiter der Inselregierung.

Was die Gewerkschaft will, das ist schon klar, mehr Festangestellte in der Inselregierung, anstatt mit freiwilligen Kräften Geld sparen zu wollen. - Die Inselregierung will und muss Geld sparen und setzt deshalb auch auf die Freiwilligkeit. - Das ist verständlich und sicher auch nachvollziehbar, aber aus Erfahrung wissen wir ja, dass die Entwicklung von Waldbränden in den ersten Stunden nach der Entstehung der Feuer entschieden wird und wenn nicht ganz schnell und professionell gehandelt wird, diese Feuer absolut außer Kontrolle geraten. Da nutzt es dann später wenig, wenn man Heerscharen von Helfern hat, die ganz umsonst die Feuerpatsche halten, ist so ein Brand erst mal in unzugängliche Schluchten geraten, dann können nur wirkliche Spezialisten mit spezifischer Ausbildung noch eingesetzt werden und man muss auf die Hilfe von Oben warten. - Oben bedeutet in diesem Fall Löschhubschrauber, aber auch das Wetter. - Noch weiter oben kümmert man sich um solche Kleinigkeiten nicht. - Da bislang das Wetter im Frühsommer eher auf kalte Schulter gemacht hat, musste man sich noch keine Gedanken um Waldbrände machen, aber die harte Zeit beginnt meist auch erst im Juli und im August. - Da fällt mir gerade ein, bekommen wir dieses Jahr keine Löschhubschrauber aus Madrid, die unsere Kräfte hier vor Ort unterstützen sollen? - Letztes Jahr kamen zwei große Hubschrauber den Sommer über nach La Palma, mit an die 60 Mann, um eine schnelle Eingreiftruppe gegen die Waldbrände zu bilden. Allerdings stürzte einer der von der Regierung gemieteten Helikopter bei einem Werkstattflug vor Tenerife ins Meer und der andere verbrannte bei seinem ersten Einsatz auf El Hierro. - Kein gelungener Auftakt für eine Maßnahme, die Modellcharakter haben sollte.



Montag 25.06.07 - 18:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 24 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 65 % Luftdruck 1020 hPa
Höchsttemperatur heute 24,6 Grad - niedrigste Temperatur 17,9 Grad

Morbide Marktlücke

Gestorben wird immer, sagte der Bestatter zu seinen Kindern, macht euch um die Konjunktur keine Sorgen. - Allerdings interessiert den Bestatter nicht unbedingt das Wie man um dieses eine Leben kommt, sondern wie es danach weiter gehen soll. - Da gibt es bei uns bislang eigentlich nur eine Methode, schnell im Plattenbau einmauern lassen, meist schon am Tag nach dem Ableben. Trauer ist bei uns eine heftige Angelegenheit, aber je schneller der Verstorbene auf dem Friedhof liegt, um so schneller kann man wieder versuchen in den Alltag zu gelangen und irgendwie gehört das Sterben ja zum Leben dazu, für manche ist es sogar der krönende Abschluss. - Tot ist man dann lange genug und ob die Gebeine nun im "Apartment" dahintrocknen oder man als Asche endlich unendlich ist, das ist dann Konfessions- oder vielleicht sogar Geschmackssache. - Auf La Palma ist die Einäscherung erst seit etwa anderthalb Jahren möglich, wer früher eher kompakt aufbewahrt werden wollte, der musste diesen letzten Weg nach Tenerife antreten, hier gab es keinen Einäscherungsofen.

Dieser Marktlücke hat die Gemeinde Los Llanos ein Ende bereitet und nun arbeitet dieser Ofen erfolgreich seit dem Januar 2006 und man kann die Erfolgsmeldung von nunmehr 59 Einäscherungen melden. - Das ist viel mehr als man vermutet hatte und nur unsere Traditionen verhindern eigentlich eine noch höhere Anzahl derer, die als pulveriger Kohlenstoff aufbewahrt werden wollen. - Es geht halt vom Todeszeitpunkt bis zur Beerdigung viel zu schnell, um sich echte Gedanken darüber zu machen, ob denn diese andere Form der ewigen Ruhe auch in Frage käme. - Die Verstorbenen werden in der Regel von einem lokalen Bestattungsinstitut abgeholt und dort nimmt man den Hinterbliebenen gerne alle Formalitäten ab, aber die Frage, ob man denn anstatt der üblichen Einzementierung vielleicht eine Einäscherung wolle, die wird in den meisten Fällen gar nicht gestellt. - Das liegt an Unkenntnis und an der Tatsache, dass der Ofen hier auf der Westseite liegt und man so den üblichen Trauerzug, der ein fester Bestandteil unserer Totenzeremonien ist, nicht gewohnt durchführen kann. - Dabei irren auch viele Bestatter wie Angehörige, man muss nicht aus Los Llanos sein, um seinen Angehörigen dort einäschern zu lassen, man muss dazu nicht mal katholisch sein oder reich, einzige Vorraussetzung ist, dass man tot ist. - In diesem Punkt lässt man allerdings nicht mit sich reden. - So zwanglos geht es da zu, und dass Protestanten außerhalb des Friedhofes begraben werden, diese Geschichte hört man immer mal wieder, aber glauben sie nicht alles, was über uns erzählt wird. - Die katholische Kirche erkennt die Einäscherung ja auch offiziell an, allerdings sollte die Urne dann auf dem Friedhof landen und nicht auf dem Kaminsims oder in der Garage. - Anfänglich dachte man, fast nur Ausländer würden sich einäschern lassen und in der Tat, sind diese verhältnismäßig stark in der Aschefraktion vertreten, aber auch immer mehr Palmeros werden diesen letzten Weg gegangen. Von den insgesamt 59 Urnen die man aus dem Krematorium trug, waren 35 mit lokaler Asche gefüllt, und immerhin 24 mit Überbleibseln aus anderen Ländern dieser Erde. - Wobei die Frage der Integration spätestens dann nicht mehr gestellt werden muss. - Allerdings ist es für viele Ausländer eine echte Erleichterung, falls man seinen Verstorbenen ins Ursprungsland bringen will, das geht als Urne viel einfacher als im Sarg. - Jedes Bestattungsinstitut auf La Palma bietet den Dienst der Einäscherung an, man muss das einfach nur sagen im richtigen Moment und für die Bewohner der Ostseite können sich zusätzliche Kosten ergeben, wegen der längeren Überführung, aber im Normalfall ist eine Einäscherung auch hier billiger als ein normales Begräbnis, - nur für den Fall, dass das einen interessiert.


Das Krematorium in Las Manchas. - Nicht besonders schön, aber endgültig



Montag 25.06.07 - 08:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 18 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 83 % Luftdruck 1020 hPa

Festival des digitalen Films

Immer, immerhin nun bereits zum sechsten Mal, überfallen Filmemacher im Frühjahr diese kleine Insel und machen daraus das "Festivalito". - Was den anderen Cannes oder Berlin ist, für die digitalen Filmer ist es La Palma. - Eigentlich standesgemäß, geben sich andere Orte und Branchen mondän und abgeklärt, ist hier noch nichts beschlossen und fertig, sondern immer noch auf der Suche nach Bestimmung und dem Platz, den wir in dem großen und globalen Spiel einnehmen sollen. - Das Geld wird woanders verdient und hier nährt hauptsächlich Optimismus unsere Zukunft, deshalb passt der, so genannte "kleine Film", wie man die digitalen Werke auch gerne fast spöttisch bezeichnet, ausgezeichnet zu La Palma. - Das mögen die Filmemacher selber vielleicht anders sehen, aber ich empfinde es nicht als Minderwertig, uns zu den "Kleinen" zu zählen, es kommt halt einfach der Wahrheit ziemlich nahe und die kann schon mal einen Phantasiebremse sein. - Das Festivalito ist eine bereits dauerhafte Einrichtung hier auf La Palma, die Filmemacher fühlen sich wohl auf dieser Insel und können ihren Tatendrang völlig frei ausleben, keiner muss Angst haben einen roten Teppich zu beschmutzen. Wenn im Frühjahr, oder vielleicht frühen Sommer plötzlich viele Menschen, mit vielen Kameras an einer Straßenecke oder einem Cafe oder einfach am Strand viel herumwirbeln, dann bleiben Sie dabei und Sie sind Zeuge, wie ein Film entsteht. - Das ist auch der große Unterschied zu den Festivals der üblichen Art, auf dem Festivalito wird gedreht und gespielt was die Linse hält und Robe und Abendkleid finden keinerlei Anwendung.

Für manche ist das alles nicht professionell genug, aber da liegen doch auch genau die Chancen des digitalen Films, ausprobieren und einfach machen und sogar der Spontanität noch eine Möglichkeit geben, das alles ist im "großen Kino", also der Zelluloid-Fraktion, kaum möglich. - Auf der anderen Seite plagt die "kleine Branche" immer die Fruchtlosigkeit ihrer Arbeit, da kann man, bis auf ganz wenige Ausnahmen, kein Geld verdienen oder Ruhm und Ehre erlangen über den eigenen Kreis hinaus. - So muss auch das Festivalito gesponsert werden, von der Inselregierung und dem Gobierno de Canarias, mit immer wieder freundlicher Unterstützung der Caja Canarias. - Für La Palma ist das Festivalito ein absoluter Zugewinn, man spricht ein paar Tage über uns und lobt unsere Flexibilität und Vielschichtigkeit. - Allerdings haben die meisten Filme nicht unbedingt etwas mit La Palma zu tun, außer dass wir geduldig die Kulisse abgeben, so wichtig und interessant sind wir dann doch nicht mal für das "kleine Kino". - Letztes Jahr war die bunte Schar in El Paso stationiert und man konnte jeden Abend mehrere Filme in der Casa de la Cultura ansehen, in diesem Jahr ist die Hauptstadt dran als Basislager, aber man will jeden Tag auch in einen anderen Ort ziehen und da die Vorteile des digitalen Filmes an Frau und Mann bringen. - Einer dieser Vorteile ist eben die Publikumsnähe, da werden Zuschauer schnell mal zu Akteuren und mancher Filmemacher schreibt sein Drehbuch erst, wenn der komplette Film fertig ist. - Eben ein bisschen wie La Palma, sag ich´s doch. - Die meisten Filme kann man auch im Internet sehen, Dank der Seite von "La Palma Digital", allerdings sind, Stand heute, noch keine Filme hinterlegt. - Wie denn auch, das Festivalito hat erst am 23.6. begonnen und schließt am 30. Juni.



Sonntag 24.06.07 - 18:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 24 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 64 % Luftdruck 1018 hPa
Höchsttemperatur heute 24,3 Grad - niedrigste Temperatur 17,0 Grad

Heute ist der 24 Juni 1949, heute ist SAN JUAN

Der Professor und Ramón hatten sich am Abend noch mit Wasser versorgt und waren noch in der Nacht über das Llano del Banco bis zur Nordseite des Barranco de Magdalena vorgedrungen. Entgegen den Erwartungen fanden sie kaum Stellen, aus denen Wasserdampf oder Gase austraten. Rubens beschloss, im Morgengrauen in das Barranco einzusteigen, um nach Abbrüchen und Rissen zu suchen, aus denen er die Richtung eines möglichen Ausbruchs ableiten wollte. Er überredete Ramón, bei ihm zu bleiben, weil bei allem Forscherdrang doch die Gefahren unübersehbar waren. Ramn hatte auch als Hirte ein starkes Verantwortungsgefühl und in seinem Innersten längst beschlossen, Rubens nicht allein zu lassen.
Andauernd brachen Steine ab und polterten in die Tiefe. Die Bewegungen des Berges waren hier oben nicht nur spürbar, sondern auch ersichtlich. Ramón hielt es für wahnsinnig als Rubens an einer Stelle im oberen Barranco den Abstieg wagte. Er blieb oben und hielt die gegenüberliegende Seite im Auge. Der Aufstieg dort dauerte eine halbe Stunde. Rubens kam mit Mühe auf der Südseite aus dem Barranco und rannte sofort weiter über den Berg in Richtung Nambroque. Er machte Photos von Rissen, die sich gebildet hatten und vermerkte die Stellen in seinem Heft. Die Sonne war jetzt hochgekommen und beleuchtete eine dunstige Luft über den Höhen, von dem Ramón herabblickte. Rubens winkte ihm, weiter nach Süden zu gehen Einige Leute von der Ostseite - wie sich später herausstellte - waren auf Los Charcos zu sehen. Rubens keuchte den Berg hoch zu Ramón und hustete. "Er gast ganz schön, aber wo?" Dann lief er weiter nach Süden zum El Fraile. Ramón fand das ganze Gehabe mehr und mehr verrückt und versuchte einen Blick nach Breña, während er langsam nachzog. Die Luft war wirklich stickig. Rubens hatte sich auf dem Berg hingesetzt und notierte alles, was er sah. Auf dem Gipfel des Nambroque erschien ein Mann und winkte. "Es wird hier passieren, wenn es losgeht. Ich bin fest davon überzeugt, dass er neben irgend einer alten Öffnung hier rauskommt. Weißt Du warum, Ramón? Du siehst da unten die Risse, der Berg teilt sich da! Aber wir werden sehen, wo es weitere Risse gibt!"

Sie lagen auf dem Wall des Fraile und blickten nach Süden. Die ständigen Erdstöße und das zunehmende Grollen steigerten Ramóns Angst. Rubens hingegen befand sich in wahrer Begeisterung: "Da passiert überhaupt nichts mit uns, da kannst Du ganz ruhig sein. Ein Vulkan dieser Art bricht nie an derselben Stelle aus, er sucht sich immer den leichten Weg entlang der alten Dome. Du siehst doch hier und dort, dass sind alles uralte Kegel!" Ein gewaltiger Stoss ging durch das Gebirge. Ramón hatte das Gefühl, das er in die Luft geworfen wurde. Rubens sprang auf und ging mit dem Photoapparat in Position. Mit einem gewaltigen Donner und Fauchen riss die Ostflanke in mehreren Gräben auf, deren Ränder in den ausbrechenden Gasen hin und her flogen bis sie mit in die Luft gerissen wurden. Dann war es für einen Augenblick ruhig. Ramón verfluchte den Tag, an dem er Rubens getroffen hatte, und seine Flüche gingen in einem Aufheulen und Donnern unter mit dem jetzt die eigentliche Eruption begann. Die Ostflanke wurde regelrecht weggesprengt, und aus dem Schlund schossen jetzt die Gasfontänen hoch und schleuderten Massen von Staub und glühenden Steinen in die Höhe. "Da kommt was hoch"! schrie Rubens." Jetzt befreit er sich erstmal von seinem Überdruck! Was meinst Du, was da für Magma sitzt. Das gibt noch einen gewaltigen Ausbruch. Ist ganz typisch, dieser Stromboli-Beginn, der noch ein paar Tage so andauern kann, erst dann kommt Magma. Vielleicht fliegt noch mehr hier weg, dann sollten wir lieber weiter weg sein!" Rubens führte ein Selbstgespräch und photographierte.

Ramón hatte ihn angeschrien. Rubens nahm ihn nicht wahr. Der Mann vom Nambroque winkte und winkte, und Ramón merkte, dass der Winker sein Vater war. Er ließ alles liegen und rannte den Hang hinab zum Nambroque.

Heute ist San Juan. Der Ausbruch in der Cumbre Vieja hat diesen Namen erhalten. Wer aber einen Vulkan namens San Juan sucht, sucht vergeblich. Dies war der erste Ausbruch im Gebiet des Duraznero. Es folgten weitere Ausbrüche unter dem Namen des San Juan, aber das sind andere Geschichten.



Südkrater im Duraznero. Hier begannen die San Juan Eruptionen. Im Hintergrund der Deseada. Photo von René Bouillon

Hier gibt es eine Pause der San Juan Geschichten bis zum 27.6.



Sonntag 24.06.07 - 09:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 18 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 77 % Luftdruck 1018 hPa

Schattenspiele

Mein Vater hat immer gesagt, hüte dich vor kleinen Männern. Angela Merkel hat das erst schmerzvoll lernen müssen und ob sie wirklich gegen die nationalistischen Kaczynski-Brüder gepunktet hat, das werden wir wohl aus dem Kleingedruckten irgendwann erfahren. - Revanchismus blüht auch noch in unseren Zeiten, alles ist erlaubt, wenn es ums Geld geht und um nichts anderes geht es bei den Europa-Gipfeln. Wer darf seinen Löffel zuerst in den Topf stecken und wenn der Politkrach so laut und groß ist, dann schlägt immer die Stunde der kleinen Arbeitsrunden. - Eigentlich sollten wir den spitzlippigen Polen dankbar sein, denn im Grollen der geschichtlichen Aufrechnung hatte wohl keiner mehr Zeit und Interesse, genauer die Verhandlungen um die europäischen ultraperipheren Zonen zu beobachten. Was das eigentlich ist und warum das wichtig ist, das ist ganz einfach. Diese Zonen erhalten ebenso die Kohäsionsfonds, als gehörten sie dem Armenhaus Europas an. - Früher hatten sich die Kanaren dieses Fonds "redlich" durch Armut verdient, verdiente man doch nur 75% des Geldes, was der europäische Durchschnitt zur Verfügung hatte. - Diese Rechnung geht aber seit der Osterweiterung nicht mehr auf, wir gehören nun plötzlich zu den wohlhabenden Regionen und das nicht durch eine Gehaltserhöhung, sondern durch eine Neuberechnung des Durchschnitts. Die ultraperipheren Zonen der EU sind: Azoren, Madeira, Guyana, Guadaloupe, Martinique, Réunion und last, but never least, die heimischen Kanarischen Inseln.

Es geht um richtig viel Geld, fast 2,5 Milliarden Euro für einen Zeitraum von sechs Jahren, Geld, welches für unsere Region leider von entscheidender Wirkung ist. - Alle Befürchtungen ließen andeuten, dass wir ab 2013 diese Gelder verlieren, doch nun sieht es wieder rosiger am europäischen Himmel für uns aus. - Zumindest hat man nun eine Sonderbehandlungsklausel für die "RUP" (Regiones ultraperiféricas) in der Magna Charta festgehalten, in der man die Zuwendungen nicht mehr an den Armuts- oder Wohlhabensdurchschnitt koppelt, sondern einfach deshalb bezahlt, weil wir so weit ab vom Schuss sind. - Das alles ist nicht erst auf dem jetzigen Gipfel verhandelt worden, aber eben nun hat man die Unterschriften dazu bekommen. - Ob es weiterhin so viel Geld geben wird, das ist noch nicht klar, aber die leisesten und stillsten Verhandlungen waren immer schon die erfolgreichsten, das müssen die kecken Polen erst noch lernen. - Eigentlich hatten wir hier schon damit gerechnet, dieses wunderbare Geldgeschenk auf die Dauer zu verlieren, aber nun tun sich ja völlig neue Möglichkeiten auf. - Allerdings ist so viel Geld auch immer gefährlich, man hört auf dann nach dem Sinn und Zweck zu fragen, wofür man diese Milliarden eigentlich ausgibt. - Ein Paradebeispiel dafür ist der Hafen von Puerto de Tazacorte oder die unsägliche Autobahn, die La Palma wie eine Schlange durchschneiden soll, geht es nach den Vorstellungen des Rates für Infrastruktur Antonio Castro Cordobez. - Allerdings könnte der gute Asphalt-Toni seinen Lieblingsposten verlieren, er soll hoch gelobt werden, auf den Posten des Parlamentspräsidenten. - Es ist aber noch nicht klar, ob er seinen Posten als oberster Straßenbauer dafür aufgeben muss, sollte das so sein, dann findet sich aber in den eisernen Reihen der Coalición Canaria immer ein Kopf, der dieses viele Geld lieber in den Straßenbau steckt als in das Gesundheitswesen. - Und das alles im Schatten des kleinen Polen, der wohl noch gar nicht weiß, was er da alles angestellt hat. - Wir hier haben köstlich über ihn gelacht und mal wieder gezeigt, was man alles auf die Beine stellen kann, im Schatten eines kleinen Mannes, der ganz groß werden will. (Übrigens sind die meisten unserer Politiker auch nicht gerade großwüchsig.)



Samstag 23.06.07 - 18:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 23 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 65 % Luftdruck 1014 hPa
Höchsttemperatur heute 23,8 Grad - niedrigste Temperatur 17,2 Grad

San Juan, der 23. Juni 1949

Heute Morgen gingen wir alle wieder in die Schule: Schwester Oberin erschien bald auf der Treppe und wir mussten uns aufstellen. Dann sagte sie, dass wir zusammen beten wollten, und das haben wir getan. Sie bat die Patrona von Los Llanos, La Virgen de los Remedios, (2. Juli) um ihren Schutz für Stadt und Land, und dann durften wir wieder nach Hause gehen.

Mutter und Tante Almodena warteten vor der Schule. Sie hatten erfahren, dass die Guardia Civil am Morgen bereits bei den Großeltern und bei Julios Eltern gewesen war und alle Leute aufgefordert hatte, die nötigen Sachen zu packen und Las Manchas zu verlassen. Onkel Gregorio war noch in der Nacht nach Fuencaliente gefahren. Er wollte einen Wagen beschaffen, um alle Sachen wegzubringen. Das Militär hatte einen kostenlosen Fahrdienst eingerichtet, und wir saßen bald auf einem Lastwagen mit Bänken. Der Wagen fuhr bis Todoque. Von dort mussten wir laufen.

Immer wieder merkten wir ein Rucken und Zittern im Boden. Ich denke heute noch an diese ersten Begegnungen mit den Kräften der Erde, wenn diese eigenartige Verwirrung der Sinne kommt, bei der ein Gefühl des Schwebens entsteht. Vom Berg kam immer ein tiefes Grollen, wenn der Boden sich wegzog. Das Grollen kam nicht aus der Tiefe unter uns, es kam aus dem Berg über uns. Wir bekamen Angst, und ich verstand nicht, warum sich plötzlich alles änderte, wo es doch noch gestern Abend so ruhig war.

Julio rannte vor. Er hatte es eilig, nach Hause zu kommen. Ich fragte nach Ana, und Tante Almodena meinte, sie sei mit ihrem Vater mitgefahren. Großvater Manuel stand vor dem Haus mit Julios Vater und dem Burro. Alle Sachen sollten wir hoch tragen zu Julios Eltern, weil der Wagen nur bis dort fahren konnte. Es war ein ziemliches Durcheinander, und ich griff Großvater Manuels caretilla (Schubkarre) und zog sie den Callejon hoch.

Vor Julios Haus lag bereits vieles, was aufgeladen werden sollte. Und es stand dort ein fremdes Auto mit einem fremden Mann, der nicht von La Palma war. Er trug einen Bart und hatte lange Haare. Er las in einem Heft und blickte immer wieder auf den Berg. Und seine Kleidung war sehr eigenartig. Er hatte eine Hose an, die ihm nur bis an das Knie reichte. Und er hatte einen Photoapparat! Julio fragte ihn natürlich nach dem Namen, und ich weiß noch genau, wie er meinte: "Sag ruhig Rubens zu mir, ich heiße so wie der Maler!" Julio nickte- der Name war ziemlich fremd, und wir kannten keinen Maler, der so hieß. Der Mann sprach komisch und hatte wohl auch Angst, weil er immer wieder auf den Berg blickte. Schließlich rief er laut:" Ramón, was ist nun?!" - Ramón war hier? - Julios Mutter erschien in der Tür und schüttelte den Kopf. "Nein, er geht nicht mit", sagte sie ernst. So kannte ich sie gar nicht. "Er ist ja erst 15 und noch ein halbes Kind". Der Mann wurde ärgerlich, und Ramón kam aus dem Haus. Er stand etwas hilflos neben seiner Mutter. "Wann kommt denn jetzt Dein Vater, ich habe keine Zeit mehr, also was ist"!? Er lief den Callejon hinab, und wir sahen Julios Vater mit dem bepackten Burro um die Ecke kommen. Beide Männer standen kurz zusammen, dann kamen sie den Weg hoch und redeten miteinander. Sie blieben stehen, und ich hörte Julios Vater sagen "Gut er geht mit, aber nur bis zur Fuente de Pascal. Das kennt er alles. Von da an weiß er nicht Bescheid. "Ramón hatte sich langsam auf die beiden zu bewegt, und er meinte sehr ruhig und ich fand sehr erwachsen: "Ich kenne den Weg, ich war doch schon überall dort oben. Wir gehen ueber Hoyo de la Sima, Hoyo Verde nach Los Charcos...."
"Gut" sagte der Mann, "dann komm, wir haben keine Zeit, und zu Julios Vater rief er im Einsteigen. "Ich kann mir doch als Vulkanologe diese einmalige Gelegenheit nicht entgehen lassen.!" Die Tür schlug zu, und Ramon fuhr mit dem Fremden davon. Julios Mutter weinte.

Die Guardia Civil hatte nämlich alles abgeriegelt und dem Professor - so einer war er - den Zugang zum Berg verwehrt. Er wusste aber aus einer früheren Begegnung, dass Ramón in Tacande war und hatte ihn dort aufgespürt. Ramon sollte 50 Dollar bekommen, wenn er ihn auf Schleichwegen nach oben führen würde.
Onkel Gregorio kam am Abend mit Francisco. Sie hatten beide einen Wagen. Francisco fuhr mit allen Sachen von Julios Eltern nach Breña, wo der Onkel von Julio eine Finca mit Haus hatte, das nicht bewohnt war. Später wollte er wiederkommen und die Familie nebst Ziegen mitnehmen. Wir luden den Wagen von Onkel Gregorio voll. Ich durfte mit ihm die erste Fuhre nach Los Llanos bringen. Erst spät kamen alle mit, auch Großvaters Schwein, obwohl Mutter immer wieder betonte, dass sie keinen Stall habe. Überall war jetzt die Guardia Civil und leuchtete mit Lampen hin und her. Eine eigenartige leise Unruhe lege sich über das friedliche Land. - Die Natur verharrte in böser Erwartung.






Samstag 23.06.07 - 09:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 18 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 71 % Luftdruck 1015 hPa

Wie viele sind wir?

Ganz zu Recht zweifelt der Bürgermeister der größten Stadt der Insel, Los Llanos, die offiziellen Einwohnerstatistiken an. - Grundproblem dabei ist, dass viele Einwohner sich einfach nicht anmelden und so für die Statistik nicht greifbar sind. Gründe, warum sich viele Menschen nicht anmelden sind einfach zu finden. Die einen sind noch in anderen Gemeinden gemeldet und denken einfach nicht daran sich umzumelden, weil sie den Aufwand scheuen den Wohnortwechsel bekannt zu machen. - Dann müsste man zum Rathaus gehen und zur Bank, um die ganzen Steuer und Kostenüberweisungen nun zu Gunsten Los Llanos zu ändern. Andere und damit sind Immigranten gemeint, melden sich oft nicht an, weil ihr eigentlicher Aufenthaltsstatus der eines Touristen ist, oder weil man erst mal gucken will, ob man Arbeit findet und ob es sich überhaupt lohnt, auf La Palma zu bleiben. - Dem entgegen steht eine Zahl von Karteileichen, eben so faule Bürger, die sich nicht die Mühe gemacht haben sich abzumelden. - Allerdings ist bei Los Llanos, dem Zuwanderungsmagnet dieser Insel, es eher zu erwarten, dass mehr Menschen unangemeldet dort wohnen, als Einwohner unbekannt wieder verzogen sind. - Mit gemeldeten 20.173 Menschen ist zwar Los Llanos unangefochten die bevölkerungsreichste Stadt der Insel, der Bürgermeister schätzt die echte Anzahl der Einwohner aber auf mindestens 22.000 "Llanenes", wie man hier zu den Leuten aus Los Llanos sagt.

Natürlich geht es auch ums Geld, für jeden Einwohner gibt es klingende Münzen vom Staat, aus dem Fondo Canario de Financiación Municipal. Anhand eines ziemlich komplizierten Schlüssels werden dort die Gelder verteilt, nach Einwohneranzahl, Fläche der Gemeinde und noch anderen Faktoren, aber die Einwohnerzahl trägt das meiste Gewicht bei der Geldverteilung und so möchte man auch bitte die genaue Anzahl der Einwohner berücksichtigt haben. - Das wird allerdings schwierig, denn der offizielle Zähler, das staatliche statistische Institut verlässt sich auf die Zahlen der Gemeinde und gibt so den braunen Peter zurück an die Stadt, haltet euren "Censo Municipal" in Ordnung, dann gibt es auch entsprechend Geld. - Man kann aber die Leute nicht vor das Rathaus zerren und diese "zwangseingemeinden", besonders in den Fällen, bei denen es sich, meist um südamerikanische "Touristen" handelt, die irgendwie seit zwei Jahren ihr Rückflugticket verbummelt haben. - Einzige Möglichkeit wäre eine neue Volkszählung, ich glaube die letzte fand so 1989 statt, in der man mehr oder weniger Freiwillige von Tür zu Tür schickt, um die tatsächliche Einwohneranzahl zu ermitteln. - Das wollen aber sicher andere Gemeinden nicht, denke ich da an den Norden der Insel, dann würden manche Orte deutlich an offiziellen Einwohnerzahlen sinken, mit den bereits vorher angesprochenen Folgen. - Und nur in Los Llanos zählen, da wird es fraglich sein, ob es die rechtlichen Vorraussetzungen dafür gibt und ob sich dann auch die viele südamerikanischen "Touristen" zu erkennen geben, das ist eine ganz andere Frage. - Los Llanos ist halt unsere Metropole, wächst unaufhörlich und zieht so allen anderen Gemeinden die Einwohner ab. - Den Preis für diese Dynamik muss man dann halt auch bezahlen, nicht alle Menschen die dort wohnen, wollen das auch publik machen, warum das so ist, dass kann man ganz getrost seinen Vermutungen überlassen.



Freitag 22.06.07 - 17:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 26 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 73 % Luftdruck 1015 hPa
Höchsttemperatur heute 26,6 Grad - niedrigste Temperatur 17,3 Grad

San Juan, der 22 Juni 1949

Francisco stand heute mit einer camioneta vor der Tür. Alle rannten raus, um das Wunder zu bestaunen. Er hatte sich als richtiger Unternehmer angezogen mit schwarzen Hosen und Hemd. Der Zündschlüssel hing demonstrativ an einem Ring, den er sich über den kleinen Finger gestülpt hatte. Er war eben ein Hans Dampf in allen Gassen und hatte immer alles zum Leben. Ich saß sofort hinter dem Lenkrad und versuchte mit den Füßen die Pedale zu erreichen, und Francisco meinte, ich könne bei ihm Fahrer werden, aber erst, wenn ich groß sei. Tante Almodena und Mutter standen beieinander, und die Bewunderung stand ebenso in ihren Gesichtern, während Onkel Gregorio nur den Kopf schüttelte und etwas von Größenwahn murmelte. Aber Francisco beherrschte die Lage und erklärte allen, dass er einen Vertrag mit der Kalkbrennerei im Barranco Seco auf dem Weg nach Puntallana in der Tasche habe, und dann holte er einige Papiere vom Beifahrersitz und wedelte damit in alle Richtungen. "Erdbeben sind das Geschäft, und meinetwegen kann ganz La Palma durchgerüttelt werden. Der Patrono wollte einfach, dass ich Tag und Nacht fahre und da habe ich ihm gesagt, dass ich seinen Wagen kaufe und dann Tag und Nacht fahre, ja, so war das!" Da stand er nun und lachte über unsere Gesichter. "Francisco hat ein Auto", flüsterte Alomodena vor sich hin und wandte den Blick zu Onkel Gregorio: "Was sagst Du denn dazu?!" - "Na ja, ich habe ein Boot!" Francisco meinte nun doch, sich erklären zu müssen, und erzählte, dass der Patrono ihn eigentlich überrumpelt habe, "gut" habe er gesagt, seine Hand genommen und einen Augenblick ihm in die Augen gesehen: "Hier hast du den Wagen und du fährst immer für mich, wann immer ich es will, und für jede Fahrt bekommst du Geld. Davon bezahlst du den Wagen. Und wenn ich dich nicht brauche, dann kannst du für andere fahren." Mutter empfand die Situation als brenzlig, weil Onkel Gregorio auf seiner Unterlippe kaute und holte alle in den Garten für ein Glas Wein. "Also", hob Francisco die Stimme, "die Sache ist ganz unkompliziert. Erdbeben zerstören Häuser und Zisternen - und was braucht man dann - Kalk! Wir haben jetzt soviel zu tun, und das sage ich euch, das ist erst der Anfang. Das nächste Beben kommt bestimmt, und ich fahre mit Kalk über die ganze Insel, und dann kaufe ich noch einen zweiten Wagen".... "und fährst für die Konkurrenz am Hafen", schnitt Mutter ihm den Faden ab. " Nimm Brot und sag mir, warum du jetzt nicht fährst".... "weil ich jetzt mit euch allen nach las Manchas fahre, damit wir diesen Tag feiern können.

Nur ab und zu hatte ich das Gefühl als ob wieder ein Erdbeben war, doch es wurde ein wunderbarer Abend. Alle kamen bei Großvater Manuel vorbei. Julio hatte in der Nacht zwei Conejos gefangen. Wahrscheinlich waren sie durch das Erdbeben verrückt geworden. Julios Vater einigte sich mit Francisco auf eine Fuhre Kalk für alle Fälle, und der Guardia Civil ließ uns in Ruhe.

PS. Die beiden erwähnten Kalköfen sind zu besichtigen. Der Kalkofen am Hafen steht in der Nähe des Tunneleingangs. Es gab auch einen Ofen in Los Llanos, der aber zerstört wurde.






Freitag 22.06.07 - 08:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 18 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 77 % Luftdruck 1017 hPa

Landschaftsschutz gegen Landwirtschaft

Bei den Bananen ist es einfach, dort wo man diese Kultur hingestellt hat, da wächst eh nichts anderes mehr und Bananen haben einen Vorteil, die laufen nicht umher und dringen in Landschaftsschutzgebiete ein. - So geht es dieses Mal, im unendlichen Diskurs zwischen Landschaftsschutz und Landwirtschaft auch nicht um die kleine Gelbe, die uns so viel Freud wie Leid beschert, sondern um eine noch ältere Form der traditionellen Landwirtschaft, die Weidenhaltung der Ziegen. - Man könnte diese Tiere auch komplett in Ställen unterbringen und mit Futter versorgen welches man auf speziellen Feldern anbaut, oder gleich importiert, was zumeist sogar noch billiger ist, als selbst auf den Acker zu gehen. - Das machen auch manche und die Ziegen geben sogar mehr Milch als ihre "freien" Kollegen, aber wohl die Hälfte der Ziegen dieser Insel wird auf Weiden gehalten und die Kenner behaupten natürlich, der Käse schmeckt dann besser, weil die Ernährung ausgeglichener ist. - Über diese Geschmacknuancen werde ich mich nicht auslassen, mag sein, dass das so ist, aber ich weiß es einfach nicht und der Ziegenkäse unseres Nachbarn kommt aus dem Stall und darüber bin ich eigentlich froh. - Früher hatte ein anderer Nachbar seine Ziegen wenig autoritär an sein Haus gebunden und diese zogen dann oft durch unseren Garten oder liefen auf unserem Dach herum und zertrampelten die alten Dachziegel. - Als Entschädigung hat er mir dann ab und zu einen Käse zugesteckt, aber mir wäre ein heiles Dach lieber gewesen. - Irgendwann war es ihm zu mühsam seine Ziegen immer wieder zu suchen, so wanderten diese nach und nach in den Kochtopf, auch eine Form der Konfliktbewältigung, nicht aussitzen, sondern aufessen…

Es geht aber auch nicht darum, ob die Ziegen den Salat eines Guiris auffressen, sondern um die Beweidung vieler Landschaftsschutzgebiete und damit eine mögliche Gefährdung der heimischen Pflanzenwelt. - Da Ziegen intellektuell nicht in der Lage sind zwischen schützenswertem Pflänzchen und Unkraut zu unterscheiden, ist ihr Menue sehr abwechslungsreich und alles was nicht giftig ist, das landet in den nimmersatten Mäulern der Tiere. Um nun den Einfluss der Weidehaltung auf eben unsere Umwelt zu ergründen, hat das Umweltamt eine Studie in Auftrag gegeben, welche die Gefährdung durch die Beweidung der geschützten Flächen ergründen soll. - Das Ergebnis ist nicht sonderlich überraschend, die Gefahr für die Landschaft tritt erst bei übermäßiger Beweidung auf und es kann sogar nützlich für die Landschaft sein, wenn ab und zu eine Ziegenherde sich über einen Landstrich hermacht und diesen ausdünnt. - Allerdings gibt es klare Ausnahmen und da steht der Nationalpark ganz vorne an, dort ist es absolut verboten seine Ziegen weiden zu lassen. - Aber auch da gibt es Grenzfälle, das ist die berühmte "Vorparkzone", hier immer "preparque" genannt und eigentlich will man dort keine Ziegen sehen, weil zu viele der Tiere sich einfach davonmachen und in das Paradies "Nationalpark" eindringen. Dort laufen so viele verwilderte Ziegen herum, dass man regelmäßig Jäger bestellen muss, um die Tiere dort zu eliminieren. Zum Teil müssen besonders wertvolle Landstriche per Zaun gegen die Eindringlinge geschützt werden, eigentlich auch nicht der Sinn einer unberührten Landschaft. - Früher, als alles anders und nur manches besser war, da gab es noch viel mehr Ziegen auf La Palma und so verstehen manche Schäfer die ganze Aufregung um ihre paar Tiere nicht, sollen sich aber in Zukunft an Pläne halten, wann und wie oft bestimmte Flächen beweidet werden dürfen. - Mal sehen ob das funktioniert, der Versuch per Schautafeln den Ziegen des Erkennen geschützter Pflanzen beizubringen ist ja gescheitert, wahrscheinlich waren die Tafeln nur schlecht bemalt… - Aber es ist doch tröstlich, dass man sich um die Umwelt derart viele Gedanken macht und nun die Ziegen per Plan zum Weiden schicken will. - Dabei wage ich immer noch zu behaupten, dass die Ziegen unser geringstes Umweltproblem darstellen.



Donnerstag 21.06.07 - 18:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 23 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 67 % Luftdruck 1020 hPa
Höchsttemperatur heute 25,2 Grad - niedrigste Temperatur 17,0 Grad

San Juan, der 21. Juni 1949

An diesem Morgen war ich wieder bei Julio. Wir wollten Kaninchen-Fallen bauen und suchten alles nach Draht ab. Damals waren solche Dinge kostbar, und wehe wir gingen an die Vorräte in der Werkstatt, wenn mal zufällig die Tür offen blieb. Wir bauten viele Fallen und fingen wenige Kaninchen, aber es war ein tolles Gefühl, wenn wir mit einem Conejo Julios Mutter beglückten. Das gab immer eine gute Soße für den Gofio.

Ich sah meine Mutter den Weg heraufkommen. Sie war nicht allein. Almodena, meine Tante war bei ihr und Ana. Das war ihre Tochter und sie war älter als wir und ein Mädchen. Na ja, sie spielte nicht mit uns. Meine Tante mochte ihren eigenen Namen wohl nicht und deshalb hatte sie ihre Tochter Ana genannt - möglichst kurz. Mutter sagte immer ganz lang Almodeeena und Aaaana, aber sonst waren sie ein Herz und eine Seele, was ja auch eine Ausnahme ist. Unsere Familie war sehr herzlich. Wahrscheinlich wuürde meine Tante gleich wieder sagen, dass ich gewachsen sei, wenn sie mich zu fassen bekam, um mich an ihren Busen zu drücken. Ich denke, sie merkt am Druck dass ich größer bin als letztes mal. Nun, wir sahen uns ja auch nicht so oft. Tante Almodena wohnte in Las Indias. Ich war einmal dort, aber ich kann mich nur schwach an die große Höhle erinnern, in der sie wohnte. Ihr Mann war ein toller Typ, so wie mein Vater. Er hatte mit dem Leuchtturm zu tun, wahrscheinlich musste er das Licht immer an und ausschalten.

Kurz darauf saßen die drei Frauen - Ana saß auch bei ihnen - bei einem Kaffee zusammen. Meine Mutter brachte den Kaffee immer aus Los Llanos mit, nicht nur für Julios Familie. Er war noch roh, und Julios Mutter verstand es offensichtlich, ihn zu rösten. Es stank alles nach Kaffee, und die Frauen fanden das gut. Wie erwartet hatte Tante Almodena mich abgedrückt und mir erzählt, dass mein Onkel morgen mit dem Boot nach La Naos kommen würde, und Julio und ich sollten runter laufen und Fisch holen. Das mit dem Boot war schon was, aber Fisch... Jedenfalls saßen wir zusammen, weil Tante Almodena bei Großmutter einen Kuchen gebacken hatte, und davon wollten wir unbedingt etwas abhaben. Mutter meinte, dass Tante Almodena mit uns nach Los Llanos gehen werde, weil das besser sei. Ana plapperte klug und erzählte, dass der Leuchtturm umgestürzt sei und ihr Vater deshalb Zeit zum Angeln habe.

"Ja" sagte Tante Almodena, "Es ist tragisch" - bei ihr war immer alles tragisch - "aber das Erdbeben im März hat so viel zerstört. Viele Häuser in Fuencaliente hat es erwischt, na, und bei uns erstmal, ein großer Stein ist aus der Decke gefallen, und Gregorio hat gesagt, dass er nur noch auf dem Boot schläft, und deshalb Carlo" - und sie drückte mich noch einmal - "werden wir jetzt zu euch ziehen"! Ich dachte an alles Mögliche, was mein geordnetes Leben durcheinander bringen würde - und da bebte die Insel!

Von den Campanarios der großen Felsengruppe bei Jedey polterten einige Felsen in einer Staubwolke zu Tal. Es grollte irgendwie in der Tiefe und ruckte so komisch hin und her. Die Frauen waren ins Freie gelaufen und riefen aufgeregte Sachen. Ich weiß noch genau, wie Tante Almodena mit einem "ich habe es gewusst, Gregorio hat es gesagt, jetzt geht es auch hier los" immer wieder auf uns einredete. Von überall hörten wir Schreie, Rufe und Pfeifen, und alle Menschen standen da und blickten auf die Berge. Bald lastete Stille über dem Land. Julios Worte brachen die dunkle Ruhe richtig auf: "Es ist nicht gefährlich, es ist nur komisch"! Er wollte die Frauen beruhigen, denke ich heute, und ich sehe ihn als kleinen Kerl mit seinen acht Jahren in einem viel zu großen Hemd seines Bruders.

Das Beben dauerte etwa 10 Sekunden, aber es gab immer wieder ein Zittern und Rucken und der Berg schien in der Luft zu hängen. Hin und wieder hörten wir ein fernes Rumoren. Julios Mutter meinte, "das sind Steine! -Steine, die herabstürzen". Aber ich meine, das Grollen kam aus der Tiefe. Nachbarn kamen gelaufen, um zu fragen und zu helfen, aber es gab nichts zu helfen. Auf der Strasse bei San Nicolas fuhren plötzlich Militär-Fahrzeuge. Die Leute riefen zu uns rüber, dass die Guardia Civil auf dem Weg sei.

Meine Mutter wurde nun bestimmt. "Almodena, wir gehen jetzt! Leif hat immer gesagt, ich soll nicht immer nach Las Manchas laufen. Und da siehst du es! Ich habe einen Brief von ihm bekommen. Er wird heute Abend anrufen, und ich muss pünktlich bei der Post sein. Er kommt extra meinetwegen, damit ich telefonieren kann, und ich habe ihm einen Hahn versprochen." Gemeint war Ernesto, der Telegraphist. Meine Mutter hatte die begnadete Eigenschaft, außergewöhnliche Ereignisse mit einfachen Sachverhalten abzumildern, und das tat sie mitten in einem Erdbeben. Ich bekam ein schlechtes Gefühl wegen La Naos und Boot und Onkel Gregorio. Und das Gefühl war echt. Ich zitterte, weil alles zitterte. Die Tauben flogen und flogen, weil sie jede Berührung mit dem Boden wieder in die Luft trieb. Die beiden Ziegen polterten im Stall. Die Hunde liefen winselnd hin und her, rollten sich hier ein, sprangen hoch, um das gleiche an anderer Stelle zu versuchen. Ich hatte Julios Arm gegriffen und wir drückten uns gegen einen großen Stein, der sich plötzlich von uns fortbewegte. Und dann ging es wieder los! Die Wand vom Ziegenstall brach ein. Julios Mutter holte die Heiligen zur Hilfe, und ich sah wie El Gallo sich hin und her bewegte als wolle er Anlauf nehmen, um abzustürzen. Es krachte wieder oben in den Bergen, von den Campanarios brach noch ein Brocken ab, ich sah ihn fallen und hörte nichts, weil alles in meinen Ohren knisterte und rauschte und grollte. Und dann kam wieder diese zitternde Ruhe. "Carlo, komm jetzt"! Meine sonst so geordnete Mutter flatterte den Callejon hinunter. Julio meinte plötzlich, die beiden Ziegen jagen zu wollen und Julios Mutter rief immer noch nach den Heiligen.

Das zweite Beben war um einiges stärker als das erste. Überall schrieen Leute. Als ich das Haus meiner Grosseltern sah, blieb ich stehen. Die Guardia Civil war dort, und meine Mutter gestikulierte. Tante Almodena hielt Großmutter im Arm. Großvater versuchte das völlig verrückte Schwein in die Enge zu treiben, und ein Guardia Civil schimpfte anstatt ihm zu helfen. Ich schlich mich langsam näher, dann rief Mutter nach mir. "Carlo, komm her und pack mit an! Wir sollen hier alle weg, sagen sie, und du wirst mit Ana die Betten nach Hause bringen!" - "Zu uns nach Hause"?! - "Ja, ich habe den Leuten gesagt, dass wir die Grosseltern mitnehmen, und sie müssen ja irgendwo schlafen!" Der Guardia Civil meinte, das Militär würde die Sachen nach Argual in die Kaserne bringen.- Alle müssen nach Argual, weil ein Ausbruch bevorsteht, aber Mutter bestand auf Selbständigkeit, sie hatte was gegen Soldaten und der Guardia Civil bekam seine Lektion. Großvater Manuel hatte das Schwein gepackt und rief." Ich gehe eher auf den Berg als mit euch nach Argual!" Der Guardia Cicvil ging achselzuckend weiter und meinte, er werde wiederkommen..

Damals wohnten kaum Leute in Las Manchas. Es hieß, dass die Leute in Jedey einigen Schaden hätten, und dass es Verletzte gegeben hatte. In San Nicolas sah es auch schlimm aus. Großvater bestand darauf, seine Schubkarre mitzunehmen, falls er jemals nach Argual gehen sollte und das Schwein und alles sei sowieso Quatsch. Er hatte die Karre irgendwann in El Paso beim Ringen gewonnen. Sie gehörte zu seinem Leben. Plötzlich kam Julio angelaufen und keuchte, dass der Vater mit dem Burro da sei und ob..., aber Mutter schnitt ihm das Wort ab: "Julio, lauf nach Hause und sag deinen Eltern, dass ihr alle erstmal mit zu uns kommen könnt, falls ihr überhaupt weggeht. Ihr geht auf keinen Fall nach Argual, hörst du - Nun lauf, wir kommen bald zu Euch! Sag deinen Eltern, dass wir hier nicht weggehen!" Ja, das war meine Mutter!

An diesem Nachmittag kam der Guardia Civil nicht mehr. Auf der Straße bei San Nicolas war Militär aufgefahren und reparierte Schäden. Es wurde ein diesiger, stiller Abend und überall waren Stimmen.

Und heute war der 21. Juni 1949. Mein Vater hatte in Norwegen eine Anstellung als Geologe bekommen. Nach dem Telefongespräch drehte sich alles um arktische Regionen und Erdbeben. Nachbarn waren da und wollten hören, wie das Beben in Las Manchas war. Tante Almodena fand es tragisch, dass wir jetzt nach Norwegen ziehen mussten, und dann heulten Mutter und sie um die Wette, vielleicht, weil sie jetzt in unserem Haus wohnen sollte. Ich dachte mehr an die tiefen Barrancos mit Wasser und den Schnee auf den Bergen, von denen mir die fern krächzende Stimme meines Vaters erzählte. Es gab kein Wasser mehr - eine Wasserleitung soll eingebrochen sein, meinte ein Nachbar. Ich malte eine "Caldera mit Dampfer" und zeigte Onkel Gregorio eine Postkarte mit eine, Postboten auf Schiern. Er war mit seinem Boot in Tazacorte vor Anker gegangen.


Die Felsformation Los Campanarios, oberhalb Jedeys



Donnerstag 21.06.07 - 09:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 18 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 79 % Luftdruck 1021 hPa

12 Wochen Ferien

Aufmerksame Frühleser dieser kleinen Kolumne haben es sicher bereits bemerkt, das kommt reichlich spät heute. - Und genau so wird es nun 12 Wochen lang weiter gehen, es sind Schulferien und damit die schönste Jahreszeit für alle Schüler und auch die meisten Eltern. - Für uns ist nun jeden Tag Sonntag, weil wir zwar jeden Tag in der Woche arbeiten, aber eben sonst nur sonntags haben ausschlafen können. - Diese lange Ferienzeit, fast drei Monate, hat gute Tradition, früher wollte man es niemandem zumuten, in der Sommerhitze lernen oder unterrichten zu müssen. Da kann man diskutieren wie man will, was besser ist, immer mal wieder Ferien zwischendurch oder eben dieser große Ferienblock, es ist halt einfach so hier und wir nehmen das gerne mit. - Daraus entwickeln sich aber auch wieder andere Traditionen, so zum Beispiel, dass man in ganz Spanien fast ausschließlich in dieser Zeit Urlaub macht. - Sicher, auch da gibt es Ausnahmen, aber die sind in der Masse nicht erwähnenswert, wer mit spanischen Urlaubsgästen rechnen will, der sollte sein Angebot irgendwie in diese freien Monate, fast nie enden wollende Ferien packen.

Der große Nachteil ist, dass die Kinder, und auch wir Eltern am Schluss dieser grandiosen Zeit nur wieder ganz schwer und durchaus verknüpft mir körperlichen Qualen, zurück zu dem Alltagsrhythmus finden. - Auch die Geschäftswelt reagiert darauf, wenn auch längst nicht mehr so deutlich wie früher. - Sommerzeit heißt in vielen Geschäften und auch in vielen Firmen, Nachmittag ist Schluss, der Rest des Tages gehört der Familie und so kann es gut vorkommen, dass man nachmittags und abends an verschlossenen Türen zu lesen sieht: Horario de Verano. - Selbst die Politik macht vor dieser großen kollektiven Agonie einen Kniefall, es gilt nicht als schick oder konform, in diese Jahreszeit die heißesten Debatten zu legen. - Gut, das ist die kommenden Wochen durch die vergangenen Kommunalwahlen noch ein bisschen anders, aber wenn erst mal, alle seit eigentlich bereits Wochen abgesprochenen Pakte stehen, dann kann man sich auch an das Wasser legen. - Je nach Höhe des Amtes und Korruptionsempfänglichkeit, an den öffentlichen Strand, oder an den privaten Pool. - Noch muss man im Gobierno de Canarias den Pakt Coalición Canaria/Partido Popular so weit äußerlich modellieren, dass diese Regierung nicht gleich als Koalition der Verlierer an den Start geht, aber es ist ja Sommer und da werden selbst die wenigen wachen Journalisten müde, oder an den Strand geschickt. - Bitte seien Sie geduldig die nächsten 12 Wochen, ich liege zwar nicht am Strand, schon gar nicht am eigenen Pool, mangels Masse, aber ich schlafe ganz einfach aus. - Die Ferien sind da, damit beginnt bei uns der Sommer, und das ist mindestens gut so, wenn nicht sogar wunderschön.





Mittwoch 20.06.07 - 18:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 20 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 80 % Luftdruck 1019 hPa
Höchsttemperatur heute 23,8 Grad - niedrigste Temperatur 16,5 Grad

Heute ist der 20. Juni 1949 - Der Vulkan

Es war Sommer und es war Montag. Ab Mittag hatten wir überraschend schulfrei bekommen, und auch morgen hieß es, müssen wir nicht in die Schule. Meine Mutter entschied kurzerhand, dass wir nach Las Manchas gehen. Wie immer liefen wir den Campitos entlang. Es ging nach Hause, zumindest für Julio. Er wohnte während der Woche bei einer Tante in Los Llanos. Wir gingen in dieselbe Schule. Das Colegio der Schwestern ist noch heute an Ort und Stelle in der Nähe der Markthalle. Ich war ein paar Jahre älter als Julio, aber damals waren die Klassen nicht so groß, also legte man schon mal die Jahrgänge zusammen.

Meine Mutter hatte in der Nachbarschaft zur Finca der Familie meines Kumpels von Ihren Eltern ein Stück Land mit Wein bekommen, und sie versuchte sich auch mit Kartoffeln und Gemüse, zumindest im Winter. Auch im Sommer lief sie meistens zum Wochenende am frühen Morgen nach Las Manchas, und wir Jungs liefen am Nachmittag hinterher. Heute aber war sie bei uns. Meine Mutter hatte den ruhigen gleichmässigen Gang der palmerischen Landfrauen. Vater nannte ihren Gang "Stiken". Sie war für palmerische Verhältnisse hoch gewachsen und sehr schlank, und immer trug sie einen Korb auf dem Kopf. Heute hatte Sie in ihrem Korb Wäsche für die Grosseltern, die sie in Argual im Kanal La Vica gewaschen hatte. Sie stolperte nie. Meine Mutter war einfach schön, wie sie so vor uns stetig bergan schritt, und wir Jungs tollten hintendrein. Geld für die Cucaracha, so nannten wir damals das Gefährt für alle, war bei unsereins in keiner Tasche zu finden. Eigentlich war unser Gang um diese Tageszeit eher ungewöhnlich, alles schien etwas anders als sonst zu sein. Überall liefen Soldaten umher und die Guardia Civil stand an jeder Ecke. Vielleicht war wieder Krieg. Um die Guardia Civil machten wir immer einen großen Bogen. Julios Bruder hatte einen Stahlhelm geklaut, na ja, man konnte nie wissen...

Wir kannten jeden Stein auf dem Campitos, und das will was heißen. Damals waren die Felder gepflegt. Die Leute hatten Ihre Arbeit getan und kamen uns entgegen. Auf dem Campitos liefen auch die Esel und Maultiere. Manchmal sprangen wir auf ein Muli, aber die waren immer so warm und mochten uns nicht. Einige Kinder, deren Eltern Fincas hatten, liefen mit uns, aber bald verschwanden sie irgendwohin. Die Leute kannten wir fast alle, und wenn ein Fremder des Weges kam, fragten wir ihn nach dem Namen. Alle trugen irgendetwas auf dem Kopf. Auf die Idee, einfach spazieren zu gehen, konnte niemand kommen, weil es immer etwas zu transportieren gab.

Auch Julio und ich hatten selbstverständlich unseren Job und den weitesten Weg. Aber wir durften nichts auf dem Kopf tragen. Das hatten die Nonnen in der Schule so bestimmt. Deshalb trugen wir jeder einen Rucksack aus Schafswolle. An der Callejón in Las Manchas meinte Mutter, dass ich mit Julio gehen solle, um den Kaffe abzuliefern. Sie selbst ging den Weg hinab zu den Grosseltern.

In Julios Haus trafen wir den Vater an. Er war gerade mit dem Burro aus den Bergen gekommen. Ein Haufen Grünzeug lag im Schuppen. Er hatte einige Gläser Wein getrunken und schlief nun über dem Küchentisch. Kein Wunder, denn mit dem Morgengrauen zogen damals die Leute nach oben, um Futter zu holen. Das war harte Arbeit, und wer kein Mulo hatte, musste das große Bündel tragen, um seine Ziege und die Kaninchen zu versorgen. Julios Mutter war aber der Frohsinn selbst und wir mussten erstmal etwas essen. Das war bei Julios Mutter so. In wenigen Augenblicken hatte sie etwas auf dem Tisch. Sie freute sich immer, wenn wir Junges bei Ihr waren. Der Vater hatte Käse mitgebracht und etwas Gebratenes. Die Sommerhirten hatten, wo das Llano del Pino ist, eine Stelle, wo sie die Tiere nachts zusammenhielten und manchmal auch Käse machten. Das war um diese Jahreszeit die Ausnahme und wir stürzten uns auf die Schüssel. Julios Eltern hatten auch im Sommer sogar zwei Ziegen im Stall, die Milch gaben und dazu Gofio - was will ein Junge mehr. In der Ecke neben der Tür stand die Wasserkrucke. Daneben die kleine Krucke für den Durst, die wir mit Schwung über den Kopf zogen und den Wasserstrahl direkt in den Mund lenkten. "Wo sind denn die anderen?" fragte Julio und meinte damit die älteren Geschwister. " Sie sind im Berg und Vater geht auch gleich wieder hoch, sie wollen mit den Tieren nach Tacande" - "Warum?" - Weil es besser so ist"! brummte der Vater dazwischen; wir hatten ihn geweckt! - "Warum besser?" fragte Julio. "Die Tiere sind unruhig und durch die Höhle läuft ein Riss", meinte Julios Vater, " und ich gehe jetzt!" Zur Mutter gewandt, bemerkte er, dass sie zum Canal de Habana gehen würden, um Wasser aus der Fuente de Pascal mitzunehmen. Er stand auf, nahm seine alforja de lana und machte sich auf den Weg nach San Nicolas. "Ich will mit"! rief Julio und rannte hinterher "wir haben bis morgen schulfrei", aber auf halben Weg erreichte ihn ein Anranzer und er trottete zu mir zurück. Eigentlich schade, dachte ich - nach Tacande, das Land der verbrannten Steine - das ist heute Weideland und da sind Kühe. Ich mochte Kühe. Die Stimme von Julios Vater entriss mich dem Träumen- "und Du Carlo, passt auf ihn auf, und macht keinen Blödsinn, sondern geht Wasser holen"! Damals war Wasser eine Gabe. Aus dem Deposito in San Nicolas gab es mal gerade 15 Liter pro Familie. Wir schnappten uns jeder einen Wassersack und rannten dem Vater hinterher.

Die Wassersäcke waren aus Ziegenleder und ließen sich auch von uns Jungs gut tragen wenn wir sie nicht zu voll füllten. Es gab auch kleine Holzfässer (barricas de madera), die von den Burros getragen wurden und die 33 Liter fassten. Wir nannten sie in las Manchas "quarton". Wasser war damals das Tagesgespräch - gerade im Sommer. Gutes Trinkwasser gab es nur in den Quellen oder im Deposito in San Nicolas. Fast alle Leute hier draußen hatten damals Zisternen für die trockenen Monate, in die jeder Tropfen Regenwasser lief, den man erwischen konnte. Zisternen waren wichtiger alles, alles andere, und Julios Onkel hatte einen Kalkofen, und Kalk war unerlässlich für den Zisternenbau. Kalk kam als steiniges Geröll mit dem Schiff aus Fuerteventura, weil es dort kein Brennholz mehr gab. Aber hier hatte man genug zum Feuern und brannte aus den Kalksteinen ein weißes Pulver, dass überall im Hausbau verwendet wurde - wenn Geld da war. Aber Zisternen mussten mit Kalk abgedichtet werden - oder es gab kein Wasser! Noch heute gibt es alte Zisternen mit Kalkputz. Die Alten schwören immer noch auf diesen Baustoff. Wasserabweisend und wenig pflanzenfreundlich.. Doch woher bekommt man heute noch guten Kalk!?

Wir lieferten das Wasser bei Julios Mutter ab, und ich trollte mich hinab zu den Grosseltern. Es war ein warmer Sommerabend. Und morgen war wieder ein Tag.



Die Häuser von Las Manchas



Mittwoch 20.06.07 - 08:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 17 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 74 % Luftdruck 1019 hPa

Sackgasse

Die letzten Jahre, oder vielleicht schon das letzte Jahrzehnt verfehlter Tourismuspolitik lässt sich nicht mehr verwischen. - Es geht, leider kann man es nicht mehr anders betiteln, nur noch bergab. - Dabei kann man den ländlichen Tourismus hier mal außen vor lassen, weil keine echten Vergleichszahlen vorliegen, aber auch in diesem Sektor raufen sich viel zu viele Anbieter um viel zu wenige Gäste. - Zurück zu den Hotels und Aparthotels, die in sachlichen Statistiken jeden Monat ihre Gästebilanzen vorweisen müssen und diese werden vom kanarischen Statistikamt auch veröffentlicht und mir bleibt keine andere Wahl, das als korrekt anzusehen. - Wer sich ein bisschen mit den Statistiken befasst, (www.istac.org) der wird feststellen, dass auf La Palma und El Hierro die Länge der Aufenthaltsdauer der Gäste deutlich geringer ist als auf den anderen Inseln. - Das liegt daran, dass die Hotels und damit die Statistik nicht zwischen Urlaubsgästen und Übernachtungen unterscheidet, die beruflich oder aus anderen Gründen für eine Nacht oder zwei auf La Palma sein müssen. - Diese sollte man herausrechnen, das geht aber leider nicht. - So wird auch der große Unterschied in der Zahl der Übernachtungen erklärbar, warum zum Beispiel im Januar 2007 die nationalen Gäste zwar mit 4.018 die Nummer eins waren, aber nur 10.440 Übernachtungen tätigten. - Dahingegen die deutschen Besucher zwar nur in der Zahl von 2.309 aufkreuzten, dafür aber für 25.018 Übernachtungen sorgten. So ist die mittlere Aufenthaltsdauer auf um die 5 Nächte gesunken, für ein Ziel welches man mit dem Schiff oder mit dem Flugzeug ansteuern muss, eine miserable Zahl, oder miserabel ermittelt, weil dabei viele Menschen mit erfasst sind, die alles andere als Touristen sind.

Wir können das aber so stehen lassen, denn die Zahlen sprechen für sich. - Nun ist der Monat Mai in der Mangel und selbst gefühlte Werte erstarren noch vor der jetzigen Auswertung, demnach ist die Auslastung im Mai im Hotel und Aparthotel auf erstmals unter die 30% gesunken. - Bei 36 % schrieb ich schon mal: Ganz unten angekommen. - Irgendwie geht es immer noch tiefer, die genaue Zahl liegt bei 29,25%, während die Auslastung im gleichen Monat letzten Jahres noch bei 36,57% lag. - In allen Monaten dieses Jahres ist die Auslastungszahl gesunken und liegt nun, rechnet man die 5 ersten Monate des Jahres hoch, bei 43,6%. Die letzten Jahre, allerdings Jahre komplett, zeigten noch Auslastungen von 62% im Jahr 2005 und 59% in 2006. - Die verfehlte Tourismuspolitik der letzten, und sagen wir 15 Jahre schlägt nun erbarmungslos zurück. - Es wäre ein Fehler, diese Rückgänge dem scheidenden Tourismusrat Jaime Sicilia alleine anzudichten, die entscheidenden Schritte dafür wurden bereits viel früher gemacht. - La Palma hat als zusätzliches Ziel im konventionellen Tourismus keine Chance gegenüber den anderen Kanareninseln und schon gar nicht gegen die neuen Billigziele die sich nun auch mit Marokko zukünftig ganz in unserer Nähe auftun. - Dass La Palma ganz anders ist, das wissen Sie und zumindest sagen das unsere Politiker auch unisono seit dem ich lesen und denken kann. Ein eigenes Konzept, welches unsere Möglichkeiten und Vorraussetzungen berücksichtigt, als landschafts- und naturbetont fehlt seit eh und je. Wir behaupten zwar ein alternatives Ziel zu sein, sind es aber nicht mehr, sondern dienen uns immer mehr der Mittelmäßigkeit an. - Dagegen spricht immer die Behauptung, wir brauchen eine Mindestmenge an Hotels, damit die Fluggesellschaften überhaupt zu uns fliegen. Dabei ist die Zahl der Hotelbetten in den letzten 4 Jahren um an die 3.000 gestiegen, die Zahl der Gäste aber gesunken. - Diese Behauptung, mehr Hotelbetten bringen zwangläufig mehr Übernachtungen ist also schon mal vom Tisch und wer immer noch daran festhält, der irrt sich mindestens, um das mal vorsichtig auszudrücken. - Leider hat uns die verstärkte Konkurrenzsituation bereits dazu gebracht, die Preise zu senken und solche Dummheiten wie "All-inclusive" anzubieten. - Es ist also nicht nur so, dass wir weniger Gäste haben, diese kürzer bei uns sind, sie lassen auch noch weniger Geld bei uns. - Dagegen den Bau weiterer Hotels zuzulassen, das ist mindestens blauäugig, eigentlich aber schon kriminell gegenüber den Belangen und Notwendigkeiten der Insel. - La Palma wird nie vom Tourismus alleine leben können, nicht mal zum großen Teil, dazu ist dieser Markt viel zu dynamisch und uns passen nicht alle Kleider welche das touristische Freierpotential saisonal bevorzugt. - Wir werden mit weniger Gästen auskommen müssen, die aber bereit wären, für ein wirklich alternatives Ziel auch gutes Geld zu bezahlen. - Dieses Publikum gibt es und es ist sogar eine der wenigen Zielgruppen, die noch wächst. Allerdings sind unsere Zukunftsplanungen, festgeschrieben im ominösen "PTE", ganz anderer Meinung und sehen eine inselweite Hinwendung zum konventionellen Tourismus vor. Der Zug, oder vielleicht besser der Flieger, der ist bereits abgeflogen, vor ganz vielen Jahren schon und die Zukunft wird heißen, entweder ganz billig, oder ganz individuell. - Ich glaube nicht, dass wir da überlegen sollten, ob wir tatsächlich auf billig machen wollen. Allerdings glaube ich immer noch, dass La Palma Möglichkeiten hat, alleine schon deshalb sei mir der Glaube gegönnt, weil ich zwei Kinder habe, denen ich gerne eine Zukunft auf dieser wunderbaren Insel gönnen würde. - Es wird aber langsam Zeit, die letzten verfehlten Jahre aufzuarbeiten und eine tatsächliche Abkehr vom konventionellen Tourismus zu beginnen, unsere Glaubwürdigkeit als alternatives Ziel hält nicht mehr lange vor.



Dienstag 19.06.07 - 18:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 21 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 65 % Luftdruck 1017 hPa
Höchsttemperatur heute 22,4 Grad - niedrigste Temperatur 15,8 Grad

Die Eiskönigin

Dem Wanderer am Fuß des Nambroque widerfährt es zuweilen, dass er fröstelt. Selbst im Sommer kann es dort kalt werden. "Was war das?" mag er sich fragen und hält einen Augenblick inne. "Ach was, da war nichts - oder doch?"- Etwas bedächtig geht er weiter und sinnt vor sich hin, "ja, mir war richtig kalt, was das wohl war?" Nun, die Geschichte beginnt vor vielen Jahren, als die Eiskönigin über den ganzen Norden herrschte. Sie war so von Ihrer Macht über das Wasser angetan, dass sie nicht einmal die Sonne fürchtete. Aber im Innersten Ihres Herzens war sie doch etwas einsam und sehnte sich nach Anerkennung und Bewunderung, vielleicht auch ein wenig nach der Liebe allen Wassers. Aber was sie auch tat und wohin sie auch schaute, jedes Wasser erstarrte bei ihrem Anblick zu Eis. "Was nutzt mir meine unbeschreibliche Schönheit, wenn mein Wasser sie nicht mal sieht! Ich suche Wasser, das nicht zu Eis wird, zumindest nicht sofort, und das finde ich bei den Vulkanen"! Sprach´s und schwang sich in die Lüfte.

In jener Nacht regnete es über dem Nambroque, und als die Wolken dem neuen Tag wichen und der Sonnenwind durch die Pinien flutete, erklangen Tausende und Abertausende von Eisglocken und Eiszapfen: "Wir sind wunderschön, wir tragen unser Lied über dieses seltsame Land, wir sind Kinder der Eiskönigin, aber wir werden bald vergehen". Das vernahm die Quelle am Fuß des Nambroque und wäre sie nicht schon sehr heiß gewesen, so hätte die Aufregung sie zum Kochen erhitzt. Aber so murmelte sie lauter und lauter ihre Bewunderung in den singenden Wald und rief schließlich " Ach. könnte ich doch auch so schön sein wie diese in allen Farben des Himmels glitzernde Pracht!" Das hörte die Eiskönigin, und sie fühlte sich in Ihrer vollendeten Schönheit so erhaben aber auch glücklich, das selbst ihr Herz ein ganz klein wenig dahin schmolz. Und so sang der Chor des klingenden Waldes ein letztes Lied, und die Quelle spürte in sich eine kalte unbekannte Kraft:" Du kannst dich jetzt in Eis verwandeln, aber nur ein einziges Mal, wenn Dein Leben bedroht ist, und das auch nur in der Johannisnacht"! Dann verstummte der Gesang und man hörte nur noch die Tränen der Rührung tropfen.

Die Jahre vergingen und eines Tages tauchten sie wieder auf, die wilden Söhne des Feuers. Es war in der Johannisnacht, als die Quelle das Rumoren und Rufen hörte. Sie war zutiefst erschüttert - und sie erstarrte zu Eis!
"Pah"! brüllte Duraznero, "ich mache die Welt neu, ich werde Euch begraben, dich zuerst da - Nambroque"! Und er begann seinen Schlund zu öffnen, und die Lava quoll. Aber zu seinem Erstaunen hielt der Strom inne, als er in die Nähe des Nambroque kam. Eisige Kälte ließ ihn kraftlos versiegen. Schon im Schlund blieb dem Duraznero die Lava stecken - dick und zäh! Duraznero spuckte einen Berg Schwefel und brüllte hinüber: "Dann eben nicht du, du - du bist von einem Geist befallen, du Nambroque!" Und er wandte sich schaudernd ab und bohrte sich nach unten durch den Berg, nur weg von diesem verhexten, alten Vulkan! Das sollte ihm nicht noch einmal passieren! Dann floss der Lavastrom auf der anderen Seite zu Tal. Aber er konnte es nicht lassen und brüllte noch einmal aus dem Hoyo Negro. Da siehst du es, Nambroque - alles ist schwarz"! und dann verschwand er, wer weiß wohin?!

Nambroque aber kam ganz langsam wieder zu sich, und das Wasser begann wieder zu quellen - bis heute. Es ist immer noch eiskalt!



Photo von Jutta Eichner



Dienstag 19.06.07 - 07:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 17 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 69 % Luftdruck 1017 hPa

Inselregierung sauer auf Puntallana und El Paso

Und nicht nur das, sondern Sieger schlagen oft in alle Richtungen aus und so gibt der wieder gewählte Inselpräsident José Luis Perestelo auch gleich noch seine Kinnhaken weiter in Richtung Partido Popular. - Mangelnde Parteidisziplin wirft der den Konservativen vor, die es nicht geschafft haben, in den beiden Gemeinden eine Koalition von Sozialisten und Räten der Partido Popular zu verhindern. - Was in Puntallana noch als Überraschung gelten kann, in El Paso gab es keinen anderen Weg. Eine rechnerisch mögliche Dreierverbindung aus CC, CCN und PP hätte dort zwar eine Mehrheit von sieben Räten erbracht, aber niemand wollte mit der CCN koalieren und alleine mit der PP, das konnten halt nur die Sozialisten. - Die Kritik verpufft an der Realität, zeigt aber beim zweiten Hinsehen auch Teile der Machtspiele, die in diesen Fällen von ganz unten, also den Gemeinden, bis hoch in das Provinzparlament reichen. - Noch steht die Provinzregierung nicht, aber es gilt als ausgemacht, dass es einen Pakt der Coalición Canaria mit der Partido Popular geben wird. - So wie man jetzt zwischen, über und neben den Zeilen lesen kann, war dieser Pakt bereits vor den Wahlen ausgeküngelt, geriet aber kurz nach der Stimmauszählung noch mal kurz ins Wanken, denn beide Parteien haben deutliche Prügel von den Wählern erhalten und müssen nun eine Allianz der Verlierer knüpfen. - Niemand sollte dieses Gerangel um die Posten stören, so ging es als Botschaft wohl bis in die letzten Gemeinde der Inseln, wir wollen unbedingt unseren Machteinfluss retten, also respektiert die einzige Möglichkeit an der Macht zu bleiben und unterstützt eine Verbindung aus CC und PP.

Das ist nicht anders als vor vier Jahren, damals hat man diese Weisung aber schon vor den Wahlen abgegeben, dieses Mal war man sich einfach nicht sicher genug. - Also könnte man auch daraus schließen, dass die Wahlniederlage der beiden Parteien CC und PP im Provinzparlament nicht so überraschend kam und man bereits mit dem "Schlimmsten" gerechnet hatte. Langsam kommt auch etwas deutlicher zum Vorschein, unter welchem Druck die wenigen Kandidaten der Partido Popular hier in den Gemeinden standen, die überhaupt eine Möglichkeit hatten, an den Regierungsgeschichten teilzunehmen. - Und zwar nicht von den politischen Gegnern, wenn es so etwas überhaupt gibt, sondern aus der eigenen Partei, die um die eigenen teuren Köpfe in der Provinzregierung zu retten, jeden anders lautenden Individualpakt auf Gemeindeebene torpedieren wollen. - Vor vier Jahren kostete das noch die Köpfe der drei rebellischen Räte der PP in El Paso, mal sehen, wie demokratisch man in diesem Jahr Entscheidungen von lokalen Vertretungen der Parteien respektiert. - Aber genau da sitzt ja das Übel unserer Parteiendemokratie, der Kadavergehorsam. Entscheidungen werden auf anderen Ebenen getroffen als an der Basis und letztendlich steht die Disziplin immer weit über der Vernunft. - Da kann sich unser Inselpräsident bestens auf seine Leute verlassen, Disziplin war noch nie ein Problem in der Coalición Canaria und es ist mindestens bewundernswert, wie geschickt dieses erfahrene politische Schlachtross immer wieder die lächelnde Oberhand behält. - Ob es gut ist für La Palma, das ist eine andere Frage.



Montag 18.06.07 - 18:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 22 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 65 % Luftdruck 1015 hPa
Höchsttemperatur heute 22,4 Grad - niedrigste Temperatur 16,6 Grad

Das Monster vom Teneguía

Julio erstarrte zu Basalt. Ein Glück, denn so konnte ich mich an ihm festhalten. Der Schein unserer Lampen huschte verirrt in das Dunkel vor uns - hoch tief rechts links - wo waren wir, wo war das Ende!!?? Und dann brüllte es wieder los, dahinten irgendwo in der Dunkelheit, wurde ruhiger in einem Fauchen und Zischen und lag dann wieder da in tiefem Grollen. " Julio, wir hauen hier ab"! flüsterte ich ihm zu, als ob ich Angst hätte, das Monster würde uns bemerken, und als ob es so war, dröhnte uns ein Aufstöhnen entgegen, das sich zu einem Tornado aus Grollen und Fauchen steigerte. Uns vergingen fast die Sinne! "Das hat keinen Zweck", meinte Julio, "wir riskieren einen Gasausbruch, obwohl - nein, wir gehen hoch!" Erleichterung weckte meine Kräfte, um aus diesem Höllenschlund wieder herauszukommen. Das Licht der Lampen kroch mit uns nach oben - das Monster schien sich zu beruhigen - Helligkeit vor uns! "Habt ihr es gesehen? Es muss doch groß sein bei dem Lärm?!" Einige Furchtlose hatten uns begleitet und Seile und Gerät gesichert. Wir warfen erstmal Ballast ab. Es war schon sonderbar, die Luft zog nach Innen. Oben am Barranco Ruiz Gomez standen viele Schaulustige. Hier in Orotava im Norden von Tenerife hatte es sich rumgesprochen, dass in der Tiefe ein Monster aufgetaucht sei. Einige hatten es sogar gesehen. Na ja, man hatte ja immer schon gesagt, dass Urwelttiere sich in den Barrancos versteckt halten und nun war das endlich mal der Beweis. Wir packten unsere Sachen zusammen, es würde bald dunkel werden. Am Wagen warteten Leute, einer kam mit Wein. Ich schmiss das Glas hin, es flog mir einfach aus der Hand, so kaputt war ich. Julio hatte auch keine Lust, Erklärungen abzugeben, ich hatte ihn noch nie so erledigt gesehen. Aber wir mussten ja unsere Nase in alles stecken - und vielleicht hatten wir doch etwas abbekommen, vom Atem des Monsters.
Zwei Tage später brach auf La Palma der Teneguía aus. Der Barranco aber begab sich nach wochenlangem Gebrüll in seinen Wänden zur Ruhe. Wir hatten das Monster nach La Palma vertrieben, wo es sich aus der Tiefe wühlte und in den Ozean stürzte.



Photo von Bernhard van Riel



Montag 18.06.07 - 07:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 17 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 63 % Luftdruck 1015 hPa

Kirche oder Fußball, wer ist lauter

Das Aridanetal erwies sich gestern Abend mal wieder als völlig Hunde und Kleinkinder feindlich. - Das hängt damit zusammen, dass wir unsere Freude über klerikale Angelegenheiten genau so laut ausdrücken, wie die über die errungene Meisterschaft des Clubs Real Madrid und man dieses uns jenes Ereignis mit Böllern feiert. - In Los Llanos laufen die Fiestas de La Patrona, in El Paso gab es die Prozession Sagrado Corazón de Jesús und mittendrin wurde Real Meister, so dass sich das gesamte Aridanetal gestern Abend/Nacht phonetisch im Kriegszustand befand. - Ich möchte da nicht Jury sein, aber ich glaube, dass die Real-Fans die schwereren Geschütze hatten und wenn es nach Phon geht, dann haben die Fußballfans wohl die Schlacht für sich entscheiden können. - Zumindest waren sie nicht an bestimmte Zeitpunkte gehalten, wann denn dieser und jener Böller zu zünden sei und konnten sich so besonders gut in Szene setzen.

Man soll es ihnen gönnen, schließlich haben wir hier deutlich mehr Prozessionen als Fußballmeisterschaften zu feiern, da muss man sich dann halt besonders laut artikulieren. - Hunde, die Feuerwehr, die Polizei und die Kleinkinder mögen das gar nicht so sehr, die einen wegen des plötzlichen Krachs, die anderen, weil so viele Feuerwerkskörper gepaart mit Sieges und Doradataumel auch zu unangenehmen Begleiterscheinungen führen können. - Auch wenn die klerikalen Feuerwerke nicht frei von jeglicher Gefahr sind, die Raketen schießen immerhin meist nüchterne Menschen in die Luft, die das schon sehr oft gemacht haben und wissen, was sie da tun. - Wohingegen die Fußballfans - und eben die Real Madrids, die in den letzten Jahren nicht so häufig üben konnten - nicht unbedingt sachgemäß mit den Böllern und Raketen umgehen. - So musste die Feuerwehr auch gestern in El Paso eingreifen und einen Brand löschen, nachdem ein Monsterböller einen Baum und mehrere Sträucher angekokelt hatte. - Selbst der Prozessionszug wurde davon gestoppt und man musste erst die "Bomberos" ihre Arbeit verrichten lassen, bevor man die feierliche Runde im Ort weiter drehen konnte. - Danach bezog die Feuerwehr noch neben einschlägigen Kneipen strategisch wichtige Positionen, aber man musste nicht noch mal eingreifen, auch Real Fans verfügen nur über ein begrenztes Waffenarsenal.



Sonntag 17.06.07 - 17:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 23 Grad, Niederschlag: 0,5 mm, Luftfeuchte 67 % Luftdruck 1014 hPa
Höchsttemperatur heute 24,2 Grad - niedrigste Temperatur 17,8 Grad

Die Augen der Lava

Sag einer, die Lava sei nur ein Zustand und enthalte nichts als Geschmolzenes. Sie lebt Ihr Sein ,wie alles andere auch, sie wird geboren, sie bewegt sich, sie verändert sich, sie ist im wahrsten Sinne des Wortes begeistert, und sie weiß von Ihrer Metamorphose. In dieser kurzen Lebenszeit erfüllt sie ein unbändiger Wille nach Gestaltung, nach Schönheit. Sie will sich darstellen für die Zeiten, die kommen, und irgendwie hat sie den Drang auch das wahrzunehmen, was sie in der Kälte sein wird. In ihr ist das Element des Feuers und sie fließt wie das Wasser. "Sehen will ich mich im Fluss, nur wo gestaltet sich mir ein Auge!? Ihr Verlangen wird so stark, dass sich ihre machtvolle Schwester erbarmt. "Sinke nur in mich hinein und erstarre nicht in der Luft! Ich werde Dir die Augen öffnen, und für eine Weile wirst Du das Fließen sehen! Dann wirst Du in mir zur Ruhe finden und so lange ich es vermag bin ich um Dich!" Die Lava wurde von tiefer Freude erfüllt und ergoss sich in das Meer. "Was geschieht mir, ich werde hart, wo werden meine Augen sehen?" ruft sie durch das Tosen von Dampf und Dröhnen. " Warte nur," strömt es durch das Meer, "erst brauchst Du einen Körper, dann öffnen sich Dir die Augen, aber nur, wenn Du Dich ganz langsam meiner Umschließung hingibst!" So hielt die Lava inne, und über ihre Glut zog sich sanft eine Haut. "Oh", entzückte Sie sich, als der Dampf sich verzogen hatte und sie in die tiefe Bläue blickte, aus der kaltes Wasser noch einmal eine Haut über das Auge legte. Die Wasserwelt begann in rot und blau zu glitzern und zwischen den Augenhäuten vereinten sich die Elemente zu Kristallen. Und wieder legte sich eine Haut auf das Auge und noch eine und noch eine. Das Leuchten wurde schwächer und Ruhe legte sich auf eine erfüllte Sehnsucht. - Die Zeit zählt nicht die Jahre, aber sie rinnt, und die geschlossenen Augen wanderten mit ihr im Raum dahin, wo das Wasser dem Himmel weichen musste. Da kam ein Menschlein des Weges und wunderte sich.



Photo von Bernhard van Riel



Sonntag 17.06.07 - 09:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 19 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 86 % Luftdruck 1014 hPa

Die Karten liegen auf dem Tisch, jetzt kann gearbeitet werden

Alle Rathäuser La Palmas sind nun besetzt, zumindest alle außer dem in Los Llanos. Das liegt aber nicht daran, dass man sich dort nicht über einen Pakt einigen konnte, das ist nicht nötig, denn Juan Ramón hat wieder die absolute Mehrheit erhalten, aber man muss die Unklarheiten beseitigen, die sich in einem Wahllokal in Argual auftaten. - Dort tauchten Auszählungsschriften auf, die augenscheinlich überschrieben waren und so das Endergebnis so weit veränderten, dass die CCN anstatt der ursprünglichen drei Stadträte nur noch zwei im Stadtrat sitzen hat. Auch wenn es dabei lediglich um 23 Stimmen geht, genau diese kleine Zahl reichte aus um der CC einen weiteren Rat zu verschaffen, eben auf Kosten der CCN. Das lässt der erste Mann der Partei in Los Llanos, Indalecio Pérez nicht auf sich sitzen und geht nun gerichtliche gegen diese Entscheidung vor. - Er weiß was er tut, schließlich ist er ein bekannter Anwalt der Stadt. - In den anderen Gemeinden ging es ohne überschriebene Wahlscheine ab, allerdings musste man in 5 Gemeinden noch auf eine Schaffung von Mehrheiten warten, die üblicherweise erst dann verkündet werden, wenn drei Wochen nach der Wahl die alte Legislaturperiode endet und die Rathäuser neu besetzt werden. - Dabei gab es einige Überraschungen, die kleinste war wohl die Bestätigung des Paktes PSOE/PP im Rathaus El Pasos. - Auch wenn man immer wieder Munkeleien der seltsamsten Art hörte und der einzige gewählte Kandidat der PP in El Paso wohl gehörigem Druck der anderen Gruppen ausgesetzt war, der Pakt stand bereits 5 Tage nach der Wahl. - Es ist somit die dritte Koalition zwischen den so ungleichen Parteien PSOE und PP, die auf nationaler Ebene natürliche Feinde darstellen. - Allerdings ist es dieses Mal nicht zu erwarten, dass die eigene Partei dem Kandidaten Probleme bereitet wie es noch vor vier Jahren der Fall war, als man die, damals noch drei Stadträte aus der Partei warf, weil sie mit dem "Feind" paktiert haben.

Die gleiche ungewöhnliche Komposition wendet man in Puntallana an, dort bilden die 2 Räte der Partido Popular zusammen mit den 4 Räten der PSOE zusammen die Regierung, gegen die 5 gewählten Leute der Coalición Canaria. Das Gezeter dort ist groß, weil man sonst gerne die meist gewählte Liste respektiert, aber dieses Jahr ist vieles anders und auch im Gobierno de Canarias wird es wohl eine Koalition der kleineren Gruppen geben, dort zum Nachteil der PSOE. In Fuencaliente hat man das "Recht" der meist gewählten Liste respektiert, dort kann sich Gregorio Alonso von der Coalición Canaria als neuer Bürgermeister feiern lassen, er erhielt sogar die Stimmen der ehemaligen Regierungsgruppe "Unión Progresista Fuencaliente" und die des einzigen Rates der PP. - So bleibt als offizielle Opposition eigentlich nur der eine Ratsposten den die PSOE ergattert hat. In Garafía ist wieder mal alles anders, dort ist mal ja politisches Stühlerücken bereits gewöhnt, dort wird Albilio Reyes von der PSOE in Minderheit den Bürgermeisterposten antreten müssen, es konnte kein Pakt gebildet werden und so stehen die 4 Räte der Sozialisten gegen 3 der Wählergemeinschaft um Vicente Peñate und die beiden der Coalición Canaria. - Das verwundert nicht, da in der nordwestlichsten Gemeinde der Insel ist die politische Szene schon lange aus dem Gleichgewicht, drei Bürgermeister verschlang die letzte Legislaturperiode und persönliche Fehden vergiften das Arbeitsklima ein ums andere Mal. - Last, but never least, die Hauptstadt. Auch dort gab es keine absolute Mehrheit, nur eine kleine Verschiebung innerhalb der drei großen Parteien, einen Ratsposten verlor die Partido Popular und der ging an die Coalición Canaria. Allerdings verloren die Sozialisten dort auch Wählerstimmen und sind nun im neuen Pakt CC/PP nicht mehr mit an der Regierung. - Auch in der Hauptstadt gab es in der letzten Regierungszeit drei Bürgermeister, da durfte jede der drei dort vorhandenen Parteien mal den Chef stellen. - Fazit, keine Überraschung in der Hauptstadt und in El Paso, aber bunte und abwechslungsreiche Pakte ziehen sich über die Insel und man munkelt jetzt schon, welcher Pakt zuerst bricht und wo der erste Misstrauensantrag lauert.


Loli und Antonio von der Partido Popular


Samstag 16.06.07 - 18:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 22 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 69 % Luftdruck 1017 hPa
Höchsttemperatur heute 24,0 Grad - niedrigste Temperatur 16,2 Grad

Untermieter

Es ist ja allgemein bekannt, dass man in hiesigen Breitengraden darauf achten sollte, Lebensmittel nicht allzu lange offen herumstehen zu lassen, wenn man sich keine unerwünschten Mitesser einfangen möchte. Wir wissen das auch und packen deshalb alles in Tüten und Tupper. Trotzdem stellen wir plötzlich fest, dass unsere Lebensmittelabteilung sich eines regen Besucherandrangs erfreut. Nicht was Sie jetzt denken. Nein, keine Kakerlaken. So schlimm ist es dann doch nicht. Die Rede ist von Ameisen. Kleine, possierliche Gesellen, die unaufhaltsam und zielstrebig jede noch so kleine Öffnung in Tüten und Schachteln finden, um Eingang ins Schlaraffenland zu finden. So tummeln sie sich denn alsbald in ständig steigender Zahl zwischen Keksen, Brot und Zuckerdose. Das ist zwar zunächst nicht so schlimm, denn wir teilen gerne, aber wir finden das Brötchen einfach nicht mehr so lecker, wenn wir vor dem Frühstück erstmal zwei Dutzend Ameisen erklären müssen, dass wir sie nicht mit verspeisen wollen. Was tun? Ganz einfach, alles Nahrhafte in Plastikdosen verpacken, gründlich putzen und alle Krümel aufwischen, dann verschwinden die Biester von ganz alleine.

Von wegen! Schnell müssen wir feststellen, dass normale Plastikdosen für die kleinen Akrobaten überhaupt kein Hindernis darstellen. Die sind so klein, dass sie zwischen Dose und Deckel hindurch kriechen. Selbst vor meinen original verschweißten Schokoladenkeksrollen machen sie nicht halt. Kaum öffne ich eine neue Packung, schon grinst mich fröhlich Amigo Ameise an als wollte er sagen: Ich bin schon drin. Ich hab nicht gesehen, wie sie das schaffen, aber sie schaffen das. Erst der Einsatz von sündhaft teuren, garantiert luftdichten Behältern mit 30jähriger Garantie schafft vorübergehend Abhilfe und hält sie wenigstens von unseren Grundnahrungsmitteln fern. Trotzdem scheinen sie aber immer noch genügend Krümel zu finden, damit der Weg zu uns sich lohnt. Und nicht nur das. Eines Morgens stelle ich fest, dass sie scheinbar unsere Kaffeemaschine als Swimmingpool benutzen. Da herrscht ein fröhliches Kommen und Gehen zum Wassertank, dass man meinen könnte, sie verrichteten dort ihre Morgentoilette. Fehlt nur noch, dass sie sich über unsere Zahnpasta hermachen.

Langsam nerven diese sturen Gesellen, und um dem Ganzen ein Ende zu bereiten beschließen wir, ihnen Hausverbot zu erteilen. Als sie darauf nicht reagieren, versuchen wir es mit Köderboxen. Erfolg gleich Null. Ok, sie haben es nicht anders gewollt! Wir greifen zur ultimativen Geheimwaffe und besorgen uns im Supermarkt eine Dose Ameise-Go-Home. Bewaffnet mit dieser Sprühdose versuche ich, sämtliche Zugänge zu unserem Heim ein für alle Mal zu versperren. Das sollte wohl klappen, denn das Zeug stinkt so gemein, dass wir es drinnen selbst kaum aushalten.

Am nächsten Tag stellen wir fest, dass sämtliche Maßnahmen scheinbar ohne Erfolg bleiben. Und es soll noch schlimmer kommen. Der Kühlschrank, bisher letzter Zufluchtsort für angebrochene Schokoladen- und Kekspackungen, weil die kleinen Quälgeister Kälte wohl nicht mögen, gibt abends seinen Geist auf. Jetzt müssen wir schnell handeln. Schon am nächsten Tag besorgen wir uns einen neuen Kühlschrank. Und weil wir nicht wissen, was wir darin noch so alles vor den Ameisen verstecken müssen, fällt der auch gleich eine Nummer größer und höher aus. Was dann wiederum zur Folge hat, dass er nicht sofort in die Abstellkammer passt. Ich muss erst noch einige Regalbretter entfernen, die über dem alten Kühlschrank angebracht waren. Also räume ich erstmal das Zeug weg, das da so rumliegt. Die Strandmatten sind schnell verstaut, ebenso die Bohrmaschine und die Stichsäge. Bleiben nur noch die drei Reservetastaturen für den PC. Alle ordentlich verpackt in den Originalkartons. Zwei spanische Tastaturen, eine gar nicht, die andere nur kurz benutzt, aber dann gegen eine deutsche ausgetauscht. Und eine deutsche kabellose Tastatur, die wir anfangs zwar einige Zeit benutzt haben, die dann aber nicht mehr richtig funktionierte. Als ich letztere aus dem Regal ziehe, werde ich plötzlich massiv angegriffen. Einige Dutzend Ameisen krabbeln drohend aus dem Karton auf meine Hand zu. Hilfe!!! Was tun??? Fallenlassen? Nein! Jetzt wird abgerechnet!!! Mit dem Karton in der Hand renne ich aus der Wohnung, rauf auf die Dachterrasse, wo ich ihn fallenlasse. Dann schnappe ich mir die Sprühdose und öffne vorsichtig die Schachtel. Darin wimmelt es nur so von Ameisen. Und dazwischen sehe ich einige größere Exemplare und so etwas wie Eier. Das Nest. Und alles ist in hellem Aufruhr. Jetzt nur die Nerven behalten. Immerhin sind sie deutlich in der Überzahl. Mit gezielten Sprühstößen schlage ich die erste Attacke zurück, um dann dem Rest der Brut mit vollem Einsatz den Garaus zu machen. Nur Sekunden, und es ist vorbei.

Zugegeben, das war nicht nett, und ich habe in dem Moment auch nicht darüber nachgedacht, ob es sich bei den Ameisen um Schädlinge oder um Nützlinge handelt. Und wer hätte auch vermutet, dass die Biester sich in einer Tastatur einnisten? Im Nachhinein wird dann so einiges klar. Die Tastatur war benutzt, und mit der Zeit haben sich darin wohl einige Kekskrümel angesammelt. Und als ich sie dann weggepackt habe, waren die Krümel noch immer darin und dienten wohl als erste Nahrungsquelle. Und weil's so schön warm und dunkel war und jede Taste ein prima Ameisenappartement abgibt, haben sich die kleinen Störenfriede wohl darin niedergelassen. Durchaus verständlich, aber leider nicht in unserem Sinne. Denn letztlich ist mir dann doch mein Keks näher als die Ameisen.

P.S.: Als ich die Geschichte gestern beim Essen (wann sonst?) einigen Freunden erzählte gab mir Manni einen Tipp: Ameisen wird man angeblich wieder los, indem man auf ihr Nest pinkelt. Ich kann das nachvollziehen, denn wenn mir dauernd jemand in die Wohnung pinkeln würde, würde ich da auch nicht mehr wohnen wollen. In unserem Fall hätte der Tipp aber kaum was genützt. Das Nest befand sich nämlich auf Augenhöhe, und ich glaube nicht, dass ich das geschafft hätte.




Samstag 16.06.07 - 09:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 17 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 65 % Luftdruck 1018 hPa

30 Jahre Demokratie, Franco und das heilige Herz

Manches dauert etwas länger. - Gestern feierte man hier in Spanien den friedlichen Weg aus der Franco-Diktatur in eine stabile Demokratie, wobei der friedliche Weg dabei das Herausragende ist. - Die Demokratie gibt es inzwischen in fast allen satten Ländern der Welt und so fällt einem sofort auf, dass Demokratie ein Luxusphänomen sein muss. - Wobei man in den strikt marktwirtschaftlich orientierten Ländern, und dazu gehört Spanien eben auch, feststellen muss, dass unsere Demokratie uns zwar vor politischer Diktatur und Zwangsmaßnahmen schützt, nicht aber vor den Folgen hemmungsloser Kapitalwirtschaft. - Da schließt sich aber sofort wieder der Kreis, Demokratie funktioniert nur in Ländern in denen es etwas zu verteilen gibt und während die einen die Demokratie als Fundament für sozialen Wohlstand preisen wissen die anderen genau, nur dort lässt sich bequem - und vor allem legal - Geld verdienen und das nicht wenig. - In den Furchen der Demokratie ist es gelungen, Geld wertvoller zu machen als Arbeit, das heißt, wer Geld hat, der steckt es nicht wieder in die Produktion, sondern auf den Kapitalmarkt. - Das geht alles wunderbar, bis die Grenzen des Wachstums erreicht sind und wie es dann weitergeht, das lässt sich bei Karl Marx trefflich lesen. - Aber wer wird denn schon alten Politzauseln Glauben schenken und dann noch einer linken Bazille, dagegen gibt es wunderbare Spielshows in den Privatsendern, welche die Wertvorstellungen und die Leitkultur einer demokratischen Gesellschaft wohl weniger anstrengend formen.

Solche Gedanken tauchen halt schon mal auf, wenn man auf dreißig Jahre Demokratie zurückblickt. Dazu kommen noch ein paar Eigenheiten der hiesigen Gesellschaft, die sich ja nicht durch eine bedingungslose Kapitulation von ihrem Diktator befreit hat, sondern in einem sanften Übergang, der als Mindestvoraussetzung eine Amnestie der früheren Täter brauchte. - Wäre es zu Tribunalen und Anklagen gegen die Franco-Anhänger gekommen, dann gäbe es diese Demokratie nicht, Spanien ist den Weg des Schweigens, oder des Verzeihens gegangen, was deutschem Aufklärungsgeist immer wieder unverständlich gegenübersteht. - Aufklärer gibt es hier auch und das nicht zu knapp, aber fast jeder hält sich daran, Aufklären und Aufschreiben ja, Anklagen nein. - Jedem, der das für einen wenig "wahren Weg" hält, dem kann man stolz diese Demokratie präsentieren, die eben nicht von außen aufgesetzt wurde, sondern selbst erarbeitet, auch mit der stillschweigenden Zustimmung der meisten Opfer. - Manchmal dauert es halt länger, bis man die alten Zöpfe abschneiden kann und so kommt es spät, aber nie zu spät, dass gestern in El Paso endlich die "Calle General Franco" einen neuen Namen erhalten hat. - Der Beschluss dazu der erging einstimmig im Rathaus bereits im März, aber das neue Namensschild brachte man gestern erst an, eben weil man auf die dreißig Jahre Demokratie reagieren wollte und auch auf die Eröffnung des hohen Festes in El Paso, Sagrado Corazón. - So nämlich heißt die kleine Gasse hinter der Kirche jetzt, Calle del Sagrado Corazón de Jesús. Es ist immer ein Fehler, Straßen nach Personen des Zeitgeschehens zu benennen, die Zeiten ändern sich. - Es gibt noch mehr Straßen in El Paso die eine namentliche Renaissance brauchen, das wird keine weiteren dreißig Jahre dauern, aber die spanische Demokratie ist noch so jung und hat so gar keine Eile, alles auf einmal zu erledigen.





Freitag 15.06.07 - 17:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 23 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 72 % Luftdruck 1019 hPa
Höchsttemperatur heute 24,0 Grad - niedrigste Temperatur 16,8 Grad

Kleine Pause in den San Juan Tagebüchern, es geht weiter damit am 20.6. Bis dahin, ein paar andere Carlo-Geschichten.

Kein Trost für das Leben - Menschen und andere Wesen.

Ich bin ein Vulkan und
ein Gedanke fasziniert mich immer wieder,
und ich bedenke meine Existenz als endlich,
ohne zu wissen wie ich das Ende erfasse,
aber endlich zu sein,
ist wohl richtig.
Ich erdenke Erscheinungen,
und ich habe die Einsicht,
dass Wesen endlich sein sollen,
wenn ich sie aus mir entlasse
um zu leben
als endlich leidende Masse.
Nur das ist mir wichtig!


Largato und Guanche

Die Nachmittagssonne legt sich auf die Welt - und da sind sie!
Zu einer Zeit als das Unwirkliche noch wirklich war, kamen die beiden von drüben geschwommen. Er musste sich mächtig anstrengen, um mithalten zu können, denn schließlich war Largato eine Eidechse - nicht etwa eine von der kleinen Sorte, nein, riesig groß, größer noch als Guanche, und der war schon ganz schön mächtig. Die beiden waren Freunde und so konnte Guanche, wenn ihm die Puste ausging sich auf ihren Rücken setzen, und dann schäumte sie los, dass die Wellen sogar bis Afrika zogen. Aber schließlich meldeten sich Durst und Hunger, und die beiden schlurften an Land, wo heute noch an der Playa de Bajamar ihre Spuren zu sehen sind. Eilig erklommen sie dann den Berg, um sich an dem köstlichen Nass des großen Bergsees zu laben. Dann tobten sie und plantschten durch den See von einem Ufer zum anderen, und als der Hunger sich meldete, waren es die Blüten und Früchte ,die ihn stillten, damals in Hülle und Fülle vorhanden, und schließlich waren die beiden so satt und müde, dass sie beschlossen, für diese Nacht auf der Insel zu bleiben. Guanche streckte sich lang auf dem Berg über dem See aus und schlief bald tief ein. Largato legte sich auf den Bauch - sie mag nicht gern auf dem Rücken liegen, weil sich das nicht schickt und verweilte noch in den letzten wärmenden Strahlen der Sonne. Dann schlief auch sie ein. Die beiden schliefen so fest, dass sie nicht einmal bemerkten, wie der große Bergsee einen Teil des Gebirges mit sich riss und sich tosend in die Tiefe ergoss , um sich erholsam mit seinem Meer zu vereinen. Seine Zeit war gekommen. Aber dort wo die beiden nun schliefen, blieb der Berg stehen. Und da liegen sie heute noch! Guanche hat sich kaum bewegt, nur sein Kopf ist etwas nach unten gewandert, da oben auf der Cumbre Nueva, na, und Lagartos Kopf ist immer noch der untergehenden Sonne zugewandt, während ihre vielgliedrigen Beine den Benjenado umfassen. Ach ja, ich vergaß zu sagen, wo und wem die beiden sich zeigen: Dem stillen Wanderer auf dem Weg von Los Llanos de Aridane nach San Nicolas - irgendwo auf dem alten Camino Campitos bleibt er stehen und wendet den Blick zu den Bergen über El Paso - und da sind sie!



Lagarto

Guanche



Freitag 15.06.07 - 07:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 18 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 68 % Luftdruck 1019 hPa

The winner takes it all

Was für eine Lüge. Knappe drei Wochen ist es jetzt her, dass wir hier wählen durften und noch wissen wir nicht genau, wie man mit unserem Willen umgeht. - In vielen Gemeinden ist es längst klar, da wo absolute Mehrheiten herrschen braucht man nicht zu überlegen, in der Inselregierung La Palmas auch nicht, aber in der obersten Legislative der Kanaren, im Gobierno de Canarias ist noch gar nichts entschieden. - Eigentlich steht dort ein absoluter Gewinner der Wahlen fest, die Sozialisten um den kantigen Überflieger Fernando López Aguilar, aber die demokratischen Ordnungen sind nicht immer mit den Gewinnern und schließen auch eine Koalition zweier Verlierer nicht aus. - So wird es denn auch kommen, ein Pakt zwischen der Coalición Canaria und der Partido Popular bahnt sich an, nachdem die selbst ernannten Nationalisten der Coalición Canaria von sich aus die Verhandlungen mit den Sozialisten als gescheitert erklärt haben. Damit bliebe eigentlich alles beim Alten, die beiden rechten oder konservativen Kräfte rotten sich zusammen, um ihre Positionen und ihre Einflussbereiche nicht zu verlieren. - Aus dem angestrebten Wechsel, auch wenn dieser vom Wähler an der Urne gefordert wurde, wird also wohl nichts werden und wir dürfen uns auf weitere vier Jahre Spezelpolitik freuen.

Das ist sicherlich gut fürs Geschäft, aber schlecht für den notwendigen Wandel, der endlich hier die Prioritäten auf volksnähere Positionen rücken sollte. - Solch eine Koalition der Verlierer ist übrigens keine alleinige kanarische Spezialität, auch die große Koalition in Deutschland ist nichts anderes, auch wenn man es dort nicht gerne hört, dass eigentlich die zwei Verlierer regieren. - Wie das weitergehen kann die nächsten vier Jahre bleibt aber dennoch offen, die Partido Popular hat in den Inselparlamenten derart viel Zuspruch verloren, dass man nicht mehr von einer stabilen Kraft sprechen kann, aber es hat halt einfach wieder mal rechnerisch gereicht, um sich weiterhin an den süßen Töpfen der Mandate bedienen zu können. - Für La Palma bedeutet das nichts Gutes. Man hat es so also nicht geschafft, die Autobahn politisch vom Tisch zu bekommen, wir müssen also weiter auf der Hut sein, damit die knallharte Infrastrukturpolitik der Betonparteien unsere Insel nicht auch noch mit einer Asphaltschicht überzieht, nach dem irrationalen Vorbild anderer Inseln. - Hat einer gesagt, dass Demokratie einfach oder gar ein Spaß sei? Wer hat eigentlich die Schuld an diesem Schlamassel? Ganz klar, die haben wir, auch wenn uns das eigentlich nicht gefällt, aber wir haben gewählt und nun haben wir das, was wir verdienen auch bekommen.

Gobierno de Canarias Räte 03 Räte 07   +/- Stimmen 03 Stimmen 07      +/-
PSOE 17 26   + 9 235.234 309.404 +74.170
CC 23 19   - 4 304.413 209.700 -94.713
PP 17 15   - 2 283.186 217.706 -65.480



Donnerstag 14.06.07 - 18:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 23 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 66 % Luftdruck 1018 hPa
Höchsttemperatur heute 24,0 Grad - niedrigste Temperatur 17,7 Grad

Heute ist der 14. Juni 1949
Das sieht nicht gut aus! Francisco, der Bruder meines Onkels Gregorio kam gerade aus Fuencaliente mit einem Sack voll Sardinen, die er in der Gegend verteilte. Er erzählte, dass es wieder ein leichtes Beben gegeben habe und das vom Abraham wieder ein ganzes Feld abgerutscht sei und den Weg am Malpique verschüttet habe. Gregorio hat das von seinem Boot aus gesehen, weil er immer am Malpique fischt, erzählt er. Gregorio habe ihm gesagt, dass er das Beben sogar im Boot fühlte, weil das Wasser dann so schuppig wurde als ob ein Strom läuft. Als er hochsah, bewegte sich der Abraham und der Sand schoss hinab bis an den Strand. Ich glaube, in den nächsten Tagen passiert etwas!


La Palma Südflanke der Cumbre Vieja


Hier ist jetzt für ein paar Tage Ruhe mit dem San Juan, bis es heftig weiter geht, am 20.6. dafür jeden Abend eine andere Geschichte aus der Feder Carlos.



Donnerstag 14.06.07 - 07:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 18 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 70 % Luftdruck 1018 hPa

Jammern vorab

Was ist schlimmer für den Landwirt, eine gute Ernte oder eine schlechte? - Bevor Sie mich des Wahnsinns bezichtigen lassen Sie mich kurz erklären. - Es geht um den Wein dieser Insel und um drei Rekordernten hintereinander, die nicht nur die Weinkeller gefüllt, sondern auch für eine deutliche Überproduktion gesorgt haben. - Dieses Jahr wird anders werden, eine weitere Rekordernte ist nicht in Aussicht, das beklagt der Präsident des palmerischen "Consejo Regulador" mit Blick auf die Wettersituation in diesem Jahr. Ein viel zu warmer Winter, gefolgt von einem zu frischen Frühjahr, welches einfach nicht in einen echten Sommer konvertieren will. Wenig Fruchtansatz zeigen die Weinstöcke bislang, das wird kein gutes Jahr dringt es nun aus den immer wissenden Mündern der Oberwinzer. Man will sich zwar noch nicht festlegen, wie groß der Abstand zu den letzten Rekordernten sein wird, aber Jammern vorab ist allen Landwirten dieser Erde liebster Zeitvertreib, das geht den Zuckerrübenbauern im Gäuboden nicht anders als den Kiwipflanzern in Neuseeland.

Der Weinanbau auf La Palma hat die letzten Jahre eine gewaltige Renaissance hinter sich, so viel Wein hat man noch auf Flaschen gezogen und verkauft, aber dennoch nicht genug, denn die Produktionssteigerung war deutlich größer als der Absatz, viele Winzer blieben auf ihren Trauben sitzen oder mussten diese zu einem lächerlichen Preis an die großen Abfüller verkaufen. Es gibt halt Subventionen, ehemals stillgelegte Flächen auf denen man früher bereits Wein gezogen hat, wieder herzurichten und schon tappt man aus einer eigentlich guten Idee in den großen Weinsee der Überproduktion. - Die Marktwirtschaft ist halt nicht besonders phantasievoll und reagiert ganz ohne Mitleid auf ein Überangebot, so platzen gut gemeinte Hilfen an die Landwirtschaft an der harten Tür des Wettbewerbes. - Meckern ist leicht, aber es wäre sicher besser gewesen, zusammen mit der Produktion auch den Abverkauf zu unterstützen, sei es durch mehr Werbung oder weiter reichende Aktionen welche unseren Wein dem Verbraucher näher bringen. - So bleibt nur der devote Weg die Preise zu senken und mal kräftig eine Runde nachzudenken, warum mehr nicht immer mehr ist. - Die Überproduktion erstreckt sich übrigens nur auf unsere roten Standardweine, meist aus dem Osten und Süden der Insel, Weißweine aus dem Norden, die zum Teil auf über 1.000 Meter angebaut werden, finden weiter hervorragenden Absatz. Allerdings machen die Weißweine nur einen kleinen Teil unserer Produktion aus und bitte lassen wir niemanden darauf kommen, nun den Anbau von Weißwein zu subventionieren, wir wissen doch, wie dass dann ausgeht.



Mittwoch 13.06.07 - 17:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 22 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 64 % Luftdruck 1017 hPa
Höchsttemperatur heute 23,1 Grad - niedrigste Temperatur 18,4 Grad

Heute ist der 13. Juni 1949
und soeben kam die Nachricht: Der Berg gast ganz gewaltig. Auf den Pisten trifft man Soldaten. Sie versuchen, den Hirten und Grünschneidern klarzumachen, dass der Berg sehr unsicher ist. Es könnte zu einem Ausbruch kommen. Ramón kam heute Abend nach Hause und erzählte, dass sie nicht mehr in der Höhle schlafen, weil sie Kopfschmerzen bekommen, und die Ziegen sind ohnehin nicht mehr zu bewegen, in die Höhle zu gehen. Er erzählte, dass einige schon mit ihren Ziegen in Richtung Tacande gehen. Ramón habe die Guardia Civil mit einem Professor getroffen. Der Professor habe ihn gefragt, ob er Spalten und Löcher kenne, aus denen heißes Gas kommt. Ramón hatte ihm einige Stellen gezeigt.


Risse, Gase und Gefahr



Mittwoch 13.06.07 - 07:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 19 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 75 % Luftdruck 1016 hPa

Umgangssprache

Warum schreibt man eigentlich nicht so wie man spricht? - Einfachste Antwort, weil man nicht weiß wer es liest und einem die Gestik fehlt, um etwaige Ironie oder Doppeldeutigkeiten augenzwinkernd klar zu machen. - Das ist auch vielleicht der Grund, warum es bei Behörden so stramm zugeht was die Ausdrucksweise angeht, da sind Doppeldeutigkeiten nicht gewollt und um Gottes Willen keine Ironie. - Da kommt dann zwar auch wieder Unverständliches herüber und manch Papier muss man dreimal lesen um endlich zu begreifen, was wollen die eigentlich von mir und was muss ich nun machen. - Da geben sich die hiesigen Behörden genau so geheimnisvoll wie in anderen Ländern und so ist es vielleicht zu erklären, warum mein Nachbar zu mir kommt um sich manche Briefe erklären zu lassen, obwohl er der Muttersprachler ist und ich nur der Immigrant. - "Du verstehst so was doch" sagt er dann immer und lässt mir keine Chance auf einen freien Nachmittag.

Das andere Extrem ist die Umgangssprache, die gepaart mit ein bisschen Dialekt auch dafür sorgen kann, dass man sich nicht mehr versteht, eben besonders wenn man dass dann geschrieben ausdrücken will. - Unter Jugendlichen, oder ostentativ jung bleiben wollenden angereiften Menschen gibt es hier eine Art Stenographie, die meist im SMS-Verkehr (nicht Sado-Maso-Schrecklassnach) oder im Mässändscher benutzt werden. - Für Normalschreibende unverständlich und für jeden Vater der Mutter eine weitere Fremdsprache, die man unbedingt lernen muss, um weiterhin mit seinen Kindern fernsprachlich zu kommunizieren. - Ein Mittelding wäre gefragt, eine Art gesellschaftliches Esperanto, in dem man sich so ausdrücken kann wie man es eigentlich meint, ohne große Floskeln zu nutzen und falsche Fährten zu legen in dem man Worte benutzt, von denen man ganz genau weiß, dass sein Gegenüber diese nicht umdeuten kann. - Einen Schritt nach vorne haben da die Stadtverwaltungen von Los Llanos und Tazacorte längst gemacht, aber das ist auch wieder einigen nicht recht. - Nun klagt man an, dass in Puerto de Naos am Strand Hinweisschilder stehen, übrigens seit ganz, ganz vielen Jahren, die umgangssprachlicher kaum sein könnten. - "Dieser Strand ist dein Spiegelbild, scheiß nicht darauf" - (Esta playa es reflejo de ti - no la cagues!) - steht da geschrieben, klar, verständlich und bis zu einem gewissem Grade auch leicht nachzuvollziehen. Seitens der INPA möchte man solche Kraftausdrücke nicht mehr in der Öffentlichkeit sehen, das gebe kein gutes Bild ab, man könne das auch feiner und gebildeter ausdrücken. - Recht hat er, man könnte vielleicht auch schreiben, "Laut Paragraph..... ist das Koten am Strand verboten", aber das liest doch kein Mensch, da scheißt doch jeder darauf. - Dass falsche übersetzte Beschilderung aber sogar geschäftsschädigend sein kann, dass muss man in Puerto de Tazacorte erst noch lernen. - Kein Wunder, dass die Briten diese Insel meiden wie Dieter Bohlen das Kloster, wenn am Strand Hinweisschilder stehen mit der Aufforderung: "No balls".


Engländer lauft um eure....



Dienstag 12.06.07 - 18:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 24 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 64 % Luftdruck 1016 hPa
Höchsttemperatur heute 24,1 Grad - niedrigste Temperatur 16,0 Grad

Carlo und der Vulkan

Wer ist Carlo? - Carlo ist ein Freund der Insel und damit auch unser Freund, das ergibt sich, das findet sich. - Carlo weiß viel von La Palma, die schönen Dinge aber auch die Schicksalhaften, so ist das einfach, wenn man sich lange genug mit der Insel beschäftigt hat und weiß, diese auch zu atmen, so wie man es manchmal mit netten Menschen macht. - Dabei gibt es vieles zu entdecken, bei Menschen wie bei Inseln, und wem dann noch die Gabe zugeflossen ist, andere an seinen Entdeckungen teilhaben zu lassen, dann ist das ein Geschenk an alle, die vielleicht einfach nur auf, oder aber mit dieser Insel leben dürfen. - Wer Carlo ist, also so profane Dinge wie Namen und Telefonnummern, das ist nicht wichtig, Carlo erzählt uns Geschichten, die sind wichtig. - Es ist eine besondere Freude für uns- und ich kann versprechen, auch für Sie, in den nächsten Wochen, chronologisch aber nicht jeden Tag, eine Geschichte von Carlo veröffentlichen zu dürfen. - Er will das so und ich will das schon seit langem, aber mit Eile geht sowieso nichts und nun können wir anfangen. - Morgens gibt es weiter von mir die gewohnte aktuelle Kolumne und abends, so lange der Vorrat reicht, dürfen Sie sich einen Carlos I gönnen, idealer Begleitstoff für die Lektüre von Carlo.


Tagebuch der San Juan Eruption

Die Vorgeschichte: Erdbeben auf La Palma

Heute ist der 12. Juni 1949
Um ehrlich zu sein - ich hatte nicht die leiseste Vorstellung, dass sich dieser Tag heute und dann noch all die folgenden Tage auf dieser ehrenwerten Heimseite wiederfinden würden. Da kann einer doch mal sehen, wie die Zeit vergeht, wenn es an das Ausgraben alter Erinnerungen geht. Und plötzlich ist die Zeit stehen geblieben, und alles wieder da, so wie es gerade gestern noch war.
In diesem Jahr war es wieder einmal soweit! Julio und ich weilten immer wieder bei den guten alten Zeiten, liefen im Berg herum und besuchten die geheimen Plätze. Wir erzählten, unsere Erinnerungen verdichteten sich, ein leichter Schleier senkte sich über Las Manchas, und wir sahen eine andere Landschaft. - Heute war der 12. Juni 1949.
Mein Onkel Gregorio, er ist mit der Schwester meiner Mutter verheiratet, ist zu Besuch bei meinen Großeltern. Sie heißen Maria Marlene und Manuel. Meine Mutter ist mit Almodena - ihrer Schwester - in La Laguna. Ich muss mit Ana, der Tochter von Almodena, also meiner Kusine, Kartoffeln ausgraben. Ana ist älter als ich und macht nicht einen Finger krumm, außerdem ist sie sehr fein, nun, sie wohnt ja auch in Las Indias. Sie geht nicht mehr in die Schule, was sicherlich darauf zurückzuführen ist, dass sie sowieso nichts anderes kann als nach älteren Jungs zu schielen, den Brüdern meines Freundes Julio nebenan zum Beispiel. Ich nehme meinen Cesta und bringe meine Kartoffeln rüber zum Haus. Mein Onkel Gregorio ist ein richtiger Onkel. Er arbeitet im Leuchtturm, der auf der Punta Fuencaliente, und er hat in dieser Woche frei, weil der Leuchtturm repariert wird. Wenn er erzählt, kann ich nicht genug bekommen: "Ja", sagt er, "es fing schon im Februar an. Ich habe es eigentlich nicht so gemerkt und dachte, ich hätte wohl doch zuviel getrunken, aber nachher erzählten sie, dass es im Ort richtig gewackelt hat". Dagegen waren die Erdbeben jetzt im März heftig. Und sie kamen immer wieder. Das Meer bekam eine andere Farbe und zog sich merkwürdig hin und her und vom Abraham rutschten ganze Felder herab.

Wir waren alle draußen als der Leuchtturm damit anfing rauf und runter zu hüpfen. Aber eigentlich waren wir es, die hin und her geruckt wurden. Jedenfalls war im Haus alles voller Risse, und der Turm stand plötzlich ziemlich schräg, fand ich zumindest. Er ist ja jetzt wieder repariert worden."- "Ob wir in Los Llanos auch ein Erdbeben bekommen ?" fragte ich nachdenklich. "Na, das wollen wir nicht hoffen! Aber alle sagen, dass sehr viel Unruhe im Berg ist. Das Wasser von der Fuente del Tion soll sich verändert haben, und auch am Nambroque spukt es. Ich glaube ja, dass der Martin oder der Antonio ausbricht, aber wer weiß, im Augenblick ist ja alles ruhig" - " Ich will das mal sehen, wenn ein Vulkan Feuer spuckt, vielleicht bricht ja mal der Birigoyo aus, das können wir von zu Hause aus sehen"! - "Na, ich danke"! sagte Onkel Gregorio und packte seine Sachen zusammen. Er hatte Fische mitgebracht. " Jedenfalls sieht es bei uns in Las Indias nicht gut aus."! Meine Mutter und Tante Almodena kamen von Julios Eltern den Weg herab. Julio ist mein Freund. Ich hatte den Gedanken, dass sich bald etwas ändern sollte.

Der Leuchtturm von Fuencaliente



Dienstag 12.06.07 - 07:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 16 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 76 % Luftdruck 1017 hPa

Piste nach Los Brecitos wird geteert

Nach langem Hin und Her, nun ist der Auftrag vergeben worden an die Firma Ruiz Romero, die knappen 9 Kilometer vom Flussbett aus in die Höhe nach Los Brecitos zu asphaltieren. - Die Arbeiten sind nicht ganz unumstritten, weil man damit den einzigen Zugang zum Nationalpark per Auto so deutlich erleichtert, dass man seitens der Parkverwaltung und natürlich seitens der Umweltschützer große Probleme auf den Nationalpark zukommen sieht. - Allerdings liegt die Straße nicht im Kerngebiet des Nationalparks Caldera de Taburiente, sondern in der "Vorpark" Zone und so sind die Auflagen seitens der Behörden nicht so unerfüllbar groß, als handle es sich um ein Gebiet im Nationalpark selbst. Allerdings wird die Piste nur geteert und nicht erweitert, wie man ursprünglich forderte, es bleibt eine enge kleine Straße auf der man sich nur mit Mühe aneinander vorbeizwängen kann.- An die 650.000 Euro soll der bessere Fahrweg kosten und bereits in drei Monaten will man die Straße fertig haben.

Was noch nicht ganz klar ist, denn der Behördendschungel ist undurchsichtiger als der Nationalpark selbst, ob denn die neue Piste für den öffentlichen Verkehr freigegeben wird. - Man möchte natürlich verhindern, dass der Weg nach Los Brecitos nun Auto und Motorradtouristen dazu einlädt eben mal in den Krater zu fahren, dort einen Blick in den Krater zu werfen und dann wieder den Weg auf die andere Seite anzutreten. - Diesem Blick in die Caldera kann man bereits wunderbar vom Lomo de los Caballos aus haben, auf dem südlichen Grat, und man muss dazu nicht die Pisten, erst herab ins Flussbett und dann auf der anderen Seite wieder hoch, bemühen. - Auf jeden Fall wird man dort, am Lomo de los Caballos einen Parkplatz schaffen und eigentlich hat man dann vor, den Nationalpark für Privatfahrzeuge komplett zu sperren und nur noch mit Shuttlebussen und Taxis in den Park zu fahren, eben nach Los Brecitos aber auch nur ins Flussbett. - Damit könnte man die Besucherzahl im Nationalpark auch wieder auf die wirklich interessierten Wanderer reduzieren. - Aber da ist noch nichts unterschrieben, es sind noch viele Köche dabei, diesen Brei auf die Teller zu bekommen. - Die gegensätzlichen Ansichten der Nationalparkschützer und die der Interessengruppen den Tourismus zu fördern prallen da noch deutliche aufeinander. Es scheint sehr schwierig zu sein, eine realistische Abwägung zu treffen, wie viel Besucher denn der Nationalpark verträgt ohne Schaden zu nehmen, gleichzeitig aber auch unser touristisches Hochlicht Nummer eins, eben die Caldera nicht völlig abzuschotten.



Montag 11.06.07 - 19:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 20 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 74 % Luftdruck 1019 hPa
Höchsttemperatur heute 21,4 Grad - niedrigste Temperatur 15,5 Grad

Man spricht Deutsch

Über die Germanisierung La Palmas haben wir bereits öfter nachgedacht und sind eigentlich nur zu dem Schluss gekommen, da wo bereits viele einer Volksgruppe hin sind, da zieht es, eben wegen der bestehenden Kontakte immer weitere hinzu. - La Palma hat eigentlich sogar weniger mitteleuropäische Ausländer als andere Kanareninseln, aber der Prozentsatz der Deutschen innerhalb dieser Immigrantengruppe ist hammerkruppstahlhart. Selbst die ausländischen Touristen sind überwiegend aus Deutschland, während auf den anderen Inseln eher Briten und Skandinavier dominieren, sind diese Nationalitäten bei uns eine absolute Randgruppe. - Ob man diese als schützenswerte Randgruppe bezeichnen soll, das lasse ich einfach mal dahingestellt und jeder kann sich seine Gedanken dazu machen. - La Palma ist mit seinen vielen Deutschen nicht unbedingt schlecht beraten, an die eckigen Eigenarten, keine Ratschläge annehmen zu wollen und immer alles besser zu wissen hat man sich hier pragmatisch gewöhnt, für wahr, es gibt Schlimmeres. Anecken kann man immer noch, aber das bleibt den Wenigen vorbehalten, die hier missionarisch auftreten und doch tatsächlich den Menschen von hier weiß machen wollen, dass man dies und jenes in Alemania so und so machen würde und das doch auch besser sei für hier. - Meist wird solch ein Vorgehen mit Schweigen oder Lächeln übergangen, oder der wenig schmeichelhafte Titel des "Listillo" vergeben, also Schlaumeier, welches gegen den skurrilen Ausdruck "Cabeza Cuadrada", also Quadratschädel, schon fast als Schimpfwort gilt. - Schlimmstenfalls wird man höflich aber direkt aufgefordert dann zu erklären, warum man denn hier auf La Palma sei und nicht dort, wo alles besser ist. - Man stelle sich doch im Gegenspiel mal vor: Ali kommt mit gebrochenem Deutsch ins Rathaus einer Kleinstadt und will dieses und jenes Papier geregelt haben, rennt aber gegen Wände und behauptet dann doch glatt, bei ihm in der Türkei würde man das so und so machen und das sei doch sicher besser für alle. - Glatte Frechheit und schon kann Anatolien ihn gedanklich wieder haben.

Das ist aber alles nicht schlimm, es sind Ausnahmen und im Alltag hat hier kein mitteleuropäischer Ausländer irgendwelche Probleme, er muss halt immer das eine Stückchen Papier mehr aufweisen, welches früher die Tarjeta de Residencia war und nun das Certificado de Registro Como Residente Comunitario ist. - Noch ein weiterer migratorischer Faktor hat hier den Mitteleuropäern das Leben noch leichter gemacht, längst sind Einwanderer aus Mittel- und Südamerika in der Überzahl und die Angst gegen Überfremdung richtet sich nun eher gegen diese Volksgruppen. - Weit abgeschweift bin ich wieder, wollte ich Ihnen doch eigentlich nur erzählen, dass es diese Woche mal wieder deutsche Filme im Kino von Los Llanos zu sehen gibt und zwar OmU, also im deutschen Original mit spanischen Untertiteln. - Das ist keinesfalls ausschließlich als Reminiszenz gegenüber der großen Zahl der Deutschen hier zu betrachten, es gibt auch hier ein breites und interessiertes Publikum für Kinofilme und denen will man auch ein paar Juwelen des deutschen Kinos nicht vorenthalten. Zumal es sich bei den gezeigten Filmen um international prämierte Streifen handelt aber mit sehr deutschen Themen, bei denen man sich die Originalsprache ruhig stimmig passen lassen darf. - Heute läuft: "Sommer vorm Balkon", morgen " Sophie Scholl - Die letzten Tage" und Mittwoch gibt es den deutschen Oscargewinner "Das Leben der Anderen" zu sehen. - Jeweils 20:15 Uhr. - Und auch die "Ossis" unter den deutschen Residenten hier müssen sich nicht zurückgersetzt fühlen, alle drei Filme gibt es auch in Santa Cruz zu sehen, zeitversetzt, jeweils einen Tag später - immer schön der Reihe nach… Ich habe mir früher am liebsten auch Filme OmU angesehen, meist alte amerikanische Stummfilme…



Montag 11.06.07 - 07:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 16 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 72 % Luftdruck 1019 hPa

Vier Wochen Fiesta

Karneval und die Ehrung der Schutzpatronin der Stadt, das sind die beiden größten Feste in Los Llanos. - Karneval ist ja immer viel früher im Jahr, der ist bereits abgefrühstückt, nun stehen die "Fiestas de La Patrona 2007" an und die "Patrona" ist die "Nuestra Señora de los Remedios". - Der Frauenname Remedios ist eigentlich gar nicht so selten, meist werden diese aber "Meme" oder "Reme" genannt, denn Remedios bedeutet eigentlich die Auswege aber auch die Mittel, die Möglichkeiten und kann auch noch die Lösungen bedeuten und so etwas überlässt man lieber Jungfrauen oder Heiligen, die sind für so etwas zuständig. - Ähnlich bei dem Vornamen Dolores, was die Schmerzen bedeutet und keiner ruft, Schmerzen kommt mal her. - So nennt man diese immer Lola oder Loli, das tut nicht ganz so weh. - Zurück nach Los Llanos.

Seit gestern hängen nun die Flaggen der Patrona am Rathaus und über ihrem eigentlichen Standplatz, dem "Castillo de la Patrona". Vier Wochen wird nun gefeiert, wobei der erste Höhepunkt, die immer skurriler werdende Wahl der Festkönigin am kommenden Samstag ist. - Solch eine "Misswahl" muss sein und die Kleider welche die jungen Frauen dazu tragen sind meist Gesamtkunstwerke aus Draht und Aluminium, mit weit ausladenden Aufbauten und bespannt mit bunten Stoffen. - Meist kann man sich in diesen Kleidern gar nicht mehr bewegen, aber Bewegung ist wohl nicht der übliche Habitus eine "Reina de la Fiesta". - Dabei finden ja Misswahlen nicht nur bei solchen Fiestas statt, nimmt man das Wort im rein deutschen Sinn, dann kommt etwas anderes dabei heraus, etwas so was wie die Wahl zur Zusammensetzung der Inselregierung am 27. Mai. - Aus, keine Politik mehr bis zum 16. Juni, dann endet die alte Legislaturperiode… - Der eigentliche Höhepunkt der Fiestas de la Patrona ist am Samstag den 23. Juni, da kann man allen Asketen nur anraten, Los Llanos ganz weiträumig zu umfahren. - Da steht für das feiernde Volk ein Mammutprogramm an, welches bereits am frühen Vormittag mit dem Einzug der Tiere für den Viehmarkt beginnt. - Dann gibt es ein kostenloses Mittagessen für die Viehhändler aus der ganzen Insel und jeden der da gerade herumsteht, mit eben reichlich Wein zum Nachspülen. Am Nachmittag, bis in die späte Nacht hinein findet dann noch der eigentliche Umzug der Patrona durch den Ort statt, das nennt man dann die Romería und da geht es dermaßen feucht, fröhlich und ausgelassen einher, dass am Sonntag darauf kein weiterer Programmpunkt der Fiesta steht, sondern nur eines, Ausschlafen und Erholen. - Wer mal ganz alleine sein will in Los Llanos, der soll mal am 24. Juni dort vormittags spazieren gehen, der hat die Stadt für sich. - Ob das allerdings mehr Spaß macht als die ausgelassene Fiesta am Tag zuvor, dass muss jeder für sich entscheiden.



Sonntag 10.06.07 - 19:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 23 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 58 % Luftdruck 1019 hPa
Höchsttemperatur heute 23,8 Grad - niedrigste Temperatur 15,4 Grad

Gefräßige Monster

Eigentlich hatte uns die Haushaltsvorständin dieses Jahr verboten Seidenraupen bei uns zuhause aufzuziehen, aber durch einen Unfall sind wir doch wieder dabei, diese gefräßigen Monster bei uns zu haben. - Der Unfall ist einfach erklärt, wir mussten die Raupen retten, da diese einfach zu früh aus ihren Eiern geschlüpft sind. - Jedes Jahr, meist Anfang bis Mitte Mai schickt man uns aus Nicaragua Eier der echten Seidenraupe, Bombyx Mori, um hier auf La Palma diese Tiere aufzuziehen. - Die Eier gehen immer an das Seidenmuseum und an die Werkstatt "Las Hilanderas", müssen aber zunächst durch den Zoll. - Und wie bereits öfter vorgekommen, ist man sich da nicht so ganz einig wie man diese Eier verzollen soll und so dauert das immer ein paar Tage. Dazu kam noch, dass es just an den Tagen ziemlich warm war und bis man die Eier dann in El Paso hatte, ist viel zu viel Zeit vergangen. - Ich hatte einer Familie in Bayern versprochen auch Eier dorthin zu schicken, die haben einen kleinen Sohn und einen Maulbeerbaum, die wollten das auch mal versuchen. - Allerdings ließen mir die Raupen keine Möglichkeit mehr sie erneut auf Reise zu schicken, alle Eier die ich abgeholt habe um sie nach Bayern zu schicken, schlüpften noch in der ersten Nacht hier bei uns und wären allesamt gestorben auf dem weiteren Transport nach Deutschland. - So tut es mir Leid für die Familie in Bayern, aber wir werden es nächstes Jahr noch einmal versuchen.

Nun haben wir die Raupen an der Backe, oder besser gesagt im Büro. - Kein anderer Raum in unserem Haus ist dafür geeignet, in den Schlafzimmern will sie keiner haben, in der Küche, das geht auch nicht und in den Bädern ändert sich die Temperatur zu häufig und zu schnell. - So bleibt nur das Büro und für die nächsten sechs Wochen umströmt uns so erneut der leckere Duft halbvergorener Maulbeerblätter. - Aber da es sich um eine Rettungsaktion handelte und es um das Überleben einiger hundert edler Tiere ging, konnte sich meine Frau nicht mit der ihr sonst angeborenen Autorität durchsetzen. - Ich mag die Tiere ja, weil sie eigentlich einfach zu halten sind, die bleiben immer dort wo es nach Maulbeerblättern riecht und krabbeln keineswegs im ganzen Raum herum, wie manche vielleicht befürchten. - Was monströs ist, das ist der Appetit dieser Raupen, dreimal am Tag müssen neue Blätter geholt werden. - Man kann die Tiere nicht auf Vorrat füttern, sobald die Blätter angetrocknet sind, hören sie auf zu fressen und damit auch auf, zu wachsen. - Aber bislang klappt die Versorgung gut, die Maulbeerbäume bei uns in der Nähe liefern reichlich Futter und sind ganz für uns, keiner unserer Nachbarn zeiht auch noch Seidenraupen, also müssen wir nicht extra fahren oder weit laufen um frische Nahrung zu besorgen. Meine Frau ist über den ersten Schock hinweg und so lange wir die Raupen immer sauber halten und die Stoffwechselendprodukte zeitnah entsorgen, so lange hat die Chefin auch versprochen, die Kisten mit den Raupen nicht auf die Terrasse zu stellen. - Da kämen die Vögel recht schnell dahinter, dass es da Gratisfutter gibt und der Bestand würde sich so drastisch reduzieren. Aber wir betreuen ja verunglückte Immigranten nach Bayern und passen schon gut auf unsere Zöglinge auf. - In ein paar Wochen ist eh wieder alles vorbei und übergeben dann auch wieder das Büro in die Hände meiner Frau. - Ganz unter uns, er riecht überhaupt nicht schlimm, halt ein bisschen wie Raupe ganz hinten…


Seidenraupen auf La Palma


Sonntag 10.06.07 - 09:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 17 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 72 % Luftdruck 1020 hPa

Wetternachlese

Zu warm und etwas zu wenig Niederschläge, so könnte man den vergangenen Winter kurz analysieren. - Aber fangen wir ganz langsam an. Der Oktober begann mit wunderbaren 95 Millimeter Niederschlag, was auf einen "guten Winter" schließen ließ, immer wenn man es von der Seite der Landwirte betrachtet, der Inselgast hat im Allgemeinen andere Vorstellungen von gutem Wetter. Dann folgten zwei extrem trockene Monate, im November regnete es lediglich 7,5 mm und im Dezember überhaupt nicht. - Dabei muss ich immer wieder betonen, ich spreche lediglich über das Wetter im Aridanetal, in anderen Ecken der Insel, besonders auf der Nordostseite, kann und sieht es meist anders aus. - Ab Januar war dann alles wieder "normal", denn das frühe Frühjahr, wie komisch sich das anhört, ist immer schon die regenreichste Zeit bei uns. Eigentlich kennt man den Februar als den Monat mit den meisten Niederschlägen, dieses Mal war es der Januar, mit beachtlichen 133 Millimeter, weit vor dem Februar, der nur 29 mm im Regenmesser hinterließ. - Der März rettete uns dann mit weiteren Niederschlägen von 119 Millimeter, sonst wäre dieser Winter als sehr trocken in die Jahrbücher eingegangen und der April legte noch mal 8 Millimeter drauf und der Mai ganze 34. - Als Gesamtsumme stehen so 425 Millimeter zu Buche, etwas unter dem Durchschnitt, der bei knapp über 500 Millimeter pro Winter im Aridanetal steht.

Allerdings ist Regen nicht gleich Regen, sondern es kommt sehr darauf an, in welchem Zeitraum dieser fällt und ob es dem Boden möglich ist, die Feuchtigkeit auch aufzunehmen. Wobei echter Sturzregen zwar die Sammelbehälter füllt, aber eigentlich kontraproduktiv für den Wasserhaushalt der Insel ist. Zu groß ist der Erosionsschaden, so viel mühsam produzierter Humus geht dabei verloren, die Schluchten werden tiefer und tiefer gegraben dabei und jeder Tropfen Süßwasser der in den Atlantik fließt, ist einfach ein verlorener Tropfen. - Ein weiteres Problem taucht auch noch bei zu viel Regen auf einmal auf, bei intensiv genutzten landwirtschaftlichen Flächen spült der Überschuss an Wasser Nährstoffe aus dem Boden, die ohnehin durch teure Düngergaben wieder ersetzt werden müssen. - In diesem Sinne haben wir, außer bei den Märzniederschlägen diesen Winter Glück gehabt, meist fiel der Regen langsam genug, um dem Boden die Zeit zu geben, das kostbare Wasser auch aufzunehmen. - Dieser Winter war deutlich wärmer als die letzten, allerdings schien er länger zu dauern, aber das liegt wahrscheinlich am Vergleich mit Mitteleuropa, die im Mai bereits Hochsommer feierten, während wir noch in unserem ganz normalen Winter steckten.



El Paso, Höhe 540 Regen mm max. Temp. min. Temp. Ø max. Temp. Ø min. Temp. Ø total Temp.
Oktober 06
95
35,7
15,2
26.1
16.69
22,43
November 06
7
28,8
12,6
24,09
17,05
20,57
Dezember 06
0
28,1
10,6
22,6
13,76
18,27
Januar 07
133
28,6
10,5
23,86
14,79
19,33
Februar 07
29
28,9
10,5
21,9
13,08
17,53
März 07
119
28,8
10,5
22,16
13,81
17,99
April 07
8
23,7
11,4
20,97
13,45
17,21
Mai 07
34
31,7
13,5
23,27
16,3
19,78



Samstag 09.06.07 - 18:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 22 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 63 % Luftdruck 1019 hPa
Höchsttemperatur heute 22,8 Grad - niedrigste Temperatur 16,0 Grad

Blütenfalter

Nein, das wird jetzt kein Bericht über irgendwelche Motten. Blütenfalter gehen nämlich auf zwei Beinen. Jedenfalls in und um Mazo. Woher ich das weiß? Ich habe einen getroffen, oder besser gesagt eine. Und das kam so:

Neulich stand in einer inselbekannten kostenlosen Zeitung zu lesen, dass in Mazo mal wieder die alljährliche Prozession anlässlich des "Corpus Christi" stattfinden soll. Wir haben schon einiges davon gehört und gelesen, waren aber noch nie da. Deshalb wollen wir uns am Donnerstag frühzeitig mit Freunden in Mazo treffen, um uns das Spektakel mal anzusehen. Aber bevor wir uns auf den Weg nach Osten machen, erhalten wir einen Anruf von Ute: "Guckt mal auf die Webcam, in Mazo ist ein Sauwetter". Schnell ins Web geguckt, stimmt, dunkle Wolken, alles nass. Das ist nichts für uns. Wir bleiben erstmal zu Hause und warten ab. Kurz vor 19:00h zeigt die Webcam in Mazo zwar noch Wolken, aber der Platz vor dem Rathaus scheint abzutrocknen. Wir beschließen, erstmal durch Tunnel zu fahren und einfach wieder umzukehren, falls es im Osten regnet. Auf der anderen Seite angekommen stellen wir fest: Wolkig, aber fast trocken. Wir versuchen es mal.

In Mazo ist kaum ein Parkplatz zu bekommen und wir müssen ein gutes Stück wandern, bis wir in die Nähe der Kirche kommen. Schon von weitem sieht man in den Straßen hoch aufragende Gebilde in verschiedenen Formen und Farben. Wir pirschen uns ran und stehen bald vor dem ersten Objekt, einem hoch aufragenden Gerüst mit einer Art Altar, komplett verziert mit Bildern und Ornamenten aus Blättern und Blüten (Ich schenke mir hier mal die genaue Beschreibung, das würde zu lang werden und bei Mathias kann man im Archiv darüber einiges nachlesen). In den Straßen stehen mehrere solcher Gerüste, aufgestellt von verschiedenen Gemeinden in und um Mazo und verbunden durch lange Blumenteppiche. Wir schlendern also daran entlang, vorsichtig darauf bedacht, nur ja nicht auf diese sorgsam hergerichteten Läufer zu treten, und treffen überraschend auf Christiane und Andreas aus La Sabina.

Christiane erzählt uns, dass sie gemeinsam mit den Frauen ihrer Gemeinde an einem der Kunstwerke mitgearbeitet hat. Wochenlang haben sie Blätter und Blüten gesammelt und - zum Teil sogar auf den Armaturenbrettern ihrer Autos - getrocknet. Manche mussten sogar bis nach Barlovento fahren, um eine ausreichende Menge an Material zu sammeln. Anschließend wurden die Blätter und Blüten von den freiwilligen Helfern in die richtige Form gebracht (daher die Blütenfalter) und einzeln auf die vorbereiteten meterhohen Gestelle geklebt. Das muss ein fürchterlicher Fummelkram sein. Und das alles nur für ein paar Tage, denn danach ist alles verwelkt. Also, für mich wäre das nichts.

Um 20:00h beginnt von der Kirche aus die Prozession. In heftige Weihrauchwolken gehüllt schreitet die Priesterschaft einen Altar nach dem anderen ab. Begleitet werden sie von ausgesuchten Mitgliedern der Gemeinde, verschiedenen Würdenträgern, einer Blaskapelle und hintendran kommt der Rest ihrer Schäfchen. An jedem Altar wird ein kurzer Stopp eingelegt und von einem entfernten Hügel donnern jedes Mal Böllerschüsse. So laufen sie gemessenen Schrittes eine Station nach der anderen ab, bis sie wieder zur Kirche zurückkehren. Und danach geht es - vermutlich ohne die Priester - direkt zum Festplatz, wo schon die Buden mit geistigen Getränken und stärkenden La-Palma-Burgern warten. Wir ziehen uns aber zurück und suchen uns ein etwas entfernter gelegenes Lokal, um uns den Weihrauch aus der Kehle zu spülen.

Und das Wetter? Ach ja, während der Prozession hat es trotz fieser Wolken keinen Tropfen geregnet. Aber als wir danach ins Auto steigen fängt es direkt an zu tröpfeln. Man könnte fast vermuten, dass da oben ……… Ach was, wie komme ich nur auf solchen Blödsinn? Muss wohl am Weihrauch liegen.



Photos hat Achim auch reichlich mitgebracht und den Beweis für das miese Wetter an diesem wichtigen Tag sowieso. HIER geht es auf die Prozession.


Sauwetter auf der Ostseite



Samstag 09.06.07 - 09:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 17 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 71 % Luftdruck 1018 hPa

Gewisse Konflikte

Was machen wir heute? Müll aufsammeln bei Charco Verde in einer gemeinsamen Aktion der Inselregierung? Bäume pflanzen oberhalb El Pasos, organisiert von dem Schönheitssalon "Tara"? Auf ein Treffen der "Ecologistas en Acción" gehen, in der Hauptstadt und gegen den Klimawandel protestieren? - Das zumindest hätte den Vorteil, dass man sich anschließend, dann um 12 Uhr, auch noch der Veranstaltung gegen die Golfplätze in der Hauptstadt wenden kann. - Ferner laden noch die Blütenteppiche in Mazo ein, die Kinder wollen zum Strand und meine Frau zum Einkaufen. Nur der Kater gibt sich zufrieden, Dose auf, Tierkadaver raus, ein paar Streicheleinheiten und der Tag ist gerettet. Ich wollte eigentlich ein paar Dinge an der Webseite machen, die ich schon ewig vor mir her schiebe, es warten noch viele E-Mails auf Beantwortung und irgendwie ist das Wochenende, noch bevor es richtig anfängt, schon wieder verplant. - Gar nicht zu sprechen von den vielen Kleinigkeiten, die man sich immer für das Wochenende aufhebt, Außenbeleuchtung reparieren, Auto sauber machen und den Weltfrieden herstellen.

Bitte betrachten Sie das nicht als Klage, ich führe kein schweres und getriebenes Leben, sondern ein komplett selbst bestimmtes Dasein und bin jeden Moment Herr meiner Taten und meiner Zeit. Der gewisse Konflikt dabei besteht, dass meine Zeit so furchtbar begrenzt ist, nicht nur im gesamtheitlichen Aspekt, sondern auch einfach von der Uhrzeit her, so dass ich mich entscheiden muss zwischen dem Weltfrieden und der Außenbeleuchtung, dem Bäumepflanzen und dem energischen Auftreten gegenüber dem Klimawandel. - (Wenn ich den Herrn Wandel mal erwische, dem werde ich aber eine gehörige Portion Co² geigen) Eigentlich wollte ich ja auch noch in den Garten gehen und die Selbstversorgerquote erhöhen, also Gerste und Tabak anbauen, aber das könnte man auch mit der Einkaufstour verbinden, Zigaretten und Bier hat der Supermarkt inzwischen auch und ich soll mich ja nicht immer so unglobal verhalten, das sei völlig uncool sagen meine zwei Unerwachsenen immer zu mir. - Inzwischen lichtet sich das Dickicht, die Kinder werden abgeholt und fahren mit andern Leuten zum Strand, das gibt Zeit und Luft die Planung neu zu überdenken. - Wo setzt man nun die Prioritäten? Gehe ich Bäume pflanzen damit wir genug Sauerstoff haben? Und könnte man das aufrechnen und die Klimademo dafür sausen lassen, also einen internen Klimaablass erwirtschaften? - Als Katholik habe ich ja Erfahrung mit dem Ablasshandel, da kann man öfter mal was ab lassen. - Positiv dabei wäre auch noch, dass ich ja mit dem Auto zur Klimademo müsste und die ist in Santa Cruz, die Bäume werden aber in El Paso gepflanzt, da sind schon wieder ein paar Gramm Kohlendioxyd gespart. - Jetzt muss ich noch die Einkaufstour mit dem Bäumepflanzen zeitlich synchronisieren und die Kinder kommen dann zu Fuß vom Strand wieder hoch gelaufen, dann sieht das mit dem Gewissen für heute doch schon gar nicht mehr so schlecht aus. - Ach Gott, da war ja noch die Geschichte mit den Golfplätzen und dem Aufräumen bei Charco Verde und die Blütenteppiche in Mazo und die Webseite und die Außenbeleuchtung und dann muss auch noch die E-Mail beantworten mit der Frage, wie man eigentlich jeden Tag so viel schreiben kann. - Ich gebe auf und bleibe heute zuhause, natürlich nur um kein weiteres Co² in die Luft zu pusten und werde auch versuchen, nur noch ganz flach zu atmen. - Methan soll ja auch so ein Klimakiller sein fällt mir gerade ein, als ich zurück von der Toilette komme und bin nun ganz verunsichert, ob das denn meine Klimabilanz von heute nicht völlig durchfällig macht.



Freitag 08.06.07 - 19:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 21 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 61 % Luftdruck 1017 hPa
Höchsttemperatur heute 23,5 Grad - niedrigste Temperatur 16,6 Grad

Hätte meine Tante einen …, wäre es mein Onkel

Diskutieren nach dem Skat hat dafür gesorgt, dass ich dieses Kartenspiel nie wieder angefasst habe. - Man braucht allerdings kein Skat dafür, um nach geschaffenen Tatsachen immer wieder darauf herum zu kauen, wie denn die Dinge anders gelaufen wären, wenn…. Mir gefällt ja eigentlich die Geschichte von dem Schlag des Schmetterlingflügels in China mehr, der auch unser Schicksal irgendwie beeinflussen kann, aber wir reden hier erneut über die Nachwehen der Wahlen auf den Kanaren und im Besonderen auf La Palma. - Da hat ein Schmetterling keinen Platz, sondern nur Wählerstimmen, die Auszählungsmethoden nach D`Hondt, Wahlzettel aus Venezuela, die immer nur für eine Partei stimmen und plötzlich spricht man sogar über die ausländischen Wähler hier auf La Palma. - Man kann sich eigentlich kurz fassen, wenn meine Tante einen … hätte, dann hätten aller Parteien hier auf La Palma gewonnen, man kann die Dinge so lange drehen bis sie passen, oder abbrechen. - Hier in El Paso munkelt man inzwischen, die Stimmen aus Venezuela, die eigentlich immer komplett an die Coalición Canaria gehen hätten Loli die absolute Mehrheit gekostet, auf der anderen Seite sagt man aber auch, hätten nicht so viele Ausländer hier in El Paso gewählt, die wohl alle für Loli gestimmt haben, dann hätte die PSOE nicht 6 Räte errungen, sondern nur 5.

In den anderen Gemeinden wird ähnlich gemunkelt, aber ganz interessant ist es im Cabildo abgelaufen. - Dort ist eigentlich die PSOE wegen des großen Stimmenzuwaches von über 2.500 Stimmen der eigentliche Wahlsieger, dennoch bleibt die absolute Mehrheit in den Händen der Coalición Canaria. - Warum das so ist, das hängt mit den beiden kleinen Parteien zusammen, der CCN und der INPA. - Neu aufgetreten ist ja die CCN und da kann man mal davon ausgehen, dass diese Gruppierung der CC und der PP je 1.000 Stimmen gekostet hat. Damit verliert die PP einen Ratsposten und der geht an die PSOE, die wiederum durch die INPA etwa das gleiche an Stimmen einbüßen muss und so nur einen Rat dazu gewinnt, aber nicht zwei. - So bleibt das Machtverhältnis zu Gunsten der Coalición Canaria gleich, die bleiben bei 11 Räten, die Sozis gewinnen einen hinzu und kommen nun auf 6, aber die PP verliert einen und hat nun nur noch 4 Räte, da macht zusammen 10 und damit weiter einen weniger als 11. - So kann sich die Inselregierung weiter auf eine absolute Mehrheit stützen und wenn man selber schon nicht zulegt, dann sorgen andere im Hintergrund dafür, dass die echte Opposition nicht zu stark wird. - So oder so ähnlich hätte das alles ablaufen können, aber die Dinge sind nun mal so und als Demokrat muss man das auch alles anerkennen. - Natürlich hätte ich es mir anders gewünscht, aber Tante bleibt Tante und wird nicht zum Onkel.


Cabildo La Palma Räte 03 Räte 07   +/- Stimmen 03 Stimmen 07   +/-
PSOE 5 6   + 1 10.188 12.706    + 2.518
CC 11 11   0 22.432 21.816   - 616
CCN - 0   0 - 2.030   + 2.030
PP 5 4   - 1 9,763 7.773   - 1.990
INPA 0 0   0 1.881 1.474   - 407


Freitag 08.06.07 - 07:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 18 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 75 % Luftdruck 1014 hPa

Wo die Arbeitslosen sitzen oder stehen

Die Statistik kennt immer Sieger und Verlierer, seien die Unterscheide auch noch so klein. - Die Arbeitslosenzahl sinkt in ganz Spanien, wächst aber auf den Kanaren und auch da gibt es wieder eine Ausnahme, richtig, La Palma. - Ganz entgegen dem sonst üblichen Trend ist La Palma die einzige Insel des Archipels, welche im Mai weniger Arbeitslose registriert, als noch im Vormonat. - Zwar handelt es sich dabei um nur geringe Unterschiede, ganze 126 Menschen haben sich im Mai als arbeitslos gemeldet, aber immerhin bleiben wir damit unter der magischen Grenze von inselweit 6.000 Menschen ohne Arbeit. - Nun sind es nur noch 5.939 und das gibt, laut der Zeitung "El Día" allen Grund optimistisch zu sein. - Das kann man auch anders sehen, es liefen im Mai noch sehr viel kurzfristige Arbeitsverträge in der Inselregierung und den Gemeinden, die jetzt, wen wundert es, nach den Wahlen enden.

Aber immerhin, La Palma macht die Ausnahme im inselweiten Geschäft im Mai und diese gute Nachricht lassen wir uns von solchen kleinen Retuschen nicht nehmen. - Interessant ist die Verteilung auf die Städte: Los Llanos, als größte Stadt der Insel zählt auch die meisten Arbeitslosen, mit 1.472 Menschen ohne Arbeitsvertrag. Dicht gefolgt, wie immer von der Hauptstadt, dort suchen 1.376 Menschen eine Beschäftigung und weniger dicht gefolgt von El Paso, dort sind noch 588 Arbeitslose gemeldet. - Nun geht es auf die Dörfer, denn La Palma hat offiziell nur drei Städte, die eben genannten. - In Breña Alta sind 476 und in Tazacorte 376 Menschen ohne Arbeit und in den kleineren Gemeinden sieht es wie folgt aus: Breña Baja 277, San Andrés y Sauces 251, Mazo 237, Tijarafe 213, Puntagorda 142, Fuencaliente 117, Barlovento 106 und Grafía 104. - Wer ganz gut aufgepasst hat, der merkt, dass eine Gemeinde fehlt. Nicht, weil es dort keine Arbeitslosen gibt, sondern weil El Día diese einfach vergessen hat. Gemeint ist Puntallana und dort muss es dann rechnerisch 204 Menschen geben, die eine Arbeit suchen. - Interessant auch noch eine Zahl, von den 1.246 Arbeitsverträgen, die im Mai gemeldet wurden, waren ganze 104 ohne zeitliche Begrenzung, die restlichen sind Zeitarbeitsverträge.



Donnerstag 07.06.07 - 19:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 21 Grad, Niederschlag: 1 mm, Luftfeuchte 70 % Luftdruck 1013 hPa
Höchsttemperatur heute 22,0 Grad - niedrigste Temperatur 18,1 Grad

Und es kommt doch auf die Länge an

Die Angebote zur Verlängerung von irgendwelchen Körperteilen sind meist lästig und komischerweise hat mir noch nie jemand empfohlen, meinen linken kleinen Zeh zu verlängern, wobei ich fände, das sähe schick aus. - Die Verlängerung von herausragenden Teilen kann aber auch handfeste Wettbewerbsgründe haben, wenn solch ein Teil die Grundlage für den Broterwerb darstellt. - Je länger desto besser, umso mehr Klienten kann man dann befriedigen und jetzt muss ich ganz schnell die Kurve kriegen und wieder eindeutig werden. - Es geht bei den herausragenden Teilen um Hafenmolen, die je länger sie sind, natürlich umso mehr und größere Schiffe aufnehmen können und wenn Sie auf einer anderen Fährte waren, dann kommen Sie jetzt bitte wieder zurück. - Wie wir ja wissen rüstet Puerto de Tazacorte noch mal klotzig nach, nachdem der erste Versuch, eine Konkurrenz zum Hafen der Hauptstadt aufzustellen, gescheitert ist. - Dort meint man nun, es läge an der Länge und den Glauben daran werde ich diesen Leuten nicht nehmen können, aber meine Erfahrung sagt etwas anderes, die Hafenmole kann so lang sein wie sie will, wenn kein Schiff da ist, dann kann man die längste Mole der Welt, wegen mangelnder Nachfrage, getrost in der Hose stecken lassen. - Das war nicht zweideutig, auch wenn Sie das anders sehen…

Man muss dabei immer wieder bedenken, dass mit dem möglichen zweiten Hafen auf La Palma eine Konkurrenzsituation zum einzig bislang funktionierenden Hafen in der Hauptstadt geschaffen wird. - Nur weil wir dann zwei mögliche Häfen haben, werden uns nicht mehr Schiffe an oder zulaufen als vorher, man kann nur dem anderen Hafen ein Schiff vor der Nase wegschnappen. - Auf was da hinausläuft, das kennt man, schafft man ein Überangebot, dann sinkt die Auslastung. - Einen Hafen zu betreiben kostet aber auch Geld, meist unsere Steuern und wenn wir dann zwei defizitäre Häfen haben, anstatt einen, der richtig funktioniert, dann ist das, gelinde gesagt, eine Verschwendung von Steuergeldern. - Die enormen Baukosten, die lassen wir hier einfach mal auf der Seite, darüber habe ich mich schon oft genug mokiert. - Eigentlich braucht der Hafen von Santa Cruz die mögliche Konkurrenz nicht fürchten, aber dennoch, auch dort wird nun wieder kräftig investiert und das Ding, also die Mole, um weitere 78 Meter verlängert, dann muss die Queen Elizabeth II auch nicht mehr rückwärts einparken, wenn sie uns mal wieder besuchen kommt. Für lockere 8,5 Millionen Euro bekommt die Hauptstadt das längere Ding verpasst, die 78 Meter, in Tazacorte braucht man 63 Millionen für 110 Meter. - Ich bin ja so einfältig zu fragen, warum der laufende Meter in Tazacorte an die 570.000 Euro kostet und der in der Hauptstadt nur um die 108.000 Euro. - Ja, ich weiß, so kann man das nicht vergleichen und auf die Länge alleine kommt es doch nicht an, hat man mir mal konspirativ erzählt.


Die alte Dame im Hafen von Santa Cruz



Donnerstag 07.06.07 - 07:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 19 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 79 % Luftdruck 1011 hPa

Kein Platz für kleine Parteien

Ziemlich enttäuschend für die beiden kleinen Parteien, INPA und CCN sind die letzten Kommunalwahlen verlaufen, man hatte sich deutlich mehr erwartet. - Die CCN, zum ersten Mal angetreten, konnte lediglich in Tazacorte und Los Llanos Achtungserfolge erzielen, wobei man in Los Llanos nach der Neuzählung der Stimmen aus Argual den gefeierten dritten Stadtrat wieder hergeben muss, ganz knapp geht dieser nun an die allmächtige Coalición Canaria, die damit ihre absolute Mehrheit in der größten Stadt der Insel noch festigt. - Ansonsten konnte die Partei der "Mitte" nichts reißen auf den Kanaren, lediglich einen Abgeordneten im Inselparlament von La Gomera hat man nun sitzen, in allen anderen Inselregierungen bleibt die Tür für die CCN verschlossen. - Auf La Palma gab es nach der Wahlniederlage so auch einen Wechsel an der Parteispitze, der glücklose Gründer dieser Formation auf La Palma, Luis Lozano machte Platz für den Gewinner dieser Partei, den bekannten Anwalt aus Los Llanos, Indalecio Pérez, der es immerhin auf, nun allerdings nur noch zwei Ratsposten in der Aridanemetropole schaffte.

Noch schlimmer beutelte es die INPA auf La Palma, die jetzt nur noch mit je einem Oppositionssitz in Barlovento, Los Llanos und Breña Alta vertreten sind. - Der Gründer der Gruppe, die man als schematisch links von der Mitte betrachten könnte, Argelio Hernández, zögert noch ob er seinen Stuhl hergeben will, derweil hat es José Manuel Pérez Castro aus Los Llanos bereits getan. - Zwar hat auch er einen Sitz ergattert, das war aber sehr viel weniger als erwartet und nach 12 Jahren purer und kleiner Opposition verliert man vielleicht auch einfach die Lust und Kraft da weiter gegen absolute Mehrheiten anzugehen. - In Breña Alta hat man Stimmen hinzugewinnen können, das aber geht einzig und allein auf das Konto der patenten María José García Álvarez, die sich im Kampf gegen die Autobahn besonders hervorgetan hat. - Allerdings ist María José ein Ex-Mitglied der Coalición Canaria, dann dort ausgetreten und hat parteilos weiter gemacht, wagte es aber nicht, ohne Unterstützung einer Partei für den Ort wieder anzutreten. - Für die INPA wird es sehr schwer werden, aus dieser Niederlage wieder zur Tagesordnung überzugehen, die beiden großen Köpfe der Gruppe sind in den Hintergrund getreten und La Palma hat wieder mal gezeigt, dass man hier den kleinen Parteien lediglich Aufmerksamkeit schenkt, aber keine echte Zustimmung. - Das karge Brot der Opposition ist nicht sehr nahrhaft und hält nicht sehr lange vor. - Und nachhaltig ist es schon gar nicht…



Mittwoch 06.06.07 - 18:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 21 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 76 % Luftdruck 1011 hPa
Höchsttemperatur heute 22,4 Grad - niedrigste Temperatur 16,9 Grad

Die Welt, die Biosphäre, das Reservat, die Ziege, der Käse und das Siegel

Zusammen ergibt diese Aneinanderreihung das Weltbiosphärenreservatsziegenkäsesiegel und genau diese, fast unerklärbare Vokabel, könnte nun bald Wirklichkeit werden. - Seit dem Jahr 2003 streitet man sich darum, wer denn nun das begehrte Siegel der Weltbiosphäre tragen darf und nun scheint man zu einer Entscheidung gekommen zu sein. - So zumindest hört man aus dem Weltbiosphärenreservatskonsortium, welches darüber wachen soll, dass keine falschen Fuffziger und Hasen unter der Auszeichnung der UNESCO Belobigung verkauft werden. - Man darf diese idyllische Wartezeit aber nun nicht dem Konsortium in die Biosphärenschuhe stecken, da gab es im Hintergrund handfeste Interessen der einzelnen Käsehersteller und Verbände, so einfach hat man es sich dann nicht gemacht, aber am Ende kommt eines dabei wieder raus, nämlich Käse und der mit einem Siegel. - Wenn alles glatt geht, dann dürfen sich in Zukunft alle Ziegenkäse La Palmas mit dem begehrten Reservatssiegel schmücken, die von Ziegen stammen welche auf La Palma geboren sind und der Ziegenkäse nach traditioneller Methode hergestellt wird, was immer das auch heißen mag.

Der Streitpunkt nun über die vielen Jahre ging aber zwischen einem anderen Verband, dem "Consejo Regulador de la Denominación de Origen Queso Palmero" und den Käseherstellern, die sich diesem erlauchtem Club, einer Art DOC für Käse, nicht anschließen wollten oder konnten. - Dieser Verband, kurz CRQO Queso Palmero hat in seinen Statuten stehen, dass ihr Ziegenkäse nur aus der Milch gewonnen werden darf, welcher der "Raza Palmera" angehören und eben nicht von der, weit verbreiteten "Majorera", die ursprünglich wohl aus Fuerteventura kommt und um einiges mehr Milch gibt. - Nun wollte man, dass auch nur "Milch der reinen Rasse" in den Weltbiosphärenreservatskäse kommt, konnte sich damit aber letztendlich nicht durchsetzen, Reinrassigkeit ist inzwischen auch keine Notwendigkeit für das UNESCO-Siegel, da bin ich aber froh… Nun wird es also ganz viel Ziegenkäse mit dem begehrten Verkaufsförderinstrument der Weltbiosphäre geben und dann noch kleine aber wichtige Unterschiede, der reinrassige Käse wird unter dem Namen "Denominación de Origen Queso de La Palma" verkauft, der Multikulti-Käse heißt dann "nur" Queso Palmero. - Das Siegel haben sie aber alle, natürlich wenn man die Abgaben an das Biosphärenkonsortium bezahlt und der dann noch durchblickt bei den vielen Etiketten und Siegel, der darf sich dann Lord Käsesiegelbewahrer nennen. - Uns geht das nichts an, wir holen unseren Käse bei unserem Nachbarn, der macht Käse so wie immer, ganz ohne Etikett, aber dafür mit ganz viel Geschmack.


Weltbiosphärenreservatssiegel


Mittwoch 06.06.07 - 07:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 18 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 79 % Luftdruck 1012 hPa

Bunte Hemden für den Umweltschutz

Am Samstag machen wir die Insel sauber und zeigen dem Rest der Welt wie sehr wir den Umweltschutz ernst nehmen. - Gut, wir beschränken uns auf den Abschnitt zwischen Charco Verde und El Remo, den Rest der Insel, den überlassen wir dann der guten Freiwilligkeit der Bewohner. - Dafür gibt es bedruckte Hemden und eine Plakataktion und schon hat die Inselregierung zusammen mit der Handelskammer ihre Aufgabe für den Umweltschutz erledigt. - Bleiben wir beim Sarkasmus, seit dem es auf der Insel parfümierte Mülltüten gibt, ist sowieso jeder der etwas wegschmeißt ein potentieller Umweltschützer und nun gibt es sogar Dieselkraftstoff der gut riecht, wenn man seine Nase direkt an den Auspuff hält. - So wunderbar die Idee ist, die Bevölkerung für den Umweltschutz zu gewinnen und zu sensibilisieren und sicher werden am Samstag auch ein paar Politiker Blechdosen in Charco Verde einsammeln, oder immer gerade da wo die Kamera ist, so absurd scheint das im Gesamtzusammenhang der zukünftigen Planung unserer Inselvolkswirtschaft.

Was haben 8 Sporthäfen, 5 Golfplätze, eine Autobahn und an die 11 weitere Hotels mit Umweltschutz zu tun? Warum eine Straße neu bauen, wenn eine weitere vorhanden ist, die sich überall verbessern lässt und den kommenden Verkehr spielend aufnehmen kann. Warum nicht einen einzigen und dann den ersten Öko-Golfplatz der Welt planen, warum nicht die beiden Sporthäfen, die bereits vorhanden sind so verbessern, dass man auch wirklich Schiffe nach La Palma lockt und warum will man weitere Hotels bauen, wo doch die vorhandenen nach Auslastung nur so schreien, dass man bereits all inklusive anbieten muss. - Warum fährt ein, extra von der Inselregierung angeschaffter Transporter über die Insel und versprüht Herbizide an allen Straßenrändern und warum funktioniert die Müllverwertungsanlage von Mazo immer noch nicht und wir müssen unseren gesamten Abfall in einen Barranco schmeißen, damit endlich die Verbrennungsöfen stillgelegt werden konnten. - Es lohnt sich kaum noch dort Fragezeichen zu setzen, aber es klingt fast nach Hohn, wenn diese Inselregierung uns zum rücksichtsvolleren Umgang mit unserer Umwelt auffordern will und hinten herum alles tut, um dem schnellen Einzug der Asphalt und Betongesellschaft mit weiteren Infrastrukturmaßnahmen Tür und Tor zu öffnen. - Oder soll man es als gutes Zeichen werten, dass man nun an der Küste zwischen Charco Verde und El Remo den Müll aufräumt, oder soll man weinen darüber, dass genau dort, wo man am Samstag aufräumen gehen will später die Kläranlage hin soll, welche die Abwässer der neuen Hotels aufbereitet. - Aber eigentlich ist alles gar nicht so schlimm, wir haben ja auf La Palma keine Industrieabfälle und so reden wir nur über menschliche Hinterlassenschaften und da gilt immer wieder der nette Hinweis, es könnte der eigene Knödel sein, dem man beim Baden begegnet.



Dienstag 05.06.07 - 19:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 20 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 81 % Luftdruck 1014 hPa
Höchsttemperatur heute 21,3 Grad - niedrigste Temperatur 16,3 Grad

Wie sieht man sich selbst

Immer eine interessante Frage, sei diese nun an Einzelpersonen, oder auch an ein Kollektiv gerichtet. - Vor ein paar Tagen haben wir hier unseren eigenen Feiertag begangen, der Día de Canarias und dazu fallen einem ja immer viele Dinge ein. Was sind wir, wo kommen wir her, was machen wir eigentlich hier und vielleicht vor allem, warum machen wie dieses und jenes so und nicht anderes und die Gipfelfrage, wo wollen wir eigentlich hin. - Die Zeitungen sind, immer rund um den Día de Canarias voller Kommentare und Leitartikel zu diesem Thema, eigentlich glaubt jeder etwas dazu sagen zu müssen und alle sagen eigentlich das Gleiche, ja, wir sind eine Nation, wissen aber nicht genau warum und was unsere verbindenden Werte sind. - Dabei kommt eigentlich kaum jemand auf die zündende Idee mal zu fragen, warum man sich eigentlich definieren will. - Soll das der Selbstfindung dienen, oder der Abgrenzung. - Ich kenne das noch aus meiner Brutzeit im Bayrischen Wald, dort nutzte man das "Mia samma mia" (Wir sind wir) auch als Erklärung für jeden Fall und niemand der "Mia" ist wird sein Tun in Frage stellen, sondern das der Anderen.

Vielleicht wäre es einfacher sich keinen strikten Mantel zu verpassen, der sowieso niemandem komplett passt, eine Ansammlung von Individuen bleibt halt ein vielschichtiges Durcheinander und will sich nicht in Grenzen packen lassen. - Darum auch reden wir wohl so viel darüber, weil es bisher auch niemandem gelungen ist, die "kanarische Leitkultur" zu erfinden, oder gar in Worte zu fassen. - Aber da müssen wir uns überhaupt nicht grämen, der Weg wäre auch viel zu einfach zu sagen: Wenn du nicht so bist wie wir, dann bist du keiner von uns. - Hauptsache Mensch könnte der Refrain heißen, wären da nicht immer wieder "Spezeln" (heute kommt der Bayuware wieder durch), die eben auf diesen, meist konstruierten Unterschieden herumreiten, weil sie mit uns etwas vorhaben. - Vielleicht sollte man das als Zielgruppenproduktion abtun, irgendjemand, der vorgibt unserer zu sein lässt uns wissen wie wir sein sollen und hat dazu auch schon das passende Produkt parat. - Bei diesem Produkt handelt es sich meist um eine Ideologie, die als willfährige Krücke dient, daraus dann mit den "Spezeln" ein Geschäft zu machen. - Wie man auch mit der Frage umgehen kann, wer sind wir eigentlich, das kann man in einer mächtig großen Bildergalerie bei "Canarias 7" nachsehen. - Dort sollen die Leute von hier Photos einschicken, mit dem Thema: "Canarias y su gente" - Die Kanaren und ihre Menschen und es gingen bemerkenswert viele Schnappschüsse zu diesem Thema ein. - Da gibt es sogar was zu gewinnen, aber das interessiert wohl viele Leute nicht, inzwischen beklagt sich die Zeitung, dass man bitte unbedingt seinen Absender angeben soll. :Warum denn aber, denn eines geht ganz deutlich aus diesen Photos hervor, jeder hat seinen ganz eigenen Blickwinkel der Kanaren und seiner Menschen, da einen Obertitel zusammen zu flicken, das würde niemandem gut tun. - Haben Sie ein bisschen Zeit für uns, dann klicken Sie bitte HIER, es ist ein wunderbarer photographischer Ausflug durch das, was wir glauben zu sein…



Dienstag 05.06.07 - 07:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 17 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 66 % Luftdruck 1015 hPa

Hallo, wir sind auch noch da

Das einzig richtige machen nun die Geschäftsleute aus Puerto de Naos, sie schließen sich in einer Vereinigung zusammen und können so also größere und legitime Gruppe die so oft betitelte Bürgerbeteiligung einfordern. - Puerto de Naos, das große touristische Zentrum auf der Westseite leidet seit Jahren nun unter mangelnder Aufsicht und Zuwendung der Gemeinde Los Llanos. - Der Ort ist zu schnell gewachsen und kann einfach nicht den Rhythmus einhalten, den man sich selbst vorgegeben hatte, um alle Erwartungen der Geschäftsleute und Immobilienangebote zu erfüllen. - Gründe gibt es, fast wie immer, mehrere. Zum einen hat sich Puerto de Tazacorte, wenn auch immer noch ohne Toilettenhäuschen, als Strand zu einer deutlichen Konkurrenz entwickelt und gräbt so dem Ort Puerto de Naos meist Tagesbesucher ab. - Die touristische Auslastung hinkt weit hinter den Versprechungen hinter her und seit dem das neue Hotel im Süden auch noch Gäste abfängt, wird es für Puerto de Naos immer enger. - Dazu kommt noch, dass inzwischen das Hotel dort auch all inklusive anbietet und so viele seiner Gäste auch nicht mehr zahlend auf den kleinen Ort loslässt.

Es gibt noch einen weiteren Punkt, der gegen Puerto de Naos spricht, die Alkoholkontrollen haben in den letzten Jahren stark zugenommen und es gibt kaum ein Wochenende, an dem die ehemalige Disco-Rennstrecke zwischen Naos und Los Llanos nicht kontrolliert würde. - Da mag man drüber lächeln und sagen, da hat die Vernunft gesiegt, aber auf der anderen Seite bleiben so viele potentielle Kunden und Gäste dem Ort fern, einfach aus Angst, man könnte erwischt werden, weil man nicht gerne eine ganze Nacht lang an einem stillen Wasser nippeln will. - Zusammengezogen kann man sagen, Puerto de Naos kann seine Vorgaben nicht erfüllen und zieht einfach zu wenig Gäste an, um der Zahl der Gewerbebetriebe dort ein sicheres Auskommen zu geben. Nun fallen die äußeren Begleiterscheinungen noch stärker ins Gewicht, Puerto de Naos ist nicht unbedingt ein Juwel an architektonischer Kunst und auch im Bereich der öffentlichen Dienstleistungen ziemlich verbesserungswürdig. - Die Gemeinschaft der Gewerbetreibenden hat nun einen Wunschkatalog ans Rathaus von Los Llanos gerichtet, in dem man eine deutliche Verbesserung der Infrastrukturen des Ortes fordert. Damit sind nicht immer nur Straßen gemeint, sondern auch die anderen Angebote. - Busverbindungen bis in die Nacht und Präsenz der Lokalpolizei aber auch Taxis, damit man nicht ins eigene Auto steigen muss, wenn man sich, unter Anwendung von alkoholischen Stimmungsbeschleunigern dem Nachtleben des Ortes hingegeben hat. Weiter mahnt man die schlechte Versorgung mit Telefon und ADSL-Leitungen an und die schlechten Empfangsmöglichkeiten für Radio und Fernsehen. Insgesamt 15 Punkte hat der Wunschzettel der Geschäftsleute des Ortes und es wird nicht der letzte bleiben. - Aber, zusammen und als "Asociación" gewinnt man eben mehr Aufmerksamkeit und hat deutlich mehr Gewicht gegenüber den Korporationen als viele einzelne Bürger. - Das gewinnt überhaupt immer mehr an Gewicht, auch in der rechtlichen Auslegung der lokalen Agenda 21, Bürgervereinigungen wird dort enorm großes Mitspracherecht bei allen politischen Entscheidungen eingeräumt.



Montag 04.06.07 - 18:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 24 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 63 % Luftdruck 1016 hPa
Höchsttemperatur heute 25,1 Grad - niedrigste Temperatur 19,2 Grad

Schreib doch mal über einen anderen

Paul ist sauer. - Er hat mitbekommen, dass hier so an die zweiwöchentlich eine Kolumne über ihn geschrieben wird, die sogar in einer Zeitung auf Tenerife abgedruckt wird. - Und das alles, ohne seine Genehmigung und ohne ausreichend über Tantiemen verhandelt zu haben. - Grundsätzlich hat er nichts dagegen, weiß er doch um seinen Charme und Ausdruck, aber dass man das so hinterrücks macht, ganz ohne die sonst vom Schreiberling immer geforderte Bürgerbeteiligung, das sitzt dann doch tief. - Aus mit Kumpel-Pumpel Gelaber und ewiger Männerfreundschaft, ein Katertagebuch, oder vielleicht sogar eine Katerbiographie, ganz ohne den Hauptdarsteller zu befragen - ab in die Schamhöhle. - Jetzt wird's aber noch bunter, er hat auch noch erfahren, natürlich vom schwätzerischen und neugierigen Weibsvolk bei uns im Haushalt, dass ich nur über ihn schreibe, wenn so gar nichts anderes passiert, oder mir einfach nichts einfallen will. - Ein Substitut sozusagen, für phantasielose Schreiberlinge, denen die Räubergeschichten ausgegangen sind und sich nun, als Übersprungsthema, irgendein willfähriges Opfer aussuchen. - Das ist bei vielen anderen vielleicht der Bohlen Dieter oder die Hilton Päris, bei mir aber, weil ich wenn schon, dann über wirklich interessante Persönlichkeiten schreibe, der Paul.

Nun lässt er sich die Geschichten vorlesen und hat auch schon seine ganz eigenen Vorschläge, wie man diese denn günstiger für ihn gestalten könnte. - Was ihm gar nicht gefällt sind meine Andeutungen an die mögliche Zeugungsunfähigkeit, wegen der angeblichen Kastration. Da sieht er auch eine weitere Möglichkeit, bei Dieter abgeguckt, er war gar nicht beim Tierarzt, sondern hat sich den Dödel auf dem Feld der Ehre abgebrochen, so wie das unter Männern eine annehmbare Erklärung für Zeugungsunfähigkeit sein kann. - Abgemacht, daran schreibe ich noch. - Darüber hinaus will er seine darstellerischen Fähigkeiten deutlicher und plastischer beschrieben wissen. Paul jagt nicht einfach eine Maus, sondern wirft seinen, vom harten Training gestählten und formvollendeten Körper in exstatischer Eleganz und Schnelligkeit auf eine palmerische Bisamwanderratte von mindestens 1,50 Meter Länge und 22 Kilo Lebendgewicht. - Drückt dieses Monster geschickt, durch wohl gezielte Paul-Fu Schläge in eine endlabile Seitenlage und lässt das weidwunde Monster noch seine letzten Gnadensgesuche stammeln, um dann den finalen Rettungsbiss anzusetzen. - So oder so ähnlich hätte Paul das gerne, aber ich weigere mich so etwas zu schreiben, da fehlt sonst nicht mehr viel und ich könnte auch Nachhaltigkeitssermone für inseleigene Politiker verfassen. - Paul ganz ehrlich, es tut mir Leid, wenn ich ab und zu über dich schreibe, aber wenn du so aufreizend vor mir auf dem Monitor liegst und faul aus dem Fenster linst, das Wetter aber viel zu gut für eine Erwähnung ist und sich ganz einfach kein Huhn in Tijarafe überfahren lässt, dann bis du dran. - Und gräme dich nicht mein Freund, meine Frau hasst es auch wenn nichts passiert, sonst schreibe ich wieder, sie hätte israelische Kartoffeln gekauft…


Paul hat immer einen warmen Hintern



Montag 04.06.07 - 07:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 20 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 59 % Luftdruck 1016 hPa

Immer mit der Ruhe

Fast kleinlaut bekommen wir nun zu hören, dass die Umgehungsstraße von Los Llanos nun doch nicht so schnell fertig wird wie behauptet. - Dabei ist eine Entschuldigung überhaupt nicht notwendig, niemand hat auch nur angehend daran geglaubt, diese Straße bereits April oder Mai dieses Jahres befahren zu können. - Ich weiß, man hätte gerne die Straße noch vor den Wahlen dem Verkehr übergeben, aber das war ja auch so nicht nötig, in Los Llanos und im Inselparlament hat sich ja an den absoluten Mehrheiten nichts getan. - Es ist vielleicht auch gut so, dass nun zumindest der Einweihungsdruck nicht mehr besteht und man die teure Straße in Ruhe fertig stellen kann. Zu viele Bauten und Vorhaben wurden ja oft nur als Rumpfversion eingeweiht, um irgendwelche Termine einzuhalten, deren wirkliche Fertigstellung dann erst Monate oder gar Jahre später erfolgte.

Eigentlich stellt so eine 3 Kilometer lange Straße ja eher eine kleine Aufgabe für die Ingenieure dar, möchte man meinen. Aber man schrammt ja sehr nah an dicht bebautem Territorium entlang und kann so nicht einfach eine Asphaltwalze neben die Stadt legen, sondern muss auch das ganze Drumherum berücksichtigen, Versorgungsleitungen umlegen, Brücken bauen und Anschlüsse an die vorhandenen Straßen schaffen.- Da kommen dann solche Possen hinzu, die wir nun erfahren, so ganz unvermittelt trifft man beim Graben auf ein Glasfaserkabel der Telefonica über das die ausführende Firma keine Kenntnis hatte und schon ruht wieder der ganze Baubetrieb, weil man solch ein Kabel nicht einfach wieder mit Lüsterklemmen zusammenstecken kann. - So ist die Ausdrucksweise eines der Ingenieure, mit der Fertigstellung sei nun nicht mehr vor Ende des Sommers zu rechnen, auch sehr vorsichtig geworden und das ist wohl gut so. - Man weiß ja nie, wann der Sommer zu Ende geht und überhaupt eigentlich welcher Sommer… Aber nicht meckern weil es ein paar Monate länger dauert, das ist halt so wenn man Großes vorhat und eine große Straße muss das ja werden, immerhin kostet jeder der 3 Kilometer an die 10 Millionen Euro. Da kommt aber eine feine Straße auf uns zu und die soll mal in aller Ruhe fertig gebaut werden, jetzt bringt hudeln auch nichts mehr.



Sonntag 03.06.07 - 18:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 26 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 43 % Luftdruck 1015 hPa
Höchsttemperatur heute 26,7 Grad - niedrigste Temperatur 17,4 Grad

Erste Kommunion

Für kleine Katholiken ein großer Schritt in das Erwachsenenleben, für die Eltern das herbeigesehnte Ende einer dreijährigen wöchentlichen Qual, den Kommunionsunterricht. - Sicher gibt es auch interessante Menschen, die einem etwas über die Glaubenlehre zu erzählen wissen und den deutlich vorhandenen positiven Seiten der Christentums, aber leider hat in der "Ausbildung" zum strammen Katholiken immer noch das Fegefeuer und das alte Testament die Oberhand. - Aber immer weniger Pfarrer sind so streng, dass sie heftig darauf achten, dass auch immer alle zur "Catequesis" kommen, auch hier verwässert pragmatisch der Drang zur klerikalen Kaderschmiede. - Wer es durchgestanden hat, der erhält als Belohnung die erste Kommunion, und was viel wichtiger erscheint, die vielen Geschenke und Umschläge mit harter Währung, die dann doch noch was mit dem Erwachsenwerden zu tun haben. - Der Kommunionsanzug oder das Kommunionskleid haben meist die witzige Funktion, so häufig getragen zu werden wie ein Brautkleid, meist passt niemand mehr ein zweites Mal hinein. - Für alle Freunde und Bekannte ist der unvermeidliche Schmaus nach einer Kommunion das Wichtigste und hier muss man ganz vorsichtig sein bei der Auswahl, denn Kommunionen sind wie Hundertfüßer bei Regen, sie treten immer in Massen auf. - Vorsicht, für welche Teilnahme man sich entscheidet, man kann nicht auf allen Kommunionen und Hochzeiten gleichzeitig tanzen.

Für uns war das kein Problem, Manuel, der Sohn meines so früh verstorbenen Freundes Miguel, ist immer ein bisschen "unserer" und natürlich gehören wir da hin und die anderen verstehen das auch. - Aber mal ohne Witz, es ist schon häufig zu echten Streitigkeiten gekommen, wer zu welcher Feier geht und wer nicht, ein katholisch organisierter Schlamassel den man terminlich entzerren könnte. - Ein weiteres Problem sind die Restaurants und Grillplätze Ende Mai und Anfang Juni, alle sind sie diese Sonntage total ausgebucht, weil eben so viele Menschen an diesen Tagen ihre Feier dort ausrichten wollen. - Da muss man manchmal weit fahren, oder Zugeständnisse machen und wir hatten es mit La Laguna noch ganz gut erwischt, denn solche Kommunionsfeiern sind meist nichts für Engel oder Asketen. - Gegessen wird bei uns immer das gleiche, vielleicht auch um nicht aufzufallen, Kichererbsensuppe, dann Grillfleisch und die unverzichtbare Torte in Wagenradgröße, von der immer so viel übrig bleibt, dass man ganze Stadtteile zur Diabetes überreden könnte. - Von dem anderen Essen auch und wehe der Hausfrau, die sich das übrig gebliebene Grillfleisch mit nach Hause nimmt, das einmal gegrillte Fleisch wird bei erneuter Hitzezufuhr in der Pfanne ziemlich katholisch trocken und spätestens am zweiten Tag verführt man so den jung kommunierten zu schrecklichen Flüchen. - Da meist so viel Familie versammelt ist, verläuft auch nicht jedes dieser christlichen Gelage völlig friedfertig, aber auch da haben wir Glück gehabt, alle waren bester Laune. Die Luft unter dem Plexiglasdach des Restaurantes war so stickig, dass jeder gegen seinen Durst kämpfte und keine Lust hatte über Politik oder verfängliche Familienthemen zu sprechen. - Nur Manuel war nicht so ganz glücklich, zwar gab es Umschläge in beachtlicher Menge, aber beim Verteilen der Torte war er dann doch zu nah am Geschehen und wurde erwischt. - Auch das ist eine kleine Tradition, der junge Kompaktchrist wird mit der Sahne seiner eigenen Torte getauft, wenn er nicht schnell genug ist. - Alles Gute Manuel, nur schneller rennen, das musst du noch trainieren.


Essen bis der Tisch kracht


Nicht schnell genug



Sonntag 03.06.07 - 10:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 19 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 62 % Luftdruck 1015 hPa

Alles Hamburger

Hamburger sind Seeleute, weil sie an der See wohnen. - Schreibt am aber Sehleute, also eigentlich falsch und meint damit Menschen die nur Sehen kommen und nicht Kaufen, dann bekommt man die Kurve wieder, warum in Geschäftskreisen Kunden die nichts kaufen Hamburger genannt werden. - Darüber beklagen sich auch die Besitzer der Läden, Cafes und Restaurants in Adeje, die Gemeinde im Süden Tenerifes welche zu den größten Tourismuszentren der gesamten Kanaren gehört. - So ganz raus mit der Sprache will man dann doch noch nicht und die Gründe klar nennen, warum denn um Krösus Willen, immer weniger Geld ausgegeben wird. Aber man kommt einfach nicht drum herum den Hauptfehler zu nennen, den All inklusive Tourismus, der katastrophale Folgen für die besuchte Region haben kann. - Die Gäste haben ihr Urlaubsbudget klar abgesteckt, das kann man so machen mit dieser Art der Verreisens und sind nicht dazu gezwungen sich auf dem lokalen Markt zu bedienen. - Warum auch, bietet doch das Hotel meist alles was man sich wünscht und das auch schon bezahlt, warum soll man sich dann noch durch die Orte pflügen und dort sein Geld ausgeben. - Das Fatale für die Regionen und dortigen Hotelbetriebe ist dann, dass man sehr viel mehr Gäste "durchschleusen" muss, um auf die gleiche Rendite zu kommen, wie noch vor den Zeiten des geschenkten Gauls.

Was für den Gast angenehm erscheint, weil er klar kalkulieren konnte und sich so einen Urlaub zu einem Etat ermöglichen kann, den er als nicht kasernierter Urlauber wohl nicht bekäme, ist für die besuchte Region ein harter Schlag in die Volkswirtschaft. - Zurück nach Adeje, dort hat man wohl die gleiche Zahl an Urlaubern gezählt wie noch in den vergangenen Jahren, die Umsätze in den Gastronomiebetrieben aber auch den Einzelhandelsgeschäften sind deutlich zurück gegangen. Gelegt hat man sich das billige Ei selbst, kein Hotel wird dazu gezwungen, sich in diesen all inklusiv Strudel zu begeben, aber wenn einer damit anfängt, dann müssen die anderen mitziehen, sonst schickt man ihnen keine Gäste mehr. - Daraus entsteht dann der Zwang und die folgende Notwendigkeit, die Marge enger zu schnallen und überall zu sparen wo es nur geht, denn ein All inklusive Gast lässt auch im Hotel weniger Geld, als jemand der Halbpension bucht und sich sein Zubrot noch erkaufen muss. - Klare Folge darauf hin, weniger Personal, oder billigeres aus der Immigrantentüte, weniger Qualität und Auswahl der angebotenen Speisen und Getränke und schon haben wir uns einen Urlaubsaldi zusammengebastelt, der eigentlich niemandem so richtig Spaß macht. - Am allerwenigsten den Gewerbetreibenden, die sich um die Ferienzentren in den letzten Jahrzehnten angesiedelt haben, Papa trinkt sein lauwarmes Bier aus dem Plastikbecher im Hotel, da kostet es nichts und draußen in den Bars sitzen die letzten dinosaurischen Touristen, die es gewagt haben, nicht all inklusive zu buchen. - Ich übertreibe dabei übrigens nicht, ich habe das selbst auf Fuerteventura erlebt, als zahlender Gast in einem Hotel mit englischen all inklusive Klientel. - Die Hotelkette hatte mal einen guten Ruf, aber eben inzwischen auf den all inklusive gekommen und all mein Klagen über schlechte Qualität, kaltes Essen und warmes Bier half nichts, es kam immer der Hinweis, ist halt all inklusive, da gibt es nichts besseres. - Dass ich Trottel auch noch für all den unansehlichen Fraß und die hingeknallten Getränke extra bezahlen musste, das rührte das Personal dann doch schon und manch ein Marokkaner oder Saharaui wagte es dann gar nicht mehr zu kassieren, da war dann doch Reststolz vorhanden. - Draußen im Ort war es kaum besser, angesichts der all inklusive Falle lockten alle Restaurants mit billigem Essen, keines mit gutem Essen. - Mein Höhepunkt war dann der Besuch in einem englischen Restaurant, in dem es nur halbe Liter Bier zu trinken gab. - Da wir in der prallen Sonne saßen, Engländer sitzen wohl immer so und noch dazu in der Happy Hour, stellte mir der nette schwarzafrikanische Kellner gleich zwei große Bier vor die Nase und grinste dazu nur: Happy Hour. - Da ich, unter so vielen Engländern und zu Zeiten der Fußballweltmeisterschaft nicht als Deutscher erkannt werden wollte, zwang mich so meine Feigheit vor dem System einen ganzen Liter warmes Bier zu trinken und zu dem Schwur, nie wieder auch nur in die Nähe von Urlaubsregionen zu fahren, in denen der geile Geist des all inklusive bereits umgeht. - Wehret den Anfängen könnte man da sagen und muss zu gleich eingestehen, dass auch auf La Palma mehrere Hotels den Untergang der Qualität bereits eingeläutet haben. - Noch ist nichts kaputt, weil eh kaum jemand kommt, aber warum man jeden Mist mitmachen muss, der auf der nach oben offenen Dummheitsskala tolldreister Werbefachleute kreiert wurde, das frage ich mich nicht nur manchmal.


landestypische Kost



Samstag 02.06.07 - 17:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 24 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 54 % Luftdruck 1016 hPa
Höchsttemperatur heute 24,7 Grad - niedrigste Temperatur 15,5 Grad

Das Ende ist nahe

So oder so ähnlich hat sich mein Zollagent Jose ausgedrückt, als er mich am Mittwoch vor der Wahl anrief. Nachdem ich zwischenzeitlich die mühsam beschaffte "Certificacion de Empadronamiento" und auch die deutsche Wohnsitzabmeldung bei ihm abgeliefert habe, scheinen wir uns mit der Anmeldung unseres Autos auf der Zielgeraden zu befinden. Ich muss nur noch einmal nach Sta Cruz fahren, um die letzten Formalitäten abzuwickeln. Also machen wir uns an einem herrlichen Morgen wieder auf den Weg. In Sta Cruz gehe ich gleich mal zum Büro, während Bea sich ins Stadtzentrum verabschiedet. Sie braucht dringend noch ein paar Kleinigkeiten, wie sie gestern nach einem Blick in den Kleiderschrank festgestellt hat. Ich hoffe nur, dass wir hinterher nicht auch noch einen neuen Kleiderschrank brauchen.

Wieder einmal ist nur Juan da, der mir aber erklärt, Jose sei nur kurz zum Frühstück nebenan. Er ruft ihn mal eben an und guckt schnell noch meine gesammelten Papiere durch, wobei er erfreut feststellt, dass sie scheinbar komplett sind. Dann legt er mir eine Rechnung über die letzten Ausgaben für die Anmeldung (69,40€), die Kfz-Steuer (111,57€), die Kennzeichen (20.-€) und ihren eigenen Obolus (250€) vor. Oha, soviel hab ich nicht dabei. Kann ich noch schnell zur Bank flitzen? Ist ja nicht weit. Ich kann. Nach einem Fehlversuch beim ersten Institut spuckt der Automat bei der zweiten Bank doch noch die erforderliche Summe aus und ich kann die Rechnung begleichen. Kurz danach stürmt auch Jose zur Tür herein, begrüßt mich und wühlt sich auch noch einmal durch die Unterlagen. Er scheint zufrieden zu sein und klärt noch schnell irgendetwas telefonisch ab. Dann fragt er mich, ob ich Zeit habe, mit ihm zum Trafico zu gehen. Klar, Zeit hab ich genug. Gehen wir eben wieder zum Trafico. Das haben wir ja ganz am Anfang schon einmal gemacht. War ein netter Spaziergang.

Dass Jose mit "gehen" heute etwas anderes gemeint hat erkenne ich in dem Moment, als er mir einen Motorradhelm in die Hand drückt. Der will doch wohl nicht etwa …? Doch, er will. Und was soll ich denn auch antworten, als er mich fragt, ob es in Ordnung geht, wenn wir mit seinem Motorrad fahren? Ich will ja schließlich nicht als Memme dastehen. Auch wenn ich zuletzt vor über 30 Jahren auf so einem Ding gesessen und mir danach geschworen habe, mich nie wieder draufzusetzen. Nein, die Schmach tu ich mir nicht an. Also, Helm auf zum Gebet und mutig auf den Soziussitz gehüpft. Kaum, dass ich sitze, düst er auch schon mit dem Chopper los. Mit wilden Handzeichen wühlt er sich durch den Vormittagsverkehr, dass ich glaube, ich müsste gleich vom Bock fallen. So schnell, wie wir losgefahren sind, sind wir auch schon da, aber trotz der kurzen Strecke und des Fahrtwindes ist mein Hemd durchgeschwitzt. Als wir abgestiegen sind grinst Jose und meint, der Verkehr sei heute wieder mal schlimm. Ach, davon hab ich ja gar nichts gemerkt.

Im Trafico stehen wir wieder mal hinten in der Schlange, aber nachdem Jose mehrfach durch Pfeifen und Winken auf sich aufmerksam gemacht hat, werden wir an einem gesonderten Schalter zügig abgefertigt. Ich muss eine Unterschrift auf dem Steuerformular leisten, Jose schnappt sich die Papiere, dann sind wir auch schon wieder draußen. Rauf auf`s Motorrad und ab geht`s zum anderen Ende der Stadt, wo in einem kleinen Zubehörladen die Nummernschilder geprägt werden. Glücklicherweise habe ich vorher noch schnell die Maße der Schilder genommen, denn die werden jetzt gebraucht, damit die Schilder nachher auch in die vorgesehenen Aussparungen passen. Nach 5 Minuten sind die Schilder fertig und wir schwingen uns wieder auf den Chopper. Mittlerweile finde ich fast Vergnügen an meiner Mitfahrgelegenheit. Aber eben nur fast. Und so bin ich irgendwie auch ganz froh, als wir wieder beim Büro eintreffen. Jose übergibt mir die letzten Papiere, wir schütteln uns die Hände und mit einem hoffnungsvollen "Bis zum nächsten Mal" verabschieden die beiden mich und meine neuen Kennzeichen.

Nun, die Hoffnung wird sich wohl kaum erfüllen. Noch mal werde ich wohl kaum ein Auto importieren. Auch, wenn es Spaß gemacht hat. Es war zwar manchmal mühselig, aber auch eine gute Erfahrung. Und rückblickend würde ich es wieder so machen. Es mag sich nicht für jeden lohnen, sein altes Auto hierher mitzunehmen, aber in unserem Fall hat es sich gelohnt.

Es bleibt vielleicht noch zu erwähnen, dass man die Schilder erst dann tauschen sollte, wenn man das Auto vor Ort versichert hat. Danach kann man dann die Abmeldung in Deutschland in Angriff nehmen.



Samstag 02.06.07 - 09:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 17 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 78 % Luftdruck 1017 hPa

Wer will einen Hafen bauen?

Wer Ahnung hat und weiß, wie man 63 Millionen Euro formvollendet im Atlantik versenken kann, der kann sich nun bewerben, die Hafenmole von Tazacorte um weitere 110 Meter zu verlängern. Man gebe sein Angebot bei der Consejería de Infraestructuras, Transportes y Vivienda ab und sollte man das beste Angebot gemacht haben, dann hat man danach 3 Jahre Zeit ein weiteres unnötiges Prestigeobjekt auf La Palma zu bauen. - Ich darf erinnern, der Hafen von Tazacorte wurde bereits einmal für rund 30 Millionen Euro verlängert und damals bereits feierte man das als Durchbruch für die Wirtschaft der Westseite, weil man nun direkt und per Hafen mit der ganzen Welt verbunden sei. - Nur hat die Welt davon keine Notiz genommen, der gesamte Fracht und Passagierverkehr geht weiterhin über die Hauptstadt Santa Cruz, man braucht hier auf La Palma schlichtweg keinen zweiten Hafen, weil der erste schon nicht genügend ausgelastet ist. - Nun bauen wir noch mal 110 Meter an die Mole dran und wieder sind es die gleichen Worte des wirtschaftlichen Aufstiegs der Westseite, weil wir dann endlich einen richtigen Hafen haben, in dem sogar Kreuzfahrtschiffe anlanden sollen. - Allerdings frage ich mich, was denn bitte 1.500 blasse Mitteleuropäer in Puerto de Tazacorte machen oder kaufen sollen, vielleicht Reisesouvenirs, hergestellt in Taiwan, die man dann in Läden auf der neuen Hafenmole kaufen kann.

Bei allem gebührenden Respekt vor gewählten Volksvertretern, es ist einfach lächerlich zu glauben, Puerto de Tazacorte sei ein interessantes Ziel für Kreuzfahrtschiffe, vielleicht lediglich zum Umladen der Gäste in Busse, die dann von der anderen Inselseite her in die Berge fahren. - Als Frachthafen hat Tazacorte auch keine Chance, es liegt ganz einfach auf der anderen und in dem Fall falschen Inselseite, weil diese von Tenerife abgewandt und jeder Weg dorthin dann 2 Stunden länger ist. - Eigentlich wollte ich hier einen Vergleich anbringen mit der künstlichen Verlängerung von Körperteilen, wie diese so oft per Spam angeboten werden, aber das geht unter die Gürtellinie und wer ein bisschen weiterdenkt, der weiß eh was gemeint ist. - Ein Krankenhaus auf der Westseite brauchen wir, mehr Geld für die Schulen und die Lehrer, funktionierende Kläranlagen in Tazacorte und Los Llanos und vielleicht das ein oder andere Toilettenhäuschen am Strand, aber sicher keine künstlich verlängerte Hafenmole, die eh kein Schiff anlocken kann. - Allerdings kann die noch längere Hafenmole und die Vergrößerung des Hafenbeckens weitere Investoren anlocken, die uns dann mit noch mehr Beton und Glas im Hafen beglücken werden, bis Tazacorte so aussieht, wie man es auf den Hochglanzprospekten eiliger Investoren bereits begutachten konnte. - Wem es gefällt, bitte schön, nur dieser Insel wird das nicht gerecht und an den Zahlen der versprochenen Arbeitsplätze hege ich so meine Zweifel. Nun ist aber längst jeder Protest zu spät, eines der vielen Projekte, die noch in den Dunkelkammern der Provinzregierung geboren und ohne Diskussion und Bürgerbeteiligung auf den Weg gebracht wurden. - Zwei Häfen für 80.000 Einwohner und dann aber bitte eine Autobahn, die beide Häfen miteinander verbindet, um über Land schneller von dem Hafen, aus dem ab und zu mal ein Schiff fährt, zu dem zu kommen, aus dem kein Schiff fährt.


Photo geklaut aus La Opinion
Der neue, neue Hafen



Der alte, neue Hafen




Freitag 01.06.07 - 18:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 23 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 67 % Luftdruck 1017 hPa
Höchsttemperatur heute 23,8 Grad - niedrigste Temperatur 16,5 Grad

Erst kommen die Sardinen und dann der Thun

Verdächtig lange schon gab es am Fischwagen und den Restaurants Sardinen zu kaufen. - Sardinen sind nicht generell etwas ungewöhnliches hier bei uns, gerade im Frühjahr ziehen öfter mal Schwärme an unsere Küsten vorüber. - So lange aber Sardinen zu haben, bedeutet aber auch, dass die Thunfische in ihrem Gefolge kommen und das ist leider ziemlich selten geworden in den letzten Jahren. Woran das liegt, dass es selten geworden ist muss man ganz klar auf die Überfischung zurückführen und da packt sich jeder Fischer und auch Konsument wohl zuerst an die eigene Nase. Ich erinnere mich noch gut an die Zeit, als auch vor Tazacorte Fabrikschiffe lagen, die darauf warteten, dass die hiesigen Fischer ihnen die Thuns anbrachten, um sie dann in ihren nimmersatten Lagern zu verstauen. - Selbst die ganz großen roten Thunfische gab es ab und zu, allerdings auch damals selten bei uns, aber von solch einem Vieh aß dann der ganze Ort eine Woche lang. Die großen Roten gibt es wohl auch anderswo schon so gut wie gar nicht mehr, die Japaner scheinen diese alle aufgegessen zu haben und dort, wo es sie noch gibt, lockt das große Geld, denn für diese Fische bezahlen Nippons Söhne und Töchter wohl fast jeden Preis.

So gibt man sich hier schon seit langem mit den kleineren Thuns zufrieden, meist Bonito, (Katsuwonus pelamis), Barilote als kleiner und Albacora als großer Weißer (Thunnus alalunga) und Rabil (Ravíl) (Thunnus albacares), auf Deutsch wohl Gelbflossenthun, die aber auch nicht zu verachten sind. - Besonders die hellen Thunfische eignen sich nicht nur hervorragend um sie in die Dose zu packen, sie sind auch ideal als Speisefisch, kurz gebraten mit Salmorejo oder grünem Mojo ist das eine leckere und sehr gesunde Diät. - Allerdings sind im Moment fast nur Boote aus Tenerife und El Hierro hier auf unserer Westküste anzutreffen, unsere eigenen Fischer beteiligen kaum an der Thunfischjagd. - Nicht etwa, weil unsere Fischer faul wären, aber es gibt ja keine Lagermöglichkeiten im Hafen von Tazacorte, das teuer gebaute Kühlhaus wurde nie in Betrieb genommen, weil man sich wohl über die Unterhaltszahlungen nicht einigen konnte. - Nun wollen aber doch noch ein paar Fischer raus fahren, zum Eigenbedarf und um die hiesige Gastronomie zu versorgen, darum will ich doch auch gebeten haben, es wäre doch zu schade, wenn all der Thunfisch da draußen vor unserer Küste nicht auch in unseren Restaurants landen würde. - Ein guter Bekannter hat mir, wenn ihm Petri und der Thun gnädig sind, einen Rabil versprochen, weil wir Sozis in El Paso so gut bearbeitet haben, aber immer noch keinen Zugang zum Meer besitzen. - Das kommt noch, wir arbeiten dran und so kann es gut sein, dass unser Wochenendespeiseplan reichlich verthunisiert wird. - Wir haben Paul davon noch nichts erzählt, er kennt bislang als Fisch nur Sardinen, mal sehen wie er reagiert, wenn er einen Fisch sieht, der um so vieles größer ist als er selbst.



Freitag 01.06.07 - 07:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 17 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 79 % Luftdruck 1017 hPa

Blaue Flagge für Los Cancajos und Puerto de Naos

Nachdem man letztes Jahr für Puerto de Naos erst gar keine "Blaue Flagge" beantragt hatte, ist dieses Jahr der Strand auf der Westseite wieder im Club der prämierten Strände. - Letztes Jahr musste man dem Hurrican Delta Tribut zollen und die Aufräumungsarbeiten dauerten so lange, dass man es sich in weiser Erkenntnis ersparte, diesen Antrag überhaupt zu stellen. - So war letztes Jahr alleine Los Cancajos mit der begehrten Auszeichnung bedacht worden, nachdem man dort wohl ein Abonnement auf die "Blaue Flagge" hat. - Und das, obwohl der Strand von Los Cancajos dieses Jahr gewaltig aufgerüstet wird, sehr zum Ärger der Umweltschützer, die Sturm laufen gegen das Ausbaggern des Strandes und das Aufbringen fremden Sandes von der anderen Seite der Insel . - Maßnahmen die eigentlich überhaupt nicht notwendig sind und waren, weil auch so der Strand von Los Cancajos der gepflegteste der Insel war.

Die Kommission, welche die blauen Flaggen verleiht, die weiß sicher nichts von den gewaltigen Umgrabungen in Los Cancajos und ob Umweltbelange überhaupt ausschlaggebend sind für die Erteilung der Auszeichnung, das weiß ich einfach nicht. - Puerto de Naos ist endlich auch wieder dabei, die Scharten Deltas sind mehr als verschwunden und so bietet sich der Strand in dieser Sommersaison ohne Baggerarbeiten und Sandberge dem badelustigen Publikum an. - Die "Blaue Flagge" gilt weltweit als Symbol für den Qualitätsstandart der Stände und ist ein wichtiges Werbesymbol und Lockmittel des touristischen Sektors. - Wir nehmen sie gerne diese Auszeichnungen, auch wenn wir eigentlich gar keine Badeinsel sind, aber in den Sommermonaten treibt es uns selbst auch an die Strände und das soll wohl unter der wehenden blauen Fahne schöner sein als ohne. - Alles im blauen Bereich…





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