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Nachrichtenarchiv Februar 2010


Sonntag 28.02.2010 17:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad - Niederschlag 0,5 mm - Luftfeuchte 26 % - Luftdruck 1013 hPa
Höchsttemperatur heute 20,1 Grad - niedrigste Temperatur 12,2 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 17,8 - Temp. Min 4,3 - Feuchte 26 - 95 % Niederschlag 0 mm

Orangen für ein Cent das Kilo
Das Drama in der palmerischen Landwirtschaft

In der heutigen Sonntagsausgabe der Zeitung "El Día" erscheint ein Artikel, welcher einen drastischen Einblick in Teile des Alltags unserer Landwirtschaft widerspiegelt. - Sicher nicht gleich in alle Bereiche unserer landwirtschaftlichen Produktion zu übersetzen, aber es zeigt doch symptomatisch auf, warum wir uns hier so schwer tun die ländlichen Gebiete wieder mit mehr Feldanbau zu beleben. - Ein Landwirt rechnet in dem Artikel vor, dass er für Saftorangen, also schon die kleinen, die nicht so beliebt sind im Handel, lediglich einen Cent als Erzeugerpreis erhalten hat. - Er lieferte die Früchte, welche meist in der Gastronomie geordert werden an "Gestión del Medio Rural", eine Organisation der kanarischen Provinzregierung, welche dafür gegründet wurde, die landwirtschaftlichen Produkte weiter an den Zwischen- aber auch Einzelhandel zu vertreiben. - Das ist eine positive Einrichtung, hapert es doch bei uns sehr in den Vermarktungsstrukturen, allerdings ist das Endergebnis meist extrem unbefriedigend für den Landwirt. - Zwar schrieb man dem Landwirt pro Kilo für die Früchte zunächst 13 Cent gut, allerdings berechnet "Gestión del Medio Rural" dann Abzüge für die Verpackung, den Transport und auch eine Gebühr für die Mitgliedschaft, so dass er am Jahresende für seine gelieferten 11.000 Kilo Orangen lediglich 110 Euro ausbezahlt bekam. - Das ergibt eben zurückgerechnet diesen beschämenden einen Cent pro Kilo. - Die Gastronomie bezahlt an die 50 - 70 Cent für das Kilo Saftorangen und im Handel gehen die für 90 - 110 Cent pro Kilo über den Ladentisch. - Was wir allerdings nicht wissen ist, zu welchem Preis die Orangen nun an die Großhändler weitergegeben wurden. Dennoch, keine Frage, dass solch eine Geschichte unseren fleißigen Landwirt nicht weiter dazu ermutigen wird, seine Orangen zu ernten, die werden in der kommenden Ernte wohl an den Bäumen hängen bleiben, bis der Wind diese abschüttelt und sich dann kleine Tierchen davon ernähren.

Das ist sicherlich ein drastisches Beispiel und darf nicht pauschal auf alle Bereiche der Landwirtschaft hier angewandt werden, aber es gibt doch keine Frage, dass hier Handlungsbedarf besteht. - Die Wertschöpfungskette vom Landwirt zum Endverbraucher ist hier äußerst zerrüttet und bedarf einer dringenden Korrektur, bei der auch der Verbraucher selbst seinen Teil dazu beitragen kann. - Das Hauptproblem ist aber die Verteilung der Güter, die so ungelenk und so teuer ist, dass eben kleine Chargen, die hier auf der Insel erzeugt und vertrieben werden, kaum Chancen haben, sich gegen die massenhaft verschickten Importe vom spanischen Festland oder aus dem weiteren Ausland zu wehren. - Die Supermärkte tun sich schwer die kleinen Partien direkt anzunehmen welche unsere Landwirte wöchentlich beschaffen können, sondern ordern eben lieber verlässliche Mengen dann aus gemeinschaftlichem Einkauf für alle Läden der Ketten. - Vielfach können die einzelnen Supermärkte auch lokale Produkte gar nicht ankaufen, das ist in deren Plan gar nicht vorgesehen. - Dafür soll ja aber der gemeinsame Anlaufpunkt "Gestión del Medio Rural" sorgen, der eben die Produkte der einzelnen Landwirte ankauft, und dann als Großmenge an die Supermärkte weiterliefern kann. - Das aber funktioniert nur über den Preis, kein Disponent einer Kette kann sich erlauben, einfach nur weil die Orangen "von hier" sind, mehr Geld für Orangen auf den Tisch legen, als Vergleichsware vom Festland kostet. - Dabei fallen in der Pack- und Verteilstation dann aber wohl zu hohe Kosten an, und diese Kosten werden ganz nach unten weitergegeben, an den Erzeuger. - Es müsste gelingen, wenigstens eine Station aus der Wertschöpfungskette auszuschließen, oder noch viel mehr in Sachen Direktvermarktung unternommen werden. - Da gibt es ein paar interessante Märkte bereits, die sich dem vermehrt annehmen, und man muss auch anerkennen, dass die Endverbraucher zunehmend schon auf die Herkunft der Produkte achten. - Allerdings reicht es nicht aus, einen sonntäglichen Bauernmarkt in Los Llanos zu betreiben und die beiden Wochenendmärkte in Mazo wie in Puntagorda, es müssten überall auf der Insel diese Märkte entstehen. - Und das lockend auch für den Verbraucher, mit Parkplätzen in der Nähe, eine angenehme Atmosphäre müsste auch für diese Verkaufsstellen geschaffen werden, und nicht wie in El Paso, den kaum zu findenden Keller der Tourismusinformation dafür bereithalten. - Noch peinlicher ist es aber, wenn da zwar ein Bauernmarkt vorgesehen ist, die Möbel dafür auch schon vor Jahren gekauft wurden, in El Paso aber niemand in der Lage ist, diesen Markt mal irgendwann zu eröffnen. - Natürlich sind es solche Bauernmärkte auch nicht alleine, aber die können wohl dem Landwirt es erlauben, seinen Acker wieder zu bearbeiten, wenn er denn dafür echtes Geld bekommt. - Was er darüber hinaus dann noch produziert, weil er sicherlich die Mengen nicht alle auf dem Markt vertickt bekommt, das kann er ja dann in den Großhandel geben und noch einen kleineren Preis dafür erzielen. - Und wir, die Verbraucher, wir können den Handel auch immer wieder damit nerven, dass wir vermehrt lokale Produkte fordern, meist verweigert sich der Handel nicht lange den Wünschen seiner Kunden, das kann er sich nicht erlauben. - La Palma, diese grüne und wasserreiche Insel, mit besten klimatologischen Bedingungen für jede Art von Landwirtschaft importiert den allergrößten Teil seines Obstes und seines Gemüses, weil unsere eigenen Früchte aus Gründen der schlechten Vermarktung zu teuer werden. - Das wäre doch eine Aufgabe für die Politik, aber die lassen sich nur sehen, wenn es um die Heilige Kuh unserer Landwirtschaft geht, die Banane. - Gefährliche Ignoranz, kann man dazu nur sagen.



Sonntag 28.02.2010 10:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 13 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 54 % - Luftdruck 1013 hPa

Auch du mein Sohn Iberia?
Nur noch ein Gepäckstück bei der spanischen Primadonna

Freddy Laker hat mit dem ganzen Mist angefangen, auch noch Sir Freddy Laker. - Fliegen ist ein Discountprodukt geworden und wer einem vormacht, dass man für 29 Euro nach La Palma fliegen kann, der muss sich nicht wundern, wenn man dann einen Flug für 250 Euro als teuer empfindet. - Die automatisierte Selbstentwertung von Leistungen findet man sicher nicht nur in der Fliegerei, aber wir wollen heute nicht über Milch, Schweinefleisch und landwirtschaftliche Erzeugerpreise generell sprechen, obwohl mir auch bei dem Thema der bäuerliche Kropf zittert. - Vor 15 Jahren kostete ein Ticket, seinerzeit noch mit Germania oder der LTU nach La Palma hin und zurück an die 750 Mark. - Deutsche Mark natürlich, was etwa 375 Euro entspricht, wenn man die publikumsfreundliche Umrechnung von eins zu zwei anwendet. - In diesen 15 Jahren aber haben sich die Löhne fast verdoppelt und der Kerosinpreis vervielfacht, da fällt es schwer nachzuvollziehen, dass man immer noch für diesen Preis, oder aber auch weniger, die gleiche Dienstleistung in Anspruch nehmen kann, wie das vor 15 Jahren so war. - Kann ja sein, dass in diesen früheren Jahren sich die Fluggesellschaften mehrere goldene Nasen verdient haben, aber was damals in der Ferienfliegerei anfing, mit Rabatten und günstigen Paketpreisen, das überzieht heute die komplette Branche, in welcher kaum noch eine Fluggesellschaft nicht gezwungen ist, drastische Sparmaßnahmen einzuführen. - Man mag dabei ein paar "Scheich-Airlines" ausklammern, bei denen eh keiner in die Bücher sehen darf und will, aber ansonsten nagt die komplette Branche einen knappen Kanten vor der Pleite und ohne Fusionen, Aufkäufe, Stilllegungen, oder eben drastischen Einsparungsmaßnahmen, stutzen sich die meisten Airlines selbst auf ein Billigfliegerniveau zurück. - Es geht nicht anders sagt man dann, und dabei werden die wohl recht haben, da es dem Verbraucher wohl letztendlich wirklich egal ist, in welchen Flieger man steigt, hauptsächlich die Reise ist billig.

So muss man den zweifelhaften Erfolg der Billigflieger wohl auch verstehen und das Medium Internet hat ja inzwischen auch dafür gesorgt, dass man billig als erstrebenswert betrachtet und alle Angebote schnell und einfach eruieren kann. - Das ist der Lauf der Zeit und wir sind Teil dieses Systems, so muss man das wohl verstehen, und die Fluggesellschaften reagieren nach ihren Möglichkeiten und nach ihrem Ideenreichtum auf diese veränderte Situation. - Da schmieden die meisten Carrier eigene Billiglinien mit lustigen Phantasienamen wie "Clickair" oder gar dem spanglischen "Vueling" und selbst Dickschiffe des Business wie die Iberia, die bis 2009 immer noch gute Gewinne eingeflogen hat, knabbert nun erneut am Service und macht sich selbst nicht preiswert, sondern eben "billig". - Essen gab es auf den Kurz- und Mittelstrecken der Iberia schon seit längerem nicht mehr umsonst, aber damit kann ich persönlich mich locker abfinden, wer zwei Stunden nach Madrid fliegt, der muss nicht unbedingt etwas essen, und seien wir doch mal ehrlich, was andere Airlines auf einem 4 Stunden Flug als "Essen" servieren, das verdient diesen Namen eigentlich nicht. - Nun aber schlägt die Iberia wieder zu, und beschränkt den kostenlosen Koffertransport auf ein Gepäckstück. - Das allerdings darf 23 Kilo wiegen, aber eben pro Nase geht nur noch eines davon unentgeltlich auf die Reise. - Wer einen zweiten Koffer einchecken will, der muss gleich pauschal 60 Euro dafür berappen, oder nur 50 Mücken, wenn er das über das Internet macht. - Ja, ich habe mir auch eben gerade vorgestellt, wie man versucht einen Koffer durch das Internet in den Flieger zu bekommen, aber Sie wissen ja wie das ist in der heutigen Zeit… - Man möchte damit Geld sparen, sagt die Iberia, darauf wären wir nun gar nicht gekommen, und man kann sich schon vorstellen, dass dieser dann geringere Aufwand bei der Gepäckabfertigung wieder Einsparungen beim Personal möglich macht. - Allerdings sagen die auch, dass man damit dann Gewicht im Flieger einsparen könnte, aber das will mir nicht so richtig schlüssig werden, denn 23 Kilo verteilt auf ein, oder zwei Gepäckstücke, das ist doch genau so schwer, oder wollen die uns was mit der Geschichte von einem Kilo Blei, und zwei Pfund Federn erzählen. - Macht nichts, 23 Kilo das reicht doch allemal für die Kurz- oder Mittelstrecke, man muss es eben nur wissen, dass man nur noch einen Koffer packt, wenn man mit Iberia fliegt.



Samstag 27.02.2010 17:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 15 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 49 % - Luftdruck 1006 hPa
Höchsttemperatur heute 21,7 Grad - niedrigste Temperatur 15,2 Grad

Karneval an Ostern
Dogmenfreier Umgang mit der Fastenzeit

Eigentlich sagt man uns doch nach, strunzkatholisch zu sein, aber wir halten uns an solche Dinge wie Fastenzeit schon überhaupt nicht. - Da solidarisieren wir uns ja eher mit der trinkfreudigen Bischöfin, auch wenn die vom anderen Lager ist, für so etwas haben wir Verständnis. - Warum hier Karneval so exzessiv und lang anhaltend gefeiert wird, weit in die Fastenzeit hinein, das müsste man unsere Pfarrer fragen. - Beim Karneval haben wir vielleicht Nachholbedarf, weil diese Art eine kollektive Auszeit zu nehmen unter Franco verboten war. - Aber selbst in den Jahren hat man Karneval gefeiert, diesen allerdings nicht als solchen deklariert, und zum Beispiel in El Paso im Haus der Pfarrgemeinde Kostümbälle veranstaltet und sich dabei diebisch gefreut, dass selbst der Pfarrer so etwas Heidnisches betreibt wie Karneval, bloß um dem Stinkeregime eins auszuwischen. - Immer schon haben wir über den Aschermittwoch hinaus gefeiert, aber dieses Jahr scheint der Karneval überhaupt nicht enden zu wollen, und daran hat auch das Wetter mit Schuld. - Viele Veranstaltungen konnten wegen des schlechten Wetters ja nicht zum angezeigten Termin abgehalten, sollen aber nachgeholt werden. - Das Verbrennen des Pulpo in Los Cancajos, eine Abwandlung der Sardinenverbrennung musste nun bereits zweimal verschoben werden, ganz einfach, weil der Pulpo nicht gebrannt hätte, sondern davongeflogen wäre. - Und von fliegenden Pulpos wollen wir uns definitiv distanzieren, brennen soll er. - Auch die "Sardine" von Los Sauces, die für heute angesagt war, die findet jetzt nicht statt, einen neuen Termin gibt es noch nicht, aber wie ich uns kenne, holen wir das auch noch nach, und sei es an Ostern. - In Los Llanos perfektioniert man nun den pragmatischen Umgang mit dem Fest nun auf fast blasphemische Art und Weise. - Karneval ist auch ein Geschäft, die vielen Trink- und Futterbunden bezahlen hohe Standmieten um die Karnevalisten mit Promille und Kalorien zu befeuern, sind aber mit dem Geschäft in diesem Jahr nicht wirklich zufrieden. - Auch wieder das Wetter ist daran schuld, weil bei Regen und Wind eben bei weitem nicht die Anzahl an Narren auf der Straße ist wie bei gutem Wetter. - Nun hat man sich darüber beim Bürgermeister beklagt und kurzerhand besprochen, dass man den Karneval in Los Llanos, obwohl man die Sardine bereits verbrannt hat, noch um ein Wochenende zu verlängern. - Grund hierfür ist einfach das laute Klagen der Geschäftsleute, die unbedingt noch Gelegenheit brauchten ihre Kassen so zu füllen, damit auch für sie dieses Fest einigermaßen effektiv ausgeht. - Wenn das Schule macht, dann wiederholen wir Weihnachten im März, weil der Umsatz im Einzelhandel in der Adventszeit nicht gestimmt hat und die olympischen Winterspiele im April, weil wir mit dem Ergebnis im Biathlon nicht zufrieden sind. - Wir sind ein komisches Völkchen hier auf der Insel, strunzkatholisch, aber kommt uns bloß nicht mit so einem Quatsch wie Fastenzeit und dem Aschermittwoch, an dem alles vorbei sein soll. - Wann Schluss ist mit lustig, das lassen wir uns von keinem erzählen, so lange noch einer das Glas hochhalten kann, so lange wird weiter karnevaliert, koste es was es wolle.

Mit dem Wetter geht es eher grobkariert weiter. - Es herrscht keine Ordnung auf dem Nordatlantik, ab bissal sias, a bissal bitter, Becherovkawetter eben. - Allerdings auch ohne Sausewind und Starkregen und die meiste Zeit wird es sogar trocken und sonnig sein, mittendrin aber eben auch mal wieder ein paar Tropfen Regen, weil unser großer Wettermotor auf dem Nordatlantik, das berühmte Azorenhoch wohl bei der Gewerkschaft ist, und sich irgendwie in einem Bummelstreikzustand befindet. - Man kann aber die Wäsche ruhig heraushängen, morgen zumindest, und ansonsten immer schön die Wolken von Westen beobachten und wenn dann mal ein Schauer kommt, dann muss man halt rennen.



Samstag 27.02.2010 10:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 16 Grad - Niederschlag 4 mm - Luftfeuchte 70 % - Luftdruck 1003 hPa

Auditorio Asfaltico
Volles Haus in El Paso wegen der Asphaltwerke

Einer fehlte, und das war der Anwalt der "Plataforma", denn der wollte erst gegen Abend mit dem Flugzeug nach La Palma kommen, aber gegen 17:00 Uhr wurde die Piste bereits wieder geschlossen, da der Wind bereits heftig blies, und das erneut aus der falschen Richtung. - Genau dieser Felipe Campos wäre aber das Hauptgericht dieses Informationsabends geworden, so dass die Veranstalter sich alle Mühe geben mussten, den Abend doch noch raumfüllend zu gestalten. - Das ist aber gut gelungen, man hat einfach genügend Themen und unterhaltsames Polemikmaterial, um solch einen Abend kurzweilig zu interpretieren. - Extrem interessant finde ich dabei die unterschiedliche Gewichtung der Aussagen auf Spanisch und Deutsch, denn wie auf jedem Treffen der Plataforma wurde hier auch zweisprachig informiert. - Sichtlich um Objektivität und Effektivität bemüht, wich die deutsche Übersetzung zum Teil deutlich von den schmetternden polemischen Reden des spanischen Vorredner ab. - Das allerdings war kein Grund die Qualität des Treffens und der Übersetzung anzuzweifeln, es war ein brillantes Lehrstück über unterschiedliche Herangehensweisen an ein solch komplexes Thema wie den Kampf gegen die Institutionen. - Dazu muss man aber noch betonen, dass den deutschen Text kein Übersetzer sprach, welcher einfach nur das Gesagte in einer anderen Sprache wiederholen sollte, sondern ein Mitglied der Plataforma, welcher einfach nun mal Deutscher ist, der die Informationen ländergerecht in teutonengerechte Happen aufteilte. - Es gibt ihn wirklich den Unterschied, auch wenn solche beruflichen Multikultis wie ich das immer gerne wegwischen, in Unterhaltung, Informationsvermittlung und auch beim Witze erzählen, ist Pedro völlig anders drauf als Peter. - Vieles von dem wir da gestern Abend hören konnten, war dann aber eine Mischung aus diesen drei Varianten, wobei der Witz an sich die Tatsache ist, dass sich Bürger mit viel Geld und unendlich großem zeitlichen Aufwand dafür einsetzen müssen, dass lokale und provinzielle Institutionen sich an das Gesetz halten. - Beim Polemikpotential neige ich da ja eher zur spanischen Variante der Frustbewältigung, wobei wir aber wohl anerkennen müssen, dass die kluge und analysierende deutsche Art der Vorgehensweise wohl letztendlich die wirksamere ist. - Allerdings hilft Schimpfen und Zetern gegen Herzinfarkt und häuslichen Frust besser, so dass in diesem Fall bilaterale Protestkultur vielleicht wirklich der neue Königsweg ist.

Die Plataforma begann den Abend mit der üblichen und notwendigen Rekapitulation der Geschehnisse seit dem letzten Treffen. - Die überaus erfolgreiche Manifestation wurde da erwähnt, dann das peinliche Plenum im Rathaus von Los Llanos, in welchem die regierenden Beutel der CC und der PP den Antrag auf Rücknahme der Baulizenz abwiesen, und die fast heimlich angesetzten Treffen des Bürgermeisters mit besorgten Eltern, nachdem die Sprecher der fünf betroffenen Schulen damit gedroht hatten, die Schulen dort zu boykottieren oder gar zu schließen. - Es ist für uns nicht wirklich neu, das haben Sie auch schon alles gelesen, aber nicht jeder informiert sich halt jeden Moment in diesem Thema. - Interessante Details gab es aber auch, so spricht der Bürgermeister von Los Llanos von einer Schadensersatzforderung des Betreibers von 60 Millionen Euro, die auf die Stadt zukommen könnte, dabei hat die Anlage nur eine halbe Million Euro gekostet, und dieses Aspahltwerk ist auch nicht neu, sondern stand bislang bei Santa Cruz. - Außerdem will der frühere Bürgereister der Stadt wissen, dass solch ein Asphaltwerk als schädliche Emissionen lediglich CO2 produziert und man dagegen neben dem Werk ein paar Apfelbäumchen pflanzen will, die das wieder wettmachen würden. - Solche Argumentationsfädchen sind natürlich an Ignoranz und wohl auch Dummheit nicht zu übertreffen, wobei die Dummheit nicht im Sinn der sprachlichen Täter zu suchen ist, sondern genau von denen bei den bislang willfährigen Zuhörern vermutet wird. - Das lassen aber die Menschen nicht mehr mit sich machen, dennoch muss sich die Plataforma in ihrem Kampf gegen diese Asphaltwerke in den Wohngebieten mit diesem hirnlosen Quatsch auseinandersetzen, und eben viel Geld und viel Zeit dafür aufwenden, Schwachsinn sinnvoll zu widerlegen. - Ein Biologe war noch eingeladen, der auch das Gutachten für die Plataforma erarbeiten wird, welches der Anwalt zusammen mit einem weitern Gutachten eines Straßenbauingenieurs abgeben will, um die Klage gegen die Asphaltwerke zu unterstützen. - Der Biologe nahm sich viel Zeit seine Vorgehensweise in diesem Fall zu schildern, und man muss dem jungen Mann großen Respekt zollen, dass er für diesen Fall einen extremen Vorzugspreis für das Gutachten berechnet und sich den Abend Zeit für uns nahm. - So sind wir gleich wieder beim Thema Geld, denn obwohl die Plataforma momentan einen Überschuss von an die 5.000 Euro hat, sind weitere 12.000 Euro in den kommenden Wochen zu beschaffen. - Der Biologe nimmt "schlappe" 3.600 Euro für sei Gutachten, für das des Straßenbauingenieurs muss man allerdings mit an die 8.000 Euro rechnen. - Aber den Mann oder die Frau hat man noch nicht mal gefunden, denn hier auf den Kanaren scheint es keinen Straßenbauingenieur zu geben, der sich auf einen Streit mit den Institutionen einlassen will, in dem er ein Gutachten fertigt, welches einmal nicht zur Gefälligkeit der Obrigkeit ausfällt. - Das Problem dabei ist, diese Herren leben sonst von Aufträgen der öffentlichen Hand, und in diese Hand beißt man einfach nicht. -So macht man sich jetzt auf die Suche nach einem Straßenbauingenieur auf dem Festland, wo man den langen Arm der Coalición Canaria nicht mehr spüren kann. - Ich muss und darf Sie so wieder einmal bitten, ihre Spende an die Plataforma gegen diese beiden Asphaltwerke im Aridanetal zu geben. - Es ist wichtig, das ist wohl keinem entgangen, und auch notwendig diesen Kampf gegen eine filzige Gemeinschaft von Politik und Geschäftemachen aufzunehmen. - Auf unsere Justitz ist dabei wohl Verlass, allerdings dauert das, und es kostet viel. - Die Kontonummer der Bankverbindung der Plataforma lautet:

Asociación Plataforma en Contra de la Instalación de Plantas de Asfalto en el Valle de Aridane.
IBAN ES 43 2065 0718 1714 0097 0190
BIC/SWIFT CECA ESMM 065
Bank: Caja Canaria



Freitag 26.02.2010 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 22 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 5 % - Luftdruck 1004 hPa
Höchsttemperatur heute 24,2 Grad - niedrigste Temperatur 14,6 Grad

Politposse in Tazacorte
Ex-Parteikollegen gehen aufeinander los

Es soll Zeugen gegeben haben, aber dennoch weiß eigentlich keiner, wie die Geschichte nun wirklich abgelaufen ist, außer natürlich den beiden Protagonisten. - Nummer eins und Nummer zwei der Liste der CCN (Centro Canario Nacionalista), eine neue Gruppierung hier auf der Insel, meist aus unzufriedenen bis gekauften Mitgliedern der Partido Popular gespeist, sorgen nun seit 2 Tagen nicht nur in Tazacorte für Gesprächstoff der polemischen Art. - Die Nummer zwei verließ bereits vor einer Weile die Partei, und unterstützt nun auffällig die regierende Unión Bagañete, dem Lokalableger der Coalición Canaria. - So etwas schmerzt natürlich nun die anderen Mitglieder dieser Partei, so dass sich auch der erste Mann der Gruppierung in einer Presseerklärung hinreißen ließ, den Ex-Genossen als "tránsfuga" zu bezeichnen, was auf Deutsch Fahnenflüchtiger bedeutet. - Auf politischer Ebene bezeichnet man so Menschen, welche die Partei wechseln, und es gibt ein unausgesprochenes aber nicht mehr gut funktionierendes Gesetz, dass man mit solchen Abweichlern nicht mehr paktiert. - Meist bleiben die Wechsler aber zunächst ohne eine neue Parteibindung, als so genannte "consejales no adscritos" aber dann weiter im Amt, um eben die Bezeichnung und den damit meist vollzogenen Ausschluss aus den Korporationen zu vermeiden. - In dieser Presseerklärung nun als "tránsfuga" bezeichnet worden zu sein, das schmeckte der Ex-Nummer zwei der CCN nun überhaupt nicht, und so stellte der aufgebrachte Fahnenflüchtling nun die Nummer eins zur Rede, und das mitten auf der Straße in Tazacorte. - Ab hier gibt es zwei Versionen, und wir können natürlich nicht wissen was nun richtig ist, denn obwohl es viele Zeugen gegeben haben soll, hat sich noch kein wahrhafter Hergang herausgestellt.

Nummer eins sagt, Nummer zwei hätte ihn nach einem Wortgeplänkel am Hals gepackt und zu Boden geschleudert, wobei sich die Nummer eins verletzt hätte. - Der gute Mann hatte vor einiger Zeit mal einen Herzinfarkt, und ließ sich gleich nach dem Vorfall vom Krankenwagen abholen und wegen erhöhtem Blutdruck und Herzrhythmusstörungen behandeln. - Darüber liegt nun auch ein ärztliches Gutachten vor, was inzwischen sogar im Internet veröffentlicht wurde, so viel zu ärztlicher Schweigepflicht. - Allerdings muss man vermuten, dass der Gestoßene dieses Papier selbst in Umlauf gebracht hat und nicht etwa der Arzt, denn dieses Papier soll die Aggression bestätigen. - Der Kontrahent, hier bleiben wir mal bei der Bezeichnung "Nummer zwei" der behauptet nämlich, sein Gegenüber überhaupt nicht berührt zu haben, sondern Nummer eins hätte sich plötzlich an den Hals gefasst und hätte sich hingeworfen, und einen Angriff nur fingiert. - Er könne auch Zeugen dafür nennen, allerdings haben die sich bislang dazu wohl nicht geäußert, es bleibt weiterhin völlig im Dunkel dieses ganz lächerlichen Vorgangs. - Die Herzrhythmusstörungen und den hohen Blutdruck, die wohl tatsächlich festgestellt wurden, hätte Nummer eins nur bekommen, weil der sich so aufgeregt hätte, nachdem ihm Nummer zwei ordentlich die Meinung gesagt hätte. - Beide führen nun einen Pressekrieg mit Erklärungen und Beschuldigungen in jeder Zeitung und hin und her, und haben wohl auch ihre Vertreter in dem munter laufenden Forum der online-Zeitung "elapuron.com" platziert, wo man plötzlich alle möglichen Beschuldigungen, mögliche Zeugen und Tathergänge nachlesen kann, die sofort wieder von der Gegenseite entkräftet werden. - Der normale Bürger wendet sich hier mit Grausen und denkt sich seinen Teil, denn als politische Vertreter der Gemeinde Tazacorte wird man ein weiteres schlechtes Bild auf die Stimmung in diesem Ort. - Das hat Tazacorte eigentlich nicht verdient, und so fordern auch immer mal wieder genervte Bürger den Rücktritt aller beider Streithähne, damit endlich wieder Alltag und normale Arbeit im Rathaus von Tazacorte gemacht werden kann. - Eines Tages erfahren wir ja vielleicht auch die Wahrheit, aber das kann dauern bis die Gerichte darüber entschieden haben, und dann interessiert das wohl auch keinen Menschen mehr, denn solche Quatsch- Quer- und Kindsköpfe wie die beiden, die wird in Tazacorte eh keiner mehr wählen.



Freitag 26.02.2010 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 15 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 28 % - Luftdruck 1008 hPa

Die wollen doch nur spielen
Rainbow Family auf La Palma

Keine Panik, nicht die Kelly Family, also alles halb so wild. - Dennoch gibt es Besorgnis bei einigen Anwohnern Garafias, denn so manchem sprangen plötzlich wenig bis unbekleidete junge Menschen über den Acker, badeten sich in ihren Wassertanks und stibitzen auch mal hier und da ein Früchtlein vom Baum. - "Rainbow Gathering" ist dabei das Schlagwort, und die "Rainbow Family" sind eben die Mitglieder dieser Treffen, die so ein bisschen zwischen Woodstock, Hippie und Eso ihre Zusammenkünfte weltweit betreiben. - Ganz genau katalogisieren kann man diese luftigen Leute nicht, denn das ist keine Sekte mit festen Regeln, sondern lockere Zusammenkünfte, die zwar grundsätzlich auch mit Auflagen oder Verboten (kein Alkohol oder Drogen) belegt sind, ansonsten aber ohne hierarchische Strukturen auskommen. - Solche Verabredungen laufen über das Internet oder durch Mund zu Mund Propaganda und dann trifft man sich eben irgendwo auf der Welt, und eine kleine aber muntere Schar von Regenbogenkindern trifft sich wohl jedes Frühjahr hier auf La Palma. - Keine schlechte Wahl, auch wenn ich so etwas in den Sommer verlegen würde, aber das sind Kinder der Natur und keine solchen Weicheier wie ich, und so campiert man unter freiem Himmel in den Schluchten rund um "La Fajana de Franceses". - An die 200 Familienmitglieder sollen jetzt gerade dort ihre Zusammenkunft feiern und eigentlich hat niemand hier auf der Insel etwas gegen diese bunte Schar an Friedensvögeln, nur eben verstehen das hier nicht alle Leute und bei uns auf La Palma ist es verpönt, ohne Erlaubnis das Grundstück eines anderen zu betreten und eben auch darauf zu campieren. - Da muss noch ein bisschen nachgearbeitet werden, auch "Rainbow" Familienmitglieder können grundsätzlich fragen, ob das denn in Ordnung ist, wenn man sein Lager hier oder da aufstellen möchte, und bevor man Früchte von einem Baum nimmt, sollte man sich wohl erkundigen, ob denn dieser Baum auch einen Eigentümer hat. - Es ist eine Grundregel hier auf der Insel, dass man das Eigentum seines Nachbarn respektiert, und dazu benötigt man keine Zäune oder Hinweisschilder, und dort gibt es auch kein Gelände welches niemandem gehört, also sollte man immer nachfragen. - Es ist halt schon in den vergangenen Jahren da zu Missverständnissen gekommen, und die müssen einfach nicht sein, und wer hier fragt, nett, höflich und bittend, dem wird auch geholfen. - Und uns stinkkonservativen Schluchtlern ist es auch durchaus zu gönnen, da ein bisschen die Tür zur Welt aufzustoßen, die tun doch keinem was und wollen hier auf der Insel doch einfach nur eine gute Zeit verbringen, so wie wir das auch wollen. - Das sind doch keine Golfer, Banker oder gar Politiker, die machen dort ihre Treffen für eine gute Sache, nämlich für sich selbst, und sind im März dann wieder verschwunden und vielleicht sollte es uns sogar zur Ehre gereichen, wenn die nächstes Jahr wiederkommen, weil La Palma halt einfach ein gutes Pflaster ist.

Zum Wetter muss ich nun doch wieder ein paar Worte verlieren. - Bauknecht wird ab heute Abend ausgesetzt, das nächste Tief rückt an. - Allerdings wird uns das nur am Rande erwischen, das Gros mit dem Regen zieht deutlich nördlich an den Kanaren vorbei, hoch gedrückt von einem hoffnungsvollen Hochdruckgebiet, welches wohl mal ein Azorenhoch werden will. - Wir erwarten hier in der Nacht von Freitag auf Samstag sehr starken Wind aus Südwest, aber wenig bis keinen Niederschlag. - Der Wind wird hier auf der Westseite mit 40 Knoten angegeben, das bedeutet dann aber auch wieder für die Kammlagen der Insel und die Ostseite Böen mit Spitzen von locker an die 120 Stundenkilometer. - Aber so schnell wie dieser Tiefausläufer uns erreicht, so schnell ist der auch wieder weg, und noch am Samstag selbst soll der Wind weiter auf Nordwest drehen und deutlich abnehmen. - Beeinträchtigungen am Flughafen sind also möglich für heute Abend und morgen Vormittag. - Allerdings ist danach noch nicht wieder alles gut, es ist eher wahrscheinlich, dass wir dann bereits Montag und Dienstag die nächste kleine Abreibung erhalten, denn das hoffnungsvolle Hoch wird es wohl nicht schaffen seine angestammte Position über den Azoren einzunehmen, und uns auf diese Art und Weise die ganzen Tiefs vom Leibe zu halten. - Allerdings macht dann der nächste Tiefausläufer auch keinen wirklich virulenten Eindruck, etwas Regen und etwas Wind, bei weitem nicht so unverschämt, wie das noch vorletzte Woche der Fall war. - Bauknecht verabschiedet sich, allerdings schaltet sich die Hexenküche nicht an, es gibt keinen Grund zur Beunruhigung.




Das waren noch Zeiten, im T1 an den Baggersee, die Klampfe und den Lambrusco im Gepäck... Früher eben, als alles anders, und nur manches besser war




Donnerstag 25.02.2010 17:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 61 % - Luftdruck 1008 hPa
Höchsttemperatur heute 22,5 Grad - niedrigste Temperatur 14,1 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 24,1 - Temp. Min 11,0 - Feuchte 24 - 35 % Niederschlag 0 mm

Fisch satt
Aber der Falsche

Irgendwie sind wir doch eine Gutwetterinsel. - Nicht nur zu Lande und zu Luft haben uns die meteorologischen Schmutzitäten die letzten Wochen derbe unterhalten, sondern auch das Meer war betroffen. - Ich will jetzt nicht von den "durchsichtigen" Passagieren sprechen, die dann mit der Fähre hier angekommen sind, oder von den Widrigkeiten die es an der Küste gegeben hat, sondern auch die noch verbliebenen Fischfarmen vor der Küste Tazacortes und Tijarafes haben heftig gelitten. - Noch verbliebenen weil, nach einem steilen Aufstieg ließen zwei der drei Farmbetreiber die Angelegenheit wieder sein. - Allerdings hat das nicht unbedingt etwas mit mangelnder Rentabilität zu tun, sondern aus dem Umfeld dieser Branche hört man unangenehme Sachen, die einer der Gesellschafter wohl verbrockt hat, und so die Firmen pleite gingen. - Aber das ist nicht das Thema, damit beschäftigen sich heute Anwälte, sondern die ausgebüchsten Fische aus der verbleibenden Zucht. - Das kommt immer mal wieder vor, hohe Wellen überspülen die nach oben offenen Schwimmkäfige, und dabei trollen sich dann reichlich Fische in den Atlantik. - Das mag zunächst nicht als Problem angesehen werden, lediglich als dummer Verlust für den Betreiber, aber in diesem Fall schlagen Fischer wie Biologen Alarm. - Es sind nämlich die falschen Fische ausgekommen und in einer Anzahl, die dann doch zur Sorge treibt. - Manche Quellen sprechen von bis zu 150.000 Exemplaren der "Lubina" (Wolfsbarsche - Dicentrarchus labrax) welche da abgehauen sind, und das sind ziemlich wilde Raubfische, die nun unter den sonst hier vorkommenden Fischen in dieser Menge wohl eine Gefahr darstellen. - Besonders fürchtet man eben, dass viele dieser Jäger auch bis in die marine Schutzzone vordringen, und dort ein gewaltiges Fressen unter den so mühevoll geschützten "Kinderstuben" vieler bedrohter Arten anrichten.

Das wäre natürlich ein kapitaler Schaden der da angerichtet würde, aber nicht alle denken gleich so dramatisch. - Moderatere Stimmen meinen auch, dass die Wolfbarsche sich hier vor unserer Küste überhaupt nicht wohl fühlen würden und auch keine für sie geeignete Beute finden, und so viele dieser Fische bald verenden würden. - Allerdings sind die warnenden Stimmen in der Mehrzahl, wir Laien der Materie können das aber natürlich nicht abschätzen, wie groß denn nun der Schaden ist oder wird. - Jetzt versucht man besonders viele von den Tieren zu fangen um das Problem zu minimieren, aber wenn ich an die Zahl von an die 150.000 Exemplaren erinnern darf, muss das Petri äußerst heil sein um auch nur ein bisschen davon aus dem Wasser und in die Pfanne zu bekommen. - Wolfbarsche schmecken richtig lecker und dürften in den kommenden Tagen und Wochen reichlich auf den Speisekarten der Insel erscheinen. - Man könnte auch behaupten, das sei ein Umweltproblem, welches wir einfach aufessen könnten, welch schmackhafte Idee. - Dennoch müssen wir auch gespannt auf die Auswirkungen dieser großen Fischflucht auf die marine Schutzzone warten, denn wir können uns sicher sein, dass man da ein gewaltiges Auge auf etwaige Probleme mit den "Lubinas" haben wird. - Das könnte hingehen bis zu eventuellen Schadensersatzforderungen, aber da betreten wir bereits wieder den dünnen Boden der Juristerei, und davon habe ich keine Ahnung.

Kanadisch oder Kanarisch, ich sage es doch, sind doch alle HausmannInnen gleich. - OK, bei uns heißt sie Emma, in Whistler heißt sie Elli, aber ansonsten gilt es noch immer, gleich nach dem gutmütigen alten Trottel, den die meisten Frauen sich rein aus wissenschaftlichem Interesse zuhause auf dem Sofa halten, ist die Waschmaschine immer noch die beste Freundin. - 20,- Euro sind wieder in der Chauvikasse gelandet und das Schweinderl ist schon bald zum Schlachten dick, so oft hat mich mein loses Mundwerk bereits einzahlen lassen. - Eine volle Chauvikasse, was macht man denn damit? - Eine Botoxbehandlung für Sie? - Oder doch besser für Ihn, damit Sie Ihn noch ansehen mag? - Oder soll ich davon mit meinen Kumpels zum Fußball gehen oder gleich in den Puff? - Das muss irgendwie anders gemeint sein. - Wie viel Freude allerdings auch kanadische HausmannInnen mit ihrer Waschmaschine haben können, das gibt es wieder im "Whistlers whistle" zu lesen.

Und noch ein Hinweis. - Ab heute kann man auch die Flüge für die Wintersaison 2010/2011 der Air Berlin buchen, nachdem die Condor bereits vor einer Weile diese Möglichkeit geboten hat.



Donnerstag 25.02.2010 08:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 16 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 58 % - Luftdruck 1011 hPa

Jungfrau 2.0
Webseite der "Bajada de la Virgen"

In diesem Sommer feiert man auf La Palma das größte Inselfest überhaupt, die Niederkunft der "Virgen de las Nieves". - Wobei Niederkunft nun nichts mit Geburt zu tun hat, sondern einfach nur ausdrücken soll, dass die Schutzpatronin der Hauptstadt und überhaupt der ganzen Insel aus ihrer Wallfahrtskirche herunter in die Stadt kommt. - Herunterholen wäre zwar trefflicher, da die Dame ja nicht geht, sondern getragen wird, allerdings erlaubt dieses Wort auch schon wieder zweifelhafte Doppeldeutigkeiten, also bleiben wir bei Niederkunft, oder eben im Spanischen, Bajada. - Alle fünf Jahre nur findet dieses Spektakel statt, mehr konnte man sich nicht leisten, aber es ist auch gerade wieder diese Deflation in dem Ereignis, welches die Geschichte bis hin zur totalen Devotion aufwertet. - Mit Jungfrauen haben wir es ja, ich meine jetzt mit der Marienverehrung, und jede Gemeinde hat mindestens eine dieser Schutzpatroninnen, welche dann von der Bevölkerung für alle Belange außer der Steuererklärung angerufen wird. - Die Chefin vons Janze hier auf La Palma ist und bleibt aber die "Virgen de las Nieves", welche in der gleichnamigen Kapelle im gleichnamigen Ort oberhalb der Hauptstadt Santa Cruz de La Palma residiert. - Zwar gibt es einen kleinen Zuständigkeitsdisput in der Heiligenhierarchie, neben der als Schutzpatronin der Insel längst berufenen Virgen de las Nieves taucht immer wieder auch San Miguel Arcángel auf, also der Erzengel Michael, der Namensgeber der Insel ist und auch eigentlicher Schutzpatron, aber was die wirkliche Devotion der Bevölkerung gegenüber dem geballten Auftritt an geistlichen Volunteers angeht, da steht die Jungfrau vom Schnee eindeutig über allen anderen Figuren. - Selbst unsere Virgen de el Pino in El Paso, die alle drei Jahre ihren Ausflug in die Stadt unternimmt, kommt an die Popularität ihrer Schwester auf der Ostseite nicht heran. - Ist nicht einfach für mich als Pasense das zuzugeben, aber selbst wir dröges Bauernpack neigen manchmal dazu, kurze Einblicke in reale Welten zu erhaschen. - Auch wenn es nur um Jungfrauen geht.

Um die religiösen Feierlichkeiten herum, die eben aus der Prozession besteht, wenn die Dame in den Ort getragen wird, und einer schier unzählbaren Anzahl an Gottesdiensten, hat man über die Jahrhunderte aber auch noch ein wirkliches Spektakel aufgezogen. - So ist das Rahmenprogramm inzwischen der eigentliche Massenmagnet, und manch einer sagt schon, wir gehen zu den "Enanos", wenn man eigentlich die Festlichkeiten zu Ehren der Schutzpatronin dieser Insel meint. - Die Zwerge, oder besser der Zwergentanz, das ist inzwischen das Aushängeschild dieser Fiesta, auch wenn es gar kein historischer oder ursprünglicher Bestandteil der Feierlichkeiten zu Ehren der Virgen de las Nieves war. - Aber das stört nur prüde Traditionalisten, von denen es aus rein demographischer Bewegungen auch hier auf La Palma immer weniger gibt, dennoch muss man wirklich festhalten, dass die religiösen Bestandteile diese Feierlichkeiten längst gegenüber dem Spektakel deutlich verloren haben. - Brot und Spiele eben, und das aus dem Vollen, denn alleine die oft stille Devotion gegenüber der Marienstatue, die braucht kein rauschendes Fest, sondern kann sogar ganz individuell und in sich gekehrt stattfinden. - Aber mehr Spaß macht das natürlich so, Heidenspaß sogar, aber die Kirche spielt mit. - Es gibt nun auch endlich eine offizielle Webseite der Bajada de la Virgen, mit allen, oder fast allen Informationen die man sich denken oder wünschen kann. - Alle Termine, alle Pläne, alle Erklärungen, und auch wenn die Sprache bereits den wenig objektiven Unterton der Festtagsstimmung hat, muss man den Machern gratulieren. - Was für unsere Verhältnisse nun auch wieder bemerkenswert ist, die Seite ist jetzt bereits fertig, noch Monate vor der Veranstaltung, damit man sich rechtzeitig informieren kann. - Das ist nicht selbstverständlich bei uns, oft kommen solche Informationen erst am entscheidenden Tag selbst, oder man erfährt drei Tage später, was man denn alles hätte erleben können, wenn man es denn gewusst hätte. Klicken Sie auf das Bild, und schon tauchen Sie in die wunderbare wie wundersame Welt unserer sehr weltlichen Marienverehrung ein.





Mittwoch 24.02.2010 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 56 % - Luftdruck 1013 hPa
Höchsttemperatur heute 22,2 Grad - niedrigste Temperatur 14,1 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 22,6 - Temp. Min 10,3 - Feuchte 24 - 32 % Niederschlag 0 mm

Freitag ist Asphalttag
Versammlung der "Plataforma" in El Paso

Auch El Paso ist betroffen von den beiden möglichen Asphaltwerken im Industriegebiet von Los Llanos, liegt dieses doch direkt im Siedlungsraum von "El Paraiso". - Es ist sogar so, dass diese Häuser noch näher an dem ersten Asphaltwerk liegen als weitere Nachbarn aus Los Llanos, und wenn wir den vom Gesetz vorgeschriebenen Umkreis von 2.000 Meter nehmen, dann liegt fast die Hälfte dieses Gebietes in den Gemeindegrenzen von El Paso. - Ist aber eigentlich egal, ob nun Bürger der einen oder der anderen Stadt, das Gesetz schützt alle Bürger gleich, und nichts anderes fordert die "Plataforma en contra de la Instalación des Plantas de Asfalto". - Aber man darf dann solch eine Hauptversammlung der "Plataforma" auch ruhig mal in El Paso abhalten, zumal die dortige Casa de la Cultura ein kuscheliges und warmes Auditorium hat, in dem man bequem den Sprechern und Gästen der Bewegung lauschen kann. - Am Freitag den 26. Februar um 20:00 Uhr findet die Versammlung statt, und als Gäste kommen Felipe Campos, der Anwalt der "Plataforma" aus Tenerife, welcher sich der Sache mit Herzblut, Können und guter Bezahlung angenommen hat. - Weiter erscheint der Biologe Mario Garido, der uns auch noch mehr zum Thema Umweltbelastung durch diese Asphaltwerke zu erzählen hat. - Dabei geht es nun nicht nur durch die direkte Belastung auf den Menschen, sondern eben auch durch die negative Beeinflussung der Landwirtschaft. - OK, jetzt könnte man sagen, so viel wächst dort doch gar nicht, aber in der Nähe gibt es wohl Weinfelder wie auch Viehzucht. - Ein weiteres Thema ist der auch zu befürchtende finanzielle Nachteil für die Bewohner des Gebietes rund um die Asphaltwerke. - Einmal ist damit zu rechnen, dass die Liegenschaften dort stark an Wert verlieren, denn wer will schon neben einem oder zwei Asphaltwerken wohnen, und im Tourismus macht sich das auch nicht gut. - In der Zone liegen jede Menge an Ferienhäusern aber auch touristischen Komplexen, und wer fliegt schon auf das Weltbiosphärenreservat, wenn man dann in der Nähe eines Asphaltwerkes wohnen soll.

Natürlich wiegt der finanzielle Schaden die direkten gesundheitlichen Bedenken nicht auf, allerdings macht das eben den Kreis der Betroffenen größer, und manch einem ist eh das Geld wichtiger als die Gesundheit, und vielleicht kann man ihn damit auch dazu bringen, diese Aktion gegen die Asphaltwerke mit einer großzügigen Spende zu unterstützen. - Die "Plataforma" wird in bekannter Manier aber auch wieder einen Rechenschaftsbericht ablegen über die getane Arbeit bislang, und eben auch über das Spendenkonto, aus dem eben der Anwalt wie auch weitere Aktionen bezahlt werden. - Dabei möchte ich nicht müde werden zu betonen, wie froh wir sein können diese Aktiven dort in der "Plataforma" zu haben. - Das sind alles "gestandene" Weibs- und Mannsbilder, die auch den ganzen Tag arbeiten gehen, und dann eben ihren Feierabend dafür hergeben, die Aktionen gegen die Asphaltwerke zu unterstützen. - Natürlich hat jeder von denen auch ein persönliches Interesse daran, weiterhin unbeschwert dort in der Zone zu wohnen, aber dennoch muten die sich die Arbeit zu und führen diesen Job auch hervorragend aus. - Auch wird es wieder den Service geben, dass ein Mitglied der "Plataforma" eine Essenz der vorgetragenen Meinungen und Aussagen in die deutsche Sprache zu übersetzen, da viele der Betroffenen eben aus Deutschland sind. - Freitagabend ist Asphalttag, dieses Mal in El Paso, und um zahlreiches Erscheinen wird gebeten.



Mittwoch 24.02.2010 08:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 14 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 55 % - Luftdruck 1014 hPa

Big Brother is counting you
Technikverliebt bis über alle Vulkane

Das neueste Spielzeug muss es sein, sonst macht das keinen Spaß. - Unsere Vulkanroute samt der Verlängerung über den Roque bis nach Tijarafe soll im kommenden Jahr mir einem höchst sophistischen Überwachungsinstrument ausgerüstet werden. - Gut, man könnte auch hingehen und am Anfang in Fuencaliente, in der Mitte am Refugio El Pilar und dann am Ende in Tijarafe ein Häuschen hinbauen mit Personal, welches die Wanderer zählt, aber dann wäre das ja eine langweilige Angelegenheit, und überhaupt, wen interessiert das, wie viele Leute jedes Jahr auf diesen Pfaden wandern. - Da darf ich dann gleich eine Gegenfrage stellen, denn man nennt uns ja bereits Zahlen von Wanderern, und wo kommen dieses Statistiken dann bereits her? - Aber wir sollen nicht so viele Fragen stellen, und schon gar keine Gegenfragen, das stört das inselumfangende Harmoniegleichgewicht, und negative Weibreyschens können wir uns nicht erlauben. - Also zurück zum hochtechnisierten Zukunftswanderweg. - Sensoren will man an den Ein- und Ausgängen des Wanderweges in den Boden einlassen, sowie auch an anderen Streckenabschnitt, damit man immer weiß, weil viele Wanderer gerade welche Passagen der Strecke nutzen. - Das Ganze kann man dann im Internet abrufen, ob für alle zugänglich ist nicht klar, und dann kann der Eskimo wie der Aborigine jederzeit feststellen, wie viele Wanderer denn sich gerade, wo auf der Vulkantour befinden. - Auf solche Informationen hat die Welt gewartet, und ich bin mir sicher, dass die Zahlen in Echtzeit auch über den Ticker am Times Square laufen, wie bei N24 als Laufband unter den Börsennachrichten.

Ein wunderbares Spielzeug, passt zu unserem viel zu großen Flughafen und noch mal erweiterten Hafen in Puerto de Tazacorte, der immer noch auf den Besuch eines Schiffes wartet. - OK, man erhält dann Zahlen, mit denen man die Zahl der Wanderer dann nicht mehr schätzen muss, sondern es wohl wirklich weiß. - Was man dann allerdings mit diesen Zahlen macht, das ist eine andere Frage, und was passiert denn, wenn ein Wanderer den vorgegebenen Weg verlässt, und dort abbricht, wo kein Sensor diesen Frevel feststellt. - Meldet das System dann Alarm, nach dem Motto, 148 Menschen sind in Fuencaliente los gegangen, aber nur 146 in El Pilar angekommen? - Wohl nicht, denn mit diesen Fehlern muss man rechnen, und auch noch mit den Scharlatanen, die aus Jux, Quatsch und Tollerei, fünfzehn mal hintereinander über den Sensor laufen um die Zahlen des Systems mal ein bisschen zu bewegen. - Einen Sicherheitsaspekt kann ich in der Geschichte nicht erkennen und wir werden auch nicht annehmen können, dass man zukünftig damit Stauprognosen auf der Vulkanroute abgeben will, so viele Menschen kreuchen da nicht rum. - Was das alles kostet, das steht da auch nicht geschrieben, und ich will es auch gar nicht wissen. - Aber wir haben mal wieder ein echtes technologisches Pionierprojekt zu vermelden, höchst interessant und ausgefeilt werden uns dann in Echtzeit Daten geliefert, mit denen kein Mensch was anfangen kann. - Allerdings soll es zukünftig auch "Notrufsäulen" auf der Strecke geben, in den Zeiten der mobilen Telephonie eine wertvolle Unterstützung, was tun wir nicht alles um das Wohlergehen unserer Besucher zu fördern und unseren eigenen Spieltrieb zu befriedigen.





Dienstag 23.02.2010 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 22 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 49 % - Luftdruck 1013 hPa
Höchsttemperatur heute 22,6 Grad - niedrigste Temperatur 14,4 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 22,3 - Temp. Min 8,2 - Feuchte 24 - 63 % Niederschlag 0 mm

Costas und die Piraten
Küstengesetz macht auch vor der Piratenbucht nicht halt

El "Porís de Candelaria", auch Schmugglerbucht und Piratenbucht genannt, ist ein reichlich interessantes Ausflugsziel vieler Einheimischer und natürlich auch Besucher dieser Insel von außen. - Ob es dort wirklich mal Piraten gab, das kann man offen lassen, Schmuggler, auch das weiß ich nicht, hätten die Jungs doch reichlich Schwierigkeiten die dort angelandeten Waren dann weiter unters Volk zu bringen. - Es sind wohl eher frei erfundene Namen, die sich die Besucher einfach so zurecht gelegt haben, weil der bizarre Anblick dieser kleinen Bucht mit ihren in den Berg gedrückten Häuser an solche Szenen erinnern mag. - Dort haben sich einige Fischer und Wochenendler zum Teil komplette Häuser aus Blocksteinen und Zement gebaut, und man muss wirklich die Anstrengung der Leute loben, das ganze Baumaterial bis dorthin gekarrt zu haben. - Ob nun Schmuggler oder Piraten, illegal ist diese kleine Ansammlung der Häuser allemal, zumindest meint das unser lieber Costas so. - Die Küstenbehörde also, die argwöhnisch nun seit ein paar Jahren bemüht ist, ein Gesetz aus dem Jahr 1988 endlich umzusetzen. - Auch die Eigentümer der dortigen Häuser wurden bereits vor etwa einem Jahr benachrichtigt. - Allerdings gibt es keinen offiziellen Eintrag irgendwo in der Stadt Tijarafe, wem denn welches Gebäude dort gehört, man hat also seitens der Küstenbehörde Schriftstücke an allen Häusern angebracht, mit der Aufforderung sich mit der Küstenbehörde in Verdingung zu setzen, weil dieses Häuser abgerissen werden sollen. - Man konnte dennoch nicht die Eigentümer der Häuser eindeutig identifizieren, kein Wunder, wissen die doch was auf sie zukommt, neben dem Abriss eigentlich auch noch die Kosten für diesen abstrakten "Rückbau" tragen sollen.

Allerdings hatten sich, im Gegensatz zu Los Llanos und Tazacorte, die Gemeinden Tijarafe und Puntagorda wohl eingesetzt, diese Siedlungen am Atlantik im Nordwesten zu erhalten. - Und zwar als Bauten öffentlichen Interesses, da diese Siedlungen eben auch ein touristisches Ziel seien und von der mühsamen Eroberung des Meeres zeugen, welche die Menschen dort im Norden der Insel auf sich nehmen mussten, wenn sie trotz Steilküste, einen Hafen oder eben auch nur einen Zugang zum Wasser haben wollten. - Da wurde aber nichts draus, das kontert die Küstenbehörde mit dem Hinweis, dass von diesen Häusern im Gegenteil eine Gefahr für die Öffentlichkeit ausgehe, weil die besondere Lage und die schlechte Bausubstanz keine Sicherheit böten. - So ganz von der Hand zu weisen ist dieses Argument nicht, denn erklärte man das öffentliche Interesse an diesen Bauten, dann müssten die auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, und das wäre nicht im Sinne der Eigentümer und die Gemeinde wollte sicher nicht die Verantwortung dafür übernehmen, dass da dann nichts passieren kann. - Einspruch gegen den Abriss, das geht noch, allerdings muss man befürchten, dass keiner sich melden wird. - Die Aussichten dafür, dass diese Einsprüche positiv entschieden werden sind äußerst gering, und wer jetzt Einspruch erhebt, der muss sich ja öffentlich machen, und wird dann eben auch noch die Abrisskosten aufgedrückt bekommen. - Einen Monat Zeit gibt man nun den Leuten sich zu melden, dann werden die Häuser dort in der Piratenbucht abgerissen, und ich frage mich heute schon, wer denn den ganzen Kram da die Piste hoch tragen darf. -








Dienstag 23.02.2010 08:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 14 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 62 % - Luftdruck 1011 hPa

I declare the Bauknecht as open
Mädels hängt die Wäsche raus

Zehn Euro in die Chauvi-Kasse, mindestens. - Damit habe ich gelernt zu leben, nicht aber, eine Waschmaschine korrekt zu bedienen. - Letztendlich kann man sich ja immer auf gescheiterte Erziehungsversuche berufen, denn schon meine Mutter setzte auf eine AEG und ließ keinen anderen an dieses weiße und rührige Stück Sauberkeit. - Damals musste man die triefende Masse dann aber noch in einer separaten Schleuder leinefähig drehen, das war dann immer meine Freude, denn diese Schleuder hüpfte dann vor Freude über die unbotmäßige Beladung im Zickzack durch die Waschküche. - Heute erledigen das die Vollwaschautomaten natürlich mit links, und unsere Emma macht da keine Ausnahme, sondern einfach nur gute Arbeit. Zwei Ferienhäuser, und eine vierköpfige Familie, wobei die beiden Teenies sich am Tag drei bis vierzehn mal umziehen, da fällt einiges an Wäsche an, und wenn das Wetter sich so gruselig zeigt wie auf La Palma die letzten Wochen, dann gibt es einen furchtbaren Wäschestau. - Es hat dann einfach keinen Sinn mehr die Emma arbeiten zu lassen, wenn kein Stück Wäsche trocken wird, und selbst die frische und weiland trockene Wäsche im Schrank anfängt klamm und muffelig zu werden. Das ist nun aber spätestens seit gestern vorbei, wobei wir in den frühen Morgenstunden noch einen kleinen Schreck verabreicht bekamen, Nieselregen drohte die gute Laune erneut zu verderben. - Aber das waren nur zum groben Scheitern verurteilte Rückzuggefechte der nun über Nordafrika und Mitteleuropa wirkenden Tiefdruckgebiete, welche eben bislang unsere Laune drückend gestört hatten. - Jetzt ist Bauknecht, denn Bauknecht weiß, was Frauen wünschen, und das ist vor allem gutes Wetter, damit die Aprilfrische auf der Leine auch so richtig zum Flattern kommt. - Männer möge das auch, aber eben eher aus indirekten Gründen. - Natürlich ist es schön und weniger riechend, endlich frische und trockene Wäsche den Körper herabschlabbern zu lassen, aber noch viel wichtiger ist die gute Laune der beste aller Frauen, die nun endlich wieder mit Emma und den Elementen im Einklang ist.

Man sollte es nicht glauben, aber wir sind da kein Einzelfall, nach fünf Tagen tief hängenden Wolken ist die Bedrohung durch muffelnde Stauwäsche sogar noch größer als durch die Coalición Canaria im Allgemeinen, wir reden hier also von existenziellen Begebenheiten. - Überall auf der Insel werden nun die Wäscheklammern knapp, und vom Satelliten aus gesehen muss La Palma aussehen wie ein großer Flickenteppich, denn überall hängt Wäsche, und verkündet flatternd vom endgültigen Triumph über die Unbilden garstigen Wetters aus dem Westen. - Es gibt ja Zeitgenossen, die haben sich Wäschetrockner zugelegt, so genannt "Tumbler". - Das funktioniert auch, aber nach dem dritten Durchlauf tropft nun das Wasser in Strömen von den Wänden der Waschküche oder der Küche, weil ja auch die Geräte die Feuchtigkeit nicht besiegen können, sondern lediglich von der Wäsche auf die Umgebung transferieren können. - Aber diese Geräte helfen schon über die ganz schweren Tage, auch wenn die Wäsche gar nicht richtig trocken ist, sondern nur verschwörerisch warm. - Andere Zeitgenossen haben solche Kämpfe bereits komplett aufgegeben und bringen die Berge von Wäsche dann in solche Etablissements die man Wäscherei nennt. - Auch ein guter Zug, die Verlagerung von Problemen kann durchaus als semiprofessionelle Taktik in Betracht gezogen werden, allerdings haben solche Aktionen bereits einen bestimmten testosteriden Charakter, und zeugen nicht wirklich von beinhartem Durchhaltevermögen. - Solche Weicheiermethoden ziehen bei meiner Frau eh nicht, das habe ich über die Jahrzehnte gelernt, und auch wenn wir inzwischen nur noch angeseilt über die Wäscheberge klettern um zur Zahnbürste zu gelangen, dieser Feind wird im Nahkampf besiegt werden und bis Freitag können wir sicher wieder die blanken Bodenfliesen im Bad betrachten. - Bauknecht, meine Lieblingsjahreszeit, und das mit Freitag war ernst gemeint, denn am Samstag droht bereits die nächste Husche, aber das bleibt unter uns, und wer meiner Frau auch nur ein Wort davon erzählt, den stecke ich mit der Nase voran in unseren Wäscheberg…




Meine Lieblingsmayonnaise aus dem Land der Chovinisten




Montag 22.02.2010 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 21 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 49 % - Luftdruck 1008 hPa
Höchsttemperatur heute 22,1 Grad - niedrigste Temperatur 15,5 Grad

Nachdenken statt Autobahn
8 Minuten sparen, ohne einen Cent Investition

Mir kommen ja sowieso noch ganz anderen Ideen, diese pharaonischen Autobahnpläne endlich komplett wegzulegen. - Weniger Individualverkehr, die Busverbindungen noch weiter verbessern, und auch Behördengänge entweder über das Internet abwickeln oder auf der Westseite kompetente Dependancen einrichten, dann braucht eh kaum noch jemand auf die andere Seite zu fahren. - Aber man muss das ja anders sehen, das Geld soll ja ausgegeben werden, es geht denen gar nicht darum die Verkehrswege auf der Insel wirklich zu verbessern, sondern einfach darum, dass diese Arbeiten ausgeführt werden können und eine Summe von weit über 100 Millionen Euro in diesem Projekt ausgegeben werden kann. - Das ist man zum Teil seinen Freunden, Bekannten und auch Unterstützern des Projektes Coalición Canaria schuldig, welche schlichtweg ein Lobbyverein unter der Tarnung einer politischen Partei ist. - Es braucht diese Autobahn wirklich niemand, nur eben die, welche an der Investition verdienen, so sieht es aus. - Ansonsten beschränken sich ja die Argumente "pro Autobahn" dahin, dass man ein paar Minuten Zeit spart, wenn man auf die andere Inselseite muss. - Dann hat man dort noch Zeit einen Cortado zu trinken mit der gewonnenen Zeit, muss diesen aber herunterstürzen, denn es handelt sich nur um ein paar Minuten die da gewonnen werden können. - Das andere Argument, es ginge um eine schnellere Anbindung an das Krankenhaus und die Autobahn könnte Leben retten, dem kann man nur entgegnen, wir brauchen endlich eine kompetente Unfallstation auf der Westseite, damit man dramatische Fälle erst gar nicht auf die Ostseite schaffen muss. - Aber so ist unser System nicht aufgebaut, in diesem Jahr gibt es Kürzungen im Gesundheitswesen auf den Kanaren, aber keine beim Straßenbau, also ist die Autobahn bezahlbar, eine Unfallstation aber nicht. - Es sind also nicht wirklich Argumente, welche dort von den Befürwortern kommen, und auch die Mär, dass man mit der Autobahn durch das Aridanetal die Landflucht im Nordwesten stoppen könne, glaubt doch inzwischen niemand mehr. - Nun hat uns aber das schlechte Wetter eine ganz neue Möglichkeit aufgezeigt, man kann halt auch dem Negativen immer noch eine positive Begleiterscheinung abgewinnen.

Verglichen mit Madeira sind die Schäden bei uns eigentlich nicht erwähnenswert, es tut fast weh, wenn die Leute hier über kleine Folgeerscheinungen des schlechten Wetters ungehalten reagieren, wo anderswo, aber auf sehr ähnlichem Terrain, über 40 Menschen ums Leben kommen. - Auf der LP3, das ist die Ost-West-Magistrale der Insel, welche ja durch die Autobahn ersetzt werden soll, gab es auf der Ostseite einen Erdrutsch, der sogar zwei Fahrzeuge direkt betroffen hat. - Keine Verletzten, wir haben da immer mehr Glück als Verstand, aber man musste eben diesen Teil der Straße sperren. - Nun wird der Verkehr in beide Richtungen durch den neuen Tunnel geleitet, und siehe da, man spart jetzt, wenn man von der Ostseite auf die Westseite fährt, an die 8 Minuten Zeit. - Ich habe das selber heute feststellen dürfen, da ich drüben war, wegen eines absolut vermeidbaren offiziellen Termins, den man bei mehr Flexibilität auch am Telfon hätte erledigen können, und durfte mich darüber freuen, nun über 9 Kilometer Weg zu sparen, nur eben dadurch, dass wir den neuen Tunnel benutzen durften. - Von Stau oder zu vielen Autos übrigens überhaupt keine Rede, flott ging das auch in beiden Richtungen, obwohl man die Geschwindigkeit auf 40 Stundenkilometer begrenzt hatte. - Das wäre sofort mein Modell, soll man doch einfach bei dieser Lösung bleiben, und schon hat man mehr Zeit gewonnen, auch wenn nur von Ost nach West, als mit der ganzen Autobahn. - Die guten Dinge liegen meist so nah, und oft braucht man dafür nur einfach ein bisschen zu viel Regen, um solche patenten Lösungen präsentiert zu bekommen. - Aber ich darf wetten, und Sie auch, die machen das sobald die Straße geräumt ist, wieder anders, manchmal glaube ich, die haben die Coalición Canaria nur erfunden, damit uns nicht der Hafer sticht vor lauter Glück.



Montag 22.02.2010 08:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 15 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 73 % - Luftdruck 1007 hPa

Das Zittern geht los, oder weiter
Anfang März wird entschieden

Kaum einer, der noch nichts dazu gesagt hat, und voller Wissenskraft dieses Projekt unterstützt. - Es geht um das Monsterteleskop E-ELT (Extremly Large Telescope), welches die ESO unter Umständen bei uns auf den Berg zaubert. - Monsterteleskop einfach deshalb, weil die Dimensionen nicht einfach mehr mit groß oder riesig zu bezeichnen sind, nachdem wir mit dem "Grantecan" (Gran Telescopio de Canarias) bereits alle verbalen Superlative beschäftigt haben. - Dieses Grantecan ist jetzt bereits das größte optische Spiegelteleskop der Welt, mit einem Primärspiegeldurchmesser von 10,4 Meter, was einen enormen technischen, finanziellen und logistischen Aufwand gekostet hat um dieses Instrument zum Laufen zu bringen. - Die ESO nun projektiert ein 42 Meter Teleskop, und dringt dabei in Bereiche vor, welche in der Astrophysik viele bislang für unmöglich gehalten haben, und manche immer noch dieser Meinung sind. - Gut, die Techniker und Astronomen der ESO wissen das sicher besser, was man sich da vorgenommen hat, und scheinen auch die Finanzierung in trockenen Tüchern zu haben. - Angesichts eines Kostenvoranschlages von rund einer Milliarde Euro ist das fast verwunderlich, wo doch überall sonst in den Bereichen Forschung und Technologien die öffentlichen Behörden dicke Rotstifte am Wirken haben. - Laien sollten natürlich nicht darüber diskutieren, ob denn diese enorme Ausgabe eine sinnvolle Investition darstellt, aber Laien bezahlen eben dieses Vorhaben, da die Mitgliedsstaaten der ESO dieses Projekt aus Steuergeldern finanzieren. - Auf der anderen Seite muss man natürlich auch wieder erwähnen, dass dieses Geld ja nicht in schwarze Löcher gekippt und vernichtet wird, dieses Geld treibt wieder andere Räder an, die auch Teile unserer Volkswirtschaft sind. - Zulieferer, Personal, Technikbüros und Handwerker, all die und noch viel mehr werden von diesem reichlich gedeckten Tisch zu essen bekommen, es wird eben, ein für viele Betroffene, wunderbares finanzielles Konjunkturprogramm, und am Ende steht dann wohl die Gewissheit, dass man auch mit solch einem astronomischen Aufwand immer noch nicht weiß, ob es ein Ende des Universums gibt, und was eventuell dahinter ist.

Böse, laienhafte Sprüche sind das, mit denen man jeden Astrophysiker aus der Reserve locken kann, aber es ist schon äußerst interessant, sich am Rande des absoluten Wissens zu bewegen, um dann am Ende doch wieder eine spirituelle Schöpfungsgeschichte zu zitieren. - Wer ja auch noch unverschämter, wenn man uns schon auf der Erde alle weißen Flecken auf der Landkarte genommen hat, dann auch noch die Frage des, oder der Universen erklären zu können. - Aber darum geht es nicht nur, sondern um eine enorme Möglichkeit für La Palma, die wenigen machbaren volkswirtschaftlichen Wege um gleich mehrere Pfade noch zu erweitern. - Wir dürfen ja nicht nur die Investition sehen, die ja zum großen Teil auch gar nicht auf der Insel landet, weil die Technik dazu natürlich woanders gefertigt und auch bezahlt wird. - Für den weiteren Weg aber der Insel, und dann eben als Zentrum der astronomischen Forschung der Welt, da eröffnen sich Wege und Möglichkeiten, von denen wir, bislang aufgehängt zwischen subventionierter Landwirtschaft und verworrenen Tourismusplänen, bislang kaum zu ahnen wagen. - Wie gesagt, jeder hat schon seinen Senf, oder andere Meinungsderivate zu diesem Thema auf andere los gelassen, palmerische, kanarische, spanische und europäische Einheit und Solidarität beschworen, aber ob uns das hilft, die ESO zu bewegen, das E-ELT auf La Palma zu errichten und nicht in Chile, das wissen wir natürlich nicht. - Noch ein paar Wochen bangen und zittern, dann erfahren wir, ob denn der Zug La Palma nun auf eine ICE-Strecke umgeleitet wird, oder weiterhin von Dampf und Diesel befeuert als Regionalbahn, immer nur den eigenen Bahnhof ansteuert. - Ich habe nur zwei Daumen, und die tun vom Drücken schon weh, ich bitte um weitere Solidarität.



Sonntag 21.02.2010 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 19 Grad - Niederschlag 1 mm - Luftfeuchte 73 % - Luftdruck 1007 hPa
Höchsttemperatur heute 20,8 Grad - niedrigste Temperatur 14,6 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 17,5 - Temp. Min 7,7 - Feuchte 25 - 95 % Niederschlag 30 mm

Halbvoll oder halbleer
Grundsätzlich ist Regen gut

Wir sind mal wieder auf der Suche nach positiven Nachrichten. - Paul geht es langsam besser, hier auf La Palma ist nach den (Un)wettern der letzten Wochen kaum was passiert, und die Wasserspeicher der Insel verzeichnen Höchststände wie schon lange nicht mehr. - Kein Wunder, hat es doch reichlich geregnet die letzten Wochen, wie doch sicher alle mitbekommen haben. - Warum allerdings diesen Winter sich fast alle Regenperioden als Unwetter produziert haben, da muss man noch ein bisschen nach Erklärungen suchen. - Ich mach mir das mal einfach und behaupte, es gab keine unerklärbaren Unwetter, sondern nur logische Folgen auf den Waldbrand im Sommer 2009 und deutlich erhöhte Aufmerksamkeit der Presse wie der Bevölkerung gegenüber den meteorologischen Phänomenen. - Und eben eine Dichte der durchreisenden Tiefdruckgebiete, welche dem Homus mojadus, dem "feuchten Mensch" nicht die Möglichkeit gegeben haben, den Durchzug von drei Tiefdruckgebieten als völlig normalen winterlichen Zustand für diese Breiten abzuarbeiten. - Früher, als alles anders war und nur manches besser, - nein, damit fange ich jetzt nicht an, obwohl dieser Winter auch statistisch noch lange nicht zu den übermäßig feuchten gehört. - Natürlich erzählen die alten Leute immer noch von Wintern, wo es überhaupt nicht mehr aufgehört hat zu regnen, und wenn man denen dann noch einen vinito ausgibt, dann erzählen die noch weiter und man bekommt irgendwann das Gefühl, es hätte tatsächlich niemals aufgehört zu regnen, sooo viel Wasser ist früher gefallen. - Da muss man vorsichtig sein, man neigt halt dazu die Vergangenheit nicht nur zu glorifizieren, sondern die Sardinen wachsen auch in der nostalgischen Erinnerung gerne mal zu Barschen heran, aber man muss dann doch immer wieder feststellen, es ist schon normal, wenn es im Winter auf der wasserreichsten der Kanarischen Inseln regnet. -Schlimm nur was in Fuencaliente gelaufen ist um Weihnachten herum, und eben gestern auf Madeira. - Fuencaliente ist aber ein klarer Folgeschaden des Brandes im August 2009 und Madeira, die können sich mit Recht über ein Unwetter derbsten Ausmaßes beklagen, wir aber nicht wirklich.

Das Wetter und die Folgen sind auch hier zum Dauerthema geworden, und die Presse greift, ob grausam langweiliger Stagnationspolitik natürlich lieber donnergewaltige Winde und Regenfälle auf, aus denen man dann schnell und wirksam "tormentas", eben Unwetter basteln kann. - So neigt man inzwischen auch seitens der lokalen und regionale Behörden andauernd dazu, die Alarmstufen für Unwetter sehr schnell und manchmal auch ohne Bedacht zu ziehen, da spricht man von "Alerta amarilla" nur weil es regnen kann, und lässt diesen Zustand oft noch einen ganzen Tag nachwirken, obwohl das Tief bereits die afrikanische Küste nass macht. - Die Inflation an Alarmen ist auch nicht besonders förderlich, die Bevölkerung konkret und gezielt für etwaige notwendige Maßnahmen zu sensibilisieren. - Da muss mehr Fingerspitzengefühl her und auch bessere Überwachungsmöglichkeiten. - So fehlt uns hier für die westlichen Inseln immer noch ein Regenradar, auf dem wir die nähere Umgebung des Atlantiks beobachten könnten, was denn nun wirklich an Niederschlagszellen auf uns zukommt, oder noch an der Insel vorbeizieht. - Und dann müssen wir uns generell besser vorbereiten, und da sind auch wiederum die Bürger gefragt. - Fehler und Nachlässigkeiten bei der öffentliche Infrastruktur haben wir ja bereits genügend angeklagt, der Strom darf halt einfach nicht über 24 Stunden ausfallen weil der Stromversorger ein Sommerspezialist ist, und die Hauptstraßenverbindungen müssen gegen Erdrutsche deutlich besser abgesichert werden, noch bevor man solche Projekte wie eine Autobahn planen will, die dann auch in den Fluten versinkt. - Und dann müssen wir alle auch noch anerkennen, dass es wohl eine besondere Situation ist auf einer kleinen und so steilen Insel zu wohnen, die mitten im Atlantik jedem anrauschenden Tief seine Flanke völlig offen darbietet. - Ansonsten sind Regen und Wind keine neuen Faktoren und wir müssen auch nicht den Klimawandel dafür hervorkramen. - Wir sind einfach schlecht vorbereitet auf solche Situationen und waren das auch früher nicht gut.

Die gute Nachricht dabei, die nächste Dürre muss warten - Fast alle Wasserspeicher der Insel sind voll, und sogar das größte Becken aller Kanarischen Inseln, die "La Laguna de Barlovento", ist inzwischen halbvoll. - Damit hat sie aber immer noch mehr Wasser, als alle anderen Speicherbecken zusammen, und dürfte diesen Schatz auch nicht mehr so bald hergeben müssen. - Wichtiger aber noch als das in den Becken aufgefangene Wasser, sind die Filtrationen in die überall auf der Insel vorhandenen unterirdischen Kavernen, welche um x-faches an Wasser speichern können, als das die von Menschenhand gebauten oberirdischen Speicherbecken können. - Das lässt viele Quellen wieder sprudeln und Wasser für den Sommer in fröhlichem Überschwang vorhanden sein. - Dennoch reicht es mir jetzt mit dem Regen, und mit diesem Wunsch bin ich schon längst nicht mehr alleine.



Sonntag 21.02.2010 10:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 16 Grad - Niederschlag 15 mm - Luftfeuchte 61 % - Luftdruck 1005 hPa

Die künftigen Schlagzeilen der Kanaren werden auf Madeira geschrieben
Ab in die Kirche zum Beten

Der Schock für die Insel Madeira wird schwer zu verarbeiten sein. - 32 Tote und noch einige Vermisste und darüber hinaus noch viele Verletzte, das war so nicht geplant. - Gut, Unfälle sind nie geplant, und dennoch können wir uns hier auf den Kanaren nicht aus der Verantwortung stehlen, denn genau das gleiche hätte bei uns auch passieren können. - So müssen wir nicht nur dankbar sein, dass nach dem Floriansprinzip unsere Inseln vor einer solchen Katastrophe verschont geblieben sind, sondern auch solidarisch mit einer Insel, welche den gleichen Ursprung und die gleichen Voraussetzungen mit sich bringt und auch trägt, wie es bei uns der Fall ist. - Nur irgendetwas hat dieses Tiefdruckgebiet dazu gebracht, sich genau in den oberen Lagen der Hauptstadt auszuregnen und schier unvorstellbare Wassermassen dann ins Tal zu schicken. - Es hätte genau so gut hier passieren können, auf La Gomera, auf Tenerife, aber es ist eben auf Madeira passiert und wir sollten uns von unserem Glück nicht blenden lassen. - Es war auch noch das gleiche Tiefdruckgebiet, welches lediglich durch ein stärker werdendes Hoch im Südwesten so weit bereits nach Norden verschoben wurde, dass uns eben nur noch ein Ausläufer erwischt hat. - Auf Madeira wird man jetzt nicht nur die Trauerarbeit beginnen müssen, sondern eben auch die unendlichen Diskussionen, was man denn falsch gemacht hat. - Man hat dort die gleichen Fehler begangen wie hier auf den Kanaren, nämlich dort gebaut, wo es die Natur unserer Inseln einfach nicht vorgesehen hat. - Die Orographie und die geologische Verfassung der Inseln bringen die Gefahr von plötzlich auftretenden Wasserströmen, wo sonst Autos fahren und Häuser stehen, einfach mit sich. - Gefälle bringe Wasser eben einfach in Bewegung, und unsere vergleichsweise dünne Humusschicht kann nur wenig Wasser aufnehmen um es zu speichern. - Rutscht dann auch noch diese Erdschicht ab, dann kommt nicht nur das Wasser, sondern eben auch der Schlamm und das Geröll. - Das ergibt dann im günstigsten Fall verschüttete Garagen, abgesägte Straßen und große Schäden in der Landwirtschaft, so wie das nun auf Tenerife und eben bei uns der Fall war. - Läuft es aber ungünstig ab, dann kommt so etwas wie auf Madeira dabei raus, und dann reden wir nicht mehr von irgendwelchen Unannehmlichkeiten welche uns das Wetter beschert, sondern von echten Katastrophen.

Es ist für Meteorologen schlichtweg unmöglich vorauszusagen, welche Wassermengen ganz lokal fallen werden. - Die Wolken kommen bei diesen, relativ warmen atlantischen Tiefausläufern so tief auf die Inseln zu, dass wohl auch das Oberflächenrelief der Insel Einfluss auf die Bewegungen der Niederschlagszellen nimmt, und diese lokalen Ereignisse hervorbringt. - Es kommt dabei durchaus vor, dass enorme Mengen Regen in kürzester Zeit fallen, wenige Kilometer weiter aber nur Nieselregen herrscht. - Diese Phänomene vorauszuberechnen ist einfach unmöglich. - Man kann also aus meteorologischer Sicht nur warnen, und muss dann hier am Boden klipp und klar die gefährdeten Regionen kennen, und dann auch konkret reagieren. - Diese Schwachpunkte kennt man eigentlich, auch viele Anwohner wissen selbst, in welcher Gefahr sie schweben, allerdings ist doch fast immer alles gut gegangen, und jedes Mal das Haus verlassen, nur weil es regnet, das macht doch kein Mensch. - Also muss man auch die Planung rigoroser machen, und in den von den Hydrologen und Geologen als gefährdete Regionen ausgewiesenen Landstrichen überhaupt keine Bebauung, und möglichst auch keine wichtige Infrastruktur mehr zulassen. - Das allerdings würde für solch eine kleine Insel wie die unsere bedeuten, dass wir uns um viel Siedlungsgebiet aus Vorsicht berauben, eine für die Bevölkerung schlecht zu vermittelnde Geschichte. - Hat man doch auch seitens der Immobilienbranche die Gefährdungskarte für die Inseln bereits gescheut, da gab es Stimmen, die wollten sogar die Veröffentlichung solcher Karten verhindern, weil es geschäftsschädigend sei. - Ich hoffe nun mal, dass nach dem Desaster von Madeira diese Stimmen endgültig verstummen, und man die Gefahr durch Wasser auf diesen Inseln endlich ernster bewertet. Da hat jeder Angst vor dem Vulkan oder vor dem Feuer, aber da ist noch nie hier auf der Insel auch nur ein Mensch zu Schaden gekommen. - Dabei steckt die reellere Gefahr auf unseren Inseln in der unkontrollierbaren Kraft des Wassers. - Ich will gar nicht daran denken was passieren könnte, wenn sich mal solch eine Niederschlagszelle satt an der Südflanke des Bejenado abregnet und dabei dem Barranco Tenisca wieder einen Fluss schenkt. - Quer durch Los Llanos geht dieser Barranco, und weil so lange kein Wasser mehr darin geflossen ist, hat man diesen natürlich Ablauf hübsch überbaut. - Deswegen ab in die Kirche, denn da hilft dann nur noch beten.




Teil der Karte aus dem "PILOP", dem Inselplan, welcher den Titel "riesgos naturales" trägt. - Den ganzen Plan als PDF können Sie HIER herunterladen.




Samstag 20.02.2010 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 16 Grad - Niederschlag 6 mm - Luftfeuchte 92 % - Luftdruck 1005 hPa
Höchsttemperatur heute 16,3 Grad - niedrigste Temperatur 12,2 Grad

Paul ist krank
Das Wetter fordert seine Opfer

Wie ein Häufchen Elend liegt er da rum. - Eine Halsentzündung hat der Tierarzt festgestellt, und das wird ein paar Tage dauern, und Antibiotika bekommt er nun. - Meine drei Frauen stritten sich mal wieder, wer denn nun mit zum blauäugigen Tierarzt darf, scheint doch Ángel, so heißt unser Veterinär in El Paso, nicht nur die Miezen und Bellos mit geschickter Hand heilen zu können, sondern auch noch für das weibliche Publikum am anderen Ende der Leine sehr interessant zu sein. - Was geht Paul das an, aber in der Tat haben wir seit dem Ángel sich um das Wohl unserer Katzen kümmert kein Problem mehr Freiwillige für den Weg zum Tierarzt zu finden. - Paul zickt auch nicht mehr so wie in den frühen Jahren seiner Pubertät, er lässt sich inzwischen fast kratzerlos in die Transportbox zwängen. - Autofahren mag er immer noch nicht, oder vielleicht ist dem Herrn Hochwohlgeboren mein alter Pickup nicht gut genug, aber wer unter Halsentzündung leidet, der sollte sich nicht über die Beschaffenheit des Krankentransportes beschweren. - Paul kann kaum essen, es ist eine einzige Würgerei den Brei in den Kater hineinzubekommen, aber immerhin, er frisst wieder. - Jeden Tag bekommt er jetzt eine Spritze mit dem Antibiotika und inzwischen haben er und ich bereits Routine beim Spritzen. - Er hält ruhig, und dafür ramme ich ihm die Nadel auch nicht mehr bis zum Anschlag in den Körper. - Das war früher anders, da hat er sich dermaßen gegen jegliche Behandlung gewehrt, dass wir für jede Spritze immer wieder zu Angel mussten. - Mag ja auch sein, dass meine Frau das provoziert hat, bloß um wieder dahin zu fahren, aber inzwischen erledigen wir, also Paul und ich dieses "Geschäft" ganz alleine, ohne weiteres Publikum welches uns in diesem intimen Moment beobachtet.

Bei dem Wetter muss man aber auch krank werden, nur ein Tag Sonne, und heute ziehen schon wieder die Wolken so tief über den Atlantik aus dem Westen herein, dass erfahrene Norddeutsche mir was von Hamburger Sommer erzählt haben. - Gut, die werden wissen was das ist. - Paul liegt eigentlich den ganzen Tag auf unserem Monitor und wärmt sich dort. - Ab und zu niest er herum und hustet wie der Marlboro-Mann, und erfährt dann gleich wieder mannig- oder frauigfaltigen Schmusezuspruch der Restfamilie. - Aber das gefällt ihm gar nicht so sehr, er wehrt sich aber nicht wirklich, sondern äußert seinen Protest mit schwacher Stimme aber einem Krächzen, welches irgendwie an Joe Cocker erinnert. - Kein Wunder, dem Kerl geht es wirklich schlecht, und unsereins leidet bei dem Wetter auch noch in der Seele, weil Paul ja auch ein Sonnenkind ist. - Die anderen beiden Katzen sind von Paul bereits genervt, der Kerl will nicht spielen mit ihnen und bekommt deutlich mehr Zuneigung der humanen Art als sie, das passt dem Mops und der Lucky überhaupt nicht, aber kranke Familienmitglieder bekommen hier nun mal eine besondere Behandlung. - Gut, dass ich darauf verzichtet habe mir so einen Flachbildschirm zuzulegen, da passt doch gar keine Katze mehr drauf, weder kreuz noch quer, und nichts ist für Rekonvaleszenten der felinen Art besser, als auf solch einem wärmenden Monitor zu liegen. - Das sollte die Industrie auch mal im Auge behalten, diese neuen Flachbildmonitore sind absolut katzenfeindlich. - Jetzt haben wir ihm aber den Kamin angemacht, und Rosa hat ihm ein Halstuch geliehen, und jetzt ruht der Quengelgeist auf dem Sofa, auf das ich nur nach vorheriger Kontrolle meiner Beinkleider darf. - In eine dicke Decke gekuschelt schläft der nun seinen Antibiotikarausch auf dem Sofa aus und mir fällt dabei auf, dass es gar nicht so unangenehm sein kann bei uns krank zu sein. - Seit heute Mittag spüre ich nämlich so ein verräterisches Kratzen in meinem Hals, mal sehen ob wir daraus einen Heimatschuss basteln können. - Nur meine Frau dürfen Sie davon aber nichts erzählen, die reagiert auf Simulanten äußerst ungehalten und dann muss ich als Strafarbeit wohlmöglich noch raus bei dem Wetter um irgendeine ach so wichtige Arbeit zu verrichten…





Samstag 20.02.2010 10:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad - Niederschlag 2 mm - Luftfeuchte 41 % - Luftdruck 1011 hPa

Costas befreit die Küste von Privatbesitz
Aber für wen?

Alea iacta est, so möchte man meinen und Costas sieht das auch so. - Ich darf wiederholen, Costas steht nicht für einen griechischen Bänkelsänger, sondern als Abkürzung für Dirección General de Costas, oder einfach die Küstenbehörde. - Da man davon ausgehen sollte, dass eine Insel auf allen Seiten Küsten hat, welch große logische Erkenntnis an einem Samstagmorgen, haben wir viel mit dieser Behörde zu tun. - So nennen wir diese Behörde immer nur Costas, und ich bin mir sicher, dass keine Eltern hier auf der Insel diesen Namen ihrem Zögling geben werden, für Generationen. - Muss auch nicht sein, so lange dafür nicht Kevin kommt oder Jimmy Blue. - Costas hat sich also hier auf der Insel festgekrallt mit der Idee, das Küstengesetz von 1988 durchzusetzen welches da lautet, es kann keinen Privatbesitz an der Küste geben, diese ist für alle zugänglich und Aufgabe der Behörde ist es nun, diese Küste von ungeliebten Siedlungen aber auch landwirtschaftlichen Nutzflächen zu befreien, und in den Ursprungszustand zu versetzen. - Hört sich gut an, da schwingt so was frisches Grünes mit, oder gar ein zarter Hauch von Allgemeingut, um nicht das Wort Kommunismus zu verwenden, welches ja in bestimmten Gruppen immer noch Akne oder Herpes hervorruft, so wie bei mir die FDP. - Aber es steckt keine erkennbare Ideologie dahinter, kann man doch im Gegenteil eher dort Aktionen der Küstenbehörde vermuten, wo sich grundsätzliche ökonomische Interessen ansiedeln. - Auch das ist nichts Falsches, die öffentliche Hand ist auch dafür da, Grundbedingungen zu schaffen, damit sich private Investoren ansiedeln können. - Allerdings ist da die Abwägung der eingesetzten Mittel und sowieso das Thema Naturschutz und nachhaltige Entwicklung strikt zu beachten, und das wird dann ganz schnell wieder ideologisch. - Der Abriss der wilden Siedlungen hier auf La Palma mag dabei sogar noch in einem anderen Licht erscheinen, allerdings fällt da auch auf, dass bislang nur Hütten gefallen sind und keine Paläste, und bestimmte Siedlungen, wo eben größerer Bevölkerungsdruck herrscht, oder gar weiteres Interesse, auch nicht angetastet werden, lobbylose Bereiche aber, wie die Playa Nueva, oder eben jetzt La Bombilla, wohl. - Dabei werfen sich aber auch wieder ganze Fragengruppen auf, wo bleibt der Bestandsschutz, da viele Häuser und Anlagen dort schon vor dem Inkrafttreten des Gesetzes standen und warum lässt man dieses Gesetz 25 Jahre als Papiertiger in der Verfassung schmoren, und baut währenddessen noch ganze Städte an die Küste, holt es aber nun plötzlich heraus? - Costas ist bei diesen Generalfragen aber eher sprachlich nicht gewandt, ist nach Diktat meist verreist, oder lässt nur durch seine Anwälte kommunizieren. - Da bewegen sich alle auf dünnem Eis und eine Klagenflut lähmt diese Behörde gewaltig, dennoch setzt man da, wo der geringste Widerstand zu erwarten scheint, seine Aufgaben fort.

Geplant ist ja auch ein Küstenwanderweg von Puerto Naos nach Playa Nueva, die hier auf der Insel aber meist "Playa de los Guirres" genannt wird, der Geierstrand. - Warum, das kommt später… Das ist zunächst eine interessante Sache, gibt es doch wenige Flecken auf dieser steilen und abrupten Insel, wo man am Meer entlanglaufen kann, ohne sich am scharfen Lavastein die Fesseln blutig zu scheuern, in den Atlantik gespült zu werden, oder eben von Bananenplantagen des Weges verwiesen wird. - Ein wunderbarer Spazierweg also, vorbei an La Bombilla, oder an dem, was da mal stand, und dann zur Playa de los Guirres, was könnte schöner sein. - Allerdings wissen wir ja, dass genau dort ein internationaler Hotelkonzern ein großes Grundstück hat und darauf wartet, endlich seine Anlage bauen zu können, aber dazu braucht man Strände und touristische Infrastruktur, und die soll augenscheinlich die Küstenbehörde erst mal schaffen. - Playa Nueva ist geräumt, das ging schnell und einfach, weil da keine Lobby brüllte, La Bombilla steht vor dem Aus, und ich muss ganz einfach fragen, ob denn der Anblick von Eingeborenen den touristischen Investor so gestört hat, dass er so lange nicht baut, bis man ihm den "Dreck" nicht weggeräumt hat und den Küstenwanderweg vor das Haus gestellt hat. - Nur eine Vermutung, die auch eine unsinnige Verschwörungstheorie sein kann, allerdings glauben ganz viele Menschen hier an genau diese konspirative Entwicklung. - So kommt eine weitere Frage auf. - Die Küstenbehörde spricht immer von der Regeneration der Küstenlinie, und damit darf man doch verstehen, dass man die Küste in den ursprünglichen Zustand versetzen will. Das bedeutet dann wohl das Entfernen von Siedlungen und Bananengewächshäusern, allerdings nicht das Erstellen und damit zugänglich machen der Küste durch einen Wanderweg. - Nicht, dass Sie mich falsch verstehen, ich habe nichts gegen diesen Küstenweg, ich habe nur etwas gegen irrwitzige Rechtfertigungen, mit denen die Küstenbehörde ihr Vorgehen an unseren Stränden erklären will. - Die Nachricht dazu lautet, der Ministerrat hat nun beschlossen, diesen Küstenwanderweg zu einem Vorhaben des öffentlichen Interesses zu erklären. - Das ist notwendig, wenn Enteignungen vorgenommen werden sollen, und dazu wird es wohl kommen, denn viele Bananenplantagen sind dort, wo der Wanderweg hin soll, bis ans Meer gebaut. - Wer aufmerksam gelesen hat, der wird nun fragen: Wieso denn Enteignungen, das Gesetz von 1988 enteignet doch bereits den kompletten Küstenstreifen. - Da ist vieles unverständlich und mehrfach gemoppelt und irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass da manche ziemlich veräppelt werden, andere hingegen einen Roten Teppich vor die Füße gelegt bekommen. - Also doch Kommunismus der modernen Art…



Freitag 19.02.2010 19:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 41 % - Luftdruck 1011 hPa
Höchsttemperatur heute 19,6 Grad - niedrigste Temperatur 10,6 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 17,1 - Temp. Min 4,6 - Feuchte 25 - 95 % Niederschlag 0 mm

Am Aschermittwoch ist alles vorbei…
…aber nicht bei uns

Bei uns geht der Karneval weiter, und ist erst vorbei, wenn die Sardine verbrannt wird. - Jetzt meine ich dabei nicht die Kochkunst mancher HausmannInnen oder Restaurantfachbrutzler, die Beerdigung des Sardine ist bei uns ein traditioneller Teil des Karnevals, und eben gleichzeitig der letzte Akt dieses närrischen und wilden Treibens. - Aber jetzt wird es noch komplizierter, jede Gemeinde entscheidet selbst, wann der Karneval zu Ende ist, so feiert man zum Beispiel in Barlovento erst nächstes Wochenende das Begräbnis der Sardine, und in Los Llanos bereits heute. - Warum aber eine Sardine? - Das wiederum ist relativ einfach zu beantworten, die Sardine gilt als Symbol der Wolllust und des Überschwanges, und genau das steht ja auch für Karneval, und wenn die Sardine dann beerdigt wird, dann fängt bei uns die Fastenzeit an. - Auch wenn es "entierro de la sardina" heißt, also Beerdigung der Sardine, die wird im Allgemeinen verbrannt, also eine Feuerbestattung. - Nun wird da aber jetzt kein kleines Fischen in einer grölenden Menge angezündet, sondern die Nachbarschaften haben dazu aus Drahtgestell und Pappmaschee eine große Sardine gebastelt. - Die wird dann auf einem Wagen von einem bestimmten Ort abgeholt, und zum Ort der Beerdigung gebracht, unter großer Beteiligung der Karnevalisten, die dazu in gespielte Traurigkeit ausbrechen und die Sardine beweinen. Anschließend wird ein großes Feuer gemacht, die Sardine ordentlich gegrillt, und wer dann meint, jetzt ist Schluss mit Feierei, der irrt schon wieder. - Auch wenn das Biest bereits verbrannt ist, und damit eigentlich Karneval vorbei, findet dann noch anschließend wieder eine Tanznacht statt, wir können uns nicht so einfach vom Karneval trennen. - Warum das so ist, und hier der Aschermittwoch nur ein Pausentag im Feiertagskalender, nicht aber das Ende des Karnevals, das habe ich nicht herausbekommen, ich muss aber doch auch nicht alles wissen.

So wird vielleicht auch klar, warum wir hier die ganze Woche noch Schulferien haben, bei den vielen Feiern kann man es ja keinem zumuten, am nächsten Morgen wieder stramm zu stehen, und auch wenn wir damit die Kinder nicht unbedingt meinen, die Eltern und auf jeden Fall die Lehrer haben doch auch ein Anrecht auf Karneval, mitsamt der Sardine. - Die Kirche will natürlich von diesem Treiben nichts wissen, offiziell, aber das hiesige Bodenpersonal stört das nicht, und die Pfarrer werden auch schon mal auf einen Karnevalsumzug gesehen. So wie überhaupt die katholische Kirche hier auf La Palma in den letzten Jahrzehnten eine wunderbare Wandlung durchgemacht hat, und inzwischen ein sehr offener und pragmatischer Verein geworden ist. - Zwar kann man natürlich nicht verlangen, den vatikanischen Stallgeruch abzulegen, aber es ist schon enorm, wie zugänglich die Kirchengemeinden hier geworden sind. - Mag natürlich auch sein, dass man gemerkt hat, es geht nicht ohne Öffnung, sonst erreicht man nur noch die alten Leute, aber verprellt alle jungen Menschen und nicht so klerikal angehauchtes Volk. - Aber es ist ja auch egal, ob es nun "religiöser Populismus" ist, oder wirklich das Einsehen mit dem Wandel der Zeit, das Ergebnis ist positiv. - Interessant, wie ich nun vom Karneval zu unserem Pfarrer komme, um seine Weltoffenheit zu loben, aber so ist das eben, wenn man die Finger über die Tastatur gleiten lässt und endlich mal nicht mehr im Unwetterbericht gefangen ist.



Freitag 19.02.2010 09:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 12 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 56 % - Luftdruck 1010 hPa

Auslüften
Wetterkater im touristischen Sektor

Alle Fenster und Türen auf, der Mief der vergangenen Tage muss so schnell wie möglich aus den Häusern. - Die Sonne lacht uns entgegen und so möchte man das miese Wetter der vergangenen Tage eigentlich gleich vergessen. - Kleinere Schäden werden aus der Landwirtschaft gemeldet, südlich von Tijarafe soll ein Salatkopf auf freiem Feld ertrunken sein und guckt sich jetzt ein Radieschen von unten an. - Dabei stellt man sich unwillkürlich die Frage, wohin blickt denn das Radieschen, sollte das Unaussprechliche eintreten? - Dennoch muss man sagen, im Großen und Ganzen ist die Insel gut über die Tage gekommen, Fuencaliente steht noch und auch die Unelco hat nur kleinere Stromausfälle produziert. - Auf der Nachbarinsel Tenerife hingegen hat es wohl gestern einen kompletten Ausfall gegeben, so dass wir feststellen müssen, diese Probleme beschränken sich nicht auf La Palma alleine. - Allerdings hat ein Sektor auf der Insel wohl gelitten, und das ist der Tourismus. - Sehen wir mal von den momentanen Verlusten ab, da einige Gäste gleich storniert haben, nämlich die, welche anstatt am Dienstag erst heute ankommen werden, sehe ich die Hauptgefahr in dem gesamten Komplex, dass die Fluggesellschaften zukünftig noch zögerlicher Maschinen nach La Palma einsetzen werden, da man eben im Winter immer mal wieder mit solchen Witterungsbedingungen rechnen muss. - Es ist halt auch im Flugverkehr alles bereits knapp kalkuliert, und wenn dann für die Gesellschaften Zusatzkosten entstehen, durch Hotelunterbringung oder alleine dadurch, dass wartende Flugzeuge eben kein Geld einfliegen können, dann kommen sofort die Betriebswirte auf die Idee, lieber nach Kreta oder Marokko zu planen, weil eben La Palma mit dem Risiko behaftet ist, nicht angeflogen werden zu können. - Diesen Winter musste bereits dreimal der Flughafen für ein paar Tage gesperrt werden, und auch wenn das aufs ganze Jahr hin eine untergeordnete Rolle spielt, so werden diese Tage und Wochen der Verluste für die Fluggesellschaften wohl nachhaltig in die Planungen einbezogen werden.

So kam es in diesem Winter schon dicke, denn seit Weihnachten kam es halt immer wieder zu Schwierigkeiten auf dem Flughafen, und man kann natürlich nicht ausschließen, dass im weiteren Verlauf des Winters wieder garstige Tiefdruckgebiete über uns herfallen werden. - Dabei ist ja gerade unser Problem die ohnehin bereits schlechte Verbindung mit den Hauptspenderländern der Gäste, und es ist nun zu befürchten, dass man seitens der Condor und der Air Berlin jetzt nicht unbedingt mit Begeisterung noch mehr Flugzeuge schicken wird. - Dagegen machen kann man nichts, so lang kann man gar keine Landebahn basteln, dass trotz der Scherwinde immer gelandet werden kann, wir müssen halt einfach damit leben, dass diese Insel so ist wie sie ist. - Allerdings sollte uns das so weit zu denken geben, dass man auch angesichts dieser Tatsache einen gewaltigen Anstieg der Gästezahlen einfach ausklammern muss, und wir mit unseren "Hardcoregästen", die trotz aller Unwegbarkeiten immer wieder gerne diese Insel besuchen, in diesem Wirtschafssektor klar kommen müssen. - Wer da auf Massentourismus, oder solchen kurzfristigen Firlefanz wie Golftourismus setzt, der negiert schlichtweg Tatsachen, und macht sich eines deutlichen Realitätsverlustes verdächtig. - Allerdings müssen es unsere Planer wohl mit dem Rotstift lernen, dass unser Weg hier auf La Palma einfach ein anderer sein muss, das haben viele moderate Stimmen bereits seit Jahren getan. - Bescheidenheit und die Rückbesinnung auf das was wir sind und was wir können, da stecken unsere Möglichkeiten, und nicht in einer aufgesetzten Kopie anderer Ferienregionen, die eh keine Kapazitäten mehr hergeben. - Sehen wir es aber positiv, heute ist Flugtag, und all die Gäste welche in den letzten Tagen nicht anreisen können, die dürfen heute endlich den gnädigen Boden einer zickigen Perle betreten. - Vielleicht gibt es bald mal T-Shirts mit dem Aufdruck, La Palma 2010, wir sind gelandet…



Donnerstag 18.02.2010 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 16 Grad - Niederschlag 4 mm - Luftfeuchte 44 % - Luftdruck 1005 hPa
Höchsttemperatur heute 18,2 Grad - niedrigste Temperatur 11,4 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 9,2 - Temp. Min 5,1 - Feuchte 91 - 95 % Niederschlag 16 mm

Bürger am Pranger
Breña Baja droht Schuldnern

So langsam müssen mal wieder andere Themen ran, nur über das Wetter schreiben macht keinen Spaß. - Gott sei Dank sorgt der Bürgermeister von Breña Baja dafür, dass auch mal wieder andere meldenswerte Geschichten auf dieser Insel passieren. - Geld in die immer klammen Stadtsäckel zu bekommen ist eine schwierige Angelegenheit. Alle Gemeinden erhalten eh weniger Zuwendungen in diesem Jahr, und die Krise hat auch Spuren hinterlassen, es wird weniger gebaut, und so spülen die so üppig erhobenen Lizenzgebühren weniger Gelder in die Kassen. - Auch ist unsere Zahlungsmoral nicht wirklich hoch, um das mal vorsichtig auszudrücken, viele Menschen zeigen sich gar nicht willig, ihre Gebühren an die Stadt zu bezahlen, sei es nun für Wasser, die Grundsteuer, Müllabfuhr, Verkehrsstrafen oder was man sonst noch an die Gemeinde entrichten muss. - In den meisten Fällen legt man solche Dinge auch als Kavaliersdelikt ab, verjähren doch solche Forderungen auch nach 5 Jahren, so nehmen viele Bürger diese Forderungen auch gar nicht ernst. - Die allermeisten Gemeinden gehen auch nicht wirklich druckvoll ihren Schuldnern auf den Geist, das bringt oft mehr Ärger als Geld in die Kassen. Man darf ja auch nicht vergessen, wer von der Stadtverwaltung gejagt wird wegen einer offenen Müllabfuhrrechnung, der wird wohl den Bürgermeister bei den nächsten Wahlen sicher nicht wieder wählen. - In Breña Baja will man das aber nicht weiter so plätschern lassen, man geht nun hart gegen Schuldner vor, zumindest gegen diejenigen, welche nicht in der Stadt selbst wohnen. - Da kommt wohl wieder die Angst zum tragen mit solchen Aktionen könnte man die Wähler verprellen, und wer nicht in dem Ort gemeldet ist, der kann ja dort auch nicht wohnen, also darf man seitens der Stadt ruhig den Knüppel aus dem Sack holen. - Und der ist nicht ohne, dieser Knüppel, man hat nun die Namen, Anschriften und das "Delikt" von etwas mehr als 500 Schuldnern veröffentlicht, und zwar im BOP-Tenerife, also dem Boletín Oficial de la Provincia Santa Cruz de Tnerife, was dem offiziellen Amtsblatt entspricht. - Damit gibt man den Schuldnern eine letzte Chance, sollten die nun binnen zweier Wochen ihre Schulden bei der Stadt nicht mit einem 20% Säumniszuschlag bezahlen, dann gehen die Forderung vor Gericht und man möchte damit "embargos" erwirken, und so an das Geld der Schuldner zu kommen. - Ein "embargo" friert Konten und eventuelle Liegenschaften des Schuldners ein, bis die Forderung vom Tisch ist. - Das kann unangenehm werden, allerdings ist es auch nicht gesagt, dass wegen geringfügiger Summen solch ein "embargo" auferlegt wird, das werden die Gerichte entscheiden. - Man habe alle Schuldner bereits mehrfach informiert, die hätten alle genügend Chancen gehabt ihre Schulden zu begleichen, die Stadt könne es sich einfach nicht erlauben, dass die Gebühren nicht bezahlt werden. - Man sei nicht glücklich darüber, dass man die Namen und alles veröffentlichen müsse, aber man sehe keine andere Möglichkeit. - Dennoch wage ich die Frage zu stellen, ob das denn mit den eigentlich scharfen Datenschutzbestimmungen in Einklang zu bringen ist, dass man diese Daten für jeden zugänglich veröffentlicht. - Zumal ja auch noch die Ungleichbehandlung vorliegt, dass eben nur Bürger dort genannt werden die nicht im Ort wohnen, sondern woanders auf der Insel, oder auf Tenerife oder gar im Ausland. - Ich denke schon, dass da ein paar dabei sein werden, die nicht einverstanden sind damit, und sich bei einem Rechtsanwalt mal erkundigen, ob das denn überhaupt so seine Richtigkeit hat. - Geht das aber alles klar, dann kann man sicher damit rechnen, dass andere Gemeinden diesem Vorbild folgen werden. - Da werden wir dann viel Schmunzeln können und Tratschen, wer denn alles seine Rechnungen nicht bezahlt. - Interessant wird dann aber natürlich wieder nur die Veröffentlichung aus anderen Gemeinden, denn die werden ja auch nicht ihre eigenen Wähler verfolgen.

Ein bisschen muss ich doch noch zum Wetter sagen. - Also, wie vorausgesagt hat sich der Wind im Laufe des Tages weiter beruhigt, und alles in allem hat die Insel das letzte "(Un)Wetter ganz glimpflich überstanden. - Wir zittern ja immer mit Fuencaliente, aber wie es scheint, haben die ihren Schutzengel nun doch wieder in den Ort locken können, nachdem den dortigen Bürgern der Brand und die darauf hin folgende Erosion übel mitgespielt hatten. - Auch der Flughafen wird seit dem Nachmittag wieder angeflogen, die kleinen interinsularen Maschinen bedienen unsere Insel wieder. - Das macht doch dann auch Mut für morgen, da kommen wieder reichlich Charter aus Mitteleuropa, unter anderem die seit Dienstag immer wieder verschobenen Condormaschinen aus München, Frankfurt und Düsseldorf. - Dazu gibt es noch von einem Gast, der nun morgen endlich anreisen wird auch noch einen kleinen Ablauf eines Flugversuches in mehreren Akten:

Geplanter Flug: Düsseldorf - Santa Cruz de la Palma, Dienstag, 16.02.10, 8.20 Uhr Flugnummer DE 2062

Montag, 15.02.10: 18.45 Uhr:
Das Telefon klingelt. Condor Flugservice. Flug um 24 Stunden verschoben wegen schlechten Wetters auf La Palma: Taxi umbestellt, Verwalter unseres Bungalows und den Nachbarn informiert, Kofferpacken abgebrochen.

Dienstag, 16.02.10: 10.00 Uhr:
unser Flug steht noch immer im Internet: Zusatz beim Flug- plan Airport Düsseldorf: "verspätet", bei Condor: "via Arrecife". Erste Verwirrung stellt sich ein.

16.00: Uhr:
Anruf von xxx xxx aus La Palma: Flughafen dicht, wahr- scheinlich läuft da nichts vor Freitag. Skepsis stellt sich ein.

19.00 Uhr:
Anruf bei Condor "Flugzeitenrückbestätigung": Ergebnis: Es bleibt dabei, Flug um 24 Stunden verschoben auf Mittwoch 8.20 Uhr. Aha! Beim Nachbarn verabschiedet, Koffer zu Ende gepackt, Kühlschrank geleert usw.

20.30 Uhr:
Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser: Blick ins Internet: Zunächst Herrn Siebolds aktuelle Nachrichten aus La Palma: Wetteraussichten ab Mittwochmittag wieder mies. Erneute Skepsis. Blick auf Condor "Flight on Time": unseren Flug gibt es nicht mehr! Blick auf Airport Düsseldorf Abflüge: Den Flug gibt es zwar noch, aber mit dem schönen Zusatz "annulliert": Skepsis steigt bedenklich.

21.00 Uhr:
Erneuter Anruf bei Condor. Ergebnis: "Ihr Flug geht am Frei- tag, dem 19.Februar". Alles klar, Skepsis beseitigt. Dieselbe Leier wie Montagabend: Taxi abbestellt,…

Mittwoch, 17.02.10: 4.00 Uhr:
WDR-Nachrichten: Cockpit plant Streik für Piloten der Lufthansa und deren Töchter, wahrscheinlich diese Woche noch. Erneute Skepsis, die meinem Schlaf nicht bekommt.
v 8.00 Uhr:
Hunger und nichts im Haus. Einkaufen fürs Frühstück.

10.00 Uhr:
Lese Herrn Siebolds Morgennachrichten aus La Palma: Neues Tief im Anmarsch ab Mittwochnachmittag; für Freitag aber nichts zu befürchten. Zaghafte Erleichterung

13.00 Uhr:
Lese Mail von xxx xxx: Wetter schlecht, haltet durch!

14.00 Uhr:
WDR-Nachrichten: Pilotenstreik erst ab Montag. Zuversicht kehrt ein. Wir fliegen also dann wohl am Freitag, fragt sich nur wann. Das erfahren wir mit etwas Glück und Condors Hilfe vielleicht am Donnerstag- abend, am besten möglichst spät. Vamos a ver!

Mi., 17.02.10: 19.30 Uhr:
Anruf bei Condor (man weiß ja nie, vielleicht fliegen sie schon morgen?): Natürlich kommt der Sprachcomputer mit der Ver- legung nicht klar, man wird weitergereicht. Die Dame weiß auch nicht Bescheid : "bitte bleiben Sie mal dran". Eine gefühlte Viertelstunde lang nervige Dudelmusik, angereichert mit "Condor --wir lieben Fliegen"-Singsang. Dann die Erlösung: Eine samtweiche Frauenstimme klärt uns auf: Ja, der Flieger geht am 19.02. um 8.20 Uhr mit der neuen Flugnummer DE2124. Nanu? Das ist doch der Flieger via Agadir! Antwort: "spielt keine Rolle, es ist eh alles durcheinander geraten, jeden- falls geht der Flieger nach Sta.Cruz de la Palma". Ich darf aber gerne am Donnerstagabend noch mal nachhören. Mach ich!

20.30 Uhr:
Herrn Siebolds Abendnachrichten sind da. Tröstlich: Der Flug- hafen war ab 11.30 Uhr wieder dicht; das hätten wir ja nie vorher geschafft!

Do., 18.02.10: 9.30 Uhr:
Über Herrn Siebolds Wetterlinks und wetter.com erfahre ich, dass der Freitag wohl mal anständiges Wetter bringt. Die diversen Prognosen stimmen überein wie selten, das lässt hoffen! Fairerweise hier mal ein freundliches Wort über Condor: Die haben sich offensichtlich auch intensiv mit dem zickigen Wetter über La Palma befasst und dann die beste Entscheidung getroffen; das Warten zu Hause ist allemal angenehmer als z.B. einen Tag oder gar länger auf Teneriffa herumzuhängen und dann letztendlich mit der Fähre zu später Stunde nach La Palma zu schaukeln, um gegen 1 Uhr nachts oder gar noch später seine Bleibe zu erreichen. Alles schon da gewesen!

12.00 Uhr:
Meine Zuversicht erreicht einen solchen Pegel, dass ich zum dritten Mal das Taxi für die Fahrt nach Düsseldorf bestelle. Der Mann bewies Haltung!

12.30 Uhr:
Weiterer Auftrieb durch Herrn Siebolds Morgennachrichten.

17.00 Uhr:
Anruf bei Condor. Von Sprachcomputer an freundlichen Mit- Arbeiter weitergeleitet; der wusste direkt Bescheid: Abflug Düsseldorf 8.20 Uhr, Ankunft Sta.Cruz 12.00 Uhr. So was hört man doch gerne, ein Direktflug! Der Mitarbeiter empfahl allerdings einen weiteren Anruf am späten Abend, "es könnte sich ja noch was ändern". Bin Optimist genug, das jetzt nicht mehr anzunehmen. Werde den Rat trotzdem befolgen, dann etwas schneller schlafen, denn um 5.15 Uhr steht das Taxi vor der Tür. Dann heißt es endlich: Up and away zur Isla Bonita!




Donnerstag 18.02.2010 10:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 13 Grad - Niederschlag 7 mm - Luftfeuchte 72 % - Luftdruck 999 hPa

Rappelnacht
Hagel, Blitz und Donner

Alle ankommenden Gäste haben dann doch noch in ihren Betten schlafen können, fragt sich nur ob gut. - Meine Schätzung, dass die nun mit der Fähre nach La Palma geschipperten Urlauber so gegen 01:00 Uhr in ihrem Haus ankommen ist etwas übereilt gewesen, die letzten Gäste kamen gegen 03:00 endlich in ihr Quartier. - Aber die Leute können sich glücklich schätzen, andere sitzen noch in Madrid oder in Deutschland, und warten weiterhin darauf, auf diese sturmumtobte Insel zu gelangen. - Am frühen Morgen überraschte uns dann auch noch ein Hagelschauer und ein Gewitter, es ist eigentlich ein Wunder, dass wir überhaupt noch Strom haben, wissen wir doch, dass die Unelco eigentlich nur im Sommer und bei gutem Wetter die Stromversorgung aufrecht erhalten kann. - Der Niederschlag allerdings hielt sich in Grenzen, nur noch kurze Schauer, keine großen Mengen die da noch fielen, so ist es jetzt nur noch der Wind, der uns hier zu schaffen macht. - Das mag auch daran liegen, dass der Wind jetzt viel weiter aus dem Norden kommt, und so die Hauptlast der Niederschläge gar nicht ins Aridanetal gelangen. - Dafür hat es nun auch kräftig auf der Ostseite geregnet und auf dem Flughafen maß man gestern Abend Windböen von bis zu 120 Stundekilometer. - Unser Windmesser ist hier schon vor Tagen davongeflogen, der hat aber auch keine verlässlichen oder aussagekräftigen Daten geliefert, weil wir hier an einem steilen Hang leben, und dort die lokalen Einflüsse der Orographie die Windrichtung und Stärke mit beeinflussen. - Die Aussichten belieben aber gleich, am Nachmittag wird der Wind abnehmen und auch die Regenwahrscheinlichkeit, um dann heute Nacht noch völlig aus dem Einflussbereich des Tiefdruckgebietes entlassen zu werden. - So müsste morgen dann alles ruhig sein, und auch der Flugverkehr wieder in Normalität ausgeführt werden können, was nicht nur aus touristischer Sicht ein recht plausibles Ziel ist. - Dann bleibt noch der kleine Schönheitsfleck am Samstag, oder jetzt genauer lokalisiert Samstagnacht, wo uns dann das dritte Tief innerhalb einer Woche besuchen will. - Aber das wird nicht wirklich beißen, das will wohl nur spielen, zu stark drückt bereits ein großes Hochdruckgebiet südwestlich von uns auf den nächsten Unruhestifter, und schickt diesen weiter nach Norden. - Dennoch, auch am Samstag kann es wieder durch Wind zu Beeinträchtigungen am Flughafen kommen, die grüne Grazie La Palma zickt diesen Winter gewaltig. - Den besten Witz allerdings leistet sich mal wieder die Provinzregierung der Kanaren, die haben angesichts des Windes gestern alle schulischen Aktivitäten ausgesetzt, es ist also nicht Hitzefrei, sondern Windfrei. - Allerdings haben wir im Moment sowieso Schulferien, wegen des Karnevals. - Die Karnevalsferien betreffen aber nur die öffentlichen Schulen, so dass der Witz leider nicht komplett ist, es gibt auch private Schulen hier, aber nur wenige, meist unter der Leitung der katholischen Kirche, und die können so etwas närrisch-heidnisches wie Karnevalsferien natürlich nicht mitmachen. - Heute können also auch die Heiligen zuhause bleiben und Antonio hat wieder mal recht, no better place than the bed in this days.



Mittwoch 17.02.2010 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 12 Grad - Niederschlag 9 mm - Luftfeuchte 76 % - Luftdruck 991 hPa
Höchsttemperatur heute 15,8 Grad - niedrigste Temperatur 12,5 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 10,4 - Temp. Min 5,6 - Feuchte 40 - 95 % Niederschlag 27 mm

Antonio ist ein weiser Mann
Es stürmt, es regnet.

Hatte ich erwähnt, dass ich bei solch einem Wetter immer schlechte Laune bekomme…? - Also deadline für ankommende Flugzeuge heute auf La Palma war 11:30 Uhr, danach konnte wieder kein Flugverkehr stattfinden. - Die interinsularen Flugzeuge sind wie Bienenschwärme über die Insel hergefallen, kein Wunder, waren es doch ganze drei Tage, an denen die Insel aus der Luft nicht mehr zu erreichen war. - Die letzte Maschine die noch landete, war eine Binter aus Tenerife Nord, dann fing der Wind wieder an zu blasen und so muss man leider festhalten, wieder hat es kein Charter zu uns geschafft. - Jetzt sind die Maschinen aus Deutschland, die überhaupt abgeflogen sind auf Tenerife gelandet und es ist noch nicht entschieden, ob die Gäste dort in einem Hotel bleiben, oder heute Nacht noch mit der Fähre nach La Palma gebracht werden. - Wobei die Option Fähre wohl die bessere wäre, da morgen noch nicht mit einer Entspannung beim Wetter zu rechnen ist, frühestens morgen Abend wird der Wind sich legen. - Freitag müsste dann wieder unproblematisch sein, und der weitere Durchzug eines Tiefdruckausläufers für den Samstag ist zwar weiterhin akut, neueste Berechnungen ergeben aber eher eine zarte Watsche für die Inseln, und einen schnellen Durchzug dieses erneuten und nassen Besuchers. - Jetzt erfahren wir gerade, dass man die Gäste, die nun auf Tenerife gelandet sind, zur Fähre bringt. - Das wird also eine Nachtschicht, meist kommt das Schiff gegen 22:30 Uhr an, bis dann die Autos verteilt sind, die Westseite erreicht, und bis die letzten Gäste dann im Haus sind, ist es dann locker bereits 01:00 Uhr. -

Es ist auch wirklich wieder unangenehm geworden da draußen. - Zwar regnet es nicht wirklich viel, aber wenn wieder ein Schauer vom Wind zerzaust den Regen fast horizontal über die Insel treibt, dann bleibt nichts trocken. - Die Schulen werden morgen auch wieder geschlossen, wegen des Windes, aber das muss man nicht so ernst nehmen, da die meisten eh geschlossen sind wegen Karneval. - Man kann auch wirklich jetzt nichts machen da draußen, und unser Nachbar Antonio hat da immer eine ganz spezielle Taktik solch ein Schmuddelwetter abzureiten. - Der steht dann erst gar nicht auf, sondern bleibt im Bett liegen und lässt den Regen und alle anderen einfach links oder auch rechts liegen, und wenn dann die Sonne wieder scheint, dann kommt er wieder aus seiner Höhle gekrochen. - Ja, Antonio ist Rentner, aber das hat er wohl immer so gemacht, glaubt man ihm und seinen Söhnen, aber er war auch Bauarbeiter, und die kommen eigentlich alle nicht, wenn draußen solch ein Wetter wartet. - Aber bei der ganzen Schlechtwettersituation muss man halt auch immer wieder ein bisschen relativieren, das sind aufs Jahr hin gesehen ein paar Tage, und sonst nichts. - Aber natürlich ist es ärgerlich für die Gäste, welche eben nun genau in den Sturm hin anreisen wollen, oder eben den ganzen Urlaub auf unseren Vulkanen herumtraben wollten. - Für die sind das eben nicht ein paar Tage des Jahres, sondern ein paar Tage von 7 oder 14 Tagen Urlaub, und da sieht eben das Verhältnis schon viel ärgerlicher aus. - La Palma ist und bleibt eben doch ein ziemlich unangepasstes und manchmal auch wenig kommodes Fleckchen Erde, für Massentourismus taugt so etwas nicht, La Palma Fans sind eben ganz besondere Menschen für eine ganz besondere Insel.





Mittwoch 17.02.2010 09:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 15 Grad - Niederschlag 2 mm - Luftfeuchte 76 % - Luftdruck 998 hPa

Husch husch ins Körbchen
Der Flughafen ist wieder in Betrieb, aber für wie lange?

Allein zwischen 08:00 und 08:30 Uhr landeten in schneller Folge bereits 6 Maschinen der beiden interinsularen Fluggesellschaften Binter und Islas-Airways. - Seit dem späten Abend gestern hat der Wind fast komplett abgeflaut, und wie es aussieht, hält diese Flaute noch ein paar Stunden an, so dass auch die Chartermaschinen, deren Abflug aus Deutschland um einen Tag verschoben wurde, heute landen könnten. - Aber vorsichtig, im Laufe des Tages soll der Wind wieder auffrischen, allerdings ist es unmöglich eine "deadline" vorauszusagen, aber wann der Wind wieder zu heftig für den Flughafen wird. - Je später die Maschinen heute im Laufe des Tages ankommen, umso wahrscheinlicher wird es, dass es wieder Schwierigkeiten geben wird. - Für morgen, Donnerstag, sieht es dann genau umgekehrt aus, da geht früh und tagsüber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gar nichts, aber gegen Abend beruhigt sich die Lage dann wieder. - Sicher scheint bislang der Freitag zu sein, das sieht sehr gut aus für den Tag, und wie wir gerade erfahren, ist die Condor aus München, die bereits gestern kommen sollte, nun auf Freitag verschoben worden. - Schade, denn wäre man bei der zunächst angekündigten Verlegung um 24 Stunden geblieben, dann hätte man wunderbar heute früh hier landen können. - Auch darf ich ja davon ausgehen, dass die noch bessere Wettervorhersagen besitzen als die, welche uns hier zur Verfügung stehen. - So sind die ersten Gäste der Dienstag-Maschinen bereits komplett von ihrem Reisewunsch zurückgetreten, wer eben nur eine Woche gebucht hat, und dann Freitag anstatt Dienstag erst seinen Urlaub antreten kann, für den lohnt es sich wirklich nicht mehr. Aber wir wollen hier an dieser Stelle nicht die Fluggesellschaften kritisieren, sondern einfach nur berichten, über die Schwierigkeiten, die eben auf einem solch kleinen atlantischen Außenposten der Zivilisation durchaus mal vorkommen können. - Noch weiter zum Wetter. - Sicher ist, dass uns im Laufe des Tages noch ein weiterer Tiefausläufer treffen wird, mit viel Niederschlag und starkem Wind aus West. - Für die Westseite selbst werden 25 - 40 Knoten angegeben, das ist nicht wirklich viel möchte man sagen, aber das bedeutet dann für die Ostseite Fallwinde mit Böen der doppelten Wundstärke, und dann wird auch klar, warum bei einer solchen Wetterlage der Flughafen bei Mazo seine Probleme bekommt. - Donnerstagabend ist das Tief dann "durch", Freitag also Ruhe, aber am Samstag dann meldet sich bereits das nächste Tief auf den Inseln an. - Es geht da wie das nordatlantische Brezelbacken im Moment auf dem Meer zu, allerdings erwartet man einen schnellen Durchzug dieses, dann dritten Tiefs in rascher Folge. - Am Sonntag soll es dann bereits wieder vorbei sein und sich das Wetter normalisieren. - Harren wir der Stürme und der Flugzeuge die da heute noch kommen...

Ein anderes Tagesthema ist der Mord an einem Mann in Los Llanos, den man am späten Abend des 15. Februar in einer Wohnung mit durchgeschnittener Kehle gefunden hat. - Offiziell gibt es noch überhaupt keine Verlautbarungen, es wurde sofort ein "secreto de sumario" (polizeiliche und juristische Verschlusssache) erklärt, und es ist nicht damit zu rechnen, dass man bald etwas über den Hergang der Tat erfahren kann. - Zunächst muss ja sowieso ein Team von Spezialisten aus Tenerife anreisen, und das war, aus bekannten Gründen bislang nicht möglich. - Allerdings wirft sich natürlich sofort die vox populi auf diesen Fall, und jeder weiß ein bisschen oder kennt einen der einen kennt, der dem Opfer mal eine Zahnbürste verkauft hat. - Verbrechen dieser Art sind auf La Palma sehr selten, und so ist natürlich das Interesse besonders groß, allerdings befremdet einen auch die Anzahl von fragwürdigen Kommentare aus einer anonymen Gruppe, die sofort auf ein Verbrechen aus dem, natürlich von Ausländern kontrollierten Drogengeschäft spekulieren. - Natürlich gibt es dafür noch überhaupt keinen konkreten Anhaltspunkt, und man sollte es absolut vermeiden weiter darüber zu spekulieren, bis die Polizei oder die Justiz darüber offizielle Aussagen machen. - Alleine aus Respekt vor den Angehörigen des Opfers ist deutliche Zurückhaltung angesagt.



Dienstag 16.02.2010 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 15 Grad - Niederschlag 6 mm - Luftfeuchte 75 % - Luftdruck 1000 hPa
Höchsttemperatur heute 18,5 Grad - niedrigste Temperatur 14,6 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 13,9 - Temp. Min 7,9 - Feuchte 42 - 95 % Niederschlag mehr als 55 mm

Indianerwetter
Karneval und Wetter bleiben das Thema

Wenn alle nach Santa Cruz fahren, dann bekommt keiner mit, was gleichzeitig in Puerto de Tazacorte passiert. - Es gab wieder Grundsee, dieses Mal aber noch angepeitscht von Wind, so dass die Wellen gewaltig viel Sand auf die Promenade geworfen, und die nahen Restaurants und Läden auch unter Wasser gesetzt haben. - Auch die "ewige Baustelle" des Meerwasserschwimmbeckens ist wieder mit "frischem" Meerwasser gefüllt worden, so heftig muss da unten der Atlantik getobt haben. - Puerto Naos und El Remo haben zwar auch wieder große Wellen abreiten dürfen, aber es ist wohl weiter nichts passiert. In La Bombilla wurde ja bereits vor zwei Wochen der Küstenstreifen von den Wellen blank gefegt, da kann eigentlich nicht weiter geschehen sein. - In Puerto de Tazacorte, das bekommt man wieder in den Griff, Arbeit halt, Sand schippen, Wasser pumpen und hoffen, dass die nächste Flut nicht gleich wieder den Atlantik an die Tür setzt. - Die Wellenhöhen aber sollen in den kommenden Tagen abnehmen, die Grundsee ist dann nicht mehr da, so dass man wohl hoffen kann, dass sich das Saubermachen in den Läden und den Restaurants auch lohnt. - Vom Süden der Insel hört man auch nichts, das sollte eigentlich Gutes bedeuten, allerdings funktioniert an dem Tag nach den "Indianos" hier der Nachrichtenaustausch auch nicht wirklich. - Der Flughafen war heute erneut verwaist, eventuell abreisende Gäste hat man in das große Hotel im Süden gebracht. - Allerdings hat man wohl das Gefühl, der Wind lässt nach, und tatsächlich sind nun auch die Prognosen für heute Nacht und morgen Vormittag besser. - Allerdings nur kurzzeitig, später am morgigen Mittwoch soll dann der Wind auch wieder gewaltig auffrischen und weiterhin aus sehr ungünstigen westlichen Richtungen wehen.

Unsere "Indianer" sind inzwischen auch wieder halbwegs ansprechbar und haben bereits kleine Mengen an fester Nahrung zu sich genommen. - Dort regnete es erst spät, so dass man den Tag über perfekt feiern konnte. - Je nach Meldung sollen es zwischen 25.000 und 50.000 "Indianer" gewesen sein, die dort ihr Wesen trieben, aber bei Zahlen evolutioniert uns schon mal die Sardine zum Wal. - Macht auch nichts, blanke Zahlen taugen da nicht mal was für das Geschichtsbuch, es soll bloß in irgendeiner Weise demonstrieren, wie wichtig dieser Tag in unserem Feierkalender ist. - Man merkt das auch am heutigen Tag, kaum jemand ist auf der Straße und wenn man es wagt irgendwo anzurufen, weil bei uns im Tourismus ja jeder Tag Alltag ist, da geht dann entweder niemand ans Telefon, oder man verschiebt nach der ersten gutturalen Lautäußerung seines Gegenübers sofort alle Wünsche auf einen kommenden Tag. - Interessant werden auch die vielen Besucher der Aida über die Straßen unserer Hauptstadt geblickt haben, denn Dienstag ist immer Aida-Tag. - Man kann sich doch gut vorstellen, wie unsere Hauptstadt aussieht, wenn, wie viele zehntausend auch immer, dort ausgelassen gefeiert, gesoffen und was auch noch immer gemacht haben. - Wenn die nicht informiert werden über unsere pulverigen Gebräuche, dann werden die nach ein paar Metern wieder umdrehen, und sofort wieder aufs Schiff flüchten, angesichts der Tonnen an Müll und verstreutem Babypulver auf den Straßen der Hauptstadt. - Aber schön war es, sagen die, die da waren und bereits wieder sprechen können, aber wer jetzt schon wieder sprechen kann, der war eigentlich gar nicht richtig dort…














Dienstag 16.02.2010 11:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 16 Grad - Niederschlag 15 mm - Luftfeuchte 83 % - Luftdruck 1000 hPa

Incomunicado
Nur noch per Schiff auf die Insel

Die vielen Indianer hat das miese Wetter wenig gestört, einmal regnet es bei Westwind auf der Ostseite nicht so viel, und wer erst mal am Feiern ist, dem ist dann sowieso alles egal. - Wir haben in unseren Betten auch noch Indianer liegen, deren Auftauen und Entkrusten bis zum ersten Frühstück wohl noch eine Weile auf sich warten lässt. - Allerdings schafften es ganz viele von den anderen Inseln nicht zu unserem Karneval zu kommen, denn der Flughafen ist nun seit Sonntag zu. - Unsere Hoffnung darauf, dass das Tief schnell weiter zieht nach Osten, und uns der Wind dann aus komplett aus Nord erreicht hat sich nicht erfüllt, der Wind ist weiterhin sehr "westlastig" und sorgt so für heftige Fallwinde am Flughafen. - Auch heute zeigt sich der Wind noch nicht gebührlicher, sondern beharrt weiterhin auf die eingeschlagene Richtung und den deftigen Böen. - Zwar scheint mittendrin immer wieder herzhaft die Sonne, und das Wetter gaukelt uns ein Ende der Belagerungszustandes dar, aber genau diese kleinen Flecken Flaute zu erwischen, das wäre für die Flieger ein reines Glücksspiel. - Aber unsere interinsularen Maschinen die transportieren nicht nur Menschen hin und her, sondern auch eilige Fracht wie zum Beispiel Medikamente, und die Zeitungen, so dass es da schnell zu ersten Engpässen kommen kann. - Aber man ist ja schon geübt in solchen Fällen, und lädt den Kram dann eben auf die Fähre um, die uns nachts erreicht, was für die Tageszeitungen allerdings nicht wirklich eine gute Lösung ergibt. - Auch denke ich gerade eben an die Menschen, die nun ihren, vielleicht seit vielen Monaten erwarteten Krankenhaustermin auf einer anderen Inseln haben, und diesen nicht wahrnehmen können, weil eben einfach kein Flieger geht. - Klar, man hat das eigentlich voraussehen können und dann früher fliegen, aber meist können sich das die Leute gar nicht erlauben, da viele Tage von der Insel runter zu sein. - Es trifft aber nicht nur die interinsularen Flüge, auch Madrid und eben die Charter aus Mitteleuropa bleiben nicht verschont.

Die Iberia macht es sich da leicht, die streicht die Flüge einfach und bucht die Leute auf einen anderen Tag um. - Bei den Charterfliegern ist es etwas komplizierter, da hängt ja immer noch ein Urlaubsbegehren dran, denn die Leute wollen ja an ihr Reiseziel gelangen. - Bislang haben die Fluggesellschaften dann die Gäste auf die Kanaren geflogen, auf welche Insel auch immer, wenn man auf La Palma nicht landen konnte, und die Gäste dann in einem Hotel untergebracht, bis unsere kleine, und eben manchmal zickige Schönheit wieder brav ist. - Jetzt allerdings macht man das etwas geschickter, und fliegt in Deutschland erst gar nicht los, sondern verschiebt den Abflug zunächst um meist 24 Stunden. - Das hat für die Fluggesellschaft den Vorteil, dass man dann die Gäste hier nicht auf einer anderen Insel unterbringen muss, sondern erst los fliegt, wenn es sicher ist, dass man auf La Palma auch wieder landen kann. - Bleiben aber immer noch die Urlauber, welche von La Palma abreisen wollen, die können ja dann auch nicht weg. - Da wird unterschiedlich verfahren. - Meist bringt man die dann hier in einem Hotel unter, um dann am nächsten oder übernächsten Tag den Flug nachzuholen, oder aber man bringt die Gäste auf die Fähre nach Tenerife, und bietet dann von dort aus einen Flug in die Heimat. - Auf jeden Fall kümmern sich die Fluggesellschaften um ihre Gäste und aus unserer Erfahrung machen die das meist auch sehr geschickt. - Wartezeiten sind natürlich unvermeidbar, wie eben das Wetter, welches uns in diesem Winter bereits die dritte Auszeit am Flughafen beschert. - Aber so ist das nun mal mit La Palma, wir sind eine kleine und sehr steile Insel im Atlantik, und wer zu uns kommen will, der muss manchmal ein bisschen Geduld mitbringen. - Es lohnt sich aber auf jeden Fall denn eines kann ich Ihnen versprechen, nach den satten Niederschlägen der letzten Wochen sind wir wirklich die Grüne Insel.



Montag 15.02.2010 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17,4 Grad - Niederschlag 5 mm - Luftfeuchte 57 % - Luftdruck 1001 hPa
Höchsttemperatur heute 17,7 Grad - niedrigste Temperatur 13,4 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 10,7 - Temp. Min 6,5 - Feuchte 51 - 90 % Niederschlag 9 mm

Indianer stürmen El Paso
Ausnahmezustand auf der Insel

Das Wort Indianer selbst beruht ja eigentlich auf einem ziemlich peinlichen historischen Irrtum, aber was sich mal in den Köpfen der Menschen eingenistet hat, das bekommt man einfach nicht wieder heraus. - Hier auf La Palma allerdings, da bedeutet Indiano allerdings wieder etwas anderes, wir bezeichnen so die Rückwanderer von den Antilleninseln, meist allerdings aus Kuba. - Spöttisch ist das natürlich gemeint, aber wie der meiste Hohn und Spott überhaupt, ist das meist aus einem gewissen Neid entstanden. - Viele arme Palmeros, und es gab nur wenig reiche Leute hier, die wanderten in den letzten Jahrhunderten in Wellen in die Neue Welt aus. - (Ist Ihnen übrigens schon mal aufgefallen, dass die Bezeichnung "Neue Welt" so gut wie gar nicht mehr gebraucht wird?) - Für die meisten dieser Auswanderer war der Schritt nach Kuba oder Venezuela oder sonst wo hin, wo die Schiffe der Gesellschaften so hinfuhren, nur eine Flucht aus permanenter Armut und Entbehrung. - Allerdings machten nicht alle ihr Glück dort in der "Neuen Welt", aber von denen hörte man meist nichts mehr, hier wurde immer nur von dem sagenhaften Reichtum berichtet, den sich die Auswanderer in Kuba aneignen konnten. - So kamen dann einige der reich gewordenen Auswanderer auch zurück nach La Palma, sei es nun zu Besuch oder als richtige Reimmigranten, und diese Leute nannte man dann eben "Indianos". - Manche von denen hatten da in der "Neuen Welt" sogar eine Frau gefunden, und manche sogar eine Schwarzhäutige. - Das war dann natürlich extrem exotisch und brachte die einfache Volksseele der Menschen hier auf der Insel noch mehr ins Staunen und Grübeln. - Als arrogante Lackel traten nun aber die Neureichen von den Antilleninseln hier auf, zögerten nicht damit, ihr Geld hier in Grundstücke und wahre Ländereien anzulegen, und bildeten so eine zweite Feudalschicht. - Um sich nun über diese Rückwanderer lustig zu machen, begann man damit diese Leuten zu bepulvern "echar polvo", was ein Ausdruck für vielerlei Tätigkeiten an einem anderen Menschen hin beschreibt. - Irgendwann nutzte man dann die Eigenschaften von Mehl, diesen eigentlich im übertragenen Sinn gemeinten Ausdruck auch bildhaft darzustellen, und bestreute eben Menschen, die man mindestens zu veralbern suchte. - Talkumpulver nutzt man noch gar nicht so lange dafür, wie lange darüber streiten sich noch die Historiker, es war halt irgendwann unschick geworden, Lebensmittel zu vergeuden.

Heute ist der "Día de los Indianos" der große Tag im Karneval, unsere Hauptstadt steht Kopf, und ist voller weiß gekleideter Menschen, die sich alle gegenseitig Babypulver über den Körper schütten. - Ganz viele Leute sagen dazu auch, das ist die schönste Fiesta die es gibt, allerdings muss man sich ganz und gar darauf einlassen, so ein bisschen am Rande zugucken, das geht gar nicht. - Neu ist allerdings, dass ganz viele von den jetzigen "Indianos" einen Rucksack tragen, und nicht mehr einen großen Überseekoffer, wie das auf historischen Gemälden so portraitiert wird. - Das mit dem Rucksack hat einen ganz plausiblen logistischen Hintergrund. - Man kann sich ja vorstellen, dass an die 25.000 feiernde Menschen in der Hauptstadt nicht alle von Kiosken und Kneipen mit alkoholischem Schmierstoff versorgt werden können, so haben viele eben ihre eigene kleine Minibar im Rucksack. Eine Flasche Rum, Zitronenlimo für einen Hartz IV Mojito oder Coca Cola für einen Cuba libre, und schon ist man unabhängig von der meist hoffnungslosen Versorgungssituation durch gastronomische Etablissements. - Und es werden enorme Mengen an Alkohol an diesem Tag konsumiert, vielleicht erträgt man dieses stundenlange Tanzen und Grölen in der staubigen Luft des Talkums auch nicht anders. - Viele gehen auch schon "angewärmt" dort hin, was dann den Weg nach Santa Cruz noch mal interessanter macht. - Da die meisten Geschäfte hier auf La Palma am Dia de los Indianos gegen Mittag schließt, weil man ja sonst nicht auf die "Indianos" kommt, muss nun der ganze Krempel schnell am Montagmorgen noch gekauft werden. - Und weil morgen sowieso alles zu hat, mischten sich die Rudel weiß gekleideter Indianer heute gegen Mittag mit den "Normaleinkäufern" und sorgten in El Paso für eine regelrechtes Verkehrschaos. - Der Parkplatz vom Supermarkt war komplett lahm gelegt, dennoch fuhren immer mehr Autos da rauf, und dann wollten die wieder runter. - Das ging dann aber nicht mehr, weil die auf den Parkplatz drängenden Wagen alles blockierten. - Irgendwann fängt dann einer an zu hupen, bis die anderen sich auch entsinnen, solch ein für diesen Fall komplett unsinniges Musikinstrument in ihrem Auto zu haben, und dann gibt es kein Halten mehr. - Durchtauchen kann man da nur, das notwenige Katzenfutter schnell in den Korb, ein Brot ein Stück Käse, und wieder schnell nach Hause. - Da wird dann der Name auch wieder Programm, der Supermarkt sah heute Mittag aus, wie Fort Rattlesnake nach einem Indianerüberfall. - Eigentlich muss man heute nach Santa Cruz, und allen anderen kann man nur raten, die Hauptstadt großräumig zu umfahren, oder einfach zu Hause zu bleiben. - Es kommt ja schließlich Olympia im Fernsehen, oder man liest den Whistlers whistle, dann weiß man auch Bescheid.





Montag 15.02.2010 10:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 14 Grad - Niederschlag 3 mm - Luftfeuchte 63 % - Luftdruck 1001 hPa

Der Mojo war gut
Das kommt davon, wenn man mal woanders Essen geht

Nicht für viel Geld oder gutes Zureden verrate ich Ihnen wo wir Essen waren, das macht man einfach nicht, wir wollen uns doch nicht in die üble Reihe der Denunzianten einreihen. - Nur so viel, dieses Etablissement war nicht in El Paso, nicht dass ein Schatten auf "meine" Stadt fällt. - Wir mussten also ein Taxi bemühen, aber das ist schwer Sonntagabend in El Paso, besonders wenn das Telefon der Taxihalte kaputt ist. - Wir durften aber nicht zu spät kommen, denn eine ganz liebe Freundin hatte zu ihrem Geburtstag eingeladen, ein anderer Grund hätte eh nicht ausgereicht mich aus El Paso zu entführen. - Auch die Handynummern mancher Fahrer reichten nicht um ein Taxi zu bestellen, die waren alle Feiern oder noch im Koma, so dass wir schließlich mit dem Auto nach El Paso fahren mussten, um dort in ein Taxi steigen zu können. - Der Fahrer war aber gerade in der Kneipe einen Kaffee, trinken, weil eh nichts los was, und als wir ihm sagten, dass das Telefon kaputt sei, ging ihm plötzlich ein Lichtlein auf, warum er den ganzen Nachmittag keine Aufträge bekam. - Vielleicht sollte man das Telefon reparieren lassen meinte er noch, wobei das vielleicht irgendwie ziemlich ernst klang. - Wir sind so, und dass ich mit dem Auto zur Taxihalte fahre um das Auto nicht zu benutzen, auch das gehört in unser Repertoire an Lebenslügenkunst. - Aber das ist einfach zu erklären, von El Paso aus gelange ich mit dem Auto über ganz bestimmte Wege, die ich Ihnen nun auch nicht verraten darf, so nach Hause, dass keine Polizeikontrolle am Wegesrand dort warten kann. - Ansonsten ist nach einem Bier bereits Schluss, sonst kann die Pappe weg sein, und das kann ich mir nicht erlauben. - Aber auf eine Geburtstagsfeier gehen, und dann den ganzen Abend "sin" trinken, während die übrige Besatzung so langsam in andere Sphären eintritt, das gebe ich mir nicht. - Immerhin haben wir es fast noch pünktlich geschafft, und schon beim Eintreten in das Lokal war mir klar, dass es, erstens unnötig war, einen Tisch zu bestellen, und zweitens, dass das ein harter Abend wird, denn hier war Rauchen verboten. - Aber was macht man nicht alles für liebe Freunde, und so hat man wenigstens noch ein bisschen Bewegung, wenn man ab und zu den Weg bis vor die Tür beschreiten muss.

Man hatte uns einen Tisch bereits gedeckt, mit Tischdecke und echten Stoffservietten, uns allerdings so drapiert, dass wir wie beim letzten Abendmahl alle nebeneinander sitzen mussten und kein Gegenüber hatten. - Das änderten wir aber, nicht gegen den Protest des Kellners, aber doch zu seiner Verwunderung, aber wir haben uns halt, vielleicht im Gegensatz zu anderen, noch etwas zu erzählen. - Brot ist am Sonntagabend einfach nicht frisch, so soll das trockene Stück Mehlsurrogatextrakt auch nicht wirklich kritisiert werden, aber die dazu gereichte Sardellenbutter als Amuse-Gueule war dann eine penetrante Mischung aus gesunden und ungesunden tranigen Fetten, hielt aber an dem trockenen Brot eh so schlecht, dass sich keiner wirklich Schaden beim Verzehr dieser Antiquität zuziehen konnte. - Vom Käse als Vorspeise riet der Kellner ab, der sei nur noch gebraten zu genießen hieß es aus der Küche, und da wurde man dann endgültig Bange um meine physische Unversehrtheit, so dass ich auf weitere Vorspeisen gerne verzichtet habe. - Schinken kam noch, Oliven, und Kichererbsensuppe, wobei letztere bereits schäumte, ob nun vom Erhitzen, oder einfach bereits aus eigenem Antrieb, das wollte ich aber meine Tischnachbarin nicht fragen. - Die Frage erübrigte sich dann, der Teller ging fast unberührt zurück. - Serranoschinken, das ist eine Welt für sich, der kann auch mal fast bis zum Haut Gout bereits fast seifig schmecken, nie aber darf er glänzen, und die paar, viel zu dick abgehobelten Stücke dort, die glänzten in ranziger Pracht. - So reichte auch ein kleiner Teller für uns alle, das hatte der Kellner in weiser Voraussicht wohl bereits berücksichtigt. - Immerhin war das Bier fast so warm wie die Suppe, man konnte sich also nirgends verbrennen oder Erfrierungen zuziehen, und ich werde es nie begreifen, warum eigentlich gestandene Restaurants Bier vom Festland ausschenken müssen, wo wir doch so treffliche Sude verfassen auf den Kanaren wie Dorada und Tropical. -

Nach dem, ohnehin schon angespannten Vorspiel entsannen wir uns auf ein bewährtes Hauptgericht hier auf den Inseln, Schweinefleisch vom Grill, mit Papas arrugadas, das kann jeder und auch wenn man eigentlich nicht von der Physiognomie der Köchin und der Mamsell auf die Kochkunst schließen soll, mehr trauten wir dem Personal nicht zu. - Man kann aber selbst diesen Klassiker der palmerischen Restaurantküche noch verbiegen, so landeten, vor Hitze und Alter bereits gewölbte Stückchen Schweinelende auf unseren Tellern, die sich nur widerstrebend von unseren Messern zerteilen ließen. - Es mag ein Zugeständnis an die magersüchtigen Inselgäste sein, dass man nun anstatt saftigen und durchwachsenen Stücken Kamm oder Oberschale diese furztrockenen Lendenstückchen auf den Grill wirft, fettfrei, geschmack- und Gott sei Dank auch geruchlos, aber diese Stücke darf man einfach nicht auf den Grill werfen, das ist ein Sakrileg. - Die Kartoffeln waren durchaus genießbar, irgend etwas mussten wir ja essen, aber an einen Nachtisch wagte sich schon keiner mehr, nicht mal mehr ein Kaffee wurde geordert, weil man längst beschlossen hatte den Abend nicht in dem Etablissement ausklingen zu lassen, sondern noch in El Paso einen positiven kulinarischen Ausklang des Abends herbeiführen wollte. - Der Kellner war übrigens gar nicht überrascht von unserem schnellen Aufbruch, er schien das bereits zu kennen, bediente uns aber in stoischer wie fast übertriebener Freundlichkeit weiterhin. Aber ich möchte doch auch die positiven Dinge dieses Abends hervorheben, die Gesellschaft war hervorragend, der Mojo sehr gut, und das kalte Bier anschließend in El Paso ein echtes Labsal. -



Sonntag 14.02.2010 17:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad - Niederschlag 5 mm - Luftfeuchte 75 % - Luftdruck 999 hPa
Höchsttemperatur heute 18,4 Grad - niedrigste Temperatur 15,2 Grad

Strand oder Promenade
Neue Schwierigkeiten um die Pläne für Puerto Naos

Eigentlich sind sich alle einig, in Puerto Naos muss etwas gemacht werden, damit dieser Ort seine touristische Attraktivität erhöhen kann. - Manch einer wird nun sagen, es würde reichen, wenn man das Vorhandene besser pflegt und dem Ort somit diesen Schmuddelpunkt von der Brille wischt. - Nicht, dass es schmutzig wäre dort, aber es fehlt so ein bisschen die pflegende Hand, und das hat viel mit der Gemeinde Los Llanos zu tun, denn die scheinen ihre Arbeiter woanders zu brauchen, so bleibt in Puerto Naos dann einiges liegen. - So hat das Meer vor Tagen ja wieder heftig gewütet, aber bislang hat man wohl keine Zeit gefunden die umgestürzten Kokospalmen wegzuschaffen, die beschädigten abzustützen, und die zerdepperte Treppe wegzuschaffen. - Auch ist noch niemand gekommen um den Kies und das Geröll auf der Promenade vor dem Hotel wieder auf den Strand zu schaffen, keine Zeit, Karneval ist wohl wichtiger, und so geht es Puerto Naos schon immer. - Kein Wunder, dass sich die Geschäftsleute und Anwohner über diese wenig befriedigende Behandlung durch die öffentliche Hand beklagen, und schließlich gibt man ja vor, "der Badeort" auf der Westseite zu sein, da macht dieser Schlendrian keinen besonders guten Eindruck auf unsere Gäste. - Aber das nur mal am Rande, da wir heute als Sonntagsausflug mal wieder dort waren, und uns einfach solche "Kleinigkeiten" aufgefallen sind. - Aber wer kümmert sich schon um Kleinigkeiten und um die Alltagspflege, wenn man doch Großes im Sinn hat und Millionen bewegen will, wo es doch eigentlich für etwas mehr Mühe und kleines Geld auch ginge.

Man hat ja große Pläne mit Puerto Naos. - Um den Strand zu schützen soll ja ein vorgelagerter Deich gebaut werden, der die Kraft der Wellen eben schon vor dem Erreichen des Strandes brechen soll. - Das wäre nicht das erste Bauwerk dieser Natur, viele Badeorte haben sich schon solche Schutzmaßnahmen gegönnt, und wenn dadurch dann das Baden zu allen Jahreszeiten möglich ist, dann ist das natürlich schon ein gewaltiges Argument aus touristischer Sicht. - Die Küstenbehörde hat dieses Vorhaben grundsätzlich zwar schon befürwortet, allerdings kommen nach und nach immer mehr Schwierigkeiten und neue Auflagen diesem Projekt in die Quere. - Nicht nur, dass die Techniker sich noch gar nicht einig sind, wie denn dieser Deich beschaffen sein muss, weder wie der denn gebaut werden soll, sondern auch gibt es große Bedenken des Fischereiministeriums wegen der großen Einbringung von Fremdmaterial ins Meer, weil eben die marine Schutzzone nicht weit entfernt ist von der eventuellen Baustelle. - Nun kommt noch ein neuer Knackpunkt hinzu. - Jetzt verlangt die Küstenbehörde, dass die Promenade des Ortes zurückversetzt werden muss, damit man mehr Strandfläche schaffen könne. - Das war neu für die Gemeinde, ist man doch bisher davon ausgegangen, dass man mit dem Deich den Strand ins Meer hinein verlängern könnte, das sehen die Bauherren der Küstenbehörde allerdings anders. - Für Los Llanos, oder eben konkret Puerto Naos würde das bedeuten, dass man die Promenade komplett neu machen müsste und da einige Meter verliert, was ja auch nicht im Sinne eines Badeortes sein kann, ist doch die Promenade ein sehr wichtiger Bestandteil des Erfolges solch eines touristischen Ortes. - Nun weiß man gar nicht mehr weiter, weil auch noch nicht klar ist um wie viele Meter konkret gesprochen wird, und was macht man dann mit den Restaurationsbetrieben die sich auf der Promenade angesiedelt haben. - Man könnte aber ja auch daran denken, die Straße einfach wegzunehmen, dann könnte man die Breite der Promenade sicherlich erhalten und hätte sogar noch die Autos von dort entfernt. - Man müsste zwar dann den Verkehrsfluss des Ortes neu regeln, aber wenn man ehrlich ist, die Autos dort fahren eh nur auf der Straße, um einen Parkplatz zu suchen oder wieder aus dem Ort hinaus zu fahren. - All das kann man intelligenter und auch schicker regeln, allerdings gehört dazu Phantasie, Willen und auch ein bisschen Mut. - Ach ja, und Geld braucht man auch noch, hätte ich doch fast vergessen.

Am Flughafen gibt es doch wieder Probleme, der Wind hat zwar auf Nordwest gedreht, aber wohl nicht weit genug und ist dazu auch wieder heftiger geworden. - Das ist insofern auch sehr ärgerlich, weil ja die Binter und die Islas für heute und morgen so viele Sonderflüge im Programm hatten, mit den vielen Besuchern die den morgigen Karneval in Santa Cruz feiern wollten.





Sonntag 14.02.2010 09:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 16 Grad - Niederschlag 19 mm - Luftfeuchte 86 % - Luftdruck 1000 hPa

Agua y polvo
Keine gute Liaison

Ganz überraschend hat es heute früh geregnet und gestürmt. - Es war natürlich nicht überraschend, hatte ich das doch selbst vorausgesagt, aber dennoch haben wir wieder alle unsere Regen- und Sturmpräparationsroutine vergessen. - Unser Wohnzimmer steht ja auf der Terrasse, unter einer Pergola, aber dieser Regenschutz von oben nutzt halt nicht, wenn der Regen vom Wind gepeitscht horizontal daherkommt. - Sofa nass, weil keiner um halb fünf aufstehen wollte um die Plane darüber zu decken, und alles was da so auf dem Tisch liegt, Sudoku-Hefte, Zeitschriften, Zigaretten, Handy, Lockenwickler und die Post von vorgestern, alles nass. - Auch die Katzen sind nass geworden, aber das darf man nun nicht unserer Nachlässigkeit zuordnen, die haben genügend Zufluchtsräume, mussten aber wohl wieder mal fliegende Regentropfen jagen. - Ganz zu schweigen von der vielen Wäsche, welche die beste aller Hausfrauen natürlich noch auf der Leine hängen hatte… Schön blöd sind wir, das war dann auch der erste Satz zum ersten Kaffee, und was nutzen selbst eigene Wettervorhersagen, wenn man sich nicht daran hält. - Es ist ja auch nicht das erste Mal, dass wir uns so ignorant verhalten, vielleicht wollen wir das auch einfach so, als würden wir es strikt ablehnen, dass es jetzt wieder regnet. - Macht alles nichts, wir sind das gewöhnt, und auch, dass die große hölzerne Eingangstür seit Ende vergangenen Jahres nicht mehr schließt, weil Holz eben quillt wenn es nass wird. - La Palma ist einfach nicht für Regen gemacht, auch wenn wir die wasserreichste Insel der Kanaren sind haben wir es nie geschafft, uns diesen Wetterkapriolen anzupassen. - Es regnet doch auch nur ein paar Tage im Jahr, und so nehmen wir das mit Wilhelm Busch, mit der Zeit wird alles heil, nur die Pfeife… Vielleicht gibt es auch deswegen so wenig Pfeifenraucher hier auf der Insel.

Der Wind kam heute ganz früh noch aus Südwest, das ist die unangenehme Richtung, hat aber jetzt bereits auf Nordwest gedreht, was für den weiteren Verlauf des Besuches des Tiefdruckgebietes etwas Entspannung für das Aridanetal und den Süden der Insel bringt. - Auch gut für den Flughafen, die haben dann dort weniger Probleme mit Fallwinden, als wenn es aus Südwest bläst. - Schlecht allerdings für den Straßenkarneval, der gestern Abend in Los Llanos so richtig los ging. - Talkumpulver und Regen, das ist eine fatale Komposition, verwandelt sich doch dieses Babypopopulver vermengt mit Flüssigkeiten zu einem seifigen Brei auf der Straße, der dem eh schon wackeligen Karnevalisten dann jeglichen "grip" unter den Füßen raubt. - Da hat es sicher heute früh schon etliche "Umfälle" gegeben, denn am Wochenende geht der Straßenkarneval in Los Llanos bis in die Grauen des Morgens, und der Regen kam um halb fünf. - Jetzt zittert man natürlich auch um den morgigen "Día de los Indianos" in der Hauptstadt, wo noch mehr Pulver geworfen wird, und wir auch noch tausende Besucher von den anderen Inseln erwarten. - Es ist eigentlich sicher, dass es regnen wird, allerdings nicht andauernd oder wirklich viel, und auch die Windrichtung könnte Entlastung für die Hauptstadt bringen, aber dennoch ist zu befürchten, dass es morgen nasse Indianer geben wird. - Echte Narren lassen sich von so etwas natürlich nicht aufhalten, aber es ist halt einfach eine ganz andere Geschichte, ob man bei 25 Grad und Sonnenschein seinen Mojito schlabbert, als bei 18 Grad um Regen und auf dem Hosenboden dahinschlitternd. - Aber wer Karneval will, der muss da durch und ich habe mich von solchen Zwängen schon lange freigemacht.



Samstag 13.02.2010 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 18 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 64 % - Luftdruck 1005 hPa
Höchsttemperatur heute 19,9 Grad - niedrigste Temperatur 14,6 Grad

Ultramarathon
Transvulcania wird internationalisiert

Viereinhalbtausend Höhenmeter rauf, das Gleiche wieder runter, und zwischendrin noch 83 Kilometer über die palmerischen Vulkane laufen. - Mancher braucht das und meine Hochachtung gilt diesen Extremsportlern, aber ich glaube meine Chakren stehen dafür nicht parallel genug, um mich solchen Sachen zu unterziehen. - Dennoch, solche Extremveranstaltungen sind die große Mode unter den Starkstromläufern, für die ein Zehntausendmeterlauf nur ein kleines Appetithäppchen ist. - Letztes Jahr veranstaltete man auf La Palma nun diesen Extremlauf, die "Transvulcania", und das war ein riesiger Erfolg. - Nicht nur, dass die Organisation wirklich lobenswert war, es gab auch strahlende Sieger, zerrüttete Helden und jede Menge glücklicher Leute, die wieder mal über den berühmten Schweinehund gewonnen hatten, der irgendwo zwischen den Chakren bellen muss. - Seitens der Veranstalter, "senderosdelapalma", eine Organisation der Inselregierung, hat man auch begriffen, was man da angestoßen hat, mit solchen Veranstaltungen, die wohl auch den Puls unserer wundersamen Zeit treffen, kann man richtig Werbung für diese Insel machen. - So wäre es natürlich phantastisch, wenn die "Transvulcania" auch auf internationalem Niveau eine feste Größe würde. - Das erreicht man aber eben nur durch Konstanz in der Austragung eines solchen Großereignisses, damit sich dieser Wahnsinnslauf auch "in der Branche" herumsprechen kann und man dann auch irgendwann die absoluten "Cracks" der Szene zu dem Lauf locken kann. - Ziel wäre es, die Transvulcania auf eine Stufe zu bringen mit dem Ironman auf Hawaii oder anderen Rennen dieser Klasse. - Immerhin hat man nun eines bereits geschafft, die Transvulcania 2010 gilt nun auch als Vorbereitungsrennen für das Wahnsinnsrennen "Ultra-Trail du Mont-Blanc", wo man 166 Kilometer rennen muss, und dabei 9.400 Höhenmeter überwinden. - Da kann nicht einfach jeder teilnehmen der will, sondern man muss sich dazu qualifizieren, in dem man auf anderen Cross-Läufen Punkte sammelt, die von den Veranstaltern des Mont-Blanc-Rennens dazu ausgesucht wurden. 4 Punkte braucht man da, und 2 davon kann man sich erarbeiten, wenn man die Transvulcania gelaufen ist. - Das könnte schon mal noch weitere Teilnehmer anlocken, denn dieser Mont-Blanc-Lauf ist wohl die absolute Krönung der Cross-Szene, wie man aus der Distanz und den Höhenmeter wohl leicht erkennen kann. - Aber unsere Vulkanüberquerung ist auch wirklich nicht ohne, und durch die Hitze und die meist trockene Luft in den Höhenregionen von über 2.000 wirklich heftig. - Im Zusammenhang mit dem über 80 Kilometer langen Lauf gibt es auch noch erträglichere Varianten, wie einen Halbmarathon über 26 Kilometer, und diverse Distanzen für Jugendliche, die in Jahresklassen unterteilt werden. - Zusätzlich gibt es auch noch eine Wandertour auf der gleichen Strecke, da darf man dann auch mit seinen Lekis und den Bundhosen laufen. - Am 5. Juni dieses Jahres findet die Transvulcania 2010 statt und auch Sie dürfen für diesen Extremlauf ruhig ein bisschen Werbung machen, die gute Organisation und die herausragende Landschaft dieser Insel haben es verdient. - Eine Webseite haben die natürlich auch, da kann man sich dann auch gleich einschreiben lassen…





Samstag 13.02.2010 09:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 16 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 63 % - Luftdruck 1006 hPa

Bildung erlaubt
Universität La Laguna gibt uns die Ehre

Der Traum ist alt und fast schon billig, eine Universität auf La Palma. - Gefordert haben das bereits alle gesellschaftlichen und politischen Gruppen überhaupt, sei es nun der Sparverein Tigalate oder die Weight-Watchers Tinizara. Wer mal was Schlaues erzählen und fordern wollte, der brachte die Geschichte von der Universität La Palma, mich eingeschlossen, obwohl ich nicht den Weight-Watchers angehöre. - In der Tat wäre das eine feine Sache, und wenn es uns tatsächlich gelingt, das Monsterteleskop "E-ELT" nach La Palma zu locken, dann müsste man dringend daran denken, zumindest eine naturwissenschaftliche Fakultät nach La Palma zu holen. - Aber diese Entscheidung ist noch nicht getroffen, so müssen wir uns nach wie vor mit sehr weltlichen Bedingungen abfinden, und auch täglich neu erfinden. - Warum wir noch keine Universität auf der Insel haben, oder wenigsten Fakultäten, das liegt an der Führung der Universität La Laguna auf Tenerife, die natürlich keine wirkliche Anstrengung darauf verwenden wollte, sich selbst anhand von Dependancen Konkurrenz zu machen. - Dann ist es auch noch eine Geldfrage, obwohl wir am Bespiel der Universität Las Palmas bereits gesehen haben, dass es machbar ist, die unterhalten nämlich Zweigstellen auf Lanzarote und Fuerteventura. - So ist es eigentlich nur billig gewesen, sich auch mit der Uni Gran Canarias in Verbindung zu setzen, was zumindest so weit geglückt ist, dass nun die Universität auf Tenerife plötzlich doch ernsthafte Bewegung in unsere Richtung anbietet. - Allerdings dürfen wir nun im ersten Schritt nicht gleich akademische Titel erwarten, aber immerhin, die Universität La Laguna wird es uns ermöglichen, dass wir hier auf der Insel Krankenschwestern ausbilden. - Dieser berufliche Werdegang wird hier nämlich auch auf den Universitäten gelehrt, Garant für den hohen Ausbildungsstand unserer Schwestern und Pfleger in den Krankenhäusern.

Damit nun wirklich Krankenschwestern und keine kranken Schwestern bei der Ausbildung herauskommen, dirigiert die Universität La Laguna den kompletten Studiengang hier auf La Palma. - Das bedeutet zunächst eine Investition von an die 500.000 Euro um die Ausbildungstätte herzurichten, die übrigens passend im alten Inselkrankenhaus eingerichtet wird. - Der praktische Teil wird aber auch im neuen Krankenhaus stattfinden, doch bevor man die Schwestern und Brüder ans noch lebende Objekt lässt, ist viel Theorie und Trockenübung notwendig. - So wird ein Hörsaal eingerichtet, eine "aula inteligente", was ich nicht übersetzen muss, und in diesem Saal werden per Videokonferenz die ganz normalen Vorlesungen der Uni La Laguna übertragen. - Allerdings werden die Auszubildenden damit nicht alleine gelassen, es wird wohl begleitendes Personal dazu geben, man rechnet mit bis zu 14 Personen die nötig sind, um die 50 Ausbildungsplätze, die man anbieten will, auch möglich zu machen. - Im September soll es losgehen, und bis dahin ist noch einiges zu tun, so darf man hoffen, dass gleich nach Karneval in die Hände gespuckt wird, und wir unseren Teil dazu pünktlich fertig haben, damit dann der erste Studiengang auf La Palma nicht an unserem Schlendrian scheitert. - Man kann nun natürlich auch behaupten, mit dieser "Klippschule" will man unseren Wunsch nach eigenen Studiengängen lauwarm und auf Ponyhofniveau sedieren, aber das glaube ich nicht. - Es ist eine Art Prüfung, ob wir denn diese Aufgabe zumindest schaffen, und danach können wir unsere akademischen Träume noch weiter ausstrecken. - Was nämlich immer wieder auffällt, La Palma ist die Insel, welche prozentual die allermeisten Studenten stellt auf den Kanaren. - Vielleicht nicht, weil wir besonders schlau sind, sondern weil Schulbildung hier auf der Insel immer schon einen höheren Stellenwert hatte als auf den Nachbarinseln. - Aber das nicht unbedingt aus ethisch hehren Gründen, sondern früher war das halt einfach so, um von der armen und langweiligen Insel endlich herunter zu kommen, da musste man studieren. - Und leider ist die heutige Folge davon, dass immer noch sehr viele junge Menschen diese Insel verlassen, und wenn sie einmal den Duft, die Verführung und auch die Karrierechancen der großen weiten Welt geschnuppert haben, nicht mehr auf dieses Eiland zurückkehren, welches außer Natur, Ländlichkeit und stockkonservativen Nachbarschaften kaum etwas zu bieten hat. - Daran müssen wir arbeiten, und diese neue Ausbildungsmöglichkeit als weiteren Wegespunkt zu wirklicher Autonomie und Selbstbewusstsein betrachten.



Freitag 12.02.2010 19:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 18 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 59 % - Luftdruck 1008 hPa
Höchsttemperatur heute 20,1 Grad - niedrigste Temperatur 14,6 Grad

Oh Canada
Exklusive Direktschaltung nach Whistler

Ich liebe Wintersport. - Wirklich, so ziemlich alles außer Eiskunstlauf und ich gebe auch einen großen Teil meiner Freizeit für den Wintersport hin. - Genau so wie für Aikido, da bin ich Großmeister in der Disziplin Sitzaikido mit Tapas und Dorada, dabei kann man sich eventuell verrutschte Chakren wieder passend positionieren, zumindest klappt das bei mir hervorragend. - So finden meine Wintersporttätigkeiten auch fast ausnahmslos vor dem Fernseher statt, kein Wunder, ist doch die Eishalle in San Nicolas zu teuer und die Sprungschanze bei Mazo viel zu weit weg… Da bin ich mit La Palma halt nicht wirklich bestens bedient, was Skifahren oder Eislaufen angeht, aber das Leben ist kein Wunschkonzert und die anderen Vorteile überwiegen dieses Manko sicherlich. - Auch ist mir aufgefallen, dass Zuschauen, sei es auch nur vor dem Fernseher, bei weitem nicht so anstrengend ist wie selber mit einem Gewehr auf den Rücken durch den Wald zu laufen. - Unsere Goldmädels vom Biathlon, das ist immer noch faszinierend, nicht nur der Sport selbst, aber wenn man mal bedenkt, dass dieses lustige Treiben mit der Knarre auf dem Rücke vor 15 Jahren den allermeisten noch unbekannt war, heute aber Millionen Menschen diese Sportart gucken und solch hohe Einschaltquoten besitzt, dass Stefan Raab schon neidisch wird. - Früher, als alles anders war und nur manches besser, und ich noch abhängig arbeitenden mein Brot verdient habe, da legte ich meinen Urlaub sogar in die Zeit der olympischen Winterspiele, um bloß nichts zu versäumen. - Vielleicht habe ich aber auch mal blau gemacht, aber daran kann ich mich einfach nicht mehr erinnern. - Jetzt geht es ja wieder los, und leider macht uns die Zeitverschiebung dabei ein bisschen zu schaffen, denn abends muss ich mich jetzt zwischen Andrea Henkel und Chakrenrücken in der Kneipe entscheiden, oder den ganzen Schmus am Folgetag aus der Konserve betrachten. - Ja, ich habe es schwer…

Da trifft es sich doch hervorragend, wenn man sozusagen Augen und Ohren in Whistler hat, ohne seinen faulen Hintern vom Sofa schleppen zu müssen, denn wir kennen da jemanden in dem netten Örtchen in British Columbia. - Und noch dazu hat die Gabi ja auch einen Migrationshintergrund, vielleicht auch Vordergrund, denn die sind eben genau da hin ausgewandert, weil La Palma schon voller Deutschen war. - Kanadisch oder Kanarisch, ich kauf mir ein D und schon bin ich in Whistler, manchmal ist das ganz einfach. - Die Gabi, die schreibt uns öfter mal ihren Alltag dort im kalten Kanada und das gefällt uns hervorragend, wie sie die dortigen Schrulligkeiten und kleinen Mühen als Mensch und Immigrant so meistert oder auch nicht, und da haben wir uns gedacht, warum bereichern wird diese so La Palma lastige Seite mit ein paar frischen Berichten aus Whistler. - Da wo der Bär steppt und die Municipales Mountys heißen, auch da drückt der Schuh manchmal und treibt das Teufelchen im Detail sein Unheil. - So haben wir uns gedacht, jetzt fangen wir mal mit einem Olympia-Special an, und wenn die Gabi Lust und Zeit hat, dann wird Sie uns auch danach noch aus der kanadischen Provinz berichten, auf dass wir schnell und einfach erkennen werden, Last, Mühe, Freude und Glück, das sind Dinge die keine Heimat haben oder brauchen, und der Rest, der ist fast überall gleich auf dieser Welt. - I proudly present, the Whistlers Whistle





Freitag 12.02.2010 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 15 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 65 % - Luftdruck 1008 hPa

Go Manolo, go
Kleiner Mann will großer Politiker werden

Um es vorweg zu nehmen, meinen Segen hat er, der Manuel Marcos Pérez, und klein ist er nur von der Statur her, als Mensch ist das ein Großer. - Es geht wieder mal um Politik, wer also davon die Nase gestrichen voll hat, der wende sich nun wieder dem Alltag zu… Die Sozialisten auf den Kanaren, und auch auf La Palma müssen sich neu formieren. - Gut, das müssen Sozialisten eh alle paar Jahre machen, dazu brauchen die keine politischen Gegner, man diskutiert sich selbst regelmäßig ins Aus, aber das scheint ja allen "S-Parteien" in Europa in den Genen zu stecken. - Übrigens ist die CSU keine "S-Partei", nur um das mal klarzustellen, und bei der SPD da wackelt das ESS ziemlich hartzig und agendiert. - Aber kommen wir zurück auf die Kanaren, da gibt es so was Schönes wie aufrechte Sozis noch. - Selbstzerfleischend, kritikbewusst, diskutierfreudig und ein bisschen naiv, so sind sie halt die Gutmenschen der kanarischen Politik und manch einer von denen glaubt wirklich noch an das Gute im Menschen und in der Politik. - Was haben wir uns gefreut, als man noch im Jahr 2006 uns einen Minister aus Madrid geschickt hat, Juan Fernando López Aguilar, der als blitzgescheiter wie spitzzüngiger Spitzenkandidat für die Sozialisten der Kanaren es fast geschafft hätte, die hegemonialen Ansprüche der Coalición Canaria über die Inseln zu brechen. - Allerdings müssen wir ja hier immer mit dem willfährigen Steigbügelhaltern der Partido Popular rechnen, die es dann doch wieder nur geschafft haben in einer Koalition der Verlierer die alten Machtstrukturen wieder herzustellen, nachdem López Aguilar es geschafft hat, die Sozialisten als deutlich stärkste Partei der Kanaren zu etablieren. - Allerdings taugen Alphasozis in der Opposition nicht wirklich, oppositioneller Hospitalismus ist meist die Folge und ein schnelles wie nachhaltiges Abschlaffen dann das Endergebnis. - Jetzt hat man ihn abberufen, bei den Europawahlen machte er den Spitzenkandidaten und wird wohl bald auch nach Brüssel wechseln, womit sich meist die politische Karriere dann in Croissants und Debattierclubs erledigt, denn eines ist meist fragwürdige Regel, they never come back aus Brüssel. - Ich habe die Abschiebung Juan Fernandos für einen Fehler gehalten, denn wir brauchen dringend mehr Hirn in der Politik, aber wir müssen sowohl persönliche wie parteiinterne Entscheidungen respektieren, so traurig das auch sein mag. - Aber es kann ja Rettung geben.

Gedacht habe ich mir es schon lange, jetzt schnüffelt unser Manolo, eben der Manuel Marcos Pérez an dem Posten des Großen Vorsitzenden der PSC/PSOE der Kanaren, und damit auch auf den Posten des Spitzenkandidaten für die Wahl zum Präsidenten des Gobierno de Canarias. - Ein Palmero Presidente, das wäre doch mal was, allerdings hatten wir das auch schon mal in der Figur des Fernando Fernández, der von Juli 1987 bis Dezember 1988 diesen Posten innehatte, den er allerdings nach einem Misstrauensvotum seiner eigenen Parteigenossen wieder abgeben musste. - Ein wirkliches Novum wäre das also nicht, und viele Palmeros mischen in der "großen" Politik mit, allerdings meist nicht wirklich zum Ruhm und Ehre dieser Insel anstiftend, wenn ich an Antonio Castro denke, oder an Juan Ramón Hernández. - Da hätte "uns Manolo" schon mehr zu bieten und vor allem könnte man bei ihm sicher sein, dass er mit wachsenden Aufgaben nicht seine Wurzeln vergisst und weiter mit bedächtiger Bodenhaftung ausgestattet bleibt. - Allerdings hat er selbst in den eigenen Reihen massive Konkurrenz, allen voran den Inselpräsidenten Gran Canarias, José Miguel Pérez und den Senator Arcadio Díaz Tejera. - Dennoch werden Manuel Marcos echte Chancen eingeräumt den Spitzenposten der kanarischen Sozialisten zu stellen, weil er große Sympathien vor allem auf den anderen "kleinen" Inseln besitzt und man darauf warten kann, dass sich die anderen beiden Kandidaten aufeinander einschießen werden und Manolo in den vielen Jahren palmerischer Flachkantenpolitik bestens gelernt hat, sich aus Schlammschlachten herauszuhalten. - Darüber hinaus ist Manolo ein echter Charmebolzen, der schon mal lächeln kann anstatt zu labern, und das kommt vor allem bei den weiblichen Wählern gut an, und wir dürfen nicht vergessen, dass bei den Sozis Parität herrscht was Manderl und Weiberl anbelangt und damit 50% der stimmberechtigten GenossInnen Frauen sind. - Welcher Spitzenkandidat denn nun für die Sozialisten im kommenden Jahr antritt, das entscheidet sich am 20. und 21. März, auf einem Kongress in Tenerife, und wir drücken unserem Manolo alle Daumen. - Go Manolo, go!





Donnerstag 11.02.2010 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 15 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 70 % - Luftdruck 1009 hPa
Höchsttemperatur heute 16,8 Grad - niedrigste Temperatur 14,8 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 19,2 - Temp. Min 9,1 - Feuchte 28 - 60 % Niederschlag 0 mm

Der Tag der Unaussprechlichen
Das nächste Tief guckt um die Ecke

Meine Frau behauptet doch steif und fest, ich sei wetterfühlig und bei Tagestemperaturen unter 20 Grad (plus) nicht wirklich zu gebrauchen. - Haben Sie sich mal die Frechheit oben betrachtet, mit welcher Tageshöchsttemperatur wir uns momentan herumschlagen müssen? - Gut, jetzt denken Sie wieder, in Deutschland sind es sogar Minusgrade und der Siebold friert bei solchen, fast tropischen Temperaturen. - Ja, ich friere, und wenn ich friere, dann bekomme ich schlechte Laune, und das wird wohl meine Frau als wetterfühlig meinen. - Kein Wind, keine Sonne, das alte Spiel auf den hohen Kanareninseln, die Sperrschicht auf etwa 900 - 1.100 Meter wird nicht aufgebrochen vom Wind, und daher bleibt es darunter bewölkt. - Da nutzt auch die Nähe zum Äquator oder zur Sahara nichts, wo die Sonne nicht scheint, da bestimmt die Luft alleine die Temperatur und da kommen wir dann halt im Februar zu solchen menschenverachtenden Graden. - Schiesser Tausendsassa, lang und grau, und scheiß egal ob mit Eingriff oder nicht, Feinripp ist an solchen Tagen angesagt, sonst hole ich mir noch eine dreiflügelige Lungenentzündung. - Fangen Sie jetzt bitte nicht an mit mir über den Zusammenhang von Lungenentzündung und langen Unterhosen zu diskutieren, ich habe schlechte Laune und reagiere dann bei fehlendem Zu- oder gar aufkommendem Widerspruch gereizt bis agretiv. - Agretiv wiederum ist eine familieninterne Wortschöpfung, von denen wir übrigens reichlich haben, und bedeutet nichts anderes als ein Zusammenzug von aggressiv und hyperaktiv. - Also lassen wir das und beschäftigen uns mit einem noch unangenehmeren Thema, dem Wetter der kommenden Tage.

Immerhin wird es wärmer werden nachts, und aufmerksame Kenner unserer Breiten wissen schon was das bedeutet, Wind aus dem Westen. - Und was kann bei Wind aus dem Westen sonst noch kommen? - Regen! - Stimmt und setzen, Sie wissen zu viel. - Sonntag wird es wohl werden, das Tief ist zu dick, um uns nicht mehr zu erwischen, fraglich ist nur noch, wie weit nördlich es bis Sonntag noch zieht, dann können wir auch die Windrichtung besser einschätzen. - Die Rechnungen der "GFS" sind da noch nicht schlüssig genug, aber die Tendenz sagt, zuerst Südwest, und dann Anfang kommender Woche auf Nordwest drehend. - Nordwest bedeutet weniger Regen für das Aridanetal und weniger Probleme für den Flughafen, aber das kann ich noch nicht versprechen, denn wie gesagt, die vielen Computer des "GFS" haben sich auch noch nicht einigen können. - Allerdings erwartet man eh keine solch großen Niederschlagsmengen wie noch Anfang des Monats, es könnte durchaus damit das erste "normale" Tief dieses Winters sein, welches uns erreicht, nachdem die beiden vorhergehenden Besuche dieser Wetterphänomene ja lokal extrem viel Wasser brachten. - Der Wind wird allerdings schon wieder kräftig werden, man spricht von bis zu 40 Knoten, aber wir wissen ja, dass dann auf der Leeseite der Insel die Windgeschwindigkeit in Böen sich durchaus mal verdoppeln kann, und dann sind wir locker bei Sturmböen. - Dennoch erwarten wir die kommenden Tage kein Unwetter, sondern einfach nur schlechtes Wetter, wir wollen doch nicht immer übertreiben oder gar den Klimawandel schon mit in die Lokalwettertüte werfen. - Aber nass werden wir schon ab Sonntag und sollten bis dahin vielleicht noch die dringendste Wäsche erledigt haben, Bauknecht hat dann Ausgang. - Wie lange das Ganze dann dauern kann wollen Sie wissen? - Nein, das wollen Sie nicht wirklich wissen…



Donnerstag 11.02.2010 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 15 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 63 % - Luftdruck 1011 hPa

Die Fleischerei Theobald Quiekferkel präsentiert…
…den zarten Hauch der Libelle im Sommerwind

Karneval ist und bleibt was für Narren. - Ob nun Fasching oder Prunksitzung in Köln, oder eben den Straßenkarneval in Rio oder den Kanaren, für manchen bleibt dieses bunte und äußerst ausgelassene Treiben, eine deutliche Duftmarke im kulturellen wie gesellschaftlichen Niemandsland. - Entweder man mag es, oder mal lässt es sein, das verbindet wohl Gegner wie Freunde des Karneval, und da gibt es keine Unterschiede mehr zwischen Düsseldorf und Los Llanos. - Dennoch gibt es Details in den wilden Feiern, die eben typisch sind für diese oder jene regionale Vorliebe, und neben dem Babypopopulver welches man auf unseren Straßen zu Feierzwecken gebraucht, gibt es auch noch die extensiven Königinnenwahlen, die unerlässlich sind zum Wohlgefallen unserer Karnevalisten. - Ja, eine Weinkönigin oder eine Brezelkönigin gibt es auch in Deutschland in jedem Marktflecken, aber eine Karnevalskönigin hier auf den Insel ist eben etwas ganz anderes. - Das ist eine "Primera Dama" und die wird nicht im Casting von Dieter Bohlenbeutel oder dem Prekariatsdichter des "Unter Hundert Clubs" Stefan Raab ausgesucht, sondern muss sich der unbestechlichen Jury einiger Geschäftsleute der eigenen Stadt stellen. - Das ist natürlich noch abgesprochener als beim Böhlchen, aber man macht nicht so viel Tamtam über Wochen damit und verkleistert so konspirativ die zur schmalen Verfügung stehende Restkognitivmasse der hartzigen Zuschauer. - Jeder Ort der was auf sich hält, der wählt seine Karnevalskönigin, und je größer und narzisstischer solch eine Stadt ist, umso größer und umfangreicher fällt die "Gala" um die Wahl der "Reina" aus. - Das kann man auch noch steigern, in dem man nicht nur eine "primera dama" wählt, sondern auch noch eine der Seniorentruppe und eine der Kleinkinder, dann "reina de la tercera edad" und "reina infantil" genannt. - Eine Stunksitzung, mit einem Protestprogramm und der Wahl eines Prinzen oder Königs, das kennt man hier nicht, schön sind bei uns nur die Weibchen und dralle Männer mit kahlen Häuptern und praller Brieftasche entscheiden dann per Honoratiorenstatus, wer denn das knackigste Mädel im Staate ist.

Allerdings erkennt man das "Mädel" meist gar nicht, denn gewählt wird das aufwendigste Kostüm, und das kann schon mal dahingehend ausarten, dass die Damen mehr Muckis als Anmut brauchen, um die schweren Gesamtkunstwerke überhaupt noch über die Bühne schleppen zu können. - Da werden dann auch schon mal Rollen angebracht, damit man das kunstvolle und generell überladene Kleid überhaupt noch bewegen kann, was besonders bei der Wahl der Seniorinnenkönigin von haltbarer Notwendigkeit sein kann, weil es eben nichts Schlimmeres gibt, als mit diesem Monster an Draht, Pappmaschee und Stoff verbauten "Kleid" eine Bauchlandung auf der Bühne zu präsentieren. - Früher, als alles anders war und nur manches besser, da war es Stolz und Aufgabe der Nachbarschaften diese Kleidungssymphonien zu basteln, und das knackigste Mädel des "Barrio" damit loszuschicken. - Das ist prinzipiell heute auch noch so, aber inzwischen haben sich die Nachbarschaften so weit individualisiert, dass eben nur noch wenige Hausfrauen und Enthusiasten dieser Handwerkskunst frönen und das "Sponsoring" da willfährig einspringt, weil der ganze Kram auch einen Haufen Geld kostet und man am besten auch noch professionelle Schweißer, Coiffeure und Bühnenbildner braucht, um ein konkurrenzfähiges Modell zu erstellen. - Da kommt natürlich nicht Google, Dell oder Coca Cola als Sponsor, sondern es sind die lokalen Gewerbebetriebe der Nachbarschaft oder des Umfeldes, welche sich da einspannen lassen, natürlich gegen den kakophonischen Hinweis auf ihre Mithilfe während der Präsentation. - Aber wir kennen das ja bereits aus dem Sportgeschäft, da laufen die Müllschlucker Berlin (Alba) auf, die kein Anschluss unter dieser Nummer Baskets Bonn (Telekom) und selbst beim geliebten Eishackl spielen inzwischen für Nürnberg die Nasentropfentiger, die Sinupret Icetigers. - Was denen teuer ist, das kann uns nur billig sein, und so kommt eben der Conférencier, meist ein in die feisten Jahre gekommener B-Promi des Lokalfernsehens, und kündigt die aufwendige Kreation unter solchen cerebralen Lyrikfloskeln wie etwa der zarte Hauch der Libelle im Sommerwind an, unterstützt von der Fleischerei ihres Vertrauens, Theobald Quiekferkel, mit dem Sonderangebot von einhundert Gramm Lyoner am Stück für nur 69 Cent. - Da muss man Ernst bleiben, oder zuhause. Und wenn man sich dann den weiteren Karriereschub für das arme schwitzende Mädel unter dem Karossenkleid überlegt, drei Interviews mit der Lokalpresse, eine Minute im Regionalfernsehen, dann anderthalb Jahre Kassiererin im San Martín, bis der dralle Sohn des Metzgermeisters Quiekferkel das Mädel dann aus der Kasse heraus heiratet, um spätere Generationen an Scheidungsanwälten nicht perspektivlos zu machen, dann wünscht man sich für die eigene Brut doch einen anderen, weniger närrischen Weg. - La Palma wie es singt und lacht, und Karneval ist schön, auch aus einer wenig gefährdenden Entfernung.





Mittwoch 10.02.2010 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 60 % - Luftdruck 1012 hPa
Höchsttemperatur heute 18,9 Grad - niedrigste Temperatur 13,5 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 24,0 - Temp. Min 6,5 - Feuchte 24 - 58 % Niederschlag 0 mm

Asphaltdschungel
Nach dem Plenum

Ich bin Ihnen noch einen Bericht über das Plenum schuldig im Rathaus von Los Llanos. - Auch wenn ich selbst nicht dabei war, Sie wissen ja, ich war auf Gran Canaria, möchte ich doch vom "Hörenschreiben" noch mal zusammenfassen, was denn dort passiert ist. - Inzwischen hat ja die "Plataforma contra el asfalto" auch politische Unterstützung gefunden, und das natürlich in Form der Opposition im Rathaus von Los Llanos. - Am Dienstag den 2. Februar war es dann soweit, der Repräsentant der "CCN" (Centro Canario Nacionalista) präsentierte einen Tagesordnungsplan auf dem er zur Abstimmung brachte, die bereits erteilte Baugenehmigung für das Asphaltwerk seitens der Gemeinde wieder zurückzuziehen. - Wie erwartet stimmte aber die Mehrheit der CC gegen den Vorschlag, unterstützt von den Mitgliedern der Partido Popular. - Dass die Coalición Canaria gegen den Vorschlag stimmen würde das war klar, bei der Partido Popular konnte man sich nicht ganz sicher sein, aber die folgten eben auch der Gesinnung der CC und stimmten gegen den Entzug der Lizenz. - Gut, dann wissen wir immerhin wo die stehen, ist ja auch wichtig für die "Plataforma". - Dem Antrag für den Baustopp der Anlage stimmten zu, die drei Abgeordneten der CCN, die drei der Sozialisten der PSC/PSOE und der eine der INPA (Initiativa por La Palma). - Damit ist der Antrag auf Entzug der Genehmigung abgelehnt, was wie gesagt, auch nicht anders zu erwarten war. - Aber immerhin hat die Plataforma damit eines erreicht, jetzt kann kein Mitglied der Rathausbesetzung in Los Llanos mehr sagen, er hätte von der Sache nichts gewusst, und auch eben von der groben Ungesetzmäßigkeit im Genehmigungsverfahren, welche eben die 2.000 Meter Mindestabstand zu Wohngebieten ja komplett ignoriert. - Das könnte, aber bitte beachten Sie dabei den Konjunktiv, auch ganz interessant werden in Sachen Verantwortung, gibt es doch die, zugegeben geringe Möglichkeit, bei einem Schadensersatzanspruch die Möglichkeit, die Verantwortung und die Pflicht nun nicht einfach der Gesamtheit der Bevölkerung zuzuweisen, sondern eben den Hanseln, die trotz besseres Wissen und Information, diese Unregelmäßigkeit nicht gestoppt haben. - Gut, aber das sind Spitzfindigkeiten juristischer Natur, die der Anwalt sicher bedenken wird und hofft, ein gutes Gehör dafür bei Gericht zu finden. - Sollte das der Fall sein, dann müssen sich der Bürgermeister und die Stadträte die gegen den Vorschlag gestimmt haben warm anziehen und viele Überstunden abreiten. - Aber bitte, den Konjunktiv dabei nicht vergessen, da höchst selten politischen Bürdenträgern persönliche Verantwortung von Gerichten übertragen wird.

Die Stimmung in dem Plenum war mehr als gereizt, es waren viele Bürger anwesend, welche das Spektakel verfolgen wollten und der Bürgermeister war sichtlich genervt von der Präsenz der Bürger und der Presse. - So verteidigte er erneut seine Stellung dazu, die grundsätzlich so aussieht, er möchte eine Schadensersatzforderung, die ohne Zweifel von der aufstellenden Firma käme der Stadt nicht zumuten, die könne das nicht bezahlen. - Ist natürlich Quatsch, die kann das bezahlen, denn so viel kann das gar nicht werden, besonders eben, wenn man den Wahnsinn so bald wie möglich stoppt, noch bevor die fest zu installierende Anlage dort aufgestellt wird. - Da hat man übrigens in den letzten Tagen fleißig gewerkelt, und möchte wohl seitens des Betreibers vollendete Tatsachen schaffen. - Man kann auf der Baustelle quirlige Aktivitäten feststellen und gestern stellte man auch bereits drei große, siloartige Behälter auf, in denen wohl mal der schwarze Brei der Polemik aufbewahrt werden soll, der Asphalt. - Aber das soll uns nicht entmutigen, das heißt noch lange nicht, dass dieses Werk nach der Aufstellung auch in Betrieb genommen werden kann, nur eben hat man seitens der Provinzregierung und auch seitens der Gemeinde Los Llanos es versäumt, den Installationsprozess zu stoppen. - Die Firma hätte ohne weiteres dieses Werk auch an anderer Stelle errichten können, so lange es noch nicht installiert ist, aber dieses Versäumnis wird eben dann erst zum Tragen kommen, wenn es um die Schadensersatzforderungen geht. - Dabei ist der Bürgermeister in sich ja eh schon ein gebrochener Mensch und gar nicht mehr glücklich mit dem Asphaltwerk, geht er doch nun auch mit eigener Alegación gegen das zweite Asphaltwerk vor, und benutzt dabei sogar die gleichen ablehnenden Gründe wie die Gegner beider Asphaltwerke. - Da muss reichlich Druck auf dem Mann liegen auch aus den Reihen seiner Parteifreunde in den übergeordneten Abteilungen der Provinzregierung, die ja schließlich die fatale Genehmigung unterschrieben haben. - Auch ist der Betreiber des ersten Asphaltwerkes ein mächtiger Unternehmer, der wohl in der Lage ist auf politischer Ebene Druck auszuüben, und sei es nur mit dem Locken von Arbeitsplätzen, allerdings in dem Fall werden es eher andere Gründe sein, über die ich Sie ganz alleine und still spekulieren lassen will und muss. - Am 26. Februar gibt es die nächste Versammlung der Plataforma gegen die Asphaltwerke, die findet dieses Mal in El Paso statt, in der Casa de la Cultura. - El Paso deshalb, weil auch große Teile und Wohngebieter der Gemeinde betroffen sind, auch wenn das Industriegebiet zu Los Llanos gehört. - Weiter informieren Sie auch die beiden Webseiten, die extra nur für den Protest gegen die Asphaltwerke eingerichtet wurden: www.noasfalto.info und http://lapalma-contra-plantas-asfalto.net





Mittwoch 10.02.2010 08:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 13 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 50 % - Luftdruck 1011 hPa

Das Spendenmissverständnis
80.000 Euro für Fuencaliente bleiben unter Verschluss

Das wird nicht nur böses Blut geben, es fließt bereits. - Auf der wunderbaren Solidaritätswelle im August vergangenen Jahres sammelten viele Gruppen, Privatmenschen und Organisationen Geld für die Geschädigten der Brandkatastrophe. - Das war auch nicht wirklich schwer, war doch das Feuer hier auf der Insel ein Medienspektakel, welches sogar internationales Echo ausgelöst hat. - So kamen Gelder auf diversen Konten zusammen, und manche dieser Gelder gingen auch direkt an die Geschädigten in Fuencaliente. - Manche Gelder machten den Umweg über die Caritas, so auch die Spenden, für die wir uns hier eingesetzt haben, die auf ein Sonderkonto der Inselregierung gingen. - Den Großteil der Spenden allerdings, den schluckte die Organisation "Más Nunca", die seinerzeit nach den großen Waldbränden auf Gran Canaria gegründet wurde und der sich auch eine Gruppe aus Fuencaliente anschloss. - Vor ein paar Tagen haben wir ja bereits darüber berichtet, nun aber kommt mehr Klarheit in die Sache, mit einer Presseerklärung der Leute von "Más Nunca". - Furchtbare Polemik war ja ausgebrochen, nachdem Teile der 80.000 Euro direkt an Geschädigte gehen sollten, das Präsidium der Organisation "Más Nunca" aber zu verhindern wusste. - Denn dieses Geld, und da liegt das große Missverständnis, welches "Más Nunca" einsammelt, das ist gar nicht direkt für die Geschädigten solcher Naturkatastrophen vorgesehen. - Für was denn dann fragt man sich unwillkürlich, und die Erklärung kommt auch. - "Más Nunca" kümmert sich um technische und administrative Abläufe im Kampf mit/gegen Behörden, Versicherungen und anderen Einrichtungen, mit welchen die Geschädigten solcher Naturkatastrophen zu tun haben. - Das sind dann immer solidarische Aktionen, und nicht auf einzelne Fälle begrenzt. - Das macht sicher Sinn, fühlen sich doch die Menschen die ihr Hab und Gut verloren haben meist auch von Behörden oder den Versicherungen alleine gelassen, und in dem Fall steht die Organisation "Más Nunca" bereit. - Aber eben nicht als Spendenplattform für die Geschädigten, damit die effektive Hilfen in Form von Geldspenden erhalten, damit diese die Schäden an ihrem Besitz ausbessern können, oder überhaupt über die Runden kommen.

Das war eigentlich von Anfang an klar, nur wurde das hier auf der Insel von niemandem transportiert. - Mag sein, dass die neuen Mitglieder dieser kanarenweit agierenden Truppe das gar nicht wussten, oder ob der großen Spendenbereitschaft lieber einfach geschwiegen haben. - Das müssen wir dahingestellt lassen, und auch die Presse hat nicht so richtig recherchiert, um in der großen Hilfswelle mal nachzufragen, wo das Geld denn eigentlich hingeht. - Wir alle haben geglaubt, dass die Gelder, die zu "Más Nunca" gehen dann auch den Geschädigten direkt zur Verfügung stehen, und ich lehne mich wohl nicht mal weit aus dem Fenster wenn ich behaupte, dass nur ein kleiner Teil der erreichten 80.000 Euro zusammengekommen wären, hätte der Spender gewusst, für welche Zwecke das Geld eingesetzt wird. - Ich möchte noch einmal betonen, da liegt seitens "Más Nunca" kein Betrug vor oder Arglist, das steht alles in deren Statuten, nur hat sich keiner die Zeit genommen das mal nachzufragen. - Dennoch ist nun die Polemik gesät, denn nicht nur die Geschädigten fordern diese Gelder, sondern auch die Spender, oder die Organisationen, welche eben die Gelder auf Konzerten oder Sportveranstaltungen gesammelt haben, wollen eben, dass das Geld den Geschädigten direkt zugute kommt. - Auch hat sich nun die Politik eingeschaltet, um da etwas zu erreichen, aber "Más Nunca" ist eine unabhängige Organisation mit Statuen und geregelten Aufgaben, da hat kein Stadt- oder Inselrat drin rumzufummeln. - Es handelt sich letztendlich nur um ein großes Missverständnis, an wen man denn gespendet hat, weil keiner Bescheid wusste. - Aber das ist eben auch ein Phänomen unserer Zeit, wir blicken kaum noch in die Tiefe, sondern lassen uns von der enormen Breite des Informationsangebotes völlig überlaufen. - Aber Hand aufs Herzchen, ich wusste es auch nicht, da wir uns eh für ein anderes Spendenkonto stark gemacht haben, und solche Dinge sind auch wirklich nicht auf La Palma begrenzt. - Die deutschen Wähler, die haben doch auch nicht gewusst, dass die FDP nun die vielen Millionen geschenkten Euros von Mövenpick für ihren Wahlkampf nun aus Steuergeldern vervielfacht wieder an die Hoteliers zurückgibt. - OK, ich habe ja versucht Sie zu warnen, aber auf mich hören ja nicht einmal meine Kinder und meine Katzen. - So ist das halt wie es ist, die einen irren sich bei den Spenden, die anderen bei der Stimmabgabe, und schon sind wir wieder alle ein liebliches Volk von Idiötchen.



Dienstag 09.02.2010 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 54 % - Luftdruck 1012 hPa
Höchsttemperatur heute 18,4 Grad - niedrigste Temperatur 14,7 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 23,2 - Temp. Min 5,4 - Feuchte 24 - 69 % Niederschlag 0 mm

Das Narrenschiff
Reederei Olsen bietet Sonderfahrt nach La Palma an

Für den großen Tag des palmerischen Karneval erwartet man immer wieder auch tausende Besucher von den anderen Kanareninseln, und sogar vom Festland. - Es ist der Montag der 15. Februar, in Deutschland also der Rosenmontag, aber bei uns ist das der "Día de los Indianos". - Eigentlich habe ich es schon öfter erklärt, das ist der Tag an dem wir anal werden, weil wir uns gegenseitig mit Babypopopulver bestreuen. - Gut, das Talkumpulver ist eigentlich nur als Ersatz für Mehl gedacht, welches ursprünglich mal verwendet wurde um sein Gegenüber einzupulvern, aber dann schämte man sich mit der Zeit Lebensmittel zu vergeuden und wechselte schließlich zum Babypulver, das ist zumindest moralisch einwandfrei. - Gesund ist der Kram nicht, aber was ist schon gesund am Karneval, geht es doch schließlich darum, vor der Fastenzeit noch mal kräftig auf den Putz zu hauen. - Und das machen wir mit Pauken, Trompeten, Mojito und eben dem Babypopopulver, und wer sich am Montag den 15. Februar tatsächlich in den Hexenkessel Santa Cruz wagt, der sollte von vorneherein wissen, der kommt da unbestäubt nicht wieder heraus. - Übrigens wird auch in Los Llanos Talkum geworfen, das hat man dort übernommen, und das nicht nur an einem Tag, sondern zu jeder nächtlichen Feier. - Manche sagen sogar, der Karneval in Los Llanos sei besser als der in Santa Cruz, weil er länger dauert, bis in die Grauen des Morgens und noch ausgelassener ist, aber traditionell und stimmungsvoller ist sicherlich der "Día de los Indianos" in Santa Cruz. - An dem Tag geht es übrigens nicht erst in der Nacht los, sondern bereits mittags, man muss also nicht den ganzen Tag noch verschlafen, um dann abends fit zu sein. - Die meisten Leute kommen so auch im Laufe des Nachmittages nach Santa Cruz, da sieht man nur noch weiß gekleidete Menschen in den Autos und Bussen, die alle in eine Richtung fahren, Santa Cruz. - Man sollte also weiß gekleidet sein, er mit einem Strohhut und Sie mit einem weißen Rock, allerdings wird niemand wieder fortgeschickt der nicht so gekleidet kommt, und nach kurzer Zeit ist sowieso jeder weiß, dafür sorgen die Tonnen an Talkumpulver.

Für hiesige Besucher ist es dringend zu empfehlen nicht mit dem eigenen Auto zum Karneval zu fahren. - Es sei denn man kommt sehr früh, dann ergattert man noch einen Parkplatz, aber auf jeden Fall sollte man sich dann einen Karnevalsochsen aussuchen, der verspricht keinen Alkohol zu trinken, denn auch an diesen Tagen wacht die Guardia Civil aufmerksam über uns Wagenlenker. - Mit dem Bus geht es nach Santa Cruz, an dem Tag werden neben den halbstündigen Verbindungen noch Verstärkungsbusse eingesetzt, die gleich nach den regulären Bussen fahren. - Das geht bis 22:30 Uhr so, dann fährt kein Bus mehr von Los Llanos nach Santa Cruz. - Es ist übrigens zu empfehlen vielleicht gleich nach Los Llanos zu fahren und dort am Busbahnhof einzusteigen, ab und zu kommt es vor, dass die Busse schon aus Los Llanos so voll sind, dass man unterwegs nicht mehr einsteigen kann. - Zurück geht es auch mit dem Bus, da verkehren die ganze Nacht über ab Santa Cruz bis um 07:30 Uhr auch wieder halbstündig Busse nach Los Llanos, auch wieder mit Verstärkung, so hat man das versprochen. - Für die Besucher von den anderen Inseln haben die Fluggesellschaften bereits Sonderflüge eingesetzt, und die Reederei Olsen macht die Geschichte jetzt perfekt, in dem sie ein ganzes Schiff extra nur für den "Día de los Indianos" von Tenerife nach La Palma schickt. - Und der Clou dabei ist, man kann in Los Cristianos um 09:30 Uhr am Montag auf die Bonanza Express steigen, und am gleichen Tag auch wieder zurück nach Tenerife fahren. - Gegen 20:30 Uhr legt dann die Fähre hier wieder ab, mit Ziel Los Cristianos, welches dann gegen 22:30 Uhr erreicht wird. - Das ist natürlich ein lockendes Angebot, denn Übernachtungsmöglichkeiten in Santa Cruz und Umgebung gibt es an den Karnevalstagen eh nicht mehr, und wer nur die Feierlichkeiten um die Pulverschlacht in Santa Cruz anstrebt, der ist damit bestens bedient. - Ein Sonderlob für diese Idee der Reederei Olsen, ich bin mir sicher, auf diesem Narrenschiff bleibt kein einziger Platz frei.



Dienstag 09.02.2010 08:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 14 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 54 % - Luftdruck 1012 hPa

Die Russen waren es, oder die Amerikaner
Schuldzuweisungen über den "Fall Puerto Naos"

Manche sagen ja auch Puerto Chaos und haben dafür ihre ganz eigenen Gründe. - Was in der Tat zu beklagen ist, dieser Stadtteil von Los Llanos und frühere Bummelmeile des größten Ortes der Insel, verliert immer mehr an Bedeutung. - Woran das nun liegen mag, da scheiden sich sofort die Geister. - Man kann sicher beklagen, dass alleine die häufigen und sehr strengen Alkoholkontrollen den früher üblichen abendlichen Besuch des kleinen Badeortes deutlich erschwert haben. - Lokal drinking ist angesagt, denn selbst eine Flasche Bier oder ein Glas Wein können bereits zu viel sein. - Aber das ist sicher nicht der einzige Grund, warum Puerto Naos deutlich an Gewicht verloren hat. - Auch seitens der Behörden scheint man Desinteresse an dem Ort zu pflegen, es kostet immer Mühe und sehr viel Zeit, wichtige öffentliche Maßnahmen durchzusetzen, die im Stadtzentrum von Los Llanos natürlich sofort geschehen. - Auch trägt zur schlechter werdenden Stimmung in Puerto Naos sicher der Rückgang des Tourismus bei, und dann eben auch noch die Tatsache, dass das große Hotel dort inzwischen eine "all-inclusive" Anlage ist und deren Gäste außerhalb der Anlage so kein Geld mehr unter die Gewerbebetriebe des kleinen Badeortes streuen. - Auch kann man beklagen, Puerto Naos sei nun wirklich keine architektonische Perle, zu schnell und planlos auf den Basalt gesetzt, und niemand, aber auch wirklich niemand kann dem widersprechen. - Dennoch, es ist das touristische Zentrum und der Badeort auf der Westseite, auch wenn Puerto de Tazacorte in den letzten Jahren mit seinem Strand versucht hat Puerto Naos diese Stellung streitig zu machen. - Ohne Zweifel aber ist es der Strand, den Puerto Naos so wichtig und auch touristisch so wertvoll macht, auch, oder gerade weil wir keine Badeinsel sind, so ist das Angebot doch eben mal in den Atlantik zu springen, um so wichtiger.

Wären da nicht die Launen des Atlantiks, der eben kein Baggersee ist, und in Regelmäßigkeit Teile des Strandes in Puerto Naos verändert, umgestaltet, wenn nicht sogar einfach wegreißt. - Jetzt wieder geschehen, nach dem Unwetter vorletztes Wochenende. - Bei weitem nicht so derbe wie das nach dem Hurrikan Delta geschah, aber wieder sind ein paar Kokospalmen gefallen und die Wellen haben viele Kubikmeter Sand geraubt. - Genau um das zu verhindern, plant man ja seit Jahren die Errichtung eines Deiches vor dem Strand, so ein bisschen nach dem Vorbild "Las Teresitas" auf Tenerife, aber was dort funktioniert, finanzierbar ist und auch durchgeführt wurde, das scheint auf La Palma wieder mal ein größeres Problem zu werden. - Eigentlich sind die Pläne fertig und die Küstenbehörde hat sogar schon der Finanzierung zugestimmt, nun klemmt es aber wohl nicht mehr in Madrid, sondern in der kanarischen Provinzregierung. - So zumindest sehen das die Sprecher der Sozialisten, welche nun sowohl den Bürgermeister aus Los Llanos, wie auch die Provinzregierung anklagen, sie würden diesem Projekt nicht wirklich Priorität verleihen. - So sehe die lokale Behörde der Kanaren ein Problem bei der Errichtung des Deiches, da es sich um eine Zone von öffentlichen Interesse handle, "LIC" (Lugar de Interés Comunitario) wobei ja großes öffentliches Interesse bestehe, diese Zone aufzuwerten. - Im Gegensatz dazu bestehe bei der Provinzregierung kein Skrupel einen Golfplatz in einem "LIC" (Lugar de Interés Comunitario) zuzulassen, obwohl es sich dabei nicht um öffentliches Interesse, sondern um private Ziele handle. - Gar nicht in die Diskussion flossen allerdings die Bedenken der Naturschützer und Meeresbiologen der "Reserva Marina" ein, die schwere Schäden für die Meeresflora und Fauna fürchten, wenn man tausende Tonnen Fremdmaterial dort vor der Küste abkippt. - Über allem steht auch immer noch die Frage, ob denn technisch dieses Projekt eines Deiches überhaupt nutzt, der unter der Meeresoberfläche liegt, und nicht mal bei Ebbe für den Betrachter sichtbar sein soll. - Auf jeden Fall gehen die Schuldzuweisungen munter von einer Seite auf die andere, und wenn mal wieder gar keiner Schuld hat, dann können es ja immer noch die Russen oder die Amerikaner gewesen sein. - Oder war´s der Taliban und der Osama, oder gar die Westerwelle?





Montag 08.02.2010 17:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 22 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 44 % - Luftdruck 1011 hPa
Höchsttemperatur heute 23,6 Grad - niedrigste Temperatur 15,6 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 23,2 - Temp. Min 15,6 - Feuchte 24 - 29 % Niederschlag 0 mm

Wave-watching
Spektakel an der Küste

In der Tat hört man die Wellen jetzt bis El Paso hoch. - Gut, es sollte gerade kein Verkehr auf der Straße sein, aber wer genau hinhört, der kann das Rollen der Wellen eben auch noch weit im Landesinneren vernehmen. - Dabei sind es ja nicht die Wellen selbst die man hört, sondern das Geröll welches durch die unbändige Kraft des Wassers bewegt wird. - Ein paar Kaventsmänner mit an die 5 Meter waren schon dabei, und glaubt man dem "GFS", dann kommt heute Nachmittag/Abend der Höhepunkt des Wellenspektakels. - Aus West donnern die Wellen an die Westküste, mit einem kleinen Einschlag aus Nord, so dass der neue Hafen in Puerto de Tazacorte selbst völlig unbehelligt bleibt. - Nur an die Molen, sowohl die Neue, wie auch die ganz Neue, die ja nun noch vor der Neuen aber eben nicht mehr ganz so Neuen liegt, da schlagen die schon mal drüber und lähmen natürlich die Bauarbeiten an der dritten Ausbaustufe des Welthafens von Tazacorte beträchtlich. - Dafür wird hinter dem Schutz der nun 2 Hafenmolen weitergearbeitet, das ist richtig wuselig dort im Hafen, aber man kann immer noch nicht richtig erkennen, wie das letztendlich mal aussehen soll. - Es sind ja auch nur kleine Nebengedanken, wir wollten ja die Wellen sehen, und eben auch ein bisschen den Hauch dieser Naturgewalt spüren. - Ist allerdings schon ein bisschen wie Katastrophentourismus, da wir ja wissen, in Puerto de Tazacorte kann nichts passieren, aber ein paar Kilometer weiter südlich, in La Bombilla und El Remo fürchten die Anwohner um ihr Hab und Gut.

Kein Wind, wie vorhergesagt, und so hat diese mächtige Grundsee auch etwas gespenstisches, da man den Grund für diese Wellen eben nicht spüren kann. - Auch ist der Rhythmus der anlaufenden Brecher trügerisch, mal liegt der Atlantik fast platt da und keine Schaumkrone zeigt sich, da bauen sich plötzlich hohe Wellenberge vor dem Strand und vor den Hafenmolen auf und donnern mit Gewalt gegen die Küste. - Das macht diese Grundsee auch so gefährlich, da manch ein Zuschauer, der eben gerade in einer kleinen "Wellenflaute" ans Meer gekommen ist gar nicht glauben kann, wie weit die Wellen an die Küstenbefestigung kommen. - Allerdings hatte man in Tazacorte den gesamten Strand abgesperrt, auch hätte das viele umstehende Publikum sicher dafür gesorgt, dass sich niemand an den Strand wagt. - Da kann man auch immer nur wieder warnen, gerade an unbeobachteten Stellen oder an den felsigen Stellen weiter im Süden sollte man sich auf keinen Fall zu weit an den Atlantik heranwagen. - Es wäre nicht das erste Mal, dass sich diese unvorhersehbare Grundsee neugierige Zuschauer von der Küste pickt, und dann erst nach Tagen wieder hergibt, allerdings dann nicht mehr in einem ansehnlichen Zustand. - Dabei erwischt es nicht nur Besucher, die den Atlantik in seiner mächtigen Wut auf die Coalición Canaria noch nicht kennen, es erwischt auch immer wieder Angler, die sich wohl bei solch einem Wetter einen besonders guten Fang von der Küste aus erwarten. - Allerdings habe ich vor ein paar Jahren auch schon noch größere Wellen erlebt, wo die Gischt sogar bis weit ins Hafenbecken geknallt ist und für große Unruhe bei den Bootsbesitzern sorgte. - Aber das macht dieses Spektakel an der Küste nicht weniger interessant und wer seine Kamera, seine Batterie und seine Speicherkarte mal richtig ausreizen will, der darf sich in Puerto de Tazacorte richtig ausleben.

















Montag 08.02.2010 08:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 68 % - Luftdruck 1012 hPa

Nur noch weggucken
Arbeitslosigkeit steigt weiter an

Es scheint ein Weg ohne Alternative zu sein, die Arbeitslosigkeit in Spanien und allem voran auf den Kanaren steigt weiterhin drastisch an. - Da hatte man die letzten Monate so ein bisschen das Gefühl, der Tiefpunkt wäre nun erreicht und man sammle im Keller Kräfte, um dann wieder aufzusteigen, da meldet sich der Januar mit der zweithöchsten Zahl an Arbeitslosen auf La Palma, die jemals gezählt worden sind. - Gut, im Januar kommt immer eine jahreszeitlich bedingte Steigerung der Arbeitslosenzahlen hinzu, da schlichtweg viele Arbeitsverträge just zum Jahresende ausgelaufen sind. - Aber dennoch erschrecken wir uns immer wieder, wenn die Zahl der Menschen ohne Arbeit hier auf der Insel die 9.000 Marke überschreitet, so wie das bislang erst in drei Monaten vorgekommen ist. - April vergangenen Jahres war der absolute Höchststand mit 9.055 Arbeitslosen, dann der Juni mit 9.019 Menschen ohne bezahlte Beschäftigung und nun der Januar 2010 mit 9.053 Arbeitslosen. - Immerhin hat sich der Anstieg der bösen Zahl verlangsamt, "nur" 241 Arbeitslose mehr als im Dezember des letzten Jahres sind das, und damit ist der "Januarruck" nicht so heftig ausgefallen wie in den letzten Jahren. - Aber das hört sich schon wieder an wie Beschwichtigung, denn eigentlich tut das alles nur noch weh und man sucht händeringend die gute Nachricht, oder eben einfach nur ein positiv zu deutendes Signal unter so viel Depression. - Die Arbeitslosenquote wird für La Palma alleine offiziell gar nicht erhoben, sondern nur für die gesamten Kanarischen Inseln. - Allerdings muss man dazu auch anmerken, dass es keine einheitliche Erfassung der Zahl der aktiven Bevölkerung gibt, sondern verschiedene Rechenmodelle, so dass wir da etwas in den Prozenten herumschwimmen. - Für die Kanaren im Ganzen werden 26,9% angegeben, bei einer Annahme von an die 62% aktiver Bevölkerung, wobei diese 62% für La Palma auf keinen Fall hinkommen können, der Anteil liegt deutlich darunter. - So kann man das am besten an der Gesamtbevölkerung hochrechnen um mal einen vergleichenden Stand zu erreichen und das würde bedeuten umgerechnet auf Deutschland, dass es dort ganz knapp 9 Millionen Arbeitslose geben würde.

Das wäre natürlich fatal und brächte die Bundesregierung gewaltig unter Druck, und hier in Spanien sieht das auch nicht anders aus. - Zapatero bekommt die "Krisen" einfach nicht in den Griff und muss sich jetzt auch bereits aus den eigenen Reihen Kritik anhören, die ihm gar nicht schmecken kann. - So werfen ihm selbst gutmütige Freunde inzwischen auch vor, bereits am Anfang der Rezession keine drastischeren Maßnahmen ergriffen zu haben. - Die Arbeitsmarktreform wird da immer wieder angefragt, und in der Tat besitzt Spanien wenig Handlungsspielraum in Sachen Flexibilität. - So kennt man die Kurzarbeit nicht, hält an Arbeitsverträgen fest, die noch ein Felipe Gonzales ersonnen hat, und hat mit den mächtigen Freunden der Gewerkschaften nicht wirklich freie Hand. - Sicher wäre auch ein Mariano Rajoy von der Oppositionspartei Partido Popular nicht erfolgreicher durch die Krisen gegangen, aber das ist ja nicht die Frage, sondern wie lange man sich das überhaupt noch leisten kann. - Wenige haben damit gerechnet, dass der Zahltag nach dem rasanten Wirtschaftswachstum der Neunziger so brutal und vor allem so lange anhalten würde, aber die beiden Tragsäulen dieses wahnsinnigen Aufschwungs, die Bauwirtschaft und der Tourismus sind halt gleichzeitig kollabiert und offenbaren nun die dünne spanische Decke produktiver Kraft. - Interessant noch wie man regional die Dinge unterschiedlich betrachtet. - Hier auf den Kanaren sind ja die Sozis in der Opposition und werden nicht müde, die erdrückende Zahl der Arbeitslosen der Regierungsparteien CC und PP anzukreiden. - Allerdings leiden die Kanaren natürlich auch unter der staatsweiten Krise, und da wiederum sind die Sozis am Ruder und halten recht stur an einem unbestimmten Kurs fest. - Dennoch verzeichnen die Kanaren eine deutlich höhere Arbeitslosenzahl als der nationale Durchschnitt, aber das war auch vor den "Krisen" schon so und so ganz ohne Selbstkritik können da die regionalen Sozialisten auch nicht davonkommen. - Kein Wunder, dass die Stimmung ziemlich im Keller ist und dringend Karneval her muss, um ein paar Tage mal auszuspannen…



Sonntag 07.02.2010 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 19 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 57 % - Luftdruck 1011 hPa
Höchsttemperatur heute 21,5 Grad - niedrigste Temperatur 15,4 Grad

Kein Schlendrian in Las Palmas
Beobachtungen an einem herausragenden Stadtstrand

Vielleicht ist ja das Vorbild für den Stadtstrand in unserem Santa Cruz auch ein bisschen dieses enorme Geschenk der Natur gewesen, welches Las Palmas anhand des Strandes "Las Canteras" erhalten hat. - Viele von Ihnen haben ja bereits die Kanaren bereist, und kennen vielleicht auch diesen Strand und seine Promenade, welche sicherlich die quirlige Großstadt Las Palmas enorm aufwertet. - Über Kilometer hin zieht sich dieser helle Sandstrand dahin, fast vom großen Hafen bis hinunter zum Auditorio Alfredo Kraus, welches nun seit ein paar Jahren das natürliche Ende auch vieler Schlendertouren darstellt. - Doch da bin ich gleich mitten im Thema, denn in den paar Tagen in Las Palmas habe ich mit, wenn nicht gerade im Krankenhaus, so gut wie immer auf dieser Promenade aufgehalten. - Wenn man alleine in einer fremden Stadt ist, und nichts zu tun hat, als darauf zu warten dass die Zeit vergeht, dann beobachtet man viel und Viele und macht sich auch so seine Gedanken um Dies und Das. - Alleine war ich übrigens auf Las Palmas wegen des Unwetters. - Eigentlich sollte meine Frau ja mitkommen und mir das Händchen halten im Krankenhaus, aber wir haben es nicht gewagt die Mädels alleine zu lassen, während hier auf La Palma der Sturm fegt und eventuelle Regenmassen den Verkehr wieder lahm legen und so weiter. - So war ich also auch nicht abgelenkt und lief plan, aber nicht ziellos immer wieder die Kilometer der Canteras auf und ab. - Vorbei im oberen Teil an feudalen Hotels, dann wurde es etwas bürgerlicher, und schließlich nahe des Auditorio erreichen die Canteras auch schon einfachere Wohngebiete, wo sich auch viele der dunkelhäutigen Immigranten der Großstadt aufhalten. - Die Promenade ist aber von "oben bis unten", wobei die Leute aus Las Palmas selbst "oben und unten" der Canteras genau anders herum betiteln als ich das tat, an jeder Stelle perfekt gepflegt, sauber geputzt und bestens in Schuss gehalten. - Auch da, wo man gerade Arbeiten an der Promenade ausführte, meist um neue Lichtmasten zu installieren, dort schützten bunte Sichtblenden die Promenadeure vor dem brutalen Anblick arbeitender Menschen, nichts soll die blendende Fassade der Canteras stören. - Und die Menschen aus Las Palmas benutzen diese wahrhaften Prunkmeilen in großer Zahl, am Sonntag sogar im kompletten Familienverband, so dass an einem solchen Tag auch kein Platz mehr auf den eigentlich vielen Bänken zu ergattern ist.

Allerdings fiel mir immer wieder auf, dass die allerwenigsten Menschen, die sich dort auf den Canteras bewegten diese kunstvolle und müßige Fortbewegungsart des Schlenderns vollzogen. - Im Gegenteil, fast alle bewegten sich schnell, und eben nicht nur die Sportler, die joggend oder im drolligen Kraftgang, der natürlich Powerwalk heißt, ihre Abdominalen und weitere Muskelgruppen stählten, die unabdingbar straff sein müssen, wenn man der Erfolgskaste aus den Hochglanzmagazinen angehören will. - Gut, die allermeisten die dort ihren Sport vollführten, hatten noch zigtausend Runden Canteras bis zu ihrem Ziel, aber wir wollen uns nicht über gesundheitsbewusste Mitbürger lustig machen. - Aber was ich eben meine, auch die anderen Passanten, die wirklich nur da waren um die Schönheit dieser Ecke der Stadt zu bewundern und zu genießen, auch die schlugen eine Geschwindigkeit an, die ich eben überhaupt nicht erwartet habe oder angemessen für solch einen Weg halte. - Normalerweise bin ich kein Langsamgeher, ich überhole öfter Fußgänger als ich überholt werde, aber dort an den Canteras war mein Schlendergang, mit Händen in den Hosentaschen irgendwie überhaupt nicht angebracht und andauernd wurde ich von anderen Mitgenießern dieser Promenade gnadenlos abgehängt. - Selbst eindeutige Liebespärchen, die eigentlich langsam ihre ewigen Schwüre flüstern sollten, auch die bewegten sich schneller, als man das für angemessen hält und noch jetzt grüble ich darüber nach, was denn die Durchschnittgeschwindigkeit der Promenadeure auf den Canteras so viel höher macht als auf anderen Promenaden. - Vielleicht die Länge des Parcours, wer einmal rauf und runter will, der braucht sonst eine Stunde, oder aber die Großstädter können selbst in ihren Mußestunden die erhöhte Geschwindigkeit einer Metropole nicht mehr ablegen. - Allerdings weiß ich aus anderen großen Städten, dass es dort wohl gelingt, an den Canteras aber nicht. - Übrigens soll das keine Kritik sein, die allermeisten, also nicht die Sportler, die waren auch nicht angestrengt dabei oder wirkten unglücklich, die waren einfach nur schneller unterwegs als Spaziergänger um die Alster oder hier auf La Palma die Schlenderer auf der kleinen Promenade von Puerto de Tazacorte. - Bis auf sonntags saß auch kaum einer auf den vielen Bänken, immer war Bewegung angesagt, bloß kein Stillstand, als wollten sich alle dort befindlichen Menschen über Fortgang, und eben kein langsames Trotten dort definieren. - Es wird mir ein Rätsel bleiben, eines was übrigens nicht unbedingt gelöst werden muss, aber Las Palmas als Ort der schnellen Muße hat mich wohl begeistert. - Nur eben darf man jetzt nicht den Fehler begehen und die Geschwindigkeit anderer aufnehmen zu wollen, für La Palma ist das nichts und ich liebe doch unseren Schlendrian so.





Sonntag 07.02.2010 10:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 16 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 37 % - Luftdruck 1014 hPa

Polizeischlachthof
Stadtpolizei in Los Llanos bezieht neues Quartier

Endlich darf man sagen, denn seit dem Jahr 2003 wartet man darauf endlich ein geeignetes Revier beziehen zu können, nachdem man sich nun jahrelang provisorisch in den Räumen eines Mehrzweckgebäudes eingerichtet hatte. - Nun kann man ja prinzipiell sagen, es sei egal wie ein Polizeirevier aussieht oder in welchen Räumen es untergebracht ist, die Arbeit die dort geleistet wird, ist entscheidend, und das hängt vom Personal ab. - Das stimmt aber eben nicht so ganz. - Es ist wohl auch wichtig, dass die dort arbeitenden Agenten ein angemessenes und auch angenehmes Umfeld vorfinden, kombiniert mit all der modernen Technik und Möglichkeiten, die eben der Polizeidienst so fordert. - Darüber hinaus ist es auch für den "Kunden" oder Besucher der Polizei auch in jeder Form beeindruckend, sei es eben negativ oder positiv bestellt, in welchen Räumen und in welcher Umgebung er sein Anliegen oder seinen Hilferuf anbringen kann. - Aber wir müssen hier jetzt nicht arbeitspsychologisch werden, jeder der mal das Büro der Stadtpolizei in Los Llanos besucht hat, der wird sofort zustimmen, die haben etwas Besseres als Revier verdient, als diese provisorische Unterbringung im "Edificio Multiuso", wo sonst Töpferkurse und Heimatabende gegeben werden. - Jetzt ist man in den alten Schlachthof gezogen, genau gegenüber dem immer noch nicht für das Publikum eröffneten "Parque Antonio Gómez Felipe", an der Straße nach Puerto Naos. - Allerdings erinnert wenig an den früheren Schlachthof der Stadt, der im Jahr 2002 geschlossen wurde, nachdem man oberhalb von El Paso, den dann inselweit arbeitenden Schlachthof eröffnet hatte.

Jetzt kommt auch die Geschichte warum das noch von 2003 bis 2010 dauerte, dass man das Gebäude endlich so weit hergerichtet hatte, damit dieses nun eine angemessene Immobilie für die "Policía Local oder Municipal" sein kann. - Es sollte halt mal wieder nichts kosten, und da agiert man in Los Llanos sehr geschickt, beziehungsweise lässt die Zeit, und andere für sich arbeiten. - Da kommt aber auch wieder mal die unendlich praktische Geschichte des wirkungsvollen Dreigestirns der Macht der Coalición Canaria zum tragen. - Das Rathaus von Los Llanos wird in absoluter Mehrheit von dieser Partei geführt, die Inselregierung auch, und das Gobierno de Canarias in einer Koalition von CC und der Partido Popular. - Wer da in den internen Kreisen geschickt und gut agiert, der bekommt reichlich Geschenke, das unerlässliche Triebmittel dieser großen Männerfreundschaft, die eben auf Geben und Nehmen basiert. - Der Schlachthof wurde aus Mitteln der kanarischen Provinzregierung finanziert, unter dem Mantel der Arbeitsbeschaffung und Ausbildung. - Denn die Umbauten wurden von Arbeitsläden, so genannten "workshops" oder auf Spanisch "talleres" erbracht. - Teilweise waren es Jugendlich ohne entsprechende Ausbildung, aber eben auch Arbeitslose, denen man auf diese Art und Weise eine Wiedereingliederung in das Arbeitsleben erleichtern wollte, wie man diese Strafarbeiten auch gerne betitelt. - Da musste man halt immer wieder warten, bis neue Gelder locker gemacht wurden, und so dauert halt ein solcher Umbau dann schon mal sieben Jahre. - Macht nichts, die Polizisten sollen zufrieden sein, heißt es, und uns soll es doch nur Recht sein, wenn Los Llanos sich mal wieder erfolgreich um eigentlich fällige Ausgaben gedrückt hat. - Da bleibt dann mehr Geld übrig für die Schadensersatzforderungen, welche die Betreiber des Asphaltwerkes sicher an die Stadt richten werden, wenn denen erst mal ein Richter auf die Finger geklopft hat. - Aber das ist ein anderes Thema…



Samstag 06.02.2010 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 24 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 27 % - Luftdruck 1013 hPa
Höchsttemperatur heute 26,4 Grad - niedrigste Temperatur 12,2 Grad

Krumm, aber nicht (mehr) dumm
Die Kanarische Banane soll Fremdsprachen lernen

Warum die Banane krumm ist, das weiß ich, nicht aber, warum unsere Bananen denn immer nur auf dem spanischen Festland verkauft werden sollen. - Die Diskussion ist wie fast sämtliches mehr oder weniger fruchtbares Palaver über eine positive Zukunft dieser Insel, nicht neu. - Dabei muss ich noch mal betonen, dass an der für viele ungeliebten Frucht Banane, diese Insel einfach nicht vorbeikommt und wir auf jeden Fall auch langfristig mit den Bananen als langfristiges Geschäft rechnen müssen. - Natürlich auch mit Hilfen von Subventionen, ein Wort welches man nicht gerne hört, aber die europäische Landwirtschaft muss auf irgendeine Art und Weise gestützt werden um sich gegen die globale Konkurrenz behaupten zu können, welche auch subventioniert wird. - Nicht mit Geld, aber eben durch brutales Lohngefälle, welches eben die wenigen großen Händler und Verwerter dazu ausnutzen, Produkte dort billig herstellen zu können, wo Arbeitskraft kaum eine Rolle spielt. - Der zunächst stimmige, aber eben nicht logisch oder konsequent weitergedachte Satz: Dann soll man doch dort produzieren wo es billiger ist, führt uns Hochlohnländer in eine unheimliche Abhängigkeit von wenigen großen Verteilern und sorgt gleichzeitig dafür, dass lokale Produkte und daraus resultierende kleine volkswirtschaftliche Komplexe aufhören zu existieren. - Das darf und kann sich niemand wünschen, auch die Kundschaft von Lidl und anderen Globalisateuren nicht, gehört doch das Stammpublikum dieser harten Discounter eigentlich gerade zu der Schicht der Arbeitnehmer, welche in Bereichen arbeiten, in denen es globale Konkurrenz gibt. - Gut, es kaufen viele Menschen dort und loben sogar die Qualität der Produkte, vielleicht auch nur um sich um den Bart zu pinseln, allerdings entsteht dabei nur eine win-win-Situation für den Händler und den Kunden, für den Lieferanten aber nicht. - Die Diskussion um die billige Milch in Deutschland kennen Sie ja nur zu genüge und welche aberwitzigen Konstellationen der globale Markt noch für uns bereit hält, das erkennen wir ja an den Importen israelischer Kartoffeln auf die Kanarischen Inseln. - Aber lassen wir diese, meist wenig fruchtvoll, dafür aber oft ideologisch hart geführte Diskussion um Lebensmitteldiscounter, und wenden uns mit Liebreiz und Endemfreude wieder unseren Bananen zu, die nun endlich international werden sollen.

Oft genug haben wir uns bereits in sonst eigentlich eher seltener Selbstkritik gesuhlt, was die Kommerzialisierung unserer krummen Freudensspender angeht. - Keine Frage über die Qualität, das sind Wonneproppen an Früchten die wir da produzieren, aber verkaufen müssen wir das Zeug eben auch, sonst macht das mit dem Anbau keine Freude. - Natürlich haben wir uns eben auch einlullen lassen von den Subventionen, die irgendwann sogar mal durch die bananerischen Leuchten der Coalición Canaria von Größe der Anbaufläche auf produzierte Kilo umgestellt wurde. - Danach haben viele nur noch produziert, ohne Rücksucht auf Qualität, Sorte oder Marktsituation, und an den Folgen knabbern wir heute noch und man versucht nun den Verteilungsschlüssel der Hilfen langsam wieder auf ein sinnvolleres System zurückzufahren. - Dennoch blieben wir weiter bei dem Marketingkonzept, alle unsere Bananen gehen aufs Festland, ganz egal ob Pedro-Normaliberer überhaupt so viele "Platanos de Canarias" essen will oder nicht, was regelmäßig in den Sommermonaten zu einer fatalen Überproduktion geführt hat, mit allen daraus folgenden Auswirkungen auf den Erzeugerpreis und den Ertrag. - Selten nur hat man sich um andere Abnahmemärkte bemüht, denen vielleicht auch der Unterschied zwischen einer Dollarbanane und einer "Platano de Canarias" zu vermitteln ist, und die auch bereit wären für ein europäisches Produkt vielleicht 20% mehr Geld auszugeben, als für die globale Pampe der Fruchthandelsriesen. - Die "Fruit-Logistica 2010" in Berlin sollte nun dazu dienen unsere "Platanos" auch anderen Interessenten näher zu bringen und so wagte man sich auf dieses Messepflaster, welches uns einen Schlüssel für neue Märkte in die Hand geben sollte. - Noch hat man keine positiven Rückmeldungen erhalten, die Messe fand vom 3. - 5. Februar statt. - Leider hat man keinen eigenen Stand organisiert, sondern sich mit in das Programm des Großhändlers "FEDEX-ACETO" mit eingereiht. - Dennoch ist diese Initiative lobenswert, wenn auch bei weitem noch nicht ausreichend, man müsste noch viel direkter und offensiver in Mitteleuropa für unsere Produkte werden, aber immerhin hat man nun erkannt, dass alleine die Produktion und die Subvention noch keine Glücksbringer sind, sondern wir unsere mühsam gezogenen "Platanos" auch noch verkaufen müssen. - Eine späte Erkenntnis, aber immerhin, ich bin stolz auf uns…

Noch was zum Wetter. - In den kommenden Tagen, allen voran ab Montagmittag bis Dienstagabend muss auf der Westseite mit zum Teil extrem hohen Wellen, 5 - 6 Meter gerechnet werden. - Es handelt sich um eine gewaltige Grundsee, die vor der Küste Nordamerikas entstanden ist, und nun den Atlantik in Richtung Ost überrennt. - Seien Sie ganz vorsichtig sich der Küste oder den Stränden zu nähern, auch wenn immer mal wieder ein paar kleine Wellen zwischendurch Sicherheit vorgaukeln, es kommen dann auch wieder große Brecher, die jeden unvorsichtigen Zeitgenossen dann endgültig nass machen. - Gehen Sie auch auf keinen Fall auf den küstennahen Felsen spazieren, das ist kein sicherer Ort. - Andere Stationen melden auch noch starken Wind, das kann ich nicht bestätigen, Böen bis 18 Knoten kann ich einfach nicht als starken Wind verstehen, aber man warnt inzwischen halt gerne und wer was von großen Wellen hört, der meint vielleicht, da gehört immer auch Wind dazu. - Ist nicht so, besonders wenn es sich um eine solche Dünung handelt, die ganz woanders geboren wurden und auf dem weiten Weg über den Atlantik aber nur wenig Kraft verloren hat.




Wellenhöhen und Windgeschwindigkeiten für Montagmittag, errechnet vom "GFS" Global Forecast System.


Samstag 06.02.2010 10:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 13 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 33 % - Luftdruck 1014 hPa

Das Feuer brennt immer noch
Streit um Spendengelder nach dem Feuer im August

Eigentlich reden wir bereits über die viel größeren Schäden der Erdrutsche und Murenabgänge im Süden der Insel, da liegen immer noch über 80.000 Euro bereit, die in Spendenaktionen nach dem Feuer des vergangenen Jahres gesammelt wurden, und diese 80.000 Euro können nicht verteilt werden. - Es wird jetzt ziemlich kompliziert in den folgenden Sätzen, daher noch mein Hinweis an Sie. - Die Spenden welche an das offizielle Spendenkonto der Inselregierung gegangen sind, das Konto auf welches wir auch hingewiesen haben, die sind längst verteilt und an die Caritas in Fuencaliente gegangen, es waren wohl gut über 20.000 Euro. - Dieses "Delegieren" der Spendengelder erweist sich heute als kluger Schachzug wenn man die weitere Geschichte der anderen Spendengelder verfolgt, die eben bis heute noch nicht bei den Geschädigten angekommen sind. - Aus vielen parallelen Spendenaktionen gingen auch Gelder an die Organisation "Más Nunca", die sich als Zusammenschluss der Geschädigten gleich nach dem Brand bildete, um eben ein gemeinsames Sprachrohr für die Organisation der Hilfen anzubieten, aber eben auch den bürokratischen Ablauf der offiziellen Hilfsprogramme für die einzelnen Geschädigten durchzuführen. - Da man keine Erfahrung mit solchen Abläufen hatte, wandte man sich an eine Organisation in Gran Canaria, von der man auch den Namen entlieh, damit diese Einrichtung den hiesigen Vertretern beratend zur Seite stehen kann, denn die Organisation aus Gran Canaria hatte bereits Erfahrung sammeln können nach deren Bränden vor zwei Jahren. - Dabei schloss sich die palmerische Delegation der Organisation aus Gran Canaria an, wohl aus Unwissenheit, oder einfach nur dem Gefühl heraus, die könnten das besser, als wir hier auf der Insel. - So lange man noch fleißig Spenden sammelte, über Benefizkonzerte, über Sportveranstaltungen, Firmenspenden und so weiter, lief alles noch hervorragend. - Die Spendensumme ist auch nicht schlecht, allerdings geht es nun um die Verteilung der Spenden, und da gibt es plötzlich grundsätzliche Meinungsverschiedenheiten zwischen der palmerischen und der Delegation aus Gran Canaria.

Da es sich eben hier auf La Palma nicht um eine komplett eigene Organisation handelt, ist die Abordnung auf Gran Canaria auch mit zeichnungsberechtigt, was auch bedeutet, dass eventuelle Zahlungen an Dritte in Gran Canaria mit unterschrieben werden müssen. - Nun kam es eben zum Eklat, als hier auf La Palma vor Wochen die ersten Schecks ausgestellt wurden, über einen Gesamtbetrag von an die 30.000 Euro, welche direkt an die betroffenen Familien verteilt werden sollten. - Allerdings verweigerte die Delegation aus Gran Canaria ihre Unterschrift auf den Schecks mit dem Hinweis, man wisse nicht, ob diese Gelder gerecht verteilt werden, aber vor allem sei der eigentliche Grund dieser Organisation nicht die direkte finanzielle Hilfe der Geschädigten, sondern die Gelder sollten für technische Abläufe genutzt werden. - Als "technische Abläufe" meint man die Vertretung der Geschädigten vor den Behörden, eventuelle juristische Beratung, Gelder um Gutachten zu erstellen und eine genaue Taxation vorzunehmen. - Ups, da hat man sich aber krass konkret missverstanden, denn die hiesige Spendenbereitschaft war deswegen so groß, weil man eben seitens der palmerischen Organisation direkte finanzielle Hilfen vorgesehen hatte. - Das macht auch aus meiner Sicht mehr Sinn, denn die Fälle, in denen Geschädigte einen Anwalt brauchen, um bei der Versicherung ihre Forderungen durchzusetzen, die sind verschwindend gering, in den allermeisten Fällen gibt es nämlich gar keine Versicherung, und die behördlichen Organisationen haben bereits ihre Gelder ausgeschüttet. - Auch geht es ja nicht um die Gesamtsumme, sondern es bleiben ja immer noch 50.000 Euro übrig, die man dann noch in der Hinterhand hätte, um eben die aus Gran Canaria angesprochenen Fälle zu betreuen. - So schwirrt jetzt heftige Polemik zwischen den beiden Delegationen der Organisation mit, und hier auf La Palma will man einfach nicht verstehen, warum man dort auf Gran Canaria verhindert, dass Gelder die hier auf La Palma gesammelt wurden nicht einfach den Geschädigten auf La Palma ausgehändigt werden können, sondern das durch Gran Canaria verhindert wird. - Ich muss aber auch erwähnen, dass es den Vorwurf gibt, diese Spenden seien ungerecht verteilt worden. - Allerdings kann ich natürlich diesen Vorwurf nicht prüfen, darf aber vermuten, dass es immer bei solchen Aktionen auch Unzufriedene geben wird, die sich ungerecht behandelt fühlen und solche Mutmaßungen dann sofort streuen, und die Presse wie auch wir, jegliche Art von Verschwörung oder Übervorteilung sofort gierig aufgreifen. - Meistens ist da nichts dran, aber wir wissen ja, wie vox und mens populi auf solche Dinge reagieren. - Nun versucht die Inselregierung zwischen den beiden Gruppen "Más Nunca" zu vermitteln, damit diese Gelder doch endlich auch die Geschädigten erreichen können. - Die tun mir jetzt fast Leid in der Inselregierung, sind die doch weise und pragmatisch mit den eigenen Spenden umgegangen, und haben diese eben an die Caritas gegeben, jetzt müssen die sich wieder um die Verteilung dieser Gelder kümmern und ich muss kein Prophet sein um zu verkünden, dass man auch da wieder reichlich Polemik einfahren wird. - Wäre es nicht traurig, dann könnte man eine echte Posse daraus schneidern. - Geht das mit den Unbilden der Natur in Fuencaliente so weiter, und dem schleppenden Auszahlen von Hilfen, dann lässt sich ein mittlerer Spendenausschüttungskoeffizient von 2,3 Naturkatastrophen pro Spende für die Region Fuencaliente feststellen. - Das ist nur knapp schneller als der Haiti-Faktor, allerdings reden wir hier auf der Insel nicht von Toten oder Verletzten, sondern lediglich über schnödes Hab und Gut. - So ist diese Geschichte hier nicht tragisch, sondern einfach nur peinlich.



Freitag 05.02.2010 20:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 49 % - Luftdruck 1016 hPa
Höchsttemperatur heute 22,7 Grad - niedrigste Temperatur 12,2 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 21,6 - Temp. Min 7,6 - Feuchte 25 - 31 % Niederschlag 0 mm

Schreck am Nachmittag
Erdbeben auf Tenerife erinnert uns an unsere inneren Werte

Schäden hat es keine gegeben, doch die Bewohner der Insel Tenerife und auch auf Teilen Gran Canarias haben sich heute einen deftigen Schock gegen 15:00 Uhr gegönnt. - Ein Erdstoß der Marke 4 auf der Richterskala ist nicht unbedingt ein gewaltiges Ereignis, meist fallen dabei nicht mal die berühmten Tassen aus dem Schrank, aber es genügt um uns mal wieder wach zu rütteln und darüber nachzudenken, welches Fleckchen Erde, wir denn hier die Ehre haben besiedeln zu dürfen. - Wir sind Vulkaninseln, aus einer Laune, einem Hotspot geboren, der sich eben gerade dort vor der westafrikanischen Küste tummelt. - Dabei sind seismische Bewegungen etwas völlig normales, und finden eigentlich andauernd statt. - Allerdings liegen die meisten Beben in einem Stärkebereich zwischen 1 und 2 auf dieser berühmten Skala, und diese Erschütterungen spüren die Menschen nicht. - Erst ab knapp unter 3, so sagt man, sei ein solches Ereignis auch für uns Menschen zu spüren, und davon gibt es auf den Kanaren nicht wirklich viele. - Diese Beben sind allesamt vulkanologischen Ursprungs, und finden zum Teil in vielen Kilometern Tiefe statt, immer wenn das Magma sich da unter uns bewegt. - Das muss nun nicht heißen, dass wir wieder mal Besuch von flüssiger Magma über der Inseloberfläche erwarten, es heißt lediglich, dass wir uns nicht auch immer und ewig darauf verlassen können, dass unsere Inseln sich nicht weiter verändern werden. - Im den Jahren 2004/2005 gab es allerdings eine derart deutliche Ansammlung von kleinen Beben, dass die Welt der Geologen auf Tenerife doch das Wort vulkanologische Krise gebrauchte, denn eine starke Ansammlung von Beben, deutet auf jeden Fall auf erhöhte vulkanische Tätigkeit hin. - Als weitere, und auch genauere Indikatoren kommen dann aber noch verräterische Veränderungen der Gasausschüttungen über die Oberfläche hinzu, und schließlich auch noch Verformungen der Erdoberfläche, welche von den Geologen äußerst präzise beobachtet werden, da dieses Warnsignal ein sehr deutlicher Hinweis auf ein eventuelles Austreten von Lava über die Erdoberfläche darstellt. - Vulkanausbruch nennt man diesen Vorgang dann allgemein, aber selbst eine solche Szenerie muss nicht unbedingt Gefahr für die Bevölkerung bedeuten.

Dennoch muss man eben sich immer wieder klar werden darüber, auf welch wackeligem Untergrund wir stehen, und dass die Statistik wohl auch aussagt, dass die Wahrscheinlichkeit in einem Menschenleben einen Vulkanausbruch auf den Kanaren zu erleben sehr hoch ist. - Man fragt sich dann natürlich gleich wieder wo, aber das ist eben einfach nicht zu sagen. - Wohl kann die Geologie aber feststellen, wo denn der Hotspot am aktivsten ist, und die Lavakavernen unter unseren Inseln beschickt, und da deutet momentan alles auf die Insel Tenerife hin und den Meeresboden zwischen den beiden großen Inseln Tenerife und Gran Canaria. - Zwar hat die Häufigkeit der seismischen Ereignisse auf Tenerife, und auch die Gaskonzentration seit 2005 dort wieder abgenommen, so dass die Gefahrenampel der Behörden längst wieder auf Grün gesetzt wurde, aber auf und um Tenerife gibt es immer noch eine Vielzahl von kleinen Erdbeben und eben so viele mehr, als auf den anderen Inseln. - Das hören wir auf La Palma natürlich gerne, sagen doch die meisten Geologen, La Palma sei momentan immer noch in der Beruhigungsphase, nach dem Ausbruch des Teneguía im Jahr 1972. - Aber das heißt auch nicht mehr oder weniger, dass eben "momentan" keine Beunruhigung bestehen muss hier auf der Insel, allerdings kann man mit Sicherheit davon ausgehen, dass sich das auch wieder ändern wird. - Allerdings kann Ihnen und uns keiner sagen wann das geschehen wird, das bleibt das Geheimnis unsere Hotspots weit unter unseren Füßen. - Aber wir dürfen eben nie vergessen, dass diese Inseln noch so jung sind und eigentlich noch im geologischen Säuglingsalter, so dass es heftige Veränderungen immer noch geben wird. - Da muss man dann auch nicht nur die Vulkane betrachten, die eigentlich die Inseln wachsen lassen, sondern eben auf der anderen Seite wird ja durch Erosion auch wieder am Gesicht dieser Inseln geschliffen und dieses Spektrum bietet sogar für die Menschen und deren meist so unverrückbar geschaffenes Hab und Gut die noch größere und auf jeden Fall akutere Gefahr, wie wir ja hier auf der Insel nach dem Brand und den nun entstandenen Erdrutschen gesehen und erlebt haben. - Nichts ist für immer und ewig, und auch wenn uns geologische Zeitabläufe eigentlich nicht wirklich begreifbar sind, so sollten wir doch nie vergessen, dass sich diese Inseln ständig verändern, und dabei auf menschliche Gepflogenheiten wenig Rücksicht nehmen.

Vergleichen wir einfach noch kurz die Häufigkeit der Seismischen Ereignisse auf den Insel La Palma und Tenerife. - Auf La Palma hat man gemessen, 1993 bis 2002 überhaupt keinen Erdstoß, die Jahre 2003 und 2004 jeweils einen, im Jahr 2005 dann drei Ereignisse, im Jahr 2006 wieder eines, und danach überhaupt keines mehr. - Auf Tenerife waren es im Jahr 2004 an die 350, im Jahr 2005 an die 280, 2006 etwa 240 und dann weiter absinkend auf nun etwa 60 im Jahr. - Trotz dieser hohen Anzahl werten die Geologen natürlich auch die Entwicklung auf Tenerife positiv, da hat es 2004 heftig unter deren Füßen geblubbert, und nun entwickelt sich die Situation wieder in Richtung Ruhe.




Seismische Ereignisse ab 2004 bis heute. - Tenerife ist dabei überhaupt nicht mehr zu sehen. - Quelle "AVCAN"




Freitag 05.02.2010 08:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 12 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 58 % - Luftdruck 1018 hPa

Oft kopiert, doch nie erreicht
Weißer Karneval wird zum Exportschlager

Wenn Erwachsene sich gegenseitig mit Babypulver bewerfen und das auch noch schön finden, dann muss sich das um eine bestimmte Jahreszeit handeln und auch auf einer bestimmten Insel stattfinden. - Richtig, so sieht der Karneval hier bei uns auf La Palma aus, und das hat eine ureigene Tradition. - Eigentlich bezieht sich das nur auf den Rosenmontag in der Hauptstadt, wo man den "Día de los Indianos" feiert, und sich dabei auf die in der Neuen Welt reich gewordenen Reimmigranten bezieht. - Man macht sich dabei über die "reichen Onkel" und Tanten lustig, in dem man diese bestäubt, "echar polvo" und erfunden hat diesen Klassiker eben nicht die Finnen oder gar Ricola, sondern eben die Hauptstädter aus Santa Cruz de La Palma. - Aber auch in den anderen Orten auf der Insel, wo Karneval gefeiert wird, ist das Babypulver ständiger Begleiter dieser wilden Feiereien, so dass die entsprechenden Läden und sicher auch die Großhändler von Talkumpulver sich wunderbar eins in die Tasche pudern können. - Sogar in 25 kg Säcken geht das Zeug jetzt über den Ladentisch, und jährlich findet eine immense Preissteigerung bei Babypopopulver auf unserer Insel im Januar statt. - Gar nicht lustig allerdings finden wir es, wenn andere Inseln oder Regionen sich jetzt diesen Brauch auch aneignen. - Aus Las Palmas kennt man das schon, die kopieren uns jetzt in Triana bereits seit 2004, und das obwohl es jedes Jahr böse Protestnoten unserer Hautstadtregierung nach Gran Canaria hagelt. - Das schert die natürlich einen Haufen feuchtes polvo, aber immerhin hat man es hinbekommen, dass diese Zelebrierung unseres Brauchtums dort nicht auch "Día de los Indianos" heißt, sondern als "Pasacalle tradicional" betitelt wird. - Ist immer noch ärgerlich, denn "tradicional" ist das für Las Palmas nicht, sondern nur für La Palma, aber man kann ja schließlich nicht hingehen, und denen das Babypulver aus der Hand nehmen.

Hat man sich mit dem Plagiat auf Gran Canaria fast schon abgefunden, so kommen nun die Horrormeldungen, dass auch auf Lanzarote und La Gomera unser staubiges Treiben nun kopiert wird. - So wird dieses Jahr in San Sebastian, der Hauptstadt La Gomeras auch offiziell mit Babypulver am 15. Februar um sich geworfen, angeordnet von der Stadtverwaltung, die allerdings dieses Fest nicht "Indianos" nennt, sondern "Fiesta del Talco". - Noch ärgerlicher aber für unsere Robusttraditionalisten ist die Tatsache, dass die Gemeinde Tinajo auf Lanzarote sogar im Karneval eine "gran fiesta de indianos" ausruft, und die Mitbürger auffordert, weiß bekleidet und mit Babypulver bewaffnet zu erscheinen. - Da fliegt nun dem palmerischen Indianer doch glatt vor Zorn der Skalp vom Kopf oder der Mojito aus der zittrigen Hand, solch dreiste Kopien unseres Brauchtums, das geht dann doch zu weit. - Zumal die Stadtverwaltung in Tinajo sogar noch die Chuzpe besitzt, auf dem offiziellen Karnevalsplakat eine Szene des palmerischen Karnevals zu bringen. Ein Foto eines korrekt "indianisch" gekleideten Pärchens, allerdings hier auf La Palma aufgenommen, und es zeigt bekannte Persönlichkeiten aus unserer Hauptstadt. - Das ist natürlich zu platt kopiert, auch wenn ich persönlich die Sache nicht so dogmatisch sehe, aber hier sind die Leute wirklich heftig aufgebracht über dieses wenig phantasievolle Plagiat. - Eigentlich lässt diese Verwundbarkeit der palmerischen Traditionsseele dann aber auch wieder tief blicken. So argwöhnisch wie man endemische Bräuche und Sitten hüten will, das zeugt dann doch von geringem Selbstwertgefühl und der ständigen Angst, um eigene Werte betrogen oder bestohlen zu werden. - Aber kein Wunder, als Bewohner einer "peripheren" Insel, immer im Schatten der Dickschiffe Tenerife und Gran Canaria, entwickelt man solche Manien und achtet neidisch darauf, eigene Traditionen eng bei sich zu halten. - Man könnte nämlich auch einfach hingehen und voller Stolz sagen: Guckt mal, was wir für einen wunderbaren Karneval erfunden haben, den kopieren die sogar auf den anderen Insel. - Aber so ist das nun mal, geht es um Traditionen, dann wird sogar aus Karneval eine ernste Angelegenheit.




Donnerstag 04.02.2010 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 46 % - Luftdruck 1016 hPa
Höchsttemperatur heute 21,8 Grad - niedrigste Temperatur 11,7 Grad

Wunden lecken
Was Costas nicht schafft, das holt sich der Blanke Hans

Da ich ja das Unwetter der vergangenen Tage in Las Palmas locker überstanden habe, darf ich nun doch eine kleine Zusammenfassung darüber bringen, was denn hier so passiert ist. - Die gute Nachricht, im Süden der Insel traten keine weiteren wesentlichen Schäden auf, es regnete dort nicht so viel wie an anderen Stellen der Insel. - Allerdings war man auch vorbereitet, doch wo das Unwetter zuschlägt, das ist halt dann immer wieder eine Überraschung. - Wind aus Südost ist immer schlecht, aus Südwest allerdings noch schlimmer, und es gab beide Varianten. - Dennoch muss man auch sagen, das Gros des Tiefdruckgebietes zog sogar nördlich an den Kanaren vorbei, es hätte also schlimmer kommen können. - Die ärgsten Schäden hat dieses Mal Tenerife abbekommen, einige kleine Siedlungen sind jetzt noch abgeschnitten und werden aus der Luft mit dem Nötigsten versorgt. - Auch in der Hauptstadt gab es deftige Überschwemmungen und die Bilder aus dem Fernsehen, als Menschen vom schnell fließenden Wasser auf der Straße um- und weggerissen wurden, die lassen uns immer wieder die gefährliche Zusammenarbeit von viel Wasser und viel Gefälle erahnen. - Aber eben auch die Unvernunft unserer Planungen, Barrancos zu bebauen oder Straßen in gefährdeten Gebieten zu bauen. - Auf La Palma gab es zwar auch Schäden durch den vielen Regen, aber der Wind und das aufgepeitschte Meer waren in dieser Wetterepisode die Protagonisten. - El Remo und La Bombilla haben sehr gelitten, und man könnte eigentlich der Küstenbehörde nur zurufen, lasst das mit den Abrissen, der Atlantik erledigt das von ganz alleine. - Ich gehe einfach mal davon aus, dass Sie als mehr oder weniger kontinuierlicher Leser dieser Kolumnen um die Versuche der Küstenbehörde (Costas genannt) wissen, die "wilden" oder "illegalen" Siedlungen an unseren Küsten abreißen zu lassen. - Seit ein paar Jahren geht es da nun hin und her, mal gibt es juristische Teilerfolge einiger einzelner Hausbesitzer, allerdings scheint die Küstenbehörde doch am längeren Hebel zu sitzen und wir müssen damit rechnen, dass so einige Küstensiedlungen auf La Palma bald nicht mehr stehen werden.

Manche sprechen von einem kleinen Tsunami, andere einfach nur von ein paar Wellen, die eben einen Meter höher waren, als die eh schon heftig aufgewühlte See. - 5 Wellen waren das, so heißt es, und die hinterließen an der gesamten Westküste einen donnernden Eindruck. - In Puerto de Naos sind wieder ein paar Kokospalmen weniger am Strand, und viel Sand hat sich der Atlantik wieder mal geholt, so dass das Vorhaben einen vorgelagerten Deich dort zu errichten, ein bisschen nach dem Vorbild von Las Teresitas auf Tenerife, nun wieder jegliche Unterstützung finden. - Es ist ja schließlich nicht das erste Mal dass so etwas dort passiert, und kostet immer wieder Zeit und finanziellen Aufwand dort den Strand wieder "hübsch" zu machen. - El Remo verzeichnet, den Verlust eines der drei Strandrestaurants, nein, nicht "die Zigarre", sondern der Kiosk welcher am weitesten im Norden liegt, den hat es erwischt. - Auch drang das Wasser in mehrere Häuser in der ersten Küstenlinie ein, es gab aber auch wieder keine Verletzten, da man frühzeitig und umsichtig genug die Menschen dort bereits evakuiert hatte. - Auch in La Bombilla hat es eines der Restaurants erwischt, Totalschaden muss man das wohl betiteln, und wegen der unerbittlichen Jagd der Küstenbehörde auf die Siedlung dort, ist auch nicht damit zu rechnen, dass dieses Lokal erneut aufgebaut wird. Niemand wagt es jetzt natürlich in La Bombilla zu investieren, die Drohung um den Abriss verbietet es einfach, da erneut Geld zu investieren. - Einige Boote wurden an Land gespült, und durch ein paar Hütten, welche in der ersten Strandlinie liegen, schwappte der Atlantik einfach hindurch. - Das ist jetzt auch wieder Wasser auf die Mühlen der Abrissbefürworter, und man muss halt in der Tat eingestehen, dass man nahe am Atlantik wirklich nicht sicher ist. - Das ist überhaupt eine erneute Lehrstunde für uns, dass wir diese Insel genau betrachten sollten, wo denn der Mensch sein Hab, Gut und Immobilie hinstellen kann, ohne den dauernden und ständigen Veränderungen durch natürliche Einflüsse im Wege zu stehen.

Jetzt noch in eigener Sache. - Wie Sie, sicher nun vielleicht bereits gemerkt haben, bin ich wieder auf "meiner" Insel, nachdem ich auf Gran Canaria im Krankenhaus war. - Für die vielen Zuschriften mit den Genesungswünschen möchte ich mich auf diese Art und Weise bedanken und darf Ihnen berichten, dass der Eingriff erfolgreich war und "mein" Kardiologe nun meinte, ich könne nun doch wieder über Kauf eines Neuwagens nachdenken. - Woher kennt der mein Auto? - Ich habe mir dann die gute Nachricht von meiner Frau übersetzen lassen, bleibe aber dennoch bei meiner inzwischen 21 Jahre alten Karre. - Ansonsten, über Las Palmas berichte ich ein anderes Mal.








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Kanarische Ferienhäuser auf La Palma