La Palma Aktuell
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Nachrichtenarchiv Juli 2005


Sonntag 31.07.05 - 17:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 28 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 64% Luftdruck 1019 hPa

Arbeitslager in El Paso

Und das auch noch ganz freiwillig. 23 Jugendliche aus so verschiedenen Orten Spaniens wie San Sebastián, Madrid, Zamora, Burgos, Guadalajara, Gran Canaria und Tenerife erleben eine sehr alternative Art von Urlaub in El Paso. Sie sind nicht gekommen um sich am Strand zu wälzen oder in den Bergen zu wandern, sondern um zu arbeiten. Mit Hacke, Schaufel, Besen und anderem Arbeitsgerät machen die jungen Leute sich daran, Maulbeerbäume zu pflanzen, Unkraut zu jäten, alte Wege wieder herzurichten und auch Reparaturen an öffentlichen Gebäuden vorzunehmen. Liest sich wie eine Geschichte aus tausend und einem sozialen Traum, junge Leute opfern ihren Urlaub, um sich nützlich zu machen.

Ein Thema hat das Ganze auch, sonst würde es ja nicht zu El Paso passen, die Seidenraupenzucht steht im Mittelpunkt dieser Aktion. Das Programm in den 14 Tagen sieht aber auch theoretische Hinführung an die Seidenraupenzucht vor und in Werkstätten dürfen die Jugendlichen auch an die zum Teil 400 Jahre alten Webstühle und Gerätschaften, welche der Seidengewinnung dienen. Die müssen also nicht zwei Wochen schuften bis zum Umfallen und dann sagt der Bürgermeister, Danke, dass ihr bei uns aufgeräumt habt. Was bringt junge Leute dazu, den Tennisschläger im Urlaub gegen die Hacke einzutauschen? Ihr Interesse an der Kultur und Lebensweise anderer Menschen und auch der Wunsch, sich nützlich machen zu können und denen etwas zu geben, an denen wir interessiert sind. Das ist die Aussage eines der Teilnehmer dieses Arbeitsladens (deutsch für workshop) der etwas anderen Art. Organisiert wird der "Campo de Trabajo El Paso 2005" vom Rathaus in Zusammenarbeit mit obersten Jugendbehörde der Provinzregierung.



Sonntag 31.07.05 - 09:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 21 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 67% Luftdruck 1020 hPa

Bombenstimmung

Bomben werfen ist gerade wieder aktuell und auch wenn Spanien nicht mehr im Blickpunkt religiös fanatischer Terroristen steckt, wir haben ja immer noch die gute alte ETA. Denen geht zwar auch langsam die Luft aus, unabhängiger als das Baskenland kann man eigentlich gar nicht mehr werden, aber dennoch bleibt die ständige Bedrohung. Häufiger allerdings als echte ETA-Bomben sind inzwischen Trittbrettfahrer die mit Bombendrohungen Kasse machen wollen. Auf den Kanaren war das bislang nicht aktuell, die ETA und die Begleiterscheinungen haben sich bislang aufs Festland konzentriert.

Da die ETA bei ihren Bombendrohungen eigentlich nie Geld fordert, sondern bei gewissen Zeitungen anruft und sagt, dort und dann werden Bomben hochgehen, kann die Polizei meist ganz schnell zwischen echter ETA und Trittbrettfahrer unterscheiden. Das mussten gestern zwei Jugendliche auf Tenerife erfahren, die 30.000 Euro gefordert haben, sonst ginge vor einer Bank eine Bombe hoch. Man sei von der ETA und würde nach der Geldübergabe die Bombe entschärfen. Zu viele Fehler machten die Beiden, sie riefen bei der Notrufnummer 112 gleich mehrmals an, dort werden alle Anrufe sofort mitgeschnitten und die Telefonnummer registriert. Wenn man dann auch noch von seinem eigenen Handy anruft und der Polizei so viel Zeit lässt, die Umgebung aus welcher der Anruf kommt fest zu stellen, dann dauert so ein Versuch sich Geld zu verschaffen nur ein paar Stunden. Die beiden Jugendlichen sitzen jetzt in Untersuchungshaft und haben dort Zeit, ihren wundersamen Plan noch mal zu überdenken. Schade eigentlich, dass die von der ETA nicht genau so dumm ist.



Samstag 30.07.05 - 18:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 25 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 69% Luftdruck 1020 hPa

Glücklicher Unfall oder Zufall

Kleine Geschichte über einen Freund von mir. Manuel Ángel ist heute 48 Jahre, also Baujahr 1957 und gehört damit noch zu den vielen Zeitzeugen einer Ära, die erst 1976 mit der Demokratisierung Spaniens endete. Das ist aber gar nicht so wichtig, denn bei diesem einem Problem, kann man die Falangisten mal nicht verantwortlich machen. Manuel Ángel war ein absolutes Problemkind, dumm, widerspenstig, schwer von Begriff und damit zum Leidwesen seines stolzen Vaters ein wirklicher Schandfleck. Er ging zwar brav in die Schule, konnte aber in keinem Fach richtig folgen und mit 9 Jahren weder lesen, noch schreiben, noch rechnen. Der Junge lebte immer zurückgezogener und nur seiner Mutter war es möglich, den Hohn und Spott der Gleichaltrigen etwas weg zu streicheln.

Er selber zweifelte auch an sich und die spürbare Verachtung seines Vaters brachte den Jungen nahe an die Verzweiflung. Er konnte sich überhaupt nicht erklären, warum er so anders war als die anderen und was er denn unternehmen könne, seinem Vater zu gefallen und gerecht zu werden. Er liebte und verehrte seinen Vater mehr als alles andere auf der Welt, so schmerzten die Prügel die er vom Vater bezog, wenn er wieder mal in der Schule nicht versetzt wurde, um so mehr. Manuel Ángel hat als Neunjähriger öfter daran gedacht, sich das Leben zu nehmen, das aber immer wieder verworfen, das wollte er seiner Mutter nicht antun.

Ein Unfall, ein Zufall beendete den Leidensweg des Jungen. Bei einem Fußballspiel, in dem er gnädiger Weise mal mitmachen durfte, bekam er einen Ball derart hart an den Kopf, dass er aus Nase und Auge blutend ins Krankenhaus gebracht wurde. Bange Stunden mussten die Eltern warten, bis der seinerzeit einzige Augenarzt der Insel Zeit für den Jungen hatte. Endlich kam der Arzt und beruhigte die Eltern, die Verletzung ist nicht so schlimm wie sie aussieht, er habe Glück gehabt, dass er wohl bei dem Unfall seine Brille nicht getragen habe, die Glassplitter der Sehhilfe hätten Schlimmes bewirken können. Die Brille? Mein Sohn hat keine Brille! Darauf der Augenarzt, Ihr Junge ist doch blind, der kann doch kaum was sehen, hat das nie einer bemerkt? Nein, es hatte nie jemand gemerkt, Manuel Ángel selber auch nicht, er dachte die Welt sähe so aus und er sei nun einfach mal dumm. Eine Woche dauerte es noch, bis die Spezialbrille mit Gläsern so dick wie ein Teleskop aus Valencia kam und dann, mit knapp 10 Jahren sah er das erste Mal seine Umgebung, so wie sie wirklich erscheint.

Die Gewöhnung an die Brille dauerte sehr lang, ihm war ständig schwindelig und erst nach einem Monat hatte er sich mehr oder weniger daran gewöhnt. Er sagt von sich, das kommende halbe Jahr, war das schönste was ihm in seinem ganzen Leben widerfahren ist. Jetzt konnte er die Sterne auch sehen von denen die anderen schwärmten, konnte seinen Klassenkameraden bestätigen, dass dieses oder jene Mädchen wirklich hübsch sei und vor allem, er musste seinen Vater nicht mehr anlügen, wenn der ihn auf Jagdausflügen fragte, Junge hast du das Kaninchen auch gesehen? Lesen, rechnen, schreiben, das alles war jetzt kein Problem mehr, seine ihn bis dato quälenden Altersgenossen mieden ihn nun eher aus Scham, aber das legte sich dann auch bald. Nur das mit dem Vater renkte sich nie wieder ein. Trotz der schlechten Behandlung verehrte Manuel Ángel seinen Vater immer noch und wollte seine Nähe und Anerkennung. Der Vater konnte aber aus Scham und Schuldgefühlen gegenüber seinem Sohn nie wieder engen Kontakt zu ihm aufnehmen. Heute ist Manuel Ángel ein angesehener Bauunternehmer, der großen Respekt und Einfluss in der Gemeinde genießt. Jeder hier in El Paso kennt diese Geschichte und vielleicht liegt es auch mit daran, dass "Problemkinder" hier einen besonderen Status besitzen, der von Außenstehenden oft nicht begriffen werden kann. Die heißen bei uns "niños especiales" und werden auch so behandelt.



Samstag 30.07.05 - 09:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 22 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 69% Luftdruck 1022 hPa

Väter haltet eure Töchter fest...

...Juanes tritt heute Abend in der Hauptstadt auf. Der kolumbianische Star ist Kernstück des Festivals "La Palma, Corazón del Atlantico", (La Palma, Herz des Atlantiks) welches immer noch zum Rahmenprogramm der nie enden wollende Bajada de la Virgen de Las Nieves gehört. Apropos Rahmenprogramm, für viele jungen Leute ist dieses Konzert der absolute Höhepunkt, was kümmert mich die Jungfrau vom Schnee wenn Juanes kommt, lass die Zwerge tanzen wie sie wollen, ich will Juanes tanzen sehn. Neben dem kolumbianischen Superstar treten auch noch Amaral und David de María auf und machen damit dieses Konzert zum größten Pop-Spektakel, welches jemals auf La Palma stattgefunden hat.

Allerdings sind die angebotenen 14.000 Plätze noch nicht ausverkauft, bislang meldet man 11.000 verkaufte Karten, Kurzentschlossene werden also auch noch an der Abendkasse ihr Ticket erhalten. Die Karten kosten um die 30 Euro, das ist auch ein Rekord für Eintrittspreise auf La Palma, aber anders ist dieses Konzert nicht zu finanzieren, man spricht von 300.000 Euro an nackten Kosten, um dieses Spektakel überhaupt stattfinden zu lassen. Heute Abend um 22:00 Uhr in der Hauptstadt geht es los, wer den drittgrößten kolumbianischen Exportschlager nach Kokain und Shakira bewundern will, der muss nur den Weg nach Santa Cruz finden.



Freitag 29.07.05 - 18:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 27 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 69% Luftdruck 1021 hPa

Brüder, zur Sonne, zur Scholle

Ministerbesuche hinterlassen auf dieser Insel immer Spuren, welcher Art diese sind, hängt vom Minister und seinen Fähigkeiten ab, sich elegant im Porzellanladen zu bewegen. María Jesús San Segundo, Ministerin für Erziehung und Wissenschaft war auf La Palma um die neue Administrationsstation des astrophysikalischen Institutes einzuweihen Es gibt bei solchen Anlässen ja immer noch Kollateralbesuche und eine dieser Aufwartungen galt den jungen Sozialisten La Palmas. Kein Wunder, gehört doch die Ministerin zur gleichen politischen Riege. Über 70 Jungsozis nahmen nun den hohen Besuch als Anlass, daraus gleich den ersten Kongress dieser Formierung auf La Palma zu machen, ein guter Start, 70 noch reichlich junge Gesichter, geschart um eine gestandene Ministerin, das muss doch was werden.

Interessant, was da unsere jungen Sozialisten so von sich gaben und ich hoffe, Frau Ministerin war noch etwas länger anwesend als nur für das Photo, um ein bisschen davon auch zu hören. Zurück zur Scholle heißt es da, wenn man das mal ein bisschen provokant ausdrücken will. Die Jungsozialisten wollen die Landwirtschaft als erste und stärkste Säule der palmerischen Volkswirtschaft bewahren. Das ist insofern innovativ, weil von den großen politischen und gereiften Bartträgern, so etwas nur noch im Nostalgiewahlkampf erwähnt wird. Von sozialharmonischer Entwicklung des Nebenfaktors Tourismus liest man da und von Verantwortung gegenüber dem historischen und kulturellen Erbe dieser Insel. Da wird man ja neidisch auf die Jungsozialisten und ich kann nur hoffen, dass deren späterer politischer Werdegang nicht der wirtschaftlichen Armani-Metamorphose unterliegt, die auch als "J.Fischer Technik" bezeichnet werden kann. Da möchte man doch glatt noch mal jung sein, aber für gute Ideen sollte es eigentlich nie zu spät sein. Soll mir keiner nachsagen, dass ich mit den Jungsozialisten sympathisiere, ich bin nicht mehr jung...



Freitag 29.07.05 - 09:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 22 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 67% Luftdruck 1022 hPa

Mit Binter nach Paris und Mailand

Großes hat unsere Regionalfluggesellschaft die Binter Canarias vor, welche sich fast marktbeherrschend um den interinsularen Flugverkehr kümmert. Seit dem Frühjahr gibt es nun bereits zwei Verbindungen wöchentlich mit Madeira und eine, politisch nicht ganz unumstrittene mit El Aiún, im von Marokko besetzten Westsahara. Ab 1. August kann man dann auch mit den kleinen ATR 72 nach Marrakesch fliegen, eigentlich sollte der Name der Fluggesellschaft in Binternational geändert werden. Alle diese Flüge werden von Gando auf Gran Canaria aus gestartet, wo sich auch der Hauptsitz der Firma befindet.

Als Ex Iberia Tochter war man seinerzeit eigentlich aus der Iberia Familie ausgezogen um sich ganz und konzentriert auf den interinsularen Markt zu beschränken, jetzt wird der Zögling flügge und will ab Oktober auch nach Paris und Mailand fliegen. Dazu muss man aber größere Maschinen chartern, die eigenen Turbo-Prop-Flugzeuge haben keine solch hohe Reichweite. Erfahrungen konnte man letztes Jahr bereits sammeln, da hatte man für kurze Zeit eine 737 gechartert und Flüge nach Lissabon und Porto angeboten, allerdings mit wenig Erfolg und so stellte man diese Linie umgehend wieder ein. Für die Flüge nach Paris und Mailand will man aber progressiv an den Markt gehen und nach dem "Condor-Zufallsprinzip" Preise zwischen 39 und 399 Euro anbieten. Eine Neun mehr oder weniger macht eben schon viel aus und für 39 Euro kann man eben mal nach Paris fliegen, obwohl man da eigentlich gar nicht hin wollte. Auch diese Flüge werden von Gran Canaria aus realisiert, allerdings mit einem netten Angebot an alle, die nicht von dort sind. Bucht man, von La Palma, El Hierro oder irgend einer anderen Kanareninsel aus einen Flug mit Binter nach Paris oder Mailand, dann ist der Zubringerflug nach Gran Canaria umsonst.



Donnerstag 28.07.05 - 17:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 27 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 67% Luftdruck 1021 hPa

Reicht unser Wasser für den Sommer?

Diese bange Frage taucht jedes Jahr erneut in dieser Jahreszeit auf, allerdings sollten wir nach einem der regenreichsten Winter eigentlich mit Ruhe den Sommer angehen können. Die Galerien liefern reichlich Wasser, die Brunnen und Kavernen sind voll, soll er doch kommen der Sommer. Wenn wir von Wasser sprechen, dann meint man hier auf La Palma nie das bisschen Trinkwasser welches in die Haushalte fließt, das ist gegen den Verbrauch des Wassers in der Landwirtschaft ein kaum wahrnehmbarer Posten. Es ist also alles in feuchten Tüchern könnte man meinen und so stellt das auch der Präsident des Wasserrates der Insel dar. Warum er einen Satz später bereits zum Wassersparen auffordert hat zwei gute Gründe. Einmal ist es oberste Aufgabe immer zum Wassersparen aufzufordern, das Verschwenden dieses kostbaren Gutes kommt hier einem Sakrileg gleich und einem Präsidenten, der nicht zum umsichtigen Umgang mit dem Wasser mahnt, der würde sich fast schon als Verschwender outen.

Neben dieser rituellen Sparformel gibt es aber auch noch einen handfesten Grund. Das größte Speicherbecken der Insel, die "Laguna de Barlovento", steht diesen Sommer nicht zur Verfügung, das ganze Wasser muss abgelassen werden. Nachdem man ein großes Leck am Boden des enormen Wassertanks entdeckt hat, blieb keine andere Wahl und nun steht man diesen Sommer ohne diese mächtige Reserve da. Noch schlimmer, die Finanzierung der Reparaturen sind noch nicht geklärt und außer dem Verteilen des Wasser auf andere Becken, haben die Arbeiten noch nicht mal begonnen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Reparaturarbeiten erst in einigen Monaten wirklich beginnen können und bis das Staubecken dann wieder Wasser aufnehmen kann, ist der kommende Winter auch schon wieder vorbei. Dann stehen wir nächsten Sommer mit noch weniger Wasser da, dieses Jahr konnten wir das Wasser der "Laguna de Barlovento" ja noch auf die übrigen Speicherbecken verteilen, die sind jetzt, Ende Juli alle randvoll. Ob das bis zum ersten Winterregen reicht, hängt nun ganz vom Wetter ab. Für dieses Jahr kann man vorsichtige Entwarnung geben, das wird schon hinkommen. Folgt dann aber ein trockener Winter wie wir ihn 2003/2004 hatten und ohne die mächtige Reserve der "Laguna de Barlovento", dann werden wir hier alle nervös. Ist schon interessant, bei allen anderen Dingen sind wir immer ganz locker und zuversichtlich, wenn es aber ums Wasser geht, dann ist hier jeder Pessimist und das schon Jahre im Voraus.



Donnerstag 28.07.05 - 09:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 22 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 69% Luftdruck 1021 hPa

Los Llanos soll noch schöner werden

Seit einigen Jahren bereits wird im Zentrum und der Altstadt von Los Llanos kräftig gebaut, renoviert und saniert. Das kann sich jetzt bereits sehen lassen, Los Llanos gehört, abseits der Durchgangsstraße, sicherlich zu den Perlen kanarischer Siedlungskultur. Natürlich gibt es da auch Schatten, in den Randbezirken müssen mehrstöckige Zweckbauten den Wohnbedarf decken und man versucht mit farbigen Fassaden diesen Gebäuden die Tristesse zu nehmen. Wer Los Llanos nur von der Hauptschlagader der Insel aus kennt, der Ost-West Tangente, dem wird der Charme des historischen Stadtkerns verborgen bleiben. Damit ist Los Llanos irgendwie auch Spiegel La Palmas an sich, man muss sich schon bewegen und um die Ecke blicken um die Schönheit dieser Insel und der Stadt Los Llanos wirklich zu entdecken.

Hat man erstmal einen Parkplatz gefunden und streift dann, abseits des Trubels der Geschäftstraßen durch die Altstadt, dann grüßt aus jedem Hauseingang und von jedem Dach die bewegte Geschichte der Metropole auf der Westseite. Ohne den Druck und der Last der Historie, welche in Santa Cruz oft bleiern auf den Gebäuden liegt. Genug geschwärmt, es geht wieder weiter im Schönheitssalon, der nächste Happen Geld ist eingetroffen um Los Llanos noch reizvoller zu machen. 780.000 Euro kommen von der Provinzregierung aus dem Haushalt zur Verbesserung der touristischen Infrastruktur. Damit werden nun die nächsten Gassen und verwinkelten Straßen der Altstadt auf Vorderfrau gebracht. Neue Versorgungsleitungen kommen unter die Straßen, die Kopfsteinpflaster werden danach neu aufgebracht und die Fassaden der Häuser bunt und adrett gestaltet. Wenn es dann noch Parkplätze in der Stadt gäbe, dann könnte ich El Paso schon ab und zu mal untreu werden...


Los Llanos de Aridane



Mittwoch 27.07.05 - 18:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 26 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 70% Luftdruck 1017 hPa

Lidl im Gegenwind

Der Gegenwind, welcher dem Discount Giganten Lidl auf den Kanaren ins Gesicht bläst, ist dieses Mal nicht unser beliebter Nordostpassat. Lidl hat vor, auf den Kanaren mehrere Läden zu eröffnen, dem Rat für Industrie und Handel liegt ein derartiger Antrag vor. La Palma war auch im Gespräch für einen Laden in El Paso, ich halte das aber für ein Gerücht, die logistischen Probleme werden wohl das Interesse Lidls eher auf die großen Inseln konzentrieren. Nun hat man mal ein bisschen nachgeforscht, was denn das für eine Kette ist. Logisch, dass sich die Handelsverbände mit Händen und Füßen dagegen wehren wollen, einen Hammer Discounter als Konkurrent zu haben. Die Federación de Comercio de Tenerife (Fedeco) und die Confederación Regional de Comercio (Coreco) sind aber nur Interessenvertreter ihrer eigenen Geschäftskollegen und keine Entscheidungsträger.

Jetzt kommt aber auch von offizieller Seite eine, zunächst als stumme Ablehnung betitelte Absage an Lidl. Alberto Cabrera, Generaldirektor des Comercio de la Consejería de Industria y Comercio del Gobierno de Canarias, also der Rat für Industrie und Handel selbst, lässt nun verkünden, dass niemand aus seinem Gremium den Antrag Lidls als positiv für die Kanaren gewertet hat. Das muss man jetzt allerdings politisch sehen, damit hat er noch nicht definitiv gesagt, dass der Antrag abgelehnt wird, immer schön vorsichtig mit den Bemerkungen von Politikern. Es ist aber schon ein gewaltiger Wink mit dem Rabattpfahl, in welche Richtung der Wind weht. Auch Alberto Cabrera spricht von den zu erwartenden negativen Folgen für den bereits installierten Handel und möglichen Auswirkungen auf den lokalen Arbeitsmarkt. Natürlich wird man den Antrag von Lidl beantworten und alle positiven wie negativen Parameter bewerten und dann zu einem Schluss kommen. Dazu werden auch Referenzen von Wirtschaftanalyseinstituten herangezogen, man macht sich die Sache nicht einfach. Das ist auch gut so, Lidl wird es sicher nicht so einfach hinnehmen, ein plattes Nein vor die Ladentür gestellt zu bekommen. Zunächst heißt es aber erst Mal Geduld für Lidl, die Sommerpause steht an und wenn wir erstmal anfangen, über etwas genauer nachzudenken, was wir sicher nicht haben wollen, das kann dauern.



Mittwoch 27.07.05 - 09:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 23 Grad, Niederschlag: 2 mm, Luftfeuchte 66% Luftdruck 1016 hPa

Bodenstation für das Kanarische Astrophysikalische Institut

Geforscht und in die Weiten des Universums geblickt, haben die Wissenschaftler des Instituto de Astrofísica de Canarias (IAC) seit langem von unserem höchsten Berg aus, dem Roque de Los Muchachos. Verwaltet wurde aber der gesamte Komplex von Tenerife aus, obwohl hier auf La Palma die größeren und moderneren Observatorien stehen als auf der Nachbarinsel. Jetzt bekommt La Palma zumindest eine "Filiale" mit verwaltungstechnischem Hintergrund, das IAC erfüllt damit ein Jahrzehnte altes Versprechen, auf La Palma nicht nur zu forschen, sondern auch zu "Administrieren".

So wird heute Abend von Ministerhand, Provinzvorstand und Direktor der Sternengucker das Centro de Astrofísica de La Palma, (CALP) in Breña Baja eingeweiht und nun müssen wir uns an eine neue Abkürzung gewöhnen. Was genau in diesem Gebäude, einer ehemaligen Schule gearbeitet wird, das müssen die Astrophysiker noch unter sich ausmachen. Die Leute aus Tenerife werden sicher aufpassen, die Zügel nicht ganz aus der Hand zu geben und wir auf La Palma werden bemüht sein, so viel wie möglich hier unabhängig arbeiten zu können. Die Zeichen stehen pro La Palma. Wenn die Technik so will, nimmt das weltgrößte optische Spiegelteleskop nächstes Jahr auf unserem Berg seinen Dienst auf und nicht auf Tenerife. Das "Grantecan", so heißt das wissenschaftliche Monstrum kann auch von La Palma aus gelenkt werden, es wäre auch wirklich unpraktisch, das Teleskop hier zu haben und wenn es um die Verwaltung und Öffentlichkeitsarbeit geht, immer nach Tenerife fliegen zu müssen. Sicher ist eins, Kompetenzgerangel ist auch unter Astrophysikern keine Seltenheit, aber um rangeln zu können, muss man erst mal ein Bein auf dem Boden haben und das haben wir jetzt.



Dienstag 26.07.05 - 18:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 24 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 66% Luftdruck 1019 hPa

Die drei wilden Weiber aus El Paso sind wieder da

Etwas anderes fällt mir heute nicht ein, die Frauen sind wieder da und haben sofort vom Haus erneut Besitz ergriffen. Die Koffer sind über die Terrasse ausgebreitet und man erwartet von mir jetzt ein Oh und Ah bei jedem weiteren Schatz, den die Damen aus ihren Koffern kramen. Ich bin milde und füge mich. Ich werde nicht darauf eingehen, dass ich heute Vormittag 4 Stunden die Bude gewienert habe und meine Töchter mich angemahnt haben, ich hätte wenigstens ein bisschen sauber machen können. - Bereits auf der Fahrt vom Flughafen hier her, stopfte mir meine Frau mehrere Landjäger in den Mund, die hatte sie in weiser Voraussicht in ihre Handtasche gesteckt. Ich muss immer so schlecht, dünn und leidend aussehen wenn die aus ihrem Urlaub zurück kommen, dass erste Sofortmaßnahmen noch während der Autofahrt angezeigt sind. Die Waschmaschine läuft bereits, der Kater bekommt Platzangst zwischen den plötzlich so vielen und Energie geladenen Menschen und ich träume den Traum von einem gedeckten Tisch. Es ist alles wieder in Ordnung, Paul und ich haben die 3 Wochen mit relativ geringen Sach- und Mentalschäden überstanden und ab morgen gibt es wieder vernünftige Nachrichten. Versprochen.


Reiche Gaben aus dem Abendland




Dienstag 26.07.05 - 09:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 20 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 66% Luftdruck 1020 hPa

Ich hab die Waschmaschine wieder gefunden!

Jetzt, wo es nur noch ein paar lächerliche Stunden sind, bis ich meine drei Frauen und die siebzehn Koffer vom Flughafen abholen darf, ist endlich mein Gewissen wieder rein. Das darf ich nicht bringen, die kommen zurück und die Waschmaschine ist nicht mehr zu finden. Das hätte einen tiefen Vertrauensbruch zur Folge gehabt, aber mein Instinkt hat mich doch noch auf die richtige Fährte gelockt. Instinkt kommt bekanntermaßen von stinken und einmal diesen Gedanken aufgenommen und folgend, war es lediglich eine Arbeit von einer halben Stunde, die Wäscheberge so weit aus dem Badezimmer zu entfernen, dass zumindest ein optischer Zugang zu dem weißen Stück Glückseligkeit meiner Frau entsteht. Ein bisschen Schuld hat meine Frau da auch, sagt sie mir doch immer, da gehört die schmutzige Wäsche hin und nicht flächendeckend auf die Terrasse. Immerhin, das kann ich zu meiner Bewährung sagen, da war ich doch mal gehörig.

Es sind noch ein paar weitere kleine Retuschen fällig bevor meine drei Frauen diesen Haushalt wieder vor und nachhaltig übernehmen können. Das Leergut habe ich hinter die Bougainvillea gestellt, geht man schnell daran vorüber, wird man die 21 Kästen nicht sofort entdecken. Sie wissen doch, "You will never get a second chance for a first depression" (oder war das impression?) macht nichts, kein Mensch hier auf La Palma spricht französisch. Aber immerhin weiß ich wie man Bougainvillea schreibt und dieser strategische Vorteil hilft mir vielleicht auch bei meinem nächsten, dezenten Problem. Wenn ich ganz viel und ganz schnell rede, was eigentlich kein Problem sein sollte, dann kann ich sie vielleicht rennend an den vielen Blumentöpfen vorbeilocken, deren Haupthaar so dicht aussieht wie meines. Wenn Sie das jetzt nicht verstanden haben, in meinem Sprachgebrauch ist das Haupthaar eines Blumentopfes die Blume selbst, etwa seit dem mir ganz persönlich nur noch der Blumentopf geblieben ist. Weiter erkläre ich das jetzt nicht, wer es jetzt immer noch nicht versteht, soll Focus lesen.

Gut, da waren so ein paar seltene Exemplare dabei wie die grünbeinige Isotopia, der fliedrige Anarchus proletensis und der wirklich nur ganz seltene Ficus auris. Das verstehen Sie jetzt schon wieder nicht, dazu sagt Frau Hohlmeier immer, Grundschule in Bayern ist wie Abitur in Bremen. Auris heißt Ohr und Ficus heißt Feige. - Schade, dass wir in den nächsten Jahren keine Gäste mehr aus Bremen begrüßen dürfen und ich werde, ab jetzt beginnend, nicht mehr die italienische Stadt mit dem schiefen Brunnen erwähnen. Das haben alle sofort verstanden, obwohl es falsch ist und genau darum mache ich mir über Deutschland so meine Gedanken.

Kurzer Mittelstint, das verstehen jetzt wieder nur die Kerpener und schon geht es zum traditionellen Finale meiner hilflosen Versuche mit der Außenwelt Kontakt zu halten. - Dem Kater geht es gut, er hat inzwischen die Geschäfte übernommen und kümmert sich um das Fortkommen der Firma. Vielleicht ist es ein paar Leuten aufgefallen, dass in unserer Webseite die Währung von Euro auf 400 Gramm Dosen Whiskas umgeschrieben wurde, aber sonst macht er das ganz gut. Da kommt so einiges zusammen an Dosen und wenn ich die Eigentümer der Ferienwohnungen davon im Selbstversuch überzeugen kann, dass das Zeug mit ein bisschen Mojo verrührt, auch nicht schlechter schmeckt als "Ropa Vieja" im Restaurant "Tätäträ", dann darf er seine Arbeit vielleicht auch weiter machen. Er hat jetzt auch bereits die ersten Fahrstunden genommen und sich gerne bereit erklärt, mich in den frühen Abendstunden nach El Paso City zu fahren und zu gegebener Zeit auch wieder auf der Ladefläche nach Hause zu transportieren. Die Ausnahmegenehmigung um hilflose Personen liegend transportieren zu dürfen hat das Vieh auch schon beantragt, ich glaub da wächst ein echter Freund heran. Das ist auch der einzige Punkt der mir Angst macht, wenn meine Frauen heute zurückkommen und morgen der Kater im Sitzen pinkelt, dann habe ich ein Problem. - Sie sind sehr aufmerksam und glauben Kater pinkeln immer im Sitzen, das kann sein, aber nicht alle. Ich habe Paul so einiges beibringen können, was ihm später im Leben mal wirklich weiterhelfen kann.



Montag 25.07.05 - 17:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 25 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 62% Luftdruck 1020 hPa

Der Stolz der Flotte

Nimmt man noch die kleine Meldung von heute Morgen mit dazu, dann spürt man mal wieder ganz drastisch, dass zu der Tatsache auf einer Insel zu leben auch gehört, immer auf die Gunst des Wetters oder der Technik angewiesen zu sein. Zugegeben, das gestern auf El Hierro war wohl weder Wetter noch Technik, aber sicher menschlich. Die Benchijigua Express, größte Schnellfähre der Welt und ganzer Stolz des kanarischen Fährverkehrs und der Reederei Olsen ist auch nicht gewappnet gegen der Detailteufel und sorgte gestern für Verspätungen im Bereich von knapp über drei Stunden. Der Anlasser der Steuerschraube am Bug des Schiffes wollte seinen Dienst nicht tun und ohne diese Lenkhilfe kann das flotte Schiff sich nicht so richtig bewegen, außer ganz schnell nach vorne. Das ist problematisch wenn eine Kaimauer vor einem liegt und der weise Kapitän musste sich so entschließen, diese Havarie im Hafen von La Gomera noch beheben zu lassen.

Das dauerte etwas mehr als drei Stunden und die Hafenanlagen auf La Gomera füllten sich genau so ungeduldig, wie auf der anderen Seite in Los Cristianos auf Tenerife. Um 16:30 sollte das Schiff von La Gomera nach Los Cristianos auf Tenerife fahren, konnte aber erst nach 19:30 abfahren. In diesem Zeitraum hätte das Schiff allerdings bereits zweimal diese Route in beiden Richtungen erledigen sollen, so dass insgesamt 2.300 Passagiere verspätet in ihre Zielhäfen gelangten. Für kurzzeitige Entlastung sorgte das Fährschiff "Bentago Express" welches von El Hierro aus nach La Gomera umdirigiert wurde, um wenigstens ein paar hundert Passagiere schneller zu befördern. La Palma, die letzten Station im täglichen Arbeitsablauf der Benchijigua Express, erreichte das Schiff schließlich gegen halb ein Uhr morgens. Bei aller Aufregung über Verspätungen und sicherlich Unannehmlichkeiten, auch auf der größten Schnellfähre der Welt kann mal was klemmen und so lange das die Ausnahme bleibt, sollten wir ruhig mal unsere "Tranquilo-Gene" wieder auspacken. Sowohl auf La Gomera, wie auch in Los Cristianos soll es zu lauten Unmutskundgebungen und kleineren Tumulten gekommen sein. Leute, wo bleibt unsere schon sprichwörtliche Gelassenheit?



Montag 25.07.05 - 08:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 21 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 60% Luftdruck 1021 hPa

Sonntags will ich ausschlafen...

...sagte sich wohl der Controller auf dem Flughafen von El Hierro und erschien einfach nicht zum Dienst. Das erste Flugzeug welches aus Tenerife kommend landen wollte, musste nun umkehren, der Ersatzmann konnte nicht so schnell gefunden werden. Das Flugzeug der Binter Canarias, eine ATR 72 hatte nicht genügend Treibstoff an Bord um darauf zu warten, dass der Ersatzmann am Flughafen eintrifft, oder der für den Dienst eingeteilte Controller doch noch auftaucht. Knappe zwei Stunden später, gegen halb elf konnte dann die Maschine ohne jegliches Problem und mit Towerunterstützung auf unserer kleinen Nachbarinsel landen.

Das ist das Problem aller kleiner Flughäfen und einer daraus logischen ganz dünnen Personaldecke. Wird da mal an entscheidender Stelle jemand krank oder es passiert weiß Ikarus welch anderes Malheur, dann entstehen solche Situationen, die man eigentlich als unmöglich wähnt. Fragwürdig ist, warum die oberste Flugverkehrskontrolle in Gando auf Gran Canaria das Flugzeug überhaupt hat starten lassen, wenn der Tower auf El Hierro nicht besetzt ist. Wir müssen jetzt aber nicht lächeln über El Hierro, ein ähnliches Missgeschick ist uns hier auch schon mal passiert. Damals war der Controller zu spät erschienen, aber die Einweiser übernahmen die Flugfeldkontrolle und meldeten freie Bahn nach Gando. So konnten drei Maschinen landen die bereits im Anflug auf La Palma waren, die anderen hielt man zurück und der kurze Zeit später erschienene Controller hatte viel zu erklären.



Sonntag 24.07.05 - 18:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 26 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 55% Luftdruck 1020 hPa

Rufer in der Wüste

Pedro Luis Cobiella ist Präsident der Asociación Hotelera y Extrahotelera (ASHOTEL), also des Verbandes der Hotels und Apartmentanlagen auf den Kanaren. Dem hört man schon mal zu wenn der was sagt, auch wenn das meist nicht für La Palma 100% anwendbar ist, da wir entgegen den großen Inseln immer noch eine andere Struktur im Tourismus haben. In seinem letzten Interview nimmt er zu den dauernden Änderungen der Branche Stellung und beklagt den großen Preisdruck welchen die Reiseveranstalter auf die Hoteliers ausüben. Die großen Reisekonzerne haben selber Rentabilitätsprobleme und versuchen diese auf die Hotels weiter zu schieben. Das Internet und damit die Möglichkeiten der Direktbuchung haben den Reiseveranstaltern schon zugesetzt und die Zahl der Pauschalarrangements nimmt weiter ab.

Nun versuchen natürlich die Veranstalter bei den Hotels und Apartments diesen Verlust auszugleichen und drohen unserer Region mit massiver Abwerbung in andere, billigere Länder. Das hat zum Teil bereits zu einem Preiskampf geführt und diese Spirale nach unten macht Pedro Luis Cobiella verständliche Sorgen. Dazu kommt noch ein großes Überangebot und viele Hoteliers werden schwach unter diesem Druck und müssen die Preise senken um weiter genügend Auslastung zu haben. Der Präsident der ASHOTEL ruft nun seine Kollegen zu mehr Mut und neuen Ideen auf, es kann nicht richtig sein, diese Entwicklung zu sehen, sich zu beklagen aber nichts dagegen zu unternehmen. Er schlägt vor, die Preise auf keinen Fall mehr weiter zu senken, weniger all inklusive Pakete anzubieten und ganz auf Qualität zu setzen. "Es gibt in unserer Branche nichts gefährlicheres, als fehlenden Mut zur Innovation" sind seine klaren Worte. Da hat er recht, billiger Urlaub machen, das können die anderen besser, aber besseren Urlaub anbieten, das sollte unser Thema sein.



Sonntag 24.07.05 - 09:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 21 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 53% Luftdruck 1019 hPa

Lüften nach der Hitze

Wie versprochen sind die Temperaturen wieder auf ein wunderbares Maß gesunken und die Luftfeuchte nähert sich langsam wieder bekannten Prozenten an. Ein kurzer aber heftiger Ausflug nach Afrika war das, Warnung und Hinweis an alle von uns, unsere besondere klimatologische Lage immer wieder neu zu begreifen. Es macht wieder Spaß die Türen zu öffnen und frische Luft ersetzt langsam die bleierne Hitze die sich in den Häusern breit gemacht hat. Ein Blick auf die Landkarte genügt, um unsere Breiten fest zu stellen und unsere Nachbarn, die nicht das Glück haben den Atlantik als Wettergeber zu haben, sondern die Sahara. Es macht mich nachdenklich, wenn Wetter und Klima über Möglichkeiten und Leben entscheiden und das Ganze zu einem Glücksspiel werden lassen, hier kannst du leben, ein paar hundert Kilometer weiter hast du Pech gehabt. Dann kommen wir und sagen, es ist deine Schuld, dass du von dort kommst und zu uns darfst du nicht, weil wir dann teilen müssten. Wir sind ein verdammt privilegiertes Stückchen Afrika und nur manchmal melden sich unsere ungeliebten Wurzeln. Türen auf, raus damit, so einfach kann das sein, wenn man auf der richtigen Seite des Ozeans wohnt.



Samstag 23.07.05 - 18:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 29 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 47% Luftdruck 1017 hPa

Die meisten Bücher für El Paso

Wenn es mal wieder darum geht meinen Lokalpatriotismus unter Beweis zu stellen, dann sind mir fast alle Mittel und Nachrichten Recht, dem kleinen El Paso eine Stelle in vorderster Linie zu geben. El Paso ist zwar flächenmäßig die größte aller Gemeinden La Palmas, aber mit der Einwohnerzahl hinken wir mit unseren 8.000, zumeist frommen Seelen den beiden "Großstädten" Santa Cruz (knapp 20.000) und Los Llanos (22.000) um einiges hinterher. El Paso ist aber immer ein rekordverdächtiger Ort gewesen, gilt gleichermaßen als kälteste wie auch heißeste Stadt, das Wetter vor 2 Tagen hat das mal wieder eindrucksvoll bewiesen. Was El Paso aber noch attraktiver macht, das sind die Parkplätze. Selbst die Leute aus Los Llanos kommen inzwischen gerne zu uns, gibt es doch in El Paso seit Jahren auch schon alles zu kaufen und kann das auch noch in Ruhe machen und in vertretbarer Nähe des eigenen Fahrzeugs. (Mehr als 100 Meter geht der einkaufswütige Palmero nicht)

Auch politisch ist El Paso eine nationale Rarität, die einzige Gemeinde in der es eine Koalition von den bürgerlichen der Partido Popular mit den Sozialisten der PSC/PSOE gibt. Das wäre so, als würden Schröder und Merkel Händchen halten und das auch noch erfolgreich. Bemerkenswert ist auch die Tatsache, dass wir freundliche Schalterbeamte auf der Post haben, lächelnde Polizisten, einen Pfarrer der Sonntag und Krieg heißt (Domingo Guerra) und einen jungen Bürgermeister der so heißt wie der Pfarrer gerne hieße, Jesús. Wie komme ich jetzt zurück zur Überschrift? Genau, es gab Geld von der Inselregierung an die Gemeinden um deren Bibliotheken zu ergänzen. Entweder haben wir es nötig, oder wir lesen mehr als alle anderen Gemeinden. Während die beiden Metropolen der Insel sich mit jeweils 4.056 Euro zufrieden geben müssen um ihren Buchbestand aufzufrischen, erhält El Paso 4.508 Euro und kann sich den neuesten Harry Potter deutlich öfter kaufen. Mich freuen selbst solche kleinen Siege und ob das eine Nachricht wert war, darüber kann man diskutieren. Viel mehr ist aber eh nicht passiert und die wichtigsten persönlichen Dinge spielen sich ja meist im ganz Kleinen ab.



Samstag 23.07.05 - 09:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 26 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 44% Luftdruck 1018 hPa

Kein Kotelett mehr in El Pilar?

Die Zentralregierung in Madrid hat im Eilverfahren ein neues Brandvorsorgegesetz erlassen, welches in den nächsten Tagen mit der Veröffentlichung im "Boletín Oficial del Estado" kurz BOE, rechtskräftig wird. Die Brandkatastrophe von Guadalajara hat zu diesem drastischen Gesetz angeregt, kein offenes Feuer mehr in Waldgebieten, auch nicht in den eigentlich gut bewachten Picknick Plätzen, hier "zonas recreativas" genannt. Rauchen darf man im Wald dann überhaupt nicht mehr und das Gesetz verbietet Kotelett und Zigarette bis zum 1. November. Die Umweltministerin Cristina Narbona weist auch darauf hin, dass in diesem Fall die Provinzregierungen kein Einspruchsrecht haben, es handelt sich um ein Ausnahmegesetz mit Übergangswirkung. Die Provinzregierungen müssen später diese Materie erneut in eigene Gesetze fassen, aber bis dahin soll kein Kotelett mehr im Wald gebraten werden.

Unsere Provinzregierung ist näher an den Leuten hier und drückt sich schon etwas vorsichtiger aus, appelliert an die Vernunft der grillwütigen Canarios. Unser höchstes Vergnügen ist ein Wochenendausflug in die berühmten "zonas recreativas", um dann im Kreis der Freunde Berge von Grillfleisch auf die dort installierten Barbecues zu werfen. Es scheint unvorstellbar, dieses Massenphänomen, Grillen im Refugio El Pilar und an den andren Stationen aus dem sommerlichen Plan zu streichen und ich bin mal ganz gespannt, ob Madrid bis in unsere Berge reicht. Es ist in der Tat verwunderlich, dass bislang noch nichts passiert ist, bei uns jedenfalls waren diese öffentlichen Grillplätze noch nie der Ausgangspunkt für einen Waldbrand. Wladimiro Rodríguez, Umweltrat von Tenerife hat zu einem Kompromiss aufgerufen und rät den Leuten, das Kotelett bereits zu Hause zu braten und dann genüsslich in der Natur zu verspeisen. Ich stelle mir das gerade mal vor, Sonntagmittag, 600 Leute braten an den reichlich 20 Feuerstellen im Refugio El Pilar das Mittagessen für ihre Familien und dann kommen zwei Polizisten und wollen höflich darauf hinweisen, dass das verboten sei. Der pure Überlebenswille würde die Polizisten mit an einen Tisch zwingen um von dem duftenden Grillgut zu kosten. Gesetz wird hier oft auch mit, "Geh setz dich doch erst mal" angewandt, kluger Hinweis für alle Ordnungshüter die einen Brief aus Madrid verlesen wollen, sei er auch noch so vernünftig wie dieser.



Freitag 22.07.05 - 18:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 35 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 41% Luftdruck 1017 hPa

Morgen Samstag, letzte Chance die Zwerge zu sehen

Eintrittskarten gibt es keine mehr, vielleicht noch mal ein paar direkt vor den Vorstellungen von findigen Straßenhändlern angeboten. Wer da nicht mitmachen will, der muss bis 1 Uhr morgens warten, dann tanzen die Zwerge auch wieder durch die Stadt und das dann auch für lau. Allerdings sollte man dabei keine Platzangst haben, wild feiernde Palmeros und zugereiste Iberer haben wenig Berührungsängste und viel Platzbedürfnis welches sich meist in heftigem Armrudern äußert. Auf jeden sichtbaren Zwerg wird mit ausgestrecktem Arm gedeutet, "mira un enano". Danke für den Hinweis und schön, dass sie Ihren Finger wieder aus meinem Gesicht nehmen, aber das ist fast schon Kollektivzwang und nur meiner deutschen Herkunft habe ich es wohl zu verdanken, dass ich nicht bei jedem Zwerg sofort die Hand nach vorne recke. Das hat in Deutschland vor 60 Jahren mal furchtbare Folgen gehabt, dieser Kollektivzwang vor einem gewissen Gnom den Arm nach vorne zu recken. Ich war zwar nicht dabei, habe es mir aber gemerkt.

Wie komme ich von unseren Zwergen zu Hitler? Auf dem Umweg über Napoleon und der hat sehr wohl was mit den Zwergen zu tun. Viele wissen das gar nicht, die Zwerge dienten ursprünglich dazu den kleinen Korsen kräftig zu veräppeln. Mit dieser "Witzfigur" von Napoleon, der Hut größer als der ganze Kerl und sich in tumben Bewegungen zu artikulieren, wollte man sich die Angst vor den Franzosen und den Kanonen ihrer Schiffe erträglicher machen. Des Öfteren erhielten die Kanaren "Besuch" von französischen Piraten mit Kaperbriefen, ausgestellt von dem kleinen und machthungrigen Eroberer. Den hiesigen Obrigkeiten gefiel unsere Art und Weise sich über Napoleon lustig zu machen und immer wenn hoher Besuch auf die Insel kam, dann führte man zur Belustigung die Zwerge vor. Das Spektakel wurde irgendwann zum Selbstläufer und seit nun einhundert Jahren ist der Zwergentanz dauernder Bestandteil der Bajada de la Virgen de Las Nieves. Die Polka nach der die Zwerge tanzen, stammt erst aus dem Jahre 1925, da hat sich also ein einstmaliger politischer Protest durch die Jahrhunderte gemogelt und heute ist es ein skurriles Tanzvergnügen.



Freitag 22.07.05 - 09:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 33 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 38% Luftdruck 1018 hPa

Der Hafen von El Paso

Da darf ist gestern Abend noch den baldigen Bau eines Hallenbades für Los Llanos abkündigen, nun kontert die Ostseite mit einem 25 Millionen Projekt, einem Yachthafen für Los Cancajos. Das stände der kleinen Tourismushochburg neben der Hauptstadt ganz gut, es muss dringend in die Zukunft dieses Ortes investiert werden. Noch ist natürlich nichts gebaut und gegessen, die Gemeinde muss das Projekt jetzt öffentlich aushängen und jeder der will kann seine Bewerbung, den Bau auszuführen, abgeben. Jeder weiß aber bei uns, dass der Zuschlag an einen bestimmten Investor und Bauherren längst in einer geduldigen Bodega beschlossen wurde, "trato hecho" sagt man dazu, ein süffisantes Grinsen und Schulterklopfen ist da immer inklusiv.

Jaime Sicilia, Bürgermeister von Breña Baja und zufälligerweise auch Tourismusrat der Insel preist dieses Projekt als "Hafen des Kolumbus" an, das mit dem Ei hätte nicht gepasst. Nach seinen wirtschaftlichen Studien haben sich die 25 Millionen in 15 Jahren bereits amortisiert und danach verdienen die Anleger richtig Geld. Das soll alles so sein, ich könnte mir keinen besseren Standort für einen Yachthafen denken als Los Cancajos. Allerdings muss erwähnt werden, dass zwei Kilometer weiter die Hauptstadt liegt und bereits einen Yachthafen hat und zwei weitere projektiert. Dazu der in Tazacorte, einen geträumt in Puerto de Naos (nicht ich, sondern der Bürgermeister von Los Llanos) das ist ganz schön viel Liegeplatz für so eine kleine Insel. Das wäre natürlich fatal für alle Investitionen, wenn man sich genau wie im Hotelsektor gegenseitig Konkurrenz machen würde und um die paar Boote buhlt, welche diese schwer zu besegelnde Insel besuchen wollen. Wie hieß das in dem Gedicht so schön, "Velera nave, que la mar surcando..." El Paso ist mal wieder ganz hinten dran und ich muss dringend mit Jesús dem Bürgermeister sprechen, wir brauchen natürlich auch einen Yachthafen, sonst geht die wirtschaftliche Zukunft an uns vorbei. Der reaktionäre Einwand, El Paso hat doch nicht mal Zugang zum Meer, ist ja fast eine Frechheit und nur dazu gedacht misepetrige Stimmung in die shareholder zu pumpen. Wenn die vielen Deutschen erst ihre Boote bei uns abstellen kommen, Volksbaureihe Hartz V, dann müssen wir alle ganz schnell rennen um nicht von dem vielen Geld erschlagen zu werden, welches dann auf die Insel prasselt. Große Zeiten stehen uns bevor und ich mag große Zeiten nicht.



Donnerstag 21.07.05 - 18:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 38 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 43% Luftdruck 1017 hPa

Hurra, Los Llanos bekommt ein Hallenbad

Das hat uns Westseitler vor zwei Jahren arg gewurmt, dass die Ostseite mit dem riesigen "Baltavida" in Breña Alta ein Hallenbad mit allen Schikanen hat und wir mit einem kleinen städtischen Freibad auskommen mussten. Es geht ja nicht um die Sommerzeit, da haben wir ein Freibad welches bis Amerika reicht, aber ich kann mich müde daran erinnern, dass es auch so was wie eine kältere Jahreszeit gibt und dann der Atlantik oftmals nicht sehr gnädig mit Badenden umgeht. Übrigens bekommt Los Llanos nicht einfach ein popeliges Hallenbad, sondern einen "parque acuático", große Prestigeobjekte brauchen auch besondere Namen.

Die Gemeinde hat jetzt den Plänen einstimmig ihre Zusage erteilt, und 5.000 Quadratmeter Land in Gemeindebesitz bei "El Jable" dafür freigegeben. Das Bad soll neben dem eigentlichen Becken auch noch begleitende Einrichtungen wie Sauna und Fitnessräume erhalten und auch von Hydrotherapie wird gesprochen. Das wird der erste Bauabschnitt sein später sollen dann noch ein Tagungsraum, ein Kindergarten und ein Hort auf dem gleichen Grundstück entstehen. Finanziert muss das Ganze, nach dem Vorbild des Baltavida auf der Ostseite, von privater Hand, die Öffentliche scheint leer zu sein. Man spricht von 4 Millionen benötigten Euro und als Endziel das Jahr 2007 für den ersten Kopfsprung. Das ist immer gewagt, solche Zeiträume zu nennen, da die Finanzierung wohl noch nicht wirklich geklärt ist, aber der Erfolg des Bades auf der Ostseite, macht sicher das Geld bei Investoren etwas lockerer. Ich finde das eine tolle Sache, da haben wir alle was davon und müssen nicht mehr bis auf die Ostseite fahren um uns auch im Winter den Badefreuden hinzugeben. Los Llanos macht sich und das ist gut so.



Donnerstag 21.07.05 - 09:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 32 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 46% Luftdruck 1018 hPa

X Internationales Musikfestival in El Paso

Schwitzen werden die Sänger und Musiker, die sich bis zum 30. Juli in El Paso treffen um das bereits zehnte internationale Musikfestival zu bestreiten. Erst zum Wochenende sollen die Temperaturen wieder unter dreißig Grad sinken, die "Casa de la Cultura", in der das Festival stattfindet, verfügt nicht über eine Klimaanlage und El Paso gilt seit jeher als heißeste Gemeinde dieser Insel. Zurück zur Musik. Der Bariton Bernd Valentin und die Sopranistin Magdalena Brännland von der Deutschen Oper in Berlin eröffnen heute Abend das Festival mit Proben ihres Könnens.

Es treten in den Tagen aber nicht nur deutsche Künstler auf, Matías de Oliveira Pinto, Cellist aus Brasilien ist genauso dabei wie der kubanische Geiger Armando Toledo Cisneros. Als Höhepunkt nennt man die Aufführung des Requiem von Johannes Brahms, welches das Symphonieorchester El Paso unter der Fremdleitung des Berliner Universitätsorchesters aufführen wird. Große Aufgaben für eine kleine Stadt mit gerade mal 8.000 Einwohnern, aber das haben wir schon öfter hinbekommen und uns bislang nicht auffällig blamiert. Neuer Programmpunkt in diesem Festival sind Matineen, in denen die Musiker ihr Wissen und Können mit anderen Künstlern und Kunstinteressierten teilen wollen.



Mittwoch 20.07.05 - 17:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 37 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 53% Luftdruck 1017 hPa

Wie kommen die Gäste zu uns

Jede Statistik muss immer mit Vorsicht betrachtet werden, viele haben Interessen darin etwas bestimmtes auszusagen. Aber man kann, trotz aller Fehlerquellen doch Trends anzeigen, wenn man immer die Statistik des gleichen Anbieters über die Jahre vergleicht. Da gibt es Interessantes vom Ministerium für Tourismus aus Madrid. Staatliche Quellen sind doch eigentlich jedes Zweifels erhaben... Nach dieser Statistik haben die kanarischen Inseln im ersten Halbjahr als Ganzes 2,4% weniger ausländische Touristen begrüßen dürfen, als im Vergleichszeitraum 2004. La Palma und Lanzarote sind dabei die einzigen Inseln welche ein Plus vorzuweisen haben. Der Rückgang ging zum großen Teil auf weniger Besucher aus England zurück, die Deutschen haben sich, trotz schwerster wirtschaftlicher Krise und Hartz 4 - 7 auf gleichen Niveau gehalten, zumindest was die Gästezahlen angeht...

Die wirklich interessanten Zahlen sind aber der große Anstieg im Bereich Ferienhäuser und Landhäuser (Turismo extrahotelero), mit einem Zuwachs von knapp über 10%. Im Buchungsverhalten gibt es auch eine signifikante Verschiebung, 17% mehr Gäste haben Spanien besucht, ohne auf ein Pauschalarrangement zurückzugreifen und stellen damit erstmalig die Mehrheit. Touristische Pakete sind im ersten Halbjahr 2005 um 7,4% zurückgegangen, Zahlen die mich wirklich überraschen. Das kann man natürlich nicht gleich deckend für La Palma anwenden. Jede Region hat auch noch seine Eigenheiten, aber dieser Trend, weniger Hotel, mehr Ferienhäuser, weniger Pakete, mehr Individualtourismus, sollte doch bei unseren Planern der Zukunft auch mal bedacht werden, ob man mit der Option Hotels auf das richtige Pferd gesetzt hat.



Mittwoch 20.07.05 - 09:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 31 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 55% Luftdruck 1017 hPa

Calima?

Was sich gestern früh bereits angekündigt hat, ist nun wenig schöne Realität. Afrika kommt uns besuchen und beschert uns Temperaturen die für uns nicht normal sind. Alles was nicht zwischen 20 und 30 Grad liegt, ist für uns nicht normal, über und unter diesen Werten frieren oder schwitzen wir halt. Die Temperatur ist nachts nicht unter die dreißig Grad Marke gerutscht und heftiger Wind, heiß und trocken, erinnert uns an die Nähe zur Sahara. Dabei ist das, was die nächsten drei bis vier Tage unser Wetter bestimmen wird eigentlich kein klassischer Calima, sondern eher die Folge eines verrutschen Azorenhochs. Echter Calima entsteht, wenn die Kanaren in das kontinentale Hoch des nordafrikanischen Kontinents mit einbezogen werden. Dann bläst der Wind aus ost - südöstlicher Richtung tonnenweise Sand aus der Sahara zu uns und wie es letztes Jahr auch geschehen ist, die gefürchteten Wüstenheuschrecken.

Nun kommt der heiße Wind aber weiter aus Nordost, das Azorenhoch hat sich im Kern bis nach Portugal verlagert und nun wird die Luft über den Maghreb geleitet bevor sie bei uns ankommt. Auf dem Weg über den afrikanischen Kontinent erwärmt sich die Luft heftig und kann auch kein Wasser aufnehmen, wie sie es sonst auf ihrem Weg über dem Atlantik macht. Echter Calima oder Betriebsunfall des Azorenhochs, die Auswirkungen sind ähnlich, der heiße und trockene Wind ist eine wirkliche Bedrohung für die Landwirtschaft und macht das Wandern in den Bergen unangenehm. Besonders in der Höhe geschieht der Luftaustausch viel schneller, je weiter man vom Ausgleich spendenden Atlantik entfernt ist, um so heißer und trockener wird es. Wir können in den nächsten Tagen nur hoffen, dass niemand bei diesem Wetter so unvernünftig ist und ein Barbecue in den Bergen veranstalten will, ein kleiner Funke und bei dieser Wetterlage brennt alles sofort. Vielleicht sind uns die schrecklichen Bilder aus Guadalajara ja Warnung genug.



Dienstag 19.07.05 - 16:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 32 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 65% Luftdruck 1016 hPa

Unbekannte Küchenmöbel

Seit Tagen frage ich mich angestrengt, was denn dieser große weiße Schrank in unserer Küche bedeutet und warum da immer ein Licht angeht, wenn ich diesen anscheinend unnützen und leeren Schrank öffne. Meine Frauen kommen in einer Woche zurück und werden es mir sicher erklären. Mein Gewicht habe ich gehalten, besser gesagt die Normabnahmegeschwindigkeit hat sich nicht weiter erhöht, drei Kilo pro Woche ist die Norm wenn meine Frauen in Urlaub gehen, also 9 Kilo weniger in drei Wochen, andere würden mich für so etwas beneiden. Ich weiß, es gibt Läden und Supermärkte, aber das ganze Angebot dort erschlägt mich derart, dass ich immer nur das absolute Überlebenspaket einkaufen kann. Bier, Zigaretten, Speck, bereits geschnitten und seit neuestem zwei Dosen Katzenfutter. Die schmecken mir auch kalt, der Speck ist natürlich für den Kater, das verwöhnte Vieh frisst das aus den Dosen nicht.

Seit einer Woche ist das Gas alle und gut, dass wir einen elektrischen Wasserkocher haben, damit kann ich mir morgens wenigstens einen Kaffee machen, Löslichen natürlich ich finde nämlich die Küchenschere nicht mehr und nun bekomme ich die Beutel mit dem Pulverkaffee nicht mehr auf. Eigentlich trinke ich Kaffee gerne mit Milch und Zucker, aber diese luxuriösen Zutaten finde ich einfach nicht. Es tut mir schon weh, dass ich meiner Frau recht geben muss wenn sie sagt, du findest einfach gar nichts. (Darauf antworte ich sonst immer, stimmt nicht, schließlich habe ich dich gefunden, aber das hört sich ja nach zwei harten Wochen bereits wie Nostalgie an.) Ob die Waschmaschine noch geht, kann ich nicht sagen, ich finde sie einfach nicht mehr und mache dafür Clement mit ihrem Klamottenladen glücklich, in dem ich alle zwei Tage eine neue Garnitur kaufe. Das wäre aber auch mit Waschmaschine notwendig geworden, meine alten Hosen passen längst nicht mehr. Bei Clement kann ich noch anschreiben lassen, meine Geldbörse ist seit Tagen nicht mehr auffindbar und ich erinnere mich einfach nicht daran, auf welcher Bank ich ein Konto habe. Es ist mir zu peinlich in alle Banken zu spazieren und überall zu fragen, ob ich zufälliger Weise diesem noblen Kreditinstitut mal mein Geld geliehen habe und ob sie mir davon was zurückgeben könnten.

Meine Arbeit erledige ich nach wie vor gewissenhaft, immer wenn ich das Büro mal finde beantworte ich auch die Anfragen und andere Korrespondenz. Manche Anfragen sind bestimmt von meiner Frau inkognito verfasst um meinen Arbeitswillen ein bisschen zu überwachen. Es war eine gute Idee meiner Frau das Passwort für den Computer oben auf den Monitor zu schreiben, die kann so was von strategisch denken, das macht mich immer ganz kribbelig. Die versucht auch nie die Schuhe vor der Hose anzuziehen, ich komm da immer durcheinander, beim Anziehen erst die Hose und beim Ausziehen erst die Schuhe, das ist aber doch wirklich verwirrend. Es gibt aber auch schöne Dinge zu berichten, heute habe ich den Briefkasten aufgebrochen, den Schlüssel - fragen Sie nicht. Darin fand ich neben der Küchenschere, den üblichen Rechnungen mit denen ich immer das Katzenklo auskleide auch zwei Postkarten meiner Kinder. Mir wurde ganz warm ums Herz, da steht erst mein Name und dann erst der des Katers Paul. So einfach kann man mich glücklich und zufrieden machen, ich stehe in der Rangordnung doch noch über dem Tier. Der sieht das anders, kann aber nicht lesen und so behalte ich das PS (Te quiero mucho Papi) ganz für mich alleine.


Überlebenspaket Paul und Mathias




Dienstag 19.07.05 - 08:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 22 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 70% Luftdruck 1016 hPa

Mehr Touristen, weniger Geld

Es ist schwierig, wirkliche Zahlen der touristischen Entwicklung dieser Insel zu erhalten. Zu häufig wollen interessierte Stellen "Ihre" Zahlen anpreisen, man redet Auslastungen herbei, die vom klaren Scheitern des Versuches ablenken sollen, La Palma in die gleiche Angebotsschiene zu bringen, wie auf Tenerife oder Gran Canaria. Ganz nüchterne und brauchbare Zahlen liefert immer die "Aena", das ist der öffentliche Betreiber aller spanischer Flughäfen und die "Fundación La Caixa", die Wirtschaftsanalysen für ganz Spanien anbietet. Nach deren Fazit hat La Palma zwar in den ersten Monaten dieses Jahres mehr Touristen beherbergt, aber weniger daran verdient als noch im Vorjahr.

Auch die Flughafengesellschaft bestätigt eine Zunahme der Zahl der Reisenden, da ist La Palma übrigens die einzige Kanareninsel mit einem Plus vor einer Zahl. Dagegen steht aber eine Minderung in der Wertschöpfung, die "Fundación La Caixa" benutzt dazu eine Skala, welche z.B. Tenerife den Wert 7.385 zuweist und Gran Canaria 9.166. La Palma steht in dieser Wertung bei 298, das fände ich nicht weiter schlimm, aber dass wir vor einem Jahr noch bei 311 Punkten waren und nun trotz mehr Gästen abgerutscht sind, das macht nachdenklich. Die Kehrseite der Medaille, dass man mit mehr Gästen nicht unbedingt mehr Geld verdienen muss, ist inzwischen auch bei den Lenkern der touristischen Zukunft dieser Insel angekommen. Antonio Sosa, Chef des "CIT" (Zentrum für touristische Initiativen) erklärt das mit der Zunahme von Billigangeboten, 20% mehr Betten innerhalb eines Jahres schaffen natürlich ein präsentes Überangebot und damit freie Bahn für die Reiseveranstalter die Preise zu drücken. Lustig ist nun aber der Salto vorwärts den Antonio Sosa macht. Trotz der messerscharfen Analyse, mehr Sonderangebote - weniger Geld, möchte er noch schneller die Angleichung des touristischen Angebotes an die anderen Inseln. Golfplätze, Freizeitparks und mehr touristische Infrastruktur stehen weiterhin auf seinem Wunschzettel. Einer von uns beiden hat die Marktwirtschaft nicht begriffen und für La Palma hoffe ich sehr, dass ich es bin der sich irrt.



Montag 18.07.05 - 17:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 28 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 71% Luftdruck 1018 hPa

Das Gedicht im Ganzen

Nach mehreren Anfrage interessierter Leute, die das ganze Gedicht des Dialoges zwischen Festung und Schiff haben wollte, hier nun die kleine Fleißarbeit. Der Text stammt von dem Poeten Antonio Rodríguez López aus dem Jahr 1875. Seit 1885 wird der Text so wie in der nachfolgenden Version alle 5 Jahre bei der Bajada vorgetragen. Es wäre grausam, den Text ins Deutsche zu stümmeln. Ein mehr als hundert Jahre altes Gedicht aus dem Spanischen in dieses unkompatible Deutsch, das kann ich nicht ohne zu viel Reibungsverlust. Da würden alle Blumen der Sprache aus dem Text purzeln, deshalb nur eine kleine Inhaltsangabe.

Eine Karavelle fährt vor die Küste La Palmas und wird von der Festung aus aufgefordert, seinen Namen und Ziel zu verkünden. Das Schiff will erst nicht mit dem Namen rausrücken und dem Ziel und wirbt damit, kostbare und wichtige Fracht an Bord zu haben. Die Burg droht damit das Schiff zu versenken, wenn es den Namen nicht preisgibt. Darauf hin erzählt das Schiff, es hieße "Estrella de los Mares" (Stern der Meere) und käme aus dem Orient und brächte viele Wunder, viele schöne Dinge und auch die Jungfrau María von dort her. Die Fracht, welche das Schiff aufzählt sind unter anderem; Die Rose von Jericho, die Lilie aus Palästina, die Zeder aus dem Libanon und die Olivenbäume aus Zypern. Darauf hin kommt von der Burg anstatt der grausamen Kugeln der Kanonen ein Salut von 21 Schüssen und die Feststellung, das ist das Schiff von María. La Palma kommt übrigens in dem Text nur als kaum erkennbares Adjektiv vor. "Puerto palmesano" = Palmerischer Hafen und "palmesana orilla" = Palmerische Küste. Ich habe mir sagen lassen, das hat nichts mit geriebenen Käse zu tun und in der Poesie darf man das so schreiben. Soll mir recht sein.

Castillo:

Velera nave, que la mar surcando,
A este fuerte te vienes acercando;
No prosigas tu rápido camino
Sin decirme tu nombre y tu destino.

Nave:

Castillo altivo detener no quiera
Mi rumbo hacia el Oriente tu voz fiera;
A ella, mi marcha sin parar, respondo
Y que a mi bordo una Doncella Pura
Conduzco de simpática hermosura,
En cuyo corazón sacro y divino
Da la raza de Adán nació el destino.

Castillo:

No con palabras sin sentido y vagas
Mi intimación severa satisfagas,
Tu nombre dí, bajel desconocido,
Y sea tu derrotero compprendido.
O tu hundirás en la mar junto á ese cayo
De mis cañones de certero rayo.

Nave:

Tu furia enfrena, y tus bronces rudos
Conviértanse los rayos en saludos,
Y porque el rumbo de mi viaje ampares,
Yo me llamo la Estrella de los Mares.
Vengo de aquellos sacros litorales
Donde reinan las nieves inmortales;
Cuya helada región alumbra y dora
Nueva celeste boreal aurora.
Traigo a mi bordo al puerto palmesano,
Un tesoro sagrado y soberano,
Traigo de Jericó la pura Rosa,
De Palestina la Azucena hermosa;
Traigo el Cedro en el Líbano arraigado,
Y el Olivo pacifico y sagrado
Traigo el alto Ciprés, la Vid pomposa
De la región de Engadi deliciosa;
La oriental Perla, el arabesco aroma
Y de Sión la cándida Paloma;
Cuyo tesoro el cielo me confía,
Pues soy la sacra Nave de María.

Castillo:

Salve Nave feliz! Surque tu quilla
El mar que baña la palmesana orilla,
Y mensajera de sin par ventura
El áncora en sus playas asegura,
Mientras mi pabellón rinde homenaje
A tu grandeza y deseado viaje.
Y el eco de mi fuerte artillería
Hace salva a la Nave de María.





Montag 18.07.05 - 09:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 20 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 73% Luftdruck 1018 hPa

Dialogfähig

Es gibt wohl wenig Regionen auf der Welt in der Schiffe sprechen, noch weniger in der Festungen auch sprechen und wenn es dann noch einen gereimten Dialog zwischen der Festung und dem ankommenden Schiff gibt, dann ist man auf La Palma. "El Diálogo entre el Castillo y la Nave" ist ein weiterer Höhepunkt unserer nicht enden wollenden Festivitäten zu Ehren der heiligen Jungfrau vom Schnee, welche uns mal vor einer Dürreperiode gerettet hat. Seit 1875 ist dieses Gespräch zwischen Schiff und Festung dauernder Bestandteil der Feierlichkeiten und lockt Zehntausende bereits in den Vormittagsstunden in die Hauptstadt.

Auf dem zweiten Teil der Prozession in die Hauptstadt, von La Encarnación bis zum endgültigen Standort der Kirche El Salvador, kommt die Jungfrau auch am Schiff vorbei, welches am nördlichen Ende der Plaza La Alameda steht. Das Schiff ist an diesem Tag mit Besatzung versehen und hat stolze Segel gesetzt, als wolle es sich aus seinem Betonsockel losreißen können. Die Festung unterbricht die Prozession mit einem plötzlichen Warnruf:

Velera Nave, que la mar surcando
a este fuerte te vienes acercando.
No prosigas tu rápido camino
sin decirme tu nombre y tu destino.

"Segelschiff, welches das Meer durchpflügt und sich dieser Festung nähert, setz deinen Weg nicht fort, ohne mir deinen Namen und deinen Kurs zu nennen." - Das könnte jetzt ins Auge gehen, denn von der Festung aus sind dicke Kanonen auf das Schiff gerichtet.

Das Schiff antwortet aber schließlich:

Castillo altivo detener no quiera
mi rumbo hacia el Oriente tu voz fiera;
A ella, mi marcha sin parar respondo,
que altos misterios en mi viaje escondo,
y que a mi bordo una Doncella Pura
conuzco de simpática hermosura.

"Hohe Festung, ich will aber meinen Weg aus dem Orient nicht wegen deiner wütenden Stimme aufgeben. Ich antworte dir aber, ohne meine Fahrt zu stoppen. Ich sage dir, dass ich an Bord hohe Geheimnisse verstecke und eine reine Jungfrau von lieblicher Sympathie." - Endlich kann das Schiff die Festung überreden nicht zu schießen, die geheimnisvolle "Fracht" ist schließlich die Maria und vieles mehr aus dem Morgenland. Wir müssen jetzt die Geschichte nicht umschreiben, weil Maria plötzlich im Atlantik gesichtet wurde, aber wenn Schiffe mit Burgen reden und die Jahrtausende plötzlich parallel ablaufen, dann kann man ein bisschen der Magie dieser Insel spüren.



Sonntag 17.07.05 - 17:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 28 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 72% Luftdruck 1019 hPa

Zum Schutz der reinen Rasse...

Wer diese Nachrichten nicht das erste Mal liest, der kennt die Vokabeln endemisch und autochthon ja schon, alle anderen müssen jetzt den Duden bemühen. Es soll keineswegs arrogant wirken, wenn diese Fremdwörter hier des Öfteren erscheinen, aber wie übersetzen Sie denn endemismo und autóctono, Worte die uns hier täglich begegnen. Als kleine Insel, als abgeschlossener Bereich, der gerne und notgedrungen sein eigenes Süppchen kocht blickt man sehr genau auf alles was von draußen kommt und hier rein will. Dazu kommt auch noch, dass selbst die politische Fremdbestimmung noch nicht lange vorbei ist, zu viele erinnern sich noch an die Zeiten vor der großen Autonomiebewegung Spaniens, da hatten wir nichts zu sagen und wurden aus Madrid regiert. Ich will das vorausschicken um Menschen, die nicht Insulaner sind und längst den multikulturellen Geist als Credo in sich tragen, es leichter zu machen unsere manchmal schrulligen Versuche der Selbstfindung zu verstehen.

In Garafía, genauer in San Antonio del Monte, wo auch der berühmte Viehmarkt jedes Jahr stattfindet, entsteht nun eine Zuchtstation für autochthone Nutztiere. Es gibt sie wirklich, Kühe der "Raza Palmera", genau so wie Ziegen und Schafe. Dazu kommt noch das kanarische schwarze Schwein, das gibt es allerdings auch auf den anderen Kanareninseln. Es wäre nun müßig sich über den Sinn und Unsinn der Notwendigkeit zu unterhalten, ob es denn wichtig ist, diese Rassen zu erhalten. Bei den Kühen ist es sogar so, dass unsere Rindviecher weniger Milch geben und langsamer Fleisch ansetzen als moderne Hochleistungskühe. Unsere Rasse ist dadurch entstanden, dass sie sich an den Futtermangel der hier herrschte und an unsere klimatologischen Bedingungen angepasst hat. So formte sich über Jahrhunderte eine eigene Rasse, die es so und in dieser Form sonst nirgendwo auf der Welt gibt. Da Kühe nicht schwimmend den Atlantik überqueren können, erhielt sich diese Rasse ganz automatisch, durch Inzucht, wenn man so will. Erst in den letzten Jahrzehnten brachte man aus wirtschaftlichen Gründen neue Rassen auf die Insel, eine Kuh oder Ziege, die mehr Milch gibt und mehr und schneller Fleisch ansetzt, ist auch für unsere Bauern eine Versuchung.

Den Tieren selbst ist es ja grundsätzlich egal, welcher Rasse sie angehören und das ist nun auch gleich das Problem. In Herden, in denen z.B. Ziegen der "Raza Palmera" gemeinsam mit Ziegen anderer Rassen gehalten werden, ist es nicht zu verhindern, dass diese Ziegen sich gegen den "Geist der reinen Rasse" fortpflanzen. So entstanden im Lauf der Zeit völlig neue Mischlingstypen und ließe man der Natur seinen freien Lauf, dann gibt es in wenigen Generationen die ursprüngliche Rasse nicht mehr. Viele Bauern sind da schon aufmerksam und versuchen, mehr aus Nostalgie als aus wirtschaftlichen Gründen, die Rassen getrennt zu halten. Die Inselregierung hält es aber doch für besser und sicherer, die reine Rasse nun in die eigene Verantwortung zu nehmen und dazu soll die Zuchtstation in Garafía dienen. So entsteht in dem Bauernhof dort wieder etwas, wogegen die Menschheit an sich, immer gekämpft hat, Rassentrennung. - Unbestätigten Berichten zu Folge soll man vor dem Bauernhof bereits Ansammlungen von unreinen Ziegen angetroffen haben, die lautstark "Apartheid nein Danke" über die Zäune meckerten.


Raza Palmera, so sieht sie aus, unsere Kuh

Raza Palmera, da sind wir alle gleich



Sonntag 17.07.05 - 09:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 20 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 74% Luftdruck 1021 hPa

Die Jungfrau kommt

Nach all den vielen Spektakeln und Rahmenprogrammen naht jetzt endlich der religiöse Höhepunkt der Bajada de la Virgen de Las Nieves, sie kommt wirklich in die Stadt. Aber das auch nicht auf einmal, gestern begleiteten mehr als 40.000 Menschen die Statue von der Wallfahrtskirche in Las Nieves bis zum Tempel "La Encarnación". Dort bleibt die Staute eine Nacht und heute geht es in einer Prozession durch die Stadt weiter, um dann bis zum 5. August in der Kirche "Matriz de El Salvador" im Zentrum der Hauptstadt zu verweilen. Das geht nun seit 1676 immer nach dem gleichen Abläufen, alle 5 Jahre. Spötter meinen nun, bis die Jungfrau wirklich kommt, braucht man Wochen der Feierlichkeiten vorher, als religiöses Vorspiel sozusagen.

Verlassen wir diese blasphemische Richtung, sonst verwandelt sich das Papstbier noch in Wasser oder gar Säure, manchmal sind wir Katholiken nicht besonders humorvoll, deshalb heißt es ja auch Heidenspaß. Den hatten wir die ganzen Wochen vorher mit Konzerten, Umzügen, Tänzen von Zwergen und Riesen und gemeinem Fußvolk bis in die Morgenstunden. Es ist aber gerade auch das wunderbare an dieser Art von kirchlich und weltlichem Gesamtkunstwerk des Feierns, man nimmt religiöse Hintergründe zum Anlass und setzt mit sehr weltlichen Spektakeln Akzente. Das ist nichts für Puristen irgendwelcher reiner Lehren und manchmal verliert man schon ein bisschen den Überblick, was ist nun der Höhepunkt der Feierlichkeiten und warum machen wir das Ganze. Das ist aber nicht schlimm und macht unseren, sehr pragmatisch angewandten Katholizismus, plötzlich zu einer weltoffenen Angelegenheit.



Samstag 16.07.05 - 19:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 28 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 73% Luftdruck 1021 hPa

Warum gibt es hier eigentlich keine Sommergewitter?

Das ist wirkliche eines der wenigen Dinge, die ich aus meiner ursprünglichen bayrischen Heimat vermisse. Da gibt es im Sommer regelmäßig nach heißen Tagen eine kräftige Abkühlung mit Blitz und Donner, das gehört einfach dazu. Auch wenn manchmal so ein Gewitter zum Unwetter ausarten kann, das hat was reinigendes und ich wünschte mir eine solche Funktion auch hier für La Palma. Geht aber nicht, uns fehlt die Landmasse um so große Temperaturunterschiede in den Luftschichten zu erzeugen, die mit anderen Faktoren wie starke Verdunstung notwendig sind, die mächtigen Kumulus zu erzeugen, aus denen dann die Gewitter ihre Wasserfracht wieder mit Blitz und Donner entlassen. Der Atlantik sorgt für Temperaturausgleich rund um die Kanaren und verhindert so die Wärme, oder Sommergewitter.

Positiver Nebeneffekt so eines Sommergewitters wäre ja auch die Wasserfracht, die dann auf den Boden niedergeht, aber bei uns auf der Westseite regnet es die 6 Sommermonate lang eigentlich nie. Unsere Vegetation hat sich aber daran gewöhnt, sieht man von Kulturpflanzen ab, die natürlich bewässert werden müssen. Diese Wetterstabilität hat manchmal etwas Langweiliges, jeden Tag gutes Wetter verwöhnt derart, dass wir im Winter bei tagsüber unter 20 Grad schon wieder frieren. Viele Stammgäste und Freunde fragen uns immer, was sie uns mitbringen sollen aus Deutschland. Da werde ich in Zukunft mal ein Sommergewitter mit auf die Wunschliste bringen und nicht immer nur Papstbier, Leberknödel, Backerbsen, Hofpfisterbrot, Hallorenkugeln und so weiter.



Samstag 16.07.05 - 09:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 22 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 73% Luftdruck 1019 hPa

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein

Es wurde wieder mal kein Huhn in Tijarafe überfahren, das Wetter ist gut wie immer im Sommer, ich will nicht jeden Tag über die Bajada schreiben, also muss mal wieder in den Tiefen der Statistiken gegraben werden und da findet sich immer etwas Berichtenswertes. Die kanarischen Inseln sind die beiden Provinzen Spaniens mit dem geringsten Brotkonsum, alle anderen Spanier essen viel mehr Brot. Im europäischen Vergleich sind wir mit 145 Gramm Brot täglich sogar weit abgeschlagen, die Deutschen verzehren etwa doppelt so viel Brot wie wir.

Woran liegt das, unser Brot schmeckt doch nicht schlecht, aber die Essgewohnheiten haben sich stark verändert. Brot muss nicht mehr als Sattmacher fungieren, ganz nach dem Motto, wenn ich Fleisch habe, dann brauche ich kein Brot mehr. Soooo viel Fleisch, sooo viel Kartoffeln, soo viel Nachtisch und so wenig Brot, das ist längst Standardmenü bei uns. In den Restaurants wird man häufig bereits gefragt, ob man überhaupt noch Brot zum Essen haben will. Da wir nicht die Brotvielfalt haben wie zum Beispiel in Deutschland, ist der Einsatzbereich dieser Backwaren auch beschränkt auf die klassischen Varianten, als Sättigungsbeilage und Soßenaufnahmemedium zum Essen und als Haltevorrichtung von Wurst und Käse für das morgendliche Bocadillo. Dieses Wort heißt übersetzt "Mündling" und ist unsere Antwort auf Bemme, Stulle oder Wurstbrot. Irgendwie hat Brot hier nicht den Stellenwert wie in Mitteleuropa und dazu kommt noch der gnadenlose Ruf als Dickmacher. Ich hab das öfter mal beobachtet, da bestellen sich die Leute drei Koteletts hintereinander und Pommes in Bergen dazu, das angebotene Brot lehnen sie aber ab, wegen der Kalorien. Unser täglich Kotelett gib uns heute und morgen und übermorgen.



Freitag 15.07.05 - 15:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 28 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 71% Luftdruck 1019 hPa

Ab Montag ist Puntagorda "drin"

La Palma Digital heißt ein ambitiöses Projekt, über welches bislang viel geredet und polemisiert wurde und wenig Greifbares herausgekommen ist. Geredet hat man über die Möglichkeiten, polemisiert über das Geld, mal war ein Haushalt vorhanden, mal nicht. Ziel von La Palma Digital ist es, die Insel und allen Einwohnern den Zugang zur Technik dieses Jahrtausends zugängig zu machen. Einmal soll es irgendwann (vor oder nach dem Vulkanausbruch?) überall auf der Insel Zugang zu Breitbandtechnik geben, entweder per Telefonkabel und dort, wo die Telefonica sich weigert diese Leitungen zur Verfügung zu stellen, will man kabellose Hotspots errichten. Kaum zu glauben, aber in vielen ländlichen Teilen der Insel wird ADSL noch lange ein Traum bleiben, die Telefonica hat kein Interesse daran, diese Technik in dünn besiedelten Regionen anzubieten.

Wer sich aber keinen Rechner zu Hause aufstellen will oder kann, auch der soll in öffentlichen Räumen Zugang zum WWW erhalten. Puntagorda ist jetzt die erste Gemeinde der Insel die heute 2 öffentliche Datentankstellen eröffnet, allerdings darf das Publikum erst ab Montag an die Tasten. Eines dieser Zentren wird im Kulturhaus im Ortsteil El Pinar untergebracht, ein zweites in der alten Schule von El Roque. In beiden Anlagen stehen je 10 Rechner zur Verfügung mit schnellen ADSL Leitungen, die leider immer nur in den Abendstunden benutzt werden dürfen. Das ist eine Kostenfrage, man traut sich nicht, die Rechner ohne Aufsicht benutzen zu lassen und die Gemeinde hat nur Geld für zwei Halbtagsjobs. Hauptaufgabe der beiden Aufsichten wird wohl sein, die vielen Jugendlichen irgendwann wieder aus der virtuellen Realität zurückzuholen, wenn die stundelang am Daddeln sind. Für viele ältere Leute ist das Internet hier immer noch Teufelszeug, wenn ich mit meinem Nachbarn Antonio darüber rede, dann bekreuzigt er sich immer und auch mein Hinweis, dass selbst der Vatikan eine Webseite hat, fruchtet nicht. Es ist noch ein weiter Weg in die digitale Welt auf La Palma, aber immerhin, Puntagorda ist drin.



Freitag 15.07.05 - 09:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 21 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 73% Luftdruck 1020 hPa

Gibt es ein Leben nach dem Zwergentanz?

Nach Höhepunkten soll man sich so schnell wie möglich wieder auf die Beine stellen, ich weiß, das fällt schwer, besonders wenn man fünf Jahre lang auf eine Nacht hin geprobt und gelebt hat. Je nach Zeitung, Interessenlage und Betrachtung, waren zwischen 30.000 und 80.000 Menschen gestern in Santa Cruz. Vielleicht drückt die erste Zahl gleichzeitig aus und die zweite Angabe, die Gesamtanzahl der Besucher, die den Tag über und die unendliche Nacht lang unsere Hauptstadt besucht haben. Mit Zahlen und Fakten sind wir nicht so gut, ich hab auch nicht nachgezählt, kann aber mit Sicherheit sagen, dass mindestens hundert Menschen gestern Abend noch in El Paso waren. Das sind die hart gesottenen Zwergenverweigerer oder die armen Leute, die heute Früh um 7 bereits wieder die Maurerkelle in der Hand haben mussten.

Die Hauptstadt kann aber nur kurz durchatmen, die Bajada kennt keinen Ruhetag und nun muss der Rhythmus erneut gefunden werden. Das ist jedes Mal ein kleiner Knacks, nach dem Zwergentanz scheint für viele die Bajada schon vorbei, dabei ist die Jungfrau, um die es eigentlich geht noch nicht mal in der Stadt angekommen. Auch wenn es schwer fällt und der Kopf noch einen Meter hinter dem Körper schwebt, da muss man durch, zumindest als Hauptstädter. Wir von der Westseite haben ja das Glück, ein ganzes Gebirgsmassiv zwischen unserem Ruhebedürfnis und der Bajada liegen zu haben. Dafür sind wir aber auch nur Zaungäste und werden die Magie dieser Veranstaltung vielleicht verstehen, nie aber leben können. Gut, dass das nur alle fünf Jahre stattfindet und dazwischen kurz so etwas wie der Alltag durchscheint.



Donnerstag 14.07.05 - 17:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 27 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 73% Luftdruck 1019 hPa

Der Papst ist zollfrei

Seit Tagen schon liegt ein Benachrichtigungszettel des Postzollamtes vor mir und bereitet mir Sorgen. Erst wusste ich gar nicht, um was es sich da handelt und ein Paket vom Postzollamt in Santa Cruz abzuholen ist ein Graus. Nie bekommt man einen Parkplatz in der Nähe, das Paket wird immer durchwühlt und man kommt sich vor wie ein Delinquent. Nun habe ich aber erfahren, dass es sich bei dem Paket und einen Kasten Papst-Bier handelt, welchen die Forums-Chefs auf den weiten Weg nach La Palma geschickt haben. Heute war der einzige Tag, an dem ich vormittags Zeit habe, denn die gestrenge Dame vom Zoll ist nur ein Stündchen da, laut Papier von 10.00 bis 11:00 Uhr. Doppelter Graus, auch wenn der Zwergentanz erst heute Abend beginnt, ist die Hauptstadt doch schon voller Leute und ich wollte den Kasten Bier nicht unbedingt mehrere Kilometer weit schleppen.

Ich hatte Glück, am Tunnel vor Santa Cruz konnte ich meinen Kleinwagen von 5,08 Meter Länge in eine erlaubte Parklücke stecken, von dort aus sind es nur noch an die 1.200 Meter bis zum Postamt. Im Moment wird jeder und alles aufgeschrieben und auch falsch Parken kostet 63,- Euro. Ich war natürlich um 10:01 auf der Post, aber die Dame vom Amt hat mich wieder weggeschickt, freundlich allerdings und mir gesagt, vor viertel vor 11 brauche ich gar nicht wiederkommen, die vom Zoll sind noch nicht da. Ich laufe unheimlich gerne durch die Hauptstadt, die sich gerade im Ausnahmezustand befindet. Lauter fremde Gesichter, Godos, Guiris, Canariones und schlimmeres versperrt einem den Weg und man hüpft von einer Straßenseite auf die andere, um nicht auf jedem Familienphoto mit drauf zu sein, welches in einer Woche die iberische Halbinsel schmückt. - Kennen Sie diese modernen Digitalkameras, welche in Streichholzschachtelformat auch noch bei Gegenlicht und in die Sonne blitzen?

Ich leide immer wenn ich in der Hauptstadt bin, aber jedes Leiden hat ein Ende, spätestens zurück auf dem Weg nach El Paso. Irgendwann erlöst mich das Erscheinen der Zolldame und sie rollt auf einem Wagen ein Paket heran, in dem ein doppelstöckiger Kühlschrank sein könnte. Erst wollte ich sagen, das ist nicht mein Paket, war es aber doch. Um Gottes Willen, wie bekomme ich das denn 1,2 Kilometer weit bewegt? Noch hatte ich das Paket aber gar nicht, die Dame wollte wissen, was da drin ist. Es kam etwas Spannung auf, als ich ihr sagte, 16 Flaschen Papst-Bier. Angesichts der Größe des Paketes vermutete die Dame nun einen ungebührlichen Witz von meiner Seite, aber ich mache nie Witze über den Papst... Ich versuchte nun so galant wie möglich zu sein, Zollbeamte sind wohl in der ganzen Welt gleich. Meinen Ausweis wollte sie nun haben und verkündete in vollem Diensteifer, sie müsse das Paket jetzt öffnen, ich könnte das ablehnen, aber dann bekomme ich das Paket nicht ausgehändigt. Das nenne ich mal eine demokratische Wahlmöglichkeit und ließ mich nachhaltig überzeugen.

Irgendwie hatte die Dame noch die Hoffnung endlich mal einen dicken Fisch an die Angel zu bekommen, so 20 Kilo Kokain aus dem Verkehr gezogen, das gibt immer eine Beförderung. Hinter Stapel von Luftkissen und diesen wunderbaren kleinen Styroporflocken, die jeden Raum beim Auspacken immer so wohnlich gestalten, tauchte ein kleineres Paket auf. Jetzt hat sie mich dachte sie und schnitt weiter mit dem Messer auf das kleinere Paket ein und siehe da, irgendwann hatte die gute Frau eine Flasche Bier in der Hand, mit dem mild lächelnden Antlitz des Benedictus. - Ausgewechselt die Stimmung, ich sag´s ja immer, mit dem Papst kommt man hier weiter. Das ist ja eine tolle Idee und ob ich das alles selber trinke, nein natürlich nicht, die werden verschenkt, der Pfarrer bekommt eine, der Bürgermeister, meine Stammkneipenwirte, meine Nachbarn etc. Andere Postbeamte kamen noch hinzu um sich das anzusehen. Das muss man sich vorstellen, da tanzen heute Abend die Zwerge und die Hauptstädter begeistern sich für eine Kiste Bier. Also, alles in Ordnung, der Papst kostet keinen Cent Zoll und das Verpackungsmaterial kann ich auch da lassen, dann trägt es sich doch einfacher. Potz Blitz und heiliger Kanonendonner, der Zoll entsorgt meinen Müll? Benedictus, ich preise dich. Ein bisschen leichter hättest du doch allerdings machen können, 1,2 Kilometer durch die Hauptstadt mit einem Kasten Bier in der Hand macht ordentlich Muckis. - Ich glaube eine Flasche habe ich mir jetzt auch verdient, eiskalt, zollfrei und ein bisschen heilig.


Kann Bier Sünde sein?



Donnerstag 14.07.05 - 08:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 21 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 72% Luftdruck 1018 hPa

Zwergenaufstand

Mit dem "Danza de los Enanos", also dem Zwergentanz, erreichen die Festivitäten um die alle 5 Jahre stattfindende Bajada de la Virgen de Las Nieves ihren Höhepunkt. Heute Abend ist es so weit, alleine für die 5 kostenpflichtigen Vorstellungen erwartet man 40.000 Zuschauer und noch mal genau so viele Zaungäste, die darauf warten, dass die Zwerge dann um 02:00 Uhr in der Früh durch die Straßen der Hauptstadt ziehen. Wenn man bedenkt, dass Santa Cruz im Normalzustand knappe 20.000 Einwohner hat und uns Bauern aus El Paso immer schon gewaltig überlaufen vorkommt, dann sollten sich Menschen mit Platzangst wohl heute Nacht eher im Westen der Insel aufhalten. Man kann den Zwergentanz übrigens auch im Fernsehen betrachten, "Canal Canarias" hat die alleinigen Übertragungsrechte und wird diese sicher ausnutzen.

Eigentlich hat der Zwergentanz geschichtlich überhaupt nichts mit Verehrung und Danksagung an die Virgen de Las Nieves zu tun, die uns mal vor einer Dürrekatastrophe gerettet hat. Der Zwergentanz ist ein endemisches Produkt der Stadt Santa Cruz und war früher den Königen oder anderen ganz erlauchten Persönlichkeiten vorbehalten. Nun kommt der Zusammenhang doch heraus, auch die Zwerge wollen mit ihrem Auftreten der Jungfrau vom Schnee ihre Aufwartung machen. Es ist eine absolute Ehre, die Zwerge Polka tanzen zu sehen und diese Aura verbreitet der "Danza de los Enanos" heute noch. Es spielt auch keine Rolle, dass es längst ein Spektakel geworden ist, Eintrittsgeld kostet und man mit einem Batzen Geld die exklusiven Fernseh und Filmrechte erwerben kann. Es kommt natürlich noch ein wichtiger Faktor hinzu, nur alle 5 Jahre gibt es diese Veranstaltung, das schützt vor Übersättigung. Am 23. Juli tanzen die Zwerge übrigens noch mal, wieder in fünf Aufführungen hintereinander und danach ziehen sie wieder durch die Stadt. Wer also die vielen Menschen heute Abend scheut, der kann es am 23. Juli noch mal versuchen, aller Erfahrung nach ist dann viel weniger los. Das gesamte Programm der Feierlichkeiten anlässlich der "Bajada de la Virgen de Las Nieves" können Sie HIER auf Deutsch studieren.



Mittwoch 13.07.05 - 17:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 27 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 72% Luftdruck 1020 hPa

Neue Flugverbindung mit Gran Canaria

Während uns mit unserer großen Nachbarinsel Tenerife 21 Flüge täglich verbinden, gibt es nach Gran Canaria lediglich drei Flugzeuge am Tag. Das hat nichts damit zu tun, dass die Palmeros Gran Canaria nicht mögen, aber Tenerife ist halt einfach unsere "Vorgesetzte" und immer wenn es um Papiere geht, Krankenhaus, Universität und andere Dinge, die man auf La Palma nicht erledigen kann, dann müssen wir zu den "Chichareros" fliegen wie Tinerfeños auch genannt werden. Im Moment, also den ganz großen Tagen der Bajada, landen die Flieger aus Tenerife sogar im Halbstundentakt und man rechnet seitens der Fluggesellschaften damit, heute und morgen neue absolute Rekorde auf dem Flughafen La Palma zu erreichen.

Zurück zur Überschrift. Die Islas Airways, einziger Konkurrent im innerkanarischen Flugverkehr zur Binter Canarias, will in Zukunft nun auch Flüge zwischen La Palma und Gran Canaria anbieten. Bislang konnte man mit Islas Airways von La Palma nur nach Tenerife fliegen, aber die Fluggesellschaft legt in den nun fast drei Jahren ihres Bestehens permanent zu. Zwei Flüge soll es geben, jeden Montag, Mittwoch, Freitag und Sonntag zwischen dem Flughafen La Palma und "Gando" auf Gran Canaria. Allerdings ist der Direktor der Islas Airways erst mal vorsichtig und verspricht diese zusätzlichen Flugverbindungen erst mal nur bis Oktober. Dann wird abgerechnet und man will die Rentabilität prüfen. Ich befürchte, dass diese neue Verbindung eh nur den Sommer über rentabel ist, wegen des Tourismus. In den anderen Monaten haben die drei Flüge der Binter am Tag immer ausgereicht. Aber ich lasse mich jederzeit gerne positiv überraschen und bin froh über jede neue Möglichkeit nach La Palma zu kommen.



Mittwoch 13.07.05 - 09:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 20 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 74% Luftdruck 1022 hPa

Aufkläranlagen

Los Llanos bekommt eine neue Kläranlage und die drei Schwestergemeinden Mazo, Breña Alta und Breña Baja auch. Die Umweltbehörde hat jetzt eine Firmengruppe beauftragt die Pläne für die beiden Anlagen innerhalb von drei Monaten auf den Tisch zu legen. Für Los Llanos steht eine Kläranlage mit einer Kapazität für 30.000 Menschen in der Planung, also wirklich auf Zuwachs getrimmt, die Gemeinde zählt an die 22.000 Einwohner. Von diesen 22.000 Produktiven in der organischen Reststoffwirtschaft leben aber nur rund 14.000 im Stadtgebiet und damit im Einzugsbereich der neuen Kläranlage. Die Leute in den ländlichen Gebieten werden sich weiterhin der bekannten und bewährten Methode der Sickergruben hingeben. Der Standort der neuen Kläranlage von Los Llanos ist der selbe wie der der alten und völlig überlasteten Anlage. Allerdings wird die neue Station innerhalb eines geschlossenen Gebäudes arbeiten, Geruchsbelästigungen für die Anwohner sollen so vermieden werden.

Die neue Kläranlage für die drei Gemeinden auf der Ostseite, Mazo, Breña Alta und Breña Baja, ist kleiner und kann gerade mal die Hälfte der Abwässer täglich klären. Mit einer Kapazität von 1.500 Kubikmeter am Tag ist sie gerade mal halb so groß wie die neue Anlage die in Los Llanos entstehen soll. In den drei Gemeinden wohnen zusammen 16.000 Menschen und anscheinend traut man diesen Orten nicht so viel Wachstum zu, wie man es bei Los Llanos wohl annimmt. Den erst kürzlich aufgebrachten Vorschlag der nahen Hauptstadt, auch deren Abwässer in eine, dann viel größere Kläranlage gemeinsam zu entsorgen, findet in den jetzt aufgelegten Plänen keine Berücksichtigung. Immerhin, es geht voran, unsere Ballungsgebiete erhalten reichlich Geld vom Umweltamt für die beiden Kläranlagen, an die 7 Millionen Euro. Das reicht für mehr als den Mist von Kleinvieh.



Dienstag 12.07.05 - 18:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 26 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 73% Luftdruck 1021 hPa

Drittelzeit

Um die wichtigsten Eckdaten gleich vorauszuschicken, die Waschmaschine lebt noch, der Kater ist noch heil und mein Gewichtsverlust hat sich bei drei Kilo in einer Woche in ein mittleres Frauenentzugsschema eingependelt. Heute ist es eine Woche her, dass meine Frauen in Urlaub gefahren sind und ich habe nur noch zwei Wochen Klausur vor mir. Deshalb Drittelzeit. Tägliche Anrufe informieren mich bestens über deren Müßiggang und ich bin verzückt, wenn ihre Frage nach dem wehrten Befinden sich zuerst an den Kater richtet, dann an die Waschmaschine und ich danach auch Erwähnung finde. Nein, es ist alles in Ordnung, Spinnweben im abgestellten Kühlschrank sind wunderbares Begleitmaterial für langsam aufkommenden Fatalismus. Der ist unbedingt nötig, ich müsste sonst ehrlich sein und zugeben, dass ich keinen dieser Tage auch nur stundenweise genießen kann. Mir fehlt die ordnende weibliche Hand, die aus Fragmenten eines Tages eine runde Geschichte formt.

Am meisten scheint aber der Kater unter dem Fehlen der weiblichen Herrschaft in diesem konstruktiven Matriarchat zu leiden. Wenn sich Paul freiwillig an meine Hosen klammert um Zuneigung zu fordern, dann stehen dem noch schlimme zwei Wochen ins Haus. An die Bohnen mit Speck habe ich ihn gewöhnt, er den Speck, ich die Bohnen. Das mit dem Stöckchen holen klappt noch nicht so ganz und bellen kann er auch noch nicht. Ich habe aber noch zwei Wochen, seinen Charakter zu brechen und einen ordentlichen Hund aus der Katze zu machen. Ich bin mir jetzt unsicher, ob ich mal bei Clausewitz nachlesen soll oder bei Nietzsche, vielleicht hole ich mir aber auch ein paar Tipps im Internet über Guantánamo, die können mir sicher helfen. Schlimm ist es beim Einkaufen, Zigaretten, Bier, Bohnen und Speck, mehr kommt sonst nicht in den Wagen. Vor ein paar Tagen hat mich mein Gewissen plötzlich gebissen und ich habe meine Hand dabei erwischt, wie sie eine Packung "Whiskas Junior" mit in den Einkaufskorb geschmuggelt hat. Das Glück war mir hold, keiner meiner Freunde hat mich damit ertappt. Katzenfutter kaufen ist so ziemlich das Peinlichste, was einem Mann in dieser doch so liberalen und aufgeschlossenen Gesellschaft passieren kann. Ich könnte das ja erklären, ich mach das nur für meine Frauen, die haben das verdient. Aber ich bin ja eh schon suspekt im Moment, da ich meinen Frauen drei Wochen Urlaub am Stück gegönnt habe und offensichtlich nicht glücklich bin über die so genannte sturmfreie Bude und statt dessen über meine ersten Erfolge mit der Waschmaschine spreche. Aber bitte Leute, nur weil ich meine Frauen verstehe, bin ich doch noch längst kein Frauenversteher!


Paul die Klette



Dienstag 12.07.05 - 09:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 20 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 73% Luftdruck 1020 hPa

Den Passat kämmen

Aus den Wolken Wasser zu gewinnen, welche beim Passat dicht über die Insel und die Cumbre Nueva ziehen, hat man seit ewigen Zeiten den Kiefern überlassen. Die extrem langen Nadeln der "Pinus canariensis" sind hervorragend dazu ausgestattet wie, ein Fächer den Nebel zu kämmen und wirkliche Wassertropfen aus den Wolken zu ziehen. Diese fallen dann in dicken Tropfen zur Erde und sickern beständig in unser poröses Lavagestein. Bei uns gibt es ein lustiges Phänomen, während man in anderen Regionen dieser Welt bei Regen Schutz unter den Bäumen sucht, ist das bei uns umgekehrt. Überall dort, wo der Passat seine Wolken in die Vegetation schickt, regnet es unter den Bäumen und nicht daneben. Niemand hat jemals ausgerechnet, wie viel Wasser da täglich von den Kiefern auf La Palma aus den Wolken gesogen werden, es gibt aber Vermutungen, dass diese Menge deutlich höher ist, als die der konventionellen Niederschläge. Dabei ist entscheidend, der stete Tropfen bring das Wasser und lässt dem Boden so Zeit genug, die Feuchtigkeit aufzunehmen und zu speichern. Regenfälle, besonders die aus Westen kommen oft als Schauer, da hat der Boden keine Zeit das Wasser ganz aufzunehmen und vieles davon geht als Opfergabe ungenutzt in den Atlantik.

Auf diesem System, welches man bei den Kiefern abgeguckt hat, basierte ein kleines "Friseurstudio für Passatwolken" auf der Westseite der Cumbre Vieja, weit oberhalb von El Paso. Eine ganz einfache Anlage, Folien, befestigt an Eisenstangen stellen sich dem Passat in den Weg und der gibt seine Tautropfen an dieses Hindernis ab. Darunter wird das Wasser aufgefangen und dorthin geleitet, wo man es braucht. Diese Wassergewinnungsstation ging nie über das Erprobungsstadium hinaus und besteht nun bereits seit Jahrzehnten nur noch aus verrosteten Eisenstangen und Folienresten. Das soll sich ändern, kurz vor den verdienten Sommerferien wurde im Inselparlament noch mal eine heftige Runde regiert und dabei kam auch der Entschluss heraus, diese Anlage wieder aufzubauen. Man erwartet keine großen Wassermengen dort zu produzieren, es soll eher der Forschung dienen und uns mehr drüber erzählen, wie die Abläufe im Passat sind und dann kann man vielleicht auch mal hochrechnen, wie viel Wasser unser Lebensspender so großzügig auf der Insel lässt.



Montag 11.07.05 - 16:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 25 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 74% Luftdruck 1021 hPa

Wohin mit der alten Straße?

Eine gute Idee erreicht uns aus Los Sauces. Die haben ja nun die neue Brücke, welche den Weg in den Norden viel schneller und einfacher macht, gleichzeitig aber noch die alte Straße, die sich durch den Barranco schlängelt. Die braucht ja nun keiner mehr und anstatt diese langsam wieder Urwald werden zu lassen, hat man sich einen besseren Nutzen für diesen Straßenabschnitt ausgedacht. Ein Naherholungsbereich soll das werden, mit Picknick-Platz, Jogging-Strecke, Kinderspielplatz. Nun könnte man ja meinen, auf La Palma braucht man keinen Naherholungsbereich, das ist doch alles nah hier, aber wir müssen doch jedes Mal ins Auto steigen und fahren und Jogger können ein Lied davon singen, wie wenig Wegstrecken es gibt, die ihrem Hobby wirklich gerecht werden. Nun muss die Gemeinde natürlich erst mal das machen, was nach allen guten Ideen immer so kommt, nach Geld suchen. Da hat man auch schon so eine Idee, wenn man das Ganze in die Richtung des Gedankens des Weltbiosphärenreservates schiebt, dann gibt es da so kleine wie nützliche Töpfe der EU, welche so lustige Namen wie Interreg III tragen. Soll noch mal einer sagen, die "Sauceros" haben keine gute Ideen...



Montag 11.07.05 - 09:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 22 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 73% Luftdruck 1021 hPa

Warum wir so spät ins Bett gekommen sind

In der Hauptstadt scheint kein wichtiger Umzug ohne die Trommelgruppe aus El Paso auszukommen. Die 45 Jugendlichen im Alter zwischen 6 und 19 Jahren werden oft angefordert und sollen als Stimmungsmacher die Zuschauer auf das Kommende vorbereiten. - Eigentlich ist die "Banda de tambores y cornetas", wie die Gruppe wirklich heißt, eine kirchliche Angelegenheit, aber unser herrlich pragmatischer Katholizismus lässt vieles zu, Gottesfurcht muss nicht Angst vor Gott bedeuten. - Gestern galt es die Riesen und andere verkleidete Figuren durch die Hauptstadt zu führen, Abfahrt pünktlich 16:00, Rathaus El Paso, wie immer.

Irgendwie hatte ein Zahlendreher aus 51 eine 15 gemacht und das Busunternehmen einen Minibus geschickt, mit gerade mal 19 Sitzplätzen. Geht natürlich nicht, wir müssen alle rüber, also den armen Fahrer wieder weggeschickt, er soll einen großen Bus besorgen. Das scheint im Moment nicht ganz so einfach zu sein, es dauerte über eine Stunde bis der große Bus da war, mit dem gleichen Fahrer. Macht nichts, eine Stunde zu spät ist immer noch keine Blamage, der wird während der Fahrt schon Gas geben und unsere Ehre retten. Dem war aber gar nicht so, der gute Mann kroch mit seinem Bus den Berg hinauf zum Tunnel und auch den Weg nach Santa Cruz wieder hinunter, eine Stunde und 10 Minuten von El Paso in die Hauptstadt, rekordverdächtig. Irgendwann waren wir da, der ganze Umzug war großartig und niemand hat sich aufgeregt, dass wir mehr als eine Stunde zu spät waren. Hat vielleicht keiner bemerkt, Santa Cruz ist in diesen Tagen nicht an normalen Zeitbegriffen zu messen.

Nach getaner Arbeit und einigen Erfrischungsbieren für die Wasserträger, das sind die begleitenden Erwachsenen die ihre Wichtigkeit mit dem hantieren von Wasserflaschen demonstrieren, sollte es dann hurtig zurück ins heimische El Paso gehen. Aber der Busfahrer war nicht zu finden, die hastig bei der Hinfahrt notierte Handynummer erwies sich als falsch, man schreibt sich nichts mit dem Kugelschreiber in die Handfläche wenn man danach schwitzt und eine Trompete in der Hand hält... Endlich gegen 23:00 Uhr tauchte der gute Mann auf, die Wasserträger hatten längst wieder Durst, aber wir fuhren tatsächlich los in Richtung El Paso. Leider in der gleichen Geschwindigkeit wie schon bei der Hinfahrt, aber gegen Mitternacht waren wir dann endlich da wo wir hin gehören. Beim Ausladen fragte dann der Chef der Truppe den Fahrer, ob denn der Bus kaputt sei, weit gefehlt. Der Fahrer gestand, mit feuchten Händen, noch nie in seinem Leben vorher einen großen Bus gesteuert zu haben, sondern nur die kleinen Mikro-Busse. Er wollte uns aber nicht stehen lassen, kein anderer Fahrer war zu finden und so schnappte er sich halt den großen Bus und brachte uns sicher nach Santa Cruz und zurück. Er entschuldigte sich vielmals, dass es so langsam ging, aber mit den vielen Kindern an Bord wollte er nichts riskieren. Jetzt hatten wir plötzlich feuchte Hände und mussten diesen Umstand noch ganz dringend diskutieren. "Mas vale tarde que nunca" - Lieber zu spät, als nie.


Gigantes y Cabezudos, Bajada Santa Cruz 2005

Gigantes y Cabezudos, Bajada Santa Cruz 2005



Sonntag 10.07.05 - 15:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 26 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 73% Luftdruck 1019 hPa

Heute beginnt die "Semana Grande"

Das heißt nichts anderes als "große Woche" und bezeichnet die Tage der Bajada de la Virgen de Las Nieves in der die absoluten Höhepunkte des größten Inselfestes stattfinden. Beginnend mit einem Umzug der "Gigantes y Cabezudos" (Riesen und "Großkopferte") die heute Nachmittag die Innenstadt von Santa Cruz lahm legen wollen. Morgen findet dann ein eher asiatisch wirkendes Spektakel statt, die Nacht der Pandorga. Dabei werden kunstvoll gebastelte Papierfiguren mit musikalischer Begleitung nachts durch Santa Cruz getragen.

Am Dienstag rollen die Prunkwagen auf die Straßen mit begleitender Blumenschlacht und ab Mittwoch steht die Stadt dann Kopf. Die beiden Vorstellungen des Minué und dann, einen Tag später die 6 Auftritte der Zwerge. Die ersten fünf Vorstellungen finden im Festpavillon statt und ab 2:00 Uhr früh tanzen die Zwerge dann auch durch die Stadt. Der eigentliche Höhepunkt des ja eigentlich sakralen Festes, ist erst am 16. Juli, dann wird in einer großen Prozession die "Virgen de Las Nieves" aus der Wallfahrtskirche in die Hauptstadt getragen. Am folgenden Tag gibt es noch mehrere Gottesdienste und Prozessionen durch die Stadt und dann wird es wieder ein bisschen ruhiger in Santa Cruz. Das bekannteste Spektakel ist allerdings der Zwergentanz, dieser wird sogar vom nationalen Fernsehen "live" übertragen und auch in vielen südamerikanischen Ländern gezeigt. Bananen und Zwerge, unsere Exportschlager Nummer eins. - Sollte und das zu denken geben?



Sonntag 10.07.05 - 08:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 21 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 74% Luftdruck 1018 hPa

Die alte Hafenmauer von Tazacorte wird repariert

Endlich hat sich jemand gefunden, der das Geld für die nötige Reparatur der bröckelnden alten Hafenmole in Puerto de Tazacorte aufbringt. Das Umweltamt wird die Kosten übernehmen, feiner Zug von Madrid, hätten wir auf Geld aus der Provinzregierung warten müssen oder gar eigene Mittel angreifen, wäre die Frage ob vor, oder nach dem Vulkanausbruch wieder aktuell gewesen. Die Unwetter dieses Winter haben auf etwa 30 Meter die Befestigungen so weit unterspült, dass große, mehr als 35 Tonnen schwere Betonblocks in den Atlantik gerutscht sind. Die entstandene Lücke birgt zwar keine unmittelbare Gefahr für den dahinter liegenden Strand, jedoch hätte nun ein erneutes Unwetter viel leichteres Spiel, weitere Teile der alten Hafenmole anzugreifen.

Allerdings wird man die Bauarbeiten auf den Herbst verschieben, die LKW welches das benötigte Material antransportieren müssen, können nicht über die Promenade fahren, sondern nur über den Strand. Um die Sommer-Badesaison nicht zu stören, wartet man bis Herbst ab, dann kann die Karawane der Lastwagen die vielen hundert Tonnen Material über den Strand an die alte Hafenmole karren. Man sollte aber auch nicht zu spät im Jahr mit den Reparaturarbeiten beginnen, je näher man an den Winter kommt, um so größer ist die Gefahr, dass schwere Brandung aus Nordwest die Arbeiten behindert. Richtig trauen kann man dem Atlantik eh nur jetzt im Sommer, aber da will man die Touristen nicht stören. - Vielleicht kann man ja auch ein ganz kleines bisschen von den 356.000 Euro die das Umweltamt zahlt, für ein Toilettenhäuschen abzweigen. Die in Madrid wissen doch gar nicht, dass es auf La Palma einen Strand gibt, der kein Toilettenhäuschen hat, an dem sich im Sommer bis zu 2.000 Menschen tummeln,. Wir sagen einfach, die Wellen haben das auch mit ins Meer gerissen... Ich verrate bestimmt nichts.



Samstag 09.07.05 - 17:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 25 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 73% Luftdruck 1018 hPa

Deutlich weniger Flüchtlinge

Die Zahl der Flüchtlinge, die mit Booten, den so genannten "Pateras" auf die Kanaren gelangen, ist im ersten Halbjahr 2005 stark zurückgegangen. Waren es im Jahr 2004 noch 3.211 Menschen welche diesen gefährlichen Weg in den erhofften Wohlstand suchten, waren es in diesem Jahr lediglich 1.741. Das macht einen gewaltigen prozentualen Rückgang von 46% aus. An der Mittelmeerküste, in der Straße von Gibraltar gab es auch einen Rückgang der Flüchtlingszahlen, dort fiel dieser allerdings bescheidener aus, mit einem Minus von 17%. Auf den Inseln selber gab es eine Verschiebung, während Lanzarote und Fuerteventura viel weniger Flüchtlinge erreichten, kamen auf Gran Canaria deutlich mehr an. Besonders die beiden Afrika am nächsten liegende Inseln, Lanzarote und Fuerteventura werden inzwischen derart überwacht, dass zahlreiche Schlepper den viel weiteren Weg nach Gran Canaria in Kauf nehmen. Während dort im Jahr 2004 lediglich 85 Flüchtlinge aufgegriffen wurden, waren es dieses Jahr 350. Den noch mal weiteren Weg nach Tenerife, fanden immerhin auch 290 Menschen. Nach La Palma hat sich niemals eines der Boote mit Flüchtlingen an Bord verirrt, einmal sind wir viel zu weit weg und dann wäre es völlig aussichtslos, sich unbemerkt an den paar Stellen, an denen man die Insel in so einem Boot erreichen kann, zu landen.

Allerdings warten viele weitere Tausend, meist Schwarzafrikaner in wilden Camps an der marokkanischen Küste, um irgendwann der Absprung nach Europa zu schaffen. Kaum einer der Flüchtlinge hat das Geld solch eine Überfahrt zu bezahlen und muss sich den Schlepperbanden andienen. Das heißt, wer ausgesucht wird und nach Europa kommt, muss als moderner Sklave seine Schuld abarbeiten. Das bedeutet im Fall der männlichen Flüchtlinge billigste Fronarbeit im Verborgenen und für Frauen meist die Prostitution. Da kommt unsere Mitschuld auch wieder zum Vorschein, so lange es Firmen gibt, die an den Zuständen Geld verdienen und Sklavenarbeit dulden, bleibt dieser Markt für skrupellose Menschenhändler interessant. Bei der Prostitution sieht es gar noch menschenverachtender aus, immer billiger muss es sein, dem preisbewussten europäischen Freier ist diese Deflation an Menschenwürde nur recht. Bob Geldorf muss noch lange singen und wir haben alle eine Nase, an die wir uns ruhig mal fassen können.



Samstag 09.07.05 - 08:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 21 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 74% Luftdruck 1017 hPa

Flohmarkt auf verlorenem Posten

Die Bajada de la Virgen de Las Nieves zieht so viele Menschen an, dass Gewerbetreibende in der Hauptstadt vor Hände reiben kaum noch zum arbeiten kommen. Wer jetzt kein Geld verdient mit seinem Geschäft oder Restaurant, der hat was falsch gemacht, oder sitzt einfach am falschen Ort. So sehen das die Flohmarkthändler, die in der Santa Catalina Burg ihre Stände haben aufbauen müssen, alle anderen Plätze sind belegt. Die Händler, reisende Profis der Kitsch, Glitzer und bunten Kunststoffwelt, sind extra von den großen Inseln angereist um an der Gunst und Gnade der Jungfrau vom Schnee, so heißt die Inselpatronin auf deutsch, teilhaben zu können.

Die Stände der Flohmarkthändler sind aber verwaist, kaum einer findet den Weg in die Burg, ein Hotspot der Bajada ist das sicher nicht, die Musik wird an anderen Stellen der Hauptstadt gespielt. Das nun macht die Händler wütend, sie fühlen sich von der Gemeindeverwaltung schlecht behandelt und fordern Abhilfe. Die finanziellen Verluste sind jetzt schon groß, schließlich haben sie die weite Anreise nicht zu Ehren der heilige Jungfrau gemacht, sondern um Geld zu verdienen. Die Gemeinde kann aber keine Abhilfe schaffen, alle anderen belebten Plätze sind längst von Veranstaltungen belegt und schließlich kann man auch keinen Besucher zwingen, unbedingt auch noch den Flohmarkt zu besuchen. Die ersten Händler brechen so bereits ihre Stände wieder ab und verlassen in dem Gefühl, auf La Palma ist nichts zu holen, diese Insel bereits wieder. Vielleicht hat man das Ganze auch missverstanden, es ist die Bajada de la Virgen de "Las Nieves" und nicht die "Del Dinero".



Freitag 08.07.05 - 17:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 24 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 74% Luftdruck 1018 hPa

Das Salz in der Weltbiosphärensuppe

Sal Teneguía aus der Südspitze La Palmas ist das erste Produkt der Insel, welches sich mit dem Siegel des Weltbiosphärenreservates schmücken darf und das auch tut. War lange gar nicht sicher, da die beiden Eigentümer der einzigen noch funktionierenden Saline in der Provinz Tenerife sich geweigert haben, einen Obolus dafür zu entrichten. Ganz nach dem Motto, die sollen froh sein, wenn die unser Salz in ihrer Suppe haben, an Selbstbewusstsein hat es den Meistern des Meersalzes noch nie gefehlt. Sie wissen sehr wohl, welches Produkt sie haben und dass sie letztendlich damit bereits Webung für die Insel machen.

Mit den weiteren Produkten ist es noch nicht ganz so weit, Käse, Wein, Honig, Mojo, Corizo Palmero, Mandelgebäck, Rum und Gofio stehen auf dem Wunschzettel der Organisation des Weltbiosphärenrats. Ob es da auch um Geld geht und warum wir seit mehr als einem Jahr davon reden und es nicht voran geht, kann man nur erahnen. Antonio San Blas, Chef des Weltbiosphärenrats und damit oberster Siegelhüter, sieht gute Aussichten die Produkte mit dem Siegel besser vermarkten zu können. Allerdings wage ich zu bezweifeln, dass die Verbraucher sich hier auf der Insel davon beeindrucken lassen, wir wissen ja schließlich wo die Sachen her sind. Interessanter wäre diese Aufwertung natürlich im Export und da würde dann das Produkt auch gleichzeitig Werbung für die Insel machen. Aber mit Export und Werbung, da tun wir uns reichlich schwer.


Weltbiosphärenerservat La Palma



Freitag 08.07.05 - 08:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 21 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 72% Luftdruck 1017 hPa

Kunsthandwerksausstellung in Santa Cruz

Als wäre die Bajada noch nicht genug, muss sich die Hauptstadt auch noch die "XVIII Fería Insular de Artesanía" antun. Es ist kaum noch Platz irgendwo in Santa Cruz, so weicht man auf das Hafengelände aus. Bis zum 13. Juli zeigen 250 Kunsthandwerker ihr Können, immer von 17:00 bis 21:30 und am Sonntag auch bereits ab 11:00 Uhr. Gerade wegen der gleichzeitig stattfindenden Bajada hofft man seitens der Organisatoren auf so viele Besucher wie noch nie, man will die Chance, sich so vielen Menschen zeigen zu können nicht ungenutzt verstreichen lassen. Letztes Jahr fand die Ausstellung in El Paso statt, bereits mit beachtlichen Erfolgen und das will man nun natürlich noch mal toppen.

Die Bandbreite ist groß, was bei uns alles unter Kunsthandwerk läuft. Stickereien, Seidenweberei, Töpferwaren, geflochtene Körbe und Vogelkäfige, landwirtschaftliche Geräte und Spielzeug aus Blech. Dazu kommen auch noch die kulinarischen Spezialitäten der Insel, Mojo, Ziegenkäse, Honig, Wein und Rum, sowie die ganze Palette süßer Backwaren, die es auf dieser Insel in so großer Auswahl gibt. Alles kann man sich von ganz nah ansehen, anfassen und von den Lebensmitteln gibt es auch Proben, da darf ruhig mal genascht werden. Kaufen darf man übrigens auch, das Handwerk lebt nicht alleine von der Kunst, auch nicht das Kunsthandwerk.



Donnerstag 07.07.05 - 14:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 26 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 701% Luftdruck 1018 hPa

Ein unendlicher Sommer

Das Wetter ist genau so wie es sein soll, deutlicher Nordostpassat bringt uns kühlende und frische Luft, während in der Sonne Temperaturen von fast 70 Grad herrschen. Nicht gut für die Leute die auf dem Bau arbeiten müssen oder im Garten die Kartoffeln häufeln. Alle anderen, die die gute Gabe des Schattens haben, freuen sich mächtig über den, fast unendlichen großen Bauknecht. Bis November soll das so gehen, das sagen uns die Wetterhistorien. Ich bin gerne dabei.

Das Azorenhoch lässt ja eigentlich kein anderes Wetter zu, nur nördlich davon können sich die ewig anbrandenden Tiefs vom Nordatlantik austoben. Wir haben halt keine kontinentale Masse die Aufwinde und Thermik erzeugen könnte und daraus folgend, die gewaltigen Kumulus welche dann in Sommergewittern enden. Der Sommer, so wie wir ihn jetzt haben, das ist einziges Produkt unserer schwierigen Lage im Atlantik. Wir haben keine Jahreszeiten, wir haben Nordostpassat oder nicht.


Azorenhoch, 7.7.05


Donnerstag 07.07.05 - 08:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 21 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 70 % Luftdruck 1020 hPa

Freiwillige Alkoholkontrollen

Ganz neue Wege beschreitet die Stadtverwaltung in der Hauptstadt, man bittet die Besucher der Festivitäten anlässlich der Bajada de la Virgen de Las Nieves zu freiwilligen Alkoholtests. Dazu hat man einen kleinen Stand am südlichen Ausgang der Stadt aufgebaut, mit einem Probegerät, welches das Restblut im Alkohol der Besucher genau messen kann. Der Hintergrund ist ganz einfach, man will auf diese Art versuchen, auf freiwilliger Basis Autofahrer mit ein "par de copas demas" vom Steuer auf den Beifahrersitz zu bitten. Zusätzlich geben Anschauungstafeln mit extrem appetitlichen Unfallphotos weiteren Anreiz, den Wagen lieber stehen zu lassen und eines der nicht vorhandenen Taxis zu bemühen.

In der Tat ist der Genuss von alkoholischen Getränken auf unseren Fiestas fast Pflichtinstrument und irgendwie müssen die Leute ja auch wieder nach Hause. Strategisches Planen vor dem Besuch einer dieser Festivitäten, mit dem Bus dorthin und dann mit dem Taxi zurück zum Bus und irgend jemand wird mich schon aufheben, ist nicht unser Ding. Es ist reinster Pragmatismus, dass man Kontrollen nun freiwillig anbietet und die Guardia Civil in diesen Tagen äußerst zurückhaltend ist. Ein komplettes Fahrverbot für alle Besucher dieser Fiestas hätte wirtschaftlich derart große Folgen, das kann keiner wollen. Immer wieder bemerkenswert, wie wenig passiert, wo man doch ganz genau weiß, dass ab gewisser Uhrzeiten nur noch Bus und Taxifahrer nüchtern ein Vehikel über unsere Straßen steuern.



Mittwoch 06.07.05 - 18:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 26 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 70 % Luftdruck 1018 hPa

Grüße auf die Insel

Der "Drachenflugtag" ist ja jetzt abgehakt, das Haus und der Kühlschrank leer, irgendwo piept immer noch so ein grausames Tamagochi sein Todeslied. Meine Töchter haben mich zwar instruiert, was ich machen soll, wenn es anfängt zu piepen. Vielleicht steht das auch noch auf einem der viele tausend Zettel welche meine nächsten drei Wochen hier regeln sollen. Ich werde aber wohl eher die Batterie rausschrauben, da ist mehr als ein Knopf an dem Ding, für Männer also ungeeignet. Die Waschmaschine lebt noch und ich trage eh in dieser Zeit der Diaspora nur naturgefleckte Kleidung, Reiseleitermimikry.

Die Frauen haben, nach telefonischer Rückmeldekontrolle, wer hat da wen kontrolliert, "Ihre" Insel gut erreicht und wenn ich mir die Wettervorhersage von Hiddensee so einverleibe, dann hätten sie lieber noch ein bisschen warten sollen. Die verreisen aber gerne, ich kann das überhaupt nicht verstehen, mir sind die Wege bis in die Hauptstadt schon zu weit. Von La Palma nach Nürnberg, dort nächster Flieger nach Berlin. Nächtliche Abholung durch zwei weitere Frauen und dann im Morgengrauen nach Stralsund. Dort auf die Fähre nach Hiddensee und irgendwie erscheint mir plötzlich Deutschland verkehrstechnisch sehr unterentwickelt zu sein. Ich musste, wenn ich von El Paso nach Los Llanos will, noch nie umsteigen. So hat jeder seinen Horizont.

Ich bin natürlich nicht alleine hier geblieben, der Kater Paul lebt noch und geht nun in seine 4 Lebenswoche. Heute ist es mir gelungen, mit ihm das letzte Stückchen Leberwurst gemeinsam zu vertilgen, er von meinem Brot und ich die heruntergefallenen Reste von meiner Mimikry-Hose. Ansonsten fordert das Tier jede Aufmerksamkeit und aus dem Versuch, demokratische Strukturen in den virtuellen Haushaltsvorstand einzuführen, sind klare Machdemonstrationen geworden. - Seitens des Katers natürlich.- Ich könnte mich schon wehren, ich habe aber meinen Frauen versprochen ein lieber Vater zu sein. Katzenvater, wie tief bin ich gesunken...


Paul am aufsteigenden Ast



Mittwoch 06.07.05 - 08:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 19 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 73 % Luftdruck 1018 hPa

Wiedergutmachung?

Jedes Jahr in den Sommerferien verbringen über 2.000 Kinder aus dem von Marokko besetzten Land Sahara Einladungsferien in Spanien. Die werden über das ganze Land verteilt, nach La Palma kamen gestern 25 Jungen und Mädchen zwischen 8 und 14 Jahren. Die Kinder wohnen 2 Monate lang bei Gastfamilien, einige bereits das vierte Mal bei den gleichen "Ferieneltern". Organisiert wird dieses Sommerlager von der "Asociación Canaria de Amigos del Pueblo Saharaui", die Kosten werden aus Spendengeldern gedeckt, die Unterbringung und Verpflegung der Kinder übernehmen die Gastfamilien. Während des Aufenthaltes auf La Palma und natürlich auch in ganz Spanien, organisiert man für die Kinder eine Vielzahl von Ausflügen und Gemeinschaftsprogrammen, unter anderem auch einen Sprachkurs. Das wird aber alles ganz locker gehandhabt, nur ein echter Pflichtbesuch steht an, die Gasteltern müssen mit ihren jungen Nachbarn aus der Sahara zum Arzt.

Viele Saharauis, nicht nur die Kinder, leiden unter extremem Mangelerscheinungen, das Leben in den Flüchtlingscamps in und um Tinduf ist karg und gefährlich. Die große Hilfsbereitschaft der Spanier gegenüber dem kleinen Volk der Saharauis kommt aber nicht von ungefähr. Spanien war selber mal Besatzer dieses unwirklichen Landstriches, bis 1976 hieß das "Spanisch Sahara". Nach dem Abzug der spanischen Fremdenlegion erklärte sich das kleine Land mit nur knapp 300.000 Einwohnern selbst unabhängig, aber nur bis die Marokkaner noch im gleichen Jahr kamen und ihre Flagge hissten. Als Ex-Besatzer fühlt man sich natürlich nicht nur moralisch verpflichtet, das ewige spanische Ressentiment gegen alles was Marokkanisch ist kommt auch wieder dabei hoch, es ist schwer diese zementierten Abneigungen auszuräumen. Da bleibt ein bemerkenswerter Satz eines früheren Ministers stehen der da sagte: "Unter uns hatten es die Saharauis besser" Das mag sein, aber die Präposition "unter" bleibt stehen, "neben" war auch während des spanischen Mandates nicht möglich. Den Kindern soll das jetzt zwei Monate lang egal sein, zwei Monate ohne Wüste, ohne Mangel und ohne Angst.



Dienstag 05.07.05 - 18:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 26 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 71 % Luftdruck 1019 hPa

Katastrophenberichterstattung

Nein, nichts passiert, außer einem kleinen Feuer oberhalb von Los Llanos, welches der Löschhubschrauber mit ein paar Schippen Wasser schnell in den Griff bekam. Es geht um eine, viel weiter zurückreichende Geschichte die sich am 16. Januar 1957 auf der Ostseite der Insel abgespielt hat. Dort starben 26 Menschen innerhalb von ein paar Stunden, nicht an einem Vulkanausbruch, wie man vielleicht vermuten könnte, sondern durch Wasser. Unsere Vulkane sind nur gut für die Presse und wenn dann einer wirklich mal neues Land schafft, dann spuckt er immer höflich neben die Leute. Bislang haben wir uns so hervorragend mit den Vulkanen arrangiert. Hört sich vielleicht ein bisschen komisch an, aber auf unserer Feuerinsel und auf Augenhöhe mit der Sahara sterben die meisten Menschen bei Naturkatastrophen an Wasser.

Genau am 16. Januar 1957 regnete es so heftig und andauernd auf der Ostseite, dass sich mehrere, sonst seit Jahrzehnten trockene Barrancos wieder mit Wasser füllten und sich ihren Weg in den Atlantik bahnten. Dabei rissen die Wasser und losgelöste Gesteinsmassen alles mit in die Tiefe, bei El Llanito starben so 22 Menschen, zwei in Breña Baja und zwei in Villa de Mazo. Justo Pérez Cruz, geboren in Mazo, aber seit langem bereits tätig an der Universität von La Laguna auf Tenerife, hat nun die vielen Einzelberichte über die Katastrophe in einem Buch zusammengetragen. Zahlreiche Zeitzeugen sind ja auch noch vorhanden, aber das waren alles nur Einzelschicksale und Fragmente der ganzen Geschichte, die Justo Pérez Cruz jetzt für uns zusammengefügt hat. "Las décimas del temporal de 1957" lautet der Titel des soeben erschienen Buches, wörtlich übersetzt heißt das, "die Zehntel des Unwetters von 1957". Das ist ein Wortspiel und kommt von unseren Losen der staatlichen Lotterie, die auch fast nie als ganzes Los verkauft werden, sondern meist nur als Zehntellose = Décimas. Wer hier also etwas aus Kleinteilen zusammensetzt, der kann auch sagen, er sucht die Zehntel. Das Buch gehört zu einer Reihe, welche vor ein paar Monaten bereits mit Aldfredo Mederos Buch zur Francozeit auf La Palma seinen Anfang nahm. Inselregierung und die Bank "Caja Canarias" sponsern das Vorhaben, unsere Geschichte des letzten Jahrhundert zusammenzutragen. Ich freu mich auf noch viel mehr Bücher zu diesem Thema, wir werden doch wohl unsere eigene Insel kennen lernen.



Dienstag 05.07.05 - 09:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 20 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 70 % Luftdruck 1020 hPa

Steuern macht Spaß

Die Jahressteuererklärung über das Internet machen und 6 Tage später ist die Rückzahlung auf dem Konto, so könnte ein fröhlicher Beamtenwitz aus dem vergangenen Jahrtausend beginnen. Ist aber kein Witz, sondern Tatsache, der Kontoauszug liegt wie eine Reliquie der dritten Art vor mir, x mal kontrolliert, es steht mein Name drauf, die Summe ist gutgeschrieben, nicht belastet und wirklich vom Finanzamt. Ich glaube wieder an Institutionen und Behörden, so macht Steuern bezahlen Spaß. Dabei ist das spanische Steuersystem durchaus auch mit Tücken und Fallen gespickt, aber für solch 08/15 Fälle wie der unsere sind weder Steuern bezahlen, noch eventuelle Rückzahlungen ein Problem. Ein befreundeter Steuerberater hat mir vor ein paar Jahren mal gesagt, so lange du mehr Einkommen hast als du Kosten absetzt, geht alles ganz locker. Ich dachte zwar, wenn die Kosten das Einkommen übersteigen ist man pleite, oder sollte der Schlingel das ganz anders gemeint haben?

Geht mich nichts an, Steuerberater haben nur Weicheier oder Leute die viel mehr verdienen als ich. Für unsere kleine "Ich AG", das heißt hier "autónomo", gibt es nicht viele Kästchen in den Formularen die Zweifel aufkommen lassen. So viel hast du verdient, davon so viel wieder ausgegeben. Bleibt ein Rest, dann bekommt der Staat davon was ab und fertig ist die Steuerklärung. Das müssen wir 4 mal im Jahr machen, die Belege schön aufheben, das ist bei mir das Schwierigste an der Steuererklärung und einmal im Jahr macht man die Jahressteuererklärung. Da gibt es dann in unserem Fall immer etwas zurück, weil die Familienverhältnisse (Kinder, besondere außergewöhnliche Belastungen wie Zahnarztrechnungen und Frauen) in den "Pagos fraccionados", wie die dreimonatigen Zahlungen heißen, nicht berücksichtigt werden. Das macht man vom heimischen Computer aus, tippt die Zahlen in die Kästchen, gibt die Bankverbindung an und 6 Tage später ist Geld auf dem Konto. Schöne neue Welt.



Montag 04.07.05 - 18:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 26 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 71 % Luftdruck 1019 hPa

Die ersten Homo-Ehen auf den Kanaren

Nur ein paar Tage nach dem die liberale Regierung in Madrid den Weg frei gemacht hat für Homo-Ehen, welche den Hetero-Ehen in 100% gleichgestellt sind, haben sich insgesamt 8 Pärchen auf Tenerife und Gran Canaria bereits in den entsprechenden Gemeinden erkundigt. Das heißt noch nicht, dass es bald definitiv zu den ersten Eheschließungen kommen wird, aber die Papiere werden wohl schon bearbeitet. Auf La Palma ist noch in keiner Gemeinde ein solcher Antrag eingegangen, man befindet sich hier noch in der Überlegungsphase. Hier nennt man diese gleichgeschlechtlichen Ehe übrigens "Matrimonio Gay". Das Gesetz ist klar definiert, dennoch haben bereits einige Bürgermeister und Friedensrichter auf den Kanaren angedeutet, sie werden keine Homo-Ehen trauen, da muss man dann mal sehen, wie das laufen soll.

Es ist auch gar nicht so einfach die Gemeinde zu wechseln, nach dem Motto, dort ist ein Sozialist Bürgermeister, dann heiraten wir eben da. In fast allen Gemeinden werden Ehen nur getraut, wenn mindestens ein Hochzeiter auch in der Gemeinde wohnt. Ich überlege mir das gerade, wie das bei uns in El Paso aussehen würde. Der Bürgermeister ist dagegen, der alte Friedensrichter auch. Der Neue würde es wohl machen, schließlich war er Jahrzehnte lang Mitglied bei den Sozialisten, aber der alte Friedensrichter will seinen Platz nicht kampflos räumen. Vielleicht ist diese Überlegung auch ganz hypothetisch und der heikle Kelch geht an unseren Stadtoberen vorbei. Ich glaube auch nicht, dass es so ganz ohne Skandälchen ablaufen würde, es gibt da bei uns eine ganz harte Truppe, man könnte sie fast militante Katholen nennen, die würden schon ihren Psalm dazu abliefern. Das ist halt immer das Problem, wenn Madrid mal wieder viel zu schnell ist für uns. Wird aber noch, ich weiß nur nicht ob vor, oder nach dem Vulkanausbruch.

In eigener Sache das Kalenderblatt für den Juni 2005 ist fertig geworden und kann HIER aufgerufen werden.



Montag 04.07.05 - 09:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 20 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 70 % Luftdruck 1020 hPa

60.000 Menschen können nicht irren

Wenn die Zahl mit den 60.000 Teilnehmern stimmt, dann bricht diese Bajada de La Virgen de Las Nieves sämtliche Teilnehmerrekorde, welche jemals verzeichnet wurden. Zumindest meldet die meist gelesene Zeitung auf La Palma diesen wahnsinnigen Rekord, dazu muss man wissen, dass auf La Palma eben mal nur 84.000 Menschen leben. Noch prickelnder werden die Erwartungen, weil das gestern erst das jungfräuliche Vorspiel war, der Thron der heiligen Jungfrau vom Schnee wurde von der Kirche in Las Nieves in die Hauptstadt getragen. Begleitet von vielen Musik und Folkloregruppen von allen Kanareninseln wurden die 42 Teile in einer nicht enden wollenden Prozession bis an den endgültigen Standpunkt, La Alameda gebracht.

Dort muss der Thron noch bis zum 16. Juli warten, dann erst wird die Jungfrau in die Stadt gebracht und man erwartet dazu noch viel mehr Menschen. Jetzt beginnt erst die "semana chica", die kleine Woche, auch gespickt mit Aufführungen und Tanz bis in das Grauen des Morgens, aber ganz richtig los geht es erst ab Mitte nächster Woche, dann beginnt die "semana grande" mit dem Minué, den Zwergentänzen und dann schließlich der Ankunft der Jungfrau. Vorsichtige Schätzungen sprechen dann von bis zu einhunderttausend Menschen, die sich dann in und um die Hauptstadt tummeln werden, zum Vergleich, im Alltag hat Santa Cruz knapp unter 20.000 Einwohner. Da müssen in anderen Regionen schon Altstars wie Pink Floyd im Rollstuhl angekarrt werden um solche Menschmassen auf die Beine zu bringen, das schaffen bei uns Zwerge und Jungfrauen. Hat irgend jemand gesagt, auf La Palma ist nichts los und er langweilt sich?



Sonntag 03.07.05 - 17:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 26 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 69 % Luftdruck 1020 hPa

Ich will kein Mitleid mehr

Sonntagabend nach Formel 1 Rennen habe ich inzwischen keine Lust mehr zu meinen Kumpels in die Kneipe zu gehen. Ganz unter uns, es interessiert mich überhaupt nicht, wer denn da am schnellsten im Kreis gefahren ist, aber Dank eines gut aussehenden Bengels in blauer Montur, hier jeden und alle. Ich weiß ja, dass es in Deutschland so was wie eine Schumi-Manie gibt, das gibt es hier jetzt auch, den Alsonsimus. Nun fährt der freche Junge aber dem alten Herren ja die Fußnägel ab und Taumel und Trubel mischt sich in die sonst eher leicht bleierne und gut erträgliche Ruhe am Sonntagabend. An solchen Abenden sind meinen Gesprächspartnern keine alten Geschichten aus grauer Vorzeit zu entlocken und selbst die sonst immer fruchtende Geschichte, eine Runde auf Politiker schimpfen, erringt keine Aufmerksamkeit.

Da muss ich durch oder zu Hause bleiben. Das Schlimmste aber ist, wenn ich dann darauf eingehe und auch über Autorennen spreche, je weniger Sachverstand um so länger die Gespräche, dann glaubt mir ständig einer tröstend auf die Schulter klopfen zu müssen. Der kommt schon wieder dein Schumi, das Auto taugt sicher nichts und neben Fernando ist er der beste Fahrer. Ist aber nicht mein Schumi und eigentlich will ich mich mit denen darüber freuen, dass Lonsi gewonnen hat, aber das scheint man mir nicht abzunehmen, dass es mit gar Wurst ist wer da gewonnen hat, sowieso nicht. Immerhin hat die Sache einen kleinen finanziellen Nebeneffekt, dem vermeintlichen Verlierer werden so viele Tröstungsbiere ausgegeben, dass das ein billiger Abend wird. Das kann ich auf die Dauer natürlich nicht so stehen lassen, also entweder gehe ich Sonntagabend nach Autorennen nicht mehr in die Kneipe, oder Schumi gewinnt mal wieder ein Rennen in dem mehr als 6 Autos teilnehmen.



Sonntag 03.07.05 - 09:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 20 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 70 % Luftdruck 1020 hPa

Abgespeckte Visionen

Wenn Sie ein paar Minuten Zeit haben, dann blättern Sie mal zurück zum 24.11.04. Eine perfekte Waterworld für Puerto de Naos und nun kommt der Alltag zurück und mit ihm die bezahlbare Version. Als dringende Schutzmaßnahme für den Strand, sonst braucht man Puerto de Naos ja gar nicht mehr, soll ein unterseeischer Deich errichtet werden, 120 Meter lang und bis auf 4 Meter unter der Meeresoberfläche reichend. Ziel dieses unsichtbaren Schutzwalls ist, den immer wieder auftretenden Sandverlust zu begrenzen. Besonders im Herbst und Winter nagen gewaltige Grundseen an unserer Küste und machen mit unseren Stränden was sie wollen. Der unterseeische Deich soll nun die Sogwirkung entkräften und das was für einen Strand unabdingbar ist, dort lassen wo es hingehört. Ohne Sand kein Strand, ohne Strand keine Leute, ohne Leute kein Geschäft, ohne Geschäft keine Wiederwahl. Oh Göttin, wo bin ich jetzt wieder gelandet...

Die Gemeinde Los Llanos, zu der Puerto de Naos gehört hat diesem Projekt zugestimmt, nun geht es weiter an die Küstenbehörde und die lässt nun ein Projekt erstellen, welches dann zur Ausschreibung kommt. Zwischen 4 und 7 Millionen Euro werden angenommen, was später dafür mal ausgegeben wird, ist eine andere Frage. Hauptfrage ist nicht die Funktionalität des Bauwerkes, man ist sich seitens der Ingenieure wieder mal sicher den Nordatlantik beherrschen zu können, (so wie in Puerto de Tazacorte) sondern die Frage, wie soll man den riesigen Deich bauen. Ein Vorschlag lautet, von Land aus, dazu müsste man den Deich zuerst bis über die Wasseroberfläche bauen, weil selbst unsere katholischen LKW noch nicht auf dem Wasser fahren können. So wird es wohl eher die maritime Version geben, Schuten und Lastkähne werden vorgefertigte Bauteile nach Puerto de Naos schippern und dort kunstvoll unter der Wasseroberfläche verstricken. Wann das Ganze über den Atlantik gehen soll, das wagt inzwischen aus vernünftigen Gründen niemand mehr vorherzusagen. Spötter haben für solche Zeiträume inzwischen eine neue Definition ausgeheckt und fragen nur noch: Vor oder nach dem Vulkanausbruch?



Samstag 02.07.05 - 17:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 26 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 70 % Luftdruck 1021 hPa

Mit dem Bus zur Bajada

Morgen beginnt die heiße Phase der Bajada de La Virgen de Las Nieves, der erste Höhepunkt, die Herabholung des Throns aus Las Nieves in die Hauptstadt. Wer nicht in Santa Cruz wohnt, der hat schlechte Karten mit dem eigenen Auto dorthin zu gelangen, Parkplätze sind immer schon Mangelware gewesen in der Hauptstadt. Nun sind die beiden großen Stellflächen am Hafen und an der Küstenlinie auch noch von den Festpavillons besetzt. Allerdings kann man von der Westseite mit dem Auto bis zum alten Flughafen fahren, den Wagen dort abstellen und dann einen Shuttle Service per Bus in Anspruch nehmen. Ab Mittag fahren dort im Abstand von 30 Minuten Busse in die Hauptstadt und ab 22:00 Uhr bis in die frühen Morgenstunden auch wieder zurück. Dieser Service soll an allen Tagen angeboten werden, wenn die großen Höhepunkte der Fiesta zelebriert werden.

Für Morgen gibt es auch noch einen speziellen Service von Los Llanos nach Las Nieves, für alle Pilger die dann zusammen von dort in die Hauptstadt ziehen wollen. Zwischen 12:00 und 17:00 Uhr fahren Busse ab dem Busbahnhof, nicht ab dem U-Bahnhof, alle halbe Stunde nach Las Nieves. Zurück geht es dann ab 22:15 bis 02:15 Uhr. Ich kann jedem nur anraten, nicht an den "großen Tagen" sich mit dem Auto zu nah an die Hauptstadt zu wagen, das bringt nichts. Ob der Busverkehr ausreicht, das werden wir sehen, allerdings hat sich der öffentliche Busverkehr hier schon das ein oder andere Mal sehr flexibel gezeigt. Weitere Extraverbindungen können Sie auf der Webseite unserer "Guagua" Truppe ersehen, die großen rot-weißen Busse haben bislang eigentlich immer jeden nach Hause gebracht und ich finde es toll, nicht selber fahren zu müssen. Da kann man dann auch seelenruhig mal das eine oder andere Gläschen Weihwasser zu sich nehmen, das mit dem Kronenkorken. www.transporteslapalma.com



Samstag 02.07.05 - 09:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 20 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 70 % Luftdruck 1021 hPa

Bananengeschichten

Wird ein Buch über irgend etwas geschrieben, schließt man damit meist ein Kapitel ab, manchmal sogar die ganze Geschichte. Jetzt gibt es das erste Buch über die Bananen auf der Insel und ich kann nur hoffen, dass das kein Abgesang oder Nekrolog wird. Wenn man ganz ehrlich ist, dann verdankt La Palma seine Entwicklung der letzten hundert Jahre fast ausschließlich dieser so heftig diskutierten Frucht. Erst die EU hat die Produktion der Bananen in Frage gestellt aber auch weiter möglich gemacht durch die Ausgleichszahlungen. Die Bananen sind Fluch und Segen dieser Insel gleichzeitig, was mal daraus wird, ist sehr offen und liegt längst nicht mehr in unserer Hand sondern wird in den Wirtschaftsmetropolen Europas entschieden. Vielleicht sogar in den Vereinigten Staaten, wenn die beschließen es ist Schluss mit lustig und europäischen Bananen, dann wird das so kommen.

Das Buch, vielleicht besser als Bildband beschrieben, El plátano en La Palma. Imágenes para el recuerdo, herausgegeben von einer der größten Bananenkooperativen der Insel, "Cupalma" birgt in seinem Titel ja auch bereits den Klang des Definitiven. - Bananen auf La Palma. Eindrücke für die Erinnerung. - Das hört sich nicht gerade nach Durchhalteparole an, wird aber von den Autoren ganz anders verstanden. Über hundert Jahre bestimmt diese Frucht nun unsere Gegenwart und hat uns, Dank der EU Hilfen in eine Sackgasse manövriert, aus der bislang kein Ausweg sichtbar ist. Eins ist klar, muss die Banane weg von der Insel, wird nichts so bleiben können wie es ist und war, Alternativen dazu sind nicht in Aussicht. Vielleicht wird damit der hilflose Drang unserer Legislative zum Tourismus etwas erklärbarer, anstatt der Monokultur Bananen, die gleiche Anbauweise von Touristen. Das darf einfach nicht sein, auf keinen Fall kurzfristig und ohne langsamen Übergang. Bleibt die Hoffnung, das dieser Bildband mit vielen historischen Photos, beginnend 1902, nur der erste Band einer nach oben offenen Historienskala wird. Wenn ich wüsste, 2020 erscheint die erste Fortsetzung, wäre mir deutlich wohler. La Palma ohne Bananen, das geht nicht - noch nicht.



Freitag 01.07.05 - 18:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 26 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 69 % Luftdruck 1022 hPa

Es wird Sommer, die ersten Godos sind da

Jetzt müssen wir erst mal das Wort "Godos" erklären, so nennt man die Goten im Spanischen und die Leute von den Kanaren nennen alle Festlandsspanier so. Ist nicht unbedingt abwertend gemeint, schickt man voraus, dass alles was vom Festland kommt immer mit größter Skepsis betrachtet wird. Eigentlich sollte man Palmeros und Festlandsspanier nicht von weitem bereits unterscheiden können, aber das klappt fast immer, dazu müssen die gar nicht den Mund aufmachen. Spätestens wenn sie anfangen zu reden, dann verraten sich alle Godos nachhaltig. Aber auch in Körpersprache, Bewegung und Gestik kann der geneigte Beobachter deutliche Unterschiede feststellen. Festlandsspanier schreiten, die gehen nicht einfach nur, die Schultern zurückgezogen als wollten sie sich noch größer machen als sie bereits eh schon sind. Beim Gestikulieren sind sie zurückhaltender als wir, wozu wir mindestens zwei sehr bewegliche Arme brauchen, genügen denen zur Konversation kurze distinguierte Handbewegung und sie versuchen sich überwiegend sprechend zu verständigen. - Allerdings selbst im nüchternen Zustand sehr laut, als fänden sie den furchtbaren Dialekt den sie sprechen auch noch schön. Wir haben meist Leute aus Madrid und den nördlichen spanischen Provinzen hier als Gäste, die trinken therbetha anstatt cerveza und kennen so ein scharfes S, dass es uns in den Trommelfellen kribbelt.

Sie treten auch nie alleine auf, vielleicht haben sie ja Angst von uns ungebildeten Halbwilden angegriffen zu werden, dabei tun wir denen doch gar nichts, wir wundern uns immer nur, dass man selbst in stark abgedunkelten Räumen zwingend Sonnenbrillen tragen muss. Die Kellner und Köche der Küstenrestaurants fürchten den Einmarsch der vielen Festlandsspanier besonders, verzögern die doch den nächtlichen Feierabend bis weit in die Nacht hinein. Ist man bislang ein Zweischicht System gewohnt, von 19:00 bis 21:00 Uhr essen die "Guiris", das sind die mitteleuropäischen Ausländer, von 21:00 bis 22:30 Uhr die Palmeros und Canarios und dann erst bekommen die Godos Hunger und sorgen für eine dritte Schicht. Im Landesinneren sind die Festlandsspanier allerdings abends selten anzutreffen. Ausflüge werden nur um die Mittagszeit gemacht, da steh man dann in Grüppchen nahe dem Mietwagen, hält sich dicke Zeitungen als Sonnenschutz über den Kopf und irgendein gebildeter Alpha-Godo erklärt mit langem Finger und kräftiger Stimme die Umgebung und die Welt. Was die alles wissen über unsere Insel ist erstaunlich. Es widerspricht ihnen auch keiner von uns, wenn sie mit Ortsnamen umspringen als wäre La Palma ein Scrabble Spiel und dem Roque de los Muchachos so viele Höhenmeter hinzudichten, dass man diesen nur noch mit Sauerstoffgeräten besteigen sollte. Das macht alles nichts, sie sind uns herzlich Willkommen, immerhin retten die Godos unsere magere Sommerbilanz und alleine dafür verzeihen wir ihnen gerne das kleine Stückchen Arroganz, mit welcher sie ihre Kolonien besuchen.



Freitag 01.07.05 - 09:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 20 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 68 % Luftdruck 1021 hPa

Erst kommt das Gesetz und dann der Mensch

Die ersten Abrissverfügungen haben nun auch die drei Siedlungen im Süden der Insel erreicht, El Faro, Punta Larga und La Zamora, alle im Gemeindegebiet Fuencalientes. Damit geht der Kampf um die wilden und nicht ganz legalen Siedlungen jetzt an der gesamten Westküste los, La Bombilla, Playa Nueva, auch Los Guirres genannt und Teile El Remos haben längst die blauen Briefe erhalten in denen die Küstenbehörden die Räumung der Gebäude anordnen und den Abriss. Netterweise sollen die Eigentümer der Häuschen den Abriss auch noch selbst bewerkstelligen, innerhalb eines Monats und unter Beachtung aller Vorschriften, die es bei solchen Aufgaben gibt. Macht natürlich keiner und so geht jeder einzelne Vorgang an die Gerichte und schiebt den Zwangsabriss in eine unbestimmte Zukunft. Allerdings hat es an der Playa Nueva und in La Bombilla bereits die ersten Häuser erwischt, zieht irgendwo einer aus, dann kommt sofort der Raupenschlepper und ebnet Träume ein.

Um eines ganz klar zu sagen, die Küstenbehörde hat das Gesetz auf ihrer Seite, der Küstenstreifen darf nicht bebaut werden, so lange seitens der Provinzregierung die Zone nicht als "Urban" ausgewiesen wird. Das ist nicht zu erwarten, vielleicht im Falle El Remos, da gibt es Pläne, die Kläranlage für die geplanten Hotels zu installieren und damit würde man eine "urbane Zone" schaffen. Wer das Gesetz auf seiner Seite hat, der handelt wohl mit Recht, aber sicher nicht immer richtig. Die Frage bleibt unbeantwortet, warum sollen gerade jetzt die Siedlungen weg, nach dem diese zwei Generationen lang von allen Menschen dieser Insel mehr als geduldet wurden und von den Gemeinden sogar Strom, Wasser und auch Steuerbescheide erhalten haben. Die stereotype Antwort der Küstenbehörde lautet, es geht um die Rehabilitation des Küstenstreifens, der soll in seinen Ursprungszustand versetzt werden. Die Bürgermeister der drei betroffenen Gemeinden, Fuencaliente, Los Llanos und Tazacorte verstecken sich hinter dieser Behörde und greifen eigentlich überhaupt nicht ein. Anstatt die Räumung überhaupt in Frage zu stellen, versteift man sich auf die Forderung von Ersatzwohnungen und Entschädigungen. Ich habe mich immer wieder gefragt, warum uns die Küstenbehörde jetzt erst wahrgenommen hat und solch hehre Aufgaben wie die Rehabilitation des Küstenstreifens fordert. Sicher irre ich mich, wenn ich das plötzliche Interesse der Küstenbehörde mit dem Auftreten internationaler Großkonzerne in einen Zusammenhang bringe. So etwas kann nicht sein, wir leben in einem Rechtstaat und da gilt für alle der gleiche rechtliche Maßstab. Wenn ich mich da nicht mal schon wieder irre.




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