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Nachrichtenarchiv Dezember 2009


Donnerstag 31.12.09 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 46 % - Luftdruck 1015 hPa
Höchsttemperatur heute 20,8 Grad - niedrigste Temperatur 12,6 Grad

Ein Jahr geht in Demut
Vorwärts immer, rückwärts nimmer

Nein, das war nicht unser Jahr, und das ist gut für 2010. - Man kann da so ein bisschen den Vergleich anlegen wie die Aufgaben, welche an den Präsidenten nach Bush gestellt werden. - Da hätte selbst McCain noch gut ausgesehen. - Das Jahr 2009 hat La Palma nicht wirklich gut getan, zu viel Strudel und zu viel Lärm für so eine kleine Insel, Krise, Arbeitslosigkeit, Feuer, Unwetter und unfähige Politiker nicht nur einer Couleur, haben uns ganz schön zugesetzt. - Wobei wir aber ganz klar sagen müssen, gegen die Naturkatastrophe schlechte Politiker, dagegen können wir etwas tun, denn diese Lümmel sind letztendlich auch nichts anderes als immer wieder nachwachsende Rohstoffe. - Die "Krise", die geht sicher nicht auf unser Konto, obwohl wir auch mitgemischt haben im fröhlichen Spiel um billige Kredite und Bau auf Zins komm raus. - Die hohe Arbeitslosigkeit, auch nicht unsere Erfindung, aber eigentlich haben wir das ja kommen sehen, zumindest die Einäugigen unter uns, wer so heftig auf eine Branche setzt, nämlich auf die Bauwirtschaft, der bekommt irgendwann die Rechnung, wenn einfach kein schneller Geld mehr unterwegs ist, und keiner mehr Wohnungen braucht, weil keiner sich die mehr leisten kann. - Die Grenzen des Wachstums sind uns ja allen aufgezeigt worden, allerdings wundert es einen sehr, warum keine Konsequenzen daraus gezogen werden. - Wobei wir wieder beim Thema wären, La Palma als Opfer der Weltwirtschaftskrise, aber dabei ärgert es mich eben besonders, dass auf wir wieder nicht in der Lage waren, solch einen Pendelausschlag auch als Chance zu begreifen, die notwendigen Zäsuren auch mit Mut und Tatendrang dann durchzusetzen. - Das Feuer im August, der riesige Schreck, allerdings reduziert auf Sachschaden der behoben werden kann. - Die Spätfolgen davon, die Erdrutsche nach dem Unwetter Mitte Dezember, auch wenn nicht so spektakulär, doch noch viel zerstörerischer als die Flammen im Sommer. - Man ist dabei Schuldige zu suchen und auch zu finden, wobei dadurch auch immer ein bisschen die Suche darunter leidet nach dem Bestreben, besser auf solche Dinge vorbereitet zu sein.

Irgendwie war halt der Wurm drin in 2009 und die allermeisten Leute hier freuen sich sogar mindestens ein bisschen, dass das nun ein Ende hat, und wir in ein noch unbelastetes Jahr eintauchen können. - Wenn nur dieser verdammte Rucksack nicht wäre, in dem immer der ganze Schlunz von früher noch steckt, aber bei solchen Aufbrüchen oder Neuanfängen sind ja zwei Drittel des Erfolges auch meist reich psychischer Natur. - So dürfen wir hoffen, dass wir nächstes Jahr ein deutliches Stück mutiger werden, auch die Politiker. - Wobei wir nicht immer nur die an der Regierung schelten dürfen, auch die Opposition hat sich darauf beschränkt, Rügen zu verteilen, anstatt neue Horizonte aufzuzeigen, das müssen sich auch meine Genossen leider sagen lassen, auch wir haben unsere Arbeit nicht getan. - So sollte man das nun fast vergangene Jahr dann auch nicht als katastrophal ansehen, sonder eher als Vorbereitung auf die vielen neuen Ideen und Anstöße sehen, die nun zwangsläufig folgen müssen, wenn man erst Mal so auf die Schnauze gefallen ist, wie wir das jetzt erlebt haben. - Da haben viele andere Vorkommnisse auch wieder Mut gemacht. - Da sind besonders die Menschen hier zu nennen, die ja bereits seit vielen Generationen krisenerprobt sind, und sich zumindest nicht aus der Menschlichkeit entlassen sehen, bloß weil der Finanzsegen mal gerade schief steht. - Da ist wieder viel von der eigentlich so berühmten palmerischen Demut aufgekommen, diese Tugend, welche eigentlich das gesellschaftliche und soziale Leben hier so geprägt hat. - Das hat schon auch unter dem Goldenen Kalb gelitten und diesem widerlichen Fortschrittsdrang, der mit seinen dummen Phrasen um "thinking big" und der Wachstumsfuchtel uns immer schneller hat laufen lassen, als wir eigentlich wirklich können. - Wir haben da angefangen nicht mehr unseren Tanz zu tanzen, und uns Schuhe verpassen lassen, die für ganz woanders bestimmt waren, da stolpert man zwangsläufig, und das ist auch gut so, man muss dann aber auch den Mut haben, aus diesem viel zu schnellen und zu großen Zug wieder auszusteigen. - Und dazu brauchen wir Zeit, Mut, gute Laune und vor allem Demut, die uns endlich auf unsere eigenen Möglichkeiten zurückgreifen lässt, und nicht mehr an den Rockzipfel einer durchaus attraktiven, aber eben nur kurzfristig blendenden Fortschrittsglocke hängen lässt. - Den Mut klein zu bleiben und so unwichtig, dass der viel zu schnelle Tross der Globalisierung auf seinem fatalen Weg einfach an uns vorbeirauscht. - Ducken sollten wir uns alle dabei ein bisschen, damit wir nicht entdeckt werden. - Und dann müssen wir halt wieder lernen, selber laufen zu können, aus eigenem Antrieb und mit eigenen Möglichkeiten, dann genießt vielleicht irgendwann diese so oft, und so grausam vergewaltigte Vokabel "Nachhaltigkeit" wieder den entsprechenden Wert.

Irgendwie beschleicht mich das Gefühl, ich hätte eben versucht, mir den schalen Geschmack eines sehr schlecht durchwachsenen 2009 aus den Fingern zu schreiben. - Auf Ihre Kosten natürlich, denn meine Frau sagt ja sowieso immer, schreib nur weiter, so sparst du dir die Therapie. - Also, lassen Sie uns alle in die Hände spucken, bitte erst nachdem wir uns diese gereicht haben, und im kommenden Jahr müssen wir alle eine Schippe drauflegen, sonst wird das nichts mit den neuen Zielen und Horizonten. - Dazu wünschen wir Ihnen Gesundheit, Freude, Mut und eben auch Demut, ohne die wachsen unsere Nasen nämlich äußerst unvorteilhaft in die Richtung, von der man doch immer noch behauptet, dort sei der Himmel.





Donnerstag 31.12.09 10:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 14 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 60 % - Luftdruck 1015 hPa

Asphalt macht blind
Bürgermeister von Los Llanos steht weiterhin zu den Asphaltwerken

Draufhalten und durch. - Wenn aussitzen nicht mehr funktioniert, dann kehrt man schlichtweg die Beweislast um und behauptet, man müsse glaubwürdige Argumente bringen, wenn man die Asphaltwerke noch stoppen wolle. - Dabei braucht das niemand, sondern das Genehmigungsverfahren wurde manipuliert, ob nun arglistig oder einfach fahrlässig, die Genehmigung hätte niemals erteilt werden dürfen und nun können Juristen wohl darüber diskutieren, ob eine Erlaubnis die gegen das Gesetz erlassen wurde Gültigkeit besitzt oder nicht. - Das sieht alles sehr danach aus, als müsse der Weg gegen die beiden Asphaltwerke doch über die Gerichte gehen, denn der Bürgermeister aus Los Llanos zeigt sich in keiner Weise beeindruckt von der großen Manifestation vom 26. Dezember, und hält weiterhin an der Richtigkeit der Asphaltwerke im Aridanetal fest. - Dabei leitet ihn aber wohl mehr die Angst vor Schadensersatzforderungen der Firma, deren Genehmigung bereits erteilt wurde, und die innere Parteidisziplin der Coalición Canaria, als der so genannte gesunde Menschenverstand, den selbst Politiker nur auf lokalem Niveau bereits fest im Parteibuch abgeheftet haben. - Betrachtet man die Geschichte nämlich einfach mal nüchtern von außen, dann hätte in der Zone des Industriegebietes von Los Llanos nämlich dieses Asphaltwerk niemals genehmigt werden können, wenn man sich an den genauen Gesetzestext hält. - Dazu müssen wir das Gesetz 2414/1961vom 30. November 1961 zitieren welches aussagt, dass Industrieanlagen die störend, gesundheitsgefährdend, laut oder giftig nicht dort aufgestellt werden, wo in einem Umkreis von 2.000 Meter Siedlungen sind. - (nucleos de pobalción agrupadas). - Im Genehmigungsverfahren allerdings, in dem diese Industrie wortwörtlich als giftig, laut gesundheitsgefährdend und störend bezeichnet wird, hat man aber die Wörter nucleos de población agrupadas in nucleos urbanos ausgetauscht. - Das würde bedeuten, dass in einem Umkreis von 2.000 Meter keine städtische Siedlung sein darf, und in der Tat, Stadtgebiet wird nicht erreicht. - Das ist ein ganz klarer Fall von Manipulation, noch mal offen gelassen, ob es sich um Arglist dabei handelt oder schlichtweg um ein Versehen, aber auch der Anwalt der Plataforma hat nicht ausgeschlossen, dass man einen Strafantrag gegen die Unterzeichner des Genehmigungsverfahrens prüft.

Die Sozialisten leben noch. - Man glaubt es kaum, aber immerhin wurde im letzten Rathausplenum von Los Llanos auf Antrag der Oppositionsführerin Rita Gómez eingebracht, man möchte doch das Genehmigungsverfahren zumindest temporär aussetzen, damit alle rechlichten Schritte und Möglichkeiten geprüft werden können. - Immerhin etwas, das gäbe zunächst eine Auszeit, in der alle Seiten ihre Argumentationsbatterien und Klageschriften neu richten könnten, aber der Bürgermeister gibt sich da nicht verhandlungsbereit, sondern lehnt den Antrag der Sozialisten mit den Worten ab: Wir können nicht auf Grund irgendwelcher Allüren oder Launen (capricho) die Genehmigung stoppen, wobei der gute Mann übersieht, dass ein Gesetz nicht unbedingt als Laune oder Allüre zu bezeichnen ist. - Es müsse ein triftiger Grund genannt werden, oder ein echtes Problem her, sonst könne man das nicht mehr stoppen. - Wieder kann man antworten, wenn das Gesetz nicht als triftiger Grund gilt in der Grundhaltung der gewerblichen Interessenvertretung Coalición Canaria, die als politische Partei antritt, dann müsste man ja sogar die Verfassungstreue dieser Gruppierung in Frage stellen. - Auch gilt das Argument nicht, man würde sich zu spät gegen die Aufstellung dieser Einrichtungen wehren. - Vor Jahren bereits haben Mitglieder der heutigen "Plataforma" anhand einer Unterschriftenaktion sich gegen die Asphaltwerke aufgetan, und im Mai 2008 ging eine Alegación der damaligen Bürgermeisterin Dolores Padilla aus El Paso im Rathaus von Los Llanos ein, worin ganz klar und dringend gefordert wurde, in der Zone keine Industrieanlagen zuzulassen, welche auch nur annähernd gesundheitsgefährdend sein können. - Es ist zu einfach, aus Unrecht Recht zu machen, nur weil man Unrecht unterschrieben hat. - Der Bürgermeister aus Los Llanos hat erneut die Chance verspielt auf der Seite seiner Bürger zu stehen, und so müssen die Gerichte das klären und das kann und wird teuer werden, seien es nun die Anwaltskosten auf der einen Seite, oder eventuelle Schadensersatzansprüche auf der anderen Seite. - Da kann der Bürgermeister aber ruhig bleiben, die ersten Kosten tragen die Unterstützer der Bürgerbewegung und die Schadensersatzansprüche der Steuerzahler, da kann man prima mit fremdem Geld pokern.



Mittwoch 30.12.09 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 42 % - Luftdruck 1014 hPa
Höchsttemperatur heute 21,4 Grad - niedrigste Temperatur 14,8 Grad

Die Zeit der Unaussprechlichen
Es wird frisch ums Gebein

Manchmal weiß ich nicht was lästiger ist, Coalición Canaria oder kalte Beine. - Aber gegen beides kann man was unternehmen, ich muss das nur in der richtigen Abfolge machen. - Politisieren kann man aber lange Unterhosen wohl dann doch nicht, denn Schiesser Tausendsassa, lang und grau, das ist kein Ideologie, sondern purer Selbsterhaltungstrieb. - Bislang ist ja das Wetter zwar nicht gerade pfleglich mit uns umgegangen, aber immerhin war es nicht kalt, und gegen Nässe und schlechte Laune helfen die langen Liebestöter auch nicht, sondern einfach nur gegen Kälte. - Und die kommenden Tage wird es deutlich frischer werden, sobald die Sonne weg ist, schlägt dann die Zeit der Unaussprechlichen, zumindest für den Glücklichen, der solch ein praktisches Beinkleid noch sein Eigen nennt. - Denn so etwas ist natürlich verpönt inzwischen, und wenn meine Kinder mitbekommen, dass ich solch lange Schloggies trage, weil ich ein extrem verfrorener Kerl bin, dann zeigen die sich sicherlich nicht mehr mit mir in der Öffentlichkeit. - Mir aber ist so etwas Wurst, zumindest bei den Unterhosen zeige ich ein gerütteltes Maß an Zivilcourage, bevor ich kalte Beine habe, lasse ich Andere ruhig tratschen. - Natürlich hält man mich in Mitteleuropa sowieso für bescheuert, wer trägt bei 15 Grad plus schon lange Unterhosen, aber ich muss ganz einfach gestehen, bei Kälte und schlechter Politik, bekomme ich ganz furchtbar schlechte Laune. - Und man darf eben auch nicht vergessen, wir haben uns längst an 20 Grad Durchschnittstemperatur gewöhnt und führen sonst ein Leben zwischen 20 und 30 Grad und alles darüber, aber eben besonders darunter, ist für mich bereits bedrohlich.

Oben herum kann man bei solchen menschenverachtenden Temperaturen von 15 Grad plus sich ja mit mehreren Schichten Wolf schützen, dem Wolf von Jack, Sie wissen schon, den es seit geraumer Zeit nun auch in Los Llanos zu kaufen gibt. - Gleich oberhalb der Plaza ist dieser kleine Laden, und seit dem ich der bin der den Wolf trägt, gibt es halt Frostlücken nur noch im unteren Bereich, und dafür sind dann halt die Unaussprechlichen so extrem wichtig. - So war mein Schock ja auch groß als es hieß, diese Traditionsschmiede deutscher Unterhosenkunst sei auch auf dem glatten Parkett der Weltwirtschaftskrise ausgerutscht, aber man kann doch dieser großen Nation nicht wirklich zumuten, ohne entsprechendes Beinkleid der Kälte eines Winters gegenüber zu treten. - Und andere Marken, das geht irgendwie auch nicht, alleine der Name macht mir schon warme Beine, und dann ist es eben einfach Tradition und wenn man mich fragt, dann erklärt man diese Dinger sogar noch zu wertvollem deutschen Kulturgut. - Man muss das der UNESCO nur schmackhaft machen, wer Golfplätze und Autobahnen in Weltbiosphärenreservaten duldet, der muss sich auch mal mit Unterhosen beschäftigen, und ich kann aus eigener Erfahrung sagen, diese langen Tausendsassa schädigen die Umwelt und das kulturelle Selbstbestimmungsrecht der Regionen überhaupt nicht. - Nur das mit dem "Eingriff", das habe ich nie verstanden, den hätte man sich wirklich sparen können, wer würgt Ihn denn schon freiwillig um die Ecke, wenn man durch herzhaftes Herunterziehen auch komplett freien Wirkungswinkel auch erreichen kann. - Aber das sind Detaildiskussionen, die man dann doch vielleicht lieber am Kamin in der Hütte führt, oder eben gar nicht. - Gut, es gibt auch optische Umweltverschmutzung, aber ich belaste Sie ja nicht mit Fotos meiner Unaussprechlichen, das ginge dann doch zu weit. - Außerdem trage ich ja noch richtige Hosen darüber, als Erregung öffentlichen Ärgernisses kommt das dann doch nicht in Frage. - Auch wenn man sich so manche Leute auf der Straße so an sieht, wie die rumlaufen, dann wäre der Anblick einer grauen Langgestrickten auch nicht weiter belastend. - Mit kurzen Hosen und Hemden, bei unter 20 Grad läuft der Besuch aus Mitteleuropa nun bei uns rum, und dann noch diese widerliche gesunde Gesichtsfarbe, und diese aufrührerischen strammen Waden, das grenzt dann doch schon eher ungebührliches Auftreten. - Aber auf die inneren Werte kommt es an, und mit einem reinen Herz unterm Wams, und Unaussprechlichen unter dem Beinkleid, da kann einem doch nichts passieren.



Mittwoch 30.12.09 10:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 16 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 63 % - Luftdruck 1014 hPa

Weite Wege nach Fuencaliente
Straße in den Süden mindestens ein halbes Jahr gesperrt

Wunden lecken alleine reicht nicht, die müssen auch verheilen. - Und wie wir alle wissen, kann das eine Weile dauern. -2009 wird wohl für den südlichsten Ort der Insel als ein wirklich unangenehmes Jahr in die Erinnerungen und Geschichte dieser Gemeinde eingehen. - Abgesehen davon, dass die Gemeinde faktisch pleite ist, und im Frühjahr bereits von einer politischen Blamagesituation in die nächste geriet, der Waldbrand im August und nun eben die Erdrutsche als Spätfolge davon, dieses Jahr steht kein guter Stern über diesem Ort. - Nun fängt man ja an Bilanzen zu ziehen und bekommt Zahlen und Daten um die Ohren geworfen, die allerdings noch keinen Gesamtüberblick zulassen. - Auf jeden Fall ist klar, dass die Brandfolgen für die Gemeinde viel geringer sind, als nun das Ergebnis der Murenabgänge, allerdings wohl nicht so spektakulär, denn der Mensch fürchtet wohl einfach das Feuer mehr als das Wasser. - An Hilfskräften mangelt es nicht, einmal haben die Menschen dort unten im Süden immer schon sehr solidarisch nicht nur auf das eigene Haus geachtet, auch stehen zahlreiche Arbeiter der Inselregierung und beauftragten Fremdfirmen zur Verfügung, dennoch wird es sehr lange dauern, bis alle Schäden wieder behoben sind. - Darüber steht ja auch immer wieder die Angst, sollte es zu erneuten starken Regenfällen kommen, könnte die Geschichte wieder genau so ablaufen, kein wirklich beeindruckendes Hoffnungspolster für den Ort. - Ob jetzt schnelle Wiederaufforstungsmaßnahmen noch für diese Wintersaison erfolgversprechend sind, das müssen wohl Experten klären, auf jeden Fall wird und muss man etwas tun, alleine schon wegen des öffentlichen Drucks. - Auf der anderen Seite darf man aber auch nicht vergessen, dass dort im Süden wirklich außergewöhnlich große Niederschlagsmengen gefallen sind. - Es hätte also auch alles gut gehen können, aber dieses Jahr geht einfach in Fuencaliente nichts gut, und wir dürfen nur hoffen, dass 2010 für den schönen Ort im Süden der Insel angenehmer wird.

Dabei hat es eine Straßenverbindung besonders erwischt, die südliche Inselumfahrung zwischen Fuencaliente und dem Aridanetal, die LP2. - 24 Abbruchstellen zählt man, und an die 100 eingestürzte Stützmauern machen die Straße für Autos unpassierbar. - Nun könnte man ja hingehen und überall flicken, so gut und schnell es eben geht, aber wie man von der Inselregierung hört, will man diese Straße nun gleich neu ausbauen, das hatte man nämlich eh vor, nur noch nicht den Termin dafür gewählt. - Da dieser Bauabschnitt und die Straße sowieso von der Provinzregierung betreut werden muss, da es ein überregionaler Verkehrsweg ist, hat man nun sofort Verhandlungen begonnen, die Gelder und das Projekt für den kompletten Ausbau der LP2 auf dieser Wegstrecke anzugehen. - Das macht sicherlich Sinn, es wäre doch einfach nur rausgeschmissenes Geld, diese Straße nun zu reparieren, und dann in zwei oder drei Jahren sowieso neu aufzustellen. - Was natürlich jetzt auch wieder fragwürdig wird, entscheidet man sich für den Neubau der Trasse im Notverfahren, dann fallen die eigentlich notwendigen Aushänge weg und die Möglichkeit der Anwohner gegen die Trassenführung Einspruch zu erheben. - Das Leben ist eben kein Wunschkonzert, allerdings muss man ganz klar sagen, ein Vorziehen dieser Baumaßnahmen macht dann doch einfach Sinn. - Auch bricht jetzt wieder die Diskussion um die Küstenverbindung auf, ein seit Jahrzehnten gehegter Wunsch hier im Aridanetal, und meint damit die Küstenstraße von El Remo nach La Zamora, denn damit hätte man eine zweite Straßenanbindung auf der Westseite nach Fuencaliente. - Allerdings ist gerade diese Zone extrem abrutschgefährdet, auch ohne Regenfälle poltern dort immer wieder größere Gesteinsmassen, jetzt in den Atlantik, dann vielleicht auf die Straße. - Auch würde dieser Verkehrsweg dann direkt durch den Kernbereich der marinen Schutzzone führen, was eigentlich als unvereinbar gilt. - Aus dem Aridanetal wird man also für die kommenden Monate nur über die Ostseite gelangen. - Was für Inselgäste einfach nur einen landschaftlich interessanten Umweg bedeutet, ist für Pendler aus oder nach Fuencaliente ins Aridanetal natürlich eine deftige Klatsche. - Fuhr man bislang an die 40 Minuten von hier in den Süden, braucht man nun an die anderthalb Stunden.



Dienstag 29.12.09 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 61 % - Luftdruck 1012 hPa
Höchsttemperatur heute 21,7 Grad - niedrigste Temperatur 18,2 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 17,3 - Temp. Min 12,9 - Feuchte 37 - 88 % Niederschlag 15 mm

Angst vor der Untrigkeit
Santa Cruz de Tenerife Ort höchst interessanter Vorkommnisse

Sie wissen schon, wie ich das meine, wo es eine Obrigkeit gibt… Heute sollte in Santa Cruz de Tenerife in einem Plenum der lokale Flächennutzungsplan diskutiert werden, und natürlich auch abgesegnet, da Coalición Canaria und Partido Popular und die Centro Canaria Nacionalista dort eine satte Mehrheit gegenüber den Sozialisten der Opposition haben. - Keine Hürde also möchte man meinen, bei solchen Mehrheiten diskutiert man eh nur für die Fernsehkameras und das meist spärliche Publikum, aber heute kam alles anders. - Zur Diskussion und anschließender Abstimmung kam es gar nicht, man versuchte zwar zunächst das Plenum abzuhalten, aber es hatten sich vor und im Rathaus wohl hunderte von Bürgern versammelt, sowohl Anhänger des zu verabschiedenden Flächennutzungsplanes, wie auch dessen Gegner, und die störten den Verlauf des Plenums wortstark. - So legte man zunächst eine Pause ein, hoffte damit die Massen zu beruhigen, kehrte dann aber in den Plenarsaal zurück und verkündete, wegen einer Bombendrohung müsste das Plenum abgesagt werden und man nannte als neuen Termin den 4. Januar. - Allerdings hört man aus den Reihen der Zuschauer und auch der Kommentare in den online-Medien, diese Bombendrohung sei fingiert, man wage es einfach nicht, vor solch vielen aufgebrachten Menschen das Plenum durchzuführen. - Von hier aus kann ich das natürlich weder das eine noch das andere bestätigen, und eine Aussage der Polizei gibt es dazu noch nicht, oder diese wird einfach nicht veröffentlicht. - Es kann also auch gut sein, dass es tatsächlich eine Bombendrohung gab, das müssen wir einfach offen lassen.

Für die vielen Kommentargeber in den Medien ist das allerdings überhaupt keine Frage, dass dieser Abbruch des Plenums unter dem Druck der Öffentlichkeit geschehen ist, und nicht auf Grund einer definitiven Bombendrohung. - Wenn wir mal dieses Szenario einfach hypothetisch weiterdenken, dann sind wir hier inzwischen so weit gekommen, dass die so lange und so herrlich regierenden Parteien, sich inzwischen aus Angst vor ihren eigenen Bürgern, keine Entscheidungen mehr zu fällen wagen. - Auf der anderen Seite könnte man natürlich auch sagen, ein aufgebrachter Plebs verhindere die Demokratie, aber dazu muss man halt einfach die jahrelange Dekadenz unserer politischen Führung betrachten, die fern ab vom Volk oder gar Volkes Willen geradezu in Hinterstübchen profitable Entscheidungen getroffen haben. - Das bricht nun alles und überall so allmählich zusammen, auch das Medium Internet hat dafür gesorgt, dass Information nicht mehr nur kanalisiert an die "Untrigkeit" gelangt, sondern inzwischen alle Facetten blühen. - Da schlägt natürlich das Pendel auch wieder zu heftig aus, von jahrelangen Schweigern und willfährigem Wahlschlachtvolk zu aufmüpfigen Störern, hat man seitens der Demonstranten auch einige Schritte in der so wichtigen Protestkultur leider übersprungen. - Auf der anderen Seite, immer davon ausgehend, dass die Vermutungen der Protestanten richtig sind, und die Bombendrohung nur fingiert war, haben die Stadtväter von Santa Cruz de Tenerife heute endgültig versagt, und das vor einem sehr breiten und unbequemen Publikum. - Allerdings wird diese Geschichte sicherlich ein Nachspiel haben, es war so viel Presse anwesend und die Angelegenheit wird bereits derart intensiv diskutiert, dass wir in den kommenden Tagen sicherlich auch noch rausbekommen werden, ob da wirklich eine Bombendrohung war, oder sich das jahrelang hinters Licht geführte Volk letztendlich als Bombe für die Politik erweise. - Man darf da heute in Santa Cruz de Tenerife sicherlich von einem geschichtlichen Moment sprechen, aber gerade solche Momente machen mir doch ein wenig Angst. - Wie schön dagegen war die Manifestation hier in Los Llanos gegen die Asphaltwerke, zahlreich, stimmgewaltig, aber jeden Moment friedlich und zielgerichtet. - Protestkultur muss eben auch gelernt und geübt werden.



Dienstag 29.12.09 10:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 18 Grad - Niederschlag 13 mm - Luftfeuchte 83 % - Luftdruck 1012 hPa

Vergessen Sie den Vulkan und das Feuer
Starkregen sorgt alleine in Fuencaliente für Schäden von über 20 Millionen Euro

Zunächst aber muss ich mich im Namen des Global Forecast Systems genau so wie im Namen der nationalen Meteorologen bei Ihnen entschuldigen. - Es hat heute Nacht schon wieder geregnet. - Ganz ohne Wind und fast leise und still, aber nicht weniger nass. - Und eben völlig unerwartet, so dass uns dieser Regen in den Bemühungen, die Wäschesituation endlich wieder auf normal zu fahren, deutlich behindert hat. - Da haben sämtliche Meteorologen halt eine garstige Niederschlagszelle übersehen, die sich still, heimlich und wäscheverachtend herangeschlichen hat. - Die Vorhersagen kaltlächelnd ignorierend, und einfach mal auf den Atlantik blickend muss ich feststellen, dass da noch mehr in ganz tiefen Wolken an Regen versteckt heute die Westseite La Palmas erreichen wird. - Kleine Diskussion auf der nassen morgendlichen Terrasse zwischen meiner verzweifelten Frau und mir. - "Stell das ab", ruft meine Frau verärgert, und ich versuche mit meinen nicht gerade vollendeten Tröstungsfähigkeiten die guten Seiten solches Wetter aufzulisten: "Guck mal, die Anthurien freuen sich so richtig über den Regen, die erste Narzisse blüht bereits und die Fresien sind ganz wild auf das Wasser", da unterbricht sie mich jäh und brüllt mir entgegen: "Bin ich etwa eine Fresie?" - Ich werde mir im weiteren Verlauf des Tages blumige Vergleiche ersparen und bange jetzt schon ums Mittagessen…

Jetzt aber zur Überschrift und dem Thema. - Wir erinnern uns doch noch sehr plastisch an den großen Waldbrand im August des Jahres, der selbst die Weltpresse interessiert hat und tagelang diese Insel in die Schlagzeilen brachte. - Damals errechnete man den durch das Feuer angerichteten Schaden auf etwa 9 Millionen Euro, erste Schätzungen nach dem Starkregen und den Murenabgängen meldet man alleine aus Fuencaliente einen möglichen Schaden von 20 Millionen Euro mindestens. - Mindestens deshalb, weil man halt noch nicht alle verdeckten Schäden an Straßen und deren Unterbau hat feststellen können, man kann sich also sicher sein, dass diese Summe noch anwachsen wird. - Auch müssen wir feststellen, dass die jetzt entstandenen Schäden wohl eine Folge des Waldbrandes sind, fehlendes Unterholz und dadurch lose Erdschichten sind zusammen mit enorm viel Regen und Gefälle eine fatale Mischung. - Eigentlich war allen klar, dass so etwas passieren kann, und man hat an manchen, augenscheinlich gefährdeten Stellen, auch bauliche unternommen, aber so viel Regen über so lange Zeit war dann doch einfach zu viel. - Aus der Gemeinde hört man nun, was eigentlich sehr schnell ist nach dem Unwetter, bereits eine Auflistung der entstandenen Schäden. - Demnach hat es 14 Häuser erwischt, die überflutet oder teilweise verschüttet sind, sowie 30 Autos, von denen allerdings manche nur beschädigt sind, aber wie viele Wagen man davon retten kann, das wird sich noch zeigen. - Weiter in der Landwirtschaft sind 7 Hektar Bananen betroffen, wovon 3 Hektar als komplett zerstört bezeichnet werden, die anderen 4 Hektar können wohl mit großem Arbeitsaufwand wieder produktiv gestaltet werden. - Weiter sind komplette Weinfelder abgerutscht, viele davon, welche das Feuer gerade so noch mal hat stehen lassen, so dass Fuencaliente, eigentlich die Weinbauregion der Insel, nach dem Feuer und den jetzigen Erdrutschen an die 70% seiner Rebfläche verloren hat.

Finanziell der größte Brocken in den aufgeführten Schäden aber betreffen öffentliche Infrastrukturen und da vor allem die Straßen. - So muss wohl die Zufahrt nach Las Caletas komplett neu gemacht werden, so wie die Straße nach Las Indias ist zu 40% beschädigt und die nach Los Quemados zu 20%. - Weiter müssen große Teile auch der LP" erneuert werden, besonders auf dem Abschnitt nach El Paso, bei Los Charcos sind beträchtliche Schäden entstanden. - Alleine die Schäden an den Straßen werden mit 10 Millionen Euro angegeben, wobei da noch nicht mal alle kleinen lokalen Feldwege mit aufgenommen sind, die meist zu landwirtschaftlichen Einrichtungen führen. - Was für den Inselgast auch noch interessant ist, das letzte Stück der Vulkantour, eben wenn man den Rest durch den Kiefernwald noch Fuencaliente laufen muss, auch da ist vielfach die Straße weggespült worden, so dass man dieses Teilstück nur schwer, oder gar nicht begehen kann. - Ich möchte gar nicht wissen, wie das ausgesehen hätte, wenn man genau dort den bereits geplanten Golfplatz wirklich gebaut hätte. - Wir müssen also immer wieder feststellen, dass auf unserer, so nahe an der Sahara liegenden Vulkaninsel, der Straßenverkehr und das Wasser immer noch die größten Bedrohungen sind, und eben gar nicht mal das Feuer oder der Vulkan selbst. - Aber wieder darf man auch sanft hinzufügen, es hat keine Schäden an Leib und Leben der Bewohner gegeben, allerdings bleiben wir auf einer großen Menge an finanziellem Schaden sitzen. - Immerhin haben sowohl Zentralregierung in Madrid, wie auch die Provinzregierung bereits Zusagen gegeben, Hilfe leisten zu können und zu wollen. - Die Geschädigten können bereits jetzt über die Rathäuser ihre Ansprüche geltend machen heißt es aus Madrid. - Wollen wir hoffen, dass diese Hilfen dann auch schnell und unbürokratisch fließen.





Montag 28.12.09 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 23 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 60 % - Luftdruck 1010 hPa
Höchsttemperatur heute 23,9 Grad - niedrigste Temperatur 14,0 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 22,7 - Temp. Min 14,5 - Feuchte 24 - 46 % Niederschlag 0 mm

Die Rechnung ohne den Gast gemacht
Mietwagen werden knapp auf La Palma

Schuld daran sind wie immer die Amerikaner, oder Zapatero, eine eigene Nase haben wir nicht. - Genauer gesagt ist es die Krise, welche die Mietwagenfirmen veranlasst hat, einfach weniger Autos zu kaufen als sonst, weil eben die Geschäfte im Tourismus den Sommer über so richtig schlecht gelaufen sind. - Jetzt aber in der absoluten Hochsaison, da sind die Autos plötzlich knapp, weil die Zahl der Gäste welche über Weihnachten und Neujahr nach La Palma reisen doch wieder etwa auf dem Niveau des Vorjahres stehen. - Man sollte halt die Rechnung nie ohne den Wirt machen, aber schon gar nicht ohne den Gast, und wenn die Inselgäste verkünden, Krise zu Ende, wir kommen wieder in gewohnten Mengen, dann läuft das halt nicht kongruent mit dem Sparverhalten in der Branche. - Aber die Knappheit ist nicht von langer Dauer, es geht konkret um die jetzt begonnene Woche, und so schnell kann man keine Autos nach La Palma schaffen und zulassen, da muss anders gezaubert werden. - Wir zumindest haben uns abgesichert, für unsere Gäste sind Autos vorhanden, schließlich arbeiten wir seit 15 Jahren mit einer Firma zusammen, da macht sich diese Treue schon bezahlt. - Jetzt versuchen manche Vermieter noch schnell bei anderen Betrieben sich Wagen auszuleihen, aber das hat alles seine Grenzen und es ist zu befürchten, dass manche Gäste, wenn auch nur für ein paar Tage, mal ohne Mietwagen auskommen müssen. - Dennoch dürfen wir noch nicht wieder Feurio brüllen und der "Krise" den Stinkefinger zeigen, auch das kommende Jahr wird man im Tourismus auf den Kanaren noch traurige Gesichter sehen. - Gerade weil wir so vom deutschen Markt abhängig sind, ist man sehr unsicher, ob denn die "Krise" auch noch, eben verzögert auf den deutschen Arbeitsmarkt durchschlagen wird, und damit das Geld wieder knapper wird und wer keine Arbeit hat, der fährt seltenst in den Urlaub. - So war die Vorsicht der Autovermieter dann doch wieder berechtigt, und für eine oder zwei Wochen Vollausbuchung lohnt es sich dann auch wieder nicht den Fuhrpark gleich zu vergrößern, die Autos stehen dann im Sommer wieder wie Sauerbier herum und verlieren nur an Wert. - Interessant ist es auch, dass es jetzt noch kurzfristig ganz billige Flüge nach La Palma gibt, noch unter 200 Euro für bestimmte Strecken, das hört sich doch lockend an, und wer ein Haus bucht, hier auf der Insel, für den besorgt man dann sicher auch immer noch einen Mietwagen, und wenn man sich einen bastelt.



Montag 28.12.09 10:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 16 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 74 % - Luftdruck 1013 hPa

Lidl (be)geistert wieder
Ob wir denn wissen, was wir uns damit antun?

Lange hat sich der kanarische Einzelhandel dagegen gewehrt, dass Lidl sich hier auf den Insel installieren kann. - Klar fürchtet man harte Konkurrenz, aber schließlich hat man unter Auflagen, welche die Ladengröße und die Angebotspalette betreffen, der Aufstellung der Läden dieser Ketten auf Gran Canaria, Tenerife, Lanzarote und Fuerteventura zustimmen müssen. - Unsere kleine Insel war immer schon mal im Gespräch, auch für solch harte Diskonter interessant zu sein und nicht wenige hoffen sogar darauf, dass solch ein Laden die angestaubte und sicher nicht brillante Supermarktszene hier auf der Insel so richtig aufmischt. - Die online-Zeitung "elapuron.com" berichtet über neue Gespräche, die es zwischen Vertretern der Kette und der Gemeinde Breña Alta gegeben haben soll, und dass es in einem "mittelfristigen" Zeitraum wohl schon konkretes Interesse seitens Lidl geben soll, sich auch hier auf La Palma zu installieren. - Breña Alta, eine der fortschrittlichsten Gemeinden dieser Insel hört man immer wieder, mir einem angeblichen sozialistischen Bürgermeister, der alles versucht, seine Gemeinde nach vorne zu bringen, und sei es mit einem Golfplatz und einem Maxi-Hotel dazu, welches gleich 900 Betten haben soll. - Der Zweck heiligt die Mittel heißt es immer mal wieder so plastisch, und natürlich liegt San Pedro, oder eben das Einkaufsgebiet "La Grama" noch bestens im Speckgürtel der Hauptstadt Santa Cruz, und welcher Bürgermeister bekommt nicht feuchte Augen, wenn ein schlagkräftiges Unternehmen, welcher Couleur auch immer, sich in der Gemeinde ansiedeln will. - Ich muss hier in meiner bescheidenen Kolumne sicher nicht auf die Vorgehensweise und die Personalpolitik der Kette Lidl eingehen, da hat sicher jeder sein eigenes Bild, längst fertig ausgemalt, und mit jeglicher Art von Urteilen bereits versehen. - Das ändert aber nichts an dem Erfolg dieser Ketten, billig und hart sind längst Parabeln unserer als so fortschrittlich betitelten Gesellschaft geworden. - Was allerdings hinten dabei rauskommt, wenn man gesunde Margen und Erträge komplett dem gierigen Schwert der stückweisen Entwertung von zuerst Produkten, und dann eben auch der dahinter stehenden Menschen betreibt, das bekommen wir ja erst langsam, aber dennoch spürbar mit, wenn es zunächst um den Dienstleistungssektor geht, aber durchaus noch ohne große sichtbare Folgen zum Beispiel auch im öffentlichen Nahverkehr oder gar dem Gesundheitssystem.

Hier sieht man diese Entwicklung plastisch und deutlich im Tourismus, das irrwitzige Diktat der heftigen Billigschiene heißt hier ja "all inklusive", und bedeutet für die Branche zunächst nichts anderes, als dass man am einzelnen Gast kaum noch Geld verdient, sondern nur ab einer kritischen Masse die durchgeschleust wird, damit ein letztendlich ein positives Bild für die Shareholder bleibt. - Das wird erreicht, in dem man auf der Kostenseite reduziert, und das heißt natürlich zunächst am Personal, und an den Gestehungskosten für die Einkäufe der Rohware. - Was hinten dabei rauskommt, ist ein deutlich flacheres und schlechteres Angebot allgemein, gleichzeitig geringere Wertschöpfung und weniger Arbeitsplätze. - Solch eine Entwicklung ist letztendlich nicht mal für den Konsumenten interessant, häufige und langfristige Studien und Umfragen haben längst ergeben, dass die Unzufriedenheit der "all inklusive" Gäste mit dem Angebot deutlich größer ist, als bei Angeboten des konservativen Paketes. - So sehen wir der Installation eines solch harten Diskonters auch mit gemischten Gefühlen entgegen und fürchten wohl um gewachsene Strukturen im jetzigen Einzelhandel, der heute schon über Umsatzrückgänge klagt, weil hier weder die Einwohnerzahl, noch die Konsumbereitschaft steigen. - Sicher wird diese Konkurrenz den Markt aufmischen, aber mit welchen Folgen. - Gleicher Umsatz mit nur halb so viel Arbeitsplätzen, keine regionalen Produkte, das sind nur zwei Punkte, die wir ein bisschen ängstlich im Kalkül haben. - Da versucht man, auch mit öffentlichen Mitteln, händeringend eine wieder funktionierende Warenkette für lokale und regionale Produkte aufzubauen, und holen uns durch die Hintertür einen Globalisten ins Haus, der für unsere Notwendigkeiten sicherlich nicht sonderlich aufmerksam ist. - Hoffentlich ist der selbst ernannte Sozialist Blas Bravo, der Bürgermeister in Breña Alta so fit, wenn denn schon Lidl sein muss, dass er die nicht auf der Grünen Wiese installiert, sondern mitten im Ort, damit dieser sicher funktionierende Magnet auch den anderen Gewerbebetrieben noch Publikum bringt. - Ob und wann, und wie konkret das Ganze ist, das wissen wir eh noch nicht, aber uns fehlt vieles, aber sicher keine Autobahn, keine Golfplätze und auch kein Lidl zum vollkommenen Glück.



Sonntag 27.12.09 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 55 % - Luftdruck 1013 hPa
Höchsttemperatur heute 23,0 Grad - niedrigste Temperatur 14,0 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 21,0 - Temp. Min 13,2 - Feuchte 25 - 31 % Niederschlag 41 mm

Vorne Katze, hinten Kaninchen
Lucky hat Stil

Meistens erzähle ich ja nur von Paul oder Mops, den beiden metrosexuellen Kastraten, dabei haben wir drei Katzen, und die Dritte im Bunde, eben die einzige Dame in der Sippe, kommt meistens dabei zu kurz. - Vielleicht auch einfach, weil die nicht so viel Blödsinn anstellt und auch nicht so fotogen ist wie die beiden Bengel, oder vielleicht, wie manche ja behaupten, ich frauenfeindlich sei. - Gut, das lehne ich natürlich grundsätzlich ab, weil sonst hätte ich ja einen Kerl geheiratet und zwei Jungs mit dem gehabt, und außerdem behaupten das immer nur Frauen, nie aber Männer, also kann das gar nicht stimmen… Bevor nun die Chauvi-Kasse wieder weit aufgeht und mein kleines Taschengeld schluckt, welches meine Frau mir dann und wann zusteckt, kommen wir lieber wieder zurück zum Katzenthema, da bekomme ich eh die wenigsten Kritiken. - Unsere Lucky, die halbe Portion, die ist eigentlich auch dafür verantwortlich, dass Mops auch bei uns ist, denn beide gab es nur im Paket, schließlich sind die beiden Geschwister, und als eines Tages der Nachbar vor uns stand, und uns fragte, ob das unsere beiden Katzen sind, rettete somit Lucky auch Mops das Leben. - Es gab nur die Alternative, wir nehmen beide, oder aber beide verlören ihr Leben, noch bevor dieses richtig angefangen hat. - Dabei hielt er die kleinen Racker in seinen Händen und dem kleinen schwarzen Knäuel tropfte das Blut aus der Hinterpfote, weil dort wo der Fuß sein sollte, nur noch eine blutende Wunde war. - Eigentlich hatten wir uns ja vorgenommen, Paul bleibt alleine, aber der Anblick dieses kleinen Wesens mit der Wunde war dann doch geeignet, unsere Konsequenz genau so drastisch einzuhalten, wie wir das bei den lächerlichen Erziehungsversuchen an unseren Kindern immer getan haben. - Es war nicht so ganz einfach, die kleine Lucky und ihr halbes Bein gut zu pflegen, aber wir haben es hinbekommen, dennoch ist die kleine Dame zumindest was Körpergröße und Gewicht angeht, konkret nur eine halbe Portion geblieben. - Sie kam halt nie schnell genug an den Fressnapf, und wenn sie dran war, aß sie auch noch so langsam, dass ihr Bruder ihr längst alles weggefressen hatte. - Da war dann immer Sonderfütterung angesagt, sehr zum Missgefallen unseres Alphatieres Paul, der natürlich auch jegliche Sonderbehandlung für sich in Anspruch nimmt, als Platzkatze und dem ungeschriebenen Gesetz des Erstfindlingsrechts, da kommt das nicht so gut, wenn andere Tiere auch bevorzugt behandelt werden. - Das hat sich inzwischen aber alles gegeben und Lucky kommt immer zu ihrem Futter, wenn halt eben auch zu einer anderen Zeit.

Das erreicht die kleine Dame immer durch ihr loses Mundwerk, denn die redet in einem Unterlass und wenn es was zu Fressen geben soll, dann motzt und meckert die rum, dass die Frage nach dem Geschlecht sich spätestens jetzt erübrigt hat. - 10 Euro Chauvi-Kasse und schon wieder ist mein Abend bei Carlos am Tresen gestrichen, mangels Masse. - Aber ich sage es Ihnen, die beiden Ex-Kerle, die quieken oder maunzen mal kurz, Sie aber brabbelt Romane vor sich hin als wolle sie Timesharing-Objekte verkaufen. - Das ist aber nicht das einzig außergewöhnliche an diesem schmalen Tier, sie ist trotz ihrer Behinderung die allerbeste Jägerin im häuslichen Katzentrupp. - Die allermeisten Eidechsen, Mäuse und Ratten bringt die Dame angehoppelt, Paul und Mops erreichen nicht mal zusammen die gleiche Schlagzahl. - Vielleicht liegt das daran, dass Männer halt faul und träge sind, und die Frauen die Hauptlast an der Lebensorganisation tragen, ich weiß es nicht, will jetzt für den Satz aber wieder die 10 Euro aus der Chauvi-Kasse zurückhaben, dass ich doch noch los kann. - Was auch auffällt, Lucky ist bei weitem nicht so verschmust wie die beiden Herren, die sich stundenlang kraulen lassen können und einem nachts sogar ins Gesicht springen, nur um körperliche Nähe und Wärme zu spüren. - Das macht Lucky überhaupt nicht, die lässt sich zwar auch gerne mal streicheln, aber nur kurz, und wer versucht sie nach Menschenart einfach an sich zu ziehen und zum Austausch von Zärtlichkeiten zu zwingen, den belehrt sie mit ausgefahrenen Vorderkrallen. - Nicht aggressiv oder gar als Attacke, nein, sie zieht die Krallen dann einfach nicht ein, und wer Katzen kennt, der weiß, dass diese Krallen selbst durch dicke und ungewaschene Männerjeans furchtbar pieken. - Natürlich fällt aber ihre Behinderung am allermeisten auf, sie hat zwar vier Beine, aber nur drei davon reichen bis zum Boden. - Das behindert natürlich dieses gewohnten elegante Bewegungen welche Katzen im vierfüßigen Ursprungszustand so haben, Lucky hat sich eine komplett eigene Fortbewegungsmethode zusammengebastelt. - Ganz ohne Ergotherapeut hat sie sich das beigebracht, nachdem sie anfänglich immer noch versuchte auch das vierte Bein, was etwas unterhalb des Knies einfach nicht mehr vorhanden ist, dennoch zu benutzen. - Das klappt aber einfach nicht, dabei legt die sich so weit auf die Seite, dass sie nur in den Schweizer Alpen als Linkshangkatze laufen könnte, sonst aber nirgends. - Nun hat sie sich eine lustige Gangart angewöhnt, vorne schon wie eine Katze, aber hinten hoppelnd wie ein Känguru. - Fehlt nur noch, dass sie den Schwanz als aktive Gehhilfe einsetzt, aber den braucht sie um die Balance zu halten, und das sieht dann von hinten reichlich schräg aus. - Allerdings kann sie auch schneller, dann verdoppelt sie den Hinterbeineinsatz und dann sieht es ein bisschen nach angepisstem Kaninchen aus, welches rasch noch vor einem Auto über die Straße will. - Gut, aber meine Brut sagt auch immer von mir, ich hätte einen komischen Gang, auf jeden Fall, wenn ich wieder von Carlos nach Hause komme. - Mein Favorit bei Lucky allerdings ist, wenn sie versucht, sich mit dem Bein zu kratzen, wo ja überhaupt keine Pfote mehr dran ist. - Dabei verrät sie sich dann, und ihre Zunft im Allgemeinen, das ist überhaupt kein Kratzen, sondern eine Übersprungshandlung aus Verlegenheit oder Langeweile. - Aber auch da haben meine Kinder gleich wieder einen treffenden Vergleich gefunden, das sei so, als ob ich mir nachdenklich an der Stirn kratze. - Wenn Sie das jetzt nicht verstanden haben, dann sind auch Sie ein Mann, und ich bekomme jetzt sogar noch einen Fünfer extra aus der Chauvi-Kasse.





Sonntag 27.12.09 10:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 15 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 75 % - Luftdruck 1013 hPa

Das nächste Tief kommt …
nicht

Das habe ich einfach mal so beschlossen, und hoffe sehr, dass das auch in Ihrem Sinne ist. - Die Waschmaschinen auf La Palma glühen bereits im Dauerlauf und die Insel muss von oben wie ein bunter Flickenteppich aussehen, so voll hängen überall die Wäscheleinen, um nach den 14 Tagen Wolke und Regen endlich wieder saubere, und vor allem trockene Wäsche zu haben. - Dabei spielt das Wetter mit, aber eben mal gerade so. - Ein noch fetteres Tief als das letzte welches uns streifte steht da nordwestlich von uns, aber wenn man genau hinsieht, formiert sich noch weiter südwestlich davon ein klammheimliches Hoch, und schiebt mit seiner Kraft das Tief so weit in den Norden, dass dieses in ein paar Tagen Mitteleuropa nass machen wird und nicht mehr uns. - So kehren wir in der kommenden Woche zu gewohntem Hochdruck zurück, und lassen diese unerfreulichen zwei Wochen Regen und Wolke hinter uns. - Dabei sind die Niederschläge extrem unterschiedlich ausgefallen, hier im Aridanetal fiel für 3 Tiefs sogar sehr wenig Niederschlag, in anderen Regionen der Insel aber deutlich mehr. - Hier im Aridanetal sind seit dem 11.12., das war der Tag an dem das erste Tief noch wenig wirkungslos sich an unserer Küste rieb, lediglich 178 mm Niederschlag gefallen, das ist weder für einen Dezember, noch für einen Zeitraum von 14 Tagen wirklich eine erstaunliche Menge. - Viel Regen kam eh erst mit dem letzten Tief ab dem 18.12. und da gibt es aus der Caldera an die 685 mm zu berichten und aus dem Nordwesten an die 450 mm. - Das sind dann schon Mengen, vor denen man nicht nur den Regenschirm ziehen muss und dann kann man schon verstehen, warum aus schlechtem Wetter in manchen Formulierungen Unwetter geworden ist. - Aus dem Süden der Insel, wo die größten Schäden durch Erdrutsche und Murenabgänge zu verzeichnen sind, habe ich gar keine verlässlichen Regenmengen erfahren können, sondern lediglich Schätzungen, und die bringen niemanden weiter. - Aber für den Süden wird ja nun alles gut, denn gestern war Paulino Rivero auf der Insel, das ist der Presidente del Gobierno de Canarias, also der Oberkanare, um sich die Schäden zu betrachten, und wie das so üblich ist, hat er auch Versprechungen auf der Insel gelassen, gleich am Dienstag darüber nachzudenken, wie man den Menschen denn dort helfen könnte. - Ich erspare mir dazu jetzt weitere Kommentare, mein mentales System versucht sich gerade wieder aufzurichten, da wären solche Auslassungen nun mindestens kontraproduktiv, wenn nicht sogar suboptimal.

Die Anreise der Gäste aus Mitteleuropa läuft jetzt auch wieder normal, nachdem ab dem 21. Dezember diese Insel auf dem Luftweg zunächst schwer zu erreichen war, später dann gar nicht mehr. - Reisende, die am Mittwoch den 23. kommen sollten, sind nun gestern am 26. Dezember angereist, und wenn da einer nur eine Woche Urlaub gebucht hat, der muss sich ganz schnell erholen. - Allerdings darf ich den Gästen auch zurufen, so viel haben die nicht verpasst die letzten Tage, und wen das Glück getroffen hat ein sehr gutes Hotel auf Tenerife oder Gran Canaria zu erwischen, der war sicherlich besser dran, als bei Regen, Sturm und Stromausfall auf La Palma. - Aber jetzt heißt es wieder weitermachen, diese Wettersituation ist zwar kein Extrem in sich, aber eben in der Länge des Phänomens. - Wir hatten schon deutlich schlimmeren Sturm, deutlich höhere Niederschläge, aber eben noch nicht 14 Tage am Stück Sauwetter, und das macht der Insel zu schaffen, wie auch den Menschen, die auf ihr wohnen. - Auf jeden Fall bleibt das Jahr 2009 für die Anwohner Mazos und Fuencalientes immer in der Erinnerung, zuerst im August den erschreckenden Waldbrand, und nun nach dem Regen die Erdrutsche in der genau gleichen Gegend. - Aber jetzt ist uns das Glück wieder hold, vielleicht hat auch unsere Inselpräsidentin endlich ihre Suppe aufgegessen, das nächste Tief kommt nicht! - Noch nicht, zumindest dieses Jahr nicht mehr…




Diese wunderbaren Diagramme stellt immer die "Agencia Estatal de Meteorología" zur feien Verfügung.




Samstag 26.12.09 20:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 19 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 67 % - Luftdruck 1013 hPa
Höchsttemperatur heute 23,8 Grad - niedrigste Temperatur 15,0 Grad



Demokratie zum Fest
Manifestation gegen die Asphaltwerke ein großer Erfolg

So langsam werden wir Erwachsen und lassen uns nicht mehr alles gefallen. - Auch wenn Demokratie kein Wunschkonzert ist, sondern ein wunderbarer Zustand der viel Pflege benötigt, muss man auch erst mal da hinkommen. - Es hat lange gedauert, da eben dieser Weg zur wirklichen Demokratie auch immer Arbeit bedeutet, und eben auch, dass man anderen Menschen mal auf den Fuß treten muss, wenn es darum geht, die eigene Meinung auch öffentlich zu vertreten. - Man muss schon sagen, es begann in El Paso, vor gut drei Jahren, als man das erste Mal die Autobahnpläne konkret in einem plastischen Sichtfeld aufgetischt bekam, und seit dem ist diese Gesellschaft daran, wirklich erwachsen und demokratisch zu werden. - Was anfänglich noch aussah wie purer Protest einiger "Erleuchteter" und eben einer immer meckernden Anzahl von Ausländern, hat sich inzwischen zu einer wahren Bürgerbewegung gemausert. - Dabei war es sehr wichtig auch den Umstieg zu schaffen, von einer durch Ökologen oder eben Ausländern "durchwanderten" Truppe, zu der bunten Schar, die uns heute vorgeführt hat, wie man sich als Bürger konkret, aber eben auch stimmgewaltig und seriös gegen behördliche Willkür und dahinterstehenden wirtschaftlichen "Amigoversprechen" wehren kann. - Das kam bei den ersten Treffen gegen die Asphaltwerke auch schon ganz gut rüber, immer mehr traut sich auch das bei uns sehr stark vertretene bürgerliche Lager mal die Meinung kund zu tun und gibt eben dieser Protestbewegung gegen die Asphaltwerke diese inhaltliche Kompetenz. - Da sind alle Schichten vertreten und manchmal wundert man sich über gewisse Köpfe die man dann dort sieht, denn inzwischen wagen sich selbst Sympathisanten der sonst so fest eingeschworenen Truppe der Coalición Canaria mit auf die Straße, wenn es wie hier punktuell um ein brisantes Thema geht.

Die Vorgeschichte um die Asphaltwerke habe ich ja des Öfteren bereits auch ausführlich erklärt, aber ich muss dazu dennoch noch mal einflechten, dass die heutige Kundgebung ja eigentlich gar nicht gegen etwas war, sondern eine Bürgermanifestation, welche die Behörden auffordert, die Gesetze einzuhalten. - Da möchte man eigentlich hingehen und sagen, das müsste doch gar nicht nötig sein, aber wir sind eben von einem sehr lobbyistischen Club regiert, der völlig ohne die Last irgendwelcher ideologischer Fracht sich darauf konzentriert, ihres und das der ihren zu vermehren und zu sichern. - Dagegen wächst aber zusehends Volkes Stimme und Unmut, so dass der Faktor "Coalición Canaria" inzwischen auch hier bei der Mehrzahl der Leute blankes Entsetzen hervorruft. - Dennoch demonstriert man hier auf La Palma eigentlich nicht, sondern schimpft und ergibt sich dann seinem Schicksal, so wie man das noch aus grauer Vorzeit so gelernt hat. - So ist es gerade jetzt wichtig, diesen zarten demokratischen Keim ordentlich und aus der Mitte der Bürgerschaft weiter zu nähren, dann ist ein guter Weg offen, La Palma endlich in eine wirkliche Demokratie zu entlassen. - Die heutige "Demo" war ein wunderbares Beispiel dafür, dass sich die Bewohner inzwischen wohl darüber bewusst sind, welche Möglichkeiten solche Proteste haben können. - Und je mehr, "normale" Bürger sich in der Reihe der Protestanten anschließen, umso einfacher wird es auch für Zauderer endlich mal die Öffentlichkeit zu wählen, damit auch jede Stimme gehört wird. - Die Veranstalter haben sich große Mühe gegeben, man hat also tatsächlich schwarze Luftballons in großer Menge aufgetrieben, die mit Helium gefüllt und an die Teilnehmer der Manifestation verteilt. - Große Plakate wurden getragen und unter bester polizeilicher Führung ging es dann vom Bauernmarkt durch die Altstadt hinunter zum Rathaus. - Vorweg fuhr ein Lautsprecherwagen, welcher die einfachen Parolen, warum man sich gegen diese Asphaltwerke mitten in Wohngebieten wehren will, und nicht wenige Passanten schlossen sich darauf hin auch spontan noch der Kundgebung an. - Ich habe die Teilnehmer gezählt, das habe ich wirklich gemacht, und bin in der Altstadt auf ziemlich genau 1.500 "Protestanten" gekommen, dann später auf der Plaza scherten sich sicher noch mal 350 Menschen hinzu, so dass wir seriös von 1.850 Teilnehmern auf der Manifestation sprechen können. - Ich weiß jetzt nicht, was andere aus den Zahlen machen, aber ich kann mir ja nun ein eigenes Bild machen und bin sehr erfreut, über diese große Anzahl an Menschen. - Darüber hinaus war es eine sehr angenehme und fast ausgelassene Stimmung, gute Organisation, man fühlte sich wohl unter so vielen Menschen, die nichts anderes fordern, als ihr Recht. - Da wächst was heran, was absolute Freude macht und auch Mut, dass wir endlich lernen, unsere Zukunft zwar gerne in fremde Hände geben, sprich den Politikern, denen aber jederzeit auf die Finger sehen müssen und wenn die Mist machen, dann kommt das Volk nicht mit dem Knüppel, sondern mit demokratischen Mitteln und zeigt den Damen und Herren der Verdummungsfront, nicht mit uns. - Auch wenn ich kein Freund großer Worte bin, wir haben heute auf dieser Manifestation für diese kleine und so geschlossene palmerische Gesellschaft wieder mal einem Stück Geschichte beiwohnen dürfen. - Und ich bin stolz, Teil dieser Gesellschaft zu sein.




Bürger aller Schichten beteiligten sich an dem Protest




und das Wetter spielte mit, nach den vielen Tage Regen, endlich Sonne!




vorne an, die Veranstalter der "Plataforma Ciudadana"




Der Protestzug war erstaunlich wie erfreulich sehr lang.




Die Plaza von Los Llanos war zur Abschlusskundgebung richtig voll.




Samstag 26.12.09 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 15 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 95 % - Luftdruck 1009 hPa

Weihnachten und Unwetter sind zu Ende
Auf der Suche nach Normalität

Da sind sie mal wieder, die kleinen Unterschiede zwischen Spanien und Deutschland. - Hier gibt es keinen zweiten Weihnachtsfeiertag, und somit ist dieses Fest nun hier zu Ende. - Das liegt vielleicht auch daran, dass wir diese harte Feierzeit, im Dreigestirn von Weihnachten, Silvester und dem "Königstag" eher auf den 6. Januar konzentrieren. - An dem Tag, besser am 5. Januar nachts, da gibt es für die Kinder die Geschenke, einfach nach der Geschichte heraus, dass die Geburt Jesu zwar am 24. Dezember war, die Geschenke welche die Heiligen Drei Könige brachten, aber erst am 6. Januar kamen. -Wir wollen jetzt aber hier keine Daten kontrollieren und noch weniger darüber diskutieren, die weihnachtliche Magie für Kinder, und das ist ja der entscheidende Beitrag des Weihnachtsfestes für die eigene Brut, der vertagt sich hier bei uns in den Januar. - Aber nicht nur dieses eine der drei Feste ist nun für uns vorbei, heute ist wieder Arbeitstag, zumindest für die, welche an einem Samstag arbeiten müssen. - Auch zu Ende ist das Unwetter, der Wind hatte ja gestern Abend noch ein wenig weiter auf West gedreht und ist nun im Laufe der Nacht komplett eingeschlafen. - Das bedeutet für den Flughafen, man kann den normalen Flugbetrieb wieder aufnehmen und endliche wieder Normalität einkehren lassen. - Der erste Maschine aus Tenerife ist so auch bereits pünktlich und ohne jegliches Problem bei uns gelandet. - Die Straßen sind nun auch fast alle wieder offen, nachdem man keine weiteren Murenabgänge erwartet. - Schlimmer hat es die Straßen von Puerto de Tazacorte nach Las Angustias erwischt, die von dem Ort direkt in die Caldera führt, um dann auf die Hauptverkehrsstraße zu führen, welche von Los Llanos in den Norden führt. - Allerdings war das kein Murenabgang, sondern eine kräftige Unterspülung und der gesamte rechte Fahrbahnstreifen rutschte dann ab ins Flussbett, welches die Caldera entwässert, und in Puerto de Tazacorte ins Meer führt. Man hat zwar sofort mit großen Felsblöcken eine weitere Unterspülung verhindern können, den Schaden zu reparieren, das wird aber ein paar Tage dauern.

Damit sind wir gleich wieder beim nächsten Thema, welches immer aufblüht, wenn starke Regenfälle auf der Westseite und besonders in der Caldera de Taburiente niedergehen. - Die Entwässerung dieser Wassermassen, welche dieser enorm große Senkkrater aufnimmt, die geschieht eben durch den Barranco de Las Angustias und führt genau in Puerto de Tazacorte hinaus in den Atlantik. - Wer dann mal ein bisschen Zeit hat, der fährt da runter, steht dann auf der Brücke und sieht sich dieses Schauspiel an. - Das ist ein bisschen schon zu einem traditionellen Ausflug geworden, gestern zum Beispiel war Puerto de Tazacorte bereits am frühen Mittag hoffnungslos zugeparkt, weil alle ihren Ausflug machen wollten, den wilden Atlantik beobachten, und eben auch, wie das wertvolle Süßwasser der Caldera so sinnlos in das Meer fließt. - Und nicht nur das, wir verlieren nicht nur kubikhektometerweise Wasser, sondern auch tonnenweise beste Erde, welche sich auf dieser so jungen Vulkaninsel doch erst als dünner Humusfilm auf schroffem Basalt gebildet hat. - So steht man da auf der Brücke und blickt in die trüben Wasser, die sich da ins Meer ergeben und denkt jedes Mal wieder, das ist eine zu große Verschwendung an Süßwasser und Erde, das muss man ändern. - Damit ist ein Staudamm gemeint, Pläne dafür existieren bereits seit Jahrzehnten, welcher die Wasser aus der Caldera komplett zurückhält und dem Bewässerungshaushalt der Insel zur Verfügung steht. - Allerdings hat dieser Plan auch deutliche Mängel, einmal würde der Rückstau vielleicht sogar bis in den Nationalpark reichen, zum anderen könnte man dieses Wasser eben nur dann sammeln, wenn eh kein Wassermangel besteht. - Dieses dort "gefangene" Wasser müsste also dort für den Sommer bewahrt werden, was wiederum bedeutet, dass man eine irrsinnig große Fläche auch komplett abdichten müsste, denn das dort vorhandene Material ist stark wasserdurchlässig und könnte den gewonnenen Schatz nicht ohne bauliche Maßnahmen speichern. - Daran scheitert dieses Projekt wohl noch eher als am Gedanken, diese emblematische Schlucht zu fluten, aber noch weiter geblickt muss man auch sagen, dass es eigentlich unnötig ist, so viel Wasser mehr zu sammeln, weil dieser Insel bereits aus anderen Quellen und Tunnel genügend Wasser zur Verfügung steht. - So werden diese irrsinnigen Wassermassen auch weiterhin ungenutzt ins Meer fließen und den Atlantik vor der Küste Tazacortes mit unserer Erde düngen. - Schade, aber wohl nicht zu ändern, so wie das mit ganz vielen Dingen um uns herum wohl auch ist.








Freitag 25.12.09 19:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 95 % - Luftdruck 1005 hPa
Höchsttemperatur heute 18,8 Grad - niedrigste Temperatur 17,2 Grad

Meine Frau hat die Waschmaschine angeworfen
Jetzt kommt die Ruhe nach dem Sturm

Vorweg, der Flughafen war heute immer noch abweisend gegenüber allen Versuchen bei uns zu landen. - Ich kann aber nicht sagen, ob nicht doch ein oder zwei interinsulare Verbindungen stattfinden konnten, denn zwischendurch gab es kleine Windpausen. - Die Chartermaschinen aus Mitteleuropa konnten aber allesamt nicht landen, die Fluggesellschaften haben sich nun aber eine neue Strategie überlegt, die gar nicht mal so verkehrt ist. - Bis auf die Maschinen aus Tegel und Hamburg, hat man erst überhaupt keinen weiteren Flug nach La Palma vorgenommen, sondern die Flüge gleich im Ursprungsflughafen gestrichen und auf morgen verschoben. - Das ist einmal deutlich billiger für die Fluggesellschaften, und für die Mehrzahl der Fluggäste auch angenehmer, können doch die, welche nahe am Flughafen wohnen, wieder nach Hause fahren. - Was mit denen ist, welche aber von weiter angereist sind, das entzieht sich meiner Kenntnis, ich gehe aber mal davon aus, dass die in einem Hotel untergebracht werden. - Allerdings kann man solche Aktionen nur bringen, wenn man sich sicher ist, dass man hier nicht landen kann, also zumindest für die letzten drei Tage hätte man so verfahren sollen. - Allerdings muss man ja auch wieder wissen, dass viele der Maschinen, die hierher fliegen nicht nur dazu bestimmt sind La Palma zu bedienen, sondern eben auch noch andere Kanareninseln anfliegen, hier auf dem Archipel also gebraucht werden, um andere Gäste abzuholen. - Keine einfachen Entscheidungen für die Gesellschaften, aber wer nach La Palma fliegen will, der muss halt die kleine, aber doch vorhandene Möglichkeit in Betracht ziehen, dass diese schroffe Insel mitten im Atlantik beim falschen Wind einfach nicht zu erreichen ist. - Hier ist nun die Diskussion aufgebrochen, ob denn der Flughafen nicht an der falschen Stelle auf der Insel liegt, und dazu muss man gleich sagen, Nein, eine bessere Stelle gibt es auf dieser kleinen und so steilen Insel einfach nicht. - Westseite scheidet sofort aus, da es hier ja die Fallwinde vom Passat gibt, und die eben nicht nur ein paar Tage im Jahr, sondern an die dreihundert Tage, da Nordost, als Folge des doch sehr stabilen nordatlantischen Hochdruckgebietes, welches man auch unter der Bezeichnung Azorenhoch kennt, hier die vornehmliche Windrichtung ist. - Noch ein Stück weiter in den Norden rücken, das geht nicht, da kommt dann gleich die Hauptstadt und noch weiter im Norden gibt es kein Stück mehr an der Küste auf Meereshöhe, welches einen Flughafen beherbergen könnte. - Also schnell wieder Schluss machen mit dieser Flughafenklauberei, aber man könnte die Landebahn deutlich verlängern, um so den anschwebenden Maschinen wenigstens die Möglichkeit zu geben bei geringen Scherwinden zu reagieren.

Es ist aber einfach müßig darüber zu diskutieren, der Flughafen ist und bleibt dort wo er ist, einen besseren Flecken auf dieser Insel gibt es dafür nicht. - Das Wetter ist die Frage dort wo Schwierigkeiten auftauchen, und dabei eben dieser verflixte Südwestwind, und eben auch, ab einer bestimmten Geschwindigkeit. - Das hat uns halt die letzten Tage so behindert, und man muss eigentlich nicht mal um Entschuldigung bitten, sondern um Verständnis und die besondere Situation, welche diese Insel nun mal so einmalig macht. - Dabei muss man auch mal erwähnen, dass nicht nur die anreisenden Inselgäste unbequeme Zwischenaufenthalte hinnehmen müssen, sondern die ganzen Angestellten im touristischen Bereich, welche mit der Ankunft und Abfertigung der anreisenden wie auch der abreisenden Gäste zu tun haben in den letzten Tagen Doppel- oder gar Dreifachschichten geleistet haben. - Und das nicht nur jeden Tag und jede Nacht, bis die letzten Gäste von der Fähre dann im Quartier sind, sondern eben auch noch unter einem gehörigen psychischen Druck der vielen Gäste, welche nicht von der Insel gekommen sind, die dann verständlicherweise, aber nicht berechtigterweise ihren Unmut am Personal auslassen. - Man muss immer die vielen, und nicht nur die beiden Seiten sehen, schließlich sind wir alle irgendwo noch Menschen, und das ist doch gut so. - La Palma ist eben kein konfektioniertes touristisches Ziel, das wissen wir alle, und solche Situationen werden wieder eintreten, immer dann, wenn das dem Wetter auf dem Atlantik so einfällt. - Dumm natürlich, wenn man dann trotzdem die Insel für Massentourismus hinbasteln will, ich möchte mal sehen, was diese Starkregen und Murenabgänge mit den Golfplätzen gemacht hätten… Aber wir müssen noch mehr hier auf der Insel lernen, und dabei steht noch ein bisschen am Pranger die nicht perfekte Vorbereitung. - Selbst ich als nur Beobachter der Wettersituation habe solches Szenario mehrfach vorhergesagt, und es wäre ein Leichtes gewesen, bereits vorher Technik und Personal ausreichend in den entsprechenden Positionen zu postieren, damit man deutlich schneller hätte reagieren können. - Das ist aber dann alles angelaufen und die Arbeiter der Gemeinden aber auch des Cabildo Insular haben dann Hervorragendes geleistet und auch ihr Weihnachtsfest ohne zu murren dem Dienst an der Allgemeinheit geopfert. - Ein bisschen anders sieht es allerdings da bei der Unelco aus, unserem einzigen Stromversorger, denen muss man einfach entgegenhalten, dass man seit der Privatisierung so viele Arbeiter weniger hat, dass man prophylaktische Kontrollen vor angesagten Unwettern einfach nicht mehr durchführen kann. - Fremdfirmen haben dann, nachts, tagsüber, im Sturm und Starkregen die Trafohäuschen wieder in Ordnung gebracht und so verhindert, dass aus einem quälenden Stromausfall von bis zu 24 Stunden keine wirklich Katastrophe entstanden ist, und die meisten Zentren bereits nach wenigen Stunden wieder Strom hatten. - Da muss nachgearbeitet werden und es ist nun auch Aufgabe der Inselregierung da starken Druck auszuüben. - Zumal uns Sprecher, nicht Monteure, die Tage und Nächte lang geschuftet haben uns auch noch zusammenhanglosen Quatsch über die Gründe dieser Stromausfälle präsentieren wollen. - Da müssen noch viele Fragen gestellt werden und es muss legislativer Druck her, damit diese Fragen auch korrekt beantwortet werden. - Auch sollte man sich wirklich mal überlegen, ob wir denn mit dieser dusseligen Sucht nach Privatisierung von Diensten wie Energieversorgung oder sogar Gesundheitsdiensten auf der richtigen Seite sind.

Der Regen ist nun vorbei, vielleicht noch mal ein paar kleine Tropfen, aber der Wind hat sogar momentan leicht auf Nordwest gedreht und morgen soll er komplett abflauen, so dass wir schon damit rechnen können, dann einen normalen Flugbetrieb wieder aufnehmen zu können. - Kein Regen mehr morgen, ist aber auch aus einem anderen Grund noch wünschenswert für uns, da wir ja morgen am 26. Dezember die Kundgebung gegen die beiden geplanten Asphaltwerke abhalten wollen. - Das soll um 17:00 Uhr in Los Llanos losgehen, und zwar dort wo sonntags immer der Bauernmarkt stattfindet, also unter den Lorbeerbäumen. - Dann zieht man gemeinsam zum Rathaus, wo dann die Veranstalter ein Manifest verlesen werden. - Man bittet die Teilnehmer sich möglichst schwarz zu kleiden, als seichten Hinweis auf den Bezug zu den Asphaltwerken. - Dabei darf ich noch mal betonen, dass das kein "Hippieumzug" wird um die Rückkehr in die Steinzeit zu fordern und gegen Fortschritt oder ökonomische Entwicklung auf dieser Insel. - Es geht hier konkret darum, dass die öffentliche Hand Gesetze ignorierend gleich zwei dieser als deutlich giftig klassifizierten Industrienanlagen in unmittelbare Nähe von Siedlungen erlauben will, wo mindestens 7.000 Menschen leben, 5 Schulen ihren Betrieb haben und auch viele Gewerbebetriebe, wie zum Beispiel die im ländlichen Tourismus auf dem Spiel stehen. - Das Gesetz erlaubt diese Aufstellung dieser Industrieanlagen in der Zone einfach nicht, man hat sich darüber aber hinweggesetzt. - Zwar ist man auch bereits juristisch dabei, gegen diese Genehmigung vorzugehen, dennoch muss auch öffentlicher Druck entstehen, damit man zumindest die lokalen Politiker wieder zurück auf die Seite des Volkes bringt. - Also, morgen um 17:00 Uhr in Los Llanos, wir sehen uns und wir rechnen mit Ihrer Unterstützung. - Leider habe ich überhaupt keine schwarzen Klamotten, aber einen ziemlich dunklen Gesichtsausdruck, vielleicht zählt das auch.





Freitag 25.12.09 10:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 18 Grad - Niederschlag 2 mm - Luftfeuchte 95 % - Luftdruck 1001 hPa

Neugeboren
Wir haben wieder Strom

Es gibt Menschen, die haben ihre Demut nie verloren, andere erlernen diese in ihrem Leben freiwillig, und wieder andere bekommen die mir dem Prügel angedroht. - Zunächst die positiven Geschichten. - Es hat gestern eigentlich gar nicht mehr geregnet, und heute Nacht auch nur ganz wenig, und wir erwarten auch keine größeren Niederschläge mehr, aber zum Wäschetrocknen wird es wohl dennoch nicht reichen. - Die Gefahr weiterer Murenabgänge scheint also gebannt, nicht aber die Steinschlaggefahr, das hält auch noch Tage nach dem Regen an. - Nun aber hat die Insel auch in ihrer Gänze wieder elektrischen Strom, wobei die letzten "Flecken" der Insel wohl erst gestern Nacht wieder Energie erhielten. - Bei uns war der Strom fast 25 Stunden weg, aber kam so pünktlich wieder, dass ich mich nicht vor dem Weihnachtsessen drücken konnte, denn das hatte ich ja versprochen. - Das Rinderfilet war so frisch, dass es die 25 Stunden mit schlechter Kühlung überstanden hat, bevor wir es mit einer Pfeffersahnesoße und Yorkshire-Pudding verspeist haben. - Das Essen war also gelungen und so verbrachten wir noch einen angenehmen Heiligen Abend ganz im familiären Kreis unter der koreanischen Südmanntanne, die uns nun bereits im zehnten Weihnachten traditionelle Dienste leistet. - Dabei frage ich mit mal wirklich, wie lange dauert es eigentlich, bis man eine Schrulligkeit zur Tradition erhebt? - Aber nicht alle haben den Heiligenabend so angenehm verbracht wie wir.

Manche hatten noch keinen Strom, andere sitzen entweder hier auf La Palma fest und wollten doch woanders sein, und wieder anderen geht es umgekehrt, und wollten längst hier sein. - Der Flugverkehr von und nach La Palma funktioniert nun seit vier Tagen eigentlich gar nicht, ab und zu landet eine kleine interinsulare Maschine, dessen Pilot gerade das Glück gehabt hat, in einem windstillen Moment anzufliegen. - Gestern fuhren nun 3 Fährschiffe von Tenerife aus nach La Palma, wir haben zwar sogar etwas von 4 Schiffen gehört, aber das konnte niemand bestätigen, und haben zunächst die größte Ansammlung an Wartenden zischen den Inseln aufgelöst. - Auch wenn das Wetter sich deutlich gebessert hat, leider weht der Wind immer noch zu stark und auch heute früh hat es bereits die ersten Streichungen von Flugverbindungen von und nach La Palma gegeben. - Dieser tückische Südwestwind bleibt nach wie vor Protagonist, und gegen Nachmittag hofft man dann auf ein Nachlassen des Windes, aber das ist eine vorsichtig erstellte Prognose. - Das kann also wieder heiter bis bedeckt werden, wo wir doch neben den interinsularen Verbindungen auch noch 10 Charter aus Mitteleuropa erwarten. - Sieben reguläre Flüge und eben die gestern und vorgestern nicht haben landen können. - Ganz ausgeschlossen ist es nicht, dass die, oder wenigstens ein paar der Maschinen landen können, mittendrin ist es immer wieder mal windstill, aber das muss halt ganz genau passen und der Pilot in dem Moment gerade anfliegen, voraussagen, wann so eine kleine Flaute eintritt, das kann niemand. - So bleibt das Jahr 2009 ein schwieriges Jahr für La Palma allgemein, und für den Süden ganz besonders, erst das Feuer im August, und nun die Nachwirkungen eben mit diesen Murenabgängen, die auch damit zu tun haben, weil kein Unterholz dort im Wald den Boden festhält. - Aber auch touristisch ist dieses Wetter eine Katastrophe, drei Tiefdruckgebiete hintereinander, und ohne Pause, das haben wir noch nicht erlebt und wird so manchen Gast davon abhalten, wieder im Winter nach La Palma zu reisen. - Leider steckt da auch für die Fluggesellschaften keine Werbepotential für La Palma drin, die Condor, als hauptbetroffene Gesellschaft, aber auch die Air Berlin, denen kostet das einen wirklichen Batzen Geld, diese Wetterkapriolen auf unserer Insel. - Die mussten Tausenden Hotels besorgen, Transfers, erneute Anflüge, schließlich die Fährüberfahrt, bis man die Gäste endlich am Bestimmungsort hatte. - Darüber hinaus schmeißen ja solche Verzögerungen auch die gesamte andere Planung der Gesellschaft über den Haufen, die haben ja ihre Flugzeuge nicht dafür, tagelang auf Tenerife oder Gran Canaria stehen zu haben, um irgendwann nach La Palma fliegen zu können. - Die brauchen die Maschinen ja längst wieder um andere Routen zu bedienen und bei manch einem Betriebswirt dieser Gesellschaften leuchtet bestimmt schon die Birne, wenn der nur das Wort La Palma hört. -




Der ruhende Pol nach einer wilden Bescherung




Donnerstag 24.12.09 19:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 19 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 95 % - Luftdruck 1000 hPa
Höchsttemperatur heute 20,2 Grad - niedrigste Temperatur 16,8 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 14,7 - Temp. Min 10,9 - Feuchte 95 - 95 % Niederschlag 76 mm

Auch heute Abend keine Nachrichten, zunächst keinen Strom, und dann kam irgendwie ein Weihnachtsfest dazwischen, ganz unerwartet.



Donnerstag 24.12.09 11:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 18 Grad - Niederschlag 24 mm - Luftfeuchte 95 % - Luftdruck 1001 hPa

Waldbrandgefahr tendiert gegen null...
… man muss das positiv sehen

Ich habe noch eine gute Nachricht, das Schlimmste haben wir überstanden. - Es kann schon noch mal tröpfeln, auch morgen noch, und die Tiefdrucklage an sich ist auch noch nicht wirklich vorüber, aber jetzt zieht der Großteil der Regenwolken deutlich nördlich an den Kanaren vorbei. - Auch der Wind wird weiter abflauen, so dass wir heute noch damit rechnen können, dass auch der Flughafen wieder geöffnet wird. - Bislang ist allerdings noch kein Flieger gelandet. - Wir warten nicht nur auf die vielen interinsularen Verbindungen, sondern auch noch auf vier Chartermaschinen, die gestern bereits hätten landen sollen, und zwei davon sogar bereits vorgestern. - Im Laufe des Tages hoffen wir aber, dass diese Flieger noch landen können, wenn nicht, dann müssen diese Gäste auch heute Abend mit der Fähre anreisen. - Beide Reedereien (Olsen und Armas) haben Sonderfahrten angekündigt, sowohl von Santa Cruz de Tenerife aus, wie auch noch Los Cristianos, so dass wir hoffen koennen, dass es genügend Plätze auf den Fähren gibt. - Wir dürfen ja nicht vergessen, dass wohl an die 1.500 Menschen darauf warten, auf diese Insel zu gelangen, oder wieder von ihr wegzukommen. - Ich darf das Problem noch mal kurz erklären: Bei Westwind, und besonders bei starkem Südwestwind, entstehen Flughafen Scherwinde, welche die Flugzeuge bei der Landung stark behindern können, oder die Landung sogar unmöglich machen. Diese Scherwinde entstehen aufgrund der abrupten Orographie La Palmas, da der heftige Wind von der einen Seite an die Berge gedrückt wird, und dann auf der anderen Seite als Fallwinde mit fast doppelter Geschwindigkeit wieder herabsauen. - Diese Wetterlage kommt eigentlich sehr selten vor, aber selten ist eben nicht nie. - Gestern war hier der absolute Tiefpunkt im Wettergeschehen, zuerst viel Regen, dann ab Mittag scharfer Wind, der zeitweise dann auch richtige Sturmstärke erreicht hat. - Nicht nur im Süden der Insel mussten darauf hin Straßen gesperrt werden, jetzt noch sind manche Siedlungen von den Verbindungsstraßen abgetrennt, aber es arbeiten sehr viele Kräfte mit schwerem Gerät daran, die Straßen wieder frei zu bekommen. - Die alte Regel stimmt, Feuer und der Vulkan, von denen immer so viel geredet werden, die sind nicht die wirkliche Gefahr für diese Insel, sondern das Wasser. - Man muss sich nur mal unsere Landschaft ansehen, und die tiefen Schluchten betrachten und sich dabei eben nur klar machen, dass diese gewaltigen Barrancos einziges Werk von Niederschlägen mit daraus folgender Erosion sind. - Diese Insel ist eben so jung, dass sich ihr Aussehen erst noch formen wird, geologisch sind wir noch nicht mal dem Säuglingsalter entschlüpft, machen aber schon auf dicken Maxen.

Es ist eben leider nicht nur so, dass viele Straßen durch Murenabgänge verschüttet oder unterspült sind, so dass diese nicht befahrbar sind, es klemmt noch darüber hinaus an solchen elementaren Grundvoraussetzungen wie eine sichere Stromversorgung, die uns von Notstandsgebieten der Dritten Welt unterscheiden würde. - Es ist kein Problem, wenn man für eine Weile der Strom ausfällt, inzwischen gibt es aber Regionen der Insel, die seit gestern Früh keine Versorgung mit elektrischer Energie mehr haben, also jetzt mehr als 24 Stunden. - Die Ballungszentren haben zwar schon wieder Strom, aber ländliche Gebiete, oder zum Beispiel wir selber auch, haben jetzt mehr als 15 Stunden schon keinen Strom mehr. - Das ist auch der Grund, warum es gestern Abend keine Nachrichten gab, wofür ich mich schon mal entschuldigen will, aber wir konnten und können immer noch nichts in Netz, sondern arbeiten jetzt vom Arbeitsplatz einer Freundin aus. - So kann ich auch noch nicht sagen, ob ich Sie heute Abend weiter informieren kann, das liegt jetzt in den Händen unseres Stromversorgers, der UNELCO. - Da muss man dann in den kommenden Tagen auch mal unbequeme Fragen stellen, und vielleicht auch finanzielle und personelle Folgen fordern, denn man kann uns nicht tagelang ohne Energieversorgung lassen, wo man uns doch noch vor ein paar Wochen erklärt hat, wir auf La Palma hätten die sicherste Stromversorgung der Kanarischen Inseln. - Abgesehen davon, dass man inzwischen den Inhalt der Kühltruhe entsorgen muss, oder wir kochen heute mal Moppelkotze als Weihnachtsmenü, Labskaus am ersten Feiertag und eine gewagte Abhandlung vom Arabischen Reiterfleisch dann am 2. Weihnachtstag. - Wer gerade hier auf La Palma ist, und keine Lust auf Resteessen mit Absonderungen aus der tauenden Tiefkühltruhe hat, für den hat das CIT-Tedote noch ein Dokument vorbereitet, auf dem man nachsehen kann, wo man die Feiertage und auch zum Jahreswechsel offene Restaurants findet.

Ansonsten, da war doch noch was... - Ein frohes und friedvolles Weihnachtsfest wünschen wir Ihnen!



Mittwoch 23.12.09 19:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 19 Grad - Niederschlag 35 mm - Luftfeuchte 95 % - Luftdruck 998 hPa
Höchsttemperatur heute 18,8 Grad - niedrigste Temperatur 16,5 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 15,4 - Temp. Min 12,2 - Feuchte 95 - 95 % Niederschlag 88 mm

Kein Strom, keine Nachrichten



Mittwoch 23.12.09 09:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 18 Grad - Niederschlag 44 mm - Luftfeuchte 95 % - Luftdruck 1004 hPa

Wasser, Wasser und Wasser
Teile Fuencalientes sind evakuiert worden

Wasser ist prinzipiell der Segen dieser Insel, aber eben in Mengen auch nicht gut verdaulich. - Heute Nacht regnete es unaufhörlich, gemischt mit heftigen Winden aus Südwest, ein Wetterpanorama welches nun durchaus das Prädikat Unwetter gewinnt. - So hat sich das Rathaus von Fuencaliente auch entschlossen, Teile des Ortes evakuieren zu lassen, zu groß ist die Angst vor neuen Erdrutschen in der südlichen Gemeinde. - Auch in Montes de Luna, zu Mazo gehörend, mussten Bewohner ihre Häuser verlassen und in ein Ausweichquartier ziehen, ebenso aus Vorsicht, es könne dort in der Zone erneute Murenabgänge geben. - Die Straße von Los Llanos nach Fuencaliente ist weiterhin gesperrt, so dass der Ort derzeit nur vom Osten aus zu erreichen ist. - Aber auch auf der Straße im Osten nach Fuencaliente gab es immer wieder Probleme, so mussten Passagiere eines Busses, welcher Inselgäste ins Hotel im Süden der Insel bringen wollte, lange Zeit mitten auf der Straße im Bus ausharren, da vor ihnen aber auch hinter ihnen die Straße von Erdrutschen versperrt war. - Allerdings arbeiten seit gestern Vormittag nicht nur die lokalen Kräfte aus Mazo und Fuencaliente daran, dieses abnorme Wetterphänomen nicht zu einer größeren Katastrophe ausarten zu lassen, sondern die Inselregierung hat nun die Arbeiten übernommen und diese verfügt über deutlich mehr Mittel, was schwere Technik, aber auch Personal angeht.

Momentan weht kein Wind, also können die Flugzeuge wieder landen und starten, aber weiter am heutigen Mittwoch erwarten wir auch wieder heftige Windböen aus Südwest, so dass man gegen Mittag wieder mit Verspätungen oder gar einer Schließung des Flughafens rechnen muss. - Gestern konnten die Condor-Maschinen aus Düsseldorf und Frankfurt bei uns nicht landen, und wurden nach Tenerife umgeleitet, aber wir erwarten das Eintreffen beider Flüge nun in den nächsten Minuten. - Aus den Wetterbrichten geht weiterhin hervor, dass heute noch viel mehr Regen fallen wird und auch der Wind später am Tag wieder auffrischt, allerdings konkretisieren sich auch die Vorhersagen, dass morgen am Heiligenabend, das Wetter dann deutlich besser wird und wir Aussicht auf ein ruhiges Fest haben können.





Dienstag 22.12.09 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 18 Grad - Niederschlag 7 mm - Luftfeuchte 95 % - Luftdruck 1005 hPa
Höchsttemperatur heute 18,8 Grad - niedrigste Temperatur 16,5 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 14,7 - Temp. Min 9,9 - Feuchte 95 - 95 % Niederschlag 41 mm

Schlimmer kann es doch gar nicht mehr werden…
… und es kommt schlimmer

Das dritte Tief in Folge und ohne Wäschetrockenpause, meine Frau und mit ihr alle HausmannInnen dieser Inseln sind not mehr amused. - Ich auch nicht, nach drei Tagen schlechtem Wetter kann ich den Spruch, freuen wir uns mit dem Bauern über den Regen nicht mehr hören, obwohl der meist aus meinem eigenen Mund stammt, um so enttäuschte und knöterige Inselgäste irgendwie hand zu haben. - Auch heute konnten wieder nicht alle Flugzeuge landen, zu dem Schneechaos in Deutschland und dem Festland kommt dann eben noch unser Windproblem hinzu, und man hat fast so ein bisschen den Eindruck als wolle olle Barozusthra, der Gott des Wetters nicht, dass an Weihnachten verreist wird. - Im Süden unserer Insel hat man nun ein großes Aufgebot an Technik bereit gestellt, um die Murenabgänge in den Griff zu bekommen, allerdings ist die Straße weiterhin immer wieder stundenweise gesperrt. - Allerdings hat es heute nicht so viel geregnet, so dass dort vielleicht die Lage jetzt wieder etwas ruhiger ist. - Allerdings kommt, zumindest nach den Aussagen des Global Forecast Systems der Hauptgang eh erst morgen, und dann auch wieder mit viel Wasser, so das ich meine Warnung von Barrancos und Straßenabschnitten mit steilen Wänden noch mal wiederholen will. - In einem Kommunique der Inselregierung heißt es sogar, dass man morgen mit bis zu 120 mm Niederschlag innerhalb von 12 Stunden rechnen muss, und man empfiehlt den Leuten, die nichts wirklich Wichtiges vorhaben einfach Zuhause zu bleiben. - Klar, die haben Angst, dass sie nicht zu wenig warnen, weil wenn da wieder Muren abgehen und weitere Schäden entstehen, dann heißt es nachher wieder, keiner hätte gewarnt, und deshalb nun diese deutliche Darstellung des "worst case".

Allerdings kann man auf den Diagrammen der Agencia Estatal de Meteorología auch erkennen, dass der Hauptteil der Niederschlagszellen nördlich an den Kanaren vorbei ziehen, aber wie gesagt, dass sind Vorausrechnungen, die auch wieder revidiert werden können, stellen wir uns also besser auf noch mehr Niederschlag und noch mehr Wind ein. - Am Heiligabend erwartet man dann, übrigens beide Wetterdienste in seligem Einklang eine deutliche Wetterbesserung, so einen Rest an gläubiger Pietät vor dem Weihnachtsfest scheint also auch den Tiefs noch geblieben zu sein. - Dann kontinuierliche Besserung bis hin zum Jahresende, auch wenn die Tiefdrucklage noch nicht wirklich das Weite sucht, es wird dann kaum noch Wind und Niederschlag geben. - Also morgen, da müssen wir noch durch, ich will auch irgendwann wieder ein Wohnzimmer haben und keinen Wäschetrockenraum, wir konnten uns doch nicht einigen wo der Trockner hin soll, und außerdem habe ich gehört, dass inzwischen die letzten frei verkäuflichen Wäschetrockner nur noch zu ersteigern sind. - Das ist natürlich Quatsch, früher gab es solche Engpässe, aber inzwischen sind unsere Läden bestens bestückt. - Was aber wirklich knapp wird im Moment, dass sind Inselgäste mit guter Laune, denn die allermeisten hatten sich das schon anders vorgestellt, mit ihrem Weihnachtsurlaub auf La Palma. - Ich muss auch ganz weit zurückdenken, wann es schon mal so viele Tage hintereinander dieses Wetter hatte, denn heute zählen wir den Tag elf im Regen und Wind, und manch einer fragt sich, ob der Pilot sich bei seinem Flug in die Wolken nicht auf den Inseln geirrt hat und das hier eigentlich die Färöerinseln sind. - Aber bange machen, das gilt nicht, morgen müssen wir noch mal die Backen zusammenkneifen und dann ab Heiligabend wird es besser.



Dienstag 22.12.09 08:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad - Niederschlag 5 mm - Luftfeuchte 95 % - Luftdruck 1006 hPa

Wenn dich der Dicke anfässt
Weihnachtslotterie

Jetzt bereits um diese Uhrzeit hat jeder sein Radio an oder den Fernseher laufen, denn am 22. Dezember ist man wie alle Jahre in Spanien, ganz einer singenden Kinderschar hörig. - Die 36 Jungen und Mädchen aus der Klosterschule "San Ildefonso" sind seit 1771 die Glücksbringer der Nation. - Sie sind, es welche die Prämien und Losnummern der Weihnachtslotterie tatsächlich singen, und nicht einfach nur sprechen. Es ist zwar eher ein Sprechgesang und enthält keine Liebesschwüre oder sozialkritischen Texte, so etwas will heute auch keiner hören, sondern die richtigen Zahlen und den Hauptgewinn, den "Gordo". So nennen wir den Hauptgewinn, der mit 300.000 Euro dotiert ist, ist eigentlich gar nicht so viel Geld, und ob man sich damit bereits zur Ruhe setzen kann, das sollte man sich gut überlegen. - Das ist aber genau der Trick an der Geschichte, man soll nicht so viel Geld gewinnen können, dass man locker von den Zinsen leben kann, dann ist das Geld ja weg von der Straße, und es wird nicht ausgegeben. - Warum aber dann so viel Aufhebens um eine Lotterie in der man "nur" 300.000 Euro gewinnen kann? - Nun kommt das System mit den Zehntellosen und den Serien ins Spiel. Den Hauptgewinn gibt es 1.800 Mal und ist damit sehr breit gestreut, es gewinnen also sehr viele Leute ziemlich viel Geld. Es werden 180 Serien verkauft mit 85.000 verschiedenen fünfstelligen Nummern. Grundsätzlich besteht ein Los aus 10 Einzellosen, eben "Décimas" und das pro Serie, und das muss man dann eben mal 10 nehmen, und schon kommt man auf die Summe von 1.800 "Gordos" a 300.000 Euro. Somit hat der Hauptgewinn die enorme Summe von 540 Millionen Euro, allerdings halt gut verteilt. - Gegen Mittag weiß man spätestens ob man selbst Glück gehabt hat, oder ein weiteres Jahr auf den Dicken warten muss.

Das mit dem "Dicken" ist ja auch ein Wortspiel, denn eigentlich will ja keiner von dem "Dicken" angefasst werden, handelt es sich aber dabei um den Hauptgewinn, also den "Gordo de Navidad", dann ist das natürlich eine andere Sache. - Solch ein Los, also ein "Décimo" (Zehntellos) kostet immerhin 23 Euro, 20 das Los und 3 Euro für den Verkäufer und im Schnitt hat jeder Spanier davon 3 Lose, eingeschlossen Kleinkinder, Greise und Politiker. - 2,7 Milliarden Euro, so viel haben die Spanier für diese Lotterie ausgegeben, dafür bekommt man schon ein kleines Entwicklungsland, oder aber einen kleinen Teil der Schulden eines Immobilienfinanzierers, man hat also wohl die Wahl. - 2,3 Milliarden werden davon wieder auf die Gewinner ausgeschüttet, der Rest wandert in die Kassen der Lotería Nacional, die davon natürlich zunächst ihre Kosten decken und Gehälter zahlen, aber auch viele soziale Einrichtungen mit Geldern versorgen. - Insgesamt hat man dieses Jahr wohl 3% weniger Umsatz gemacht mit dem Wahnsinn des "Gordos", die "Krise" zeigt auch hier ihre ambivalente Fratze. - Auch ist der Wahnsinn um die Weihnachtslotterie regional sehr unterschiedlich gestaffelt, geben die Leute in La Rioja, Castilla y Leon, Asturias und Aragón pro Kopf um die 80 Euro für Lose der Weihnachtslotterie aus, so sind es in Andalusien, den Balearen und den Kanaren lediglich um die 30 Euro. - Schlusslicht dieser Hitparade ist die spanische Exklave in Marokko, die Stadt Ceuta, wo durchschnittlich pro Einwohner nur 15 Euro für diese Glücksmaschine ausgegeben werden. - Bis auf die Balearen, ließt sich diese Reihenfolge auch so ein bisschen nach der Prosperität der spanischen Regionen, wo viel ist, da wird viel gespielt. - So bleibt nur zu hoffen, dass die Gewinne gut verteilt über das Land gestreut werden, und wer sehen will, ob er denn auch gewonnen hat, der kann das HIER machen.



Montag 21.12.09 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad - Niederschlag 21 mm - Luftfeuchte 95 % - Luftdruck 1003 hPa
Höchsttemperatur heute 17,8 Grad - niedrigste Temperatur 16,0 Grad

Nie war ich tiefer…
Nordatlantik ein einziges Tiefdruckgebiet

Auf der Isobarenkarte erkennt man nur über dem afrikanischen Kontinent so etwas Ähnliches wie ein kleines Hochdruckgebiet, ansonsten geben sich die Tiefs über dem Nordatlantik die nassen Hände. - Das bleibt natürlich auch für uns nicht ohne Folgen, es regnet weiter, und der Wind kommt weiter aus Südwest. - Man kann dieses Wetter eigentlich nicht als "Unwetter" bezeichnen, allerdings sind die Folgen für uns nach nun einer Woche ununterbrochenem Tief doch täglich drastischer zu spüren. - Am Flughafen kommt es immer wieder zu Auszeiten, wenn der Südwestwind als Scherwind die Landebahn kreuzt, und so ein sicheres Landen erschwert. - Heute mussten auch bereits wieder ein paar Flüge ausfallen, die großen Chartermaschinen aber, aus den Niederlanden und England, konnten nach einer Wartezeit auf einer anderen Kanareninsel dann doch gegen Mittag landen. - Jetzt ist kaum noch Wind, allerdings sind bei den interinsularen Verbindungen bereits große Verspätungen aufgetreten, so dass es auf den Flughäfen La Palma und Tenerife Nord zu einem unangenehmen Passagierstau gekommen ist. - Für morgen ist wieder etwas mehr Wind angesagt, so dass es auch wieder zu Engpässen kommen kann, und am Mittwoch dann rechnet man sogar mit Böen auf der Westseite von an die 40 Knoten, was sich dann als Fallwinde auf der Ostseite in der Geschwindigkeit verdoppeln kann. - Erst ab Heiligabend erwarten wir dann ein deutliches Abflauen des Windes und auch der Niederschläge. - Dazu kommt auch noch der Schnee in Madrid, der dort auch heftig den Flugverkehr beeinträchtigt, so dass viele Weihnachtsbesuche wohl wirklich erst am Fest selbst eintreffen werden. - Aber in ganz Europa herrscht ja im Moment Ausnahmezustand sowohl beim Autoverkehr, wie auch bei den Flügen, wir sind also in allerbester Gesellschaft.

Nach dem tagelangen Regen nun zeigt sich unsere verwundbare Seite was die Bodenerosion angeht. - Steinschlag ist dabei ein Problem, Schlamm- und Geröllmuren ein anders. - Man muss jetzt in den gefährdeten Zonen, das ist überall da, wo man an steilen Berghängen vorbeifährt äußerst wachsam sein, ob da nicht Brocken auf der Straße liegen. - Besonders nachts kann das zu einem wirklichen Problem werden, und wenn man dann bei Regen auch noch eingeschränkte Sicht hat, dann muss man dringend anraten, ganz langsam zu fahren. - Auch Schlamm kann zum Problem werden, wie wir heute in Fuencaliente erleben durften und immer noch dürfen. - Wir erinnern uns doch noch an den großen Waldbrand im August, da dort das ganze Unterholz verbrannt ist, steigt die Gefahr der Erosion nach längeren Niederschlägen enorm an, und heute gab es auch bereits die ersten Murenabgänge rund um das Waldbrandgebiet. - Die Straßen mussten dann immer wieder gesperrt werden, bis großes Gerät aus den Gemeinden anrücken konnte, um den Schlamm und das Geröll zu entfernen, zeitweise war so der Ort Fuencaliente gar nicht erreichbar. - Auch muss man Schäden vermelden, bei der neuen Tankstelle sind mehrere Autos von einer Schlammmure verschüttet worden, und es ist mit weiteren Störungen des Straßenverkehrs rund um Fuencaliente zu rechnen. - Vor der Wetterfront kann man also noch keine wirkliche Entwarnung geben, drei weitere Tage mit Bedingungen stehen uns noch bevor, aber der Regen soll wärmer werden. - Wenn das keine gute Nachricht ist…





Montag 21.12.09 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad - Niederschlag 5 mm - Luftfeuchte 95 % - Luftdruck 1004 hPa

Weihnachten kommt später
Schulferien beginnen erst am 23. Dezember

Überall in Europa haben die Weihnachtsferien bereits begonnen, nur bei uns nicht. - In der Tat ist heute und morgen noch Schulbetrieb, und dann erst werden die Pennäler in die Weihnachtsferien entlassen. - Wie gemein, wie unsensibel, reine Schikane könnte man hier vermuten, aber es geht wohl nicht anders, und wer "hinten raus" und besonders wer drei Monate Sommerferien will, der muss halt anderswo ein bisschen sparen, sonst bleibt ja keine Zeit, den Kindern den Lehrstoff irgendwie in die Birne zu kloppen. - Heute gibt es auch die Zeugnisse, am Nachmittag sind alle Eltern aufgefordert in die Schule zu kommen, um diese erste Benotung ihrer Kinder entgegen zu nehmen. - Da finden wir auch wieder Unterschiede zum deutschen Schulsystem, und zwar gleich auf zwei Ebenen. - Hier gibt es drei Zeugnisse im Jahr, also Trimester, und diese Zeugen der schulischen Leistungen der Kinder werden denen nicht einfach mitgegeben, sondern die Eltern müssen diese abholen. - Dieser gesellschaftliche Höhepunkt findet dann heute Nachmittag statt, und ich darf es vorausschicken, ich liebe diese öden Stunden auf Schulfluren über alles. - Allerdings haben diese schulischen Aktivitäten zumindest ein Ergebnis, nämlich das Zeugnis, während die anderen "Elternabende" lediglich dazu dienen, möglichst viel freie Zeit abzuziehen. - Da sitzt man dann mit anderen Erziehungsberechtigten in dem Schulraum, und wartet darauf, dass irgend etwas Substanzielles geschieht, aber es sind, nach nunmehr 10 Jahren elterlicher Pflicht, immer nur die gleichen Phrasen und Hinweise, von denen sicher alle gut gemeint sind, aber doch nicht wirklich eine Neuigkeit darstellen, oder so revolutionär, dass ich nun meine komplette Erziehungsstrategie ändern werde. - Das Schlimmste dabei ist, die Lehrer sind meist selbst bemüht, diesen Sermon schon mit einem erträglichen Ende zu versehen, aber irgendein "Elter" steigt dann immer auf die, natürlich rein rhetorisch gestellte Möglichkeit der Fragestunde ein, was dann dazu führt, dass ich noch mehr darüber erfahren kann, dass Kinder niemals blöd, sondern immer nur unkonzentriert, überfrachtet, abgelenkt oder krank sind.

Gut, ich sehe das anders. Es gibt nicht nur dumme Eltern, sondern auch dumme Kinder, meist auch in gewisser familiärer Verbundenheit sogar, und will da nur raus, und nur einmal in meiner elterlichen Karriere war ich derjenige der eine Frage gestellt habe, und das war mir eine absolute Lehre, denn die spitzen Pfeile, die aus den Augen der anderen Erziehungsberechtigten mich trafen, die sitzen zum Teil heute noch in meinem Hipotalamus verankert. - Aber es gibt sie halt diese Menschen, die ohne ostentatives Auftreten in kleineren oder auch größeren Gruppen nicht existieren können, und das völlig losgelöst von Hautfarbe, Gesinnung oder Herkunft. - Aber ein bisschen kann man den Kreis schon eingrenzen, denn es sind eigentlich nie Männer, oder das war ich darunter verstehe, welche auf diese abgrundunnötigen Elternabenden mit dusseligen Fragen den Feierabend des Lehrers versauen, und meine Laune dahin tragen, wo ich die erst am kommenden Tag wiederfinde. - Kann natürlich auch daran liegen, dass eh fast nur Mütter zu diesen Besprechungen kommen, und die paar Männer die dort hingesetzt wurden, meist gar nicht wissen, in welcher Klasse ihr Kind eigentlich ist, oder was das denn überhaupt für eine Veranstaltung ist. - Ganz angeschmiert sind ja die Eltern, die gleich mehrere Kinder auf einer Schule haben und nicht wie wir uns diese Veranstaltung gerecht aufteilen, und dann hintereinander gleich mehrere Vorträge über sich ergehen lassen müssen, um dann in den nächsten Klassenraum zu hetzen. - Gut, aber das hätte man sich halt vor der Zeugung überlegen müssen und bei uns war das immer klar, meine Frau hat nur zwei Arme, also kommen noch mehr Kinder gar nicht in Frage, und ich habe ja bereits Probleme, mir mehr als einen Namen zu merken. - Weihnachten kommt auch immer erst dann, wenn diese wunderbare Veranstaltung in der Schule abgeritten ist, es hat also schon Tradition und wer hat denn gesagt, dass Traditionen immer ein freudiges Ereignis sein müssen. - Meine kleine Tochter macht mir dann immer Mut und sagt mir, du musst doch nur einen Abend hin, ich aber den ganzen Tag, jede Woche und viele Jahre lang. - Da hat sie recht, also will ich nicht weiter meckern, sondern stolz und ritterlich diesen kleinen Weg gehen.



Sonntag 20.12.09 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad - Niederschlag 12 mm - Luftfeuchte 95 % - Luftdruck 1005 hPa
Höchsttemperatur heute 17,6 Grad - niedrigste Temperatur 16,5 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 13,8 - Temp. Min 7,1 - Feuchte 56 - 95 % Niederschlag 50 mm

Wolkenkuckucksheim
Wie Sie sehen, sehen Sie nichts

Warum guckt eigentlich noch jemand unsere Webcam, da gibt es wirklich nichts zu sehen. - Schöner Vierter Advent, alles ist nass, man sieht keine 20 Meter weit und wir haben immer noch keinen Weihnachtsbraten. - Ja ich weiß, zuerst meckern wir, dass kein Regen kommt, ist er dann da, meckern wir auch wieder, weil wir nasse Füße haben und uns kalt ist. - Man möchte ja meinen, das sei alles Nebel um uns herum, ist es aber nicht, sondern wir stecken in einer Wolke. Da muss es nicht mal direkt regnen, damit man nass wird, die Luft alleine schon gleicht feinem Sprühnebel, die Haare, die Klamotten und einfach alles wird sofort klamm und feucht. - So bin ich also heute Vormittag noch mit meiner Frau nach Los Llanos gefahren, um endlich dieses Weihnachtsessen klar zu machen, es kann doch nicht sein, dass wir am Heiligen Abend mit Butterbroten dasitzen, wo wir doch eine Familientradition haben die besagt, am 24. Dezember abends wird festlich gespeist. - Nix mit Würstchen und Kartoffelsalat, nein, wir wollen am Heiligen Abend ein festliches Menü und können uns jedes Jahr schwerer einigen, was es denn dann zu futtern geben soll. - Ente, davon bekomme ich immer Bauchweh, Pute mag bei uns keiner, Gans ist zu fett und Lammkeule haben wir bereits zu oft gehabt. - Kapaun, den gab es letztes Jahr, auf den könnten wir uns auch erneut einlassen, aber den hätte man vor drei Wochen schon bestellen müssen, und wir sind keine durchgeplante Familie, die über den Zeitraum von einer Woche im Voraus planen kann. - Rinderfilet war noch mein Vorschlag, im Ganzen, zusammengebunden und dazu eine Rotweinsoße, Yorkeshire-Pudding, und diverse Gemüse. - Das klingt verlockend, auch für den Rest der Familie, allerdings konnten wir kein Stück Fleisch auftreiben welches uns zugesagt hätte, also muss auch diese Idee wieder hinten angestellt werden und wir morgen erneut auf die Pirsch gehen. - Dafür war ich aber mit meiner Frau in ein paar Läden, das hebt die Stimmung bei ihr immer, aber ich bin nass geworden und habe gefroren, das treibt die Laune wieder platt nach unten.

Es ist wirklich nicht schön draußen im Moment, und auch wenn verkaufsoffener Sonntag war, bei dem Wetter will einfach keiner auf die Straßen gehen, so versaut nun das schlechte Wetter auch noch den wichtigen Weihnachtsverkauf. - Allerdings ist ja bei uns der wichtige Termin nicht Weihnachten, sondern erst der Dreikönigstag, so kann man die Einkäufe auch noch ein paar Tage verschieben. - Die Meteorologen spielen wieder das gleiche Spiel mit uns wie bereits gestern, eigentlich soll es erst morgen regnen und nicht bereits heute, aber irgendwie hat das Wetter sich von der Wettervorhersage bereits komplett abgenabelt. - Bis 23. Dezember soll das jetzt so gehen und morgen auch wieder Wind aus Südwest den Regen dann horizontal blasen, damit dieser auch in Fensterritzen und unter die Dachziegel gelangen kann, das haben Häuslebauer am allerliebsten. - Wir sind aber in der Beziehung auch schluderig und bauen eben so, als würde es nur ein paar Tage im Jahr regnen. - Das ist eigentlich auch so, aber wenn dann das Wasser auf den Fensterbänken steht, so weit diese vorhanden, dann erinnert man sich, dass in anderen Ländern so was existiert wie Wasserschenkel und es wirklich möglich sein soll, ein Haus so zu bauen, dass kein Wasser eindringt. - Wir kennen so etwas vom Hörensagen, aber so viel Ehrgeiz haben wir nicht, und wenn jetzt einer ankommt und sagt, sein Haus ist absolut wasserdicht, dann wird der als Besserwisser oder Schlimmeres abgetan. - Nur unsere kleine Tochter, die liebt den Regen und solch ein Wetter über alles, selbst noch nach einer Woche, die hat eben ein Gemüt wie eine Amphibie. - Bei mir ist meist schon am dritten Tag die Begeisterung weg, oder spätestens dann, wenn meine Frau anfängt, überall in der Wohnung Wäscheständer aufzustellen, weil sonst ein gewisser Mangel an frischen Kleidungsstücken herrscht. - Wissen Sie wie das riecht, 3 nasse Katzen auf dem Schreibtisch, nasse Wäsche auf dem Ständer, und dazu meine schlechte Laune, da beweisen sich feste und gute Beziehungen ein ums andere Mal aufs Neue. - Aber es gibt auch Lichtblicke, morgen darf ich vielleicht einen Wäschetrockner kaufen, wir wissen bloß noch nicht, wo wir den hinstellen sollen, und für heute Abend darf ich Familienpizza machen und dann wird die Videothek geplündert und wir ziehen uns irgendetwas amerikanisches rein, aber nur Filme, in denen kein Wasser vorkommt.




amphibische Lebewesen in unserem Garten




kein kaputter Bildschirm, das ist das Bild unserer Webcam




Sonntag 20.12.09 11:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad - Niederschlag 4 mm - Luftfeuchte 95 % - Luftdruck 1007 hPa

Stadthotels statt Hotels
Es gibt Alternativen im Tourismus

Aus dieser Insel im touristischen Sinne eine kleine wie dumpfe Kopie Tenerifes zu machen, ist so ziemlich das dümmste was einem einfallen kann. - Leider ist uns genau das eingefallen, auch wenn man diesen Versuch mit bunten Worten aus der Nachhaltigkeitskiste schmückt und hinter aufwendig gesuchten Themen versteckt, der touristische Sondernutzungsplan für La Palma, der polemische "PTE" setzt die Basis für eine langsame, aber doch auffällige Teneriffisierung La Palmas. - Mehr Hotels, Golfplätze, künstliche Strände, künstliche Riffe für Taucher und künstliche Fassaden, sollen mehr Gäste auf diese Insel locken, damit wir den "Anschluss" an die touristische Entwicklung der anderen Kanareninseln finden können. - So wähnt man Wohlstand auf die Insel zu bringen und bedenkt dabei nicht, dass man sich mit diesem Angebot haargenau auf die große Resterampe des touristischen Mainstreams begibt, wo Billigangebote und All-inklusive inzwischen alleinige Protagonisten eines riesigen weltweiten Überangebotes sind. - Da ist nichts mehr zu verdienen, da kann man nur noch mit Quantität Kosten decken, und viele weitere Regionen, gerade eben in Schwellenländern bauen gerade große touristische Zentren auf, um auch noch auf diesen Markt einzuschlagen. - Sogar mit kanarischem Kapital, einige hiesige Tourismusgrößen investieren gerade in Marokko, um den gewaltigen Lohnunterschied zu nutzen, weiterhin Billigangebote für den ewig nach Schnäppchen suchenden Markt zu bedienen. - Schön blöd, wenn sich ein Hochlohnland auf die gleiche Schiene begibt, und manchmal frage ich mich doch wirklich, ob einfach nur kognitive Schwächen solch ein Bestreben unterstützen, oder ob wir in die böse Kiste von Vorteilsnahme und Gabe greifen müssen, um diesen verheerenden Versuch aus La Palma, ein konfektioniertes touristischen Ziel zu basteln, erklären zu können. - Da klagen die paar Hotels auf dieser Insel doch tatsächlich, dass man im Jahr nicht auf eine Auslastung von über 50% kommt, und unsere Zukunftsplaner setzen dem weitere 6 Hotels entgegen, damit bloß ein noch größeres Überangebot entsteht. - Die dumme Phrase von, mehr Angebot bringt mehr Gäste, ist längst schon abgeschrieben, damit hat man seinerzeit den Bau des größten Hotels im Süden der Insel erklärt, allerdings brachte das nichts, es gab nur eine Verlagerung der Gäste, wir sind inzwischen wieder auf dem gleichen Niveau bei den Besucherzahlen wie im Jahr 2001, und das obwohl wir an die 4.000 Gästebetten mehr haben.

Damals sprach man von der "kritischen Masse" und dass man noch mehr Hotels bräuchte, damit sich die Reiseveranstalter überhaupt für eine Region interessieren und diese dumme Mär haben auch viele Menschen geglaubt. - Jetzt hat es sich aber endgültig bewiesen, dass wir nur eine Verlagerung der Gäste von diesem oder jenen touristischen Komplex zu einem anderen hatten, und dass man jetzt die älteren Einrichtungen nur noch über Sonderangebote auf dem Markt unterbringen kann, weil wir in ein Angebotssegment eingestiegen sind, welches bereits völlig gesättigt ist. - Sie können gerne nachsehen, ich schreibe seit dem Jahr 2002 gegen diese fatale Entwicklung an, aber leider gibt es immer noch Bestrebungen aus La Palma eine willfährige Kopie anderer Regionen zu machen, die sich auf diese Art und Weise sogar in die Unnötigkeit bugsieren würde. - Das haben inzwischen viele erkannt, allerdings bleibt die planerische Ebene statisch in der Richtung, entweder weil sie es nicht besser wissen, oder eben weil man lukrative Versprechen erfüllen muss, die in brutalen Wachstumszeiten an willige Investoren gegeben wurden.

So hat bislang leider nicht politische oder ökonomische Weitsicht diese Insel vor dem touristischen Ausverkauf gerettet, sondern die Rechenmaschinen der immer knauseriger werdenden Investoren. - Und auch die "Krise" hat ihren Teil beigesteuert, dass von den vielen angedachten und hoch besungenen Projekten noch nicht eines Wirklichkeit geworden ist. - So darf man die "Krise" als notwendige Zäsur sogar ein bisschen willkommen heißen, jedenfalls dann, wenn sie uns hilft, aus diesem in völlige Abhängigkeit und Billigschiene fahrenden Zug abzuspringen und uns auf eigene Werte zu konzentrieren. - Anstatt 500 Arbeitsplätze in einer touristischen Industrie zu schaffen, die eh schlecht bezahlt sind, weil der Kostendruck auf den Hoteliers enorm ist, sollte man 500 kleine Selbstständigkeiten anbieten, wo Menschen aus der Region ihr eigenes kleines Tourismusunternehmen auf den Markt bringen. - Seien es Ferienhäuser, gastronomische Angebote, touristische Infrastruktur wie Wanderführer, oder Menschen, die aus den traditionellem Kulturgut dieser Insel Angebote für die Gäste dieser Insel basteln, das wäre eine Wertschöpfungskette, welche das erzielte Gesamtergebnis aus den Einnahmen des Tourismus hier in die Region einspeisen würde, und nicht nur lächerliche Brosamen zurücklässt, wie das inzwischen bei den touristischen Gesamtpaketen in der Branche so üblich ist. - Das ist sicher nicht der Fehler unserer Politiker, dass die touristische Industrie sich auf diesen Billigweg eingeschossen hat, der Fehler unserer Politiker liegt aber da, wo man dem nicht entgegensteuert und diese Insel auch auf den Billigmarkt werfen will. - In diesen so oft diskutierten Komplex stößt nun eine interessante Nachricht hinein, die wohl Hotels auf dieser Insel möglich macht, ohne die kulturelle, gesellschaftliche und ökonomische Struktur dieser Insel zu beschädigen. - In Tazacorte soll nun ein kleines Stadthotel entstehen, nach dem historischen Vorbild eines Gebäudes aus dem 17. Jahrhundert, welches der alten "Hacienda azucarera" nachempfunden wird, was so viel bedeutet wie Zuckergutshof, aus den Zeiten als man in Tazacorte noch keine Bananen anbaute, sondern noch Zuckerrohr. - Das Kapital dafür kommt zu 100% aus La Palma, das kleine Hotel wird 32 Zimmer haben und so sehr wünschte ich mir, dass jede Stadt hier auf der Insel ein solches kleines Stadthotel promoviert, welches im Rahmen unserer Möglichkeiten und Ressourcen den Gästen angenehmen Komfort anbietet. - Damit geraten wir aus der Konkurrenzschiene heraus und können einem sehr begrenzten aber sehr aufmerksamen Publikum, authentisches La Palma anbieten und keinen konfektionierten Brei aus touristischer Hochglanzretorte. - Gute Idee die da aus Tazacorte kommt, es wird aber ja auch Zeit, dass man aus Tazacorte mal positive Nachrichten aufschnappt.



Samstag 19.12.09 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 21 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 71 % - Luftdruck 1010 hPa
Höchsttemperatur heute 22,8 Grad - niedrigste Temperatur 15,6 Grad

In der Bankenfalle
Hallenbad von Los Llanos steckt in der "Krise"

Los Llanos ist eine stolze Stadt, die wollen mindestens das, was andere auch haben, ganz egal ob es finanziell tragbar ist oder nicht. - Aber natürlich darf es nichts kosten, denn der Stadtsäckel ist ja zum größten Teil für die vielen Angestellten und Politiker besetzt, da bleibt kaum noch Geld für wirkliche Investitionen. - Es geht um das geplante und bereits im Bau befindliche Hallenbad in Los Llanos, war hinter dem Arepa-Biergarten am großen Parkplatz entstehen soll. - Aber natürlich nicht einfach ein Hallenbad, so etwas baute man in den siebziger Jahren in jeder deutschen Kleinstadt und kann sich heute den Betrieb nicht mehr leisten, in Los Llanos plante man gleich eine hochmoderne "Waterworld" mit allem drum und dran. Ein Spaßbad, ein Wellnessbad, eine nasse Oase für geplagte Städter, die sich abends entspannen wollen und dafür auch ein paar Euros auf den Tisch legen. - So ein Bad haben wir auf La Palma schon, wenn auch nicht ganz so herrlich und "eventig" wie der "Complejo aquático" der in Los Llanos entstehen soll, aber Breña Alta hat mit dem "Baltavida" schon ein ernst zu nehmendes Angebot, auch wenn sich der Betrieb dort auch nur mit Zuschüssen aus der Stadtkasse lohnt. - Aber wie gesagt, in Los Llanos hat man das "thinking big" längst als Parole verinnerlicht, und es kann doch nicht sein, dass eine ländliche Gemeinde wie Breña Alta ein Hallenbad hat, und die Aridanemetropole nicht. - So suchte man einen privaten Partner für die Errichtung dieser Feierabendinfrastruktur und fand diesen auch, das war allerdings noch vor dem Knackpunkt, den wir heute "Krise" nennen. - Sie wissen doch noch, die glorreichen Zeiten, als Wachstum noch ein von Gott gegebenes Grundrecht war und die Banker einem auf der Straße hinterher riefen, man solle doch auf jeden Fall noch einen Kredit aufnehmen, das sei schick und notwendig.

Damals aber, noch vor der Zäsur, war man sich bald einig, ein illustrer Zusammenschluss zweier Baufirmen unterschrieb den Kontrakt mit der Gemeinde Los Llanos. - Die gibt den Grund und Boden und überlässt dann nach der privaten Bauphase den Betrieb der Anlage auch den Investoren. - Solche Modelle plante man seinerzeit viele, die Gemeinden geben Lizenzen für Betriebe, die eigentlich in öffentlicher Hand liegen sollten, an private Unternehmer ab, und überlassen denen damit auch die Einnahmen. - Allerdings überlassend die Gemeinden damit den Investoren nicht nur die Einnahmen, sondern auch die eventuellen Verluste oder Schwierigkeiten bei der Finanzierung, und genau da gibt es nun ein riesengroßes Problem in Los Llanos. - Seit etwa einem Jahr wird an der "Waterworld" schon nicht mehr weitergebaut, da die Banken dem Firmenzusammenschluss kein Geld mehr geben wollen. - Bislang sind wohl schon drei Millionen Euro in dieses Projekt geflossen, so zumindest sagen das die Investoren, und es braucht wohl noch weitere vier dieser Millis, um den Komplex auch fertig zu stellen. - Nun aber droht die Gemeinde Los Llanos dem bisherigen Erbauer und Betreiber die Lizenz zu entziehen, da man gegen den Vertrag verstoße und den Bau nicht weitertreibe. - Sollte nun der Firmenzusammenschluss bis Ende dieses Jahres kein schlüssiges Finanzierungskonzept vorstellen können und die Arbeiten umgehend wieder aufnehmen, will man dieses Projekt erneut öffentlich ausschreiben. - Das käme natürlich dem bisherigen Investor wie ein Totalverlust einher, so hat dieser sofort ein dringliches Treffen mit den Gemeindevätern beantragt, um solch einen drastischen Schritt zu verhindern. - Ob es frühere Zusagen der Banken gab, den gesamten Bau zu finanzieren, dieses Versprechen jetzt aber nicht eingehalten wird, das entzieht sich natürlich unserem Wissen. - Wahrscheinlicher aber ist, dass die Banken sich, nicht nur wie derzeit bekannt, sich extrem zurückhalten mit Finanzierungen, sondern auch noch mal die Erfolgschancen eines solchen Spaßbades in Los Llanos ausgerechnet haben und zu einem weniger positiven Schluss gekommen sind, als noch vor ein paar Jahren. - Mal sehen, wie man sich einigt, und dass die Gemeinde nicht nur papiertigerisch kläfft, sondern das ernst meint, das haben wir ja bei dem Lizenzentzug des ersten Investors des Parkhauses gesehen. - Da konnte man eine komplette Pleite noch damit verhindern, in dem ein anderen Investor einsprang, der nun allerdings auch nicht glücklich mit dem Parkhaus ist, ob man solch eine freundliche Übernahme in den Fall auch wieder hinbekommt, das steht aber noch in den Sternen.



Samstag 19.12.09 09:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 16 Grad - Niederschlag 10 mm - Luftfeuchte 89 % - Luftdruck 1011 hPa

Virtueller Nichtregen
Anscheinend regnet es nur scheinbar

Erste Feststellung, auch virtueller Nichtregen macht nass. - Zweite Feststellung, alle Wetterberichte haben sich geirrt. - Dritte Feststellung, wenn die nationalen Meteorologen sich mal mit denen vom GFS einig sind, dann heißt das prinzipiell, dass genau das Gegenteil passiert. - Macht aber nichts, denn wir brauchen das Wasser, und weil eben zumindest bei uns im Aridanetal die vorhergesagten Starkregen ausgeblieben sind, muss es halt einfach etwas länger regnen. - Gestern und heute Nacht tröpfelte es so vor sich hin, mit kleinen Pausen für das positive Gemüt der Urlauber, denn die buchen ja mit den Kanarischen Inseln auch Sonnenschein, und wehe, wenn solche Grundvoraussetzungen nicht erfüllt werden. - Allerdings haben wir da mit der großen Schar unserer Stammgäste keine Probleme, die kennen die Insel und ihre kleinen Garstigkeiten schon, und verstehen auch den unbedingten Zusammenhang zwischen der Aussage "Grüne Insel" und dem damit verbundenen Grundstoff Wasser. - Interessant aber ist zu beobachten, wie schwer es geworden ist, unser Wetter im Detail vorauszusagen. - Keine Frage, bei Tiefdruck mit Wind aus Südwesten kann Regen zu uns kommen, wann aber und wie viel, das bleibt nach wie vor doch stark den Launen der Natur überlassen und die Meteorologen irren sich da beständig. - Aber damit sind diese Herren und Damen in bester Gesellschaft, auch die alten Männer auf den Bänken in El Paso, die früher das Wetter bis auf die Tropfengröße sicher vorausgesagt haben, geben schon lange keine Prognosen mehr ab. - Früher, als alles anders war, und nur manches besser, da gab es so ein paar Persönlichkeiten, wenn die was von kommendem Regen erzählt haben, dann hat ganz El Paso angefangen den Kartoffelacker zu bestellen, und eigentlich ging die Rechnung auch immer auf. - Dazu habe ich auch noch eine passende Geschichte. - Paco hieß einer dieser Wetterflüsterer und ich hatte jahrelang das Privileg, mit ihm zusammen in Gärten der Umgebung hier zu arbeiten. - Dabei war es wirklich auffallend, wie treffsicher er das Wetter voraussagte und die ganze Region um Tajuya und Tendiña pilgerte immer zu Paco, wenn es darum ging, ob man nun auf Wasser von oben hoffen durfte, oder doch lieber noch abwartete, mit der Bestellung seiner Felder. - Voller Bewunderung versuchte ich immer wieder herauszubekommen, wie der alte Herr das denn machte, denn so wirklich viel in den Himmel blickte Paco nie, sondern eher auf den Boden, wo er mürrisch den ewigen Kampf gegen das Unkrat führte. - Wenn man in fragte, wie er denn das Wetter so gut bestimmen könne, dann grinste er immer nur, und erst nach Jahren gemeinsamer Zeit vertraute er mir dann sein Geheimnis an. - Er sei ein alter Mann und der Rücken täte ihm oft weh, so wache er morgens immer schon sehr früh auf und vor lauter Langeweile gucke er dann bereits im Fernsehen die ersten Nachrichten. - Dort sagen die einem, wie das Wetter wird, und er gebe das nur weiter, ansonsten hätte er von Wetter überhaupt keine Ahnung, aber danach hat ihn ja niemals jemand gefragt. - Und heute, da gibt es nicht mal die Pacos mehr, die wie auch immer, aus den Weißsagungen der Meteorologen verständliche und zuverlässige Prognosen abgeben können. - Da sagen die nationalen Meteorologen, es regnet heute nicht, die weltweiten Kollegen vom GFS behaupten das gleiche, und wir waten durch den virtuellen Nichtregen pitschnass nach Hause, um uns dann sofort vor den Rechner zu setzen und nachzusehen, ob es denn wirklich nicht regnet…





Freitag 18.12.09 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad - Niederschlag 4 mm - Luftfeuchte 83 % - Luftdruck 1009 hPa
Höchsttemperatur heute 19,6 Grad - niedrigste Temperatur 15,0 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 14,0 - Temp. Min 7,1 - Feuchte 30 - 95 % Niederschlag 42 mm

Vom Broadway nach Lepanto
Plakatnachrichten

Im wahrsten Sinne des Wortes. - Karneval steht zwar noch nicht vor der Tür, das sollte man dann doch nicht mit Weihnachten verwechseln, aber kommendes Jahr wird es auch auf La Palma wieder hoch hergehen. - Hauptsächlich findet der Karneval bei uns ja in den Städten Santa Cruz und Los Llanos statt, zumindest der große Straßenkarneval mit Singen, Brüllen, Tanzen und gehörigem Zuspruch an geistigen Getränken, was landläufig auch als Saufen bezeichnet wird. - Jährlich wird auch immer wieder ein Motto gesucht und bestimmt, als ob Karneval an sich nicht bereits Motto genug wäre. - Macht aber nichts, es sollen sich halt nicht immer alle nur als Spiderman oder Vampire verkleiden, und man hofft bei solch einem Motte eben auch auf eine besondere Inspiration der Trottel - Verzeihung, Trottel natürlich nicht, Narren heißt das ja im Karneval, und für den nächsten dieser ausgelassenen Rummel hat sich Los Llanos das Thema Broadway ausgesucht. - Man könnte das fast als neckischen Versuch betrachten, die Autobahn als karnevalistisches Großod zu verticken, aber mit Broadway ist natürlich nicht diese breite Straße durch das Aridanetal gemeint, sondern die Theater und Vergnügungsmeile einer ziemlich bekannten Stadt in der nicht mehr ganz so Neuen Welt. - Dazu gibt es auch wieder ein Plakat, welches jedes Jahr per Wettbewerb gefunden wird, und aus den vielen Einsendungen wird auch ein Gewinner ausgesucht. - Da scheint man dieses Jahr mehr Glück gehabt zu haben als noch in der Ausgabe des letzten Karnevals, da sich die Gewinnerplakate damals allesamt als Plagiate erwiesen haben, frei nach dem berühmten Motto im Internet, lieber gut kopiert statt schlecht gemacht. - So verzichtete man letztes Jahr noch auf ein offizielles Plakat, traute sich jedoch in diesem Jahr die Prozedur dennoch zu wiederholen, und siehe da, bislang hat noch niemand das jetzt auserkorene Werk als Plagiat geoutet. - Na dann, the show must go on.

Lepanto liegt im Nordosten der Insel La Palma. - Na, da höre ich aber gewisse Zweifel bei Ihnen, denn ich nehme doch sicher an, Sie wissen was mit Lepanto gemeint ist. - Nein, nicht der Schnaps, der hat seinen Namen ja auch nur geerbt. - Es geht um die große Seeschlacht zwischen der Heiligen Liga und dem bösen Ali Pascha, jetzt mal ganz aus der Sicht unserer kleinen katholischen Brille betrachtet. - Wie wir ja wissen, hat damals Juan de Austria die westliche Welt gerettet, so wie unsere stolzen Jungs in Afghanistan heute, aber wenn uns die kleinen Fragmente, die aus dem Geschichtsunterricht noch in unseren Köpfen schwirren nicht täuschen, dann liegt doch Lepanto irgendwo im östlichen Mittelmeer und so ganz und gar nicht auf La Palma. - Dennoch führt man alle 3 Jahre gerade in Barlovento, auch noch einem Ort ohne Hafen, eine große und gut besuchte Nachstellung dieses Seeschlacht durch, die jetzt sogar von der Provinzregierung das Prädikat "BIC" (Bien de Interés Cultural) - (wertvolles öffentliche Kulturgut) erhalten hat. - Nun darf man sich wirklich fragen, was ist uns denn da aus den Geschichtsbüchern getropft, dass man ausgerechnet dort in Barlovento eine Nachstellung der Seeschlacht von Lepanto spielt, und das auch noch als Kulturgut deklariert. - Da kommen nun wieder die bei uns in der katholischen Kirche häufig auftretenden Heiligen und Schutzpatrone zur Wirkung, denn der gut ausgerüstete Juan de Austria und seine Mission die "Moros" dort zu verkloppen, stand unter der "Schirmherrschaft" der "Virgen del Rosario". - Und wie es der Zufall will, vertraut auch Barlovento sich ganz dem Schutz und der Zuneigung der "Virgen del Rosario" an, und so kam es irgendwann, dass man zu Ehren dieser Patronin anfing, diese Seeschlacht mit Laiendarstellern aus dem Ort aufzuführen. - So wandert Lepanto aus dem östlichen Mittelmeer nach Barlovento, und läuft heute unter dem Namen "Moros y Crisitanos" als " holy and traditional event", jetzt sogar mit offiziellem Siegel. - Das muss man gesehen haben, sich aber darüber nicht so viele Gedanken machen. - Ob das die Muselmanen irgendwann auch anders herum machen, und in irgendeiner Kleinstadt in Weißnichtwostan mal das Musical "Ground Zero" aufführen? - Ein bisschen makaber ist das schon, und ich sage es ja immer wieder, man soll nicht alle Dinge wirklich zu Ende denken, das tut auf die Dauer nicht gut. - Wer ein paar Bilder des Spektakels sehen will, der kommt HIER weiter.





Freitag 18.12.09 10:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 16 Grad - Niederschlag 9 mm - Luftfeuchte 86 % - Luftdruck 1009 hPa

Jahresendversprechen
In Mendo soll im kommenden Jahr aufgeräumt werden

Die Zeit knapp vor Weihnachten aber auch zwischen den Jahren ist so ein bisschen auch wie vor den Wahlen. - Da kommen Versprechungen ans milde Licht dieser verschrieben weichgezeichneten Wochen, gerade so, als wolle sich der Politiker noch mal in einem sanften Bild präsentieren. - So erfahren wir nun von dem Vorhaben der Provinzregierung, doch tatsächlich im kommenden Jahr den Sauhaufen bei Mendo aufzuräumen, ein Vorhaben was eigentlich bereits seit Jahren auf dem Stundenplan der Inselregierung gestanden hätte. - "Mendo" steht für die bereits vor Jahren geschlossene Müllverbrennungsanlage im Süden der Gemeinde El Paso, welche durch das immer noch nicht in Betrieb befindliche Müllverwertungszentrum in Mazo ersetzt werden soll. - Seit der Schließung der Anlage in Mendo, genau vor 4 Jahren, übrigens auf Geheiß der Europäischen Union, kümmerte sich niemand mehr um das dortige Gelände sowie die Gebäude mit dem Verbrennungsofen und dem Verwaltungstrakt. - Und das mit fatalen Folgen, weil sich immer noch viele Menschen daran erinnern, dass man dort Müll ablagern kann, hat man das auch weiterhin gemacht, und inzwischen hat sich dort rund um und auf dem Gelände so etwas wie eine Müllkippe installiert. - Zäune, Absperrungen und auch das sichere Wissen, dass diese Anlage seit Jahren nicht mehr arbeitet haben und können nicht verhindern, dass irgendwelche zweifelhaften Zeitgenossen sich weiterhin die Mühe machen ihren Müll dort hin zu fahren, obwohl sicherlich der "Punto Limpio" am Callejón de la Gata näher wäre, als das abgelegene Mendo. - Man muss nicht groß nachfragen, warum das so ist, wir kennen dieses Problem ja von überall auf der Welt, seien es Autobahnparkplätze oder abgelegene Feldwege, überall werfen dunkle Kreaturen den Müll einfach so in die Landschaft, und wo einmal damit angefangen wird, sinkt die Hemmschwelle für Nachahmer so weit, dass sich immer mehr Müll ansammelt.

Leider fruchteten aber die Versuche und Hinweise seitens der früheren Besetzung im Rathaus von El Paso an die Inselregierung nicht, mit keinem Wort hat man jemals auf die Anzeigen und auch Vorschläge der Sozialisten El Pasos reagiert, was man denn mit dem Gelände und den Gebäuden dort alles anfangen könnte. - Die Anlage dort und das Grundstück sind nämlich im Besitz der Inselregierung und die Gemeinde selbst hatte keine Handhabe dort etwas zu erwirken, man schlug aber vor, dort das Tierasyl zu installieren, welches von allen gesellschaftlichen Gruppen schon lange Zeit für diese Insel eindringlich gefordert wurde. - Aber weder wurde aufgeräumt, abgesperrt oder gar der Vorschlag aufgenommen, dass man dieses Gelände und die vorhandenen Gebäude vielleicht anderweitig nutzen könnte, die Inselregierung schwieg zu diesem Schandfleck jahrelang, und hat nun wohl erfolgreich die Verantwortung weitergeschoben an das Gobierno de Canarias. - Aussitzen nennt man solches Verhalten und nun kündigt man seitens der Provinzregierung an, dass man sich nächstes Jahr endlich um Mendo kümmern wird. - Abriss heißt dann die Devise und aufräumen, was man danach mit dem Gelände anfangen will, das lässt man uns nicht wissen. - Gleichzeitig kündigt Domingo Berriel, Rat für Umwelt in der Provinzregierung an, auch möchte man den Komplex der Müllverwertungsanlage im kommenden Jahr in Betrieb nehmen, ein Thema welches durchaus im Zusammenhang mit der Ex-Müllverbrennungsanlage steht. - Denn dieser zeitliche Lapsus, auf der einen Seite schließt man die Verbrennungsöfen, und auf der anderen Seite hat man die Ersatzanlage noch nicht in Betrieb, brachte die Insel natürlich in eine prekäre Zwangslage, einfach nicht mehr zu wissen, wohin denn mit dem ganzen Rest des dauernd wachsenden Wohlstandes. - Aber zumindest haben wir ja nun die weihnachtlichen Versprechungen in der Tasche, dass nächstes Jahr alles besser wird. - Wir freuen uns darauf, jedes Jahr, dass nächstes Jahr alles besser wird.



Donnerstag 17.12.09 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad - Niederschlag 4 mm - Luftfeuchte 95 % - Luftdruck 1004 hPa
Höchsttemperatur heute 19,3 Grad - niedrigste Temperatur 16,6 Grad

Belagerungszustand
Holt mich hier raus, ich bin keine Katze

Der Wind pfeift gewaltig, aber der Regen lässt noch auf sich warten, zumindest der angekündigte Starkregen. - Erhascht man mal einen kurzen Blick auf das Meer, dann kann man die Schaumkronen erkennen und die dunklen Wolkenbänke, die aber allesamt bislang and der Insel vorbeigezogen sind. - Es regnet zwar immer mal wieder und es ist einfach nass draußen, aber von sintflutartigen Niederschlägen, vor denen immer noch gewarnt wird, sind wir bislang verschont geblieben. - El Hierro hat wohl bislang am meisten abbekommen, dort sind die Schulen geschlossen worden und sogar einige Straßen gesperrt. - Unser Flughafen macht wieder "Bummeldienst", man erwartet zwar heute keine Chartermaschinen, aber die 24 interinsularen Verbindungen wollen eben auch landen und starten. - Viele kamen nicht durch, da steht häufig das Wort "cancelado" zu lesen und was wieder einmal auffällt, die Islas Airways landet bei solchem Wetter noch häufiger als die Binter Canarias. - Das möchte ich jetzt aber nicht als gutes Zeichen für Islas werten, es fällt uns aber einfach nur auf. - Ein kleines Gewitter gab es auch schon, und gleich beim ersten Blitz fiel der Strom aus, unser Stromversorger ist ja aber bekannt dafür am besten bei Sonnenschein zu arbeiten. - Inzwischen ist das Licht aber wieder da und es zeigt sich das ganze Ausmaß einer schlimmen Belagerung hier in unserem Büro. - Die Katzen machen seit heute morgen keinen Schritt mehr nach draußen, und liegen immer gerade da rum, wo man auch hin müsste, und weil das Büro wegen der laufenden Computer der wärmste Raum in unserem Haus ist, sind die Viecher auch nicht zu bewegen in ein anderes Zimmer zu wechseln. - Ich wundere mich, dass ich noch auf keine der drei Katzen draufgestiegen bin, und auch darüber, wie viel physischen Platz so ein eigentlich kleines Tier fordert.

Da nimmt man die eine Katze vom Chefsessel, weil man an den Rechner will, fängt sich dabei eine heftige verbale Abreibung des zu entfernenden Tieres ein, und während man noch dumm beschwichtigend auf Paul einredet, springt von hinten der Mops auf den Sessel. - Der muss natürlich da auch wieder runter und jetzt meckern beide Kastraten, und genau diesen Moment der humanen Verzweiflung nutzt dann die Dame im Haus, also ich meine die feline Dame im Haus aus, den Sesselplatz erneut zu besetzen. - Irgendwann ist der Sessel frei, dafür aber die Tastatur mit einem Katzenkörper belegt, kein Wunder, dass ich immer so haarsträubende Geschichten schreibe, bei Pauls lockerem Fell. - Als Ersatzruheraum biete ich ihm meine Oberschenkel an, aber die sind halt nicht sonderlich dick, und zwischen meinen Beinen klafft so eine unangenehme Lücke, die dem Herren nicht gefällt und er sich so unstet hin und herrückt, bis auch mir das wieder zu blöd wird. - Also woanders ablegen die Katze, aber da liegen schon andere Tiere herum, weil nun auch noch ein zweiter Mensch das Büro nutzen will um solch widerliche Dinge zu tun wie Hausaufgaben. - Auch dabei stören Katzen, zumindest wenn sie eben physisch an den Hausaufgaben teilnehmen wollen und auf dem Ordner und dem Federmäppchen liegen und so wandern die Tiere wieder auf meinem Schreibtisch, denn unsere konsequente Erziehung was Haustiere angeht hat ja schließlich dazu geführt, dass Katzen nicht auf dem Boden liegen können. - Macht alles nichts, wir wollten das doch so höre ich dann immer wieder, und dass man bei solchem Wetter doch keinen Hund vor die Tür jagend kann. - Meine kurzen Einwände, ich hätte nach jahrelangen Beobachtungen festgestellt, dass das keine Hunde seien sondern Katzen erreicht nicht seinen humoristischen Zweck, und jetzt sind nicht nur die drei Katzen auf mich sauer, sondern auch noch die selbstgestrickte Brut. - Aber ich habe längst einen Plan gestrickt, das wird hier fertig geschrieben, noch ein paar Mails beantwortet, und dann schnappe ich mir meinen Südwester, ziehe vorher noch ein paar der "Unaussprechlichen" auf meine dünnen Beine, und wage mich dann noch hinaus in die Welt, besser gesagt ins Männerhaus. - Dort sind Katzen nicht erlaubt, Frauen nicht bestimmend, und man kann sich prima von innen nass machen und äußerlich trocken bleiben, so wie das Männer meist gerne haben. - Aber gerade jetzt beginnt auch der Regen wieder heftig an die Scheiben zu schlagen und schon bin ich mir da wieder gar nicht mehr so sicher, ob ich mich heute noch aus dem Haus wage. - Da geht es meinen Katzen besser, die haben keine Entscheidungsschwierigkeiten, bei dem Wetter raus, das ist nicht zu machen und wann so eine Katzenblase einfach platzt, das wüsste ich jetzt auch gerne. -Wir werden es wohl mitbekommen, wenn alles gut geht zuerst visuell, und dann erst olfaktorisch, wobei ich es von meinen Töchter gemein finde, dass die bereits Wetten abgeschlossen haben, welches der drei Tiere zuerst nachgibt.





Donnerstag 17.12.09 08:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad - Niederschlag 4 mm - Luftfeuchte 80 % - Luftdruck 1007 hPa

Bürger lasst das Glotzen sein…
…kommt herunter, reiht euch ein!

Eine Demo auf La Palma, ich glaube es kaum. - Besonders eine Demo, die nichts mit den Bananen zu tun hat, diese Insel kann uns tatsächlich immer noch überraschen. - Angekündigt hatte man dieses Vorhaben ja schon, nun ist es amtlich, weil auch durch die Behörden abgesegnet. - Am 26. Dezember, hier übrigens kein Feiertag mehr, findet also nun in Los Llanos die Demonstration oder Manifestation gegen die Errichtung der beiden Asphaltwerke in der Industriezone von Las Manchas statt. - Um 17:00 Uhr trifft man sich unter den Eukalyptusbäumen am Ortseingang, dort wo sonst am Sonntag immer der Bauernmarkt stattfindet, und zieht dann gemeinsam durch die "Carrilla" und die "Calle Real" bis auf die Plaza von Los Llanos, um dann vor dem Rathaus klar auszusagen, dass man diese Manipulation des Genehmigungsverfahrens nicht hinnehmen wird, sondern massiv dagegen angeht. - Das Datum, der 26. Dezember, also ein Samstag mitten in den Weihnachtsferien ist diskutiert worden, ob es denn sinnvoll ist, solch einen "toten Tag" direkt nach dem Fest zu wählen. - Allerdings gibt es wohl auch gute Gründe, nicht nur, weil man diese Manifestation nicht bis ins Frühjahr aufschieben darf, und auf der anderen Seite möchte man gerne damit rechnen, dass an einem solchen Tag zunächst jeder Zeit hat, und weil auch die ganzen Studenten oder Pendler, die sonst auf irgendeiner anderen Insel leben dann auf La Palma sind, und sich dem Umzug anschließen können.

Wir werden ja sehen, ob es von der Teilnehmerzahl her befriedigend ist, wichtig ist es allemal, dass sich dieses Werkzeug einer wachen Demokratie auch hier auf unserer Insel endlich freischwimmt. - Auf jeden Fall hat die "Plataforma contra las Plantas de Asfalto" bereits mit Pressemeldungen diese Demonstration auch breit angekündigt und wir dürfen damit rechnen, dass der Umzug selbst Presseinteresse finden wird, denn eigentlich ist um diese Tage sonst an Nachrichten kaum etwas zu holen, die sonstigen Protagonisten für irgendwelche Nachrichten sitzen unter dem Baum oder in der Bodega. - Natürlich findet diese Manifestation in Los Llanos statt, schließlich ist der für die Asphaltwerke vorgesehene Standort auch das Industriegebiet dieser Stadt, und der Bürgermeister von Los Llanos hat sich auch in Gesprächen mit den Vertretern der Bürgerbewegung bereits dahin geäußert, dass er die Aufstellung dieser Anlagen unterstützt. - Nicht nur, weil eines der beiden Vorhaben bereits genehmigt sei, und man nun "das Gesetz erfüllen müsse", sondern auch, weil es Arbeitsplätze für Los Llanos brächte. - Allein die Aussage, man könne nicht das Gesetz beugen, denn die eine Anlage sei bereits mit allen Papieren ausgestattet ist ein höchst prekärer Ausspruch, denn das Genehmigungsverfahren wurde, entweder durch Unwissenheit, oder aber sogar durch Manipulation mit einem falsch zitierten Gesetzestext versehen, also nicht tragbar. - Was die Arbeitsplätze angeht, sicher, da arbeiten dann vielleicht 25 Personen, von denen die meisten von den bereits bestehenden Werken stammen, und ein paar neue Leute werden auch eingestellt. - Auf der anderen Seite muss man aber auch sehen, wie viele Arbeitsplätze die Aufstellung dieser Industrie vernichten wird, denn Landwirtschaft und Tourismus in dieser Region, werden nach der Inbetriebnahme der Anlagen nicht mehr möglich sein. - Natürlich hat man seitens der Politik nun Angst, man müsse Schadensersatzansprüche der Firma fürchten, welcher man das Asphaltwerk bereits genehmigt hat, und sicher ist das auch so, noch dazu der politische Schaden der dabei entsteht, wenn ein Gericht dieses Genehmigungsverfahren für ungültig erklärt. - Allerdings ist das noch nicht so weit, weitere Spenden müssen her und weiter die Öffentlichkeit und die Presse mit Informationen und Aktionen gefüttert werden. Dabei ist das Recht auf Versammlung und Demonstration eines der wichtigsten Werkzeuge, es gibt also keine Rechtfertigung zu sagen, am 26. Dezember hätte man etwas Besseres vor. - Ganz aktuelle Informationen zu dem Thema gibt es auch auf der Webseite der Bürgerbewegung: www.lapalma-contra-plantas-asfalto.net



Mittwoch 16.12.09 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 19 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 79 % - Luftdruck 1009 hPa
Höchsttemperatur heute 21,1 Grad - niedrigste Temperatur 15,1 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 15,2 - Temp. Min 8,8 - Feuchte 30 - 95 % Niederschlag 4 mm

Wasser marsch!
Morgen machen wir die Insel nass

Noch freut man sich, wie kleine Kinder hier in diesem Jahr, über Niederschläge im Aridanetal, und morgen will nun das fette Tief über den Azoren, (erzählen Sie mal einem Meteorologen was von einem Azorentief) seine nasse Fracht in Massen über den westlichen Inseln ausschütten. - Da kann man ja nur hoffen, dass die vielen HausmannInnen den heutigen Regenruhetag genutzt haben die Wäsche trocken zu bekommen, denn nächster Termin für ein Treffen mit der Leine wird erst der Freitag sein. - Vielleicht geht es heute Nacht bereits los, vielleicht erst morgen Vormittag, gleiches Tief in gleicher Lage wie vorgestern, so dass der Wind auch wieder aus Südwest kommen wird. - Allerdings ist dieser Ausläufer deutlich dichter und dicker als der vorhergegangene, es wird also auch mehr Wasser fallen. - Dabei soll der Wind dann auch tagsüber mit knapp über 40 Knoten aus Südwest wehen, was für die Ostseite Fallwinde von bis zu 120 Stundenkilometern bedeuten kann. - Es muss also auch morgen wieder mit Störungen beim Flugverkehr gerechnet werden, und das sogar noch heftiger als gestern. - Noch in der Nacht zu Freitag allerdings wird der Wind auch wieder abflauen, so dass wir dann auch wieder über den Luftweg zu erreichen sind.

Jetzt aber noch mal zu den Niederschlägen, die eben beachtlich sein können, und da muss man eine klare Warnung aussprechen. - Nicht einfach nur, dass man nass wird, sondern die Barrancos können plötzlich Wasser führen wo Stunden vorher noch keines war, und da erinnern wir uns alle an die Todesfälle in der Caldera de Taburiente, als ein plötzlich anschwellendes Flussbett 2 Menschen mit sich riss und ihnen keine Chance ließ. - Also die Caldera ist morgen auf jeden Fall tabu, aber auch andere Barrancos sollte man grundsätzlich meiden. - Die nächste Gefahr sind Erdrutsche, die wenn auch nur von kleinerem Ausmaß sind, auf den Straßen eben richtig Probleme bereiten können. - So ist die LP3 von Santa Cruz oberhalb von Breña Alta besonders gefährdet und im Norden die Straße zwischen Tijarafe und Puntagorda. - Da sollte man also sehr vorsichtig fahren, und wenn möglich nicht nachts, wenn man noch weniger erkennen kann. - Am besten wäre es eh, wenn man den morgigen Tag mit einer Tasse Tee, einem angenehmen Menschen oder wahlweise einem Buch Zuhause verbringt. - Oder aber man schwingt sich ins Auto, und sucht den Nordwesten oder den hohen Norden auf, denn kommt der Wind aus Südwest, dann ist es in der Zone meist ruhig, oder sogar sonnig. - Allerdings müssen wir natürlich abwarten, ob sich wirklich eine fette Niederschlagszelle genau über unserer Insel ausjammert, oder eben, wie schon so oft, knapp an uns vorbeisaust. - Die Meteorologen gehen aber davon aus, dass im Extremfall bis 50 mm in zwei Stunden fallen können, oder bis zu 150 mm am Tag, und das sind sehr große Mengen, welche dann auch meine Warnung erklären werden. - Aber das ist eben nicht sicher, vielleicht fällt auch deutlich weniger, und die Wolken gießen mit ihrem kostbaren Trinkwasser den Atlantik.




Das "Azorentief"




Da kommt was auf uns zu. - Niederschlagsmengen für morgen, prognostiziert von der Agencia Estatal de Meteorología.




Mittwoch 16.12.09 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 15 Grad - Niederschlag 3 mm - Luftfeuchte 87 % - Luftdruck 1009 hPa

Kompromiss oder Untergang?
Einfuhrzölle für Dollarbananen werden gesenkt

Der Untergang der europäischen Bananenproduktion ist bereits derart oft verkündet worden, dass man diesem Produkt bereits Unsterblichkeit nachsagen könnte. - Seit 1993 nun, als Spanien die restriktive Abschottungspolitik auf Betreiben der EU aufgeben musste und auch "Dollarbananen" ins Land ließ, zieht der "Bananenkrieg" seine mehr oder weniger aufregenden Runden. - Protagonisten dabei sind die mittel- und südamerikanischen Produzenten, hauptsächlich Ecuador, Costa Rica, Kolumbien und Brasilien, sowie die europäischen und afrikanischen Produzenten, die sich um Anteile auf dem europäischen Markt streiten. - Zuerst gab es Kontingente, mit denen man versuchte die Schwemme der Billigbananen aus Amerika zu bremsen, schließlich führte man ein System von Strafzöllen ein, welches die letzten Jahre mehr oder weniger gut für die europäischen Bananen funktioniert hat. - Dabei verteuern sich die "Dollarbananen" künstlich, und lässt so den europäischen Bananen noch eher die Chance gegen das Produkt aus Übersee zu bestehen. - Aber man hat es ja schon mindestens prophezeit und vorausgesehen, auch diese Strafzölle sind kein Ding der Ewigkeit und nun ist es beschlossene Sache, die Zölle werden nach und nach gesenkt, von heute 176 Euro pro Tonne bis 114 Euro im Jahr 2017. - Hier verkündet man diese Maßnahme, gestern in Genf als Kompromiss betitelt, unterschrieben als Horrorvision, wobei diese Vokabeln im Zusammenhang mit einem drohenden Wegbrechen der Einkünfte aus der Bananenproduktion hier schnell gebraucht werden. - In der Tat macht uns diese Tatsache das Geschäft mit den kleinen gelben Glücksspendern noch schwieriger, auf der anderen Seite müssen wir aber auch einsehen, dass der angestrebte freie Weltmarkt sich nicht so einfach wieder in den Kasten sperren lässt. - Zwar wird man sicherlich, mittel- oder langfristig gesehen die Mär vom freien Welthandel wieder neu definieren und vor allem regeln müssen, aber bis dahin kann noch vieles passieren und die Kanaren ohne ihre Bananen, und dabei sei allen voraus La Palma zu nennen, das wäre wirklich eine volkswirtschaftliche Katastrophe.

Wie weit der Abschluss in Genf nun eine Niederlage für die europäische Banane ist oder ein Kompromiss, das hängt vor allen nun an den Bemühungen der Nationalstaaten, ihren Bananenpflanzern andere Hilfen zukommen zu lassen. - Hier denkt man dabei an eine, ebenso jährlichen Anwachsende Transportsubvention, über die man im Vorfeld schon mit Madrid verhandelt hat und von dort auch schon positive Signale empfing. - Auf der anderen Seite muss man aber auch mit Selbstkritik an unsere Bemühungen denken, mit unseren "Plátanos" ein bislang äußerst schlechtes Marketing betrieben zu haben, insbesondere was die Marktorientierung angeht. - So verkaufen wir unsere Früchte nach wie vor fast ausnahmslos auf dem spanischen Festland und wagen den Schritt ins übrige Europa nur mit solch unverständlich großen Vorbehalten, dass man wohl stark zweifeln muss, ob die Erzeuger und Vermarkterorganisation "ASPROCAN" da die richtige Politk oder die richtigen Leute sitzen hat. - So schmerzen uns ja meist im Sommer nicht so sehr die "Dollarbananen" sondern unsere eigene Überproduktion durch die drastischen Schwankungen der Nachfrage nach Bananen auf dem Festland. - Da kann man noch sehr viel neue Hausaufgaben machen und aus unseren Plátanos ein deutlich flexibleres Gut machen als das bisher der Fall war. - Auf die Dauer muss aber natürlich die volkswirtschaftliche Abhängigkeit der Insel La Palma von den Bananen bekämpft werden, und das würde nur durch einen grundlegenden Strukturwandel gelingen. - Aber eben nicht durch Tourismus, wie man anfänglich glaubte, denn auch dieser Markt unterliegt längst den Billigangeboten des so genannten freien Marktes, der eigentlich aber nichts anderes ist, als weltweites Ausnutzen von drastischen Lohn- und Wohlstandgefällen. - Wir werden uns hier auf La Palma schon weiter auch tragend mit der Landwirtschaft als Einkommensquelle beschäftigen müssen, aber komplett anders strukturiert und eingefädelt. - Gezielter Anbau und Marketing von Nischenprodukten, die auf höchster Qualitätsschiene eine Schicht bedienen, welche längst ein ehrliches Angebot zu einem erhöhten Preis bevorzugt, gegenüber den massenhaften Auftreten von Billigware, die entweder nach Pestiziden oder Fronarbeit riecht. - Dabei wäre aber sowohl eine robuste Regie angesagt, wie auch größte Flexibilität der einzelnen Produzenten. - Und da wartet noch ein großes Stück Arbeit auf uns, und vielleicht erkennen diese Aufgabe ja auch mal zukünftige Politiker.



Dienstag 15.12.09 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 18 Grad - Niederschlag 12 mm - Luftfeuchte 95 % - Luftdruck 1006 hPa
Höchsttemperatur heute 18,7 Grad - niedrigste Temperatur 17,0 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 13,1 - Temp. Min 10,7 - Feuchte 57 - 95 % Niederschlag 28 mm

Kein Anflug unter dieser Nummer
Flughafen La Palma stundenweise nicht erreichbar

Irgendwie hatte ich es ja vorausgesagt… Manchmal sind wir nicht nur eine kleine und grüne Insel, sondern auch ein garstiges Eiland. - Bei Wind aus West oder Südwest entstehen auf der Ostseite Fallwinde, die eben auch den Flughafen der Insel bestreichen. - Nun kommt bei uns Wind aus diesen Richtungen nicht wirklich häufig vor, aber in den Wintermonaten, wenn uns dann doch mal ein atlantisches Tief mit in sein Bewässerungssystem einbezieht, kann das schon mal sein. - Meist sind es nur Stunden, an denen dann der Flughafen auf unserer Insel aus Sicherheitsgründen nicht angeflogen werden kann. - Stimmt nicht so ganz, anfliegen und versuchen, das machen die meisten trotzdem, aber sollten da eben diese Scherwinde auftauchen, dann wird sofort durchgestartet und ab auf eine andere Insel und abwarten. - So kam es heute auch, auch wenn der nationale Wetterdienst das erst für morgen vorgesehen hat, ein Blick auf das Global Forecast System hätte genügt, sich darauf einstellen zu können. - Ganz in der Früh konnten die ersten interinsularen Maschinen noch landen, dann ging, so ab 09:30 Uhr bis nachmittags gegen 15:30 gar nichts. - Eine Chartermaschine aus Stuttgart musste abdrehen, genau so wie der Kollege aus Düsseldorf. Zwischendrin landeten mal kleine Turboprop-Maschinen der lokalen Gesellschaften, aber auch da ist der Verkehr mit Tenerife und Gran Canarias inzwischen völlig durcheinander geraten. - Die Stuttgarter Maschine landete dann aber gegen 16:00 Uhr hier bei uns auf der Insel, und die Münchner Condor fast planmäßig ohne Probleme gleich hinterher. - Die Maschine aus Frankfurt für heute Abend 18:05 angesagt konnte auch ohne Probleme mit einer kleinen Verspätung landen. Die Gäste, die aus Düsseldorf zu uns wollten, die sind jetzt für morgen angesagt, die brauchten die Maschine wohl anderswo. - Die werden diese Nacht also in einem Hotel auf Gran Canaria verbringen und erst morgen Vormittag bei uns landen.

Ganz böse allerdings hat es die Leute erwischt die mit der Iberia aus Madrid nach La Palma kommen wollten. - Die sind nach Tenerife Norte geleitet worden und sollen heute Nacht dann mit der Fähre zu uns gebracht werden. - Das kann man auch machen, allerdings ist das die schlechteste aller Methoden, dann lieber eine Nacht in einem Hotel auf Tenerife oder einer anderen Insel, als mit dem Schiff bei dem Wellengang dann nachts nach La Palma geschippert zu werden. - Kommt nämlich solch ein Tiefdruckgebiet zu uns, dann ist das auch immer mit unangenehmem Wellengang verbunden und ich kann nur hoffen, dass die Passagiere alle ganz fit sind im Bauch. - Eigentlich wäre es doch schicker gewesen, die Leute dann auf eine interinsulare Flugverbindung umzubuchen, aber vielleicht waren da keine Plätze mehr zu bekommen, weil ja auch dort den Tag über mehrere Flüge gestrichen werden mussten. - Im Moment jedenfalls ist der Wind seit fast zwei Stunden nun komplett eingeschlafen und man kann damit rechnen, dass nun der Flugverkehr wieder ohne Störung laufen kann. - Das entspräche auch so ziemlich genau der Vorhersage, welche wir dem Global Forecast System entnehmen konnten, danach kommt jetzt eine kleine Entspannungspause die bis morgen Abend anhält, bevor am Donnerstag der zweite Tiefausläufer über die Inseln rauscht. - So hätte man wunderbar Zeit, morgen die Wäsche zu trocknen. - Witzig dabei ist allerdings, dass die nationalen Kollegen vom hiesigen Wetterdienst das heutige Wetter für morgen voraussagen, das heutige aber gestern noch nicht gewusst haben, denn keiner hatte vor dieser Wettersituation gewarnt. - Für Donnerstag ist man sich aber ziemlich einig, was in letzter Zeit nicht sehr häufig ist, also sollten wir schon damit rechnen, dass an diesem Tag die grüne Insel wieder zickt. - Mit den Niederschlägen können wir aber auch sehr zufrieden sein, es hätte ein bisschen mehr sein können, aber wir sollen ja einen Nachschlag erhalten, und dann wäre das perfekt. - Es gab auch keine Überschwemmungen oder andere Ausfälle durch den Regen, der ist genau so gefallen wie man sich das wünscht. - Typisch und interessant ist dabei auch zu beobachten, dass beim Durchzug eines solchen Tiefdruckgebietes, die Tages und die Nachttemperatur kaum Unterschiede aufweisen. - Die Sonne kommt halt einfach nicht durch ihre wärmende Tätigkeit auszuüben, und nachts sorgt die Wolkenschicht dafür, dass es auch nicht kälter wird. - Für die Unpässlichkeiten beim Flugverkehr kann man sich auch nicht entschuldigen, nur aber eben um Verständnis bitten für die besondere Lage dieser Insel, und auch dafür, dass die Flugkapitäne welche unsere Insel an solchen Tagen anfliegen müssen, immer zuerst um komplette Sicherheit bemüht sind. - La Palma war halt schon immer eine besondere Insel für besondere Menschen, und manchmal macht sich diese Insel so gar fast unerreichbar rar.




Abendliche Stimmung nach Regen auf der Westseite




Dienstag 15.12.09 08:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad - Niederschlag 5 mm - Luftfeuchte 95 % - Luftdruck 1007 hPa

Rauchzeichen
Rauchverbot in Kneipen und Restaurants sehr wahrscheinlich

Nachdem man hier in Spanien in den letzten Jahren ein sehr pragmatisches Vorgehen zum Schutz der Nichtraucher vor den Rauchern angegangen ist, scheint nun dieser laxe Konsens ein baldiges Ende zu finden. - Bislang konnten sich die Betreiber von Lokalen die weniger als 100 Quadratmeter Gastraum hatten, aussuchen, ob sie Raucher, oder Nichtraucheretablissement sein wollten. - Auch gab es die Möglichkeit, das Lokal in Raucher- und Nichtraucherteil zu trennen, das allerdings unter sehr schwierigen Auflagen, so dass die meisten Wirte darauf verzichteten und die allermeisten Lokalitäten weiterhin für Raucher bestimmt waren. - Eigentlich konnte man damit leben, aber der geringe Erfolg der Maßnahmen gegen das Rauchen, spornt die Zentralregierung in Madrid nun weiter an, auch aus uns, ein Volk der gesunden Asketen zu machen. - Unbedingt vor der Weihnachtspause scheint man nun den Gesetzesvorschlag noch durchbringen zu wollen, allerdings sind die Parameter noch nicht alle klar. - Aber es herrscht Einigkeit darüber, dass dann in geschlossenen Räumen, und das sind Kneipen nun mal auch, überhaupt nicht mehr geraucht werden darf. - Draußen aber wohl, was bedeuten würde, dass sich nun die spanischen Raucher auch der entwürdigenden Prozedur unterziehen müssen, wenn sie ihrer Leidenschaft oder Sucht frönen wollen, dann müssen sie sich wie zusammengetriebenes Vieh vor dem Lokal um den Aschenbecher versammeln. - Man kann diesen Zeilen einfach entnehmen, dass auch ich Raucher bin, und dieses Maßnahmen als komplett übertrieben ansehe, wir wissen ja aus der Geschichte, wohin auch nur teilweise Prohibitionen führen können, alles was wir damit erreichen werden ist, dass in den Wintermonaten die Gastronomie große Einbußen verzeichnen wird und im Sommer alle Leute draußen sitzen werden.

Zum ersten Januar wird man nun dieses Rauchverbot nicht mehr hinbekommen, aber man rechnet mit dem Frühjahr 2010 für diese striktere Handhabung. - Man kennt auch mögliche Gesetzeslücken noch nicht, die vielleicht die Schaffung "privater" Clubs ermöglichen, oder irgendwelche Ausnahmen zulassen, nur gab es gestern in den Medien ein ziemlich drastisches Interview mit unserer nicht rauchenden Ministerin für Gesundheit Trinidad Jiménez. - "Wir sind kulturell dazu geeignet, diesen Schritt zu unternehmen" meint Trinidad, und spricht auch schon von einem großen politischen Konsens, wie das Gesetz denn aussehen könnte. - Keine Frage, auch hier in Spanien sind die Raucher inzwischen in der Unterzahl, und keine politische Gruppe kann es sich erlauben, gegen die Argumente gesundheitsorientierter Politik anzugehen. - Die Fragestellung dabei ist eigentlich immer die gleiche, wie drastisch müssen solche Maßnahmen ausfallen und gibt es diese kleinen Lücken oder Freiräume, die es den Tabaksüchtigen und Liebhabern dennoch erlauben, auch im Winter am labenden Tresen der Allgemeinheit einen Abend zu verbringen. - Der Gastronomieverband tobt, obgleich auch die wissen, dass es keinen Sinn haben wird von den großen Verlusten zu sprechen die man dann einfahren wird, Raucher sind gesellschaftliche Auslaufmodelle und werden sich wohl in dieser Ecke zurechtfinden müssen. - Für meinen Teil, ich werden dann einfach nicht mehr in Kneipen gehen, sondern Zuhause den Sonnenuntergang betrachten, so lange das Rauchverbot nicht auch noch auf die Heimstatt ausgedehnt wird.



Montag 14.12.09 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad - Niederschlag 2 mm - Luftfeuchte 77 % - Luftdruck 1008 hPa
Höchsttemperatur heute 22,9 Grad - niedrigste Temperatur 16,6 Grad

Wer schützt uns vor dem Naturschutz
Die Coalición Canaria hat klare Gedanken dazu

Es wäre nicht das erste Mal, dass unser endemgewerblicher Interessenverband, der sehr erfolgreich als politische Partei auftritt bemängelt, La Palma könne nicht wachsen und gedeihen, weil viel zu viele Regionen als Naturpark oder Naturschutzgebiet deklariert worden sind. - Klar, diese Gebiete rutschen aus dem Interesse der Investoren heraus, oder man stellt sich einfach hin und sagt, wir hatten aber mit dem Gelände schon etwas anderes vor, noch bevor dieses Gebiet zum Naturpark erklärt wurde. - Das ist die Argumentation wenn es darum geht, den Golfplatz in Tamanca zu rechtfertigen, der teilweise eben im gleichnamigen Naturpark liegt. - Darüber hinaus hat man mit den "Medidas Urgentes" auch noch Möglichkeiten geschaffen, den Naturschutz so weit löcherig zu machen, dass ökonomische Interessen vor ökologischem Handeln liegen. - Allerdings möchte ich auch gerne eingestehen, dass übertriebenes ökologisches Denken auch schon manches sinnvolle Projekt zum Scheitern gebracht hat, da ist viel Fingerspitzengefühl angesagt und auch ein präzises Händchen, wenn es darum geht, Umweltschutz und notwendige Eingriffe in die Natur abzuwägen. - Dennoch sollten solche Schutzräume wie Naturparks und Naturschutzgebiete absolut tabu sein, es gibt für diese Insel noch so viele andere Entfaltungsräume und auch müssen wir davon ausgehen, dass zukünftige Industrie hier auf La Palma sowieso nur Chancen hat, wenn diese sich den ökologischen Anforderungen und den begrenzten Ressourcen der Insel anpassen kann.

Biologen, allen voran der sehr bekannte Dr Félix Manuel Medina Hijazo, erstaunt und empört sich nun in einer Pressemeldung, dass der neue Katalog der bedrohten Arten für die Insel La Palma, fast 70% der bedrohten Flora und etwas über 40% der Fauna aussortiert. - Dieser Vorschlag für eine Neufassung des Kataloges der bedrohten Arten auf der Insel kommt von der Coalición Canaria, und diese Gruppierung zeigt damit erneut ihre Auffassung vom Umgang mit den natürlichen Ressourcen dieser Insel. - Bislang seien 61 Arten an Pflanzen auf La Palma in der Liste der bedrohten Arten verzeichnet, im neuen Vorschlag seien das aber nur noch 21, was Félíx Medina für eine reichlich unangemessene Aktion hält. - Bei den Tieren ist es nicht ganz so auffällig, dort sind bislang 57 Arten als vom Aussterben bedroht, unter besonderem Schutz stehend, im neuen Katalog aber nur noch 33. - Dabei verschwinden nicht alle vorher als bedrohten Arten komplett aus dem Katalog, aber für viele wird die Kategorie geändert, und eben nicht verschärft, sondern allemal wird die empfohlene Schutzstufe herabgesenkt. - Man kann es nun nicht an einzelnen konkreten Fällen nachvollziehen, ob damit einige Regionen dann doch noch irgendwie bebaubar oder als Nutzland genommen werden können, weil eben nun die dort vorkommenden Pflanzen plötzlich nicht mehr die höchste Schutzempfehlung haben, aber vermuten darf man es allemal. - Als Beispiele nennt er, zunächst das "Felsengold", hier "Oro de Risco" - Anagyris latifolia, oder einen kanarenendemischen Holunder, den "Sauco" - Sambucus palmensis, von dem es nur noch ganz wenige wilde Exemplare gibt. - Beide Pflanzen würden nach dem neuen Katalog von "vom Aussterben bedroht" auf "gefährdet" zurückgestuft, ein Akt, den die allermeisten Biologen nur als komplette politische Willkür bezeichnen wollen.

Zum Wetter gibt es noch einen Hinweis. - Bislang regnet es im Aridanetal nur sporadisch, immer wenn der Wind mal von Nord auf Nordwest dreht, allerdings wird für morgen bereits Südwestwind vorausgesagt, was dann mehr Niederschläge für das Aridanetal bedeutet. - Auch soll der Wind stark auffrischen, bis 35 Knoten, und wenn der Wind aus der Richtung weht, dann wissen wir, das kann auch wieder Probleme am Flughafen geben. - Bei solchen Windrichtungen kann es zu Scherwinden am Flughafen auf der Ostseite kommen, da kann es dann schon mal vorkommen, dass die ankommenden Flugzeuge aus Europa zunächst auf einer anderen Kanareninsel landen müssen und es zu einem späteren Zeitpunkt wieder auf La Palma versuchen. - Meist klappt das noch am gleichen Tag, aber wenn das Wetter einfach nicht mitspielen will, dann kann es bei Tiefdruck aus dem Westen und dem dazugehörigen Wind auch schon mal eine Zwischenübernachtung auf einer anderen Insel bedeuten. - Aber erfahrene La Palma Besucher wissen das eh schon, im Winter packt man in sein Handgepäck wenn es auf unsere Insel geht immer eine Zahnbürste, einen Schlüpfer, vielleicht ein Hemdchen, und auf jeden Fall notwendige Medikamente. - Nur für den Fall der Fälle, und vielleicht wird das morgen auch gar nicht so heftig, wie das manche befürchten.



Montag 14.12.09 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad - Niederschlag 4 mm - Luftfeuchte 81 % - Luftdruck 1009 hPa

Sheriffmangel
Zu wenige Lokalpolizisten auf La Palma

Policía Municipal, Guardia Civil, Policía Nacional, für so manchen Inselgast oder zugereisten Bewohner ist das eh verwirrend, welcher Polizeikörper denn nun was eigentlich macht. - Aber schlimmer noch, im kommenden Jahr leisten wir uns auch noch eine vierte Polizei, die Policía Canaria oder Policía Autónoma, von der allerdings noch nicht mal die Erfinder dieser Truppe wissen, was die eigentlich später mal machen sollen. - Aber lassen wir dieses höchst endeme Thema, und gehen zurück zu unseren Sheriffs. - Denn zunächst muss man mal erklären, was diese Policía Municipal überhaupt ist. - Sucht man dazu Vergleiche in Deutschland, dann kann man nur auf das Ordnungsamt zurückgreifen, allerdings haben unsere "Municipales" doch wohl polizeiliche Kompetenzen, so dass der Vergleich mit den Sheriffs wohl doch eher angemessen scheint. - Die "Städtische Polizei" wird eben, im Gegensatz zu den beiden nationalen Körpern der Guardia Civil und der Policía Nacional von der Gemeinde bezahlt und beauftragt, die haben also wirklich nur in ihrer Stadt und ihrem Kreis etwas zu suchen und sagen. - Die Arbeitsaufgaben sind aber sehr vielfältig und überlappen auch die Wirkungskreise von Guardia Civil und Policía Nacional. - So nehmen "Municipales" auch Leute fest, machen genau so Verkehrskontrollen, müssen sich aber auch um administrative Angelegenheiten kümmern. - Sperren der Straßen für Umleitungen oder bei Fiestas, schlichten nachbarschaftlichen Streit ebenso, und stellen Nachforschungen für die Gemeinden an, wenn es um Baustellen geht, oder man Umweltdelikte vermutet. - Es ist also wirklich ein großes Betätigungsfeld, da man zusätzlich auch noch Agenten auf "Streife" schicken soll, und polizeiliche Präsenz zeigen. - Allerdings ist diese Policía Municipal auch ein großer Kostenfaktor für die Gemeinden, und genau so spiegelt die Realität hier auf La Palma ein bisschen das Bild von den klammen Gemeindekassen.

In der Zeitung "El Día" hat man nun mal durchgezählt, wie viele Gemeinden denn ausreichend dieser "Sheriffs" vorweisen können, und da tun sich wahrhaftig Abgründe auf, denn nur ganz wenige Gemeinden haben eine ausreichende Anzahl an Agenten vorzuweisen. - So haben wohl nur drei Gemeinden auf der Insel die erforderliche Zahl an Stadtpolizisten im Dienst, Tazacorte mit 9 Kräften, Breña Alta mit 11 und El Paso ebenso mit 11 Municipales. - Aber nicht mal in den eben genannten Gemeinden reichen diese Polizisten aus, um auch nächtliche Präsenz zu zeigen, ab 22:00 Uhr, respektive 23:00 Uhr, ist niemand von der Lokalpolizei mehr anzutreffen. - Dennoch haben diese drei Gemeinden es sehr gut getroffen, denn gerade die kleineren Orte wie Garafía oder Fuencaliente haben nur einen "Municipal", der halt eben nur ein paar Tage in der Woche seinen Dienst anbieten kann. - Witzig in dieser Aufstellung war auch noch der Umstand, dass aus einem Sonderprogramm für die Gemeinden mal Dienstmotorroller gespendet wurden, und die Lokalpolizei von Garafía zwei dieser Fahrzeuge erhielt. - Das muss ein wahrer Artist sein dieser Municipal in Garafía… - Aber Spaß beiseite, auch Orte wie Puntagorda und Barlovento standen bis vor kurzem mit nur einem Polizisten da, haben aber jetzt wieder 3 Agenten, aber wenn man sich mal eine Arbeitswoche überlegt, und auch noch Urlaubstage und Krankenstand berücksichtigen will, dann ist selbst bei dieser Anzahl an Polizisten keine dauerhafte Präsenz dieses Körpers aufrecht zu erhalten. - Die beiden großen Städte, Los Llanos und Santa Cruz haben deutlich mehr "Locales", allerdings sind die auch nicht in der wirklichen Sollstärke, allerdings gibt es in beiden "Metropolen" auch einen 24 Stunden-Service der Municipales, auch wenn es sich dabei nur jeweils um eine Zweimann-Patrouille handelt. - Aber keiner muss nun Angst haben, es gibt ja auch noch die Guardia Civil und die Policía Nacional, und außerdem, bei dem bisschen, was hier auf La Palma für die Gelbe Presse passiert, dafür reichen die paar Polizisten allemal aus.



Sonntag 13.12.09 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad - Niederschlag 2 mm - Luftfeuchte 76 % - Luftdruck 1011 hPa
Höchsttemperatur heute 20,8 Grad - niedrigste Temperatur 13,1 Grad

Kneipennekrolog
Farewell Taburiente

Dabei wussten eigentlich die Allerwenigsten, dass diese Kneipe "Bar Taburiente" hieß. - Auch wenn es groß im hohen und fast leerem Gastraum geschrieben stand, die Kneipe hieß, zumindest so lange ich denken kann, immer bei "Ramón". - Ramón gibt es wirklich, und seine Frau Teresa auch, und die beiden betrieben diese Kneipe länger, als sie das jemals vorhatten. - Berühmt war die Kneipe sowieso, berüchtigt auch, aber das lag eher am teuflisch scharfen Mojo den Teresa machte. - Dennoch sagten immer alle, "el Mojo de Ramón", obwohl der gute Kerl noch nie in seinem Leben Mojo zubereitet hat, aber so laufen die Dinge meistens, bei Ramón gibt es den schärfsten Mojo der Insel, also heißt der auch "Mojo de Ramón". - Es war wirklich der schärfste Mojo der Insel, und ab und zu machte ich mir auch immer mal wieder den Spaß, mit ein paar äußerlich unverwüstlichen Gästen dort hin zu gehen, den ultimativen Gaumentest, so zu sagen. - Aber nicht nur, um mit dem Mojo Eindruck zu schinden und baumlange Männer heulen zu sehen, wenn diese die Warnung vor der Schärfe dieses Saftes großspurig in den Wind bliesen, sondern auch um diesen Gästen so etwas wie das unerklärte Gastronomiemuseum La Palmas zu zeigen. - Ramón hatte zwar vor Jahren mal kurz renoviert, ich glaube das war auf dringendes Anraten des Gewerbeamtes geschehen, aber das beschränkte sich auf den Sanitätsbereich, aus dem dann endlich das Plumpsklo zugunsten eines modernere "Tiefspülers" entfernt wurde. - Allerdings ging man bei Ramón sowieso nicht gerne aufs Klo, wir sprechen vom gastronomischen Museum, nicht vom hygienischen, und nur für die Frauen reserviert gab es ja noch eine zweite Toilette, für welche Teresa den Schlüssel argwöhnisch bewachte und nur herausgab, wenn des gar nicht mehr anders ging. - Frauen kamen zu Ramón meist nur in Begleitung, das war keine Kneipe für einen gemütlichen Tratsch, sondern fürs Stehgeschäft in Sachen kaltes Bier und heiße Fleischbocadillos, natürlich mit der Zugabe des scharfen Mojos. - Aber man konnte auch richtig essen bei Ramón, dazu hatte er in einem Nebenraum 2 Tische und so an die 10 Stühle aus den sechziger Jahren und da Ramón nur drei Artikel im Angebot hatte, sparte man sich das mit der Speisekarte schon seit Jahrzehnten. - Man konnte ordern, Schweinefleisch von der "Plancha", das ist die mit Gas betriebene Metallplatte, auf der wir anstatt Pfanne unser Fleisch braten, Papas arrugadas und eben DEN Mojo. - Etwas anderes gab es nicht, es wäre sowieso niemand auf die Idee gekommen, dort Suppe, Souffle oder Gänseleberterrine zu ordern.

So oft wurde aber der Speisesaal in den letzten Jahren nun auch nicht mehr in Anspruch genommen, so dass es schon mal vorkommen konnte, dass keine Kartoffeln mehr da waren oder kein Fleisch mehr, nur der Mojo, der ging nie aus. - Der eigentliche Gastraum war der Tresen, dort lümmelte man angelehnt an die lange Bar aus blank geriebenem Edelstahl und weil es keine Barhocker gab, musste man schon gut auf den Beinen sein, um länger bei Ramón zu verweilen. - Er selbst hatte aber hinter dem Tresen einen Stuhl, gleich in der Ecke wo auch die Pfennigsüßigkeiten für die Kinder warteten, und nachmittags konnte es schon mal vorkommen, dass Ramón auf seinem Stuhl einnickte und man ihn erst mit einem deutlichen Klopfen auf den Tresen zum Dienst wecken musste. - Abends war dann aber auch immer Teresa da, die dann auch das Berechnen der Zeche übernahm, ein gar nicht so einfaches Unterfangen wenn man unsere Art kennt, immer die Biere und Weine der anderen zu bezahlen, und man sein eigenes auch immer eingeladen bekommt. - Früher machte Ramón diese Rechnung dann immer sehr pauschal und schätzte einfach, was denn so zu bezahlen sei, aber wenn Teresa anwesend war, dann wurde richtig abgerechnet. - Die schrieb sich zwar auch nie etwas auf, hatte aber einen solchen unschuldigen Augenaufschlag, dass niemand jemals an der Zeche zweifelte. - Zumal die Kirche ja gleich neben der Kneipe liegt, da ist kein Raum und Platz für solche Spielchen. - Überhaupt diese Nähe zur Kirche brachte Ramón und Teresa auch einen Großteil des Umsatzes. - Wer noch schnell vor dem Gottesdienst ein Beichtwässerchen brauchte, oder wer auf Prozessionen zwischendurch mal schnell verschwinden musste, um den heiligen Pegel im Lot zu halten, der fand dort immer ein gutes Versteck, zumal die Prozessionen immer in die anderen Richtung losgingen. - Die Beerdigungen aber nicht, der Zug ging direkt an der Kneipe vorbei, und um den Tod nicht ins Haus zu lassen, oder aber die Anwesenden nicht zu kompromittieren, schloss man schleunigst die Türen, solange der Trauerzug an der Kneipe vorbei zog. - Und die Kinder des Ortes, die eben auf dem große Kirchplatz spielten, die gaben ihr kleines Geld bei Ramón für Süßigkeiten aus, die es in erstaunlich großer Anzahl bei ihm hinterm Tresen gab. - An die 40% des Umsatzes machte er auf diese Art und Weise, und wenn man sich mal über den Tresen beugte, dann entdeckte man noch viele weitere Dinge, die Ramón da zum Verkauf bereit hielt. - Batterien, Rasierapparate, Messer, Kugelschreiber, aber vieles davon war schon angestaubt und aus Zeiten, über die man heute nicht mehr spricht. - So auch wie viele seiner Spirituosen, die zum Schmuck dort im Wandregal standen und manche davon bereits fast ohne Etikett, weil man sie doch einmal im Jahr vom Regal nahm und mit einem feuchten Lappen abwischte. - Wenn man das dreißig Jahre lang macht, dann ist das Etikett futsch, und man kann gerade noch ahnen, was denn eigentlich in diesen Flaschen aufbewahrt wurde. - Ich glaube Ramón ärgert sich heute noch, dass er niemand diese uralten Flaschen jemals andrehen konnte.

Die Kaffeemaschine zischte andauernd aus irgendeinem kleinen Leck, und aus dem Kondensmilchspender tropfte es auch immer, so dass er ein kleines Glas darunter stehen hatte, um die süße Milch aufzufangen. - Es geht die Geschichte um, das Glas steht erst dort, seitdem man das Mäuschen entdeckt hatte, welches sich an dem Tropfenden Spender auch erfreut hatte, und die sich ungeniert vor dem Publikum daran gütlich getan hatte. - Die allermeisten tranken aber eh ein kaltes Bier, oder den Hauswein, der auch aus irgendwelchen nicht identifizierbaren Flaschen ausgeschenkt wurde. - Das Bier trank man oft aus der Flasche selbst, denn die Gläser bei Ramón waren zwar nicht schmutzig, in keinster Weise, aber so oft inzwischen gespült worden, dass diese völlig stumpf und fast bereits undurchsichtig waren, so dass man lieber darauf verzichtete. - Bei Ramón ging es dann abends, besonders an warmen Sommerabenden hoch her. Da stellte man auch schon mal ein paar Stühle auf die Straße, auf denen sich dann meist die Frauen setzten, wie auch Ramón mal ein bisschen frische Luft schnappen wollte. - Da wurde heftig diskutiert, und auch schon mal Politik gemacht, auf jeden Fall wurde dort viel über Politik geredet, und das ist bei uns, seit der frühreifen Einführung der Demokratie, ein äußerst beliebtes Thema, bei dem es auch laut werden kann. - Allerdings macht es zusehends weniger Spaß darüber zu diskutieren, und wenn sowieso nur Verdrossene miteinander die Meinung austauschen, dann kann man sich das Ding gleich sparen. - Was man aber auch prima machen konnte bei Ramón, das ist in Ruhe gelassen werden, und einfach sein, oder seine Biere dort auszutrinken, und nur den eigenen Gedanken nachhängen, so wie das manche Männer als therapeutische Maßnahme manchmal brauchen. - Bei so etwas hatte man in Ramón den besten Begleiter, der saß dann, mit seinem Zahnstocher im Mundwinkel, den er dort trug, seit dem er das Zigarrenrauchen aufgegeben hatte, auf seinem Stuhl, und man konnte in tiefstem Zwiegespräch schweigen. - Das alles ist jetzt nicht mehr, Teresa und Ramón hatten einfach keine Lust mehr, waren inzwischen natürlich auch schon zu alt, um sich diese Plagen weiterhin anzutun, und da die Rente reicht, genießen die Beiden jetzt ihren wohl verdienten Ruhestand. - Uns Gästen hat man allerdings einen der letzten rebellischen Rückzugsraum genommen, denn so wie bei Ramón, so kann man sich in anderen Kneipen einfach nicht benehmen, und so ungezwungen auch nicht austauschen, und der Mojo ist, wenn man Liebhaber seines Mojos war, woanders eine Zumutung. - Aber alles hat einmal ein Ende, und dass der "Bar Taburiente" kam etwas schneller als gedacht, oder 30 Jahre zu spät, denn die Einrichtung, aber auch die Stimmung und das Verhalten der Gäste, die eigentlich immer nur Stammgäste waren, das stammte auch nicht aus dieser Zeit. - Vielleicht fühlen sich die allermeisten Gäste nun auch ein bisschen unsanft in das 21. Jahrhundert katapultiert, aber so etwas wie die Kneipe von Ramón, das können wir uns heute eigentlich gar nicht mehr erlauben. - Einen Nachfolger gibt es auch nicht, da wird nie wieder eine Kneipe entstehen, aber ein großes Bestattungsunternehmen hat sein Interesse bekundet, dort eine Filiale einzurichten. - Die wollen natürlich die unmittelbare Nähe zur Kirche ausnutzen, so wie einst Ramón, aber dort einen Bestatter zu haben, anstatt einer Kneipe wie die von Ramón war, das grenzt bereits an Blasphemie.








ganz rechts, das ist Ramón.




Sonntag 13.12.09 10:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 15 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 62 % - Luftdruck 1012 hPa

Zwei Experten, drei Meinungen, mindestens
Wie heilig ist die Heilige Quelle

Bad La Palma, oder zumindest Bad Fuencaliente, davon träumen wir, mit einer Thermalquelle die sich an den Ruhm und die Brillanz solcher Orte wie Vichy oder Bad Nauheim orientiert. - Ohne Zweifel gab es eine Heilige Quelle auf La Palma, die in den Geschichtsbüchern hinreichend erwähnt wird, und von vielen, auch illustren Zeitgenossen im 16. und 17. Jahrhundert als Quelle der Gesundheit und Heilung beschrieben wird. - Aus manchen dieser Berichte könnte man sogar herauslesen, dass La Palma seinerzeit mit dieser Heiligen Thermalquelle Pilgerziel für viele kranke Menschen war. - Diesem antiken "Wellness-Tourismus" setzte der Vulkan ein Ende, genauer gesagt der San Antonio im Jahre 1677, der rüpelhafte Vulkan spie seine Lava ausgerechnet auf die "Fuente Santa". - Oder besser gesagt auf die Fuente Caliente, wie sie damals noch hieß, woher der Ort dort im Süden seinen bis heute gültigen Namen hat. - Viele Versuche gab es seitdem, diese Thermalquelle wieder zu entdecken, warum ist völlig klar, solch eine Quelle mit kurativen Eigenschaften ist natürlich eine enorm wertvolle Ressource für den Ort Fuencaliente und auch für die ganze Insel. - Allerdings gelang es bislang keinem, diese Quelle wieder zu finden, alle Bohrungen und Überlegungen, wo man denn den Vulkan anbohren müsste, um wieder an dieses Wasser zu gelangen, frustrierten vollends. - Nun kommen aber die beiden heutigen Protagonisten ins Spiel, die beiden Geologen Carlos Soler Liceras und Juan Carlos Carracedo, beide mit viel Lorbeeren und Ruhm behaftete Kapazitäten auf dem Gebiet, was unter unseren Füßen so schlummert. - Beide sollten und wollten diese Quelle nun auch wiederfinden, aber zwei Alphawissenschaftler in einer Gruppe, das taugt einfach nicht, und so fing man an, getrennte Wege bei der Suche nach dieser verschollenen Thermalquelle zu begehen. - Juan Carlos Carracedo arbeitete für ein, mit schweizerischem Kapital und wenig Beziehungen zu lokalen und regionalen Korporationen ausgerüstetem Privatunternehmen, Carlos Soler für ein öffentliches Projekt, welches sowohl von der Gemeinde Fuencaliente, der Inselregierung, wie auch dem Gobierno de Canarias unterstütztem Team.

Nach Jahren der Suche, und vielen ausgegebenen Steuergeldern, gelang es schließlich der Gruppe um Carlos Soler, am Ende eines fast 200 Meter langen Stollens auf warmes Wasser zu stoßen, was seitdem offiziell als die Wiederentdeckung der Heiligen Quelle gilt. - So schön kann das Leben sein, wir haben wieder eine Thermalquelle, und wenn sich alle Behörden ausnahmsweise mal einig wären, wie man denn diese wunderbare und Erfolg versprechende natürliche Ressource denn auch effektiv nutzen könnte, dann stünde einer weiteren touristischen Attraktion dieser Insel nichts im Weg. - Aber wir stehen uns selber im Weg, weil wir nicht in der Lage sind, diese Ressource auszunutzen, noch Jahre nach der Wiederentdeckung gibt es kein greifbares Projekt, diese absolute Wundertüte auch nur irgendwie zu unseren Gunsten zu nutzen. .- Jetzt kommt es noch schlimmer, jetzt giftelt Juan Carlos Carracedo in seinem letzten Buch auch noch gegen die These, das dort gefundene Wasser sei tatsächlich die Heilige Quelle, und beschreibt die Arbeit der Gruppe um Carlos Soler als populistische Kurpfuscherei, und nachdem man so viele öffentliche Gelder ausgegeben hätte, müsse man einfach einen Erfolg vorzeigen, deshalb habe man kurzerhand dort gefundenes warmes Wasser als die wiederentdeckte Fuente Santa deklariert. - Wir Laien können dazu natürlich keine entscheidende Position einnehmen, aber was auffällt, ist eben die Einschätzung der kurativen Eigenschaften dieser Quelle in einem sehr mystischen Licht gehalten. - Man spricht immer von den hervorragenden Ingredienzien des Wassers, lässt uns aber keine komplette Analyse wissen, nach der fremde Experten doch wohl schon eine Einschätzung der Qualität des Wassers leisten könnten. - Aber das alleine reicht natürlich nicht aus, die Authentizität und überhaupt die Wirkung der Heiligen Quelle in Frage zu stellen, käme da eben nicht die Kritik einer geologischen Kapazität vom Format des Juan Carlos Carracedo. - Nun aber schlägt Carlos Soler in einem reichlich bitteren öffentlichen Brief zurück, und bezichtigt eben diesem Carracedo einfach Neid und Missgunst, er mache die Wiederentdeckung der Heiligen Quelle nur deswegen schlecht, weil er sich nicht gefunden hätte, sondern andere den Ruhm dafür einstecken. - Wo da Wahrheiten liegen, das können wir natürlich nicht feststellen, allerdings ist jetzt bereits deutlicher Schaden angerichtet. - Die einen loben die Quelle in den Himmel, ohne weltliche Beweise dafür zu zeigen, der andere stellt das Ganze als Gelegenheitsfund an heißem Wasser dar, der auf einer aktiven Vulkaninsel schon lapidar zu bezeichnen sei. - Und mittendrin saftlose und unfähige Politiker, die nicht in der Lage sind, auch nur annähernd diesen Schatz in eine wirkliche Quelle mit konjunkturellen Kurativeigenschaften zu verwandeln. - Aber so sind wir, vor dem Erfolg liegt bei uns immer viel Polemik und noch mehr Zauderei auf dem störrischen Boden der Tatsachen, das geht dem Projekt saubere Energie nicht anders, als der Heiligen Quelle. - Was wir hier bräuchten sind nicht nur Experten in Geologie und Physik, sondern Experten im Marketing und Volkswirtschaft und politische Entscheider, die endlich begreifen können, dass man Fachleute ans Werk lassen soll und die dann auch arbeiten lässt.





Samstag 12.12.09 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 21 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 40 % - Luftdruck 1012 hPa
Höchsttemperatur heute 23,8 Grad - niedrigste Temperatur 14,0 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 13,2 - Temp. Min 6,3 - Feuchte 28 - 87 % Niederschlag 9 mm

Night-Schifft
Per Schiff nur noch nachts nach La Palma

Nach La Palma kommt am besten mit dem Flugzeug, auch wenn es tägliche Schiffsverbindungen mit Tenerife gibt. - Zwei Fähren bedienen jede Nacht diese Insel aus Los Cristianos im Süden Tenerifes, eine der Reederei Olsen und eine der Reederei Armas. - Beide Schiffe kommen hier gegen 22:30 Uhr an, oft mit ein bisschen Verspätung und bis man dann vom Schiff ist oder gar Zuhause, wird es oft nach Mitternacht. - Das ist auch für den touristischen Zubringerdienst nicht wirklich interessant, obwohl eben der Hafen von Los Cristianos gar nicht weit vom Südflughafen Tenerifes liegt. - Wenige Gäste kommen auf diese Art und Weise zu uns, aber auch die normale Bevölkerung setzt im interinsularen Verkehr in allergrößter Mehrzahl auf das Flugzeug. - Von La Palma aus gegen die beiden Fähren dann zurück nach Tenerife, die eine gegen 04:00 Uhr und die Olsen gegen 06:00 Uhr, auch nicht gerade eine angenehme Reisezeit, wer also nicht sein Auto mitnehmen muss, oder unter großer Flugangst leidet, der bedient sich nicht dem maritimen Verkehr, wenn er nach Tenerife will. - Darüber hinaus sind die Fahrpreise zumindest bei der schnelleren Olsen-Fähre nur geringfügig unter dem Preis für ein Flugticket. - Die Armas Fähren sind schon deutlich billiger, aber man braucht dann auch 4 Stunden nach Tenerife und dort sitzt man im Süden der Insel, und muss wohlmöglich dann weiter noch mit dem Bus in den Ballungsraum Santa Cruz/La Laguna. - Nun verlegt die Reederei Olsen die bislang einzigen Verbindungen, die es bislang tagsüber nach Tenerife gegeben hat auch noch in die Nacht, es handelt sich dabei um die Verbindung Santa Cruz de La Palma nach Santa Cruz de Tenerife. - Fuhr diese Fähre bislang zweimal in der Woche um 11:00 Uhr vormittags ab La Palma nach Tenerife, so ist es nun 05:00 morgens. - Bis auf eine Fähre, Sonntag Abend um 17:00 Uhr nach La Gomera, fahren jetzt alle Fähren welche La Palma bedienen zu äußerst unchristlichen Zeiten und machen es so den Bewohnern unserer Insel noch schwerer dem Schiff eine halbwegs gute Chance zu geben als Alternative zum Flugzeug zu dienen.

Als Grund für diesen Fahrplanwechsel gibt die Reederei Armas an, man hätte die Verbindungen mit El Hierro stärken müssen, nachdem es dort heftigen Druck aus dem dortigen Inselparlament auf den Reeder gegeben hat. - Ich denke zwar, dass es nicht der Druck war, so etwas kann Armas locker abreiten, sondern irgendwelche Zuwendungen an den Reeder, der daraufhin den Fahrplan so gelegt hat, dass die Insel El Hierro bessere Anbindungen erreicht. - Als Zuckerle für La Palma könnte man nun aber wieder betrachten, dass es jetzt wieder eine Direktverbindung mehrfach in der Woche mit El Hierro gibt. - Machbar sind solche Fahrpläne eh nur, weil die beiden Reedereien ihr Geld nicht mit dem Passagierverkehr verdienen, sondern mit dem Frachtbetrieb. - Da ist es sogar günstig, wenn die LKW und die Lieferwagen nicht tagsüber auf den Schiffen herumstehen, sondern eben tagsüber auf Land "arbeiten" können, und dann diese toten Stunden damit verbringen, auf dem Schiff von Insel zu Insel zu gelangen. - Tagsüber dann werden die Fährschiffe auf den sich auch für den Passagierverkehr lohnenden Strecken zwischen Tenerife und Gran Canaria eingesetzt, sowie zwischen Tenerife und La Gomera. - Diese Insel wiederum steht so ganz anders da als La Palma, und wird fast ausnahmslos mit dem Schiff bedient, da laufen täglich mehr Fähren in den Hafen ein, als Flugzeuge dort landen. - Es bleibt also dabei, La Palma bereist man am besten mit dem Flugzeug, es sei denn die "Night-Schifft" liegt einem im Reiseblut. - Hier noch die Links zu den Webseiten der beiden Reedereien, die uns anlaufen: Fred Olsen und Naviera Armas.





Samstag 12.12.09 09:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 14 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 69 % - Luftdruck 1013 hPa

Die Botschaft hör ich nicht, allein ich hab den Glauben
Rechenschaftsbericht der Bürgerplattform gegen die Asphaltwerke

Die richtigen Leute am falschen Platz, so könnte man auch dazu sagen, denn eines ist klar geworden nach der Versammlung von gestern Abend. - Die Halle in San Nicolás, die sonst eigentlich für den kanarischen Ringkampf dient, ist nicht der richtige Ort um Versammlungen abzuhalten. - Da war die Kälte noch das geringste Problem, aber die Akustik, oder besser gesagt das Fehlen einer solchen, machte die Erklärungen des Vorstandes der Plattform zum anstrengenden aber interessanten Wörterraten. - Zuerst versuchte man es mit den Lautsprechern, aber die sind wohl in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts irgendwo auf einem kleinen Bahnhof im Bayrischen Wald abgeschraubt worden, man vernahm nur hallendes Krächzen. - Das genügt wohl im Alltag der Ringkämpfe um irgendwelche Parolen durchzublasen, aber die hatten was zu erzählen gestern Abend. - So rückte man schließlich näher, und versuchte mit puren Leibeskräften der eigenen Stimme den über 200 anwesenden Menschen zu erzählen, was man denn bislang seitens der Bürgerplattform so alles unternommen hat, aber auch noch zu tun gedenkt. - Es ging dann, halbwegs, und auch wenn die Redner sich alle nur erdenkliche Mühe gaben, laut und deutlich zu reden, die große Halle schluckte erbarmungslos viele Worte. - Es galt also um so aufmerksamer zu sein, und vielleicht dient das ja auch als Trick, denn so waren alle Zuhörer vollauf damit beschäftigt das Gesprochene von den Lippen der Redner abzulesen, niemand konnte sich irgendwelche Ablenkungen erlauben. - Die Bürgerplattform leistete sich sogar den angenehmen Luxus den Vortrag zweisprachig abzuhalten, das was zuvor in Spanisch erklärt worden war, wurde in Kurzform darauf hin gleich noch mal auf Deutsch erzählt. - Vielleicht die Hälfte der Besucher waren so auch Landsleute aus Mitteleuropa, auch wenn sich die Kräfteverhältnisse in der "Protestbranche" sich langsam zugunsten der Einheimischen verschiebt, bleiben die, zum Teil bereits gorlebenerprobten "Resis", fester und aktiver Bestandteil solcher Auflehnung gegen Behördenwillkür. - Und das ist gut so, auch wenn es sehr klug und vorausschauend war, den Vorstand der Bürgerplattform fast nur mit Einheimischen zu besetzen. - Das erleichtert die Akzeptanz dieser Plattform sehr, so gehen Türen leichter auf, in einer solch kleinen und engen Gesellschaft wie wir das nun mal sind, ist es enorm wichtig, wer wen kennt und wer wo ohne anzuecken Fragen stellen kann. - Man muss sich nur mal im Umkehrschluss vorstellen, eine Bürgerbewegung in Deutschland, sagen wir mal gegen eine Müllverbrennungsanlage in Barsinghausen, würde überwiegend von türkischen Mitbürgern angeregt und geleitet, die hätten auch sehr viel weniger Aussicht auf große Akzeptanz, als eine Gruppierung einheimischer Bürger. - So ist das nun mal und es geht hier nicht um irgendwelche Eitelkeiten oder bilaterales Gesülze, sondern um den größtmöglichen Erfolg.

Man erklärte uns nun auch die Geschichte des Protestes gegen diese Industrieanlangen, und wie aus einer kleinen Unterschriftensammlung nun diese große Bewegung entstanden ist, und eben immer ohne Mithilfe irgendwelcher Behörden, aber eben auch unter vorsichtiger Ignoranz der Medien. - Das ist auf jeden Fall besser geworden, die "Plataforma" hat inzwischen Radio- und Fernsehinterviews geben können, und auch die Zeitungen berichten, in sehr lockerer Abfolge allerdings, um die Empörung der Anwohner rund um das Industriegebiet. - Weiter erklärte man uns nun, wie man an den Rechtsanwalt Felipe Campos gekommen ist, und auch darüber, wie man denn solch große Kosten stemmen will, wie ein solcher Staranwalt in Sachen Kampf gegen die Behörden nun einfach mal kostet. - Da gibt es Positives zu berichten, das Konto der Bürgerplattform ist inzwischen mit knapp über 10.000 Euro etwas besser für den Kampf gerüstet, allerdings bleibt zu erwähnen, dass der Anwalt allein für die ersten Schritte eine Kostenvoranschlag von etwas mehr als 12.000 Euro angegeben hat. - Dabei wird der Anwalt in drei Schritten vorgehen. - Zunächst wird er prüfen, wo Verfahrensfehler in dem Genehmigungsverfahren versteckt sind, die gibt es immer, haben aber zunächst nur aufschiebende Wirkung. - Zweiter Teil ist die Anfechtung der Genehmigung überhaupt, wobei ja das Gesetz nicht eingehalten wurde mit den vorgeschriebenen Abständen zu Wohngebieten. - Dritter Punkt wäre dann, strafrechtliche Konsequenzen gegen die Unterschreiber der Genehmigung anzustreben, wobei dieser Punkt natürlich sehr heikel ist und wohl auch abhängig davon, wie weit man in den ersten Schritten kommt. - Man geht auch nicht gegen den zukünftigen Betreiber der Anlagen an, sondern gegen die Behörden, welche diese Anlagen dort genehmigt haben, beziehungsweise für das zweite Werk dort noch vorhaben. - Wo wir es doch nun so schön einfach haben und uns darauf verlassen können, dass der Vorstand der Plataforma die ganze Arbeit für uns macht, sollte es uns doch ein Leichtes sein, die dann auch mit dem notwendigen Geld zu versorgen, damit der Anwalt tätig werden kann. - Also, Spenden ist in dem Zusammenhang erste Bürgerpflicht. - Allerdings betonte man auch, dass die Öffentlichkeitsarbeit sehr wichtig ist, man muss die Presse auch immer wieder mit einbeziehen in solche Abläufe und das macht man am besten damit, in dem viele Menschen laut, oder zumindest robust auftreten. - So wird auch an einer Manifestation in Los Llanos gearbeitet, so richtig mit Transparenten und Sprücheklopfen, so manchem alt gedienten Gorlebianer wird dabei sicher die Nostalgiedrüse zwicken, Déjà-vu an allen Orten, und auch wenn wir hier nicht von Radioaktivität sprechen, solche Dreckschleudern, wie diese Asphaltwerke nun mal sind, die gehören einfach nicht in dicht besiedelte Gegenden. - Es wird spannend und wenn sich das mit der Kundgebung konkretisiert, dann erfahren Sie das als erste.








Freitag 11.12.09 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 19 Grad - Niederschlag 4 mm - Luftfeuchte 81 % - Luftdruck 1012 hPa
Höchsttemperatur heute 20,8 Grad - niedrigste Temperatur 17,4 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 13,4 - Temp. Min 11,1 - Feuchte 29 - 74 % Niederschlag 3,5 mm

Alternative Mogelpackung
Neu Trasse für die Autobahn, aber der gleiche Mist wie vorher

Die Hoffnung, die Inselregierung würde nun endlich ein Einsehen haben, und anstatt die wirklich nicht notwendige Autobahn zu bauen, die bereits bestehenden Verkehrswege zu verbessern, hat sich nicht bestätigt. - Gestern Nachmittag und genau so heute gibt es in der Inselregierung außerplanmäßige Kommissionen, in denen über die angekündigte Alternativtrasse gesprochen wird. - Noch ohne Ihnen jetzt den Plan vorweisen zu können, kann ich schon so weit vorausschicken, dass auch der "neue" Weg die gleichen alten Wunden reißt, man legt die Straße nur hier und da weiter nach Norden. - Auf den ersten Blick erscheint das so gar nicht machbar, zu viel Gefälle würde dann entstehen, aber es sollen ja auch Techniker mit an der Planung sein, und dann sollte man doch vermuten, die hätten dazu etwas gesagt. - Ansonsten versucht man keine Häuser für diese neue Trasse zu opfern, zumindest sagt man uns das, allerdings konnten wir das auch noch nicht nachprüfen, weil die vorgelegte Karte nur das Gelände wiedergibt, nicht aber die Bebauung. - Es bleibt also dabei, obwohl in einer vorgestrigen Presseerklärung noch anderslautend, unsere eigene Inselregierung bricht die Abkommen, welche die Gemeinden Breña Alta und El Paso mit der Provinzregierung beschlossen hat, und will unbedingt die Autobahn in ihrer vollen Fröhlichkeit. - Und nicht nur das, auch an die, ebenso bereits abgesegnete Ortsumfahrung El Pasos legt man nun erneut Hand an, die hat plötzlich auch wieder vier Spuren und mausert sich so erneut von einer lokalen Umgehungsstraße zum Teilstück der Autobahn. - Es ist ja nicht so, dass wir das nicht bereits geahnt hätten, denn man muss bei den Damen und Herren wirklich mit allem rechnen, besonders mit aller Hinterhältigkeit.

Nun bleibt natürlich noch die Frage, wie man denn mit den Einsprüchen gegen diesen neuen Verkehrsweg umgehen wird, und das ist gestern und heute bislang noch nicht besprochen worden, kann aber sein, dass ich dazu heute Abend bereits die neuesten Nachrichten erhalte. - Man kann ja nun nicht einfach hingehen und sagen, wir haben eine neue alternative Trasse vorgeschlagen, und damit sind die Einsprüche nicht mehr substanziell, denn der Wortlaut der "Alegaciones" befasst sich ja, unter anderem, auch mit der Nichtzuständigkeit der Inselregierung als Planungsebene für solche Trassen. - Aber wie gesagt, zutrauen muss man "denen" vieles bis fast alles, und wir werden ja sehen, wie man uns die alte Autobahn im neuen Kleid verkaufen will und wird. - Auf jeden Fall geben die jetzt Gas in der Inselregierung, die wollen noch vor der Weihnachtspause klare Fakten auf den Tisch legen, was wir sicher dem Eifer und der Entschlossenheit der noch nicht verbrauchten Inselpräsidentin Guadalupe González zu verdanken haben, ihr Vorgänger, der inzwischen nach Madrid "geflohene" Presi Perestelo, neigte bei solch pikanten Themen gerne mal dazu, sich und alles um ihn herum auf die lange Bank zu setzen. -. Allerdings bleibt es unverständlich, mit welchem Eifer die Coalición Canaria dieses Autobahnprojekt vorantreiben will, gegen den Willen der Bevölkerung und auch gegen jeglichen Sinn und Zweck, denn es gibt andere Möglichkeiten den Nordwesten der Insel besser ans Aridanetal anzubinden, als diese Umweltkatastrophe im Aridanetal und in Breña Alta zu veranstalten. - Na ja, es wird wohl nicht zu ihrem Schaden sein, könnte man sich nun denken, aber belassen wir es dabei zu denken, denn gerade wieder überlegen die feinen Herren im ehrenwerten Rathaus von Tazacorte rechtliche Schritte gegen die Zeitung "La Voz de La Palma" einzuleiten, denen hat da was nicht gepasst, weil jemand nicht nur gedacht hat, sondern auch noch behauptet.

Ach übrigens, der Regen ist inzwischen gekommen, und hat genau so begonnen, wie wir das wollten, zunächst nur kleine Mengen, um das Erdreich auf größere Mengen vorbereiten zu können, die dann heute Nacht fallen sollen. - Wenigstens das Wetter haben wir noch im Griff, wenn schon die lokale Politik uns hier völlig aus den Händen gleitet.



Freitag 11.12.09 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 18 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 70 % - Luftdruck 1016 hPa

Obama busht
Warum sind Kriege da

Was hat die wohl geritten, dem Präsidenten eines Krieg führenden Landes den Friedensnobelpreis zu verleihen. - Da gibt es Spekulationen, man möchte auf diese Art und Weise Druck auf den Regierungschef der Vereinigten Staaten von Amerika ausüben, damit der die "Kurve" bekommt anstatt sie zu "kriegen" und endlich auch das mächtigste Land der Erde auf einen friedvollen Weg in eine eh schon viel zu kompliziert erscheinende Zukunft zu lenken. - Hat nicht funktioniert, wir dürfen erneut den schon viel zu oft, und auch von ganz bösen Fingern verlautete Erklärung lauschen, dass es gerechte Kriege gibt und wir eigentlich alle, natürlich außer den oder dem Taliban dankbar sein dürfen, dass "die" Amerikaner das Böse am Hindukusch stoppen, damit wir unsere freiheitlichen Werte in der westlichen Welt nicht an den Nagel hängen müssen. - Schlimmer kann man eigentlich den Akt und die Bedeutung des Friedensnobelpreises gar nicht beschädigen, und es wird Diskussionsthema bleiben, ob nun Obama oder das Nobelpreiskomitee die Hauptlast der Schuld zu tragen hat. - Leider müssen wir aber feststellen, dass Obama nicht nur die schwere Bürde eins George Bush geerbt hat, sondern dass er beflissentlich die begangenen Fehler weiterzieht und dafür sogar selbst gestrickte Erklärungen sucht. - Dabei weiß jeder, dass es unmöglich ist, Länder oder Regionen in Armut so befrieden zu wollen, wie uns das in den Kram passt. - Natürlich ist uns allen klar, dass man nicht einfach als naiver Friedensengel hingehen kann, und den "Job" dort in Afghanistan so beenden kann, wie das seinerzeit in Saigon geschehen ist oder auch im Irak, aber der Erklärungsversuch, dass es notwendig ist andere Menschen zu töten um anderen Menschen zu helfen, unsere Werte zu erlangen, das ist nicht einfach nur falsch und vielleicht dumm, sondern es ist bereits gefährlich. - Nicht für Obama selbst, der sich immer noch in der einfachen Aufgabe suhlen kann, einfach nur ein besserer Präsident als George Bush sein zu müssen, es ist vor allem gefährlich für die Menschen, denen wir angeblich die Freiheit bringen wollen, und auch gefährlich für uns Europäer. - Denn hat doch gerade Obama dafür gesorgt, dass wir Europäer erneut ohne Skrupel in jene Kriege ziehen, die man eigentlich aus rein geschichtlichem Wissen und Erkenntnis noch nie für irgendwelche positiven Ergebnisse gesorgt haben, und wir uns auf diese Art und Weise zu willfährigen Büchsenspannern einer Politik die mindestens aus der Zeit der Kreuzzüge stammt, wenn nicht sogar aus späteren, noch fataleren Epochen. - Was nützt uns also diese gesamte Geschichtsschreibung, wenn sich immer wieder "Führer" finden, welche das Unerklärbare zur heiligen Doktrin schmieden, und uns als Gesamtheit in der menschlichen Evolution Jahrhunderte zurückwerfen. - Und das auch noch in Gottes Namen und mit Gott auf seiner Seite, wobei diese Welt eigentlich andere Sorgen hat, als Selbstfindungsprobleme eines heillos überschätzten Hoffnungsträgers, aus der, wieder mal Neuen Welt. - So lange auch nur ein Kind auf dieser Welt an Hunger stirbt, ist jeder Krieg Gotteslästerung. - Die Zahl der großen Menschen, die versäumt haben ihre Größe auch durch Taten zu manifestieren, ist wieder einmal angewachsen. - Obama hat die Chance seines Lebens verspielt nicht nur verbal neue Zeiten einzuleiten, sondern wirklich Neues zu vollbringen. Er hätte diesen Preis, zu seiner Ehre und zur Rettung der Institution der Nobel-Stiftung ganz klar ablehnen müssen. - So entzaubert sich der, leider nur smarte, aber nicht weise Bengel selbst, und rückt sein großes Land nicht wie erhofft aus dem, von seinen Vorgängern so pfleglich erschaffenen dunklen Reich der Macht und pekuniären Interessen. - Nein, hier auf La Palma ist nichts weiter passiert…

Aber ich darf noch mal auf die Versammlung der "Plataforma contra las plantas de asfalto" hinweisen, die heute Abend um 20:00 Uhr in der Sporthalle (Campo de lucha) von San Nicolás (Las Manchas) stattfindet. - Obama kommt nicht, der hat gerade andere zu teeren und zu federn, also müssen wir da selber ran.



Donnerstag 10.12.09 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 25 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 25 % - Luftdruck 1019 hPa
Höchsttemperatur heute 27,8 Grad - niedrigste Temperatur 15,6 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 22,9 - Temp. Min 7,8 - Feuchte 24 - 49 % Niederschlag 0 mm

Die "autopista" in der "autopsia" ?
Verbale Schlangenlinien rund um die Neue Trasse

Also eine "autopista" sollte das ja sowieso nie werden, höchstens mal eine "autovía". - Aber da dieses Wort für La Palma immer noch größenwahnsinnig klingt, hat man dann als neues Mäntelchen eine Schnellstraße daraus gemacht, wahlweise mit 4 Fahrspuren, oder mehr, oder weniger, aber es bleibt immer noch der gleiche Mist. - Dabei ist die Anzahl der Fahrspuren überhaupt nicht das Entscheidende, sondern die komplette Missachtung einer bereits vorhandenen Trasse, die ohne Probleme, und zu einem deutlich geringeren Preis als eine neue Straße das kosten würde, ausgebaut werden könnte. - Was eben aufstößt, ist dass unser Hauptverkehrsweg auf einer neuen Trasse geführt werden soll, weiß der Geier warum, oder sollen wir die vielen Geschichten glauben, dass an einem solch großen Vorhaben dann wieder bestimmte Kreise verdienen können? - Aber diese Gedankengänge darf man getrost jedem für sich überlassen, es kann auch nicht meine Aufgabe sein, da irgendwelche Vermutungen zu erhärten. - Aber Fragen darf ich stellen, und meine ist eben, warum man nicht den einfachsten und billigsten Weg geht, sondern einen enorm teuren, für die Insel nicht nur katastrophal umweltschädlichen, sondern auch noch einen sehr prestigeschädlichen Weg beschreiten will. - Wenn die Aufgabe lautet, den Nordwesten der Insel besser anzubinden und die Verkehrswege für die Zukunft zu bereiten, dann sich wir mit der Brücke über den Barranco de Las Angustias und einem zweiten neuen Tunnel am allerbesten bedient. - El Paso erhält eine Ortsumfahrung, die jetzige Hauptverbindungsstraße wird auf drei, vielleicht an manchen Stellen sogar vierspurig ausgebaut, und alle sind glücklich. - Kein Haus müsste fallen, keine Berge versetzt werden und schon gar kein totaler Flurschaden in den Gemeinden Breña Alta und El Paso angerichtet werden.

So richtig habe wir ja noch nichts offizielles auf die tausende der "Alegaciones" gehört, die gegen die im PIOLP, also dem Inselplan eingezeichneten Schnellstraße abgegeben wurden, aber heute gelangt eine Pressemeldung ans Licht, die einem zumindest zu Denken gibt. - Unsere Inselpräsidentin, Guadalupe González Taño, lässt verlauten, dass man für den Abschnitt zwischen El Paso und Los Llanos nun eine Alternative sucht, bei der kein Haus eines Bürgers fallen muss. - Das ist prinzipiell erst mal nett von der reschen Brünetten, allerdings steht in dieser Pressemeldung nicht, auf welchem geschlungenen Pfad denn dann diese Straße geführt wird, oder ob man sich nun sogar dahin bewegt, doch tatsächlich einen Ausbau der guten und leistungsfähigen Straße bemüht. - Auch steht da nicht, dass man als Reaktion auf die massenhaft eingegangenen Reklamationen gegen diese neue Trasse reagiert, sondern das geschieht natürlich aus eigenem Anschub. - Gut, wir wissen dass das nicht so ist, freuen uns aber grundsätzlich für jede Reaktion, welche dann doch geeignet erscheint, dass man in der Planungsebene beginnt nachzudenken, und sich an solch rudimentär demokratischen Dingen wie dem Volkswunsch erinnert. - Aber inzwischen sind wir ja bereits derart fatalistisch geworden, dass uns Bewegung in diesem Thema jeglichen Schemas bereits erfreut, vielleicht auch einfach nur deswegen, so lange man noch darüber spricht, wird diese Schlange durchs Aridanetal noch nicht gebaut. - Man hat uns halt einfach wieder mal einen Brocken hingeworfen, den wir gierig aufgreifen und uns sogleich auch Gedanken dazu machen. - Allerdings kann das natürlich auch wieder aus taktischen Gründen geschehen, man sondiert, man prüft, um dann doch wieder zu verwerfen um zum ursprünglichen Plan zurückzukehren, allerdings mit der Aura behaftet, alle Alternativen gründlich überlegt zu haben. - Vielleicht ist es auch nur ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk an uns alle, wir dürfen denken, die dächten nach.



Donnerstag 10.12.09 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 16 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 46 % - Luftdruck 1019 hPa

Planlos
Viele Pläne verderben den Brei

In den letzten Jahren wollen wir hier planerische Großtaten nachholen, die wir an die 20 Jahre lang einfach nicht anfassen wollten. - Dabei ist planen gut, wichtig und wenn gut gemacht, sogar Erfolg versprechend. - Schließlich wollen wir nicht nur wissen wo es hingeht, sondern auch, was wir auf dem Weg dorthin so alles machen können und was nicht. - Allerdings darf man diese Pläne nicht wie ein Gesamtkunstwerk verstehen, oder eine gelungene Menüfolge, es ist eher eine lockere Speisenfolge die keinen Dirigenten hat. - Viele Köche brutzeln da an lokalen, regionalen und provinziellen Plänen herum, und das was man eigentlich wollte, nämlich Sicherheit für Investoren und klare Verhältnisse und Regeln, das geht im Kompetenzwirrwarr verloren. - Grundsätzlich hat man hier schon mal den Fehler gemacht, den Planungsgaul von hinten aufzuzäumen, was bekanntermaßen die Gefahr von gewaltigen Tritten nach sich zieht. - So entstanden bei uns zunächst die lokalen Flächennutzungspläne, die so genannten PGOUs, (Plan General de Ordenación Urbana) und dann erst kam der, in der Hierarchie darüber stehende Inselplan, der PIOLP (Plan Insular de Ordenación de La Palma). - Da kann schon nicht gut gehen, denn nun müsste man ja alle PGOUs wieder an den Inselplan anpassen, sobald der das Territorium anders behandelt, als die lokalen Korporationen das wünschen. - Dazwischen blitzen aber auch noch Sondernutzungspläne auf, wie der berüchtigte PTE (Plan Territorial Especial en la Isla de la Palma), und laufende Änderungen und Notstandsverordnungen, wie die "Medidas Urgentes" der Provinzregierung. - Dazu muss man auch noch prüfen, ob denn alle diese Pläne überhaupt regelkonform sind, und da haben wir ja beim PIOLP bereits mehrfach entdeckt, dass dieser Plan, Dinge regeln will, für welche die Inselregierung überhaupt keine Kompetenzen hat, weil das Sache der Provinzregierung ist. - Denken wir nur an die Autobahnpläne, diese Trasse ist Sache des Gobierno de Canarias und nicht der Inselregierung, dennoch zeichnet man diese Trasse in den Inselplan ein, obwohl es längst anderslautende Abmachungen zwischen der Provinzregierung und den betroffenen Gemeinden gibt. - Das führte ja schließlich auch zu den vielen tausend "Alegaciones", von denen wir übrigens noch nichts gehört haben, ob die denn Magenleiden im Cabildo Insular erzeugen.

Was jetzt allerdings an die Presse kommt ist eine Abmachung zwischen der Inselregierung und Vertretern der einzelnen Gemeinden La Palmas, und die besagt, dass der Inselplan wohl revidiert wird und man die Planungen der Gemeinden respektiert, und den PIOLP dahingehend ändert. - Das widerspricht zwar der Hierarchie der Pläne, nicht aber dem zeitlichen Ablauf der Planerei, denn zu viele Ungereimtheiten zwischen den lokalen Plänen und dem Inselwerk, gefährden ganz klar den weiteren Weg der PGOUs, die sehnsüchtig von den Bürgern erwartet werden, damit endlich Planungssicherheit herrscht und man weiß, ob man hier oder da bauen kann, oder hier und da auch ein Gewerbe erstellen darf. - Das ist nämlich so ziemlich der einzige Punkt welcher für den einzelnen Bürger tatsächlich interessant ist, neben den Änderungen der Nutzungszonen und den großen Infrastrukturplänen, wobei wir wieder bei der Autobahn wären. - Leider erfahren wir hierbei allerdings nicht, ob die Respektierung lokaler Planungen auch die diese neue Verkehrstrasse beinhaltet, und damit den Gemeinden El Paso und Breña Alta dieses zerstörerische Bauwerk erspart. - Nix wissen wir, gar nix, und wer es wissen sollte oder müsste, die erzählen auch nix, weil sie sich auch nicht sicher sind, ob das denn auch alles richtig ist, was man da denn plant und verordnet. - Dazu kommt noch der Zeitfaktor, sowohl die lokalen Pläne, wie auch der Inselplan sind zu Zeiten gebastelt worden, als wirtschaftliches und demographisches Wachstum noch von Gott oder ähnlichem, gegebenes Grundrecht erschien, wir aber längst komplett andere Voraussetzungen für unsere Zukunft vorfinden, als noch vor 10 Jahren. - So erweist sich heute vieles in den Plänen bereits als nicht tragbare Annahme, aber noch bevor man diese Bereiche zu novellieren beginnt, sucht man zunächst diese historischen Irrtümer festzunageln, weil sonst werden diese Pläne ja niemals fertig. - Und es ist gerade dieser plötzliche planerische Ehrgeiz, der uns zu denken gibt, als müsse bis ins Jahr 2011 alles dicht und verrammelt sein, denn man ahnt deutlich, dass in der nächsten Legislaturperiode andere politische Kräfte viele lokale, aber auch die Inselkorporation leiten werden. - Aber immerhin, mit solchen Plänen kann man dann planvoll in eine ungesicherte Zukunft reisen, wir sollten daher nicht immer so undankbar sein…



Mittwoch 09.12.09 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 23 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 54 % - Luftdruck 1019 hPa
Höchsttemperatur heute 26,0 Grad - niedrigste Temperatur 13,2 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 22,9 - Temp. Min 7,8 - Feuchte 24 - 49 % Niederschlag 0 mm

Silvergamer
Die Wii als Therapie

Allerdings versichert man uns, auf der Wii würden nur Knobelspiele und "Big Brain Academy" gespielt. - Wer das glaubt, der gehört ins Altenheim. - Genau da stehen auch diese Konsolen und haben zumindest in einer dieser Einrichtungen in Santa Cruz wohl die Senioren wieder richtig auf Trab gebracht. - In der Tat wollte man mit diesen Geräten versuchen, auf der einen Seite Unterhaltung in den sonst eher bekannten Tagesablauf bringen, und auf der anderen Seite wirklich damit Gehirnjogging mit den Senioren machen. - Warum nicht, allerdings könnte man auch vermuten, man wolle die älteren Herrschaften nur beschäftigt wissen, weil man vielleicht zu wenig Personal hat, um andauernd irgendwelche Unterhaltung zu produzieren. - Sei es wie es sei, die Senioren scheinen aber sehr zufrieden mit der Spielmöglichkeit, und es käme bereits zu erheblichen Wartezeiten, bis Tante Remedios endlich an die Wii darf, weil Opa Marcelino wieder die ganze Zeit gezockt hat. - Ich finde das völlig in Ordnung und in der Tat gibt es wohl eine zunehmende Zahl von Senioren, die eben auch am Rechner oder an der Konsole "gamen", und die Industrie hat dafür nicht nur einen Namen kreiert, eben "Silvergamer", sondern auch eine ganze Anzahl von Spielen herausgebracht, die genau diese Zielgruppe anpeilen. - Sicher versteckt man das vordergründig als Lernspiele und Gehirnjogging, aber ich bin mir sicher, dass die auch schon gelernt haben, wie man die DVD an der Kiste wechselt und sich bei den Enkeln so ein paar "echte" Scheiben mal ausgeliehen haben, um endlich auch die interessanten Spiele zu daddeln. - Ich bin mir sicher, dass sich die Senioren dabei besser unterhalten und aktiv werden als mit Kreuzworträtseln, den 5.000er Puzzeln oder dem Bingo, wo es dann immer einen Werbekugelschreiber zu gewinnen gibt. - Die Wii rockt das Altersheim, und das ist gut so.

Weiter können wir nun das Wetter doch etwas genauer definieren und sind uns jetzt eigentlich sicher, dass uns in der Nacht von Freitag auf Samstag das nächste anrauschende Tief doch auch erwischt. - Das würde endlich Regen für die Westseite bedeuten, nachdem bislang alles zumindest an La Palma vorbeigezogen ist. - Tenerife und Gran Canaria haben ja den Regen bereits vor 2 Wochen gehabt, allerdings gleich wieder so viel, dass es zu Überschwemmungen und Erdrutschen kam. - Wir hoffen also, dass uns das nun kommende Tief nicht nur endlich Regen für die Westseite bringt, sondern der Niederschlag auch noch angenehm und richtig fällt. - Also zuerst mal ein bisschen Regen, damit die Erdoberfläche sich überhaupt erst öffnen kann, und dann ein paar Stunden später wollen wir aber mindestens 20 Millimeter haben fürs Erste, damit sich die Geschichte auch wirklich lohnt. - Was allerdings fatal wäre, und so ist es ja auf Tenerife und Gran Canaria geschehen, dass sofort große Regenmengen gefallen sind und der Boden überhaupt noch nicht in der Lage war dieses Wasser aufzunehmen. - Dann wird aus dringend erwartetem Niederschlagssegen sogar noch Unheil, einmal kann das viele Wasser gar nicht genutzt werden und auf der anderen Seite fördert solch schneller und heftiger Regen auch gleich wieder die Erosion. - Dabei müssen wir besonders die Zonen im Süden der Insel beachten, die vom Waldbrand im August betroffen waren und noch nicht wieder genügend Vegetation aufgebaut haben, um zu viel Wasser davor abzuhalten, das Erdreich beim Ablaufen mit in den Barranco und später ins Meer zu spülen. - Wir wünschen uns also nicht nur Regen, sondern auch noch wie er fallen muss. - Ganz schön wählerisch die Leute hier…



Mittwoch 09.12.09 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 14 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 44 % - Luftdruck 1020 hPa

Lucha asfáltica
Am Freitag erneute Versammlung gegen die Asphaltwerke im Aridanetal

Die Bemühungen die Asphaltwerke aus dem Aridanetal fernzuhalten gehen in die nächste, und wohl entscheidende Runde. - Man hat nun einen Anwalt aus Tenerife beauftragt gegen das Genehmigungsverfahren anzugehen, welches von der Provinzregierung nach unserer Meinung fälschlicherweise positiv bewertet wurde. - Vielleicht erinnern Sie sich, das Gesetz sieht vor, dass innerhalb eines Umkreises von 2.000 Metern um solch eine Industrie keine menschlichen Siedlungen sein dürfen, aber im Genehmigungsverfahren hat man eine andere Terminologie benutzt, und von städtischen Siedlungen gesprochen. - Außerdem gab es keinen öffentlichen Aushang des Genehmigungsverfahrens, auch ein weiterer Stichpunkt gegen den man angehen kann. - So wird auch die Argumentationskette des Anwaltes der "Plataforma contra el asfalto" aussehen, denn wie der gute Mann sagt, ihr habt zu 100 Prozent Recht, also eine 50 prozentige Wahrscheinlichkeit, dass ihr auch Recht bekommt. - Interessantes Schlagwort, welches wir da hören, aber wir müssen das mindestens pragmatisch sehen, und eben auch noch durch die Brille der durch Einflussnahme politischer und interessenbehafteter Lobby behafteten Gesellschaft. - So droht der Bürgermeister von Los Llanos bereits jetzt mit den Konsequenzen die es mit sich bringen würde, wenn man gegen das Asphaltwerk angeht, die Schadensersatzforderungen des Betreibers, die sicherlich kommen werden, gingen letztendlich zu Lasten der Allgemeinheit, und das sei mindestens kontraproduktiv. - So ganz Unrecht hat er damit auch nicht, deshalb richtet sich der Blickpunkt der anwaltlichen Tätigkeit auch nicht gegen die Betreiberfirma selbst, sondern gegen das Genehmigungsverfahren. - Man wird also nicht die Schließung, oder den Bausstopp der Anlage fordern, sondern eine Neubewertung des Verfahrens, welche die Genehmigung dieser Anlage zur Folge hatte. Da sind keine Schadensersatzansprüche zu erwarten, denn es geht nun um politische und technische Kompetenzen, die fehlerhafte Entscheidungen getroffen haben. - Das erscheint mindestens klug so zu agieren, einen langjährigen Prozess gegen die Betreiberfirma, mit Gutachten, Gegengutachten, das ist wohl kaum bezahlbar und wir dürfen dabei auch nicht vergessen, dass die Erlaubnis für eines der beiden Asphaltwerke dort im Industriegebiet von Los Llanos bereits erteilt worden ist.

Der Anwalt, den die "Plataforma" sich gegönnt hat, ist Felipe Campos. - Bei dem Namen zittern und schaudern bereits viele Institutionen auf Tenerife und anderen Inseln, gilt doch dieser Rechtsanwalt als DER Experte in Sachen Klagen gegen institutionelle Entscheidungen. - Sie geben einfach mal bei "google.es" den Namen Felipe Campos ein, vielleicht noch mit dem Zusatz "Abogado", weil Felipe Campos gibt es viele in Spanien, und schon erscheinen eine Unzahl von Artikel über den äußerst streitbaren Herren in Sachen institutioneller Willkür, und seine Erfolge auf der Suche nach dem Recht für die Bürger, die von planerischer Megalomanie überrannt werden. - Solch ein juristisches Dickschiff ist natürlich nicht für den berühmten "Appel und ein Ei" zu haben, aber es wäre schlichtweg sinnlos, diese Dinge in die Hand eines hiesigen Anwalts zu geben, der sich sonst mit Scheidungen oder Grundstücksgrenzen beschäftigt. - 12.000 Euro sind die Anwaltskosten für die erste Instanz, von der wir hoffen, dass es auch die Letzte sein wird, immer damit gerechnet, dass alleine der Auftritt und die Androhung "Felipe Campos" die Gegenseiten dazu bewegen wird, nicht in weitere Instanzen zu gehen. - So viel Geld hat aber die Plataforma noch nicht, es fehlen locker noch 6.000 Euro, und die gilt es jetzt schnell zu beschaffen. - Da sind Sie natürlich wieder gefragt, und ich darf vielleicht daran erinnern, dass in dem direkt betroffenen Gebiet, aber auch in den angrenzenden Regionen, nachdem dort die Asphaltwerke ihre fatalen Schlote in den Himmel recken, kein Tourismus mehr möglich sein wird, denn niemand will auf die Grüne Insel reisen, um dann im Einflussgebiet von giftiger Industrie zu verweilen. - So ist das nicht nur ein Frage von Anwohnern, die dort aktiv bedroht sind, sondern es geht auch um wirtschaftliche Existenzen und bei der Vielzahl der touristischen Objekte die es dort in der betroffenen Region gibt, ist es fast schon verwunderlich, dass manche noch zögern, ihren Beitrag für zukünftige touristische Aktivitäten in der Region zu leisten. - Dabei darf man an mindestens dreistellige Summen denken, wenn man sich vor Augen hält, dass hunderte von touristischen Einrichtungen nach der Inbetriebnahme eines oder beider Werke einfach nicht mehr zu vermieten sind, denn es wird niemandem verborgen bleiben, dass dort diese Industrie wirkt. - Alles das wird nun am kommenden Freitag dem 11. Dezember auch noch mal auf der Versammlung der "Plataforma contra el asfalto" dargestellt werden, die dieses Mal im "Campo de Lucha" in Las Manchas stattfindet. - In San Nicolás, nur ein paar Meter von dort auf der Straße über Tacande nach El Paso. - 20:00 Uhr am Freitag. - Wir sehen uns!

Das Konto der Bürgerbewegung gegen die Asphaltwerke lautet:
Asociación Plataforma en Contra de la Instalación de Plantas de Asfalto en el Valle de Aridane.
IBAN ES 43 2065 0718 1714 0097 0190
BIC/SWIFT CECA ESMM 065
Bei der Caja Canarias.

Nun muss man aber nicht den ganzen Titel eintragen, "Plataforma contra el Asfalto" genügt vollkommen. - Wer hier auf der Insel ist und einzahlen will, der braucht nur die Kontonummer:
2065 0718 1714 0097 0190
Bei der Caja Canaria




Der erhellte Kreis sind die 2.000 Meter um das eine bereits genehmigte Asphaltwerk, so kann sich jeder einen Eindruck davon machen, welch riesiges und vor allem dicht bewohntes Gebiet direkt betroffen ist.




Dienstag 08.12.09 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 21 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 50 % - Luftdruck 1019 hPa
Höchsttemperatur heute 24,8 Grad - niedrigste Temperatur 13,5 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 18,1 - Temp. Min 5,3 - Feuchte 28 - 65 % Niederschlag 0 mm

Kurze Weile
Mehr fällt mir dazu nicht ein…

Schifffahrtsmuseum auf private Spenden angewiesen. - Wer kennt es nicht, das stolze Schiff an der Plaza de la Alameda, welches ein Nachbau der Santa Maria sein soll. - Dort in Santa Cruz, im Inneren und unter dem Schiff ist unser "Museo Naval de Santa Cruz" in wahrsten Sinne des Wortes untergebracht. - Seit einem Jahr ist es nun wieder geöffnet, nachdem es jahrelang wegen Umbau- und Renovierungsarbeiten geschlossen war. - Jetzt hat eine Familie die Sammlung dort im Museum durch eine private Spende deutlich erweitert. - Alter Seekarten, Schlachtenbilder aus der Marinefraktion und ein Modell eines Kriegsschiffes, ganz aus Holz gebastelt. - Hört sich nun für museenverwöhnte Mitteleuropäer nicht nach so viel an, aber man muss wissen, dass wir bei fast allen unseren Ausstellungen auf private Stiftungen angewiesen sind und man sich natürlich darüber sehr freut, wenn die Sammlung wieder mal um ein paar Stücke angewachsen ist. - Böse Zungen behaupten ja, das geht alles nur ins Museum bevor es auf dem Trödel landet, aber wer eine böse Zunge hat, der verbrennt sich diese morgen Früh sicherlich am ersten Kaffee.

Der Pilz ist wieder en vogue, oder soll es werden. - La Palma ist, zumindest in den Bergen der Ostseite voller Pilze. - Kleine, große, giftige, genießbare und herrlich schmeckende Pilze warten dort im Wald darauf eingesammelt zu werden und von Pilzliebhabern verspeist zu werden. - Allerdings sind in unserer Gastronomie Pilzspeisen so gut wie nicht zu finden, sieht man mal von den Varianten Champignons und Austernpilzen ab, die eben aus Zuchten stammen. - Dabei haben wir hier herrliche Speisepilze, aber die traditionelle Küche kennt diesen Schatz einfach nicht, der Pilz ist nicht direkt des Pedro Normalverbraucher Dauerspeise, einzig die "Nacidas", auf deutsch als Wurzeltrüffel bekannt, werden als ganz junge Pilze in traditionellen Rezepten verarbeitet. - Es gibt aber so viele mehr, unter anderem auch Pfifferlinge, gar in großen Mengen, und auch Steinpilze und andere Speiseschwammerl, dass es immer wieder sehr schade ist, dieses Geschenk der Natur nicht weiter verbreitet, in der Gastronomie zu finden. - Jetzt gibt es wieder mal den Versuch, angestachelt von der Tourismusabteilung der Provinzregierung, gegen dieses kulinarische Manko anzugehen. - Dazu hat man Ausflüge zum Refugio el Pilar organisiert und auch Restaurants in Tazacorte und Los Llanos gefunden, die jetzt Pilze der Insel auf ihre Speisekarte setzen. - Und wenn dann auch noch die Brauerei fertig ist, das soll ja auch bald geschehen, dann gibt es das palmerische Menü Pils an Pilz und ich fordere hiermit öffentlich das Recht des ersten Tellers…





So sehen die "Nacidas" aus. - Allerdings sind die abgebildeten Exemplare bereits zu groß und zu lange aus der Erde, die werden nur ganz klein und ganz frisch gegessen.




Dienstag 08.12.09 10:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 19 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 55 % - Luftdruck 1019 hPa

Verkehrssünder am Pranger
Datenschutz kann so lustig sein

Früher, als alles anders war und nur manches besser, da konnte man lokale Strafzettel hier eigentlich komplett vergessen. - Meist wurde falsches Parken nicht weiter verfolgt, und wenn es sich um Ausländer handelte, dann sowieso nicht. - Das hat sich in den letzten Jahren geändert, die Guardia Civil verschickt inzwischen die Strafzettel auch europaweit, und wer darauf nicht reagiert, der kann, wenn es ganz blöd läuft, dann bei seinem nächsten oder übernächsten Aufenthalt in Spanien sogar seinen Führerschein abgeben müssen. - Allerdings ist uns hier noch kein Fall bekannt, wir sind aber auch nur ein kleines Inselchen. - Eine weitere Eigenart des hiesigen Umgangs mit Verkehrsstrafen, ist die großzügige Rabattierung, für den der dann doch zahlt. - So sind 30% auf jeden Fall drin, wenn innerhalb von 14 Tagen nach Eingang der Benachrichtigung eingehalten werden, und man will diesen Rabatt sogar noch auf 50% aufstocken. - Eine ziemlich ungewöhnliche Handhabung von solchen Dingen, mag aber vielleicht auch an den ohnehin hohen Strafen liegen, die bereits für falsches Parken bei 90 Euro liegt. - Wir haben aber auch schon oft genug erlebt, dass man auch nach vielen Wochen noch den rabattierten Betrag akzeptiert, vielleicht ist es denen dann einfach zu blöd oder zu aufwendig, den Restbetrag noch nachzufordern. - So deutsch sind war dann doch noch nicht, dass Centbeträge per Mahnbescheid eingefordert werden. - Aber dennoch mein Tipp, entweder legt man gleich nachdem man den Strafzettel erhalten hat, Einspruch dagegen ein, weil man sich falsch behandelt fühlt, oder aber man überweist den rabattierten Betrag einfach und verhält sich das nächste Mal im Straßenverkehr einfach anders.

Die Stadt Santa Cruz geht jetzt auch einen neuen Weg, das Geld von säumigen Sünderchen einzutreiben. - Allerdings nur von denen, welche auf dem Postweg nicht zu benachrichtigen waren, weil entweder die Adresse nicht mehr stimmt, die noch beim Verkehrsamt für diese Autonummer hinterlegt war, oder auch von solchen, die einfach auch nach einer weiteren Aufforderung nicht bezahlt haben. - Eine weitere Möglichkeit ist ja auch, dass das Auto an dem Tag an dem die Verkehrsstrafe ausgesprochen wurde jemand anders gefahren hat. - Der Halter gibt dann üblicherweise den Strafzettel an den "Sünder" weiter, wenn der aber dann nicht bezahlt, dann fällt die Sache halt wieder auf den Halter zurück. - Die Namen dieser Verkehrssünder erscheinen nun im offiziellen Amtsblatt, im "Boletín Oficial de la Provincia Santa Cruz de Tenerife", mit dem Hinweis versehen, dass man nun noch mal 15 Tage Zeit hätte entweder die Strafe zu bezahlen, oder eben Widerspruch einzulegen. - Ansonsten gehen die Daten weiter, von der Stadt an die Gerichte, die dann Strafverfahren einleiten werden, mit all den möglichen Konsequenzen. - Wer dann nicht reagiert, oder wieder nicht aufgefunden werden kann, bei dem kann es bis zum Führerscheinentzug gehen, zusätzlich natürlich zu hohen Kosten. - Man ist also seitens der Stadt Santa Cruz nicht mehr gewillt, diese ausgesprochenen Strafen irgendwann einfach in den Papierkorb zu treten, so wie man es früher gemacht hat. - Dabei ist allerdings fragwürdig, ob die Veröffentlichung der kompletten Namen, Anschrift, Autonummer, Ausweisnummer, Höhe der Strafe, Paragraph des Vorwurfes und Tag des Deliktes, mit dem Datenschutzgesetz vereinbar ist. - Denn diese Daten sind nun allgemein und jedem zugänglich und gerade hier in Spanien hat man noch Anfang 2008 eine enorme Kampagne über Datenschutz anlaufen lassen. - Da werden Namen von Verbrechern, also nicht Falschparkern, nur noch abgekürzt veröffentlicht, und jeder der über andere schreibt, muss jeden Moment fürchten, deswegen belangt zu werden, und die Stadt veröffentlicht nun die Datensätze von 120 Personen, die einfach nur falsch geparkt haben. - Auf der anderen Seite muss man natürlich auch einsehen, wie denn die Stadt nun an ihr Geld kommt, wo man doch schon alles andere versucht hat. - Mit dieser Veröffentlichung will die Stadt sich aber auch wiederum schützen vor dem späteren Vorwurf mancher Beschuldigter, sie hätte ja nicht gewusst, dass gegen sie etwas vorliegt. - Nun darf man natürlich auch wieder die Frage stellen, wer bitte liest denn schon jeden Tag oder jede Woche das offizielle Amtsblatt und da kann man nur erwidern, besser wäre es schon, denn was darin veröffentlicht wurde, das gilt auch als mitgeteilt. - Allen deutschen Mitbürgern darf ich aber mitteilen, dass zwar ein paar Ausländer auch auf diesen Listen stehen, aber kein einziger auch nur halbwegs deutsch klingender Name.





Montag 07.12.09 19:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 19 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 55 % - Luftdruck 1019 hPa
Höchsttemperatur heute 23,2 Grad - niedrigste Temperatur 14,8 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 15,8 - Temp. Min 6,3 - Feuchte 29 - 66 % Niederschlag 0 mm

Der Frieden kam ein Tröpfchen später
Höchste Umsätze am Feiertag

Was bringt mich eingefleischten Westseitenfetischisten dazu, innerhalb von zwei Tagen gleich zweimal nach Santa Cruz zu fahren. - Ich könnte Ihnen jetzt erzählen, des Friedens wegen, weil das "Friedensschiff" doch noch gestern nach Santa Cruz gekommen ist, halt etwas später als angekündigt, aber das entspräche nur der halben Wahrheit. - Des Friedens Willen stimmt schon, aber doch mindestens zur Hälfte für den Familienfrieden, denn es galt dann doch heute noch Shoppingtempel zu besuchen, die bei unserem gestrigen Aufenthalt in der Hauptstadt nicht geöffnet hatten. - Und siehe da, die Stadt, trotz des Feiertages war voll, welch Graus für einen Bauern aus El Paso, der mit seinem über fünf Meter langen Auto gewohnt ist einspurig zu fahren, vorwärts einzuparken und eigentlich auch nur dort wo man ihn kennt, und ihm deshalb gleich einen Platz frei hält. - Dort in der Hauptstadt verliert man halt als "Mago de El Paso" auch völlig seinen Lokalistenrabatt, und muss sich einreihen in die Reihen der Eingereihten. - Allerdings hatte das meine Familie geschickt eingefädelt, ich durfte zuerst die "Zamná" besuchen, dieses beeindruckende Holzschiff aus Mexiko, welches mit einer Friedensbotschaft die Welt umkreist, und eben auch ein bisschen dieses Lohnes irdischen Verzückens bei uns lassen will. - Mich faszinieren Schiffe immer schon, allerdings nicht gleich jeder dahergelaufene Kahn, so ein bisschen ausgefallen darf es schon sein. - Es darf ausgefallen groß sein, ausgefallen alt, oder ausgefallen schön, oder eben im Fall der "Zamná" ausgefallen ausgefallen. - Natürlich lockt die Geschichte mit der Friedensmission rund um die Welt schon, aber ausgerechnet Kabul hat keinen Hafen, aber wer als junger Mensch bereits in den naiven Topf des pazifistischen Zaubertranks gefallen ist, der legt das halt auch später nicht mehr ab. - Muss ja auch nicht sein, es gibt Schlimmeres, das zeigt man mir eigentlich täglich, wenn auch nicht um jede Ecke, dann spätestens in der Tagesschau.

Ein witziges Schiff, mir kommt es fast so vor, als hätte man versucht, aus Holz ein Schiff in Form einer Taube zu basteln, Sie wissen ja, die alte Symbolik mit der Friedenstaube. - Die beiden Ausleger, die dieses Schiff zum Trimaran machen, lassen dann auch solch ein Aussehen näher rücken, allerdings sind es ziemlich stummelige Flügel, was man seitens der Bootsbauer auch so ausgelegt haben kann, dass eben unser Frieden nicht auf breiten und festen Schwingen daherkommt. - Eine wirklich Friedenstaube gibt es dann noch mal als Galionsfigur, aufgesetzt auf einen Bug, der nach oben hin geschlossen ist, so als wäre das Vorschiff der Kopf der Taube. - Drei Deckshäuser verleihen den Aufbauten etwas Ungereimtes, die sehen so ein bisschen nach der Kon-Tiki aus, der schwere Rumpf aus wunderschönem Holz widerspricht dem aber drastisch, und in beeindruckender Stärke. - Von hinten hat das Schiff mit seinen Heckslaternen und den Fenstern achtern sogar etwas von einem englischen Linienschiff, und von weitem könnte man meinen, die Luken seien Stückpforten, aus denen man gleich mächtige Achzehnpfünder ausfährt. - Aber das ist ja das Friedensschiff, und mein Eindruck rührt wohl nur daher, dass ich zu viele "Hornblower" und "Bolitho" Geschichten gelesen habe. - Natürlich nur rein zu Studienzwecken, so einfach machen Sie mir den Pazifisten jetzt nicht locker… Ein wirklich beeindruckendes und völlig anderes Schiff, passt in keine Klassifizierung und schon gar nicht in irgendein Konfektionsmuster. - Verspielt bis fast kitschig, und gerade eben passt es noch nicht in Fantasy-Geschichten rein, vielleicht aber auch nur deshalb nicht, weil der Dieselgenerator doch sehr weltliche Töne von sich gab. - Es muss Spaß machen mit diesem so unorthodoxen Schiff die Welt zu bereisen, mein längst gebremstes Fernweh und meine besten Wünsche begleiten die "Zanmá" auf ihrem weiteren Weg. - Möge ihnen immer ein günstiger Wind beschert sein, ich meine wegen des Friedens und so, ansonsten hilft ja der Diesel weiter.

Nein, wir sind noch nicht fertig, da war ja auch noch der ungebündelte Einkaufsdrang meiner Damen diesen Sonntag zu beschwichtigen. - Es war kein Kreuzfahrtschiff heue im Hafen, so hätte man auf freie Fahrt oder besser freien Gang durch die Stadt hoffen können, aber da habe ich mich komplett geschnitten. - Der Feiertag, oder besser der Ersatzfeiertag wurde von den Hauptstädtern aber auch von weiter her angereisten Menschen als Einkaufstag genutzt. - Jeder der heute in Santa Cruz seinen Laden geschlossen ließ, der hat sicher einen großen Fehler begangen, denn die Stadt brodelte vor Menschen, die auch schon reichlich Trophäen der scheinbaren Krise in den Händen hielten, da war keiner mehr ohne Tüte oder Karton unterwegs, es sei denn, noch vom Parkplatz in die Läden. - Und was es dort alles für Läden gibt, von denen ich bislang immer nur aus den meist so unglaublichen Geschichten meiner Töchter gehört habe. - Ich dachte "Stradivarius" sei eine Verballhornung eines anderen Namens, und "Pull and Bear" gibt es tatsächlich, die heißen bei uns ab jetzt aber nur noch pullernder Bär und dann weiß zukünftig sogar ich noch was gemeint ist. - Zum Glück gibt es Tiefgaragen in der Avenida del Puente, die das unten am Wasser kulminierte Verkehrsproblem gierig schluckten, wobei die Parkhäuser der Einkaufszentren besser frequentiert wurden, als das Öffentliche, wo man einen kleinen Obolus abdrücken muss, um sein rollendes Freiheitssymbol endlich loszuwerden. - Wir mussten dann auch noch in einen solchen Supermarkt, schließlich muss ein Mittagessen her, und unser Haushalt ist niemals komplett mit allem Notwenigen bestückt. - Allerdings war das keine gute Idee, denn heute am Feiertag waren alle sonst arbeitenden oder anderswie beschäftigten Männer mit in dem Laden und bewiesen ihre Unfähigkeit Einkaufswagen zu fahren genau so wie Sofortentscheidungen zu treffen, welche Wurst oder Käse es denn nun sein sollte. - Die Wagen waren allesamt brechend voll geladen, man hätte meinen können, das sei der letzte Öffnungstag vor Weihnachten gewesen, aber es war wohl eher der letzte Tag vor dem Fest, wo es den Frauen gelungen ist, den Mann oder männlichen Begleiter mit in diese unsägliche Veranstaltung zu schleppen, die da Einkaufen heißt. - Da fahren die wochentags einen Vierzigtonner einhändig und rückwärts durch eine enge Seitengasse, dort im Tempel des Konsums aber knallen die mit den Einkaufswagen gegen jedes Regal und jedem der es wagt, vor ihnen zu laufen, der bekommt das Ding auch noch in die Hacken geschoben. - Da verticken die wochentags Versicherungen, Waren oder Aktien in Millionenhöhen, wenn die Frau diese männlichen Wesen dann aber losschickt, sie sollten 200 Gramm Käse besorgen, dann stehen die verloren vor der Theke und wissen nicht, was sie denn nun kaufen sollen und besonders, warum denn überhaupt. - Und dann beim Einpacken an der Kasse, so langsam kann keine Kassiererin sein, auch bei uns nicht, dass man da die Männer komplett überfordert, die vielen kleinen Artikelchen so in Tüten zu packen, dass kein wirkliches Unglück geschieht. - Meist greift dann aber die SIE ein und schickt IHN vom Einpacken zurück an den Wagen, er solle doch lieber die Waren auf das Band legen, das mit dem Verpacken übernimmt nun die Dame des Hauses selbst. - Allerdings ist das auch nicht wirklich produktiv, denn während ER nun die Artikel einzeln aus dem Wagen nimmt, besieht er sich jeden Einkauf noch mal ganz genau und fragt, zumindest bei fast jedem Artikel: "Schatz, brauchen wir das wirklich?" - Allerdings wird SIE dabei meist nicht wütend, sondern sucht und findet schnell diesen solidarischen und zutiefst weiblichen Blickkontakt mit anderen Frauen, denen eben gerade die gleichen dämlichen Fragen gestellt wurden. - Uns Männern fällt das nie auf, selbst die Kassiererinnen grinsen mit und DIE freuen sich dann auch noch diebisch, den Männern das Endergebnis des Einkaufes in süffisanten Eurozahlen vor die verdutzte Brust zu singen, da SIE ja immer noch mit Einpacken beschäftigt ist. - Dann folgt meist der erste ernsthafte Blickkontakt zwischen IHR und IHM, weil der Trottel einfach nicht glauben kann, dass man für diese paar Lebensmittel so viel Geld ausgeben kann. - Solche Tage können Ehen fester machen, oder zerstören. - Und ich kann allen Frauen nur raten, bevor man sich einen Kerl aussucht zum heiraten, einmal an einem Haupteinkaufstag in einen Supermarkt in Santa Cruz mit IHM zu fahren. - Alles Weitere ergibt sich dann ganz von selbst. - Und sollten Sie aus unerfindlichen Gründen gerade nicht auf La Palma sein, was ich übrigens gar nicht empfehlen kann, ein handelsüblicher Supermarkt in Barsinghausen oder Pinneberg tut es auch. - Nur richtig voll muss es sein, sonst bringt das nichts.

















Montag 07.12.09 10:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 16 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 60 % - Luftdruck 1020 hPa

Fünf Jahre Bananenmuseum…
…und immer noch ist die Banane krumm

Eigentlich macht man ja Museen für Dinge, Bereiche oder Ressourcen, wenn diese bereits in die geschehene Historie eingetaucht sind. - So hatten wir ja alle ein bisschen Angst vor 5 Jahren, man könnte uns per Museum auf das Ende der Bananenproduktion auf La Palma langsam vorbereiten. - Ist natürlich nicht so, oder wir haben das noch nicht erkannt, das Bananenmuseum soll dem geneigten Besucher einfach nur die große Bedeutung dieser Pflanze für unsere Insel näher bringen und auch erklären, wie das denn überhaupt funktioniert mit den Bananen. - Übrigens wird dort nicht erklärt, wie das mit den Hilfen/Subventionen läuft, das verstehen sowieso die allerwenigsten und interessiert die Besucher von außen auch höchst selten. - Das Bananenmuseum steht natürlich in Tazacorte, wo sonst möchte man meinen, denn diese Stadt ist wie keine andere auf der Insel vom Bananenanbau geprägt. - Auch der Stadtkern ist eingerahmt von Plantagen, genau so wie das Museum selbst, passender kann man solch eine Einrichtung gar nicht hinsetzen. - Vom Zentrum Tazacortes geht man ein bisschen in Richtung Puerto de Tazacorte, und dann wird man per Hinweisschild auch schon zum Museum links runter in die Bananen gelockt. - Das Haus und der Vorplatz sind sehr ansprechend renoviert, die alte Bausubstanz, da wo möglich, komplett erhalten geblieben, das hat man richtig gut und ansprechend gemacht. - Allerdings wundert es einen ein bisschen, dass man für die 5 Jahre lediglich mit 15.000 Besuchern aufwarten kann, das ergibt pro Tag an die acht Gäste die sich über unsere erste Einnahmequelle informieren wollen. Da hat man entweder sehr schlecht gezählt, oder man muss sich sehr über das fehlende Interesse unserer Inselbesucher über die kleinen gelben Freudenspender doch sehr wundern. - Vielleicht machen wir auch zu wenig Werbung dafür, und viele unserer Gäste wissen gar nicht, dass es dieses Museum überhaupt gibt. - Aber vielleicht sollen wir auf diesem Sektor auch nicht unbedingt mehr erwarten, die Banane, oder besser gesagt die "Plátanos" sind ja hier und besonders im Aridanetal allgegenwärtig, und der Besucher von außerhalb findet das auch wegen der vielen Gewächshäuser dann auch nicht unbedingt als schön oder so bemerkenswert, dass man sich weiter darüber Gedanken machen will. - Aber ohne die Banane gibt es eben kein La Palma wie man das heute erleben darf, und auch wenn man sich über den hohen Wasserverbrauch aufregen mag, die Behandlung mit Pestiziden und die sicher nicht schönen Kunststoffzelte, alles was nach den Bananen kommt, das ist sicher noch viel schlimmer, wenn wir nicht rechtzeitig lernen, einen verträglichen Strukturwandel hinzulegen. - Im Moment wäre der schnelle Tod des großflächigen Bananenanbaus auf La Palma der aus Not heraus geborene Startschuss für Massenurbanisationen für touristischen Zwecke in den dann freien Gebieten, vieles dürfen wir uns wünschen, aber Hotels, dort wo jetzt Bananen stehen, das kann nicht des palmerischen Pudels Kern sein.





Sonntag 06.12.09 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 19 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 59 % - Luftdruck 1019 hPa
Höchsttemperatur heute 20,7 Grad - niedrigste Temperatur 16,7 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 12,6 - Temp. Min 8,3 - Feuchte 44 - 64 % Niederschlag 0 mm

Hab den Frieden nicht gefunden, aber Spielzeugpistolen
Sonntäglicher Ausflug nach Santa Cruz endet auf dem Trödelmarkt

Unsere große Tochter hat da ein Gespür was so etwas angeht, die hat gleich Müdigkeit und dringenden Handlungsbedarf auf Matratzenhorchebene angekündigt, und sich dem Adventsausflug nach Santa Cruz verweigert. - Kollektiven Zwang gibt es bei uns in der Familie sowieso nicht, nur höchstens mehr oder weniger Taschengeld, da schlägt der Kapitalismus auch bis in die Gute Stube durch, auch ich muss zugeben, ein gewisses finanzielles Belohnungssystem eingeführt zu haben, was übrigens deutlich wirkungsvoller ist als Stubenarrest oder Gartenarbeit. - Schluss mit dem Vorgeplänkel aus der Reihe missglückte Erziehungsversuche, und auf nach Santa Cruz. - Das "Friedensschiff" sollte dort gestern bereits angelegt haben, der Trimaran "Zamná", der in Mexiko von dortigen Bootsbauern hergestellt wurde, um mit einer Friedensbotschaft die Welt zu bereisen. - Gut, wir sind auch ein Teil der Welt, irgendwie, kommt es mir manchmal in den Sinn, und solch ein interessantes Schiff, auch noch mit so eine pädagogischen Aussage in der Bilge, das muss man doch besuchen, und schon hat man wieder ein paar Fotos und was zu Schreiben. - Allerdings haben wir das Schiff nicht gefunden, und von den Fotos aus dem Netz weiß ich ziemlich genau, dass es kein U-Boot ist, aber das kommt schon mal vor, dass auf solchen Reisen irgendetwas dazwischen kommt und der Routenplan geändert werden muss. - Wenn man schon mal in Santa Cruz ist, auch wenn man den Frieden nicht gefunden hat, was übrigens eh schwer ist dort wenn man einen Parkplatz suchen muss, dann nutzt man aber doch gleich die Gelegenheit aus, den Hafen und den Trödelmarkt noch nach interessanten Begebenheiten zu durchsuchen.

Zwei Kreuzfahrtschiffe waren da, die bekannte Britenschaukel "Island Escape" und ein Schiff von Olsen Cruises, und auch da muss man britisches Publikum vermuten, denn ich habe da heute keine andere Sprache gehört als Englisch. - Diese Schiffe sind aber nicht so wirklich mit dem "Spirit" einer Queen Elizabeth II oder gar Queen Mary zu vergleichen, es handelt sich bei dem aus den Schiffen quellenden Leuten nicht um die Hutträger, die sich sonst in Ascot zum Dödel machen, oder die Bowlerhat-Fraktion aus der Londoner Innenstadt. - Nackte Oberkörper mit Tätowierungen sieht man da, zum Teil vom Bier, zum Teil vom Alter verformt, und wer behauptet hat, offene Sandalen mit weißen Socken seien eine deutsche Erfindung, mit dem scheue ich keine Diskussion. - "Resin four on bank holiday" - mit dem Wortspiel lasse ich Sie jetzt alleine, in der Hoffnung, dass nicht alle mich verstehen. - Also nicht gerade ein sehr kaufkräftiges oder kaufwilliges Publikum und ich hatte sehr viel Zeit die Menschen zu beobachten die da am Hafen rein- und rausgelaufen, oder zum Teil auch geschoben wurden, und diejenigen die zurück kamen, die hatten keine gefüllten Tüten in der Hand. - Den Trödelmarkt hatte man diesen Sonntag wieder zurück auf den Parkplatz beim Hafen beordert, und so war die Innenstadt auch nicht annähernd so belebt, wie das noch der Fall war, als man die Stände in der Fußgängerzone aufgestellt hatte. - Die allermeisten Läden waren so auch geschlossen, und der Versuch, Leben und geschäftiges Treiben rein nach Santa Cruz zu locken, der fand dieses Mal keine Auflösung. - Das sollte man sich noch mal anders überlegen, das hat schon besser geklappt. - Der Trödelmarkt selbst ist eine bunte und fast schreiende Ansammlung an Kitsch, Krempel und Lachsbrötchen, locker durchsetzt mit ein paar Gemüseständen, und hier und da mal ein palmerisches Produkt, hinter Bergen von Sonnenbrillen und chinesischem Tand fast erstickt. - Was uns überhaupt dazu bringt, sich durch diese Gassen an Unnotwendigkeiten zu schlendern, das konnte ich mir auch nicht beantworten, aber der Mensch ist wohl so, das bunte Klingeln von Glasperlen und ein mögliches Schnäppchen lockt trotz Evolution immer noch. - Da waren dann auch noch die Stände mit dem Plastikspielzeug, und den Pistolen und Gewehren für den robusten Stammhalter fürs Fest, und dabei dachte ich mir, dann, bist losgefahren um das Friedensschiff zu besuchen, und landest hier bei den Marketendern und Tandlern. - Die können auch nichts dafür, die suchen auch bloß eine Möglichkeit ihren Lebensunterhalt zu verdienen, und uns hat ja schließlich keiner gezwungen uns das anzusehen. - Nur meine große Tochter, die wusste das schon vorher, dass heute der Frieden in Santa Cruz wohl einfach nicht zu finden war.




Was wohl auf der Rückseite des Schildes steht, wenn die Aida kommt...




Sonntag 06.12.09 09:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 63 % - Luftdruck 1020 hPa

Nicht regelkonform - Aber wer stellt die Regeln auf?
La Palmas Wanderwege verschwinden von der offiziellen europäischen Karte

Die Polemik ist gesät, und letztendlich geht es wieder mal nur ums Geld. - Seit Tagen bereits diskutiert man über diese Nachlässigkeit seitens unserer Inselregierung, nicht die erforderlichen Mittel und Aktionen beigebracht zu haben, dass die "FEDME" (Federación Española de Montañismo y Escalada) - (Spanischer Verein für Bergwandern und Klettern) unsere Wanderwege weiterhin überwacht, und somit auch überprüft und bestätigt. - Das müsste sie tun, damit unsere Wanderwege auch weiterhin in der Karte der "EWV" (Europäische Wandervereinigung) auftauchen und dabei sei hervorzuheben, der Europäische Fernwanderweg "E7", der von der Donau bis zu den Kanarischen Inseln reicht. - Der Verlag Freytag und Berndt gibt dazu eine Karte heraus, allerdings im Maßstab von 1:3.500.000, was aber kein Wunder ist, muss doch ganz Europa da reinpassen. - Diese Wanderkarte gibt also nur einen allgemeinen Überblick, der Wanderer selbst muss sich dann schon noch Karten von mindestens 1:50.000 besorgen, wenn er überhaupt irgendwelche Anhaltspunkte für sein wanderliches Vorhaben erlangen will. - So ist diese Übersichtskarte dann doch eher als Werbung für manche Regionen zu betrachten, und dass dort auch ein Europäischer Fernwanderweg hinführt, reell erwandern wird das allerdings kaum jemand wenn man bedenkt, dass der "E7" in Portugal aufhört und man dann mit dem Schiff oder dem Flugzeug weiter auf die Kanaren muss, weil ihm sonst nach 2 weiteren Wanderminuten im Atlantik einfach die Luft ausgeht. - Es ist also eher symbolisch, aber wir wissen ja, dass Symbolik zumindest Ausdruckskraft besitzt und für Werbezwecke ganz gut gebraucht werden kann. - Aber ich wiederhole mich, für den Wanderer hier vor Ort ist eine Karte im Maßstab 1:3.500.000 absolut unbrauchbar, es ist also eigentlich gar nicht so viel passiert möchte man meinen, nur wenn wir jetzt nicht mehr von offizieller Verbandsseite als Region aufgeführt werden, die einen Europäischen Fernwanderweg in ihrem Programm hat.

Allerdings hat man sich das damit verbundene Werbepotential versaut und das ist deswegen gerade so unverständlich, hat man doch erst große Anstrengungen und Kosten auf sich genommen diese Geschichte mit dem "E7" Wanderweg ins Leben zu rufen und vor 2 Monaten auch noch die Generalversammlung der Europäischen Wandervereinigung auf die Insel gerufen. - Diese furchtbare Dissonanz muss also erklärt werden, denn eigentlich geht es um 30.000 Euro Gebühren, für 4 Jahre, welche der spanische Verband von La Palma verlangt, damit dieser unsere Wanderwege überprüft und homologiert. - Nur dann kann man uns eben das Prüfsiegel verpassen und eben auch in europäische Weihen und Höhen erheben und aus irgendeinem Grund ist das wohl einfach nicht geschehen. - In der Presse, besonders in der freien Blogwelt wird nun bereits heftig diskutiert darüber, es soll Verwerfungen zwischen unsere Inselregierung und den Wanderverbänden gegeben haben, die letztendlich wohl dazu führten, dass man diesen Betrag nicht mehr angewiesen hat. - Der politisch Verantwortliche dafür, Julio Cabrera, als Rat für Umwelt hier tätig, hat sich noch nicht offiziell zu dem Thema geäußert, und es wird mehr als interessant, was er denn dazu sagt, dass uns der Wanderverband nun als nicht überprüft und homologiert einstuft. - Es wird auch noch pikant, da nun der Verband verlangt, alle Insignien, die auf eine Zusammenarbeit mit der "FEDME" und der "EWV" hinweisen, von den Wanderwegen zu entfernen, sonst droht über das Ungemach der Nichterwähnung auch noch einen mögliche Konventionalstrafe. - Man kann darüber geteilter Meinung sein, ob solche Verbände, die ja schließlich keine behördlichen Institutionen sind, derart große Machtfülle einnehmen dürfen und damit über den Erfolg von Werbekampagnen entscheiden dürfen, aber man ist ja seitens der Inselregierung vor Jahren bereits diesen Weg gegangen, und damals kannte man die Spielregeln bereits, die man nun natürlich anerkennen muss. - Mit der Qualität unserer Wanderwege hat das nichts zu tun, die sind im kanarischen Vergleich sehr gut und werden auch laufend ausgebessert und gerade auch komplett neu beschildert. - Es ist halt einfach nur so, dass wir die Gebühr nicht bezahlt haben, damit man uns überprüfen darf und wir nun bald möglichst dafür auch von verantwortlicher Stelle erfahren wollen, warum das nicht geschehen ist.





Da war die Wanderwelt noch in Ordnung, Eröffnung des "E7" im Mai 2008




Samstag 05.12.09 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 19 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 59 % - Luftdruck 1019 hPa
Höchsttemperatur heute 20,9 Grad - niedrigste Temperatur 15,8 Grad

Es will einfach nicht regnen
Westseite La Palmas nicht in Not, aber in Sorgen

Das, was bislang diesen Winter auf der Westseite an Niederschlägen gefallen ist, das kann man getrost vernachlässigen. - Eigentlich hatte wir ja für dieses Wochenende auf Regen aus dem Westen gehofft, aber so wie es jetzt aussieht, kommt dieser eigentlich für uns bestimmte Ausläufer eines sehr großen Tiefs weit im Norden nun doch nicht mehr bis auf die Höhe der Kanaren. - Nächste Aussicht wäre dann wieder, zumindest laut den Aussagen des "GFS" (Global Forecast System) um den 12 Dezember herum, aber wie ich das Wetter diesen Winter einschätze… Da darf der Mitteleuropäer und mögliche Gast dieser Insel natürlich fragen, warum jammert der Siebold jetzt dem Regen nach, das ist doch phantastisch ohne Niederschläge, aber es gibt ja schließlich nicht nur den Tourismus, und schließlich haben wir ja auch noch den Ruf zu verteidigen, wir seien eine grüne Insel nahe der Sahara. - Sorgen um Wasser für die Landwirtschaft müssen wir uns jetzt aber noch nicht machen, die Nordostseite sammelt durch den Passat so viel Wasser, dass damit auch der Westen versorgt werden kann, aber das reicht eben nur für die bewässerten Felder, drum herum ist alles noch im braunen Sommerkleid und wenn es nicht bald regnet, dann wird es auch für die Ziegen schwieriger an Futter zu kommen, oder die Landwirte müssen teures Futter zukaufen. - Eigentlich sollten jetzt die Euphorbien blühen und die vielen Dickblattgewächse, von denen es hier auf La Palma auch eine große Anzahl an endemischen Arten gibt, aber das kümmert alles noch herum und wartet sehnsüchtig auf das Wasser von oben.

Wir brauchen halt auf der Westseite ein richtiges Tief, welches die Wolken von Westen her auf die Insel zutreibt, die Passatwolken von der Ostseite nutzen uns nicht wirklich, auch wenn die der Schlüssel zu dem vielen Wasser auf der Insel sind. - Es ist halt sehr ungleich verteilt dieser nasse Segen und mit viel Aufwand und sehr hohen Kosten auch, muss man das Wasser eben dahin leiten wo zu wenig davon ist. - Jeder, der schon mal auf dieser Insel war, der kennt die großen Speicherbecken und auch die vielen Wasserleitungen, die hier wie Lebensadern die Inselfläche überziehen. - Gefährlich wird dieser Wassermangel auf der Westseite für die tiefer gelegenen Brunnen, die besonders um Tazacorte herum angelegt wurden, um Wasser für die dortigen Pflanzungen zu haben. - Entnimmt man denen zu viel und zu schnell Wasser, dann versalzen diese Brunnen und liefern nur noch sehr schlecht zum Gießen taugliches Wasser, da muss man also vorsichtig sein, wenn es so lange nicht geregnet hat und dadurch kein frisches Wasser in die Brunnen laufen konnte. - Anfang 2004 erinnere ich mich noch, da hatte es auch zweieinhalb Monte nicht geregnet und man begann schon das Wasser für die Pflanzungen zu rationieren, aber unsere Wasserverteilungssystem ist leistungsfähiger geworden seit dem, und außerdem verbrauchen wir auch nicht mehr so viel Wasser durch neue Bewässerungsmethoden. - Wir können also noch eine Weile auskommen ohne echte Niederschläge auf der Westseite, aber vor Weihnachten sollte schon mal eine Husche kommen, welche dann endlich den grünen Schimmer auch wieder auf die Westseite bringt.



Samstag 05.12.09 09:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 64 % - Luftdruck 1022 hPa

Haushalten
Inselhaushalt für das Jahr 2010 verabschiedet

Auch wie Weihnachten, alle Jahre wieder, legt man die Gelder für die entsprechenden Ressorts fest und für das kommende Jahr steigt der Inselhaushalt leicht auf 95.275.000 Euro. - Das ist eine bescheidene Summe, wenn man davon ausgeht, dass für das Jahr 2008 bereits der Sprung über die 100 Millionen Marke anvisiert war, aber irgendetwas dazwischen kam, was man heute die "Krise" nennt. - So nahm man sich für das Jahr 2009 gewaltig zurück und legt nun für das kommende Jahr wieder eine kleine Schippe drauf. - Unsere Inselpräsidentin Guadalupe González Taño nennt den Haushalt ein gelungenes Werk mit sozialer Komponente, weil der Haushalt für Soziales der größte Einzelposten sei. - Das stimmt zwar nicht, es ist nur der drittgrößte Einzelposten, aber wer gut verkaufen will, der muss halt zu solchen zweifelhaften Aussagen greifen, zumindest meinen die, das müsse man. - Die Opposition, bestehend eigentlich nur aus den Sozialisten, braucht erstmal noch eine Wochenendsauerstofftherapie um sich dazu äußern zu können, so bleibt der Inselchefin sicher bis nach den Feiertagen Zeit, ihr Machwerk in aller Schönheit zu präsentieren. - Allerdings kommt ja meist der eigentliche Koalitionspartner der Partido Popular noch vor den Sozialisten meckern, aber auch die scheinen allesamt verreist zu sein, noch gibt es keine Pressemeldung über eine Reaktion auf den Inselhaushalt 2010. - Das ist eigentlich auch völlig unerheblich was die anderen dazu sagen, die Coalición Canaria hat die absolute Mehrheit im Cabildo Insular, das ist hier so auf La Palma, und wenn wir davon ausgehen, dass unsere Zählweise bei den Wahlen etwas transparenter ist als die in den USA, dann haben wir genau das verdient.

Nun zu den Zahlen. - Dickster Posten im Haushalt sind wie immer die Personalkosten. - Das war schon immer so, schließlich ist das Cabildo Insular der größte Arbeitgeber auf La Palma, und diese Leute wollen und müssen auch bezahlt werden. - So stehen 33,5 Millionen Euro bereit um Löhne, Gehälter und Diäten zu bezahlen, das ist geringfügig weniger als noch im vergangenen Jahr, gespart wird halt wo man kann. - Zweiter Posten sind die "laufenden Ausgaben" mit 17,3 Millionen, darin versteht man Kosten für Telefon, Mieten, Energiekosten und alles eben, was nötig ist den Regierungsbetrieb am Laufen zu halten. - Wir müssen also festhalten, dass mehr als die Hälfte des Inselhaushaltes, (33,5 + 17,3 Millionen) alleine für den Fortbestand der Verwaltung und das eigene Personal ausgegeben wird, und so weniger als Hälfte des Inselhaushaltes für die wirklich notwendigen Ressorts zur Verfügung steht. - Nun kommt der dritte Posten, den Guadalupe irgendwie als ersten Posten verkaufen will, für soziale Dienste stehen 12,3 Millionen Euro zur Verfügung, das sind 2% mehr als noch im vergangenen Jahr. - Nächster Programmpunkt sind die Mittel für Infrastrukturen, dafür geben wir kommendes Jahr 9,4 Millionen aus. - Dabei muss man aber immer wieder beachten, das sind nur die Gelder für die Infrastrukturen, welche wir auf Inselebene planen und verwalten, daneben gibt es auch noch Gelder von der Provinzregierung, wie in den meisten anderen Ressorts auch. - Fünftgrößter Einzelposten sind die Ausgaben für Landwirtschaft und Fischerei, da hält man 5 Millionen Euro bereits und gleich danach folgt der Topf für Stimulierung der gewerblichen Wirtschaft mit 4,4 Millionen. - Weitere Posten sind: Kultur, 3,1 Millionen; Regierung und sonstige Dienste 3,1 Millionen (was immer das auch sein mag); Umwelt 2,9 Millionen; öffentliches Transportwesen und Nahverkehr 2,8 Millionen; Sport 2,5 Millionen; Tourismus 2,3 Millionen; Ausbildung und Schulen 1,8 Millionen, Müllabfuhr 1,4 Millionen; Arbeitsmarkt 1 Million, und Energie auch eine weitere Million. - Alle weiteren Posten übersteigen nicht mehr die magische Grenze der Million, so darf man noch erwähnen, dass für Jugendarbeit lediglich 131.000 Euro zur Verfügung stehen. - Na dann, lasst uns Geld ausgeben, wir haben es ja und man gönnt sich doch sonst nichts. - Nur Jugendlicher sollte man nicht sein auf La Palma, das lohnt sich wohl nicht.



Freitag 04.12.09 17:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 22 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 51 % - Luftdruck 1020 hPa
Höchsttemperatur heute 26,5 Grad - niedrigste Temperatur 16,8 Grad

Hier geblieben Konsument!
Global denken, lokal einkaufen

Alle Jahre wieder das gleiche Spiel. - Da ziehen, fahren oder fliegen ganze Karawanen an Palmeros nach Tenerife, um sich dort in den großen Einkaufszentren mit der fälligen Weihnachtsware einzudecken. - Das war schon immer so, allerdings haben sich gewisse Vorzeichen geändert. - Früher, als alles anders war und nur manches besser, da fuhr man auf die Mutter aller Inseln zum Einkaufen, weil hier auf der Insel das Angebot sehr spärlich war. - Wer wirklich schicke Klamotten wollte, der musste über den Teich fliegen, und wer ausgefallenes Kinderspielzeug suchte ebenso, La Palma war vom Konsumgott viele Jahre gemiedene Diaspora. - Das hat sich aber grundsätzlich geändert, sicher gibt es die eine oder andere Ladenkette hier auf der Insel noch nicht, aber das Angebot ist inzwischen auf hier auf La Palma durchaus als global zu betiteln. - Auch wenn wir kein Ikea haben und schon gar kein Lidl, Einkaufen auf La Palma ist längst keine Frage der Verfügbarkeit mehr, wohl aber des Preises. - So einige große Häuser auf Tenerife unterliegen dort auch dermaßen dem Preiskampf, dass man in vielen Bereichen wirklich dort deutliche billiger kauft. - Für mich sind solche Preisschlachten nicht wirklich lockend, aber das Geld sitzt knapp, und wer seinen kleinen und großen Familienmitgliedern auch kräftig was zu Weihnachten und Reyes schenken will, der gerät dann schon in Versuchung, die Sachen auf einer anderen Insel zu kaufen. - Man weiß es natürlich nicht genau, schätzt aber doch, dass von dem zusätzlichen Umsatz im Einzelhandel zu Weihnachten an die 30% nach Tenerife getragen wird, und so natürlich den heimischen Läden entgeht.

Auch wieder jedes Jahr unternimmt man gegen solch schäbige Kundenuntreue richtige Aktionen, die nicht nur vom Einzelhandelsverband gesteuert werden, sondern sogar vom Cabildo Insular. - 55.000 Euro legt man so für die Kampagne dieses Jahr auf den Tisch, die auch bereits schon begonnen hat, und mit Anzeigen und Radiospots gegen das Fremdkaufen angeht. - Da möchte man ja fast schon meinen, das geht so in Richtung, "Palmeros, kauft nicht bei den Chicharreros", aber unsere Inselregierung, bestehend aus lauter netten Leuten der als politische Partei getarnten Lobbyistenclubs der Coalición Canaria, kennt da keine Gnade, wenn es um das Wohl der heimischen Gewerbetreibenden geht. - Hauptsächlich möchte man in den Werbespots gegen das konjunkturelle Fremdgehen die möglichen Schwierigkeiten hervorheben, welche das Kaufen auf den anderen Inseln mit sich bringen kann. - Da erwähnt man eben die Probleme mit eventuellen Umtausch oder Gewährleistungsansprüchen, und zählt eben auch die Schwierigkeiten und die Kosten auf, die es mit sich bringt, wenn man mit dem Schiff oder dem Flugzeug erst auf eine andere Insel fahren muss. - Die Gemeinden selbst unternehmen auch noch Anstrengungen Käufer an sich zu binden, so gibt es in den Läden für getätigte Einkäufe Lotterielose, die dann kurz vor Reyes ausgezahlt werden. - Meist unterstützt die Handelskammer diese Aktionen. - Los Llanos und Santa Cruz schicken auch noch Straßenmusiker in die Einkaufsmeilen, um die Leute anzulocken und zum Innehalten zu bewegen, man gibt sich also redlich Mühe, dem schwer angeschlagenen lokalen Handel ein glückliches Weihnachtsgeschäft zu verpassen. - Bei mir haben die aber alle keine Mühe mich auf der Insel zu halten, Wegfahren und Einkaufen sind nicht meine Spezialdisziplinen, und für unseren volkswirtschaftlichen Beitrag sorgen meine drei Frauen auch ohne mich hervorragend.



Freitag 04.12.09 09:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 70 % - Luftdruck 1023 hPa

Spielverderber Carracedo
Zweifel an der Heiligen Quelle

Wieder einmal ist es die spritzige Online-Zeitung elapuron.com, welche interessante Themen in den Alltag wirft. - Der uns allen bekannte Geologe und Vulkanologe Juan Carlos Carracedo, neben Nemesio Pérez wohl die Kapazität auf den Kanarischen Inseln mit dem größten Prestige was das Wissen um unsere Vulkane angeht, zweifelt an der Theorie, dass es sich bei der erst vor 3 Jahren wiedergefundenen Thermalquelle im Süden der Insel tatsächlich um die "Heilige Quelle" handelt. - Das kommt natürlich nicht wirklich gut, ist man doch sehr daran interessiert, diese wiederentdeckte natürliche Ressource der Insel touristisch auszubeuten. - Juan Carlos Carracedo meint in seinem Buch "Los Volcanes de las Islas Canarias" dass überall in der Zone rund um den Teneguía Wasser mit den gleichen Inhaltsstoffen zu finden sei, und dass es sehr unwahrscheinlich ist, dass die nun gefundene Quelle genau diese sei, die 1677 vom Vulkan San Antonio verschüttet wurde. - Vor dieser Zeit galten Bäder in der "Fuente Santa" als Allheilmittel gegen Zipperlein aller Art, aber wir bewegen uns mit solchen Aussagen natürlich im Reich der Alchemisten und Glaubensmedizin, die aber sehr wohl auch bis in unsere Tage hin wirtschaftliche Bedeutung hat. - Carracedo spricht der Quelle nicht ihre kurativen Eigenschaften ab, und dass man diese auch merkantil nutzen könnte und sollte, wohl aber kratzt er an dem Nimbus "heilig" und er kritisiert auch die vielen öffentlichen Mittel die dazu aufgewendet wurden diesen 200 Meter langen Stollen zu graben, bloß um etwas zu finden, was in der Zone überall vorhanden ist. - In der Tat muss man die Ausdauer der Wiederentdecker der "Heiligen Quelle" schon hervorheben, und all das Geld welches in den Jahren der Suche dort hineingesteckt wurde, so dass die Vermutung, man musste etwas finden, weil man einfach ein greifbares Ergebnis vorzeigen wollte, nicht ganz von der Hand zu weisen ist. - Mir fällt bei all der Geschichten um diese Quelle und den möglichen merkantilen Nutzen der Heiligen Quelle immer wieder auf, dass zwar jeder die kurativen Eigenschaften dieses Wasser auslobt, man aber nirgends eine Analyse der Inhaltsstoffe zu sehen bekommt, anhand der man ganz nüchtern und ohne den Zusatzstoff "heilig" mal die Werte betrachten könnte.

Allerdings kennt man ja Juan Carlos Carracedo inzwischen auch ein bisschen, und weiß, dass dieser ausgezeichnete Geologe wohl auch immer gerne provoziert. - So könnte man auch den Verdacht aufkommen lassen, er sei ein bisschen stinkelig auf die "Fuente Santa", weil man ihn nicht in den Suchprozess mit eingebunden hat, sondern den ganzen Ruhm dem Ingenieur Carlos Soler übertragen hat, der auch ein überzeugendes Werk über die Heilige Quelle geschrieben hat und vor Ort dafür verantwortlich war, dass man eben diese Wasserader ent- oder wiederentdeckt hat. - Oder wer erinnert sich nicht an den Disput zwischen Carracedo und anderen Geologen bei der "vulkanologischen Krise" auf Tenerife im Jahr 2004, als er angeblich entdeckte "Fumarolen" bei dem Ort Benijos als Dämpfe einer nahen Käsefabrik bezeichnete, und damit einen reichlich mit Polemik bestückten Kampf der Gelehrten heraufbeschwor. - Der Carracedo ist nicht nur DER Vulkanologe dieser Inseln, sondern ist eben auch ein bisschen Vulkan selbst, nach außen ganz und gar präziser Wissenschaftler, aber innen mystisch und unberechenbar, genau so wie eben ein Vulkan auch ist. - Eigentlich macht es ja faktisch keinen Unterschied, ob das nun die Quelle ist, die 1677 schon Syphilis, Rheuma und Akne geheilt hat, oder es sich um einen neuen Quell der ausbeutungsfähigen Art handelt. - Aber auf der anderen Seite braucht man eben schon diesen Mystikfaktor "heilig", um aus warmen Wasser, vom nahen Vulkan angeheizt, dadurch mit vielen Mineralien versetzt, auch ein Wunderbad machen zu können. - Für uns Laien ist das natürlich in keiner Weise auszumachen, wer denn nun da Recht hat, und ob es sich hier nur um einen Wettstreit von ehrgeizigen Wissenschaftlern handelt, oder ob wir bei der "Heiligen Quelle" einem sehr irdischen Schwindel aufgesessen sind. - Sei es wie es sei, es wird Zeit aus dem Thermalwasser etwas zu machen, denn diese natürliche Ressource schreit ja geradezu nach Verwertung im touristischen Rahmen. - Und ob das nun heiliges Wasser ist, oder einfach dort in der Region allgegenwärtig, wenn es gegen Gürtelrose, Schwiegermütter und volkswirtschaftliche Insuffizienz gleichermaßen hilft, dann sollte uns alles heilig sein.





Donnerstag 03.12.09 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 23 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 46 % - Luftdruck 1020 hPa
Höchsttemperatur heute 26,6 Grad - niedrigste Temperatur 16,6 Grad

Manchmal träume ich schwer…
und dann kommt noch ´ne Autobahn

Wo La Palma hin will, das wissen unsere Denker und Lenker noch nicht, aber dahin soll es auf einer Autobahn gehen. - Es gibt nichts Neues von der Autobahnfront, im Cabildo Insular werden immer noch Alegaciones gezählt und man überlegt sich, wie man diese denn am besten und am einfachsten beantworten kann. - Die Ruhe vor dem Sturm so zu sagen, aber jeder gibt noch seinen Senf, dazu wie in den letzten Tagen Aber den absoluten Hammer schießt nun Jaime Sicilia ab, der Bürgermeistger Breña Bajas, der uns aus der letzten Legislaturperiode noch sehr nachhaltig, als wenig glücklicher Rat für Tourismus der Inselregierung in Erinnerung ist. - Er ist natürlich für die Autobahn, ganz klar, die Argumente sind immer wieder die gleiche Leier, man müsse sich für die Zukunft wappnen und den Nordwesten der Insel besser anbinden. - Fast ebenso gleichlautend kommt immer unsere Antwort, man kann die vorhandene Straße wunderbar ausbauen, dagegen hat keiner was, und wenn man den Nordwesten besser anbinden soll, dann baue man doch bitte eine Brücke und zerpflüge nicht ein Weltbiosphärenreservat. - Ich habe auch schon längst keinen Spaß mehr daran diese Argumente, und noch viele mehr, die ganz eindeutig für die Unnötigkeit dieser neuen Trasse sprechen immer wieder aufzuführen, weil ich mich doch andauernd wiederhole, und das seit Jahren. - Da braucht man ab und zu so was ähnliches wie einen Gedankenschoner, abgeleitet vom Bildschirmschoner des Computermonitors, wenn wir immer das Gleiche denken und reden, dann nutzt man diese Stellen im Hirn und auf der Tastatur zu einseitig ab und der Kopf hängt irgendwann schief. - Nun aber zu Freuden- und Spaßspender Jaime Sicilia.

Der Mann will also nicht nur eine Autobahn, sondern sogar zwei auf dieser kleinen Insel. - - - Drei Gedankenstriche, damit auch Sie wieder zu Atem kommen können, ja, Jaime Sicilia möchte in der Tat eine zweite Autobahn auf der Insel, und zwar an der Küste von Santa Cruz, über den Süden nach Tazacorte. - Das Ganze verkauft er als langjährigen Wunsch vieler Menschen, so könne man den Tourismus fördern, und Wohlstand in die an der Autobahn gelegnen Gemeinden bringen. - Ich wusste ja nun nicht, dass unsere prinzipielle Zielgruppe beim Tourismus die Mitglieder der Autopartei sind, aber ich lasse mich auch gerne belehren. - Ist natürlich Quatsch, als käme ein einziger Tourist mehr auf diese Insel, weil er dann schnell und auf der linken Spur nach Fuencaliente kommt. - Es geht sogar genau um das Gegenteil, so wirklich viel mehr Unsinn als wir bereits hingelegt haben, das verzeiht uns unser Publikum irgendwann nicht mehr und wird uns dann per Abwesenheit wissen lassen, dass wir eine kleine Kopie anderer und austauschbarer Ferienregionen geworden sind, und dass man uns nur noch besuchen käme, wenn der Preis lockt. - Das hat ja zum Teil schon begonnen, oder wie nennt man den Wahnsinn um "All inklusive" denn sonst. - Es ist sehr schade, dass unsere augenblickliche Führungsriege auf politische Ebene so gar keine Ahnung und Gespür für Märkte und Möglichkeiten haben, sondern auf Produkte setzen, die überall auf der Welt nur noch über den Preis zu verkaufen sind, weil es davon einfach viel zu viele gibt. - Ich denke zwar nicht, dass die Aufforderung des Bürgermeisters von Breña Baja diese Küstenschnellstraße doch zu diskutieren und zu planen von irgendjemand außerhalb des Epigonalkreises der Coalición Canaria überhaupt erwähnt wird, aber der Mann scheint wirklich so zu denken. - Dabei weiß ich aus wirklich langjähriger Erfahrung durch den Alltag hier auf La Palma, die allermeisten Menschen hier sind sehr bodenständig und vernünftig, und haben schon klare Vorstellungen von dem, was man sich für seine Heimat wünscht. - Aber es laufen halt überall auch ein paar lustige Vögel herum, die vor Phantasie nur so blitzen. - Aber einen touristischen Werbeslogan habe ich doch noch gefunden, wie man die Autobahnen als Lockmittel für Gäste aus der Europäischen Union nutzen könnte: - "Besuchen Sie La Palma und seine schönen Autobahnen, hier liegt IHR Geld auf der Straße!"



Donnerstag 03.12.09 08:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 75 % - Luftdruck 1021 hPa

Filetstückchen
Alter Flughafen, neues Gewerbegebiet

Jeder der schon mal auf dieser Insel war, hat ihn schon mit dem Auto überquert, den alten Flughafen bei Buenavista, in der Gemeinde Breña Alta. - Gleich oberhalb hat sich das Inselkrankenhaus installiert, und darum eine bereits erstaunlich selbstständig gewachsene Ansammlung von Gewerbebetrieben. - Der Flughafen wird für den Flugbetrieb schon lange nicht mehr genutzt, taugt auch inzwischen nicht mehr als Ausweichmöglichkeit, da landet nie wieder ein Flugzeug und das ist auch gut so, denn die meteorologischen Bedingungen dort sind alles andere als vorzüglich für einen Flugbetrieb. - Seit dem Jahr 2003 verhandelt nun die Gemeinde Breña Alta schon mit dem Verteidigungsministerium, welches den Titel auf den größten Teil dieses Geländes hat und ohne deren Einverständnis dort keine Aktivität durchgeführt werden kann. - Insgesamt handelt es sich um 130.000 Quadratmeter ebenerdiges Land, was für La Palma alleine schon einen strategischen Vorteil verkündet, wer dort investieren will, der muss sich nicht erst seine Plattform teuer mit Planierraupen zusammenschieben, sondern kann theoretisch gleich an die Struktur gehen. - Jetzt hat man sich endlich mit dem Verteidigungsministerium geeinigt, was denn die zukünftige Nutzung des Terrains angeht und es sieht so aus, als könnten sowohl die Gemeinde, wie auch die Militärs in Madrid dabei ein Schnäppchen machen.

Es stehen aber nicht die ganzen 130.000 Quadratmeter Land zur Verteilung an Interessenten zur Verfügung, in einem langen und aufwendigen Prozess hat man für etwa der Hälfte des Geländes Alteigentümer feststellen können, die so auch in der Lotterie gewonnen haben, weil ihnen nun plötzlich wieder Land in die Hände gegeben wird, welches man schon für immer verloren geglaubt hatte. - So bleiben für die Gemeinde rund 65.000 Quadratmeter übrig, welche man bald an Investoren veräußern kann, wobei die Stadt Breña Alta und das Verteidigungsministerium "fifty-fifty" machen, was das Finanzielle angeht, wir dürfen halt nicht vergessen, dass auch Spanien dieser teuren und aberwitzigen Idee erlegen ist, unsere Freiheit müsse am Hindukusch verteidigt werden. - Dass wir damit nur die Saat für zukünftige Generationen an Terrorismus auslegen, das wissen zwar inzwischen die allermeisten Menschen mit einem Denkvermögen oberhalb der vegetativen Steuerung, aber wenn der smarte Friedensnobelpreisträger in den nächsten Krieg ruft, dann kann sich ja keines der, ach so freien europäischen Länder, dem nächsten Kreuzzug entziehen. - Aber ich schweife wieder ab, in Themen die mich gar nichts angehen, hier spielt die Musik, und nicht im globalen Irrenhaus. - Der Gemeinderat hat nun dieser Lösung zugestimmt und jetzt kann man daran gehen, die Claims abstecken zu lassen, wer also noch Geld hat und einen Gewerbebetrieb auf La Palma installieren will, der kann sich bei der Gemeinde Breña Alta schon mal bewerben. - Allerdings muss man erst noch den inselweiten Masterplan, den "PIOLP" (Plan Insular de Ordenación de La Palma) abwarten, und erst wenn dieser auch faktische Gültigkeit hat, also durch alle Instanzen geprügelt wurde, dann kann sich dort Gewerbe ansiedeln. - Aber wir haben es ja schon lange nicht mehr eilig, und bei der Menge an Industriegebieten die sich momentan auf der Insel für Investoren anbieten, da könnten wir ja sogar noch für Opel interessant werden, die suchen ja auch noch dringend neue Standorte…



Mittwoch 02.12.09 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 21 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 58 % - Luftdruck 1019 hPa
Höchsttemperatur heute 26,0 Grad - niedrigste Temperatur 16,3 Grad

Wir basteln uns eine Brücke …
… eine Riesenbrücke

Da könnte man jetzt auch auf die Idee kommen, ich meinte das riesige Stück Brücke, welche man über den Barranco de Las Angustias bauen will, aber das ist ein anderes Thema, und noch nicht so zeitnah wie die "Dezemberbrücke". - Morgen Abend beginnt die große innerkanarische Reisewelle bereits, und die allermeisten gehen auch erst wieder kommenden Mittwoch arbeiten. - Wie machen wir das nur, wird sich nun der gestresste Mitteleuropäer fragen, und vielleicht auch mit ein bisschen Neid zu uns herüberblicken. - Die Dezemberbrücke hat eh schon Tradition hier, aber dieses Jahr ist sie besonders lang, und das haben wir der nie enden wollenden Phantasie unserer Lehrerschaft zu verdanken. - Am Freitag ist der "Día del Enseñante y del Estudiante", also der Tag der Schüler und der Studenten, und weil da keiner der Bengels und Mädels in die Schule muss, brauchen die Lehrer auch nicht hin, das ist doch klar. - Dann kommt der Samstag, und am Sonntag, dem 6. Dezember ist zwar auch Nikolaus, aber bei uns in Spanien ist der 6. Dezember der "Día de la Constitución", also der Verfassungstag, die wir übrigens seit dem Jahr 1978 hier in Spanien haben. - Weil aber der Feiertag auf einen Sonntag fällt, muss nun der Montag frei sein, das haben sich mal pfiffige Gewerkschaftler ausgedacht, das war in der Zeit als noch etwas zu verteilen gab. - Der Dienstag ist dann auch noch nicht wieder Arbeitstag, denn am Dienstag feiern wir den am häufigsten missverstandenen katholischen Feiertag überhaupt, "Día de Inmaculada Concepción, Mariä Empfängnis, oder wie es etwas erklärender inzwischen auf katholisch heißt: "Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria." - Damit will man erklären, dass man an dem Tag nicht dieses medizinische Wunder der Jungfrauengeburt feiert, sondern dass man die Maria, als Mutter Gottes ohne diese lustige Erfindung der Erbsünde auf die Welt geschickt hat. - Aber das mit der Erbsünde, das zieht auch immer weniger als klerikales Druckmittel, aber immerhin beschert es uns noch einen Feiertag.

Natürlich haben nie alle Leute frei, viele Läden haben dennoch geöffnet, so findet man außer dem Sonntag zumindest hier auf La Palma alle Supermärkte mindestens halbtags geöffnet, es muss also kein anreisender Gast Angst haben, hier die ersten Tage zu verhungern. - Hier verhungert sowieso niemand, das haben wir irgendwann mal abgeschafft. - Die Dezemberbrücke ist aber für die Canarios ein ganz häufiger Grund zu verreisen. Zwar meist nur auf eine andere Kanareninsel, entweder um Bekannte zu besuchen oder Einkäufe zu tätigen, so dass auf den großen Inseln in den Städten die berühmten Läden immer wieder in dieser Zeit von kauflustigen Palmeros, Gomeros und Herreños heimgesucht werden, zumindest von denen, welchen die Krise denn auch noch Mittel in der Börse gelassen haben. - Das ist so ein bisschen auch das Konjunkturbarometer für die spätere Weihnachtskampagne, und da fürchtet man ja in diesem Jahr Ausfälle von bis zu 20% bei den Umsätzen. - Wir hatten auch kurz daran gedacht, uns ein paar Tage zu verdröseln, allerdings waren schon lange keine gut liegenden Flüge mehr dahin zu bekommen wo wir hinwollten, die Dezemberbrücke muss langfristig und vorausschauend geplant werden, und so etwas liegt uns nun wieder gar nicht. - Vielleicht schaffen wir das ja nächstes Jahr dann mal, und buchen im Juni die Flüge für Dezember, dann schaffen wir es auch mal mit der ganzen Familie von dieser Insel runterzukommen. - Aber ob ich das eigentlich wirklich will, das ist wieder eine ganz andere Frage…



Mittwoch 02.12.09 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 16 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 71 % - Luftdruck 1021 hPa

Back to the roots
Neues Besucherzentrum für Guanchologie

Nein, ich will mich nicht darüber lustig machen, aber da wir neue Ideen brauchen, neue Politik und alte Werte, fange ich schon mal mit Neuschöpfungen von Worten an, das kann ich am besten. - Eigentlich müsste es ja heißen Benahoaritalogie, denn unsere Ureinwohner auf La Palma nannten sie Benahoaritas, und das mit den Guanchen ist lediglich ein verbreiteter Überbegriff für alle Ureinwohner der Kanarischen Inseln. - Auch wenn man sich eigentlich einig ist, dass unsere Frühbevölkerung Berber aus dem heutige Libyen waren, ist immer noch nicht genau geklärt, wann und wie diese Stämme auf die Inseln kamen. - Da gibt es die Theorie mit den Phöniziern, oder aber auch erst an die tausend Jahre später mit den Römern. - Oder aber eben auch mehrere "Einwanderungswellen" nach dem Motto, sowohl als auch. - Problematisch bei der Aufarbeitung der Frühgeschichte der Besiedlung der Insel ist die Tatsache, dass damals niemand etwas aufgeschrieben hat. - Man findet zwar Petroglyphen, also Steinzeichnungen, aber das sind symbolhafte Darstellungen die sich wohl auf spirituelle Dinge beziehen, nicht aber auf so lapidare Dinge wie Alltag und wie kommt man eigentlich von Nordafrika auf eine grüne Kanareninsel. - Auch müssen wir feststellen, dass die Bemühungen um eine Aufklärung der "alten Zeiten" noch ganz frisch sind. - Erst seit wenigen Jahren bemüht man sich um koordinierte Forschung an den Ureinwohnern, früher, als alles anders war und nur manches besser, da war es sogar verpönt, sich mit solchen Dingen zu beschäftigen. - Damit meine ich nicht nur die Franco-Ära, in der man sogar mutwillig und bewusst Fundstätten mit Artefakten der Ureinwohner zerstört hat, auch nach der "Transición" brauchte man noch eine ganze Weile, bis sich ein funktionierendes Netz aus Archäologen und einer gewissen Lobby für die Benahoaritas gegründet hat. - Das ist inzwischen ganz anders, die Benahoaritas sind en vogue, und auch wenn man diese Geschichte gerne mal sogar politisch ausnutzen will um den eigenständigen Charakter der Kanareninseln zu betonen, nie zuvor war man so eifrig dabei einen besseren und umfassenden Einblick in das Leben unserer Ureinwohner zu erlangen.

Das hat natürlich auch einen touristischen Wert, obwohl sich nicht unbedingt alle Besucher dafür interessieren, wer denn vor den iberischen Recken hier auf der Insel war. - Die Besucherzentren "Zarza y Zarcita" und "Belmaco" sind häufig frequentierte Anlaufpunkte für Gäste dieser Insel, und nun kommt ein drittes ethnologische Minimuseum noch dazu. - Die "Cueva de Tendal", also die Höhle von Tendal wird zukünftig auch für den Besucher so weit aufbereitet, dass man diese Wohnstätte der Beanhoaritas besuchen kann, mit einem kleinen Gebäudekomplex dabei, in dem sowohl die dort gefundenen Exponate zu bewundern sind, wie auch Bild- und Filmvorträge über das Leben der Ureinwohner in dieser Siedlung gezeigt werden. - Das muss eine richtige Wohnstadt gewesen sein, 27 früher bewohnte Höhlen hat man dort gefunden, 3 Begräbnisstätten und auch ein Bereich mit Steinzeichnungen. - Es lohnt sich also dort solch ein Besucherzentrum zu errichten, nicht nur weil es da so viele Fundstücke gibt, sondern auch noch landschaftlich sehr reizvoll ist, die ollen Benahoaritas haben auch schon gewusst, wo es schön ist auf unserer Insel. - Wann nun das kleine Freilandmuseum dort die ersten Besucher empfangen wird, das ist noch nicht klar, aber immerhin hat man nun die Finanzierung bereits realisieren können, die Provinzregierung macht an die 880.000 Euro dafür klar, da kann man schon einen netten archäologischen Freizeitpark daraus basteln. - Die Höhle, oder besser die Höhlen von Tendal liegen im Barranco de San Juan, ganz nah bei Los Galguitos.




Neulich im Wald bei El Paso. - Einer der letzten Benahoaritas beim Überwinden bürokratischer Hinderdnisse.




Dienstag 01.12.09 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 21 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 64 % - Luftdruck 1020 hPa
Höchsttemperatur heute 27,4 Grad - niedrigste Temperatur 17,1 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 16,8 - Temp. Min 6,9 - Feuchte 25 - 70 % Niederschlag 0 mm

Autobahngegner sind alle Egoisten
Die Bürgermeister Los Llanos und Tijarafes auf der kognitiven Überholspur

Nein, strafbar ist das nicht, weh tut es wohl auch nicht, und manchmal gibt es ja sogar die Vorstellung, dass diesen Menschen das Himmelreich ist. - Sie wissen was ich meine, denn niemals würde mir einfallen… Die Bürgermeister aus Los Llanos und aus Tijarafe bezeichnen nun die Autobahngegner in einem gemeinsamen Pressetermin als Egoisten, weil sie die positive Entwicklung anderer Gemeinden verhindern, in dem sie die Autobahn nicht befürworten. Außerdem seien die lokalen Vertreter der ablehnenden Gemeinden Weicheier, weil die auf den gesellschaftlichen Druck hin eingebrochen sind. - Das mag ja im Falle des jetzigen Bürgermeisters aus El Paso noch zutreffen, der sich plötzlich auch gegen die Autobahn stellt, nachdem er feststellen musste, dass dieses Thema für die Bürger "seines" Ortes nun wirklich bereits endgültig erledigt ist. - Zurück zu den Egoistenschaffern. - In der Tat meinen die beiden Herren, ihre Gemeinden würden durch die Autobahn noch besser wirtschaftlich dastehen, obwohl wir doch inzwischen wissen, dass uns dieser neue Verkehrsweg lediglich ein paar Minuten ersparen würde, auf dem Weg von Santa Cruz nach Los Llanos. - Dass die allermeisten der Autobahngegner den Bau einer zweiten Cumbre-Tunnelröhre bejahen, ebenso die Brücke von Los Llanos nach Amagar, das blenden die dabei aus. - Mit diesen beiden Infrastrukturmaßnahmen würde man nämlich gut 15 Minuten aus Tijarafe einsparen und immerhin noch 8 Minuten, wenn man aus Santa Cruz nach Los Llanos fahren möchte. - Die Brücke bringt wirklich die größte Zeitersparnis und dagegen die geringsten Eingriffe in die Landschaft. - Auch fordern wir Egoisten ja, dass man die jetzige vorhandene Trasse der Straße zwischen Los Llanos und El Paso ausbaut, und damit auch wieder ein paar Minuten abknapst.

Von der Entwicklung der nächsten 40 Jahre spricht der Himmelreichstürmer aus Los Llanos, und vergisst dabei, dass diese Entwicklung überhaupt noch nicht abzusehen ist, und eine Steigerung im Aufkommen des Straßenverkehrs in keiner Weise abzusehen ist. - Im Gegenteil, momentan sinkt die Einwohnerzahl dieser Insel, kluge Köpfe orientieren sich an einer Optimierung des öffentlichen Nahverkehrs, wohl wissend, dass wir uns den Luxus eines Individualverkehrs vielleicht in 20 Jahren gar nicht mehr leisten können. - Was denn da in diesem Zusammenhang eine Autobahn, oder bitte Schnellstraße durch das Weltbiosphärenreservat an Chancenverbesserung für die Gemeinden Los Llanos und Tijarafe bringen soll, das erschließt sich uns Egoisten einfach nicht. - Anders wird ein Schuh draus, diese Haltung der Bürgermeister aus den Gemeinden welche überhaupt nicht von der Autobahn betroffen werden, ist im höchsten Maße egoistisch, denn nur um eventuelle Asphaltwerke plausibel und notwendig zu machen eine Straße bauen zu wollen, und Gemeinden wie Breña Alta und El Paso dabei dem Raupenschlepper Preis zu geben, das geht eigentlich schon über narzisstische Megalomanie hinaus und ist eine ausgemachte Frechheit. Leider kennen wir die Didaktik des Bürgermeisters von Los Llanos bereits, und daher langweilen uns solche hohle Phrasen über Entwicklung und wirtschaftlichen Aufschwung, verbunden mit hervorragenden Arbeitsplätzen für die Bevölkerung. - Das haben wir ja gesehen, als der neue Tunnel gebaut wurde, da holte man Polen und Portugiesen, die für einen lächerlichen Hungerlohn die versprochene Arbeit übernommen haben, damit auch ja satte Gewinne entstehen konnten. - Egoisten nennt der uns der Bengel, na warte, er wird kommen, der Mai 2011, da sind wir dann alle wirklich ganz egoistisch. (OK, für den der es nicht weiß, da finden die nächsten Kommunalwahlen statt.)



Dienstag 01.12.09 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 71 % - Luftdruck 1021 hPa

Steigbügelhalter und Büchsenspanner
Rettungsversuch auf der Oppositionsbank

Mehr Kadaver als Gehorsam. - Die Partido Popular gehörte bei den letzten Kommunalwahlen zu den großen Verlierern, nicht nur auf Inselebene La Palmas, sondern auch im Gesamtbild der Kanarischen Inseln. - Dabei findet man grundsätzlich zwei Faktoren welche der Mitte-Rechts-Partei die Wählergunst so vermiest haben. - Da ist einerseits der polarisierende große Vorsitzende der PP für die Kanaren, José Manuel Soria, der als Aznar-Klon eigentlich nur durch Untersuchungsausschüsse und Korruptionsvorwürfe noch Aufmerksamkeit erregt, und groben Zweifel an den Werten der Partido Popular als Volkspartei hinterlässt. - Auf der anderen Seite schloss man ja die Koalition der Verlierer, mit der Regionalpartei Coalición Canaria, um die erstarkten Sozialisten von der Regierungsbank fernzuhalten, und genau dieser Schritt wird langsam zur Bedrohung für die PP der Kanarischen Inseln. - Gerade hier auf La Palma wird es immer deutlicher, dass die regionale Partei Coalición Canaria immer weiter abwirtschaftet, eine Gruppierung von Gewerbelobbyisten als politische Partei getarnt, das geht nur so lange gut, wie rechts und links davon genügend Brosamen vom Tisch purzeln. - Aber auch die Gesellschaft verändert sich, mehr Aufklärung, mehr Informationen machen das zukunftslose Treiben der Regionalpartei für immer mehr Menschen deutlich sichtbar und die allermeisten Beobachter der politischen Szene der Insel gehen davon aus, dass die Coalición Canaria bei den nächsten Kommunalwahlen ihre bislang so schmeichelhafte absolute Mehrheit auch im Inselparlament verlieren wird.

Es steht natürlich keinem Partner gut auf der Seite der Verlierer zu sein, und so können wir seit geraumer Zeit hier auf La Palma bereits beobachten, wie sich die Partido Popular, vom willfährigen Koalitionspartner der CC zum allergrößten Kritiker dieser Formation gewandelt hat. - Den Sozialisten, als eigentliche Opposition, schlackern bisweilen ja schon die Ohren von derart häufiger öffentlicher Kritik der PP an den Werken der CC, und man fragt sich dabei auch schon, ob man da nicht zu lasch agiert, angesichts des "Bruderkampfes" der beiden Partnerparteien. - Es ist offensichtlich, dass die Partido Popular mindestens hier auf La Palma eine Trennung der kanarenweiten Verbindung mit der Coalición Canaria anstrebt, damit man im Jahre 2011, bei den nächsten Kommunalwahlen nicht in den negativen Strudel dieser lokalen Gruppierung gerät. - Im Provinzparlament hält man noch sehr gut zusammen, kein Wunder, kann doch keiner ohne den anderen eine Mehrheit bilden, in den Gemeinden hier auf La Palma bröckelt die angeordnete Gemeinsamkeit aber gewaltig. - Fuencaliente, dann Santa Cruz, und jetzt kündigen die Räte der Partido Popular auch öffentlich für Los Llanos im Radio an, dass man aus der gemeinsamen Stadtregierung mit der Coalición Canaria aussteigen will und in die Opposition wechselt. - Allerdings weiß man noch nicht wann, dafür überlegt man sich noch einen angemessenen Zeitpunkt. - Auch eine lustige Strategie, aber nicht gerade nach Überzeugung strahlend, aber das bringen auch wieder die besonderen Umstände in Los Llanos mit sich. - Dort regiert im Gemeinde- und Stadtrat die Coalición Canaria eh in absoluter Mehrheit, und nur um der Parteilinie auf Provinzbasis zu folgen, hat man auch den Räten der Partido Popular Ämter, oder besser Ämtchen gegeben. - Das soll nun, aber eben wann, das weiß man nicht anders werden, und die Partido Popular möchte endlich wieder aus der unangenehmen Rolle eines Steigbügelhalters für die Interessengruppierung der Coalición Canaria heraustreten. - Das ist auch ein bisschen so wie die Geschichte mit den possierlichen Nagetieren, welche das sinkende Schiff verlassen. - Allerdings werden so aus den Nagetieren immer noch keine stolzen Schwäne, aber nass werden die dann auch nicht mehr im Jahr 2011, und die wirklich Dummen sind dann die Sozialisten, denen mit einer zweiten Oppositionspartei wieder mehr Konkurrenz erwächst, weil man dann nicht mehr alle in einen Sack packen kann.





Familie Ingrid & Mathias Siebold
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