La Palma Aktuell
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Nachrichtenarchiv Februar 2008


Freitag 29.02.08 - 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 26 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 31 % Luftdruck 1020 hPa
Höchsttemperatur heute 27,8 Grad - niedrigste Temperatur 16,5 Grad
Puntallana in 250 m Höhe: Höchste 22,0 Grad, niedrigste 15,3 Grad, Feuchte 68 % Regen 0 mm

Doppelhoch

Angenehme Überraschung nach dem durchaus kalten und feuchten Februar, die Temperatur stieg heute fast bis auf 28 Grad an und die schwindende Luftfeuchte zeigt uns ganz klar, Bruder Afrika schickt wieder seinen familiären Gruß. - Nach dem Schmuddelfebruar soll uns das Willkommen sein, wobei ich die ersten heute schon wieder beim Meckern erwischt habe, wie warm es denn sei. - !Que frío hace! noch vor ein paar Tagen, ¡ Ay, que calor! nur weil ich heute das erste mal seit Monaten nicht friere… Sollte jemand tatsächlich am Wetter schuld sein, dann bedanke ich mich ausdrücklich mal dafür, denn wenn es regnet und kalt ist, dann rufen die Gäste immer bei uns an um sich zu beschweren, wenn das Wetter jedoch warm und angenehm daherkommt, ruft niemand an um sich zu bedanken. - Ich darf das aber mal aufklären, wir machen das Wetter nicht, weder das Gute noch das Schlechte, wobei das auch nicht so simpel zu klassifizieren ist, aber da ich im Tourismus arbeite und keinen Bananen zu wässern habe, neige ich dem "guten Wetter" mit Sonne und Wärme dann doch den Vorzug zu geben.

Da wir nur kleine Veränderungen im Luftdruck feststellen können erklärt sich die jetzige Situation wiederum mit einem nach Osten verrutschen Azorenhoch. - Wobei man das auch anders beschreiben könnte, denn eigentlich gibt es auf dem Nordatlantik im Moment eine echte Hochdruckinvasion und es wird eng, ort wo sonst das berühmte nordatlantische Hoch seine Kreisel dreht. - Daraus entsteht auch die Versetzung des einen Hochs nach Osten und nun erreicht uns die vorgewärmte und deutlich trockenere Luft über den afrikanischen Kontinent. Die Windrichtung bleibt dabei noch die gleiche, Nordost, aber die Luft ist eben nicht mehr feuchtkalte Atlantikluft, sondern kontinentalen Ursprungs - und in diesem Fall ist der Kontinent der Norden Afrikas - und somit trocken und warm. - Dennoch können wir auch nicht ganz sicher sein, dass es die nächsten Tage auch mal zart regnen könnte, es schwirren reichlich zusammenhanglose Regenwolken westlich von uns, aber eben auf unserer Höhe herum. - Noch weiter im Nordwesten baut sich nun ein drittes Hochdruckgebiet auf mit einem stolzen Kerndruck von über 1040 Hektopascal, welches wohl in den kommenden Tagen die langsam kraftlos werdenden Wetterphänomene des gleichen Ursprungs ersetzen wird. - Während dieses, bestimmt über mehrere Tage dauernden Vorgangs, kann sich schnell mal ein kleines Regengebiet zu uns schleichen, welches von den vielen Hochs gejagt gar nicht mehr weiß, wohin denn eigentlich. - Das neue, starke Hoch, welches noch nordwestlich von uns liegt, treibt übrigens auch das Tief ganz heftig vor sich her, welches in den kommenden Tagen Sturm bis Orkan nach Mitteleuropa schicken wird, denn fast immer wird das Wetter, auch für Mitteleuropa, hier draußen auf dem Atlantik gebacken. - Und da kann man eigentlich deutlich ableiten, haben wir gutes Wetter, also Hochdruck welcher über den Azoren liegt und dann werden alle Tiefs nach Mitteleuropa geleitet. - So könnte man auch im Umkehrschluss fast eine Bauernregel daraus zimmern, "Stürmt´s und weht´s im deutschen Land, dann liegt der Palmero längst am Strand" - Sagen Sie es bitte nicht weiter, ich schäme mich ja fast dafür… Noch´n Spruch - Tastaturbruch!



Freitag 29.02.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 48 % Luftdruck 1019 hPa

Der Geist ist willig, doch das Fleisch ist teuer

Für Vegetarier nicht unbedingt lesenswert. - Das Rindfleisch und dabei besonders die leckeren Edelteile wie das Filet, ist in den letzten Wochen fast doppelt so teuer geworden wie noch im Januar, so dass manche Restaurants das "solomillo" bereits aus dem Angebot verbannt haben. - Kiko, der Wirt aus der Abulea meinte dazu: "Ich kann doch nicht für ein Filet vom Kunden 18 oder 20 Euro verlangen, das ist es nicht wert, das gibt nur Ärger". - Andere Restaurants verfahren ähnlich und weichen auf andere Produkte aus und haben innerhalb kürzester Zeit bei den Fleischimporteuren eine Panikstimmung erzeugt. - Woher das alles kommt ist schnell erklärt, die Europäische Union hat den Fleischimport aus Brasilien gestoppt, nachdem man dortige Registrierungsmethoden der einzelnen Erzeugerhöfe seit längerem bereits reklamiert hatte. - Gerade Spanien bezieht sehr viel Rindfleisch aus Brasilien und diese heftige Verknappung im Angebot hat nun zu wahren Rekordpreisen besonders eben bei den Edelteilen geführt. - So ist jetzt auch heimisches Rindfleisch viel teurer geworden, eine Kuh, und sei sie auch noch so groß und gut im Futter stehend hat halt von der Evolution einfach nur zwei Filets mitbekommen, der Markt aber fordert immer sehr viel mehr Edelteile als die Natur hergeben will.

Allerdings machte sich eher Zurückhaltung im Einkauf breit, die Verbraucher sind nicht bereit alle Preise zu bezahlen und so sind die Umsätze im Verkauf von Rindfleisch stark rückläufig und die Preisentwicklung reagiert darauf auch schon wieder. - Jetzt hob die Europäische Union das Einfuhrverbot in Stücken auch bereits wieder auf, da Brasilien nach deutlichen Verlusten das Registrierungssystem ändert. - Noch sind es nur wenige brasilianische Fleischverarbeitungsbetriebe die bereits wieder nach Europa exportieren dürfen, aber es kommen laufend weitere hinzu. - Nun ist zu erwarten, dass sich in den nächsten Wochen auch der Preis für Edelteile beim Rindfleisch wieder auf ein vorheriges Niveau begibt. - Es kann sogar sein, dass es nun mittelfristig ein Überangebot geben wird, weil sich viele Importeure natürlich bereits andere Quellen gesucht haben und wenn sich nun der brasilianische Markt komplett wieder öffnen sollte, dann könnten die Preise sogar purzeln. - Der Gast freut sich auf erneuten Filet-Genuss bei Kiko und der heimische Landwirt, der endlich so richtig Geld für seine Kuh bekommen hat, träumt vom nächsten Fleischembargo gegen Brasilien. - Für Vegetarier eine eher unerhebliche Nachricht, für uns Karnivoren ein gelebtes Paradeexempel der marktwirtschaftlichen Gesetze.



Donnerstag 28.02.08 - 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 22 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 66 % Luftdruck 1019 hPa
Höchsttemperatur heute 22,6 Grad - niedrigste Temperatur 14,5 Grad
Puntallana in 250 m Höhe: Höchste 23,6 Grad, niedrigste 15,3 Grad, Feuchte 72 % Regen 0 mm

Alternativer Wahlkampf

La Palma ist so grün, da brauchen wir keine Grünen. - So in etwa betrachtet man das Thema hier und in der Tat, keine grüne Partei hat auch nur einen Ratsposten in irgendeiner Gemeinde der Insel ergattert und auch das Inselparlament selbst ist völlig grünfreie Zone. - Warum sich nie eine politisch grüne Szene erfolgreich etablieren konnte auf dieser Insel, das muss man als Fragezeichen stehen lassen, denn eigentlich gibt es jede Menge an interessierten Menschen welchen die Umwelt nun wirklich nicht mehr egal ist. - Allerdings werben die anderen Parteien auch mit dem Siegel der grünen Seele und weiterhin ist es gar nicht so einfach eine Partei zu erhalten. Das Gründen ist noch das geringste Problem, man muss dann aber auch genügend Kandidaten haben und auch noch gewählt werden. - Es gab vor Jahren mal einen Achtungserfolg in Tijarafe glaube ich, danach verschwanden die Grünen wieder in der absoluten Stille. - Aber es gibt sie noch und scheinbar im Alleingang und auch unkonventionelle Art und Weise bietet sich nun Benigno González zur Wahl an, als echte Alternative möchte er am 9. März in den Senat gewählt werden.

Da kein Geld für einen Wahlkampf vorhanden ist wie man das sonst von uns kennt, also Plakate, Säle mieten, Reden halten, Lautsprecherwagen und jede Menge Krimskrams um diesen unter die Schäfchen zu werfen, geht Benigno nun einen neuen Weg, er macht Werbung für sich per Video-Clips und bietet diese bei youtube an. - Immerhin 5 Clips sind da schon zusammengekommen, wobei die meisten nicht sehr lang sind, aber einer immerhin fast 4 Minuten und Benigno so schon Zeit hat einige Dinge etwas eingehender zu schildern. - Mal ein anderer Weg sich an die Menschen zu wenden und immerhin hat er es auch schon geschafft, dass nun zumindest die Spartenpresse über seinen Video-Auftritt berichtet, sonst wird ja von den großen Medienverlagen alles totgeschwiegen, was nur irgendwie an den Grundfesten der hiesigen Machtverteilung rütteln könnte. - Es ist unwahrscheinlich, dass Benigno so viele Stimmen erhält, dass er wirklich in den Senat einziehen kann, aber eine neue Duftmarke und ein Überlebenssignal haben die Grünen damit wieder abgegeben. - Nun müsste aber auch die schwere Last der Basisarbeit kommen, man muss in die Gemeinden einziehen, sonst bekommt man als Gruppe nie die Möglichkeit auch im Inselparlament Dinge zu bewegen. - Das große Video können Sie sich bei youtube hier ansehen. - Wäre schon gut, man spräche spanisch, ansonsten erfreut man sich halt an den Bildern und wie Benigno mit Hühnern spricht und schöne Landschaften bei El Paso zeigt.



Donnerstag 28.02.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 14 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 65 % Luftdruck 1020 hPa

Wahlkrampf

Am 9. März wählt Spanien seine neue Regierung und vieles deutet darauf hin, dass die Alte auch wieder die Neue sein wird. - Hier auf den Kanaren nötigt man sich einen bizarren Wahlkampf ab, natürlich interessiert es auch uns, wer künftig in Madrid die Fäden spinnt, aber den größten Aufwand spult eine Partei ab, die dort in der Moncloa sowieso ohne Chancen ist, die Coalición Canaria. - Auch wenn man seitens der Regionalisten eher für Rajoy ist, den bärbeißigen und konservativen Kontrahenten von Zapatero, im Wahlkampf selbst versucht man eine eigene Linie zu basteln, die sicher stellen soll, dass von den 14 Sitzen welche die Kanaren im Kongress besetzen, die meisten aus den eigenen Reihen kommen werden. - Da man hier in der Provinz eine Koalition mit der Partido Popular eingehen musste um an der Macht zu bleiben, sind die Themen aber reichlich knapp belegt, alles was über den ungreifbar endlichen Horizont dieser Inseln hinaus reicht, wird nicht besprochen, das überlässt man den beiden landesweit agierenden Programmparteien.

So beschränkt man sich auf kurze Phrasen und leidlich provinziellem Dröhnen und es bleiben Kernaussagen die fern jeglicher Politik oder gar Richtung sind, "Habla Canario" - Sprich Kanarisch fordern die Wahlplakate oder noch aussagekräftiger "La Palma en su sitio", was im Grunde den gebührenden Platz für die Interessen dieser Insel einfordert, aber eigentlich in sich schon ein Widerspruch ist, denn sollten wir wirklich den Einfluss fordern der uns nach Größe und Einwohnerzahl zusteht, dann stellen wir gerade mal den Saaldiener im Parlamentsgebäude. - Die lokale Presse überschlägt sich die heldenhaften Taten der Coalicíon Canaria zu loben und muss dabei immer ein bisschen aufpassen, nicht auf alle plumpen Tricks hereinzufallen, die immer als unmusikalische Anhängsel generell Wahlkämpfe begleiten. - Für die Partido Popular, wie gesagt auf den Kanaren Juniorpartner in einer Union mit der Coalición Canaria, ist es ebenso eine Gratwanderung in der Restargumentation, denn einerseits ist man zwar hier lokal mit den Regionalisten, sind es aber doch genau diese, welche dafür sorgen, dass die Kanaren keine "Bank" für die Konservativen sind, weil die Stimmen für die Coalición Canaria dem konservativen Herausforderer Zapateros fehlen werden. - So lässt sich nicht ordentlich Wahlkampf betreiben, weil man jeden Moment diese fragilen lokalen Bündnisse bedenken muss oder besser sollte. - In El Paso ist das wieder ganz lustig gestaltet, da gibt es ja eine "unmögliche" Koalition zwischen den Sozialisten der PSOE und einem Stadtrat der PP, so dass der Wahlkampf nur nach Feierabend stattfinden kann. - Ich bin mal gespannt, wer denn dann am 10. März wem gratulieren darf und hoffe sehr auf ein schnelles Ende dieses Wahlkrampfes, damit endlich wieder reelle Arbeit diese entwürdigende Phrasendrescherei ablösen kann.



Mittwoch 27.02.08 - 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 22 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 56 % Luftdruck 1023 hPa
Höchsttemperatur heute 24,5 Grad - niedrigste Temperatur 14,0 Grad
Puntallana in 250 m Höhe: Höchste 23,1 Grad, niedrigste 14,7 Grad, Feuchte 59 % Regen 0 mm

Universität La Palma

Nicht zum ersten Mal begeistert mich dieser Gedanke und ganz langsam kommen auch noch andere Menschen auf diese Idee und was sich alles daraus machen und erreichen ließe. - Fangen wir mal mit einem Grundproblem auf dieser Insel an, die Flucht der geistigen Elite. - Unsere Abiturienten müssen um zu studieren natürlich die Insel verlassen, entweder nach Tenerife oder Gran Canaria, manche auch gleich aufs Festland und dort bleiben die meisten dann aber auch, denn Karriere die macht man woanders und einmal an der "großen weiten Welt" geschnüffelt, kommt einem das lauschige La Palma ziemlich uninteressant vor. - Von den Studenten kommen vielleicht nur 20% wieder auf die Insel zurück, ein kaum zu verschmerzender Aderlass an geistiger Elite, welcher kaum oder nur schlecht durch Immigration ausgefüllt werden kann. - Alleine um das zu verhindern wäre eine eigene Universität, oder einfach nur ein paar Fakultäten schon extrem hilfreich, es kann nicht angehen, dass man alle jungen Menschen mit Eifer und Wunsch auf mehr, von der Insel jagen muss.

Mir gefällt der Gedanke am besten die Fakultäten auf La Palma anzubieten welche sich mit Umweltschutz und erneuerbaren Energien beschäftigen, Fächer also lehren, welche im Rahmen einer Weltbiosphärenuniversität brauchbar und logisch wären. - Man fände hier auf La Palma ideale Voraussetzungen sehr praxisbezogen ans Studium zu gehen, alleine die gestellte Aufgabe diese Insel zu 100% mit alternativen Energien zu versorgen ist ein derart großes und ambitiöses Projekt, dass man Heerscharen an Physik- oder Geographiestudenten nicht direkt langweilen würde. Daraus entständen dann auch noch mutigere Projekte für Energiegewinnungsformen, welche über den bereits probaten Status der Wind- und Solarenergie hinausreichen könnten. - Strömungs- oder Gezeitenkraftwerke im Meer, geothermische Energie und den sinnvollen Einsatz aus der Bündlung von Wind- oder Sonnenenergie um Speicherwasserkraftwerke zu betreiben. - Alles nur Beispiele und für all diese Spielarten und noch viel mehr, alles das könnte man hier auf La Palma hervorragend betreiben und auch für die Forschung im landwirtschaftlichen Bereich scheint diese Insel ideal. - Man könnte zum Beispiel den Umbruch der konventionellen Landwirtschaft hin zur ökologischen Bearbeitung begleiten und hätte mit der Insel ein komplettes Großraumlabor zur Verfügung, zum anfassen, ausprobieren und beweisen. - Dann fällt mir da noch die große und eine der leistungsfähigsten Sternwarten der gesamten Welt ein, die Einrichtungen des Instituto Astrofísico de Canarias auf dem Roque de Los Muchachos ein, welche ja direkt neben dem Forschungsauftrag auch nach einem Bildungsauftrag rufen. -

Für La Palma brächte das neben dem enormen Prestige, mehr junge Menschen und Akademiker auf die Insel und eben die Vorteile die man nutzen könnte, aus dem Lernen zu lernen. - Da wir ja ein UNESCO-Weltbiosphärenreservat sind drängt sich ja ein gesellschaftlicher Strukturwandel geradezu auf und bietet uns viele Chancen diesen positiv zu gestalten, denn eines ist ja inzwischen auf dem letzten hartnäckigen Wohlstandgläubigen auf dieser Insel klar geworden, so wie wir bisher mit unserer Zukunft umgehen, so dürfen wir es auf keinen Fall wirklich weiter betreiben. - La Palma hat keine Chance als Industriestandort, ebenso wenig werden wir mit konventionellem Tourismus unsere Volkswirtschaft nähren können. - Die Landwirtschaft muss aufgrund der globalen Bedrohung durch Billiglohnländer auch von 08/15 Produktion weggebracht werden und sich lohnend spezialisieren, nur so haben wir eine Möglichkeit den Anforderungen der nahen Mitte dieses schnellen und scharf zensierenden Jahrhunderts Stand zu halten. - Da käme eine, lassen Sie es uns Umweltuniversität nennen gerade recht, denn mir wäre deutlich wohler dabei, Professoren und Studenten wiesen unsere Zukunft, als lokale Politiker, die nicht tauglich genug waren für eine Karriere auf Tenerife oder dem Festland. - Der Schluss war jetzt ein bisschen böse, denn auch wir haben da ein paar fähige Leute, aber die haben meist nicht den Mut, wirklich neue Türen aufzustoßen. - Aber hinter den alten Türen lauern auch nur die alten Probleme und man kann ganz oft durch eine Tür gehen, dann weiß man zwar was dahinter liegt, aber weiter bringt einen das nicht. - Aber genau das wird man von uns verlangen, weiterkommen.



Mittwoch 27.02.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 14 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 74 % Luftdruck 1020 hPa

Kostenfaktor Telezentrum

Im Rahmen des ambitiösen Programms "La Palma Digital" wurde jede Gemeinde dieser Insel mit öffentlichen Computerarbeitsplätzen ausgerüstet, an welchen die Bewohner auch kostenlos das Internet durchgoogeln können. - Diese Internetcafes ohne Kaffee werden hier "Telecentros" genannt. - Die Gemeinden mussten lediglich geeignete Räume zur Verfügung stellen, die Technik wurde gestellt und selbst das Aufsichtspersonal war bis Ende vergangenen Jahres von der Inselregierung bezahlt worden. - Nun, eben ab 2008 sollten die Gemeinden die laufenden Kosten übernehmen, die hauptsächlich aus Personalkosten bestehen. Man kann die Rechner ja nicht ohne Betreuung lassen, auch ganz bekannte Betriebssysteme haben ihre fast natürlichen Grenzen und je mehr Publikum an den Geräten herumspielt, um so öfter muss eine halbwegs computerkompetente Person eingreifen. - Allerdings haben die Gemeinden auf La Palma zwar viel Phantasie und viel vor, meist aber kein Geld und so hagelte es Beschwerden seitens der lokalen Korporationen, man sei nicht bereit das Personal für die "Telecentros" zu bezahlen, da es sich um ein inselweites Programm handele, welches dann auch bitte auf Kosten der Inselverwaltung gehe.

Immerhin stellen die Gemeinden ja bereits die Räume und bezahlen die Energiekosten, da sollte bitte das Personal nicht auch noch dazukommen und locker leicht klang es aus den Rathäusern, dann machen wir die Telecentros einfach zu, wenn das Personal nicht weiterhin von der Inselregierung bezahlt würde. - Inzwischen hat man, zumindest in der Hauptstadt Santa Cruz eine Vereinbarung getroffen, welche die Bezahlung des Aufsichtspersonals durch die Inselverwaltung weiterhin garantiert. - Immerhin hat die Hauptstadt gleich vier "Telecentros" und die wollen betreut sein. - So kann man damit rechnen, dass nun auch die anderen Gemeinden ihr Personal für die Computerbetreuung zukünftig bezahlt bekommen. - Diese Einrichtungen werden übrigens stark frequentiert und man möchte nun meinen, da sitzen nur Pennäler an den Kisten, die sich das Hirn aus dem Kopf daddeln, aber weit gefehlt. - Für Hardcoregamer sind die Rechner eh nicht genügend ausgerüstet und hauptsächlich nutzen dieses kostenlose Angebot im Internet unterwegs zu sein ganz normale Menschen jeden Alters, die aus welchen Gründen auch immer zuhause keine Möglichkeit haben in diese wunderbare wie wundersame Welt des www einzutauchen. - Besonders unter der großen Gruppe der Immigranten aus Südamerika ist dieses Angebot äußerst beliebt, denn man kann so per E-Mail, Chats oder Messenger den Kontakt zur verlassenen Heimat aufrecht halten.



Dienstag 26.02.08 - 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 21 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 60 % Luftdruck 1021 hPa
Höchsttemperatur heute 23,0 Grad - niedrigste Temperatur 12,2 Grad
Puntallana in 250 m Höhe: Höchste 22,4 Grad, niedrigste 14,4 Grad, Feuchte 67 % Regen 0 mm

Es klärt sich

Oder auch, es verdichten sich die Hinweise, dass es sich bald klären wird. - Nicht aufklären und auch nicht von selber, sondern wir sprechen über die neue Kläranlage von Los Llanos. - In fünf Monaten, das wäre dann der Juli, Ende Juli oder vielleicht auch der August, aber sicher nicht viel länger, soll das neue Prunkstück der peristaltischen Endlösung heftig quirlend ans Werk gehen. - Das Motto könnte auch lauten, keinen Knödel aus dem Aridanetal mehr ins Meer. - Warum das hier so ein wichtiges Thema ist und wir so viel darüber reden, hat mit der unangenehmen Tatsache zu tun, dass die bisherige Kläranlage im Aridanetal absolut überfordert ist und leider bei Regenfällen hoffnungslos überschwemmt wird und so Teile der Humanfracht den Barranco Tenisca hinabspült, bis er frei Haus in Puerto de Tazacorte ankommt. - So fragt man auch deutlich häufiger in Tazacorte wann denn nun die neue Anlage endlich fertig wird und weniger in Los Llanos, so ist das halt als "Unterdorf", die bekommen alles ab, was man oben auf dem Berg so los lässt. - Noch weiter oben auf dem Berg als Los Llanos sitzt ja dann auch noch El Paso und zukünftig sollen wir auch noch unseren Senf dazu beitragen. - Gut, ich gebe zu, Senf ist nicht die adäquate Metapher dafür, aber wenn ich so an unseren bayrischen süßen Senf denke, dann kommt das gerade noch mal hin.

Ich muss in diesem Zusammenhang noch mal die Gemeinden in Schutz nehmen, denn der Bau von Kläranlagen, und sowieso wenn es sich um eine Gemeinde übergreifende Aktion handelt, gehört nicht in den Zuständigkeitsbereich der Städte, sondern ist Sache und Aufgabe der Provinzregierung, genauer gesagt der Abteilung für Wasser, welche wiederum im großen Sack des Umweltministeriums verpackt ist. - Die Aufgabe der Gemeinde dabei ist das effektive Meckern, Jammern und Fordern gegenüber der Provinzbehörde und da weiß man nun nicht so recht, ob man denn seitens der Gemeinde Los Llanos heftig genug mit dem Fuß auf den Boden gestampft hat oder nicht. - Immerhin ist es seit vielen Jahren klar, dass die Kläranlage dort viel zu klein geworden ist, denn Los Llanos hat in den letzten 10 Jahren einen gewaltigen Zuwachs an Bewohnern zu verzeichnen gehabt. - Noch dazu kommt, dass einige stadtnahe Gebiete inzwischen auch zum städtischen Bereich gehören und somit zusätzlich ans Kanalnetz angeschlossen wurden. - Wir Landeier, also jeder der in der ländlichen Zone wohnt, der lässt seine Stoff gewechselten Produkte immer noch in die häuslichen Sickergruben fallen, die gut gebaut, niemals in den unangenehmen Zustand geraten, entleert werden zu müssen. - Da muss auch niemand mit dem Finger auf uns zeigen, das bisschen was wir hier zum Filtern in die Sickergruben schicken, das ist in kürzester Zeit und Wegstrecke bester Humus und Dünger für die Pflanzenwelt. - Es handelt sich dabei eher um ein ästhetisches Problem, weil einem die Wurst nur vor der Verdauung appetitlich erscheint, als um einen akuten Zustand, welcher unsere Umwelt belasten könnte.



Dienstag 26.02.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 12 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 82 % Luftdruck 1020 hPa

15 Tonnen Müll

Wer den ganzen Unrat weggeworfen hat, das lohnt wohl nicht mehr zu fragen. - Auf jeden Fall haben am vergangenen Wochenende Freiwillige die Strände und die Umgebung von Puerto de Naos, Charco Verde und Playa Nueva von etwa dieser Menge an Müll befreit. - Jedes Jahr startet eine derartige Aktion, organisiert und angetrieben von der Inselregierung und der Gemeinde Los Llanos und man konnte dieses Jahr immerhin an die 200 freiwillige Helfer zur Müllsonderschicht begeistern. - In fast allen Fällen waren diese Voluntaristen (eigentlich wollte ich ja Voluntäre schreiben, aber das kennt der Duden nicht) Angehörige diverser Gruppierungen, welche auch schon in den vergangenen Jahren zum Aufräumen gekommen sind. - Geräte, Werkzeuge und LKW zum Abtransportieren des Mülls stellten das Rathaus von Los Llanos und die Hilfsorganisationen Feuerwehr, Zivilschutz, Rotes Kreuz und weitere Organisationen zur Verfügung und als Belohnung für die sauberen Dienste bereitete man für die freiwilligen Helfer ein ordentliches Mittagessen vor.

Kampagne mit Vorzeigecharakter. - Irgendwie möchte man ja meinen, eigentlich Schade, dass solche Aktionen überhaupt notwendig sind, auf der anderen Seite zeigen solche Unternehmungen aber auch wieder, dass niemand machtlos vor den Problemen des Alltags steht, sondern wohl in der Gemeinschaft "Hand anlegen" kann um etwas zu bewegen. - Insofern sollte man die Erfahrung in der Veranstaltung solcher Veranstaltungen nutzen, um diese auch in anderen Bereichen umzusetzen und besonders mit mehr Presse und Öffentlichkeitsarbeit unterstützen. - Ein kleiner Zeitungsbericht vorher und einer nachher lockt halt nicht die Massen an und so geht es vielen Menschen ähnlich, sie hätten gerne mitgeholfen, wussten aber nicht, wann, wo, wie und warum. - Das kann man noch besser machen und dann bieten sich völlig neue Wege, aus dem simplen Vorhaben Müll wegzuräumen, großartige Möglichkeiten für gemeinschaftlichen Voluntarismus zu gestalten. - Wanderwege pflegen, Landschaftsdenkmäler erhalten, bis hin zur Sanierung öffentlicher Einrichtungen, welche aufgrund der ewig klammen Gemeindekassen dem Verfall preisgegeben sind. - Die Liste ließe sich noch weit ausdehnen, aber auch das Zielpublikum wird dabei größer, wen man denn für bestimmte Aktionen ansprechen könnte. - Das Ganze untermalt mit Informationen rund das betreffende Thema und schon bindet man viele Menschen verlässlicher ins öffentliche Leben ein. - Denn eines ist klar, wer einmal an einem solchen Unternehmen teilgenommen hat, der schmeißt keinen Müll mehr weg, sondern kümmert sich selbst um die korrekte Entsorgung. - Das würde eigentlich auch schon reichen…



Montag 25.02.08 - 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 19 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 65 % Luftdruck 1017 hPa
Höchsttemperatur heute 20,8 Grad - niedrigste Temperatur 11,2 Grad
Puntallana in 250 m Höhe: Höchste 23,5 Grad, niedrigste 14,7 Grad, Feuchte 64 % Regen 1,8 mm

In vino veritas

Oft merkt man erst am nächsten Tag, wie viel Wahrheit in einem süffigen Tröpfchen steckte, oder mit wie viel Phantasie und gewissen Pülverchen der Winzer da ein weinähnliches Getränk gebastelt hat. - Nicht nur aus diesem Grund, sondern auch noch um regionale Eigenheiten der Weine zu schützen, gibt es den Consejo Regulador del vino de La Palma. - Natürlich nicht nur den La Palmas, überall in der Welt wo man Wein anbaut, hat man gewisse Institutionen gegründet, welche sich der Qualitätskontrolle verschreiben und die diversen DO oder DOC oder andere Qualitätssiegel verteilen. - Hier unterstehen diese Consejos Reguladores der Aufsicht des Landwirtschaftsamtes, bestehen aber meist, oder eigentlich immer, in der personellen Besetzung aus Winzern der entsprechenden Region. - Da nicht jeder Wein jedes Jahr immer die gleichen Vorzüge oder Eigenheiten aufweisen kann, gibt es für jeden Jahrgang eine Verkostung und eine dazu gehörende chemische Analyse und dann bestimmt eben der Consejo Regulador ob dieser oder jener Wein auch wieder das begehrte DO oder DOC bekommt.

Da wir aber nicht nur von vino, sondern auch noch von veritas sprechen, hat sich das Landwirtschaftsamt spanienweit einen kleinen Trick ausgedacht, um die veritas beim vino nachhaltig zu fördern. - Man könnte nämlich, aber nur wenn man Böses denkt, dem aus den lokalen Winzern bestehendem Consejo Regulador vorwerfen, bei der Beurteilung der eigenen Weine vino noch vor veritas gelten zu lassen. - Allerdings denkt hier niemand wirklich Böses, oder lässt es sich nicht anmerken, so wird zukünftig die Verkostung, chemische Analyse und spätere Zertifikatsvergabe in einem kanarenweit geltenden Zirkel stattfinden und nicht mehr bei den lokalen Consejos Reguladores. - Unser La Palma Wein wird also in Zukunft auf Tenerife auf seine Tauglichkeit getestet. - Man tarnt das aber auch gleich unter dem Motto, da können die lokalen Siegelwächter viel Geld sparen, denn sie müssen keine Analysen mehr bezahlen und aufwendige Verkostungen arrangieren, das macht dann alles die zentrale Stelle auf Tenerife. - Ob so viel veritas auch jedem vino gut tut und was, wenn der nun übergeordnete Qualitätstest vielleicht gewissen tendenziösen Interessen untergeordnet ist, welche zum Beispiel die Weine Tenerifes oder Lanzarotes bevorzugen? - Wie kommen wir denn überhaupt auf solche abstrusen Ideen, das läuft alles bestimmt nach rein wissenschaftlichen und önologischen Gesichtspunkten ab. Ganz genau wie das bisher bei unseren Weinen hier geschehen ist, die ganz sicher, da legen wir die Hand für ins Fass, auch ganz strikt nach objektivem Ermessen klassifiziert wurden. - Was verstehen die auf Tenerife schon von unserem Wein und ich möchte die Kommentare unserer Winzer sofort lesen, hören und weitergeben, wenn der erste palmerische Wein die DO-Prüfung nicht geschafft haben sollte. - Dann drehen wir den Spieß mal um und testen die Weine Tenerifes hier auf La Palma…



Montag 25.02.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 11 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 76 % Luftdruck 1017 hPa

Vom Winde verweht

An der Südspitze der Insel, gerade mal ein kleines Stückchen nach Osten gewandt, liegt die "Playa de Las Cabras". - Besucher der Insel kennen dieses unwirkliche Stückchen Land eher als Standort der fünf Windkrafträder, die dort ihren krächzenden und dauerhaften Dienst versehen. - Viel wurde bereits über diese Zone spekuliert, was man denn damit machen könnte, ist es doch eine der wenigen Zonen La Palmas, an denen man keine Steilküste zu überwinden hat, um ans Meer zu gelangen. - Ein kleiner Strand befindet sich dort, allerdings kann man da nur selten gefahrlos baden, das Meer kämpft sich durch zwei Felsen an den Strand heran und ist meist entsprechend aufgewühlt. - Nun geht man daran zu planen, was man denn mit diesem Stück Land dort an der Küste anfangen kann und dazu wird nun das Projekt eines Campingplatzes entworfen, mit eigenem Meerwasserschwimmbecken, um den bereits beschriebenen Tücken des Atlantiks zu entgehen. - Darüber hinaus gibt es aber noch weitere Pläne für die Zone, unter anderem wollte und will dort die Gemeinde Fuencaliente per Photovoltaik Elektrische Energie erzeugen und auch eine Fischzuchtanlage unterbringen.

Der nun zu zeichnende Plan lässt wohl auch diese Nutzung zu und eigentlich hatte man sich bereits damit abgefunden, dass man dort an der Playa de Las Cabras wirklich nichts anderes machen kann als Strom erzeugen und eben wenig attraktive (Industrie)-Anlangen unterbringen, wie es eben eine solche Fischfarm wäre. - Auch könnte man dort noch sehr viel mehr Strom erzeugen, nicht nur gut mit Photovoltaik weil die Sonne dort fast immer scheint, auch als Standort für mehr Energieproduktion aus Windkraft wäre die Ecke ideal, denn der Passat bläst dort an der Südspitze mit besonderer Heftigkeit und Ausdauer. - Das wiederum aber gibt ernsthaft zu bedenken, ob dort an der Playa de Las Cabras ein idealer Standort für einen Campingplatz wäre, nicht nur die unattraktiven Anlagen zur Stromerzeugung begleiten unschön die romantischen Vorstellungen eines Camping-Urlaubes, alleine der Wind dort könnte die Urlauber bereits nach kurzer Zeit vertreiben. - Allerdings gerät man ja durch die geplanten und zum Teil bereits durchgeführten Abrisse der Siedlungen vom Leuchtturm bis nach La Zamora unter Zugzwang, hatte man doch den von dort Vertriebenen einen Campingplatz versprochen, um weiterhin die Sommermonate am Meer verbringen zu können. - Es bleibt wirklich zu bezweifeln, ob solch ein Konglomerat von eigentlich widersprüchlichen Nutzungen für die Zone "Las Cabras" sinnvoll ist. - Ob wirklich das alles kommt, das bleibt damit sehr fraglich, man schafft momentan auch nur die rechtlichen Möglichkeiten dafür. - Und jetzt kommen wieder die Ananasfarmen in Alaska ins Spiel, die baut auch niemand, bloß weil es erlaubt wäre, das dort zu tun.



Sonntag 24.02.08 - 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 18 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 73 % Luftdruck 1017 hPa
Höchsttemperatur heute 19,5 Grad - niedrigste Temperatur 11,4 Grad
Puntallana in 250 m Höhe: Höchste 20,8 Grad, niedrigste 14,3 Grad, Feuchte 61 % Regen 0 mm

Carlos streckt seine Finger nach Los Llanos aus

Es muss schon etwas Besonderes vorkommen, dass ich mich des Abends nach Los Llanos verirre. - Da mich schrille Diskotheken nicht direkt locken und mein Bedürfnis nach Nachtleben ganz wunderbar in El Paso gestillt werden kann, brauchen solche Ausflüge immer einen ausgewählten Hintergrund. - Dieser ist nun, dass Carlos, der Fernsehkoch und Wirt aus der "Tasca Barbanera" nun auch noch das Restaurant "Parilla Aridane" übernommen hat und so beliebte El Paso Gastronomie auch in Los Llanos zu finden ist. - Nun heißt das Restaurant "Brasero Mar y Tierra" und dieser neue Namen beschreibt auch schon die Richtung, in welche das Angebot tendiert. - Mar steht natürlich für Fisch und Tierra für Fleisch und der Brasero bedeutet, dass es im Inneren des Lokales einen großen und für alle einsehbaren Grill gibt, auf dem vieles von dem Angebotenen auch zubereitet wird. - Es hat sich nicht viel geändert im Restaurant seit der Zeiten der Parilla Aridane. - Es gibt einen neuen Anstrich, griechisch blau ist jetzt die dominante Farbe, aber Tische und Bestuhlung sind noch von den Vorbesitzern und das bedeutet, dass zartbepote Gäste sich ruhig ein Kissen mitbringen dürfen. - Es gibt sowohl ein Atrium welches nach oben offen ist, einen kleinen Terrassenbereich, wie auch lustige Separees in urigem Ambiente, es bleibt also beim rustikalen Stil, welches dieses Restaurant vorher bereits hatte. - Wer Carlos "Barbanera" in El Paso kennt, der mag darüber erstaunt sein, aber er ist der Meinung, dass dieser rustikale Stil auch viel besser zum großen Grill passt und eben schlichtweg anders ist, als das was er in El Paso macht.

Wir stürzen uns natürlich auf Fisch, den man leider auf La Palma sehr zögernd nur in vielen Restaurants bekommt. - Es gibt eine Fischplatte, welche für 2 Personen 18,- Euro kostet, wir hatten eine Platte für drei geordert und vier sind locker davon satt geworden. - Es gab riesige Gambas, Dorade, Albacora, Sama und Peto, so dass wirklich für alle was dabei war, allerdings kann ich über die Qualität der Gambas keine Auskunft geben, die hatten sich sofort unsere Kinder geschnappt und verputzt. Das war aber nicht weiter schlimm, der restliche Fisch war tadellos frisch und gut behandelt, eben so wie man das von einem Koch mit Carlo Ruf erwartet. - Wir konnten zu viert selbst die Platte für drei nicht schaffen, so dass es uns fast leid tat, auch noch Papas fritas, sowie Papas arrugadas bestellt zu haben, die man wie in vielen Restaurants hier separat bestellt. - Daneben gibt es auch noch eine Fleischplatte als "Tierra", halt das "erdige" Pendant, die auch etwas preisgünstiger ist, aber nicht wenig schwer belegt. - Von der Qualität des Fleisches konnte sich unser Gast überzeugen, der lieber keinen Fisch isst und auch dem fleischigen Sektor gibt es keine Beanstandungen. - Sparen hätte Carlos sich den Krautsalat, der wohl als Dekoration gedacht auf der Fischplatte in der Mitte liegt, wer isst schon Kraut, wenn er Fisch im Überfluss hat. -

Die Bedienung war schnell und extrem freundlich, kein Wunder, hat Carlos doch eine Kellnerin aus El Paso mit nach Los Llanos gebracht, die ihre Arbeit auch schon in der Tasca Barbanera bestens verrichtet hat. - Allerdings sollte er Schutzhelme ausgeben, um in die lustigen Separees zu gelangen muss man deutlich den Kopf einziehen, das ist ein altes Gebäude und früher maßen solche Türstöcke vielleicht gerade mal 1,70 Meter. - Die anderen Bereiche im Restaurant kann man aber auch ohne demütiges Bücken erreichen, aber wir lieben diese kleinen Separees, geben sie doch so ein Stück Geborgenheit und man ist halt wirklich "unter sich". - Allerdings ist es abends doch noch recht frisch geworden, aber Carlos will da noch Heizungen anbringen, um halt auch im Winter die Gäste nicht hinter Decken begrüßen zu müssen. - Getränke und Weine, alles ganz normal und kein preislicher Ausrutscher, wobei man in der rustikalen Atmosphäre eh keinen Gran Cru Classé erwartet und unsere heimischen Weißweine auch wunderbar mit dem Fisch harmonieren. - Gerade wer mal Fisch essen will und dazu nicht ans Meer fahren möchte, der kann das schöne und reichliche Angebot bei Carlos annehmen. - Von der Plaza in Los Llanos am oberen Ende links halten, dann die erste Gasse wieder rechts hoch. - Das ist die Calle Fernando Taño, es sind nur ein paar Meter, linker Hand. - Ruhetag ist Montag (so wie fast überall auf La Palma) ansonsten hat es von 11:00 bis 23:00 Uhr geöffnet. - Immer wenn ich so weit verreise, wie eben von El Paso bis nach Los Llanos, dann nehme ich meinen Photoapparat mit und Sie können HIER ein paar Eindrücke von Carlos neuer und zusätzlicher Wirkungsstätte ansehen.


Restaurant Mar y Tierra in Los Llanos



Sonntag 24.02.08 - 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 11 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 79 % Luftdruck 1017 hPa

La Bombilla schlägt zurück

Still ist es geworden um den Abriss der Siedlung "La Bombilla", welche das gleiche Schicksal vor sich haben soll, wie die benachbarte Bucht "Playa Nueva". - Auch in La Bombilla fordert die Küstenbehörde alle Hausbesitzer dazu auf, ihre im Küstenstreifen liegende Wohnungen und Hütten abzureißen, damit die Behörde wieder über den einhundert Meter breiten Streifen verfügen kann, welcher als öffentliches Gelände angesehen werden muss und nicht bebaubar oder veräußerbar ist. - Bürgerproteste laufen seit Jahren und in den letzten Monaten sind die Abrisse ja ins Stocken geraten, weil ein Gericht auf Tenerife angeordnet hat die Demolierung der Siedlungen auszusetzen, solange noch diverse Verfahren über den Abriss offen sind. - Nun schlagen die Hausbesitzer La Bombillas auch auf juristischem Sektor los und klagen vor der "Audiencia Nacional" gegen den geplanten Küstenwanderweg, der sich von der Playa Nueva bis nach Puerto Naos ziehen soll. - Mit meinen gringen jurustischen Kentnissen kann ich Ihnen leider nicht erklären, welche gerichtliche Institution in Deutschland mit der Audiencia Nacional vergleichbar wäre. - Man erhofft sich damit zumindest einen Aufschub und größere öffentliche Aufmerksamkeit über das Schicksal der vielen Siedlungen am Meer, die nach dem Küstengesetz illegal sind, obwohl die meisten der Hütten und Häuser längst dort waren, noch bevor dieses Gesetz überhaupt in Kraft getreten ist.

Eigentlich hat der Küstenwanderweg nicht direkt etwas mit dem Abriss der Häuser zu tun, allerdings ist es auch klar, dass die Küstenbehörde die Häuser alle weg haben will, um genau diesen touristisch nutzbaren Weg zu erstellen. - Die eigentliche Version der Küstenbehörde, nämlich die Regenerierung der Küstenzone durch den Abriss der Häuser zu erreichen wird durch das Vorhaben des Küstenwanderweges allerdings karikiert. - Man hat sich nun einen mit dem Thema versierten Anwalt genommen, welcher den Küstenwanderweg in mehreren Fällen als illegal anprangern will. - An mehreren Stellen, so der Anwalt, durchquert der Weg Zonen welche von den Wellen überspült werden können und auf anderen Wegstrecken reicht der Wanderweg über den eigentlichen Küstenstreifen hinaus, so dass es nicht mehr Kompetenz der Küstenbehörde wäre, sondern wieder in die Zuständigkeit der Gemeinden ginge. - Ob das alles wirklich Sinn macht, das muss man abwarten, allerdings wird eines klar, die Bewohner der Siedlung La Bombilla werden sich nicht so einfach vertreiben lassen wie das an der Playa Nueva der Fall war und das gesamte Vorhaben der Küstenbehörde, sei es nun der Abriss der Häuser oder die geplanten Küstenwanderwege werden uns noch sehr lange beschäftigen.


<La Bombilla, auf La Palma



Samstag 23.02.08 - 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 67 % Luftdruck 1016 hPa
Höchsttemperatur heute 20,6 Grad - niedrigste Temperatur 11,2 Grad
Puntallana in 250 m Höhe: Höchste 22,1 Grad, niedrigste 12,2 Grad, Feuchte 63 % Regen 0 mm

Bauknecht, so weit die Waschmaschinen tragen

Es ist überstanden, seit Ende Januar haben wir warten müssen, nun haben wir endlich wieder "unser Wetter", den vom Azorenhoch angekurbelten Passat und so wehen fröhlich die schwer bestückten Wäscheleinen den freundlichen Kanon vom wunderbaren Bauknecht. - Es war aber auch wirklich ein bisschen viel die letzten Wochen, so viel Regen braucht nicht mal La Palma. - Endlich legt sich wieder ein Hochdruckgebiet an den ausgemachten Platz, mit Kern über den Azoren und damit sorgt diese wunderbare Einrichtung dafür, dass die von West anstürmenden Tiefdruckgebiete so weit in den Norden geschleudert werden, dass uns hier nichts treffen kann. - Auf der "Rückseite" sorgt der mit Feuchtigkeit beladene Passatwind aber auch für den dauernden Feuchtigkeitstransport und die mit Wasser beladenen Wolken branden an unserer Nordostseite an und lassen dort Teile ihrer Fracht durch Kondensation oder auch Niederschläge. - Damit erbringt der Passat den Großteil unserer Wasserversorgung, denn der poröse Basalt saugt gierig alle Wassertropfen auf und speichert das kostbare Nass im Inneren unserer Insel. - Wir bohren uns dann in den Fels, bis wir diese Wasservorräte erreichen und haben so reichlich Wasser zur Verfügung, um selbst solche "Säuferkulturen" wie Bananen nun mal sind, mit ausreichend Flüssigkeit zu versorgen. - Auch wenn es nicht endgültig geklärt ist, wie viel Wasser La Palma im Inneren gespeichert hat und wie die Flüsse dort tief im Bauch der Insel reagieren ist es doch klar, dass diese Insel hohl ist wie ein Tilsiter Käse und die vielen Kavernen, oder wenn man bei dem Bild vom Käse bleibt die Löcher, voller Wasser sind.

Der Regen scheint nur da zu sein um die Insel mal richtig nass und sauber zu machen, aber eben auch die vielen Schluchten in unser Relief zu schneiden, welche als steile Barrancos die ewige Erosionsgeschichte La Palmas schildern. - Daran erkennt man aber auch die Brüchigkeit unserer Insel, da sind noch nicht mal 3 Millionen Jahre Erosion am Werk, und schon hat der Regen solche beeindruckende Furchen hinterlassen. - Das macht einen wieder ein bisschen melancholisch, wenn man dabei an die geringe Lebensdauer unserer fragilen Vulkaninseln denkt. - In ein paar weiteren Millionen Jahren wird auch La Palma so weit erodiert sein, wie das die östlichen und älteren Inseln Lanzarote und Fuerteventura bereits sind und noch mal einen Erdgeschichtlichen Augenblick später, sind die Kanaren wieder ganz verschwunden. - Allerdings treibt ja der vulkanische Hotspot unter uns einen kleinen Wettlauf mit der Erosion und wird wohl im gleichen Zeitraum neue Inseln über die Wasseroberfläche schicken. - Es ist Samstagabend, da darf man doch mal ein bisschen herumspinnen und sich bereits Namen überlegen für die neuen Inseln. - Die nächste Insel hat ja bereits einen Namen und wird "La Niña" genannt werden und wächst bereits westlich La Palmas und nördlich El Hierros. - Dann kommen, immer weiter westlich von uns noch "San Borondón", obwohl viele ja behaupten diese Insel sei schon da, später werden wir eine "Atlántida" nennen und wenn es noch weiter nach Westen geht, dann bin ich für "Nuevo Mundo", Dorada, Tropical, Reina, Heineken und Urquell. - Da lohnt es sich doch noch ein paar Millionen Jahre zu warten und wenn einem so viel Schönes wird beschert, das ist schon ein frisch gezapftes Pilsner wert. - Meine Frau ist heute auch glücklich, schließlich ist der Bauknecht doch wieder über uns gekommen und die viele Wäsche winkt im steten Passat bereits den neuen Inseln im Westen zu…



Samstag 23.02.08 - 09:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 13 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 82 % Luftdruck 1015 hPa

La Palma braucht mehr Talent und weniger Zement!

Raten Sie mal von wem der Spruch ist? - Das könnte doch glatt ein Schlachtruf von freudig erregt demonstrierenden Ökos sein, die wieder und wieder auf unsere höchst fragwürdige Beton- und Asphaltpolitik rund ums Weltbiosphärenreservat eindreschen. - Dieser Spruch aber stammt von unserem Oberhirten, dem Präsident der autonomen Region Kanarische Inseln, Paulino Rivero. - Der hatte bereits vor Wochen mit einem ähnlich markanten Spruch Aufsehen erregt, als er verkündete, keinen Zentimeter Boden mehr an Tourismusprojekte zu vergeben. - Hat sich denn nun damit alles geändert und der PTE ist vom Tisch, der Flughafenausbau gestoppt und ist die immer noch in Schubladen herumgeisternde Autobahn endlich zusammen mit den Liechtensteinpapieren im Schredder gelandet? - Leider nein, es ist bei uns nicht viel anders als sonst wo in der von Demokratie nur so wimmelnden Welt, jeder darf sagen was er will und was er damit eigentlich meint, oder später sogar tut, das muss in keinem Zusammenhang miteinander stehen. - Wäre ja auch noch schöner, wenn man heute plötzlich, angesichts des entwürdigenden Hartz IV Geldes plötzlich darauf pochen würde, dass das C der CDU was mit christlich zu tun haben müsste, genau so wie das S der SPD einen sozialen Ursprung haben soll. - Es behauptet ja auch niemand, das F der FDP käme von Freier Fall. - Nur mal so dahingesagt, damit es nicht wieder heißt, nur die hier auf den Kanaren betreiben Etikettenschwindel.

Außerdem ist hier Wahlkampf und da reisen unheimlich viele wichtige Menschen von hier nach da, lassen ein paar sinnige oder weniger vernünftige Brocken fallen und schwupps sind sie wieder weg und unterschreiben weitere Infrastrukturmaßnahmen, bis das Weltbiosphärenreservat so weit mit Beton abgedichtet ist, dass Nachhaltigkeit endlich einen festen Boden unter den Füßen hat. - Im Wahlkampf muss man auch alles entschuldigen, daran haben wir uns längst gewöhnt, das ist ein bisschen so wie in der Revolution, da sind auch alle Maßnahmen recht. Paulino Rivero spricht von sauberen Industrien, Diversifikation und setzt hohe Erwartungen an das was man Bio-Technologie nennt. - Und überhaupt die Landwirtschaft, Turbo unserer leuchtenden Inselvolkswirtschaft und so viele Aufbauprogramme wird es geben für die einzelnen Ressorts des Primärsektors, dass dem Landwirt alleine vom Zuhören schon die Hose schwillt. - Ich meinte wegen der wachsenden Geldbörse! - Beruhigt, froh und voller Freude gehe ich in diesen Tag, genau wissend, dass wir weise Führer haben, welche dieser Insel nie schaden würden. - Vielleicht war der Spruch "más talento y menos cemento" aber ja auch an die lokalen Fürsten gerichtet, die dann ja wohl nach Paulino Riveros Aussage unter Talentmangel leiden würden? - Nun bin ich aber verwirrt und eigentlich froh, dass wir Mitbürger mit Migrationshintergrund am Ausgang der Wahlen am 9. März völlig schuldlos sein werden.



Freitag 22.02.08 - 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 19 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 70 % Luftdruck 1013 hPa
Höchsttemperatur heute 20,0 Grad - niedrigste Temperatur 13,7 Grad
Puntallana in 250 m Höhe: Höchste 20,6 Grad, niedrigste 14,3 Grad, Feuchte 76 % Regen 19 mm

Flugzeugabsturz in Venezuela bewegt die Menschen auch hier

Eine ATR 42 der venezolanischen Santa Bárbara Airlines ist gestern Nacht wohl auf dem Weg von Mérida nach Caracas abgestürzt. - An Bord waren 46 Personen über deren Schicksal man noch nichts weiß, man hat jetzt aber die Absturzstelle in den venezolanischen Anden gefunden. - Ein Polizeihubschrauber hat wohl die Reste des Flugzeuges auf über 4.000 Meter Höhe entdeckt, am "Páramo de Mucuchíes" und wie es scheint, ist die Maschine gegen den fast 5.000 Meter hohen Berg geprallt. - Was hat ein Flugzeugabsturz in Venezuela mit uns zu tun? - Einmal gilt das südamerikanische Land als "achte Kanareninsel", weil es sehr viel Migration zwischen Venezuela und den Kanaren gab und gibt, in besonderem Maße auch mit La Palma. - Viele Palmeros, man schätzt wohl im letzten Jahrhundert mehr als 30.000 Menschen, zogen in das südamerikanische Land um dort der Armut auf La Palma zu entfliehen. - Seit nunmehr vielleicht 10 Jahren wandern sehr viele Auswanderer wieder zurück in ihre alte Heimat, die Kanaren und auch auf La Palma gibt es nur sehr wenige Familien, welche keine Verwandtschaft dort in Venezuela haben. - Inzwischen kommt auch die zweite und dritte Generation wieder zurück, also die Kinder und Kindeskinder der Auswanderer, die bereits in Venezuela geboren sind und nur noch die Sprache mit der Erde ihrer Eltern gemeinsam haben.

Der nächste Hintergrund für die hohe Anteilnahme bezieht sich auf die Fluggesellschaft Islas Airways, welche ursprünglich von den Eigentümern der nun betroffenen Santa Bárbara Airlines gegründet wurde. - Bei den Firmeninhabern handelte es sich um kanarische Auswanderer, die eben mit dem in Venezuela erwirtschafteten Geld diese lokale Fluggesellschaft hier gründeten und anfänglich waren die Flugzeuge und auch die ersten Piloten von der Santa Bárbara Airlines geliehen. - Inzwischen gehört die Islas Airways je zur Hälfte der kanarischen Unternehmensgruppe "SOAC" und die andere Hälfte gehört zur Reederei Armas, aber dennoch erinnert man sich hier immer noch der Anfänge der Islas Airways, die ohne Zweifel immer noch "ein Kind" der Santa Bárbara Airlines ist. - Auch fliegt man die gleichen Turbo-Prop-Maschinen des italienisch/französischen Herstellers ATR, allerdings kommen bei uns fast ausschließlich die größeren Modell der ATR 72 zum Einsatz als bei der venezolanischen Gesellschaft, deren abgestürztes Flugzeug die kleinere Version, die ATR 42 gewesen sein soll. - Alles weitere ist noch völlig unklar und sowieso die mögliche Absturzursache, gelten doch die Flugzeuge des Herstellers ATR als äußerst robust und zuverlässig und sind überall auf der Welt im Regionaldienst im Einsatz.



Freitag 22.02.08 - 10:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 15 Grad, Niederschlag 13 mm Luftfeuchte 90 % Luftdruck 1014 hPa

Jetzt wird es eng

Die seit Jahren rückläufigen Zahlen im internationalen Tourismus auf La Palma zeigen jetzt nicht nur Wirkung, sondern bringen nun das fragile Gefüge völlig ins Wanken. - Der Reiseveranstalter Thomas Cook will ab dem kommenden Jahr La Palma nicht mehr in sein Programm aufnehmen, es lohne sich einfach nicht mehr hier her zu fliegen und als Firma im globalen Wettbewerb können man sich defizitäre Ziele einfach nicht mehr erlauben. - Zuletzt hatte Thomas Cook einen Marktanteil von etwa 30% der internationalen Gäste auf der Insel, würde diese Anzahl ohne weiteren Ersatz einfach wegfallen, dann wäre das eine katastrophale Entwicklung des Tourismus auf La Palma. - Ganz überraschend kam der Schritt nicht, die Gerüchteküche hatte schon mehrgängige Menüs über dieses Thema verfasst, aber nun macht man es seitens des Reiseveranstalters öffentlich. - Ich nehme an, dass die Hauptbetroffenen, die Hoteliers dieser Insel, bereits nach Noten des Fairplay vorher intern informiert wurden, um ihnen so mehr Zeit zu geben sich andere Reiseveranstalter zu suchen. - Ob und wie weit die Entscheidung Thomas Cooks auch auf die Frequenzen der Flugverbindungen niederschlägt, das kann man bislang nur ahnen, allerdings muss man natürlich fürchten, dass man nun weitere Verbindungen zusammenstreicht.

In der Begründung warum sich Thomas Cook zurückzieht kommt, neben der normalen und verständlichen Erklärung, dass man Geld verdienen muss auch noch ein interessanter Satz vor: Es gibt andere attraktivere Ziele als La Palma, wo man sogar noch Geld verdienen kann. - Irgendwie kommt es mir so vor, als hätte ich diese Erklärung gar nicht weit von hier schon ziemlich oft gelesen. - In der Tat wird uns nun die Rechnung präsentiert für das jahrelange Aussitzen und willfährige Mitschwimmen auf einer Welle, die Stück für Stück durch Abknipsen der Margen sich nur noch am Preis orientiert hat und nicht mehr am tatsächlichen Ziel, für welches sich der Gast interessieren könnte. - Da wir uns mit dem ansteigenden Angebot an Hotelbetten in die gleiche Anbieterschiene begeben haben wie so viele andere Ziele, schlägt nun der marktwirtschaftliche Hammer zurück und weist jedem der zu teuer ist die Rote Karte. - Sicher trifft Thomas Cook Mitschuld an dieser Entwicklung, wer die Preisspirale nach unten mitspielt, der muss sich nicht groß wundern, dass man irgendwann kein Geld mehr verdient. - La Palma erwischt es natürlich noch härter, denn wir können uns, aus ganz verständlichen Gründen nicht "von uns zurückziehen". Die nun einsetzende Entwicklung war seit Jahren absehbar und ich hoffe inständig, dass die planerische Riege unserer Tourismusbeauftragten nun endlich mal den richtigen Schluss aus dieser Entwicklung zieht. - Man braucht uns einfach nicht als weiteres Mosaiksteinchen in einem touristischen Markt, der vor Überangebot nur so kocht und sich in den kommenden Jahren ganz und gar auf Billiglohnländer beschränken wird. - Selbst Golfplätze en Masse sind in Marokko bereits geplant und warum sollen wir dann diese, angeblichen touristischen Magneten, überhaupt noch bauen. - Tourismus auf La Palma ist eine ganz exklusive Pflanze, die nur als alternatives Nischenprodukt überhaupt gedeihen kann. - Das Publikum dafür gibt es, es ist sogar ein sehr zahlungskräftiges Publikum, doch dieses fordert glaubwürdige ökologische Ausrichtung der Gesamtentwicklung und kein blindes Kopieren anderer Regionen, die zwar nichts besser können als wir, aber allemal billiger.

Nachtrag! - Das Dementi von Thomas Cook kommt ein paar Stunden später, die Verhandlungen mit den Hoteliers für die kommende Saison würden in Kürze beginnen. - Also alles ganz anders als gemeldet und vermutet und man fragt sich wieder mal, mit welchem Hintergrund Gerüchte gestreut werden und auch direkte Quellen des Reiseveranstalters zitiert werden, welche den Rückzug aus La Palma vermelden. - Bleibt zu hoffen für La Palma, dass es sich wirklich um eine krumme Ente handelt und Thomas Cook auch weiterhin Gäste nach La Palma schickt.



Donnerstag 21.02.08 - 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 16 Grad, Niederschlag 3 mm Luftfeuchte 81 % Luftdruck 1015 hPa
Höchsttemperatur heute 16,8 Grad - niedrigste Temperatur 15,1 Grad
Puntallana in 250 m Höhe: Höchste 17 Grad, niedrigste 14 Grad, Feuchte 86% Regen 11 mm

Böser, böser Käfer

Der Kanarischen Kiefer kann so schnell keiner was anhaben. - Feuersbrünste überlebt dieser Baum in stolzer Manier und auch die immer mal wieder massenhaft auftretenden Raupen schüttelt unser grüner Riese ohne weitere Probleme ab. - Nun aber scheint ein kleiner Käfer, der immer schon mit der Kiefer lebt, plötzlich außer Rand und Band zu sein und verantwortlich für den Tod von bereits an die einhundert Bäumen. - Ips nobilis ist die wenig aussagekräftige Bezeichnung die man diesem endemischen Käfer verliehen hat, er hat noch nicht einmal einen volkstümlichen Namen, so wenig Aufmerksamkeit hat man dem Krabbler bislang geschenkt. - Warum denn auch, man begegnet dem Käfer eigentlich gar nicht, der lebt unterhalb der Rinde der Kanarischen Kiefer und die Gefahr geht vom Fraß aus, welche die Larven des Käfers in das Kernholz des Baumes legen. - Die hiesigen Biologen kannten den Käfer schon lange, allerdings starben bislang die Kiefern nicht von dem Larvenbefall und nun rätselt man durchaus besorgt, wie es denn kommen kann, dass sich ein bisher harmloser "Baumschnupfen" in eine letale Lungenentzündung verwandelt.

Entdeckt hat man das fiese Werk dieser Käfer erstmals im Juni vergangenen Jahres in der Caldera de Taburiente. - Bis man sich allerdings sicher war, dass die Bäume am Werk jener, bislang für harmlos eingestuften Käfer eingegangen waren, das dauerte noch eine Weile und bedarf des Studiums vieler Experten. - Bislang ist die These welche am ehesten noch Sinn macht, dass die Käfer nur Bäume "fällen" können, welche bereits einen Vorschaden hatten oder gestresst waren, sei es durch den Hurrikan Delta oder wegen Trockenheit oder was sonst noch in der Lage ist eine Kanarische Kiefer bis ins Mark zu erschüttern. - Das wäre die nette Theorie, denn dann bräuchte man sich nicht direkt Sorgen machen sondern könnte das als normale und natürlich Auslese betrachten. - Allerdings spricht dagegen, dass bislang der Käfer nicht für diese Auslese verantwortlich war, es aber auch vorher schon gestresste Bäume gegeben hat, welche dem vermuteten Opferschema entsprechen würden. - Eher munkelnd möchte man auch nicht ausschließen, dass der Käfer selbst sein Verhalten geändert hat und plötzlich zur Gefahr geworden ist, eigentlich schwer zu glauben das es so etwas geben kann, aber die Biologen möchten angesichts ihrer wirklichen Besorgnis keine Theorie ausschließen, bis man wirklich die Ursachenkette für dieses Baumsterben kennt. - Bis dahin will man die drei isolierten Stellen an welchen man die toten, beziehungsweise absterbenden Bäume gefunden hat genau beobachten, ob sich der Käfer weiter ausbreitet. - Gleichzeitig schützt man umliegende Bäume dadurch, dass man ihnen die Rinde entfernt, eine Prozedur welche die Kiefer übersteht, dem Käfer aber seinen Lebensraum nimmt. - Da alle die ein bisschen Ahnung haben vom komplexen Wasserkreislauf dieser Insel sofort hellhörig werden wenn ein potentieller Schädling der Kanarischen Kiefer auftaucht, wird dieser Vorfall sehr ernst genommen, denn diese Insel kann zwar ohne Autobahn und Golfplätze überleben, nicht aber ohne ihre Kiefern.



Donnerstag 21.02.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 15 Grad, Niederschlag 1 mm Luftfeuchte 82 % Luftdruck 1015 hPa

Am Samstag geht der Carnaval zu Ende

Zwar gibt es den Aschermittwoch hier auch, den "Miércoles de cenizas", aber das heißt für uns nicht automatisch, dass damit alles vorbei wäre. - Unser berühmter Pragmatismus macht das möglich, mitten in der Fastenzeit rauschende und ausschweifende Feste, obwohl wir doch ein so katholisches Völkchen sind. - Da die Kirche nicht unbedingt Wert darauf legt, den Carnaval als kirchliches Fest anzusehen, muss man den Zusammenhang von Carnaval und dem Beginn der Fastenzeit nicht allzu eng sehen, gedanklicher Pluralismus ist da angesagt und wo das Volk einen Heidenspaß hat, da hat die Kirche nicht viel auszurichten. - Es sind eher die lokalen Termine und Brauchtümer welche den Kalender in diesen Fiestas bestimmen und so kommt es, dass die Gemeinde San Andrés y Sauces nun am kommenden Samstag erst die Sardine verbrennt und damit den Carnaval für dieses Jahr beendet.

Die anderen Gemeinden machen das auch erst nach dem Aschermittwoch, aber zeitlich näher an diesem Tag, und in Los Sauces gehört aber die Beerdigung der Sardine zu den größten lokalen Festivitäten überhaupt. - Übrigens nicht nur dort, auch auf Tenerife und Gran Canaria gibt es noch Gemeinden, welche das Ende des Carnaval erst dieses Wochenende feiern, es handelt sich also nicht um eine rein palmerische Verspätungsgeschichte, sondern hat durchaus provinziellen Charakter. - Ob das auf dem spanischen Festland auch so ist, das weiß ich nicht, denn bei uns auf den Kanaren haben viele Feste einen deutlichen südamerikanischen Einfluss in den Jahrhunderten bekommen, was auf dem Festland nicht so sehr de Fall ist. - Bei uns nennt man das Ende des Carnaval zwar "Entierro de la Sardina", also Beerdigung der Sardine, es ist aber eher eine Feuerbestattung, denn nachdem man "Doña Sardina" mit heftig gespielter Traurigkeit durch den Ort geschoben hat, geht das gute Stück in Flammen auf und damit endet dann der Carnaval wirklich. - In Los Sauces verbrennt man eine wirklich große Sardine, 15 Meter lang soll das Prachtstück sein, das brennt sicher eine Weile, man gönnt sich ja sonst nichts. - Bei uns gilt die Sardine als Symbol der Ausschweifung und Wolllust, ein Umstand der sich mir nie so richtig erschlossen hat und daher kommt es zu diesem lustigen Fest, an dem man, lange nach dem Aschermittwoch noch mal eine Gelegenheit bekommt, die Fastenzeit gebührend zu unterbrechen.



Mittwoch 20.02.08 - 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 81 % Luftdruck 1015 hPa
Höchsttemperatur heute 17,4 Grad - niedrigste Temperatur 11,8 Grad
Puntallana in 250 m Höhe: Höchste 17,5 Grad, niedrigste 14 Grad, Luftfeuchte 80%

Lehrerstreik geht weiter

Zum Glück wollen sie nicht 30% mehr und einen eigenen Tarifvertrag, sondern schlicht weg die gleiche Bezahlung, Rechte und Vertragslaufzeiten wie die anderen Angestellten der provinziellen Erziehungsbehörde. - Allerdings lehnt das die Behörde ab und nun geht das seit einem Jahr so, dass alle zwei bis drei Monate mal wieder Streiktage eingelegt werden, um der Forderung Nachhalt zu verleihen. - In den Ferien wird übrigens nicht gestreikt, wie rücksichtsvoll! - Gestreikt wird auf den Kanareninseln an unterschiedlichen Tagen, so bleibt man länger in der Presse und hält doch den angerichteten Schaden minimal, denn ein Streik funktioniert ja nur, wenn die Presse darüber berichtet und es irgendjemandem weh tut. - La Palma war gestern dran und auch am Freitag wird es erneut einen Ausstand geben und lustig dabei ist immer wieder zu beobachten, wie unterschiedlich die Streikerfolgsmeldungen von den Streithähnen ausgedrückt werden. - Die Gewerkschaften, da sind nämlich gleich vier Arbeitnehmervertretungen beteiligt, sprechen von 80% der Lehrer im Ausstand, die Schulbehörde aber nur von einer Beteiligung um die 30% und recht hat wieder mal der gesunde Menschenverstand. - 30% das kann nicht sein, die Erklärung dafür wird aber auch geliefert, es dürfen und können gar nicht alle Lehrer streiken, da die Schulen trotzdem eine Art "Aufbewahrungspflicht" für die Schüler haben und so muss jeder dritte Lehrer wohl auch trotz eines Arbeitskampfes zur Schule gehen und nun kann man wie man will, diese dienstverpflichteten Lehrer zum streikenden aber auch zum arbeitenden Posten dazurechnen.

Auch wenn die Kinder direkt nicht so furchtbar erbost darüber sind, sie spüren es dann einen oder zwei Tage später, wenn die Examen sich dann plötzlich häufen und so wie bei uns nun angedroht, sogar drei derer auf einen Tag fallen, weil die anderen Tage ja gestreikt wurde. - Gut, das lässt sich sicher im Gespräch noch aufdröseln und wieder besser verteilen, aber verlorene Stunden sind es dennoch und wenn man mal überlegt, wie viele Feiertage und Ausflüge der Lehrplan sonst noch verkraften muss, dann tut es einem eigentlich um jeden Tag ohne Schule leid. - Was auch nicht wirklich geklärt ist, ob es denn sinnvoll ist an solchen Tagen, die Kinder überhaupt in die Schule zu bringen. - Es findet kein wirklicher Unterricht statt und man kann es sich eigentlich aussuchen, ob man denn die Kinder zuhause lässt oder nicht. - Wer natürlich von der Arbeit wegen keine andere Wahl hat, der freut sich natürlich darüber dass es trotz Streik die Möglichkeit gibt die Kinder wie gewohnt in der Schule zu lassen. - Es geht also wieder mal ums Geld und es ist schon bezeichnend für die Wertstellung, welche schulische Erziehung und das Gesundheitssystem in unserem politischen System genießen. - Für Prachtbauten und unverhältnismäßige Infrastruktur sind Gelder in schier unbegrenzter Menge vorhanden, um Lehrer, Ärzte und anderes Gesundheitspersonal ordentlich zu bezahlen wohl eher nicht. - Dabei sollte sich eine Gesellschaft nicht am Zustand ihrer Straßen messen, sondern am Erfolg des Schuldienstes und des Gesundheitssystems.



Mittwoch 20.02.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 12 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 74 % Luftdruck 1015 hPa

Salz für Deutschland

Nach schweren Krisenjahren scheint nun die Saline von Fuencaliente gerettet zu sein. - Einmal hob die Inselregierung die Restriktionen auf, welche eine Erweiterung der bisher installierten Anlagen verbot. - Dann kommt noch dazu, dass die neu aufgenommene Produktion an "Flor de Sal" ein absoluter Renner ist und man seitens der Firma "Sal Teneguía" die Hälfte der Jahresproduktion an die deutsche Firma Salus verkaufen konnte, welche diese feinen Salzplättchen aber wohl unter eigenem Namen vertreiben wird. - Neben den, üblichen 600 Tonnen Meersalz welches in grober und feiner Form letztes Jahr produziert wurde, gelang es den Betreibern auch drei Tonnen der Spezialität "Flor de Sal" zu produzieren, welches man in Mitteleuropa eher unter der französischen Bezeichnung "Fleur du Sel" kennt. - Gleich im ersten Jahr der Produktion gelang es diese große Menge zu erzielen, da der Sommer sehr warm war, wir erinnern uns an die Rekordtemperaturen von 44,4 Grad, und noch dazu an vielen Tagen wenig oder kaum Wind herrschte, weitere Grundvoraussetzung für die Produktion von "Flor de Sal".

Im Gegensatz zu dem herkömmlichen Meersalz, welches in den Verdunstungsbecken einfach überbleibt, weil es sich am Boden absetzt, "wächst" das Flor de Sal an der Wasseroberfläche bei einer bestimmten Salzkonzentration. Da setzt sich ein ganz dünner Film an der Oberfläche ab, den man bei bestimmten meteorologischen Verhältnissen sogar abschöpfen kann. Das wichtigste dabei ist der Wind, oder besser gesagt fast kein Wind. Gerade so viel, dass der feine Film an der Oberfläche trocknet, aber auf keinen Fall mehr, sonst weht der Wind den Salzfilm zusammen, der klumpt und sinkt dann auf den Boden. Dann muss natürlich noch die Sonne scheinen und ein Salzwirt da sein, welcher den exakten Zeitpunkt auswählt, wann denn nun das Flor de Sal von der Wasseroberfläche abgezogen werden kann. - Das ist auch wieder eine halbe Wissenschaft, denn es darf auch beim Abnehmen nicht verklumpen, sonst erhält man wieder nur normales grobes Meersalz. Hat man nun endlich den feinen Film mit einer Art Rechen abgezogen, dann muss der flugs trocknen. Dabei darf man es auf keinen Fall zu stark bewegen, sonst kleben die feinen Kristalle auch wieder zusammen und aus Flor de Sal wird Klump de Sal und Andrés Flüche hallen dann weit über Fuencaliente hinaus. - Aber immerhin, letztes Jahr hat man ganze drei Tonnen dieser feinen Spezialität ernten können. - Die Hälfte davon ist im Januar nach Deutschland verschickt worden, so dass wir uns hier ranhalten müssen die begehrten 200 Gramm Gläser überhaupt noch zu ergattern. - Man kann es noch in der Saline direkt kaufen, ab und zu hat der San Martín auch davon und einige Naturkostläden. - Das Glas kostet um die vier bis sechs Euro, reicht aber sehr lange, da man es nicht als Ersatz für das normale Salz nimmt, sondern als außerordentlich feines Gewürz für das Frühstücksei und als Zugabe auf rohen Salaten oder Gemüse. - Man kann also für 2008 nur hoffen, dass es wieder genügend warme und windstille Tage gibt, damit man im Süden der Insel genügend Feinschmeckernachschub produzieren kann.


Flor de Sal aus der Saline Sal Teneguía im Süden La Palmas



Dienstag 19.02.08 - 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 66 % Luftdruck 1016 hPa
Höchsttemperatur heute 21,1 Grad - niedrigste Temperatur 12,2 Grad

Macht mir den gelben Flügel stark

Ob der Schlieffenplan uns bei unserem gelben Problem helfen würde, das muss man nun schon bezweifeln, allerdings ist ja wohl selbst ein schlechter Plan immer noch besser als keiner. - Mit unseren Bananen stehen wir ja, gemessen an der Billigproduktion aus den mittelamerikanischen Ländern, zwar sehr exklusiv da, allerdings pfeift der durchschnittliche Käufer auf die Exklusivität und will die krummen Dinger einfach so billig wie möglich kaufen. - Das bringt uns in Zugzwang, entweder könnten wir nun die Löhne auf ein Niveau von Panama und Ecuador senken, um konkurrenzfähig zu bleiben, oder man nutzt staatlichen Protektionismus um uns zu helfen, oder die EU schüttet Hilfen über unseren Pflanzern aus. - Es ist ein bisschen von allem geworden, in den Bananeplantagen wird immer noch nicht gut verdient, allerdings etwa zehnmal so viel wie man in Mittelamerika für einen Lohnarbeiter bezahlen muss. - Der Protektionismus war ja anfänglich da, allerdings mussten Spanien und die EU langsam den Markt öffnen und nun bleibt man vorerst bei einem Strafzoll von 176 Euro pro Tonne hängen, welche auf den Preis für mittelamerikanischen Bananen bezahlt werden müssen. - Aus diesem Fonds wiederum wird die dritte Front beglichen, die europäischen Bananenproduzenten erhalten aus Brüssel jährlich 280 Millionen Euro, davon geht die Hälfte auf die Kanaren und davon zwischen 55 und 60 Millionen nach La Palma, je nach Exportmenge.

Allerdings knabbern die mittelamerikanischen Produzentenländer, unterstützt von den großen US-amerikanischen Exporteuren, welche den Bananenhandel bestimmen beständig an den Strafzöllen und wissen dabei die Welthandelsorganisation hinter sich. - Es ist also gut möglich, dass die Strafzölle früher oder später fallen. - Das bedeutet nicht automatisch den Wegfall der Kompensationshilfen für die kanarische Banane (Subvention hören wir nicht so gerne), allerdings müsste dann die EU den Gesamtbetrag aufbringen und die mittelamerikanischen Bananen würden sich erneut deutlich billiger auf dem europäischen Markt präsentieren können. - Die EU hat zwar zugesagt die Hilfen weiter zu bezahlen, allerdings weiß man da nie wie lange das noch gut geht und wenn die mittelamerikanischen Bananen noch mal billiger werden, dann kann es gut möglich sein, dass man noch mehr Hilfen braucht für unsere kleine gelbe Wappenfrucht. - Das war aber noch nicht alles, nun drängen auch noch die ACP-Bananen auf den europäischen Markt und machen so die Situation noch kritischer. - ACP-Bananen sind keine synthetische Erfindung, sondern stehen für die Produzenten aus Afrika, der Karibik und dem Pazifik. - Wenn man nun weiß, dass wir Karibik als Caribe schreiben, dann ist die Erklärung für ACP hinfällig.

Allerdings gibt es da auch wieder eine interessante Hoffnung, nämlich das Doha-Papier der EU-Agrarkommission. - Sollten die Importe aus den ACP-Ländern 25% Prozent höher sein als der Durchschnitt der Importe aus diesen Ländern zwischen 2004 und 2006, dann tritt automatisch eine Klausel in Kraft, welche den höchsten Schutz für die europäische Banane ermöglicht. - Da aber alles weich, in Bewegung und äußerst spannend ist, was man sich da auf den Zugfahrten zwischen Brüssel und Straßburg so überlegen kann, ist die "höchste Schutzstufe" auch wieder lustig und wunderbar interpretierbar. - Man hat oft das Gefühl, dass bei diesen Verhandlungen der EU mit der Welthandelsorganisation es unbedingt vermieden werden muss, klare Aussagen zu treffen um sich damit Handelsspielraum zu bewahren und eines ist klar, selbst wenn die europäischen Landwirte unsere jetzige Kommissarin Fischer-Boel nicht unbedingt "super gipsy" finden, die Verhandlungspartner der WHO müssen die gute Frau hassen wie die gelbe Bananenpest. - Eigentlich könnte man sich diesen Blödsinn komplett sparen, wenn man die gesamte Bananenproduktion auf den Kanaren einfach einstampfen würde. - Dann kann man allerdings auch La Palma einklappen und komplett an Marbella übergeben, freigegeben zum frontalen Abschuss für Immobilienspekulation und Massentourismus. - Das wollen wir dann doch nicht so gerne und deshalb gäbe es noch ein zweites denkbares Szenario. - Man arbeitet an einer Premium-Marke für unsere Bananen und verkauft diese parallel zu den mittelamerikanischen grünen Schlagstöcken, welche fälschlicherweise in Deutschland auch oft als Bananen bezeichnet werden. - Dazu stellen wir in den nächsten 15 Jahren die komplette Produktion auf die alten kleinen Cavendish-Sorten um und das auch noch auf ökologischer Basis. - Aber bis dahin brauchen wir die Hilfen der EU noch, sonst fährt der Sonderzug nach Marbella doch noch ab.





Dienstag 19.02.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 12 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 79 % Luftdruck 1015 hPa

Schwimmende Invasoren

Was wohin gehört und besonders wer, das ist nicht immer einfach zu beantworten. - Es geht, wieder mal um die streunenden Fische aus den Schwimmkäfigen vor der Küste Tazacortes und Tijarafes. - Wir wissen ja, bei schwerer See, und das kann im Winter auf dem Atlantik schon öfter mal vorkommen, überspülen die Wellen diese Käfige und viele der Fische gelangen so in Freiheit. - Sehr zum Ärger der Betreiber dieser Anlagen, verliert man doch so regelmäßig auch Teile seiner Einkünfte, aber es scheint wohl einkalkuliert zu sein, diese Verluste werden als normal angesehen. - Die Sportangler Tazacortes und der Umgebung freuen sich allerdings über diesen unerwarteten Fischreichtum, sind doch besonders die Doraden sehr leichte Beute, da diese Fische aus den Käfigen nichts anderes kennen als nach jedem Brocken zu schnappen der da herumschwimmt. - Gar nicht amused ist man seitens der Naturschützer, denn man weiß ja noch nicht so recht, welche Langzeitfolgen das Auftreten diese marinen Immigranten vor unserer Küste haben wird. - Die Betreiber der Fischfarmen behaupten allerdings es gehe keine Gefahr von den Fischen aus, da sie sich nicht reproduzieren könnten weil sie alle eines Geschlechts seien, aber wer weiß das schon und selbst wenn das so ist, dann reicht immer noch die Lebenszeit solcher Fische, um genügend Schaden unter der heimischen Meeresfauna anzurichten. - So zumindest sehen es viele besorgte Naturschützer.

Nun teilt man die Argumente aus, hin und her und immer wieder stößt man auf den Umstand, dass man es eigentlich nicht so genau weiß. - Auf jeden Fall ist eins klar, selbst in der marinen Schutzzone, welche von El Remo bis hinab nach Fuencaliente reicht, hat man schon "Doradas" (Goldbrassen - Sparus aurata) und "Lubinas" (Wolfsbarsche - Dicentrarchus labrax) gesichtet und da gehören die sicherlich nicht hin und da will sie auch keiner haben. - Zumindest räubert der Wolfsbarsch ja mächtig rum und könnte Schaden anrichten eben genau in der Schutzzone, die man ja aus dem Grund geschaffen hat, den heimischen Fischen die Möglichkeit zu geben neue Generationen hervorzubringen, ohne die Belastung durch Fischerei. - Wenn da nun fremde Räuber ankommen, dann kann das diesem gewünschten Prozess sicher schaden. - Kann schaden, man weiß es aber nicht genau, genau so wenig wie man sicher weiß, welchen Einfluss auf unsere heimische Meeresfauna die Fischzuchtanlagen wirklich haben. - Da mutet es fast ein bisschen keck an dauernd darüber zu diskutieren, man sollte vielleicht wirklich mal umfassende Studien betreiben. - Das fordert nun auch die "Grupo de Acción por la Sostenibilidad Insular" mit dem lustigen Kürzel "GASI", welche sich, angestiftet und unterstützt von der Inselregierung darum kümmert, dass die Nachhaltigkeit auf dieser Insel nicht zu kurz kommt. - Vielleicht sollten wir vorher aber mal darüber diskutieren was Nachhaltigkeit eigentlich bedeutet, denn da gibt es noch eine Menge aufzuklären, obwohl dieses Wort bereits eines der liebsten Vokabeln einer durchschnittlich wichtigen Ansprache fast eines jeden Politikers geworden ist. - Dabei gibt es einen Merksatz, je mehr der besagte Sprecher von Nachhaltigkeit versteht, desto seltener und vorsichtiger setzt er dieses anspruchsvolle Wort ein.



Montag 18.02.08 - 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 76 % Luftdruck 1016 hPa
Höchsttemperatur heute 22,0 Grad - niedrigste Temperatur 14,5 Grad

Kleidungsarithmetik

Ich war nie gut im Rechnen, aber das ist vielleicht auch gut so, vielleicht wäre ich dann am Ende sogar noch Lehrer geworden. - Ich meine damit nicht, dass der Lehrerberuf kein anständiger wäre, im Gegenteil ich habe größte Hochachtung vor diesem Beruf, ich dachte da eher an die armen Kinder wenn ich… So hangele ich mich mit Taschenrechner und den vier Grundrechnungsarten durchs Leben und kann nur sagen, das reicht aus um Häuser zu vermieten, Steuerabrechnungen zu machen und der Frau im Falle eines Ausfalls des Taschenrechners das Haushaltsgeld zu kürzen. - Schwierig wird es aber, wenn man ohne Taschenrechner auf weiter Flur steht und noch der menschliche Faktor pubertierender Teen dazu kommt, welcher eine neue Gymnastikhose braucht, oder wie auch immer man diese langen Sporthosen nennt. - Meine Rettung bei solchen Dingen ist ja eigentlich grundsätzlich meine Frau, die geht im Gegenteil zu mir gerne einkaufen. Allerdings habe ich neulich einen dramatischen Fehler begangen, ich habe nicht aufmerksam genug den Schilderungen meiner Frau gelauscht, wie schwierig und anstrengend es denn sein muss, für solch einen rotz-eigensinnigen Teen Kleidung zu kaufen und einfach so vor mich hingesagt: Das kann doch kein Problem sein für die eine Hose zu finden - da geht man rein in den Laden, sucht eine Hose aus, bezahlt diese und geht wieder nach Hause.

Ich bin mir ja sicher, dass immer noch ganze Läden von solchen Methoden des männlichen Kleidungskaufs leben, dem anabol-steroiden Gesetz von quick in and quick out. - Wenn du das besser kannst, dann geh doch heute mit deiner Tochter die Hose kaufen! - Das habe ich verdient diese Strafe und wieder mal muss ich beschließen, meine Wortwahl innerhalb der Familie aber wirklich vor jeder Mundöffnung besser zu überlegen. - Aber ich lasse mich nicht lumpen und ziehe direkt nach der Schule mit einer der fatalen Femmen los. - "Kind, hier ist der Bekleidungsladen, geh rein zu Antonia und sag ihr was du willst." - "Papa, ich war doch mit Mama schon bei Antonia, die hat keine Sporthose für mich, die sind alle zu groß, zu klein oder zu nicht braun und ich brauche eine braune Sporthose." - Auch noch Ansprüche stellen an die Farbe, als mir die Sporthosen von meinem Bruder seinerzeit vererbt wurden war ich froh, wenn da überhaupt noch Farbe dran war, aber bitte keine Braune. - Gut, es gibt ja noch mehr Läden also flugs hinein und von weitem sehe ich diese verlockenden Schilder mit der Aufschrift "Rebajas". - Das bedeutet Ausverkauf und Schonung der Brieftasche, also hinein in den Tempel der sportlichen Mode. - "Papa, da ist eine Hose die mir gefällt, aber die ist Größe 16 und ich habe 14." - Ich dachte zwar eigentlich meine Tochter sei 11, aber die wachsen ja heutzutage so schnell… - Gut, gehen wir noch die kompletten Kleiderständer durch, so an die einhundertzweiungvierzig, aber immer wenn ich eine 14 finde und siegesgewiss in die Höhe recke, dann kommt als Antwort zurück: "Papa, das ist keine 14, die kostet 14 Euro und außerdem ist das keine Sporthose, sondern ein Badelaken." - Gut, ich habe nicht mehr darauf geachtet was für ein Wäschestück ich in der Hand hielt, ich suchte halt nur nach dem Ausweg aus diesem Geschäft, weil da so viele Frauen tuscheln, und dieser Ausweg geht nur über die Ziffer 14.

"Papa, lass uns mal in den anderen Laden da gegenüber gehen, die haben auch nette Sachen!" - "Gut, wenn es da eine 14 gibt?" - Jede Menge an 14 gab es dort, aber nicht in braun, oder wenn doch in braun dann war der Schlag zu breit oder Schnitt nicht modern genug und ich frage mich dabei immer wieder, woher ein 11 jähriges Mädchen weiß, was Mode ist, das weiß ich ja noch nicht mal und ich bin schon über 30 - Verzeihung, über 40. - Keine Chance, nichts gefällt ihr und meine Vorschläge werden immer drastischer und verzweifelter. - Ob man denn eine 12 nicht auf 14 strecken könnte oder eine weiße Hose braun färben und nur den Nike-Aufnäher kaufen, oder warum man denn keinen Sport mit kurzen Hosen machen könne. - Ein paar Mal hat sie es mir, mitleidig wie sie ist, es noch erklärt, dass die Frau von heute wohl gepflegt und auf ihr Äußeres achtend durchs Leben schreiten muss, sonst ist es mit der gewollten Akzeptanz in der Gesellschaft viel zu schwer. - Wer erzählt dem Kind denn solche Sachen und da habe ich nun die etwas größere Tochter in Verdacht, da bereits heftig indoktriniert zu haben. - Drittes Geschäft, da lockt was, allerdings abseits der Ecke mit den netten "Rebajas" Schildern. - Braun, so braun wie meine Tochter braun meint, wohl gefällig vom Schnitt her, modisch etikettiert, so was mit mehreren Streifen aus Herzogenaurach, aber leider gab es da keine 14, sondern nur L, M, S und so was lustiges wie XX. - "Papa, wenn die Hosen ein bisschen teurer sind, dann schreiben die das so was hin und ich brauche da ein S." - Gut, 14 geteilt durch XX mal 11 Jahre ist S und ich bin dem Ziel meiner Träume näher, bis ich das Preisschild entdeckte. Gute und aufmerksame Verkäuferinnen erkennt man daran, dass sie genau in diesem Moment herantraben und den guten Geschmack des Vaters loben und besonders den Hinweis bringen, dass einem für die liebe Brut doch nichts zu teuer oder wertvoll ist. - Touche, wer hat schon eine braune Sporthose für mehr Euros als ich alt bin und das ich mich für dieses Geld rundum und sogar blau einkleiden kann.

Macht alles nichts, ich muss ja meiner Frau nicht sagen was die Hose gekostet hat und ich vereinbare Stillschweigen mit meiner Tochter über den Erstehungspreis. - Kaum zuhause angekommen brüllt meine kleine Tochter der Großen entgegen: "Guck mal, der Papa hat mir eine Hose für 50 Euro gekauft, ätsch, so was hast du nicht.". - Meine Frau steht natürlich um die Ecke und der eiserne Schweigeschwur fällt mir aus dem Gesicht, als sie mich zur Rede stellt, ob ich denn im Lotto gewonnen hätte. - "Habt ihr denn in den dreieinhalb Stunden wirklich nichts anderes gefunden und überhaupt, wenn ich so viel Geld ausgeben würde, bloß weil ein Kind mal eine Sporthose braucht, dann würdest du mir was erzählen." - Gut, jetzt erzählt mir meine Frau etwas und irgendwann kommt sie auf die Idee zu fragen, ob wir denn die Hose auch anprobiert hätten. -"Nein, das war nicht nötig, S ist richtig, das ist wie 14 für elfjährige und die Verkäuferin hat gesagt ich sei ein guter Vater." - "Seit wann buchstabiert man Vater mit T-r-o-t-t-e-l?" fragt nun die andere Tochter und die Hose ist viel zu kurz, die geht ihr fast nur bis zu den Knien. - Ich bin dann geflohen, denn morgen soll ich die Hose umtauschen gehen und alle drei Frauen wollen mich begleiten, die wollen dann auch ein Stück Stoff für 50 Euro. - 14 ist nicht S, auch wenn die Verkäuferin nett, und das Kind sehr groß für ihr Alter ist. - Was ich noch so alles lernen muss. - Nicht das mit den Größen, sondern einfach nur im richtigen Moment das Maul zu halten.



Montag 18.02.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 14 Grad, Niederschlag 4 mm Luftfeuchte 93 % Luftdruck 1013 hPa

Arbeitslose pflegen Wanderwege

Von beidem haben wir reichlich. - Arbeitslose wohl so viele, dass sich nun der provinzielle Ableger des Arbeitsamtes, hier "SCE" Servicio Canario de Empleo genannt, zusammen mit der Inselregierung auf neue Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen geeinigt haben. - Meist sind das 3 Monatsverträge, welche für den Arbeitslosen nicht nur bedeuten für diese Zeit in Lohn und Brot zu stehen, wobei auf dem Brot recht wenig Butter ist, sondern meist auch eine Verlängerung des Rechtes Arbeitslosengeld zu erhalten, welches nach dem Arbeitseinsatz dann weiter bezahlt wird. - Über Sinn oder Unsinn solcher Maßnahmen ist überall diskutiert worden, festzuhalten aber bleibt, dass diese Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen sehr beliebt sind und man niemanden zu diesen Tätigkeiten zwingen muss, sondern unter vielen Bewerbern auswählen kann. - Wie denn und nach welchen Kriterien diese Auswahl geschieht, das ist nicht wirklich einsehbar. - Man trägt sich aber in Listen ein, wer denn solche kurzzeitigen Arbeitsverträge annehmen will und aus diesem Bestand werden dann die "Glücklichen" ermittelt.

Meist sind die zu verrichtenden Tätigkeiten nicht unbedingt die Erfüllung des Lebensplans der meisten Beschäftigten, geht es doch oft um Arbeiten die sich um die Pflege der inseleigenen Infrastrukturen bemühen und dabei meistens um die Straßen und deren Umfeld. - Nun aber schickt man die Trupps auf die Wanderwege im Nordosten der Insel, aber nicht um diesem wunderbaren Hobby der freien Bewegung in der Natur ausgiebig zu frönen, sondern um diese wieder auf Vorderfrau zu bringen. - Unkraut welches störend in den Weg hineinwächst soll weg und manch ein Stein will aus dem Weg geräumt werden, damit der geneigte Wanderer sich nicht so sehr auf seinen Schritt konzentrieren muss, sondern seine Sinne voll und ganz der Beobachtung der Umgebung hingeben kann…- Das ist alles wunderbar und ein Lehrstück aus der mittelhohen Schule der Arbeitsmarktpolitik, gäbe es da nicht schon wieder einen kleinen Aspekt, der so ein bisschen nach Polemik riecht. - Nur ein bisschen, aber ein Teil dieser Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen findet auch in der Nähe der Lorbeerwälder um Los Tilos herum statt, und für manchen dieser Wege will ja die Gemeinde Los Sauces ab dem Sommer horrende Eintrittsgelder kassieren. - Aber wir wollen uns am Montagmorgen nicht bereits wieder über solche Peanuts beschweren, freuen wir uns lieber auf die schön hergerichteten Wanderwege und um Los Sauces kann man dann halt ab dem Sommer einen Bogen machen.



Sonntag 17.02.08 - 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 18 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 82 % Luftdruck 1013 hPa
Höchsttemperatur heute 21,5 Grad - niedrigste Temperatur 14,0 Grad

Gottes Werk und Caterpillars Beitrag

Eine berechtigte Frage stellt man sich in Tazacorte seit geraumer Zeit. - Warum kommt immer mehr Wasser den Barranco Tenisca herunter und warum liegt der Abfluss der Schlucht inzwischen zwar nicht unter dem Meeresspiegel, aber unter dem Höhenniveau des Strandes, so dass immer häufiger sich dort das Wasser staut und für die umgebenden Gebäude die Überschwemmungsgefahr größer wird. - Um Missverständnissen vorzubeugen, in Puerto de Tazacorte gelangt das Wasser zweier Schluchten ins Meer, da ist einmal der Barranco de Las Angustias, welcher die Caldera entwässert und für jeden sichtbar ist und vielleicht 300 Meter weiter südlich eben der Barranco Tenisca, den viele Menschen gar nicht wahrnehmen, weil er eben nur nach schweren Regenfällen Wasser führt und keinen natürlichen Ablauf mehr durch den Strand hat. - In den letzten Jahren hat man, oder ganz vorsichtig ausgedrückt, meint man beobachtet zu haben, dass diese Überschwemmungen häufiger auftreten als noch vor Jahren, oder gar dem berühmten "Früher", welches eine von Nostalgie gesteuerte Zeiteinheit sein kann. - Insbesondere weisen Beobachter darauf hin, dass in den letzten Jahren der Barranco de la Teja, der auch in den Barranco Tenisca mündet, häufiger Wasser führt als früher und so die Menge des ankommenden Wassers in Tazacorte noch erhöht.

Man muss aber schlichtweg bekennen, dass all unsere Beobachtungen immer reichlich subjektiv sind, zumindest man das nicht durch längere Studien untermauert, welche sich eher durch wissenschaftliche Methoden auszeichnen als durch die Beobachtung betroffener Anwohner. - In der Tat darf man aber fragen, was da nun passiert und warum denn jetzt der Ablauf der "Tenisca-Schlucht" sich bereits bei geringeren Regenmengen in Puerto de Tazacorte staut. - Man würde gerne den Klimawandel bemühen, das hat nämlich den Vorteil, dass man die Schuld nur sekundär bei uns selbst suchen muss, so zumindest hätten die Chinesen und Kanadier auch ihr Scherflein dazu beigetragen, denn beim schnellen Klimawandel sprechen wir von einem globalen Problem, welches von überall herkommt und auch überall ankommt. - Allerdings kann man an dieser These zumindest zweifeln, denn es gibt so viele Dinge an denen wir, die Menschen, hier auf der Insel bereits Hand angelegt haben, dass die einfach Schuldzuweisung an den Klimawandel zu billig erscheinen kann.

So gab es früher wohl einen natürlichen Abfluss des Barranco Tenisca ins Meer, genau da wo er nun von Sand verschüttet ist. - Dieser Sand häuft sich aber erst seit dem man knapp südlich des Barrancos den neuen Hafen gebaut hat und nun das Meer die Masse des Sandes genau dort aufhäuft. - So führte der vorhin bereits genannte Barranco de la Teja wohl früher auch fast immer Wasser nach Regenfällen, dieses wurde aber in private Wassertanks umgeleitet, bis man diese Maßnahme wieder aufgab, weil das effiziente Verteilungssystem es nun unnötig machte und dann gibt es noch eine große Unbekannte, das ist der Barranco Tenisca selbst. - Diese Schlucht beginnt ihren Lauf nämlich am "Riachuleo", einer Landschaft, die oberhalb von El Paso liegt und den Eingang zur Cumbrecita bildet. Dort "startet" der Barranco und nahm bei Niederschlägen die Wassermassen auf, welche sich von der Cumbre Nueva und dem Ost- und Südhang des Birigoyo ergießen. - Bereits im 19. Jahrhundert entnahm man aber genau dort Unmengen aus Geröll, Kies und Sand, welches man als Baumaterial für die gesamte Westseite benutzte und so entstanden dort tiefe Gräben und Löcher, welche sich in Seen oder Tümpel verwandelten nach Regenfällen und nun dafür sorgten, dass der Barranco Tenisca auf seinem Weg nach unten kein Wasser mehr aus dem Riachuelo führte. - Nun aber verfüllt man die Löcher wieder, eigentlich als lobenswerte Maßnahme den Urzustand wieder herzustellen, damit wächst aber die Gefahr auch, dass die Schlucht bereits ab jener Höhe wieder Wasser transportiert und dieses nun auch in Tazacorte ankommt. - Ob das so kommt und ob es nicht einfach von allem ein bisschen ist, das will man nun anhand einer wissenschaftlichen Studie klären, die vernünftigerweise vom Rathaus in Tazacorte gefordert wird. - Allerdings kann man auch ohne Studie bereits sagen, eigentlich ist alles ganz einfach zu erklären. - Da wo eine Schlucht ist, da floss mal Wasser und wird mal wieder Wasser fließen, auch wenn das vielleicht nur alle hundert Jahre der Fall ist, oder die Menschen trügerisch durch Veränderungen den Lauf des Wassers temporär ändern. - Sollte dann noch der schneller werdende Klimawandel dafür sorgen, dass wir mehr Niederschläge erhalten oder diese häufiger als Starkregen auftreten, dann wird es Zeit den Ratschlag der alten Leute zu befolgen und nie dort ein Haus zu bauen oder einen Acker anzulegen wo man im Einflussbereich einer Schlucht liegt. - Mal sehen, ob die Wissenschaftler zu einem ähnlichen Ergebnis kommen…



Sonntag 17.02.08 - 10:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 15 Grad, Niederschlag 13 mm Luftfeuchte 98 % Luftdruck 1012 hPa

Keine Gedächtnisauslagerung

Es gibt hier ein Gesetz, welches es verlangt, dass die Hauptstadt einer Provinz die Archive der gesamten Region zu führen hat. - Das macht Sinn denkt man sich, dann kann man die Daten- und Historienflut nicht nur besser bündeln und auswerten, man kann auch die besseren Möglichkeiten bieten der Konservierung und hat das Personal für permanente Betreuung, wir sprechen ja dabei auch von historischen Archiven, welche nicht einfach nur in Regale geschoben werden können, sondern speziell behandelt werden müssen. Jetzt ist wieder mal im Gespräch die kompletten Gerichtsakten aus La Palma ins zentrale Archiv nach Tenerife zu bringen, so wie man das zuvor auch schon mal mit den standesamtlichen Daten machen wollte und mit dem kompletten historischen Inselarchiv. - Betrachtet man das aber mal von unserer Warte aus, also aus der Sicht einer Insel, dann würde das bedeuten, dass unser "Gedächtnis" über den Atlantik nach Santa Cruz de Tenerife geschafft wird und wir so nur noch bedingten Zugriff drauf haben. - Da mag man nun einwenden, aus dem Bayrischen Wald braucht man länger in die Landeshauptstadt München als man von La Palma nach Tenerife fliegt, aber wie immer hinken Vergleiche, mal auf dem einen Bein, mal auf dem anderen, mal auf beiden sogar.

Da eine Insel immer ein in sich abgeschlossenes Gebilde darstellt, sowohl von der kulturellen Entwicklung wie auch vom gemeinsamen Gesellschaftsgefühl und auch Gebilde, sind es eher gefühlte Argumente welche man gegen die Verlagerung dieser Archive aufbringen kann, die aber von entscheidendem Charakter sind. - Es geht ja immer wieder die Frage nach der Identität und Authentizität in unserer Gesellschaft um, was man direkt mit dem Verlangen nach Selbstständigkeit gleichsetzen darf. - Nun könnte man diskutieren ob es denn überhaupt sinnvoll sein über eine eigene "Welt" zu regieren, wo diese doch so klein, scheinbar machtlos und auch so abhängig ist von den Geschehen außerhalb unseres Einflussbereiches. - Wäre es nicht besser und sogar befruchtender zu sagen, es gibt keine Unterschiede, wir sind da alle gleich und bevor wir eine palmerische Identität beschwören sind wir zunächst alle Tinerfeños, ganz einfach weil die Provinz den hinweisenden Titel Santa Cruz de Tenerife trägt? - Die Antwort ergibt sich komplett von selbst und das wiederum einfach aus der Insellage, es ist schlichtweg nicht möglich andere Identitäten anzunehmen, da Dinge sich hier anders abspielen als dort und nur aus einer eigenen Dynamik heraus auch erfolgreich sein können. - Das ist kein lokalpatriotischer Regionalsumpf, sondern schlicht und ergreifend eine tagtäglich erlebte Realität, dass man sich auf einer Insel nach den eigenen Möglichkeiten richten muss und eine eigene Identität absolut notwendig ist, um mit dem was es hier gibt, auch klar zu kommen. - Daher gehören diese Archive, das Gedächtnis dieser Insel auch nicht nach Tenerife, welches sein eigenes Gedächtnis hat und wohl für uns mitdenken kann, nicht aber unser Denken ersetzen kann. - Wenn die Kanaren schon ein schwieriges Puzzle aus sieben unterschiedlichen Teilen ergeben, dann sollte man auch den einzelnen Teilen die Möglichkeiten lassen, komplett und mit Ecken und Kanten das Puzzle auszufüllen und nicht mit der provinziellen Schere die Kanten glätten zu wollen, das ist Schummelei und wird dann niemals passen. - Da helfen keine 20 Flugverbindungen am Tag und auch keine schnellen Fährverbindungen, Insel bleibt Insel und das ist auch gut so, oder vielleicht besser schlichte Tatsache.



Samstag 16.02.08 - 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 15 Grad, Niederschlag 11 mm Luftfeuchte 95 % Luftdruck 1007 hPa
Höchsttemperatur heute 17,1 Grad - niedrigste Temperatur 13,8 Grad

Und ewig tropft die Wäsche

Fangen wir mit den positiven Ergebnissen an. - Die Waldbrandgefahr auf La Palma ist im Moment außerordentlich gering. - Ferner müssen wir keine akute Dürre fürchten und meine Frau hat gestern eine Waschmaschinenladung trocken bekommen. - Das war als der Wind auffrischte aus Süd, der Regen aber noch an uns vorbeigezogen ist. Ach noch was, der Strom war heute nicht mal eine Stunde lang weg, wir nähern uns traumhaften Zuständen. In der Tat war bislang das angekündigte Tief nicht annähernd so heftig wie befürchtet, lediglich der immer mal wieder auftretende böige Südwestwind macht uns zu schaffen. Gewitter gab es auch wieder, allerdings zog die große Ladung westlich an uns vorbei, knapp zwar, aber das ist bekanntlich ja auch kein Treffer. - Man kann von hier aus nicht eindeutig beobachten, ob denn der Nordwesten der Insel auch wieder vom Gewitter belangt wurde und ob dort mehr Regen gefallen ist als hier bei uns.

Bei den Wetterprognosen geht dieses Mal wieder der Siegerfrosch ganz eindeutig an die nationalen Meteorologen vom INM (Instituto Nacional de Meteorología) - Die lassen sich zwar nicht hinreißen, mehr als zwei Tage im Voraus konkrete Aussagen zu treffen, aber genau in diesem Zeitraum sind sie eindeutig genauer als die globalen Kollegen vom GFS (Global Forecast System). So hat sich das ganz gut bewährt, beim GFS erfährt man mit ziemlichen Vorlauf was uns denn blühen kann - und meist stimmt es ja auch - aber 20 Kilometer weiter westlich als angekündigt ist bei unserer schmalen Insel eben auch schon vorbei und da sind die Leute vom INM einfach genauer. - Ob nun genau oder nicht, die Fakten sind aber dennoch nass und wenn man nun die vergangene Woche rekapituliert, dann erleidet diese Insel, nun mal bevorzugt auf der Westseite, gerade so etwas wie einen Schlechtwäschestau. - Kein Wunder, immer wieder kommen kleine Schauer und wenn es mal wirklich nicht regnet, dann bleibt die Luftfeuchte so hoch, dass man keinen Nässetransfer von Socke an die umgebende Atmosphäre feststellen kann. - Nach Bauknecht wird nun wieder häufiger gefragt und da kann man mit Montag schon richtig liegen, zumindest für die nächsten paar Tage. - Dann entscheidet es sich, ob denn das, weit westlich von uns schlummernde Hoch, doch noch über sich hinauswachsen will und mal ein Azorenhoch wird. - Dann wird das fiese Tief, welches nordwestlich von uns liegt nämlich kurzerhand weiter nach Mittelreuopa geschickt, wenn nicht, dann schlüpft es zu uns durch und macht das kommende Wochenende auch wieder nass. - Das GFS sagt dazu: Vielleicht bis eher wahrscheinlich, das nationale Wetteramt sagt: Sagen wir noch nicht und ich sage: Weiß ich nicht. - Aber eines weiß ich, dass ich ab Montag, zumindest vorübergehend, nicht mehr über tropfende Wäscheständer fallen muss, wenn gerade mal wieder der Strom ausgefallen ist und mein armer nasser Kater schnell in die warme Hütte getragen werden muss - der ist doch so empfindlich...


I am drinking in the rain - drinking in the rain...

Der korrekte Umgang mit gewissen meteorologischen Schutzinstrumenten ist nicht jederfrau geläufig.



Samstag 16.02.08 - 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 15 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 90 % Luftdruck 1008 hPa

Man muss nur ein Geschäft daraus machen

Zwei neue Projekte, beide angesiedelt am neuen Industriegelände von Los Llanos, am "Callejón de La Gata", markieren die anscheinend einzig mögliche Hinwendung zu nachhaltigeren Methoden, es muss ein Geschäft daraus werden. - Das erste Projekt bezieht sich auf die Gewinnung von elektrischer Energie durch Photovoltaik und ein weiteres Vorhaben, auch noch in der Genehmigungsphase, will Bauschutt so aufarbeiten, dass dieser wieder als Grundmaterial für Haus- und Straßenbau genutzt werden kann. - Durch die hohen Einspeisevergütungen wird ja aus dem hehren Versuch Strom aus Sonnenenergie zu gewinnen ein lukratives Geschäft, welches von der EU ja für die nächsten Jahre garantiert ist. So amortisiert sich für den Investor, je nach Größe und Standort der Anlage, das eingebrachte Kapital innerhalb von 6 - 10 Jahren. Wer da Geld locker hat, der kann sich den, inzwischen gut überwachten Weg nach Liechtenstein sparen und lieber in erneuerbaren Energien investieren. Gerade hier auf La Palma bietet sich diese Methode natürlich an und man ist ja fast geneigt zu sagen, warum hat es so lange gedauert, bis nun die ersten Anlagen dieser Art bei uns ihren Anteil an der Stromversorgung beitragen. - Ein Investorengruppe, welche angeblich mit hiesigem Kapital arbeitet, will dort am Callejón de La Gata eine Photovoltaik Anlage erstellen, welche eine maximale Leistung von 2 MW hat. - Das entspricht etwa 5% des gesamten Energiebedarfs dieser Insel und als Investitionssumme werden 10 Millionen Euro genannt.

Der "Run" auf Photovoltaik und Windenergie ist ja in den letzten Jahren nur auf Grund der hohen Einspeisevergütungen entstanden, ein sicher richtiger Weg, allerdings kostet der Unsummen an Geld und es ist fraglich, ob man sich solch horrende Unterstützung alternativer Energien noch lange leisten kann. - Man rechnet aber auch damit, dass Erdöl in den kommenden Jahren so viel teurer wird, dass Solarstrom auch ohne Hilfen konkurrenzfähig wird. - Bezahlen wird das sowieso der Verbraucher und deshalb gilt ein feiner Sinnspruch nach wie vor, der billigste Strom ist der, den man nicht verbraucht. - Nach so viel Wochenendpoesie geht es nun an das nächste Projekt, welches sich auf die Wiederverwertung von Bausschutt spezialisiert. - Auch wieder palmerisches Kapital soll es sein - allerdings ahnte ich nicht, dass wir so viel Geld haben - welches dazu eingesetzt wird, aus dem leidigen Abfall Bauschutt, durch raffinierte Verfahren kostbares und teures Baumaterial zu machen. - Da Abfallwirtschaft auf einer kleinen Insel immer schnell an Grenzen gerät, sollte man zu solchen nachhaltigen Tricks wirklich greifen, ansonsten bleiben ja nur die Alternativen mit dem Schutt Löcher auf der Insel zu füllen, die auch schon mal eine Schlucht sein können wie der Barranco Seco, oder man müsste den Müll/Schutt kostspielig von der Insel schaffen. - Natürlich wird es nie ganz gelingen so völlig ohne "Restmüll" zu leben, aber auch auf diesem Sektor gilt vor allem die Suche nach Wiederverwertung und auch derselbe unbeugsame Spruch: Der beste Müll ist der, den man erst gar nicht produziert.



Freitag 15.02.08 - 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad, Niederschlag 1 mm Luftfeuchte 87 % Luftdruck 1009 hPa
Höchsttemperatur heute 19,0 Grad - niedrigste Temperatur 14,2 Grad

Der Judasweizen

Mit uns Menschen ist das schon eine komische Sache. - Wir machen uns Sorgen um die Kaninchen dieser Inseln, welche einmal in den Tagen der extremen Hitze letztes Jahr sehr gelitten haben, aber noch mehr durch die "Chinaseuche" welche den Bestand an Kaninchen hier auf dieser Insel regelmäßig dezimiert. - Dazu kommt auch noch die Hassliebe welche die Winzer mit dem Kaninchen verbindet, zuerst frisst das Kaninchen die jungen Triebe der Rebstöcke und später der Winzer das Kaninchen lecker geschmort im übrig gebliebenen Wein. - Nun will man, wieder mal, gezielt in den mittelhohen Zonen der Insel Weizen, Hafer und Ackerbohnen zu pflanzen. - Dazu sucht man nun Landwirte, welche ihre kleinen Felder dazu hergeben diese Feldfrüchte anzubauen, damit die Kaninchen wieder mehr Nahrung finden. - Das Saatgut bekommen die Bauern geschenkt und auch das was die Kaninchen übrig lassen, hört sich nach einem guten Deal an, fast so lockend wie Stilllegungsprämien die man von der EU für manche Flächen erhält.

Da bekommt der Tierfreund fast schon feuchte Augen vor so viel Hingabe und rührender Pflege unseres Kaninchenbestandes. - Allerdings währt diese Rührung nicht wirklich lange wenn man erfährt, dass die Jägervereinigung als edler Spender hinter dem Saatgut steht und man den Hoppelmännern aus einem einzigen Grund einen reichlichen Bestand gönnt, um diese später dann wieder einfacher bejagen zu können. - Gut, auch Kühe, Schweine und Kaninchen in Zuchten werden ausschließlich dazu gehalten um irgendwann als Kotelett oder Braten in unseren Gedärmen zu landen, aber da gibt es einen Unterschied. - Ich kenne keinen Schlachter, welchem das Töten der Tiere Spaß macht, sondern er begreift das als notwendigen Teil seiner Arbeit der zwischen dem gesunden Schwein und dem Ergebnis Kotelett ganz einfach getan werden muss. - Da gibt es nichts zu deuteln, wer das nicht anerkennt, der muss sich zukünftig vegetarisch ernähren. - Die Jäger allerdings, zumindest die auf der heutigen Sportjagd, die töten nicht aus Notwendigkeit, sondern aus Spaß und da hört bei mir derselbe auf. - Natürlich gibt es auch Jäger welche die Hege der Wildbestände auch mit dem Abschuss einiger Tiere durchsetzen müssen, aber das ist in diesem Fall ja nicht so. - Da es keine Kaninchenplage gibt, welche ein Eingreifen notwendig machen würde, sondern genau das Gegenteil der Fall ist, wissen Sie nun auch, was ich als Judasweizen verstehe. - Übrigens esse ich gerne Kaninchen, aber immer seltener…



Freitag 15.02.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 15 Grad, Niederschlag 4 mm Luftfeuchte 91 % Luftdruck 1008 hPa

Und wieder zuckt die Autobahn

Eigentlich soll man ja gar nicht mehr darüber sprechen, so scheint man es zumindest bei den beiden hier regierenden Parteien zu halten, nichts hört man mehr aus den Reihen der Coalición Canaria und der Partido Popular in Sachen Autobahn. - Ob man diesen, von der großen Mehrheit der Palmeros abgelehnten neuen Verkehrsweg damit totschweigen will, um kein weiteres Aufheben mehr erdulden zu müssen angesichts der Absurdität dieses Plan, oder ob es sich um schlichtes Aussitzen des Themas handelt, um den aktiven Widerstand erlahmen zu lassen, das kann man alles nur vermuten. - Es gibt dazu keine öffentlichen Aussagen mehr um sich ein aktuelles Bild der Lage machen zu können. - Nur in den beiden meistbetroffenen Gemeinden, Breña Alta und El Paso geht man weiter mit dem Thema Autobahn um. - In beiden Gemeinden lehnen die aktuellen Ratsbesetzungen die "autovía" ab, allerdings mit unterschiedlichem Elan. - In Breña Alta hat man nun in einem Plenum beschlossen, die Trasse der Autobahn auch aus dem lokalen Flächennutzungsplan zu entfernen, so wie man das in El Paso schon vor geraumer Zeit gemacht hat, allerdings bleibt die vorgesehene Landreserve erhalten. - Auch arbeitet man in Breña Alta nicht an einem alternativen Plan, welchen man der Infrastrukturbehörde vorlegen will, sondern ergibt sich dem hilflosen Schicksal, im Zweifelsfall als Gemeinde doch nichts gegen übergeordnete Pläne der Provinzregierung ausrichten zu können. Das bedeutet eigentlich, man sagt Nein zu etwas, erkennt dabei aber an, dass man eh keine Möglichkeit sieht, eine Änderung herbeizuführen.

In El Paso sieht man die Geschichte bunter und will mit einer Umgehungsstraße kommende Verkehrsprobleme lösen, um den Autobahnplänen so auch die letzte Diskussionsgrundlage zu nehmen. - Damit ist man auch bereits so weit vorgedrungen, dass man im lokalen Flächennutzungsplan, der in diesen Wochen wohl abschließend redigiert wird, weder Autobahn noch Geländereserve dafür finden wird, wohl aber die alternative Umgehungsstraße. - Auch in El Paso ist man sich bewusst, dass man als Gemeinde keine Autobahnen bauen kann und auch nur schwer verhindern, aber man will sich nicht so einfach geschlagen geben wie in Breña Alta, sondern weiter aktiv gegen diesen unsinnigen Verkehrsweg angehen. - Dabei geht es nicht um prinzipielle Verweigerung gegen alles was mit Straßen und Infrastruktur zu tun hat, sondern um die schlichte Forderung, die bereits bestehenden Verkehrswege schrittweise auszubauen, anstatt einen komplett neuen Korridor mit der Planierraupe mitten durch das Weltbiosphärenreservat zu schlagen, genau so wie durch gewachsene Siedlungsstrukturen. - So hat man mit der Umgehungsstraße von Los Llanos ja bereits einen neuralgischen Punkt der Ost-West Verbindung beseitigt, mit ein paar Überholspuren zwischen Los Llanos und El Paso und eben der Umgehung dieses Ortes könnte man sämtliche Zukunftsanforderungen an einen leistungsfähigen Verkehrsweg genau so gut erfüllen. - Abgesehen von einem ganz anderen Thema, welches nämlich heißt, wir haben hier auf La Palma gar nicht zu wenig Straßen, sondern einfach nur viel zu viele Autos.



Donnerstag 14.02.08 - 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad, Niederschlag 5 mm Luftfeuchte 69 % Luftdruck 1008 hPa
Höchsttemperatur heute 20,8 Grad - niedrigste Temperatur 13,4 Grad

Unfallstation für das Aridanetal

Die Forderung nach einem Krankenhaus auf der Westseite ist alt, aber wir werden es wohl nicht mehr erleben, dass man dieser Insel ein zweites Krankenhaus gönnt. - Da gibt es wichtigere Vorhaben zu verwirklichen, einen Hafen den kein Schiff anfährt, eine Autobahn quer durch das Weltbiosphärenreservat, ein Flughafengebäude welches größer ist als das auf Tenerife und so weiter. - Bei all den wichtigen Vorhaben müssen wir doch einsehen, dass für solch Nebensächliches wie Krankenhäuser nicht auch noch Geld herausgeworfen werden kann… Krankenhaus für das Aridanetal, das wird also nichts werden, aber eine Unfallstation hat man uns zugesagt, welche für die komplette Westseite offen stehen soll und kompetent Notfälle behandeln kann. - Nun kämpft man seitens der Gemeinde Los Llanos seit Jahren gegen die Pläne des Gesundheitsdienstes, die Notaufnahme des Gesundheitszentrums in der Stadt in eine Notfallklinik zu verwandeln. - Dabei hat die Gemeinde Los Llanos meine volle moralische Unterstützung, denn die Notfallklinik im "Centro de Salud" wäre eine absolute Mogelpackung und nur eine nominative Aufwertung der dort angebotenen Leistungen. - Bereits jetzt ist das Gesundheitszentrum von Los Llanos komplett an der oberen Kante seiner Belastbarkeit angekommen, sowohl von personeller wie auch baulicher Seite geht eigentlich nichts mehr und in dieser Situation von einem "Upgrade" auf eine moderne Unfallklinik zu sprechen ist reine Augenwischerei.

Die Gemeinde Los Llanos hat nun dem Gesundheitsdienst mitgeteilt, dass es keine baulichen Möglichkeiten mehr gibt das Gesundheitszentrum im Ort zu erweitern. - Nun geht die Gemeinde Los Llanos aber noch einen Schritt nach vorne und bietet dem Gesundheitsdienst ein Grundstück an der neuen Umgehungsstraße an, welches auch noch von der Gemeinde finanziert würde. - Damit will man verhindern, dass die Rechenkünstler des Gesundheitsdienstes nicht gleich ablehnen, weil der Ankauf eines Grundstückes viel zu teuer sein. - Darüber hinaus wäre die Lage an der Umgehungsstraße natürlich der ideale Standort, man kann diese Unfallstation so erreichen ohne den Stadtkern von Los Llanos queren zu müssen. - Der Hauptgrund aber für die spendable Haltung der Gemeinde ist aber, so zwingt man den Gesundheitsdienst eigentlich wirklich ein neues Zentrum zu errichten mit der kompletten Ausstattung und dem erforderlichen zusätzlichen Personal. - Denn eines ist sicher, hätte man das "Centro de Salud" in Los Llanos zur Unfallklinik erhoben, dann wären vielleicht ein - zwei Unfallbetten mehr dazu gekommen und ein Arzt, aber alles andere hätte die bislang dort bereits arbeitenden Kräfte mit übernehmen müssen. - Die Antwort des Gesundheitsdienstes steht noch aus, so schnell geht das nicht, aber die Arbeitsrichtung der Gemeinde Los Llanos in dieser Materie kann man wirklich nur loben.



Donnerstag 14.02.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 14 Grad, Niederschlag 12 mm Luftfeuchte 93 % Luftdruck 1008 hPa

Hoffnungsblume am Horizont

Immer auf der Suche nach guten Nachrichten kommt man nicht umhin, es auf La Palma durch die Blume zu sagen. - Waren früher die Strelizien ein blumiges Geschäft, und sind es auf Tenerife immer noch, so scheinen heute die Proteen für La Palma eine immer wichtigere Stellung einzunehmen und als blühender Beweis dafür zu gelten, dass man noch andere landwirtschaftliche Produkte exportieren kann außer den Bananen. - Vor etwa 4 Jahren hat das angefangen, dass man diese, ursprünglich aus dem südlichen Afrika stammenden Blumen hier auf La Palma im größeren Umfang anbaute, da der mitteleuropäische Markt Spitzenpreise für diese lang haltbare Blüte anbot. - Gerade weil die Proteen besser in Zonen um die 600 Meter und auch darüber gedeihen, bot es sich für die Zonen an, die zu kalt sind für lukrativen Bananenanbau, es dort mal mit dieser Modeblume zu versuchen.

Das hat funktioniert und auch wenn der Exportumfang nicht annähernd mit dem der Bananen zu vergleichen ist, man hat sich inzwischen auf dem holländischen Markt eingeführt und sendet in der Saison wöchentlich zwischen 50.000 und 60.000 Blumen dorthin. - Nun hat sich auch ein Interessent aus Italien gemeldet, der auch La Palma Proteen kaufen will, allerdings in deutlich kleineren Stückzahlen, aber immerhin, es geht was. - Eine Tür aufgestoßen hat man auch auf dem Festland, nachdem man in Madrid festgestellt hatte, dass man die teuren Blumen nicht unbedingt in den Niederlanden bestellen muss, sondern direkt bei der "Cooperativa Próteas La Palma" beziehen kann. - Auch dort sind die Mengen noch nicht groß, welche man per Luftfracht liefert, aber man will sich weiter bemühen und auch eine Verkaufsausstellung in Barcelona organisieren. - Nun muss man natürlich vorsichtig genug wachsen, noch gilt die Protea als Modeblume und man kann nur hoffen, dass sich diese, zum Teil bizarr anmutende Pflanze, auch als Dauerbrenner in den Blumensträußen Mitteleuropas etabliert. - Dann kann man weiter nur hoffen, dass uns keine zu große Konkurrenz auf den anderen Kanareninseln entsteht, die dann vielleicht sogar mit intensivem Anbau und billigeren Arbeitskräften einen Preiskampf lostreten, welcher letztendlich immer auf unsere Kosten geht. - Auf La Palma werden die Proteen von vielen kleinen Familienbetrieben gezogen und die Einkünfte gehen so direkt und ohne Abzügen in die angekratzten Geldbörsen einiger unserer Landwirte, welche die enorme Konkurrenz bei Feldfrüchten auf dem Markt nur durch den Anbau solcher Nischenprodukte entgehen können. - Wie Sie die Proteen aus La Palma auf dem Blumenmarkt erkennen können, ist ganz einfach, es sind die schönsten… Die Cooperativa Próteas La Palma hat auch eine Webseite, da können Sie mehr über diese wunderbare wie wundersame Blume erfahren.


Proteenfeld bei El Paso



Mittwoch 13.02.08 - 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 14 Grad, Niederschlag 7 mm Luftfeuchte 93 % Luftdruck 1008 hPa
Höchsttemperatur heute 15,4 Grad - niedrigste Temperatur 12,8 Grad

Fehlende Ersatzteile behindern Bauknecht-Auslieferung

Ich fange mal mit was Positivem an: Das Wetter wird besser. - Nun müssen wir uns nur noch darüber unterhalten, wann das denn sein wird. - Also vor kommendem Sonntag wird das nicht der Fall sein, 1,5 Tiefdruckgebiete sprechen da eine ziemlich deutliche Sprache. - Fast hätte es ein Hochdruckgebiet vom Westen anrückend geschafft, sich auf die bevorzugte Azorenposition zu begeben, da rutscht doch noch frech und vorlaut ein Tief dazwischen und lässt sich nun von dem langsam näher kommenden Hoch weiter nach Osten schieben. - Und wenn man auf unserer Höhe von West nach Ost schiebt, dann liegen wird einfach auf dem Weg. Was momentan hier über uns eher gelangweilt kreiselt und ab und zu mal Niederschläge bei uns ankommen lässt, ist der ziemlich orientierungslose Abklatsch eines Weichei-Tiefdruckgebietes, welcher motivationslos langsam weiter nach Osten in die Wüste geschickt werden will. Daher sprach ich vorhin von 1,5 Tiefdruckgebieten, das schlappe Ding jetzt ist ja nur ein halbe Portion und darf in ein paar Tagen die Sahara gießen gehen.

Am Freitag erwarten wird dann das volljährige Tief, welches dann auch wieder munter mit Sturm daherkommt, Hagel und erneute Gewitter kann ich aber noch nicht versprechen. - Weht zur Zeit noch ein sehr schwacher Nordwestwind, da der kaum auszumachende Kern dieses Tiefs etwa über Madeira liegt, erwarten wir das nächste Regengebiet mit deutlich mehr Wind zunächst aus Süd, dann bis Südwest drehend, bis es schließlich nördlich an den Kanaren vorbei auch in die Wüste geschickt wird. - Danach, und dann sprechen wir bereits von Sonntag, wird sich wohl endlich wieder Hochdruck bei uns einstellen und an der richtigen Stelle, damit der große Klimawächter auf dem Nordatlantik seine regelnde Aufgabe wieder übernehmen kann und weitere anrauschende Regengebiete weit in den Norden hinauf schleudert und somit über die Biskaya nach Mitteleuropa sendet. - So gibt es wohl einen Zusammenhang mit gutem Wetter in Mitteleuropa und "schlechtem" Wetter hier, denn wenn kein Azorenhoch die Tiefs nach Norden ablenkt, dann kommen diese zu uns und lassen den Kontinent in Ruhe. - Der Landwirt frohlockt weiterhin, obwohl inzwischen genug Regen gefallen ist, wir könnten ruhig wieder eine vierzehntägige Pause einlegen, aber der Februar will wohl unbedingt die geringen Regenmengen der Vormonate wieder ausbügeln. - Apropos ausbügeln, da sind wir gleich wieder beim Bauknecht, vor Sonntag geht da nichts, die Schlechtwäschewarnung bleibt bis dahin bestehen und ganz gewisse Frostbeulen (aus El Paso oder Umgebung) haben sich schon wieder mit den Unaussprechlichen bewaffnet. - Sie wissen doch noch, die famose Reizwäsche aus der Kollektion Schiesser Tausendsassa lang und grau.

Eben kommt noch eine Sondermeldung von unserem Außendienstmitarbeiter durch. Der neue Kreisverkehr in Argual, welcher die kürzlich eingeweihte Umgehungsstraße von Los Llanos beschickt, ist definitiv nicht regentauglich. - Das reichlich fließende Wasser hat den südlichen Teil des Kreisverkehrs unterspült und nun klafft ein heftiges Loch in der Teerdecke, welches den rechten Teil des Kreisverkehrs unpassierbar macht. - Bautrupps sind bereits vor Ort um das Loch wieder zu stopfen. - Diese Insel braucht so viel Wasser und bekommt es eigentlich auch immer, aber richtig "dicht" waren wir dennoch noch nie. - Rain happens…





Mittwoch 13.02.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 13 Grad, Niederschlag 8 mm Luftfeuchte 88 % Luftdruck 1011 hPa

Glasnost

Langsam wird es ernst mit der Bürgerbeteiligung, der Geist von "Glasnost" weht durch die langen Flure der Inselregierung und man möchte uns nun wirklich mal vorher zeigen, was wir hinterher ausbaden müssen. - Ist auch verständlich, schließlich geht es um DAS Inselpapier überhaupt, den Plan Insular de Ordenación Territorial (PIOT). - Man kann es kurz als Raumordnungsplan der Insel bezeichnen und damit ist es der bindende Plan für die beiden nächsten Jahrzehnte mindestens, wo, was und wie auf dieser Insel machbar sein kann. - Schönheitsfehler an solch einem Gesamtkunstwerk sind die dazwischen geschobenen Sondernutzungspläne wie der touristische Sondernutzungsplan und der Straßenbauplan, welche damit schon einschneidend das Gesamtpapier beeinflussen. - Weiter fraglich ist die Einbindung der lokalen Flächennutzungspläne in das große Papier und der wunde Punkt überhaupt, warum zeichnet man nicht zuerst den inselweiten Plan und entwirft dann die lokalen Papiere und eventuelle Sonderpläne. - Es gibt zwar eine Kommission welche die Homologierung der einzelnen Pläne während der Erstellung überwachen soll, aber man darf ansehnlich zweifeln darüber, dass es später keine Kompetenzfragen zwischen den Papieren geben wird.

Man darf also davon ausgehen, dass es spannend bleibt, welcher der Pläne denn nun im welchen Fall als maßgeblich eingestuft wird, vielleicht gerät man ja auch so in den pragmatischen Luxus, sich für jedes Vorhaben den günstigsten Plan als Grundlage heranzuziehen. - Wirklich neu, außer dem Plan natürlich, ist nun die Offenheit mit welcher die Inselregierung mit dem PIOT an den Tag legt. - Man präsentiert diesen Plan nun drei Monate lang der Öffentlichkeit, damit man sich seitens der Bevölkerung ein Bild davon machen kann, was denn auf uns zukommt und es werden die Bürger zur aktiven Mitarbeit aufgerufen, man solle Vorschläge einreichen und seine Meinung vorbringen. - Ob diese Vorschläge und Meinungen aufgenommen und eingearbeitet werden, das ist eine andere Frage, aber immerhin, das was uns bei dem äußerst fragwürdigen touristischen Sondernutzungsplan verwehrt wurde, nämlich der Einblick während der Erstellungsphase, das wird nun für den inselweiten Raumordnungsplan möglich. - Nach diesen drei Monaten Nabelschau ist auch noch nicht alles vorbei, danach geht der Plan wieder zurück in die Redaktion und wird dann, wann auch immer, vom Inselparlament abgesegnet und kommt erneut in den Aushang. - Das ist dann der Zeitpunkt an dem man eventuelle Einsprüche machen kann und sollte, wenn es denn notwendig erscheint, zurzeit ist alles lediglich informativ. - Aber immerhin, wir dürfen hingucken was unsere Zukunft angeht, ob wir auch mitspielen dürfen, das werden wir sehen.



Dienstag 12.02.08 - 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad, Niederschlag 2 mm Luftfeuchte 61 % Luftdruck 1011 hPa
Höchsttemperatur heute 21,2 Grad - niedrigste Temperatur 14,2 Grad

Das Erstgefundenenrecht

Gut, wahrscheinlich ist das alles meine Schuld, ich war halt mal einen Moment unaufmerksam und habe dem Kater nicht das angeborene Ersthaustierrecht entgegengebracht. - Leidtragende davon war die Hündin des Nachbarn, eigentlich seine willfährige Spielgefährtin wenn gerade mal keine kecke Maus zur Jagd lockt oder eine tief schürfende Schweigediskussion mit dem Humankumpel ansteht. - Die Geschichte ist relativ schnell erzählt warum sich Margarita, so heißt der kleine schnelle Hundsderwisch unseres Nachbarn eine fette Ohrfeige von Paul eingefangen hat. - Ich kam nach Hause, nicht mal nach stundenlangem Fortsein und am Eingang wartete ein Schwanz wedelndes Tier auf mich und vor lauter Freude über diese nette Begrüßung sah ich mich nicht korrekt und ausschweifend genug um, ob denn auch der Chef da irgendwo verborgen wartet, um mich zu begrüßen und abzuholen. - Sie müssen wissen, wenn es nicht gerade regnet, hagelt oder was Frisches zu Fressen gibt, dann holt Paul mich immer vom Auto ab. Er kennt den Klang des altmodisch hämmernden 2,5 Liter Diesel sehr genau und springt dann an die Straße, um nun von mir wieder ins Haus zurückgetragen zu werden. - Gut, da gab es mal Zeiten, da kam eine Frau angerannt wenn Sie meinen Diesel hörte… - So ist das nun mal, so muss das sein und selbst wenn ich schwer mit Einkaufstüten beladen ankomme, dann muss ich Paul tragen, dafür halt später noch mal hoch und die restlichen Tüten holen. - Je älter der Kater wird und um so erfahrener ich, je dankbarer sind wir für solche zwischenmenschliche Katereien und inzwischen ist es mir auch egal, wenn die Bauarbeiter von gegenüber immer konspirativ schmunzeln, wenn ich mit Paul geschultert die kurze Treppe zu unserem Haus nehme.

An diesem verhängnisvollen und für Margarita schmerzhaften Tag war ich aber blind für Paul, oder der hatte sich zu gut versteckt und so brach ich den unausgesprochenen Schwur, begrüßte den Hund mit einem aufmunternden Klaps und wollte schon die Treppe heruntergehen, als Paul plötzlich von irgendwo her auf den Weg sprang, den Schweif auf Afro-Look ballte und der verdutzten Margarita aus vollem Lauf mit einer bekrallten satten Rechten eine zuckende Ohrfeige verpasste. - Laut jaulend sprang die Hündin davon und Paul baute sich nun mitten auf dem Weg vor mich auf, um mich streng auf meine Pflichten gegenüber dem Erstgefundenen hinzuweisen. - Sein Schnurren klang etwas aufgeregt und recht unrhythmisch als er da auf meiner Schulter nachhause getragen wurde, aber mir war gar nicht wohl im meiner Haut, hatte ich doch durch Unterlassung dafür gesorgt, dass unsere Nachbarshündin nach Gutsherrenart verprügelt wurde. - In langen abendlichen Gesprächen wollte ich immer mal wieder dieses Thema anschneiden und hatte mir sogar vorgenommen Paul eine gewisse Unmenschlichkeit vorzuwerfen, aber Kater werfen so etwas einfach zurück. - Die Begrüßungsrituale verlaufen nun wieder katergerecht, ich würdige standesgemäß Margarita nicht mal mit einem Blick, allerdings habe ich mit der Hündin nun Handzeichen verabredet, welche ein späteres Rendezvous verabreden sollen, wenn Paul ins Haus gebracht worden ist und ich ihm schnell ein Schälchen voller duftender Tierkadaver aus der Dose vorgesetzt habe. - Dann schleiche ich mich noch mal um die Ecke und klopfe der kleinen schwarzen Hündin anerkennungsvoll auf die strammen Hüften. - Warum Margarita dabei immer aufmerksam und fluchtbereit den Hauseingang überwacht, das kann sich jeder vorstellen, ich möchte dabei auch nicht von Paul erwischt werden…


Eine getragene Persönlichkeit


Dienstag 12.02.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 14 Grad, Niederschlag 5 mm Luftfeuchte 89 % Luftdruck 1011 hPa

Die Verbraucher pfeifen auf die reine Rasse

Eines meiner Lieblingsthemen, Ziegenkäse und der Rassenstreit auf der Insel, von welcher Ziege denn nun die Milch sein muss, um den besten Käse zu produzieren. - Dahinter steckt nicht, wie man vielleicht meinen könnte, purer Lokalpatriotismus oder gar wirkliches Rassedenken, es geht lediglich ums Geschäft. - Mehrere Ziegenkäseproduzenten haben sich zum "Consejo Regulador del Queso con Denominación de Origen" zusammengeschlossen und dieser Rat, freundlich unterstützt von der Inselregierung, hat in seinen Statuten stehen, dass nur Ziegenmilch welche aus dem reinen Euter der heimischen Rasse tropft, der "Raza Palmera", das ehrenwerte Siegel tragen darf "Queso Palmero Denominación de Origen". - Darüber hinaus kontrolliert der "Rat" die Produzenten und verteilt dann an die Auserwählten die Etiketten in der Hoffnung, dass man sich so von seinen Konkurrenten abheben kann, welche nicht "reinrassige Milch" verwenden. - Da alleine liegt schon so viel Polemik - kaum versteckt herum - da muss man einfach einhaken. - Die anderen Käseproduzenten, welche den EU-Hygienevorschriftenpogrom überlebt haben, halten in ihren Reihen meist Ziegen der so genannten "Fuerteventura-Rasse", die hier "Majorera" genannt wird und einfach mehr Milchleistung bringt, als unsere endemische Ziege.

Das Streit geht sogar noch weiter, man strebt ja auch noch das Weltbiosphärenreservatssiegel an und da möchte der "Consejo Regulador del Queso con Denominación de Origen" auch als Vorschrift wissen, nur den eigenen Mitgliedern dieses Prädikat zu verleihen. - Dieser Streit ist noch nicht ausgestanden und so werkelt man, eigentlich unbeobachtet von der Verbraucherfront, nebeneinander her. - Der gewöhnliche Ziegenkäseesser scheint nämlich überhaupt kein Rassenproblem zu haben, sondern fragt schlichtweg nach gutem Käse und frisch soll er sein und bezahlbar. - So konnten die unter dem "Consejo Regulador del Queso con Denominación de Origen" zusammengefassten Produzenten auch ihre Verkaufswerte aus dem Jahr 2006 in 2007 nicht weiter steigern, sondern mussten einen geringen Rückgang hinnehmen, der allerdings nicht alarmierend ist. - Das liegt vielleicht auch daran, dass die "Ziegenkäse-DOC" sowieso nur an Käse verliehen wird, der mindestens 7 Tage gereift ist und dann in den Verkauf geht, Pedro-Normalverbraucher auf La Palma aber den ganz frischen Käse deutlich bevorzugt. - So erhält der meiste Ziegenkäse der unter der Aufsicht des "Consejo Regulador" das DOC gar nicht und dann fragen sich die angeschlossenen Kleinproduzenten natürlich, warum man denn dann den Aufwand mit der "reinen Rasse" überhaupt anzettelt. - Hier auf La Palma hat sich der Verbraucher nie richtig an gereifte Käse gewöhnen wollen und man muss auch ganz klar sagen, dass die alten, traditionellen Herstellungsmethoden eher einen bittern alten Krätzer ergeben und keinen harmonisch gereiften Käse. - Aber da kann man ja noch mal nachhaken, auf der Weinfront hat sich ja auch so viel getan und da produziert man, besonders auf dem Gebiet der Weißweine längst schon Tröpfen, die keinem internationalen Vergleich mehr scheuen müssen. - Und eins ist sicher, an der Rasse oder Sorte liegt das nicht, sondern nur an der Weiterverarbeitung und da muss die Tradition nicht immer wie ein Richtschwert über dem Hersteller schweben lassen.


Raza Palmera, die einzig wahre Ziege



Montag 11.02.08 - 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 19 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 74 % Luftdruck 1012 hPa
Höchsttemperatur heute 19,5 Grad - niedrigste Temperatur 11,7 Grad

Auch Greenpeace kann sich irren

Viel haben wir dieser Organisation zu verdanken, das meine ich nicht unbedingt nun aus Sicht La Palmas, denn so richtig gekümmert hat man sich natürlich um die größeren Probleme und Umweltgefährdungen auf anderen Inseln und Kontinenten. - Daher wollen wir es auch nicht anklagen, dass man auf La Palma im neuesten Umweltbericht genau auf einen Umstand hinweist, den wir bereits vor guten zwei Jahren behoben haben, den Betrieb von Müllverbrennungsöfen. - HIER kann man sich den neuesten Bericht als PDF-Datei herunterladen und wenn Sie dann den Begriff "La Palma" als Suche anordnen, dann kommen 5 Hinweise in dem 96 seitigen Dokument, welche allesamt auf den bereits geschlossenen Verbrennungsofen in El Paso hinweisen. - Dazu kommt noch ein netter Satz, der frei übersetzt heißt: …Obwohl die Insel La Palma sehr bemüht ist, ihr Umfeld zu schützen, betreibt man dort eine Müllverbrennungsanlage… Daraus könnte man nun schließen und so wird es sicherlich auch ausgenutzt werden: Na dann ist ja alles in Ordnung bei uns auf La Palma und wir sind eine vorbildliche Insel in Sachen Umweltschutz, selbst Greenpeace bestätigt das.

So simpel lässt sich das natürlich nicht sagen, denn auch mit der Schließung der Müllverbrennungsanlage von Mendo ist der Müll nicht verschwunden der dort verbrannt wurde. - Da warten wir alle gespannt auf den Müllverwertungskomplex in Mazo, der bereits vor fast 4 Jahren hätte in Betrieb gehen sollen, aber erst für diesen Sommer angekündigt ist. - Dort soll dann der Müll der kompletten Insel hingeschafft werden, sortiert, die Wertstoffe zur Verschiffung bereitgestellt werden und Hausmüll kompostiert. - Der Restmüll wird dann weiterhin wohl im Barranco Seco deponiert werden, es wird leider unmöglich sein, diesen berühmten Posten "Restmüll" komplett auszuschließen. - Ob die Anlage so funktionieren kann wie man das plant, das muss der reelle Betrieb dann beweisen. - Aber immerhin, wenn auch sehr spät, diese Projekte sind am laufen. - Unsere Hauptprobleme in Sachen Umweltschutz liegen eher in der Landwirtschaft und der Zerstörung der Landschaft durch Infrastrukturmaßnahmen. - Zwar hat sich bei der intensiven Monokultur der Bananen auch schon der Trend zu immer mehr Chemie gewandelt, aber es wird immer noch heftig mit Pestiziden gearbeitet und die Weiterbildung der Landwirte im Umgang mit diesen Giften greift erst langsam. - Als weiteren "Schwarzen Punkt" auf La Palma muss man auch das Schleifen vieler Landschaftsteile nennen, welches auf Grund unnötiger Infrastruktur entsteht, weil politisch auf diesem Sektor immer noch Prioritäten altbacken verteilt werden und man lieber neue Straßen baut als Schulen oder Krankenhäuser. - Es ist so ein bisschen schade, dass man bei Greenpeace nicht so ganz auf dem Laufenden ist und eine Anlage anklagt, die seit Jahren schon nicht mehr in Betrieb ist, aber den geplanten Raubbau an der Umwelt mit Autobahn, Golfplätzen und Hotelanlagen nicht anklagt. - Das soll keine derbe Kritik an Greenpeace sein, die schätzen das global schon richtig ein, dass es viel, sehr viel schwärzere Punkte und dringendere Sachen auf der Umweltskandaldatei anzuklagen gibt, als den peripheren Dreck den wir hier produzieren. - So sollte es uns auch ein leichtes sein, damit selber fertig zu werden und dabei ist es ganz wichtig, wenn nicht sogar fundamental, immer wieder auf unsere Schwachstellen hinzuweisen um den notwendigen Druck aufrecht zu erhalten, ohne den wohl leider nichts geht. - Da passt es einfach schlecht ins Programm, wenn wir nun so von Greenpeace gelobt werden, weil der einzige Kritikpunkt bereits verschwunden ist.



Montag 11.02.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 12 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 78 % Luftdruck 1012 hPa

Schwein gehabt

Manchmal möchte ich unsere Probleme haben… Aber vielleicht ist es ja ein Zeichen des Luxus, dass man sich um die Details auch noch kümmern kann und nicht jeden Tag globale Verschwörungen aufklären und bekämpfen muss. - Das Kanarische Schwarze Schwein darf nicht sterben! - So könnte man den flammenden Ausruf der extra dafür gegründeten "Asociación para la Cría y Conservación del Cochino Negro Canario en La Palma" (Cochinepal) nennen, welche nun auch gewichtige Unterstützung seitens des Landwirtschaftrates der Inselregierung erhält. - Wobei man vielleicht den Titel der Organisation doch noch übersetzen sollte, da ein interessanter Aspekt auffällt: "Gesellschaft zur Aufzucht und Erhaltung der Schwarzen Kanarischen Sau auf La Palma." - Man benutzt hier das Wort "cochino" und nicht "cerdo", ganz einfach weil dieser Ausdruck für das Schwein hier auf den Kanaren üblicher ist, allerdings werden auch Leute die nicht besonders sauber und gepflegt durch das Leben waten gerne mal als "cochino" bezeichnet, so dass man das vielleicht besser mit Sau übersetzt. - Vielleicht will man sich aber auch abgrenzen vom berühmten Schwarzen Iberischen Schwein, welches immer nur als "Cerdo Iberico" bezeichnet wird, nicht aber als "Cochino Iberico".

Davon wird man aber nicht loskommen, denn unsere schwarzen Sauen hier sind wohl Nachkömmlinge des berühmten Lieferanten für den teuren "Pata Negra" Schinken und eben irgendwann vom Festland auf die Kanaren verschleppt worden, wie so manches andere auch. - Hier entwickelte sich das Schwein aber in eine komplett eigene Richtung, so dass man heute tatsächlich von einer endemischen Schweinerasse spricht, die so nur noch auf den Kanaren vorkommt. - Die neue Zeit und der Drang nach immer größerer Fleischleistung verdrängte das Schwarze Schwein zusehends, gilt es doch als schlechter Futterverwerter und legt viel langsamer den begehrten Speck an als die moderne Hochleistungssau. - So steht man heute vor dem evolutionären Scherbenhaufen progressiver Agrarpolitik und hat vielleicht auf La Palma noch ganze 30 Stück dieser historischen Sauen in zwei Ställen Breña Altas und Tijarafes zu stehen. - Erstes Ziel dieser Vereinigung ist es nun den Bestand auf mindestens 100 Tiere aufzustocken um damit genügend genetisches Material zur Verfügung zu haben, eine gesunde Zucht der Tiere wieder aufzunehmen. - Was das für die letzten ihrer Rasse auf der Insel bedeutet, das ist klar, da müssen nun die Eber und Sauen Sonderschichten fahren um den menschlichen Nostalgietrieb zu befriedigen. - Aber da sollte sich die gesunde Sau nicht unbedingt grämen, in der modernen Schweinezucht geschieht so etwas mit Hilfe von künstlicher Befruchtung, dass ja kein falsches Gen die Sau verferkelt. - Da haben unsere "Schwarzen Sauen" ja richtig Schwein gehabt, dass die noch nicht der künstlichen Befruchtung unterstellt werden. - Vielleicht dient das ja auch zur Erhöhung der Fleischqualität, man weiß ja nie, den letztendlich züchtet man ja auch diese Schweine nur, damit sie irgendwann gegessen werden können. Aber über diese, höchst menschliche Hypothese jetzt abschließend zu referieren, das ist zuviel verlangt für einen Montagmorgen.


Schwein gehabt, die Sau!



Sonntag 10.02.08 - 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 66 % Luftdruck 1010 hPa
Höchsttemperatur heute 21,1 Grad - niedrigste Temperatur 10,6 Grad

9 M

Angeblich große Tage beschreibt man ja seit dem 11. September mit einer Abkürzung und wenn man hier in Spanien nun vom 9 M schreibt oder spricht, dann meint hier niemand den Mai, sondern alle den März, denn an dem Tag wird die Zentralregierung in Madrid erneut für weitere 4 Jahre gewählt. - Zur Wahl stellen sich der amtierende Regierungspräsident Jose Luis Zapatero für die Sozialisten der PSOE, was eigentlich Partido Socialista Obrero Español heißt und der bereits in den Wahlen von 2004 unterlegene Mariano Rajoy von der PP, was ganz simpel und verständlich Partido Popular heißt. - Natürlich stellen sich noch mehr Kandidaten, jede Partei schickt eine schillernde Person nach vorne auf die Wahlplakate, bei den kleineren Gruppierungen ist es aber auch schon mal, der oder die, welche nicht schnell genug Nein gesagt haben, denn ihnen wird immer der Makel des Verlierers anhängen. - Es gilt als äußerst unwahrscheinlich, dass der nächste Regierungspräsident nicht aus den Reihen der PSOE oder der PP kommt, die junge spanische Demokratie steht, fester noch als das im deutschen Blocksystem der Fall ist, auf dem rechten und dem linken Bein sehr solide da. - Als einzige "Dritte Kraft" kann man nur noch die IU nennen, die "Izquierda Unida", die allerdings seit 1996 eine rasende Talfahrt in der Wählergunst hinnehmen musste und in den letzten Wahlen nur noch 5,4% der Stimmen erhielt. - Die Grünen und eventuell eine Partei wie die FDP mit "liberalem" Charakter, was immer das auch sein mag, konnten sich in Spanien nie richtig formieren, auch auf Grund des Wahlverfahrens welches nach dem "D´Hondt" - Verfahren praktiziert wird.

In Spanien allerdings gibt es viele regionale Parteien, die zum Teil, wie auch auf den Kanaren die Provinzregierung stellen und ein gehöriges Wort in der Zusammensetzung der Zentralregierung mitsprechen. - Darüber besteht oft auch großer Streit, denn so können Parteien, mit einzig regionalem Interesse, oft ausschlaggebend für die Regierungsbildung in der Hauptstadt sein, was von den anderen, dann nicht berücksichtigten Regionen sicher für Unbill sorgt. - So stehen besonders die katalonischen und die baskischen Regionalparteien in dem Ruf kräftig in Madrid mitzuregieren und alle Pfründe in die nördlichen Provinzen zu holen und auch Sonderrechte für sich auszuhandeln. - Das ist zum Teil auch so, keine anderen Provinzen haben derart autonome Gesetze wie Katalonien und das Baskenland und sind gleichzeitig aber auch konjunktureller Motor der spanischen Wirtschaft. - Auf den Kanaren versuchte man mit der CC, "Coalición Canaria" auch seinen regionalen Einfluss in Madrid zu stärken, das ist aber nie richtig gelungen. Man brachte es nur auf drei Sitze in Madrid und stellte in einer Zweckkoalition mit der NC "Nueva Canarias" wenigstens den Fraktionsstatus her, allerdings existiert dieses Bündnis bereits nicht mehr und für die kommenden Wahlen am 9 M sieht es für den kräftigen Einzug einer kanarischen Regionalpartei nicht besser aus, da man sich hier vor Ort vor lauter "Nationalistengeplänkel" nicht einig werden kann. - Man muss immer wieder dazu sagen, dass sich in Spanien die Regionalparteien Nationalisten nennen, was dem deutschen Sinn dieses Wortes nicht wirklich entspricht, wenn man davon ausgeht, dass es sich bei der Nation um Spanien handelt. - Wir würden Regionalisten sagen, aber da in den meisten Autonomiestatuen immer von der "Nation Kanarische Inseln" und der "Katalonischen Nation" die Rede ist, versteht man dieses Wort hier eben deutlich anders.

Für den 9 M scheint eigentlich fast alles klar zu sein, zumindest wenn man die aktuellen Umfragen als Basis für den eventuellen Wahlausgang heranzieht. - Je nach Couleur und Auftraggeber der Umfrage bewegt sich die PSOE mit ihrem Lanzenträger Zapatero 3 - 5 Prozentpunkte vor der PP. Etwa bei 42% bewegt sich so der der Status der PSOE, gegenüber runden 38% welche an die PP gingen. - Das würde für die Sozialisten locker reichen, weil fast alle Regionalparteien und auch die "IU" außer der kanarischen CC und der katalonischen Convergència i Unió "CiU" dem deutlich linken Spektrum angehören und so eine Koalition mit der PP nicht denkbar wäre. - Allerdings sind Umfragen keine wirkliche Wahl, das musste ja vor ein paar Jahren selbst Angela Merkel deutlich erleiden, nachdem sie vom Oberpopulisten Schröder fast noch auf der Ziellinie abgefangen wurde, obwohl man ihrer Partei einen einfachen und deutlichen Sieg prognostiziert hatte. - Viele Beobachter meinen, es liege auch am bärbeißigen Kandidaten der für die PP ins Rennen geht, Mariano Rajoy, der ewige Zauderer und Zögerer, der hinter einem ehemals fast als Caudillo auftretenden José María Aznar immer nur die zweite Geige spielte und nie richtig aus dieser Rolle entwachsen ist. - Das zeigen so auch die Sympathiepunkte in den Umfragen in denen Zapatero mit 46% weit vor Rajoy steht, der sich lediglich der Zuneigung von 26% der Befragten sicher sein kann. - So verwundert es kaum, dass von 2.800 befragten Canarios immerhin 65% glauben, Zapatero bleibe im Amt und nur 26% einen Regierungswechsel in Madrid sehen. - Wie es dann wirklich ausgeht, das erfahren wir dann in vier Wochen, alles andere vorher ist glauben, aber noch nicht wissen.



Sonntag 10.02.08 - 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 11 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 81 % Luftdruck 1010 hPa

Die Wiederentdeckung der Langsamkeit

Wie bei den Wilden hat man losgelegt an der Großbaustelle Flughafen La Palma und mal so richtig gezeigt, was man alles aus Steinen, Beton und Stahl machen kann, aber inzwischen hat sich das Tempo, mit welcher die Bauarbeiten voranschreiten auf ein ziemlich bekanntes Maß reduziert. - So manch Benutzer des Flughafens meint sogar, da bewegt sich gar nichts mehr, allerdings laufen immer noch Bauarbeiter herum, aber eben nur sehr wenige. - Diesen Zustand beklagt man nun schon eine ganze Weile und seitens der AENA, dem staatlichen Flughafenbetreiber der auch für den Bau zuständig ist heißt es, das liegt nur an den Feiertagen dass es nicht vorangeht, aber man liege immer noch im Zeitplan. - So richtig erforschen kann man eh nicht wie der Bau vor sich geht, die hiesigen Behörden haben keine Handhabe und schon gar keinen Überblick, geht es uns doch eigentlich gar nichts an dieser Bau, kommt doch Planung, Ideen und das Geld aus Madrid.

Aus den Kreisen der dort beschäftigten Firmen kommen allerdings andere Erklärungsversuche, es scheint mal wieder ums Geld zu gehen. Mit dem Bau beauftragt wurde eine, extra für den Flughafenbau gegründete Firma, welche ein temporärer Zusammenschluss der großen Tiefbaufirmen Dragados und Lopesan ist, den man "UTE" nennt. - Diese Firma hat die meisten Arbeiten per Subkontrakte an andere Dienstleister vergeben, wobei auch ein paar Firmen der Insel berücksichtigt wurden. - Diese Kontrakte sind für bestimmte Arbeitsabschnitte nun aber ausgelaufen und es wurden bislang auch keine neuen verteilt, die "UTE" scheint einen Kassensturz gemacht zu haben und wohl auf gewisse Lücken gestoßen zu sein, die nun erst nachverhandelt werden müssen. - Das ist bei einem solch großen Bauvorhaben nicht ungewöhnlich, es geht immerhin um ein Bauvolumen von mehr als 100 Millionen Euro, da muss doch auch was hängen bleiben und man kann schon sehr gespannt sein, ob es abschließend mal eine Zahl gibt, wie viel der Ausbau des Flughafenterminals und die Erweiterung der Parkpositionen für die Flugzeuge wirklich gekostet haben. - Nicht, dass einen das aufregen würde, das Geld scheint ja in Hülle und Fülle vorhanden zu sein wenn man sich überlegt, mit welchen Infrastrukturmaßnahmen wir aus unterschiedlichen Quellen erfreut werden. - Gute 100 Millionen für den Flughafenausbau, der so völlig überdimensioniert scheint, dass man immer meint, die in Madrid hätten sich geirrt und das sollte eigentlich das neue Terminal von Tenerife werden. Dann noch mal 100 Millionen für einen Hafen aus dem kein Schiff abfährt und dann schwebt da ja immer noch die ominöse Autobahn von Santa Cruz nach Tazacorte durch den Sinnapparat unserer geistigen Führer. - Wir sollen aber nicht undankbar sein, es ist ja schließlich nur unser Geld was da ausgegeben wird, aber wir sind in unserer kleinen Welt ja so verfangen, dass wir die großen Zusammenhänge nicht begreifen und keine Ahnung davon haben, was gut für uns ist und was diese Insel wirklich weiterbringt. Es ist für uns Laien nicht wirklich begreifbar, warum so viel Geld für unnötige Infrastrukturbauten vorhanden ist, aber kein Geld für mehr Ärzte und Lehrer. - So etwas verstehen wir einfachen Leute nicht, deshalb haben wir ja so weise und intelligente Führer an die Schaltstellen gewählt. - Das muss wohl so in Ordnung sein, wir wollten den Job ja nicht machen…



Samstag 09.02.08 - 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 64 % Luftdruck 1007 hPa
Höchsttemperatur heute 20,3 Grad - niedrigste Temperatur 11,3 Grad

Wunden lecken

Da scheint die Sonne echt frech vom Himmel und tut so, als ob gar nichts geschehen sei. - In der Tat ist der Spuk vorüber, dennoch kann es bis heute Nacht noch zu weiteren Niederschlägen kommen, die aber auf keinen Fall mehr die Intensität haben wie das, was da gestern Nacht runtergekommen ist. - Danach sieht es gut aus, ein paar Tage zumindest haben wir, an den Schäden zu feilen, welche der Regen, der Hagel und auch das Gewitter hinterlassen haben. - Immer noch sind Teile der Insel ohne Strom. - Meist allerdings nur kleine lokale Netze, aber in Las Indias muss ein großer Transformator gewechselt werden und das soll im Moment geschehen, dann erhalten dort die Anwohner auch wieder elektrische Energie. - Was noch nicht zu übersehen ist, das ist der Schaden in der Landwirtschaft, da gibt es einfach noch keine Meldungen, wie überhaupt die Presse bislang nicht auf diese Nacht reagiert hat. - Man kann aber sicher erwarten, dass es zumindest bei den Avocados und Zitrus größere Schäden gibt, die können Hagel überhaupt nicht ab und immerhin hagelte es sogar noch auf Meereshöhe, nicht nur in den höheren Zonen des Tals. - Vom Nordwesten der Insel hört man auch nur Leidensgeschichten, denen scheint das Gewitter noch stärker zugesetzt zu haben als der Hagel, viele Telefone und technische Geräte sind dort von Blitzeinschlägen getroffen, das gibt wieder ein heftiges Geschäft für die Computerläden und reichlich Arbeit für die Reklamationsabteilung des Stromversorgers und der Telefonica.

Bei den gefallenen Regenmengen habe ich noch zwei weitere Daten erhalten, im Süden der Insel hat jemand letzte Nacht 115 Millimeter gemessen und im Nordwesten knappe einhundert, wobei man dazusagen muss, dass diese Niederschläge hauptsächlich innerhalb von drei Stunden fielen, was dann doch eine erhebliche Menge darstellt. - So sahen dann auch zum Teil die Straßen aus, an vielen Stellen konnten die Ablaufrinnen rechts und links der Straße das Wasser nicht mehr aufnehmen und Steine und Geröll wurden auf die Fahrbahn geschwemmt. - Dabei kann man dann eigentlich wieder von Glück reden, dass es auch lange gehagelt hat, denn so lief nicht alle vom Himmel gefallene Feuchtigkeit auf einmal ins Tal, der Hagel musste erst tauen und gab so das Wasser mit einer Verzögerung frei. - Was war denn nun passiert? - Niemand hat dieses Tief derart wild eingeschätzt und in der Tat hat es wohl so heftig auch nur auf La Palma und dort im Süden und auf der Westseite getobt, es handelt sich dabei also um ein lokal begrenztes Phänomen. - Hauptproblem bei dieser großen Gewitterzelle die uns heimgesucht hat, sie wanderte einfach nicht weiter, sondern blieb über drei Stunden reichlich statisch über der Westseite der Insel. - Wo sonst ein heftiger Schauer und ein deftiges Gewitter zwanzig Minuten dauern und dann bereits weiter gezogen sind, das blieb uns treu, ergeben und ergiebig über mehrere Stunden erhalten. - So kommt man auch schon wieder auf den angeborenen Positivismus, es hätte noch viel schlimmer kommen können, noch ein zwei Stunden länger und eben alles als Regen und nicht als Hagel mit der verzögerten Wirkung, schon hätten viele Schluchten möglicherweise wieder Wasser geführt, welche das bereits seit Jahrzehnten nicht mehr tun. - Das passierte vor ein paar Jahren mal auf Tenerife, dort fielen in wenigen Stunden über 200 Millimeter Niederschlag und eben alles als Regen, da füllten sich dann Schluchten mit Wasser, von denen man gar nicht mehr wusste, dass es die überhaupt mal gab. - Loben muss man mal wieder die Einsatzkräfte der Gemeinden und der Feuerwehr, noch in der Nacht waren die ersten Trupps dabei, die Straßen wieder frei zu räumen und noch während des Unwetters fuhren bereits Fahrzeuge der Feuerwehr die Siedlungen ab um zu sehen, ob denn Schlimmeres passiert sei. - Unser Schlafzimmer haben wir aber alleine wieder getrocknet und die paar hundert Bücher die nass geworden sind, die bekommen wir auch noch in trockene Tücher.



Samstag 09.02.08 - 08:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 12 Grad, Niederschlag 84 mm Luftfeuchte 82 % Luftdruck 1006 hPa

Alptraum

Wenn man um Mitternacht von Sturm und Hagel geweckt wird und nach dem Rechten sehen will und mit den Füßen plötzlich bis zu den Knöchel im Wasser steht. Dann könnte man meinen man sei auf einer Hallig in der Nordsee. - Genau um Mitternacht ging es los, aus dem stetig fallenden Regen wurde plötzlich Hagel, der angetrieben von heftigen Böen nun schmerzhafte Geschosse um die paar Kreaturen warf, die um diese Uhrzeit versuchten die Wasserabläufe der Flachdächer oder Terrassen frei zu bekommen. - Ich weiß noch nicht, ob es anderen besser gelang als mir, denn der Hagel verstopfte die Ablaufrohre und in kürzester Zeit standen unser unteres Schlafzimmer und das angrenzende Bad locker 10 Zentimeter unter Wasser. - Der Strom war natürlich sofort weg, dass ich den viele Blitzen fast dankbar war, konnte ich doch im Schein dieser elektrischen Beleuchtung doch gerade noch ahnen, wo ich nun Hand anlegen musste. Schließlich gelang es mir den Ablauf frei zu bekommen, nicht ohne deprimierende Verluste an Kleidung, Schuhen und Selbstwertgefühl, aber so gegen 03:00 Uhr legte sich die komplette Familie wieder schlafen, im einzigen Raum der noch trocken war und der einen Kamin hat, der gegen die klirrende Kälte und die körperliche Nässe angehen konnte.

Alles ist nass, ein paar Scheiben kaputt und viele der alten Dachziegel hatten den Hagelkörnern nichts mehr entgegenzusetzen. - Wie durch ein Wunder haben wir wieder Strom und können so langsam die weiteren Schäden am Haus absehen. - Der Hagel hat an der Südseite des Hauses die Farbe von der Wand geklopft, mitsamt einiger Brocken Putz, so heftig blies es aus Süd. - Eine Wetterstation ist in Teilen weggeflogen, bei der anderen ist der Regenmesser vom Hagel zertrümmert worden, so dass die 86 Millimeter Regen heute Nacht aus der Messung zweier unterschiedlicher Medien zu verstehen ist. - Bis Mitternacht waren es 42 Millimeter, dann ging der eine Regenmesser kaputt und der andere zeigte heute Morgen noch mal 44 Millimeter, allerdings steht der an einem anderen Standort. - Wir werden noch einiges an Trockenarbeiten im Haus durchführen müssen, ein paar Scheiben ersetzen und Dachziegel, aber ich habe noch nicht die geringste Information, wie dieses, plötzlich einsetzende Unwetter bei anderen Häusern gewirkt hat und was der Hagel mit den Bananenplantagen gemacht hat. - Die Hügel um den Birigoyo liegen unter einer dichten Hageldecke die von weitem wie Schnee aussieht, auf der Webcam kann man das ganz gut erkennen. - Apropos Webcam, die geht noch, kein Blitz hat sich in sie verirrt und der Hagel und der Sturm auch nichts anhaben können, ist halt doch ein gutes strammes Exemplar und unserem aberwitzigen Wetter heute Nacht besser gewappnet gewesen, als unsereins.


Hagelschäden auf La Palma am 9.2.08


Hagelschäden auf La Palma am 9.2.08


Hagelschäden auf La Palma am 9.2.08




Freitag 08.02.08 - 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 77 % Luftdruck 1010 hPa
Höchsttemperatur heute 18,0 Grad - niedrigste Temperatur 14,5 Grad

Nur um die Bauernregeln zu retten

16 Millimeter sind für den Anfang nicht schlecht, aber auch noch kein Regen über den sich der Landmann nachhaltig freuen kann. - Aber das wird schon noch… Immerhin fiel der erste Regen dieses kleinen aber kompakten Tiefs anständig und langsam genug damit das Erdreich Zeit hat den Regen aufzunehmen und sich für die kommenden Aufgaben zu wappnen. - Zuerst kündigte fernes Donnergrollen den Regen an und auch als es dann wirklich nass wurde, zuckten auch ein paar nahe Blitze auf das Aridanetal herab, so dass alle vorsichtigen, oder auch Leid geprüften Elektronikbesitzer die kompletten Anlagen vom Netz nahmen, es muss ja nicht sein, dass ausgerechnet wieder so ein doofer Blitz so viel Schaden anrichtet. - In der Tat muss man zugeben, selbst wenn einem vor Lokalpatriotismus der Kamm glüht, so richtig sind wir nie auf Regen vorbereitet, auch wenn La Palma die regenreichste Insel unseres Archipels ist. - Sofort nach dem ersten Regen kommen die Anrufe aus den Ferienhäusern, der Strom sei weg und unsere Antwort: Bleiben Sie ruhig, wir haben auch keinen Strom, aber das wird schon wieder, kann auch nur bereits erfahrene La Palma-Besucher beruhigen. - Theoretisch könnte man das alles viel besser machen, aber wir sind keine Theoretiker, sondern Männer und Frauen der Praxis und verstehen uns besser auf Improvisieren, denn perfekt planen.

Auf den Wetterkarten kann man wunderbar erkennen, dass nur der westliche Teil der Kanaren nun aus dem Einflussbereich des afrikanischen Hochs gerutscht ist. Während es auf den östlichen Inseln Lanzarote und Fuerteventura noch afrikanisch war, also trocken bläst, hat uns der Atlantik eingeholt und macht uns nass. - Der Regen ist aber wirklich willkommen jetzt, wollte man doch bereits in der Landwirtschaft auf Wassersparprogramm schalten, denn unsere Wasserspeicher auf der Insel sind vom bislang trockenen Winter nicht sonderlich gut gefüllt. - Da kann man jetzt wieder zurückrudern, die Bananen gießen sich nun von selbst und wenn man die Karten gut studiert, dann fällt diese Nacht und morgen noch reichlich weiterer Niederschlag. - Danach, so ab morgen Abend kommt dann erst mal eine Pause und Madame oder der Hausmann kann ein, zwei Waschmaschinenladungen trocken bekommen, bevor uns das nächste Tief erreicht. - Dann allerdings nur ein Streifschuss, ein Ausläufer sagt man wohl dazu und bis wir wieder von irgendwo her ein Hochdruckgebiet auf den richtigen Platz, also über die Azoren gebastelt bekommen, da können schon noch ein paar weitere Tage unter den Fingern dahinbröseln. - So kommen wir aber auch nicht umhin, die alte Bauernregel welche uns immer Regen nach Calima aufsagt, jetzt wieder als Treffer zu betiteln. - Hat zwar davor nicht geklappt, aber nun ist auch diese Teilwelt wieder in Ordnung und wir können uns ganz darauf konzentrieren, den Regen so richtig zu genießen, wenn gerade mal der Strom nicht ausfällt.


Patentlösungen sind gefragt



Freitag 08.02.08 - 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 15 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 54 % Luftdruck 1013 hPa

Wartelisten reduziert

Nach den drei großen Mankos dieser Insel befragt, antwortet hier fast jeder: Gesundheitssystem, schulische Ausbildung und Umweltschutz. - Da bleibt wenig hinzuzufügen, geht man einfach mal davon aus, dass die wirtschaftliche Lage nicht alleine in unserer Hand liegt, sondern wir auch nur ein Teil der globalen Volkswirtschaft sind, dann wissen unsere Steuermänner doch eigentlich, wo man die Hebel ansetzen muss. - Da tut sich auch was lässt man uns wissen, auf jeden Fall im Gesundheitssektor, dazu hat der Direktor des "Servicio Canario de Salud" (SCS) uns eine Menge Zahlen mitgebracht, bei seinem Besuch auf La Palma. - Dabei sollte man vielleicht noch vorausschicken, dass die Kritik am hiesigen Gesundheitssystem sich nicht auf die Qualität der Einrichtungen und auf das Personal bezieht, sondern auf den horrenden Fachärztemangel, der unglaublich lange Wartezeiten mit sich bringt. - Diesem Mangel könnte man einfach damit begegnen, dass man deutlich mehr Ärzte und weiteres medizinisches Personal einstellt, aber auf dieser Schiene ist einfach nichts zu wollen, dazu scheint der kanarische Gesundheitsdienst zu knauserig zu sein. - So zumindest möchte das erscheinen, allerdings hält man dieser Kritik vor, man bemühe sich ja, es gäbe aber einfach nicht genügend Fachärzte welche auf La Palma Dienst tun wollen. - Das muss ich einfach dahingestellt lassen, vielleicht liegt es aber auch einfach an der wenig reizvollen Bezahlung im öffentlichen Gesundheitssystem.

Der Weisheit erster Schluss, oder vielleicht Schuss, der sollte nun eine Reduzierung der Warteliste sein, in dem man einige Dienste an private Ärzte und Praxen vergibt, outsourcing könnte man auch dazu sagen. - Dagegen kann man eigentlich nichts haben, wichtig ist es halt dem Patienten zu helfen und das in einem angemessenen Zeitraum. - Dabei tauchen aber 2 Fragen auf. - Ist das der Anfang einer Privatisierung unseres Gesundheitssystems, oder handelt es sich dabei wirklich nur um eine einmalige Maßnahme um die Wartelisten abzubauen? - Man fördert ja mit dieser Aktion die privaten Angebote der ärztlichen Kunst und es bleibt damit zu befürchten, dass auf diese Art und Weise das öffentliche System noch uninteressanter für Fachkräfte wird. - Daneben muss man fragen, wie es denn möglich ist, dass wir auf dem privaten ärztlichen Sektor so viele Kapazitäten frei haben, dass man Teile des öffentlichen Dienstes einfach mit versorgen kann? - Das spricht ganz klar für den bereits genannten Punkt, dass es wohl genügend Ärzte gibt die sich für La Palma interessieren könnten, sie müssten nur anders entlohnt werden, denn auf dem privaten Sektor scheint es keinen Mangel zu geben. - Nun zu den Zahlen, den guten Zahlen, es sei gelungen, in der Chirurgie, der Gynäkologie, der Augenheilkunde und der Urologie, die Wartezeiten um fast 20% zu senken. - Das alleine mit der Hilfe, vielen Patienten Termine bei Privatärzten zu verschaffen. - Wie man es aber schaffen will die anderen Wartelisten so weit zu reduzieren, dass wir von Wartezeiten herunterkommen die um ein halbes Jahr betragen, das sagt man uns nicht. - Auch nicht, was denn ist, wenn man wieder auf die Mithilfe der Privatärzte verzichten will, weil es sich doch um eine zeitlich begrenzte Maßnahme handeln soll.



Donnerstag 07.02.08 - 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 23 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 34 % Luftdruck 1015 hPa
Höchsttemperatur heute 24,8 Grad - niedrigste Temperatur 15,5 Grad

Endgültige Los Brecitos Lösung, bis auf weiteres…

Wenn drei sich streiten, dann freut sich der Vierte. - Die drei, das sind Nationalparkverwaltung, Inselregierung und die Gemeinde El Paso und der Vierte wäre in diesem Fall der Besucher des Aussichtspunktes Los Brecitos, als Endpunkt der neu geteerten Zufahrt in den Nationalpark Caldera de Taburiente. - Allen Beteiligten war klar, dass man mit der Asphaltierung des 12 Kilometer langen Weges nicht nur helle Freude bereitet, sondern nun einen Ansturm privater Besucher auf die Zufahrt selbst und damit auf das kleine Parkplätzchen bei Los Brecitos auslösen wird. - Dabei geht es nicht nur um die zusätzliche Belastung für den Nationalpark, welche die vielen mehr Besucher auslösen würden, sondern auch um den Sicherheitsaspekt. - Ein Unfall auf der schmalen Passstraße, die nur an wenigen Stellen Überhol- oder Ausweichmöglichkeiten bietet, käme einem GAU gleich, wenn dann keine Rettungskräfte anfahren können, weil viele private Wagen die Straße versperren. - Oder ein Fahrer weiß nicht mit den Kurven umzugehen und nimmt den schnellen Weg nach unten, kaum auszudenken wie dann die Kritik an den zuständigen Behörden nagen würde, dass man eine solche Straße für den Individualverkehr freigegeben hat. - Unter diesen Aspekten konnten nun auch die Inselregierung und die Nationalparkverwaltung einer Vernunftslösung zustimmen, die wie folgt lautet:

Alles bleibt, fast wie es war. - So einfach könnte man das auch beschreiben. - Die Zufahrt vom Flussbett aus wird nun für den Individualverkehr zwischen 08:00 Uhr und 18:00 Uhr komplett gesperrt. - Davor und danach ist es möglich nach Los Brecitos zu fahren, allerdings nur zum Transfer, kein Auto darf dort in Brecitos auf dem kleinen Parkplätzchen geparkt werden. - Die Straße benutzen dürfen nur die Anwohner, man wundert sich immer, wie viele Menschen das sind und öffentliche Verkehrsmittel. - Dabei scheiden die normalen Busse allerdings aus, die kämen eh nicht wirklich ohne Probleme um die Kurven, dafür hat Tranportes Insular ja zwei kurze Busse angeschafft, die auch Allradantrieb haben. - Es werden also weiterhin die Taxen dort unten im Flussbett stehen und ihren Shuttle-Dienst nach Los Brecitos anbieten, inzwischen zu dem neuen reduzierten Tarif, welcher den Zustand der Piste nun einkalkuliert. Der Preis ist übrigens keine willkürliche Entscheidung der Taxifahrer, sondern von der Inselregierung festgelegt. - Der Bus für 8 Fahrgäste kostet pro Tour, Flussbett - Los Brecitos nun 52.- Euro. - Diesen Preis dividiert man dann durch die Anzahl der Mitfahrer, so dass man für den vollbesetzten Minibus pro Person nur noch 6,50,- bezahlen muss. - Noch nicht klar ist, welchen Preis man denn für "normale" Taxen für 4 Gäste nehmen soll, denn die können nun ja auch auf der Strecke eingesetzt werden. - In den kommenden Tagen, oder sollte ich lieber vermuten Wochen, wird nun das Wachhäuschen, welches bislang auf halbem Wegen nach unten stand, im Flussbett am Parkplatz selbst aufgebaut werden, samt Schranke, welche sich dann ab 08:00 Uhr schließt. - Bis dahin ist die Zufahrt noch für alle offen und wer noch mal schnell hoch will, der sollte das bald tun. - Aktuell noch als Hinweis, die Arbeiten in der Caldera, auf Höhe des Renventón sind immer noch nicht fertig, so dass man wohl weitere zwei Wochen nur Freitag, Samstag und Sonntag den kompletten Rundweg machen kann. - Das bekommen Sie aber mit, an den Tagen an denen die Tour nicht komplett begehbar ist, bieten die Taxifahrer sich eh nicht an, den Transfer zu tätigen. - So bald wir erfahren, dass die Arbeiten endgültig erledigt sind, teilen wir das auch mit.

Apropos endgültig. - Diese Reglung wie sie nun ist, also in etwa den Zustand von vor der Asphaltierung darstellt, ist aber noch nicht der Weisheit letzter Sinn- oder Brecitosschluss. - Langfristig, zählen wir mal in Jahren, wird es einen Parkplatz geben auf dem Lomo de los Caballos und von dort aus werden dann die Shuttlefahrten ausgehen. - Der "Lomo de los Caballos", also der Pferderücken ist die Stelle, an welcher die schmale Straße von Süden her in die Caldera einbiegt. - Dann lässt man seinen PKW dort stehen und kann dann wählen, entweder die kleine Fahrt ins Flussbett zu besteigen, oder die große Tour nach Los Brecitos zu machen. - Das hat dann den Vorteil, dass man dann überhaupt keinen Individualverkehr mehr in den Nationalpark schickt und so noch mehr siebt, wer denn wirklich an der Natur interessiert ist und sich den Besuch auch den Obolus des Transportes kosten lässt, oder wer einfach nur mal gucken wollte, ob denn Wasser aus der Caldera fließt. - Aber das wird noch ein paar Jahre dauern, ansonsten hat man auch beschlossen kein Eintrittsgeld für die Caldera zu nehmen. - Das wäre für die Besucher ja dann auch doppelt bezahlt, denn den Transfer werden sich die meisten wohl ans Wanderbein binden. - Allerdings kann man nach wie vor alles zu Fuß machen, ganz umsonst, aber das ist was für ganz harte Jungs und Mädels.


Bauarbeiten an der Straße nach Los Brecitos in der Caldera de Taburiente



Donnerstag 07.02.08 - 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 16 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 34 % Luftdruck 1016 hPa

Sinnsuche

Seit Jahren steht da oberhalb El Pasos ein Gebäude herum, über dessen Verwendung die meisten nur Rätsel raten. - Und diejenigen die wissen um welches Gebäude es sich da handelt, die zweifeln oft ziemlich konkret, ob das jemals was wird mit der öffentlichen Einrichtung. - Seit 2002, das ist nun ein paar Jahre her, bastelt die Inselregierung an der Idee eine Molkerei bei Las Moraditas zu betreiben, einen Steinwurf entfernt vom Schlachthof. - Die Nähe zu dieser endgültigen Anstalt ist übrigens nicht als Drohung an die Ziegen gedacht doch mehr Milch zu geben, das Gelände rund herum gehört einfach der Inselregierung und so stellte man auch die Molkerei dort hin. - Man darf sich bei dem Gebäude nicht so etwas wie den Prado vorstellen, trotzdem ist der kleine Zweckbau noch nicht in Betrieb. - Das hat zuerst mal was mit dem dummen Umstand zu tun, dass die erste beauftragte Baufirma kurz vor der Fertigstellung Pleite ging und man das komplette Projekt neu auflegen musste um endlich jemanden zu finden, der letzte Hand anlegt. -Dann war das Geld, was eigentlich für die komplette Molkerei reichen sollte bereits nach der Erstellung der baulichen Struktur aufgebraucht und es dauerte wieder Legislaturperioden, bis man auch das Geld für die Maschinen bereitstellen konnte.

Jetzt kommt man endlich dazu sich mal Gedanken zu machen, wie und vor allem wer denn die Molkerei betreiben soll und da stößt man auf wenig Interesse. - Es gibt sogar die Befürchtung der jetzigen Käseproduzenten, man könnte dort, mit öffentlichem Geld, eine Konkurrenz heranziehen, die dann die guten Preise verdirbt, welche man heute für handwerklich hergestellten Ziegenkäse erzielen kann. Das würde dafür sprechen, dass man die Molkerei in private Hände gibt, die dann eine temporäre Konzession erhält, nach marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten Milchprodukte herzustellen. - Allerdings wird man sich da schwer tun einen Interessenten zu finden der das Risiko eingehen will, eine ähnliche, komplett private Initiative ist vor Jahren bereits gescheitert, man konnte seine Produkte nicht wirklich auf dem Markt einbringen. - Dabei ist die Erstellung der Molkerei kein unsinniges Unternehmen, galt es doch einen Ausweg zu finden für die vielen kleinen Ziegenmilchproduzenten, die nach den EU-Hygienevorschriften keinen Käse mehr für den öffentlichen Verkauf herstellen dürfen. Die sollten dann ihre Milch an die Molkerei liefern und dort würde dann, so wie die EU das von uns fordert, der Käse hergestellt und vielleicht auch Joghurt und andere Milchprodukte. Aber da gibt es noch so viel zu überdenken und organisieren, wie zum Beispiel, wie kommt die Milch nach El Paso, wenn die Ziege in Barlovento steht. - Die großen Ziegenkäseproduzenten haben kein Interesse daran diese Molkerei zu betreiben, haben die doch ihre Produktionsräume dank einer vorhandenen Kapitaldecke längst auf europäischen Standard gebracht und die kleinen "Klitschen" mit vielleicht nur 5 oder 10 Ziegen, die bekommt man nicht unter einen Hut, um solch ein Projekt wie die Molkerei ordentlich zu betreiben. - Mal sehen, wie und wo man den Sinn findet und wie dieser Milchhof mal betrieben wird, oder sollte man lieber fragen ob?



Mittwoch 06.02.08 - 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 22 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 56 % Luftdruck 1018 hPa
Höchsttemperatur heute 23,7 Grad - niedrigste Temperatur 12,8 Grad

Wetter Nach- und Vorlese

Seit der zweiten Januarwoche begleitet uns der wundersame Zustand der meteorologischen Instabilität, in unserem Fall ganz einfach deshalb, weil sich das sonst wetterbestimmende Azorenhoch nicht bemüht hat, seine aufgetragene Arbeit zu erledigen. - Das brachte uns in den Einfluss eines kräftigen Hochs über Nordafrika und dem Mittelmeer, mit der logischen Folge, dass wir so trockenen und warmen Wind aus Südost erhalten haben, den man gerne auch Calima nennt. - Normalerweise dauert so ein Zustand 4 bis 5 Tage, wir aber kamen für volle 2 Wochen in den Genuss dieses trockenen Wetters, welches uns im Winter nicht nur Wärme beschert, sondern eben auch Trockenheit. - Oft verkrümelt sich so ein Hoch ganz schnell und lässt dann Platz für heranbrausende Tiefs aus dem Westen, daher auch eine der Bauernregeln die besagen: Nach Calima regnet es immer. - Pustekuchen, kein Tief schaffte es zu uns heran, weil sich ein weiteres Hoch in den Weg stellte, allerdings unsteten Charakters und somit nicht tauglich als Azorenhoch zu gelten. - Ende des Monats Januar, aber auch die ersten Februartage schwammen wir so in einer "Nichtwettersuppe", da man ja das Wort "Unwetter" für andere Phänomene belegt hat. - Wer die Wetterdaten vom vergangenen Monat einsehen will, der kann das HIER tun.

Kein Tropfen Regen in einem Januar, das kommt selten vor und auch die Vormonate unseres "Winters" waren eher trocken. Bislang konnten wir hier im Westen lediglich 174 Millimeter Niederschlag messen, da müssen wir noch zulegen um auf 400 bis 600 Millimeter zu kommen, die man allgemein als Durchschnitt für unsere Lage angibt. - Nun scheint sich die Lage aber auf dem Atlantik zu klären, das nordafrikanische Hoch entlässt uns aus seinem Einfluss. Sein atlantisches Pendant, welches einfach kein stabiles Gebilde werden wollte, lässt nun ein Tief zu uns heran, um endlich an unserer Regenstatistik zu feilen. - Bereits übermorgen erwarten wir die ersten Niederschläge, die auch etwas reichlicher ausfallen können. Bis etwa 13. Februar kann es dann zu regen kommen, wobei man zwei Wellen erwartet, einmal am 8. und 9. und dann wieder ab dem 11. Februar. - Dabei entsteht sofort immer die Frage nach der Windgeschwindigkeit und da wird es nicht allzu schlimm, ist das Tief mit momentan 1011 hPa im Kern kein wirklich bösartiger Vertreter seiner Gattung. Den ersten Niederschlagsgürtel erwarten wir aus Südost, zieht das Tief wie erwartet dann weiter Richtung Osten, dann wird uns der Wind später aus Nordwesten erreichen, mit erneuten Niederschlägen. - Je nachdem, wie weit dann der Wind eher aus Nord, oder Nordwest kommt, davon hängt es auch ab, wie viel Regen hier im Aridanetal ankommen kann. Bei Nordwest kommen noch Niederschläge zu uns, komplett Nord verhindert das Massiv der Caldera das Vordringen der tiefen schweren Wolken bis ins Aridanetal. - Bei den Temperaturen wird es auch wieder "tiefüblich" sein, tagsüber knapp unter den 20 Grad, dafür kühlt es nachts nicht mehr so stark ab. - Endlich Regen sagt der Landmann und freut sich auf ein paar freie Tage, so ein Mist schimpft der Inselgast, muss es denn genau dann regnen, wenn wir kommen. - Aber wer hat Ihnen denn erzählt, dass das Leben gerecht ist?



Mittwoch 06.02.08 - 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 13 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 61 % Luftdruck 1020 hPa

Der Bananen fressende Wollmilchfisch

Eine Insel hat natürlich die große Ressource Meer um sich herum und da mutet es witzig bis interessant an, warum gerade ein Süßwasserfisch plötzlich so viel Aufsehens erhebt und ökonomische Hoffnungen schürt. - Nachdem die Fischerei auf La Palma einen wenig spektakulären aber wohl nachhaltigen Niedergang erlitten hat und die Fischfarmen im Meer wohl nur ein Zubrot darstellen werden, versucht man es mal mit Nilbarschen. - Dieser Fisch ist wirklich etwas Besonderes, kann er doch sowohl in Süßwasser wie auch in Salzwasser gedeihen und überlebt auch in wenig sauerstoffhaltigem Wasser, ein ganzer Überlebenskünstler also und robust und genügsam noch dazu. - Wir sprechen vom Nilbuntbarsch, hier auch Tilapia genannt und die Wissenschaftler nennen ihn gerne Oreochromis niloticus. - Was nun der Nilbuntbarsch bei uns soll und warum wir uns davon auch noch ökonomisch etwas erwarten, das liegt einerseits an unseren Ressourcen und andererseits daran, dass dieser Fisch wohl genau darauf gewartet hat, hier her zu kommen.

Auf La Palma haben wir große Wasserspeicherbecken, die scheinbar ungenutzt darauf warten nur Wasser zu empfangen und wieder abzugeben, wir bräuchten also für die Fische keine extra Becken bauen, die sind schon da. - Man müsste diese nicht mal umbauen, wenn dieser Tausendsassa wirklich mit unserem Wasser klar kommt und man kann das Wasser danach auch noch seiner ursprünglichen Verwendung zuführen, dem Gießen der großen Bananenplantagen. - Jetzt kommt aber der absolute Clou und der endgültige Beweis dafür, dass dieses Fischchen eigentlich ein Palmero ist, man kann ihn auch vegetarisch ernähren und zwar mit Derivaten der Bananenproduktion und damit katapultiert sich dieser Fisch in unser aller Herzen. - Bei der Fischproduktion in Gefangenschaft wird ja immer wieder angemahnt, dass diese mit aufwendig produziertem Futter gemästet werden müssen, zum Teil sogar dafür andere Fische gefangen werden, das wäre im Fall der Tilapia ganz anders. - So könnte der Nilbuntbarsch zu einem echten nachhaltigen Produktionszweig werden, den wir hier auf La Palma aus eigenen Ressourcen - und reichlich vorhandenen - erwirtschaften. - Man kann sich sogar einen echten Bio-Fisch vorstellen, da muss man dann natürlich voraussetzen, dass nur Pflanzenreste verarbeitet und verabreicht werden, die aus dem ökologischen Landbau stammen. - Denkt man dann noch mal ein Stückchen weiter, dann könnte man sich bei unserem Platzangebot in den Wasserspeichern sogar eine kleine weiterverarbeitende Industrie vorstellen und wir kämen dem Biosphärenreservatsfischstäbchen ein großes Stück näher. - Im Moment läuft ein Versuch mit 3.000 Fischen in einem Tank im Barranco de las Angustias, von denen man die ersten Exemplare als Filets bereits auf den Markt gebracht hat. - Gut soll das weiße Fleisch schmecken, so sagt man uns zumindest. - Hört sich doch wirklich nach dem Bananen fressenden Wollmilchfisch an, allerdings hat man die Tilapia an sich noch nicht dazu befragt, wie man denn als Nilbuntbarsch so darüber denkt.



Dienstag 05.02.08 - 17:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 64 % Luftdruck 1018 hPa
Höchsttemperatur heute 20,8 Grad - niedrigste Temperatur 12,0 Grad

Einwohnerabmeldeamt

Keine Gemeinde weiß so recht, wie viele Einwohner sie denn wirklich hat. - Nicht, dass man sich nicht an- und wieder abmelden müsste, wenn man denn seinen Wohnort wechselt, die Allermeisten melden sich aber nur an, und dann nie wieder ab. - Das führt regelmäßig zu einem aufgeblähten Einwohnerregister, in dem reichlich Karteileichen schlummern, allerdings sind die wenigsten davon wirklich tot, sondern einfach nur wieder weggezogen ohne Onkel Bürokrat davon in Kenntnis gesetzt zu haben. - Macht doch eigentlich nichts möchte man sagen und kommt doch den Gemeinden sehr zu Gute, bekommt man doch so viel mehr Geld wenn man mehr Einwohner hat, also lassen wir das doch einfach so. - Zum Teil ist das auch richtig, keine Gemeinde verliert gerne Einwohner, geht das doch wirklich ans Geld und wenn man das von lokalpolitischer Seite sieht, kann das auch noch Parteikollegen den Posten kosten, denn die Anzahl der Stadträte richtet sich nach der Zahl der Bewohner der Gemeinde. - Die größten "Fehlposten" sind Bürger die einfach wegziehen und dabei "vergessen" sich abzumelden, ein Abgleich zwischen den Daten der Gemeinden landesweit findet nur zufällig statt, oder mit großer Verzögerung, so dass viele der Umgezogenen jahrelang in zwei Gemeinden als Bürger geführt werden, ohne dass dieses auffällt. - Zieht der gute Mann oder die noch bessere Frau gar ins Ausland, dann kann dieser Zustand auch ewig andauern, oder so lange bis das Ableben der Person gemeldet wird.

Sehr groß ist der Anteil der "Auswohner" unter den Ausländern, auch da ist die Tendenz zur Anmeldung deutlich größer als der Wunsch sich ordnungsgemäß wieder abzumelden. - Auch wieder nur durch Zufall könnten so die vielen EU-Bürger wieder aussortiert werden die zurück in die Heimat gehen, ansonsten gibt es ja keine Pflicht mehr, welche nach der ersten Anmeldung eine weitere Bestätigung des Aufenthaltes hier nötig macht. - Ein klein wenig fällt das immer wieder mal auf, wenn die Gemeinden Rundbriefe verschicken und so alle registrierten Bürger anschreiben wollen. - Was da an unzustellbar oder unbekannt zurückkommt, ist eine erschreckend große Zahl und man kann davon ausgehen, dass der lokale Briefträger schon Bescheid weiß, wer wo wohnt. - Anders sieht es bei den nicht-EU Bürgern aus, die müssen sich alle zwei Jahre bei der Gemeinde melden, sonst werden sie angeschrieben, an die letzte bekannte Adresse und wenn dann keine Antwort kommt, aus dem Gemeinderegister gestrichen. - 250 "Auswohner" hat man nun wieder im Zivilregister der Stadt Los Llanos gestrichen, weil diese Bürger einfach nicht mehr anzutreffen sind und damit erreicht man erstmals seit Jahren einen sinkenden Ausländeranteil in der größten Stadt der Insel. - Der größte Zuzug scheint abgeflaut zu sein und die schmalen Zukunftsaussichten im Arbeitsmarkt auf der Insel La Palma lassen viele, meist süd- und mittelamerikanische Immigranten bald wieder weiterziehen, dann oft auf eine der anderen Kanareninseln oder aufs Festland. - Was man allerdings nicht in Zahlen packen kann, das ist die große Schar derer, die ganz ohne Anmeldung hier wohnt, eben weil die Papiere nicht in Ordnung sind oder weil man gar kein Interesse hat, offiziell auf La Palma zu sein. - Schätzt man mal vorsichtig, aber ganz vorsichtig, dann stimmt vielleicht die Zahl der "Auswohner", also die der nicht abgemeldeten Weggezogenen, mit der der nicht angemeldeten Einwohner überein und schon ist alles wieder in Butter. - Genaue Zahlen brächte nur eine erneute Volkszählung, aber das ist unheimlich teuer und die meisten Gemeinden wollen das auch gar nicht haben, könnte man doch auf eine noch viel größere Zahl von verloren gegangenen Bürgern stoßen.



Dienstag 05.02.08 - 09:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 13 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 80 % Luftdruck 1018 hPa

Feiertag durch Unterlassung

Stellt euch vor, es ist Dientag und keiner steht auf! - Die Tage nach großen und ausschweifenden Festen sind immer die stillsten Tage auf der Insel, ganz einfach weil keiner mehr da ist der nur irgendwie Krach machen könnte oder Auto fahren. - Gestern waren alle in Santa Cruz beim "Día de los Indianos", viele sind danach noch zum Straßencarnaval nach Los Llanos gegangen und heute geht nichts mehr, absolut gar nichts. - So hat man den heutigen Tag mal in weiser Voraussicht zum Feiertag erhoben, nicht weil die Kirche das so will, oder der Faschingsdienstag bei uns einen besonderen Stellenwert hätte, es ist einfach eine kollektive und pragmatische Entscheidung, wem sollte man es heute zumuten arbeiten zu gehen. - Ähnlich geht es ja den Schulen, welche diese komplette Woche geschlossen haben, wer will denn den armen Müttern oder Vätern zumuten ihre Brut so früh wie immer zur Schule zu bringen, wo man doch eigentlich erst auf dem Rückweg vom Feiern nach Hause ist. - Vielleicht schützt man damit die Lehrer ja auch besonders, auf jeden Fall macht es wenig Sinn in dieser Woche Unterricht zu geben, also lassen wir uns nicht von den Strebern und Asketen blamieren und machen lieber gleich eine Woche zu.

Ein großes Lob muss man an dieser Stelle auch mal unserem öffentlichen Nahverkehr aussprechen, der es inzwischen einfach und bequem macht, nicht mehr mit dem eigenen Fahrzeug nach Santa Cruz fahren zu müssen. - Einmal findet man eh keine Parkplätze in der Hauptstadt und dann muss ja einer immer nüchtern bleiben, um das lästige Gefährt spät oder früh wieder an seinen Ursprungsort zu manövrieren. - Man muss da nicht mal kritischer Natur sein um anzumerken, dass ab einer bestimmten Uhrzeit außer den Bus- und Taxifahrern kaum noch ein nüchterner Mensch unterwegs ist. - Eben da hat der öffentliche Nahverkehr, hier vertreten durch das Busunternehmen "Transportes Insular" ganze Arbeit geleistet und alle Busse und alle Fahrer die nur irgendwie noch aus eigener Kraft aus den Depots zu bringen war, den kompletten Nachmittag und die ganze Nacht hindurch bis zum Sonnenaufgang auf der Straße zu haben. - Von Los Llanos aus fuhren unzählige Sonderbusse und aus Los Cancajos gab es einen Shuttleservice der in den harten Zeiten alle paar Minuten einen Bus losschickte, um die vielen Indianer in die Hauptstadt zu bringen. - Niemand auf der Insel, der auch nur in Fußnähe zu einer Busstation wohnt, der musste mit seinem eigenen Auto bis nach Santa Cruz fahren, es kamen alle mit und die Wartezeiten hielten sich in durchaus vertretbaren Größen. - Das war früher anders, da reagierte man nicht so flexibel und zwang so die meisten Carnaval-Anhänger das eigene Auto zu bemühen. - Heute gibt es sicherlich Sonderschichten im Reinigen der Busse, denn das weiße Pulver trägt ja jeder Indianer staubig und flockig mit sich rum und wenn unsere Busse noch zehn Tage später immer noch diesen penetranten Geruch nach diesem Baby-Parfüm haben sollten, welches sogar den Säuglingsbäuerchen und Aa-Geruch unterbinden soll, dann riechen Sie uns das nach, es war für einen guten Zweck. - Bus- und Taxifahrer, das waren die Helden der letzten Nacht, Chapeau für solch einen Einsatz.


Ein reiner Verwandlungskünstler



Montag 04.02.08 - 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 16 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 79 % Luftdruck 1019 hPa
Höchsttemperatur heute 17,6 Grad - niedrigste Temperatur 13,1 Grad

La Palma per DschiPiEss

Neulich erreichte mich ein Angebot per Fax über die neueste Generation an Navigationsgeräten für Autos und ich konnte mich nur sehr schwer zurückhalten, mir so ein Wunderding zu besorgen, vielleicht kennt der ja eine Abkürzung zwischen El Paso uns Los Llanos, die mir noch unbekannt ist und vielleicht ja auch den rettenden Hinweis auf Parkplätze… - Sind Navigationsgeräte auf La Palma noch nicht wirklich der Renner, das Wandern mit GPS-Geräten macht sich aber auf unserer kleinen Insel, den oft mageren Weghinweisen sei Dank, immer breiter. - Inzwischen kann man sich sogar solche Geräte bei Contacto leihen und es gibt nun auch einen Wanderführer in deutscher Sprache, welcher dem technisch interessierten Wanderer durch unsere Landschaft geleitet und ihn mit den notwendigen Daten füttert. - Ich persönlich bin da viel zu konservativ, die meisten eingefleischten Wandergesellen wohl auch, habe mich aber davon überzeugen lassen, dass es eine nicht unbedeutende Gruppe an technophilen Menschen gibt, die man nur so überhaupt in die Natur hinaus bekommt. - Es macht halt manchen Menschen Spaß, alle vier Meter die Koordinaten des eigenen Standortes vor sich hinzusagen, oder gar andere Wanderer mit diesem Wissen zu beeindrucken. "Ist das nicht wieder schön hier oben auf dem Bejenado und dieser Weitblick - da kommt es von der einen Seite geflüstert: Waren Sie schon mal bei 28°36´17.85" N und 17°50´20.33" O, von da aus kann man erst gut gucken… Ja, ich weiß, das ist nicht die Philosophie der Wanderung per GPS-Gerät, aber wenn ich die Leute mit ihren kleinen Wunderkästchen abends in 28°38´18.02" N und 17°53´20.33" O beim Bier und vino sitzen sehe, wie sie losgelöst von der schweren Las sich Namen merken zu müssen auf ihren Geräten rumspielen, dann erinnert mich das doch schon sehr an den ewigen menschlichen Spieltrieb und das ist doch schön so.

Man kann sich nun natürlich für seine GPS gestützten Wanderungen bei Google-Earth vorher alle Daten saugen und dann einen Wanderplan erstellen, den man dann hier auf La Palma ausübt, aber das ist nicht wirklich erbaulich und außerdem kann man dort im Computer nicht wirklich alle Abhänge oder Unwegbarkeiten erkennen, welche unser Terrain so zu bieten hat. - Dafür gibt es jetzt den Wanderführer von Óscar Pedrianes García und Daniel Martín Gómez, das sind zwei, die sich wirklich hier auskennen, mit allen notwendigen Daten versehen und eben mit den gewissen Tricks, welche man bei solchen Unternehmungen auch beachten sollte. Den Wanderführer gibt es schon über ein Jahr, nun aber eben auch frisch in Deutsch aufgelegt, denn das größte Potential der "technischen Wanderer" vermutet man wohl richtig in dieser Sprachumgebung. - Zusätzlich kann man sich auf der Webseite www.talisca.com noch die entsprechenden Tracks und Waypoints herunterladen, welche man für die Wanderungen nach dem Buch "La Palma, das Wanderparadies" brauchen kann. - 30 Wanderungen sind dort beschrieben und auffällig gute Photos hat man in das Heft gepackt, so dass es Spaß macht, sich durch das Büchlein zu blättern. - Man tritt damit nicht an, den anderen Wanderführern Konkurrenz zu machen, da bleibt der Rother-Wanderführer La Palma wohl unangetastet, zumal gerade die neue 9. Auflage erschienen ist, der mit seinen 63 Wandervorschlägen nun noch umfangreicher geworden ist. - Aber es gibt immer mehr Wanderer, die eben auch Spaß und Freude daran haben, sich per GPS-Gerät auf unserer Insel zu orientieren, dafür ist das Buch von Óscar Pedrianes García und Daniel Martín Gómez hervorragend geeignet und allemal empfehlenswert. "La Palma - das Wanderparadies: 30 ausgewählte Routen". ISBN: 978-84-9829-104-9. 15,36 €. - Hier vor Ort habe ich das Heft auch schon gesehen, zum Beispiel gibt es dieses bei "Sorpresa" in El Paso, aber auch an vielen anderen Stellen zu kaufen.


GPS-Wanderführer von Óscar Pedrianes García und Daniel Martín Gómez




Montag 04.02.08 - 09:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 15 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 79 % Luftdruck 1021 hPa

Klärungsbedarf

Es ist keine echte Preisfrage mehr: Warum freuen sich die Einwohner Puerto de Tazacortes mehr auf die neue Kläranlage von Los Llanos, als die dortigen Bewohner? - Ganz einfach: Die bisherige Anlage in Los Llanos wurde bei Niederschlägen regelmäßig überschwemmt und entließ dann Teile des noch zu klärenden Unrats über den Barranco Tenisca hinab bis nach Puerto de Tazacorte. - Dort fließt aber das mit Regenwasser vermischte "aguas negras", so nennen wir die Brühe, nicht einfach in den ewigen Atlantik, sondern staut sich genau an der Brücke welche den Ausgang des Barranco de Tenisca in den Atlantik überspannt. - Früher, eben als alles anders war und nur manches besser, da hatte der Barranco noch einen natürlichen Abfluss ins Meer, bis der Neubau des Hafens die Sandablagerungen am Strand von Tazacorte so veränderte, dass sich nun der ganze Sand genau dort sammelt, wo das Wasser ins Meer fließen sollte und wollte. - Mühsam kratzt nun ein Raupenschlepper des Öfteren eine Öffnung in den Sand, damit das Wasser ablaufen kann, aber bereits die nächsten großen Wellen schütten diese Drainage wieder zu.

Oft hat man Abhilfe versprochen, neue Auffangbecken angelegt, aber trotzdem überschwemmte die Kläranlage mit der Regelmäßigkeit, mit der uns saftige Tiefdruckgebiete aus dem Westen besuchen und lieferten ungewollte Fracht hinab bis Tazacorte. - Einzige wirkliche Lösung ist natürlich der Bau einer neuen, dem Bedarf endlich angemessenen Kläranlage. - Viele Jahre dauerte es bis man die Mittel bereit hatte, denn aus dem Stadtsäckel wollte Los Llanos das nicht bezahlen. - Inzwischen baut man an der Anlage und nun heißt es, im Sommer könnte diese in Betrieb gehen. - Juan Ramón Hernández hat uns das verkündet, der weiß eigentlich um was es geht, war er doch "ewiger" Bürgermeister der Stadt Los Llanos, bis man ihn letztes Jahr aus dem popeligen Lokaldienst in die Höhe eines Rates für Infrastruktur im Provinzparlament gehoben hat. Die sind für den Bau der Kläranlage zuständig, haben sich aber auch europäische "Feder-Fonds" dazu besorgt, denn schließlich sind wir stramme Europäer, bis in die Tiefen der Peristaltik. - Auch vor möglichen Überschwemmungen der Klärbecken muss man zukünftig keine Angst mehr haben, der gesamte Klärprozess findet unter einer Abdeckung statt und man verspricht uns, dass man von der Anlage weder etwas hören, noch riechen wird. 3.000 Kubikmeter Abwasser soll die neue Anlage am Tag klären können und wenn das nicht ausreicht, dann soll man diese beliebig erweitern können, aber bis das so weit ist, fließt noch jede Menge Wasser, (und bitte nur Wasser) den Barranco Tenisca herab.





Sonntag 03.02.08 - 17:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad, Niederschlag 0,5 mm Luftfeuchte 79 % Luftdruck 1018 hPa
Höchsttemperatur heute 18,5 Grad - niedrigste Temperatur 12,2 Grad

So singe, wem Gesang gegeben…

Mit dem Carnaval ist das so ähnlich wie mit dem Kinderkriegen, nur ein bisschen geht nicht. - Obwohl ich sicher kein Kind von asketischer Traurigkeit bin, überfordert mich der hiesige Carnaval doch schnell. - Meine Frau meint immer, das käme vom Alter, ich meine zwar das läge an der aufkommenden Vernunft, aber das Ergebnis ist das Gleiche. Versucht man dann mal in diesen Tagen abends einfach mal "normal" mit seiner lieben Familie Essen zu gehen, dann wird es mit den Lokalitäten knapp, denn überall wo man flüssigen Schmierstoff in alkoholischer Qualität zum Verkauf bereit hält - und das ist in dem Fall von Restaurants, Kneipen oder Bistros nun mal der Fall - da ist der weißgepuderte Carnaval-Held nicht weit. In Los Llanos ist es eh unmöglich in diesen Tagen ruhig wegzugehen, die Restaurants die mit Carnaval nichts am Hut haben machen an den harten Tagen zu - und das sind alle bis kommenden Mittwoch - die anderen sind eigentlich nur noch im aufkeimenden Vollrausch zu betreten, denn es macht keinen Spaß, als nüchterner Passant und Außenstehender sich dem feiernden Volk zu nähern. - So schnell kann kein Mensch trinken, da plötzlichen Anschluss zu finden, also Entweder-oder. Wie bereits angedeutet, aus bestimmten Gründen, die wir hier nun nicht erneut auflegen müssen, finden die meisten Carnaval Veranstaltungen ohne mich statt und wenn wir dann halt unbedingt unserem lieben Hobby auch in dieser harten Zeit fronen wollen, das da nämlich heißt Essen gehen, dann bietet sich ein stilles Bergdorf an, oder eben gerade noch El Paso.

Dieser wunderbare, manchmal auch wundersame Ort hat ja die Gnade mal "entcarnavalisiert" worden zu sein und erst seit zwei Jahren findet dort wieder ein "Carnaval-light" statt, also müsste man doch auch ohne Vorwärmen dort einkehren können. - Bei Carlos ist immer gut Tisch angesagt, aber schon von außen erkannten wir die unendlich entrückten und fröhlichen Carnavalsgesichter, die sich so verzückt und seltsam auf den weich gewordenen Körpern hin und her bewegen, dass wir eigentlich schon den Rückweg beschlossen hatten. - Aber nein, der Appetit und der Wille auf das Recht des temporären Nichtcarnavalisten siegte und außerdem hat Carlos ja diesen wunderbaren Nebenraum, in dem es nur Tische gibt und keinen Tresen und da ist man sicher vor der feiernden Schar, denn die können gar nicht mehr sitzen vor lauter Frohsinn. Wer sich in diesem Zustand hinsetzt, der ist augenblicklich ein Opfer des Schlafes und diese Blöße gibt sich um diese Uhrzeit noch kein Mensch. - Also ab in den Nebenraum und auch Carlos selber war schon nervös angesichts der großen Schar an Pilgern der Fleisch gewordenen Ausschweifung, aber alles war noch heil und intakt und man hielt sich an das ungeschriebene Gesetz des palmerischen Carnaval, auch wenn es noch so juckt, in der Kneipe oder im Restaurant wird kein "Polvo" geworfen, das gehört sich draußen, dafür dann aber aus Kübeln. - Wunderbares Abendessen, so wie man das von Carlos gewohnt war und angesichts meiner lieben Begleitung war mein Schmerz gerade noch zu ertragen, nicht zu der fröhlichen Truppe von nebenan zu gehören. - Viele Völker haben viele Lieder und meist eines gemeinsam, wer besoffen ist, der meint singen zu können und das meist laut. - Auch unsere Helden hatten Gitarren dabei, Rasseln und irgendetwas was Rhythmus verbreitete und natürlich fingen die irgendwann zu singen an, der Rausch an sich ist ja nicht nur da um die Realität erträglich scheinen zu lassen, sondern auch um kommunikativ zu sein und das ist Singen auch. - Wer nun aber glaubte, da grölen 20 Carnaval-Hooligans nicht jugendfreie Slogans, der wurde schnell eines besseren belehrt. - Die meisten Leute hier sind eh recht musikalisch und manch einer hat auch eine überzeugende Stimme und was diese Truppe, die zusammen mindestens 60 Promille hatten, da von sich gaben an Volksliedern, das war beeindruckend und selbst aus der flüsternden Ecke der nicht alkoholisierten Gäste gab es Applaus, oder zumindest keine scharfen Blicke. - Da ich nicht mal im angetrunkenen Zustand singe, eben einfach weil ich empfindlich bin für schräge Töne, konnte wieder mal eine angenehme Lektion erfahren, wer nüchtern singen kann und musikalisch ist, der kann sich das nicht weg saufen, auch wenn er sich im Carnaval zumindest redlich Mühe dabei gibt.



Sonntag 03.02.08 - 09:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 13 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 71 % Luftdruck 1020 hPa

Kein Wetter ist auch Wetter

Da haben wir den Januar als außergewöhnlich warm und trocken hinter uns gebracht und wollten nun den Februar mit gepflegtem Nordost-Passat weiter spielen, da deutet sich auch dieser Monat schon wieder als Normalitätsverweigerer an. - Gerade mal zwei Tage konnte ein atlantisches Hoch so was wie Passat erzeugen, jetzt verdrückt es sich weit nach Westen als würde es vor unserem Carnaval fliehen wollen und lässt uns ohne erkennbares und eindeutiges Wetter zurück. - Das starke afrikanische Hoch hat sich abgeschwächt, das nun westlich von uns liegende Hoch verliert stündlich mehr Einfluss auf uns und dazwischen verliert, ein eigentlich viel zu weit nördlich liegendes Tiefdruckgebiet ein paar Wolkenfelder, die uns auch tatsächlich erreichen können und unter Umständen für Niederschläge heute sorgen. - Sind wir erst mal komplett vom Nordostwind befreit, dann ist es sogar eher wahrscheinlich dass es heute ein bisschen regnet, aber ergiebig sehen die Wolkenbänke nicht aus, die sich dort im Nordwesten der Insel bereits positioniert haben.

Wie es dann weitergeht, das könnte auch das Losglück entscheiden, weil eben kein deutliches Wetterphänomen unseren Umkreis bestimmt. - Das Global Forecast System meint allerdings, dass das nordafrikanische Hoch wieder unser Wetter lenken wird, also erneut mit Wind aus Südost, trocken und zu warm, für diese Jahreszeit. - Könnte sein, denn sonst ist weder Hoch noch Tief in Sicht, welches sagen könnte wo es lang geht, eine unschöne Situation, weil man nicht wirklich weiß, was die nächsten Tage dabei rüberkommt. - Die Chance auf richtigen Regen, bis auf die kleinen Schauer die heute fallen können, bleibt weiterhin gering, obwohl es langsam fast dringend wird, dass wir Niederschläge erhalten. - Ja, aber bloß nicht während des Straßencarnaval und auf gar keinen Fall morgen, am "Día de los Indianos". - Reichlich Baby-Pulver auf den Straßen und Regen, das verträgt sich nämlich überhaupt nicht. - Nicht nur, dass es keinen Spaß macht wenn einem die Schminke aus dem Gesicht gewaschen wird, das wird höllisch glatt auf dem Boden, wenn das Talkum-Pulver mit Regenwasser versetzt wird und erhöht, die nach alkoholischem Genuss sowieso schon vorhandene Tendenz der Grundberührung auf ein Vielfaches. - Aber danach, da wäre der Regen höchst willkommen, nicht nur weil der trockene Boden schon danach ruft, das würde auch den vielen fleißigen Händen helfen, welche immer nach dem Carnaval versuchen das weiße Pulver wieder aus dem Stadtbild verschwinden zu lassen.



Samstag 02.02.08 - 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 47 % Luftdruck 1020 hPa
Höchsttemperatur heute 22,1 Grad - niedrigste Temperatur 12,8 Grad

Samstagabend, mal wieder Zeit für eine Geschichte von Enrique Naumann:

Herr Willkeinetüte

Seit gewissermaßen Urzeiten bin ich besorgt wegen der Plastifizierung der Insel. Ich bin da nicht der Einzige, das weiß ich, aber erst vor etwa fünf oder acht Jahren habe ich mich aufgerafft, aktiv etwas dagegen zu tun. Vermutlich und/oder sogar bestimmt bin ich auch diesbezüglich nicht der Einzige. An den Bananenzelten kann ich persönlich nichts ändern und an dem durch sie regelmäßig anfallenden Plastikschrott. Gegen die allgegenwärtigen und übermäßig großzügig verteilten Plastiktüten jedoch müsste ich nach meinem Dafürhalten selbst angehen können. Und immer wieder dachte ich sozusagen mit Wehmut daran, dass schon vor 25 Jahren in manchen Supermärkten auf Teneriffa drei Peseten für eine Plastiktüte verlangt wurden. Ob das noch so ist, weiß ich nicht.

Dann kam ein rettender Denkanstoß. Jemand brachte einen kleinen gebrauchten Computer aus Deutschland mit. Er war in einem stabilen Leinenbeutel als Handgepäck transportiert worden (ging damals noch). Prima zum Einkaufen, kam mir in den Sinn; und ich durfte das Säckchen behalten. Nun könnte ich unserer Plastiktüten-Ansammlung in einer Küchenschublade Grenzen setzen. So leicht wie ich mir das vorstellte, ging es aber gar nicht. Meinerseits an den Leinenbeutel denken beim Streben zu einem Supermarkt, das funktionierte recht schnell. Bei dem mit meinem Ansinnen befassten Umfeld musste ich viel mehr aufpassen. Wie blitzschnell Verkäuferinnen meine Einkäufe vom Kassentisch in einer oder mehreren Tüten verschwinden lassen konnten, war mir mit meinem im Grunde bedächtigen Gemüt nie zuvor aufgefallen. Das musste ich bei meiner Strategie zur Tütenvermeidung berücksichtigen. Da ich den Beutel auch beim Zusammensuchen der von mir gewünschten Ware benutze, passierte es zunächst häufig, dass die Verkäuferin schon reflexartig, mit der erwähnten Blitzesschnelle und in der ihr gewohnter Weise das Einpacken in Plastiktüten besorgte, während ich vielfach noch im Geldbeutel nach dem jeweils passenden Betrag suchte. Deshalb sagte ich später rechtzeitig, ich hätte schon eine Tüte. Der Erfolg war nicht immer zufrieden stellend, denn die Verkäuferinnen sind Derartiges nicht gewöhnt und überhörten immer mal wieder mein Angebot. Auch das habe ich jedoch nun im Griff. Es erforderte allerdings meinerseits eine gewisse Flexibilität: Ich musste so genau wie möglich die nächsten von meinem Kassengegenüber vorgesehenen Handlungen einschätzen.

Zunächst sagte ich nachdrücklicher und lauter als vordem, dass ich schon "ausgerüstet" sei. Auch da blieb mir jedoch der Erfolg bisweilen versagt. Die Botschaft hörten die Kassiererinnen schon, allein es fehlte das Verständnis. Mit der Zeit brachte ich sie aber dazu, meine Sonderwünsche zu akzeptieren, indem ich beharrlich darauf bestand. Ein Etappenziel schien erreicht und das wurde deutlich, als mich mal eine fragte: "?No trae bolsa hoy?" Das ging meine Gurgel herunter wie Olivenöl, ein echtes Erfolgserlebnis! Beharrlich nerve ich seitdem mit meiner Pingeligkeit auch andere Abteilungen im Supermarkt wie die Wursttheke - für mich reicht das Papier um meine 20 Scheiben Kräutersalami vollkommen aus, oder das Preisschild direkt auf eine Stange Lauch geklebt, die ich demonstrativ mit bloßen Fingern zum Wiegen bringe. Klar, heißt es dann bereits bisweilen, wie immer (anfangs kam man mir manchmal mit Einwänden - europäische, scheinbar unerbittliche Normen und dergleichen, aber die wischte ich mit Appellen an den Inselpatriotismus hinweg: Brüssel, wo ist denn das überhaupt!). Und auch andere Verkaufsstätten verschone ich nicht mit meiner Manie: Ein Schächtelchen Vitamintabletten aus der Apotheke, sechs Schrauben aus der Ferretería, ein Sträußchen Petersilie aus dem Tante-Emma-Laden nebenan und dergleichen . . . ich weigere mich, solche Kleinigkeiten einpacken zu lassen, wenn ich sie auch ohne Plastik heimbringen kann, und ertrage heroisch den vielfach kaum versteckten, etwas grüblerisch scheinenden Blick meines Gegenübers: Was will denn der? Nun ja, ist eben ein Guiri, Subspecies Cabeza Cuadrada; solche Typen kommen auf die komischsten Ideen. Der Migrationshintergrund lässt nicht locker.

Gut, ich mache auch Ausnahmen. Beliebt sind allgemein besonders die großen Plastiktüten, um den Hausabfall darin zu verstauen und zu gegebener Zeit von der Müllabfuhr abholen zu lassen. Wenn es an denen im Haus mangelt, gehe ich bewusst ohne Leinenbeutel zum Einkaufen. Die Müllmänner nehmen die - hernach mit Abfall gefüllten - Plastiktüten aus den Supermärkten anstandslos mit; allerdings, und das ist vielleicht nicht überall bekannt, können sie verlangen, dass ihnen der Abfall in großen "amtlichen" Müllsäcken zur Abholung bereitgestellt werden muss - jenen schwarzen Ungetümen, die käuflich zu erwerben sind. Von diesem Recht machen jedoch die Müllmänner kaum Gebrauch - es sei denn, man verdirbt es sich mit ihnen; bei Zwischendeponierung in Container werden andere, nicht von klassischen Müllmännern bewerkstelligte Abholmethoden angewendet.

Zurück zu den Einkaufsstätten mit der epidemischen Plastiktüten-Unkultur. Inzwischen wende ich noch einen weiteren Trick an, der es mir erleichtert, meine Abneigung gegen den Tütenterror auszuleben. Wenn ich dran komme mit Bezahlen, begrüße ich deutlich und gut vernehmbar die jeweilige Kassiererin, bisweilen sogar mit ihrem Namen, wenn er mir denn gerade einfällt, und mache damit meistens automatisch darauf aufmerksam: Aha, hier kommt der Señor Noquierebolsa (Herr Willkeinetüte). Außerdem habe ich inzwischen mehrere Leinensäckchen zu meiner Verfügung; ab und zu kommt mir einer abhanden, nämlich dann, wenn eine Kassiererin mich ganz herzallerliebst um so ein Utensil bittet.

Die Inselregierung hat vor Jahren mal um die 1000 Leinensäckchen zu Einkaufszwecken kostenlos verteilt. Man sieht sie sehr selten in der Öffentlichkeit, denn sie werden in der Regel in den Räumlichkeiten der Haushalte zur Aufbewahrung der Brötchen verwendet. Und was meine Manie betrifft - da können viele Landsleute sagen, na und, machen wir doch schon immer. Das gebe ich zu, eingangs habe ich das ja auch schon angedeutet, und schäme mich etwas für meine jahrzehntelang ausgelebte Rückständigkeit. Aber ich bitte um mildernde Umstände: Ich bin, ebenfalls seit Jahrzehnten, mental zusehends von meinem Heimatland abgenabelt worden.



Samstag 02.02.08 - 10:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 14 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 72 % Luftdruck 1021 hPa

Hoffnungsvolle Baustellen

Seit einem Jahr etwa buddelt eine Firma im Auftrag der Provinzregierung auf der alten Hauptstraße zwischen Los Llanos und El Paso dicke Abflussrohre in die Erde. - Hehres Ziel dabei ist es, die gesamte Bebauung an der Straße, welche hier "Paso Abajo" genannt wird, an die Kanalisation anzuschließen, welche dann irgendwann in der neuen Kläranlage von Los Llanos ankommen wird. - Man weiß allerdings noch nicht, ob die Kanalisation eher fertig wird oder die neue Kläranlage. - Grundsätzlich ist sogar vorgesehen, später über diese enorme "Fallleitung" die gesamten Abwässer des Ortskerns El Pasos damit in die Nachbargemeinde zu schicken, die da "Unten" werden sich darüber besonders freuen. - Da es aber eine Arbeit ist, welche die Provinzregierung in Auftrag gegeben hat, wie übrigens die kommende Kläranlage in Los Llanos auch, werden auf solche lokalen Rümpfnasen keine Rücksichten genommen. - Die Anwohner des "Paso de Abajo" sind über diese Baumaßnahmen eh nicht begeistert, einmal lebt es sich prima mit den seit Jahrhunderten erprobten Sickergruben und man befürchtet nur in Zukunft auch noch für die Abwässer bezahlen zu müssen. Aber hauptsächlich war und ist es in Teilen ein täglicher Kampf überhaupt zu seinem Haus zu kommen, weil man fast überall abgesperrt hat.

Da die Straße so schmal ist, war es nicht möglich nur eine Fahrspur zu sperren und auf der anderen Seite zu arbeiten, man musste komplett beide Fahrspuren zumachen, denn so ein Bagger und andere Baumaschinen haben nur mal einen Arbeitsradius der sich nicht automatisch an die engen Straßen El Pasos anpasst. - Hunderte von Beschwerden und Eingaben hagelte es auf dem Rathaus, obwohl man da für diese Bauarbeiten eigentlich gar nichts kann, aber der Bürger wendet sich in seiner Wut halt immer an die nächste Adresse einer Institution und die ist in diesem Fall nun mal das Rathaus. - Eigentlich sollten die Bauarbeiten jetzt fertig sein, aber es gab, wie kann es anders sein, bereits vor knapp drei Monaten einen Baustopp, weil die ausführende Firma es satt hatte, immer neue Zusatzarbeiten erledigen zu müssen die nicht im ursprünglichen Projekt enthalten waren und noch dazu konnte man sich mit den lokalen Technikern nicht einigen, ob denn an der schmalsten Stelle der Straße das Öffnen der Fahrbahndecke ein unter Denkmalschutz stehendes Gebäude zum Einsturz bringen würden. - Das ist jetzt ausgestanden, das Haus fällt wohl nicht um und man legt die Versorgungsleitungen einfach ein paar Meter anderswo lang. - Darüber hinaus ging es sicherlich auch um mehr Geld für die Baufirma, aber diese Verhandlungen fanden nicht hier vor Ort statt und auch wird Stillschweigen darüber bewahrt. - Nun hofft man im Sommer dieses Jahres fertig zu sein - mit dieser Hoffnung leben nun die Anwohner. - Für die Provinzregierung wird dieses Bauvorhaben aber auch noch aus anderer Hinsicht teuer. - Der gesamte Verkehr musste ja während der Bauzeit umgeleitet werden und so stieg die Anzahl der Fahrzeuge auf den lokalen Straßen in der Umgebung horrend an. - Dazu kommt auch noch, dass die schweren Baufahrzeuge auch diese kleinen Nebenstraßen benutzen, welche eigentlich nur für ein Gewicht von bis zu 3,5 Tonnen ausgelegt sind. - Folge davon sind, im wahrsten Sinne der Wortes zerbröckelnde Straßen rund um die Baustelle und die bereits formulierten Forderungen der Gemeinde an die Provinzregierung, alle diese Straßen neu zu teeren. - Wann das sein wird, darauf darf man auch gespannt sein, mündlich wurde es aber bereits zugesichert.



Freitag 01.02.08 - 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 21 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 51 % Luftdruck 1022 hPa
Höchsttemperatur heute 22,8 Grad - niedrigste Temperatur 14,0 Grad

Zorongo

Es ist ein bisschen gewagt, einen Sekt nach diesem traditionellen spanischen Tanz zu benennen, aber wer nicht wagt, der fällt nicht auf die Nase, gewinnt aber auch nicht. - Endlich ist er da, der erste Sekt aus La Palma, denn bislang sprach man immer mal wieder darüber, dass so etwas einfach fehlt hier. - Da kommt das nächste Wagnis, wer immer nur Wein an- und ausgebaut hat, der muss noch keinen guten Sekt machen, denn neben neuer Technik braucht so ein Geschäft auch ein, bei der Flaschengärung im wahrsten Sinne des Wortes, gerütteltes Maß an Erfahrung. - Es scheint gelungen, denn wir hatten sofort einen wirklich fachkundigen Tester, der so viel mehr von Wein und Sekt versteht als ich, der nur über Hopfen und Malz dozieren kann. - Was aber auf jeden Fall bemerkenswert ist, da tut sich was auf dem önologischen Sektor La Palmas. - Freilich hat man immer noch mit den vielen zweifelhaften Rotweinen zu tun, die zwar nach dem sauberen Ausbau im Edelstahlfass trinkbar geworden sind, aber einen wirklichen Vergleich mit deutlich billigeren Rotweinen von der Halbinsel kaum überstehen. - Beim Weißwein hingegen blüht das Geschäft und wirkliche Kenner der Materie haben mir auch versichert, dass gerade die hohen Anbauflächen im Norden der Insel hervorragende Weißweine hergeben, die von immer versierterem Ausbau profitieren. - So experimentieren auch immer mehr Bodegas, um uns ansehnliche und mutige Weißweine zu bescheren, die meist nicht nur interessant, sondern vorzüglich gelingen. - So wächst der Verkauf von Weißwein auch deutlich besser als der des roten Bruders und auf solch einer Erfolgsspur kann man ruhig weiterfahren. - Hier nun die Beschreibung des ersten Sektes aus La Palma, aktueller kann es eigentlich gar nicht mehr gehen, der ist eben erst getrunken worden.

Hallo Ingrid+Mathias,
es gibt den ersten offiziellen Schaumwein der Insel nun endlich auch zu kaufen. San Martín wurde heute Nachmittag damit beliefert. Die Flaschen stehen an der Stirnseite zum Weinregal-Gang gegenüber der Bäckereitheke.

Der Tropfen ist in traditioneller Flaschengärung hergestellt und in eine dickwandige Cavaflasche abgefüllt. Zorrongo heißt das prickelnde Getränk, der Name ist von einem alten spanischen Tanz übernommen. Originell ist das Lesezeichen mit einem Text von Frederico García Lorca zum "Zorongo gitano", das an der Agraffe hängt. Erzeuger ist Castro y Mogan in Tijarafe, besser unter der Bodegabezeichnung Tendal bekannt. Der Grundwein besteht aus Listán blanco und Albillo, der in auf 1200m Höhe in Tahonero gedeiht.
Der Wein ist als Brut Nature ausgebaut hat also nach EG-Weinrecht weniger als 6g Restzucker Erst war ich skeptisch, denn der Alkoholgehalt liegt nur bei 10%. Normalerweise wird erst der Grundwein in der ersten Gärung komplett durchgegoren und hat dann schon etwa 9-10% vol. Alkohol. Dann wird mit einer zusätzlichen Dosage Zuckerwasser in die Flasche gefüllt, die dann in der zweiten Gärung die nötige Kohlensäure für den Schaumwein erzeugt. Dann schlägt die Zuckerdosage aber meistens mit zusätzlichen 2% Alkohol zu Buche.
Hier wurde der Grundwein nicht ganz durchgegoren und die verbleibende Restsüße dann in der Flaschengärung zu Alkohol umgesetzt.

Das Mousseux ist feinperlig, fast wie bei deutschem Winzersekt. Die säurebetonten Grundweine haben sich im Schaumwein ihre Frucht erhalten. Der Zorongo riecht noch dezent nach Hefe, ganz normal bei Flaschengärung, dazu kommt ein feiner Duft nach Zitrone und Grapefruit, der sich auch im Mund so wiederfindet. Also kein Blender der nur gut riecht und bescheiden schmeckt. Ein feines unkompliziertes Tröpfchen, genau recht für den Día de los Indianos zum Polvo runterspülen oder ein schönes Fischessen am Aschermittwoch.
Man muss ihn also nicht bei der Beerdigung der Sardine zum Löschen des brennenden Drahtgestells benutzen.

Zorongo
Alc 10% vol
Vino espumoso
Brut Nature
Preis ca. 7 Euro.

Prost


Der erste Sekt aus La Palma



Freitag 01.02.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 14 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 61 % Luftdruck 1024 hPa

Mein Carnaval, dein Carnaval

Die Polemik um den Weißen Carnaval und insbesondere um die Betitelung als "Día de los Indianos" geht weiter, denn hier auf La Palma und da halt insbesondere in Santa Cruz ist man der Meinung, nur hier auf der Insel dürfe man den Carnaval so feiern und nicht anderswo. - Vor ein paar Jahren begann man in Las Palmas, der Hauptstadt Gran Canarias auch das berühmt, berüchtigte Talkum Pulver zu werfen, ganz einfach wohl, weil es auch den Canariones Spaß macht. - Angefangen hat das übrigens wohl mit einer Gruppe Exil-Palmeros auf der großen runden Insel, die den Leuten da mal zeigen wollte, wie man Carnaval auf La Palma feiert. - Und siehe da, auch denen bereitet es Freude sich gegenseitig so richtig weiß zu machen, mit allen Sinnderivaten welche man in die Bezeichnung "hechar polvo" hineindeuten kann. - Anfänglich reagierte man auf La Palma nicht so abweisend heftig gegen das weiße Treiben auch in der Hauptstadt Gran Canarias, bis die dortigen Organisatoren diese staubige Form des Feierns auch in das offizielle Programm des Straßencarnaval aufnahmen. - Das geht dann doch zu weit und jedes Jahr aufs Neue beschwert man sich seitens des Rathauses unserer Hauptstadt mit flehenden bis drohenden Briefen in Richtung Las Palmas, doch bitte dieses Plagiat nicht in deren Programm aufzunehmen. - Babypulver schmeißen, das macht man nur hier auf La Palma und das soll auch so bleiben, wenn das jeder machen würde, dann ist es ja nichts Einzigartiges mehr und unser Brauchtum würde verwässert und banalisiert.

Warum man sich so zickig hat mit dem weißen Pulver, das ist schon nachzuvollziehen, auch wenn es sich übertrieben lokalpatriotisch anfühlt. - Wir als kleine Insel haben das oft genug erlebt, dass man unsere regionalen Sitten und auch Produkte anderswo kopiert und dann mit den größeren Mitteln und einfach weil es anderswo viel mehr Menschen gibt, dort erfolgreicher handhabte als es bei uns mit unseren bescheidenen Möglichkeiten geht. - Die Alptraumvorstellung wäre, dass in ein paar Jahren Tausende von Menschen zum Carnaval nach Las Palmas reisen, weil man dort ja diesen skurrilen Brauch pflegt, sich am Rosenmontag weiß zu kleiden und sich gegenseitig mit Babypulver bewirft. - Da die meisten nur feiern, nicht aber wissen warum sie das auf diese oder jene Art und Weise praktizieren, könnte das schon passieren und wen interessiert es dann noch, wo dieses Spektakel ursprünglich herkommt. - Auf der anderen Seite kann man auch niemandem verbieten "Venezianische Nächte" auf unseren Carnavalsveranstaltungen zu praktizieren und wenn man ehrlich ist, dann kopiert die halbe Faschingswelt das ausschweifende Treiben wie man es in Rio de Janerio zelebriert, oder tut zumindest so. - Sicher kommt es ursprünglich auch nicht mal aus der Stadt an der Copacabana, sondern wurde wohlmöglich aus irgendeinem kleinen Kaff in die große Stadt geschleppt, aber daran erinnert sich halt niemand mehr. - Aus Las Palmas kommt so auch eine ernüchternde Nachricht zurück - immerhin, man beantwortet unser Anliegen - es sei nicht möglich den ausdrücklichen Wunsch der dortigen Carnavalisten zu ignorieren und diese Art zu Feiern zu verbieten. - Man weist aber darauf hin, dass man diesen Programmpunkt nicht wie in Santa Cruz de La Palma als "Día de los Indianos" proklamiert, sondern als "Pasacalle Tradicional". - Das bedeutet nichts anderes als traditioneller Straßenumzug und auch da kann man schon wieder einhaken, dass man nicht darauf hinweist, dass diese Tradition aus La Palma kommt und nicht aus Las Palmas. - Dieser Streit wird weitergehen, denn dort auf Gran Canaria haben die Narren enormes Gefallen gefunden am Pulver werfen und jedes Jahr nehmen mehr Menschen an der Veranstaltung dort teil.





Familie Ingrid & Mathias Siebold
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E-38750 El Paso
La Palma, Islas Canarias, Spanien
Tel & Fax von Deutschland: + 34 922 497216
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Kanarische Ferienhäuser auf La Palma