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Nachrichtenarchiv Februar 2006


Dienstag 28.02.06 - 16:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 13 Grad, Niederschlag: 10 mm, Luftfeuchte HI % Luftdruck 1005 hPa
Höchsttemperatur heute: 13,9 Grad, niedrigste Temperatur: 10,8 Grad

Hi sagt mein Hydrometer

Was will uns dieses Glanzstück der modernen Messtechnik damit sagen? Ganz einfach, ab 95% relativer Luftfeuchte verschluckt sich der Apparat und meldet uns so eine netten und nassen Gruß. Der Regen hält die Karnevalisten zum Narren, in Santa Cruz de Tenerife ist der große Umzug schon aufs Wochenende verlegt worden. In Los Llanos, allerdings habe ich keine offizielle Bestätigung, kann auch nichts stattfinden. Der Wind und der immer wieder auftretende Regen würden die Instrumente und Verkleidungen doch nur kaputt machen, man wird wohl auch dort den "Coso" am Wochenende nachholen müssen. Es ist übrigens auch gleichzeitig der bislang kälteste Tag des Jahres, 13,9 Grad als Maximaltemperatur sind nicht gerade schweißtreibend, es gehen Gerüchte um, die ersten Leute trügen nun bereits zwei Paar lange Unterhosen, übereinander, ein Feinrippsandwich sozusagen.

Am Flughafen konnte bislang keine Maschine landen, "Cancelado" wiederholt sich ein ums andere mal auf der Anzeigentafel. Ob sich noch mal ein Fenster öffnet, durch welches doch noch ein Flieger reinschlüpfen kann ist nicht auszuschließen, aber wenig wahrscheinlich. Alle heute an und abreisenden Gäste werden nun in Hotels gebracht, um dann morgen erneut einen Versuch zu unternehmen, nach La Palma zu kommen. Die Gäste, welche heute weg wollten, die können auch nicht fliegen, palmerische Wetterarithmetik, wenn kein Flieger landen kann, dann ist auch keiner da, der starten kann. Allerdings ist genügend Platz in unseren großen Hotels, die frischen nun ihre schwache Auslastung ein bisschen auf. - Vielleicht hat man ja auch deshalb so viele Hotelbetten gefordert, damit man die hier gestrandeten Urlauber ordentlich unterbringen kann. - Für Morgen sieht es schon viel besser aus, der Wind dreht bereits eher nordwestlich und wenn er ganz auf Nord angekommen ist, dann kann der Flugverkehr auch wieder aufgenommen werden. Ob die Fähre heute Nacht fahren kann, das ist ungewiss, der Atlantik benimmt sich äußerst rüpelhaft. Wir hatten aber eine Chance für einen kleinen Ausflug nach Tazacorte und ich habe ein paar Photos mitgebracht vom Hafen und dem Strand. HIER geht es zu den Photos. Übrigens musste der Photograph ein paarmal sprinten, um nicht vom Atlantik nass gemacht zu werden.


Puerto de Tazacorte



Dienstag 28.02.06 - 09:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 12 Grad, Niederschlag: 6 mm, Luftfeuchte 81 % Luftdruck 1005 hPa

Vom Winde verweht

Die Indianer konnten gestern Nacht in Santa Cruz noch gut feiern, dann schwoll der Wind allerdings zu ausgewachsener Sturmstärke an und brachte Hagel, Regen und sogar Gewitter auf die Insel. Der Flughafen ist geschlossen und nun überlegt man, die heutigen Umzüge zu verschieben oder gar abzusagen. Der Hagel mitten in der Nacht war gespenstisch, sicher nicht von Rekordgröße, aber wir sind geographisch auf der Höhe der Sahara und da ist man anderes gewohnt. Es ist nicht das erste Mal, dass Wetter dem Karneval zu schaffen macht und für die Organisatoren beginnt nun eine Zitterpartie. Lassen wir den Umzug stattfinden und wenn was passiert sind wir die Dummen, oder verschieben wir den Umzug und sind dann auf alle Fälle die Schuldigen. Für heute Abend ist der große Umzug in Los Llanos geplant, alle Prognosen für das Wetter versprechen aber bis dahin keine Besserung, vielleicht lässt der Wind ein bisschen nach, es wird aber noch mehr Regen erwartet.

Eigentlich will man niemanden vor die Tür schicken bei dem Wetter, die Straßen sind von Mandelkonfetti überzogen, überall liegen die vom Wind abgerissenen Blütenblätter umher und wollen so gar nicht von der ausgelassenen Fröhlichkeit berichten, die an Karneval eigentlich angesagt ist. Kaum jemand ist auf der Straße unterwegs, auch jetzt um 09:00 Uhr scheint die Insel noch ausgestorben zu sein. Viele liegen noch, mit auf dem Feld der Karnevalehre erworbenen Kopfschmerzen im Bett, die anderen scheinen sich zu weigern, bei diesem Wetter ihr gewärmtes Kopfkissen loszulassen. Bizarr sieht die Insel aus bei solchem Wetter und so gar nicht verbrauchergerecht, das muss aber jeder wissen, der sich mit uns einlässt. Wir sind der erste Fels im Atlantik und jedes Wetter vom Westen erwischt uns ungebremst und heftig. - Morgen schon dreht der Wind wieder auf Nord und dann weiter auf Nordost, da wo er hingehört.



Montag 27.02.06 - 19:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 14 Grad, Niederschlag: 14 mm, Luftfeuchte 79 % Luftdruck 1008 hPa
Höchsttemperatur heute: 16,1 Grad, niedrigste Temperatur: 13,8 Grad

Nierenbeckenkarneval

Solidarität mit Düsseldorf könnte man das nennen, es ist so grau, nass und kalt heute auf La Palma, dass einem fast automatisch ein Helau aus dem Mund kommt anstatt eines fröhlichen "salud". Dabei sind es bei uns immer noch 15 Grad, aber der Wind pfeift und eben nicht unser Wind, der aus der ganz anderen Richtung kommen müsste. Auf der Ostseite war heute das Wetter deutlich besser als hier, aber das ist klar bei Westwind. Allerdings ist zu befürchten, dass die Indianer in Santa Cruz auch noch Regen abbekommen, leider mit den bereits erwähnten Folgen. Am Flughafen wurden bereits mehrere Verbindungen gestrichen, gegen 15:00 fing der Nordwestwind an seinen Böen auch auf die Ostseite zu schicken. Die Condor aus München konnte aber noch problemlos landen bei uns, die Transavia aus Amsterdam musste in Tenerife Süd landen. Morgen müssen wir das karnevalistische Sauwetter noch aushalten, dann können die Indianer ihre erst frisch erworbene Nierenbeckenentzündung auskurieren, es soll keiner sagen, er hätte nichts gehabt, vom Karneval 2006.



Montag 27.02.06 - 08:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 15 Grad, Niederschlag: 0,5 mm, Luftfeuchte 84 % Luftdruck 1012 hPa

Die Indianer und die "Negra Tomasa"

Heute findet in der Hauptstadt der absolute Karnevalshöhepunkt statt, man feiert den "Día de los Indianos". Jetzt muss man aber erst mal erklären, bei den Indianos handelt es sich nicht um die tapferen Figuren, die wir sonst aus den Büchern Karl Mays und den Hollywoodstudios kennen, als Indianos bezeichnet man hier die Auswanderer, die in der damals noch neuen Welt, (heute ist auch dort der Lack schon ab) meist Kuba oder Venezuela ihr Glück versuchten. Viele von den Emigranten kamen nun als reiche Neuweltler zurück und prahlten mit ihrem gemachten Vermögen und ihren aus der neuen Welt importierten Frauen, eben dargestellt in der Figur der "Negra Tomasa". Über diese Leute, eben die Indianos, macht man sich nun lustig und das geht nur in Verbindung mit unaufhörlicher kubanischer Musik und dem Talkumpulver, welches die Hauptstadt in einer dampfenden weißen Wolke verschwinden lässt.

Der Straßenkarneval von Santa Cruz ist das traditionsreichste Karnevalspektakel auf La Palma. Man hat es seitens der Stadtverwaltung sogar geschafft, das "echar polvo", also das Bewerfen mit Talkumpulver auf den anderen Kanareninseln zu ächten, das dürfen nur wir. Ganz wichtig dabei, man kleidet sich ganz in weiß, oft bezeichnet man deshalb diesen Tag auch als den "weißen Karneval". Aber auch wer nicht in rein weißer Kleidung dort erscheint, ist es nach kürzester Zeit, das Talkumpulver, welches im normalen Leben Babypopos schützt, leistet in solchen Mengen ganze Dienste. Nur eines darf nicht passieren, Regen und leider sieht es die nächsten beiden Tage schon danach aus. Der Regen verwandelt das auf dem Boden liegende Pulver in Schmierseife ähnliches Material und dann braucht es keine großen Mengen an Alkohol mehr, um alle tapferen Indianer auf den Boden zu bekommen. Im Gegensatz zum täglichen Straßenkarneval von Los Llanos, beginnt der "Día de los Indianos" bereits am Vormittag. Die überwiegende Zahl der Menschen taucht aber erst gegen Nachmittag auf, da sieht man dann Karawanen an voll gepferchter Autos von West nach Ost fahren, allesamt mit weiß gekleideten Menschen im Interieur. - Abends und nachts kommen diese Karawanen dann auch wieder zurück auf die Westseite, die Kleidung immer noch weiß, die Leute aber sternhagelweiß.



Sonntag 26.02.06 - 18:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 20 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 73 % Luftdruck 1014 hPa
Höchsttemperatur heute: 20,7 Grad, niedrigste Temperatur: 12,8 Grad

Autos müssen draußen bleiben

Nach dem Waldbrand letzten Sommer in Garafía und Barlovento hatte man viele und auch große Pläne, derartiges in Zukunft verhindern zu können. Viele und große Pläne sind nicht übrig geblieben, die Brandschneisen werden ausgebaut und besser überwacht, einige Wasserdepots entstehen, für mehr wird es wohl nicht reichen, ein gutes halbes Jahr nach solch einem Brand, erlischt das öffentliche und damit politische Interesse an solchen Geschehnissen. - Allerdings ist es eh fraglich, wie viel man in angelegenen Gegenden tun kann, um einen Waldbrand völlig auszuschließen. Es hat sich bei dem Brand gezeigt, dass es fast unmöglich ist einen Brand zu bekämpfen an den man nicht rankommt. Vom Boden aus nicht, weil das Gelände dieses nicht zulässt und aus der Luft auch nicht, wenn Hubschrauber über einer völlig verqualmten Schlucht ihr Wasser abwerfen müssen, dann ist ein gezielter Einsatz nicht mehr möglich.

Brände verhindern heißt es nun, dazu wird man auch alle Forststraßen in der "Reserva Natural Integral del Pinar de Garafía" für den Autoverkehr schließen, nur noch autorisiertes Personal darf dort auf den Wegen fahren, zu Fuß kann man natürlich weiter diese Wege benutzen. Ob nun diese Maßnahme geeignet ist Waldbrände zu verhindern, da darf man zumindest ein Fragezeichen setzen, seitens der hauptsächlich betroffenen Gemeinde Garafía sieht man diesen Plan deshalb auch als zu restriktiv an. Der Beschluss kommt von der Umwelt und Raumordnungsbehörde und die können das beschließen, immerhin handelt es sich um eine "Reserva Natural" und nicht um normales Gemeindeterritorium. Dass die Behörde das ernst meint und nicht nur per Zeigefinder die Einfahrt in das, immerhin 984 Hektar große Gebiet verbieten will, erkennt man auch aus der Ankündigung, die Zufahrten per Zaun verschließen zu wollen. - Für Gemeinden immer ein zweischneidiges Schwert, es ist schön, wenn man viele Natur und Landschaftsschutzgebiete auf dem eigenen Territorium hat, das macht touristisch was her, man kann diese aber nicht nutzen, weil genau das, die Nutzung, ja nicht geschehen soll.



Sonntag 26.02.06 - 09:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 14 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 77 % Luftdruck 1014 hPa

El Paso setzt auf Natur

Die Farben unserer Stadtflagge sind schwarz, grün und weiß. Das Schwarz steht für die Lavaströme die sich durch unser Gemeindegebiet ziehen, das Grün für die dichten Kiefernwälder und das Weiß für die Passatwolken, welche der gleichnamige Wind über die Cumbre Nueva ins Aridanetal schickt. Das war immer so und wird sich wohl auch kaum ändern lassen, einen Strand bekommen wir nicht, nicht mal ein Zipfelchen Atlantik gehört zur flächenmäßig größten Gemeinde der Insel. Wir sind also fernab von den Versuchungen einen international konfektionierten Tourismus zu versuchen, ob nun aus Weisheit oder aus Mangel an Gelegenheit, da will ich mich nicht festlegen. - Allerdings muss auch gesagt werden, dass nicht alle Politiker auf dieser Insel und dem Weltenrund korrupt, einfältig und machtbesessen sind. Wir haben da in unserem Rathaus ein Grüppchen junger Leute, die zumindest mit beiden Beinen auf dem Boden der Tatsachen stehen und nichts von Golfplätzen und Monsterhotels säuseln, mit denen man in anderen Gemeinden das süße Gift der Illusionen verstreut.

Oft wird El Paso belächelt, wir gelten nicht als die Fortschrittlichsten, aber es stört uns wenig was andere von uns sagen, wir wissen was wir haben und machen etwas daraus. Lasst andere träumen von Hawaii und Jetset der eh nie kommen wird, wir setzen auf Natur und haben die Ehrlichkeit als Marktlücke entdeckt. Spötter mögen nun sagen, mehr habt ihr eh nicht, aber das ist schon in Ordnung. Die fliegende Taube des Hochglanztourismus ist nicht unser Ding, dafür haben wir einen Spatzen in der Hand, der aus verschiedenen Blickwinkeln schon mal die Größe eines Vogel-Straußes annehmen kann. Da konsequent weitergemacht kann uns nichts passieren, wer sich nicht als Miami oder Benidorm aufplustert, dem geht auch nicht so schnell die Puste aus. Die Kleider der anderen passen uns eh nicht, da sind zu viele Fragezeichen dran, die als Knöpfe dienen sollen, wir bleiben bei unseren Hemdsärmeln und gehen unseren Weg, Schritt für Schritt. El Paso heißt auf deutsch, der Weg aber auch der Schritt und nicht zwei auf einmal, dann stolpert man auch nicht.


El Paso La Palma



Samstag 25.02.06 - 18:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 18 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 75 % Luftdruck 1014 hPa
Höchsttemperatur heute: 19,5 Grad, niedrigste Temperatur: 11,7 Grad

Schlechtwäsche und Feinrippalarm

Der Passat hat sich bereits verabschiedet, der Wind, kaum spürbar kommt bereits aus westlichen Richtungen, hat sich aber noch nicht richtig entschieden. Wird er aber am Montag, da soll es heftig werden, aus Nordwest und für Dienstag erwartet man dann Sturmböen, es kann also gut sein, dass es Dienstag wieder Schwierigkeiten mit dem Flugverkehr gibt. Für Mittwoch ist aber bereits wieder Besserung angesagt, dann dreht der Wind wieder auf Nordost, genau da wo wir es her haben wollen. Auf dem Nordatlantik herrscht keine Ordnung, ein mächtiges Tief, noch weit nordwestlich der Azoren, drängt gen Westen und streckt bereits einen Ausläufer mehrere tausend Kilometer nach Süden. Der wird uns wohl auch erwischen, die Niederschläge erwartet man aber eher moderat, der Wind macht etwas Sorgen. Warum aber Feinrippalarm, sonst sind die Tiefs doch immer wärmer als der Passat? Das kommt halt darauf an, welchen Ursprung das Tief hat und auf welchem Weg es zu uns gelangt. Kommt das Zentrum des Tiefs etwa auf unserer Höhe daher, dann wird es wärmer und der Wind kommt aus Südost. Das Tief liegt aber deutlich weiter im Norden und bringt so kalte Luft zu uns. Man kann also durchaus wieder mit Schneefall in den Gipfelregionen der Insel rechnen. Wie es ganz genau kommt, das weiß immer nur der Wind ganz alleine...

Vielleicht weiß der Wind auch, warum die Reederei Armas uns immer wieder völlig überraschen will. "Unser" Schiff, Volcán de Tauce, war im Juli als stete Verbindung zwischen Tazacorte - Santa Cruz de La Palma und Tenerife angekündigt. Es fuhr ein paar Wochen lang, dann verschwand das Schiff im "Tenerife Dreieck", wurde aber immer noch im Fahrplan geführt. Im Winter lief es uns ein paar mal wieder an, war aber schon nicht mehr im Fahrplan ausgewiesen. Diese Woche erst verkündet man seitens der Reederei, man werde Tazacorte nicht mehr anlaufen, die Strömungen dort machen ein Anlegen zu umständlich und heute Mittag läuft der Kahn in Tazacorte ein und keiner hat´s gewusst. Allerdings ist das Meer heute auch spiegelglatt, vielleicht liegt es ja daran, dass uns der Volcán besuchen kommt. Willkommen in Tazacorte Volcán, kannst ruhig öfter kommen und uns vorher auch mal Bescheid geben.


Volcán de Tauce in Puerto de Tazacorte

Samstag 25.02.06 - 09:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 14 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 80 % Luftdruck 1016 hPa

Langsam sprechen und bloß nicht mit den Türen knallen

Geregeltes Leben und Straßencarneval, das ist ein schweres Unterfangen, diese beiden Vorhaben irgendwie zu harmonisieren. Dieses Wochenende geht es so richtig los, nur Greise, Asthmakranke und Spaßatheisten können sich dem Treiben wirklich entziehen. Was da nachts in den Straßen von Los Llanos los ist, kann man zwar beschreiben, der Leser wird es dennoch nicht nachvollziehen können, das hat tatsächlich etwas von Ausnahmezustand an sich. Erwachsene Menschen stülpen sich Affenkostüme um, bewerfen sich massenhaft mit Babypuder und versuchen in Rekordtempo ihren Körper mit Alkohol zu füllen. Das Abartige daran ist aber, dass es einen Heidenspaß macht sich in dieser Menschmasse treiben zu lassen, die allesamt nur ein Ziel haben und das heißt Spaß ohne Grenzen. Gut, das kennt man aus vielen eher katholen Regionen der Welt und es kommt ja nicht von ungefähr, dass die Klosterbrüder in der Fastenzeit das stärkste Bier brauten, irgendwie muss man da durch. Irgendwie muss man auch den nächsten Tag überstehen und da ist man pragmatisch hier, wer für dieses Wochenende oder die kommende Woche Termine gemacht hat, der sollte höchst vorsichtig mit seinem Gegenüber umgehen. Alleine die Frechheit zu besitzen, einen Termin in der Karnevalwoche zu vereinbaren ist schon suspekt, wenn es dann aber gar nicht anders geht, dann sprechen sie bitte leise, schlagen nicht mit den Türen und machen Sie auf keinen Fall schnelle oder heftige Bewegungen, das alles bereitet uns Schmerzen.

Aus verständlichen Gründe ist kommende Woche auch keine Schule. Wer soll die Kinder denn in das Lehrinstitut bringen und wie bitte sollten die Lehrer da zu einer, im Carneval völlig abartigen Zeit, ihren Dienst versehen? - Das geht natürlich nicht und so lässt man es in weiser Kenntnis unserer Konstitution gleich sein. - Jetzt ist als ständiger Begleiter des Carnevals hier bereits der Alkohol genannt, aber das ist wohl am Rhein auch nicht anders. Es gibt aber noch einen weiteren Protagonisten, das "Polvo". Früher nahm man Mehl dazu, heute ist es parfümiertes Talkumpulver, eben das was man den Babys auf den Hintern pudert, damit staubt man nun alle anderen Leute ein. "Echar Polvo" - Pulver streuen, hat viele Bedeutungen hier. Das geht von dem, was Sie gerade denken, bis hin zu allem, was man sich das ganze Jahr über nicht traut, mit seinem Gegenüber zu machen. Da ist eine kräftige Ladung Pulver auf dem Kopf ein herrliches Ventil. Mit genügend Alkohohl bekommt dann jeder sein Pulver ab und irgendwann macht es einfach Spaß, wenn jeder ganz und gar weiß ist. Es ist völlig irrelevant nun über die sozialhistorische Bedeutung nachzudenken, es gehört einfach dazu. - Haben Sie Nachsicht mit uns die nächsten Tage.



Freitag 24.02.06 - 17:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 15 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 78 % Luftdruck 1019 hPa
Höchsttemperatur heute: 16,4 Grad, niedrigste Temperatur: 10,6 Grad

Jetzt geht das Gebettel wieder los

Nein, ich kann es Ihnen nicht ersparen, wir wollen immer noch nach Berlin und haben immer noch nicht genug Geld. Wir sind zwar bescheidener geworden, jetzt sind es nur noch 35 Kinder welche die Gnade der Metropolensichtung erfahren soll, der harte Kern, die Theater und Musikgruppe. Das Haupt tief geduckt, voller Demut haben das heute Roberto und ich beschließen müssen, sonst fahren die Kinder noch als Rentner nach Berlin und das soll in 50 Jahren nicht mehr so lohnenswert sein. Die Privatspenden, das ist erfreulich, da sind immerhin schon knapp über 5.000 Euro zusammengekommen. Einen dicken Fisch, eine Firma, die sich damit bei uns und der Presse einschmeicheln will, konnten wir allerdings immer noch nicht für die Idee gewinnen, über Völkerverständigung nicht nur zu reden.

Also, Kriegskasse auf, wir nehmen fast alles, außer leeren Versprechungen aus Brasilien. Inzwischen konnten wir zumindest drei Termine ausmachen an denen es ginge, im April, Mai und Juni. Ich habe jetzt auch die Fluggesellschaften die in Frage kämen noch mal angeschrieben, das wäre ja die beste Möglichkeit den Hauptbatzen an Kosten zu minimieren. Vielen Dank im Voraus! Also, ich unternehme hiermit einen, sicherlich nicht letzten und noch nicht verzweifelten Versuch, Sie um eine Spende für die Schülerreise nach Berlin zu bitten. Vielleicht sprechen Sie auch andere an, Presse zu der Sie vielleicht persönlichen Kontakt haben, eine Firma mit freundlichen shareholdern, oder alle die Ihnen einfallen und die es auch für eine gute Idee halten, jungen Menschen mal die Möglichkeit zu geben, über ihren knappen Tellerrand hinaus zu gucken. - Ich sehe die Kinder schon vor mir, wie sie das Reichstagsgebäude erwandeln und die Kinnladen nicht mehr hochbekommen vor lauter Staunen. Ich sehe die Kinder auf dem Spreewaldkahn Gurken schmatzend und auf dem Kudamm schlendernd, Döner essend und Currywurst verzehrend, schaaaf oda nich so schaaaf und dazu Fassbrause schlürfend. Ich kann das sehen, wenn Sie das auch sehen wollen, Sie können etwas dafür tun...


Ich bin ein Berliner

Ich bin ein Berliner...



Freitag 24.02.06 - 08:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 12 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 74 % Luftdruck 1021 hPa

Gefühlte Unsicherheit

Martín Macho, einer der bekanntesten kanarischen Journalisten, sieht diese ganze Sicherheitsdiskussion auf La Palma bereits als vorgezogenen Wahlkampf an. Im Mai 2007 müssen sich unsere politischen Alphawesen erneut den Wählerstimmen stellen und es ist nicht ausgeschlossen, dass die bislang in absoluter Mehrheit regierende Partei Coalición Canaria eine satte Ohrfeige erhält. Es kann noch viel passieren bis dahin, aber das Geplänkel hat bereits begonnen. Die Vorzeichen haben sich ja verändert, in Madrid regieren nun die Sozialisten und nicht mehr die Bürgerlichen wie noch bei der letzten Wahl, da muss jetzt anders taktiert werden. Der Schmusekurs der Coalición Canaria mit den Sozialisten ist nur auf Ebene mancher Gemeinden aufgegangen, grundsätzlich und besonders im Inselparlament sind Coalición Canaria und die Sozialisten die heftigsten Widersacher.

So erklärt man auch die, nicht enden wollende Diskussion um die Sicherheit auf La Palma. Für die Guardia Civil und damit unsere stärkste Polizeitruppe ist ja der staatliche Vertreter zuständig und damit ein verlängerter Arm der in Madrid regierenden Sozialisten. Es vergehen kaum ein paar Tage, an denen nun besonders der Bürgermeister von Los Llanos (Coalición Canaria) den Vertreter der staatlichen Organe auf La Palma heftig attackiert und damit die gesamte Zentralregierung in Madrid meint. Jetzt hat der aber seinen "großen Bruder" geholt, José Segura, den man, gäbe es kanarische Minister, als Innenminister der Kanaren bezeichnen könnte. Hier gibt es aber keine Minister, sondern Räte und Abgesandte. Die Räte sind Eigenproduktion, die Abgesandten kommen aus Madrid und hauen uns ab und zu auf die Finger, wenn unsere Autonomie mal wieder ganz bunte Blüten wachsen lässt. José Segura besuchte die Polizeieinheiten der Insel, brachte als Geschenk vier neue Autos mit und versprach auch vier neue Polizeistationen für die Guardia Civil zu bauen. - Das hat er mit allen seinen Vorgängern gemein, welcher Partei die auch immer angehörten. - In Sachen innere Sicherheit La Palmas konnte Segura nur die offizielle Statistik bemühen und die sagt ganz eindeutig aus, dass La Palma in Sachen Kriminalität absolutes Entwicklungsland ist. Gibt es hier ein Gefühl der Unsicherheit, dann kann es sich nur um gefühlte oder politische Unsicherheit handeln. Trotzdem versprach er auch mehr Polizisten für La Palma in Madrid zu beantragen, scheint, dass der Wahlkampf wirklich schon im Gange ist. Das kann ja anstrengend werden bis in den Mai 2007 und Martín Macho hätte mal wieder Recht gehabt.



Donnerstag 23.02.06 - 18:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 17 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 65 % Luftdruck 1019 hPa
Höchsttemperatur heute: 18,7 Grad, niedrigste Temperatur: 12,2 Grad

Tote auf Gran Canaria durch Hauseinsturz

Eine Familie stirbt und dreizehn weitere Personen werden zum Teil schwer verletzt, als eine Stützmauer auf mehrere Eigentumswohnung stürzt. Heute früh bereits geschah dieser Zwischenfall in der Hauptstadt Las Palmas, die meisten Einwohner der luxuriösen Chalets waren noch schlafen, als die 75 Meter lange und 25 Meter hohe Stützmauer hinter den Häusern sich löste und auf mehrere der Wohnungen fiel. Die Häuser hatte man an den Hang gebaut und diese Stützmauer sollte dazu dienen, Steinschlag und ein Abrutschen von losem Material zu verhindern. Erste Vermutungen deuten darauf hin, dass die Mauer dem Druck des dahinter liegenden Materials nicht mehr standgehalten hat. Die starken Regenfälle auf Gran Canaria in den letzten Wochen könnten dafür verantwortlich sein, dass immer mehr Gewicht auf die Stützmauer geschoben wurde und diese schließlich nachgab. Es soll auch bereits Warnungen von den Anwohnern gegeben haben, dass die Mauer einen nicht sehr vertrauenswürdigen Eindruck machte, aber das kann auch ein Gerücht sein, in solchen Momenten schwirrt immer sehr viel an Halbwahrheiten durch die Menge.

Kein Gerücht ist, ein Ehepaar und der erwachsene Sohn der beiden sind dabei ums Leben gekommen, Vater und Mutter konnten bereits geborgen werden, den Sohn hat man mit Hilfe von Suchhunden bereits lokalisiert, man muss aber noch mehr Trümmer wegräumen. Da Teile der Stützmauer noch abzustürzen drohen, ist es auch für die Rettungskräfte nicht ungefährlich dort zu arbeiten. Von den Verletzten liegen zwei noch im Krankenhaus, die anderen konnten nach ambulanter Versorgung wieder entlassen werden. Insgesamt hat man nun alle Häuser die unter der Mauer standen evakuiert, an die 50 Menschen müssen nun vorübergehend in Hotels untergebracht werden oder kommen bei Familiemitgliedern unter. Anwohner aus der näheren Umgebung berichteten, sie hätten an ein Erdbeben geglaubt, es war noch dunkel als der Unfall geschah und erst später hätten sie gesehen, was dort eigentlich passiert war. Das Rathaus von Las Palmas hat nun für heute und morgen alle Karnevalsveranstaltungen abgesagt und diese auf den Sonntag verschoben. Photos von der Unglückstelle gibt es HIER



Donnerstag 23.02.06 - 08:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 14 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 72 % Luftdruck 1019 hPa

Kurznachrichten

Ein Glücksfall. Ein Autofahrer kam gestern Mittag mit seinem offenen Geländewagen bei Breña Alta von der Straße ab und stürzte einen Abhang herunter. Die Straßen auf der Ostseite waren von Regen nass und so vermutet man Aquaplaning als Unfallursache. Die alarmierten Rettungskräfte mussten den Fahrer aus seinem Auto befreien, man befürchtete das Schlimmste, aber außer leichten Verletzungen ist nichts weiter passiert, der Mann wurde dennoch ins Krankenhaus gebracht.

Ein Streitfall. Das Gezänke zwischen dem Bürgermeister von Los Llanos und dem Vertreter der staatlichen Organisationen auf La Palma geht weiter. Es geht um die Aufgaben der Polizeikräfte, welche denn für was zuständig seien und jeder wirft dem anderen vor, zu wenig für die innere Sicherheit zu tun. Der Bürgermeister von Los Llanos wirft dem Staatsvertreter nun vor, das Problem zu politisieren, der Staatsvertreter wirft zurück, mit dem selben Argument. Bislang steht es eins zu eins.

Ein Preisverfall. Der Winterschlussverkauf, hier "Rebajas" genannt, entzückt die Gewerbetreibenden der Hauptstadt. Der Chef der Vereinigung der mittelständischen Betriebe auf La Palma meldet deutlich höhere Umsätze als noch im vergangenen Jahr. Die Rebajas dauern vom 11. Januar bis zum 10. März, aber meist nur so lange bis man alles gekauft hat was man eigentlich gar nicht braucht, oder das Geld alle ist.

Ein Carneval. Der Bürgermeister der Hauptstadt Santa Cruz gibt bekannt: Ab Freitag darf nach 14:00 Uhr nicht mehr auf den großen Parkplätzen geparkt werden, die vor der Uferstraße am Meer liegen. Für den Straßencarneval wird die "Avenida Marítima" jeweils abends für den Verkehr völlig gesperrt und der Durchgangsverkehr über den besagten Parkplatz geleitet. Man empfiehlt auch, die Hauptstadt an den Abenden weiträumig zu umfahren, der Weg über Las Nieves und Velhoco dient da als Alternative. Das gilt für folgenden Tage: 24. 25. 26. und 28. Februar, sowie für den 1. 2. 3. und 4. März.

Ein seltener Fall. Der Genitiv.



Mittwoch 22.02.06 - 18:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 15 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 72 % Luftdruck 1020 hPa
Höchsttemperatur heute: 16,2 Grad, niedrigste Temperatur: 11,5 Grad

Abgeschwächter Abwärtstrend

Wie verpacke ich es richtig, oder wie mache ich aus einem Fiasko noch brauchbare Ergebnisse. Es geht um die Gästezahlen, welche La Palma zu ihrem Urlaubsziel gewählt haben und da sieht es nicht so gut aus. Wir liegen inzwischen wieder bei Werten die wir auch schon 1999 hatten. Der Dezember brachte ein Minus von 12,5% weniger internationale Gäste aber im Januar sind es nur noch 10% weniger. Die Zahlen vergleichen jeweils den Monat mit dem selben Zeitraum des Vorjahres. Da kann man doch von einem klaren positiven Trend sprechen, oder noch etwas progressiver, wir vergleichen Birnen mit Äpfeln. Nimmt man die Zahlen vom Dezember 2005 und setzt diesen den Januar 2006 vor die Nase, dann haben wir sogar ein Plus. 22.851 internationale Gäste besuchten uns im Dezember und 24.730 im Januar. Das ist doch ein Grund zum Feiern! - Dass uns im Januar immer mehr Gäste besuchen als im Dezember, warum muss ich immer so kleinlich sein, auch aus der schlimmsten Statistik lässt sich immer noch was Nettes rauskitzeln.

Verlassen wir den polemischen Boden, der ist immer so klebrig. Im gesamten Jahr 2005 haben wir noch eine positive Bilanz, nun holt uns aber die Wirklichkeit ein. Nimmt man die Gesamtumstände noch mit in die Bewertung, dann sieht es sogar noch prekärer aus. Die Aufenthaltsdauer der Gäste ist gesunken, die Gesamtzahl auch und das mit einem Bettenangebot, welches um mindestens 3.000 höher liegt als noch vor 2 Jahren. Es wird nun spannend, wie man seitens der Planer auf diese Zahlen reagiert. Man möchte ja meinen, man erkennt, dass mit Hoteltourismus auf der kleinen Grünen nichts zu holen ist und überdenkt einen immer noch möglichen Richtungswechsel, hin zu einem alternativen Angebot, welches sich deutlich von anderen Kanareninseln abhebt. - Kann natürlich auch sein, dass man diese, nicht gerade freundlichen Zahlen zum Anlass nimmt, noch mal auf die massentouristische Pauke zu hauen und nun sagt, jetzt erst recht, wir brauchen ganz schnell noch viel mehr Hotels, dass die Gästezahlen wieder ansteigen. Aber halt liebe Planer, nicht Bruttozahlen sollten uns interessieren, sondern das, was dabei für die Insel überbleiben könnte. Mir fällt dabei wieder die Geschichte von dem Spatzen und der Taube ein. Wie ging der noch mal---richtig!



Mittwoch 22.02.06 - 08:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 12 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 75 % Luftdruck 1021 hPa

Offizielles Aus für Tazacorte Fähre

Es hat nicht sollen sein. Nun ist es amtlich, die Volcán de Tauce wird Puerto de Tazacorte auch zukünftig nicht mehr anlaufen. Eigentlich ist es egal, ob die Fähre offiziell oder inoffiziell nicht mehr kommt, kein Schiff ist auch nicht da. Der Grund für die Aufgabe des Linienverkehrs mit Tazacorte ist eine Mischung aus ökonomischen Gründen und der Lage des Hafens. Es ist bei jeglicher Süd, oder Südwest Wetterlage kompliziert, wenn nicht sogar gefährlich, den Hafen anzulaufen. Im Winterhalbjahr trifft diese Wetterkonstellation öfter mal ein, selbst wenn die Reederei Armas den Linienverkehr aufrecht erhalten wollte, an vielen Tagen im Winter könnte das Schiff den Hafen nicht anlaufen. Darauf kann man kein solides Frachtgeschäft aufbauen, wenn die Transporteure nicht wissen ob das Schiff kommt, dann fahren die gleich durch den neuen Tunnel auf die andere Seite und laden dort bequem die Container ab. Es liegt auf der Hand, neben den nautischen Problemen, die jedes größere Schiff hat im Winter Tazacorte anzulaufen, bleibt die Lage des Hafens von Tazacorte, wir liegen zwei Stunden weiter von Tenerife entfernt als Santa Cruz, unsere Hauptstadt auf der Ostseite.

Leider haben die vielen Mahner und Grübler recht behalten, so schön der Hafen in Tazacorte auch sei, wirtschaftliche Bedeutung, außer der Fischerei und Ausflugsbooten wird dieser Hafen wohl nicht erlangen. Das dreifach eingesprungene EU-Paradoxon taucht da wieder auf. Man bezahlt uns einen wunderbaren Hafen, damit man die Bananen nicht mehr auf die Ostseite fahren muss, gleichzeitig einen schnellen Tunnel, damit man die Bananen schneller per LKW auf die Ostseite bekommt und drittens weist man uns darauf hin, dass unsere Bananen in Zukunft wohl eine "fruta non grata" seien, weil wir nicht für einen Euro in der Stunde arbeiten können, wie die Tagelöhner in Mittelamerika. - Der Hafen von Tazacorte wird so zum Industriedenkmal oder zum europäischen Denkmal für denk mal nach.



Dienstag 21.02.06 - 18:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 16 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 67 % Luftdruck 1019 hPa
Höchsttemperatur heute: 17,1 Grad, niedrigste Temperatur: 11,5 Grad

Das trägt man heute so

Mein ganzes Leben ist die Haute Couture an mir vorbeigesaust, ich bin ein Mann und für mich bedeutet Prêt-à-porter nichts anderes, als die Hose ist noch nicht zerrissen und die Flecken darauf könnten gewollt sein. "Fertig zum Tragen" ist Definitionssache und meine Frau wollte keinen Dressman, sondern einen, der die Kinder und den Kater ernähren kann. Ich weiß nicht mal welche Konfektionsgröße ich habe, muss ich auch nicht wissen, Clement muss das wissen, die Frau aus dem Laden wo ich eingekleidet werde und meine Frau, die mich Weihnachten mit irgendwelchen Markenklamotten so weit ausstaffiert, dass sie sich mit mir mal auf die Straße wagt. Ich habe keine Ahnung von Naik, Rehbock und Aidsdidas und habe noch bis vor ein paar Wochen Jack Wolfskin für den neuesten Jack London Film gehalten. Nun wissen Sie auch, was ich zu Weihnachten bekommen habe und nun weiß ich auch, dass Fliesen wärmen können. Pardon, fleece heißt das und das sind dann immer die Momente, in denen mir meine Kinder zärtlich über das dünne Kopfhaar streicheln und "es wird alles wieder gut Papa" zuflüstern. Wussten Sie übrigens, dass ein Jack Wolfskin Tecnopile Micro: 100er-Fleece, leicht, wärmend und atmungsaktiv, angepasstes Wärmerückhaltevermögen, Unterarm-Ventilation und Sturmkapuze hervorragend zu Schiesser Tausendsassa nordic Feinrippling, lang und grau mit Eingriff passt?

Meine Kinder sind ja nun im balzfähigen Alter und die stundenlangen abendlichen Gespräche über innere Werte und zu vernachlässigenden Äußerlichkeiten haben nur suboptimal gefruchtet. "Damit kann ich doch nicht in die Schule, da lachen mich doch alle aus, das hat man vielleicht vor hundert Jahren anziehen können, als du noch in die Schule gegangen bist." Es macht keinen Sinn zu diskutieren, ob ein bauchfreies T-Shirt bei 14 Grad angemessene Bekleidung ist und ich musste lernen, dass es schick ist, wenn die Unterhose (pardon, Slip) ein kleines bisschen über den Hosenbund hinauslugt, sonst kann man doch den Markenaufkleber nicht erkennen. Mir wäre das eigentlich egal, aber der Plunder ist so was von sündhaft teuer, da sind irgendwie die Dimensionen verrutscht. Nehmen Sie mich, 1,84 Meter lang. Zwei Hosen, zwei Hemden, ein paar Schuhe pro Jahr, das macht 110 Euro wenn man die Klamotten bei Clement und Rafa kauft. (Das Jahr lässt sich übrigens auch mal strecken..) Meine beiden Töchter sind beide an die 1,40 Meter lang, brauchen 12 Hosen und Röcke im Jahr, Hemden gibt es nicht mehr, sondern nur noch Tops, Blusen, Shirts, sweater, Nikis, Polos und wie das Zeug alles heißt und davon so viel, dass das Kinderzimmer inzwischen ein kaum noch begehbarer Kleiderschrank geworden ist. Von den Schuhen will ich gar nicht sprechen, da gibt es Exemplare, die genau so viel kosten wie mein komplettes Jahresbudget für Ganzkörperbekleidung.

Neulich wollte ich dem Kleiderwahn, oder besser Markenwahn mal ein Ende setze und habe zur Selbsthilfe gegriffen. Ein T-Shirt, rein weiß von Clement habe ich geholt und dann den Schriftzug eines Markenartiklers fein säuberlich drauf geschrieben, Ich weiß auch nicht, wie mir meine Kinder so schnell auf die Schliche gekommen sind und mir gleich das gute Stück um mein Jutehemd gehauen haben, sah doch ganz gut aus der Rehbock Schriftzug. Ein weiterer Versuch, die immer größer werdenden Löcher im Bekleidungshaushalt zu stopfen ist leider auch fehlgeschlagen. Antonia, die hat einen Laden mit diesen begehrten Markenartikeln und ruft mich vor zwei Wochen in den Laden. "Rebajas" heißt das Zauberwort, Ausverkauf. Sie legt mir alles vor, was meinen Kindern passen könnte, (woher weiß die, was meinen Kindern passt) und erzählte mir, was ich denn noch vor einer Woche dafür bezahlen hätte müssen. Da kann man nicht nein sagen und ich kann mich endlich mal beliebt machen bei meinen zauberhaften Kindern. Der Betrag war dennoch fern von meinem Begriff, was man für stoffartige Körperbedeckung ausgeben sollte, aber ich muss ein riesiges Schnäppchen gemacht haben. Allerdings kam der Krempel bei meinen Kindern nicht an, "Papa das ist doch alles herabgesetzt bei Antonia auf dem Krabbeltisch, das können wir doch nicht anziehen, das weiß doch die ganze Stadt, dass die Sachen aus dem Ausverkauf stammen." - Wundern Sie sich nicht, wenn da nun die nächsten Jahre ein Reiseleiter mit viel zu engen Markenklamotten durch El Paso irrt, das Zeug wird aufgetragen. Meine Frau machte mir sogar Mut: Der rosa Nicki mit den Rüschen stünde dir ganz gut, wenn du dreißig Jahre jünger wärst und eine Frau. Ich habe verstanden und nun trägt der Kater den geizigen Fehlkauf, der läuft durch den Garten damit und prahlt damit wie Oskar vor seinen felinen Kollegen: Guckt mal, ich bin ein Puma.


Puma-Paul



Dienstag 21.02.06 - 08:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 13 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 75 % Luftdruck 1018 hPa

Der Hafen von Santa Cruz möchte international werden

Seit Jahren ist das ein Lieblingsthema unserer Politiker, man möchte endlich den Hafen von Santa Cruz de La Palma als international erklären und damit als Grenzhafen des Schengener Abkommens. Bislang kann kein Schiff, welches nicht aus einem Hafen des Schengener Abkommens zu uns gelangt, auch bei uns anlegen. Für den Frachtverkehr bedeutet das, immer zuerst in Tenerife anlegen, verzollen und dann kann die Ware weiter nach La Palma. Da aber bei uns der absolute Großteil der Waren aus Ländern der EU kommt, oder von diesen geliefert wird, scheint es kaum sinnvoll dafür den enormen bürokratischen und personellen Aufwand eines internationalen Hafens zu rechtfertigen. Die Schiffe mit Fracht aus Ländern die nicht aus der EU kommen, würden wohl weiterhin zuerst einen der großen kanarischen Häfen anlaufen, ganz einfach, weil der Großteil der Ware auch für dieses Häfen bestimmt ist. Dort löschen sie aber komplett und laden neue Ware, ein Abstecher nach La Palma wäre da nur ein zeitintensiver Umweg.

Interessanter sieht es da bei den Kreuzfahrtschiffen aus, die haben ja nicht nur stille Fracht an Bord, sondern eine Vielzahl von Konsumenten. Nun geht es für die Häfen darum, diese Kreuzfahrer als erste bei sich zu haben, nur so entlädt sich die geballte Kaufwut der Passagiere und auch Besatzungsmitglieder. Die Kanaren und auch Madeira sind steuerlich bevorzugt und bei uns kosten Schnaps, Parfum und Zigaretten sogar weniger als in Dutyfreeshops und auf jeden Fall viel weniger als an Bord der fahrenden Luxusherbergen. Üblicherweise kaufen die Passagiere und Besatzungsmitglieder ihren "Reiseproviant" immer im ersten Hafen der Steuerparadiese und die danach besuchten Häfen gehen leer aus. Das ist bei uns enorm aufgefallen, die Leute gehen zwar runter von den Schiffen, machen organisierte Ausflüge oder einen Bummel durch die Stadt, aber mehr als ein paar Ansichtskarten oder einen Cortado kaufen sie uns nicht ab. Immerhin kommen im Jahr über 110.000 Kreuzfahrtpassagiere zu uns und noch mal 50.000 Besatzungsmitglieder, mit steigender Tendenz. Letztendlich sind die Bemühungen ein internationaler Hafen zu werden zum Großteil daher geschürt, auch an dem leckeren Kuchen dieser internationalen Butterfahrten teilzuhaben.



Montag 20.02.06 - 18:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 16 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 64 % Luftdruck 1019 hPa
Höchsttemperatur heute: 18,8 Grad, niedrigste Temperatur: 11,8 Grad

So ein schöner Hafen und keiner will ihn haben

Puerto de Tazacorte bleibt weiter ohne Schiffsverkehr, inzwischen taucht die Verbindung mit der "Volcán de Tauce" auch schon nicht mehr im Fahrplan der Reederei Armas auf. Es gab mal Nachrichten, dass die Fähre nur zeitweise nicht mehr Tazacorte anläuft, weil Strömungen das Einlaufen zu riskant machen. Ich kann das nicht bestätigen noch bezweifeln, muss aber davon ausgehen, dass es andere Gründe hat, die wohl eher auf wirtschaftlicher Seite zu suchen sind. Wenn es sich einfach nicht lohnt diesen Hafen anzulaufen, dann kann man keiner Reederei dieser Welt einen Vorwurf machen, wenn sie lieber andere Routen bedient. Aus Sicht der Gäste und Einwohner dieser Insel allerdings sehr schade, war es doch ein wunderbares Angebot eine kleine Kreuzfahrt von Santa Cruz nach Tazacorte machen zu können.

Dabei hat der Hafen von Tazacorte es eigentlich wirklich nicht verdient, derart links liegen gelassen zu werden vom Schiffsverkehr. Es ist nämlich ein architektonisches Schmuckstück, welches man uns da auf die Westseite hingebaut hat, sogar ein Hafen mit einem eigenen Photoband inzwischen. Berni Patten, die auch die Webseite www.la-palma-impressionen.de betreibt, hat nun eine Broschüre aufgelegt, die in spanisch und deutsch den Hafen von Tazacorte erklärt. (Die Photos sind übrigens auch auf spanisch und deutsch...) Die Konstruktion der Hafenmole ist ja begehbar und mit wechselndem Licht entstehen immer neue Eindrücke von einem, fast unberührten Hafen. Die technischen Informationen stammen von Dipl.-Ing. Ricardo Sánchez García. Dieser kleine Photoband ist ein ideales Mitbringsel aus La Palma, nicht nur für Menschen die architektonisches Interesse zeigen. Man kann diesen Bildbank zum Selbstkostenpreis von 3,50 Euro erstehen bei "Infocenter" und "Sorpresa" in El Paso, "Contacto", "Diseño" und "Viva" an der Plaza Chica in Los Llanos, sowie bei "Indigo Moda" und "Viva" in Puerto de Tazacorte.


Puerto de Tazacorte auf La Palma



Montag 20.02.06 - 08:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 13 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 79 % Luftdruck 1021 hPa

Das kulturelle Erbe hat auch ein Volk

So langsam hege ich den Verdacht, dass man das verbale Passepartout "Nachhaltigkeit" dieses Jahr durch ein ebenso Börsen öffnendes Wort ersetzen will, "patrimonio cultural" was nichts anderes heißt, als kulturelles Erbe. Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht irgend ein neues Projekt aufgelegt wird in welchem man sich aus den Gründen, das kulturelle Erbe der Insel zu erhalten, auf Maßnahmen einigt, die oft flankierend sind, mittelfristig, begleitend oder sogar nachhaltig. Meist geht es zwar nur darum, welche Baufirma welche Ruine restaurieren darf, aber die Sorge um unser kulturelles Erbe bewegt hier schon einiges und hat auch bereits zur Erhaltung vieler Bauten und Monumente geführt. So hat man in der Hauptstadt schon das Gefühl, ein Blick oder ein paar Schritte weiter können auch gute 500 Jahre überbrücken. Natürlich gibt es auch Schmuddelecken in unserer Hauptstadt, aber rund um das Convento San Francisco herum muss man schon den Atem anhalten, um nicht in eine Zeitreise geschickt zu werden.

Einen Schönheitsfehler hat das Ganze allerdings, es handelt sich bei den prächtig restaurierten Gebäuden, Plätzen und Monumenten fast ausschließlich um Sakralbauten und Einrichtungen der ehemaligen Feudalschicht, das Volk, also der manchmal lästige Bodensatz auf dem alle Oberhäuser stehen, kommt als kulturelles Erbe gar nicht vor. Das will man nun ändern, durch das wissenschaftliche Mikroskop hindurch hat man das Volk erspäht. Ana Viña ist Mitglied des Wissenschaftskomitees des Weltbiosphärenrates und fordert einen neue Bestandsaufnahme unseres kulturellen Erbes, in dem auch die, sicher weniger spektakulären Dinge aufgelistet werden, welche von und für die nominale Unterschicht bestimmt waren. Das kommt fast einer späten Kulturrevolution gleich, es ist nicht selbstverständlich, dass in Geschichtsbüchern und Kulturkatalogen das einfache Volk überhaupt Erwähnung findet. Plötzlich taucht zwischen Nachhaltigkeit und kulturellem Erbe das Volk auf, heißt das jetzt, dass wir mitspielen dürfen, oder wollte man uns höflich einfach nur mal erwähnt haben.



Sonntag 19.02.06 - 19:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 17 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 82 % Luftdruck 1023 hPa
Höchsttemperatur heute: 19,7 Grad, niedrigste Temperatur: 12,2 Grad

Nischenproduktion

Immer, wenn die Zeiten zu rasen scheinen, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung morgen bereits das übermorgen verkünden, sammeln sich im Kielwasser des rasenden Fortschritts ein paar Berufsnostalgiker, die aus, nun anscheinend unnötigen Dingen, wieder eine Nische der Vermarktung entdecken. Für solch kleine und abgeschottete Gesellschaften wie es unsere ist, gilt das vielleicht noch mal im Besonderen, zugleich verschafft man sich ja damit auch ein Stückchen Authentizität, wenn man die Kollateralschäden des Fortschritts minimiert. So hat bei uns die Seidenproduktion überlebt, die Zigarrenherstellung, die Saline, wir gehen immer noch in die Kirche und in Puerto de Tazacorte läuft zwar immer noch kein Schiff ein, aber man stellt dort wieder Bodenfliesen her, so wie man das vor über hundert Jahren bereits gemacht hat. Dabei muss ich auf eines hinweisen, wir schätzen das Neue und nutzen das auch, wollen aber ein paar Dinge von früher einfach nicht hergeben. "Lo de antes", das von früher, nennt hier keiner als das Bessere, darf aber nun als Kunsthandwerk und nicht mehr Handwerk, uns weiter mit unserer Vergangenheit verbinden.

Eloy Gonzáles stellt in der alten Fabrik weiterhin die Zementfliesen her, die früher alle besseren Häuser der Kanaren schmückten. Wer arm war, der hatte blanken Zement unter den Füßen oder einen mit Brettern verhauenen Boden. Die Mustervielfalt war groß, da alles in Handarbeit gemacht wurde und wird, konnte man seine eigenen Ornamente bestellen und sich dadurch gleich wieder einen Sonderposten in der Bourgeoisie sichern. Leider hat man ganz viele dieser alten Böden wieder aus den Häusern entfernt, mit dem Aufkommen der gebrannten Tonfliesen, die viel billiger waren, widerstandsfähiger und halt einfach schick und modern, geriet die Produktion der Zementfliesen aufs Abstellgleis. Lange wurde überhaupt keine Fliese mehr erzeugt, das führte noch stärker dazu, dass man den anfälligen Bodenbelag aus dem Haus haben wollte, man konnte beschädigte Teile ja nicht mehr ersetzen. Man muss auch ganz klar sagen, die Zementfliesen sind viel anfälliger für Bruch oder Verschmutzung und lassen sich auch viel schwerer verlegen, da die Kanten scharf sind und nicht wie bei modernen gebrannten Fliesen abgerundet.

Trotz dieses Nachteils besinnen sich immer mehr darauf, dass man unter den Füßen ein Stück Geschichte der Insel hat und keinen lästigen Bodenbelag und inzwischen kommen immer mehr Leute zu Eloy und bestellen Fliesen nach, um den Boden in ihrem Haus zu restaurieren. Noch betreibt er die Fabrik als Nebenerwerb, hat aber in einem Ausbildungsprogramm der Gemeinde bereits jungen Leute aus dem Ort in die Kunst der Herstellung von Zementfliesen eingeführt. Bald will er wieder ganz von der Arbeit in der Fabrik leben, manche Leute spielen mit dem Gedanken, sich ihren Neubau komplett mit Fliesen aus einer bereits vergangenen Zeit zu versehen. Das ist schon wieder Luxus, 50 - 60 Euro kostet der Quadratmeter und dazu noch mehr Handarbeit, das Verlegen dieser Platten ist äußerst schwierig. Selbst ein Hamburger Restaurant soll sich nun mit den rustikalen Bodenplatten aus Tazacorte bereits schmücken, da lauert also wieder mal eine wunderbare Nische. - Man kann dem Mainstream und der Globalisierung sicher nicht entgehen, aber immer dort, wo Einheitsbrei und Massenproduktion auf breitem Vormarsch sind, da entstehen diese Nischen und Lücken für Kleinstproduktion und Dienstleistungen. - Nicht Aldi kann die Zukunft La Palmas heißen, aber das was Aldi nicht kann.


Bodenfliesen aus Tazacorte



Sonntag 19.02.06 - 09:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 13 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 82 % Luftdruck 1019 hPa

Hausieren in Tenerife

Klinken putzen bei den großen Supermärkten auf Tenerife war angesagt, Miguel Perdigón, Inselrat für wirtschaftliche Entwicklung möchte den Einkäufern der großen Läden und Ketten auf den zentralen Inseln Produkte aus La Palma schmackhaft machen. Seit dem wir wissen, dass man nicht nur produzieren muss, sondern auch verkaufen, klagen wir immer wieder über unsere schlechten Absatzmöglichkeiten. Das liegt natürlich zum größten Teil an uns selber, Ladenketten mit wirklich großen Umsätzen können wir schlecht bedienen, da wir nur begrenzte Mengen herstellen können und oft gibt es harsche Kritik an dem, was man Produktdesign nennt. Da haben wir noch viel zu lernen, Teresas Mojo ist sicher der beste des kanarischen Archipels, aber in alten Weinflaschen abgefüllt mit Resten des Etikettes aus dem Jahr 1995 gewinnen wir keinen Designerpreis. Wir haben nie gelernt, unsere Produkte ordentlich zu vermarkten und stehen oft hilflos gegenüber nun omnipräsenter Konkurrenz aus allen Ecken der Welt. - Was hat Siedesalz aus Kolumbien auf unseren Tischen zu suchen, wo wir doch bestes Meersalz aus eigener Produktion haben und inzwischen sogar ansprechend verpackt.

Es liegt aber nicht nur an uns, obwohl ich den Großteil dieser Misere schon unserem eigenen Unvermögen ankreide und auch unserer Ignoranz als Käufer, denn irgend wer muss das Salz aus Kolumbien doch kaufen und das Kalbfleisch aus Holland und die Kartoffeln aus Israel. So riesig ich mich freue, dass unser Angebot inzwischen international geworden ist und man die Möglichkeit hat, aus einer großen Palette an Produkten auszusuchen, wenn man aber unsere eigenen Waren überhaupt nicht mehr in den Regalen der Supermärkte findet, dann muss auch darüber nachgedacht werden. Der, häufig gescholtene San Martín hat zumindest noch Produkte aus La Palma neben den internationalen stehen, die "Hiperdino" Märkte aber schon kaum noch. Da müsste unser Wirtschaftsrat gar nicht bis Tenerife fliegen um für unsere Waren zu werben, er könnte gleich hier anfangen. Das muss man sich vorstellen, man geht auf La Palma einkaufen aber fast nichts, was da in den Regalen steht, kommt von unserer Insel. - Aber das kennt man ja auch woanders her, da kauft man ein deutsches Auto und nichts, was in dem Auto ist, wurde in Deutschland hergestellt...



Samstag 18.02.06 - 17:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 16 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 82 % Luftdruck 1018 hPa
Höchsttemperatur heute: 17,3 Grad, niedrigste Temperatur: 10,9 Grad

Die Billigfliegerei hat nun auch die "Binter" erwischt

Für lau nach La Palma oder sonst wo hin, so ganz geht dieser Wunsch nicht auf, auch wenn manche Preisaktionen der Fluggesellschaften fast so etwas verbreiten wollen. Ich bezahle auch nicht gerne zu viel, muss nicht sein, aber bei diesen Schnäppchen taucht immer wieder ein Problem auf. Der Kunde möchte sich gerne an den Preis gewöhnen und findet dann alle normalen Tarife zu teuer. Fängt nun der eine mit einer Sonderpreisaktion an, dann muss der andere Anbieter kontern, dass dahinter dann eine Mischkalkulation stehen muss und andere Gäste das wieder drauflegen müssen, weiß eigentlich jeder, aber die Marktwirtschaft kennt keine Solidarität.

Noch bis vor ein paar Jahren hatte die "Binter Canarias" das Monopol für Flüge innerhalb der Kanaren, da gab es ein striktes Preisreglement und wem das zu teuer war, der konnte ja auf der Fähre sich die Nacht um die Ohren schlagen. Seit dem die "Islas Airways" nun auch die meisten Routen innerhalb des Archipels bedient, hat sich da einiges verändert. Anfänglich lief es gar nicht gut für die "Islas Airways", man baute dann aber flott das Streckennetz aus und machte auch besondere Angebote. Jetzt legt die "Binter" wieder nach und offeriert alle Flüge innerhalb der Kanaren, von welcher Sie auch immer zu welcher wollen, für 15 Euro pro Strecke und Person. Man muss die Tickets zwischen dem 20. und 26. Februar kaufen für einen Zeitraum zwischen dem 1. März und 31. Mai dieses Jahres. Die Tickets sind allerdings vom Umtausch ausgeschlossen, man sollte also schon genau wissen, wann und wo man hinfliegen will. Für manche Strecken bedeutet 15 Euro tatsächlich ein Schnäppchen, der Normalpreis von La Palma nach Fuerteventura beträgt 98 Euro und der nach Gran Canaria 82 Euro. Für hier lebende Bürger, geht allerdings von diesem Preis noch die staatliche Subvention von 45% ab, dennoch, selbst bei der kürzesten Strecke, von La Palma nach tenerife halbiert sich der Preis auch für Residenten bei dem Angebot von 15 Euro. - Gibt es eigentlich auch Subventionen, wenn man lieber auf La Palma bleiben will, ich möchte gar nicht woanders hin, auch für 15 Euro nicht.



Samstag 18.02.06 - 09:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 12 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 80 % Luftdruck 1019 hPa

28.12.1893, es ward Licht

Noch bevor auf einer anderen Kanareninsel die erste Glühbirne brannte, fackelten in der Nacht des 28. Dezember 1893 bereits 150 Glühbirnen in der Hauptstadt Santa Cruz. Im Barranco del Río, auf 300 Meter Meereshöhe versah seit dem Tag das erste Kraftwerk der Kanaren seinen Dienst, angetrieben von Wasserkraft. Die Santacruzeros waren also die ersten Kanarier, denen ein elektrisches Licht aufging, vielleicht sind sie ja deshalb der Meinung, immer ein bisschen "heller" zu sein als der Rest des Archipels. Das Kraftwerk war aber nicht sehr lange in Betrieb, die Leistung eher sehr bescheiden, aber immerhin, La Palma seinerzeit technologisch vorne. Danach baute man ein weiteres Wasserkraftwerk am "salto de Mulatos", welches fast ein Megawatt an Leistung produzierte und nun sogar mit neuer Technik versehen wird, um mal 5 Megawatt in das Stromnetz der Insel einzuspeisen.

Zurück in den Barranco del Río. "El Electrón", so nannte man das Kraftwerk, liegt heute von Feuchtigkeit und Wetter zerzaust als fast Ruine da und hat nun endlich wieder Aufmerksamkeit gefunden. Schüler und Lehrer des "IES Virgen de Las Nieves" wollen nun "El Electrón" zwar nicht wieder ans Netz bringen, aber doch restaurieren und sogar ein elektrisches Museum daraus machen. Momentan sind Arbeitsgruppen von Schülern dabei, diverse Pläne auszuarbeiten, wie man das am besten realisieren könnte, im April soll dann der beste Vorschlag besiegelt werden und dann geht es an die Arbeit. Noch ist nicht klar, ob neben dem kleinen Budget, welches die Schule selber aufbringen kann, sich vielleicht auch andere Institutionen daran beteiligen, aber das kann man doch locker wieder unter dem Thema "patrimonio historico" = geschichtliches Erbe verkaufen und dann sprudeln bekanntlich die Finanzquellen einfacher. Ein Elektromuseum auf La Palma, warum nicht? (Wenn ich mir meine elektrische Installation hier zuhause ansehe, dann könnte ich sogar einige Artefakte beisteuern.) Das ist eine wunderschöne Wanderung von Santa Cruz, drei Kilometer den Barranco hinauf und dann noch ein bisschen an historischer Technik schnuppern. Zum Abschied gibt es dann noch gratis einen kleinen Stromschlag, so gelangt man energiegeladen und erleuchtet wieder an seinen Ausgangspunkt zurück.




Photo ausgeliehen bei Canarias 7.



Freitag 17.02.06 - 18:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 16 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 74 % Luftdruck 1019 hPa
Höchsttemperatur heute: 17,2 Grad, niedrigste Temperatur: 11,8 Grad

Der deutsche Besen

Wenn fremde Kulturen sich begegnen kann es zu Miss, oder gar Nichtverständnissen führen. Nun sind Deutschland und Spanien oder auch La Palma kein ganz unterschiedlicher Kulturraum, die Unterschiede sind eigentlich marginal und werden meist nur ausgedrückt durch die völlige Inkompatibilität der deutschen und der spanischen Sprache. Die deutsche Sprache ist eine derart präzise Angelegenheit, dass man davon ausgehen könnte, die verstehen sich alle miteinander. Tun sie aber trotzdem nicht, da hat aber nicht die Sprache Schuld, sondern Ausdruck und der Willen des Verstehens. Manchmal geht das so weit, dass der positive Ausdruck "sprachgewaltig" neu definiert wird und die Sprache als Gewaltinstrument eingesetzt wird. - Darauf sind Sie auch noch nicht gekommen, dass sprachgewaltig durchaus was mit Gewalt zu tun haben kann. - Die spanische Umgangssprache ist weit weg vom Anspruch präzise zu sein, man nimmt den Körper mit in die Diskussion, Gesten und Berührungen dienen als Verständigungsbeschleuniger und erleichtern jegliches Verstehen.

Was aber nun, wenn man nicht gewohnt ist den Körper sprechen zu lassen aber gleichzeitig die andere Sprache nur rudimentär beherrscht, oder gar nicht? Das führt meist zu lustigen Situationen, aber auch bis hin zu handfesten Meinungsverschiedenheiten. Noch ganz einfach ist für uns zwischen ein Viertel und vier zu unterscheiden, fast jeder Urlaubsgast bestellt anstatt eines "cuarto vino" "cuatro vino", aber selbst in El Remo bekommt man dafür nicht vier Wein, sondern ein Viertel des labenden Getränkes. Schwieriger wird es schon bei zwei und zwölf. Wir haben nicht die spitze Zunge eines Katalanen oder Madrilenen und sprechen anstatt doce meist doz und anstatt dos meist do. Wer nun langenscheidtgebildet den Bäckersladen betritt und siegessicher dos panes ordert, was spanisch eigentlich völlig korrekt ist wenn man zwei Brote will, der erhält meist eine Rückfrage: ¿Äh, doz o do? oder gleich zwölf Brötchen. Man muss also nicht nur spanisch können, sondern auch noch die Sprache der Menschen sprechen, oder man ist pfiffig und nicht das erste Mal auf La Palma und hält gleichzeitig noch zwei Finger hoch. - Ich hab es doch gesagt, mit gestikulieren kommt man hier weiter.

Lässt man aber seinem Gegenüber nicht mal eine Hausnummer, es war ja nur die Wahl zwischen zwei und zwölf, dann hilft auch gestikulieren nicht mehr. Im Supermarkt eine gern gesehene Szene, in welcher manchmal mein Mitleid dem Gast gilt, oft aber den Verkäuferinnen, weil die meisten Menschen dazu neigen laut zu werden, wenn sie sich nicht verstanden fühlen. Dünn muss die Salami geschnitten sein, wenn sie einen deutschen Gaumen kitzeln soll, aber wie sag ich es ihr? Ich hatte früher keine Ahnung wie viele Möglichkeiten es gibt, dünn zu gestikulieren. Oft kommt aber leider auch eine Szene dabei raus, die mir meine Abstammung manchmal fragwürdig erscheinen lässt. Da stehen blonde Hünen vor dem Tresen und wiederholen ein ums andere Mal "dünn geschnitten", dann einen Versuch "düüüüün" und dann noch mal so laut, dass die Salami vor Schreck aus der Pelle springt. - Es gibt zwei Möglichkeiten dieser Peinlichkeit zu entgehen. Einmal könnte man sagen, "en lochas finas por favor", oder gleich verpackte Wurst kaufen. Da habe ich allerdings auch schon beobachtet, dass manche Deutsche mit der Packung zu reden scheinen, vielleicht rezitieren sie das Haltbarkeitsdatum oder beschweren sich bei der Packung, dass die Wurst hier teurer ist als bei Aldi. - Die Krönung durfte ich aber diesen Morgen erleben in einem Laden, der sowohl Eisenwaren wie Haushaltsartikel führt, bei uns Ferretería genannt. Ein deutsches Pärchen sah sich in dem Laden um und ich hörte sie miteinander sprechen. Sie suchten einen Besen, aber einen kräftigen Besen, nicht so was Flatteriges mit dem wir uns hier den Staub von den Schuhen klopfen. "Gibt es denn hier keine Besen hier, so wie bei uns in Deutschland" zischte der Alphafamilienmensch sein weibliches Begleitpersonal an, "Wie heißt Besen noch mal auf spanisch Trudchen?" (Könnte auch Ruthchen oder sonst ein Name gewesen sein.) "Du hast doch gesagt, du kannst spanisch" kommt es triumphierend zurück und nun stellt sich der Mann vor die Verkäuferin und ruft wissend: "¿Beso aleman?" und zeigt fragend in den Laden. Die Gute bekam es mit der Angst zu tun, "beso" heißt Kuss und den wollte sie nun wirklich nicht küssen, sei er auch noch so deutsch. Ich hab dann eingegriffen, die Verkäuferin war zu erschrocken um das ohne Aufklärung stehen zu lassen und die Leute zum San Martín geschickt, da gibt es deutsche Besen, die im San Martín haben sich längst an uns gewöhnt. - Am deutschen Besen soll die Welt genesen.

Anmerkung des Autors, ich bin Deutscher und das war eine Karikatur.



Freitag 17.02.06 - 08:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 13 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 74 % Luftdruck 1017 hPa

Stadt statt Staat, oder auch umgekehrt

Die Polemik über den Einsatz einer Eingreiftruppe der Polizei in Los Llanos geht weiter. Der Bürgermeister hatte diese Spezialeinheit aus Santa Cruz de Tenerife angefordert, um ein Wochenende in Los Llanos den Jugendlichen der Stadt und Umgebung die Werte der öffentlichen Ordnung näher zu bringen. Dafür sind eigentlich die Lokalpolizisten zuständig, man hat aber zu wenig dieser Ordnungskräfte und möchte gerne, dass die staatliche Polizei, die Guardia Civil sich mehr an den Streifendiensten innerhalb der Stadt beteiligt. Hintergrund ist ganz einfach, Lokalpolizei bezahlt die Stadt, Guardia Civil der Staat. Zwischen der Gemeinde Los Llanos und dem Vertreter der nationalen Behörden auf La Palma, José Antonio Batista, ist nun eine offene Debatte losgetreten worden, gegenseitig beschuldigt man sich, nichts für die Sicherheit der Bevölkerung tun zu wollen.

Der Bürgermeister von Los Llanos bezeichnet den Einsatz der "Unipol" am vergangenen Wochenende als Notwendigkeit, weil die staatliche Polizei nichts zur Sicherheit beitragen will, der Staatsvertreter bezeichnet den Auftritt der Spezialkräfte als völlig unnötig, wenn die lokalen Polizeikräfte besser organisiert wären und das liegt in den Händen der Gemeinde. Brisant wird dieses, eigentlich zweitrangige Thema, weil Carneval vor, oder sogar schon in der Tür steht, da müssen sowohl die lokalen, wie auch die nationalen Sicherheitskräfte zusammenarbeiten und sich nicht gegenseitig Verfehlungen vorwerfen. Für Außenstehende ist dieser Hickhack eh unverständlich, Polizei ist Polizei möchte man meinen. Das stimmt aber hier so nicht, zwischen den staatlichen Kräften der Guardia Civil und den Polizisten die von den Gemeinden bezahlt werden gibt es wenig Zusammenarbeit und jeder weist immer auf die Zuständigkeit der anderen Organisation hin. Böse Zungen behaupten nun, wenn es im Carneval Ärger geben sollte, dann muss man erst mal nachfragen, ob es sich um einen lokalen Schurken handelt oder um einen Nationalen. Je nachdem könnte man dann mit dem Eintreffen der richtigen Ordnungskräfte rechnen.



Donnerstag 16.02.06 - 19:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 19 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 76 % Luftdruck 1018 hPa
Höchsttemperatur heute: 19,0 Grad, niedrigste Temperatur: 12,5 Grad

Ein roter Käfer und die Vogelgrippe

Eigentlich sei es nur eine Frage der Zeit, wann auch auf den Kanaren der erste Fall einer Erkrankung von Vögeln mit diesem heimtückischen Virus auftritt. Es gibt für nichts Grenzen und auch das kleine Stückchen Ozean wird sicher irgendwann von infizierten Vögeln überwunden werden, sollten wir uns vorher nicht bereits selber das Virus auf andere Art und Weise einschleppen. Wir dürfen uns hier nicht auf der sicheren Seite sehen, haben wir doch ganz viele Pflanzen und Tierkrankheiten erst über den Ozean gehoben, meist aus Unwissenheit, aber doch mit unserem Zutun. Für viele Schädlinge wäre es nämlich unmöglich gewesen, vom Festland oder von einer Insel zur anderen zu springen, wenn man ihnen nicht als Transporteur dienen würde. So geschehen mit der Varroa-Milbe auf La Palma, welche einen Wendepunkt für die Imkerei auf dieser Insel darstellt und dem roten Palmenrüssler auf den östlichen Inseln, der in der Lage zu sein scheint, den Palmenbestand der Inseln gänzlich zu bedrohen. Das sind nur zwei akute Beispiele, viele hundert weitere könnte man aufzählen.

Die Geister die man rief, wird man halt nicht mehr so schnell los uns ohnmächtig müssen nun Heerscharen an Experten mit enormem Aufwand versuchen, diese, auf keinen Fall biblischen, sondern höchst menschliche Plagen, zu beseitigen. Weiß man, wie nun zum Beispiel die Varroa-Milbe auf die Insel gekommen ist, dass kann man eigentlich fast ärgerlich werden über so viel Leichtsinn. Es ist und war, strikt verboten, irgend welches gebrauchtes Imkermaterial zwischen den Inseln hin und her zu schippern, man wusste doch, dass auf den anderen Inseln diese Milbe längst heimisch ist und dennoch hat es irgend jemand getan. Ähnlich bei den Palmen, die aus Nordafrika importiert wurden. Man wusste, dass es diesen heftigen Schädling gibt in diesen Ländern und auch auf der Halbinsel und dennoch hat man im großen Stil dieses Pflanzen zu uns gebracht, weil man die für "schicker" hielt und sie viel schneller wachsen, als unsere kleineren endemischen Palmen. Leider ist durch einfaches Nachdenken oft der komplexe Zusammenhang überhaupt nicht zu entdecken, aber eines bleibt immer gleich, keine Handlung bleibt ohne Folgen. Ich will nun nicht zu weniger Handeln aufrufen, aber viel öfter sollten wir uns fragen, ist das denn alles notwendig was wir hier tun, oder könnten wir ein ähnliches Ergebnis auch mit unseren eigenen Mitteln erreichen. - Selbst Tourismus kann schädlich sein, wenn er nicht unseren Möglichkeiten angepasst ist. Wer mit dem Ferrari auf einer Schotterpiste fährt, der sollte nicht über die Piste schimpfen, sondern sich Gedanken über seine Dummheit machen, nicht das adäquate Gefährt benutzt zu haben. So vieles kann man eh nicht verhindern, wie zum Beispiel den Zug der Vögel, warum wir aber immer noch einen drauflegen müssen, das muss ich als Frage stehen lassen.



Donnerstag 16.02.06 - 08:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 13 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 73 % Luftdruck 1020 hPa

Inbargranti

Schmuck für über 27.000 Euro und Bargeld in Höhe von 900 Euro wurden aus einer Wohnung in Santa Cruz gestohlen und keine 24 Stunden später konnte der Einbrecher festgenommen werden. Die Beamten der Guardia Civil konnten aber auf freundliche Mithilfe des Delinquenten zählen, er machte es den Agenten nicht unbedingt schwer. Zunächst stand die Polizei vor einem Rätsel, man fand keine Einbruchspuren und so machte man sich daran, die familiäre Umgebung des Bestohlenen zu untersuchen und eventuelle Vertrauenspersonen. Später stellte sich dann heraus, dass die Tür einfach offen geblieben war und man auf der Suche nach dem oder den Tätern da auf der falschen Spur war.

Die Lösung kam von ganz anderer Seite, nämlich aus einer Bar in Breña Alta, deshalb inbargranti. Ein 25 jähriger lud dort alle Leute ein mit ihm zu trinken, er wolle feiern weil ihm endlich ein gutes Geschäft geglückt sei. Der junge Mann war nicht ganz unbekannt, bislang war ihm noch kein gutes Geschäft geglückt und Geld um andere einzuladen, hatte er bislang auch nie. Aber freundliche Leute soll man nicht aufhalten und wir laden alle gerne mal andere ein. Dann kam noch ein Mann in die Bar, auch er wurde eingeladen, der hatte aber schon davon gehört, dass vor kurzer Zeit dieser Einbruch stattgefunden hat und er rief, mit einem bezahlten Bier in der Hand, die Polizei. Es war kein Problem für die Beamten den Dieb davon zu überzeugen, noch in der Bar ein Geständnis abzulegen und den Schmuck rauszurücken. Beim Bargeld sah das anders aus, von den 900 Euro waren gerade mal noch 50 übrig. Nicht berichtet wurde, ob er mit dem verbliebenen Geld auch noch die Polizisten eingeladen hat.



Mittwoch 15.02.06 - 19:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 18 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 82 % Luftdruck 1020 hPa
Höchsttemperatur heute: 21,2 Grad, niedrigste Temperatur: 12,1 Grad

So muss Passat aussehen

Schluss mit dem verwirrenden Südwestwind und endlich wieder Hektopascale die den Namen auch verdienen, der Passat ist wieder da und zeigt ganz deutlich, wer Herr über das Wetter der Kanaren ist. Die letzten beiden Tage war er noch zögerlich und ließ sich von dem nun weit abgeschlagenen Tief noch etwas beeindrucken, nun aber, Bauknecht in Reinkultur. Immer, wenn der Passat länger nicht bei uns war und schwer mit einem Tief kämpfen musste um seine Position wieder einzunehmen, dann pfeift es mächtig aus Nordost und bläst uns alle Flausen aus den von Regen verwirrten Eindrücken. So sieht unser Wetter aus, unser Wind und unsere Wolken. Alles andere ist meteorologischer Muckefuck, Süd - und Westwind gehören einfach nicht hier her.

Keine Angst, ich werde jetzt keine Wetterrassentheorien aufstellen, aber man muss einfach wissen, dass diese Inseln und besonders die hoch aufragenden, zu denen La Palma ja nun mal gehört, ein Kind des Vulkans im Atlantiks sind, vom Passat erzogen. Unsere Vegetation hat sich nach diesen, meist vorherrschenden Klimabedingungen entwickelt, kein Sturm aus Nordost kann hier den Pflanzen etwas anhaben, die sind es gewohnt und haben sich mit ihren Wurzeln ganz fest gegraben um dem Passat zu trotzen. Die Kiefern haben ihre Nadeln länger wachsen lassen als anderswo auf der Welt um aus diesen feuchten Winden das kostbare Nass zu gewinnen, ohne welches La Palma ganz anders aussähe. Im Nordosten, an dessen Hängen der Passat sich auch abregnet ist ein Urwald entstanden, dessen Riesenfarne, Flechten und dichten Lorbeerwälder einzig auf dieser Welt sind. Auch wenn wir hier im Aridanetal manchmal dem Passat zürnen, weil er mit großer Macht die Cumbre Vieja heruntersaust und uns zwingt die Jacke zu verschließen, ich möchte diesen Wind nicht einen Tag missen. Auch auf die Gefahr hin mich zu wiederholen, so lange dieser Wind weht, kann uns nichts passieren.

Noch ein Veranstaltungshinweis: Von Morgen an, bis einschließlich 28. Februar findet in der Calle O´Daly 2 (Fußgängerzone) eine interessante Ausstellung zum Thema Drachenbaum statt. Das Plakat hat Dierk Topp gestaltet, dem wir auch die Photosammlung www.lapalma-galerie.de verdanken, in der fast 2.400 Photos in beeindruckender Qualität über diese Insel berichten.


Photoausstellung zum Drachenbaum auf La Palma



Mittwoch 15.02.06 - 08:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 12 Grad, Niederschlag: 3 mm, Luftfeuchte 75 % Luftdruck 1016 hPa

Polizeieinsatz in Los Llanos als Tagesgespräch

Letzte Woche kamen 16 Polizisten der "Unipol" (Unidad de Intervención Policial) aus Santa Cruz de Tenerife zu uns nach Los Llanos und sollten dort nach dem Rechten sehen. Der Bürgermeister Juan Ramón Hernández hatte diese Eingreiftruppe zu Hilfe gebeten, nachdem sich viele Bürger von frei laufenden Jugendlichen zu nächtlicher Zeit in ihrer Sicherheit gestört fühlten. Los Llanos ist an den Wochenenden Anziehungspunkt für fast alle jungen Leute aus dem Aridanetal, wo Diskotheken, Kino und Hamburger locken und vor allem auch viele andere Jugendliche, da will man auch hin, man könnte ja was versäumen. Kollateralschäden bei solchen gemeinschaftlichen Treffen, die meist mit Alkohol sowie einschlägigen Tabletten und Rauchzeug gewürzt werden, sind wohl nicht zu vermeiden. Es gibt Rangeleien, Pöbeleien, manch Autoreifen verliert plötzlich seine Luft und vor allem ist es laut. Die Stadtpolizei ist fast machtlos dagegen und die satte Bürgerschaft ruft nach dem starken Arm, der Bürgermeister holt die Rute raus und schickt eine Eingreiftruppe der Polizei.

Was denn der Einsatz der Sonderkräfte bewirkt habe fragt man sich nun und ob es nicht besser wäre, das Geld dafür auszugeben, die Stadtpolizei vielleicht um ein paar Beamte aufzustocken. Die politische Opposition hat endlich wieder ein Thema um dem Bürgermeister Versäumnisse vorzuwerfen und der verkündet stolz, dass die Aktion ein riesiger Erfolg gewesen sei. 115 mal hätten die Polizisten aus Tenerife eingreifen müssen und es sei zu 48 Protokollen gekommen, von denen mehr als die Hälfte zu Personen gehören, die nicht aus Los Llanos seien. Damit ist dann alles wieder in Ordnung und man will den Einsatz der Unipol zu gegebener Zeit wiederholen. - Das könnte man ja mal im Straßencarneval machen, da randalieren dann nicht nur Halbstarke... Für die 16 Polizisten der Eingreiftruppe ist eines der ruhigsten Wochenende in ihrem Dasein zu Ende gegangen. Ich gönne das denen, man sollte denen öfter mal ein Wochenende auf La Palma bezahlen an dem sie dann ein paar Jugendliche erschrecken können, so als Ausgleich für die harten Zeiten mit echten Aufgaben für eine Eingreiftruppe der Polizei. La Palma ist immer eine Reise wert, der Erholungsfaktor ist enorm, die Agenten der Unipol haben es bewiesen.



Dienstag 14.02.06 - 19:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 15 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 76 % Luftdruck 1017 hPa
Höchsttemperatur heute: 18,2 Grad, niedrigste Temperatur: 11,2 Grad

100 Meter im Konjunktiv

Oft haben wir über Zukunftsmöglichkeiten der Insel La Palma nachgedacht und dabei dreht sich fast alles immer um den Primärsektor Landwirtschaft und dieses bröckelige Pflänzchen welches sich Tourismus nennt. Industrie wird bei uns wohl wegen der Transportprobleme keine Chance haben und um angedachte Hoffnungen ein kanarisches Silikon-Valley hier zu imitieren, müsste man die Telefonica erst mal davon überzeugen, leitungstechnisch die Grundlagen dafür zu bieten. Nun kommt wieder so was wie Hoffnung auf, ganz große Hoffnung sogar, es besteht die Möglichkeit, dass La Palma ein Observatorium erhält, welches einen Spiegeldurchmesser von bis zum 100 Meter hat. Die "ESO" (European Southern Observatory) ein europäisches astrophysikalisches Forschungsinstitut plant tatsächlich ein Observatorium dieses Ausmaßes mit dem Namen Overwhelmingly Large Telescope.

Die ESO, mit Sitz in Garching, betreibt bislang Teleskope in Chile, (Cerro Paranal und La Silla) und gehört in der Welt der Astrophysik zu den ganz großen. Die ESO hat bislang elf Mitgliedsstaaten, Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Italien, die Niederlande, Portugal, Schweden und die Schweiz. Spanien ist noch nicht Mitglied, wird es aber bald werden, mit 56 Millionen Euro will die spanische Regierung sich einkaufen. Man gibt sich ehrgeizig in Madrid und will die spanische Astrophysik nach ganz weit vorne bringen, mit dem "Grantecan", welches bald eröffnet wird, hätte man ja auch das größte optische Spiegelteleskop der Welt zu bieten. Das Grantecan sitzt bei uns Huckepack auf unserem höchsten Berg und nun sind wir auch wieder auf La Palma angekommen.

Ich muss noch mal auf den Konjunktiv hinweisen, es ist überhaupt nicht sicher, dass La Palma mal als Standort für das Monsterteleskop ausgesucht wird, die Rahmenbedingungen haben sich aber verbessert. Die ESO sucht seit geraumer Zeit bereits Standort für Teleskope in Europa und würde natürlich zunächst Mitgliedsländer bevorzugen, das stand ja bislang gegen uns. Seitens der Spanier kann man die ESO auch damit locken, im Gegenzug auf die Forschungseinrichtungen des IAC Zugriff zu gewähren. Das IAC, (Instituto Astrofisico de Canarias) betreibt viele Forschungseinrichtungen von Weltruf auf Tenerife und La Palma. Sollte La Palma tatsächlich als Standort für das Overwhelmingly Large Telescope ausgesucht werden, dann bedeutete das für diese Insel einen Dreisprung aus dem Stand, oder vielleicht passender, einen Quantensprung. Ungeheure Investitionen würde das für die Insel bringen und enorme Aufmerksamkeit in der ganzen Welt. Das, umsichtig ausgenutzt und damit weitere hochtechnologische Einrichtungen lockend, könnte das ein Knackpunkt für eine positive Zukunftsentwicklung der Insel darstellen. Zumindest wäre dann die unsinnige und falsche Frage, Bananen oder Tourismus, vielleicht noch nicht vom Tisch, aber zumindest auf der langen Bank. Es steht aber noch viel Konjunktiv zwischen uns und dem Himmel, aber so ein bisschen träumen, das muss doch erlaubt sein.



Dienstag 14.02.06 - 08:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 11 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 79 % Luftdruck 1019 hPa

Ein Tunnel, der keiner ist

Ursprünglich wollte man einen 11 Kilometer langen Tunnel durch die Insel graben, der oberhalb von Los Llanos ankommt und die Westseite der Insel mit überschüssigem Wasser von der Ostseite versorgt. Von beiden Seiten aus begann man zu bohren aber nach guten 2 Kilometer stieß man auf der Ostseite auf eine derart große Wasserader, dass man das Projekt bereits für gescheitert hielt. Ein weiteres Bohren in dieser Richtung wurde unmöglich. Auf der Westseite bohrte man weiter und kam nach etwas mehr als 3 Kilometer ebenfalls auf eine Wasserader, die bis zu 200 Liter pro Sekunde spendet. Hier endete auch der Bohrversuch auf der Westseite, der Tunnel war gescheitert, aber man hatte was man wollte, Wasser. Außer im extrem trockenen Frühjahr 2003 brauchte man nie mehr die gesamte Menge an Wasser welche dort zur Verfügung steht. In dem Jahr reichte dieses Wasser allerdings auch nicht aus, aber es verhinderte doch die Versalzung der Brunnen unterhalb von Los Llanos. Auf beiden Seiten brachte man Verschlüsse an um das Wasser kontrolliert entnehmen zu können. Die Größe der Wasserader auf die man gestoßen war lässt sich nur schätzen, auf jeden Fall ist dieser Wasservorrat die größte Wassergalerie der Insel in öffentlicher Hand.

Das war vor etwa 10 Jahren und nun sind die beiden Galerien, die fälschlicherweise immer noch "El Túnel del Trasvase" genannt werden, aus der Hand der Provinzregierung in die Eigenverwaltung der Insel übergeben worden. Das war eigentlich eher ein protokollarischer Akt, auch vorher haben wir schon bestimmt, wer den Hand aufdreht und wann dieser wieder geschlossen wird. Der Tunnel, oder die beiden Galerien haben ursprünglich mal 13 Millionen Euro gekostet und wurden zum überwiegenden Teil von der Provinzregierung bezahlt, so blieb die Anlage auch verwaltungstechnisch in den Händen dieser Institution. Nun ist der Tunnel ganz unserer und wenn niemand an den Hähnen spielt und vergisst, das Wasser wieder zuzudrehen, dann werden wir noch ganz viele Jahre Freude haben an diesem verunglückten Tunnel, der so viel mehr Wasser bringt, als man ursprünglich durch ihn hindurchschicken wollte. - Nie haben Experten genau sagen können, wie viel Wasser wirklich in dieser Insel steckt, aber viele sagen, man kann La Palma anbohren wo man will, irgendwann kommt immer Wasser.



Montag 13.02.06 - 18:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 20 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 82 % Luftdruck 1019 hPa
Höchsttemperatur heute: 22,2 Grad, niedrigste Temperatur: 13,4 Grad

Quellen putzen

159 Quellen sind auf La Palma registriert, um welche sich die Inselregierung selber kümmert, weil diese Wasser zum menschlichen Gebrauch geben. In Wirklichkeit sind es sehr viel mehr Quellen, aber eben nicht als offizielle Wasserstellen, oder zum Teil auf privaten Grundstücken. Von 159 Quellen sind nur etwa die Hälfte auch in "Gebrauch", die anderen hat man lange Zeit sich selbst überlassen. Viele der "Verwahrlosten" sind Wackelkandidaten, die nicht das ganze Jahr zuverlässig sprudeln, man brauchte auch so viele Quellen gar nicht, weil die von Menschen und Maschinen gegrabenen Wasserstollen die Hauptlast der Versorgung übernommen haben. Nach dem sanften Sommer, es gab nur eine und ganz kurze Hitzeperiode und dem bislang wasserreichen Winter sprudeln nun alle Quellen wieder nach Lust und Laune, gerade so, als wolle die Insel das Wasser wieder loswerden.

Diesen Zustand nimmt man nun zum Anlass, alle Quellen erneut zu untersuchen und einen neuen Katalog der Wasserspender aufzustellen. Dabei sollen auch die, bislang nicht gebrauchten Quellen gereinigt werden und das Umfeld wird so gestaltet, dass die Quelle gut zugänglich sein wird. Manche Wasseradern sind auch verschüttet und müssen freigelegt werden, an diese Arbeiten will man nun gehen. Einstimmig hat das Inselparlament diese Maßnahme verkündet, also fast ein historisches Ereignis. Diese Quellen gehören zu unserem historischen Kulturerbe, sagten die Abgeordneten der Sozialisten und mit dem Wort kann man viel bei uns erreichen, welche andere Partei will sich schon des Kulturerbes verweigern. Vielleicht hören wir ja auch bald, Hotels, Marinas und Golfplätze gehören nachhaltig zu unserem historischen Kulturerbe, dann kann man ja gar nicht mehr Nein sagen und mich outet man nachhaltig als Kulturbanause. - Es gibt aber noch einen anderen Grund für die Quellenpolitur, man denkt darüber nach, einen oder mehrere Quellenwanderwege zu basteln, ist zwar weder historisch, noch kulturerblich belastet, halte ich aber für eine schöne Idee. - Endlich mal eine Wanderbeschreibung die dann nicht mit dem Satz anfängt: Achten Sie darauf, reichlich Wasser mit zu nehmen....

Noch in eigener Sache: Die Webcam ist wieder bereit und alles wieder auf dem Stand vor dem Blitzeinschlag. José, der begnadete Konfigurationsvirtuose der Computerfirma "Demase" in El Paso hat es wieder hinbekommen.



Montag 13.02.06 - 08:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 13 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 85 % Luftdruck 1015 hPa

Vogelkrippe

Wortspiele sind beabsichtigt. Seit ein paar Jahren gibt es auf La Palma eine Pflegestation für verunglückte Wildtiere. Bei Puntallana, an der Straße Martín Luis kümmert man sich aber nicht nur um abgestürzte Vögel, man hat letztes Jahr auch sieben Karettschildkröten behandelt und sogar einen Fleckendelfin. Hauptsächlich aber werden Vögel dort abgegeben, die meist unangenehme Begegnungen mit Autos, Fensterscheiben oder Straßenlaternen hatten. Sturmtaucher, Wanderfalken und Eulen sind die häufigsten Gäste des, "Centro de Rehabilitación de la Fauna Silvestre", welches in den meisten Fällen helfen kann. Werden die Tiere nicht direkt von Anwohnern gebracht, kümmern sich die Mitarbeiter des "CECOPIN" um die Abholung der Tiere, diese Einrichtung ist zwar eigentlich für die Bekämpfung von Waldbränden gedacht, aber da es nicht immer brennt auf La Palma, versehen die Mitarbeiter des "Centro de Coordinación de Incendios" in "Friedenszeiten" andere Dienste für das Umweltamt. Im Jahr 2005 landeten so 222 Tiere in den Händen der Pfleger des Zentrums, 8 Prozent mehr, also noch im vergangenen Jahr.

Wetter: Wir haben eine gute Woche vor uns, Passat vom Feinsten. Lediglich Morgen kann es noch mal kurzzeitig zu Nieselregen kommen, wenn der dann aufbrausende Wind die Passatwolken bis weit auf die Westseite treibt. Das nun, endlich abgezogene Tief war das regenreichste und hartnäckigste Tief dieses Winters. 6 Tage und Nächte durften wir seiner Präsenz gewiss sein und dabei fielen 129 Millimeter Niederschlag. Außer den üblichen Begleiterscheinungen wie Erdrutsche, Steinschlag und undichte Fenster und Türen, gab es keine Schäden die erwähnenswert sind. Außer vielleicht der zweite Blitz, (zu mehr Gewitter hat es nicht gereicht) der bei vielen Anwohnern in der Umgebung von El Paso für Schäden bei technischen Geräten gesorgt hat. Das ist auch der Grund, warum unsere Webcam weiterhin nicht geht, der Blitz hat mehr kaputt gemacht als nur unseren ADSL-Router und wir haben den Schaden noch nicht mal lokalisieren können.



Sonntag 12.02.06 - 18:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 20 Grad, Niederschlag: 0,5 mm, Luftfeuchte 77 % Luftdruck 1012 hPa
Höchsttemperatur heute: 21,2 Grad, niedrigste Temperatur: 12,6 Grad

Seide, ein Kleinod aus El Paso

Einer der zarten Hoffnungsträger eines möglichen alternativen Tourismus für diese Insel, nach dem es scheint, dass die Versuche auf breiterer Front Hotelgäste auf diese Insel zu bringen wohl schon gescheitert sind. Neben unserer, sicherlich grandiosen Landschaft und einer noch sehr intakten Sozialstruktur, hat La Palma an "touristischer Infrastruktur" nicht wirklich so viel zu bieten, da müssen wir uns auf unsere Fähigkeiten berufen. Natürlich gibt es noch viel mehr Dinge, die man weiterentwickelt, einem der wenigen touristischen Wachstumsmärkte anbieten könnte, den man oberflächlich mal als "sanften Tourismus" betitelt hat. Dafür muss man aber zuallererst glaubwürdig sein und dem steht die Öffnung für ein breites Publikum, welches man mit Hotelkomfort und Golfplätzen locken will, entgegen. Die Ernennung der UNESCO der gesamten Insel zum Weltbiosphärenreservat ist eigentlich bereits die Steilvorlage, in welche Richtung sich diese Insel dem gewünschten Publikum wenden könnte. Da stehen vor allem Begriffe wie ökologisch orientierter Umgang mit unserer Insel im Vordergrund und da haben wir deutlichen Handlungsbedarf, aber auch große Chancen uns so von anderen Zielen abzugrenzen. Das Zwitterdasein, ein bisschen Hotel, Strand und Luxus und ein bisschen Natur und so tun, als sei hier eine heile Welt, verträgt sich nicht und macht uns für alle Seiten unglaubwürdig. Die Hotelurlauber werden nicht ausreichend mit "Infrastruktur" versorgt, erstellt man diese aber, dann entstehen derart große Eingriffe in unsere natürlichen Ressourcen, dass wir uns einem deutlich individuell und eher ökologisch orientiertem Publikum gar nicht mehr anbieten brauchen. Das wäre schlicht zu hoch gepokert oder wie man hier sagt, "no pega ni con cola" - das hält nicht mal mit Leim - soll heißen, das geht nicht.

Deshalb fällt mir dazu die Seide aus El Paso ein. Ein tot geglaubter Gewerbezweig ist da, unter Mühen und Hilfen der Inselregierung und der Gemeinde El Paso wieder ins Leben zurück geholt werden. Es sind nur ein paar fleißige Hände, die dort von der Raupe bis zum fertigen Bekleidungsstück alles in Handarbeit herstellen und somit ein, in Europa einzigartiges Projekt vollführen. Daraus könnte man, im wahrsten Sinne des Wortes weiterspinnen und interessierten Gästen nicht nur zeigen, wie die einzelnen Schritte der Seidenherstellung und Verarbeitung gehen, man könnte auch Schnupperkurse dazu anbieten. Genau so mit den Zigarren, auch ein Kleinod dieser Insel, wer kann schon behaupten, er habe seine Zigarren selber gerollt. Auch da ist noch viel Spielraum um aktive Leute für uns und unsere Möglichkeiten zu interessieren. Muss ja nicht gleich eine komplette Museumsinsel werden, aber wäre es für solch eine kleine Insel wie wir nun mal sind nicht besser, sich lieber an Nischen zu orientieren, als an Regionen mit ganz anderen Möglichkeiten. - Mir fällt dabei immer wieder der mutige Auftritt unserer beiden Stadträte aus El Paso auf der "FITUR" ein. Die wollten da für El Paso werben und hatten auch Kokons der Seidenraupe mit im Gepäck. Mitten in dem ganzen Hochglanztrubel einer der größten Touristikmessen der Welt, werfen zwei Lokalpolitiker mit Seidenkokons auf Hotels und all inclusive. Das ist ein bisschen so, als schössen Spatzen auf Kanonen, aber auch die Spatzen leben gut. Manche sagen die hätten sich da lächerlich gemacht, ich sag, die haben es kapiert.



Sonntag 12.02.06 - 08:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 13 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 88 % Luftdruck 1011 hPa

El Remo und wie weiter?

Costas möchte unsere Insel schöner machen, ein löblicher Wunsch der Küstenbehörde (Dirección General de Costas) und wie der kleine Küstenweg in Los Cancajos gezeigt hat, wenn man denen viel Geld gibt und sie machen lässt, dann entstehen hübsche Spazierwege entlang der Küste. Ähnliches, allerdings nicht so aufwendig hat man an der Westküste vor, von Puerto de Tazacorte plant man einen Fußweg an der Küste, der in kühnen Träumen gar bis in den Süden der Insel weiter reicht. Das Ganze läuft auch unter dem Titel, "Regeneration der Küstenlinie" hört sich gut an, widerspricht sich aber sofort selbst, wenn man dort einen Spazierweg hinstellt und die Küste damit vielen Menschen erst zugänglich macht. Wie dem auch sei, Costas hat sich viele Jahrzehnte nicht sonderlich um diese Insel gekümmert und da fällt das plötzliche Interesse an unserem Eiland schon auf.

Um nun den Küstenstreifen zu "regenerieren" müssen humane Störfaktoren beseitigt werden, oder besser gesagt deren Häuser. Es gibt mehrere Siedlungen an allen Küsten La Palmas, die zumindest teilweise auf Land errichtet wurden, welches Costas unterstehen und damit kein Privatbesitz sein können und auch nicht bebaut werden dürfen. Es wurde aber gebaut, mal völlig illegal, oft aber auch unter den Augen und dem Wohlwollen der Gemeinden. Es ist für uns kein Widerspruch, in einem, nach Costas Meinung illegalen Haus zu wohnen und dennoch dafür Gemeindesteuern zu bezahlen, Müllabfuhr, sowie Strom und Wasseranschluss zu haben. Viele Abrissverfügungen sind schon versandt worden, die landen allesamt bei einem Anwalt in Tenerife, welcher die Anwohner von El Remo gegenüber Costas vertritt. Nun sind die nächsten fünfzig Briefe angekommen und wieder das Gleiche. Einspruch und abwarten. Das Unangenehme dabei, keiner, auch nicht Costas, weiß eigentlich so recht, wie es weiter gehen kann und wird. Die Gemeinde versucht zu vermitteln und bietet ein Bauernopfer an, knapp 20 Häuser will man hergeben und dafür die anderen erhalten. Der Ausgang scheint völlig offen, nur eines ist sicher, innerhalb der staatlichen Küstenbehörde geht bereits ein Witz um: Sei bloß nett zum Chef, sonst wirst du strafversetzt und musst La Palma bearbeiten.


Illegale Freude



Samstag 11.02.06 - 19:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 16 Grad, Niederschlag: 2 mm, Luftfeuchte 76 % Luftdruck 1007 hPa
Höchsttemperatur heute: 19,4 Grad, niedrigste Temperatur: 12,4 Grad

Bauknecht ist nah!

Heute den ganzen Tag noch kleine Nieselschauer auf der Westseite, aber der auf Nord drehende Wind machte schon klar, dass dieses wirklich lästige Tief nun endlich den Rückzug antritt. Da meint man doch eigentlich, wir sollten froh sein, dass so viel Wasser fällt, aber wir sind nur froh, wenn wir das Wasser auch brauchen und es so fällt dass es dem Boden mehr nutzt, als schadet. Zum einen haben wir genug Wasser, alle Speicher, außer dem großen bei Barlovento sind rappelvoll, alle Brunnen und Galerien ebenso. Man hat sogar den Tunnel, welcher einmal quer durch die Insel geht und aus dem enorme Mengen an Wasser sowohl auf der Ostseite wie auch auf der Westseite entnommen werden verschlossen, keiner braucht dieses Wasser und es läuft ungenutzt ins Meer. Es kommt noch ein zweiter Faktor hinzu, der uns diese Regenfälle gar nicht schmackhaft macht, die Erosion. Fällt der Regen in heftigen Schauern, dann hat der Boden keine Zeit das Nass aufzunehmen. Es bilden sich dann erst Rinnsale, dann Kanäle und die Spülen dann in den Barrancos angelangt den mühsam entstandenen Humus auch ins Meer. Besonders in Regionen, in denen nach Waldbränden die Vegetation noch spärlich ist, schwemmt der viele Regen alles weg. 10 Millimeter Regen auf ein paar Stunden verteilt bringen viel mehr, als 40 Millimeter in 2 Stunden.

Was auch noch hinzukommt, die Mandelblüte ist verregnet worden und nur noch wenige Bäume waren noch am Austreiben in den unteren Lagen der Insel. Das mag nur ein ästhetisches Problem sein, aber mir und anderen macht halt die Mandelblüte immer enorme Freude. Natürlich gibt es noch den subjektiven Faktor bei mir, da ich meine Brötchen mit Urlaubsgästen dieser Insel verdiene, erhöht sich mein arbeitsspezifischer Stressfaktor proportional zu der Anzahl der Regentage. Eigentlich wissen die Gäste, dass ich nichts für das Wetter kann, aber wo sonst sollen sie ihren Frust denn los werden... Ganz entscheidend ist aber noch der Stauwäschefaktor, wer nicht die Gnade eines Wäschetrockners kennt, der stapelt in den Tagen immer nur Wäscheberge von einer Seite auf die andere. Da werden dann in den Zimmern Wäscheständer aufgestellt um die Paul und ich herum steigen müssen, wenn wir irgend wo hin wollen. Das können wir gar nicht leiden und ständig fallen diese immer zur Instabilität neigenden Drahtgestelle dann um und man holt sich eine neue Erklärung ab, dass Männer eigentlich überhaupt nicht zu gebrauchen sind bei Schlechtwäschelage. Bauknecht naht, bunt flatternde Wäscheleinen, glückliche HausmannInnen und fröhliche Gäste. - Auch wenn die Webcam immer noch nicht wieder geht, meine Laune steigt stündlich in neue Gefilde...


Wer einen Regenbogen will, braucht...



Samstag 11.02.06 - 09:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 13 Grad, Niederschlag: 6 mm, Luftfeuchte 88 % Luftdruck 1004 hPa

Das Imperium schlägt zurück

16 Polizisten mitsamt zweier Hundestaffeln aus Tenerife patrouillieren seit Donnerstag in Los Llanos, man will Staatsmacht demonstrieren. Die nächtlichen Krawalle einiger Jugendlicher nach Disco-Besuchen und dem Konsum irgendwelcher nicht regelkonformer Drogen hatten in Los Llanos zu einer polemischen Debatte geführt. Bürger und vor allem die politische Opposition hatten gravierende Sicherheitsmängel beklagt, am Wochenende treffen sich die Jugendlichen des Aridanetals in Los Llanos und lassen dann den Dampf einer Woche ab, das geht nicht immer ohne Reibereien oder zumindest lautstarkem Brunftgeschrei ab. Die paar Lokalpolizisten sind da schnell überfordert, aufgedrehte Jugendliche kann man nicht einfach "abstellen".

Was wirklich Sorgen macht, ist der sorglose Umgang mit Drogen. Alkohol, zwar verboten für Jugendliche, aber dennoch immer erreichbar und alle Darreichungsformen von illegalen Drogen machen dort die Runde. Den Alkohol und die Drogen gibt es aber nicht nur am Freitagabend in Los Llanos, aber dort fällt es halt lautstark auf und zeigt den Gerechten und redlichen Bürgern auffallend das eigene gesellschaftliche Versagen. - Schließlich sind es ja unsere Kinder, die da nicht regelkonform handeln und anstatt Verantwortung dafür zu übernehmen, ruft man nach Staatsgewalt. Eine Geschichte, die so überall auf der Welt vor sich geht und wir erschrecken immer noch, dass es bei uns auf La Palma auch nicht anders ist. Gegen unsere eigene Brut, oder die des Nachbarn oder eines Bekannten fällt uns nichts weiter ein, als die Polizei zu rufen. Noch hilfloser wirkt es dann, wenn man weiß, dass die 16 Polizisten der "Unipol" (Unidad de Intervención Policial) heute bereits wieder nach Tenerife zurück fahren und uns mit unseren bösen Kindern alleine lassen. Aber wir haben gezeigt, wo der Hammer hängt!



Freitag 10.02.06 - 18:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 15 Grad, Niederschlag: 28 mm, Luftfeuchte 96 % Luftdruck 1002 hPa
Höchsttemperatur heute: 15,2 Grad, niedrigste Temperatur: 13,0 Grad

13.000 Palmen sollen sterben

"Ben Magec", die engagierteste Umweltschutzorganisation Spaniens fordert dieses "Bauernopfer" um die endemische kanarische Dattelpalme zu retten. Es handelt sich bei den genau 13.200 Palmen um importierte Pflanzen aus nordafrikanischen Ländern, die man besonders auf Fuerteventura und Gran Canaria angepflanzt hatte. Die afrikanische Dattelpalme wird größer, wächst schneller und war so in den Augen vieler Landschaftsbegrüner der ideale Baum, in karg wirkenden Regionen touristisches Flair anzusiedeln. Dabei fing man sich einen blitzgefährlichen Schädling mit ein, den roten Palmenrüssler, über den wir bereits mehrfach berichtet haben. Die Gefahr, welche von dem roten Käfer ausgehe sei enorm und könnte sämtliche Palmen der Kanaren innerhalb kürzester Zeit vernichten, wenn man keine sofortigen und drastischen Maßnahmen anwenden würde.

In der Tat steht man ziemlich hilflos vor diesem Problem, welches die Behörden natürlich nicht so drastisch sehen wollen. Ein großes Defizit räumt man aber ein, man hat kaum Spezialisten, Geräte und vor allem Geld, um großflächig diesen Schädling zu bekämpfen. Im Süden des spanischen Festlandes gibt es alleine 200 Techniker, die ausschließlich damit beschäftigt sind die Palmenpflanzungen von Motril und Elche zu schützen, während hier auf den Kanaren, wo es die einzige endemische Palme Europas gibt, städtische Mitarbeiter, die keine Erfahrung mit diesem Schädling haben können, alleine dastehen. Das soll sich nun ändern, die Provinzregierung der Kanaren will für einen vorerst begrenzten Zeitraum von 6 Monaten 815.000 Euro bereitstellen um Personal und Maschinen bezahlen zu können, welche dann dem "picudo rojo", wie der Käfer hier heißt, an den Kragen zu gehen.

Die Umweltschützer sind natürlich der Meinung, diese Maßnahmen sind viel zu gering, um gegen diesen Schädling eine Chance zu haben und gehen davon aus, dass man mindestens 10 Millionen Euro braucht, um den Palmenrüssler wirksam bekämpfen zu können. - Vielleicht liegt irgendwo dazwischen auch eine Lösung. Studiert man aber mal ein bisschen Fachpresse zu dem Thema, dann findet man wenig Optimistisches und es bleibt zweifelhaft, ob man den Schädling, den man sich da unbedacht und fahrlässig eingeschleppt hat, auch wieder gänzlich vom Hals schaffen kann. Es wird auch nie geklärt werden, ob der Käfer nicht auch so zu uns gekommen wäre und unbedingt nur von den nordafrikanischen Dattelpalmen stammt, die man so großzügig hier gepflanzt hat. - La Palma und El Hierro sind die einzigen Kanareninseln auf denen der "picudo rojo" noch nicht aufgetreten ist, das behaupten Naturschützer und Behörden übrigens in seltenem Einklang. Auch La Gomera, die Insel auf der es die meisten kanarischen Dattelpalmen gibt, hat sich ein paar hundert der nordafrikanischen Brüder kommen lassen um das neu eröffnete Golfhotel dort zu schmücken. La Palma darf sich jetzt aber nicht brüsten damit, wir hätten es wohl auch getan und haben nur Glück gehabt, dass bislang keiner auf die Idee gekommen ist und wir viel zu langsam sind mit den "dringend notwendigen" Golfplätzen. Es ist halt nicht alles Golf was glänzt...



Freitag 10.02.06 - 07:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 13 Grad, Niederschlag: 42 mm, Luftfeuchte 96 % Luftdruck 1001 hPa

Zwei Blitze, einer hat gereicht

Ein heftiger Schauer ist noch mal zu uns gekommen und hat innerhalb von knappen zwei Stunden 36 Millimeter Regen über dem Aridanetal ausgeschüttet. Das wäre ja gar nicht so schlimm, hätte es die beiden Blitze nicht gegeben, von denen einer auch in unsere Leitungen eingeschlagen hat. Fast alles Geräte haben es dank Absicherung überlebt, nur der ADSL-Router nicht, unsere Verbindung mit dem www besteht im Moment nur aus einem kleinen alten Modem, welches aus dem letzten Jahrtausend stammt. Die Webcam kann so vorerst keine Bilder mehr liefern, wir bitten dieses zu entschuldigen.

Zum Wetter. Der Wind ist jetzt völlig eingeschlafen, gestern konnten dann ab Mittag alle Flugzeuge wieder auf La Palma landen. Es gab noch einige Verspätungen im interinsularen Verkehr, sonst läuft alles wieder normal. Das Tief zieht jetzt langsam immer weiter nach Nordosten, die Ausläufer bleiben uns aber noch bis morgen erhalten. Es kann weiterhin zu Schauern kommen, die dann auch reichlich Wasser bei uns lassen können. Gewitter sind sehr selten bei uns, aber ein Blitz kann reichen...Allerdings ist der Bauknecht in Sicht, im Laufe des Samstags wird es sicher besser.



Donnerstag 09.02.06 - 18:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 15 Grad, Niederschlag: 2 mm, Luftfeuchte 96 % Luftdruck 1002 hPa
Höchsttemperatur heute: 15,9 Grad, niedrigste Temperatur: 13,8 Grad

Epochale Bauwerke

Wenn etwas ganz Neues, nie da gewesenes errichtet wird, oder für die Ewigkeit halten soll, dann kann man von einem epochalen Bauwerk sprechen. - Oder auch, wenn die Bauarbeiten eine Ewigkeit dauern. Die Markthalle von Santa Cruz, (la Recova de Santa Cruz de La Palma) sollte mal so eben renoviert werden, im August 2001 hat man damit begonnen und inzwischen traut sich niemand mehr einen Termin für die Wiedereröffnung zu nennen. Aus einer Renovierung ist eine Komplettsanierung geworden und immer mussten neue Projekte erstellt werden und wieder der Klingelbeutel durch die Institutionen gereicht werden, dass man weiter bauen konnte. Die Markthändler sind nun seit dem August 2001 in einem Provisorium an "La Alameda" mit dem Versprechen dort lediglich 18 Monate aushalten zu müssen. Inzwischen sind 55 Monate daraus geworden und die "Marktler" sind epochal sauer und werden wohl zukünftig Politiker an ihren Ständen nicht mehr bedienen.

Allerdings hat der jetzige Stadtchef von Santa Cruz, Juan Ramón Felipe noch Schonzeit, der ist erst seit Anfang 2005 im Amt und kann bislang noch alles auf seinen Vorgänger Carlos Cabrera schieben, der nicht zuletzt deswegen nach 14 Jahren als Bürgermeister sein Amt abgeben musste. Langsam, ganz langsam sieht man nun einen Markthallenstreif am Horizont, immerhin kommen in den nächsten Wochen schon die technischen Anlagen wie Kühlhäuser und die eigentlichen Marktstände. Man spricht von letzten Retuschen die noch am Gebäude gemacht werden müssen, da ein bisschen streichen, dort ein bisschen gipsen und bald ist alles fertig. Dennoch, man ist vorsichtig geworden, ein Eröffnungsdatum lässt sich keiner unvorsichtigerweise aus der Nase ziehen. "Está casi acabada" heißt es, auf deutsch könnte man das auch mit fast fertig übersetzen, wäre da nicht dieses perfide "casi", welches man nicht einfach mit fast übersetzen darf, es kann auch einen epochalen Verlängerungswert in sich tragen. Posteruptiv wäre vielleicht die bessere Übersetzung.



Donnerstag 09.02.06 - 08:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 14 Grad, Niederschlag: 6 mm, Luftfeuchte 96 % Luftdruck 1001 hPa

Kurznachrichten

Eine Revolvergeschichte. Ein 40 jähriger Mann wurde in Puntallana festgenommen, er hatte mit einem Revolver in einer Bar rumgefuchtelt. Manche fanden das lustig, andere nicht und riefen die Polizei. Kein Waffenschein, aber auch keine Munition, beides braucht er nun auch nicht mehr, sondern einen Rechtsanwalt. Der Revolver blieb bei der Polizei.

Eine unendliche Geschichte. Unser größtes Speicherbecken, die "La Laguna de Barlovento" war letztes Jahr undicht geworden und musste für Reparaturarbeiten abgelassen werden. Ursprünglich sollte diesen Winter das Staubecken bereits wieder füllbereit sein. Wünsche und Realität differieren zum Teil, das Umweltministerium hat nun zugesagt, die Arbeiten zu beschleunigen um überhaupt fest zu stellen, was denn eigentlich kaputt sei und wie man die Havarie beheben könnte.

Eine Geschichte die man falsch verstehen könnte. In El Paso finden diese Tage Treffen der Polizeikräfte der Insel statt. Guardia Civil, Policía Nacional und Policía Local werden in der Casa de la Cultura im richtigen Umgang mit Drogen geschult. - Das ist ein bilaterales Missverständnis. Im Spanischen nimmt man Tabletten für (para) eine Krankheit und nicht gegen eine Krankheit, der Umgang "mit" Drogen meint in diesem Falle natürlich nicht das, was man meinen könnte.

Eine feuchte Geschichte. Das Wetter bleibt unangenehm. Der Wind hat nun bereits auf West gedreht und auch nachgelassen. Es besteht gute Hoffnung, dass der Flughafen heute wieder seinen Betrieb aufnehmen kann. Regen, Nebel und Wind bleiben aber heute und auch morgen noch Protagonisten unseres Alltags hier auf La Palma und den anderen Kanareninseln. Ein Blick in die Webcam verrät es, wie man sieht, sieht man nichts.



Mittwoch 08.02.06 - 19:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 16 Grad, Niederschlag: 8 mm, Luftfeuchte 91 % Luftdruck 999 hPa
Höchsttemperatur heute: 16,8 Grad, niedrigste Temperatur: 13,6 Grad

Sauwetter

Eigentlich eine Beleidigung für alle Schweine, so ein Mistwetter nach diesen freundlichen Rüsseltieren zu benennen. Es pfeift heftig aus Süd-Südwest und ab Mittag hat man den Flughafen dann endgültig zu gemacht. Im Laufe des Vormittages konnten einige Maschinen landen, so auch der Charter aus Friedrichshafen. Das war es aber dann, die LTU aus Düsseldorf und später die aus Frankfurt mussten nach Tenerife Süd ausweichen. Offiziell ist noch nicht verkündet, dass kein weitere Anflug auf La Palma versucht wird, es ist aber in den nächsten Stunden keine Besserung zu erwarten. Aber nicht nur die kleine Grüne gibt sich garstig, auch die anderen Inseln haben so ihre Probleme. El Hierro hatte für Stunden kein Telefon, die Funkantenne welche die Anrufe nach Tenerife weitergibt steht bei uns auf dem höchsten Berg und hat bei den starken Windböen kein richtiges Rückgrat bewiesen.

Der Hafen von Gran Canaria musste für Stunden gesperrt werden, Ein- und Auslaufen waren wegen der schweren Brandung zu gefährlich geworden. Auf Lanzarote musste auch der Hafen in Playa Blanca geschlossen werden, gleicher Grund wie auf Gran Canaria. Auf La Gomera mussten wegen heftiger Niederschläge einige Straßen zeitweise gesperrt werden. Stromausfälle werden bei Sturm und viel Regen nicht mehr gezählt, allerdings bekommen die Techniker der UNELCO das meist sehr schnell wieder in den Griff. Man muss aber dazu sagen, es ist nur lästig das Wetter und bereitet Unannehmlichkeiten, wirkliche Schäden in der Landwirtschaft sind nicht zu erwarten und der Regen sorgt hoffentlich dafür, dass kein Wanderer freiwillig in den Wäldern oder Schluchten herum rennt. Die große Frage lautet nun, wie geht es weiter? Das Tief ist ein zähes Luder und zieht nur ganz langsam nach Norden und lässt sich kaum von einem noch weiter westlich liegenden Hoch anschubsen. Der Wind bleibt kräftig und wird auf West drehen, je weiter nördlich der Tiefdruckkern wandert. Es wird auch weiter regnen, aber nur in Schauern und das kann ganz lokal sein. Der Wind wird sich nur langsam abschwächen und vor Samstag ist kein Bauknecht in Sicht. Wäschetrockner und lange graue Innenbeinkleider haben Hochsaison, der Kater schluckt freiwillig Globoli gegen Katzenjammer und meine Lippen sind inzwischen so schmal, dass ich damit bereits das Brot schneiden kann.


Vom Winde verweht



Mittwoch 08.02.06 - 08:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 14 Grad, Niederschlag: 23 mm, Luftfeuchte 95 % Luftdruck 1000 hPa

Tür zu es zieht!

Heftige Windböen, die teilweise an "Delta" erinnerten weckten La Palma heute sehr früh auf. Der zweite "Finger" des Tiefs hat uns erreicht, nach dem gestern fast der ganze Wind und Regen noch nördlich an uns vorbeigezogen ist. Der Wind kommt aus Süd, mit kleinem Einschlag nach West und die Tendenz geht wohl weiter auf Südwest, so dass es zu Fallwinden auf der Ostseite kommen kann. Das würde bedeuten, der Flughafen müsste schließen. Allerdings öffnen sich immer wieder "Fenster" die auch mal länger als eine Stunde dauern können, in denen der Wind völlig einschläft. Man überlegte, heute die Schulen geschlossen zu lassen, konnte sich aber nicht einigen, also ist heute Schule, obwohl man früher bereits bei geringeren Windgeschwindigkeiten den Unterricht suspendiert hatte.

Eines unser Hauptprobleme, das Wetter ist auf den Inseln so verschieden und auch noch auf jeder Inselseite unterschiedlich, so dass keine allgemeine Warnung herausgegeben werden kann, die für alle Zonen der Kanaren auch Sinn macht. Bei den vielen allgemeinen Alarmen erlahmt nun die Aufmerksamkeit und nimmt das alles nicht mehr so ernst. Beispiel gestern ab Mittag. Strahlender Sonnenschein bei uns, kein Regen kein Wind, aber Unwetteralarm. Das Unwetter fand aber auf den östlichen Inseln statt. Dringend erforderlich wäre eine für jede Insel eigen herausgegebene Wetterwarnung, dann würde man sich solche unpassende Alarme wie sie gestern stattfanden einfach sparen. Es wird weiter regnen und damit Vorsicht auf den Straßen, besonders in den steilen Zonen der Insel kann es immer wieder zu Steinschlag oder Erdrutschen kommen, die dann hinter der nächsten Kurve auf den Autofahrer warten. Auch sind Berge und Täler zu meiden, die Berge wegen des Windes, die Täler wegen des Wassers. Die Webcam hat ihre erste Sturm und Regentaufe überstanden, die steht in 4 Meter Höhe ganz frei an einer Metallstange und hat heftig geschaukelt, aber bislang alles überstanden.



Dienstag 07.02.06 - 19:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 17 Grad, Niederschlag: 8 mm, Luftfeuchte 86 % Luftdruck 1006 hPa
Höchsttemperatur heute: 20,5 Grad, niedrigste Temperatur: 13,6 Grad

Gutwetterkater

Viele Dinge haben Paul und ich gemein. Beide glauben wir, unabhängig voneinander die Chefs dieses Familienverbandes zu sein und damit sicher auch der Mittelpunkt. Wir wollen in Ruhe gelassen werden wenn uns danach ist und wir wollen Aufmerksamkeit, Bewunderung und auch, wenn nötig Mitleid. Für beide von uns ist Regen eine lebensbedrohliche Situation, die nun sämtliches Finger und Hirnspitzengefühl unserer weiblichen Lebensbegleiter fordert. Regen oder vertikale Feuchtigkeit ist sowohl für Katzen, als auch für Reiseleiter nicht wirklich seelisch erhellend. Man könnte sich ja nun einfach ins Bett legen und das Kopfkissen andeprimieren, aber so simpel sind weder Kater noch Männer gestrickt, Selbstmitleid ist theoretisch machbar, der Spaßfaktor ist aber nicht mal tendenziell vorhanden.

So bleibt nur eins, miese Laune so lange verstreuen, bis eine der Frauen bereit ist diese aufzunehmen und aus reinem Selbsterhaltungstrieb uns nun bemitleidet. Weder schmallippig und dunkel dreinblickende Ehemänner, noch jammernde Kater sind auf Dauer für Frauen erträglich. Jetzt kommt aber der Hammer, Mitleid scheint nicht teilbar zu sein, entweder wird der Kater mit diesem süßen Gift überschüttet oder der Mann. Selbst in diesen schweren Zeiten geht die Rivalität also ungebremst weiter, wer mehr Mitleid erhascht, der geht als Gewinner hervor und ich muss leider zugeben, meine Karten stehen da verdammt schlecht. Paul ist einfach viel geschickter, der kann so viel leidender blicken, der muss nicht mal den Mund aufmachen um seine Portion Seelentrost einzufordern. Ich erhalte allenfalls noch Mitleid, weil man meine Unfähigkeit Mitleid zu erheischen bedauert. - Das muss die Vorstufe zum Trottel sein und Paul badet und sonnt sich in streichelnden Frauenhänden.

"Jammer nicht so rum wegen des bisschen Regens, du bist doch nicht aus Zucker" schallt es mir entgegen und noch im Weggehen höre ich das vertraute Säuseln von Frau an Kater: "Nicht war mein Süßer, du magst keinen Regen, Gott was musst du Armer leiden". - Mir war von Anfang an klar, dass Kater nicht demokratiefähig sind, aber mir meine letzte seelische Hochburg, das Mitleid meiner Frauen auch noch streitig zu machen, ist nicht fair. Ich werde das heute Abend in meiner Selbsthilfegruppe für Reiseleiter bei Regen noch mal ansprechen, die verstehen mich und Mitleid ist mir dort gewiss.


Regenkater



Dienstag 07.02.06 - 08:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 15 Grad, Niederschlag: 4 mm, Luftfeuchte 78 % Luftdruck 1010 hPa

Der Ausverkauf geht weiter

Tourismus ist eine feine Sache, da kommen Leute von weit her gereist, erfreuen sich an der schönen Umgebung, konsumieren und lassen dafür jede Menge Geld auf der Insel. Allerdings versteckt sich hinter manchem Hochglanzangebot eine ordentliche Mogelpackung, nicht für den Gast, sondern für die Region und in unserem Fall für die Insel. In autarken Zellen des Luxus bewegt sich das Geld, wird nur dort ausgegeben, einmal weil die Anlagen nicht in Fußweite von Siedlungen sind, zum anderen weil das Arrangement bereits mindestens Halbpension beinhaltet und so den Gast nicht zu weiteren Ausgaben animiert. Dazu kommt noch, dass die Betreiber keine Leute von hier sind und als Kompott wird der größte Teil des Geldes im Ursprungsland der Gäste bezahlt, schlechter kann eine Region eigentlich gar nicht wirtschaften. Man darf aber nicht mit Selbstkritik sparen, warum investieren wir nicht selber in diese Projekte und sorgen so dafür, dass das Geld welches mit unserem Namen und unserer Landschaft verdient wird auch hier auf der Insel bleibt.

Das schließt sich eine weitere Frage an, wer investiert eigentlich noch hier auf der Insel in den Tourismus, wo doch die Auslastungszahlen eher einer Depression gereichen als einer gesunden Volkswirtschaft. Wer fünf schlecht besuchte Hotels hat und ein sechstes baut, der ist nicht nur weit entfernt von betriebswirtschaftlichen Denken, er gefährdet die Gesamtstruktur auch noch durch eine weitere Steigerung des Überangebotes und damit einen weiteren Preisverfall. - An den Meerwasserschwimmbecken von La Fajana in Barlovento soll nun ein Luxushotel entstehen. Sicher ein schöner Platz, grandiose Landschaft und weit genug entfernt von einer Ortschaft, um eventuellen Gästen keine Chance zu geben, ihr sauer verdientes Geld außerhalb der Hotelanlage auszugeben. Die Gemeinde bietet nun etwas mehr als 4.000 Quadratmeter dort zur Versteigerung an, der Wert des Grundstücks wird mit 200.000 Euro angegeben. Allerdings kann an der Versteigerung nicht Hinz und Kunz oder José und Pedro teilnehmen, man hat eine kleine Stolperfalle eingebaut, die sicherstellen soll, dass das Grundstück in die richtigen Hände gelangt. Eine Million Euro muss als Sicherheit hinterlegt werden, die nach Lizenzvergabe zurückbezahlt werden. Drei Interessenten soll es geben, die vor Solvenz nur so strotzen und einen weiteren Beweis in Stahlbeton für das Weltbiosphärenreservat La Palma setzen wollen.

Zum Wetter. Der Regen ist bereits da, der Wind fehlt noch. Die Provinzregierung hat eine Wetterwarnung herausgegeben, man sollte nicht in den Bergen wandern gehen und auch Schluchten und Täler meiden, spätestens morgen rechnet man mit sehr starken Niederschlägen.



Montag 06.02.06 - 17:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 19 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 60 % Luftdruck 1014 hPa
Höchsttemperatur heute: 20,1 Grad, niedrigste Temperatur: 12,1 Grad


Hörst du den Rüssler rüsseln?

Ganz ungewöhnliche Methoden setzen nun die Inselregierungen Fuerteventuras und Gran Canarias ein, um einen neuen und blitzgefährlichen Schädling aufzuspüren. Es geht um den bereits erwähnten "Picudo Rojo", auf deutsch roter Palmenrüssler und für die Wissenschaftler unter uns, Rhynchophorus ferrugineus. Dieser stattliche Käfer kam wohl vor gut einem Jahr von irgend wo her, so genau kann man das nicht verfolgen und hat nun auf Fuerteventura, Lanzarote und Gran Canaria für reichlich Schrecken gesorgt. Anfänglich wollte man das gar nicht wahrhaben, hat den Schädling auch gar nicht erkannt. So dauerte es auch Monate, bis man endlich ein Ein- und Ausfuhrverbot für Palmen aller Arten erließ, Solidarität ist eine schöne Sache, aber es nutzt den Leuten auf Gran Canaria und Fuerteventura wenig, wenn wir den Schädling auch noch bekommen. Über die Gefahr, die von dem roten Käfer ausgeht sind sich die meisten Wissenschaftler einig, tut man nicht schnell etwas dagegen, dann kann es in kürzester Zeit um alle Palmen der Inseln geschehen sein. Auch ein Übergreifen auf die Bananen kann nicht ausgeschlossen werden, kein wirklich erfreuliches Szenario malen uns da manche Spezialisten an die Palme.

Ein Hauptproblem für die Pflanzenschützer ist, man findet die fressenden Larven des Palmernrüsslers nicht, fangen die Blätter dann von innen nach außen an zu vertrocknen, ist es bereits zu spät, um die Palme noch zu retten. Der ausgewachsene Käfer selbst, kann bis zu 5 Kilometer weit fliegen und ein Weibchen legt bis zu 500 Eier dann in die nächste Palme. Nun ist man aber einen Schritt weiter gekommen, Technik aus Deutschland und Erfahrung aus den Golfstaaten werden nun in Fuerteventura und Gran Canaria eingesetzt. Der Trick dabei ist, man kann die Larven des Käfers nicht sehen, aber hören. Per Ultraschall und anschließend am Computer bearbeitet, kann man dann sogar erkennen, in welchem Entwicklungsstadium die Larven sind, oder ob da schon erwachsene Käfer in der Palme krabbeln. Damit ist die Palme zwar noch nicht gerettet, aber der Schädling ist zumindest mal erkannt und nun kann man versuchen gegen ihn anzugehen, oder die Palme zu vernichten um nicht weitere 500 Käfer in die Umgebung entweichen zu lassen. Benedikt von Laar, so heißt der Rüsslerlauscher, ist Spezialist für bioakustische Geräte, mit denen man ungebetenen Gästen auf die Spur kommen kann. Er hält sich nun ein paar Tage in Fuerteventura auf, danach in Gran Canaria um hiesiges Personal an den nun erworbenen Geräten auszubilden. Seien Sie also nicht ungläubig, wenn da Leute um eine Palme herumstehen Kopfhörer tragen und an der Pflanze lauschen, diese sind gerade beim großen Rüsslerlauschangriff.



Montag 06.02.06 - 08:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 13 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 73 % Luftdruck 1015 hPa


Kiwis billiger als Kartoffeln

Unsere Landwirtschaft birgt viele Wunder und Fragezeichen. Wie oft haben wir hier an dieser Stelle dazu angemahnt, ländliche Produkte dieser Insel als Konsument zu bevorzugen, um den Landwirten ihren Broterwerb zu sichern. Da wir kaum Möglichkeiten haben maschinell auf den Feldern zu arbeiten, ist alles hier viel mühsamer zu produzieren und damit meist teurer als Importware die aus anderen Regionen dieser Welt stammt. Nun schlägt die endemische Landwirtschaft zurück, Kiwis aus Puntagorda für 89 Cent das Kilo und damit billiger als Kartoffeln der Insel, die zwischen 1 Euro und 1,20 Euro pro Kilo gehandelt werden.

Das muss man mir mal erklären und anfänglich habe ich an einen Auszeichnungsfehler im Supermarkt gedacht, aber nein, man beharrt darauf, dass dieser Preis richtig sei. Den Beweisbeutel brachte meine Frau dann auch mit nach Hause, 4 Kiwis, rund und dick kosten alle zusammen 29 Cent und schmecken auch noch phantastisch. Ich zweifele nach wie vor an der Machbarkeit solcher Preise und glaube immer noch an einen Rechenfehler, die Kiwis sind ja nicht von selber vom Busch in Puntagorda gefallen und haben sich eigenständig den weiten Weg bis nach El Paso in den San Martín gerollt. Wir werden den Fall weiter beobachten und anstatt Kartoffelpüree nun Kiwipüree zubereiten. Das klappt hervorragend, nur die Kiwi-Frites kommen bei unseren Kindern nicht so gut an. Einmal spritzt das furchtbar beim Frittieren und dann passt der immer benötigte Ketchup nicht so recht zu den Kiwi-Fritten, die auch in der Formgebung noch zu wünschen übrig lassen. Die Gastronomie hat aber sofort reagiert, in einem einschlägigen en vogue - Restaurant gibt es nun als krönende Hauptspeise eine mittelgroße Kartoffel aus La Palma und dazu als notwendige Sättigungsbeilage Kiwigratin so viel man will. (Die Kartoffel, wahlweise gebürstet oder geschrubbt, kommt selbstverständlich an Kiwigratin und nicht dazu.)



Sonntag 05.02.06 - 17:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 16 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 70 % Luftdruck 1016 hPa
Höchsttemperatur heute: 17,0 Grad, niedrigste Temperatur: 11,2 Grad


Ein wirklich schöner Spaziergang

Versprochen ist versprochen und wird nicht gebrochen. In Los Cancajos gibt es einen neuen, sagen wir vielleicht besser neu gestalteten Küstenweg, der gerade erst letzte Woche ans Publikum übergeben wurde, von "Costas", der Küstenbehörde. Den zu erwandern habe ich meinen Kindern versprochen und auch, obwohl Los Cancajos auf der Ostseite der Insel liegt, also fast "Terra inkognita" ist, Sonntag sollte für solche einen Ausflug Zeit sein. - Los Cancajos selbst, macht weiter diesen fast schon beängstigenden Eindruck von Leere und Verlassenheit, dass man sich unwillkürlich fragt, ob das ein Ferienort war, ist, oder noch werden soll. Es ist einfach niemand da, der dem Ort Leben einhauchen wollte, für wen man das Ganze da hingestellt hat, ich weiß es nicht. Die wenigen geöffneten Balkone an den Apartmenthäusern lassen auf eine katastrophale Auslastung hindeuten, ich kann nur hoffen, dass man da im Sommer wieder etwas reinholen kann mit nationalen Gästen, jetzt ist Hochsaison des internationalen Tourismus, vielleicht hat das denen in Los Cancajos noch niemand gesagt. Wer solch morbiden Charme schätzt und auf keinen Fall Trubel will und als einziger gerne in der Kneipe sitzt, der kann dem vielleicht was abgewinnen. Positiv anzumerken ist noch, die kleine Touristikinformation war auch am Sonntag offen und zwei ganz nette Palmeras geizten nicht mit Prospekten.

Da muss einiges geschehen, um den Ort attraktiver zu machen, am Strand kann es nicht liegen, es ist und bleibt der sicherste und sauberste Strand der Insel. Der neue Küstenwanderweg kann eine solche Attraktion werden, doch nur dafür wird keiner Los Cancajos anstatt Antalya buchen, es ist aber ein positiver Anfang. Der Weg ist wirklich schön und gut gemacht, viele mögen sich fragen, warum das Ganze 2,3 Millionen Euro gekostet hat, aber in den Begrenzungsmauern steckt unendlich viel Handarbeit, aus geschlagenen Vulkansteinen Trockenmauern zu basteln, das ist eine langwierige Arbeit, die nur von Spezialisten beherrscht wird. Futuristisch wirkende Hinweistafeln gibt es, die alte Saline wird kurz erklärt und es gibt mehrere Aussichtsbuchten, die abends oder nachts wohl noch attraktiver sind, wenn man auf die nahe Hauptstadt Santa Cruz und ihre Lichter blicken kann. Alle paar Meter sind schöne Holzbänke in die Begrenzungsmauer eingelassen, Schmusebänke nannten wir das früher. Allerdings fehlten die Jugendlichen, die meist von solchen Kontakteinrichtungen Gebrauch machen, es war halt die falsche Tageszeit. Der neue Küstenweg ist schön und sicher ein großer Gewinn für die Gäste, welche in Los Cancajos sind, auch für uns hat sich der Ausflug gelohnt. Leider war es ein sehr trüber Tag dort im Osten und so sind die mitgebrachten Photos keine Postkartenmotive geworden. HIER geht es zu den Photos.

Noch kurz zum Wetter. Ab Dienstag muss Schlechtwäschewarnung ausgerufen werden. Wir erwarten den Durchzug eines Tiefs aus Südwesten. Das bedeutet Regen, vielleicht auch starken Wind, aber die Nachttemperaturen werden wieder ansteigen.



Sonntag 05.02.06 - 09:30 Uhr - El Prado - Dos Dedos
Temperatur 14 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 78 % Luftdruck 1017 hPa


Wir basteln uns ein Museum
Gastkommentar von Karlo Kolumno, San Miguel de Serrín.

Jedes Museum ist besser als keines und nur deshalb fiel die Entscheidung im Rathaus von Puente de Taxkoronte zugunsten eines Meeresmuseums aus, der ursprüngliche Plan, ein Kläranlagenmuseum zu errichten, konnte mangels Masse nicht durchgeführt werden. 600.000 Caldera will man für des Meeresmuseum zusammenkratzen, bislang gibt es lediglich die Zusage vom Kabilto Illustral, sich mit 120.000 Caldera zu beteiligen. Man selbst strebt an, die gleiche Summe noch mal in das Projekt fließen zu lassen, wenn mal Geld da sein sollte. Der Standort des Museums ist klar, es wird das nie in Betrieb genommene Gefrierhaus im neuen Hafen von Taxkoronte sein. Das hat selbst schon mal so viel gekostet, man brauchte es aber gar nicht, weil keiner mehr gefrorenen Fisch aus San Miguel de Serrín kaufen wollte, der aus Barokko ist einfach viel billiger.

Ein Meeresmuseum ist sicher eine feine Sache und besonders wenn man es auch noch mit dem Titel "Ecomuseo del Mar" versehen will, eine Anleihe aus der verwandten spanischen Sprache, was dort so viel heißt wie, ökologisches Meeresmuseum. Jetzt rechnen wir mal kurz, die 120.000 Caldera vom Kabilto, damit kann man rechnen, die eigenen aus dem Ayuntapleno (Rathaus auf serinesisch) sind eher nicht vorhanden, also fehlen nur noch 480.000 Caldera, die man nun mühsam zusammensuchen will. Nun denkt man darüber nach, das nichtvorhandene Geld für die öffentliche Toilette am Strand, genau so wie das nicht vorhandene Geld für die neue Kläranlage in einen Topf zu werfen, kräftig umzurühren und daraus dann ein ökologisches Meeresmuseum zu bauen. Die vielen Besucher für das zukünftige Museum bringt dann der Ausflugsdampfer "Bolcán de Taube" der Puente de Taxkoronte seit Wochen nicht mehr anläuft. Die Projektierung soll noch in diesem Jahr abgeschlossen werden, das berühmte Ingenieurbüro "Spongebob und Partner" übernimmt die Planung, zum möglichen Termin eines Baubeginns, wollte sich noch niemand der Verantwortlichen äußern.




Samstag 04.02.06 - 18:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 18 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 63 % Luftdruck 1017 hPa
Höchsttemperatur heute: 20,2 Grad, niedrigste Temperatur: 12,0 Grad


Kaum Verspätung für Umgehungsstraßen

Geht es nach unseren Verkehrsplanern, dann sind beide Umgehungsstraßen, sowohl die der Hauptstadt Santa Cruz, als auch die der Westseitenmetropole noch in diesem Jahr fertig. In Santa Cruz wird aus dem erhofften Juli wohl September, der Anschluss am Hafen machte mehr Probleme als ursprünglich angenommen, aber sonst ist diese enorme Arbeit fast im ursprünglichen Zeitplan erstellt worden. Man wird dann zukünftig große Teile der Hauptstadt unterqueren, viele Tunnel sollen allen Durchgangsverkehr in den Norden von der jetzigen Uferstraße nehmen. In Zukunft kann man dann mit viel mehr Ruhe in den Ort fahren, die Parkplatzsituation wird aber weiter kritisch bleiben. Wer in den Norden will, der spart je nach Tageszeit zwischen 5 und 15 Minuten, Barlovento rückt also wieder ein Stück näher.

Größere Verzögerungen gab es an der Umgehungsstraße von Los Llanos, nicht unbedingt wegen der Bauarbeiten selber, aber man hat Jahre verloren mit den umständlichen Enteignungsverfahren und wieder und wieder wurden neue Trassen vorgeschlagen und alle Pläne mussten neu geschrieben werden. Jetzt gehen die Arbeiten gut voran, auch wenn es bei weitem kein solch epochales Bauvorhaben ist wie die Umgehungsstraße von Santa Cruz, das erhoffte Ergebnis wird eine ähnliche Zeitersparnis bringen. Ende des Jahres hofft man dann, ohne Stau und viel angenehmer nach Tazacorte oder in den Nordwesten der Insel zu gelangen. Für die, die dann in die Stadt wollen ergibt sich allerdings auch weiter das gleiche Problem wie in Santa Cruz, Parkplätze sind trotz Umgehungsstraße weiter Mangelware. - Man kann dann aber wohl ruhiger einen Parkplatz suchen, ist doch auch ein Gewinn.


Sonnenuntergangskater

Nicht nur, aber besonders für Christa in Salzburg



Samstag 04.02.06 - 09:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 13 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 82 % Luftdruck 1017 hPa


Garafía, das Eldorado der Archäologen

Die Suche nach unserer Vergangenheit, noch bevor Portugiesen, Venezianer, Mallorquiner und Spanier sich um diese Insel bemühten, ist sehr kompliziert. Zum einen weiß man ja immer noch nicht einhundertprozentig, wer waren diese Menschen eigentlich die hier früher die Insel besiedelt hatten und zum andern hat man fast 5 Jahrhunderte verstreichen lassen, bevor man sich nun an die Frühzeit der Siedlungsgeschichte La Palmas macht. Da ist ganz viel verloren gegangen, meist aus Unkenntnis oder Desinteresse. Es muss aber auch erwähnt werden, dass in der Franco Zeit sogar Trupps organisiert über die Insel zogen, um alles was nach Resten der "Aborigines" aussah, zu zerstören. Diesen Reinheitsirrsinn haben wir hinter uns und jetzt macht man sich seit fast 3 Jahrzehnten auf, den Mantel der Geschichte ein Stückchen zu lüften. Auch gesellschaftlich ist das Interesse an der Frühzeit der Insel fast en vogue, immer mehr Eltern geben ihren Kindern plötzlich Namen der Ureinwohner, auf der Suche nach der eigenen kanarischen Identität sind die Benahoaritas plötzlich wieder hoch im Kurs.

Jorge Pais, Beauftragter der Abteilung Patrimonio Histórico (geschichtliches Erbe), fast so was wie unser historisches Gewissen, hat die Suche nach Wohn- und Lagerstätten der Ureinwohner sogar zum primären Ziel unserer Geschichtsforschung gemacht. An die 2.000 Fundstätten kennt man inzwischen auf La Palma, die allermeisten völlig unscheinbar und nur von Fachfrauen überhaupt zu erkennen, es ist halt wie ein riesiges Puzzle ohne Abbildung, wie es mal fertig aussehen soll. Gerade der Waldbrand im September 2005 hat nun für Jorge Pais ein völlig neues Feld eröffnet, das nun verbrannte Unterholz verbarg etliche Lager und Wohnstätten der Benahoaritas, die nun plötzlich zugängig sind. 150 neue Stellen von archäologischem Interesse hat man in kürzester Zeit dort oben im Nordwesten La Palmas ausgemacht, die Hälfte davon konnte erst eingehender untersucht werden. Garafía setzt sich nun mit insgesamt 600 Fundstellen an die Spitze des archäologischen Interesses. - Böse Zungen behaupten nun, aber nur bis zum nächsten Waldbrand in einer anderen Gemeinde. Das ist genau so fragwürdig wie die, aus meist suboptimal unterrichteten Kreisen kolportierte Meldung, Jorge Pais hätte ein Dokument gefunden, in dem La Palma eigentlich "Isla Serrín" heißen soll.



Freitag 03.02.06 - 08:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 16 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 77 % Luftdruck 1017 hPa
Höchsttemperatur heute: 17,2 Grad, niedrigste Temperatur: 11,2 Grad


La Palma blüht

Eine der schönsten Mandelblüten seit langem, dieser Winter/Frühling hat sich alle Mühe gegeben, den Besuchern der Insel und uns eine absolute Farbenpracht zu servieren. In allen Winkeln und Ecken der höheren Lagen der Insel findet man eine wahre Orgie an Farben, auf dem satten Grün der Weiden spielen die Mandelbäume mit Blütenfarben die fast schon unecht erscheinen. Das knorrige und dunkle Holz der Mandeln bildet einen starken Kontrast zu den Pastellfarben der Blüten, das geht oft haarscharf am Kitsch vorbei. Andere Mandelbäume haben gar so viele Blüten, dass man die Äste und Zweige gar nicht mehr sehen kann, nur noch ein Farbenmeer. Das Mandelblütenfest in Puntagorda geht heute Abend los. Ich bin heute Morgen nach Tacande und zur Montaña Enrique gefahren, um allen die nicht auf das Fest gehen können auch einen Eindruck zu geben, was hier gerade los ist auf La Palma. - Eigentlich tun mir alle Leid, die gerade nicht da sein können.... HIER geht es zu 25 weiteren Photos.


Mandelblüte auf La Palma



Freitag 03.02.06 - 08:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 12 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 75 % Luftdruck 1018 hPa


Importschlager, Kriminelle

Die Defizite dieser kleinen Insel sind oft genannt, nun müssen wir sogar noch Kriminelle importieren, weil unsere endemen Lausbuben einfach nicht genügend hermachen. Die niedrigste Kriminalitätsrate aller Kanareninseln verkündet unsere Oberaufseher, der Chef der staatlichen Behörden auf La Palma José Antonio Batista. Im vergangenen Jahr sank die Zahl der Verstöße um 1,35% und die der Verbrechen gar um 10%, das ergibt im Kollektiv beider rechtsfreier Freizeitangelegenheiten eine Reduzierung von 5% gegenüber dem Vorjahr. Anders ausgedrückt, pro 1.000 Einwohner verzeichnete man auf La Palma 28,8 Vergehen, entgegen einem kanarischen Durchschnitt von immerhin 49,4 pro tausend Einwohner.

Man muss natürlich immer dazu sagen, dass diese Zahlen nur Vergehen auflisten können, die auch bei den Behörden angezeigt werden, aber das verändert den Vergleich mit den anderen Kanareninseln auch nicht, La Palma ist und bleibt in dieser Hinsicht Entwicklungsland. Da verstummen auch die vielen Propheten der reinen Rasse, die immer davor gewarnt haben, der große Zuzug von Menschen aus südamerikanischen Ländern könnte diese friedliche Insel in eine Außenstelle der globalen Kriminalität verwandeln. Sicher hilft uns auch dabei unsere berühmte doppelte Insellage, es ist schwer nach La Palma zu kommen und auch wieder weg. Das gilt für "Chorizos", wie man hier Kleinkriminelle nennt, genau so wie für Fracht und Passagiere, wir sind immer Endstation und keine Transitinsel. Böse Zungen behaupten auch, hier wird nur deshalb so wenig geklaut, weil eh nichts zu holen ist. Das wäre ja mal eine wirklich progressive Idee, den Lebensstandart einer Region auch an der Zahl der Vergehen zu messen. Da wo mehr geklaut wird, da geht es den Leuten besser, so wünsche ich mir keine Angleichung der Lebensverhältnisse.



Donnerstag 02.02.06 - 19:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 16 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 78 % Luftdruck 1018 hPa
Höchsttemperatur heute: 16,9 Grad, niedrigste Temperatur: 11,5 Grad


Es ist kein Huhn in Tijarafe überfahren worden

Was macht man, wenn die morgendliche Nachricht keine wirklich gute Nachricht war und man abends nicht gleich den nächsten Klopper draufsetzen will. Ich könnte ja über den Schlamassel erzählen, den die Inselregierung mit dem ehemaligen Gebäude der Tabakfabrik in El Paso anstellt. Aber das wäre zu negativ, ein anderes Mal kommt das bestimmt, aber mehr als eine unschöne Nachricht am Tag soll einfach nicht sein. Das hat diese Insel auch gar nicht verdient, liegen doch unsere Möglichkeiten eher im Makrobereich, also in den kleinen Alltäglichkeiten, die man gerne übersieht, weil sie einfach weder optisch, noch verbal riesig was hermachen. Mir stellt sich oft die Frage, über was schreibe ich denn jetzt und was, wenn wieder mal nichts passiert ist. Das Wetter, der Kater oder irgendein Geschehensplacebo müssen dann herhalten.

Dabei ist gerade der Alltag hier das, was uns wohl am allermeisten von Mitteleuropa unterscheidet. Da ist wirklich vieles leichter, wir müssen weniger misstrauisch sein, weniger vorsichtig und können mit schlichten Gesten mehr ausdrücken, als krawattierte Würdenträger mitteleuropäischer Herkunft mit umständlichen Floskeln. Es gibt fast so etwas wie einen Gemeinsinn, sich das Leben so einfach und erträglich wie möglich machen zu wollen. Arbeit, soziale Ängste, Zukunftsprobleme, das nagt schon genug an uns, dann brauchen wir uns gegenseitig nicht auch noch das Leben schwer zu machen. Natürlich gibt es immer Ausnahmen, aber eben bei uns Ausnahmen und nicht die Regel. Mag sein, dass ich längst betriebsblind bin was meine Kritikfähigkeit der palmerischen Gesellschaft angeht, ich habe aber den Vorteil, täglich mit vielen Menschen aus dem mitteleuropäischen Umfeld zu tun zu haben und traue mir deshalb diesen Vergleich schon noch zu. Fast skeptisch begegnen diese unseren Möglichkeiten, nicht das Negative als Vermutung anzustellen, sondern erst Mal das Positive. Wenn es wirklich nicht hinhaut, dann kann man später immer noch lamentieren, vieles funktioniert aber auch deshalb nur, weil man es vorher nicht bereits zerredet hat, sondern einfach getan. Mag auch sein, dass uns vieles einfacher von der Hand geht, weil wir nicht den Wunsch nach Perfektion in uns tragen, sondern in der Lage sind, mit dem was wir haben auch unsere Freude zu finden. Das sind alles nur Kleinigkeiten, machen aber das Leben wirklich leichter. Dazu gehört auch eine Grußformel, die man nahen Menschen zum Abschied auf den Weg gibt hier, die ich ganz besonders mag: ¡Cuídate! Das heißt so viel wie: Sei gut zu dir!



Donnerstag 02.02.06 - 08:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 12 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 73 % Luftdruck 1018 hPa

La Palma virtuell

Seit dem Jahr 2003 existiert ein ambitiöses Projekt, die Agrarinsel La Palma in eine digitale Welt zu verwandeln. Internet für jeden, Hilfen für die Firmen, ihren Betrieb auf moderne Datenverarbeitung umzustellen und auch die öffentliche Verwaltung online zugängig zu machen. Das Projekt nennt sich "La Palma Digital" und jedes Jahr fließen 1,5 Millionen Euro nach La Palma und keiner hat dieses Geld je gesehen. Die Laufzeit dieses Projektes reicht vom Jahr 2003 bis 2007, insgesamt sollen so also 6 Millionen Euro dazu dienen, La Palma ans Netz zu bekommen. Bislang sind die Erfolgsmeldungen mager, lediglich in Puntagorda gibt es zwei Lokale, in denen die Bürger kostenlos ins www vordringen dürfen.

Eine, eigentlich wunderbare Idee wird irgendwo zerwaltet, (kein Schreibfehler) und wir suchen immer noch die Schuldigen. Von den 6 Millionen kommen 50% vom Ministerium für Industrie, 40% von der kanarischen Provinzregierung und 10% von der Inselregierung La Palmas. Man weiß jetzt gar nicht so recht, wen man fragen kann, was mit dem ganzen Geld bislang geschehen ist. Computer hat man gekauft, in Gran Canaria, obwohl das Geld hier ausgegeben werden sollte. Diese Rechner stehen nun irgendwo in den Gemeinden herum und man befürchtet, kurz vor den Wahlen im Mai 2007 werden diese, dann bereits hoffnungslos veralteten Computer plötzlich herausgeräumt, um Wählerstimmen für sich zu gewinnen. - So kommt die Schelte von den nationalen Verwaltung, aber hier sind keine Computer angekommen und schon gar nicht für den Wert von 1,5 Millionen Euro wie man uns weismachen will. Dieses Projekt ist typisch für ein wunderbares Geldvernichtungssystem. Projekte werden sonst wo aufgelegt, 6 Millionen für La Palma, alles wird in Madrid oder Gran Canaria abgewickelt und hier stellt man 20 Auslaufmodelle in die Landschaft und sagt dann, wie dusselig seid ihr nur mit dem vielen Geld umgegangen. Es ist hier einfach nie angekommen. Es freut mich, wenn viele Leute an "La Palma Digital" gut verdient haben, noch besser wäre es natürlich, das Geld wäre auch bis nach La Palma gekommen, nicht nur virtuell oder digital, sondern in bar.



Mittwoch 01.02.06 - 18:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 16 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 74 % Luftdruck 1018 hPa
Höchsttemperatur heute: 16,4 Grad, niedrigste Temperatur: 12,7 Grad


Mehr Betten, weniger Gäste

Keine schönen Nachrichten von der touristischen Front, die mal als Zukunftsbranche hier bei uns auf La Palma galt, und bereits mit grellen Farben unseren Wohlstand verkündete. Den schlechtesten Dezember seit 1999 hat diese Insel hinter sich und das mit an die 3.000 Hotelbetten mehr, als noch im alten Jahrtausend. Ich halte mich bei den Zahlen an die staatliche Flughafenbetreibergesellschaft "Aena", da wird trocken und ohne weitere Interessen gezählt. 22.900 Gäste besuchten diese Insel im Dezember 2005, im gleichen Zeitraum 1999 waren es noch 24.500. Zusätzlich ist die Aufenthaltsdauer gesunken, mehr Betten teilen sich weniger Gäste und das auch noch kürzer. Man bräuchte jetzt die medialen Fähigkeiten eines Gerhard Schröder, um daraus eine solide Volkswirtschaft zu begründen, aber wir wissen ja wo das hinführt und irgendwie wünsche ich mir für La Palma doch was anderes.

Man kann alle Zahlen hin und durchdrehen wie man will, es wird uns trotzdem ein positiver Trend im Tourismus auf La Palma vorgerechnet. Der gute Sommer und die 5 Charter wöchentlich vom spanischen Festland haben die Hotelanlagen in den beiden Sommermonaten mit sehr guter Auslastung erfreut. Ein Hotel meldete sogar fast doppelt so viele Urlauber als es offiziell Betten hat, das muss mich aber nicht interessieren, ich freue mich über jede Anlage die funktioniert. Letztes Jahr war allerdings ein "Bajada-Jahr" und La Palma in aller Munde, wir müssen erst diesen Sommer abwarten, ob es uns wieder gelingt, die beiden Sommermonate so viele Hispanen für unsere Insel zu begeistern. Nur, von den zwei Monaten im Jahr kann auch keine Insel leben, der internationale Tourismus ist in der Branche immer noch maßgebend und wird es auch bleiben. Die vielen Gäste, die angeblich von anderen Kanareninseln zu uns kommen, werden lediglich astral erlebt, ein bestimmtes Kontingent der Fluggastzahlen der interinsularen Maschinen wird am grünen Tisch in den Stand eines Touristen erhoben. Ich will mich in keiner Weise in Polemik ergehen, obwohl das bei der jetzigen Situation kein Problem wäre. Es ist zu ernst und über unseren touristischen Weg in die Zukunft muss noch mal ganz neu nachgedacht werden. Es ist ein Fehler, ein ähnliches Angebot kreieren zu wollen, welches von dritten Anbietern bereits völlig abgedeckt wird und uns in die dann folgende Preisfalle drängen wird. Mehr dazu im Kalenderblatt für den Januar 2006, welches HIER aufgeschlagen werden kann. In diesem Kapitel endet auch die Diplomarbeit zu genau diesem Thema von Lars Gerhardts, dem ich sehr dankbar bin, uns diese großartige Arbeit zur Verfügung gestellt zu haben.



Mittwoch 01.02.06 - 08:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 13 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 70 % Luftdruck 1017 hPa

Das, was übrig bleibt

Von unserer kleinen gelben Haupternährungsfrucht bleibt nicht nur nach dem Verzehr die berühmte Bananenschale, die ist auch nicht das Problem, die wird ja mit exportiert und dort entsorgt, wo die Frucht gegessen wird. Es bleibt aber der Stamm hier (eigentlich Scheinstamm, aber so früh wollen wir noch nicht botanisch kleinlich sein) und die Strünke von denen in den Packereien die "Hände" der Bananen abgeschnitten werden. Viele "Stämme" werden als Viehfutter verwendet, ein wunderbar nachhaltiger Kreislauf, wären da nicht etwaige Pestizidrückstände, die somit natürlich auch in die Tierkörper gelangen. Die Abfälle der Packereien sind weniger beliebt, diese landen bislang in einem Barranco hinter Argual und bleiben sich selbst überlassen. Zu diesem Thema, es gibt keinen Abfall, nur falsch behandelte Rohstoffe, findet morgen Abend in Tazacorte ein Gespräch mit Interessierten statt, wie man denn die Bananenüberbleibsel wirtschaftlich und ökologisch sinnvoll verwenden könnte. Enrique Francisco Bosio, Agraringenieur und Spezialist im Bereich der Energiegewinnung aus Biomasse, wird auf Fragen antworten und neue Möglichkeiten aufzeigen. Die "Charla", so nennt man solche, meist zwanglosen Unterhaltungen hier, findet äußerst passend im Bananenmuseum in Tazacorte statt.

Nur gute Nachrichten heute, Costas hat sich übergeben. Am Samstag noch haben wir den immer noch geschlossenen Küstenwanderweg in Los Cancajos beklagt, am Montag wurde er eröffnet. Die "Dirección General de Costas" hat endlich das schriftliche OK an die Gemeinde versandt, der fast einen Kilometer lange Weg kann nun auch für das Publikum geöffnet werden. Es ist eine der neuen und notwendigen Attraktionen des Badeortes und sicher einen Ausflug wert. Auf jeden Fall weiß ich, wo ich meinen Sonntagsausflug mit den Kindern dieses Mal unternehme.

Noch mehr als ein Wort zum Wetter. Das Azorenhoch hat Platzprobleme auf dem Nordatlantik und besitzt einfach nicht genügend Kraft, um sich gegen die garstigen Tiefs durchzusetzen. Nun dümpelt es reichlich depressiv (1020 - 1025 Hektopascal im Kernbereich) nordwestlich von uns rum und lässt so gar keinen Wind aufkommen, welcher uns die dünne Wolkenschicht auf der Westseite wegblasen könnte. So ein Wackelkandidat mit Existenzängsten hat nicht das Prädikat Nordostpassat betreiben zu dürfen und lässt uns unter einer Wolkenschicht bei 15 Grad am Tag erbärmlich frieren. So lang und grau kann keine Unterhose sein.





Familie Ingrid & Mathias Siebold
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E-38750 El Paso
La Palma, Islas Canarias, Spanien
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