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Nachrichtenarchiv Februar 2009


Samstag 28.02.09 - 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 69 % - Luftdruck 1015 hPa
Höchsttemperatur heute 19,6 Grad - niedrigste Temperatur 11,3 Grad

Pflanzenkläranlage für San Andrés

Damit wir uns richtig verstehen, in San Andrés sollen keine Pflanzen geklärt oder gar aufgeklärt werden, es geht darum, die Abwässer der an die 500 Bewohner zählenden Kernsiedlung zu klären. - Bislang geschieht das mehr oder weniger zufällig, das Klären, viele Anwohner haben Sickergruben und der Rest der "Knödel" fließt per Rohrleitungen einfach ins Meer. - Das war immer so und spielt im Nahrungshaushalt des Nordatlantiks nicht unbedingt eine Rolle, aber heute macht man so etwas nicht mehr oder nur noch, wenn keiner hinguckt. - Den Anwohnern aus San Andrés stinkt es aber, besonders im Sommer und seit längerem fordert man nun schon eine Kläranlage für den Ort, aber woher wenn nicht stehlen und Sie kennen ja die ewige Geschichte von, wie lange dauert es, bis das kanarischen Provinzparlament eine Kläranlage für San Andrés bewilligt und dann irgendwann auch bezahlt. - Da man aber nicht noch Jahrzehnte warten wollte, denn die Anwohner von San Andrés haben deutlich pfiffig einen ziemlichen Presserummel über die Einleitung von ungeklärten Abwässer ins Meer begonnen, suchte man nun eine Lösung, welche die Gemeinde selbst, oder zumindest die Inselregierung bezahlen und auch planen darf und kann. - Eine "echte" Kläranlage läge auch gar nicht im Kompetenzbereich der Inselregierung, aber man entsann sich auf eine Methode, die zwar nicht als "echte" Kläranlage gilt, aber in solchen Fällen und ohne industrielle Abwässer klären zu müssen hervorragende Arbeit leistet.

Die Lösung dieses olfaktorischen Problems liegt nun in Pflanzen, die leben von dem was wir so ausscheiden und das sogar gut, nehmen kein Geld dafür, machen keinen Urlaub und man muss denen auch nicht wieder umständlich kündigen, wenn gerade mal wieder eine "Krise" die Runde macht. - Pflanzenkläranlagen sind keine wirklich neue Erfindung und sicher nicht überall die probateste Methode Abwässer zu klären, aber gerade kleinere Siedlungen, die über ein bisschen Platz verfügen und keine Industrie in ihrem Rund haben, die können durch den Pflanzenstoffwechsel aus Abwässern bestes Brauchwasser machen, mit dem man dann auch noch wunderbar die Bananen rund um den Ort gießen kann. - Noch dazu kostet das gar nicht viel, 60.000 Euro sind veranschlagt um die Abwässer der Siedlung zu klären und diese Anlage braucht keine Energie, außer der Sonneneinstrahlung, alles andere übernehmen die Pflanzen. - Noch in diesem Jahr möchte man die Kläranlage auf einem gemeindeeigenen Grundstück errichten und dann soll ab kommendem Jahr Schluss sein mit Geruchsbelästigungen und auch dem Vorwurf an die Gemeinde, man schicke seine Abwässer ungeklärt ins Meer.



Samstag 28.02.09 - 10:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 13 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 77 % - Luftdruck 1015 hPa

Massenentlassung von Angestellten im Rathaus von Barlovento

Manchmal weiß ich ja nicht, ob das mit der "Krise" nicht eine riesengroße Ente ist und sich im Hintergrund ein paar Obergewitzte ganz gewaltig die Hände reiben. - Vielleicht auch nicht, aber was alles im Zeichen der "Krise" plötzlich möglich ist, das verwundert schon ganz gewaltig. - Inzwischen hat man sich ja sogar an Zahlengröße der Einheit Milliarde gewöhnt und selbst die Billion scheint inzwischen in erreichbarer Nähe und man fragt sich langsam aber nachhaltig, gibt es so viel Geld überhaupt, wie die in faule Kredite gesteckt haben und wo bitte sind die ganzen Kreditnehmer dazu? - Auf der anderen Seite, oder besser als Folge der "Finanzkrise" gehen ja nun unheimlich viele Arbeitskräfte verloren und dann muss ich mich schon wieder fragen, ob ganz viele dieser Entlassungen überhaupt einen Zusammenhang mit dem Schmierentheater auf internationaler Heuschreckenebene haben, sondern lediglich damit gerechtfertigt werden. - So trennt sich auch das Rathaus von Barlovento von 17 seiner 91 Angestellten auf Grund der internationalen Weltwirtschafts- Finanz- und Sinneskrise, zumindest erklärt man das so, obwohl mir nicht klar war, dass auch das Rathaus von Barlovento sein Geld an der Börse verzockt, oder irgendwelche Immobiliengeschäfte getätigt hätte. - Haben die sicher auch nicht, gehört doch Barlovento zu den eher sehr konservativen Gemeinden der Insel, aber eben auch zu denen, in welcher die Landflucht gewaltig zugeschlagen hat und man nicht unbedingt von progressiven Zukunftsaussichten sprechen kann. - So sind 91 Gemeindenagestellte in einer Gemeinde mit nicht mal 2.400 Einwohner einfach eine sehr hohe Zahl an Lohnempfängern die man sich da leistet und nun eben im Schatten der "Krise" hofft loszuwerden.

Das ist nämlich gar nicht so einfach in Spanien, jemanden zu entlassen, dazu muss schon wirklich etwas Gravierendes vorgefallen sein, oder man wendet einen neu geschaffenen Kunstgriff an, der eben solche Massenentlassungen überhaupt erst möglich macht. - "ERE" (Expediente de Regulación de Empleo) heißt diese Formel, welche die Entlassung ganzer Gruppen von Arbeitnehmern ermöglicht, aus wirtschaftlichen Gründen, das allerdings in Absprache mit einem Arbeiterkomitee und der endgültigen Zustimmung der Provinzregierung der Kanarischen Inseln. - Im Normalfall sehen die "EREs" hohe Abfindungen vor, aber man kann mit dem Arbeiterkomitee auch andere Klauseln aushandeln und wie man nachlesen kann, will man in Barlovento diese Arbeitnehmer auf eine Art Warteliste setzen, welche eine spätere Wiedereinstellung der Kräfte ermöglicht. - Von Abfindungen konnte man nichts lesen, was erstaunlich ist, dann es ist nicht abzusehen, dass man in der Gemeinde Barlovento so bald wieder neue Gemeindearbeiter und Angestellte suchen wird. - Es ist das erste Mal, dass über das Modell "ERE" auf den Kanaren Angestellte einer Gemeinde entlassen werden und man darf nun ganz gespannt sein, ob dieses Modell denn Schule machen wird hier auf den Inseln und auch, ob denn die Gewerkschaften und auch die einzelnen Arbeitnehmer diese Maßnahmen denn so ohne weiteres schlucken werden. - Mit der "Kirse" hat das alles herzlich wenig zu tun, die Spatzen, oder meinetwegen hier die "Grajas" pfeifen es ja schon seit längerer Zeit von den Kirchendächern, Barlovento gehört, neben Fuencaliente zu den Gemeinden auf La Palma, die am ehesten von einer handfesten Pleite bedroht sind. - Rettung gegen solch einen "worst-case" gibt es in unserer profanen Welt der phantasielosen Marktwirtschaft wohl immer nur durch die Streichung von Arbeitsplätzen, so brilliert diese wirre Gesellschaftsform immer wieder an den Börsen, allerdings machen wir uns selbst damit irgendwann unnötig. - Aber das ist eine andere Geschichte, die dauert viel zu lang für einen Samstagmorgen und hat so überhaupt nichts mit Barlovento zu tun.



Freitag 27.02.09 - 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad - Niederschlag 1 mm - Luftfeuchte 69 % - Luftdruck 1011 hPa
Höchsttemperatur heute 19,4 Grad - niedrigste Temperatur 10,1 Grad

Begehrte Bananenabfälle

Gestern noch widerlicher Sondermüll den keiner haben wollte, so machen die stinkenden Abfälle aus der Bananenproduktion bald energetische Karriere. - Zumindest auf dem Papier. - Kompost soll daraus entstehen und so als wertvoller Bodenverbesserer und Dünger wieder in den Produktionskreislauf der Bananen eingegliedert werden, darüber durfte ich ja bereits vor ein paar Tagen stolz berichten. - Jetzt kommt es aber noch besser, vorher kann man aus den Bananenabfällen auch noch Methangas produzieren und damit irgendwelche endemischen Motoren antreiben. Das ist natürlich alles nichts Neues für den wissenschaftlich interessierten Leser, aber wir leben hier am äußersten Rand Europas und bis sich bei uns moderne Techniken aufschließen, das dauert ein bisschen, muss sozusagen erst einmal auf die patriotische Wartebank, um irgendwann als "Eigengewächs" auch mit dem Stempel der Kanarität versehen ausprobiert zu werden. - Es laufen nämlich eigentlich genügend Leute hier auf der Insel herum, die schon seit Jahren die Geschichten mit dem Kompost und auch der Biogas-Möglichkeit erzählen und auch Ahnung davon haben, aber das sind Leute von außerhalb und das will man dann nicht so einfach annehmen. - Macht nichts, dafür sind wir in vielen anderen Dingen Vorreiter und wichtig ist ja, dass sich überhaupt was dreht und in die richtige Richtung.

Der Direktor des Instituts für neue Technologien auf La Palma hat die Techniken aus Biomüll Gas zu gewinnen nun aus erster Hand in Deutschland kennen gelernt. - Er war auf Reisen und dort im fernen, aber technisch hoch entwickelten Alemania gibt es eine Vielzahl von Biogas-Anlagen die man bestaunen kann. - Nun müsste man auch noch die entsprechende Methode für Bananenabfälle herausfinden, denn wir hätten keine, oder kaum tierische Ausscheidungen um daraus Gas zu gewinnen, unsere Anlagen wären Vegetarier und das scheint ein klein bisschen komplizierter zu sein, als Methan direkt aus den peristatlischen Endprodukten der Schweine- oder Rindermast zu erhalten. - Aber Methan kommt auch raus, so weit sind wir uns schon sicher und nun kann es sich nur noch um ein paar Jahre handeln, bis wir auch die Frage mit den Finanzen geklärt haben, wer denn nun solch eine Anlage baut. - Nun könnte man sich ja fast vorstellen, da streiten sich dann zwei moderne Technologien darum die Bananenabfälle in die Hände zu bekommen, so nach dem Motto, gestern noch stinkender Abfall, heute heiß begehrter und gesuchter Rohstoff, aber man kann die beiden Methoden der nachhaltigen Rohstoffverwertung auch miteinander verknüpfen. - Erst lässt man die Biomasse fermentieren und gewinnt das Methangas daraus und danach kommt die Kompostierung, Bananenabfälle können also sogar als "Win-win-Rohstoff" gelten. - Was man nicht alles für Worte erfinden kann und dann müssen wir uns halt auch noch überlegen, was wir mit dem gewonnenen Methangas aus eigener Produktion machen. - Man könnte zum Beispiel Busse damit fahren lassen, mit dem was sonst die Kühe fahren lassen, oder auch die Dienstwagen unserer politischen Prominenz. - Das wäre dann richtig urig und endemisch und auch dem Slogan unser Regierung zugewandt: "Lo nuestro", was einfach nur "Unseres" heißt ist doch deren Wahlspruch und dann wäre es endlich der eigene Furz der Bananen der uns forsch und progressiv antreibt.



Freitag 27.02.09 - 09:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 13 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 75 % - Luftdruck 1010 hPa

Sprechen Sie mit Costas

Es gibt Bürgermeister und Bügelmeister. - Was haben die ersten Bürger der Gemeinden Tijarafe und Puntagorda an sich, was die Berufskollegen von Los Llanos, Tazacorte und Fuencaliente nicht haben? - Das lässt sich halt nur vermuten, auf jeden Fall haben die beiden Bürgermeister der Gemeinde Tijarafe und Puntagorda, übrigens gemeinsam, obwohl unterschiedlichen Parteien zugehörig, es geschafft, die Küstenbehörde in Madrid davon zu überzeugen, die Siedlungen an ihren Küstenstreifen nicht abzureißen. - Man muss ein kleines bisschen ausholen jetzt, nicht jeder ist mit der Materie vertraut. - "Costas", nicht der pomadige griechische Sangesbeutel, steht für "Dirección General de Costas", was Küstenbehörde bedeutet und die untersteht dem Umwelt und Küstenministerium "Ministerio de Medio Ambiente y Medio Rural y Marino". - Im Jahr 1988 erließ man in diesem Ministerium ein wichtiges und notwendiges Gesetz, welches die spanische Küstenlinie frei halten sollte von privaten Investitionen und einen, meist 100 Meter breiten Streifen an der Küste zu unveräußerlichem Staatseigentum erklärte. - Allerdings wendete man dieses Gesetz eigentlich nie aktiv an, man verteilte lediglich keine Baugenehmigungen in der Zone, aber niemand kümmerte sich um die vielen Schwarzbauten die in der betroffenen Zone entstanden. - Erst vor ein paar Jahren nun, und jetzt heftiger unter der Regierung Zapatero begann man, dieses Gesetz auch anzuwenden, allerdings ohne Maß und ohne Rücksicht auf Bestandsschutz, man wollte und will wohl alle Gebäude die sich innerhalb dieses Küstenstreifens befinden abreißen. - Eben auch Gebäude oder ganze Siedlungen, die zum Teil bereits seit Jahrhunderten dort an der Küste stehen und bereits anerkannte Ortsteile sind, mit einer beachtlichen Anzahl von festen Einwohnern. - Hier auf La Palma hat die Küstenbehörde bereits Playa Nueva komplett und La Zamora, Punta Larga und die Siedlung um den Leuchtturm in Fuencaliente zum Teil abgerissen. - Auf den anderen Inseln sind sogar noch mehr Hütten gefallen, La Palma bildet da überhaupt keine Ausnahme. - Allerdings wehren sich die Bewohner und auch Unterstützer der Siedlungen inzwischen heftig auf dem Rechtsweg und die Küstenbehörde kommt immer mehr ins Schleudern die vorgesehenen Abrisse auch durchzuführen, inzwischen muss jeder Einzelfall geprüft werden und wer einen legalen Besitztitel aus der Zeit vor 1988 nachweisen kann, der hat inzwischen gute Karten oder darf zumindest auf einen Entschädigung hoffen. - Hier auf La Palma ruhen die Abrisse zur Zeit, es herrscht, trotz des Gesetzes absolute Rechtsunsicherheit, obwohl die Küstenbehörde nach wie vor offiziell auf den kompletten Abriss der Siedlungen an unseren Küsten besteht.

So überrascht die linde Haltung der Küstenbehörde gegenüber den wilden Siedlungen an der Nordwestküste der Insel doch, dass das so einfach geht, damit hatte niemand gerechnet. - Als Argumente brachten die Bürgermeister der beiden Gemeinden vor, es handle sich um alte Fischersiedlungen am Meer, die keinen festen und dauerhaften Wohncharakter aufweisen und inzwischen zum absoluten touristischen Ziel geworden sind. - Darüber hinaus handle es sich bei den dortigen Hütten in den meisten Fällen gar nicht um Privatbesitz, sondern seien öffentlich zugängig. - Das stimmt so natürlich nicht, aber das scheint der springende Punkt zu sein, wenn es sich um Gebäude mit hohem touristischen Wert handelt und diese auch noch öffentlich zugängig sind, dann müsse man die nicht abreißen, da gäbe es deutliche Möglichkeiten in dem sonst so strengen Gesetz. - Ob nun nachgewiesen werden muss, dass diese Gebäude in der Tat keiner privaten Nutzung dienen, sondern öffentlich sind, das kann man aus der Pressemeldung nicht herauslesen, das werden wir aber noch erfahren. - Auf jeden Fall atmet man nun im Nordwesten der Insel auf, die Hütten an der "Piratenbucht" und weiter im Norden in Puntagorda können wohl stehen bleiben. - Das schürt auf jeden Fall nun auch wieder die Hoffnung der Bewohner der anderen Siedlungen, frei nach dem Motto, wenn die nicht abreißen müssen, warum dann wir? - Allerdings kann man ja nun in La Bombilla oder El Remo, wie die bekanntesten der vom Abriss bedrohten Siedlungen heißen, nicht wirklich von öffentlicher Nutzung der Wohnungen sprechen, wohl aber vom touristischen Charakter und den damit verbundenen Einnahmen und Möglichkeiten für die Insel. - Die Bürgermeister der Gemeinden Los Llanos, Tazacorte und Fuencaliente müssen sich nun sagen lassen, die haben längst nicht alles versucht, den Abriss der Siedlungen zu verhindern. - Wenn die Bürgermeister aus den Nordwestgemeinden das mit einem Besuch in Madrid geschafft haben, dann hätte man doch auch mal mit Costas sprechen sollen. - Allerdings wird hier immer wieder die Vermutung geäußert, die Bürgermeister hier im Aridanetal wollen die Siedlungen gar nicht retten, sondern diese lieber weg haben, um künftigen touristischen Investoren eine "saubere" Küste ohne störenden "Einheimerbewuchs" bieten zu können. - Dieser Vorwurf ist natürlich nicht beweisbar, liegt aber nach den Beobachtungen der letzten Jahre deutlich offen und wird von niemandem, außer den Bürgermeistern selbst bestritten. - Auf jeden Fall eröffnet sich nun, nach der Zusage der Küstenbehörde an die beiden Nordwestgemeinden ein neues Kapitel im Kampf gegen den wahllosen Abriss aller Gebäude hier an der Küste. - Wie das weitergeht, darauf darf man noch wetten, es wird wieder spannend.


Piratenbucht auf La Palma




Donnerstag 26.02.09 - 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 18 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 62 % - Luftdruck 1009 hPa
Höchsttemperatur heute 20,0 Grad - niedrigste Temperatur 9,6 Grad

Kurznachrichten

600 Kilogramm Mangos sind in einem Supermarkt von Santa Cruz de La Palma aufgetaucht, die wohl aus einer illegalen Einfuhr stammen. - Als Herkunft wird auf der Rechnung vermerkt, die Mangos stammen aus einer Plantage aus Gran Canaria, aber um diese Jahreszeit gibt es hier auf den Kanaren keine reifen Mangos der aufgefundenen Sorte. - Da der Lieferant auch keine Einfuhr aus einem anderen Land nachweisen kann und besonders den geforderten phytosanitären Nachweis nicht erbringen kann, werden die Mangos wohl vernichtet werden. - Man fürchtet immer wieder bei der illegalen Einfuhr von Obst und Gemüse aus anderen Ländern das Einschleppen neuer Pflanzenschädlinge auf die Inseln. - Allerdings sind auch die normalen Kontrollen meist nur Stichproben, welche nicht ausschließen können, dass sich doch Pflanzenschädlinge oder Krankheiten in der Fracht verbergen.

Die beiden Windkraftanlagen auf La Palma, welche die "ECyR" (Endesa Cogeneración y Renovables) verwaltet, haben im Jahr 2008 ihre Produktion von elektrischer Energie nahezu verdoppelt. - Die eine Anlage steht an der Playa de Las Cabras an der Südspitze der Insel in der Gemeinde Fuencaliente und der andere Windpark "Juan Adalid" in Garafía. Auf 4.476 Megawattstunden brachten es die "Windräder" im Jahr 2008, wohingegen im Jahr 2007 nur 2.409 Megawattstunden ins Inselnetz gespeist wurden. - Warum das so ist, das steht da leider nicht zu lesen.

Neue Server für die Gesundheitszentren auf der Insel. - Wohl aus Mitleid und gesundheitlicher Fürsorge gegenüber den behandelnden Ärzten werden nun nach und nach neue Server in den "Centros de Salud" der Insel installiert. - Die Klagen über nicht funktionierendes oder lahmendes Informatikgerät im Gesundheitsdienst hat nicht nachgelassen, so ist dieser Schritt wohl unvermeidlich geworden. - Zunächst soll es in den Zentren von Los Llanos, Barlovento, Tijarafe und Breña Alta neue Anlagen geben, die dann so funktionieren, wie das eigentlich sein sollte. - Man erwartet sich davon nicht unbedingt eine bessere Krankenversorgung, aber geringeren Krankenstand durch Depressionen bei den Ärzten…

Kommt der Regen, kommt er nicht? - Bislang blieb hier auf der Westseite alles trocken, das Tief dreht seine Runden um die Kanaren, ohne diese wirklich berühren zu wollen. - Das Hauptniederschlagsgebiet ist bereits an den Kanaren vorbei und macht nun die Wüste nass, dennoch kann noch keine Entwarnung gegeben werden. - Hohe Kumuluswolken wandern draußen über das Meer und die Berggipfel der Insel sind ebenso in mächtige weiße Pilze gepackt. - Bis morgen Mittag hat man nun die Warnstufe für heftige Niederschläge verlängert, von denen bislang aber kaum was zu spüren war.



Donnerstag 26.02.09 - 09:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 11 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 70 % - Luftdruck 1009 hPa

Touristische Infrastrukturen in Naturschutzgebieten

Geht es nach dem Willen der beiden Parteien Coalición Canaria und Partido Popular, die gemeinsam in einer Koalition der Verlierer die Mehrheit im kanarischen Provinzparlament haben, dann dürfen zukünftig touristische Infrastrukturen in Naturschutzgebieten erstellt werden. - "Proyecto de Ley de Medidas Urgentes en materia de Ordenación Territorial" heißt der Katalog mit 46 Vorschlägen, welche die Raumordnungsverfahren auf den Kanaren mittels eines Sondergesetzes vereinfachen und beschleunigen sollen. - Da taucht eben auch, unter manchen brauchbaren Vorschlägen der Punkt Nummer 40 auf, welcher für La Palma, La Gomera und El Hierro gelten soll, in dem es möglich gemacht wird, touristische Infrastrukturen in Naturschutzgebieten zuzulassen. - Das zielt eindeutig auf die bislang verfahrene Situation in Bezug auf den geplanten Golfplatz "Aridane-Golf", der hier im Aridanetal entstehen soll, aber teilweise im Naturschutzgebiet "Tamanca" geplant ist. - Nun kann man dem Golfsport allgemein, oder auch dem Ideenkomplex fünf Golfplätze auf La Palma würden die Inselkonjunktur nachhaltig beleben unterschiedlich zugewandt sein, aber die Aufgabe von Naturschutzgebieten zu Gunsten touristischer Industrie ist kein Punkt der diskutiert werden kann, sondern ein frontaler Angriff auf alle Bemühungen, diese Inseln nicht komplett einem kurzlebigen Profitstreben zu unterwerfen. - Da kommen sogar schon Blaue Briefe aus Brüssel nach Madrid, in ganz Spanien und besonders auf den Kanarischen Inseln gäbe es viel zu wenig Naturschutzgebiete, da will unsere Provinzregierung diese bestehenden Schutzregionen auch noch touristischer Ausbeutung zuführen und das dann unter dem legalen Mantel eines notwendigen Eilgesetzes.

Noch prickelnder wird das ja wenn man sieht, dass es sich bei dieser touristische Infrastruktur nicht etwa um ein Projekt öffentlichen Interesses oder allgemeiner Zugänglichkeit handelt, sondern um die seit über 20 Jahren in den Schubladen privater Investoren schlummernden Idee dort Gewinn bringende Geschäfte zu tätigen. - Im Unterschied zu den vier anderen auf La Palma angedachten Golfplätzen verbergen sich hinter dem Projekt "Aridane-Golf" keine fremden Investoren aus der Glücksritter-Klasse, die im Moment so ihre lieben Sorgen mit flüssigen Mitteln hat, sondern gestandene Geschäftsleute von den Kanarischen Inseln, die seit vielen Jahren bereits die Grundstücke für den Golfplatz besitzen. - Wäre da nicht diese kleine Unpässlichkeit mit dem Naturschutzgebiet, dann gäbe es diesen Golfplatz mitsamt eines Hotelkomplexes mit knapp 600 Betten bereits, aber bislang konnte man diese "Hürde" Naturschutz einfach noch nicht überwinden. - Allerdings wird dieser Golfplatz immerhin schon im lokalen Flächennutzungsplan der Stadt Los Llanos geführt und auch der Raumordnungsplan für die gesamte Insel kennt dieses Vorhaben, nun muss man nur noch die Gesetze so ändern, dass aus Naturschutz Investorenschutz wird und schon kann man auf den kleinen Kanareninseln La Palma, El Hierro und La Gomera in Naturschutzgebieten seine Geschäftsidee entwickeln. - Eigentlich weiß man ja, dass die Gruppierung Coalición Canaria keine wirkliche politische Partei ist, dazu fehlen komplett irgendwelche Gesinnungen oder Kernaussagen, sondern eine Interessenvertretung kanarischer Geschäftskreise, aber so viel Dreistigkeit und so viel Wegsehen seitens des tumben Koalitionspartners Partido Popular, tut dann doch immer wieder weh. - Noch ist nichts unterschrieben und gleich nach Bekanntwerden dieser Pläne kocht die Volksseele auch schon hoch, allerdings hat man ja auch die meisten Presseorgane fest in der Tasche, so dass in den meisten Zeitungen und Fernsehkanälen der Kanaren dieser barbarische Angriff auf Naturschutzgebiete gar nicht auftaucht. - Nun ist ganz vorne erst mal die politische Opposition gefragt, diesen Fall ordentlich publik zu machen und dann werden wir ja sehen, wie viel Wind dieser perfiden Gesetzesänderung ins Gesicht blasen wird.



Mittwoch 25.02.09 - 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 18 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 57 % - Luftdruck 1008 hPa

Angelegenheit mit Dringlichkeit

Der Dienstweg ist ein langer Weg, manchmal sogar noch unergründlicher, als die internen Informationspfade im Vatikan. - Seit Jahren lamentieren viele Landwirte, besser gesagt die Ziegen und Schafhirten unter den Landmännern, dass immer wieder streunende Hunde ihre Tiere anfallen. - In der Tat hört man diese Geschichte immer wieder, meist aus dem Norden der Insel, aber auch aus allen anderen Inselteilen wird von solchen Überfällen berichtet. - In den letzten sechs Jahren seien auf diese Art und Weise 1.500 Schafe und Ziegen zu Tode gekommen, und weil ich nicht zweimal am Tag offizielle Zahlen ausleuchten will, lassen wir das da so mal stehen. - Die Klagen sind also nicht neu und bislang konnten die Behörden keine wirkliche Hilfe versprechen, man ist sich wohl nicht wirklich einig, wer denn überhaupt dafür zuständig ist. - Zuerst hieß es die Gemeinden, wobei wir wieder bei der Geschichte mit dem Tierheim wären, auch da bastelt man sich ja noch ein Zuständigkeitskonstrukt zusammen. - Ähnlich läuft das nun in dieser blutigen Angelegenheit, inzwischen gibt es wohl so etwas wie ein Gremium, bestehend aus Mitgliedern der Behörden für Landschaftsschutz und Jagdwesen, sowie den Vertretern der Landwirtschaftsräte der Insel- und Provinzregierung. - Ob dieses gemischte Behördenquartett nun nur Vorschläge machen kann, oder sogar eine Entscheidung mitsamt der Finanzierungsreglung entwerfen, das kann man nicht aus der Pressemeldung herauslesen.

Wir werden also abwarten müssen ob es sich nur um ein Beruhigungsgremium für aufgebrachte Landwirte handelt, oder um ein wirklich funktionierendes Quartett der progressiven Handlungsbereitschaft. - Immerhin durften wir erfahren, wie man sich denn die kommenden Maßnahmen vorstellt, um diese ständige Gefahr für Schafe und Ziegen auszuschalten oder zu minimieren. - Die streunenden Hunde sollen gefangen werden und dann eine gewisse Zeit aufbewahrt werden. - Die Schonfrist soll die Möglichkeit offen lassen, dass eventuelle Eigentümer ihre Hunde wieder auslösen können, oder Hundeliebhaber aus dem Fundus des Gefangenenchors auch das eine oder andere Tier adoptieren können. - Nach einer gewissen Zeit, einer moralischen Absolutionsmarge, werden die Tiere dann aber getötet. - Ein alter Bauernhof in Barlovento soll für diesen Zweck hergerichtet werden und dann will man überall auf der Insel Fangkäfige aufstellen, damit die streunenden Hunde endlich aus dem Landschaftsbild verschwinden und keine Gefahr mehr für Weidetiere darstellen. - Es darf bezweifelt werden, dass man so alle Hunde einfangen kann die da ausgesetzt oder ausgebüchst auf den Bergen La Palmas herumziehen. - Dann dünkt einem noch ein Verdacht, zögert man den Bau und den Betrieb eines Tierheimes auf La Palma noch weiter heraus, dann könnten preisbewusste Behörden gar auf den Draht kommen, diese Aufbe+wahrungs- und spätere Tötungsstation für störende Hunde könnte das von allen geforderte Tierheim im Handstreich ersetzen. - Was für ein perfider Gedanke und wie komme ich nur auf so etwas…



Mittwoch 25.02.09 - 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 12 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 68 % - Luftdruck 1008 hPa

Indianer zählen und peristaltisches Sightseeing

Wir bleiben noch ein bisschen bei diesem Thema, denn nun wird auch als offizielle Zahl der Besucher dieses Festes 85.000 Personen genannt. - Hört man den "Indianern" zu, die das Fest besucht hatten, dann meinen die wohl, es waren mindestens so viele Besucher wie im vergangenen Jahr, aber auf keinen Fall weniger. - Damit ist die Befürchtung, die "Krise" könnte selbst die Feierlaune der Leute verderben schon mal von Tisch, das ist also noch mal gut gegangen. - Dennoch zweifle ich an der Zahl 85.000, das würde bedeuten, dass genau so viele Besucher auf dem Fest waren, wie die Insel Einwohner zu bieten hat und das war natürlich definitiv nicht der Fall. - Ziehen wir die Senioren ab, und die Kinder, Gruppen die sicher nicht auf die "Indianos" gehen und dann noch mal die Hälfte der anderen Bevölkerung, dann kommt schnell heraus, dass es unmöglich ist, 85.000 Menschen für dieses Fest zu rekrutieren. - Aber es kommen natürlich auch viele Besucher von den anderen Inseln, allerdings muss man da auch die beschränkte Transportkapazität der Flugzeuge und Fähren mit einberechnen. - Per Flugzeug können an Tag an die 1.400 Menschen zu uns gelangen, per Fähre an die 2.000. - Geht man dann mal davon aus, dass die Hälfte der Passagiere "indianischen Ursprungs" war und bereits auch am Vortag angereist sind, dann sind vielleicht 3.500 Besucher von anderen Inseln auch auf dem Fest gewesen. Lassen wir als Anreisetag auch noch den Samstag gelten und den Freitag davor, dann sind maximal 7.000 Gäste aus anderen Regionen auf La Palma zu diesem Fest gekommen. - Die müssten dann allerdings tagelang auf der Straße schlafen, so viele Quartiere gibt es rund um Santa Cruz nicht und die anderen touristischen Einrichtungen auf La Palma melden keine vollen Häuser.

Es ist aber eigentlich völlig egal, auch 50.000 Menschen in einer Stadt, die nur knappe 18.000 Einwohner hat ist absoluter Wahnsinn und das auf den kleinen und engen Straßen unserer so an den Fels gedrängten Hauptstadt. - Natürlich hat die "Indianer" keiner gezählt, es handelt sich um pure Schätzungen, aber man will natürlich seitens der Stadt und der Betreiber immer neue Rekorde vermelden. - Das wird dann halt Jahr für Jahr schwieriger, wenn man früher die Zahl der Besucher bereits aufgeblasen hat, dann muss das für neue Rekorde natürlich weiter geschehen. - Dennoch bleibt bei mir da immer ein kleiner unguter Beigeschmack übrig, weil wir in solchen Dingen gerne mal die Verbindung zur Realität verlieren. - Das ist im Karneval nicht wirklich schlimm, dafür ist der Fasching da, aber wir sehen ja auch an gewissen Zukunftsplanungen, so wie das mit den fünf Golfplätzen gedacht ist, weiteren Hotels der Luxusklasse, einer Autobahn durchs Weltbiosphärenreservat und eine Hafenerweiterung eines Hafens, welchen kein Schiff anläuft, dass uns manches aus der Hand gleitet, wenn wir unseren eigentlich geduldigen Weg der Bescheidenheit verlassen. - Als kleine Anekdote noch zum Karneval, man kann sich natürlich vorstellen, dass 50.000 oder von mir aus auch 85.000 ausgelassene Indianer gewisse Spuren auf den Straßen der Hauptstadt hinterlassen. - Neben dem vielen Talkum-Pulver spricht man auch von 30 Tonnen Müll, wobei ich diese Zahl nun nicht analysieren will, auf jeden Fall liegt da immer am Dienstagmorgen jede Menge an Flaschen, Bechern und allen möglichen Feierutensilien herum. - Ich will gar nicht die biologischen Häufchen noch dazu zählen, die eben aus körpereigenen Flüssigkeiten bestehen und wir wissen ja, so viele transportable Toiletten wie man für 50.000 angetrunkene "Indianer" bräuchte gibt es wohl auf dem gesamten kanarischen Archipel nicht. - Auch wenn die Angestellten der Stadt gleich am nächsten Morgen mit den Aufräumungsarbeiten beginnen, es dauert doch bis zum Abend, um wieder einigermaßen "Klar Schiff" zu vermelden. - Allerdings legte am frühen Dienstag auch ein Kreuzfahrtschiff an und die Passagiere wollten natürlich ihr normales Programm mit einer Bummelführung durch die historische Altstadt von Santa Cruz nicht missen. - Ich würde gerne mal die Kommentare dieser Gäste unserer Hauptstadt hören und welchen Eindruck wir auf diese Reisenden hinterlassen haben…



Dienstag 24.02.09 - 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 18 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 55 % - Luftdruck 1008 hPa
Höchsttemperatur heute 20,1 Grad - niedrigste Temperatur 10,8 Grad

Mit schlechtem Beispiel voran

Ich hatte ja versprochen mal nachzusehen, wer denn alles so den "Nichtfeiertag" in El Paso wahrnimmt. - Ganz gemischt die Angelegenheit, man konnte Reifen wechseln, beide Apotheken hatten offen, die Autovermietung, der Souvenirladen lockte versprengte Inselgäste und im großen Supermarkt war deutlich mehr los, als wir erwartet hatten. - Wer das mit dem "Nichtfeiertag" jetzt nicht versteht, der muss die Nachricht von heute Morgen einfach noch mal lesen. - Was aber auffiel, im Rathaus stand die Tür zwar offen, aber die Politiker waren nicht vor Ort, das erkennt man immer an den Autos, die da auf den gekennzeichneten Plätzen sonst stehen. - Das ist natürlich kein positives Bild was man da zeichnet, man kann den Einzelhändler zwar nicht zwingen an einem Arbeitstag sein Geschäft zu öffnen, aber kollektiv einen Tag nicht zu arbeiten, als eingesetzte Stadträte und Bürgermeister, wenn das Stadtpolizisten einen halben Tag machen und sogar noch anwesend sind, nur eben aus Protest keine Strafzettel ausstellen, dann droht man mit drakonischen Strafen. - Vielleicht haben es die neuen Herren im Rathaus selber nicht mitbekommen, dass es in El Paso heute keinen Grund gab, nicht zu arbeiten, oder soll uns das die Hingabe an den Ort aufzeigen, die wir in den nächsten knapp zweieinhalb Jahren zu erwarten haben. - Schlimm ist das nicht, ich gönne jedem seinen Schlaf nach einer ordentlichen Feier, aber ich dachte so halbwegs ein bisschen an die Vorbildfunktion, die man doch von Abgeordneten des Ortes erwarten sollte.

Das ist natürlich eine schnippische Bemerkung von mir, das hätte ich sicher nicht geschrieben, wenn die "eigenen" Leute heute das Rathaus ohne Rat gelassen hätten und lieber dem Kopfkissen Zuwendung angedeihen lassen, als Rat suchenden Bürgern. - Ansonsten war das wieder ein ganz ruhiger Tag auf La Palma, Straßenverkehr minimal und Katerstimmung legt sich breit über das Aridanetal und man fragt sich, wie die denn heute Abend dann wieder alle Kräfte sammeln um den großen Umzug mit anschließender Sause in Los Llanos hinbekommen, denn nachdem Santa Cruz gestern seinen Haupttag feierte, ist heute die Westseitenmetropole dran. - Daraus könnte man ja morgen schon wieder einen Feiertag basteln, aber das würde ja bedeuten, dass wir den Aschermittwoch ernst nehmen würden und so was lassen wir uns natürlich nicht nachsagen. Der Karneval geht weiter, morgen gebremst, Freitag wird dann die Sardine begraben, unser eigentliches äußerliches Zeichen dafür dass der Karneval nun vorüber ist, aber das reicht und auch noch nicht, Samtstag und Sonntag ist noch mal Sause in Los Llanos und danach werden wir mal sehen, wer noch arbeiten kann oder wen der Karneval dahingerafft hat.

Aus aktuellem Anlass muss ich noch Schlechtwäschewarnung ausgeben, wir werden morgen Nachmittag wohl mit Niederschlägen auch auf der Westseite der Insel zu rechnen haben. - Der Durchzug eines Tiefausläufers dauert aber wohl nur bis Donnerstag, am Freitag ist bereits wieder Hochdruck und damit Passat angesagt, Bauknecht eben. - Gerade für den Donnerstag können die Niederschläge auch durchaus ergiebig ausfallen, allerdings erwartet man keinen Sturm oder Unwetter, sondern einfach nur Regen, der für diese Jahreszeit auch auf der Westseite völlig normal ist.



Dienstag 24.02.09 - 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 12 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 75 % - Luftdruck 1010 hPa

Feiertagspolemik, Jungfrau gegen Indianer

Heute ist Faschingsdienstag auf La Palma und eigentlich ist es unmöglich an einem solchen Tag zu arbeiten. - Die Presse überschlägt sich mit Rekordbesucherzahlen auf dem "Día de Los Indianos", manche sprechen von 85.000 Besuchern, eine Zahl die ich für unmöglich halte, entspricht das doch der Zahl der Einwohner dieser Insel. - Und alleine aus unserer Familie waren drei von vier Mitgliedern gestern Abend brav zu Hause, die Vierte bekommt noch Ärger weil sie erst heute Morgen wiedergekommen ist. - Macht nichts, 50.000 Menschen im kollektiven Sinnesrausch, unterstützt durch lärmende Musik, Fröhlichkeitsbeschleuniger Alkohol und halb erstickt durch Talkumpulver können sich nicht irren. Karneval macht Spaß und eigentlich kann man den heutigen Tag gleich in die Tonne treten. - Man ist ja gnädigerweise so vorausschauend eine Woche Karnevalsferien für die Kinder in dieser Zeit anzulegen, wahrscheinlich wäre eh keiner gekommen, weder Lehrer, noch Schüler und auch die Eltern, welche ihre Kinder in die Schule bringen sollten hätten gänzlich versagt. - Aber dennoch, wieder mal gegen alle Regeln und gegen jeden Strom, ist in El Paso heute kein Feiertag, sondern ein normaler Alltag. - Gut, vom Papier her, es werden sich nur solch karnevalsresistente Spaßbremsen wie meine Familie und ich heute durch den Ort schunkeln und die Verkäufer ärgern, aber immerhin, der große Supermarkt, der San Martín hat offen, die Post auch und noch manch anderes Geschäft, von dem ich jetzt noch nicht weiß, ob es denn von einer witzigen Reglung gehört hat, die lokale Feiertage und damit die Öffnungszeiten für die Geschäfte bestimmt.

El Paso hat einfach keinen offiziellen Feiertag mehr übrig, denn der Faschingsdienstag ist kein landesweiter Feiertag durch ministerielle Segnung, sondern die Gemeinden müssen für solche Tage in ihren "lokalen Feiertagsfundus" greifen. - Da aber dieses Jahr in El Paso die Bajada de la Virgen de El Pino stattfindet, so wie alle drei Jahre im Ort, bracht man die lokalen Feiertage für dieses Fest, welches natürlich in der Stadt die weitaus größere Bedeutung hat und deshalb ist heute in El Paso ganz normaler Arbeitstag. - In den Jahren in denen keine "Bajada" stattfindet ist auch in El Paso am Faschingsdienstag Feiertag, aber wir schreiben das Jahr 2009 und in diesem Jahr ist Bajada. - Nun werden die wenigsten Betriebe ihre Mitarbeiter heute zur Arbeit verpflichten, manche aber doch, so eben wie die Post und der große Supermarkt. - Die meisten kleinen Läden bleiben dennoch geschlossen, gerade Einmann- oder Fraubetriebe wo "himself" oder "herself" hinter dem Tresen steht, werden geschlossen bleiben, wir werden das im Laufe des Tages noch verifizieren, wer denn in dem trotzdem schlafenden Ort seine Dienste anbietet. - Man könnte natürlich ein großes Geschäft daraus machen, der einzige Laden der ganzen Insel der auf hat, aber es weiß halt einfach keiner. - Zwar ist diese Reglung nicht neu, sie tritt eben alle drei Jahre wieder in Kraft, aber wir erinnern und halt nicht mehr daran. - So bleiben halt alle zu Hause, in der Annahme es wäre eh geschlossen und nur die, die gar nicht mitbekommen haben, dass diese Insel wegen kollektiven Siechtum heute geschlossen bleibt, die werden den wenigen dienstbereiten Geistern die zähen Arbeitsstunden verbittern.



Montag 23.02.09 - 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 19 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 66 % - Luftdruck 1010 hPa
Höchsttemperatur heute 19,8 Grad - niedrigste Temperatur 10,8 Grad

Die Stille des Karneval

Was will er uns jetzt damit wieder sagen? - Ist doch Karneval eher laut und wild und lässt die Anwohner nicht zur Ruhe kommen. - Schon, aber es gibt eben den "Día de Los Indianos", und da fährt alle Welt, oder wer sich dafür hält nach Santa Cruz de La Palma. - Fast könnte man Angst haben die Insel kippe um, denn die Westseite ist an diesem Tag wie leergefegt, alles strebt auf die Ostseite in die Hauptsstadt und wer jetzt um diese Uhrzeit noch hier im Aridanetal weilt ist entweder krank, muss arbeiten oder gehört zu den ganz wenigen Exemplaren auf dieser Insel, die mit Karneval nichts am Hut haben. - In der Tat, man hört kaum noch ein Auto fahren, lediglich die Busse des inseleigenen Unternehmens sind, vollgestopft mit weiß gekleideten "Indianern", unterwegs von West nach Ost. - Da muss man gleich mal lobend anheben, in den letzten Jahren hat man den Busservice an diesem Tag nach Santa Cruz derartig verbessert, dass nur noch wenige mit dem eigenen Auto versuchen in der Hauptstadt zu parken. - Andere gehen da auch ein Mittelding ein, fahren bis nach Breña Alta und von dort aus mit dem Bus, oder bis nach Los Cancajos, lassen dort das eigene Auto stehen und nutzen dann den Shuttleservice um weiter nach Santa Cruz zu gelangen. - Heute Vormittag waren die Busse aus der Westseite allerdings so voll, dass man in El Paso kaum noch zusteigen konnte, da die Busse bereits randvoll aus Los Llanos ankamen. - Dennoch bleibt keiner zurück, irgendwie kommt man schon nach Santa Cruz und kann sich dort dann richtig bepulvern lassen. - Das mit dem Talkum-Pulver, das ist immer noch ein großes Fragezeichen für die meisten Besucher dieser Insel und hat auch schon so manches wunderschöne Kleid ruiniert oder die eine oder andere Digitalkamera. - Warum wir das machen, erwachsene Menschen überschütten sich gegenseitig mit Babypulver aus der Streudose und finden das auch noch gut, das muss man immer wieder erklären.

Diese Tradition hat was mit den vielen Auswanderern zu tun, die ihre arme Heimat verließen, um in der "Neuen Welt", als diese noch neu und verheißungsvoll war, ihr Glück zu suchen und auch zu finden. Wer sein Glück dort gemacht hatte, der ließ sich auch irgendwann wieder mal auf seiner Heimatinsel blicken, sei es nur um Familie zu besuchen, oder aber auch den Lebensabend mit den Ersparnissen aus Südamerika hier zu verbringen. - Oder eben um auf der Heimatinsel dann mit dem Geld aus der "Neuen Welt" ein Geschäft zu eröffnen, so wie auch heute noch hinter vielen Gewerben auf La Palma Geld aus Mittel- und Südamerika steckt. - Die reich gewordenen Rückkehrer aus Amerika, für die Kanaren meist die Antilleninseln, benahmen sich gegenüber der arm gebliebenen Landbevölkerung reichlich arrogant und kleideten sich, um ihren Reichtum öffentlich zur Schau zu stellen, auch meist in weißen Gewändern. - Die hiesigen Zurückgebliebenen nannten nun diese Rückkehrer Indianer, also "Indianos" und weil bei uns "echar polvo" nicht nur Pulver werfen heißt, sondern auch noch für veralbern steht und sogar im sexuellen Bereich als herabwürdigender Akt bezeichnet wird. Sie wissen schon, das böse F-Wort mit dem man im Privatfernsehen Quoten und Piep-Töne erzeugen kann. - So verkleidet man sich weiß und bewirft sich gegenseitig mit Mehl um sich über die reichen Rückwanderer lustig zu machen. - Sie werden auch noch andere Versionen hören, aber diese ist meines Erachtens die stimmigste. Aus dem Mehl wurde irgendwann Babypulver und heute hat sich dieser Brauch absolut verselbstständigt. - Mit der Pulverschmeißerei sind wir übrigens einzigartig in Europa und als auf Gran Canaria Ex- Palmeros damit anfingen auch dort mit Pulver um sich zu werfen, wollte man das denen sogar verbieten. - Inzwischen wird nicht nur am "Día de Los Indianos" und in Santa Cruz mit dem Pulver um sich geworfen, auch der Karneval in Los Llanos ist ohne Weiß nicht mehr vorstellbar. - In der Aridanemetropole wird übrigens viel mehr Karneval gefeiert als in der Hauptstadt selbst, aber dieser eine bestimmte Tag, der gehört den Hauptstädtern. Mehr als 50.000 Menschen erwartet man zu diesem Spektakel, die Flüge nach La Palma sind schon lange ausgebucht. So kommen ganz viele Leute, die von den anderen Inseln zu uns kommen, nur wegen dieses verrückten Tages, auf der ganzen Insel bei Freunden unter und am Montagvormittag sieht man von überall her die Karawanen mit den Autos ziehen, in denen lauter weiß gekleidete Menschen sitzen. - Gesundheitsaposteln, Zynikern und Brachialasketen sei die weitläufige Umfahrung der Hauptstadt am kommenden Montag anzuraten, wer nicht weiß werden will, sollte vielleicht an dem Tag sogar auf der Westseite bleiben. Und wer es dennoch nicht lassen kann, dem sei gesagt, wer mit gestikulierenden Abwehrhaltungen signalisieren will, weil es sich gerade neue Designerklamotten gekauft hat, er möchte bitte kein Babypulver aufs Haupt bekommen, der kann die dreifache Landung erwarten. "Echar polvo" eben und sagen Sie nicht, ich hätte Sie nicht gewarnt.


Rückwanderer aus Kuba nach La Palma

Zeitgenössische Darstellung der weiß gekleideten Rückwanderer aus Mittelamerika...


Dia de Los Indianos in Santa Cruz de La Palma

...und was daraus geworden ist.




Montag 23.02.09 - 10:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 13 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 72 % - Luftdruck 1013 hPa

Da ist sie wieder, die Nachhaltigkeit

Vor ein paar Jahren, als noch niemand wusste, dass irgendwann mal der Kapitalismus Kreditkrebs bekommt, da warf man täglich mit dem Wort "sonstenibilidad" um sich. - Das heißt Nachhaltigkeit auf Spanisch und heute traut sich dieses Wort fast niemand mehr in den Mund zu nehmen, spielt doch die "Krise" mit der damit einhergehenden Massenarbeitslosigkeit und Investitionsmüdigkeit die Gemüter eher wieder in Richtung "Rauchende Schlote". - Alles gilt um die lahmende Bauwirtschaft wieder anzukurbeln und wer Arbeitsplätze schafft, der darf Umweltsünden gleich reihenweise begehen, die Evolution hat uns eben doch noch nicht wirklich weiter gebracht, es kommt immer noch erst das Fressen und dann die Moral. - Erst vor ein paar Tagen durfte ich lesen, dass der polemische Neubau eines Hafens bei Granadilla auf Tenerife nun damit gerechtfertigt wird, "Einschnitte in die Natur seien der Preis dafür, dass es uns besser gehe". - Tut weh, aber heute sind die ewig Gestrigen eben doch schon Andere als gestern und wir müssen dann doch wieder begreifen, dass nachhaltiger Umgang mit unseren natürlichen Ressourcen als Luxusevent betrachtet wird, eben nur dann umzusetzen, wenn wir uns das leisten können, der "Schlot qualmt", die Wirtschaft brummt und Kredite fließen, mit Geld welches nur gedruckt, nie aber verdient wurde, eben so lange bis der Hypo kommt. - Dass man milliardenschweren Subventionen nun in Wirtschaftskreisläufe pumpt, die uns genau in diese Situation geschoben haben, unterliegt der fatalen Pathologie einer pandemischen Wachstumspsychose und niemand will begreifen, dass Wachstum alleine nichts Nachhaltiges an sich hat, im Gegenteil, eben immer mehr fordert. - Wirklich neue Ideen und neues Tun geraten da schnell unter die Räder der lähmenden Angst vor Rezession und dann sind nur noch Hausmittel gefragt, die noch aus der Zeit unter Ludwig Erhard stammen.

Umso schöner und auffälliger nimmt man dann die kleinen Schritte war, die dem Moloch "Krise" entwischt scheinen und an zarte Versuche aus der Nachhaltigkeitskiste der Vorkrisenzeit erinnern. - Es gibt keinen Müll, sondern lediglich mehr oder weniger stinkende Rohstoffe, allein diese Erkenntnis schafft noch keinen nachhaltigen Wertstoffkreislauf, man muss auch was dafür zun. - Daran erinnert man sich nun in der Abteilung Landwirtschaft der Inselregierung und fördert nun ein Programm um Kompost aus Abfällen der Bananenproduktion zu gewinnen. - Es ist eigentlich beschämend, dass wir das bislang noch nicht gemacht haben, aber besser spät als nie. - Wir wollen auch die Beweggründe dafür nicht verschweigen, nach dem enormen Anstieg der Transport und Düngemittelkosten, die mit dem Ölpreis vergangenen Sommer explodierten, fing man an diese Idee der Kompostgewinnung auch ernst zu nehmen und aus dem Dunstkreis spinnender Esoteriker zu befreien. - Nicht, dass Hersteller von Kompost spinnende Esoteriker seien, aber so sah man die bislang, zumindest in den Augen unserer Lenker, die eben mit Gutsherrenmanieren über Sinn und Unsinn entschieden. - Nun, da Kompost aus der Schmuddel und Eso-Bio-Schiene befreit wurde, lässt unser Rat für Landwirtschaft in der Inselregierung, César Martín, jetzt ein Projekt auflegen, in welchem man die Bananenproduzenten der Insel mit in den Kreislauf der Kompostgewinnung einbeziehen will. - Die sollen eben nicht nur den reichlich vorhandenen Rohstoff für die Produktion von Kompost liefern, sondern dann diesen Dünger auch wieder in ihren Pflanzungen nutzen. - Man würde damit sogar zwei Fliegen mit einem Kläppchen schlagen, einmal fällt kein Sondermüll mehr an und auf der anderen Seite kann man sich große Mengen an Mineraldünger sparen, wenn man seine Plantagen durch Geben von Kompost aufwertet. - Letztendlich wird es eine Frage der Finanzierung sein, wie viel Geld César Martín für dieses Projekt aus dem klammen Inselbeutel schleusen kann, denn so ganz von alleine machen die vielen tausend kleinen Bananenpflanzer nicht mit, da geht ohne Zuckerbrot nichts, und die Peitsche hat man längst weggesteckt. - Ein zaghaftes Chapeau für César Martín, vielleicht weiß er auch noch gar nicht, auf was er sich da eingelassen hat, die Inselregierung mit Sparmaßnahmen im Rücken und gestandene Bananenbauern vor sich. - Ánimo César, auch wenn dir damit noch kein Platz in der Walhalla sicher ist, gerade jetzt muss man neue Dinge angehen und nicht dauernd nach alten Rezepten schielen.



Sonntag 22.02.09 - 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 48 % - Luftdruck 1017 hPa
Höchsttemperatur heute 21,5 Grad - niedrigste Temperatur 11,0 Grad

Zweimal soziales Engagement

Manchmal weiß man nicht so genau, ob sich hinter dem einen oder anderen sozialen Engagement nicht auch viel Werbung verbirgt. - Allerdings ist Werbung nun auch nichts Unmoralisches, meist nur lästig und fast immer völlig überbewertet, aber das will die Werbebranche natürlich nicht hören, versteht sich von selbst. - Die heutige Ausgabe von "El Día" berichtet gleich über zwei noble Spender, die im Kampf gegen die "Krise" Gutes tun, auf völlig unterschiedliche Weise, nur dass es in beiden Fällen um Nahrungsmittel geht. - Ein Restaurantbesitzer in Santa Cruz, genauer gesagt des Restaurants "Avenida", nahe der Plaza Alameda bietet alle 10 Tage nun ein vier Gänge Menü für kleine 1,50 Euro an und das, wie er selber zugibt auch aus Werbegründen. - Allerdings steht die Aussage auch, ganz viele Menschen können sich überhaupt keinen Restaurantbesuch mehr leisten und nehmen dieses Angebot als Abwechslung ihres meist mühevollen Alltags gerne an. - Am ersten Angebotstag nahmen an die 50 Gäste das hausgemachte Menü für 1,50 Euro, wobei der Restaurantbesitzer nicht einzuteilen vermochte, wie viele der Gäste denn nun gut bestückte Schnäppchenjäger waren und wie viele davon wirklich in Geldnot. - Aber zumindest der Werbeeffekt lässt sich zählen, er hätte sehr viel Nachlauf gehabt und viele Leute würden fragen, wann sich diese Aktion denn wiederhole.

Ganz ohne Werbung kommt die zweite Geschichte daher. - Ein Landwirt aus La Palma wollte seine Schafe verkaufen, da es aber keine Lämmer mehr waren, sondern bereits ausgewachsene Tiere bot man ihm pro Stück lediglich den Preis von 25,- Euro an, den er ablehnte, denn normalerweise erzielt ein Schaf im Schlachthof an die 60,- Euro. - Bevor er nun die Schafe zu diesem niedrigen Preis halb verschenken sollte, machte er lieber einen Schritt weiter und schenkte die 25 Schafe komplett her. - Und zwar an die Caritas, die sollte damit Bedürftige speisen und letztendlich landeten die 25 Tiere auch in einem Heim für mittellose Immigranten auf Tenerife und wurden dort von Insassen islamischen Glaubens verzehrt. - Wie man hört, sehr gerne und auch gut zubereitet. - Nun kommen aber die Tiere nicht einfach so von der Weide auf La Palma in Kochtöpfe Ternerifes, dazu brauchte man noch eine ganze Kette weiterer Helfer, die auch gefunden werden konnten. Der Schlachthof hier auf La Palma zerlegte die Schafe in Viertel, ohne dafür Geld zu nehmen und die von der Caritas fanden auch noch einen Transporteur, der die zerteilten Tiere nach Tenerife brachte, auch umsonst. - Nun kann man natürlich sagen, volkswirtschaftlich macht das keinen Sinn, das was der Schlachthof und der Transporteur für ihre Gratisdienste an Einkommen "verloren" haben, ist mehr als billiges Schaffleisch auf dem freien Markt kostet. - Aber so wird kein echter "Schuh" daraus, die haben das alles freiwillig und ohne dafür zu kassieren gemacht und ohne diese Dienste wären die 25 Schafe nicht in die Töpfe bedürftiger Personen gelangt. - Kleine Randnotizen und manch einer fragt sich natürlich, warum die Schafe nicht hier auf der Insel gegessen wurden, gibt es doch auf La Palma auch viele bedürftige Menschen, aber darauf gibt die Geschichte keine Antwort. - Wie dem auch sei, außer den Schafen fand jeder diese Geschichte rührig, aber wer kümmert sich schon um die Hauptpersonen…



Sonntag 22.02.09 - 10:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 13 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 65 % - Luftdruck 1019 hPa

Eine Woche nur bedingt handlungsfähig

Karneval auf La Palma ist ein hartes Stück Arbeit. - Auch der Aschermittwoch bietet hier nur ein kurzes Innehalten, danach geht es noch mal weiter, wer meint, am Aschermittwoch sei alles vorbei, der kommt aus Zonen in denen man Weicheierkarneval feiert und nur ein paar Tage durchhält. - In den beiden Hochburgen des karnevalistischen Treibens, Santa Cruz und Los Llanos, ist seit gestern Abend der Straßenkarneval so richtig in Fahrt gekommen. - Spät geht es los und spät hört das wilde Treiben auf den Straßen dann auch wieder auf, erst wenn der Morgen graut, oder das Grauen des Morgens die Müdigkeit in die geschundenen Körper der Karnevalisten zwingt, dann ist für ein paar Stunden Ruhe. - Von El Paso aus kann man jedes Lied, welches die meist aus Südamerika stammenden Bands in Los Llanos intonieren bestens mithören, Lärmschutzverordnungen mögen ja gewisse Wichtigkeit und Bedeutung haben, nicht aber im Karneval, da scheint alles erlaubt zu sein. - Wer dabei sein will, der muss Abstriche machen, zaghaftes Beobachten vom Rand des Geschehens aus ist nicht möglich, Karneval auf La Palma ist eine Geschichte von Sein oder Nichtsein, ein bisschen geht nicht, entweder bleibt man komplett zu Hause und stopft sich Oropax in die Lauscher, oder man feiert mit, wild, ausgelassen, betrunken und mit der Hoffnung, dies möge niemals enden. - Natürlich endet auch auf La Palma der Karneval irgendwann, aber eben erst viel später als anderswo, um vier Uhr morgens wird noch nicht aufgeräumt, sondern da wechselt die Band noch mal, damit der Schwung nicht abreißt. Immer dabei auf La Palma das Babypulver, nicht wie manche meinen nur am "Día de Los Indianos" in Santa Cruz benutzt, "Polvo" streut man hier auf jeder karnevalistischen Aktivität und das in Massen und nicht in Maßen.

Vielleicht liegt es ja auch an dem Pulver, dass die meisten nicht zu sündhaft teuren Verkleidungen neigen, man darf hier den Karneval sogar komplett unverkleidet genießen, das spielt keine große Rolle. - Kostümzwang gibt es eigentlich nur am Rosenmontag in der Hauptstadt, zum berühmten "Día de Los Indianos" kleidet man sich weiß und die Herren brauchen unbedingt einen Strohhut. -Wer das erleben will, der kann auch zu mitteleuropäischer Uhrzeit schon mal palmerischen Karneval "schmecken", dieses Fest beginnt bereits am Nachmittag. - Man muss aber deutlich davor abraten, mit dem eigenen Auto zu kommen, aber unsere Busgesellschaft hat an diesem Tag etliche Sonderbusse laufen, die von überall her die weiß gekleideten "Indianer" nach Santa Cruz bringt. - Stellen Sie sich einfach an die Bushaltestelle, da wo schon viele andere weiße Gestalten stehen und lassen Sie sich dort hinfahren. - Parkplätze sind in der Hauptstadt an Montag nicht zu bekommen und außerdem ist Alkohol bei unserem Karneval leider so etwas wie eine Pflichtdroge. - Als weiteres "must" im Karneval könnte man noch den Umzug in Los Llanos nennen, der findet am Dienstag statt, beginnend um 17:00 Uhr, oder auch ein Tröpfchen später in Argual (unteres Ortsende von Los Llanos) und zieht dann langsam und lärmgewaltig hinauf in die große Stadt. - Die von den Gemeinden ausgegebenen Mottos für den Karneval, so wie im Falle von Los Llanos zum Beispiel Venedig, werden beflissentlich ignoriert, jeder kleidet sich so wie er will und schon gar nicht so, wie andere das vorschreiben wollen. - Es liegt auch jede Menge Anarchie im Karneval auf La Palma, kein Wunder, wollte doch Franco dieses heidnische Treiben komplett verbieten, was ihm aber nur mit dem öffentlichen Straßenkarneval gelang. - In den Wohnstuben, aber auch Gemeindehäusern traf man sich dann zum "Ball" der nicht verboten war und feierte dort etwas leiser den Karneval. - Da gibt es unendlich viele Geschichten von kleinen und großen Stänkereien und wie man dem stinklangweiligen Franco-Regime einen Karneval abtrotzte, der halt nicht so hieß. - Selbst die Kirche spielte da zum Teil mit, im Gemeindehaus von El Paso fanden auch "Bälle" statt und so machte sich der Pfarrer zum Volkskomplizen für ein heidnisches Fest. - Ich möchte da nicht behaupten, Pragmatismus sei eine kanarische Erfindung, aber es hilft hier schon gewaltig, ein bisschen flexibel zu sein. - Solch ein Versteckspiel ist ja Gott sei Dank, König sei Dank, oder wem auch immer, nicht mehr nötig und wenn heute ein Bürgermeister kommt und den Narren vorschreiben will, welches Kostüm sie tragen sollen, dann endet das meist nicht sonderlich höflich. - Mitmachen, und wer auf so was nicht kann, der sollte Los Llanos abends und besonders nachts, weiträumig umgehen.


Karneval in Santa Cruz




Samstag 21.02.09 - 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 44 % - Luftdruck 1018 hPa
Höchsttemperatur heute 21,1 Grad - niedrigste Temperatur 10,4 Grad

Kein Anschluss unter diesem Flughafen

Tenerife ist bekanntermaßen die größte der Kanareninseln und auch so was wie die "Mutter aller Inseln", zumindest wenn man es vom Standpunkt der kleinen westlichen Kanaren aus betrachtet, La Palma, La Gomera und El Hierro. - Schließlich ist Santa Cruz de Tenerife unsere Provinzhauptstadt, und die bildet dann zusammen mit der Provinz Las Palmas de Gran Canaria, zu der auch noch Fuerteventura und Lanzarote gehören, zusammen die autonome Region der Kanarischen Inseln. - Für uns laufen also immer alle Fäden auf Tenerife zusammen und wenn wir einem die große und meist weite Welt erklären wollen, dann nennen wir oft ein Beispiel aus Tenerife. - So groß ist diese Insel, dass sie sogar zwei Flughäfen hat, einen im dicht besiedelten Norden, der bei La Laguna liegt und Los Rodeos heißt oder Tenerife Norte und einen, im wenig besiedelten aber touristisch heftig erschlossenen Süden, bei El Medano. - Dieser zweite Flughafen ist auch der neuere, heißt "Reina Sofía" oder Tenerife Sur und sollte eigentlich den Nordflughafen mal ersetzen. - Das allerdings hat man schnell wieder verworfen, nachdem der interinsulare Flugverkehr den Südflughafen fast gänzlich meidet, dort wohnen einfach so wenige Menschen und auch die Verwaltungszentren, die Universität und die großen Krankenhäuser können sehr viel besser vom Nordflughafen aus bedient werden und außerdem liegt der Flughafen Los Rodeos eben mitten im Großraum der beiden Städte Santa Cruz und La Laguna, den beiden größten Städten der Insel. - Aber auch touristisch wird der Nordflughafen noch genutzt, er bedient das Orotava-Tal mit seinem touristischen Zentrum Puerto de la Cruz.

Der Südflughafen, obwohl er die deutlich längere Landebahn hat und auch von der Erreichbarkeit bei schlechtem Wetter deutlich besser ist als der Nordflughafen, dient hauptsächlich den Charterfliegern aus Nord- und Mitteleuropa, die dann ihre sonnenhungrigen Gäste gleich weiter mit Bussen ins nahe Playa de las Americas karren können. - Interinsular ist das überhaupt nichts drin, außer einem oder zwei Flieger am Tag nach Gran Canaria ist für die Gäste die in Tenerife Süd ankommen, von dort aus kein Weiterkommen auf die anderen Kanareninseln möglich. - Das bedeutet aber auch für La Palma, dass Gäste die über Tenerife anreisen wollen oder müssen und am Südflughafen landen, erst den an die einhundert Kilometer entfernten Nordflughafen erreichen müssen, was mit finanziellem und zeitlichen Aufwand verbunden ist. - Zwar fahren Shuttlebusse recht regelmäßig direkt zwischen den Flughäfen hin und her, aber dennoch wird diese Option um nach La Palma zu gelangen einfach wegen des unbequemen und zeitraubenden Transfers nicht so gerne gewählt. - Zwar fliegen auch Charter-Maschinen aus Europa den Nordflughafen an, aber eben nicht so häufig und damit andauernd verfügbar wie das im Falle des Südflughafens ist. - Nun fordert man seitens der Inselregierung La Palmas die beiden hier operierenden Fluggesellschaften Binter Canarias und Islas Airways auf, doch einen Dienst auch wieder vom Flughafen "Reina Sofía" nach La Palma aufzunehmen, so könnte den weiter sinkenden Gästezahlen auf La Palma vielleicht wieder Anschub gegeben werden. - Früher, als alles anders war und nur manches besser und ich noch Haare hatte, da gab es wenigstens an zwei Tagen in der Woche einen Flieger von Tenerife Sur nach La Palma, ich glaube es waren der Freitag und der Sonntag. - Inzwischen gibt es überhaupt keine derartige Verbindung mehr, dafür aber an die zwanzig Flieger täglichen von La Palma nach Tenerife Norte. - Es lohnte sich einfach wohl nicht und deshalb wird wohl auch der Appell an die Fluggesellschaften in den tiefen Hallen der betriebswirtschaftlichen Katakomben versinken, Binter Canarias und Islas Airways sind knallhart kalkulierende Privatunternehmen und kein öffentliches Transportmittel für allein gelassene Inseln. - Allerdings könnte man sich ja das Subventionsfüllhorn öffnen, es wäre nicht das erste Mal, dass die berühmte öffentliche Hand Fluggesellschaften sponsert, dass die überhaupt ein Ziel anfliegen. Jedoch darf ich bezweifeln, dass in Krisenzeiten solche Zuwendungen noch durch öffentliche Plenen gewunken werden und wenn Palmeros nach Tenerife fliegen wollen, dann werden die auch weiterhin den Nordflughafen anvisieren, da im Süden haben wir nichts verloren.



Samstag 21.02.09 - 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 11 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 70 % - Luftdruck 1017 hPa

Königliche Hilfe für das Monsterteleskop erbeten

Da feilschen wir gerade um das Einweihungskonzert für das Grantecan, das mit seinem 10,4 Meter Spiegel als das größte optische Spiegelteleskop auf der Welt im Juli dieses Jahres an die Arbeit gehen soll, und wissen noch nicht mal, ob wir uns das Sternenkonzert mit Brian May und Jean-Michel Jarre überhaupt leisten können, da rufen wir hier bereits nach mehr. - Die "ESO" (European Southern Observatory) ist eine europäische Forschungsorganisation, die bislang, so wie es der Namen sagt, den Sternenhimmel auf der südlichen Hemisphäre beobachtet. - 14 Länder sind Mitglieder in der "ESO" und hauptsächlich unterhält man Observatorien in Chile, unter anderen auch das wohl bekannteste Teleskop der Welt, das "VLT" (Very Large Telescope) auf dem Cerro Paranal. - Dort arbeiten vier Teleskope mit Primärspiegeln von jeweils 8,2 Metern Durchmesser, inzwischen zwar nicht mehr die größten, betrachtet man den Durchmesser der Primärspiegel, allerdings können die vier Teleskope zusammengeschaltet werden und erreichen damit bislang nicht gekannte Leistungen in der Astrophysik. - Die "ESO" will aber mehr und plant bereits das "ELT" (Extremly Large Telescope), auch E-ELT" genannt, wenn man noch "Europa" davor setzt und dieses solle einen Primärspiegel von sage, schreibe und staune 40 Metern besitzen. - Allerdings würde das Kosten von weit über einer Milliarde Euro bedeuten und bedenkt man die augenblickliche wirtschaftliche Situation der europäischen Staaten, dann könnte das Aus für das "ELT" eher nicht mehr von technischer Seite kommen, wohl aber durch strikte Sparmaßnahmen der Mitgliedsstaaten. - Davon will man aber bislang bei der "ESO" nichts wissen und plant weiter kräftig an diesem Quantensprung in der Himmelsbeobachtung.

Jetzt kommt auch La Palma ins Spiel, denn wir werden tatsächlich als möglicher Standort für das "ELT" gehandelt, wie man aus den üblichen gut unterrichteten Kreisen erfahren kann, und das sogar mit echt guten Chancen. - Aber die Würfel sind da noch nicht gefallen, grundsätzlich muss sich in der "ESO" noch einig werden, ob man denn dieses Monsterteleskop überhaupt in der nördlichen Hemisphäre erbauen will, oder wieder nach Chile geht. - Einiges spricht aber dafür, dass man sich doch nach Norden orientiert, man hat ja mit dem "VLT" in Chile bereits äußerst leistungsfähige Teleskope und könnte mit dem Standort Kanarische Inseln auch Objekte studieren, die eben von der südliche Halbkugel aus nicht zu beobachten sind. - Es taucht immer auch mal wieder als Standort Marokko auf, auch dort im Atlas-Gebirge könnte man sich das große Teleskop vorstellen, wir aber wollen das Ding auf jeden Fall hier bei uns auf La Palma haben. - Die Möglichkeiten die sich daraus für uns als Region ergeben sind kaum abzuschätzen, mit den richtigen Begleitmaßnahmen, wie Forschungs- und Lehreinrichtungen, die sich an die Astrophysik und weitere Naturwissenschaften anlehnen, könnte man aus der Agrarinsel La Palma auch eine Region der Hochtechnologie basteln. - Man könnte somit den hier notwendigen Strukturwandel angehen, ohne eben die lausigen und dämlichen Zwischenschritte über den Tourismus oder spekulative Immobiliengeschäfte zu nutzen und damit endlich den so oft geforderten "Vierten Sektor" direkt anpeilen. - Landwirtschaft und Hochtechnologie, Forschung und Energiegewinnung, da stecken die Zukunftsmöglichkeiten dieser Insel, nicht in Hotelanlagen und Golfplätzen, von denen es bereits viel zu viele auf dieser Welt gibt. - Zukunftsmusik, sicher, aber wir reden doch so oft über die Zukunft und wollen eine haben, mindestens eine... - Inzwischen startet unser Oberkanare Paulino Rivero, Präsident der autonomen Region Kanarische Inseln auch einen Werbefeldzug für La Palma als Standort des "ELT" und hat sich sofort bei einer Audienz mit dem König auf ihn gestürzt (nicht körperlich) und möchte ihn unbedingt als Aktivposten in der Werbung für La Palma gewinnen. - Allerdings weiß ich nicht, ob das die "ESO" direkt beeinflussen kann, aber wir wissen ja, da werden manchmal Dinge und Kontakte hinter den Kulissen bewegt und geschoben, von denen wir nichts wissen und auch besser nicht nachfragen sollten. - Als beste Werbung für die Leistungsfähigkeit des Standortes La Palma wäre es natürlich auch gut, das groß angekündigte "Concierto de Las Estrellas" mit Brian May und Jean-Michel Jarre anlässlich der Einweihung des "Grantecan" würde ohne finanzielles Gekrepel stattfinden können. - Man sollte solch ein Konzert vielleicht auch als Zukunftsinvestition betrachten, man gibt ein paar Millionen aus und erntet dafür mehr als eine Milliarde in klingender Münze, die hier auf La Palma herabregnen würde. So könnte aus dem "Sternekonzert" vielleicht sogar ein "Sterneregen" werden.



Freitag 20.02.09 - 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 19 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 50 % - Luftdruck 1016 hPa
Höchsttemperatur heute 20,3 Grad - niedrigste Temperatur 9,5 Grad

Kindergartenboot

So verharmlosend umschreibt man die Flüchtlingsboote, mit denen überwiegend Jugendliche von Marokko aus, auf die Kanaren oder das spanische Festland geschickt werden. - So auch die "Patera", hiesige Bezeichnung für kleine Fischerboote aus Marokko, die am vergangenen Sonntagabend an der Küste von Lanzarote Schiffbruch erlitten hat. - Gegen einen Felsen kurz vor der Küste soll das Boot geprallt sein und deshalb gekentert, das haben die letzten Befragungen der Überlebenden ergeben. - Wie man jetzt weiß, waren 32 Menschen an Bord, von denen lediglich 6 überlebt haben. - Eine Person wird noch vermisst und es ist wahrscheinlich, dass es sich dabei um den Bootsführer handelt, zumindest nach der Aussage der 6 Überlebenden. - Ein Helfer des "Kapitäns" war auch unter den paar Glücklichen die diese Tragödie überlebt haben und der sitzt nun bereits im Gefängnis und wird ein Strafverfahren wegen Menschenhandels erwarten müssen. - Der erste Bootsführer ist entweder ertrunken und noch nicht gefunden, oder aber ihm ist es geglückt an Land zu kommen und zu flüchten. - Gleich am Anfang der Berichterstattung wurde immer wieder von einer oder mehreren Personen berichtet, die aus eigener Kraft das Ufer erreicht haben und dann verschwunden sind. - Die Rettungskräfte suchen weiterhin, allerdings in reduzierter Besetzung nach der Leiche des noch vermissten Mannes, aber einiges spricht inzwischen dafür, dass dieser überlebt hat und sich an Land versteckt hält. - 900,- Euro haben die "Passagiere" für die Überfahrt bezahlt, zieht man 2 Bestatzungsmitglieder ab, dann sind das 27.000,- Euro die an der einen Fahrt verdient wurden, da muss nicht nur ein marokkanischer Fischer mit einem 5 Meter Boot lange für Stricken. - Dabei tauchen aber auch wieder neue Fragen auf. - Nicht nur die, wie 32 Menschen in einem 5 Meter langen Boot zwei Tage und eine Nacht auf dem Atlantik unterwegs sein können, sondern auch, wer denn der Organisator dieser Kindergartenfahrt war.

20 Kinder im Alter zwischen 8 und 16 Jahren befanden sich auf dem Boot und alle diese Jugendlichen sind, wohl nur an die 20 Meter vor der Küste Lanzarotes ertrunken, die Überlebenden waren allesamt Erwachsene, die sich auch auf dem Boot befahnden. - Dabei darf man die Frage stellen, wie denn diese Kinder hier auf den Kanaren weiter vermittelt oder wie weiter geschleust werden sollten. - Manche der Kinder haben sicherlich Verwandte oder Bekannte auf Lanzarote und sollten zu denen "reisen", allerdings vermutet man eben, dass auch die Situation der Verwandten auf Lanzarote nicht legalisiert ist und dass man so diesen gefährlichen Weg ausgesucht hat, um die Kinder dorthin zu bringen. - Bei den etwas älteren vermutet man, dass die Eltern in Marokko das Geld für die Überfahrt bezahlt haben, damit ihr Kind mehr Chancen in Spanien/Europa hat als sie selber in Marokko. - Allerdings versprechen die Schleuser bei einem Preis von 900,- Euro meist nicht nur die Überfahrt alleine, sondern auch noch eine Arbeitsvermittlung oder zumindest einen Kontakt, an den sie sich wenden können. - Erst ein Opfer ist bislang identifiziert, ein Bekannter, der bereits auf Lanzarote wohnt hat einen der Jugendlichen erkannt und will nun die Überführung des Leichnams nach Marokko beantragen. - Es werden sicher noch mehr Opfer identifiziert werden, die Fotographien der Ertrunkenen werden nun an die marokkanischen Behörden übergeben, damit man dort weitere Ermittlungen anstellen kann. - Überhaupt fordert man hier nun eine bessere Zusammenarbeit mit den marokkanischen Behörden, aber auch mit der dortigen Presse, viel zu selten werde dort über das Schicksal der gestrandeten und auch ertrunkenen Flüchtlinge berichtet, so dass immer noch viele Menschen dort glauben, mit einer Bootsfahrt können man ganz einfach ins Paradies eintauchen und man glaubt den Schleusern immer noch, dass so eine Überfahrt ein Kinderspiel sei. - Wie anders ist es sonst zu erklären, dass Eltern ihre Kinder, die allesamt nicht schwimmen können, in eine Nussschale setzen, um mit fremden Leuten eine Atlantikquerung auf die Kanaren zu unternehmen. - Die 25 Leichen sind nun in diversen Hallen in Lanzarote untergebracht und man hofft nun, so viele wie möglich noch identifizieren zu können, aber dabei ist man auf die Hilfe der marokkanischen Behörden angewiesen und auf etwaige illegal auf Lanzarote wohnende Bekannte oder Verwandte der Opfer. - Für die Überführung der Leichen nach Marokko hat die Inselregierung Lanzarotes und auch die Provinzregierung Hilfen angekündigt, für die anderen wird es auf verschiedenen Gemeindefriedhöfen auf Lanzarote eine letzte Reiseankunft geben.



Freitag 20.02.09 - 07:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 9,8 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 74 % - Luftdruck 1015 hPa

Keinen Bock auf Elite-Käse

Nach dem Vorbild im Weinsektor, wo man gute Erfahrungen gemacht hat mit der Schaffung eines "DO" Denominación de Origen, gründete man hier vor ein paar Jahren eine ähnliche Institution für Ziegenkäse. - Wer seinen Käse unter dem Siegel der "Denominación de Origen Queso Palmero" verkaufen wollte, der musste strenge Qualitätsansprüche erfüllen und unter anderem durfte der als "DO" hergestellte Käse nur aus Ziegenmilch der hier heimischen Rasse "Raza Palmera" sein. - Darüber hinaus bekam auch nur gereifter Käse diese Bezeichnung, der mindestens einen Monat Reifung hinter sich hatte, das Gros im Käsegeschäft hier auf La Palma aber wird mit frischem Ziegenkäse gemacht, gereifter Käse konnte sich hier nie wirklich durchsetzen. - So kam die Vereinigung der Ziegenkäsehersteller die sich auf diese Qualitätsrichtlinien geeinigt hatten, nie über ein Schattendasein auf dem Markt hinaus, lediglich 10% der Ziegenkäseproduzenten unterwarfen sich diesen Standards und eben auch nur mit den gereiften Käsen, was sich in der Gesamtmenge dann sehr mager ausnahm. - Nie gelang es so richtig, das "Käse DO" auch auf dem Markt durchzusetzen, die Verbraucher reagierten nicht positiv auf diese Auszeichnung, so dass die Ziegenkäsehersteller auch keinen wirtschaftlichen Erfolg dieser Maßnahme sahen. - So wurde die Kritik an der Arbeit der Vereinigung auch immer größer, die Landwirte müssen ja Beiträge für das Qualitätssiegel bezahlen, bekommen das aber nicht in besseren Verkaufserfolgen wieder ausgezahlt. - Ob es nun an der mangelhaften Arbeit des Konsortiums gelegen hat, oder einfach weil der Verbraucher dieses "Käse DO" einfach nicht will, das kann man wohl nicht mit Gewissheit sagen, vielleicht ist es auch eine Mischung aus beiden Faktoren.

Der Direktor des "Consejo Regulador de la Denominación de Origen Queso Palmero" also des Verbandes der Käsehersteller unter dem "DO", quittierte seinen Dienst bereits vor ein paar Monaten und nun dümpelt diese Idee als kraftloses und nicht gewolltes Beiwerk durch die Landschaft. - Keiner weiß wie es weitergeht und einen Haushalt für 2009 hat man auch nicht beisammen, so dass man davon ausgehen kann, der Versuch sich mit einem "DO" auf dem Käsemarkt einen Vorteil zu verschaffen und Qualitätsstandards einzurichten, zunächst gescheitert ist. - Das große Problem dabei scheint nun wirklich zu sein, dass dem Verbraucher diese Siegelflut und Hinweise auf irgendwelche Qualitätsstandards völlig egal sind, oder zumindest nicht bereit, dafür mehr Geld auf den Tisch zu legen. - Ob es nun einen erneuten Anlauf geben wird, auch das ist nicht klar, die Landwirte selbst scheinen nicht besonders angetan davon, erneut einen solchen Versuch zu starten. - Man könnte nur darauf warten, dass es politisch gewollt ist, den Ziegenkäsesektor weiter irgendwie mit einer Agentur zu vereinen und so auf Qualität und Marketing zu setzen, aber dann müsste man das völlig neu gestalten und nicht von vorneherein den Großteil aller Landwirte ausschließen, weil sie Ziegen der "falschen" Rasse bei sich zu Hause stehen haben. - Ein erneuter Versuch müsste sich auch mehr um die Vermarktung bemühen, man kann von mir aus den besten Käse der Welt herstellen, wenn den aber keiner kauft, dann ist das brotlose Kunst. - Und Käse ohne Brot, das taugt doch nicht…



Donnerstag 19.02.09 - 19:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 12 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 69 % - Luftdruck 1018 hPa
Höchsttemperatur heute 19,0 Grad - niedrigste Temperatur 12,9 Grad

Kuhschwindel

Manch ein Kuhhandel endet im Kuhschwindel. - Früher, als alles anders war und nur manches besser, da habe ich ja auch mal einen vernünftigen Beruf ausgeübt und der hatte etwas mit Lebensmitteln zu tun. - Genauer gesagt auch mit Obst und Gemüse und da kam es öfter vor, dass wir auf dem Großmarkt immer gestaunt haben, wie denn der Händler xyz immer nur französischen und holländischen Spargel kaufen konnte, aber auf seinem Verkaufsstand immer nur deutschen Spargel anbot. - Etikettenschwindel ist so alt wie das Etikett oder der Schwindel, allerdings ist es manchmal auch gut, wenn nicht immer das drin ist was draufsteht, man denke nur an die Geschichte aus Marokko, wo es Hot Dogs wirklich aus Hundefleisch gab. - Aber das ist Gott sei Dank eine Ausnahme, auch wenn einem nach den vielen Gammelfleisch-Berichten oft der Glaube an seriöse Händler abhanden kommt. - Aber es gibt sie noch, die Fleischer ihres Vertrauens, zumindest haben wir einen, der kann einem noch in die Augen sehen. - Allerdings soll der eine Ausnahme bilden, glaubt man den wenigen Rinderzüchtern die es auf La Palma (noch) gibt, nach deren Meinung schwindeln die meisten Fleischer bei der Aussage, ihr Rindfleisch wäre frische Ware aus La Palma. - Ob nun Rindfleisch aus La Palma wirklich besser ist als anderes Rindfleisch, das lasse ich mal dahingestellt, aber wir kaufen nun mal gerne lokale Produkte und haben dabei immer das klammheimliche Gefühl, der Globalisierung ein kleines Schnippchen geschlagen zu haben. - Gut, die Globalisierung macht sich auch nicht wirklich Gedanken ob solch kleiner Spinner, wohl aber eben die Rinderzüchter hier auf La Palma, die sich um die Früchte, oder in dem Fall Filets ihrer Arbeit betrogen fühlen.

Das ist genau so wie mit dem Mozzarella aus Büffelmilch, so viele Büffel gibt es in Italien gar nicht, wie Büffelmilchmozzarella auf den Markt geworfen wird und genau so argumentieren die Rinderzüchter hier, so viele Kühe haben die gar nicht zum Schlachten gebracht, dass jede zweite Fleischerei hier mit frischen Rindfleisch aus La Palma werben kann. - Meist sei es Rindfleisch vom Festland, oder vakuumiert und frisch aus Südamerika, übrigens von hervorragender Qualität, welches als frisches Rindfleisch aus La Palma über den Tresen geht. - Dabei ist das Rindfleisch von hier nur ein ganz kleines bisschen teurer, aber die Verbraucher greifen schon lieber zu heimischen Produkten, es ist halt doch beruhigend wenn man weiß, dass der eigene Landwirt die Antibiotika gespritzt hat. - Dabei gibt man sich hier große Mühe, mit Stempeln auf dem Fleisch, Zertifikaten und Anhängern die Echtheit des hiesigen Rindfleisches zu bezeugen, aber die Verbraucher lassen sich doch nicht immer den Kaufnachweis zeigen oder kaufen gar gerne ein Stück mit einem Stempel drauf. - Das wäre alles noch nicht so schlimm, gäbe es auch noch die wirklichen Schweinebären der Rinderbranche, die subventioniertes und tiefgefrorenes Rindfleisch auftauen, um es dann als frisches Rindfleisch aus La Palma zu verkaufen. - Das ist natürlich kein Kavaliersdelikt mehr, sondern dreister Schwindel und kriminell, denn es gibt einen gewaltigen Preisunterschied zwischen frischem Rindfleisch und gefrorener Ware aus Lagerbeständen. - Eigentlich kann man es ja sehen, wenn man sich ein bisschen auskennt, ob es sich um aufgetaute Ware handelt oder nicht und wenn der eine Fleischer das "frische Rindfleisch" deutlich billiger anbietet als ein anderer, dann könnte man auch skeptisch werden. - Auch wenn die hiesigen Rinderzüchter behaupten, dieser Etikettenschwindel käme häufig vor, mir ist von Anzeigen oder gar "Fleischskandalen" in dieser Hinsicht nichts bekannt geworden. - Die meisten kümmert es wohl auch nicht, oder die haben genau so viel Vertrauen wie wir zu unserem Fleischer und uns hat das Rindfleisch, wo immer es nun herkommen mag, da immer prächtig geschmeckt.



Donnerstag 19.02.09 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 12 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 68 % - Luftdruck 1017 hPa

Schicksalsvoyeurismus

Es geht uns gut, es geht uns gut, es geht uns gut! - José María Aznar, eigentlich möchte man sich gar nicht so gerne erinnern an den kleinen Demagogen mit dem dunklen Blick, aber der hat mal vor versammelter Ministermannschaft griffig erklärt, welches die Resultate seiner Regierungsbemühungen sind: "España va bien" - (Das ist heute ein geflügeltes Wort, so wie das Spruch "Die Rente ist sicher" in Deutschland.) - Spanien geht es gut, waren seine Worte, und wer es nicht glauben wollte, der wurde mitleidig mit Vergleichen aus allen Regionen der Welt überschüttet. - Das ist ganz einfach, wird bei uns familienintern auch angewandt, wenn wir mal schlecht drauf sind, dann suchen wir uns irgendwelche krummen Vergleiche und erheben uns an dem Leid anderer so lange, bis wir wieder mit aufrechtem Gang und stolz den Tag angehen können. - Anderswo würde man sich freuen, wenn man ein Stück altes Brot hätte und einen kleinen Rest Wurst, oder so ähnlich, allerdings gehören wir ja bereits der Wohlstandsgeneration an und müssen dann oft Vergleiche aus anderen Regionen oder Jahrhunderten heranziehen. - Ähnliche Autosedierung kommt nun aus der Inselregierung, José Luis Perestelo, unser mehr als er selbst glaubt geachteter Chef, hat nun nach Wochen der Stille wieder mal eine Presseerklärung formuliert in der er das Tun, oder sollten wir sagen das Nichttun seiner Regierungsmannschaft verteidigt.

Natürlich alles angesichts der "Krise", die bei uns immer noch in Anführungszeichen gesetzt einher kommt, vielleicht ganz einfach, weil man dann hofft, sie erwischt einen nicht. - Das ist etwa so, wie in den Springer-Blättern, die haben ja DDR auch immer nur "DDR" betitelt und in der Tat, das hat irgendwann geholfen… - Zurück nach La Palma. - Die Arbeitslosigkeit auf unserer Insel steigt stetig an, inzwischen haben wir die Marke von 8.500 Erwerbslosen überschritten und das Hauptthema auch hier in den Kneipen, den Friseursalons und den Taxis ist die "Krise" und deren Auswirkungen. - Man muss sich das vorstellen, 8.500 Arbeitslose auf La Palma, das würde auf Deutschland übersetzt an die 8,5 Millionen Menschen ohne Arbeit bedeuten, löst man sich mal von dem Begriff Arbeitslosenrate, der sich ja auf dem Anteil der aktiven Bevölkerung errechnet, aber wie man aktive Bevölkerung eruiert, das ist in fast allen Ländern unterschiedlich. - Also, die Lage ist schlimm, das bezweifelt keiner und natürlich hat man auch Maßnahmen angeleiert diese Situation zu mildern, Programme nennt man das meistens und neulich erst durften wir vermelden, dass unser inseleigenes "Programm" gegen die steigende Arbeitslosigkeit immerhin 31 neue Arbeitsplätze geschaffen hat, allerdings in einem Zeitraum, in dem 650 andere Menschen ihren Arbeitsplatz verloren haben. - Erfolgsstorys klingen anders, aber wenn man ehrlich ist, dann liegt es auch nicht in der Hand unserer Inselfürsten die "Krise" im Alleingang zu bewältigen. - Aber nun hat man sich des alten Tricks des Schicksalsvoyerismus erinnert und endlich mal den Anstieg der Zahl der Arbeitslosen auf La Palma mit dem auf den anderen Kanareninseln verglichen. - Vielleicht haben die bei mir auch nur nachgelesen, ich hatte es vor Wochen ja schon mal vorgerechnet, La Palma ist die Kanareninsel mit dem geringsten Anstieg der Zahl der Arbeitslosen in den letzten Jahren. - In der Tat, das ist so, allerdings hat La Palma ja auch nie die ganz großen Pendelausschläge mitgemacht und in den Boomjahren Mitte 90 bis Mitte 00 (Wie sich das anhört und wie das aussieht…) nicht den "Aufschwung" hingelegt, wie es zum Beispiel auf Lanzarote und Fuerteventura der Fall war. - Klar, die fallen nun aus den Wolken, die beiden progressiven Inseln und bezahlen bitter und deutlich für vielen Jahre der Hausse, wir aber schwingen deutlich abgefedert weiter und können uns inzwischen auf unseren Lorbeeren des süßen und unschuldigen Nichtstuns ausruhen. - Wenn man erst mal so hilflos ist sich mit anderen vergleichen zu müssen, weil einem sonst nichts mehr einfällt, dann hat man ja auch den Punkt der Selbstachtung eigentlich schon überschritten. - Wir sind doch nicht nur deshalb gut, weil andere schlechter sind, oder?



Mittwoch 18.02.09 - 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 19 Grad - Niederschlag 0,5 mm - Luftfeuchte 51 % - Luftdruck 1019 hPa
Höchsttemperatur heute 20,5 Grad - niedrigste Temperatur 13,4 Grad

Vierbeinige Herbizide

So scheußlich wie sie anzusehen sind, so nützlich sind sie auch. - Ich rede jetzt nicht von Politikern, denn da stimmt das mit dem Nutzen oft nicht, sondern von Brandschneisen, die oft das allerletzte Bollwerk gegen die fatale Ausbreitung von Waldbränden sind. - Solche Brandschneisen, derbe und rau angelegt von Monstermaschinen der Caterpillar-Gattung, nutzen allerdings nur etwas, wenn man mindestens einmal im Jahr die dort erneut aufkeimende Vegetation wieder entfernt. - Das kann man machen, in dem man Nordkoreanern endlich einen Ausbildungsplatz in Sachen Steinzeitkommunismus gibt, oder man schickt Immobilienbanker dahin um das Unkraut zu zupfen, dann sind sie wenigstens runter vom Parkett und können keinen Blödsinn mehr anstellen. - Allerdings wären die Nordkoreaner sicher billiger und die Banker bekommen so schnell Schwielen an den Händen und wie ich die Brüder kenne, geht am Schluss sogar noch der Wald pleite. - Bevor uns dann noch Amnesty International auf die Finger haut wegen der Bodenhaltung der Nordkoreaner, spritzen wir das Unkraut lieber weg, "Round Up" heißt das Teufelszeug, immer schnell und gerne zur Hand, wenn wo was wächst, was dort nicht hin soll. - Das ist allerdings eine ziemliche Ferkelei mit diesem Zeug hier rumzuspritzen, aber was nun die Inselregierung noch mehr antreibt neue Methoden gegen den erneuten Bewuchs der Brandschneisen zu suchen ist der Kostenfaktor. - Man rechnet vor, dass es an die 600.000,- Euro im Jahr kostet die Schneisen frei zu halten, das Gros der Kosten entsteht durch das viele Personal welches man braucht, um die Unkrautvernichter auszubringen.

Nun geht man einen Versuch an, in dem man sich erinnert, dass man sogar noch aus Unkraut und dessen Vernichtung eine "win-win-Situation" basteln kann, weil Unkraut auch Futter sein kann. - Nach jahrelangem Studium und intensiver Forschung ist es schließlich gelungen, die idealen Fressmaschinen gegen rezenten Brandschneisenbewuchs zu finden. Es handelt sich dabei um höchst spezifische Exemplare der Gattungen Capra aegagrus hircus sowie Ovis orientalis aries, die man sogar noch hier auf der Insel in geschützten Beständen rekrutieren konnte. - Denn Ziegen und Schafe gibt es reichlich hier auf der Insel und die fressen einem schon den Boden ziemlich kahl, wenn man sie nicht nach links oder rechts ausbüchsen lässt. - Dann kann man auch noch trickreich sein und erst die Schafe ein Stück beweiden lassen und anschließend die Ziegen, denn die Tiere sind auch noch auf unterschiedliche Pflanzen scharf und erledigen auf diese Art und Weise fast sämtlichen Bewuchs auf den Brandschneisen. - Nun hat man Elektrozäune angeschafft, damit man die biologischen Unkrautvernichtungsmaschinen auch da halten kann wo man will und verlegt dann die Zäune nachdem der gewünschte Effekt eingetreten ist. - Bislang läuft das nur als Versuch, aber man ist frohgemut und zuversichtlich, endlich auf Nordkoreaner, Immobilienbanker und Round Up verzichten zu können. - Man könnte das ja sogar weiterspinnen und neben dem Weltbiosphärenreservatsziegenkäse auch noch einen Brandschneisenrohmilchchevregrandcru auflegen. - Mir gefällt diese Idee gut, und nun muss ich der Inselregierung nur noch klar machen, dass auch ich in meinem Garten dringend eine Brandschneise brauche, anders werde ich dem Unkraut nicht mehr Herr. - Und da ich ein ganz klein bisschen bio-angehaucht bin kommt Round Up nicht in Frage, vor Immobilienbankern habe ich schlichtweg Angst und Nordkoreaner sind im Moment ganz schwer zu bekommen.



Mittwoch 18.02.09 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 13 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 80 % - Luftdruck 1018 hPa

Das Konzert steht in den Sternen

Für den Sommer dieses Jahres, man spekuliert im Juli könnte es so weit sein, soll das größte optische Spiegelteleskop der Welt, das "Grantecan" auf dem Roque de los Muchachos eröffnet werden. - Damit spielt La Palma endgültig auf der nördlichen Hemisphäre die erste Geige was Astrophysik angeht und um diese grandiose Geschichte ausreichend zu würdigen, hat man ein Konzert auf dem höchsten Berg der Insel geplant, welches von wirklichen "Sternen" der Rockmusik angeheizt werden soll. - Brian May und Jean-Michel Jarre gelten als gesetzt, wobei letzterer sogar ein "Sternenkonzert" komponieren soll, welches dann unter dem Titel "Música da las Estrellas" für eine adäquate Einweihung dieses Himmelsobservatoriums sorgen soll. - Zwischendurch hat man noch von weiteren illustren Persönlichkeiten hören können, die auch Interesse an diesem "Event" zeigen sollen, aber bislang steht, oder stand der Termin noch nicht mal hundertprozentig fest, was natürlich die Planungsarbeiten sehr erschwert. - Nun kommt eine weitere unangenehme Meldung über die Presse geschüttet, jetzt fehlt auch noch Geld um das Konzert anständig zu organisieren, die Provinzregierung stellt nun doch nicht so viele Mittel zur Verfügung wie gedacht und nun muss man sich um weitere Sponsoren bemühen, welche die enormen Kosten für das Konzert schultern können. - Um wie viel Geld es geht, lässt man uns aber nicht wissen, allerdings vermute ich mal, dass es meinen eigenen "Kulturhaushalt" doch übersteigt und eher was für Heineken oder Coca Cola ist.

Liest man dann mal auf der Webseite vom Jarre Hans-Michel nach, dann kommt einem eh der Verdacht, dieses Konzert sei zwar auch ein brennendes Anliegen der hiesigen Politik, aber dass so etwas Geld kostet und dieses Konzert bei weitem noch nicht "in trockenen Tüchern" ist, sondern immer noch "in den Sternen steht", ist bei den meisten feierlaunigen Honoratioren noch nicht angekommen. - Dr. Garik Israelien, Astrophysiker beim "IAC" (Instituto Astrofísico de Canarias), dem mächtigen wie äußerst knauserigen Institut wenn es um Öffentlichkeitsarbeit geht, ist der Antreiber in Sachen Sternenkonzert und reist nun um die halbe Welt, um Sponsoren für das Konzert zu suchen. - Allerdings ist noch nichts Konkretes zu melden, so dass man die Worte Garik Israelines, "We'll see what happens, but I'm still optimistic", wohl doch als Alarmsignal werten muss, dringend braucht man Sponsoren um dieses Konzert durchführen zu können. - In Krisenzeiten darf man eben auch nicht zu viel von den politischen Kreisen erhoffen, die trauen sich zwar Uniformen zu kaufen für eine Polizeitruppe die hier auf den Kanaren keiner braucht und will, (Policía Canaria), aber wenn man solch ein monumentales Konzert sponsern soll, dann kommt gleich immer wieder der Satz: "Das kann man den Bürgern in Zeiten der Finanzkrise nicht vermitteln". - Überhaupt gibt es da reichliche Diskrepanzen, seitens der Behörden scheint man den Image- und Werbefaktor der Sternwarte auf La Palma noch nicht richtig einzuordnen, es gibt sogar bäuerliche Brummeleien aus der Inselregierung, die tatsächlich die Frage stellen, was denn diese Observatorien überhaupt für La Palma bringen. - Dabei ist der Werbeeffekt welche die modernste und leistungsfähigste Sternwarte auf der nördlichen Hemisphäre für La Palma bewirkt unbezahlbar und rückt das Bild dieser Insel wohltuend aus dem Kanaren-Sonne-Strand-Umweltsünde-Bauboom-Allinclusive-Timesharing-Allerlei und positiv heraus. - Dieses Konzert auf dem höchsten Berg hier auf La Palma wäre der absolute Sommerknüller und würde sicherlich in ganz viele Länder dieser Erde ausgestrahlt, man muss aber auch ein bisschen was dafür tun und nicht nur Garik Israelien, Brian May und Jean-Michel Jarre dafür arbeiten lassen.



´ Dienstag 17.02.09 - 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 57 % - Luftdruck 1018 hPa
Höchsttemperatur heute 21,5 Grad - niedrigste Temperatur 12,6 Grad

Aufrüstung bei den lokalen Produkten

Manchmal wäre es gut, den kleinen Italiener in uns zu wecken. - Nicht wegen der Autos, oder weil die so guten Kaffee oder Pizza machen, darüber kann man sogar streiten, aber wohl nicht darüber, dass sie die Besten sind wenn es darum geht irgendwelche Produkte lockend zu verpacken. - Produktdesign nennt man so etwas und diese Fähigkeit scheint in weiten Teilen an uns vorübergegangen zu sein. - Da produzieren wir leckerste Dinge und sehen oft aus wie handgefriemelt in Karl-Marx-Stadt, mögen es mir die Chemnitzer verzeihen, aber ich glaube schon, dass man mich verstanden hat. - Überhaupt herrscht bei uns immer noch ein bisschen Unsicherheit mit den simpelsten Regeln der Marktwirtschaft, oft ist es uns egal, ob für ein Produkt ein Markt besteht, wir stellen es her, packen es in Butterbrotpapier und wundern uns, dass keiner die höchst erlesene Spezialität kauft. - Das können die Italiener deutlich besser, die packen furztrockene Mandelkekse in stylische Packungen und schon kaut die gesamte Mittelklasse-Astrafahrerschickeria in Europa um den Zahnarzt buhlende Kekse. - Unsere Almendrados schmecken viel besser, das haben mir die vielen Italiener auf der Messe in Lugano auch bestätigt, aber so wie wir die Dinger auf Styropor klatschen und dann Haushaltsfolie nach Gutsherrenart darüber ziehen, so kann das nichts werden. - Einzig auf dem Weinsektor hat sich ein bisschen was getan, die Bodegas Tamanca und Vega Norte haben an ihrem äußeren Image gefeilt, was dem Abverkauf auch sehr gut tut, wissen wir doch, dass das Auge nicht nur mitisst, mittrinkt, sondern auch am Weinregal Kaufimpulse verleiht. - Erst neulich durfte ich darüber berichten, dass nun unser Tafelwasser, abgefüllt vom Brunnen "Aguas de La Palma" endlich die Bezeichnung "Natürliches Mineralwasser" führen darf und man sich auch gleich ein neues Etikett dazu gönnte. - Gut die Idee, mit der Aufwertung zu Mineralwasser und auf das neue Etikett habe ich mich geradezu gefreut, allerdings wurde ich ebenso enttäuscht, ein wirklich weiter Wurf ist das nicht, gleiche Farben, gleiche Größe, (wobei "Kleine" eigentlich das richtigere Wort ist) und La Palma sieht auf der Grafik aus wie ein kariöser Zahn. - Mag sein, dass das ein sehr subjektiver Eindruck ist, aber man sehe sich doch mal andere Mineralwasserflaschen an, da wirkt unser Wasser, so wunderbar es auch sein mag, dann wieder wie "Bauerntrunk".

Vielleicht ist es unsere angeborene Bescheidenheit, die wir sonst nur loswerden wenn wir die politische Laufbahn einschlagen, oder aber es ist der abgehackte Horizont, den Insulaner nun mal haben und wir über unseren Tellerrand einfach nicht hinaussehen wollen. - Auch bei der Produktwahl gibt es Nischen, so groß wie Scheunentore und es dauert Jahre, bis wir auch nur annähernd darauf kommen könnten, diese Nischen mal zu belegen. - Aber immerhin, auch wenn es lange dauert, man muss es angehen und wenn es sich dann gelohnt hat, dann kommt auch so was wie ein Lerneffekt auf. - Die Saline in Fuencaliente, ich gebe es zu, so mit mein Lieblingsbetrieb auf La Palma, auch weil Andrés so ein netter Kerl ist, hat nun endlich seit zwei Jahren großen Erfolg mit dem "Flor de Sal". - Da hat er sich auch jahrelang dagegen gesträubt, weil das eigentlich gar keine traditionelles Produkt ist, aber nun hat er Probleme die Mengen heranzuschaffen, die Händler, auch Großhändler aus Deutschland reißen ihm das "Modesalz" aus der Hand, sogar ohne über den Preis zu feilschen. - Nun will er nachlegen, nachdem er mitbekommen hat, wie erfolgreich andere sein Salz mit Kräutern mischen und dann zu einem deutlich interessanteren Preis als für sein normales Speisesalz, Salz auf den Markt bringen und das auch noch sehr erfolgreich. - Nun will auch er daran gehen, Kräutersalze herzustellen, natürlich mit biologisch auf La Palma gezogenem Grünzeug. - Brav ist der Andrés und wenn er sich gut bei den Verpackungen und bei der Preisgestaltung beraten lässt, dann kann man sogar in unserer globalisierten Welt mit einer furzkleinen Saline, in der man jede Schippe Salz per Hand "nach Hause" trägt, am allerletzten Zipfel einer kleinen Insel in Europa Geld verdienen. - Wenn es soweit ist, dass Andrés sein Kräutersalz hat, dann können Sie sich sicher sein, dass Sie davon erfahren. - Badesalze will er übrigens auch anmischen, Wellness ist "In" und wann begreifen wir es endlich, dass man die Dinge nicht nur herstellen, sondern auch noch verkaufen muss, damit die Marktwirtschaft auch ihren ökonomischen Segen über unser Schmurucheln ausbreitet.




Links das neue Etikett, mit dem hohlen Zahn, rechts die alte Flasche




Dienstag 17.02.09 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 12 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 76 % - Luftdruck 1016 hPa

Wo liegt das Problem mit dem Tierheim?

Es ist schon äußerst interessant. - Da sind sich alle politischen und gesellschaftlichen Kräfte einig, so einig wie noch nie, La Palma braucht endlich ein Tierheim, aber nichts geschieht. - Alle Augen richten sich nun seit einem Jahr auf die Inselregierung, denen hat man nicht nur die Aufgabe ein solches Heim zu erstellen und zu betreiben aufgetragen, sondern unser Inselpräsident hat auch zugesagt, sich darum zu bemühen. - In dieser Zusage allerdings steckt auch eine Klausel, es müsse erst der Konsens aller politischen und gesellschaftlichen Gruppen gefunden werden. - Das würde sich ja nun eigentlich widersprechen, denn jeder, aber wirklich jeder hier auf La Palma fordert endlich eine Antwort auf die vielen herren- oder frauenlosen Tiere auf der Insel. - Wobei da schon der Twist beginnt, wenn man genau zuhört. - Manchen geht es nämlich ausschließlich um Hunde, sicherlich der größte Posten wenn wir von dringendem Handlungsbedarf sprechen, andere fordern eine Komplettlösung, also nicht nur eine Auffangstation für Hunde, sondern ein wirkliches Tierheim welches sich um alle Arten kümmern kann. - Weiteres Fragezeichen, wie soll so eine Anlage funktionieren und was sind die Ziele dieses Tierheimes. - Will man lediglich auffangen, gesunden, füttern und dann "entsorgen" oder will man die Tiere auch wieder vermitteln, um den Haustieren, hier sicherlich nur Hunde und Katzen, auch wieder in Menschenhände zu geben. - Oder will man nur einen großen Zaun ziehen und da alles reinwerfen was anderswo stört und dann vergessen? - Beim Vermitteln gibt es nämlich das Problem, dass gerade Tiere die von Menschen verstoßen wurden, sicherlich nicht wieder vermittelbar sind, man müsste sich also auch auf Langzeitgäste einstellen oder eben auch mit der Tötung von Problemtieren befassen müssen. - Und schließlich, wer betreibt das Tierheim oder Auffanglager und wer bestimmt dann wo es lang geht und wer fängt dann die Kritiken auf, die es am Betrieb der Anlage geben wird.

Das waren jetzt nur die gesellschaftlichen Probleme, es gibt deren aber noch mehr auf der verwaltungstechnischen Seite und vor allem an der finanziellen Front. - Grundsätzlich ist es nämlich so, dass eigentlich die Inselregierung für das "Problem" Haustiere gar nicht zuständig ist, sondern die Gemeinden. - Es wäre aber komplett unsinnig, nun auf La Palma 14 Tierheime erstellen zu wollen, finanziell überhaupt nicht machbar, da käme nur die Idee von 14 eingezäunten Plätzen zum tragen, über deren Zäune man ab und zu einen Brocken Fleisch wirft. - Es wird auch keine Gemeinde vorpreschen und sagen, wir errichten ein Heim, denn dann wäre allen klar, wunderbar, dorthin entsorgen wir unsere "Probleme". - Also muss wohl inselweit gehandelt werden, aber die Inselregierung muss erst die Finanzierung klar machen und da sind wiederum die Gemeinden gefragt, die natürlich ihren Teil dazu beitragen müssen. - Nun will aber Fuencaliente sicherlich nicht so viel bezahlen wie Los Llanos das könnte und schon wieder steckt das Projekt fest, bis man die Zusage aller Beteiligter hat. - Auch muss man einen Platz suchen, der muss von der entsprechenden Gemeinde an die Inselregierung übergeben werden und eine Rechtsform gefunden, unter welcher die Anlage laufen könnte. - Angeblich hat man sogar drei Gemeinden, die bereit wären den Platz für ein Tierheim zu geben, Tijarafe ist da im Gespräch, der Sprecher der Partido Popular auf La Palma bringt aber auch Breña Alta und Santa Cruz als mögliche Standorte vor. - Bei aller Kritik über die lange Wartezeit muss man der Inselregierung zugestehen, dass die ein Projekt verwirklichen will, welches eigentlich so nicht vorgesehen ist und für welches es keine Statuten gibt, an die man sich halten könnte. - Der einfache Vorwurf, die wollen nicht, liegt zwar auf der Hand wenn man sich die Zurückhaltung ansieht, mit welcher man das Projekt Tierheim angeht, aber aus den Fingern schnippen können die das auch nicht. - Dennoch muss man antreiben, wir werden keine andere Korporation finden, die ein Tierheim sinnvoll betreiben kann und schließlich ist eine Inselregierung dazu da, die dringenden Probleme der Insel zu lösen. - Sicher darf man auch anführen, wir liegen gerade in der Mitte einer Legislaturperiode und Wahlen stehen erst wieder im Mai 2011 auf dem Plan, also kann man sich seitens der Politiker noch mit populistischen Maßnahmen Zeit lassen. - Vielleicht tröstet uns das ja nach all den vielen Jahren Wartezeit, dass wir die Hoffnung besitzen können, vor 2011 tritt da noch jemand aus seinem Schatten heraus und hängt sich die Lorbeeren um, die da heißen: Das erste Tierheim der Insel La Palma geht nun in Betrieb.

Nachtrag noch zur Flüchtlingstragödie vor der Küste Lanzarotes. Man hat nun die Zahl der Opfer auf 21 korrigiert, nachdem manche Medien bereits von 24 und mehr Toten gesprochen haben. - Beruhigen kann mich das auch nicht.



Montag 16.02.09 - 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 57 % - Luftdruck 1015 hPa
Höchsttemperatur heute 21,7 Grad - niedrigste Temperatur 11,8 Grad

Die meisten Opfer waren Jugendliche

Um der makabren Statistik genüge zu tun, inzwischen hat man 22 Leichen bergen können, 14 davon Jugendliche bei denen man das Alter zwischen 7 und 17 Jahren angibt. - Zwei weitere Tote wurden gesichtet und wohl in den nächsten Stunden an Land gebracht. - Das ist vorerst die Bilanz des Versuches bei uns auf den Kanaren ein besseres Leben zu führen als in den Heimatländern aus denen die Verzweifelten die Reise begonnen haben. - Am Samstag noch bei Dunkelheit sei das viel zu kleine Schiff bei Tanger losgefahren und war dann am Sonntagabend bei "Los Cocoteros" in der Gemeinde Teguise auf Lanzarote angekommen. - Die Helfer berichten, das Boot sei nur 20 Meter vor dem Ufer gekentert, was die ganze Angelegenheit noch tragischer macht. - Wie viele Menschen schließlich an Bord waren, das kann man jetzt auch noch nicht sagen, 24 sind definitiv tot, 6 konnten gerettet werden und die Lokalpolizei vermutet, dass bis zu 4 weitere Personen von dem Boot das Ufer schwimmend erreichen konnten und sich nun auf Lanzarote versteckt halten. - Das wären bislang 34 Menschen auf einem Boot von fünf Meter Länge, das kann gar nicht gut gehen meint man da zu ahnen und das Tragische ist nun, dass dieses Boot so nahe an der Küste kentert und kaum einer der Reisenden schwimmen kann und nur ganze sechs Menschen gerettet werden. - Da man unerkannt das Ufer erreichen wollte suchte sich der Bootsführer, der unter den Toten vermutet wird, eben auch eine Stelle aus, die wenig frequentiert wird, so dass nur zwei Jugendliche zufällig dort waren, einer mit einem Surfbrett, welches sich dann noch als äußerst nützlich erweisen sollte. - Die Behörden können nicht ausschließen, dass noch mehr Leichen gefunden werden, viele können es aber nicht mehr sein, noch mehr Menschen gehen einfach nicht auf so ein kleines Boot.

Neben all der Bestürzung über den tragischen Tod so vieler Menschen, hört man bereits aber auch wieder die ersten Kritiken an der Überwachung unserer Küsten. - In der Tat scheint man nicht gänzlich auf dem Laufenden zu sein, was sich denn da draußen tut, immer wieder gelingt es Flüchtlingsbooten unentdeckt an unseren Küsten anzulegen. - Meist wollen die Flüchtlinge sogar entdeckt werden, das ist meist der Fall wenn die "Boatpeople" aus dem südlichen Westafrika kommen, die warten dann, wenigstens lebend in Lagern auf den Kanarischen Inseln um irgendwann aufs spanische Festland gebracht zu werden. - Gelingt dann nicht innerhalb von 40 Tage die Ausweisung, dann dürfen die illegalen Immigranten im Land bleiben. - Oft liegt der Fall aber bei den kleineren Booten aus Marokko kommend anders, die wollen meist unentdeckt an Land gehen, denn viele von ihnen sind nicht das erste Mal auf den Kanaren, sondern wurden bereits früher mal zurückgeschickt und wenn man diese Flüchtlinge dann aufgreift, dann droht ihnen nicht nur hier auf den Kanaren die sofortige Abschiebung nach Marokko, sondern dort auch noch eine empfindliche Strafe. - Oder aber der Bootsführer wollte nicht geschnappt werden und steuerte deswegen eine menschenleere Stelle an unserer Küste an, vielleicht werden wir es nie wirklich erfahren. - Das Radarsystem welches unsere Küsten überwachen soll, genannt "SIVE " (Sistema Integral de Vigilancia Exterior) und so eben auch die Flüchtlingsboote rechtzeitig ausmachen, hat wohl funktioniert, aber es ist schon ein technisches Problem, ein nur fünf Meter langes und noch dazu flaches Gefährt auf dem Atlantik zwischen den hohen Wellen zu entdecken. - So zumindest heißt es von den für das Radar verantwortlichen Kreisen und wenn die Boote erstmal ganz nah der Küste sind, dann kann man nicht jedes Echo verfolgen, da sich unzählige kleine Fischer- und Sportboote vor den Kanaren tummeln. - Man hat auch ein bisschen das Gefühl, die Schuld nun gerne irgendjemandem, oder noch besser fehlerhafter Technik zu überlassen, dann müsste man sich nicht zu lange mit dem Gesamtkontext der grausamen Tatsache beschäftigen, dass hier erneut Menschen gestorben sind, weil wir denen nicht das geben wollen, was für uns scheinbar verbrieftes Recht ist. - Alleine die Tatsache, dass Menschen ihre Heimat verlassen müssen, wir reden hier nicht von wollen, um ihren Lebensunterhalt verdienen zu können, ist schon skandalös genug. - Helfen würde auf die Dauer nur eine wirkliche Angleichung der Lebensverhältnisse weltweit, sonst wird es immer Flüchtlinge geben. - Aber wer von uns Satten will das denn schon zwingend, denn das würde bedeuten, dass wir viel abgeben müssten und welche Despoten in den Regierungen der ärmeren Ländern setzen eingebrachte Hilfen schon positiv um. - So werden wir uns, beschämt oder nicht, mit Schuldgefühlen oder ohne, wohl daran gewöhnen, dass andere Menschen, bei dem Versuch das zu erlangen was wir mit der Geburt geschenkt bekommen haben, sterben müssen.



Montag 16.02.09 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 12 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 69 % - Luftdruck 1012 hPa

Erneute Flüchtlingstragödie vor der Küste Lanzarotes

Nach neuesten Berichten beziffert man nun die Zahl der Ertrunkenen Flüchtlinge auf 22 Personen, die auf dem Weg in einem kleinen Boot von Marokko aus versucht haben, in Lanzarote unbemerkt an Land zu gelangen. - Die allermeisten Opfer werden noch vermisst, aber man schätzt die Wahrscheinlichkeit, dass es noch weitere Überlebende gibt, als äußerst gering ein. - Sechs Flüchtlinge konnten lebend geborgen werden, gerettet von zwei Jugendlichen, die sich zufällig an der Küste dort bei Los Cocoteros an der Costa Teguise aufhielten. - Die beiden jungen Männer sprangen ins Wasser und konnten in den wenigen Fällen noch helfen, während andere, nun zur Hilfe eilenden Nachbarn, nur noch Rettungsringe ins Wasser werfen konnten oder von Booten aus Hilfe anbieten. - Allerdings war es dann für die meisten Insassen des kleinen, wohl nur fünf Meter langen Bootes schon zu spät, nach Aussage der beiden Jugendlichen kenterte es nur wenige Meter vor der Küste aus unbekannten Gründen und trieb dann kopfüber im Wasser. - Später, als die professionellen Rettungskräfte eintrafen, gab es für die Helfer bereits nichts mehr zu tun, außer die sechs Geretteten ins Krankenhaus zu bringen und bereits die ersten Leichen aus dem Wasser zu bergen. Das Unglück selbst fand wohl gegen 18:30 Uhr statt, so dass die bald einsetzende Dämmerung und folgende Dunkelheit die Suchmaßnahmen natürlich deutlich erschwerten. - Bis 23:00 Uhr setzte man die Suche fort und konnte aber nur vier Tote aus dem Wasser bergen, darunter ein Mädchen von acht Jahren. - Auf dem Boot fuhren wohl insgesamt 28 Personen aus dem südlichen Marokko und versuchten unerkannt an Land zu gelangen, die Zahl weiß man von einem der Überlebenden, obwohl man nicht ausschließen will, dass noch ein paar Menschen mehr, oder auch weniger auf dem Boot waren. - Über die genaue Herkunft der Flüchtlinge wird noch spekuliert, es gibt wenig gefestigte Nachrichten über den Vorfall bislang, im Laufe des heutigen Tages wird man sicher mehr erfahren können.

28 Menschen auf einem Boot von gerade mal fünf Meter Länge, das geht natürlich nicht gut und es ist ein Wunder, dass man damit überhaupt in die Nähe der Küste gelangt ist. - Dass solche Flüchtlingsboote kentern, das erlebt man nicht das erste Mal, oft ist es die aufkommenden Unruhe der Passagiere vor der nahen Küste und dann natürlich die Brandung, die ihren Teil dazu beträgt, ein ohnehin schon höchst instabiles Gefährt dann zum Kentern zu bringen. - So versucht man auch meist, die Boote noch auf See zu entdecken und dann in einen sicheren Hafen zu schleppen, aber dieses Boot wurde nicht entdeckt. - Ob man daraus den Behörden einen Vorwurf knüpfen sollte, das wird man diskutieren, es fahren viele kleine Boote vor der Küste Lanzarotes herum und wie soll man nun genau darauf kommen, dass in einem davon viel zu viele Menschen sitzen, die eben auch noch unerkannt an Land gelangen wollen. - Flüchtlingsboote, die auf den Kanaren landen sind fast Tagesordnung, mal kommen sie in kleineren Booten aus Marokko, wie es in diesem Fall gewesen sein muss, oder aber mit längeren "cayucos" aus Mauretanien oder dem Senegal, die landen dann meist auf Tenerife oder auch El Hierro, ganz einfach weil man sich so von Süden den Kanaren her nähert. - Allerdings hat sich die Zahl der Flüchtlinge in den letzten Jahren stark verringert, die europäische Grenzpolizei "Frontex" ist inzwischen vor der afrikanischen Küste stark präsent und hat dafür gesorgt, dass der große Flüchtlingsstrom nun wohl wieder übers Mittelmeer läuft, wie man den Meldungen über andauernde Landungen in Lampedusa entnehmen kann. - Eigentlich ist man hier auf den Kanaren, eben nachdem der große Ansturm vorüber schien, schon zur Tagesordnung übergegangen und kümmert sich nun mehr um die eigenen Krisen und Befindlichkeiten. - Dieses Drama mit den vielen Toten wird natürlich jetzt erneut die Diskussion um illegale Einwanderung anheizen, leider sofort wieder mit parteipolitischen Interessen unterlegt. - Eine Schande gegenüber den vielen unbekannten Opfern, die einfach nur versucht haben auch das zu haben, was wir als unser Geburtsrecht annehmen und auch so verteidigen, das Glück auf der richtigen Seite des Ozeans geboren worden zu sein.



Sonntag 15.02.09 - 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 57 % - Luftdruck 1013 hPa
Höchsttemperatur heute 19,0 Grad - niedrigste Temperatur 10,4 Grad

Kurznachrichten

Die Avocados des Nachbarn. - Aus Zorn über irgendwelche Streitigkeiten riss ein junger Mann aus Tazacorte einem Bekannten seine ganzen Avocado-Bäume heraus, die er erst vor kurzer Zeit angepflanzt hatte. - Es wird ein Schaden von 1.200 Euro angegeben, so dass der zornige Herr nicht wenige Avocados eliminiert haben muss. - Die Guardia Civil hat den Baumschubser erwischt und jetzt darf man mal gespannt sein, warum diese vegetative Art der Rache stattgefunden hat. - Vielleicht gibt es ja auch ein pfiffiges Gericht, welches den Baummörder dazu verdonnert, die Avocados wieder einzupflanzen.

2.200 Feuerwehreinsätze im vergangenen Jahr. - So oft wurden die freiwilligen Feuerwehren auf La Palma gerufen und mit weitem Abstand ist die Wache in Los Llanos die meistbegehrte Einheit. - Fast die Hälfte aller Einsätze gingen an die wackeren Jungs in der Aridanemetropole, 493 mal musste die Feuerwehr in Santa Cruz ausrücken, 491 mal die in den "Breñas und 149 Einsätze kamen auf die "bomberos" in San Andrés y Sauces. - Allerdings waren insgesamt nur 302 Einsätze wegen irgendwelcher Feuer, man wurde selbst wegen Türöffnungen häufiger gerufen als wegen irgendwelcher Brände. - Wusste ich gar nicht, dass man die Feuerwehr rufen kann, wenn man seinen Haustürschlüssel verlegt hat.

Indianerflieger. - Für den emblematischen Tag des palmerischen Karnveals, den "Día de los Indianos" setzt die Fluggesellschaft Binter Canarias zehn Sondermaschinen ein. - Am 20. und 21. Februar werden diese Maschinen noch zusätzlich aus Tenerife und Gran Canaria eingesetzt. - Die andere Fluggesellschaft, Islas Airways hat auch bereits angekündigt mehr Flüge an Karneval nach La Palma einzusetzen, allerdings nicht gleich in dieser Größenordnung wie es die Binter Canarias macht. - Alle Narren nach La Palma, wobei ich eigentlich immer dachte, wir hätten schon genügend hier.

Neues Polizeiauto in Los Llanos. - Anstatt von überfahrenen Hühnern zu berichten, kann man auch über Polizeiautos schreiben. - Einen "Van" hat nun die Lokalpolizei von Los Llanos erhalten, in dem man nicht nur schwere Jungs und leichte Mädels verfolgen kann, das Sondermodell dient auch als mobiles Büro, in dem man dann gleich die Anzeigen schreiben kann. - Dazu ist das Fahrzeug mit allen notwendigen technischen Utensilien ausgestattet wie es heißt, also Kugelschreiber und Papier. - Solche herausragenden Merkmale schlagen sich natürlich in den Anschaffungskosten nieder, 39.000 Euro hat man für das Fahrzeug auf den Tisch legen müssen. -

Keiner kam durch. - Wie wir eben von unserer Sportreporterin von der kleinen Insel El Hierro erfahren durften, hat sich kein Athlet aus La Palma dort auf den kanarischen Meisterschaften im Cross-Lauf für die nationalen Meisterschaften klassifizieren können. - Hinteres Mittelfeld, oder mittleres Hinterfeld, so liefen unsere tapferen Läufer durch die Ziellinie, allerdings zählte bei der bunten Truppe, die da nach El Hierro gereist ist, sowieso eher der olympische oder gar der touristische Geist. - Immerhin gab es schmucke Trikots von der Inselregierung, ein bezahltes Wochenende auf El Hierro, dafür lohnt sich schon ein bisschen Lauferei. - Nächste Saison aber, da will man angreifen und irgendwann mal einen Champion auch aus La Palma auf die nationalen Meisterschaften schicken.





Sonntag 15.02.09 - 09:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 12 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 77 % - Luftdruck 1012 hPa

Privatisierung der städtischen Wasserversorgungen

In vielen Gemeinden La Palmas hat man die städtische Wasserversorgung bereits in private Hände gegeben. - Für die Gemeinden selbst zahlt sich das sogar in klingender Münze aus, meist werden die Konzessionen für den langen Zeitraum von 25 Jahren vergeben und die Versorgerfirmen zahlen dafür Millionenbeträge. Drei Firmen bewerben sich dazu auf La Palma, die "Canaragua", die "Valoriza Agua" und die "Aqualia". - Allerdings ist auf La Palma bislang nur "Canaragua" zum Zuge gekommen, was die anderen beiden Gesellschaften auch schon per Gerichtsentscheid angefochten haben, so muss man zum Beispiel auch in El Paso die im Jahre 2005 verteilte Lizenz an "Canaragua" neu ausschreiben. - Allerdings wissen wir noch nicht so genau wann das sein muss, so lange betreut diese Firma unsere Wasserversorgung weiter und wie ich als Konsument beurteilen kann, zuverlässig und ohne Probleme. Auch sind die Wasserpreise nach der Privatisierung nicht angestiegen, dem Verbraucher sollte es also egal sein, ob er aus öffentlicher Hand oder aus der Leitung einer Versorgerfirma sein Wasser erhält. - In der Hauptstadt Santa Cruz ist es wohl noch nicht entschieden, ob "Valoriza Agua" und die "Aqualia" eine Neuausschreibung erzwingen können, denn auch dort ist "Canaragua" tätig und liefert nun einen ersten Tätigkeitsbericht nach einem Jahr ab. - Nur für Außenstehende ist erstaunlich, dass man in der Hauptstadt nun mehr Wasser an Abnehmer berechnen kann als früher, obwohl die Anzahl der Bewohner deutlich gesunken ist. - Das liegt ganz einfach an den vielen Haushalten die zwar von der Gemeinde ihr Wasser bezogen hatten, aber nie dafür eine Rechnung erhielten. - Wollen wir das mal einen Formfehler nennen, wobei böse Zungen behaupten, es sei üblich gewesen sich einfach an die städtischen Leitungen zu klemmen, ohne Zähler und damit auch ohne Rechnung. - Manchmal haben die bösen Zungen auch recht, aber man muss das doch nicht immer so burschikos ausdrücken…

In der Tat berichten die Mitarbeiter von "Canaragua" von aufgebrachten Kunden, denen das Wasser abgedreht wurde. - Diese "Kunden" kamen sich nun beschweren, konnten aber nie eine Rechnung vorweisen oder gar eine Zählernummer, anhand überhaupt festgestellt werden kann, wie hoch der Wasserverbrauch des Kunden ist. - Man wollte seitens der Firma "Canaragua" nicht mitteilen, wie viele Kunden denn auf Grund von "Formfehlern" keine Rechnung erhalten haben, wahrscheinlich mit Rücksicht auf die Techniker der Stadtverwaltung, deren Aufgabe es früher gewesen war, solche Praktiken zu verhindern. - Zweite Großbaustelle in der Hauptstadt sind die vielen Lecks in der Wasserver- und Entsorgung, das Leitungsnetz ist in die Jahre gekommen und allein im ersten Jahr nach der Übernahme durch "Canaragua", haben man den Verlust an Wasser von 60% auf nunmehr 20% drücken können. - Man muss sich das mal vorstellen, früher verschwanden von 100 eingeleiteten Litern Wasser deren 60, meist aus Leckagen in den Leitungen, aber eben auch an Abnehmer die niemals dafür bezahlen mussten. - So wird auch langsam klar, warum ein bislang defizitärer Bereicht der öffentlichen Versorgung in der Hand eines privaten Unternehmens zu einem gewinnträchtigen Geschäft gewandelt werden kann. - Man könnte ja nun aus diesem Schluss auch die Lehre ziehen, vielleicht auch die Politik endlich effizient und zukunftsgewandt zu machen, in dem man die Parteien privatisiert. - Aber davor muss ich aus praktischen Gründen warnen, das ist nämlich hier mit der Coalición Canaria S.L. längst geschehen, die arbeiten zwar äußerst effektiv, aber nur zum eigenen Wohl und schütten alle Dividenden wieder nach hinten in die eigenen Reihen.



Samstag 14.02.09 - 19:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 64 % - Luftdruck 1012 hPa
Höchsttemperatur heute 19,9 Grad - niedrigste Temperatur 11,0 Grad

Kampf um die besten Plätze

Es wird sich herumgesprochen haben, dass wir inzwischen ein äußerst feliner Haushalt sind, neben den drei Frauen, die solche Berechtigungen wie leibliche Kinder zu sein, oder gar einen Trauschein vorweisen können, bestimmen auch noch drei Eunuchen der schnurrenden Art meinen Alltag. - Da heißt es cool bleiben und nicht immer gleich den Rückzug antreten, wenn es mal darum geht, seine eigene Position behaupten zu wollen. - Das meine ich nun gar nicht argumentativ, der Zug ist eh schon lange abgefahren, oder haben Sie mal versucht mit drei Frauen im noch, oder bereits lästerhaften Alter, über samstagabendliches Unterhaltungsfernsehen zu diskutieren? - Da hilft nur noch auf einsamen Cowboy in der Männeraufbewahrungsstation zu machen, da stehen schon genügend andere Kandidaten herum, die auch versucht haben zu argumentieren. - Aber das ist ja nicht weiter schlimm, denn eigentlich ist ja das Fernsehprogramm Schuld und nicht die daheim gebliebenen Frauen, die ja nur mal kurz gucken wollten, was "die" denn heute Abend an hat und mit "wem" sie da auftaucht. - Männern, ich meine dabei richtigen Männern, nicht solche weichgebürsteten metrosexuellen Bürschchen, die Boxershorts tragen und Pflegeserien für "ihn" kaufen anstatt Kettensägen und Sportmagazine, denen ist das egal wer da über die dünnen und manchmal auch rutschigen Bretter der gelben Presse huscht. - Allerdings ist argumentativ mit Katzen auch nicht viel einfacher umzugehen, besonders wenn man nach 15 Minuten Monolog mit Paul und Mops auch noch besserwisserisch von phantasielosen Frauen unterbrochen wird mit dem diabolischen Satz: "Die verstehen dich nicht!" - Na ja, Katzen verstehen mich wohl, sie wollen aber nicht immer das tun was ich sage, und würde man mir mehrere Stunden geben, ich alleine mit Paul und Mops in der Küche, die würden Männchen machen, rohe Karotten fressen und das alte Katzenfutter aus dem Schälchen, welches die verzogene feline Brut schon nicht mehr anrührt, wenn es länger als eine Stunde dort steht, oder auch nur eine Fliege darüber geflogen ist. - Gut, das sieht nicht besonders vorteilhaft aus und hört sich auch nicht sonderlich intelligent an, ich stehe halt da, versuche meinen Zeigefinger lehrerhaft auszustrecken und murmele die Zauberformel in ruhigen Tönen immer wieder an die Katzen gerichtet: "Das ist noch ganz frisch, bis ihr das nicht aufgegessen habt, bekommt ihr nichts Anderes."

Allerhöchstens drei Stunden gebe ich den Katzen, dann würden die das fressen, Lucky die kleine Brägenklötrige schon früher, mir macht solch ein Idiotenmonolog über Stunden keine Schwierigkeiten, ich bin ja schließlich lokalpolitisch engagiert und erfahren. - Allerdings kommt es meist nicht dazu, meine ausgefeilten und höchst pädagogischen Methoden werden fast immer früher unterbrochen, von anstürmenden Damen der Unterhaltungsklasse, die noch mehr Chips oder Saft für ihr Kulturgelage vor dem Fernseher brauchen. - Einmal wollte ich mich sogar einschließen mit den Katzen, einen Fressnapf voller Köstlichkeiten in der Hand, die aber schon mehrere Stunden unangetastet auf Entsorgung warteten. - Ein Kasten Bier war auch noch in der Küche, ich hätte also locker die halbe Nacht aushalten können, aber die Frauen rochen den Braten, oder besser das abgestandene Katzenfutter und forderten lautstark ein komplettes wie harmonisches Abendessen. - Da Männer in meiner Position grundsätzlich harmoniesüchtig sind, vielleicht nur aus Angst, oder bereits wegen aufkommender Weisheit, so genau habe ich das noch nicht mit mir ausmonologisiert, musste ich natürlich den Erziehungskerker wieder öffnen und somit wurden alle pädagogischen Erfolge wieder in Frage gestellt. - Manchmal wundere ich mich schon, warum die Katzen meine Kinder so mögen, bei denen nachts schlafen wollen, ihnen nicht von der Pelle rücken, obwohl sie doch übelste Spielereien und Kunststücke mit den Tieren machen, bei denen man eigentlich bereits den Tierschutzverein rufen wollte. - Aber das ist wohl so bei Katzen, die lassen sich lieber Sturzhelme aufsetzen, Tennisschläger an den Schanz binden, an zwei Beinen durch die Luft geworfen werden, anstatt ordentlich und gesellschaftswertvoll mit mir über die Hungerperioden in Afrika zu reden und wie verwerflich es doch ist, altes Katzenfutter wegzuwerfen. - Beim Abendessen dann wird es natürlich klar, Katzen verkaufen ihre Seelen für ein Stück frischen Schweinebraten, für ein Stück Leberwurst und der olle dicke Mops sogar für Kartoffelpüree. - So einfach ist das und vielleicht sollte ich meine Strategie umstellen und das Katzenfutter selbst aufessen, so zumindest haben es mir drei Katzen unmissverständlich klar gemacht und leider haben die drei Frauen auch nicht sofort dementiert. - "Und den Lehrerfinger, den kannst du dir sonst wo hin stecken", hörte ich Paul noch blinzeln, habe es aber nicht gemacht, so ein kleiner Rest Selbstachtung ist mir noch geblieben zwischen all den Frauen und Eunuchen.





Samstag 14.02.09 - 10:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 13 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 75 % - Luftdruck 1011 hPa

Die Lösung liegt auf dem Dach

Zu was Häfen alles gut sein können. - Liegt der Hafen nicht gerade zufällig auf der Westseite der Insel, wie zum Beispiel der in Puerto de Tazacorte, dann ist die Hauptaufgabe eines solchen Hafens sicherlich, Schiffen das Anlegen sowie das Be- und Entladen zu ermöglichen. - Aber Hafenanlagen können noch mehr, zum Beispiel Strom produzieren. - Auch da muss man den Hafen von Tazacorte leider wieder ausnehmen, aber vielleicht wäre das ja eine Zukunftsaufgabe. - Der Hafen von Santa Cruz, unserer schönen, wie stolzen und zugeparkten Hauptstadt, der wird ab April dieses Jahres Strom ins Netz der Inselleitungen einspeisen, weil man ihm aufs Dach gestiegen ist und dort Photovoltaikpaneele angebracht hat. - Die Maximalleistung der Kollektoren liegt bei 42 Kilowatt, jetzt nicht unbedingt ein Turbo unter den Kraftwerken, aber dennoch zeigt das eine Möglichkeit auf, Photovoltaik in unseren Alltag zu integrieren. - Der Hafen von Santa Cruz wird damit auch der erste Hafen der Provinz, der auf diese Art und Weise zur Verringerung des Energiebedarfs aus fossilen Brennstoffen beiträgt, sicherlich ein Projekt mit Vorbildfunktion. - Als nächster Hafen soll La Estaca auf El Hierro mit Photovoltaikkollektoren auf seinen Dächern ans Netz gehen, dort allerdings nur mit einer Leistungsmöglichkeit von 25 Kilowatt. - Sicherlich Projekte mit Vorbildfunktion, man muss nicht immer große Freiflächen suchen um elektrische Energie aus dem bereits existierenden Fusionskraftwerk Sonne zu gewinnen, das kann man auch mitten in der Stadt machen und manch einem Dach täte es sogar ganz gut, wenn da noch mal eine Schicht draufkäme. Ich erinnere mich da an die Geschichte mit dem immer noch tröpfelden Dach unseres neuen Inselnkrankenhauses. - Gerade Dächer von großen öffentlichen Gebäuden oder Industrieanlagen eigenen sich hervorragend für das Aufstellen von Kollektoren, wo man nun weniger nach ästhetischer Stilperfektion sucht, sondern eher zweckgebunden irgend etwas mehr oder weniger Dichtes auf das Dach klotzt. - Nur weiter so, und nicht vergessen, die beste und sauberste Energie ist immer noch die, die man gar nicht verbraucht.



Freitag 13.02.09 - 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 18 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 66 % - Luftdruck 1010 hPa
Höchsttemperatur heute 19,8 Grad - niedrigste Temperatur 12,0 Grad

Hasta pronto Loly

Mit viel Beifall, sehr viel Beifall verließen heute die sechs Räte der Sozialisten das Rathaus von El Paso, nachdem der Putsch, oder sagen wir korrekter aber nicht treffender Misstrauensantrag gegen die Person der Bürgermeisterin Dolores Padilla gefruchtet hat. - Zum Teil herrschte angespannte Stimmung im und um den Plenarsaal des Rathauses El Paso, es waren so viele Leute gekommen dieses Spektakel zu betrachten, dass man die Treppen rauf und runter stehend Platz nehmen musste um noch dabei zu sein. - Loly hatte einfach mehr ihrer Anhänger mobilisieren können als die anderen drei Parteien, aber das ist kein wirkliches Wunder, schämen sich doch viele Wähler der anderen Gruppen über das "Wie" der Machtwechsel in El Paso vorgenommen wurde. - Manche und mancher hatte gar Tränen in den Augen, so sehr hat man die Hoffnung ja in die junge Gruppe um Loly gesetzt, endlich neue und bürgernähere Politik auf La Palma durchzusetzen. - Das ist auch geglückt, zumindest fast zwei Jahre lang, dann allerdings geschah das bisher nicht für möglich gehaltene, die drei anderen politischen Gruppen begruben ihr Kriegsbeil und haben es fertig gebracht, sich trotz jahrelanger Anfeindungen bis hin zu persönlicher Beschimpfung, zu einem Bündnis zusammen zu raufen. - Nun sind es, nach purer Mathematik, aber auch den Regeln der Basisdemokratie sieben Stimmen welche der neue Bürgermeister Maximo Brito auf sich vereinen konnte, gegen die sechs Aufrechten der Regierung Loly.- Das ist eine Stimme mehr, die Sollstärke an "Concejales", also Ratsleuten in El Paso liegt bei 13. - Möglich geworden war die neue Mehrheit durch das umknicken des einzigen in den Rat gewählten Mitgliedes der Partido Popular, dem Lehrer Antonio Pérez, der zwar aus El Paso stammt, aber in Mazo wohnt und lehrt. - Der hatte im Mai 2007 nach den Wahlen noch einen Koalitionsvertrag mit den Sozialisten unterschrieben und so mit seiner Stimme Loly eine Mehrheit verschafft. - Nicht mal zwei Jahre später unterstützt er nun ein wackliges Konglomerat aus drei Parteien und gibt so die Mehrheit in El Paso an die Coalición Canaria zurück, die mit fünf Räten das Gros der neuen Ratshausbesatzung stellt. - Der Dritte im Bunde ist ein alter Bekannter in El Paso, Pedro Martín der bereits acht Jahre in El Paso Ratsherr war und auch mal in der PP diente, bis er dort austrat oder herausgeworfen wurde, darüber existieren, je nach Stimmungslage verschiedene Aussagen, und nun für die vor ein paar Jahren neu gegründete CCN antritt.

Auch unser neuer Bürgermeister, Higinio Máximo Brito Rodríguez, von seinen Anhängern immer nur "Maxi" gerufen, ist ein in El Paso altgedientes Schlachtross, er war auch schon einmal Bürgermeister, nämlich von 2000 bis ins Jahr 2003. - Die weiteren Ratsherren oder Damen, leider ist nur noch eine Frau in der neuen Besetzung vorhanden, übernehmen ab heute folgende Ressorts.

Higinio Máximo Brito Rodríguez (Coalición Canaria) Bürgermeister

Antonio Ricardo Pérez Afonso (Partido Popular) erster Stellvertreter (Teniente Alcalde) behält seine bisheriges Ressort, Bauwirtschaft und lokale Entwicklung.

Pedro Manuel Martín Pérez (Centro Canario Nacionalista) zweiter Stellvertreter übernimmt die Abteilungen Kultur, Fiestas und Stadtplanung.

Pedro Angel Afonso Padrón (Coalición Canaria) dritter Stellvertreter und in Zukunft für Tourismus, Umwelt und Industrie und Sport verantwortlich.

José Ignacio Mederos Pérez (Coalición Canaria) vierter Stellvertreter mit den Ressorts Soziales, Wirtschaft und Steuern.

Angeles Nieves Fernández Acosta (Coalición Canaria), der einzigen Frau in der zukünftigen Rathausbesatzung wird ein Ressort noch zugewiesen, genau so wie

Víctor José Rodríguez Leal (Coalición Canaria) auch noch ohne spezifische Aufgabe.

Ich wünsche auch dieser Rathausbesatzung alles Gute und eine glückliche Hand und Arbeit im Sinne der Gemeinde El Paso und seiner Bürger.



Freitag 13.02.09 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 12 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 47 % - Luftdruck 1009 hPa

Freitag der Dreizehnte in El Paso, Treffen um high noon

Da habe ich schon genügend Probleme durchschnittlich gläubig zu sein, da reicht es bei mir nun gar nicht mehr zum Aberglauben. - Noch dazu muss man ja sagen, wo packt denn ein Immigrant seinen Aberglauben hin, wenn der deutsche Pechtag der Freitag ist, aber das spanischen Pendant dazu am Dienstag seinen Horror anbietet. - Also wieder nur Symbolik und wer an dunkle Mächte glaubt, der macht es selber dunkel. - Dennoch ist heute ein merkwürdiger Tag, merkwürdig im Sinn von merken und würdig, in El Paso findet heute die außerordentliche Plenarsitzung statt, die als einzigen Tagesordnungspunkt das Misstrauensvotum gegen die jetzige Bürgermeisterin Dolores Padilla trägt. - Wer kommen möchte um sich das anzusehen, um 12:00 Uhr mittags, also ziemlich genau bis ganz genau "highnoon", wird ein Kunstgeflecht aus drei Parteien die Macht im Rathaus von El Paso an sich reißen und die von den Bürgern gewählte Chefin aus dem Amt werfen. - Nach demokratischen Regeln ist das machbar, es wird auch wenig Sinn haben sich dagegen zu wehren, aber man darf ja seinen Senf dazu geben, der auch scharf sein kann. - Eigentlich gibt es keinen Grund für ein Misstrauensvotum, Dolores Padilla, von allen, außer von der bislang glücklos agierenden Opposition immer nur "Loly" genannt, hat sich keinen Skandal geleistet, die Gemeinde ist nicht pleite, so wie andere Gemeinden und das eindreiviertel Jahr in dem man nun im Amt ist, hat man dazu genutzt, viele Projekte und Pläne anzuschieben, die nun von der kommenden Verwaltung genutzt werden können. - Nur darin liegt ja auch der perfide Beigeschmack den diese Amtsübernahme kennzeichnet und daher kommt es wohl auch, dass die komplette neue Stadtregierung, bestehend aus sieben Ratsmitgliedern, sich seit der Antragstellung des Misstrauensvotums nicht mehr öffentlich gezeigt hat. - Nicht mal die Pressekonferenz auf der man die Gründe nennen wollte, warum man Loly aus dem Amt putscht, fand in El Paso statt, sondern in einem Hotel der Hauptstadt, da mögen wohl Angst und ein schlechtes Gewissen eine deutliche Rolle gespielt haben.

Noch bemerkenswerter, der Text des Misstrauensantrags, der heute Mittag im Plenum der Stadt El Paso von den Antragstellern eingebracht werden wird, ist ein Plagiat des Textes, mit dem die Coalición Canaria 1996 den damaligen Inselpräsidenten der PSOE, Felipe Hernández, aus dem Amt katapultiert haben. - Also nicht mal mit eigenen Worten oder Ideen schafft man dieses diabolische Werk anzugehen, man muss auch noch Vorbilder dabei kopieren, deren Reputation inzwischen einen sehr zweifelhaften Charakter erlangt hat. - Macht alles nicht, das Leben geht weiter, es ist nur traurig für El Paso und für La Palma, denn mit der Truppe von Loly in einem gewichtigen Amt, hat auf dieser Insel der längst überfällige Anschub zu neuer Politik stattgefunden, die uns endlich aus dem dunklen Wirrwarr der Interessenverteilungen der Coalición Canaria herausbringen sollte. - Man muss das nicht als Scheitern einer Idee, oder einiger Personen betrachten, sondern als letztes Rückzugsgefecht der bereits geschlagenen politischen Vereinigungen der Steinzeitklasse, welche die Kanarischen Inseln genau dorthin gebracht haben, wo sie heute stehen. - Und wo wir stehen, das kann man gut an de Arbeitslosenzahl erkennen, an den unendlich schweren Umweltsünden die man hier in scheinbar progressiver Notwendigkeit begangen hat und der schweren Last der Korruption, die wohl nirgends in Spanien heftiger blüht als hier auf den Kanaren. - Bereits die letzten Wahlen haben den Wechsel angekündigt, nicht Obama-gleich, aber dennoch spürbar und nur die Konzentration aller anderen politischen Kräfte konnte den Wandel noch verhindern, so wie das nun auch in El Paso geschieht. - Allerdings muss man nicht mal prophetisch veranlagt sein, das baldige Ende der Vorherrschaft der Coalición Canaria auf den Kanaren zu sehen, und das was in El Paso ab heute geschehen wird, das ist eine Parabel für die Geschichte. - Wir dürfen zusehen, sicher nichts anfassen und nichts spricht dagegen, dass wir einem theatralischen Showdown alter politischer Moral auf den Kanaren beiwohnen dürfen. - Man kann nur hoffen, dass die bis 2011, da finden die nächsten Wahlen statt, nicht allzu viel kaputt machen, denn so ziemlich alle aufmerksamen Beobachter der politischen Landschaft auf La Palma sind sich einig, bleibt Loly als Opposition bei der Stange, dann fällt die absolute Mehrheit 2011 in ihre Hände. - Fast möchte man sagen, zurücklehnen und genießen, aber auch Opposition bedeutet Arbeit, wenn man diese denn mit Herz und Verstand und für etwas - und nicht gegen etwas angeht.


Dolores Padilla oder Loly




Donnerstag 12.02.09 - 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 21 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 68 % - Luftdruck 1012 hPa
Höchsttemperatur heute 21,7 Grad - niedrigste Temperatur 12,2 Grad

Kollektiver Freizeitpark mit Schluckauf

Eine der größten privaten Investitionen, die jemals in Los Llanos stattfindet, gerät in das sumpfige Fahrwasser der "Krise". - Nach dem Vorbild der so genannten Spaßbäder, die in Mitteleuropa bis nach Görlitz und Barsinghausen tropische Gefühle verfrachten sollen, will man in Los Llanos auch eine "Waterworld" erstellen. - Am Busbahnhof Richtung Norden hat die Gemeinde Los Llanos der Firma "UTE Gestión Activa El Jable" Gelände besorgt und eine Konzession für den Bau der Anlage und den späteren Betrieb für 40 Jahre, was man wohl als noble Geste seitens des Llanensischen Konsistoriums betrachten könnte. - Bei manchem Skeptiker bimmeln in dem Moment die Alarmglocken, besonders wenn man weiß, dass sich hinter der "UTE Gestión Activa El Jable" der "bigboy" des kanarischen Baubooms, die Firma Santana Cazorla und die weniger bekannte Innova verstecken. - Den Brüdern Santana Cazorla werden düstere Verstrickungen in interessante Geschäfte auf dem touristischen Sektor vorgeworfen, bei denen Vergabeverfahren und Lizenzen immer wieder mal im Blickpunkt der Justiz waren, was mit einer kurzzeitigen Verhaftung von Santiago Santana Cazorla gipfelte, er aber schnell wieder auf freien Fuß gesetzt wurde. - Es gilt aber natürlich auch hier immer zuerst die Unschuldsvermutung, es soll nur zeigen warum so mancher bei dem Namen etwas zusammenzuckt. - Ob noch was zuckt mit dem Spaßbad in Los Llanos, das werden die nächsten Wochen ergeben, denn die Finanzierung des 8 Millionen Projektes scheint in weite Ferne gerückt. - Noch wird gebaut und geplant und auch die Stadtverwaltung in Los Llanos ist guter bis bester Dinge, aber das sind die immer, dafür werden die schließlich ja bezahlt.

Wie man in "El Día" nachlesen kann, hat man bereits 3 Millionen Euro investiert, nun fehlen noch 5 um auf die besagte Zahl von 8 Millionen zu kommen und irgendwie zicken die Banken da plötzlich rum. - Da kann man schon darauf kommen, dass das was mit der Finanzkrise zu tun hat und mit vielleicht bereits fehlendem Vertrauen in die Machbarkeit dieses Projektes in Los Llanos. - So schön ein großes Bad, mit allem Drum und Dran, Sauna, Rutschen, Fitness und Pipapo für Los Llanos wäre, ein Blick nach außen in die große weite Welt hat uns gelehrt, dass solche Spaßbäder keine Garantie zum Geldverdienen mehr sind und wir ja die nächsten Jahre nicht unbedingt goldene Zeiten und generellen Wohlstand für alle erwarten. - Mag auch sein, dass in der Bankenwelt inzwischen bei dem Namen Santana Cazorla auch schon ein Licht, welcher Farbe auch immer aufleuchtet, auf jeden Fall gestaltet sich die Kreditaufnahme dieser 5 Millionen Euro schwieriger als gedacht. - Selbst das Angebot der Firma die 40 jährige Konzession für den Betrieb der Anlage als Konzession zu bieten hat wohl nicht gefruchtet, was natürlich sehr erstaunt. - Sicher spielt auch noch eine Rolle, dass wir hier auf La Palma bereits einen Badekomplex haben, das Baltavida in Breña Alta, bei weitem nicht so aufwendig wie der geplante Komplex in Los Llanos, aber eben auch nicht rentabel, da darf man sich natürlich als Geldgeber fragen, wie soll dann ein zweites Bad Gewinne einfahren, wenn bereits die andere Anlage nicht befriedigend funktioniert. - Nun muss man natürlich noch fragen, warum man dann dieses Projekt überhaupt losgetreten hat, wenn es denn jetzt Zweifel an der Machbarkeit und der Rentabilität gibt und da darf mal wohl antworten, das waren noch andere Zeiten, die Banken noch gefügig und Projekte nur dann gut, wenn sie groß genug waren um Rekorde purzeln zu lassen. - Ich würde mich über solch ein Bad in Los Llanos sehr freuen, und dann besonders, wenn es auch finanziell funktioniert und wer so was auf die Beine stellt, der soll dann auch ruhig Geld verdienen. - Aber manchmal bin ich auch froh über meine kleine bescheidene Welt, die so was eigentlich gar nicht braucht und deshalb auch nicht finanzieren muss. - Nein, mitleidig bin ich noch nicht, mit den großen Finanzjongleuren und Baulöwen der Kanaren, nur langsam skeptisch, ob es mir nicht viel besser geht als denen.



Donnerstag 12.02.09 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 12 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 43 % - Luftdruck 1012 hPa

Die Indianer rufen

Auf der eiligen Suche nach Katzenfutter und Bier gestern Abend im Supermarkt, bin ich fast über eine Palette Talkum-Pulver gestolpert, die da auf meinem eingefahrenen Weg hin zum Katzenglück geparkt war. - Babypo-Pulver in 25 Kilo-Säcken und das bei unserer hundsmiserablen Geburtenrate. - Darüber hinaus habe ich auch noch keine Familie gesehen, die sich den Vorrat an Ritzenpulver für die eigene Brut in 25 Kilo-Säcken zu Hause in die Vorratskammer stellt. - Diese wirre Lieferung für den Supermarkt hat auf La Palma aber wohl einen Hintergrund, der "Día de los Indianos" stellt die Disponenten der Läden auf La Palma jedes Frühjahr wieder vor die enorme Aufgabe, genügend Baby-Pulver in die Regale zu schaufeln. - Am 23. Februar ist es so weit, an diesem Tag erwartet man bis zu 50.000 Besucher in der Hauptstadt, so zumindest die Zahlen, die man aus dem Umfeld der Organisatoren hört. - Vielleicht meint man damit die Gesamtzahl der sich an den Tagen um den Rosenmontag in Santa Cruz aufhalten, ansonsten hätte ich Probleme, einfach bereits der physischen Art, 50.000 Menschen auf die Straßen unserer Hauptstadt zu verteilen. Macht aber nichts, nur wir Deutschen wollen immer alles genau wissen und nachzählen, das kann beim Feiern beinhart stören. - Die Fluggesellschaften vermelden aber jetzt schon an den Tagen um den Rosenmontag völlig ausgebuchte Maschinen, kein Platz ist mehr zu ergattern um am 20. - 21. und 22. Februar nach La Palma zu reisen und zurück sieht es die folgenden Tage nicht besser aus. - Auch per Schiff wird es knapp, die Reederei Olsen meldet volle Kajüte, aber Armas kann noch aushelfen, sowohl am 20. wie auch am 22. Februar sind noch Plätze frei von Los Cristianos, im Süden Tenerifes, nach La Palma.

Jetzt aber mal zurück zum Babypulver, hier schlicht "polvo" genannt. - Tonnenweise wird bei uns im Karneval parfümiertes Babypulver verstreut, welches sich noch Wochen später in sämtlicher Kleidung wieder findet und auch noch in manch versteckter Körperöffnung, man sollte sich also nicht im "Dior" auf unseren Karneval wagen, sondern am besten gleich weiß gekleidet. - Damit sind wir auch schon auf dem "Día de Los Indianos", der immer am Rosenmontag in Santa Cruz gefeiert wird. - Dabei geht es nicht um Winnetou wie man vielleicht bei "Indianos" meinen könnte, sondern um das bis heute tragende Missverständnis eines Herren Kolumbus, der sich ganz gewaltig im Kontinent geirrt hat und so die Ureinwohner Amerikas als Inder bezeichnete. - Da La Palma über Jahrhunderte eine zur Emigration verdammte arme Insel war, wanderten sehr viele Palmeros über den großen Teich aus um dort Aus- und Einkommen zu finden. Viele fanden ihr "Dorado", viele auch nicht und die Daheimgebliebenen mussten mit ihrem persönlichen Schicksal klar kommen was da immer auch als Frage stehen bleiben konnte: Warum bin ich denn nicht auch ausgewandert? Die reich gewordenen Rückkehrer aus Amerika, für die Kanaren meist die Antilleninseln, benahmen sich gegenüber der arm gebliebenen Landbevölkerung reichlich arrogant und kleideten sich, um ihren Reichtum öffentlich zur Schau zu stellen, auch meist in weißen Gewändern. - Die hiesigen Zurückgebliebenen nannten nun diese Rückkehrer süffisant aber auch neidisch Indianer, also "Indianos". - Und weil im Karneval man sich über alles und jeden lustig machen darf und soll, zieht man sich an diesem Tag ein weißes Gewand an und einen Hut der nach reichem Südamerikaner aussieht und beschmeißt die anderen "Indianer" mit Pulver, das nennt man hier "echar polvo". - Dieses Wort bedeutet aber nicht nur Pulver werfen, sondern steht auch noch für grobes Veralbern und wird sogar, als Wortspiel abgeleitet, im sexuellen Bereich als herabwürdigender Akt bezeichnet. Sie wissen schon, das böse F-Wort mit dem man im Privatfernsehen Quoten und Piep-Töne erzeugen kann. - So kleidet man sich weiß und bewirft sich gegenseitig mit Mehl, (früher war es Mehl, heute eben Talkum-Pulver) um sich über die reichen Rückwanderer lustig zu machen.





Mittwoch 11.02.09 - 20:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 21 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 59 % - Luftdruck 1014 hPa
Höchsttemperatur heute 24,2 Grad - niedrigste Temperatur 12,0 Grad

Jetzt wird´s persönlich, das mit der Krise

Bislang haben wir uns ja prächtig durchgemogelt. - Jeden Tag stehen wir müde, aber frohgemut auf und gucken erstmal um die Ecke, ob denn die Krise auch schon an unserer Firma oder Branche nagt. - Beruhigt gibt es dann den morgendlichen Kaffee und dann kann es weiter gehen. - Ach ja, sollte es sich noch nicht herumgesprochen haben, wir haben auch eine richtige Arbeit und leben davon Ferienhäuser zu vermieten, für das Schreiben von zickigen Kolumnen verdienen nur ein paar Exoten richtig Geld. - So konnten wir bisher die Krise auch von einem erhöhten Standpunkt aus betrachten, eher analytisch, da persönlich noch nicht direkt betroffen und wir nicht so wirklich mitleidig mit der Hypo und den Lehman Brothers sein können, eher tut es uns von weitem um die Arbeitsplätze leid, die nun gefährdet sind, damit man im kommenden Jahr auch wieder Dividenden und Prämien ausschütten kann. - Dann kam die Meldung, dass Märklin Insolvenz anmelden musste und schließlich auch noch Schiesser und nun bin ich persönlich beleidigt und fordere hiermit öffentlich und lautstark, ich habe eben sogar mit dem Fuß auf den Boden gestampft, dass Frau Merkel von den 100 Milliarden für die Hypo ein bisschen was für deutscher Kulturgut ausgibt und diese beiden Firmen rettet. - Märklin und Schiesser, das darf nicht sein, auch wenn man mir nun vorwerfen kann subjektiv zu sein, klar, mir tun auch die Arbeitsplätze bei Qimonda weh, aber ich habe eben keine sinnliche Beziehung zu Halbleiterprodukten, wohl aber zu Modelleisenbahnen und warmer Unterwäsche. - Noch dazu, wo diese beide Marken auch meine Jugend stark beeinflusst haben und das in einem fast prägenden Maße. - Schiesser Tausendsassa, bei uns im Bayrischen Wald zur Überlebensfrage geworden an kalten Wintertagen und wer mit Fein- und Doppelripp aufwächst, für den sind Unterhosen und Unterhemden ein Pflichtwäscheteil, weiß, kurzärmlig das Unterhemd und die Schloggies im Sommer auch, aber im Winter lang. - Wahlweise mit oder ohne Eingriff, wobei ich eher zu dem Typ komplett "Runterzieher" gehöre und meine Finger und das Ergriffene nicht umständlich durch den Schlitz in der Unterhose schlängele, um dann der Blase Erleichterung zu verschaffen. - Und dann doch bitte nicht diese gewollt hippen Teile in bunten Farben, mal als Boxershort geschnitten oder auch bis hin zum Tanga für Halbeunuchen, so was sind doch keine echten Männerunterhosen, das ist eher was für Tupperparties, echte Unterhosen haben anders auszusehen und nur Schiesser kann so was richtig machen. - Also Frau Merkel, auch wenn die Schweizer da inzwischen ihre Finger drin gehabt haben, retten Sie Schiesser, wenigstens hier in Deutschland, es geht um die deutscheste aller Unterhosen und wenn man uns so was wegnimmt, dann kann das mit der Leitkultur heftig ins Auge, oder auch in die Hose gehen.

Zu Märklin muss man eigentlich kaum was sagen, die Marke ist wohl noch bekannter als Schiesser und wer hat nicht sofort den Geruch von Feinmechanikeröl in der Nase und tastet instinktiv nach dem Schraubendreherset mit der feinen Klinge. - Die Modelleisenbahn, davon habe ich als Kind geträumt, da kam nichts anderes in Frage, keine Carrera-Autorennbahn und auch keine Bagger die Klumpen von Sand aufnehmen konnte und für pädagogisches Langweilerspielzeug aus pazifistischem Mischwäldern Regenwald schonend der hohen Tatra entliehen, bin ich zu alt. Das gab es in meiner Jugend noch nicht, wir sind die Lego und Märklin Generation. - Augen, Nase und Geldbeutel haben wir uns am Spielzeugladen platt gedrückt, ich glaube "Forchhammer" hieß der Laden in Straubing, wo wir zur Schule gingen, da drin konnte man die absolute Traumwelt der Modelleisenbahnen erwerben und bis der Schulbus ging hatten wir Zeit genug, uns völlig mit dem Verlangen nach weiteren Glücksmodellen der Firma Märklin, natürlich Spur H0 zu verzehren. - Die hatten da so an die einen Meter Gleis auf einem Verkaufstresen aufgebaut und wenn man die richtige Verkäuferin antraf, oder der Chef den Kulleraugen nicht widerstehen konnte, dann durfte man auch schon mal ein Krokodil einen Meter hin und einen Meter her zur Probe fahren, Glück, ich meine echtes Glück, kann so einfach sein. - (Falls Sie männlich sind und nicht wissen, was ein "Krokodil" von Märklin ist, dann brauchen Sie nicht weiterlesen, wenn Sie eine Frau sind, dann ist alles verziehen…) - Allerdings war mein Bruder da geschickter als ich, der ist nicht nur älter, sondern konnte sein Geld auch besser zusammenhalten und investierte auch nachhaltiger als ich. - Der setzte damals schon auf Diversifikation und kaufte nicht wie ich nur Loks, sondern steckte sein Geld auch in das Gleisnetz und hatte mich sodann absolut am Wickel, wenn ich meine Prachtstücke mal fahren lassen wollte. - Irgendwie war das dann immer mehr sein Ding, ich hatte zwar eine 89er, aus einem Starterset, eine P8, eine E 03, und eine Santa Fé, aber wenn ich damit mehr machen wollte als diese nur zu bestaunen, dann musste ich mich irgendwie mit meinem Bruder arrangieren. - Das war nicht immer leicht, vielleicht sollten wir das in einer Familienaufstellung noch mal angehen, aber vielleicht kaufe ich mir einfach selbst ein paar Gleise und lebe dann mein Kindheitstrauma einfach in einer liegenden Acht aus… - Gut, irgendwann verkaufte ich meine Loks, weil ich immer klamm war, spätestens dann, als Frauen, oder damals besser Mädchen in mein Leben traten und ich plötzlich so wichtige Dinge wie einen Plattenspieler und eine Jeans mit Schlag brauchte und natürlich Schuhe mit Plateau-Sohlen. - Ich glaube mein Bruder hat mich damals auch noch furchtbar übers Ohr gehauen beim "Abkaufen" meiner Märklin-Schätze, oder auch nicht, so genau weiß ich das nicht mehr und außerdem könnte es ja sein, dass er das liest…. - Keine Frage, auch Märklin muss gerettet werden, das ist so deutsch, in dem Fall positiv deutsch, das darf doch nicht Opfer einer Schmierenkomödie auf dem internationalen Spekulantenkarussell werden. - Märklin und Schiesser, das ist genau so wichtig wie Goethe und Schiller und mal Hand aufs Herz, wir haben mehr Zeit mit Märklin verbracht als mit Goethe und Schiesser war mir immer irgendwie näher als Schiller. - Deutsches Kulturgut zum Anfassen und Anziehen, Frau Merkel übernehmen Sie, es geht ums Eingemachte und ich mache Sie persönlich dafür verantwortlich, Sie haben hiermit auch die Chance endliche eine gesamtdeutsche Heldin zu werden. - Zücken Sie ihr Bürgschaftsschwert, welches Sie schon so gönnerisch über übelste Pleitenbanken gehalten haben und retten Sie das deutscheste Spielzeug und die deutscheste Unterhose überhaupt! - Ich meine das Ernst und darf Sie sogar noch wählen, noch bin ich Deutscher!



Mittwoch 11.02.09 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 12 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 61 % - Luftdruck 1014 hPa

Die Moderne wirft ihre Schatten voraus

Der komplette Umbau unseres Flughafens auf La Palma wird noch ein paar Jahre dauern. - Die mächtigen Parkhäuser sind aber zum Teil schon fertig und die "Aena" (Aeropuertos Nacionales y Navegación Aérea), die spanische Flughafenbetreibergesellschaft, will ab März bereits die Autovermietungen zwingen, diese Parkhäuser auch zu benutzen. - Und natürlich dafür zu kassieren. - Das stößt auf heftige Kritik, denn bislang gibt es keine echte Verbindung zwischen der Ankunftshalle und den Parkhäusern, die Gäste müssten also, mitsamt ihren Koffern und gerädert von der langen Reise, sich erst mal durch eine Baustelle quälen um danach den ersten Kontakt mit ihrem Autovermieter aufnehmen zu können. - Bislang warten die Vermieter direkt am Ausgang der Kofferausgabe auf ihre Kunden, das sorgt für einen schnellen und reibungslosen Ablauf, da können die Gäste auch nicht wirklich verloren gehen. - Der bisherige Parkplatz im Süden des Flughafens wird dann für Langzeitparker genutzt, das war von Anfang an so vorgesehen und deshalb sollen die Autovermieter ab März bereits ihre Wagen dort wegnehmen. - Allen Vermietern ist es klar, dass die bisherige Lösung mit dem neuen Parkplatz im Süden auch nur ein temporäres Produkt war, aber man möchte eben lieber auf die Nutzung der Parkhäuser warten, bis der Gesamtkomplex "neuer Flughafen La Palma" wirklich fertig ist und nicht das nächste Provisorium, wer weiß für wie lange, angehen. - Noch dazu, wo man bereits ab März für die Stellflächen im Parkhaus bezahlen soll. - Die Autovermietungen auf La Palma sind sich aber untereinander auch nicht einig, manche, das sind meist Vertreter der internationalen Konzerne der Branche, die auch ihre Büros am Flughafen betreiben, sehen der neuen Reglung positiv entgegen Die Mehrzahl der Vermieter aber, das sind eigentlich alle hier auf La Palma ansässigen, lehnt die neue Reglung ab, es würden große Mehrkosten auf sie zukommen, wenn sie ihre nicht vermieteten Wagen zukünftig kostenpflichtig am Flughafen abstellen müssten.

So darf man wieder einmal die Frage stellen, ob denn - und besonders wem - der komplette Neubau des Flughafengebäudes auf La Palma Nutzen bringt. - Die Planungen für den Umbau liegen sehr lange zurück, noch in der Zeit des unbegrenzten Wachstums, man könnte fast sagen, noch aus der Ära "Immobilicitis exorbitans", um mal an die Kolumne von gestern Abend anzuknüpfen. - Man war sich einig, dass La Palma in den nächsten Jahren bereits die Zahl von 2 Millionen Passagieren im Jahr abzufertigen hat und dem neuen Flughafen mal gleich die Kapazität von 3 Millionen Fluggästen verpasst. - Allein diese Zahlen liegen weit ab von jeglicher Realität, im Moment sind es an die 1 Million Passagiere, die jedes Jahr den Flughafen La Palma benutzen und seit dem letzten Jahr geht die Zahl der Fluggäste sogar zurück. - Da auch die Bevölkerung auf La Palma nicht mehr anwächst und eine Steigerung der Touristenahlen im besten Falle einen Zuwachs von 20% noch hergeben kann, ist die Planung für 3 Millionen Menschen eine absolute Fehlkalkulation. - Sicher ist eines, man hätte den Flughafen ausbauen müssen, der Trend im Tourismus geht dahin, dass die Fluggesellschaften aus betriebswirtschaftlichen Gründen weniger, aber größere Flugzeuge einsetzen, das spart Sprit pro Passagier und ist damit vernünftig. - Die Abfertigung solcher Flugzeuge ist aber wegen der große Anzahl an Passagieren kompliziert, wir sehen das auf La Palma bei der Abfertigung, sei es bei der Ankunft oder beim Abflug, des mächtigen Airbus 330, den die Air Berlin jede Woche zu uns schickt. - Da kommt es wohl zu Engpässen, allerdings wären die auch mit etwas mehr Personal zu beheben, dazu müsste man nicht für 100 Millionen Euro den Flughafen auf La Palma neu erfinden. - Ausbau statt Neubau, kontinuierlich und zeitnah, so dass man auf strukturelle und quantitative Veränderungen reagieren kann, das scheint die Formel für die Zukunft zu sein, da man sich ja wohl von dem Trugschluss des ewig währenden Wachstums verabschieden muss. - Da waren wir hier auf La Palma schon mal, poco a poco hieß das früher und war ein schönes und lebenswertes Bild der bewussten Bescheidenheit. - Das hat Zukunft, auch wenn die krawattierten Leithammel einer prognostizierten Turbogesellschaft das nicht wahrhaben wollen. - Können die auch gar nicht, denn dann bräuchte man die nicht mehr.



Dienstag 10.02.09 - 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 21 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 65 % - Luftdruck 1016 hPa
Höchsttemperatur heute 21,8 Grad - niedrigste Temperatur 10,3 Grad

31 von 8.500

Die "Spanische Krankheit" (Immobilicitis exorbitans) bietet geringe Heilungschancen. - Allerdings gibt es gute Vorsorgeprogramme und mit dem notwendigen Strukturwandel sogar Immunitätsaussichten. - Spanien erlebt auf dem Arbeitsmarkt momentan ein deftiges Debakel und wird noch geraume Zeit mit grausamen Bauchweh an der kompletten nationalen Konjunktur nagen. - Nur wenige wissen das, Spanien erlebt zwei Krisen auf einmal, die Eine hausgemacht, die Andere angesteckt, durch den liederlichen Umgang mit den Grundregeln des Geldflusses in der Marktwirtschaft, zuerst Weltfinanz- inzwischen Weltwirtschaftskrise genannt. - Dabei sieht der spanische Bankensektor bewundernswert sauber aus, die Santander vermeldet noch Gewinne, wo sogar der Ackermann die Schultern zucken muss. - Spanien hat die eigene Immobilienkrise sogar noch heftiger erwischt als die Weltwirtschaftskrise, nur läuft das fast parallel ab, so dass man nicht immer genau erkennt, wo den hier Ursachen, Wirkungen und Verrenkungen herkommen. - Allerdings muss man eines sagen, Spanien wird länger an den Folgen der hausgemachten Krise knabbern, als an den Auswirkungen der "Krise" im medialen Allgemeinen. - Der Finanzfluss, oder sollte man sagen "Überfluss", den biegt man doch gerade wieder hin und herzlich wenig Lehren zieht man heute, obwohl doch noch so betroffen, aus dem endlich aufgeflogenen Schwindel des gepumpten Fortschritts. - Gehen wir zurück zu unseren eigenen Problemen, ich mache mich sonst noch der klammheimlichen Schadenfreude schuldig. - Spanien hat einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung hinter sich gebracht, allerdings vorfinanziert und ungebremst gewachsen, bis über allen nur erdenklichen Bedarf hinaus. - Ein aus dem Boden gestampfter Bausektor, den ein nimmermüder Immobilienhandel mit oft fragwürdigen Krediten und Möglichkeiten der Geldunterbringung mit sich zog, verflüssigt und breitgetreten von einer Korruptionslawine in lokalen Korporationen, die niemals komplett aufgedeckt wurde und vor denen die spanische Justiz hoffnungslos kapitulieren musste. - Dieser Sektor der völligen Übersättigung, der konnte sich nur noch selbst stoppen und das ist nun passiert, mit den brachialen Folgen einer wahnsinnig schnellen Freistellung von, man muss es leider sagen, Millionen an Arbeitnehmern. - Es geht ja nicht nur um die Arbeitsplätze im Bausektor selbst, sondern auch um die vielen zuarbeitenden Betriebe, so dass nun Spanien, vor Jahren noch Vorzeigeland im europäischen Vergleich was die Arbeitslosigkeit angeht, nun die höchste Arbeitslosigkeit aller Euro-Länder verzeichnen muss. - Aktionen gegen dieses Problem verpuffen fast wirkungslos, weil man eben in einen Sektor investiert, der nicht mehr handlungsfähig ist, und in dem Maße in Zukunft auch keinen Bestand mehr haben kann.

Es ist wie Methadon für Süchtige und man wird sich eingestehen müssen, ohne Strukturwandel keine langfristigen Änderungen an dieser Situation herbeiführen zu können, so viele Wohnungen und Häuser wie in den letzten 10 Jahren in Spanien gebaut wurden, so viele braucht kein Mensch und bis es wieder Bedarf gibt, so lange wird man diesen Sektor kleinschrumpfen und gesunden müssen, aber das geht wohl nicht mehr ohne Amputationen. - Grausam dabei die kurzsichtigen Impulsinvestitionen der Kanarischen Regierung, die einen völlig aus den Fugen geratenen Bausektor nun mit Geldspritzen am Leben halten will. - Warum sie das macht, obwohl auch in der Regierung sicher ein paar denkenden Menschen sitzen ist ganz klar, man braucht schnelle und greifbare Erfolge, mit denen man seinen Machtanspruch irgendwie noch rechtfertigen kann. - Allerdings zögert man das Siechtum damit nur noch heraus, und pflanzt dabei noch ganz schlimme Bausünden in die bereits so gebeutelte Landschaft. Leider koste es was es wolle, obwohl finanzielle Anschübe in neue und intelligente Wirtschaftssektoren eigentlich deutlich nachhaltiger wären. - Ich muss aber auch ganz nüchtern gestehen, dass ich mir nicht sicher bin, ob es denn eine sozialistische Regierung an der Spitze der Kanarischen Inseln schlauer handeln würde. - Ein kleines Beispiel dafür, wie schwierig es sein wird, kurzfristig die Arbeitslosigkeit auf den Kanaren zu bremsen ist ein Konjunkturprogramm, aufgelegt bislang nur hier auf La Palma. - Da werden Firmen gesponsert, mit bis zu 4.000 Euro und der Zahlung der Sozialabgaben, wenn sie Überstunden abbauen und dafür neue Leute einstellen. - Das Programm läuft seit knappen drei Monaten und bislang hat man damit 31 neue Arbeitsplätze schaffen können. - In der gleichen Zeit ist die Arbeitslosigkeit auf La Palma, und wir sind die Insel mit dem geringsten Wachstum der Zahl der Arbeitslosen der Kanaren, aber um 650 angewachsen. - So muss sich der Tropfen auf dem heißen Stein anfühlen und wir werden die Zähne zusammenbeißen müssen in den nächsten zwei bis drei Jahren und vielleicht endlich mal einsehen, dass wir einer deutlichen Zäsur gegenüberstehen die ausgestanden werden muss und nicht mit Pflastern, Subventionen und der Abschaffung von urbanistischer Kontrollen zu bewältigen ist.



Dienstag 10.02.09 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 11 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 75 % - Luftdruck 1017 hPa

Provinzplörre

Was für Tenerife taugt, das muss noch lange nicht gut sein für uns. - Das ist eigentlich jedem klar, hat doch diese kleine Insel viele Besonderheiten, welche uns deutlich von der großen Nachbarinsel unterscheiden. - Auch beim Wein ist das so und beim Weingenuss. - So haben sich über die Jahrhunderte Traditionen auf den einzelnen Inseln entwickelt, welche die charakteristischen Eigenschaften der Weine garantieren und nun will man diese Vielfalt mit Macht, mit der Macht der Großen, eliminieren. - Seit nunmehr zwei Jahren werden die Einstufungen, ob es sich um reinen Tafelwein handelt, oder um einen Qualitätswein mit irgendeinem Prädikat, nicht mehr auf den einzelnen Inseln vorgenommen, sondern zentral auf Tenerife, vom "ICCA" (Instituto Canario de Calidad Agroalimentario). Man versprach sich von der Zentralisierung der Kontrollen Kosteneinsparungen und eben auch eine Homogenisierung der Qualitätsansprüche bei den kanarischen Weinen. Unterstützt wird diese Maßnahme von einem Gesetz des Landwirtschaftministerium, welche spanienweit diese Qualitätskontrollen auf Provinzebene stellt. - Allerdings kommt dabei für die kleinen Inseln und in diesem Fall La Palma eben heraus, dass unsere Weine nun deutlich schlechter abschneiden als noch vorher, der Anteil an Qualitätswein gegenüber den einfachen Tafelweinen ist in den beiden letzten Jahren stark gesunken. - Nun könnte man ja einfach sagen, wir hier auf La Palma könnten keinen Wein anbauen und hätten uns früher bei den Proben auf Inselbasis immer selber in den Most gelobt.

Das stimmt aber so nicht, denn unsere Weine fallen nicht bei den chemischen Analysen durch, wo man gepanschte Tropfen sehr gut erkennen kann, sondern bei den sensorischen Prüfungen. - Diese "Sinnesprüfung" besteht eben aus der Verkostung durch Spezialisten der Weinwirtschaft und das sind zum größten Teil Winzer und kommerzielle Händler aus der Branche, denen man sicherlich nicht die Professionalität ihrer Tätigkeit vorwerfen kann, wohl aber einen gewissen Mangel an Objektivität. - Das Gremium ist zwar paritätisch bestückt, aber die kleinen Inseln kommen dabei zahlenmäßig dermaßen schlecht weg, weil wir die Mengen einfach nicht bringen. - So sind die Tester fast allesamt aus Tenerife und eigentlich kann man sogar Verständnis dafür aufbringen, dass denen die eigenen Weine am besten schmecken. - Die meisten Weine aus La Palma wurden in der sensorischen Prüfung als "untypisch" beschrieben und da muss man dann wirklich fragen, an welchem Typ man sich denn dabei reibt, bringt doch jede Kanareninsel einen komplett eigenen Wein hervor der eben für die Insel typisch ist, nicht aber für die Provinz, die in dem Fall aus mehreren Inseln besteht. - Winzer die lange im Geschäft sind, die erkennen natürlich auch ihre eignen Tropfen sofort am Geruch und Geschmack und werden einen Kröver Nacktarsch wohl von einem Würzburger Stein unterscheiden können. - Das wäre ein bisschen so, als ob man Moselwinzer Frankenweine klassifizieren lassen würde, mir deucht dabei ein krummes Ergebnis. - Abhilfe dieser "typischen" Bevorzugung des wirtschaftlichen Interesses der großen Inseln gäbe es nur, wenn man die Zusammensetzung der Jury deutlich anders besetzen würde, oder mit dieser provinziellen Gleichmacherei einfach wieder aufhört und die Weine dort verkostet wo sie entstanden sind, nämlich auf den Inseln selbst. - Dann heißt es natürlich wieder, Eigenlob stinkt und wir würden viel zu vielen Weinen von der Insel ein Qualitätssiegel verpassen. - Hintergrund der Geschichte ist natürlich, dass die großen Kellereien auf Tenerife keine Importkonkurrenz haben wollen und so darauf achten, dass Weine von den anderen Inseln nicht als Qualitätswein in den Supermärkten Tenerifes auftauchen. - Wir könnten ja auch den Spieß einfach mal umdrehen und die Weine Tenerifes von einer palmerischen Kommission prüfen lassen. - Ich kann mir das Ergebnis gut ausmalen.



Montag 09.02.09 - 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 16 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 72 % - Luftdruck 1018 hPa
Höchsttemperatur heute 19,0 Grad - niedrigste Temperatur 12,8 Grad

Armenspeisung in Los Llanos auf der Tagesordnung

Soziale Netze taugen meist nicht für kleine Fische. - Früher, als alles anders war und nur manches besser, da gab es das soziale Netz nur in der Familie. Das ist besser geworden, scheinbar möchte man eigentlich hinzufügen, denn immer noch gelingt es auch nicht in wohlhabenden Ländern wie Deutschland oder Spanien, auch jeden noch so kleinen Fisch irgendwie aufzufangen. - Wer auf der Treppe der sozialen Leiter nach unten nicht mehr auf eine Familie zählen kann, die einem niemals den Teller Nahrung verweigert, der findet sich zunächst bei den "zuständigen" Behörden ein und da wird ihm geholfen. - Das geschieht auch, sei es nun durch Sozialhilfe oder im Bereich der Caritas und dennoch gibt es immer wieder und leider immer mehr, die auch durch die Raster der Behörden noch fallen. Sei es, weil sie nie angemeldet gearbeitet haben, einen verschlungenen Lebensweg hinter sich der keine zählbaren Spuren hinterlassen hat, oder Immigranten sind, die sich bislang mit Hilfsdiensten über Wasser gehalten haben, nun aber in der "Krise" keine solchen Posten mehr bekommen. - In der Tat kann man hier von einem Personenkreis sprechen, der eigentlich "rechtlos" ist, was in dem Falle heißen soll, keinen behördlichen Anspruch (mehr) auf irgendwelche Leistungen hat.

In Los Llanos, seit Jahren so was wie Boomtown und für unsere kleine Insel und damit auch Anziehungspunkt Nummer eins für Glücksritter und Knappen sämtlicher Couleur, melden nun die Hilfsdienste einen deutlichen Anstieg an Hilferufen gerade solcher Personen, die eben in kein soziales Raster passen, sondern einfach durchfallen. - Die Caritas hilft hier, allerdings mit sehr bescheidenen Mitteln und lange wird diese Organisation das nicht mehr auffangen können. - Das Rathaus von Los Llanos möchte nun, zusammen mit der nicht behördlichen Hilfsorganisation und Stiftung "Fundación Solidaridad La Palma" eine "Tafel" in der Stadt eröffnen, wo man eben mit besseren Ressourcen und auch mehr Platz als bisher, zumindest den Hunger der Menschen stillen kann, die keinen Platz an einem anderen Tisch mehr finden. - Das stellt sich aber nicht so einfach dar, die Stadt gibt wohlmöglich den Raum, allerdings sollen die Mittel für die Mahlzeiten aus Sach- und Geldspenden von Investoren kommen, die sich irgendwo hier auf der Insel versteckt haben müssen. - Mal sehen, ob die sich freiwillig melden. - Das Personal käme von der "Fundación Solidaridad La Palma", die wohl einige Freiwillige in ihren Reihen haben, die das angehen wollen. - Es wird also wieder mal nur am lieben Geld liegen, wenn dieses Projekt nicht bald verwirklicht wird. - Es wäre die erste "Tafel" hier auf La Palma, bislang "kochte" dieses Problem auf kleinem Süppchen und konnte es mit kleinen Mitteln beheben. - Das wird wohl auch hier nicht bleiben und man sollte sich vielleicht nicht nur in Los Llanos mal Gedanken machen, wie denn diese neue soziale Anforderung gemeistert werden kann.



Montag 09.02.09 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 12 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 83 % - Luftdruck 1017 hPa

Die Krisenwürmer

Man sollte mehr auf die Zeichen der Natur hören. - Die Geschichten sind uns ja alle bekannt, von warnenden Gänsen, die auf kriegerische Handlungen hinweisen, von Vogelschwärmen die vor dem Vulkanausbruch warnen und da gab es auch mal eine Erzählung, nachdem im Staate Iowa kurz vor der Wahl des zweiten Bush-Kriegers ein Waschbär einen Sack Mais umgestoßen haben soll. - Aber wir hören ja nicht drauf, sondern verlassen uns lieber auf Nachrichten, Statistiken, Geheimdienste und das, was wir unsinnigerweise als gesunden Menschenverstand deklarieren. - Hätten wir so etwas, wie den angesprochenen "mens sano", dann blieben wir bei Regenwetter und Kälte im Bett, machten aus Soldaten Feuerwehrleute und hätte im Garten Kartoffeln anstatt Rosen und Zierrasen. - Also werden wir weiterhin abhängig sein von Managern, Politikern und Spekulanten, die uns dann im Nachhinein erklären, warum wir, die Steuerzahler, für alle auftretenden Schäden haften müssen, welche denen beim Geld verdienen so unterlaufen sind. - Hätte man das alles nur früher gewusst und auf die Natur gehört, denn es gab deutliche Hinweise, dass diese Welt sich auf eine feiste Finanz- und anschließend Wirtschaftskrise hinbewegt. - Nordkoreanischen Wissenschaftlern, allen voran Dr. Kim Sing Sang, ist es nämlich nun gelungen, einen direkten Zusammenhang zwischen dem massenhaften Auftreten von Tausendfüßern der Gattung "Diplopoda julidae ommatoiulus moreleti" auf La Palma und einer weltweiten prosperierenden Wirtschafthausse nachzuweisen. - Wer kennt, oder kannte sie nicht, diese kleinen possierlichen Tiere, die uns in den Jahren 2001 bis 2005 so massenhaft besucht haben, als Hedgefonds noch mit Fondant oder Fondue verwechselt wurden und so mancher Staatschef oder Chefin noch von ausgeglichenen Haushalten sprach und von Vollbeschäftigung.

Aber schauen wir noch mal genau hin. - Bereits im Winter 2005 konnten wir die ersten Anzeichen dafür wahrnehmen, dass irgendetwas nicht mehr rund läuft im Weltbusiness. - Spürbar ließ die Menge der auftretenden Tausendfüßer nach, es gab Tage, da konnte man sogar wieder die Farbe der Hauswände erraten, so deutlich nahm die Zahl unserer Maskottchen bereits im ersten Vorkrisenwinter ab. - Mit Immobilien war plötzlich kaum noch was zu verdienen, also sattelten die Spekulanten um auf Solartechnik und setzten auf einen steigenden Ölpreis. - Das half zunächst noch ein bisschen und Deutschland war immer noch Weltmeister im Export. - Winter 2006, da gab es Tage, an denen man geradeaus auf der Terrasse laufen konnte, ohne mindestens einhundert Tausendfüßer pro Schritt zu zertreten, gleichzeitig warnten berühmte Börsenfachleute bereits vor einer möglichen Überhitzung. - Winter 2007, erst nach dem ersten Regen trauen sich wenige Tausendfüßer auf die Straße, werden von heranrasenden Progressionslastkraftwagen sofort überrollt und die Tiere mussten sich auf ihre angestammten Positionen in der freien Natur zurückziehen. - An Hauswänden und auf Terrassen werden nur noch vereinzelte Exemplare gesichtet, aus Verwunderung darüber zertrat man die kleinen Krabbler nun nicht mehr, sondern warf sie lediglich auf den immer noch gepflegten Zierrasen. - Die Überhitzung auf dem Finanzsektor sorgt für massive Kapitalflucht in die Energiemärkte, nach Liechtenstein und auf den Sektor der Edelmetalle, Kredite werden plötzlich nicht mehr als Sicherheiten anerkannt. - Winter 2008, letzte freilebende Tausendfüßer werden mit Fußpilz und Schwielen unterhalb des Birigoyo in der Gemeinde El Paso gesichtet, bei dem Versuch die Tiere zu retten stürzen 12 Mitglieder der Börsenaufsicht in den Tod, Dr. Kim Sing Sang notiert das mit Kerben auf seinem Taschenrechner. - Winter 2009, es gibt keine Tausendfüßer mehr auf La Palma, die Arbeitslosenzahlen schnellen in die Höhe, nachdem man bereits das Jahr 2008 über erkennen musste, das Geld alleine zwar glücklich macht, aber zum glücklich sein immer zwei gehören und das Geld dabei nicht fehlen sollte. - Schwere Jahre liegen nun vor uns, die Weltbank hat nun bereits mit Dr. Kim Sing Sang ein Wiederaufzuchtprogramm für Tausendfüßer auf La Palma angeschoben, etwa 2011 rechnet man mit den ersten Erfolgen und einer stabilen Population und der damit einhergehenden Regenerierung der Weltwirtschaftslage. - Sollten Sie also in den kommenden Wochen auf einen kleinen Tausendfüßer stoßen, treten Sie bitte nicht auf das Tier, das könnte nicht absehbare negative Folgen für die gesamte Welt haben. - Nehmen Sie das Tier vorsichtig mit zu sich, füttern es mit, in lauwarmem Wasser aufgelösten Brei aus 500 Euro-Scheinen, und achten Sie auch darauf, dass es sich dabei auf keinen Fall um Kredite handelt, das bekommt dem kleinen Kerl nicht. - Dann melden Sie sich bei Dr. Kim Sing Sang, bloß nicht beim Ackermann, das haben wir viel zu lange schon versucht. - Nicht, das ich behaupten möchte Recht zu haben, aber der Ackermann, die Merkel und wer da noch alles was zu sagen hat, die wissen das keinen Deut besser.



Sonntag 08.02.09 - 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 16 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 77 % - Luftdruck 1018 hPa
Höchsttemperatur heute 17,0 Grad - niedrigste Temperatur 10,8 Grad

Narrendiebstahl

Die Physik lehrt uns, wo ein Körper ist, da kann kein anderer sein. - Will man diese, zweifelsohne richtige Aussage, mal auf die Geschäftswelt übersetzen und den Karneval, dann kommt dabei heraus, wer den Karneval in unserer Hauptstadt Santa Cruz feiert, der kann das nicht gleichzeitig in Los Llanos tun. - Da aber der Karneval ein Geschäft ist und wir irgendwie in der Krise stecken, muss man möglichst dafür sorgen, dass man den Karnevalisten die Möglichkeit gibt, alle Veranstaltungen zu besuchen. - Entzerrung ist angesagt und man solle doch die Höhepunkte dieses heidnischen Festes mit christlichem Datum in beiden Städten an unterschiedlichen Tagen abhalten, dann könne man sicher sein, dass man sich nicht gegenseitig die Narren wegschnappt. - Diese Vorschläge kommen aus der Richtung der beiden Organisationen der "Centros de iniciativas turisticas" und sicher gibt eine solche Entzerrung der Festivitäten den Karnevalisten die Möglichkeit, noch mehr in dieses tiefe und wilde Treiben des Karnevals einzutauchen. - Was sind denn nun die Höhepunkte und da muss man eben den "Día de los Indianos" in Santa Cruz nennen, der Tag an dem sich alle weiß kleiden und auf diese Art und Weise den reich gewordenen Immigranten nach Südamerika satirisch die Ehre erweisen. - Dabei wird das Talkumpulver tonnenweise über die feiernden "Indianos" ausgeschüttet, wild, ausgelassen und extrem alkoholorientiert wird dieses Fest gefeiert. Man möchte besonnenen Zeitgenossen eigentlich abraten, sich in später Stunden noch auf dieses Fest zu begeben, es droht ein möglicher Kulturschock und vielleicht gefällt es ja so gut, dass es danach keine Rückkehrmöglichkeit in den banalen Alltag mehr geben kann. - Es ist, von der Besucheranzahl sicherlich das größte karnevalistische Spektakel auf La Palma, findet immer am Rosenmontag statt und legt die Hauptstadt für diese einen Tag immer komplett lahm.

Der Konkurrenzkarneval dazu findet in Los Llanos statt, ohne einen emblematischen "Día de los Indianos" aber auch mit Massen an Talkum und dem eigentlich länger anhaltendem Straßenkarneval. - Da ist in der heißen Woche jeden Tag Tanz bis in die Grauen des Morgens, daneben gibt es die Wahlen der Königinnen und den großen Umzug, der auch extrem viele Leute an und auf die Straßen lockt. - Bei so viel Programm ist es eigentlich gar nicht so einfach hier von "Entzerrung" zu sprechen, man kann den Karneval ja schließlich nicht in den Sommer verlegen, wobei man diese Idee mal ganz nüchtern weiterspinnen könnte, wir sind doch sonst auch nicht auf die Pragmatikdrüse gefallen. - Den "Día de Los Indianos" wird man nicht verlegen können, das ist traditionell fest eingebrannt, also müssten die karnevalistischen Kollegen aus Los Llanos diesen Tag eine Auszeit nehmen und das wird denen sicher nicht wirklich gefallen, geht es ums Geschäft oder um die Ehre der Stadt, dann werden selbst solche paninsularen Narrenbräuche zu einer höchst ernsthaften Angelegenheit. - Man fürchtet aber halt ums Geschäft, da ist einerseits die Finanzkrise und auf der anderen Seite die erbarmungslose Guardia Civil, die uns das Trinken abgewöhnen will oder das Autofahren, oder vielleicht nur beides zusammen. - Man hat nun, seitens der Gemeinden, einige Programmpunkte bereits abgespeckt und fürchtet nun ein bisschen um das gute Geschäft während der Tollen Tage, immerhin versteigern die beiden Städte die Standflächen für die vielen Kioske sehr Gewinn bringend und je mehr Krise und Polizei an der Trinklaune der Narren knabbert, umso weniger Geld landet schließlich in den Gemeindekassen. - Man kann also davon ausgehen, dass dieser Vorschlag irgendwo gleich hinter den ersten Türen in den Rathäusern verpufft, sollen die anderen doch ihre Feste verschieben, wir müssen schließlich darauf achten, dass unsere Gewerbebetriebe möglichst zufrieden aus der großen karnevalistischen Schlacht heraustreten. - Ein dreifaches Hallo und Olaf, oder wie das am Rhein heißt, jeder feiert da wo er will und so lange er noch stehen kann.



Sonntag 08.02.09 - 09:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 12 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 80 % - Luftdruck 1020 hPa

Natürliches Mineralwasser aus La Palma

Wir sind hier ja kleine Snobs und spülen sogar unser Klo mit Mineralwasser. - Zumindest ist das, was aus dem Berg kommt in Mineralwasserqualität, lediglich unser veraltetes Leitungssystem über viele Kilometer hinweg macht aus dem wunderbaren Mineralwasser ganz normales Wasser, welches von den lokalen Gemeindeverwaltungen auch noch gechlort wird. - Das macht man um dem Gesetzgeber genüge zu tun, aber fast alle haben hier noch nebenher auch "Privatwasser", welches nach Aktienanteilen berechnet über viele Verteilerstationen zu den einzelnen Haushalten läuft. - Das taugt aber vor dem Gesetz nicht als Trinkwasser, wer einen Gewerbebetrieb hat, sei es nun Gastronomie, Lebensmittel verarbeitendes Gewerbe oder auch einfach nur Ferienhäuser hat, der muss das gechlorte und ständig überprüfte Stadtwasser durch seine Leitungen laufen lassen. - Schade sagen viele dazu, denn das fast kalkfreie Wasser aus unseren Bergen verliert durch die Chlorung natürlich den guten Geschmack und wer gerne Tee trinkt, der holt sich sein Wasser lieber aus öffentlichen Brunnen oder eben aus dem Supermarkt. - Beim "Privatwasser" ist halt einfach nicht sichergestellt, dass es auf dem weiten Weg aus den Bergen bis in den Haushalt nicht verschmutzt und wer da mal ein bisschen in die Leitungen und die Verteilerstationen hineingesehen hat und auch in die Lagerbehälter die jeder Haushalt noch mal hat, der steht dem ungebremsten Genuss dieses Wassers eher skeptisch gegenüber. - Aber keine Panik, man kann das Wasser wunderbar zum Kaffee- oder Teekochen nehmen, auch zum Zähneputzen, da passiert nichts. - Lediglich den störanfälligen mitteleuropäischen Stressmägen empfehle ich doch, das Wasser zum Trinken, welches man durstig in sich hineinschüttet, doch lieber aus den Kanistern zu holen welches für wenig Geld im Supermarkt zu kaufen gibt.

Jetzt sind wir also beim Wasser im Laden angekommen und da bieten zwei Abfüller aus La Palma ihre Produkte an. "Aguas de Aridane" auf der Westseite und "Aguas de La Palma" die ihr Wasser aus der Quelle "Barbuzano" gewinnt, im "Barranco de Los Gomeros" unweit der Hauptstadt Santa Cruz. 25 Millionen Liter füllen die beiden Firmen jedes Jahr ab, der Großteil davon geht nach Tenerife und Gran Canaria, wo Wasser aus La Palma immer beliebter wird. - Auch wenn diese Wasser allesamt in Mineralwasserqualität erzeugt werden, verkauft man die Produkte dennoch unter der einfacheren Bezeichnung "Tafelwasser". - Ganz einfach aus dem Grund, weil die Auflagen zur Abfüllung von Mineralwasser so viel höher sind, dass man aus Kostengründen darauf bislang verzichtet hat. - Wasser ist billig, die Flaschen selbst kosten deutlich mehr als der Inhalt und da muss man knapp kalkulieren um noch rentabel zu arbeiten. - Die Firma "Aguas de La Palma" ist den Fall aber nun angegangen und hat nach guten zwei Jahren Papierkrieg, Analysen, und der Anschaffung von neuen Maschinen nun den Titel erhalten "Natürliches Mineralwasser" - "agua mineral natural" und wird ihr Wasser zukünftig auch unter diesem Adelstitel für Wasser vertreiben. - Auch ein neues Design wird es geben, allerdings stehen im Supermarkt noch die Flaschen mit den alten Etiketten, so dass ich auch noch nicht weiß, wie das "neue" Wasser aussehen wird. - Man erwartet sich von der Aufrüstung des Image besonders im Export Vorteile, man hat zwar auf dem kanarischen Markt bereits große Erfolge, aber man peilt auch die spanische Halbinsel als Absatzmarkt an und da würde man dann gegen große Marken antreten, wie zum Beispiel das berühmte "Vichy Catalán" aus Girona. - Mal sehen, ob man so "altes Wasser in neuen Schläuchen" besser verkaufen kann und wir trösten uns mit dem Wissen, dass dieses Wasser immer schon in Mineralwasserqualität durch unsere Kehlen geronnen ist und nicht erst, seit dem es auch auf der Flasche steht. - Chapeau Aguas de La Palma, beim Verkaufserfolg zählen halt die demütig geheim gehaltenen Inhalte nicht so viel, da muss man protzen und nicht tröpfeln.



Samstag 07.02.09 - 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 61 % - Luftdruck 1019 hPa
Höchsttemperatur heute 18,8 Grad - niedrigste Temperatur 10,7 Grad

Die Saubermänner kommen

Los Llanos ist schon eine lustige wie bemerkenswerte Stadt. - Die Metropole dieser Insel, arrogant, geschäftig, weltoffen und doch so provinziell schön, dass wir Bauern aus El Paso schon immer ein bisschen neidisch auf die große Stadt in unserem Westen gucken. - Allerdings ist Los Llanos auch eine absolute politische Hochburg der Coalición Canaria, das ist fast reif für die Monarchie, selbst in Bayern gibt es inzwischen mehr demokratische Umgangsformen als in Los Llanos. Man muss sich das nur mal vorstellen, Los Llanos hat etwa dreimal so viele Einwohner wie El Paso, aber in den letzten Kommunalwahlen wählten dort weniger Menschen die Sozialisten als in El Paso. - Gut, hat uns auch nichts genützt, nächsten Samstag ist auch bei uns wieder ein Bürgermeister der Coalición Canaria an der Macht, allerdings eben nur mit Hilfe gedungener Steigbüglerhalter anderer politischer Gruppierungen. - Nein, ich habe es immer noch nicht ganz verwunden, so ab und zu muss das noch mal in einem Nebensatz raus. - Aber ich wollte ja über Los Llanos erzählen und den Versuch, die Stadt noch schöner, in dem Fall auch noch sauberer zu bekommen. - Es gibt neue Richtlinien für das Verhalten in der Öffentlichkeit, es geht um Müll und um Müllentsorgung und nun steht auch der Strafenkatalog fest, was denn der erwischte Übeltäter zu berappen hat, wenn man ihn denn dabei erwischt, wie er die Stadt verferkelt.

Die Strafen reichen bei einfachen Vergehen, von mindestens 300,- Euro, bis hinauf zu einer zu 30.000,- Euro, wenn es sich um schweres Fehlverhalten in Sachen "haltet unsere Stadt sauber" geht. - Sie haben richtig gelesen, die Mindeststrafe sind 300,- Euro und man betont das auch noch extra, selbst wenn man nur einen Kaugummi oder das Papier dafür unachtsam auf die Straße wirft, ist diese Strafe fällig. - Wer die Hinterlassenschaften seines Fiffis nicht wieder entfernt ist auch mit 300,- Euro dabei und wegräumen muss man es hinterher doch noch selber und humanes Pinkeln in der Öffentlichkeit wird ebenso bestraft. - Ich muss dabei mal an den Straßenkarneval denken, wenn Tausende fröhlicher und beschwipster Karnevalisten vor den drei längst übergelaufenen Dixi-Klos stehen, um dann notgedrungen und meist mit einem wohligen Grunzen aufstöhnenden jede geringste Deckung ausnutzen, um die gefüllte Blase endlich zu erleichtern. - Millionen könnte man da machen, aber Karneval ist eh immer Ausnahmezustand und ich möchte den Lokalpolizisten sehen, der es wagt im Karneval um 3 Uhr morgens gegen Pinkler Strafen auszusprechen. - Auch das Ausschütteln von Betten und anderer Wäsche von den Balkonen aus steht dann unter Strafe, Frau Holle wohnt allerdings nicht in Los Llanos, so kann sie beruhigt weiterschütteln. - Auch ist es verboten Tiere auf der Straße zu füttern, seien es nun Tauben, Katzen oder Hunde, das kostet, neben dem Tierfutter auch noch die besprochenen 300 muntere Mücken. - Härtere Strafen stehen an, wenn man Öl oder andere giftige Flüssigkeiten in den Gully kippt, allerdings ist Gift auf den Bananenplantagen auszubringen weiterhin straffrei. - Es ist sicherlich richtig, dass man zur Einhaltung einer gewissen öffentlichen Ordnung und Sauberkeit Strafen androht, aber 300,- Euro Mindeststrafe für einen weggeworfenen Kaugummi, sind ein Strafmaß, welches nicht wirklich verständlich ist und eigentlich auch nicht anwendbar. - Man muss sich das nur mal vorstellen, welcher Stadtpolizist verfolgt einen Teenager und will ihm dann 300,- Euro abnehmen, weil er das Kaugummipapier neben den Mülleimer geschnippt hat. - Ich bin mal gespannt, ob diese Strafen überhaupt ausgesprochen werden und damit stempelt man sich selbst dann zum Papiertiger. - Sollte eigentlich mit 300,- Euro Strafe belegt werden, der unsinnige Verbrauch von Papier…



Samstag 07.02.09 - 09:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 12 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 75 % - Luftdruck 1019 hPa

Nie dürft Ihr so weit sinken…

…den Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu trinken. - Der Kästner Erich, der hatte es eh drauf, auch der gehört zu den paar Figuren, von deren Charakter ich mir für die heutige Zeit ein paar mehr in der Öffentlichkeit wünschen würde. - Aber was haben wir, Stefan Raab, Michel Friedman, Oliver Pocher und noch ein paar weitere Flitzpiepen der ebenso einfach wie banal strukturierten Unterhaltungsklasse. - Aber wir wollen uns nicht an solchen Strolchen des billigen Populismus festhalten, eigentlich wollte ich Ihnen was fast Lustiges erzählen, mit dem man sich hier auf La Palma nun schon zwei Wochen in den Medien beschäftigt und fast noch dusseliger ist, als wenn Michel Friedman über den Papst plaudert. - Hier gibt es seit ein paar Jahren die von der Inselregierung gesponserte "Sodepal" (Sociedad de Promoción y Desarrollo Económico de la Isla de La Palma), eine Organisation mit reichlich Personal dotiert, welche sich um den wirtschaftlichen Aufschwung der Insel bemühen soll. - Das tut man auch, mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg, allerdings kann man nicht so richtig einstufen, ob denn diese Organisation mehr Geld kostet als sie in ihrer Tätigkeit wieder vorne produzieren kann, aber das ist halt so in der Welt der Werbung und der öffentlichen unterhaltenen Lobbyisten. - "Sodepal" legte nun ein Projekt auf, in dem es gilt, 501 Vorschläge zu machen, wie man denn auf La Palma mit neuen Geschäftsideen junge Menschen zur Selbstständigkeit bewegen könnte. - Geschäftsmodelle so zu sagen, keine schlechte Geschichte, vielleicht kann sich ja der eine oder andere da eine Idee abgucken und ein bisschen Schwung in unsere verkrustete wie schwer traditionell geprägte Geschäftswelt bringen.

Unter reichlich Vorschlägen, manche eigentlich nicht neuerer Natur, andere einfach abstrus, aber viele auch brauchbar, erschienen nun auch Tipps, man könne einen "Oben ohne" Autowaschdienst anbieten, oder das Fälschen von Kunstwerken zur Geschäftsidee machen. - Ein bisschen daneben könnte man meine, wobei es das mit dem "Oben ohne" bereits in vielen anderen Ländern gibt, nur eben auf La Palma noch nicht. - Gemälde fälschen ist ein krimineller Akt, das gehört eigentlich nicht dahin, allerdings meinten die wohl kopieren, titulierten das aber als "flasificar". - Wenn man nun will, dann kann man sich darüber aufregen und "Sodepal" wäre gut beraten gewesen, zumindest diese beiden Vorschläge einfach aus dem Katalog zu streichen. - Das ist aber zu spät geschehen und hat nun eine Medienkampagne heraufbeschworen, die sich längst auch in der nationalen Presse niederschlägt, als lustiges Ausrufezeichen in der ganzen widerlichen Krisenberichtserstattung. Die Sozialisten hier auf La Palma, allen voran die immer streitbare Mercedes Coello, fordern nun gar den Rücktritt des dafür zuständigen Inselrates César Martín, weniger wegen des fälschlich als Fälschung deklarierten Kopiervorschlages von Meisterwerken, sondern sie sieht in dem Vorschlag nach "top-less" die Würde der Frauen angetastet und so etwas darf nicht ungestraft geschehen. - Inzwischen redet hier jeder über den "Fall top-less", eine Mücke konvertiert zum Elefanten und nun wurde der missglückte Vorschlag sogar in einem Plenum der Inselregierung beraten, man hat ja sonst nichts zu tun. - Einzig unser extrem dickfelliger Inselpräsident Jose Luis Perestelo hat noch ein bisschen die Contenance bewahrt und reagiert auf die Angriffe der Opposition mit dem schelmischen Hinweis, noch nie hätten so viele nationale Medien bei ihm um Stellungnahmen gebeten und er hätte so endlich mal die Möglichkeit kostenlose Werbung Spanienweit für unsere Insel machen. - Den Kakao tranken schließlich andere Kollegen der Coalición Canaria in dem sie doch tatsächlich argumentieren wollten, in dem Vorschlag über die "Oben ohne" Autowäschen stände doch gar nichts von Frauen, es könnten doch ebenso Männer sein, die so ihre Dienste anbieten sollen. - 8.500 Arbeitlose auf La Palma und die höchste politische Einrichtung der Insel debattiert, ob "Oben ohne" frauenfeindlich sei, auch wenn es Männer machen und ganz Spanien lacht über uns. - Erich Kästner hätte seine pure Freude dabei und ich schäme mich ein bisschen für unseren wenig entwickelten Sinn für wirklich wichtige Dinge.



Freitag 06.02.09 - 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 59 % - Luftdruck 1014 hPa
Höchsttemperatur heute 20,2 Grad - niedrigste Temperatur 10,4 Grad

Zu Fuß von Puerto de Naos nach Charco Verde

Das ist eh ein alter Traum, zumindest wenn man es vom touristischen Sektor aus betrachtet, Fußwege an der Küste sollen uns den Atlantik zugänglicher machen. - Wir haben ja bereits von großen Plänen gehört, die praktisch an der gesamten Westküste, mit Ausnahme der Strecke von El Remo nach Zamora, Küstenwanderwege schaffen sollen. - Die Strecke zwischen El Remo und Zamora im Süden ist von der Orographie her einfach nicht geeignet dort Wege anzulegen, einmal ist es meist zu steil und auch würde immer wieder nachrutschendes Geröll die Wege und damit auch die Personen die darauf gehen gefährden. - Zusätzlich befindet sich in dieser Gegend die marine Schutzzone La Palmas, da möchte man am liebsten gar keine Menschen am Ufer sehen, denn wir wissen ja, wo Menschen hinkommen, da hinterlassen sie Spuren und meist keine erfreulichen. - So freuen sich auch nicht alle über diesen "Zugewinn" an Küste, es gibt dringende Proteste der Umweltschützer, nachdem man aus vorgestellten Projekten entnehmen konnte, dass dort sehr großspurig und eher klotzend als kleckernd direkt an die Küstenlinien Wege gebaut werden sollen. - Ein weiterer Kritikpunkt an diesen Küstenwegen ist der Zusammenhang mit dem geforderten Abriss der als illegal eingestuften Siedlugen an den Küsten. - Es ist schwer vermittelbar, dass Hütten und Häuser von Privatpersonen im Küstenbereich einer "Regeneration der Küstenlinie" zum Opfer fallen sollen, die gleiche Behörde aber dort massiv eingreift um Wanderwege anzulegen, was ja nun überhaupt nicht mit einer Regeneration, also die Rückführung in den Urzustand zu tun haben kann. - Man vermutet eben hinter den Plänen für die Küstenwanderwege klare Konzessionen an eventuelle touristische Investoren. - So werden die Wanderwege nicht vermittelbar und sorgen unter den Hüttenbewohnern der betroffenen Siedlungen für weiteren Unmut.

Dennoch muss man auch ganz klar sagen, im jetzigen Zustand sind die größten Teile der Küste La Palmas auf der Westseite für niemanden zugängig, außer man schleicht sich auf den Wegen entlang, welche als Zufahrten für die Bananenplantagen dienen, kann dann aber nicht weiter am Meer entlang laufen, es sei denn, man springt über die Felsen, was nicht nur bei rauer See ein gefährliches Unterfangen ist. - So wird es auch reichlich Zank zwischen der Küstenbehörde und den Bananenpflanzern geben, die oft bis weit über das zugelassene Limit ihre Plantagen an die Küste gezogen haben. - So manche Banane muss da weg, so manche Windschutzwand versetzt, oder gar Gewächshaus gestutzt werden, bevor man da einen, immerhin 2 Meter breiten Weg unterbringen kann. - Der Weg darf ja auch nicht direkt an der Küste entlanglaufen, sondern muss aus Sicherheitsgründen etwas ins Landesinnere versetzt werden, sonst holen sich bei schwerer Grundsee die Wellen die arglosen Wanderer. - Der Weg von Zamora bis zur Südspitze ist bereits projektiert, ebenso das umstrittene Teilstück zwischen Puerto de Tazacorte und La Bombilla. Nun informiert die Küstenbehörde über den Abschnitt Puerto de Naos bis nach El Remo. - Knappe 1.700 Meter wird der Weg lang und zwei Meter breit und dafür hat man einen Kostenvoranschlag von 2,5 Millionen Euro angesetzt. - Wann der Weg erstellt werden soll, das kann man aus der Presseerklärung nicht herauslesen, allerdings wohl, dass die Bauzeit sieben Monate betragen soll. - Das erscheint mir allerdings wieder ein bisschen optimistisch, mit all den Problemen die es rund um die Bananenplantagen geben wird. - Aber Optimismus ist erste Bürgerpflicht im Moment, Sie wissen doch, Pessimisten haben die Krise herbeigeredet und es fehlt nur Vertrauen in die Banken…



Freitag 06.02.09 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 10 Grad - Niederschlag 9 mm - Luftfeuchte 70 % - Luftdruck 1011 hPa

Der Puro-Blues

Zigarren aus La Palma sind weltberühmt, haben zwar nicht das gleiche und gleich teure Image wie die kubanischen Zigarren, Kenner der Materie setzen aber unsere handgedrehten "Puros" qualitativ gleich hinter die "Cohibas und Montecristos" oder sogar auf gleiche Lungenhöhe. - Eigentlich kein Wunder, ist doch die Produktion von Zigarren hier auf La Palma ein komplettes Importprodukt aus Kuba, Einwanderer brachten das Wissen und die Fähigkeiten Zigarren zu drehen von der karibischen Insel zu uns nach La Palma und führten dieses Gewerbe erfolgreich bei uns ein. - Bis heute stellen an die 20 kleine Manufakturen, manchmal nur aus einer einzigen Person bestehend, diese Tradition weiter und verkaufen ihre Zigarren meist ausschließlich auf der Insel, sehr wenig geht in den Export oder auf die anderen Kanareninseln. - Auch wenn man meinen könnte, der Zigarrenkonsum sei vom großen und sicher richtigen Anti-Rauch und Raucher Komplex weltweit nicht betroffen, es scheint mehr eine Generationsfrage zu sein, auch hier werden Zigarrenraucher immer seltener und manch eine kleine Manufaktur besitzt heute schon eher Museums- oder Nostalgiecharakter als Gewinn bringendes Unternehmen zu sein. - Allerdings muss man auch hier, anders als im Vatikan, zunächst Selbstkritik üben, mangelnde Fähigkeiten im Marketing sind hauptsächlich dafür verantwortlich dafür, dass dieser Sektor zunehmend auf ein Abstellgleis fährt. - Denn es gibt wohl Bedarf zu decken, auf dem Premium-Sektor findet man international ein festes Publikum, welches wohl bereit ist für gute Zigarren reichlich Geld auszugeben und den müßigen Akt des reinen Tabakkonsums als kulinarischen Pluspunkt pflegt.

Allerdings können wir unsere Zigarren dort nicht angemessen platzieren, wir bleiben bei einem exotischen Dasein in einer von den Kubanern mit Recht, oder mit Nimbus beherrschten Geschäftsidee und rollen und friemeln unsere "Puros" so wie vor dreihundert Jahren und warten darauf, dass uns einer wach küsst. - Darüber hinaus stammt der Tabak, den wir für unsere Zigarren verwenden, auch schon gar nicht mehr aus La Palma, mit kleinen Ausnahmen wird meist aus Südamerika importiert, aber auch aus Indonesien. - Wie es so schön heißt, in der Mischung liegt der Erfolg und natürlich kann man aus einem großen Angebot aus gutem und professionell hergestellten Rohstoff beste Qualitäten durch ausgeklügelte Mischung erreichen, aber dennoch fehlt diesen Zigarren dann ein Merkmal, welches selbstwerbend diese Zunft krönen könnte, Puros aus La Palma mit Tabak aus dem Weltbiosphärenreservat. - Viel zu teuer sei die hiesige Produktion der Rohware bekommt man zu hören und nur noch aus sentimentalen Gründen bauen ein paar Landwirte Tabak an, den sie dann trocknen, fermentieren und so weit aufbereiten, dass befreundete Zigarrendreher daraus ein paar Glimmstangen drehen. - Vor ein paar Jahren legte man sogar mal ein kleines Subventionsprogramm auf, von der Inselregierung gefüttert, aber man muss zugeben, dass kein spürbarer Erfolg geblieben ist, die Zigarrenmanufakturen importieren den Rohstoff weiterhin lieber, aus Kosten, aber auch aus Qualitätsgründen. - Da formt sich doch gleich wieder de Wunsch, oder eine Möglichkeit, dem Sektor einen kräftigen Impuls zu verschaffen und Zigarren aus La Palma anzubieten, die den Seltenheitswert besitzen, auch mit Tabak aus La Palma hergestellt zu sein. - Auf der Finca "El Sitio" bei San Isidro in der Gemeinde Breña Alta gibt es dazu ein kleines und lebendiges Museum, Antonio arbeitet noch den gesamten Komplex der Zigarrenproduktion, vom Samenkorn bis hin zur fertigen Zigarre durch und man muss befürchten, dass er der Letzte seines Standes sein wird, wenn man diese deutlich fordernde Marktlücke nicht endlich schließen will.



Donnerstag 05.02.09 - 17:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 12 Grad - Niederschlag 5 mm - Luftfeuchte 95 % - Luftdruck 1005 hPa
Höchsttemperatur heute 14,2 Grad - niedrigste Temperatur 12,1 Grad

Sturm und Regen

Die oben angegebene Höchsttemperatur ist kein Irrtum, 14,2 Grad tagsüber, das liegt scharf an meiner Schmerzgrenze für meine La Palma Zuneigung. - Wie angekündigt beutelt uns der "letzte" Zipfel des riesigen Tiefs, welches halb Europa momentan in seinem Griff hat. - Zwar lässt der Wind immer mal wieder nach, aber es sind bis an die 50 Knoten, die wir hier im Aridanetal messen. - Auf der Ostseite kommen diese Winde dann als Fallwinde mit noch deutlich höheren Geschwindigkeiten an, so dass der Flughafen La Palma heute seit dem frühen Morgen bereits gesperrt ist. - Alle Windrichtungen zwischen West und Süd haben fatalen Einfluss auf unsere Piste in Mazo, die unberechenbaren Scherwinde machen eine kalkulierbare Landung für die Piloten unmöglich. - Allerdings sind das auch die selteneren Windrichtungen, bei uns weht sonst der Passat aus Nordost und dreht mal auf Ost oder Nord, aber selbst wenn es dabei stürmisch zugeht, beeinflussen diese Windrichtungen den Flughafen nicht. - Jetzt aber ist unser sonst so schützendes Hochdruckgebiet so weit im Westen gelegen, dass das Tief uns seinen Wind fast ungehindert aus West schicken kann. - Bis morgen Mittag erwarten wir weiter heftigen Wind und auch noch mehr Wasser, für die kommende Nacht sind sogar schwere Regenfälle angekündigt. Sollte aber der Wind nicht noch weiter auffrischen, dann müssen wir keine Schäden in der Landwirtschaft befürchten, für die Bananen bewegt sich der Wind noch im Rahmen des Machbaren. - Der Wind wird bis morgen früh zurück auf Nord drehen, dann weiter am kommenden Tag sogar bis Nordost, weil das Tief weiter nach Osten wandert und wieder Platz für das Azorenhoch lässt. Sobald der Wind wieder auf Nord gedreht hat, hören die Niederschläge im Aridanetal auch wieder auf, dann bleibt der Regen im Norden der Insel stecken. - Der ganze Spuk müsste morgen Abend spätestens vorbei sein, danach erwartet uns Passat und Hochdruck vom Feinsten, also unser Wetter und so wie wir es gewohnt sind.



Donnerstag 05.02.09 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 18 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 63 % - Luftdruck 1012 hPa

Saturday night Krach

Vor zwei Jahren gab es in Santa Cruz de Tenerife, Hauptstadt der größten Kanareninsel, sogar mal den Versuch, den Straßenkarneval zu verbieten. - Damals konnten sich die Veranstalter und erzürnte Anwohner, die gegen den Lärm geklagt haben, noch einigen und man versprach Mäßigung gegenüber den schlafenden Nachbarn, aber eben auch gegenüber einem Brauchtum, den die Mehrheit der Bürger unbedingt haben will. - Anders sieht es bei den "allwöchentlichen" Krachquellen aus, die am Freitag- und Samstagabend ihr Hauptgeschäft machen und als Musikkneipe oder "Pub" eben nicht nur die leicht angekratzen Besucher beschallen, sondern gleich die ganze Nachbarschaft mit. - In unserem Santa Cruz hat noch niemand gegen den Karneval rebelliert, aber nun geht es den nächtlichen Musikkneipen an den Kragen, die Beschwerden häufen sich extrem, so dass man auch von politischer Seite aus Handlungsbedarf sieht. - Da wollte man, vor etwa zwei Jahren, sogar noch diese Art der Wochenendunterhaltung fördern, weil es eben um Gewerbebetriebe geht, Arbeitsplätze und Gemeindesteuern, aber das ist nach hinten losgegangen, der Druck der Bürger die ihre Nachtruhe fordern ist nicht mehr zu überhören. - Eigentlich möchte man sagen, das ist der Preis den man dafür bezahlen muss in einer Metropole zu leben, Santa Cruz und Los Llanos sind nun mal am Wochenende das Ziel aller Inseljugend und anderem Vergnügung suchendem Volk und wer mitten in der Stadt wohnen will, der muss auch ein bisschen Krach abkönnen. - Aber da sind die Gesetze inzwischen sehr hart, die Lärmschutzverordnung, so sie denn angewandt wird, tendiert deutlich eher zum Schutz der Anwohner, als dem der Gewerbetreibenden.

Allerdings muss man erst auch jemanden finden, der gewichtig genug die Beschwerden an die entsprechenden Stellen weiterleitet, der alte palmerische Charakterzug der allgegenwärtigen Toleranz muss nicht alleine ein positives Merkmal sein, oft dauert es einfach viel zu lange, bis jemand sich über einen Missstand robust genug auflehnt. - In Santa Cruz ist das aber geschehen und inzwischen baut auch die Stadtverwaltung nicht mehr auf Abwägung zwischen den finanziellen Interessen der Gewerbetreibenden und den Anwohnern, sondern der Tenor ist inzwischen ganz klar, Musik aus oder ganz leise, oder das Lokal wird geschlossen. - Die Kneipenbesitzer ihrerseits warnen nun davor die Regeln zu strikt anwenden zu müssen, es gehe um Arbeitsplätze und wenn Santa Cruz unbedingt die Bürgersteige am Wochenende um 23:00 Uhr hochklappen will, dann weiche man halt in die Gemeinden der Umgebung aus, da wäre es auch viel billiger entsprechende Lizenzen zu bekommen. - Das aber ist eine hohle Drohung, bei der Vielzahl der Alkoholkontrollen auf unseren Straßen wird kein Hauptstädter auf die Idee kommen, seinen nächtlichen Kneipenzug in Breña Alta druchzuführen oder gar noch weiter weg. - Schlimmer noch, auch die kleineren Gemeinden nehmen inzwischen den Schutz der Nachtruhe deutlich ernster, so hat man nun in El Paso die einzige nächtliche Musikquelle für Jugendliche und solche die sich dafür halten dicht gemacht, nachdem sich Anwohner lautstark beschwert hatten. - Gurugu heißt das Lokal, obwohl aufwendig mit Schallschutztechnik ausgestattet und anfänglich von einem Pächter betrieben, der sich genau an die erlaubten Dezibel gehalten hat. - Allerdings war das wohl nicht erfolgreich genug und ein neuer Pächter zog ein, der sich nicht um die Einhaltung der Lärmschutzbestimmungen kümmerte und schwupps, ist die Kneipe dicht. - Wetten, dass ich heute noch Zuschriften bekomme, was man denn gegen störendes Hundegebell machen kann?



Mittwoch 04.02.09 - 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 18 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 63 % - Luftdruck 1012 hPa
Höchsttemperatur heute 19,1 Grad - niedrigste Temperatur 10,9 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 16,1 - Temp. min.4,6 - Feuchte 44 - 86 % - Niederschlag 7 mm

Und ist die Lage hoffnungslos…

…dann lebt es sich meist ganz famos. - Man müsste mal eine Sammlung von sinnlosen Sinnsprüchen machen, aber wahrscheinlich gibt es die bereits. - Inzwischen kommen hier auf La Palma die ersten Care-Pakete der moralischen Natur an, gefrustete Sozis aus El Paso werden mit Wurst und feinem Weltenburger Kloster-Bier überrascht, damit man den Ärger nicht mit leerem Magen und Kehle verdauen muss. - Allerdings wäre es eine zu große Aufgabe, nun an alle enttäuschten und verärgerten Sozialisten El Pasos Bier zu schicken, so gebe ich mich aufopferungsvoll her, symbolisch für alle anderen den bitteren Trunk zu mir zu nehmen. - Ich war da schon immer sozial eingestellt und habe oft versucht, andere an der Trunksucht durch Biervernichtungsmaßnahmen durch aktive Körperfilterung zu hindern. - Es gelingt mir allerdings nicht vollständig und auch wenn es immer heißt, die Leber wachse mit ihren Aufgaben, uns sind Grenzen gesetzt, ich meine meiner Leber und mir. - Die Stimmung unter den "Genossen" ist aber nach wie vor zwischen Enttäuschung, Trauer, aber auch echter Wut angesiedelt und es ist gut zu wissen, dass man nicht jedes, nun im Ärger gesprochene Wort so stehen lassen muss, wie es ausgesprochen wurde. - "Staatsfeind" Nummer eins ist eben im Moment Antonio Pérez, der wohl Glück hat in Mazo in der Schule zu unterrichten und nicht hier in El Paso. - Auch sieht man die Protagonisten des "Putsches" noch nicht wieder in der Öffentlichkeit oder gar abends in Kneipen, da ist wohl eine Mischung aus schlechtem Gewissen und Angst unterwegs, aber das wird sich natürlich im Laufe der Zeit geben. - Allerdings nicht vor dem 13. Februar, an dem Tag muss dann Loly, die jetzige Bürgermeisterin ihren Regentenstab an Maximo Brito übergeben. - Danach ist für die Sozialisten harte und unbequeme Oppositionsarbeit angesagt und man kann nur hoffen, dass alle bei der Stange bleiben, denn es gibt kein Geld für Oppositionsarbeit, lediglich eine kleine Aufwandsentschädigung für die Teilnahme an den Plenen.

Drei der sechs Räte des Sozialisten werden in die Arbeitslosigkeit geschickt, da ist zunächst die Bürgermeisterin selbst, gelernte Bankkauffrau, aber eben seit Jahren aus dem Geschäft raus und in der Politik. - Daneben werden auch Chamaida Armas (Tourismus und Umwelt) und Jovita Monterrey (Soziales und Jugend) arbeitslos und müssen sich wieder umsehen, auf dem klammen Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. - Die drei männlichen Räte sind aber versorgt, da muss man sich zumindest keine finanziellen Sorgen machen. - Gut, aber das Risiko war ihnen bekannt, auch wenn keiner damit gerechnet hätte, dass die Amtszeit aus diese Art und Weise endet und man einen solchen Vertrauens- Wort- und Unterschriftenbruch hinnehmen muss. - Die Wunden werden heilen und im Mai 2011 kann man wieder kandidieren, mal sehen, wer dann von den jetzt geschassten Sozialisten noch mit im Spiel ist. - Jetzt geben sich noch alle kämpferisch und man möchte hoffen, dass das bis ins Jahr 2011 anhält, die haben gute Arbeit geleistet an der Spitze unserer Gemeinde. - Die Bürgermeisterin zeigt gleich mal ihre Zähne und gibt dem abtrünnigen Rat der Partido Popular noch einen Denkzettel mit auf den Weg und hat seinen Januargehaltsscheck erstmal nicht unterschrieben. - Soll das doch der neue Bürgermeister machen, der kann so gut Papiere unterschreiben und inzwischen ist das ja sein siebtes Rad am Wagen. - Weiter hat sich Loly überlegt, sie möchte in den kommenden Tagen in allen "Barrios" (Stadtteile) der Gemeinde Gesprächsabende abhalten, in denen interessierte Bürger Fragen zu ihrer getanen Arbeit stellen können, aber auch gerne die Geschichte vom "Bürgermeisterinnenmord" zu hören bekommen und wie das abgelaufen ist, der Verrat in den letzten Tagen. - Ich würde mir noch wünschen, Loly wäre mitteilsamer gegenüber der Presse, auch wenn die komplett im Einflussbereich der Coalición Canaria steht, so drucken die meist vorbereitete Presseerklärungen unverändert ab. - Das gehört dazu, zu einer scharfen Opposition und die hat sie uns versprochen und wir hoffen darauf. - Nun aber Prost Weltenburger, da schmecken sogar Niederlagen gleich ein bisschen angenehmer.





Mittwoch 04.02.09 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 11 Grad - Niederschlag 3 mm - Luftfeuchte 79 % - Luftdruck 1010 hPa

Eine ehrenwerte Gesellschaft

Gründe wollten wir hören, die einen Misstrauensantrag gegen die augenblickliche Bürgermeisterin El Pasos irgendwie rechtfertigen, bohrende Fragen und ein sehr ungutes Gefühl sind geblieben. - Die drei "Putschisten" hatten am Montag in einer Pressekonferenz die Möglichkeit, die Beweggründe für ihr Tun zu erklären, heraus kam ein unkoordiniertes Sammelsurium an Pauschalverurteilungen wie "fehlendes Vertrauen" die Bürgermeisterin hätte "den Kurs verloren" und El Paso "in den Waggon am Ende des Zuges" platziert. - Vorwürfe, die seit dem ersten Tag immer wieder als einzige oppositionelle Tat durch fleißige Pressemeldungen klabautern und die so wenig faktisch zu hinterlegen sind wie der berühmte Satz: Er war nicht unklug. - Vorwürfe für Fehlverhalten gab es auch, dabei bezieht man sich auf angeblich verloren gegangene Subventionen für das Seidenmuseum und im touristischen Bereich. - Im Falle des Seidenmuseums stimmt es einfach nicht, über 100.000 Euro kommen da aus Madrid und die verloren gegangenen Subventionen im touristischen Bereich beziehen sich auf ein Projekt aus der vorhergegangenen Legislaturperiode, wo der ehemalige Rat für Tourismus, Pedro Martín, ein Interpretationszentrum für Petroglyphen erstellen wollte an einem Platz, an dem nie eine Tourist vorbeikommt, wenn er zu den Felszeichnungen gehen wollte. - Dieses Projekt hat man gestoppt, weil es unsinnig war und muss nun den Vorwurf dafür einstecken. - Ansonsten rechtfertigt kein Fehlverhalten der Bürgermeisterin einen Misstrauensantrag, man muss die Gründe dafür also woanders suchen.

Dabei kann man aus den Pressemeldungen und Interviews der letzten Tage sehr gut herauslesen, dass meine erste Reaktion auf den Misstrauensantrag "Der Judasplan" vom 31.1. um 10:00 Uhr immer mehr Kontur gewinnt. - Die Hauptfigur in diesem schmutzigen Schmierentheater scheint ja Antonio Pérez zu sein, der Stadtrat der Partido Popular, der noch bis letzten Samstag um 11:00 einen Koalitionsvertrag mit der jetzigen Bürgermeisterin hatte, eine halbe Stunde später aber gemeinsam mit den Vertretern der Coalición Canaria und dem Centro Canario Nacionalista im Rathaus von El Paso den Misstrauensantrag unterschrieb. - Antonio Pérez widerspricht sich in den vielen Presseerklärungen mehrmals, besonders was den Zeitpunkt angeht, an dem er die noch amtierenden Bürgermeisterin über seine Fluchtpläne orientiert hat und bringt auch öfter zum Ausdruck, dass er von Anfang an, also seit Mai 2007 bereits Kontakt mit den Kollegen der Coalición Canaria hatte, um über eine alternative Regierung in El Paso zu verhandeln. - Für Antonio Pérez war es also von Anfang an ausgemachte Sache, dass er den Pakt mit der Bürgermeisterin aufgeben würde, sobald man den, auch einzigen gewählten Rat der CCN, Pedro Martín, für eine gemeinsame Koalition gewinnen könnte. - Dann macht das auch Sinn, warum Antonio Pérez, sein bislang einziges Projekt was er für El Paso hätte erreichen sollen, die Eröffnung des Marktes, nach fast zwei Jahren immer noch nicht hinbekommen hat. Das soll nun das Bonbon werden zum Einstieg in die neue Koalition, wir werden also sicher bald damit rechnen dürfen, dass der Markt in El Paso aufmacht. - Im Übrigens gibt Antonio Pérez sogar zu, dass er sich deshalb von der Bürgermeisterin gegängelt fühlte, weil die ihn immer wieder angetrieben hat, das Projekt Markthalle doch endlich voran zu treiben. - Man braucht über diese Person also nicht weiter zu spekulieren, die Zeitpunkte wann und wie er die Bürgermeisterin über seinen Austritt aus dem Koalitionsvertrag informiert hat sind ja über die Presse deutlich festgehalten und er wird sich nicht herauswinden können aus dem Vorwurf, da mehrfach gelogen zu haben.

Die andere Hauptperson in diesem "Putsch" ist ja Pedro Martín, Ex-Mitglied der Partido Popular, Ex-Partner der jetzigen Bürgermeisterin in der vergangenen Legislaturperiode und nun Mitglied der neuen Truppe der CCN, eine um den steinreichen Geschäftsmann Ignacio Gonzales auf Tenerife gegründete Lobby der Gewerbetreibenden der Kanarischen Inseln. - Der musste erst weichgekocht werden, da er sich von Anfang an zierte, mit den jetzigen Protagonisten zusammen zu arbeiten, da er ja nach eigener Aussage mal angetreten war, eine weitere Regierungszeit der Coalición Canaria unbedingt verhindern zu wollen. - Nun konnte er das Angebot wohl nicht mehr ablehnen, Geld klebt besser als jegliche Gesinnung und jetzt hilft er als willfähriger Steigbügelhalter der Coalición Canaria wieder an die Macht. - Bleibt noch der kommende Bürgermeister Maximo Brito, der dieses Amt bereits von 2000 bis 2003 ausgeübt hat und äußerst erbost darüber war, dass man ihm 2003 das Spielzeug weggenommen hat. - Der triumphiert nun als grandioser Rückkehrer und verspricht den Bürgern von El Paso eine seriöse Zeit der Arbeit und dass nun endlich wieder Vertrauen und Aufrichtigkeit in die Stadt einziehen wird. - Allerdings hat der gute Mann zwei Strafverfahren am Hals, eines sogar wegen möglicher Vorteilnahme in einem Bauverfahren während seiner Amtszeit. - Aber da kann Maximo Brito uns abgeklärte Wählerschaft ganz einfach beruhigen: "So was ist doch in der politischen Welt normal" meint er zu seinen anhängigen Verfahren und uns bleibt vor so viel Chuzpe einfach nur der Mund offen stehen. - Ein ehrenwerte Gesellschaft kommt da nun am 13. Februar ans Ruder, ahoi El Paso und immer eine handbreit Wasser unterm Kiel.



Dienstag 03.02.09 - 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 15 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 75 % - Luftdruck 1012 hPa
Höchsttemperatur heute 18,4 Grad - niedrigste Temperatur 12,0 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 16,1 - Temp. min. 5,1 - Feuchte 40 - 95 % - Niederschlag 0 mm

Abwrackprämie für Politiker

Die Deutschen haben´s erfunden, nicht die Schweizer… Gemeint ist halt in diesem Zusammenhang nicht das klobige, aber sehr leckere Lutschbonbon aus der gelben Tüte, sondern die berühmte Abwrackprämie für alte PKW, um endlich die Automobilindustrie wieder aus dem Fahrradkeller zu holen. - Aber auch das stimmt nicht, in Spanien gab es bis Ende 2007 eine ähnliche Geschichte, der "plan prever" spendete etwas mehr als 700 Euro dazu, wenn man ein zehn Jahre altes Auto gegen ein neues Fahrzeug eintauschte. - Das hatte damals noch nichts mit der Weltwirtschaftskrise zu tun, sondern sollte den spanischen Fahrzeugpark erneuern helfen, der hoffnungslos überaltert war. - Mit der Hilfe von der heftigen Summe von 2.500 Euro begeht man dann aber in Deutschland schon Neuland und wenn man den ersten Pressemeldungen glauben kann, sogar mit Erfolg. - Hier gehen die Verkaufszahlen für KFZ weiter dramatisch in den Keller, für den Januar 2009 meldet der Verband der Autoverkäufer auf den Kanaren nun ein Minus von über 50% der Zulassungen für Neufahrzeuge. Allerdings sind die kanarischen Inseln dieses Mal nicht "Spitze" im negativen Vergleich, zwei andere spanische Provinzen melden noch größere Rückgänge. - Das führte bereits zu ersten Entlassungen im Sektor, die Autohäuser beklagen nicht nur das, sondern auch eine immer größer werdende Konkurrenz auf dem Gebrauchtwagensektor, da die Verbraucher im Moment einfach keine Neuwagen mehr kaufen wollen.

Vielleicht muss man das mit dem Wollen auch noch näher beäugen und ob da nicht das Können auch durchleuchtet werden sollte und dann noch ein Punkt, die Notwendigkeit, einen Neuwagen zu kaufen. - Sehen wir uns doch mal um hier auf den Straßen, dabei fällt uns schnell auf, dass wir einen ziemlich modernen Fahrzeugpark über die Insel jagen, angeschafft in den letzten Jahren mit extrem günstigen und auf jeden Fall erreichbaren Krediten, die einem beim Kauf eines Autos nahezu aufgedrängt wurden. - Nun zuckt man hier eben mit der Geldbörse stärker als vorher, ob nun aus konkretem Anlass oder einfach nur im "Angefühl der Krise", das können wir dahingestellt lassen, aber man kann wirklich nicht behaupten, dass wir hier auf La Palma zu wenige und zu alte Autos hätten. - Auf jeden Fall besteht nicht die Notwendigkeit für eine stramme Erneuerung des Fahrzeugparks, das was hier herumfährt ist in Quantität und Qualität völlig in Ordnung. - So muss man auch ein bisschen in die Zeiten des grenzenlosen Aufschwungs zurückblicken, als jeder der zögerte beim Investieren, oder eben auch beim Autokauf ein veralteter Traditionalist war, dem die progressive Zukunft arrogant die Tür vor der Nase zugeschlagen hat. - Die dabei entstandenen Auswüchse, vom Kapitalmarkt und unfähigen Politkern als "gesundes Wachstum" betitelt, stellt sich halt wieder mal nur als Blase dar, die keiner Überprüfung standhält. - Die fiesen kleinen, aber auch großen Tricks der Konsumgesellschaft uns zu übermäßigem Verbrauch zu verführen, schlagen eben im dicken Pendel nun zurück und wer vorgestern noch zu viel verkauft hat, der wird heute nichts mehr los. - Das ist nicht nur eine Frage des lockeren Geldes, sondern eben auch von Angebot, Nachfrage und Notwendigkeiten und wir brauchen halt im Moment keine neuen Autos. - So einfach kann das auch aussehen und auf dem Immobiliensektor sieht das genau so aus, man kann nicht ungestraft, oder wenigstens folgenlos immer mehr Wohnungen und Hotels bauen, die kein Mensch braucht. - Das weiß eigentlich jeder und ich kann kurzfristige Handlungsweisen verstehen, die eingefahrene wirtschaftliche Komplexe nicht zusammenbrechen lassen, aber es wäre mindestens genau so wichtig und auf jeden Fall langfristig lohnender, mal zu überlegen, wie man denn solchen brutalen Abfolgen unserer Überflussgesellschaft zukünftig begegnet. - Man muss sich das mal im Hirn zergehen lassen, unsere Marktwirtschaft bricht zusammen, wenn es keine Kredite mehr gibt. - Das heißt doch auf der anderen Seite auch, dass keine dieser Firmen und Banken, die nicht ohne Kredite weiter arbeiten können, nach marktwirtschaftlichen Prinzipien eigentlich nicht produktiv arbeiten. - Ich bin für die Abwrackprämie, kurzzeitig für alte Autos und dann müssten wir daran gehen, all die alten Köpfe aus den Regierungen zu entfernen, die immer noch der Meinung sind, Wachstum sei ein von Gott gegebenes Menschenrecht und eine Notwendigkeit, damit die Menschheit im Überfluss leben kann. - Und bitte nicht alle ins Europaparlament, sonst wird das da nie was und die hier auf La Palma auch nicht vergessen!



Dienstag 03.02.09 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 12 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 77 % - Luftdruck 1010 hPa

Mar de fondo

Seit Tagen bereits wird vor gewaltiger Brandung an den Küsten der Kanarischen Inseln gewarnt, aus Nordwest kommen schwere Wellen auf die Inseln zu, welche eine Höhe von bis zu fünf Metern haben sollen. - Schäden werden bislang nur aus Las Canteras auf Gran Canaria gemeldet, wo der Strand mitsamt den Einrichtungen des Roten Kreuzes dort verwüstet wurde. - Die Zeitung "Canarias 7" hält dazu eine Fotosammlung bereit, auf denen man die Wirkung der Wellen dort hervorragend beobachten kann, das erinnert stark an die Bilder die man aus Puerto de Naos kennt, als der Hurrikan Delta und ein nachfolgendes Sturmtief den Strand dort regelrecht schleiften. - Noch gibt es auf La Palma keine Schäden zu melden, allerdings kann man die gewaltige Brandung, die in Puerto de Tazacorte aus Nordwest gegen die Befestigungen schlägt, bis hoch nach El Paso hören, ein Phänomen welches sehr selten zu beobachten ist, liegen wir doch weit entfernt vom Atlantik und sind eigentlich komplettes Binnenland. - Es ist zwar nur ein fernes Grummeln was da im langsamen Rhythmus bis zu uns hoch dringt und wenn viel Verkehr auf der Hauptstraße ist vernimmt man es gar nicht, aber so früh am Morgen kann man es doch gut hören. - Schuld an dieser Situation ist das "Monster-Tief", welches sich über halb Europa ausgebreitet hat und für Schnee, Glatteis und wirres Wetter auch in Madrid, Paris und London sorgt. - Die Kanaren liegen nun genau am südlichen Rand dieses Tiefs, welches starke Winde weit aus dem Norden zu uns heranschaufelt. - Hier kommen nun sowohl die Wellen wie der Wind aus nordwestlicher Richtung zu uns, noch mal angetrieben durch die starken Druckunterschiede, welche das leicht westlich von uns um Aufmerksamkeit kämpfende atlantische Hochdruckgebiet dem Tief abfordert. - Letztendlich wird das Hoch seine Position wieder behaupten können, weil alle Tiefs dort oben auf dem Atlantik weiter nach Osten ziehen, aber die nächsten Tage, wohl bis Donnerstag noch, müssen wir hier auf den Kanaren noch mit starken Winden, den hohen Wellen und eben ab und zu auch Niederschlägen rechnen.

Kalt bleibt es so die nächsten Tage, auch eben weil die Sonne zu oft von Wolken verdeckt wird, was aber je nach Windrichtung eher den Norden der Inseln betrifft. - An dieser Stelle muss man noch mal ausdrücklich davor warnen, sich dem Atlantik bei solch einer Wetterlage sorglos zu nähern. - Es versteht sich sicher von selbst, dass im Moment an Baden überhaupt nicht zu denken ist, aber auch der Spaziergang am Ufer kann bereits gefährlich sein. - Oft scheint das Meer für Minuten recht ruhig, man gewöhnt sich an die Reichweiter der Wellen am Strand und plötzlich überraschen riesige Brecher zu neugierige Besucher und machen diese, im besten Falle nur nass. - Auch an den felsigen Küstenabschnitten, wo man sonst so schön die Brandung beobachten kann und viele Angler findet, sollte man sehr auf der Hut sein. - Die Wellen können ohne Vorwarnung über die Felsen schlagen und Spaziergänger dann ins Meer reißen, wo Rettung dann unmöglich ist, eingeklemmt zwischen der heftigen Brandung und den scharfkantigen Felsen gibt es kein Entrinnen. - Weit genug weg vom Meer bleiben wenn dieses so stürmisch an unsere Küsten schlägt, in wenigen Tagen ist das alles wieder vorbei und man kann dann auch den Atlantik wieder von ganz nah genießen, im Moment allerdings verbietet sich das.





Montag 02.02.09 - 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 58 % - Luftdruck 1009 hPa
Höchsttemperatur heute 21,8 Grad - niedrigste Temperatur 12,2 Grad

Rabattschlacht um die Patientenflüge

Wo die Krise hinfällt, hinterlässt sie Spuren. - Auch den innerkanarischen Flugverkehr hat die "Krise" entdeckt, es wird nicht mehr so viel geflogen wie noch vor einem Jahr, die beiden konkurrierenden Gesellschaften, "Binter Canarias" und "Islas Airways" fangen bereits an Verbindungen zu streichen und sich auf dem Marketingsektor aktionsreich zu benehmen. - Die "Binter Canarias", die deutlich größere der beiden hier fliegenden Gesellschaften, wirft eben mal 20.000 Verbindungen innerhalb der Kanarischen Inseln zum Preis von 9,85.- Euro unter die Leute, da kommt die "Islas Airways" mit einem Rabattvorschlag auf die Bühne, welcher sich an die vielen medizinisch bedingten Patientenflüge innerhalb der Kanaren richtet. - An die 100.000 Patienten fliegen jedes Jahr auf Kosten des kanarischen Gesundheitsdienstes auf eine andere Insel, meist von einer kleinen Insel in eines der großen Krankenhäuser auf Gran Canaria oder Tenerife, um dort Untersuchungen oder Behandlungen vornehmen zu lassen, welche die medizinische Kunst oder Ausrüstung der Kliniken auf den kleinen Inseln nicht zulassen. - Immer dabei ist noch eine Begleitperson, auch für die bezahlt das öffentliche Gesundheitswesen den Flug hin und zurück. - Da kommen hübsche Summen zusammen und für die Fluggesellschaften sind das lohnende Kunden, die man gerne betreut. - An diesem Kuchenstück nun will die "Islas Airways" größeren Anteil haben und lockt nun mit einem Rabatt von 15% auf den Flugpreis.

Der kommt nun aber nicht dem Fluggast zugute, wie denn auch, er bezahlt ja den notwendigen Flug nicht, sondern dem Gesundheitsdienst. - Allerdings zwingt man den Patienten nicht, mit "Islas Airways" zu fliegen, der kann sich das immer noch selber aussuchen, mit welcher Gesellschaft er und sein Begleiter auf die Nachbarinsel zur Behandlung fliegen. - Man erhält dazu einen Gutschein, geht damit ins Reisebüro oder an den Schalter am Flughafen und fliegt mit der Maschine seiner Wahl dorthin wo er will, oder in diesem Fall wohl besser muss. - Um nun auch den Patienten einen Anstoß zu geben, doch mit "Islas" zu fliegen anstatt mit der Konkurrenz, bietet man bevorzugte Behandlung der "fliegenden Patienten", sowohl bei der Ausstellung des Tickets, wie auch beim Check-in am, Flughafen. - Nicht bestätigt hingegen haben sich Gerüchte, nachdem die Fluggesellschaft für die Patienten an Bord auch einen Sektempfang machen will, mit Schnittchen und Valium zur besseren Einstimmung auf die Darmspiegelung. - Ob das nun so viele Patienten dazu bewegen wird, deshalb die gewohnte Fluggesellschaft zu wechseln, das wird man abwarten müssen. - Diese Hin-und-her-Fliegerei der Patienten stößt aber grundsätzlich auch immer wieder auf Kritik, verlangt man doch eher eine Aufstockung der Kliniken auf den kleinen Inseln mit Fachpersonal, damit man die Patienten nicht erst in die Luft schicken muss, um ganz bestimmte Untersuchungen auf anderen Inseln durchführen zu lassen. - Allerdings wird man dabei auf Grenzen stoßen, so wird es, zum Beispiel, einfach nicht gelingen auf El Hierro oder La Gomera ein Herzzentrum zu installieren und auf La Palma eine Klinik für Transplantationen. - Aber das ist eben der Preis den wir dafür bezahlen müssen, dass wir auf einer kleinen und unwichtigen Insel im Atlantik unsere Ruhe haben.



Montag 02.02.09 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 12 Grad - Niederschlag 00 mm - Luftfeuchte 79 % - Luftdruck 1006 hPa

Sonne Wind und Wasser

Laterne, Laterne, Sonne Mond und Sterne. - Das kennt man ja, daraus wird aber kein Schuh, schon gar kein elektrischer und um eine Laterne zum Leuchten zu bringen, kann man den Mond und die Sterne nicht brauchen, wohl aber Wind und Wasser. - Was viele gar nicht wissen, auf La Palma gibt es ein Wasserkraftwerk mit dem elektrische Energie gewonnen wird, das einzige Kraftwerk dieser Art übrigens auf den Kanarischen Inseln. - Das Minikraftwerk, mit einer mageren Leistung von 0,8 MW nennt sich "Central minihidráulica de El Salto del Mulato" und liegt in der Gemeinde San Andrés y Sauces und stammt aus den fünfziger Jahren. - Allerdings hat man Großes mit diesem kleinen Kraftwerk vor, diese Anlage soll auf eine Leistung von 6,5 MW getrimmt werden, was dann bereits an die 10% des Strombedarfs dieser Insel bedeuten würde. - Also ran an den Speck möchte man sagen und unverständlich erscheinen die vielen Verspätungen die aufgetreten sind, seit dem man beschlossen hat, das Wasserkraftwerk so weit auszubauen, dass es einen wirklichen Beitrag zur Stromversorgung dieser Insel leisten kann. - Bereits 2005 sollte der Ausbau abgeschlossen sein, danach hörte man in Jahresabständen von Problemen. - Erst Probleme mit der Finanzierung, dann ging es um verwaltungstechnische Fragen, wobei man eigentlich immer davon ausgehen muss, dass solche Gründe nur vorgeschoben sind, weil sich irgendein an der Geschichte implizierter Partner noch ziert.

Jetzt ist ein Jahr wieder um und nun heißt es, man hätte endlich die verwaltungstechnischen Schwierigkeiten gelöst und könne jetzt "bald" mit dem Ausbau des Kraftwerkes beginnen. - "Man" ist in diesem Fall unser Energielieferant und Netzbetreiber die UNELCO/ENDESA, der auch das bisherige Kraftwerk gehört und ein Konsortium, welches sich "Riegos y fuerzas Mulato La Palma" nennt, an dem Inselregierung, vertreten durch das "Consejo Insular de Aguas", die Gemeinde San Andrés y Sauces und die "Bewässerungsvereinigung" der Zone beteiligt sind. - Das Wasser, nachdem es aus dem Kraftwerk wieder austritt, wird nämlich danach noch zum Gießen der umliegenden Plantagen genutzt, das ist ja das Feine an der Wasserkraft, das antreibende Medium muss danach weder aufbereitet, noch verklappt oder gar endgelagert werden, man kann damit wunderbar Bananen, oder was auch immer gießen. - Die UNELCO bleibt aber weiterhin federführend, sie behält 55% der Beteiligung am Konsortium, lässt sich da also nicht in die Kilowatt spucken. - Wer nun im Einzelnen noch seine Fingerchen mit in dem Konsortium hat und warum das so lange dauerte, bis man sich einig war, das bekommen wir nicht zu hören, ist vielleicht auch besser so. - Von 6 Millionen Euro spricht man für den Ausbau, die gleiche Zahl nannte man aber schon im Jahr 2003, so dass man davon ausgehen kann, es könnte auch ein bisschen teuerer werden. - Die Leistungssteigerung will man nicht nur auf rein technischem Weg erreichen in dem man neue, stärkere Turbinen einbaut, sondern die Fallstrecke des Wassers wird auf einen Höhenunterschied von fast einem Kilometer verlängert. Das obere Staubecken liegt dann auf 1.374 Meter über dem Meeresspiegel, die Turbinen aber auf 415 Meter, da kann man es mächtig krachen lassen. - Interessant wird diese Anlage auch noch im Zusammenhang mit anderen alternativen Energielieferanten, sei es nun Windkraft oder elektrischer Strom aus Photovoltaik. - Bei den beiden genannten Möglichkeiten der Stromerzeugung bleibt ja immer das Problem mit der nicht ständigen Verfügbarkeit und den starken Schwankungen in der Leistung. - Im Verbund mit Wasserkraftwerken kann man das ändern, in dem man einen Teil der Produktion aus Wind- oder Sonnenenergie dazu verwendet, Wasser auf den Berg zu pumpen, aus dem man dann, wenn anderswo Ebbe herrscht, wieder zusätzliche Energie erzeugen kann. - Aber das ist schon wieder um die Ecke gedacht, sollen die doch erstmal das Kraftwerk dort im Nordosten der Insel zu einem kleinen Kraftprotz umbauen und dann denken wir weiter. - Mal sehen, wie viele Jahre wir noch darüber berichten können, bis endlich Saft aus dem "Salto de Mulato" kommt.



Sonntag 01.02.09 - 20:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 14 Grad - Niederschlag 10 mm - Luftfeuchte 79 % - Luftdruck 1007 hPa
Höchsttemperatur heute 16,6 Grad - niedrigste Temperatur 12,8 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 11,6 - Temp. min. ? - Feuchte 95 % - Niederschlag 37 mm

Antonio bleibt bei solchem Wetter immer im Bett

Mein Nachbar Antonio ist ein alter und auch weiser Mensch. - Man wird übrigens zwar automatisch alt, aber nicht automatisch weise, meist auch erst alt und dann weise, mancher sogar auf sehr bemerkenswerte Art und Weise. - Wenn es regnet und so gar nicht aussieht nach einem kleinen Schauer, den man auf einer Backe abreitet, dann schließt Antonio nach etwa einminütiger Prüfung der Himmelslage seine Tür wieder, geht noch mal aufs Klo und dann wieder ins Bett. - Dort bleibt er bis zum nächsten Tag, prüft dann die Lage erneut und geht dann entweder wieder ins Bett, oder greift den neuen Tag bei Sonnenschein an. - An der puren Tatsache, dass Antonio noch nicht verhungert ist kann man feststellen, dass bei uns Sauwetter nie wirklich lange anhält, ich glaube in der norddeutschen Tiefebene hätte Antonio keine Überlebenschancen. - Gut, wir müssen noch eine Information hinzufügen, Antonio ist Rentner, obwohl ich mir nicht sicher bin, ob er nicht auch noch während seines Arbeitslebens genau so schlechtem Wetter begegnet ist. - "Was soll ich denn heute draußen? - Ich kann nicht in den Garten gehen, weil die Erde nass ist, beim Spazierengehen hole ich mir eine Lungenentzündung, im Fernsehen kommt nur Müll und wenn Besuch kommt, dann hat der an einem solchen Tag eh nur schlechte Laune oder wir reden die ganze Zeit übers Wetter, also bleibe ich im Bett, mache die Augen zu und komme erst wieder raus, wenn der ganze Wetterspuk vorbei ist" - Und was machen wir? - Wir drücken uns durch den Regen, mit schlechter Laune und wohlmöglich sogar noch einem Regenschirm bewaffnet, weil wir doch an einem Sonntag so viel wichtiges zu erledigen haben und können nicht mal einen Tag einfach auslassen. - Schlechtes Spiel auf was wir uns da eingelassen haben, die Dinge einfach so zu nehmen wie sie sind, das passt nicht mehr ins krude Bild unserer progressiven Lebensweise. - Wir ärgern uns sogar noch darüber und ärgern uns dann noch mehr, weil wir uns ärgern. - Und nur weil es regnet und das in unserer kleinen Welt bereits einem mittleren Beinbruch gleichkommt, weil diese Insel für Regen einfach nicht gemacht ist. - Am liebsten würde ich das Antonio gleich erzählen, aber Antonio empfängt heute keine Gäste, die würden nur klagen und übers Wetter reden wollen und Antonio hat heute was besseres zu tun als das, der liegt im Bett und wartet bis alles vorüber ist.



Sonntag 01.02.09 - 10:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 14 Grad - Niederschlag 9 mm - Luftfeuchte 95 % - Luftdruck 1010 hPa

Deutschländer

Es regnet, der Himmel ist hamburgisch grau. Kein Wind weht aus nirgendwo, das Wetter passt trefflich zu unserer Stimmung nach dem perfiden politischen Putsch in El Paso. - Wir können nun aber nicht die ganze Zeit Trübsal blasen, sondern werden auf die Pressekonferenz warten, welche die drei "Putschisten" am Montag geben werden, in der sie die Gründe für den Misstrauensantrag gegen unsere jetzige Bürgermeisterin erklären wollen. - Also lassen wir dieses Thema für eine Weile, bleiben aber dennoch in El Paso. - Dort in der Tourismusinformation hat man im letzten Jahr die Besucher gezählt und ist auf die enorme Zahl von 12.397 Gästen gekommen, die das Büro und die Ausstellungsflächen dort besucht haben. - Die machen tatsächlich Strichlisten, irgendwie braucht man ja auch einen Leistungsnachweis, aber auch ohne diese Statistik hätte man sehen können, dass diese Einrichtung wohl ihre Bedeutung und ihren Sinn hat. - Im Gegenteil zu der Tourismusinformation in Los Llanos, die fast unfindbar lediglich als öffentliche Toilette dient, bemüht man sich in El Paso aktiv um die nach Rat, oder lediglich Abwechslung suchenden Gästen des Büros. - Den Betrieb der Tourismusinformation hat das "CIT-Tedote" übernommen, das Centro de Iniciativas y Turismo übernommen, ein Zusammenschluss vieler Gewerbetreibender des Sektors, welcher früher in Los Cancajos tätig war und im dortigen Tourismusbüro residierte. - Die Kombination hat sich bewährt, die Damen dort müssen nicht herumstehen und auf mögliche Besucher warten, sondern können in Leerlaufzeiten dann die Schreibarbeit für den "CIT-Tedote" erledigen und sind so immerzu beschäftigt. - Kommen aber Besucher mit Fragen, dann kann man auf diese eingehen, man spricht auch deutsch und englisch und kennt sich aus. - Sicher kann man nicht auf alle Fragen antworten, es wäre doch auch vermessen von irgendjemandem zu erwarten, auf alle Fragen eine Antwort zu wissen.

Jetzt lässt man uns die Besucherzahlen aus dem letzten Jahr wissen und die Zahl von 12.397 Gästen ist schon bemerkenswert, hätten da nicht einfach noch drei Köpfe mehr am 31.12 vergangenen Jahres durch die Tür schlüpfen können? - Macht nichts, solch eine Zahl ist eh viel glaubwürdiger als eine glatte Zahl, hängt denen doch immer die Vermutung eine Schätzung oder großzügigen Aufrundung nach, so eine krumme Zahl wie 12.397 hingegen ist über jeden Verdacht erhaben. - Interessant aber ist besonders die Aufteilung nach Nationalitäten, und wie könnte es auf La Palma anders sein, die klare Nummer eins der Besucher unserer Insel sind die Deutschen. - Das ist keine Überraschung, weiß man doch um den teutonophilen Charakter La Palmas, man ist hier als Tourist fast unter sich, ganz im Gegenteil zu der Mischung, die man auf den anderen Kanareninseln erfährt. - So nennt man uns folgende Aufteilung: 57% der Besucher der Tourismusinformation waren Deutsche, 29% Spanier, inklusive Einheimischer, 4% Briten, 3% Niederländer und dann noch mal, schon gar nicht mehr weiter aufgesplittert, 4,5% Schweizer, Belgier und Italiener. - Dann bleiben noch mal 2,5% übrig, das waren dann sicher Österreicher, Liechtensteiner, Monegassen und Besucher aus dem Vatikanstaat sowie Nordkorea. - Auch wenn es sicher nicht ganz einfach ist, einen Deutschen vom Aussehen her von einem Niederländer zu unterscheiden, so habe ich keine Zweifel an dieser Statistik, die Deutschländer haben diese Insel schon kernig im Griff was den Tourismus angeht. - Darüber ist man hier übrigens sehr froh, gelten die Deutschen doch, besonders unser kerniges Wandervolk an Gästen, als durchweg zivilisiert, sauber und ruhig. - Allerdings fürchtet man natürlich auch die brutale Abhängigkeit vom deutschen Markt, wenn Daimler oder Siemens Schnupfen haben und die Merkel den Karren nicht wieder aus dem Hypo-Morast gezogen bekommt, dann gibt es hier auf dem touristischen Sektor eine ausgewachsene Lungenentzündung. Ansonsten passt das schon, La Palma und seine Deutschen, man muss ja nicht unbedingt von einer Liebesheirat sprechen, aber man hat sich wunderbar aneinander gewöhnt.





Familie Ingrid & Mathias Siebold
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E-38750 El Paso
La Palma, Islas Canarias, Spanien
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