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Nachrichtenarchiv Dezember 2008


Mittwoch 31.12.08 - 20:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 19 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 80 % - Luftdruck 1015 hPa
Höchsttemperatur heute 21,8 Grad - niedrigste Temperatur 11,4 Grad

Bloß keinen Jahresrückblick

Eine der schlimmsten Qualen welche das Deutsche Fernsehen erfunden hat, vielleicht gleich nach Stefan Raab und dem Niedervolt-Kugelblitz Dirk Bach, sind diese strunzdoofen Jahresrückblicke, die einem das nur mit Mühe überstandene Jahr noch mal vor die müden Augen führen. - Das sind alles Plagiate aus der Archivkiste und eigentlich waren wir doch alle dabei im laufenden Jahre, gut manch einer vielleicht weniger aufmerksam, aber dass die SPD zum Masochismus neigt und der Kapitalmarkt freie Wildbahn für Heuschrecken ist, das haben doch inzwischen eigentlich alle mitbekommen. - Mir ist die Ypsilanti allerdings immer noch sympathisch, aber ich mag ja auch die Hexe Babajaga und die dralle Seven of Nine und Pippi Langstrumpf ganz gut leiden, also allesamt ziemlich komplexe Persönlichkeiten, wobei man dieses Auswahl nicht repräsentativ auf mein Frauenbild ausweiten sollte. - Aber abendfüllend sind diese Dinge doch alle nicht wirklich und schon gar nicht spannend, das ist eben so wie "Dinner for one", man weiß ja genau was passiert ist und hofft dennoch auf einen anderen, überraschenden Ausgang. Wäre es da nicht besser, man würde uns einen Jahresvorausblick schenken? - Aber das traut sich doch wieder niemand, hat ja auch keiner die Finanzkrise vorausgesehen, obwohl man das sowohl bei Karl Marx, wie auch beim Club of Rome nachlesen kann, wie so was abläuft. - Vielleicht hätte man das von der Sendung mit der Maus mal rechtzeitig unters Volk streuen sollen, oder mit Galileo, also den ganz scharfen Bomben des hehren Bildungsauftrages. - Aber das wäre auch schief gegangen, dann hätten die Leute ihr Geld noch schneller wieder aus dem Kapitalmarkt zurückgefordert und die Banken noch schneller zugeben müssen, dass sie das Geld längst nicht mehr haben. - Macht nichts, auch die Rente ist sicher, und es bestand zu keiner Zeit Gefahr für Anwohner und die Umwelt. - Wir versuchen nun mal einen Jahresvorausblick auf die Entwicklung hier auf der Insel, für Deutschland ist mir das zu langweilig, Koch, Seehofer, Merkel und Ackermann bleiben, wo soll denn da noch irgendetwas Neues herkommen.

Januar 2009: Der dritte Ausbau des Hafens von Tazacorte beginnt und Bürgermeister, wie auch Rat für Infrastruktur der Provinzregierung, verlesen die gleichen Lobeshymnen auf den Jahrtausendbau wie bereits bei den beiden vorangegangenen Erweiterungen: - Eine historische Chance für das Aridanetal und Wohlstand und Reichtum für die Bewohner Tazacortes. - Der aufmüpfige Journalist, der mitten in die Reden hinein die unprofessionelle Frage stellt: "Wann legt hier denn eigentlich mal ein Schiff an?", wird sofort von aufmerksamen Brauchtumspflegern entfernt und darf nun bei "El Día" nur noch das Wetter von gestern kommentieren.

Februar 2009: Der Bürgermeister von Los Llanos stellt fest, dass nicht genügend Strom vorhanden ist, um die vielen Laternen des neuen Industriegebietes zum Leuchten zu bekommen. - Die beantragte Subvention von der Europäischen Union wird abgelehnt, mit der man die Laternen wieder rausreißen wollte. Stilllegungsprämien kenne man nur aus der Landwirtschaft, so kommt es als Antwort zurück, für Straßenlaternen könnte aber eventuell der "Leuchtende Pfad" zuständig sein. - Nun überlegt man, ob man nicht die beiden einzigen Betriebe die im Industriegebiet arbeiten, den Werkstoffhof und das Zementwerk schließen könnte, dann wäre genügend Strom für die Straßenlaternen da. - Das Plenum berät bis Mitte Juli, dann stellt man fest, dass man ja eh die absolute Mehrheit im Rathaus besitzt und sich eigentlich nur selber fragen müsste.

März 2009: Der Bürgermeister von Fuencaliente gibt den Schlüssel des Rathauses bei der Inselregierung ab, man sei pleite und wolle nun eingemeindet werden. - Los Llanos und El Paso lehnen das Angebot ab, Mazo überlegt noch, will allerdings bei einem positiven Entscheid die Müllverwertungsanlage direkt neben das große Hotel verlegen. - Darauf hin kauft der katalonische Hotelkonzern beide Gemeinden zum symbolischen Preis eines Liegestuhls, entkernt beide Orte und legt einen Wellnesspark an, der knapp bis an die Grenze Breña Altas reicht.

April 2009: Santa Cruz möchte auch gekauft werden, allerdings sind beide potentiellen Investoren, Lehman Brothers und Hypo Real, gerade mit dem Rückkauf von Liechtenstein so sehr beschäftigt, dass der Vatikan zum Zuge kommt und Santa Cruz nun als Auslagerungsdatei für Devotionalien nutzt. - Das Parkhaus wird darauf hin in "Krypta" umbenannt und der Puff heißt nun pre absolutionäre Schutzhütte für christlich-geistige Körperertüchtigung.

Mai 2009: In El Paso wird die Markthalle endlich eröffnet, allerdings regnet es immer noch rein, so dass man die Halle nach der Eröffnung gleich wieder schließt und für nächstes Jahr im Haushalt eine Position erwägt, in der eine Rolle Schweißfolie beantragt werden soll. - Die Opposition verwirft diesen Vorschlag aber und fordert eine Öffnung der Markthalle nur in den Sommermonaten. - Aus den Einsparungen, die sich durch den Nichterwerb der Rolle Schweißfolie ergeben, möchte man die Hinweisschilder für die Markthalle finanzieren, die ja auch nur noch halb so viel kosten, denn die stehen ja nur noch in den Sommermonaten da.

Juni 2009: Das Inselkrankenhaus wird zum kollektiven Freizeitpark. - Die beiden letzten dort noch praktizierenden Ärzte sind über Nacht geflohen und haben sogar noch die beiden blonden Krankenschwestern mitgenommen, die im Hospital gearbeitet haben. - Der Krankenstand auf La Palma tendiert nun gegen Null, zumindest weist das die Statistik der Gesundheitsbehörde so aus. Da nun keine Materialanforderungen mehr aus dem Inselkrankenhaus La Palma bis nach Tenerife dringen, rechnen interne Betriebswirte den Minderbedarf an Ärzten auch für die anderen Kanaren um und erlassen ein sofortiges Einreiseverbot für Mediziner. - Große Zustimmung kommt darauf hin von der Rentenkasse, man sei durch so viel planerische Virtuosität nun wieder aus den Roten Zahlen und außerdem sinke damit der Bevölkerungsdruck auf die zarte kanarische Biodiversität enorm.

Juli 2009: Die Ausbauarbeiten am Hafen von Tazacorte müssen unterbrochen werden. - Man hat knapp vor der Küste ein deutsches U-Boot aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt und will dieses nun heben lassen. - Gleichzeitig verkündet man nun stolz, endlich sei der Beweis erbracht, dass doch schon mal ein Schiff in den Hafen von Tazacorte eingelaufen sei, welches nicht von der Inselregierung dafür bezahlt worden wäre. - Allerdings melden sich nun Historiker zu Wort, das mit dem Bezahlen, das wüsste man nun nicht so genau, schließlich wäre damals so eine komische Zeit gewesen. - Auf alle Fälle erhält nun Puerto de Tazacorte auch ein Marinemuseum, die Eröffnung findet noch vor den nächsten Kommunalwahlen statt.

August 2009: Die Autobahn durchs Aridanetal wird nun doch gebaut. - Da man ja nicht nur das Krankenhaus einsparen konnte, sondern zukünftig auch noch auf die Schulen verzichten will, sei jetzt wieder genügen Geld vorhanden für diese notwendige Infrastruktur. - Allerdings muss nun anders argumentiert werden. - Wollte man früher diese Autobahn ja nur bauen, damit Schwerkranke aus dem Norden der Insel schneller ins Inselkrankenhaus kommen. Da es ja nun kein Krankenhaus mehr gibt, dient nun als Argumentationshilfe pro Autobahn der Verweis auf das Marinemuseum in Puerto de Tazacorte, denn da könne man ja erfahren, wie man durch Autobahnbau Arbeitsplätze sichern könne.

September 2009: Der erste Golfplatz wird gebaut. - Die Arbeiten gehen zügig voran, man konnte billige Arbeitskräfte und schweres Gerät von den Amerikanern übernehmen, die plötzlich Kapazitäten aus dem Irak freigestellt hatten. - Da man nun sprengt, anstatt mit dem Raupenschlepper die abrupte Orographie unserer Insel golfplatzkompatibel zu machen, wurden weite Inselteile evakuiert, die Gesetzesgrundlage dafür sei auch irgendwo wieder im Marinemuseum zu finden. - Zaghafte Proteste ewig Morgiger werden zur Kenntnis genommen und an die zuständige Müllverwertungsanlage weitergereicht. - Allerdings meldet nun auch der Investor Mängel an der Bausauführung, die Löcher, die entscheidend sein sollen für den glücklichen Spielbetrieb eines 18 Loch Golfplatzes, seien durch die Sprengungen viel zu groß geraten. - Man überlegt nun, dem Investor im Nationalpark ein neues Grundstück für einen Ersatzgolfplatz zur Verfügung zu stellen.

Oktober 2009: Das Inselkrankenhaus wird wieder eröffnet. - Nachdem ein Mitglied der Inselregierung erkrankt ist, hat man schleunigst ein Ärzteteam aus Marokko eingeflogen. - Die Bevölkerung wird zu Blutspenden aufgefordert aber auch zu Geldspenden, da der Etat für Gesundheit im Provinzparlament nun endgültig im Haushalt für Infrastruktur aufgegangen ist. - Dem Politiker geht es inzwischen besser, er hat sich vom Schnupfen erholt und vom Verkauf der gespendeten Blutkonserven war sogar noch ein Rehabilitationsaufenthalt in Las Vegas drin.

November 2009: Durch massiven Druck der touristischen Industrie ist es endlich gelungen, von der Europäischen Union ein Programm aufzulegen, welches Stilllegungsprämien für nicht belegte Hotelbetten ausbezahlt. - Darauf hin beschließt man sofort, den touristischen Sondernutzungsplan zu überarbeiten und erlaubt nun den Bau von weiteren 48 Hotels. - Durch die Stilllegungsprämien, die dann für an die 40.000 Betten fließen, könne man auch die Konventionalstrafe bezahlen, welche der Investor des Golfplatzes vor Gericht erkämpft hatte. - Man hatte versäumt, die Caldera de Taburiente um 510 Meter Höhe an der Nordflanke zu kürzen, so dass der Golfplatz nun teilweise im Schatten liegt und der Investor nachweisen konnte, es sei ihm zugesichert worden, dass diese Arbeiten zügig erledigt würden.

Dezember 2009: Ein reichlich zerknitterter Ausländer aus El Paso wird der Insel verwiesen, nachdem er suboptimale Texte über die Zukunft dieser Insel im Medium Internet verbreitet hat. - Per Dekret hatte man Anfang des Monats in der Inselregierung beschlossen, das Internet als "Bién de Interes General" zu verstaatlichen. Alle Proteste des Schreiberlings, er hätte doch nur Satire verfasst, schießen ins Leere, auch Satire sei mit dem gleichen Dekret verstaatlicht worden und somit nur noch für berechtigte Personen zu nutzen.

Sehen Sie, jeder kann sich bei seinem Jahresvorausblick mal täuschen und ich bin mir ziemlich sicher, aber eben nur ziemlich, dass nichts davon eintreten wird. - Außer vielleicht…



Mittwoch 31.12.08 - 09:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 13 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 89 % - Luftdruck 1012 hPa

Mit dem Bus zur Sylvesterfeier

Vorher müssen wir noch kurz das bereits verschwundene Tiefdruckgebiet abhandeln, wobei alle Punkte der Vorhersagen ganz klar an das Global Forecast System gegangen sind und die lokalen wie nationalen Meteorologen irgendwie daneben lagen. - Bereits am späten Abend spürte man den "frischen Hauch" neuer Luft und die Wolken verzogen sich endgültig und gaben den Blick frei, auf einen spektakulären Sternenhimmel. - Die letzte "Ohrfeige" des kräftigen Tiefdruckgebietes zog deutlich im Norden an uns vorüber und macht nun die marokkanische Küste nass, um dann bei Gibraltar das spanische Festland zu erreichen. - Bei uns breitet sich nun bereits wieder Hochdruck aus, von Süden her versucht dieser Kern seine angestammte Position um die Azoren wieder zu erreichen. - Das bedeutet für uns, dass die über den Atlantik aus Westen kommenden Tiefs allesamt so weit in den Norden geschoben werden, dass wir wieder aus der Schusslinie fallen. - Ist auch gut so, der Regen reicht uns nun für die nächsten paar Wochen und wir dürfen uns auf eine grandiose Mandelblüte freuen, die in diesem Jahr, eben wegen der reichlich und pünktlich gefallenen Niederschläge, spektakulär ausfallen wird. - Jetzt ein paar Tage Sonne und schon ist es so weit.

Damit ist auch klar, dass die Sylvesterfeierlichkeiten nur von spritzendem Sekt noch feucht gehalten werden können, die traditionellen Schaulaufen auf der Plaza von Los Llanos und in Santa Cruz können ohne Regenschirme stattfinden. - Dazu hat sich das "CIT-Tedote", die deutlich rührigere Vereinigung zur Förderung von touristischen Aktivitäten eine nette Initiative einfallen lassen. - Für die Westseite hat man Busse gechartert, die aus Puerto de Naos, Las Norias und La Laguna feierwütige Gäste wie Einheimische nach Los Llanos bringen, und dann später, wann konnte ich leider noch nicht erfahren, auch wieder zurück bringen. - Auf der anderen Seite der Insel wird es diesen Service auch geben, dort allerdings von Breña Baja, sowie von Los Cancajos aus in die Hauptstadt. - Abfahrt um in die Metropolen zu kommen wird "nach den Trauben" sein, also kurz nach Mitternacht, um dann die ersten Stunden des Neuen Jahres, ohne das eigene Auto zu bemühen, auf den "angesagten" Plätzen zu verbringen. - Dabei muss man ganz klar sagen, wer sich das antun will, der muss schon mindestens sein "Kleines Schwarzes" rausholen und auch anziehen und bei den Herren darf es sogar ruhig der Frack sein, zu der Gelegenheit schmeißt man sich so richtig in Schale, wie man das sonst nur noch zur Hochzeit der eigenen Tochter machen würde, oder für eine Audienz mit dem Königshaus. - Eine gute Aktion, die man sich da ausgedacht hat, betrunken Autofahren war 2008 schon nicht mehr "in" und wird es im Neuen Jahr noch weniger sein. - Man kann natürlich auch Zuhause, ohne Galarobe und ganz ruhig ins Neue Jahr schweben, das kommt übrigens ganz von alleine, aber wer sich mal so richtig zeigen will, für den ist die Plaza von Los Llanos heute Nacht und morgen Früh sicherlich der richtige Ort.

Jetzt habe ich auch den Fahrplan erhaschen können. - Der erste Bus fährt um 00:30 Uhr ab dem Hotel Sol, erster Halt normale Bushaltestelle in Puerto den Naos. Dann fährt er nach Los Llanos und hält noch an den Haltestellen in Las Norias und La Laguna und ist dann gegen 01:00 in Los Llanos. - Danach fährt er wieder nach Puerto de Naos, so dass der zweite Shuttle dann, an den gleichen Haltestellen gegen 01:30 sich wieder auf den Weg nach Los Llanos macht. - Zurück geht es um 04:00 und 04:30 Uhr jeweils ab dem Busbahnhof in Los Llanos. - Dieser Service ist gratis, Viel Spaß!



Dienstag 30.12.08 - 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 16 Grad - Niederschlag 38 mm - Luftfeuchte 95 % - Luftdruck 1007 hPa
Höchsttemperatur heute 16,4 Grad - niedrigste Temperatur 15,0 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 12,4 - Temp. min. 9,5 - Feuchte 33 - 95 % - Niederschlag > 50 mm

Einer kommt noch und dann Schwamm drüber…

Es ist schon bemerkenswert, wie sehr die Häufigkeit der Telefonanrufe bei uns mit dem Wetter zusammenhängt. - Wenn die Sonne scheint, dann will niemand was von uns, aber wehe, die Grüne Insel saugt sich mit ihrem Wasser voll. - Allerdings ist so ein Sturmtief aus Südwest mit unserer Vorstellung der praktikablen Bauweise auch nicht unbedingt kompatibel. - Ob das jetzt an uns liegt, oder an unseren Vorstellungen, das können wir außen vor lassen oder schlichtweg damit erklären, dass uns im Jahr vielleicht 10 heftige Regentage erwischen, was nicht unbedingt einen wesentlichen Anteil eines kompletten Jahres ausmacht. - Dennoch, gerade nach solchen Tagen, wenn die trockenen Handtücher knapp werden und das Telefon eben nicht mehr aufhört zu läuten um weitere Wind- und Wasserschäden zu melden könnte man durchaus auf die Idee kommen, mal genau darüber nachzudenken wie man das denn in anderen Ländern macht, in denen es das halbe Jahr regnet. - Solche weisen und nachdenklichen Momente reichen aber meist nur bis zum nächsten Tag, denn da scheint die Sonne bereits wieder und treibt uns diese miesepetrigen Gedanken von absolut dichten Häusern schnell wieder aus dem Kopf.

So macht man sich auch nur verdächtig, zumindest suspekt, wenn man nach einem solchen Tag beim abendlichen kollegialen Jammern in der nassen Kneipe irgendwas von einem wirklich trockenen Haus erzählt. - Solche Weicheier, die ihr Haus bis in die letzte Fuge hin abgedichtet haben und uns dann abends erzählen wollen wie gut sie doch seien, das passt nicht zu unserem gesellschaftlichen Trieb des gemeinsamen Erlebens und Erleidens. - Als Pharisäer oder Besserwisser werden diese Baukünstler dann auch schnell abgewunken, Respekt schon, aber eigentlich wüssten wir auch wie das geht, aber damit würden wir ja die ungeschriebenen, aber wohl befeuchteten Gesetze der notwendigen Unperfektion brechen. - Denn perfekt sein, das ist nun absolut nichts für uns, wer sich über andere stellt, der steht hier ganz alleine und allein sein, das wiederum gilt für uns als allergrößte Strafe. - Es ist nicht wirklich was passiert, allerdings haben selbst wir hier Windböen von knapp über 100 Stundenkilometer gemessen, was zusammen mit den Niederschlägen sicherlich die eine oder andere Bananenstaude entwurzelt hat. - Steinschlag auf bestimmten Strecken müssen wir auch als Normalität an solchen Tagen verbuchen, unsere Insel ist halt geologisch gesehen noch ein Säugling und muss sich ihre Hörner erst noch abstoßen. - Am Flughafen gab es halt wieder Probleme, einige Flugzeuge konnten noch nicht landen, werden das aber nun in einer angenehmen Windpause wohl hinbekommen. Auch der Hafen in Santa Cruz meldet einen "Verlust", das Kreuzfahrtschiff "Balmoral" verzichtete wegen der hohen See auf das Anlegemanöver in unserem Hafen, nachdem der RoRo-Frachter "Superfast Canarias" bereits beim Einlaufen die Hafenmole heftig rasiert hatte. - Im Moment herrscht allerdings Ruhe, aber die Vorhersagen melden uns noch den Durchzug eines weiteren Ausläufers des Tiefdruckgebietes für diese Nacht. - Morgen aber flaut dann der Wind auch schon wieder ab und es gibt gute Aussichten, dass die Sylvesterfeierlichkeiten dann ohne störendes Wasser stattfinden können und nur noch Sekt die Feiernden nass macht.


So sieht kommender Regen aus, gemeldet von der Agencia Estatal de Meteorologia



Dienstag 30.12.08 - 08:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 16 Grad - Niederschlag 4 mm - Luftfeuchte 95 % - Luftdruck 1007 hPa

Flachtarif für Busse auf La Palma

Noch eine letzte gute Tat gegen Anglizismen in diesem Jahr, obwohl sich "Flachtarif" schon reichlich bescheuert anhört. - Wobei man ha auch noch fragen müsste, ob ein Flachtarif auch für Doppeldeckerbusse gilt. - Einheitlicher Tarif wäre sicher besser, aber eigentlich auch wieder ein bisschen falsch, denn in Wirklichkeit handelt es sich zukünftig immer noch um zwei Preisstufen, die zukünftig hier das Fahren mit den Bussen des öffentlichen Nahverkehr bestimmen. - Alle Fahrten unter einer Streckenlänge von acht Kilometern kosten ab dem 1. Januar 2009 ein Euro fünfzig und alles was weiter weg ist, als eben diese Entfernung, liegt dann bei zwei Euro. - Das bedeutet eine Erhöhung der Tarife bei Kurzstrecken, aber eine saftig Reduktion, wenn man lange Strecken fährt. Von Garafía nach Mazo für zwei Euro, das ist doch ein wirkliches Angebot. - Ob man sich rechnerisch von dem Busbetrieb "Transportes Insular" damit einen Gewinn erhofft, das kann ich nicht beurteilen, eher scheint es so zu sein, dass man das Angebot im öffentlichen Nahverkehr verbessern und vor allem vereinfachen will. - Da man sich seitens der Inselregierung den Luxus leistet, den Busbetrieb hier auf La Palma zu subventionieren, muss die Firma auch nicht kostendeckend arbeiten oder gar Gewinne erwirtschaften, eventuelle Fehlbeträge im Ergebnis werden aus dem Allgemeintopf, der sich Haushalt nennt, beglichen. - Eine sicher vernünftige Lösung, um diese, doch autoverliebte Insel, etwas vom privaten Straßenverkehr zu entlasten. - Ganz gegen viele Vor, aber auch Mittel- und Nachurteile, die man uns immer so gerne anheftet, besonders was "mañana" oder "tranquilo" angeht, unsere Busse hier auf La Palma fahren nach einem strikten Fahrplan und gelten als Muster der Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit. - Das war übrigens früher nicht so, als man noch den "Mercedes-Micro" bestieg, der immer die Strecke von Santa Cruz nach Los Llanos fuhr und von dem man nie wusste, wann er denn nun auf der Westseite ankömmt. - Da hat sich viel getan, supermoderne Fahrzeuge sind nun unterwegs, die kaum noch die umgangssprachliche Bezeichnung für unsere Busse hier verdienen, man sagt hier "guagua" wenn man eines dieser Gefährte meint.

Das "Unwetter" will gerade beginnen, noch hält der Wind sich in angenehmen Grenzen, aber die ersten Schauer prasseln bereits auf die Scheiben ein. - Typisch für die aus Südwesten anbrandenden Tiefdruckgebiete, kommen die Wolken ganz tief über dem Meer auf die Insel zu, so dass man meint, aus dem Fenster direkt in eine Nebelwand zu blicken, es ist aber eine Regenwolke in der man steckt, die einem auch den kürzesten Blick zum Nachbarn noch verwehrt.



Montag 29.12.08 - 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 16 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 81 % - Luftdruck 1009 hPa
Höchsttemperatur heute 18,3 Grad - niedrigste Temperatur 13,4 Grad

Weihnachten der solidarischen Art und Unwetter auf La Palma

Weihnachten war schon, das Unwetter kommt erst noch. - Aber der Reihe nach. - Weihnachten dauert bei uns bis zum 6. Januar, dann gibt es erst die Geschenke, das macht man in vielen romanischen Ländern so, weil man eben die Schenkerei mit den gebrachten Gaben der Heiligen Drei Könige in Verbindung bringt. - Ist nicht unlogisch die Geschichte so zu konstruieren, obwohl man hier, polyglott und multikulti wie man sich manchmal gibt, zuweilen den späten Termin der Bescherung kritisiert, weil die Kinder meist am 7. oder 8.Januar schon wieder zur Schule müssen und so nur einen Tag haben, die Geschenke bereits ordentlich kaputt zu machen. - Oft gelingt das aber leicht innerhalb der gegebenen 24 Stunden, nur die Väter leiden noch tagelang danach, müssen die doch dann so tun, als könnten sie den digitalen Baukran oder die sprechende und kotende Barbie wieder reparieren. - Allerdings gibt es auch genügend Familien, die sich kaum oder gar kein Spielzeug leisten können, auch Wohlstandsgesellschaften haben ihre dunklen Ecken und wir wissen alle, dass gerade die Kinder in wenig bevorzugten Familien am allermeisten unter der oft unterschwelligen Ausgrenzung leiden. - In unserer Hauptstadt gibt es deswegen seit Jahren eine nette Kampagne, Kinder spenden Spielzeug für Kinder und der Sozialdienst der Stadt verteilt die Solidargaben dann nach ihrem Ermessen und eben auch Wissen, wo es am meisten benötigt wird. - Eine kleine Randnotiz, nicht wirklich wichtig, gibt es anderswo auch, aber dennoch schön, dass es so was gibt. - Chapeau!

Alle Wetterprognosen sind sich einig, morgen am Dienstag wird ordentlich was los sein hier auf La Palma, das angekündigte Tief wird noch in der Nacht über uns hereinbrechen. - Allerdings sind sich die verlässlichsten Quellen, die staatliche Wetteragentur und das Global Forecast System nicht einig, wie lange uns denn dieses fette Tiefdruckgebiet in seinen Fängen haben wird. - Die positivsten Prognosen gehen davon aus, dass morgen Nacht bereits der Wind und die heftigen Niederschläge nachlassen werden, die spanische Wetteragentur allerdings sieht und bis Sylvester-Abend mit dem Regenschirm bewaffnet. - Ich kann mich da nie entscheiden, welcher Voraussage man denn da den Vortritt lassen soll, oder gar nach Sympathie entscheiden, allerdings sind unsere Beobachtungen wie folgt: Langfristig ist das Global Forecast System unschlagbar, bei den Vorhersagen aber im 48 Stunden Bereich sind die lokalen Meteorologen deutlich besser. -Interessant wird das jetzt natürlich für die Sylvesterfeierlichkeiten, die bei uns traditionsgemäß im Freien und mit schicker Kleidung unternommen werden. - Man wird da wirklich bis zum Abend abwarten müssen, ob denn der Wind so weit abflaut und der Regen verschwindet, aber wenn man einen leichten Durchschnitt aus beiden Prognosen als vernünftig betrachtet, dann müsste das Neue Jahr mit guten Wetter, Hochdruck so wie wir das kennen und manch geknickter Bananenstaude beginnen, denn der Wind, der meist aus Süden kommen wird, der kann morgen unangenehm heftig werden.



Montag 29.12.08 - 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 14 Grad - Niederschlag 1 mm - Luftfeuchte 85 % - Luftdruck 1011 hPa

Das vulkanologische Risiko für die Kanarischen Inseln steigt an

So möchte uns der Chef der "Sociedad Volcanológica de España", Nemesio Perez, mal wieder ganz deutlich einen Faktor vor Augen führen, den wir nur zu oft und auch zu gerne aus dem Alltag verdrängen. - Den Anstieg des Risikos für die Kanaren führt Nemesio Perez allerdings nicht auf erhöhte Aktivität unserer Vulkane zurück, sondern folgerichtig auf die immer dichter werdende Bevölkerung auf unseren Inseln. - Die eigentliche Aktivität unserer Feuerberge ist in den letzten Jahren sogar wieder gesunken, nachdem man vor vier Jahren auf Tenerife kurz vor einem Vulkanausbruch stand, dieser aber nicht stattgefunden hat, weil die aufsteigende Lava genügend Platz in den unterirdischen Kavernen der Insel fand und sich keinen Weg an die Oberfläche bahnen musste um den Druck los zu werden. - Damals versprach man von allen offiziellen Seiten Notfallpläne zu erstellen, ein eigenes kanarisches vulkanologisches Institut zu errichten und auch eine Risikokarte für die Kanaren zu erstellen, welche klar sagen sollte: Hier besser nicht bauen oder siedeln, hier kann mal was passieren. - Von alledem ist nach der wieder eingekehrten Ruhe nichts mehr übrig geblieben, das klagt Nemesio Perez nunmehr in einem Artikel in der Zeitung "La Opinión" an, die Verdrängungsmechanismen funktionieren ebenso gut in der privaten Gesellschaft wie auch bei den Behörden, die auch nur angesichts aktueller Krisen reagieren.

Als mögliche Ursache für unser aller Missachtung der vulkanologischen Gefahren auf den Kanaren sieht Nemesio Perez, die Tatsache, das bei den letzten Ausbrüchen von Vulkanen auf den Kanarischen Inseln ein verhältnismäßig geringer Schaden eingetreten ist, da das Glück uns hold war und die Erde sich meist dort öffnete, wo kaum Menschen siedelten, oder die Vorwarnzeit groß genug war, um sich und Teil seiner Habe in Sicherheit zu bringen. - Die Statistik nennt für die Kanarischen Inseln lediglich 22 Todesfälle durch Vulkanausbrüche seit ihrer Besiedlung durch die spanischen Eroberer, eine verharmlosend geringe Zahl für die 14 registrierten Eruptionen in diesem Zeitraum. - Allerdings ist eben die Zahl der Bevölkerung auf den Kanaren in den letzten Jahrzehnten so stark angewachsen, dass weitere Ausbrüche deutlich schlimmere Folgen haben könnten, nicht nur was die Menschenleben angeht, sondern auch die immer komplexere Infrastruktur. - So glimpflich wie bisher werden wir beim "nächsten Mal" nicht wieder davonkommen meint Nemensio Perez und möchte uns nun so weit sensibilisieren, dass wir dieser Gefahr als Bewohner auf aktiven Vulkaninseln immer vor Augen haben. - Noch wichtiger dabei aber wäre, dass wir unsere Politiker so weit unter Druck setzen diese Themen auch anzugehen und abzuarbeiten, damit es für den Ernstfall Pläne gibt und ein funktionierendes Notfallprogramm. - Auch das heikle Thema mit den Risikozonen für die Kanaren darf nicht immer wieder hinter wirtschaftlichen Interessen anstehen, auch wenn es klar ist, dass solch eine Karte niemandem gefallen kann, der plötzlich sein Grundstück oder seine touristische Einrichtung in einem Gebiet wiederfindet, welches als "riskant" eingestuft wird. - Solch eine Karte hätte aber nicht nur finanzielle Auswirkungen für Privatleute und Investoren im Immobiliensektor oder im touristischen Bereich, ganze Gemeinden könnten durch solche Gefahrenwarnungen plötzlich ohne Wachstum dastehen und sogar verwaisen. - Das ist ein bisschen so wie in den Katastrophenfilmen, wo es immer einen, meist schlecht gekleideten Wissenschaftler gibt der warnt und smarte Herren der Krawattenfraktion die ungern schlechte Nachrichten hören und weitergeben, weil es schlecht ist für das Geschäft wäre. - Mal sehen, ob sich jemand außer mir überhaupt für den Aufruf des Vulkanologen interessiert. - Zum kompletten Artikel von Nemesio Perez geht es HIER.



Sonntag 28.12.08 - 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 19 Grad - Niederschlag 1 mm - Luftfeuchte 71 % - Luftdruck 1009 hPa
Höchsttemperatur heute 21,2 Grad - niedrigste Temperatur 13,4 Grad

Jetzt mal ganz im Ernst

Viele Leute haben sich bereits gefragt, was denn da eigentlich diese vielen Straßenlaternen auf dem Weg nach San Nicolas sollen. - Mitten in der Pampa, rund um das idyllische Zementwerk und den "Punto Limpio", wo wir alle unseren Sperrmüll hinbringen, da stehen hunderte von Laternen in der Landschaft und warten darauf, breite, aber ungenutzte Straßen zu beleuchten. - Es gibt viele Theorien, warum denn da so viele Lampen stehen, eine besagt, sollte jemand nachts zwischen Sperrmülllager und Zementwerk spazieren gehen wollen, dann könne man dem ja nicht zumuten, im Dunkeln laufen zu müssen. - Allerdings halte ich diese These nicht für besonders ausgereift, zumal die vierspurige Autobahn eher auf den Wunsch hindeutet, von Kraftfahrzeugen befahren zu werden. - Wieder Andere sagen, es handele sich um eine Verkaufsausstellung von Straßenlaternen, genannt Juan Ramóns Lampenladen, denn schließlich hat der ehemalige Bürgermeister von Los Llanos die vielen Lichter dort installieren lassen. - Übrigens ist diese Geschäftsidee gleich an den Nachfolger übergegangen, der auch Juan Ramón heißt, so brauchte man sich wegen der Namensrechte keine Gedanken machen und in Los Llanos ändert sich sowieso nichts, das ist dort ein bisschen wie im Vatikan. - Dem widerspricht natürlich die Tatsache, dass diese Lampen allesamt nicht funktionieren, oder es sind die neuesten Sparmodelle, die überhaupt keinen Strom mehr verbrauchen und auch nicht weiter zur Lichtverschmutzung beitragen. - Es gibt noch eine ganz gewagte Theorie, es handele sich bei dem einlaternten Gelände um das neue Industriegebiet von Los Llanos, aber auch da muss man sich die Frage stellen, wie die denn das machen wollen, ein Industriegebiet ohne Strom. - Aber gut, der kann ja noch kommen und von der Größe her könnte wohl der VW-Konzern nachgefragt haben, oder Hyundai möchte dort seinen neuen Kleinwagen für die sechste Welt bauen, der mit Photozellen betrieben wird und deshalb kann das Ding immer nur da fahren, wo alle 20 Meter eine Straßenlaterne steht. - Also alles nicht befriedigend diese Theorien und nun endlich wird auch klar, dass die einzige und mögliche Nutzung dieses Geländes für einen ganz anderen Zweck vorbereitet wurde.

Ein aufmerksamer Leser und Beobachter hat nun endlich Beweise sammeln können, es handelt sich um den neuen Flughafen für La Palma, genannt Aerodromo Juan Ramón II. - Die Westseite war ja immer schon gehandicapt, alle Flieger landeten bislang auf der Ostseite bei Mazo und die paar Touristen die sich dann noch durch den Tunnel auf die Westseite verirren, die füllen unsere Hotels nicht effektiv genug. - Man muss ja auch mit dem künftigen Ansturm der zahlreichen Weltelite des Golfsportes rechnen, ganz um die Ecke, eben zum Teil im Naturschutzgebiet, plant man doch den 18 Loch Platz "Aridane-Golf" und man kann den begeisterten Sportlern doch nicht zumuten, mit dem Golfwägelchen die Cumbre hoch und wieder runter fahren zu müssen. - Das ist alles von langer Hand geplant und wir erinnern und doch, dass die Iberia vor geraumer Zeit sogar einem Airbus 321 den Namen Los Llanos de Aridane gegeben hat, die wussten also wieder mal mehr als wir. - Die vielen Laternen sind die Pistenbeleuchtung und werden, wenn dann der Strom mal da ist, bei jeder Landung und bei jedem Start im Boden versenkt, so schick und umweltästhetisch können wir denken. - Wenn der Vogel dann gelandet ist, dann sausen die Laternen wieder hoch und die Passagiere fallen dann beim Gang in die Abfertigungshalle nicht in die Müllcontainer vom Punto Limpio. - Ein wahrer Geniestreich ist den weisen Stadtplanern da gelungen, zumal man dann sicher auch noch eine Magnetschwebebahn vom Flugplatz Juan Ramón II. zum Überseeterminal im Hafen von Tazacorte bauen wird, irgendwie müssen die Menschenströme ja kanalisiert werden angesichts dieser hochmodernen Infrastrukturanlagen. - So haben uns die alten Politfüchse, die beiden Schlingel Juan Ramón, mal wieder kräftig eins auf die Unwissenheitsdrüse gegeben und allen Kritikern der Flutlichtlandschaft dort am Callejón de La Gata das blanke Fürchten geleert. - Immer auf der Seite der Bürger, jederzeit für Fortschritt, Nation und Wohlergehen aller. - Aus relativ sicheren Quellen der neu gegründeten Fluglinie Aridane-Air lässt man uns auch wissen, dass ständige Flugrouten nach San Borondón, Lummerland und Bounty-County geplant sind, als neues Luftdrehkreuz am nördlichen Wendekreis des Wahnsinns hat man sich hohe Ziele gesteckt. - Die erste Landung auf dem neuen Flughafen geht also in die Geschichte dieser Insel ein, am 28. Dezember 2008 hat eine, eigentlich wirre Ansammlung von Straßenlaternen, endlich einen epochalen Sinn gefunden.


Der neue Flughafen auf der Westseite der Insel La Palma



Sonntag 28.12.08 - 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 14 Grad - Niederschlag 4 mm - Luftfeuchte 90 % - Luftdruck 1009 hPa

Naturmedizin gegen Wirtschaftskrise und Schlafzimmerflaute

Eigentlich sollte es schon gar nicht mehr regnen, aber das "kleine Zwischentief" hält sich hartnäckig hier über den Inseln und sorgt dafür, dass wir immer mal wieder ein bisschen nass werden. - Keine wirklichen Mengen an Niederschlag, aber eben gerade so viel, dass die Wäsche nicht trocken wird und der Spaziergang dann doch nur 20 Minuten dauert. - Eigentlich sollten wir eine schöne Wetterpause haben bis Dienstag, wo wir dann den schnellen Durchzug eines weiteren Tiefausläufers hier erwarten. - Immerhin konkretisiert es sich, der Sylvesterabend selbst wird doch trocken bleiben, das angesagte Tief soll wohl schneller durchsausen als ursprünglich prognostiziert. - Da sind wir auch schon fast beim Thema angekommen, denn Sylvester feiert man hier erst fein gekleidet mit Frack und "Kleinem Schwarzen" um dann ausgelassen und schwungvoll ins Neue Jahr zu starten. - Rechzeitig und passend dazu will man nun, seitens des "IPNAL" (Instituto de Productos Naturales y Agrobiología de La Laguna) ein neues pharmazeutisches Produkt auf den Markt werfen, welches "Píngora" genannt wird und in seiner Wirkung dem bekannten und teuren "Viagra" in nichts nachsteht.

Eher vorsteht müsste man sagen und darüber hinaus wird dieses Mittelchen aus 100% biologischen Dicksäften gewonnen, nämlich aus einer geheimen Mischung des Saftes des Drachenbaumes, gemischt mit Anteilen der Latex ähnlichen Flüssigkeit, welche die süße Kanarenwolfsmilch, die Euphorbia balsamifera absondert. - Das ursprüngliche Rezept dafür stammt aus La Palma, genauer gesagt aus "Punta Gorda" und Don Euphorbio hat den Wissenschaftlern des Institutes in La Laguna diese pikante Mischung verraten und nun hat man die stärkende Wirkung des Produktes auf die Manneskraft dort in Reihenversuchen nachgewiesen und bringt "Píngora" nun als Konkurrenz zu Viagra auf den Markt. - Da es sehr viel billiger herzustellen ist als die teure blaue Pille, haben sich bereits große pharmazeutische Konzerne mit dem lagunenser Institut in Verbindung gesetzt, alle wollen dieses Rezept, aber Produktname und Zusammensetzung sind bereits beim kanarischen Markenamt registriert. - Um Plagiate und Fälschungen zu vermeiden, wird die Pille in gelb-blau-weiß, also den kanarischen Nationalfarben versehen und soll so auf den erwartungsfreudigen Markt geworfen werden. - Die hiesige Krankenkasse, die Seguridad Social, hat auch bereits zugesagt, das Medikament bei medizinischer aber auch gesellschaftlicher Indikation voll zu bezahlen, woraufhin die meisten Gesundheitszentren der Kanarischen Inseln bereits komplett überlaufen sind. - Sie glauben die Geschichte nicht? - Ich auch nicht, auch wenn es so und noch ausführlicher heute in der Zeitung steht. - Denn heute ist der 28. Dezember, der "Día de los Santos Inocentes" und das ist hier in Spanien so etwas wie der Erste April, aber hier schickt man die Leute eben in den Dezember. - Die Zeitung "Diario de Avisos" hält an dieser Tradition jedes Jahr wunderbar fest und für ganz viele Leser ist es heute erste Bürgerpflicht, sofort den diesjährigen "Dezemberscherz" zu finden. - Ich glaube schon, dass wir ihn bereits gefunden haben.





Samstag 27.12.08 - 17:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad - Niederschlag 2 mm - Luftfeuchte 67 % - Luftdruck 1005 hPa
Höchsttemperatur heute 20,4 Grad - niedrigste Temperatur 13,6 Grad

Subventionen zum Fest

Jedes Jahr die gleiche Frage der Geschäftsleute, kommen die Vorauszahlungen für die Bananenbauern noch rechtzeitig vor dem so wichtigen Drei König-Tag, oder muss man mit geringeren Umsätzen im Hauptgeschäft des Jahres rechnen. - Um es ausnahmsweise mal kurz zu machen, die Hälfte der Hilfen der Europäischen Union für unsere bananistische Landwirtschaft war pünktlich am 26. Dezember auf den Konten, es kann also losgehen mit der ungetrübten Konjunkturspritze aus Brüssel. - Knappe 25 Millionen Euro flossen so in die Hände der Plantagenbesitzer, die zweite Hälfte kommt dann im März, so hat man das ausgehandelt. - Früher, als alles anders und nur manches besser war, da gab es die gesamte Summe im Sommer, aber viele der kleinen Bauern konnten nicht so lange warten und darum verlegte man einen Teil der Auszahlungen vor. - Es gibt bereits Initiativen, den Auszahlungstermin noch weiter nach vorne zu legen, insgeheim hoffen wir damit, uns eine komplette Jahresauszahlung zusätzlich zu verschaffen, die in Brüssel merken das sicher nicht, dass wir dann 2009 bereits das Geld von 2010 ausgegeben haben… Das ist natürlich Quatsch, aber die Inselwirtschaft hat sich lebhaft an diese jährlichen 50 Millionen Euro gewöhnt und viele der kleinen Landwirte, die eben nur ein paar Tagwerk Bananen haben, die sind heftig auf diese Gelder angewiesen. -

Übrigens ist hier das Wort Subvention im Zusammenhang mit dem Bananenanbau äußerst verpönt, so darf man von Hilfen sprechen oder von Ausgleichszahlungen, schließlich hat man hier in Spanien mit dem EU-Beitritt sich dieses Recht ausgehandelt, in dem man den kanarischen Bananen, den Platanos, die Exklusivrechte für das Bananenangebot auf der Iberischen Halbinsel wegnahm. - Ganz korrekt heißt das Hilfsprogramm "Posei" (Programa de Acciones Específicas por el Alejamiento y la Insularidad)", - Programm für spezifische Maßnahmen wegen der Entfernung und Insellage. - Für die ganzen Kanareninseln gibt es 127 Millionen Euro, wovon knappe 50 Millionen alleine nach La Palma wandern, da wir so fleißig Bananen auf unseren Feldern anbauen. - Nun wird schon lange diskutiert, wie lange wir noch diese Hilfen erhalten können, schließlich sind wir ja eigentlich "erwachsen" hier auf den Inseln und sollten ohne solche Zahlungen über die Runden kommen, aber wer mal ein nur kleines bisschen in das Subventionskarussell der EU guckt, der wird schnell feststellen, dass wir ein klitzekleiner Fisch sind, mit unseren krummen gelben Früchten und so die Hoffnung haben, da immer wieder durch die Kommissionen geschleust zu werden. - Zumal wir ja einen potenten, fragen Sie mal Carla, Fürsprecher haben, auch die Franzosen bekommen Geld für ihre Überseeprovinzen und olle Sarko hat schon angekündigt, wie Napoleon weiter für diese Hilfen zu kämpfen. Hoffentlich hat dem keiner gesagt, dass Brüssel gar nicht so weit weg liegt von Waterloo und uns die Briten und die Preussen schon so manches Mal in den so wohlklingenden Subventionstopf spucken wollten. - Aber was soll´s, die Millionen sind jetzt erstmal auf den Konten und werden dort keine Wurzeln schlagen sondern kräftig gegen die "Crisis" hier auf La Palma anstinken. - Sparen, das mit der hohen Kante, das hat uns noch nie gelegen.



Samstag 27.12.08 - 10:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 14 Grad - Niederschlag 18 mm - Luftfeuchte 92 % - Luftdruck 1006 hPa

Zur Lage der Nation

Da wir hier mit den Begriffen Nation und Nationalismus durchaus anders umgehen, als man das in Deutschland so geschichtsträchtig macht, kann man selbst für kleinste gesellschaftliche Schichten diese schlecht definierten Vokabel ansetzen. - Hier auf La Palma ist man bereits Nationalist, wenn man lieber in seinem eigenen Ort einkaufen geht, als der Nachbarstadt seine paar lausigen Kröten zu gönnen und langsam frage ich mich, ob es denn nicht auch schon an familiären Nationalismus grenzt, immerzu mit der selben Frau verheiratet zu sein. - (In meinem Fall zeugt das nur von gutem Geschmack) - Nun sollte man aber bloß nicht anfangen, das Wort Nation mal nach seiner, wohl lateinischen Herkunft zu definieren, denn dazu bräuchten wir ja einen Staat, so richtig mit Verfassung, Pass, Außenminister und Staatsverschuldung. - Damit können wir hier ja nicht wirklich dienen, die Verschuldung nimmt uns nämlich der wirkliche Staat ab, vielleicht klingt bei uns deshalb das Wort "nacionalismo" eher wie ein harmloses Gesellschaftsspiel für verwirrte Politiker und nicht wie das menschenverachtende Horrorszenario, unter welchem sich in Mitteleuropa vor 70 Jahren weiche Hirne mit harter Hand zur tausendjährigen Macht putschten. - So muss man als deutschsprachiger Mensch sehr auf der Hut sein, hinter unserem Nationalismus ähnliche Auswüchse zu vermuten, wir wären, ganz im Vertrauen, zu solch frenetischer und leider effektiven Scheiße gar nicht fähig. - Gott sei Dank möchte man sagen, aber bei unserem Nationalismus gilt wirklich dieser so oft zitierte Satz überforderter Hundehalter: "Der will doch nur spielen".

Dennoch arbeitet man hier, bezeichnenderweise im Provinzparlament, an einer kanarischen Verfassung, welche die Kanaren als Nation definieren soll. - Warum wir das brauchen und was wir davon haben, diese Diskussion findet nicht statt, es ist der schiere und plumpe Versuch eine Gemeinschaft zu formen, in dem man sich von anderen abgrenzt. - Das Volk, also diese undefinierbare Masse, welche eigentlich die Nation bildet, die interessiert sich dafür nicht mal provinziell, wir sind, wenn es gerade anliegt, Separatisten, Königstreue, Europäer oder Pasenes, ganz wie uns der Wind des Pragmatismus gerade passt. - Nicht, weil wir kein Rückrat hätten, sondern weil uns dieser ganze Schmarrn einfach nichts angeht und schon gar keine konkreten Lösungen für profane Alltagsprobleme bietet. - So gibt es hier auf den Kanaren zum Beispiel auch eine Partei, die sich geistig ungestraft "Centro Canario Nacionalista" nennen darf, aber eigentlich ein FDP-Verschnitt, mit der Zielgruppe unzufriedener bürgerlicher Arbeitnehmer und Unternehmer ist. - So merkt man bald, dass für uns die Aussage der Nation nichts anderes beheimatet, als dass man damit zum Ausdruck bringen will, wir zuerst, dann sehen wir mal, was noch für die anderen übrig bleibt. - Eigentlich nichts anderes als grundsolider menschlicher Egoismus, der sogar in den Weltreligionen seine Rechtfertigung findet, meist versteckt in Vokabeln wie "Ungläubige" oder "Auserwählte". - Warum dann also dieses Gedönse von Nation hier auf den Kanaren, wo es doch bloß darum geht, dafür zu sorgen, dass wir unseren Teil der Torte abbekommen. - Wir haben ja nicht mal eine eigene Sprache, allenfalls einen lustigen Dialekt, und schon gar keine eigene Herkunft, sondern sind ein Sammelsurium an Menschen aus vielen Nationen, meist allerdings der Spanischen, die sich hier zusammengefunden haben, damit es ihnen gut geht. - Vielleicht geht es auch nur um solch einfältige Dinge wie Minderwertigkeitskomplexe unserer Provinzfürsten, die lieber über eine Nation regieren würden, als über eine autonome Region, aber wer weiß das schon, was in deren nationalistischen Hirnen so vor sich geht. - Ansonsten nichts Neues aus der Nation, allenfalls können wir nur noch nationalen Schnupfen vermelden, drei Tage nasse Füße greifen unsere Nation bis in die Wurzeln der Identität an. - Gäbe nicht das Kropfband dem Kropf noch eine Bedeutung, dann wäre der Vergleich mit dem Kropf und der Notwendigkeit eines kanarischen nationalen Statutes angebracht.



Freitag 26.12.08 - 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad - Niederschlag 2 mm - Luftfeuchte 77 % - Luftdruck 1007 hPa
Höchsttemperatur heute 20,3 Grad - niedrigste Temperatur 12,4 Grad

Bananenbrei

Alles Banane hier auf La Palma, das ist nicht unbedingt was Neues. - Allerdings will man sich nun auch daran versuchen, die Bananen nicht nur als Frischfrucht auf den Markt zu bringen, sondern auch noch als Pulpe, um damit die Süßwarenindustrie zu beliefern. - Weiter soll es eine Süßspeise als Frischnachtisch geben und auch will man getrocknete Bananenscheiben auf den Markt werfen, ein Produkt welches sich als Naschersatz für industrielle Schokoriegel an gesundheitsbewusste Verbraucher wenden soll. - Das hört sich alles ganz gut an, immerhin weiß man ja, dass die Veredlung von landwirtschaftlichen Rohstoffen meist mehr Renditen abwirft, als die "grüne Frucht" selbst. Allerdings wird mir angesichts solcher, sicherlich lobenswerter Initiativen, immer ganz schwummrig im Kopf, wenn man, angesichts unserer marktwirtschaftlich orientierten Gesellschaft solche Projekte von "hinten" aufzieht. - Das will in diesem Fall meinen, man sorgt für die Produktion und kümmert sich dann, wenn überhaupt, um eine Marktanalyse und irgendwann sogar um ein Marketing um den Verkauf zu steuern. - Denn leider verdient man alleine mit der Produktion von endemischem Kraut noch kein Geld, sondern immer erst, wenn man das Zeug auch verkauft hat. - Es kann auch ein bisschen schlechtes Gewissen und Handlungsdrang bei der Inselregierung den Ausschlag zu diesem Projekt gegeben haben. - Einerseits muss man sich ja Gedanken um die Bananen auf unserer Insel "an sich" machen und andererseits steht seit vielen Jahren das große Gebäude in El Paso ungenutzt herum, in dem sich früher einmal die Zigarettenfabrik "JTI" befand. - Das Gebäude gehört der Inselregierung und bislang fand man einfach keinen solventen Nutzer dieser industriellen Immobilienperle, so drängte sich der Gedanke mit der Weiterverarbeitung dort zu veredelten Produkten aus den Bananen förmlich auf. - Ich hoffe nur, es gibt auch einen Markt für dieses Angebot, die gleiche Hoffnung beschleicht mich auch für die, immer noch nicht in Betrieb genommene Molkerei, die einen ähnlichen Werdegang hinter sich hat.

Jetzt noch zwei Nachträge zu den Ereignissen an Weihnachten. - Inzwischen deutet als Unfallursache des schrecklichen Unfalls am 23.12. auf der Straße nach Los Llanos alles auf stark überhöhte Geschwindigkeit des verunfallten Fahrzeuges hin. - Aus verlässlicheren Quellen kann man hören, dass der Kleinwagen mit den vier Jugendlichen aus der Spur getrieben wurde und einen entgegenkommenden Lieferwagen frontal gerammt hat. - Der Lieferwagen stürzte durch die Wucht des Aufpralls um, allerdings erlitt der Fahrer so gut wie keine Verletzungen. - Es bleibt zu befürchten, dass man also die Unfallursache als "banale" Geschichte jugendlicher Selbstüberschätzung und Raserei abtun muss. - Dieser Hintergrund macht die Verzweiflung für die Angehörigen nicht leichter zu ertragen. - Die beiden verletzten Jugendlichen befinden sich weiterhin im Krankenhaus und müssen noch länger ärztlich betreut werden, allerdings hörte man in Bezug auf den schwer verletzten Jungen die Worte "stabiler Zustand", was immer das sein mag, aber es soll irgendwie beruhigen. - Zum Starkregen auf dem Flughafen und den dadurch entstandenen Folgen erreichte uns noch folgender "Augenzeugenbericht", der die Situation am Heiligen Abend am Flughafen La Palma noch mal authentisch vorführt:

Wir - für den Rückflug nach München gebucht, konnten alles hautnah miterleben. Es kübelte vom Himmel, nicht so fein verteilt, wie Sie für El Paso berichten durften. Dann gab es noch Hagel und Gewitter. Das Auftanken der MUC-Maschine musste aus Sicherheitsgründen unterbrochen werden. Der Regen kam zuerst durch die Türen vom Rollfeldzugang herein, dann versagte die Kanalisation und es floss das Nass aus den Toiletten in die Halle. Und ob es damit nicht genug wäre, sprudelten zwischen den Fliesen im fast gesamten Sicherheitsbereich kleine Fontänen. Wir wurden dann alle hinaus gebeten und sahen, dass auch aus dem Duty-Free- Shop das Wasser kam. Es roch dann so stark, dass die Passagiere gebeten wurden nach oben zu gehen. Oben war auch nicht alles wasserdicht, aber der Geruch doch angenehmer.

Das Personal hatte diese unangenehme Situation aber mit allen vorhandenen Reinigungskräften sehr schnell wieder unter Kontrolle. Nach unserem erneuten Sicherheits-Check roch es nur noch sauber und es war auch nicht mehr nass. Der Starkregen hatte inzwischen nachgelassen und wir konnten mit 1 Std. Verspätung abfliegen.

Den missglückten Landeversuch am Abend konnte ich aus dem Flugzeug beobachten. Gerade um ungünstigsten Augenblick gab es starke Scherwinde und die Maschine musste durchstarten. Unser Flug verlief bis auf kleine Ruckler ruhig und wir sind mit nur 35min. Verspätung in München gelandet.




Freitag 26.12.08 - 09:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 14 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 81 % - Luftdruck 1010 hPa

Bittere Nachlese

Leider gibt es so einiges zu berichten aus den letzten Tagen. - Über allem heraus sticht der Unfalltod zweier Jugendlicher aus El Paso, die noch in der Nacht zum Heiligen Abend ihr Leben auf der Straße nach Los Llanos verloren. - Der 19 jährige Fahrer und die 14 jährige Beifahrerin starben an den Unfallfolgen, einen weiteren 15 Jährigen konnten die Rettungskräfte schwer verletzt ins Krankenhaus bringen und eine 14 Jährige, die auch auf dem Rücksitz saß, kam wohl mit leichteren Verletzungen ins Krankenhaus. - Angesichts der Trümmer des Kleinwagens grenzt es schon bald wieder an ein Wunder, dass überhaupt jemand diesen furchtbaren Unfall überlebt hat. - Über den Hergang schweigt man sich aus, es wird ermittelt, über den oder die Fahrer, welche das Auto gesteuert hatten mit welchem die Jugendlichen zusammengestoßen waren gibt es keine vertrauenswürdigen Aussagen. - Das ist für die Trauer und den Schmerz der Familien jetzt auch nicht wichtig, sondern nüchterne Arbeit der Polizei. - Ganz El Paso scheint im Schockzustand zu sein, alle kannten die vier "Kinder" möchte man fast noch sagen und eben die Familien, deren Erinnerung an Weihnachten 2008 für immer mit dieser Katastrophe verbunden sein wird. - Es ist der erste tödliche Verkehrsunfall auf La Palma seit gut zweieinhalb Jahren, war man doch erst neulich so stolz mit dieser Nachricht an die Öffentlichkeit gegangen, bis eben dieser Unfall eine solch stolze Serie lautstark beendete. - Unser aller Gedanken sind bei den Angehörigen der Verstorbenen, denen man in solchen Momenten nur tiefen Glauben wünschen kann, mit Realität und Vernunft sind solche Schläge nicht zu überwinden. - Den Verletzten wünschen wir baldige Genesung und gute Unterstützung bei der großen Aufgabe, die erfahrenen Bilder dieses Unfalls und den Verlust der Freunde irgendwie zu überwinden.

Kein Wunder, dass auch unser Weihnachtsfest mit gedrückter Stimmung abgelaufen ist, unsere Kinder sind im gleichen Alter und fahren auch schon mal eben mit irgendwelchen Bekannten nach Hause, was ist denn auch schon dabei. - Ansonsten war der Heilige Abend selbst vom Regen bestimmt, das erste Tiefdruckgebiet welches uns in diesem Winter erreichte hinterließ stolze 48 Millimeter Niederschlag und das auch angenehm verteilt, so dass die Erde Zeit genug hatte dieses Wasser auch aufzunehmen. - Stromausfälle gab es durch ein Gewitter am Nachmittag, welches so manchen Weihnachtsbraten kurzzeitig bedrohte, aber das ist normal für uns, beim ersten starken Regen und wenn dann auch noch Gewitter mit im Spiel ist, dann verabschieden sich reihenweise Transformatoren und Relais der Telefonica. - Mehrere Flugzeuge konnten auf La Palma am Mittwoch auch nicht landen, neben ein paar Inselhoppern musste auch die Air-Berlin aus Düsseldorf nach zwei Landeversuchen aufgeben und wurde dann nach Tenerife Süd umgeleitet. - Später unternahm man einen dritten Versuch, aber auch der wurde durch heftige Windböen vereitelt, so dass man für den Heiligen Abend selbst keinen weiteren Anlauf mehr unternahm. - Es war Pech für diese Passagiere, denn die anderen Charter konnten allesamt landen und zwischendrin war das Wetter auch wieder in Ordnung, allerdings genau in den Zeiträumen, in denen diese Maschine eine Landung versuchte, ging es einfach nicht. - Die Gäste wurden schließlich auf Tenerife in einem Hotel untergebracht und gestern Abend mit der Fähre nach La Palma geschippert. - Aber auch auf dem Flughafen La Palma gab es Schwierigkeiten, es fiel dort so viel Wasser auf einmal aus dem Himmel, dass zwei Maschinen erst nach Wartezeit starten konnten, so viel Wasser lag auf der Bahn und im Gebäude drückte das viele Wasser heftig gegen die Abwasserleitungen, dass es unangenehme Überschwemmungen im Gebäude gab. - Gestern nun schien den ganzen Tag wieder prächtig die Sonne, eine wunderbare Antwort auf den verregneten 24. Dezember. - Das Großseglertreffen in Santa Cruz bei guten Wetter ist immer ein schönes Ziel, jedes Jahr am ersten Weihnachtsfeiertag wird dieses veranstaltet. - Allerdings verkommt dieses, eigentlich als Windjammertreffen begonnene Traditionstreffen immer mehr zum Trödelmarkt, ganze vier Großsegler waren noch gekommen, denen man heftig danken muss. - Dafür ist die Musik besser geworden, Vrandán, Son Bohemio und das beliebte Trío Zapatista spielten auf, mehr für die Ohren, weniger für die an Fernweh trainierten Augen gab es dieses Jahr. - Heute erwarten wir auf der Westseite wieder Regen, allerdings nicht mehr so üppig wie noch an Weihnachten selbst. - Bis Jahresende sollte dann Ruhe sein mit Niederschlägen, aber genau für diesen Zeitraum braut sich da noch mal Größeres auf dem Nordatlantik zusammen.



Mittwoch 24.12.08 - 10:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 14 Grad - Niederschlag 1 mm - Luftfeuchte 77 % - Luftdruck 1012 hPa

Weihnachtspause

Wir wünschen allen ein gesundes, friedliches und schönes Weihnachtsfest, lassen Sie es sich gut gehen. - Wir machen nun zwei Tage Pause und sehen oder lesen uns am 26.12. wieder!



Dienstag 23.12.08 - 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 18 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 55 % - Luftdruck 1017 hPa
Höchsttemperatur heute 22,3 Grad - niedrigste Temperatur 11,8 Grad

Was macht unsere Schokolade in New Jersey?

Die lieben Absender haben sich sicher schon gedacht, was für ein unfreundliches Volk diese Siebolds sind. - Da schickt man schokoladige Care-Pakete aus der Schweiz zu Weihnachten nach El Paso und niemand bedankt sich dafür! - Allerdings muss man die, wieder unerklärlich langen Postlaufzeiten in Betracht ziehen, aber vier Wochen, aus der Schweiz nach La Palma, das kann doch nicht sein, schlimmstenfalls ist mal was zwei Wochen unterwegs, entweder haben die Madrider die feinen Cailler aufgegessen, oder die Siebolds sind ein undankbares Pack. - Wollen wir zumindest die Postler in Madrid und die Siebolds gleich mal aus der Schusslinie nehmen, das Paket ist nämlich schon noch angekommen, nach vier Wochen und drei Tagen Laufzeit, aber mit reichlich Lebenserfahrung und Jetlag im Karton. - Irgendwie ist das Päckchen mit den süßen Weihnachtsgrüßen in die USA gekommen, vielleicht weil ein polyglotter Schweizer Postler gleicht wusste, El Paso, das liegt in den USA, also dorthin in den großen Sack der über den großen Teich geht. - Kennt doch jeder, El Paso, Texas, zwar ist unser Ort älter, und für uns näher, aber wir müssen halt zugeben, dass das andere El Paso doch berühmter und bekannter ist, aber eben doch furchtbar weit und in einer Klimazone, die doch unserer zarten Schokolade so gar nicht zuträglich ist. - Wie nun das Paket nach New Jersey gekommen ist, dort wohl beschädigt gefunden wurde und dann wieder zurück auf den alten Kontinent geschickt wurde, das könnte man auch noch mal nachvollziehen. - Auf jeden Fall hat irgendjemand dort in New Jersey, nachdem das Paket in den USA irgendwie irakisiert wurde, sich dem Findling angenommen, diesen geflickt und dann wieder auf den rechten Weg geschickt. - Dieser unbekannten, aber hoch arbeitsamen und zuvorkommenden Seele in Jersey City gilt unser ausgesprochener Dank, wir werden unsere Gebete entsprechend anpassen. - Und natürlich bedanken wir uns, auf diesem Wege auch bei den edlen Absendern, die übrigens das Paket zu 100% richtig adressiert haben ebenso, es hat zwar nichts mit Endemie oder gar Authentizität einer palmerischen Weihnachtsfeier zu tun, aber diese Schweizer Schokoladen, die schmecken so teuflisch gut, dass man die zu Weihnachten ruhig naschen darf.

Noch was kommt zu uns an Weihnachten aus den USA, oder vielleicht besser vom amerikanischen Kontinent, das erste Tiefdruckgebiet dieses Winters. - Darüber kann man nun getrennter Meinung sein, ob das auch ein willkommenes Geschenk ist oder eher störend, aber morgen wird es hier auch auf der Westseite regnen, diesen Winter übrigens das erste Mal, zieht man die, mehr aus Verlegenheit als Sprühregen aus den Passatwolken getriebenen Niederschläge Anfang und Mitte November ab. - Bislang ist dieser Winter deutlich in der Regenschuld, es gab eben einfach noch nicht die Situation, dass das extrem stabile nordatlantische Hoch es zugelassen hätte, dass uns ein Tiefausläufer aus dem Westen erreichen kann. - Zunächst wird der Wind auf Südwest drehen und dann aber flotte Niederschläge bringen, allerdings ohne Sturm oder Unwettercharakter. - Dennoch wird aus einem offenen Weihnachtsbarbecue nichts, es wird schon genügend regnen, um unsere Füße unter den Weihnachtsbaum zu zwingen, was ja an dem Tag auch nichts Verkehrtes ist. - Bis zum Jahresende erwartet man vorerst auch keine erneute Wetteränderung, allerdings werden wir zwischen Weihnachten und Neujahr auch wieder regenfreie Tage haben, das Tief, welches uns jetzt erreicht, ist nicht besonders groß oder gefährlich. - Danach, also für das Jahresende und die ersten Januartage gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder geraten wir wieder in den Einfluss eines sich, bereits weit westlich neu formierten Hochdruckkerns, der uns dann wieder die Tiefs vom Leib hält, oder aber das Hoch landet zu weit nördlich und drückt noch ein weiteres, sogar garstigeres Tief auf unsere Höhen. - Das könnte dann zum Jahresende und in den ersten Tagen des Januars 2009 auch heftige Winde mit Regen zu uns bringen. - Aber wenn wir alle die Teller schön leer essen, dann kommt morgen zu uns der dringend benötigte Regen und das andere Tief verschwindet wieder nach Norden. - Es sei denn, die essen dort ihre Teller auch leer…


El PAso, Texas, oder New Jersey, wo denn nu?



Dienstag 23.12.08 - 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 12 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 66 % - Luftdruck 1019 hPa

Fischfarmen vor unseren Küsten weiter in der Diskussion

Für die einen Glücksbringer und Garant einer zukunftsträchtigen Landwirtschaft zur See, was man dann wohl Seewirtschaft nennen müsste oder Meereswirtschaft, für die anderen eine unzumutbare Belastung der Küstengewässer und somit vom Umweltgedanken her nicht wünschenswert. - Interessant, aber eigentlich völlig klar dabei ist die Haltung der betroffenen Gemeinden. - Tazacorte ist für die Ausweitung der Fischzuchtanlagen, Tijarafe dagegen. - Die Erklärung ist ganz einfach, Tazacorte hat den Hafen und damit die Arbeitsplätze und die Gewerbesteuereinnahmen, Tijarafe stellt nur seine Küstenlinie zur Verfügung, hat aber durch den Betrieb der Fischfarmen keinen pekuniären Gewinn. - Es gibt einfach keinen Hafen in der Gemeinde Tijarafe, in dem man die Ernte anlanden könnte, oder von wo aus die Betreuung der Schwimmkäfige stattfinden würde, dieses Geschäft mit den Fischfarmen geht komplett an der Nordgemeinde vorbei. - Allerdings befinden sich die Schwimmkäfige selbst im Gebiet der Gemeinde und um nun die Installation weiterer solcher Anlagen zu verhindern, geht man auf klaren Konfrontationskurs mit den übergeordneten Institutionen der Provinzregierung. Der "PROAC P" (Plan Regional de Ordenación de la Acuicultura), aufgestellt und abgesegnet von der Provinzregierung sieht vor, noch viele weitere Fischzuchtanlagen vor der Küste Tijarafes zu genehmigen, insgesamt sollen dort einmal an die einhundert Schwimmkäfige Fisch für den lokalen Verbrauch, aber hauptsächlich für den Export produzieren. - Im Moment gibt es dort 28 Käfige, mit einer jährlichen Zucht von an die 2.000 Tonnen "Doradas" (Goldbrasse - Sparus aurata), und "Lubinas" (Wolfsbarsche - Dicentrarchus labrax), die zum Teil sehr erfolgreich bis in die USA exportiert werden. - Allerdings nicht von uns, sondern von einem Großhändler auf Tenerife, welcher die Gesamtmenge an hier erzeugten Edelfischen übernimmt und die Vermarktung alleine vollzieht. - Ein kleiner Teil landet auch hier auf dem lokalen Markt, allerdings finden gerade die Doraden bei der hiesigen Bevölkerung nur langsam Anklang, bei den Gästen der Insel sind die Goldbrassen allerdings äußerst beliebt.

Jetzt geht es aber nicht um kulinarische Eigenheiten, sondern um den ewig vorhandenen Konflikt zwischen ökonomischen Interessen und deren ökologischer Verträglichkeit für die Umwelt. - So baut auch die Gemeinde Tijarafe ihren Protest gegen den Ausbau der Fischzucht vor ihren Küsten hauptsächlich auf diesen Faktor. - Darüber hinaus führt man noch das Argument an, der Tourismus würde dadurch beeinträchtigt, was meines Erachtens allerdings ein zu vernachlässigender Faktor ist, gegenüber der wild flatternden Welt der intensiven Bananenplantagen unter Kunststofffolien, ist der Anblick der Schwimmkäfige draußen auf dem Meer eher ein maritimes Stillleben. - Der Faktor Umweltbelastung hingegen ist nicht einfach wegzuwischen, wir kennen ja alle die düsteren Berichte über Fischzuchtanlagen, welche den Meeresboden komplett verwüsten, mit Anti-Algen Beschichtungen der Netze, Gift ins Wasser kippen und durch das Verfüttern von Antibiotika auch noch pharmazeutische Produkte ins Wasser bringen. - Nicht außer Acht lassen dabei darf man auch die Problematik der Beschaffung von Fischfutter, welches nur zum Teil aus pflanzlichen Grundstoffen produziert wird, sondern auch mit Fischmehl, welches zwar meist aus Beifängen der Fischerei stammt, aber auch aus extra dafür gefangenen Wildfischbeständen. - Das sind sicher alles Fakten, muss aber nicht heißen, dass es keine "sauberen" Fischzuchtanlagen gibt, oder man diese nicht umweltverträglich betreiben kann. - Gerade vor unseren Küsten, wo starke Strömungen das Wasser unter den Käfigen ständig austauschen, entsteht das Problem der Verödung des Meeresbodens nicht. - In wie weit die Betreiber ihre Netze algenfrei halten, das wissen wir nicht und auch nicht, welches Fischfutter verwendet wird. - So sollte man, anstatt diese Art der Nahrungsmittelindustrie schlichtweg vor ein absolutes Ja, oder ein ebenso kategorisches Nein zu stellen, umfassend prüfen und die Schwelle für Neugenehmigungen so hoch setzen, dass die Umweltbelastung auf ein erträgliches Maß gesetzt wird. - Eigentlich fordert die Gemeinde Tijarafe auch nichts anderes, als dass man unmissverständlich und transparent die möglichen Umweltbelastungen der Fischfarmen vor der Nordwestküste La Palmas in Studien aufzeigt und öffentlich macht. - So lange lehnt man jede Erweiterung der Fischzuchtanlagen aber konsequent ab. - Interessant dabei ist auch noch, dass die Gemeinde Tijarafe von der gleichen politischen Partei regiert wird wie das Provinzparlament, der Coalición Canaria und es eigentlich nicht üblich ist, aus dem eigenen Nest nach oben zu spucken. - Das alleine macht diese Vorgänge schon beachtenswert und der Bürgermeister von Tijarafe spielt ein bisschen mit seiner politischen Karriere, soweit der diese überhaupt über den Rand seiner Gemeinde hinaus im Visier hat. - Man darf sehr gespannt sein, wie diese Auseinandersetzung weitergeht. - Und man darf auch dabei nicht vergessen, wie man denn in Tijarafe dazu stehen würde, wenn man den entsprechenden Hafen hätte und somit auch das Geschäft mit den Fischfarmen.


Fischfarmen vor den Küsten Tijarafes und Tazacortes



Montag 22.12.08 - 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 18 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 52 % - Luftdruck 1018 hPa
Höchsttemperatur heute 22,9 Grad - niedrigste Temperatur 10,7 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 18,8 - Temp. min. 3,1 - Feuchte 26 - 78 % - Niederschlag 0 mm

Losglück in Los Llanos

An die neun Millionen Euro hat die Weihnachtslotterie in Los Llanos ausgestreut, ein fünfter Preis kam dort an, was bedeutet, dass es rund 1.800 Gewinner gibt, die jeweils 5.000 Euro gewonnen haben. - Natürlich kann man nun sagen, 5.000 Euro, dafür kann man auch arbeiten gehen, aber für ganz viele Leute kommt diese Spritze genau zum richtigen Zeitpunkt. - So klangen dann auch die Radiointerviews mit den Gewinnern, manch einer zahlt damit seine Hypothek endlich mal rechtzeitig, die Rate vom Auto und viele andere wollen dieses Geld gleich noch für Weihnachten und die "Reyes" unter ihre Familie bringen. - Die Geschäftsleute der Aridanemetropole können sich also schon mal die Hände reiben und die Restaurants überlegen sich nun schon, ob man denn nicht Sylvester doch aufmachen sollte, die Finanzkrise ist in Los Llanos für zwei Wochen ausgesetzt. - Die Lose sind fast ausnahmslos in der Stadt selbst geblieben, die meisten wurden über die Lotterieannahmestelle verkauft, lediglich die Partei CCN hat einen größeren Stapel erworben und unter ihren Mitgliedern verkauft, allerdings die Hälfte der ursprünglich erhaltenen Lose wieder zurückgegeben, so dass man sich dort wohl freuen kann aber auch ein bisschen wehmütig den zurückgewiesenen Losen nachtrauert. - Wo wir schon bei den Parteien sind, unsere Sozialisten in El Paso, welche die komplette Serie mit der Postleitzahl unserer Stadt erworben haben, die 38750, sind leider leer ausgegangen, das bedeutet auch für uns, dass wir weiter arbeiten müssen. - Aber Losglück, das hatten wir eh noch nie, macht nichts, nächstes Jahr kaufen wir dennoch wieder ein "décimo" der Weihnachtslotterie, das gehört einfach dazu. - Der Hauptpreis fiel auf die Nummer 32365, der zweite Preis auf die Zahl 78400, die dritte Prämie 80076. Die beiden vierten Preise fallen auf die Nummern: 79294 und 49730, die acht fünften Preise lauten: 70593 - 36199 - 73450 - 29127 - 30227 - 58616 - 81792 - 56430. - So, jetzt muss noch der Baum geschmückt werden, es werden dann doch wieder Kugeln und Lametta und keine Geldscheine, wie eine meiner Töchter bereits vorschlug falls wir in der Weihnachtslotterie gewinnen. - Dabei helfen mir drei Frauen und drei Eunuchen, denn heute hatten unsere Findelkinder Luck und Lucky ihren "einschneidenden" Termin und sind nun hinten ohne. - Es wird also ein interessantes Weihnachtsfest bei uns und ganz sicher, falls mir nicht noch was Unvorhergesehenes passiert, der einzige Kerl im ganzen Haus. - Das ist doch auch so was wie ein Hauptgewinn…



Montag 22.12.08 - 10:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 13 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 64 % - Luftdruck 1021 hPa

Ein Lied für die Konjunktur

Deutlich erfolgreicher als der diesjährige Beitrag Spaniens zum europäischen Songcontest, Sie erinnern sich vielleicht noch an diese hyperdebile Darbietung "El Chikichiki", kommt jedes Jahr ein nicht weniger unmusikalisches, aber dennoch gehaltvolleres Lied über den Äther. - Interessant ist es, dass dieses Lied, oder eher Sprechgesang nur am 22.12. gesungen wird, jedes Jahr aufs Neue, nur von unterschiedlichen Künstlern. - Auch kennt das Lied nur eine Melodie, aus drei Tönen bestehend, eine Mischung aus gregorianischem Gesang und hoffnungsvollem Prekariatsrap und dennoch hören heute alle Spanier Radio, so weit sie nicht vor der Glotze hängen, um eben dieses eine Lied zu hören. - Man spricht auch von erhöhter Unfallgefahr jedes Jahr am 22.12., da die Fahrer sich mehr auf den Gesang konzentrieren als auf den Straßenverkehr, irgendetwas muss also betören bei dieser, musikalisch wenig anspruchsvollen Musik. - Gesungen werden diese Gassenhauer übrigens von Kindern, nicht von solchen Schmuddelkindern wir Tokio-Motel oder Mutanten der Ochsenknecht-Klasse, sondern von korrekt uniformierten Schülern der Schule "San Ildefonso", einer der ältesten Schulen Madrids, natürlich mit katholischem Hintergrund. - Früher war das mal ein Waisenhaus, inzwischen ist das aber eine öffentliche Schule, um die sich sicherlich niemals ein Mensch außerhalb des Stadtteiles in Madrid bemühen würde, gäbe es da nicht den 22. Dezember und dieses langatmige wie langweilige Lied.

Die meisten wissen eh schon, von welchem Lied ich spreche und warum dieses Lied hier in Spanien so wichtig ist, die Kinder aus "San Ildefonso" schmettern aus ihren zarten Brüsten die Gewinnnummern der Weihnachtslotterie in die Welt hinaus. - Immer am 22. Dezember wartet das ganze Land auf Befreiung aus der Knechtschaft des Alltags und hofft auf einen Hauptgewinn in der Weihnachtslotterie, dem so genannten "Gordo", der allerdings gerade mal 300.000 Euro schwer ist. - Na gut, mit 300.000 Euros würde mir der Alltag auch ein gewaltigeres Stück leichter fallen, aber man kann sich eigentlich nicht vorstellen, mit dieser Summe bereits den Zustand des süßen Nichtstuns einläuten zu können, zumindest nicht, wenn man noch eine Lebenserwartung jenseits eines Zehnjahreszyklus hat, oder solchen Luxus wie Kinder. - Aber da liegt auch wieder der Trick und der Sinn dieser virtuosen Verteilung der Gelder, es gibt jeden Preis, eben den Gordo, dann einen zweiten, und mehrere dritte, vierte und fünfte Preise, jeweils 1.800 Mal. - Es gibt also unheimlich viele Gewinner, die aber eben nicht so viel Geld erhalten um sich damit auf die faule Haut zu legen, sondern die Gelder der Weihnachtslotterie werden auch wieder ausgegeben und sorgen somit, besser als staatliche Konjunkturprogramme, für einen lebhaften Anstieg des Konsums. - So singen die Kinder aus "San Ildefonso" eigentlich nur gegen die Astralkrise unserer lahmenden Wirtschaft an und das schon seit 1771. - Dann kann man ja nur hoffen, dass den Kinderlein aus der Schule nicht die Luft ausgeht.



Sonntag 21.12.08 - 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 18 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 43 % - Luftdruck 1019 hPa
Höchsttemperatur heute 23,5 Grad - niedrigste Temperatur 11,8 Grad

Weiter mit den einäugigen Königen

Auch die folgende Geschichte spielt auf Tenerife, irgendwelche Ähnlichkeiten zu La Palma dürfen aber konstruiert werden. - Eigentlich ist das auch wieder eine Glosse, das Problem an der ausschweifenden Satire aber ist, die Geschichte hat sich wirklich so zugetragen.

Ihr deutscher Fachbetrieb!

Qualität ist etwas typisch Deutsches; das weiß jeder. ‚Made in Germany' - ein internationales Gütesiegel. Der deutsche Fachmann - ein Muster an Gewissenhaftigkeit, Sachkenntnis und Perfektion; das ist bewiesen: wenigstens sechsmillionenfach, ist man versucht zu sagen. Da kommt sonst keiner mit - und der kanarische Fachmann schon gar nicht.

Natürlich können auch Canarios SAT-Anlagen einrichten, Computer konfigurieren, Waschmaschinen anschließen und reparieren oder Häuser planen und bauen; niemand bestreitet es ihnen. Aber es fehlt ihnen eben das so ganz spezifisch Deutsche. Und das ist viel mehr als nur die Sprache. Es ist dieses entscheidende gewisse Etwas, kaum benennbar, das den deutschen Fachmann ausmacht. Es ist dieses - nein, leider gibt es dafür kein Wort. Ist nicht wirklich das Bild des Sony-Fernsehers aus einem deutschen Fachgeschäft ein wenig klarer und bunter? Schläft es sich im Bett aus einem deutschen Möbelhaus nicht irgendwie doch besser als in dem identischen Modell aus einem spanischen ‚Mercado'? Sind die vom deutschen Architekten geplanten Zimmer nicht doch ein wenig rechteckiger? Und schmeckt nicht schließlich die kanarische Küche aus dem Topf des deutschen Küchenmeisters doch viel typischer kanarisch?

Hilfesuchend also wendet sich der Deutsche an den deutschen Fachmann, der im deutschen Radio und in den deutschen Zeitungen der Inseln allen Inseldeutschen seine deutschen fachmännischen Dienste anträgt, weil die sich ja in spanischer Sprache meist nicht verständigen können: ‚Ihr deutscher Fachbetrieb' - eine beliebte, gern gedruckte Botschaft über oder unter einer Werbung, die ansonsten von Deutschfehlern strotzt. Doch bitte sehr: Wo steht geschrieben, daß ein deutscher Kfz-Fachmann der deutschen Rechtschreibung mächtig sein muß? Wo sie doch nicht einmal die selbsternannten deutschen Werbefachleute beherrschen, die hier ihre knallbunte und mit allen möglichen-Graphik-Effekten überladene Schweinebauch-Werbung gestalten…

Ein deutscher Kfz-Fachmann muß vorrangig etwas von Autos verstehen. Das zumindest dachte sich eine unserer Bekannten. Hilfesuchend also wandte sie sich an einen deutschen Fachmann, als ihr Jeep nicht mehr anspringen wollte und sie eine Grua hatte herbeirufen müssen. Die Batterie, bekam sie zur Auskunft: Und da brauche sie wohl eine neue; sie könne sogar darauf warten.

Tatsächlich sprang wenig später der Motor des Jeeps wieder an. Und unsere Bekannte machte sich wohlgelaunt auf den Weg in die Berge. Da wohnt sie nämlich auf einer Finca; wir waren schon dort. Das letzte Stück des Weges ist steinig und rauh und ohne Geländewagen fast nicht zu bezwingen. Deswegen fuhr unsere Bekannte ja auch ihren Jeep.

Unter der Kühlerhaube tat es, kaum war das rauhe Wegstück erreicht, einen verdächtigen Schlag. Mitten im Motorraum, so stellte sich rasch heraus, lag kopfüber die neue Batterie, gehalten gerade noch von ihren beiden Kabeln. Über andere Kabel hatte sich ätzend die Batterie-Säure ergossen. Von den Halterungen der Batterie, für gewöhnlich mit dem Rahmen verschraubt, war nichts zu entdecken.

Also zurück zum deutschen Fachmann. Unsere Bekannte werde eine rauhe Strecke gefahren sein, erklärte der zutreffend und fachmännisch. Daß aber schlicht vergessen worden sei, die Halterungen wieder anzubringen, erklärte er ebenso fachmännisch für völlig unmöglich. Er versprach indes, die Sache in Ordnung zu bringen. Darauf warten freilich konnte unsere Bekannte dieses Mal nicht.

Sie wartete also diesmal drei Tage. Dann eröffnete ihr der deutsche Fachmann, irgendetwas stimme nicht mit dem Getriebe. Er riet dringend, es zu wechseln. Und wer wird einem deutschen Fachmann schon widersprechen, auch wenn es teuer zu werden droht? Das vom deutschen Fachmann eingebaute neue Getriebe hielt nicht sehr lange. Vermutlich schalte unsere Bekannte falsch, wurde sie fachmännisch belehrt. Daß das neue Getriebe fehlerhaft eingebaut worden sein könnte, erklärte der deutsche Fachmann ebenso fachmännisch für völlig unmöglich. Er versprach indes, die Sache in Ordnung zu bringen. Darauf warten? Natürlich nicht.

Nach sechs Tagen war es dann der Auspuff, der erneuert werden mußte. Der neu eingebaute fiel zwei Tage später einfach ab: zwischen Guaza und Buzanada, mitten auf dem Rondell. Der deutsche Fachmann hatte auch hierzu eine kurze und knappe Erklärung parat, die sich irgendwie auf das Fahrverhalten unserer Bekannten bezog. Wir haben diese Erklärung aber leider vergessen und können derzeit unsere Bekannte nicht danach befragen.

Jedenfalls: Fehler beim Einbau? - Völlig unmöglich. - Aber in Ordnung bringen? - Dies eine Mal noch, na gut; dann aber sei es genug. Daß sie nicht fahren könne, unsere Bekannte, sei schließlich Schuld des deutschen Fachmanns nicht.

Der deutsche Fachmann diagnostizierte nun in rascher Folge zerschlissene Bremsschläuche, eine defekte Lichtmaschine, schadhafte Zylinderkopf-Dichtungen und insgesamt einen schweren Motorschaden. Dringend riet er unserer Bekannten, den Jeep verschrotten zu lassen. Dafür nahm er von ir noch einmal fünfhundert Euro: BAT - ‚bar auf Tatze', versteht sich. Wer aber wird einem deutschen Fachmann schon widersprechen?

Den Wagen habe ich übrigens kürzlich noch einmal gesehen. Er stand auf dem Hof der kleinen Werkstatt, die von zwei Canarios betrieben wird und die ich bisweilen mit einem eigenen Auto aufsuche, weit man dort günstig repariert und instandsetzt. Für achttausend Euro wäre er zu haben gewesen. Ich habe ihn probegefahren: alles in Ordnung, alles wie neu. Aber ich habe nicht gewagt, ihn zu kaufen.

Nur habe ich dann einen Fehler gemacht. Denn ich habe unserer Bekannten von dieser Begegnung mit ihrem ehemaligen Wagen erzählt. Nach einem schweren hysterischen Kollaps erholt sie sich nun in einer privaten Klinik im Süden. Wir haben sie dort schon besucht; sie hat es recht nett. Betreut wird sie in dieser Klink ausschließlich von deutschem Fachpersonal. Da hat sie doch nun wenigstens dieses gewisse entscheidende Etwas. Dieses - nein, leider, es gibt kein Wort dafür. Nur eben: inseldeutsch.

Michael Wieseler



Sonntag 21.12.08 - 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 12 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 62 % - Luftdruck 1021 hPa

Mit dem Kopf durch die Wand

Jeder hier auf den Kanaren weiß, wo unsere primären Baustellen Handlungsbedarf in den Alltag brüllen. - Das Gesundheitssystem, das Schulwesen und die Arbeit an der Umweltpolitik, da liegen die dringendsten Aufgaben, ein Sicherheitsproblem dagegen gibt es auf den Kanarischen Inseln nicht. - Um so mehr erstaunt es, dass unsere jetzige Provinzregierung, ausgestattet und überschüttet mit autonomen Regelungen, welche jedem deutschen Bundesland die föderalistischen Neidadern platzen lassen, ausgerechnet irrsinnige Summen in die Aufstellung einer neuen, dann vierten Polizeitruppe investieren will. - Niemand will und niemand braucht diese "Policía Canaria", aber die Coalición Canaria hält trotz massivster Proteste an diesem unsinnigen Vorhaben fest und deren machtgeiler Koalitionspartner, in Form eines grenzdebilen regionalen Ablegers der sonst so bürgerlichen und staatstreuen Partido Popular, spielt diese autonome Prestigefarce mit, aus schlichter Angst, man könnte sonst diese eh schon brüchige Koalition gefährden. - Dabei gab es aus den Reihen der Partido Popular längst genügend Hinweise, dass man eigentlich lieber auf diese vierte Polizeitruppe verzichten sollte, aber nun, wo es hart auf hart geht, da hat man parteiintern alle Zweifler und Kritiker wieder auf Linie gebracht. - Nicht zuletzt hier auf La Palma, wo Asier Antona, bekannter Gefolgsmann von Manuel Soria, dem großen Vorsitzenden der kanarischen Partido Popular, der kaum noch zum "regieren" kommt, weil er andauernd wegen Korruptionsverdacht in irgendwelchen Untersuchungskommissionen seine Unschuld beteuern muss, nun neuer Vorsitzender ist und nichts so schätzt wie Parteidisziplin.

Leider kann man die Angelegenheit Policía Canaria nicht mehr diskutieren, das ist beschlossene Sache, auch wenn immer wieder betont wird, dass die Schaffung dieses neuen Polizeikörpers keine Priorität besitzt gegenüber den laufenden Verpflichtungen. - Aber leider sehen wir das komplett anderes, die Polizeitruppe kommt und man weiß genau, dass wir die aus eigener Tasche bezahlen müssen, denn Madrid hat schon ganz deutlich verkündet, dass sie uns keine Privatpolizei bezahlen werden, wo sie doch schon mit Guardia Civil und der Policía Nacional zwei funktionierende Sicherheitsdienste finanzieren. - Des weiteren haben wir ja auch noch die Lokalpolizei in den Gemeinden, die auch alle hoheitlichen Aufgaben erfüllen können und dürfen, aber eben, so wie Sheriffs, nur im Gebiet der eigenen Gemeinde. - So darf man einfach fragen, welche Aufgaben sollen denn der vierten Polizeitruppe überhaupt gegeben werden? - Muss man dann, bei einem Diebstahl, sich erst mal überlegen, was denn geklaut wurde, weil die Policía Canaria dann nur für Diebesgut zuständig ist, welches auf den Kanaren produziert wurde, oder nur, wenn der Dieb ein in dritter Generation reinrassiger Kanare war? - Man muss das Personal bezahlen, die Ausrüstungen, die Dienststellen, die Fahrzeuge, die Kommunikationsmittel und einer Polizeitruppe Sinn, Aufgaben und Erfahrung verschaffen, welche längst - und das mit gutem Erfolg - von anderen Polizeikräften ausgeübt wird. - Als einziges Argument, für eine neue Polizeitruppe steht dann noch entgegen, damit schafft man Arbeitsplätze und verleiht den Bürgern ein höheres Sicherheitsgefühl. - Auch dagegen kann man ganz einfach und passend antworten, am sichersten würden sich die Bürger mit einer vernünftig agierenden Provinzregierung fühlen, die Arbeitsplätze dort neu schafft, wo wir sie dringend nötig haben, im Gesundheitsdienst, auf den Schulen und im Bereich der Umweltpolitik. - So bleibt dieser kommenden Polizei nur ein Sinn an den schicken Uniformen kleben, bunte Prestigetruppe eines tumben Regionalismus, der der so gar nicht bei den wirklichen Bedürfnissen und Notwendigkeiten unseres Daseins am Rande Europas hilfreich ist.


Hallo Herr Wachtmeister



Samstag 20.12.08 - 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 35 % - Luftdruck 1018 hPa
Höchsttemperatur heute 24,2 Grad - niedrigste Temperatur 12,1 Grad

Einäugige Könige

Auch wenn wir hier auf La Palma sicher nicht mit den Migrantenströmen umzugehen haben, wie das auf Tenerife, für uns immer noch die "Mutter aller Inseln", geschieht, die folgende Glosse von Michael Wieseler könnte gut und gerne auch hier auf La Palma spielen. - Viel Spaß:


Kanarische Blitzkarrieren

"Schlosser (auch ungelernt) oder Diplom-Ingenieur für Unternehmen auf den Kanaren als Teilhaber gesucht." Wer neu ist auf den Inseln, der kratzt sich vermutlich verwundert den Kopf. Welches Versehen in der Setzerei kann einen derart irrwitzigen Anzeigen-Text hervorgebracht haben? Denn schließlich liegen zwischen jenen beiden Suchprofilen doch Welten, so hat man zumindest immer gedacht. Doch weit gefehlt: Wer länger auf den Inseln lebt, der weiß, wie sich gemeinsam mit dem Horizont auch die Distanzen und Differenzen verringern. Alles liegt nah beieinander, bisweilen unheimlich und beängstigend nah. Und das trifft insbesondere für die beruflichen Fertigkeiten zu, deren qualifizierende Merkmale bis fast zur Ununterscheidbarkeit miteinander verschmelzen. Kurzum: Konstruktions-Ingenieur und ungelernter Schlosser vom Kfz-Fließband - das ist hier, genau genommen, so gut wie dasselbe.

Wer das erst einmal recht begriffen hat, dem stehen ungeahnte Möglichkeiten offen. Nehmen wir an, Sie haben in Deutschland am Rohbau gemauert, können aber nicht nur zwischen einem Spachtel und einer Kelle, sondern auch zwischen einem Löffel und einer Gabel unterscheiden. Nun, sehen Sie: Dann sind Sie hier fast schon Koch, zumindest ganz nah daran. Und Köche sind hier Mangelware, gute erst recht. Aber man muß es ja nicht übertreiben: Denn die Menschen, die bei Ihnen essen sollen, bleiben allenfalls drei Wochen, und es reicht, wenn jeder nur ein einziges Mal zu Ihnen kommt. Und dann werden neue Gäste aus den Fliegern gespuckt, die Ihren Schlangenfraß noch nicht kennen und vollkommen arglos in die für sie aufgestellte Falle tappen.

Zunächst jedoch benötigen Sie ein Papier von der Behörde. Darin bescheinigt man Ihnen die theoretische Kompetenz im sachgerechten Umgang mit Lebensmitteln und Müll: Beides streng trennen, heißt hier die Devise; eigentlich ganz selbstverständlich - wenn denn dann auch später, in der Alltagswirklichkeit der Küche, die Einordnung nicht immer leichtfällt. In das Papier wird auch eine von Ihnen anzugebende Berufsbezeichnung eingetragen. Sorgen Sie gleich dafür, daß "Küchenchef" darauf steht. Sie werden das Papier viel länger haben als Sie brauchen werden, um an diese Spitze Ihrer gastronomischen Karriere-Leiter zu gelangen.

Der kleine Kurs, der dem Papier vorausgeht, wird in Spanisch abgehalten. Daß Sie das nicht verstehen, sollten Sie sich nicht verdrießen lassen: Kochen können Sie ja schließlich auch nicht. Kreuzen Sie auf dem Prüfungs-Fragebogen einfach an, was vor Ihnen Ihr Nachbar angekreuzt hat, der ebenso wenig versteht - und dann vertrauen Sie ganz fest auf Gottes gütige Hilfe. Sie werden sehen: Es klappt.

Danach gestatten Sie sich eine Woche Lehrzeit, die Sie als Küchenhilfe verbringen. Und während Sie munter große Berge schlaffer Salatblätter in die falsche Desinfektions-Lösung tauchen, um sie endgültig zu Abfall werden zu lassen, schauen Sie aufmerksam dem Koch über die Schulter, der an seinem Herd mit Fisch und Fleisch dasselbe Ergebnis erzielt. Und? Hexerei? - Natürlich nicht. Nach ein paar Tagen können Sie das auch. Denn daran ist ja nun wahrhaftig nichts zu können. Anschließend wechseln Sie das Restaurant. Beworben haben Sie sich nun bereits als Koch - und wurden sofort eingestellt. Bedenken Sie: In Deutschland hätte Sie ein solcher Aufstieg - ohne ein Abitur, das Sie ja nicht vorweisen können - drei volle Jahre gekostet. Während die ohnehin völlig verkehrt geschnittenen Stücke der geschundenen Kreatur auf Ihrem Herd oder Grill allmählich verbrutzeln, beobachten Sie aufmerksam den Küchenchef, der aus Wasser, Bratensaft-Pulver und Dosen-Champignon-Fetzen eine Sauce kreiert, die das Ergebnis Ihrer Braterei bald gnädig überziehen wird. Und? Hexerei? - Natürlich nicht. Nach ein paar Tagen können Sie das auch. Denn was ist daran schließlich schon zu können?

Und wieder wechseln Sie das Restaurant. Doch diesmal ist die richtige Auswahl Ihres neuen Arbeitgebers ganz besonders wichtig: Seine Gleichgültigkeit gegenüber halbwegs vernünftiger Küche sollte weit ausgeprägter sein als Ihre Unfähigkeit, sie zustande zu bringen. Indes, von solchen Gastronomen gibt es hier, Gott sei Dank, mehr als genug - vielleicht auch alle ehemalige Maurer. Und daß Ihr Essen wirklich schmeckt, als hätte die Zement-Mischtrommel einen Teil ihres Inhalts auf den Teller gespien, das vermag ja dann auch nicht zu verwundern. Ist aber Ihrem Arbeitgeber völlig wurscht. Denn schließlich kommt es weniger darauf an, daß es den Gästen schmeckt, als vielmehr darauf, daß sie wenigstens einmal bezahlen.

Und da haben Sie wieder zwei bis vier Lehrjahre gespart: Nun sind Sie Küchenchef. Und da sagen doch die ewigen Nörgler, die Ausbildungspraxis auf den Kanaren sei nicht effizient und flexibel genug. - Nun ja, da lachen wir doch schallend.

Michael Wieseler



Samstag 20.12.08 - 09:60 Uhr (auch bekannt als 10:00 Uhr) - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 13 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 54 % - Luftdruck 1019 hPa

Endemischer Brei

Wenig ist übrig geblieben von unseren Ureinwohnern, den Benahoaritas. - Heute buddelt man mit viel Aufwand in ehemaligen Wohnstätten dieser Menschen aus der vorspanischen Zeit dieser Insel und weiß dennoch nicht wirklich viel über diese ersten Siedler. - Man weiß noch nicht mal konkret, wer sie eigentlich waren, die Eingrenzung Berberstämme aus dem heutigen Libyen lässt auch noch viel Spielraum zu. - Noch weniger weiß man, wann dieses Menschen hier auf die Insel gekommen sind, zumal man jetzt auch noch weitere Hinweise darauf gefunden hat, dass es mehrere Besiedlungswellen gegeben haben kann. - Macht nichts, dafür sind Archäologen da, Phantasie und jede Menge Nostalgie, dennoch muss man die Frage stellen, wie es möglich ist, dass man eine Geschichte, die gerade mal 500 Jahre her ist, so konsequent ausblenden kann. - Das ist übrigens nicht die Schuld der letzten zwei Generationen, die "Guanchen" oder die "Benahoaritas" sind derzeit wieder groß in Mode und sollen irgendwie für die Schaffung einer eigenen Identität sorgen, die uns positiv vom Einheitsbrei der globalisierungswütigen Restwelt trennt. - Aber da haben wir es auch schon ausgesprochen, dieser heftige Versuch auf eigenständige Wurzeln zu pochen dient letztendlich nur als Abgrenzungsversuch, und die Geschichte, über den Faktor "auserwähltes Volk" Salbung vor den Geschmacklosigkeiten der Multikulti-Welt zu erlangen, die haben andere schon erfolglos für sich eingenommen und dafür zum Teil sogar elementar gelitten.

Dabei kann man das Ganze sogar ohne schwefelige Diskussionen angehen, in dem man Details hervorhebt, die ohne Subventionen und nostalgischen Klumpfuß die Zeiten überwunden haben. - Viel ist es nicht, was uns heute noch mit den Ureinwohnern verbindet, aber gerade ein Alltagsprodukt stellt diese perfekte Linie her, das Gofio. - Weil unsere Ureinwohner nicht die Kunst des Brotbackens beherrschten, aber fleißige Landwirte waren, mussten sie auf andere Art und Weise das Getreide haltbar und schmackhaft machen. - So rösteten sie die Körner nach der Ernte, das entzog ihnen die Feuchtigkeit und man konnte nun das Getreide länger lagern. - Noch dazu entsteht bei diesem Prozess eine natürliche Süße, welche dieses Mehl auch noch attraktiver für den menschlichen Verzehr macht. - Dieses geröstete Mehl hat ohne großes Aufsehen die Jahrhunderte überdauert und liegt heute noch in jedem Supermarkt dieser Insel und wird weiterhin heiß geliebt und viel gegessen. - Gofio ist einmalig, das macht man nur hier auf den Kanaren und auch jetzt essen die Menschen hier dieses archäologische Produkt, unverändert im Rezept, seit dem es Bevölkerung auf den Kanaren gibt. - Es schmeckt auch nur uns, muss man allerdings zugeben, aber schon haben wir doch unsere Eigenständigkeit, ohne irgendeine andere Ethnie bemühen, oder gar berauben zu müssen. - Allerdings kommt in unseren modernen Zeiten, in denen wir uns täglich mehrfach selbst überholen, das Getreide für dieses Mehl längst nicht mehr von der Insel, sondern wird auf dem globalen Markt viel billiger erstanden. - Dagegen gibt es nun einen lustigen Versuch seitens der Inselregierung, unser ureigenstes Nahrungsmittel auch wieder inselnachhaltig zu vertreiben. - Man hat jetzt den Landwirten hier auf der Insel fast die gesamte Weizenernte aufgekauft und aus diesem Getreide Gofio rösten und vermahlen lassen, welches jetzt mit dem Siegel des Weltbiosphärenreservates auf den Markt geworfen wird. - Natürlich gibt es jetzt auch wieder einen Verband der Gofioproduzenten, die sich davon angegriffen fühlen, aber wie sagte unser teilzeitprogressive Rat für Landwirtschaft in der Inselregierung César Martín in einem Interview so schön: Die hätten selber ja auch mal auf die Idee kommen können, Getreide aus La Palma für Gofio aus La Palma zu verwenden. - Sicher ist das Endprodukt teurer, wir können halt nicht so billig wie die Monstermaschinen der Mähdrescherfraktion, aber Eigenständigkeit nicht nur populistisch zu predigen, sondern auch mal zu praktizieren war noch nie billig und deshalb meistens auch nicht lange erfolgreich. - Abwarten und Gofio essen.



Freitag 19.12.08 - 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 16 Grad - Niederschlag 1 mm - Luftfeuchte 59 % - Luftdruck 1016 hPa
Höchsttemperatur heute 21,8 Grad - niedrigste Temperatur 13,0 Grad

Falsche Fuffziger

Nun will uns auch noch jemand mit Falschgeld die Weihnachtsstimmung vermiesen. - Insgesamt tauchen auf La Palma wohl wenige "Blüten" auf, das sei hier kein Markt, um größere Summen an Falschgeld unterzubringen, so hört man das zumindest. - Nun aber warnt die Vereinigung der Gewerbebetriebe der Insel, die "Cepyme", vor dem Auftauchen von falschen 50 Euro Scheinen, von denen bereits drei in Geschäften der Hauptstadt aufgetaucht sind. - Es handelt sich um sehr gut gemachte Kopien, die Drucker werden halt immer besser, allerdings haben die Kopien nicht alle Sicherheitsmerkmale und vor allem ein Problem, die gleichen Seriennummern wie das Original. - Da aber Sie, genau so wenig wie ich, alle Seriennummern der Scheine im Kopf haben, fällt das meist auch nicht auf. Aber beim Scannen an den Kassen mit ultraviolettem Licht zeigt sich deutlich, dass die Leuchtstreifen auf den Scheinen fehlen, aber da oft die Fünfziger nicht durchleuchtet werden und an vielen Kassen hier auf der Insel auch die Lampe mit ultraviolettem Licht fehlt, kursieren wohl noch einige dieser "Falschen Fuffziger" auf La Palma. - Wenn Sie sich sicher sein wollen, dann vergleichen Sie mal Ihre Scheine in der Geldbörse und fahnden nach der Seriennummer V21898964152. - Sollten Sie einen 50 Euro Schein mit dieser Nummer in der Börse haben gibt es zwei Möglichkeiten. - Entweder Sie haben das einzige Original und den wohlmöglich aus versehen über den Scanner gehalten und bekommen gleich Besuch, oder Sie haben sich Falschgeld eingefangen und sollten dieses zur Polizei bringen, und auf keinen Fall in El Paso ausgeben…

"Flasche Fuffziger" gibt es aber auch in anderer Form. - Leider kommt es immer mal wieder vor, dass Wanderer vor ihrer Tour in die Caldera sich nicht ausreichend darüber informieren, ob denn der berühmte und wunderschöne Caldera-Rundwanderweg, der von Los Brecitos über den Campingplatz wieder zum Parkplatz im Flussbett führt, auch durchgängig zu begehen ist. - Immer noch finden Bauarbeiten in der Region von "El Reventón" statt und dann ist der Weg nicht passierbar. - Das ist meist nur von Montag bis Donnerstag der Fall, in aller Regel ist am Freitag, Wochenende und Feiertagen der Weg frei. - Leider kann man das nicht in Zeitungen erlesen, ob der Weg gerade gesperrt ist, aber am Eingang der Caldera über Los Llanos, dort steht nach ein paar Kilometern ein Wachhäuschen der Nationalparkverwaltung. - Halten Sie dort an Wochentagen unbedingt an und fragen nach, ob denn der Weg auch passierbar ist, ansonsten lohnt es sich nicht vom Flussbett aus ein Taxi zu nehmen, welches Sie nach Los Brecitos bringt. - Man kann dann trotzdem Wandern, eben vom Parkplatz aus das Flussbett nach oben, aber der schöne Rundweg ist dann leider nicht zu gehen. - Die Taxifahrer, die unten am Parkplatz stehen, informieren Sie leider nicht generell darüber, ob denn der Weg auch ganz passierbar ist, man muss schon sehr detailliert nachfragen. - Gut, im Grunde geht die das auch nichts an, schließlich ist es deren Geschäft, Sie nach Los Brecitos zu fahren und nicht Sie zu fragen, was Sie denn da wollten, aber fair wäre es eigentlich schon, wenn man den Gast darüber informieren würde, dass der eigentliche Grund, warum man denn die Taxifahrt auf sich nimmt, Montag bis Donnerstag nicht durchführbar ist. - Also fragen Sie am Häuschen an der Straße, vielleicht sagen die Ihnen auch mehr als uns, wann denn zum Beispiel diese Baustelle in der Caldera endlich erledigt ist.



Freitag 19.12.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 13 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 74 % - Luftdruck 1017 hPa

Schonfrist abgelaufen

Manch einer wird kein ruhiges Weihnachtsfest verbringen können. - Sicherlich auch nicht der Ex-Präsident der mächtigen Vertretung der Bananenproduzenten, der "Asprocan" (Asociación de Productores de Plátanos de Canarias). Dem guten, oder weniger guten Mann flattert zwar die Tage vor Weihnachten eine Anzeige gegen Ihn wegen Veruntreuung wohl nicht mehr ins Haus, allerdings kann er der Tagespresse entnehmen, dass er sich im Januar ein paar Termine freihalten sollte um diese den Gerichten zu widmen. - Skandale oder Skandälchen gibt es reichlich, aber selten erregt einer die Gemüter unserer Bananenbauern derart, wie dieser Fall, der inzwischen "Caso Visa" (Der Fall Visa) genannt wird. - Der Hauptperson, also dem Ex-Präsidenten, wird die Veruntreuung von etwas mehr als 66.000 Euro vorgeworfen, die er unberechtigter Weise noch nach seinem Dienstende vom Konto der "Asprocan" für private Angelegenheiten per Visa-Karte bezahlt haben soll. - Man spricht von Reisen, von Einkäufen und Restaurant Rechnungen, die weiter lustig vom Konto der Vereinigung abgebucht wurden, obwohl er bereits nicht mehr im Amt war. - Es scheint wohl unstrittig zu sein, dass er unberechtigt diese Karte benutzt hat, er hätte die einfach abgeben müssen, was er wohl "versäumt" hat, allerdings hatte ihn auch wohl niemand dazu aufgefordert. - So dauerte es auch eine geduldige Weile, bis man seitens der Asprocan den Missbrauch feststellte, oder es dauerte eine fahrlässige Weile, bis man den Missbrauch feststellen wollte.

Denn langsam kippt die Stimmung etwas, waren bislang die Bananenbauern, denn um deren Mitgliedsbeiträge geht es immerhin, stinksauer auf den Ex-Präsidenten, so fragt man nun immer deutlicher, warum hat das keiner gemerkt und ist eingeschritten, um größeren Schaden noch abzuwenden. - Dabei verliert die Version, man hat es einfach nicht bemerkt, immer mehr an Gewicht, in der Basis der Vereinigung vermutet man längst plumpe Versuche der jetzigen Verbandsführung, diese Veruntreuung seitens des Ex-Präsidenten zu vertuschen. - Aber das sind nur Vermutungen, die auch so lange diesen Stellenwert behalten müssen, aber das Vertrauensverhältnis zur neuen Geschäftsführung hat bereits deutlich gelitten. - Anfänglich wollte man dem erwischten Sünder noch die Möglichkeit geben, sich außergerichtlich mit der Asprocan zu einigen, in dem er die veruntreuten 66.000 Euro einfach zurückbezahlen sollte, aber der Termin zur gütigen Einigung ist nun abgelaufen und auch der Druck von der Basis des Verbandes lässt kein weiteres Zögern mehr zu. - Nun gibt man bekannt, dass man ein Verfahren wegen Veruntreuung einleiten wird, allerdings lässt man ihm auch eine allerletzte Chance, wenn er schnell bezahlen würde, dann könne man eine solche Klage auch wieder zurücknehmen. Das aber scheint nun auch alles nicht mehr möglich, die Öffentlichkeit ist längst zu interessiert an diesem Thema, es wird nicht mehr gelingen den "Caso Visa" auf dem kleinen und außergerichtlichen Weg zu lösen. - Schade, dass wir immer nur eine Version der Angelegenheit erfahren, aber der Beschuldigte äußert sich in der Öffentlichkeit überhaupt nicht, was ihm so folglich auch als Schuldeingeständnis angeheftet wird.



Donnerstag 18.12.08 - 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 16 Grad - Niederschlag 0,5 mm - Luftfeuchte 66 % - Luftdruck 1018 hPa
Höchsttemperatur heute 17,3 Grad (Wärmflasche entsichern) - niedrigste Temperatur 12,1 Grad

Emma läuft, der vorweihnachtliche Familienfrieden ist gesichert

Eigentlich kann man als Familienvater die Vorweihnachtszeit nicht mögen. - Zu viele Dinge lenken von dem mühsam zu beherrschenden, aber dennoch kontrollierbaren Alltag ab und die Erwartungen werden dichter und die Termine lassen keinen Aufschub mehr zu, was jetzt in den kommenden Tage nicht alles erledigt wird, das fällt einem beim "Fest" dann vom Weihnachtsbaum direkt auf den Vorwurfsteller. - Allein das stillschweigende und konspirative Einkaufen von Weihnachtsgeschenken macht mich nervös, da erzieht man alle Familienmitglieder zu Offenheit und spätgotischem Glasnost, schleicht aber selber in den Tagen durchs Haus, in der verzweifelten Suche nach irgendwelchen Verstecken, welche die heimische Brut nicht bereits kennt. - Allerdings beherrschen meine Nachkommen die gespielte Überraschung bereits perfekt, so dass meine Unfähigkeit gewisse Dinge zu verbergen nicht mehr so prägnant den Familienfrieden stört. - Ich erinnere mich nur zu gut, dass es mir als kleiner Junge auch lieber war, wenn ich bereits vor Weihnachten wusste, was ich bekomme, so konnte man sich bereits vorbereiten und unter Umständen auch noch kokett Änderungen oder Ergänzungen vorbringen, die Eltern waren ja mit anderen Dingen viel zu beschäftigt, um solches Verhalten als Strategie zu entlarven. - Man könnte sich ja auch einen Plan machen, was alles noch zu erledigen ist bis zum großen Tag, aber solche Pläne funktionieren eigentlich nie, besonders hier auf La Palma nicht, weil wir uns nicht gerne von solch statischen Dingen wie "Roadmaps to Christmas" gängeln lassen. - Eine lockere Mischung aus Phantasie, Pragmatismus und Improvisationsgeschick lässt einen aber alle Prüfungen überstehen und irgendwann ist es dann so weit, die Glocke klingelt, der Braten ist im Ofen, durchs Wohnzimmer hallen die gut gespielten Überraschungsrufe der Töchter und meiner Frau und mir rutscht endlich die ganze Anspannung dieser wunderschönen Familienseifenoper aus dem ausgemergelten Gesicht. - "Das habe ich mir doch schon immer gewünscht" - "So ein schönes Weihnachten hatten wir noch nie" - "Der Braten ist dir dieses Jahre aber besonders gut gelungen" - Allein für diese Worte lohnt sich der ganze Aufriss und der Stress und das sollte mir eigentlich sagen, wir machen das gar nicht aus gesellschaftlichen Zwängen oder gar, um unseren Kindern dieses Spektakel zu verschaffen, sondern wir sind blitzsaubere Egoisten.

Selbstentlarvung ist zwar eine anerkannte Methode zur Besserung, dennoch ziemlich peinlich bis entwürdigend, aber man gönnt sich doch sonst nichts, außer vielleicht mal den entnervenden Stress eines Kindergeburtstages. - Wichtig bei alledem ist eh nur der Familienfrieden und das verlangt von allen Beteiligten höchste Disziplin. - Heute Nachmittag dürfen wir noch die Zeugnisse abholen, das heißt wieder anderthalb bis zwei Stunden auf diesen so zweckmäßig auf modern getrimmten Gängen der Bildungseinrichtungen zuzubringen und small- bis mediumtalk mit anderen Erzeihungsberechtigten zu führen. - Das erspart man uns nicht, gleich dreimal im Jahr, so oft gibt es hier schriftliche Benotungen, die Kinder bekommen die Leistungsnachweise nicht einfach so in die Hand gedrückt, sondern die Eltern müssen diese im persönlichen Gespräch aus dem Klassenlehrer herauskitzeln. - Das bedeutet aber auch wiederum, dass die Schule für die beiden letzten Tage vor den Ferien keine Bedrohung mehr darstellt, auch nicht schlecht für den Familienfrieden. - Ich habe aber keine Angst davor die Zeugnisse abzuholen, meine Kinder sind da besser zu mir, als ich zu meinen Eltern war. - Eigentlich kann eh nichts mehr passieren bis Weihnachten, vielleicht noch, dass der bestellte Kapaun für den Festtagsbraten nicht kommt, ansonsten haben wir bereits alle Gaus hinter uns, die Vorratsschränke gefüllt, das Wahrnehmungsvermögen auf ein Minimum eingepegelt und sollte der Tierarzt uns nicht versetzen, dann sind sogar die kleinen Katzen bis Weihnachten noch von ihrer Fortpflanzungslast befreit. - Es gab allerdings einen schlimmen Moment, der wohl gereicht hätte, diese ganze angespannte Vorbereitungszeit in eine schiere Apokalypse zu verwandeln. - Gleich nachdem die Kinder festgestellt hatten, dass ihr Computer kaputt ist, was noch rechtzeitig vor Weihnachten geschehen ist, mussten wir eine geschlagene Person aus unseren eigenen Reihen vor dem totalen Zusammenbruch bewahren. - In elektrischer Solidarität hatte auch die Waschmaschine keine Lust mehr ihren anstrengenden Dienst zu verrichten und was bei einem Computer ärgerlich ist, das kommt im Zusammenhang mit unserer Waschmaschine einer Katastrophe gleich, meine Frau kennt da kein Pardon.

Da ich von Waschmaschinen so viel verstehe wie von Fußball, der Ball ist rund, muss ich in solchen Situationen sehr genau aufpassen, wie weit ich denn ins Gefühlsleben meiner Frau mit simplem Trösten eingreifen darf, oder ob ich sofort aufspringen muss und eine neue Maschine kaufen soll. - Man muss das verstehen, meine Frau und ihre Waschmaschine, das ist mehr als nur eine einfache Beziehung von Mensch zu Lavamat. Das ist ein komplexes Geflecht von Abhängigkeiten, Problemhandling und dem strikten Wunsch nach sauberer Wäsche. Das kann der, der immer saubere Wäsche zur Verfügung hat, überhaupt nicht nachvollziehen, mir ist es nie gelungen eine derart innige Beziehung zu Waschvollautomaten aufzubauen. - Ich gelte aber eh als oberflächlich in solchen Dingen und muss mich dann schon auf meine angewiesene Rolle beschränken. - Einfach eine neue Maschine kaufen wäre eigentlich kein Problem, aber die gute Emma ist erst vier Jahre alt, ein Bollwerk mit Öko-Faktor aus dem solventen Haus AEG, nein, keine Miele, aber immerhin beste deutschte Tradition, so etwas geht doch nicht einfach kaputt und verschwindet unehrenhaft auf dem Punto Limpio. - Guter Rat ist oftmals teurer als eine neue Waschmaschine und bange Stunden verbrachten wir, immer wieder zweifelnd auf der Kippe zwischen langfristiger Verzweiflung, wenn nun der Motor kaputt ist und der erst aus Tenerife kommen muss, dann dauert das bis nächstes Jahr, oder fast cholerischem Optimismus, der in der lustige Vorstellung gipfelte, man ruft einen Mechaniker an, der kommt, tauscht ein Teil aus und dann läuft die Emma wieder um das Leben meiner Frau. - Meine Kinder und ich haben uns in solchen Momenten längst einen sehr leisen, fast unterwürfigen Ton angewöhnt, wenn Emma Husten hat, oder Schlimmeres, gar Waschmaschinenkrebs, dann sollte man meiner Frau vorsichtig begegnen, denn dagegen ist PMS eine rauschende Ballnacht. - Aber was soll die Panik, der Mechaniker kommt, schraubt den Motor raus, grinst meine Frau an, meint nur noch, wer es schafft, die Schleifkohlen einer AEG in vier Jahren bis auf das letzte Krümelchen rauszulutschen, der kennt nur saubere Wäsche. - Die passenden Kohlen sind natürlich nicht vorrätig, macht aber nichts, angesichts der hoheitlichen Wichtigkeit seiner Aufgabe hat uns der gute Handwerker neue Kohlen geschnitzt und in das alte Gehäuse eingelötet. - Das war auch ein erfahrener Mensch, der kennt diesen Blick von Frauen, wenn ein paar Tage vor Weihnachten die Maschine kaputt geht und weiß, ohne dass die Maschine wieder läuft, ist auch sein Weihnachtsfest gefährdet. - So löst sich wieder mal alles in Voltairschem Wohlgefallen auf, dies ist die beste aller Welten und nur so lässt sich dieser selbst gestrickte Wahnsinn eine Familienweihnachtsfestes überhaupt nur ohne bleibende Schäden überstehen. - Wenn Sie mir gut zureden, dann gebe ich Ihnen auch die Nummer dieses Mechanikers, aber erst nach Weihnachten. Der hat sich das Fest auch verdient und falls Emma doch noch mal hustet vor dem Fest, dann brauchen wir den guten Mann dringend - und nur für uns.



Donnerstag 18.12.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 12 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 70 % - Luftdruck 1020 hPa

Sparen leicht gemacht

So langsam sickert durch, wie es denn die Inselregierung schaffen will, den Inselhaushalt für das kommende Jahr deutlich unter dem Betrag dieses Jahres zu halten. - Der Rotstift ist das wichtigste Instrument bei solch einer Sparaktion, das ist logisch und nun kommen die ersten erschrockenen Reaktionen auf das ausgebrochene Sparfieber. - Die Gemeinde Puntallana beschwert sich nun über die Streichung der Kompensationszahlungen von der Inselregierung für die Müllkippe im Barranco Seco, in der im Moment der gesamte Abfall der Insel landet. - Diese Schlucht, "trockene Schlucht" genannt, liegt genau auf der Grenze zwischen den Gemeinden Santa Cruz und Puntallana und bislang bezahlte man jedes Jahr an beide Rathäuser die Summe von 300.000 Euro als Entschädigung dafür, dass der gesamte Inselmüll dort endgelagert wird. - Auf dieses Geld kann die Gemeinde Puntallana aber schlecht verzichten, macht es doch an die 10% des gesamten Hauhaltes der Gemeinde aus und das Rathaus der kleinen Stadt im Nordosten weiß eh kaum noch, wo es die Gelder für die laufenden Kosten hernehmen soll.

Die Inselregierung geht davon aus, dass die große Müllverwertungsanlage in Mazo ab dem kommenden Jahr in Betrieb gehen wird und so sieht man keine Veranlassung mehr, den Gemeinden für den "Barranco Seco" eine Stillhalteprämie zu bezahlen. - Allerdings müssen da große Zweifel angebracht werden, selbst wenn die, seit Jahren überfällige Anlage in Mazo ihren Betrieb aufnimmt, heißt das noch lange nicht, dass die Deponie im "Barranco Seco" damit geschlossen wird. - Da man in Mazo zwar den Großteil des Mülls trennen wird und alles was wieder verwendbar ist dann auch dem Recycling zuführen will, aber nicht als Deponie geplant ist, muss der gesamte Restmüll doch auch noch irgendwo hin. - Da es aber auf der Insel keine weiteren offiziellen Müllkippen mehr gibt, außer meist illegal betriebenen Plätzen, wo man seit vielen Jahren sich daran gewöhnt hat, dass man dort Unrat hinwirft, bleibt die Deponie im "Barranco Seco" unverzichtbar. - Natürlich wird deutlich weniger Müll dort anfallen, je nachdem wie gut und effizient die neue Anlage in Mazo arbeiten kann, aber eine komplette Schließung der Deponie dort bei Puntallana scheint ausgeschlossen. - Aus der Nordgemeinde will man nun Nachverhandlungen anstreben, wie gesagt, es geht immerhin um 10% des Gemeindehaushalts, man würde sich aber auch damit zufrieden geben, für die Monate Geld zu erhalten, so lange die Deponie noch offen ist. - Faires Angebot an die Inselregierung und wenn die Müllkippe eben überhaupt nicht schließt, dann muss es auch weiterhin Geld geben. - Für 300.000 Euro im Jahr, da würde so mancher Bürgermeister einiger kleiner Gemeinden hier auf La Palma sogar den Vorgarten des Oppositionsführers als Deponie ausweisen…



Mittwoch 17.12.08 - 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 18 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 57 % - Luftdruck 1021 hPa
Höchsttemperatur heute 20,2 Grad - niedrigste Temperatur 13,0 Grad

Mach dich nackich du Fußballer!

Der Faktor Erotik als Einnahmequelle funktioniert immer noch, daran konnten und wollten wohl bislang auch nur Kirchen und andere Heilsverkünder etwas ändern, und das, wie wir wissen, ohne Erfolg. - Ob es nun der berühmte Pirelli-Kalender ist, oder eine ganze Heerschar von Hochglanzjournalen mit literarisch hochwertigen Texten, Sex sells und man muss nicht immer gleich die Pornographie da mit einschleusen, das geht auch ohne. - Als prüde kann man die Palmeros nun wirklich nicht bezeichnen, ich saß mal im gleichen Restaurant wie eine Gruppe Frauen die einen "despido de solteras" gefeiert haben, also einen Abschied vom Junggesellinnenleben. - Das gesamte Restaurant, die Kellner und das übrige Publikum eingeschlossen, haben sich köstlich amüsiert und manchmal war ich drauf und dran den Pfarrer zu rufen, um wieder Ordnung in den Abend zu bringen. - Aber ich bin kein Spielverderber, ansonsten hat dieser Abend bei meinen, damals sieben und neun Jahre alten Töchtern einen großen Teil der Aufklärungsarbeit übernommen, oder besser gesagt den Teil, den sie noch nicht aus dem Fernsehen kannten. - Aber da wollte ich mit der Geschichte eigentlich nicht hin, sondern nach Tijarafe, in diese angenehm ländliche Gemeinde, welche aber dennoch so offen und einladend den Norden für uns "Aridanetaler Kosmopoliten" erschließt.

Der dortige Fußballverein "Club Deportivo Tijarafe" knappst, so wie fast alle Fußballvereine hier auf der Insel, immer an einem sehr schwachen Etat herum. - Dagegen kann man mit Sponsoren angehen, mit Bandenwerbung, andere Vereine veranstalten Bingo-Abende um die Kasse aufzubessern und die Jungs aus Tijarafe nun, die ziehen sich aus und wollen so dem Club höhere Einnahmen bescheren. - Allerdings tanzen die nun nicht in Nachtclubs auf Tischen oder bei Witwenpartys, sondern bringen nach dem Vorbild des "Pirelli-Kalenders" ein Hochglanz-Schmuckstück als 12 Monate haltbaren Wandschmuck heraus. - Halt, hatte ich erwähnt, dass es sich nicht um die Frauenfußballmannschaft aus Tijarafe handelt, sondern um die "Alten Herren", wie man im Sport abfällig zu 25 jährigen Kerls sagt? - Nun ist es raus, die Hose runter und was man da zu sehen bekommt sind knackige Jungs, die aber immer noch brav die Hand vor diesen, mal größeren und kleineren Unterschied halten. - Die zwölf Motive sind an diversen Stellen der Gemeinde aufgenommen worden, von einer Fotografin. - Die kann das sicher auch besser beurteilen, wie man so nackte Kerls ästhetisch tragbar in Szene setzt. - Ein Foto entstand übrigens auch in der Kirche und eines im Rathaus, da allerdings sind die Recken des Club Deportivo Tijarafe voll bekleidet, die wissen also doch noch was sich gehört. - 2.000 Kalender will man so unter die Leute bringen und ich bin mal gespannt, in wie vielen Wohnzimmern dieser Insel dann nackte Kerls an der Wand hängen. - Oder in wie viel vereinsamten Schlafzimmern… Allerdings möchte ich davor warnen, dieses Beispiel zu breit zu treten, so bitte ich inständig, dass der Bundestag nun keinen Nacktkalender auflegt, um die Staatsverschuldung einzudämmen, Angela und Franz nackich, bitte nich! - Hier geht es zu einem kleinen Photo der Jungs, wenn Sie darauf klicken, dann wird die Sehnsucht sogar größer.



Mittwoch 17.12.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 13 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 66 % - Luftdruck 1021 hPa

Zwei neue Windkraftanlagen für La Palma

Jahrelang feilschte man in einem Wettbewerb, dem "Concurso Eolico", wer denn auf den Kanaren Windparks aufstellen darf. - Dabei ist interessant zu beobachten, dass man eigentlich mehr potentielle Betreiber dieser Anlagen in der Warteliste hat, als nun zum Zuge kommen. Warum man diese Art der Energiegewinnung denn mit Einschränkungen belegt, das erschließt sich mir weder auf den ersten, noch auf den zweiten Blick. - Gerade da La Palma bereits vier gut funktionierende Windkraftanlagen in Betrieb hat, die zusammen an die 7 Megawatt Nominalleistung bringen betritt man doch kein unsicheres Neuland. - Sicher will man mit den Einschränkungen auch verhindern, dass ein Wildwuchs dieser Windmühlen hier auf La Palma das Landschaftsbild beeinträchtigt, allerdings gibt es so viele Ecken auf dieser Insel, wo kein Mensch hinkommt oder Interesse an der Region zeigt. - Zumal La Palma auch noch in der hervorragenden Lage ist, dem fast ständig wehenden Passatwinden ausgesetzt zu sein, fragt man sich doch, warum man nicht noch einen höheren Anteil der zu erzeugenden Energie aus Windkraftanlagen produzieren will. - Leider gibt es immer noch keinen Gesamtplan der Inselregierung, wie man denn das mittelfristige Ziel, La Palma komplett mit elektrischer Energie aus nicht fossilen Brennstoffen zu versorgen, aufteilen will. - So bleiben die bisherigen Aktionen leider Stückwerk, allerdings kommt man mit diesem Stückwerk, wenn die neuen Windkraftanlagen mal fertig sind, zusammen mit den Fotovoltaik-Anlagen und dem Wasserkraftwerk auf knappe 20 Megawatt an Leistung, die man dann bereits ohne unser Dieselkraftwerk produziert. - Das ist dann bereits ein Drittel der benötigten Leistung von heute, allerdings muss man einschränken, dass dieses Angebot eben nicht sicher und permanent läuft, sondern nur tagsüber und bei ausreichendem Wind mit ins Netz gespeist werden kann.

Dennoch sind wir damit die Kanarische Insel mit dem höchsten Anteil an alternativ erzeugter Energie, sollte uns nicht, bevor die neuen "Spargel" stehen, noch El Hierro überholen. -Allerdings haben die das einfacher, die stellen ein paar Windräder auf und schon haben die die Hälfte ihrer benötigten Energie in der Steckdose. - Es ist halt doch ein gewaltiger Unterschied, 85.000 Menschen mit inzwischen reichlich gestiegenen Ansprüchen an die Energieversorgung zu befriedigen, als die 12.000 Einwohner der Insel El Hierro. - Das soll hier aber auch keinen plakativer Wettbewerb zwischen den Inseln ergeben, sondern irgendwann eine Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen und das auf allen Kanareninseln. - Zurück zu unseren neuen Windkraftanlagen. - Die Firma "Eólicas del Sureste S.L." aus Gran Canaria hat den Zuschlag bekommen, das Kraftwerk "Garafía II" zu bauen und zu betreiben, welches mit einer Leistung von 3,6 Megawatt angegeben wird. - Das zweite Kraftwerk soll von der Firma "Maherca 2000 S.L.", ebenfalls aus Gran Canaria, erstellt werden und im Süden bei Fuencaliente seinen Dienst aufnehmen. - Die Leistung wird mit ähnlichen 3,4 Megawatt angegeben, allerdings rechnet man dort mit einer geringeren Auslastungsmöglichkeit. - Interessant dabei ist, dass die Firma "Maherca 2000 S.L." als Immobilienmakler und Verwalter auftritt und man im ersten Überblick keinen Zusammenhang zur Erzeugung von elektrischer Energiegewinnung erkennen kann, aber dieser Wettbewerb lief ja lange genug, dass man die Bewerber wohl ausreichend auf ihre Fähigkeiten untersucht hat. - Da aber schließt sich bereits wieder die nächste Frage an. - Nun haben die Firmen ein Jahr Zeit ihre Projekte zu präsentieren, und dann ein weiteres Jahr, mit Option der Verlängerung von noch mal 12 Monaten, die Anlagen auch zu bauen und in Betreib zu nehmen. - Wenn es denn schon so einen langfrostigen Wettbewerb gab, dann sollten doch die Projekte der einzelnen Firmen längst stehen, wie anders hätte man denn sonst die Entscheidungen treffen können, wer denn die Anlage errichten darf? - Aber wie immer bin ich guter Hoffnung und wenn sich diese Spargel erst mal drehen, dann zapft sich unser Strom aus der Steckdose gleich noch viel angenehmer und wenn man genau hinhört, dann meint man sogar das Säuseln des Windes in der Steckdose zu vernehmen. - Unser Elektriker meint zwar, das sei unsere hoffnungslos überlastete Schutzsicherung, aber so profan lasse ich mich nicht abspeisen…


Windkraft auf La Palma

Das gelbe Auto da vor den Windmühlen dient als Generator, damit sich die Räder der Windmühlen auch drehen können.



Dienstag 16.12.08 - 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 22 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 45 % - Luftdruck 1018 hPa
Höchsttemperatur heute 25,2 Grad - niedrigste Temperatur 14,6 Grad

Weiter ratlos gegenüber der stark gestiegenen Arbeitslosigkeit

Bei einer Arbeitslosenquote, die nun heftig die 20% Marke überschritten hat, wird jeder langsam, oder sogar schnell nervös. - So fehlt es auch nicht an guten Worten oder gar Projekten, wie man denn gegen diesen unschönen Zustand angehen kann, aber die bisherigen Aktionen scheinen völlig ins Leere zu laufen. - Für La Palma hatte man ein Programm ausgetüftelt, welches als Grundidee den Tausch von Überstunden gegen Neueinstellungen vorsieht. - Wer so neue Arbeitsplätze schafft, der bekommt als Unternehmer nicht nur Geld auf die Hand, sondern auch noch die Arbeitgeberanteile für das erste halbe Jahr bezahlt. - Für dieses Programm machten sich nicht nur die Provinz- und die Inselregierungen stark, sondern auch die hier mehrheitlich vertretene Gewerkschaft CCOO (Comisiones Obreras). - Nun musste man aber feststellen, dass die Firmen diesen Vorschlag wohl nicht annehmen, man konnte außer ein paar Beratungsgesprächen über dieses Projekt noch keine Erfolgsmeldungen in die Welt hinausposaunen.

Auch der Verband der kleine und mittelständischen Unternehmen hier auf der Insel, die rührige und auch einflussreiche Gruppe "Cepyme La Palma", schlägt ähnlich pessimistische Töne an, manche Unternehmer hätten sich zwar dafür interessiert, aber man könne von keinen konkreten Fall berichten, wo es zu Neueinstellungen gekommen wäre, als Ersatz für Überstunden. - Es scheint wohl keine geeignete Maßnahme für die hiesige Struktur der Betriebe zu sein und darüber hinaus hört man aber auch wieder von der Gewerkschaft, dass die Kollegen in den Betrieben selbst auch nicht begeistert sind, verlassen sich doch viele auch auf den Zuverdienst durch Überstunden und diesen möchte man ungern verlieren. - Es wird auch spekuliert, dass manche Firmen bei der Bezahlung der Überstunden zwar großzügig gegenüber dem Arbeitnehmer sind, aber weniger gegenüber der Steuer und dem Arbeitsamt und viele mehr geleistete Stunden einfach mit mehr Freizeit verrechnet werden, oder mit einem finanziellen Obolus, der den Staat nicht mitverdienen lässt. - Da wird sicher auch was dran sein und ansonsten sind ja Arbeitnehmer, die bereits sind Überstunden zu leisten, für den Arbeitgeber eine stille Reserve. - Ist viel Arbeit, dann gibt es Überstunden und er muss niemanden neu anlernen, den er später nicht wieder einfach entlassen kann. - Bei Überstunden ist das anders, die macht man einfach nicht, wenn weniger zu tun ist und hat vielleicht sogar noch den Tauschfaktor in der Hinterhand, in dem man aufgelaufene Überstunden bei weniger Arbeit abfeiern lässt. - Da diese Aktion nun bislang überhaupt nicht von Erfolg gekrönt scheint, verlängert man dieses Angebot für die Arbeitnehmer bis Juli kommenden Jahres und will es auch noch auf die anderen Kanareninseln ausdehnen. -Das verstehe nun wieder wer will, oder nimmt man uns hier auf La Palma immer noch als negatives Versuchskaninchen. Das, was bei uns nicht funktioniert, das muss auf den anderen Inseln umso besser laufen? - So wartet man besser auf das staatliche Konjunkturprogramm, welches den Gemeinden reichlich Geld verschafft, die dieses das schnell wieder ausgeben müssen. - Fast 180 Euro pro Einwohner gibt es aus Madrid, für Bauvorhaben der Gemeinden und diese müssen allesamt bereits im April nächsten Jahres begonnen werden. - Da wird es wieder reichlich Überstunden hageln…



Dienstag 16.12.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 14 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 72 % - Luftdruck 1017 hPa

Einen Klacks Butter weniger

Bei uns in Bayern fing jedes ordentliche Rezept mit dem weisen Ratschlag an: Nehmen Sie nach Belieben ruhig ein bisschen Butter mehr. - In Zeiten der Cholesterin- und Finanzkrise finden viele Rezepte, seien sie nun dem guten Geschmack, oder auch der guten Politik gewidmet, ein jähes, wie mageres Ende. - Ist ja auch verständlich, schließlich will man sich ja zumindest Teile seiner schmerzhaft einbezahlten Rentenbeiträge wieder zurückholen und auf der politischen Ebene muss man sich nun auch dem neuen Trend der Bescheidenheit zuwenden. - So hat sich auch, einfach weil das Wort "sostenibilidad" (Nachhaltigkeit) wegen seiner inflationären Verwendung an Abnutzung gestorben ist, jetzt die "austeridad" (Sparsamkeit - Nüchternheit) als neue Zaubervokabel durchgesetzt. - Nun hat alles "austero" zu sein, was an allererster Stelle nur bedeuten kann, die Butter ist aus dem Kartoffelbrei verschwunden und seht mal alle her, wir haben unsere Hausaufgaben gemacht, es geht auch ohne Butter und essen müsst das ja eh ihr, denn unsere Gehälter sind immun gegen "austeridad". - Aber das geht in Ordnung, man soll diesen, hart arbeitenden Menschen in der Politik nicht auch noch das letzte wegnehmen, an dem sie Freude haben. - Und mal ganz ohne Polemik, unsere Politiker verdienen nicht wirklich viel Geld, vergleicht man das mit Posten in der, angeblichen freien Marktwirtschaft. - Noch dazu gibt es in der hiesigen Politik nicht diese obszönen Gesten, dass gescheiterte Karrieren auch noch mit Abfindungen belohnt werden, von denen sich Generationen an Hartz IV Empfängern Butter kaufen könnten. Meist heißt es hier nach vier Jahren: Margarine fressen…

Alle Gemeinden haben bei dem großen Gesellschaftsspiel "austeridad" brav mitgemacht, die Haushaltspläne für das kommende Jahre sind allesamt an die 10% unter denen des laufenden Jahres angesiedelt und nun legt auch noch die Inselregierung ihre Rechnung für das Jahr 2009 auf den Tisch. - Ohne Überraschung vermerken wir einen Rückgang von knappen 9% bei den geplanten Ausgaben, nachdem man im laufenden Jahr erstmalig die 100 Millionen Grenze überschritten hatte, stehen für das kommende Jahr nur noch 93,3 der leckeren Millionen zur Verfügung. - Das Plenum im Inselparlament hat das gestern mit der bequemen Mehrheit von Coalición Canaria und der Partido Popular durchgewunken, unter dem verzweifelten Protest der Sozialisten, die sich dann immerhin noch zu einer ostentativen Enthaltung begeistern konnten. - Frei nach dem Motto: Eigentlich habt ihr ja Recht, aber wir haben doch die Pflicht zu reklamieren, dafür sind wir schließlich da. - Es ist halt schwer für die Opposition sich da zu profilieren, besonders wenn die Anderen auch vernünftig sind. - So bleibt die alte politische Regel auch in Zeiten der butterlosen Askese gültig: Der größte anzunehmende Unfall für eine solide Opposition ist eine vernünftige Regierung. - Aber da muss man sich eigentlich in den Reihen der Sozialisten hier auf La Palma keine zu großen Sorgen machen, die Trefferquote in unserem Inselparlament ist in den letzten Jahren ordentlich gesunken, da macht ein vernünftiger Haushaltsplan einer hart gesottenen Opposition doch nichts mehr aus.



Montag 15.12.08 - 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 52 % - Luftdruck 1018 hPa
Höchsttemperatur heute 25,5 Grad - niedrigste Temperatur 13,6 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 18,7 - Temp. min. 5,2 - Feuchte 26 - 95 % - Niederschlag 4 mm

Landwirtschaftlicher Hoffnungsschimmer Proteen

Wie diese Blume nun genau im Plural auf Deutsch heißt, das weiß ich nicht. - Protea ist der Singular und inzwischen kennt man diese beeindruckende Blume bereits fast überall auf der Welt. - Eigentliche Heimat dieser Pflanze ist Südafrika, aber sie wächst auch wunderbar hier auf La Palma und ist zu einer wirklichen Hoffnungspflanze für unsere fragile landwirtschaftliche Entwicklung geworden. - Was sogar noch phantastischer ist, diese Blume wächst besonders gut in den mittleren Höhenlagen, kommt also keinen Moment als Konkurrenz für die Bananenplantagen in Frage, welche intensiv nur bis 400 Meter Höhe bewirtschaftet werden können. - Anfänglich belächelte man die ersten Versuche mit dieser Blume hier, die so ganz fremd für uns aussah und was der Bauer nicht kennt, das baut er auch nicht an. - Allerdings ließen sich die Landwirte schnell davon überzeugen, dass man auch mit Zierpflanzen Geld verdienen kann und eben besonders mit dieser beeindruckenden Blume, die immer mehr zum Mittelpunkt eines auffälligen Blumengesteckes genommen wird. - Dann gibt es noch einen Vorteil, die Protea hält sehr lange und kann bei richtiger Behandlung schon mal bis drei Wochen in der Vase stehen bleiben. - Absolute Nummer eins im Export dieser Blumen ist weiterhin Südafrika, allerdings stechen wir hier mit unserer Saison, die jetzt beginnt, gerade in die Zeiten, in denen das Land an der Südspitze Afrikas kaum liefern kann. Von La Palma aus werden die Blumen per Luftfracht nach Holland verschickt und gelangen auf diesem Weg auch nach Deutschland, 90% unserer Ernte finden so den Weg zum Verbraucher.

Um den Absatz und die komplette Vermarktung kümmert sich die Kooperative "Proteas de La Palma", die nun bereits im zehnten Jahr erfolgreich im Sinne einer Diversifikation der palmerischen Landwirtschaft arbeitet. Allerdings begannen die Exporte erst mit dem Jahr 2002. - Etwas mehr als 50 Landwirte sind Mitglieder dieses Verbandes und in dieser Saison will man es schaffen, 1,5 Millionen Proteen an die Großmärkte in Holland zu verkaufen. - Das hört sich gewaltig und viel an, bleibt aber dennoch, vergleicht man das mit der Allmacht der Banane hier auf La Palma, ein bescheidenes Nischenprodukt. - Dennoch, man hofft sogar noch mehr dieser Blumen in den kommenden Jahren vermarkten zu können, wobei man natürlich höllisch aufpassen muss, sich mit zu großer Produktion nicht selbst zu überholen. - Auch herrscht auf dem Markt der Zierblumen immer so ein bisschen der Modetrend und man weiß nicht genau, wie lange noch die Proteen ein wirklicher Renner und sehr gesuchte Blumen sein werden. - Es kann aber auch gut sein, dass die Nachfrage noch deutlich größer wird, aber wer kann diesen Markt schon wirklich vorausschauend prüfen. - Ein bisschen wird man auch auf eventuelle Konkurrenten aus Billiglohnländern schielen müssen, es wäre nicht prickelnd für unsere Landwirte, wenn man uns diese leidlich profitable Kultur mit Massenimporten zu dürftigen Preisen wieder wegnehmen würde. In Wirklichkeit heißen die Blumen allerdings Leucospermum und Leucodendron. - Das sind keine medizinischen Fachausdrücke sondern die richtigen Bezeichnungen für die Blumen, welche wir alle unter dem Namen Protea kennen. - Proteen gibt es auch, aber die meisten Blumen die unter diesem Namen auf den Markt kommen, sind keine, sondern eigentlich Leucospermum. Nun ist es aber nicht angebracht, der Schwiegermutter einen Strauß Leucospermum zu überreichen, vielleicht kommt es daher, dass wir zu allen diesen Blumen Proteen sagen. Auf jeden Fall ist diese Blume, wenn auch unter falschem Namen, ein richtiger Glücksgriff für La Palma geworden. - Und der Kooperative "Proteas de La Palma" darf man herzlich zur zehnjährigen Erfolgsgeschichte gratulieren. - Aber bitte keine Blumen, davon haben die selber genug.


Proteen aus La Palma



Montag 15.12.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 14 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 79 % - Luftdruck 1017 hPa

Dezente Belegung

Auch eine Möglichkeit im touristischen Sektor schlechte Geschäfte zu umschreiben. - Das "Patronato de Turismo de La Palma" klagt so über die schlechte Belegung der Hotelbetriebe auf unserer Insel, die in der jetzigen Hauptsaison nur bei 62% liegen soll. - Hauptsaison das bedeutet auf La Palma, von November bis Ostern, wenn wir als angenehmes Ausweichquartier für Winterflüchtlinge aus Mitteleuropa dienen können. - 62% Belegung in der Hauptsaison ist wirklich kein Faktor für Zufriedenheit und aus den Reihen des "Patronato" hat man auch die entsprechende Erklärung dafür. - Zu wenig Flüge nach La Palma, besonders aus Deutschland, die Fluggesellschaften schicken keine halbleeren Maschinen mehr durch den europäischen Himmel und legen so Linien still, die nicht unbedingt in der Vergangenheit bewiesen haben, berechenbar rentabel zu sein. - Allerdings ist diese Entwicklung weder neu noch unverständlich, La Palma bleibt ein zweitrangiges Ziel für viele Fluggesellschaften und man sucht so nach machbaren Alternativen unseren Markt zu befriedigen. - Dazu gehört, die in dem Zusammenhang auch wieder kritisierte Kooperation von Tuifly und Binter Canarias. Als zu unbequem bemängelt man das Angebot der Fluggesellschaft, mit einem Düsenjet erst nach Gran Canaria gebracht zu werden und dann mit einem Inselhopper nach La Palma weitergeflogen zu werden. - Auch wenn das Gepäck bis nach La Palma durchgecheckt wird und der Gast endlich auch mal das Vergnügen kennen lernen wird, mit unseren kleinen Flugzeugen zwischen den Inseln zu fliegen, dieses Angebot kommt wohl beim Verbraucher nicht richtig an.

Dabei sind die meisten Verbindungen nach La Palma längst Gabelflüge, auf denen man bereits im "Spenderland", welch lustige Bezeichnung für Deutschland in diesem Zusammenhang, zuerst zu einem Luftverkehrsknoten geflogen wird und dort dann in eine Sammelmaschine nach La Palma einsteigen kann. - Die Frage wird also gestellt, wie schafft man es neue Flugverbindungen nach La Palma zu locken und die Antwort lautet ganz einfach: Entweder mit viel Geld, oder gar nicht. - Inzwischen ist es ja üblich, den Fluggesellschaften Prämien zu bezahlen, damit diese eine Region überhaupt anfliegen, allerdings ist das langfristig weder sinnvoll, und schon gar nicht nachhaltig. - Wir haben das ja am Beispiel Ryanair/Fuerteventura gesehen, man muss ja dann auch die grundsätzliche Frage als Ferienregion stellen, ob man an subventioniertem Tourismus überhaupt noch Geld verdient, oder nur eine bereits vorhandene Maschine mit Brennstoff versorgt, nur, damit sie sich weiter dreht, und keine Arbeitsplätze verloren gehen. - Da können wir uns hier auf La Palma doch glücklich schätzen, da unsere Abhängigkeit vom Tourismus in den berühmten Kinderschuhen hängengeblieben ist und wir trotz diesen lauen 62% Auslastung noch überleben können. - Witzig in diesem Zusammenhang ist es dann nur, wenn von anderer Seite die Behauptung kommt, wir bräuchten dringend mehr Hotelbetten, dann würden wieder mehr Fluggesellschaften nach La Palma fliegen. - Außer Firmen die im Baugewerbe tätig sind, oder deren Hand aufhaltende Epigone aus allen Bereichen, sogar der Politik, versteht keiner diesen suizidalen Salto, bei miserabler Belegung erst mal das Angebot zu erhöhen, dann würde die Nachfrage von selber steigen. - So aber sieht das unser touristischer Sondernutzungsplan vor, der viel zitierte "PTE", eine Verdopplung unsere Bettenkapazität im Hotelbereich für die kommenden Jahre. - Dazu kann man nur noch sagen, entweder bremsen die Gerichte diesen völlig fehlgeleiteten Gang aus, oder das macht die Marktwirtschaft, auf ihre wenig mitleidige aber konsequente Art. - Die Frage dabei ist dann nur, was tut weniger weh, und dabei bin ich voll und ganz der Meinung, ein Überangebot, welches erst gar nicht geschaffen wird ist einfacher zu beherrschen als ein komplizierter und teurer Rückbau unnötiger Infrastrukturen. - Es sein denn, die EU hat ein Einsehen mit uns und erfindet endlich die Nichtbelegungsprämie für Hotelbetten. - So weit weg liegt diese Idee gar nicht, in der Landwirtschaft gibt es doch auch Stilllegungsprämien und in Brüssel und abwechselnd in Straßburg sogar ganze Parlamente, in denen man nicht mehr benötigtes politisches Humanmaterial teuer in Gremien und Ausschüssen parkt.



Sonntag 14.12.08 - 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 18 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 73 % - Luftdruck 1017 hPa
Höchsttemperatur heute 23,1 Grad - niedrigste Temperatur 13,8 Grad

Wenn mal wieder gar nichts passiert

Gewisser Neid überkommt einen dann schon, wenn man nach Tenerife blickt oder gar hinaus in die Welt. - Da gibt es immer was zu schreiben und wenn es bloß "yellow-press" ist, aber hier auf La Palma blamieren sich ja keine Promis, sondern immer nur ganz normale Leute. - Selbst das Wetter taugt nicht für eine Erwähnung, nur dass momentan der Feinripp-Alarm etwas gelockert werden kann. - Laue Adventseinkäufe in Los Llanos und da taucht der Spruch wieder auf, El Hierro ist etwa so wie Los Llanos am Sonntag und nun weiß ich nicht so wirklich, ob ich unsere kleine Nachbarinsel nun bedauern soll. - Es könnte einen ja noch schlimmer treffen, eben auf El Hierro, da passiert ja schon aus Prinzip nichts, weil das die Leute dort nicht mögen, wenn sich etwas ändert. - Das mögen wir eigentlich auch nicht und so ist vielleicht der größte Aufhänger heute noch, dass die öffentliche Krippe in El Paso doch vorhanden ist, nachdem man schon gemunkelt hatte, dass nun auch die Heiligen Drei Könige den Sparmaßnahmen zum Opfer gefallen sind. - Die Krippe ist dieses Jahr nicht auf dem Dreschplatz unterhalb des Palmengartens, sondern neben dem Rathaus in der Straße, die nach oben führt. - Etwas kleiner als die anderen Jahre, aber Bescheidenheit ist ja nicht nur eine Tugend, sondern in den letzten Monaten sogar progressiver Zeitgeist geworden.

Vielleicht ist heute auch nichts passiert, weil wieder alle auf Tenerife zum Einkaufen sind, denn selbst wenn einige Läden heute in Los Llanos und auch in El Paso geöffnet hatten, es war weniger los als noch vor zwei Wochen, als man den ersten verkaufsoffenen Sonntag begehen konnte. - Auch hat man sogar das Gefühl, dass heute die Straßen leerer sind als an anderen Sonntagen, gerade so, als ob man sich verabredet hätte, wir bleiben alle mal einen Tag Zuhause, da ist es doch eh am schönsten. - Die Tagespresse gibt auch nichts her, jedenfalls nichts, was man irgendwie in einen zynischen Kommentar verwandeln könnte und irgendwie muss ich ja doch den La Palma Bezug halten, also geht das Wildern auf fremden Inseln auch nicht wirklich. - Also werden auch wir uns in der neuen Bescheidenheit suhlen und in dem Luxus, dass eben nichts passiert ist. - Wie langweilig könnte man natürlich nun auch stöhnen, aber das kann auch durchaus zur Besinnlichkeit führen und einfach mal ein paar Stunden so wirklich zur Ruhe kommen. - Vielleicht ist es auch gerade dazu da, dann leuchtet die dritte Kerze auf dem Adventkranz auch viel heller, weil nicht so viel Lautes drum herum die Lichter ablenkt. - Genießen Sie die paar Stunden Sonntag die noch übrig bleiben, vielleicht hatten Sie ja auch so einen erholsamen Tag wie wir, an dem nichts passiert ist.



Sonntag 14.12.08 - 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 13 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 73 % - Luftdruck 1023 hPa

Traditionalisten gegen Santa Claus

Wir hatten ja schon darüber berichtet, dass man dieses Jahr in Santa Cruz seitens der Stadtverwaltung darauf pocht, den Santa Claus aus den offiziellen Weihnachtsprogrammen fern zu halten, schließlich ist das ein illegaler Immigrant, der zwar nicht im Cayuco zu uns kommt, aber eben auch nicht passend auf einem Schlitten. - Was man eigentlich für eine kleine Posse nostalgiewütiger Stadträte halten könnte, hat nun eine immer noch friedliche, aber dennoch grundsätzliche Diskussion angefacht, wie man denn nun hier Weihnachten zu feiern hätte. - Da stehen zur Debatte überhaupt der 24. Dezember, darf man da bereits Geschenke verteilen oder erst am 5. Januar abends oder erst ganz streng, am 6. Januar. - Noch heftiger aber wird diskutiert, was denn diese komische Person im roten Mantel soll, die doch überhaupt nichts mit Weihnachten an sich zu tun hat, sondern eine für Werbeveranstaltungen zwangsrekrutierte Genmanipulation vom Nikolaus ist. - Genauer gesagt von der niederländischen Variante, dem "Sinterklaas" der über einen Ausflug nach Nordamerika nun als Reimmigrant unter falschem Namen und auch noch zum falschen Zeitpunkt unser europäisches Christkind verscheucht, oder sogar auch noch die Autorität der Heiligen Drei Könige untergräbt.

Eigentlich dachte ich ja zunächst, das ist so ziemlich egal, jeder soll seinen eigenen Engel oder Heiligen mit sich tragen und den Kindern vorgaukeln, gerade diese Figur sei nun dafür verantwortlich, dass nun Geschenke unterm Baum stehen oder von Kamelen herab gereicht werden. - Aber da haben wir nicht mit den Traditionalisten gerechnet, die das Weihnachtsfest tatsächlich noch als religiösen Umtrieb verstanden sehen wollen und dabei sogar noch auf lokale Eigenheiten pochen. - So musste ich mir gestern Abend in der Kneipe doch tatsächlich eine anderthalbstündige Diskussion gefallen lassen, um genau dieses Thema. - Und alle mischten sich ein, fast so als ginge es um die Bananenpreise, und jeder hatte seinen heiligen Weihnachtssenf dazu zu geben. Interessant dabei war zu beobachten, dass sich die dazugehörigen Quotenfrauen überhaupt nicht in die Diskussion um Weihnachtstraditionen einmischten, entweder habe die die historische Bedeutung solcher Auseinandersetzungen nicht begriffen, oder das ist denen schlichtweg zu blöd, weil sie ja sowieso den ganzen arbeitstechnischen Kram zu bewältigen haben, sei es nun im Namen des Christkindes, des Santa Claus oder eben der drei Herren aus dem nahen Osten. - Da es aber in den Kneipen nicht nur Quotenfrauen, sondern auch Quotenguiris gibt, wurde ich auch hin und wieder befragt, wie wir das denn halten mit den konkurrierenden Weihnachtsfiguren. - Bei uns gibt es alles konnte ich nur bestätigen, Nikolaus, Adventskalender, Adventskranz, Oh du Fröhliche, Jingle Bells, Christkind, Weihnachtsmann, Krippe, Weihnachtsbaum und die Heiligen Drei Könige. - Ob das denn eine lokale Tradition sei wurde ich dann gefragt und konnte dem zustimmen, aber sehr lokal auf unser Zuhause beschränkt und nicht weil wir allgläubig sind, sondern weil unsere Kinder das so bestimmt haben in der weisen Erkenntnis, so erziele man die maximale Ausbeute aus dem weihnachtlichen Festekomplex. - Aber das ist natürlich für Traditionalisten unbefriedigend, auch wenn die Rentabilitätsrechnung meiner Kinder als sehr geschäftstüchtig gelobt wurde. - Immerhin, inzwischen gibt es ja sogar auf Balkone und Dächer kletternde Könige, meist im bekannten Dreierpack, als Traditionsrache für diese dämlichen Rotröcke, die auch hier auf La Palma inzwischen an Häuserfassaden von Ungläubigen angebracht werden. - Man hat aber noch nicht beobachten können, dass es zu offener Gewaltanwendung zwischen Santa Claus und den Heiligen Drei Kletterern gekommen ist, nur fiel auf, dass an manchen Hausfassaden der Rotrock abgenommen wurde und dafür die Könige installiert. - Die Diskussion dauerte an, bis im Fernsehen das Spiel aller Spiele übertragen wurde, Madrid gegen Barca und dann spätestens verabschiede ich mich nachhaltig, denn von Fußball verstehe ich noch weniger als vom Weihnachtsmann. - Aber ich konnte noch beobachten, dass die Traditionalisten, also die Heilge Drei Königs-Fraktion meist Anhänger von Real Madrid waren und die freigeistigen Santa Clausisten eher für Barcelona gestimmt waren. - Wenn das so einfach ist, dann steht es jetzt 2:0 für Santa Claus…


   



Samstag 13.12.08 - 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 19 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 53 % - Luftdruck 1025 hPa
Höchsttemperatur heute 23,8 Grad - niedrigste Temperatur 13,4 Grad

Friedliche Übernahme

So etwas kennt man ja ansonsten von den lustigen Spielen der "Global-Player", wo die Angestellten schon lange nicht mehr wissen, wem sie eigentlich "gehören" und wer eigentlich ihren Gehaltsscheck unterschreibt. - Aber auch bei uns gibt es so was, nur eben auf einer anderen Ebene. Inzwischen ist unser Haushalt, von einer Verbindung von Humanelementen und einem kastrierten Halbkater, zu einer felinen Wohngemeinschaft mutiert, in welcher der erkleckliche Rest an menschlichem Auftreten sich nur noch in Bezug auf handlangerische Tätigkeiten für das Katzenvolk begrenzt. - Schuld daran ist wie immer der Paul, hat er sich doch inzwischen mit den beiden kleinen "Boatkiddens" soweit angefreundet, dass sie in seinem Schutz und Wirkungskreis inzwischen den gesamten Haushalt belagern. - Das war eigentlich anders vorgesehen, wir dachten eigentlich eher so an die "Österreich-Lösung" nicht gleich an den Wiedervereinigungsparagraphen, und konnten anfänglich auch mit der tatkräftigen Unterstützung Pauls rechnen. Der hielt uns die beiden Neuankömmlinge weit genug von Küche und Wohnzimmer, so dass wir auf gute Nachbarschaft mit der kleinen Brut hofften, so eine Art von uns gespornserte Freiheit, aber nicht mit Familienanschluss und Kuschelparties mit der eigenen Humanbrut. - Da aber nun, nach langem Zögern und Überlegen der Paul doch beschlossen hat die beiden Findelkinder anzunehmen, bleibt uns nichts anderes übrig, als das Gleiche zu tun. - Nicht, dass wir da aktiv werden mussten, aktiv wurden die Flüchtlingskinder von ganz alleine und fordern nun ohne Minderwertigkeitskomplex volle Gleichberechtigung neben Paul.

Für mich bedeutet das natürlich eine komplette und absolute Kapitulation, konnte ich mit Paul noch einen Sonderstatus erklären der da heißt, Paul ist keine Katze sondern der Paul, so gelingt das mit den anderen beiden Felingesellen natürlich nicht. - Die anderen Familienmitglieder, bekanntermaßen weiblichen, also dem zur Konsequenz unfähigen Geschlecht gehörend, sehen das wieder mal anders und unterstützen die wohl friedliche, aber dennoch heimtückische Übernahme dieses Haushalts durch Katzengewusel mit quiekenden Ausrufen: "Guck mal, wie süß das ist, wie sich der kleine Luck gerade auf deinem Bett so wohl fühlt und ich drei Stunden Arbeitsverbot erhalte, weil sich die kleine Kätzin, die Dreibeinige, gerade auf meinem Bürostuhl zum zweiten Vormittagsschlaf niedergelegt hat. - Irgendwo trifft man jetzt immer auf eine Katze. - Man kann den Kühlschrank nicht mehr öffnen ohne jammernde Begleitung, keine Tür mehr öffnen ohne den Hinweis, man möchte bitte vorsichtig sein, es könnte sich eine Katze dahinter gerade den Darmausgang sauberlecken und weil wir schon beim Thema sind: Neulich auf einer dringlichen Sitzung im Männerklo, wir haben so was wirklich, das ist so was wie mein letztes und von Frauen unbetretenes "Outback", da öffnet sich plötzlich der Kleiderschrank gegenüber und die beiden kleinen Katzen kommen wie Voyeure zwischen den Klamotten hervor gekrochen und wollen eine Erklärung von mir haben, warum ich hier so angestrengt und konzentriert sitze. - Nun, ich rede nicht mit allen Vier-, oder Dreifüßern, schon gar nicht in solchen Momenten, dieses Privileg bleibt ausnahmslos dem Paul vorbehalten, da bin ich loyal bis zickig. - Der wiederum genießt seine neue Rolle komplett, hat er doch nun nicht nur seine humane Dienerschaft, sondern auch noch willfährige Spielgefährten, die er mit seinem monatelangen Ignorieren sich so richtig zurechtgelegt hat und nun immer gefällig sind, wenn der Herr doch mal Katzenspiele betreiben will. - Mein freier Lebensraum wird aber immer enger dadurch, die Möglichkeiten auf eine Katze zu treten haben sich potenziert und das gibt reichlich Ärger mit den weiblichen Wächtern der kätzischen Unversehrtheit hier im Haushalt. - Und Sie wissen ja, es ist unmöglich friedlich neben einer Katze zu laufen, denn die wird mit Sicherheit immer genau dahin laufen, wo Sie Ihren nächsten Schritt setzen wollen. - Meine Erklärung dafür wäre ja, Katzen sind doof, aber meine Frauen haben mir das anderes erklärt, ich will immer genau dahin treten wo die Katzen gerade sind und ich solle mir doch mal einen anderen Gang angewöhnen. - Was meinen Sie wir blöd das aussieht, wenn ich nun im Dunkeln über die Terrasse wanke und immer kurz bevor ich einen Fuß auf den Boden setze, diesen noch schnell in eine andere Richtung werfe. - Mit aufrechtem Gang hat das schon lange nichts mehr zu tun, aber das ist ja auch der eigentliche Hintergrund, warum Frauen so viele Katzen in die Familien einschleusen.


Voyeure im Schrank



Samstag 13.12.08 - 09:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 14 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 64 % - Luftdruck 1025 hPa

Karnevalsplagiatsplakate für das Karnevalsplagiat

Das könnte fast ein neuer Übungssatz für progressive Logopäden werden. - Dahinter steht aber ein lokales "Skandälchen", aufgeführt in Los Llanos, in mehreren Akten und mit mehreren Akteuren. - Neben unserer Hauptstadt Santa Cruz feiert man in Los Llanos den Karneval auch noch aus vollen Brüsten und Gläsern, manche meinen sogar, da geht es heftiger, und vor allem länger zur Sache als in der Hauptstadt. - Aber das müssen die Karnevalisten unter sich austrinken und tanzen. - Für den Karneval in Los Llanos wird jedes Jahr ein neues Motto ausgerufen und dann dürfen sich die künstlerisch Begabten der Stadt daranmachen ein Plakat zu entwerfen, welches dann in einem Wettbewerb gegen andere bestehen muss und dessen Entwurf die Jury als den besten kürt, der nimmt nicht nur den Ruhm mit, sondern auch noch flotte 500 muntere Mücken, in Form von harten Euros. - Der Wettbewerb ist bereits abgeschlossen, die Gewinnerin stolz wie Angela nach dem Wildschweinbraten mit Onkel Georg, da platzt die böse Nachricht in das hektische Treiben der Karnevalsvorbereitungen: Das verwendete Bild für das prämierte Karnevalsplakat ist aus dem Internet herunter geladen und unverändert ins Gewinnerplakat eingefügt worden. Lediglich der Text stammt aus der Feder der Künstlerin und damit musste man der guten Frau den ersten Preis wieder wegnehmen.

Das ist allerdings fragwürdig, denn die Gewinnerin des Wettbewerbes hatte für das Bild sogar bezahlt und damit alle Rechte an der Darstellung erworben. - Dennoch fällte die Jury den nachträglichen Spruch, dieses Plakat entspräche nicht den geforderten Bedingungen, unter welchen die Künstler ihre Werke einzureichen hätten. - Die "erwischte" Gewinnerin will das übrigens nicht auf sich sitzen lassen und gerichtlich gegen diese Entscheidung vorgehen, Karneval ist also nicht nur in Köln eine sehr ernste Angelegenheit. - Als neues Karnevalsplakat wurde nun die Darstellung des zweiten Gewinners herangezogen, das rückt nun auf den ersten Platz vor, mitsamt der bereits erwähnte Ehre und den leckeren Euros. - Man ahnt es aber wohl bereits, auch dieses Plakat wird von einem Photo bestimmt, welches der Künstler aus dem Netz gesaugt hat, und man hat die Nase nun voll und erklärt den Wettbewerb für beendet, ohne ein Plakat ausgewählt zu haben. - Natürlich befürchtet die Jury nun, dass die weiteren Teilnehmer ähnlich zu Werke gegangen sind, frei nach dem ersten Motto im Internet, gut kopiert ist besser als schlecht gemacht. - Offen bleibt nun die Frage, mit welchem Plakat Los Llanos sein diesjähriges Thema ankündigen will. - Dabei fällt natürlich auch auf, dass das Thema an sich bereits ein Plagiat ist, denn man will den Karneval aus Venedig als Vorlage für den eigenen Rummel nehmen. - So muss man schon eine etwas verwirrende Frage stellen, wie bitte wirbt man für ein Plagiat, wenn nicht mit einem weiteren? - Wie schön, dass ich bekennender Karnevalsmuffel bin und als Bayer maximal den Faschingsdienstag und den Aschermittwoch kennen muss und in El Paso leben darf. Dort feiern wir den Karneval eh klein, anständig und bäuerlich langweilig und für die Plakate, da haben wir den Andrés, unseren Rat für Kultur, und böse Zungen behaupten, der malt sogar während der Gemeinderatssitzungen so viele bunte Bilder aufs Papier, dass das für alle Gemeinden der Insel reichen würde.



Freitag 12.12.08 - 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 56 % - Luftdruck 1024 hPa
Höchsttemperatur heute 25,8 Grad - niedrigste Temperatur 12,8 Grad

Gelobt, prämiert und stehen gelassen

Vielleicht ist die Guardia Civil schuld, oder diese Bestimmungen im Flugverkehr, dass man keine Flüssigkeiten mehr ins Handgepäck nehmen darf. - In der Tat hat man hier in der letzten Zeit ordentlichen Respekt vor den Alkoholkontrollen auf unseren Straßen bekommen, so dass so mancher lieber nach einem Glas Wein Schluss macht, oder lieber gleich einen Kaffee trinkt, so dass der Absatz von Wein über die Gastronomie deutlich zurückgegangen ist. - Was am Flughafen passiert, da bekommt man keine deutlichen Zahlen, denn man kann ja dort den Wein auch nach der Sicherheitskontrolle erstehen und dann erlaubt ins Handgepäck stecken. - Allerdings bedenken das die meisten Gäste nicht, so dass das Mitbringsel für den Blumen gießenden Nachbarn immer seltener eine Flasche unserer Weine ist. - Es gibt natürlich auch noch eine andere, fast blamable Variante für den so schleppenden Absatz unserer Weine, wir exportieren davon gar nichts, wer Weine aus La Palma trinken will, der muss immer noch zu uns kommen. - Man könnte das ja auch als subtilen Werbegag ansehen, der Gäste hier auf die Insel locken soll, aber die Winzer und Bodega-Besitzer können über solcherlei Scherze nur sehr gequetscht lächeln.

Man muss aber auch noch erwähnen, dass wir in den letzten Jahren eine sehr große Steigerung in den Erntemengen erfahren haben und manche Bodega immer noch auf älteren Jahrgängen sitzt, die man im Falle der leichteren Weine nun eigentlich entsorgen sollte, da nicht alle unsere Gewächse sich durch lange Haltbarkeit auszeichnen. - Die Lage ist derart dramatisch, dass zwei unserer bekanntesten Bodegas, die "Llanovid" in Fuencaliente, welche Weine unter dem berühmten Namen "Teneguía "verkauft und die Bodega "Hoyo de Mazo", mit ihren gleichnamigen Tropfen unangenehme Zahlen schreiben, die Lehman verdächtig sind. - Allerdings kämpft man aufrichtig, beide Keltereien noch zu retten, was aber eigentlich immer in einem Verzicht der Weinbauern auf ihre Erträge hinausläuft, die werden wohl auf das Geld für die abgelieferten Trauben aus nicht verkauften Jahrgängen verzichten müssen. - Da Llanovid ja eine Kooperative ist geht so etwas, allerdings tut das mächtig weh. - Immerhin kann man nun im Süden der Insel wieder extrem stolz sein, hat doch deren "Malvasía" aus dem Jahre 2000 gerade bei der kanarischen Landwirtschaftsleistungsshow "Premios Agrocanarias 2008" den Titel "Bester Wein der Kanarischen Inseln" erhalten. - Noch dazu erhielten der "Malvasía 2006" und der "Sabro Dulce" aus dem gleichen Jahr die Goldmedaille, so dass man sich wieder reichlich Edelmetall in die üppigen Hallen der Bodega hängen kann. - Ein Bekannter von mir, der auch Wein anbaut, aber nach unschönen Erfahrungen mit Bodegas lediglich noch für den Freundeskreis keltert, der meinte dazu nur: Das ist doch eine Schande! Wein aus dem Jahr 2000, der sollte längst verkauft sein, darüber darf man sich doch nicht freuen, das ist doch eine Blamage! - Man kann das eben so und so sehen und ich denke mir auch, dass Llanovid eigentlich lieber gehabt hätte, wenn man gar keinen Wein aus dem Jahr 2000 mehr auf Lager hätte, der auf Weinproben verteilt werden kann. - Auch wenn der Malvasía selbst in der Flasche noch eine hohe Lebensdauer besitzt, für einen Winzer ist nur verkaufter Wein guter Wein.



Freitag 12.12.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 13 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 67 % - Luftdruck 1022 hPa

Mehr Talent und weniger Zement

Más talento y menos cemento, manchmal reimen sich Sprüche auch in beiden Sprachen. - Nicht nur auf La Palma diskutiert man den Wahnsinn eines weiteren Ausbau der Anzahl der Hotelbetten, vielleicht diskutiert man das Phänomen des komplexen Systems Tourismus/Bauwirtschaft auf den anderen Inseln sogar noch heftiger als hier. - Allerdings findet diese Diskussion nicht im Provinzparlament statt, sondern nur auf der Straße, im Frisiersalon, in der Kneipe und im Taxi. - Gestern wurde ein Antrag der Umweltorganisation "Ben Magec-Ecologistas en Acción" mit den Stimmen der Coalición Canaria und der Partido Popular abgelehnt, im Parlament ein Arbeitspapier zu diskutieren, welches den weiteren Ausbau der Hotelbetten beendet und nur noch Renovierung der vorhandenen Ressourcen zulässt. - 45.000 Unterschriften hatte man sammeln können, welche genau diese Diskussion fordern, aber das genügte nicht, um die beiden Platzhirschen im Parlament davon zu überzeugen, wenigstens mal darüber zu reden. - Lediglich die Sozialisten stimmten dem Vorschlag der ökologisch orientierten Gruppe zu, das nutzt aber angesichts der Mehrheitsverhältnisse im Provinzparlament nichts. Es bleibt also alles beim alten im Provinzparlament, mit besorgten Ökologen redet man nicht und so war auch eines der Argumente der Gegenseite, es wäre zu teuer darüber eine Debatte zu führen, brillanter Beweis für das einseitige Demokratieverständnis unserer Provinzfürsten.

Aber auch das ist Demokratie, schließlich hat eine Mehrheit der Bevölkerung diese beiden Parteien in die Lage versetzt, sich zusammen an die Spitze unserer Regierung zu setzen und als Demokrat muss man dazu leider sagen, es ist so und wir werden erst im Jahre 2011 wieder die Chance erhalten, neue Mehrheiten im Provinzparlament zu bilden. - Dabei sah das eigentlich ganz anders aus, hatte doch noch kurz nach den Wahlen unser erster Kanare, Paulino Rivero populistisch verkündet, dass man keinen Quadratmeter Land mehr dem Tourismus opfern würde, sondern mehr auf Renovierung und den Ausbau des städtischen Fremdenverkehr setzen würde. - "Más talento y menos cemento" dieser Spruch stammt nicht etwa von den Ökologen, sondern vom Präsidenten der autonomen Region Kanarische Inseln, Paulino Rivero. - Diese Einsicht hat nicht lange gehalten, angesichts der vielen Interessengruppen welche hinter dem Boommotor Tourismus/Bauwirtschaft stecken. - Auch kann man befürchten, wenn man zur Renovierung des Hotelangebotes auf Neubauten verzichtet und lieber auf Sanierung setzt, dass die großen Reiseveranstalter dann noch zurückhaltender mit der Bewerbung der Kanarischen Inseln werden. - Denn auch in der Branche des konventionellen Tourismus lockt man am besten mit neuen Hotels, noch größer, noch schöner, fast so wie in Dubai und die älteren Häuser werden langsam auf billig und All-inklusive geduckt, um den Sektor des Prekariatstourismus auch noch befriedigen zu können. - Zu groß ist da die Angst, den Anschluss zu verlieren und anstatt nur ein bisschen Mut und Weitsicht an den Tag zu legen, bleibt man halt bei früher bewährten Mustern, auch wenn ganz klar das Scheitern dieses Modells bereits abzusehen ist. - Aber die Mehrheiten sind so und deshalb muss man sich nicht wundern, dass mutige und richtungweisende Vorschläge nicht mal diskutiert werden. - Da liegt die eigentliche Frechheit, die können ruhig anderer Meinung sein, das ist deren Recht und sogar Aufgabe als gewählte Volksvertreter, aber solch einen Vorschlag nicht einmal zu debattieren, das grenzt dann schon an böswillige Arbeitsverweigerung. - Mehr Talent und weniger Zement, so wollte das der Chef der bunten Truppe welche uns regiert. Vielleicht musste man aber einsehen, dass zu wenig Talent in den Reihen der Coalición Canaria und der Partido Popular vorhanden ist und man so lieber wieder auf Zement setzt.



Donnerstag 11.12.08 - 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 62 % - Luftdruck 1022 hPa
Höchsttemperatur heute 21,2 Grad - niedrigste Temperatur 13,0 Grad

Chapeau! Führerschein für lau

Manchmal bleiben mir die Kinnladen auf den Knien hängen, so begeistert bin ich von manchen Projekten unserer Inselregierung. - Leider kommt das nicht sonderlich häufig vor, aber immerhin, schließlich bin ich ja auch nicht einfach zufrieden zu stellen. - Die neueste Idee aber ist locker ein Chapeau wert, auf so etwas hätten wir ja auch mal kommen können… Frauen ab 25 Jahre können nun den Führerschein machen und die Inselregierung bezahlt das, wenn das Einkommen der Antragstellerin sehr gering ist, oder sich gar ohne Lohnstreifen durchschlagen muss. - So ist ein Führerschein auf La Palma halt schon ein wichtiges Werbeinstrument wenn es um einen Platz in der Arbeitswelt geht und wer einfach kein Geld dafür hat, dem soll damit geholfen werden. - Die Voraussetzungen sind einfach zu erfüllen, eben den Nachweis über geringes Gehalt und man muss aber auch zur "aktiven Bevölkerung" zählen, also entweder arbeiten, oder dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. - Einer "Hausfrau" will man den Führerschein also nicht schenken, diese Aktion ist Frauen vorbehalten, die im Arbeitsleben stehen. - Nun kann man natürlich fragen, warum dehnt man dieses Angebot nicht auch auf männliche Kollegen aus, die sich in einer ähnlichen Situation befinden, immerhin gilt die Gleichberechtigung doch nicht nur beim Geschirrspülen…Dennoch, wie ich finde eine gute Idee, es gibt genügend Aspirantinnen, die sich besser auf dem Arbeitsmarkt anbieten können, wenn sie mobil sind und der Führerschein, der kostet auch hier eine Stange Geld, die bei geringem oder gar keinem Einkommen sehr weh tut.

Noch eine kleine Geschichte um das Cabildo Insular, dieses Mal aber nicht so lobend, weil es eigentlich ein kleiner Skandal ist, ein Skandälchen halt, was aber keiner so sehen will. - Im Inselmuseum, welches im Convento San Francisco untergebracht ist, verschwanden vor kurzem zwei Gemälde aus einer privaten Sammlung. - Allerdings nicht aus einer Ausstellung, sondern aus dem Archiv und das hat man nur festgestellt, eben weil es aus einer Privatsammlung stammt und zwingend nach den Bildern gefragt wurde. - Noch bevor man nun auf Diebstahl oder solche krummen Dinger kommen konnte, suchte man die Dependancen des Cabildo Insular ab und siehe da, in den Räumen der Verwaltung der Rätin für soziale Angelegenheiten fanden sich diese beiden Bilder als schöne Wanddekorationen. - Wie man nun fleißig erklärt, ist das durchaus üblich, dass Kunstgegenstände aus dem Archiv des Inselmuseums als Wandschmuck in öffentlichen Gebäuden benutzt werden, schließlich sei das doch besser, als das vergessene Dasein im Archiv des Museums. - Prinzipiell ist das richtig, allerdings sollte man schon darüber Bescheid wissen, wo die Kunstschätze aus dem Museum denn hin sind, immerhin dauerte es mehrere Wochen bis man die Werke fand und man sollte auch noch klären, wer sich denn da eigentlich alles im Inselmuseum bedienen kann, ohne Nachweis darüber führen zu müssen. - Das will man aber abstellen und in Zukunft eine Liste der Kunstwerke parat haben auf denen vermerkt ist, wo sich denn gerade welches Bild befindet. - Eigentlich will ich gar nicht wissen, wie viele Bilder aus dem Museum bereits verschwunden sind und nicht wieder auftauchen, weil einfach niemand danach fragt. - Aber wie gesagt, das soll sich ja nun ändern…



Donnerstag 11.12.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 16 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 64 % - Luftdruck 1020 hPa

Spiel nicht mit den Schmuddelkindern

Eigentlich reicht es ja, den ganzen Tag Zuhause zu bleiben und alleine von den Erfahrungen Anderer zu profitieren. - Aber das liegt nicht im Naturell der Menschen, passives Lernen gehört nicht zu den prinzipiellen Aufgaben dieser hoch entwickelten Spezies, die blutige Nase unseres Nachbarn wird uns nicht davon abhalten können, den gleichen Mist noch mal zu versuchen. - Das Hirn des Menschen scheint generell evolutionsresistent zu sein, dazu reicht es ja die letzten paar Jahrtausende mal nachzulesen. Eigentlich hat sich nichts verändert, lediglich die Methoden und Möglichkeiten des Tötens, der Machtergreifung und die Wege zum persönlichen Glück scheinen subtiler und effektiver geworden zu sein. - Was soll nun wieder diese predigtartige Einleitung, wo ist das Thema? - Das Thema ist Ryanair und die fragwürdige Empörung, die man nun auf Fuerteventura loslässt, um den Rückzug dieser Fluggesellschaft als Touristenbringer auf der Insel zu kommentieren. - Ryanair hat bekannt gegeben, dass man ab Ende Januar nächsten Jahres Fuerteventura nicht mehr anfliegen wird, alle 23 wöchentlichen Verbindungen mit England und Deutschland werden dann ersatzlos gestrichen. - Zuvor gab es bereits öffentliche Aufforderungen an den "AIE" (Agrupación de Interés Económico de Desarrollo Turístico de Fuerteventura) eine Art stummer oder verstummter Interessenvertretungen von Gewerbetreibenden der Insel, man möchte doch bitte seinen vertraglichen Verpflichtungen nachkommen, sonst werde man den Flugdienst nach Fuerteventura einstellen. - Im Klartext heißt das, damit Ryanair überhaupt Fuerteventura anfliegt, musste man hohe Geldbeträge auf den Tisch der Fluggesellschaft legen und diese Beträge sind nun nicht mehr aufzubringen, oder man hat sich schlichtweg verspekuliert und nicht damit gerechnet, dass Ryanair solche Drohungen auch wirklich wahr macht.

Immerhin transportierte die Billigfluggesellschaft an die 250.000 Passagiere im Jahr auf die wenig grüne, aber so strandige Insel, das muss erstmal verdaut werden solch ein Verlust an Transportmöglichkeiten. - Das wird auch verdaut werden, deshalb kommen nicht 250.000 Passagiere weniger, aber sicherlich wird es ein Minus in den Gästezahlen der Insel geben, wenn Ryanair nicht mehr nach Fuerteventura fliegt. - Inzwischen ist es ja üblich, dass Regionen Geld an die Transporteure der Passagiere bezahlen, damit diese überhaupt ihre Arbeit aufnehmen. Genau in diesem Gebaren aber liegt auch die diabolische Methodik neuer Arten des Geldverdienens, Ryanair kann so billig fliegen, weil man sich den Service auch noch von anderer Seite bezahlen lässt. - Um das klar zu machen, das dürfen die wohl, getarnt als Werbekostenpauschalen oder andere phantasievolle Aktionen, wandern große Geldbeträge in Kassen der Fluggesellschaft, bezahlt aus Kassen, die wir nicht so wirklich nachvollziehen können. - Denn eines fällt auf, es gibt nur Pressemeldungen der Ryanair, nicht aber der angeklagten "AIE", ganz so, als gäbe es diesen Verband nicht mehr, oder man fürchtet, es könnte publik werden, dass da große Zahlungen geleistet wurden. Vielleicht sogar noch mit Wissen oder tatkräftiger Unterstützung der Inselregierung, denn dann könnte man schon wieder in die Richtung eines mittleren Skandals wandern und so etwas will doch niemand. - In der Tat gibt es in der Provinz- und den Inselregierungen Haushaltsposten, die dafür gedacht sind, den Fluggesellschaften eine "Pendlerpauschale" zu ermöglichen, sonst fliegen die lieber nach Marokko, denn die bezahlen mehr dafür. - Nur mal so als Beispiel. - In welche Abhängigkeiten sich man da begeben hat, das ist der eigentliche Skandal und die Tatsache, dass der Massentourismus auch längst an der Subventionsspritze hängt und die Steuerzahler ihre Gelder dafür verpulvern müssen, damit Gäste überhaupt auf die Inseln kommen können. - Kein schönes Thema, aber leider wichtig, damit wir auf La Palma davon vielleicht mal lernen können, dass nicht die Masse im Tourismus das Geschäft bringt, sondern die Rendite, die wirklich hier auf der Insel kleben bleibt und nicht wieder mit Fluggesellschaften davon schwebt. - Man muss sich halt genau überlegen, mit wem man Geschäfte macht und ob der Partner Manns, oder Fraus genug ist, um sein Business so weit zu beherrschen, dass er nicht auf fremden Feldern mausen muss. - Die Doofen sind nun die Hoteliers auf Fuerteventura, die "AIE", so fern es diesen illustern Verein überhaupt noch gibt, ist nun auch mal in Erklärungsnot, welchen V ertrag man sich denn da hat einfallen lassen und die Ryanair, das sind die modernen Schmuddelkinder, mit denen man wohl Geschäfte macht, aber besser nicht spielt.



Mittwoch 10.12.08 - 19:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 16 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 64 % - Luftdruck 1020 hPa
Höchsttemperatur heute 19,6 Grad (Lotte, strick die Socke!) - niedrigste Temperatur 14,0 Grad

La Bombilla wird angezählt

Die nächste Runde um die Hüttenabrisse auf La Palma geht weiter. - Nachdem die Küstenbehörde bereits an der Playa Nueva einen Auftakt der Abrisse, praktisch ohne Gegenwehr durchziehen konnte, und im Süden der Insel einen Teil der Hütten platt gemacht hat, ist nun La Bombilla als nächster Punkt auf der Aktionsliste der Küstenbehörde vermerkt. - Dabei schien man mit anwaltlicher Hilfe eigentlich bereits ein Stück weiter zu sein, aber diese Hoffnung stellt sich nun als Trugschluss heraus. - Insgesamt hat man in La Bombilla 114 Gebäude ausgemacht, sowohl feste Wohnhäuser aus Beton, wie auch Holzhütten die lediglich als Sommerresidenzen dienen, welche auf der von der Küstenbehörde beanspruchten Zone entstanden sind. - All diese Häuser sollen weg und man beruft sich dabei auf das Küstengesetz von 1988, welches ganz klar den Privatbesitz und das Errichten von Wohnstätten in einer Zone verbietet, welche an als "Zona de dominio público marítimo-terrestre" betitelt. - Das ist vernünftig solch ein Gesetz, soll es doch der Verschandlung und dem immobiliären Ausverkauf des Allgemeingutes "Küste" verhindern. - Allerdings berücksichtigt diese Reglung in keiner Weise das, was vor dem Inkrafttreten des Gesetzes dort bereits vorhanden war. Teilweise sind dort vor hunderten von Jahren bereits Siedlungen entstanden, manche sogar mit eigenem Namen, Stromversorgung, Eigentumstitel und auf jeden Fall jeder Menge Historie. - Ob das rechtlich überhaupt in Ordnung ist was dort geschieht, das weiß ich natürlich nicht, allerdings haben sich bereits viele Anwälte mit dem Thema befasst und irgendwie scheint sich die Idee oder die laienhafte Vorstellung von Bestandsschutz nicht durchzusetzen.

Für La Bombilla sieht es nun so aus, dass man die Abrissverfügung für nunmehr 55 Gebäude von den bestehenden 114 erlangt hat, und nun auf die Zustimmung der Eigentümer wartet. - Kommt diese nicht, dann muss ein Richter dem letztendlichen Abriss erneut zustimmen, was wohl in den Siedlungen im Süden noch nicht der Fall war, denn da steht immer noch fast die Hälfte aller Häuser. - Nun bleibt abzuwarten, wie kaltschnäuzig die Bewohner La Bombillas sind und es darauf ankommen lassen, auf den gewaltsamen Abriss zu warten, welcher dann eben mit Kosten und möglichen Geldstrafen verbunden sein wird. - Da die Bewohner La Bombillas deutlich besser organisiert sind, darf man wohl erwarten, dass es mehr Widerstand gegen den Abriss geben wird, als das noch im Süden der Insel der Fall war, wo mehr als die Hälfte der Eigentümer dem Abriss freiwillig zugestimmt hatte. - Fragwürdig in dieser ganzen Geschichte bleibt weiterhin die wenig glorreiche Rolle der Gemeinden. - Zwar gibt es Lippenbekenntnisse der bekannt seifig populistischen Art, aber bislang hat sich keine der Gemeinden zu offener und progressiver Unterstützung der Siedlungen hinreißen lassen. - Alles was man angeboten hat, das wäre die Bereitstellung alternativer Zonen, wo die Bewohner dann erneut und legal siedeln könnten. - So bleibt ein großer Vorwurf im Raum stehen, der da lautet: Die Gemeinden, in diesem Fall Fuencaliente, Los Llanos und Tazacorte sind sogar für den Abriss, weil genau die besiedelten Gebiete die schönsten Ecken an den Küsten sind und man diese gerne den Investoren überlassen würde, oder längst versprochen hat. Auch wenn es keine Beweise dafür gibt, jeder der ein bisschen Ahnung von den Vorgängen dort in den Siedlungen hat, der bestätigt diesen Verdacht. - Ansonsten hätten die Gemeinden zwar nicht unbedingt die Möglichkeit Gesetze zu ändern, wohl aber komplett andere Register des Widerstandes zu erwirken, bis hin zu solchen Maßnahmen, die Siedlungen zu Gebieten öffentlichem Interesses zu erklären, was den Abriss wohl verhindern könnte. - Ganz abgesehen davon, dass mit dem Abriss dieser Siedlungen auch jede Menge an unverwechselbarer und gewachsener Authentizität verloren geht, was wohl auch touristisch negativ auffallen wird, der Fall der Abrisse unserer Küstensiedlungen bleibt ein äußerst fragwürdiges Unterfangen. - Aufmerksam wird man auch, wenn man beobachtet, dass bislang nur Hütten abgerissen wurden und noch keine Paläste, die es dort auch gibt im umstrittenen Küstenstreifen unserer Insel.





Mittwoch 10.12.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 14 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 71 % - Luftdruck 1018 hPa

Schlecht gerüstet für neue Aufgaben

Die Globalisierung frisst ihre eigenen Kinder, das wissen wir ja schon seit geraumer Zeit. - Wer nicht schnell genug auf die neuen Anforderungen reagiert, dem nutzen die Vorteile einer offenen Handels- Finanz- und Arbeitsmarktwelt nur kurze Zeit, danach wird man wehklagend feststellen, dass aus der verlockenden Abfolge von ständig und immer verfügbarem Massenangeboten die eigene Produktion unnötig wird. - Ich darf nur wieder auf das so unangenehm leuchtende Beispiel zurückkommen, dass Kartoffeln aus Israel hier profund billiger in den Supermärkten angeboten wurden als die Knollen aus heimischer Produktion, obwohl wir eine landwirtschaftlich geprägte Region sind. - Wie die das machen, oder machen lassen, das lassen wir hier mal außen vor. - Was eigentlich nur ein kleiner Aufreger sein könnte, steht symbolisch für unser momentanes Schaffen, irgendwo auf der Welt gibt es immer einen, der das gleiche macht wie wir und das auch noch billiger, und wenn man nun die Dinge weiterdenkt, dann landet man bei dem wenig erfreulichen Satz: In einer komplett globalisierten Welt braucht uns keiner, weil wir mit unseren limitierten Ressourcen, und nicht alleine wegen der komplizierten Insellage, schlecht gegen deutlich produktivere Standorte angehen können. - Selbst bei unserer Wappenfrucht, der Banane, müssen wir ja anerkennen, dass es nach unserem augenblicklichen Handeln keine Möglichkeit zu geben scheint, diese wettbewerbsfähig auf dem Weltmarkt unterzubringen.

Eigentlich wissen wir das hier ganz genau, hören es aber nicht so gerne und schimpfen lieber auf die Globalisierung anstatt nun Mittel und Wege zu überlegen, wie man uns auf dem gnadenlosen Wettbewerb herausmanövrieren könnte. - Jetzt kommt auch noch "Brüssel", das steht bei uns für die Europäische Union, und wirft uns ein Papier vor die lokalen O-Beine in dem steht, dass wir sehr schlecht gerüstet sind für die neuen Aufgaben, welche uns die rasche Globalisierung vorlegen wird. - Da gibt es eine Skala, von eins bis einhundert und eins wäre gut für einen Standort, einhundert bereits für die Kompostierung freigegeben oder als Rahmenuntergangsprogramm fürs Privatfernsehen und die Kanarischen Inseln besetzen auf dieser "Brandliste" die Note vierundsiebzig, für Schnellleser: 74. - Damit liegen die Kanaren im spanischen Schnitt nur noch ein bisschen besser als Melilla und den landwirtschaftlich geprägten Regionen von Murcia, Castilla La Mancha und Andalusien. - Die Studie nennt sich "Regionen 2020" und die Zahl soll bedeuten, mit welchem Hammer in dem genannten Zeitraum die Auswirkungen der Globalisierung die einzelnen Regionen treffen werden. - Da kann man sich nur noch ducken, oder ganz schnell die Hausaufgaben machen, oder mal ganz pfiffig sein, auch noch die Nischen neben der breiten Massenbewegung, welche die Globalisierungswelle mit sich bringt, deutlich auszuleuchten. - Man zeigt uns klar, wir haben zu wenig Ressourcen, einen deutlichen Standortnachteil, zu wenige spezialisierte Fachkräfte und zu viele Arbeitslose. - Also eigentlich nichts Neues, was da aus Brüssel gerufen kommt, aber wenn die uns von Außen auch schon erwischt haben mit unseren "kleinen Problemen", dann sollten wir doch mal anfangen, was gegen unseren Globalisierungshusten zu unternehmen. - Vielleicht sollten wir auch damit anfangen, nicht immer nur andere Regionen nachzumachen und vorgepackte Massenware produzieren, wo wir doch wissen, dass die Anderen das billiger können. - Im Tourismus könnte das heißen, bloß weg vom vergleichbaren Angebot und Alternativen bieten, die mit dem einzigen zu tun haben was wir besser und billiger können als alle anderen, nämlich so zu sein wie wir sind. - In der Landwirtschaft könnte das bedeuten, schnell wieder die lokalen Märkte erschließen und unseren Produkten nach außen ein anderes Label und einen anderen Wert mit auf den Weg zu geben, als vergleichbare Massenware aus Billiglohnländern. - Bei der ganzen, sicherlich akribisch ausgewerteten Studie der EU hat man nämlich eines übersehen, dass wir zwar keinen Standortvorteil an sich haben, aber die Gabe, eine kleine und überschaubare Region zu sein, die schnell reagieren kann und mehr Mut zur Innovation zeigt, als das unsere politischen Führer momentan verkörpern. - Nichts ist verloren, aber langsam müssen wir mal aus unserer Ecke herauskommen…



Dienstag 09.12.08 - 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 19 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 57 % - Luftdruck 1020 hPa
Höchsttemperatur heute 23,4 Grad - niedrigste Temperatur 14,2 Grad

Naturbelassener Strand

Wer jemals nach den Beschreibungen aus der Hochglanzwelt der Reiseveranstalter gelernt hat, der weiß was das bedeutet. - Dort darf sich, ungestraft vom kritischen Blick des Reisenden so ziemlich alles am Strand befinden, was nur im Entferntesten mit Natur zu tun hat. - Kippen, Kondome, Kartoffelschäler, Mähdrescher und die lieben Nachbarn. - Unsere Küstenbehörde, einvernehmlich seit langem nur noch "Costas" genannt, nicht nach dem berühmten griechischen Lebemann, sondern als Abkürzung von "Demarcación General de Costas", hat eine andere Vorstellung von diesem naturbelassenen Zustand. - In Puerto de Naos plant man ja Großes, man will einen fast 300 Meter langen unterseeischen Deich vor den Strand einbringen, welcher die Dünung so weit abschwächt, dass auch bei Stürmen aus dem Westen der Badeort nicht mehr in Gefahr ist. - Im Rahmen dieser Baumaßnahmen will man auch den Strand wieder auffüllen, wieder mit Sand aus Tazacorte, denn die haben im südlichen Bereich ihres Strandes ständige Aufspülungen des feinen schwarzen Sandes, in Puerto de Naos aber knabbert der Atlantik diesen immer wieder weg. - Sehr zur Freude der Stadtoberen aus Los Llanos, zu deren Gemeinde auch der Badeort Puerto de Naos gehört, wird diese gesamte Schutz- und Verschönerungsmaßnahme von der Küstenbehörde bezahlt, aber eben auch bestimmt, wie das auszusehen hat.

Da genau bricht nun die ungeteilte Freude etwas ab, denn die Küstenbehörde hat nun eine kleine, aber bemerkenswerte Änderung in den Plänen vorgenommen, welche die Stadt Los Llanos und besonders die Gewerbetreibenden aus Puerto de Naos nicht wirklich erfreut. - Man will nun nicht mehr den gesamten Strand mit Sand wieder auffüllen, sondern nur den nördlichen Teil, der halbe Strand in Richtung Süden, also zum Hotel hin wird Natur belassen, und das heißt in dem Fall man lässt dort die Kiesel liegen, oder fährt sogar noch mehr davon an. - Andere Quellen berichten auch davon, dass man grobes Material aus der Bauphase des unterseeischen Deiches zerkleinern will und damit den Kieselstrand auffüllen wird, aber das weiß man noch nicht so genau, auf jeden Fall wird nur die Hälfte des Strandes das beliebte und berühmte schwarze Sandkleid tragen, die andere Hälfte kommt in burschikosem Kiesel-Cord mit Fußzwickel einher. - Fußzwickel bedeutet in diesem Fall, dass die Kiesel natürlich in den Füßen zwicken, allerdings auch wiederum den Vorteil haben, nicht so penetrant an jedem Kleidungsstück und auch in jeder Körperritze noch tagelang zu haften. - Man muss also nicht komplett traurig sein, es gibt auch viele Liebhaber von Stränden rauerer Natur und wenn die Küstenbehörde das so will, dann wird das auch so geschehen. - Dass daraus dann nicht ein naturbelassener Strand im Sinne der Reiseprospekte wird, das hat man dann später selber in der Hand, aber da ist die Gemeinde Los Llanos in den letzten Jahren eh vorbildlich geworden und hält ihren Strand sauber wie den Vorgarten vom Bürgermeister.


Der Strand von Puerto de Naos, mit dem naturbelassenen Teil im Süden



Dienstag 09.12.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 14 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 78 % - Luftdruck 1020 hPa

Projekt, oder nur Vorhaben

Schnell spricht man von irgendwelchen Projekten, die habe ich auch immer, allerdings sind das beim genaueren Hinsehen eigentlich meist nur Ideen oder maximal Vorhaben. - Da es aber nicht wirklich ein geschützter Begriff ist, das Projekt, denn niemand erklärt einem ganz genau, wie exakt oder akkurat denn Vorbereitungen für eine Unternehmung sein müssen, dass aus einer Idee ein Projekt wird, bleibt jede Menge Spielraum für subjektive Erklärungen. - Eigentlich würde man ja meinen, im politisch-planerischen Bereich sei ein Projekt ein Vorhaben, welches bereits klare Umrisse zeigt, einen Bauplan oder Zeitplan hat und Mittel und Wege der Finanzierung aufzeigt. - Ein Ding also, mit dem man arbeiten kann, wohlmöglich auch schon durch die ersten anstehenden Entscheidungsinstanzen gegangen. Zumindest erwartet die immer lauernde Opposition von einem Projekt so viel konkrete Aussagekraft, dass man zumindest dagegen sein kann, also mit Hand, Fuß und wohlmöglich noch dem Rechenschieber. - Aber auch da gibt es inzwischen keine klaren Linien mehr, was das Kritisieren nicht einfacher macht, also kritisiert man die Tatsache, dass es noch kein Projekt gibt.

Es geht, wieder einmal um das Vorhaben, ich bin jetzt auch vorsichtig geworden, im alten Inselkrankenhaus ein Altenwohn- und Pflegeheim einzurichten, wohlmöglich auch noch eine Station für chronisch kranke Patienten. - Diese Idee finden alle toll, allerdings hat die Inselregierung noch keinen Zugriff auf das Gebäude, denn das Schatzamt in Madrid hat dieses Gebäude dem kanarischen Gesundheitsdienst übergeben und die können irgendwie keine Immobilie an die Inselregierung überschreiben, die ihnen gar nicht gehört. - Ich kenne da zwar Leute, die könnten so etwas, aber das gehört jetzt nicht hier her. - Seit Jahren versuchte man nun, diese bürokratische Hürde zu nehmen und wie es aussieht, hat das nun nach etwas sechs Jahren auch funktioniert, allerdings wird nicht das gesamte Gebäude an die oberste Inselinstitution gegeben, der kanarische Gesundheitsdienst behält einen Teil der Immobilie zur Nutzung. - Nun, wo klar ist, dass dieses Gebäude in Zukunft das "Centro Sociosanitario Insular" beherbergen kann, fällt nun allen auf, dass es überhaupt kein Projekt für solch eine Einrichtung gibt, sondern lediglich viele Ideen, von denen manche gut sind, manche sogar bezahlbar und andere vielleicht einfach nur im Raum umherschwirren. - Das hat nun die Opposition in der Inselregierung zum Anlass scharfer Kritik an der Inselregierung gegeben, vielleicht wollte man den letzten Anschiss vor Weihnachten noch mit einem sozialen Thema abrunden. - In der Tat, es scheint kein Haushaltsplan dafür zu existieren, kein Techniker hat bislang Aufgaben dieses Zentrums definiert und noch weniger gezeichnet oder gerechnet. - Nun muss man aber der Inselregierung wieder zugute führen, mit was sollten die denn rechnen oder planen, wenn es bis vor wenigen Wochen noch gar nicht klar war, dass dieses Gebäude überhaupt wieder zur Verfügung steht und man mittlerweile sogar mal davon ausgegangen ist, dass man lieber einen Neubau wagt, anstatt weiter in bürokratischer Unsicherheit seinen Ideen nachzugehen. - Jetzt wird sicher ein Projekt erstellt, solch eines zum Anfassen und dann werden wir ja sehen, ob wir uns solch eine Einrichtung überhaupt leisten können, oder wir die Idee mit der Kompostierung von Arbeitskräften gleich nach der Außerbetriebnahme doch noch zum Projekt erklären müssen. - Das wäre aber nicht gut für mich, denn dann hätte ich ja plötzlich Eile mit allen meinen "Projekten", um noch vor der Rückführung in den Urzustand so einiges hier auf Normalzustand zu bringen. - Da war noch das mit dem Entrümpeln des Schuppens, ein Buch wollte ich noch schreiben und endlich die elektrische Anlage im Büro in Ordnung bringen. - Ach ja, in Urlaub wollte ich auch noch mal fahren, die Katzen müssen zum Tierarzt, die Kinder in die Schule und irgendjemanden muss ich noch ganz dringend anrufen. - Aber so lange dafür kein Projekt vorhanden ist, kann ich natürlich nicht dafür garantieren, dass ich das alles vor der Kompostierung noch schaffe.



Montag 08.12.08 - 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 18 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 74 % - Luftdruck 1019 hPa
Höchsttemperatur heute 19,2 (0,8° unter happy) Grad - niedrigste Temperatur 13,2 Grad

Brot für die Kunst

Man hat sich noch nicht richtig erholt von der guten Kunde, dass nun endlich das legendäre Theater "Circo de Marte" nach gut 20 Jahren wieder dem geneigten Publikum die Pforten öffnen kann, da deucht es doch den Inseloberen, dass man noch keinen Deppen gefunden hat, der den Unterhalt der Kulturstätte finanzieren könnte. - So sind die seltenen Fälle der einstimmigen Beschlüsse im Inselparlament auch meist der gleichen Natur, wenn es ums Geld geht, dann muss man phantasievoll sein und findet sicher immer eine übergeordnete Behörde, welche geeignet scheint, gerecht an den Kosten beteiligt zu werden. - Das kann die Provinzregierung sein, Madrid oder gar Brüssel, nur beim Vatikan traut sich niemand nachzufragen, da fließt das Geld immer nur in eine Richtung. - Die Provinzregierung hat man sich ausgesucht um Pate für das wunderschön renovierte Theater zu spielen und kann das auch schlüssig, wenn auch sehr insellastig erklären. - So wie in manch anderen Gelegenheiten mit irgendwelcher historischen Schuld schon mal auf den Spendenknopf gedrückt wird, kokettiert man in diesem Fall mit der beliebten Rolle der kleinen und vernachlässigten Insel, die auch ein Anrecht auf große Kulturveranstaltungen haben soll.

In der Tat haben die großen Inseln natürlich deutlich mehr kulturelle Veranstaltungen in ihrer direkten Reichweite, wobei ich allerdings gerne einfach mal so vom Gefühl her behaupten will, dass wir hier auf La Palma, misst man das an der Zahl der Einwohner, mehr Konzerte und Veranstaltungen haben, als die auf den großen Inseln. - Aber wir können das gerne ungeprüft lassen, wichtig wäre halt, dass man uns Geld aus dem Provinzpott schickt, sonst wird aus dem "Circo de Marte" schnell ein Pleitezirkus, der nicht etwa brotlose Kunst verkauft, sondern brotlos durch Kunst wird. - Immerhin erhalten die beiden großen Inseln aus Provinztöpfen jedes Jahr Summen von mehreren hunderttausend Euro für den Erhalt ihrer Kulturstätten, da kann man uns doch nicht geflissentlich übersehen. - Leider ist uns allen, ob nun große Insel oder kleines Eiland eines gleich, in den seltensten Fällen gelingt es einem Theaterhaus aus eigenständigen Einnahmen sein Budget zu finanzieren. - In den Gemeinden übernehmen meist die Kulturhäuser die Bühnen, allerdings sind das auch Zuschussgeschäfte, die aber im Haushalt der Gemeinden eh verankert sind. - In Santa Cruz hat man halt nun die Würde und die Bürde gleich mehrere Kulturstätten zur Verfügung zu haben und da wird es eng mit der Finanzierung. - Süffisant war auch noch eine Bemerkung eines Inselabgeordneten über die Situation des kulturellen Angebotes auf den Inseln: Bislang mussten wir immer auf die großen Inseln reisen um bestimmte Konzerte hören zu können, nun mit dem "Teatro Circo de Marte" werden die Besucher von den großen Inseln zu uns strömen, um der hohen Kultur zu frönen. - Ist doch nicht schlecht, wenn man angeborenes Selbstvertrauen besitzt.



Montag 08.12.08 - 09:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 14 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 79 % - Luftdruck 1022 hPa

Stoffwechselkreislauf

Wir kennen das ja, wo höhere Wesen Wasser in Wein verwandeln, sind wir niedere Kreaturen gerade gut genug Wein und Saft in Urin zu verwandeln und Dresdner Stollen wie Chorizo del Pais in meist wenig duftenden Kot. - Aber wie hat schon meine Großmutter immer gesagt: Bloß nichts wegwerfen, man weiß nie, für was es noch gut sein kann." Auch wenn sich meine Großmutter sicherlich auf Stoffe in noch anderen Aggregatszuständen berufen hat, heute wissen wir doch, dass es keinen Abfall gibt, sondern nur mehr oder weniger stinkende Rohstoffe. - Das, was man heute umständlich wie anscheinend lukrativ als "Recycling" betitelt, war zum Beispiel in der Landwirtschaft immer schon Normalzustand, das was hinten aus den Schweinen oder Kühen rauskommt, und damit meine ich jetzt nicht die Koteletts oder die Milch, das kommt zurück aufs Feld um erneut und nun als Pflanzendünger in den Nahrungskreislauf zu gelangen. - Bis hier hin sind wir uns ja wohl alle einig, niemand käme auf die Idee, den Landwirten den Misthaufen zu verbieten und die Kühe und Schweine aufs Klo zu schicken, um dann die Abwässer klären zu lassen. - Mit unseren eigenen Ausscheidungen sind wir allerdings weniger pragmatisch, es scheint fast so zu sein, dass der Homo sapiens sapiens sich vor nichts mehr ekelt, als vor seiner eigenen Spezies, oder das, was dabei herauskommt…

Aber auch hier kann man noch aus Sch… Geld machen, oder zumindest Dünger. - In der Hauptstadt Santa Cruz überlegen nun Techniker der Firma "Canaragua" welche mit der Wasser Ver- und Entsorgung der Hauptstadt betreut ist, den Klärschlamm der städtischen Kläranlage als Grundstoff für die Kompostherstellung zu nutzen. - Aber nicht einfach so, sondern mit der Hilfe von speziellen Bakterien, die wiederum mit dem Schlamm eine Stoffwechselproduktion in Gang setzen, um aus ungeliebten menschlichen Ausscheidungen wertvollen Dünger zu erhalten. - Das geht und wird schon in vielen Anlagen der Welt so praktiziert, wichtig dabei ist eben die konkrete Trennung von industriellen Abwässern und Haushaltsabfällen. - Das aber traut man sich in der Hauptstadt zu, einmal weil wir eh keine bis kaum Industrie haben und da man eh das Abwassernetz erneuert, kann man wohl steuern, was dann alles in der Kläranlage landet, oder in dem Teil der Kläranlage, in dem später der Klärschlamm als Dünger verwendet werden soll. - Ein Fragezeichen steht noch über der Belastung der Hausabwässer mit Medikamentenresten, nicht, dass die Leute die Tablette dort reinwerfen würden, ganz viele Wirkstoffe aus der pharmazeutischen Wunderkiste gelangen über den Urin ins Abwasser und können dort nur schwer eliminiert oder unschädlich gemacht werden. - Aber auch auf diese Aufgabe warten sicher schon Antworten, dafür gibt es ja die vielen Spezialisten und dann könnte La Palma wieder ein kleines Stückchen weiter in einen wirklich nachhaltigen Stoffwechselkreislauf eintauchen. - Nein, wir werden niemals verlangen, auch unsere Toten zu kompostieren, oder die zähe Opposition, oder gar lästige Nachbarn, auch die Nachhaltigkeit hat ihre menschlichen (keine natürlichen) Grenzen und das ist auch gut so.



Sonntag 07.12.08 - 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 18 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 79 % - Luftdruck 1019 hPa
Höchsttemperatur heute 18,5 (Eisbären werden flügge) Grad - niedrigste Temperatur 15,3 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 16,7 - Temp. min. 5,8 - Feuchte 27 - 95 % - Niederschlag 0 mm

Hiergeblieben!

Wie verhindert man es, dass das hier auf der Insel sauer verdiente Geld im Weihnachtsgeschäft nicht auf anderen Inseln ausgegeben wird? - Diese Frage beschäftigt die Einzelhändler La Palmas jedes Jahr aufs neue und auch die lokale Politik versucht mit Verbalkampagnen die Bürger La Palmas darauf hinzuweisen, wie "wenig solidarisch" der Einkaufstourismus nach Tenerife ist. - Da ziehen Karawanen an Pickups und anderen motorisierten Gefährten jedes Jahr vor dem Geschenke D-day auf der Fähre nach Tenerife und dort fallen die ausgehungerten Bewohner der nichtkapitalinen Inseln, wie man hier die peripheren Inseln nennt bei Ikea ein, Toysarus, Alcampo und McDonalds. - Macht man das geschickt und besorgt sich noch die Ikea-Family-Card und kauft in dem Elchladen für über 300 Euro ein, dann gibt es von dem Möbel- und Unsinnstandler auch noch den Fahrpreis für die Olsen-Fähre zurück, da kann man doch eigentlich gar nicht nein sagen. - Allerdings weiß ich nicht wirklich, ob man einen finanziellen Vorteil aus einer Tenerife-Einkaufssafari schlagen kann, es ist wohl eher das Erlebnis einer solchen Tour und wenn man im nachhinein feststellt, dass die Spielkonsole hier auf La Palma auch nicht mehr kostet als auf der Mutter aller Inseln, dann kann man doch immer noch sagen: Wir haben aber alles auf einmal bekommen, bei McDonalds war es lecker und wisst ihr noch, wie Mama auf der Rückfahrt so schlecht geworden ist, dass die Fische nun den Hamburger aufessen mussten?

Hier weiß man jetzt nicht so richtig, kommt die Krise unseren Einzelhändlern gerade recht, weil man sich eh sagt, wir wollen dieses Jahr nicht so viel kaufen, da lohnt die Fahrt nach Tenerife erst gar nicht, oder ist es genau umgekehrt, dass nun, der nur knapp geöffnete Geldbeutel die Käufer in Heerscharen auf die andere Insel spült, um irgendein vermeintliches Schnäppchen dort zu machen. - Heute war ja bereits der erste verkaufsoffene Sonntag in der weihnachtlichen Kampagne und wir durften ein bisschen in Los Llanos schnuppern, besser gesagt meine Familie, ich hatte beruflich zu tun. - So berichten meine Einkaufsprofis wohl von ordentlicher Beteiligung der Geschäfte an der Möglichkeit der Sonntagsöffnung, mehr als die Hälfte der Läden hatte auf und es lief auch Publikum durch die Einkaufsstraßen des Ortes. - Nein, voll wie an einem Wochentag war es nicht, aber man sah schon Leute mit Tüten der Weihnachtskategorie, also groß, ausladend und sperrig bepackt. - Für einen ersten Einkaufssonntag wohl gar nicht schlecht und man muss ja auch beachten, dass an einem Sonntag hier eh erst nachmittags das Leben wieder in die geschundenen Körper der Leute zurückkehrt und mit erhöhtem Aufkommen an Passanten zu rechnen ist. - Ich konnte dann auch noch ein bisschen in einem Elektro-Laden (Idea, kein Schreibfehler, das soll nicht Ikea heißen) schnuppern, so eine Art "Media-Markt" für periphere Insulaner und war erstaunt über die komplette Besatzung an Angestellten in dem Laden, die auch reichlich an der Kasse zu tun hatten. - Die hatten da Digital-Kameras, Computer, Spielekonsolen und Flachbildfernseher in solchen Massen aufgestellt, dass mir die Geschichte mit der Konsumkrise bald so windig vorkommt wie das mit der Erderwärmung, die zwar jeder spürt, bloß ich nicht. - Man musste an der Kasse sogar anstehen, ein nicht alltäglicher Umstand in diesen Zeiten, so schlimm kann es also gar nicht sein mit dem angeblich nicht mehr vorhandenen Geld. - Ob allerdings verbale Aufforderungen: "Leute kauft nicht auf Tenerife, lasst das Geld auf der Insel", aus beflissenen Politikermündern überhaupt jemand beeindrucken kann, das wage ich schlicht und ergreifend zu bezweifeln. - Das nimmt nur jemand wahr, der sonst nichts zu schreiben findet, wie halt die lokalen Presseheinis und meine Geringlichkeit.



Sonntag 07.12.08 - 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 15 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 82 % - Luftdruck 1021 hPa

Immobilienspektakel Puerto de Tazacorte

Was, wo wann irgendwann in diesem hoffnungsvollen Hafenstädtchen an der Westseite unserer Insel gebaut wird, das weiß nun wirklich niemand mehr. - Da ist von kühnen Projekten die Rede, welche Luxushotels in den Fels gemauert sehen, mit breiten Promenaden und großzügigen Luxuswohnungen direkt hinter dem neuen Hafen. - Auf der anderen Seite kämpft man um den Erhalt des einzigen neuen Gebäudes in Puerto de Tazacorte, den Neubau "Los Tarajaels" weil man sich nicht wirklich einig ist, ob das Gebäude legal errichtet worden ist oder nicht. - Die Küstenbehörde sagt nein, die Gemeinde sagt ja und man wird ja sehen. - Jetzt kommen Grundstücke im Barranco Tenisca unter den Hammer, die seinerzeit von der größten urbanistischen Hoffnung für Puerto de Tazacorte angekauft wurden, der Investorgesellschaft Inversiones Insulares Cock. - Die Bank hat kalte Füße bekommen, nachdem wohl die Hypothekenzinsen nicht mehr bezahlt wurden und lässt die Grundstücke nun zwangsversteigern. - Allerdings handelt es sich dabei lediglich um 13.000 Quadratmeter Land, bei weitem nicht alle Parzellen welche der Investor dort angekauft hat, so dass man nicht wirklich davon sprechen könnte, die Investitionslust der Firma sei völlig erloschen.

Man weiß es eben einfach nicht, da inzwischen der Investor mit allen Institutionen verkracht ist, nachdem frühere Zusagen der Gemeinde an den Investor sich als nicht durchsetzbar erwiesen haben. - Inzwischen droht man auch der Gemeinde und der übergeordneten Raumordnungsbehörde auf Tenerife mit Schadensersatzklagen in Höhe von mehreren Millionen, aber es ist auch nicht sicher, ob diese Drohungen in die Tat umgesetzt werden. - Auf jeden Fall wandelte sich das Ansehen des Investors von der einzigen Hoffnung für Puerto de Tazacorte inzwischen zum kompletten Buhmann, wobei man nie vergessen darf, dass anfänglich die Gemeinde alle Vorhaben der Firma Inversiones Insulares Cock mit Nachdruck verteidigt hat. - Im Kompetenzgerangel zwischen Küstenbehörde, Raumordnungsamt auf Tenerife und Gemeinde ist so ziemlich alles in Puerto de Tazacorte an zukunftsträchtigen Projekten gehörig in die Binsen gegangen, oder bildlich korrekter angelegt, in den Atlantik geflossen. - Warum das gerade immer wieder in Tazacorte geschieht und heute dort noch Bauruinen herumliegen die inzwischen mehr als 30 Jahre auf eine Nutzung warten, das darf man nicht einfach so wegwischen und sagen: In Tazacorte ist das halt so. - Dennoch traut sich eigentlich niemand zu, diese wirren Geschichten dort aufzudröseln, es hängen zu viele Interessen und Teilhaber an den unzählig vielen Projekten, die sich, wenn dann mal gestartet wie im Falle des Apartmenthauses Los Tarajales, dann plötzlich außerhalb gesetzlicher Regelungen befinden. - Nur eines ist bislang klar, der Hafen wird noch mal umgebaut und verlängert. - Allerdings nicht so, wie es der seinerzeit strahlende Investor vorgesehen hat, sondern so, wie die Küstenbehörde das will. - Aber auch die kann nicht dafür sorgen, dass die erneute Verlängerung des Hafens nur weitere Augenwischerei ist, man wird zwar mehr Liegeplätze für Sportboote damit schaffen, aber ein Hafen in dem Fähren und große Schiffe, wohlmöglich sogar Kreuzfahrtschiffe anlegen wird das niemals werden. - Inzwischen kann man aber Puerto de Tazacorte vielleicht sogar als interessanten Ort empfehlen, für angehende Stadtplaner und wie man es nicht machen sollte. - Dann nichts ist geschehen in Puerto de Tazacorte in den letzten Jahren, es gibt immer noch kein Hotel dort und der einzige Neubau den man wagte, der soll illegal sein. - Irgendwie können die einem bereits Leid tun die netten Investoren, wir bekommen es nicht mal hin, so wie in anderen Regionen, deren Geld so richtig zu verbraten bevor die Pleite kommt.



Samstag 06.12.08 - 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad - Niederschlag 0,5 mm - Luftfeuchte 78 % - Luftdruck 1019 hPa
Höchsttemperatur heute 18,5 (Heizstufe IV) Grad - niedrigste Temperatur 14,8 Grad

Armenverschickung

Tourismus für jeden, Sport auch und Kultur sowieso. - Unsere Hauptstadt entdeckt ihr soziales Gewissen und hat eine lobenswerte Initiative ins Leben gerufen, die dafür sorgen soll, dass auch Familien mit schmalem bis nicht vorhandenem Geldbeutel an den schönen Dingen des Lebens teilhaben können. - Und weil solche Aktionen immer auch einen Sponsor brauchen, hat man gleich noch die Caja Canaria mit ins Spendenboot genommen und als erste Aktion wird man drei Familien aus Santa Cruz auf eine Reise nach Tenerife schicken, begleitet von Sozialarbeitern und einem ausgefeilten Programm, welches auf Tenerife abgearbeitet werden soll. - Es steht zwar nicht geschrieben, aber ich bin mir sicher, dass die auch den Loropark besuchen, das gehört für Canarios irgendwie zum Pflichtprogramm, ähnlich der islamischen Hadsch. - Ohne Späßchen machen zu wollen, man kommt eigentlich nicht durch die Schule hier auf den Kanaren, ohne nicht mindestens einmal mit der Klasse diesen Zoo/Freizeitpark besucht zu haben. - Man kann es aber auch dahingestellt lassen, wichtig ist es, dass diese Familien eben auch mal ein paar Tage raus kommen und sich nicht nur immer von anderen anhören müssen, wie schön und toll das doch war zu verreisen.

Gerade die Kinder verarmter Familien leiden besonders heftig darunter, sich eben nicht diese Annehmlichkeiten leisten zu können wie die Klassenkameraden und mit diesen Reisen soll das Selbstwertgefühl ein bisschen aufgebaut werden, deshalb fliegen ja auch Sozialarbeiter mit. - Die Auswahl der Familien und auch die Organisation der Reisen überlässt man der dafür extra gegründeten Stiftung "FASOPAL" (Fundación Canaria Acción Social La Palma), die Mitarbeiter stellt die Stadt Santa Cruz und das Geld kommt von der Bank Caja Canarias, die ihre Gewinne eh in soziale und kulturelle Projekte auf den Kanaren steckt. - Man will es aber nicht alleine bei Reisen nach Tenerife belassen, weiter sollen noch gesponserte sportliche Aktivitäten dazukommen und eben auch kulturelle Veranstaltungen angeboten werden. - Bislang beschränken sich diese Aktionen auf die Hauptstadt Santa Cruz, man könnte das aber durchaus zum Vorbild nehmen das auch in den anderen Gemeinden einzuführen, auch da gibt es genügend Familien, die aus finanziellen Gründen ihren Kindern keine Reisen, Kultur oder eben sportliche Aktivitäten verschaffen können. - Mal sehen, ob sich andere Gemeinden diesem Vorbild anschließen, wünschenswert wäre es auf jeden Fall.



Samstag 06.12.08 - 09:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 16 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 75 % - Luftdruck 1023 hPa

Konjunkturbelebung mit der Gießkanne

Man kann auch Gutscheine verteilen, so wie das in manchen illustren Kreisen in Deutschland diskutiert wird. - Ob das was bringen würde, oder lediglich dafür sorgt, dass man das eigene Geld dafür im Schrank lassen kann, das wird man nicht herausbekommen, zu unsicher sind solche Aktionen um diese Wirklichkeit werden zu lassen. - So ist hier in Spanien von solchen Aktionen auch gar nicht die Rede, man hat aber eine andere Methode entwickelt die Konjunktur zu beflügeln und gleichzeitig gegen die Arbeitslosigkeit anzugehen. - Prinzipielle Empfänger dieser Gelder sind die Gemeinden, die 177 Euro pro Einwohner aus der Staatskasse überwiesen bekommen, wenn sie bis zum 24 Januar Projekte vorgelegt haben, die Arbeitsplätze beschaffen oder sichern. - Das ist nicht sonderlich schwer, denn man fordert nicht die Schaffung von neuen Arbeitsplätzen, sondern es reicht, wenn man auflistet, wie viele Menschen durch die finanzierten Projekte in Arbeit gehalten werden. - Wenn man sich als Gemeinde also nicht komplett unfähig anstellt, dann fließt dieses Geld auch und die allermeisten lokalen Korporationen haben eh eine Wunschliste an Vorhaben, die nun mit Hilfe dieser unvorhergesehenen Gelder abgearbeitet werden können. - Millionenregen nennt man so diese Aktion auch, ganz frei von irgendwelchen Haushaltsplanungen kommt dieses Geld als wunderbare Überraschung einher.

Wie man nun frisches Geld unter die Leute bringt, darüber kann man sich immer weiter streiten, auf jeden Fall schieben diese 15,2 Millionen Euro, die alleine nach La Palma geschickt werden, die Konjunktur gewaltig an, die Aufträge welche die Gemeinden an lokale Firmen verteilen werden müssen ja schließlich auch abgearbeitet werden. - Nachteil einer solchen Aktion ist die langsame Wirkung, die Gelder werden erst im Frühjahr 2009 ausgeschüttet und man darf auch die limitierte Wirkung dieser Maßnahme kritisieren, ist das Geld erstmal weg, dann bleiben die Arbeiten wieder wie vorher liegen. - Was auch noch zu beachten sein wird ist der Umstand, dass alle 14 palmerischen Gemeinden gleichzeitig nun Gelder für Straßenbau, Beleuchtung, Verschönerung der Städte und was nicht alles ausgeben werden und so die Firmen, die das bauen sollen, natürlich überlastet werden, weil es eben nur einen begrenzten Pool an Fachkräften gibt, welche diese Arbeiten ausführen können. - Spätestens im April nächsten Jahres müssen die Projekte verwirklicht, oder zumindest angeschoben sein, ich bin mal gespannt, wie man sich da arrangieren wird mit den Baufirmen, die sich plötzlich vor Aufträgen nicht mehr retten können. - Das sollte ja vielleicht auch zu Neueinstellungen führen, zumindest ist das so gedacht, auf jeden Fall soll das Regelwerk über die Verteilung der Gelder verhindern, dass die Gemeinden mit diesem Millionensegen einfach nur ihre Haushaltslöcher stopfen. - So kann es auch zu einem Anachronismus führen, dass zum Beispiel die zahlungsunfähige Gemeinde Fuencaliente plötzlich neue Aufträge verteilt und auch bezahlt, und gleichzeitig längst fällige Rechnungen aus früheren Arbeiten weiter vor sich hinschiebt. Umgerechnet auf El Paso ergibt das alleine die Summe von etwas mehr als 1,3 Millionen Euro die bis April nächsten Jahres verplant werden müssen, für die gesamten Kanaren steht die Summe von 358 Millionen Euro zur Verfügung, damit kann man schon was anfangen. Spanienweit sind das 8 Milliarden Euro, die da an die Gemeinden fließen, sicher besser als solche Summen irgendeiner Pleitebank in die Konten zu schmeißen. Aber da hat die rigide und so oft kritisierte Bankenaufsicht hier in Spanien wohl eh besser funktioniert als in anderen Ländern.



Freitag 05.12.08 - 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 18 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 67 % - Luftdruck 1020 hPa
Höchsttemperatur heute 19,1 (Ich krieg Plack) Grad - niedrigste Temperatur 13,0 Grad

Downgrading

Das mit den Anglizismen nervt schon, aber inzwischen verstehen gewisse Kreise ja die deutsche Sprache nicht mehr. - Spirale nach unten könnte man das auch nennen, was nun große Reiseveranstalter von den Hoteliers der Kanarischen Inseln fordern. - In der Tat rät jetzt die TUI, der größte Reiseveranstalter für die Kanaren, den Hoteliers die Preise für die kommende Saison zu senken, sonst könnte man nicht mehr für ausreichende Belegung garantieren. - Das dürfen die fordern und theoretisch dürfen die Hoteliers auch nein sagen, aber die Abwanderung von Billigtouristen in Billiglohnländer wird sich so oder so nicht aufhalten lassen. - Große Empörung herrscht nun bei den Hoteliers, die natürlich nicht begeistert sind von den Vorschlägen der Reiseveranstalter und weisen mit Recht darauf hin, dass mit einer Senkung der Preise immer auch eine Absenkung der Qualität verbunden ist. - Man muss einfach dazu anmerken, dass die Margen in dieser Branche eh schon reichlich knapp sind und weitere Preissenkungen nicht einfach aus der Portokasse zu leisten sind. - So nennen manche Hoteliersvereinigungen auch diesen Vorschlag der TUI eine Aufforderung zum Selbstmord, die Branche könne keine Preissenkungen ohne negative Folgen für den Qualitätsstandard und natürlich auch die Belegschaft verkraften. - Allerdings richtet sich nun der Zorn alleine auf die Reiseveranstalter, was auch nicht komplett richtig ist, die reagieren ja auch wieder nur auf den Markt, sind aber gleichzeitig auch ausführende Organe dieser unangenehmen Situation.

So tragen die Reiseveranstalter wohl den Großteil der Verantwortung, dass massenweise Tourismus nun in Billiglohnländer abwandern wird, aber auch uns selbst trifft ein gehöriger Teil der Schuld. - Es ist ja nicht so, dass die Situation völlig neu und plötzlich auf den so empfindlichen touristischen Markt einschlägt, die härtere Konkurrenz mit anderen Destinationen, die zwar nichts besser können, aber eben billiger, weil die Menschen dort weniger verdienen, die läuft ja schon geraume Zeit. - Man hat eben, bereits vor vielen Jahren versäumt sich aus dem breiten Angebot der Masse abzuheben und kann heute eben nur noch mit dem Hinweis auf sichere Verhältnisse werben, Sonne, Strand und Kneipen gibt es sonst wo überall auf der Welt. - Dann eben noch die verhängnisvollen Tendenzen sich als touristisches Ziel mit den dämlichen All-inklusive-Angeboten selbst zu entwerten, da bezahlt man nun einen hohen Preis für Reste-Rampe-Modeerscheinungen der Geiz ist geil Welle. - Es wird schwierig werden, da einen Kompromiss zu finden, besonders wenn man die große Abhängigkeit der anderen Kanareninseln vom Tourismus kennt. - Wir hier auf La Palma sind nur partiell davon betroffen, haben aber mit dem neuen touristischen Sondernutzungsplan ja nun ein offizielles Papier in die Hand gedrückt bekommen, welches aus La Palma eine willfährige Kopie anderer touristischer Regionen machen soll, die nun eben den schäbigen Silberling der Gleichmacherei zu nehmen haben. - Es ist interessant zu beobachten, wie stur und ignorant unsere Planer dennoch an diesem verhängnisvollen Plan festhalten wollen und die Bettenkapazitäten im Hotelbereich auf La Palma vervielfachen wollen. - Das kann man eigentlich nicht erst meinen und man muss vermuten, dass es andere Interessen dabei zu vertreten gibt, als die da heißen, Wohlstand und Zukunft einer touristischen Perspektive für La Palma. - Ich darf in dem Zusammenhang noch mal auf die Spendenaktion hinweisen, welche die drei ökologischen Bürgerbewegungen hier auf La Palma ins Leben gerufen haben, um den touristischen Sondernutzungsplan für La Palma vor den Gerichten noch zu stoppen, bevor es für diese Insel zu spät ist und wir uns in den wenig erlauchten Club der nicht mehr zeitgemäßen Urlaubsregionen wegen Überangebotes einreihen dürfen. - HIER steht alles Weitere.


Stonehenge bei El Paso

Und wieder muss die Geschichte umgeschrieben werden, nachdem man nun festgestellt hat, dass Santa Claus gar nicht existiert, die Heiligen Drei Könige aber doch, ist jetzt auch noch Stonehenge plötzlich bei El Paso aufgetaucht.



Freitag 05.12.08 - 09:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 14 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 75 % - Luftdruck 1021 hPa

Spärliche Weihnachten

Keine Weihnachtskarten, keine Weihnachtsmenüs mit den Beamten oder Journalisten, die Inselregierung macht ernst mit dem engeren Gürtel. - Aber nicht nur das Cabildo Insular geht mit diesem, eigentlich nicht wirklich marktwirtschaftlichem Beispiel voran, auch viele Firmen lassen dieses Jahr die obligatorischen Weihnachtsfeiern weg, oder improvisieren kleinere Treffen an denen man sich auf die Schulter klopfen, oder im fortgeschrittenen Alkoholisierungsstadium dem Chef endlich mal die Meinung lallen kann. - So klagen die Gastwirte als erste Opfer dieser Welle der neuen Vernunft, so wenige Vorbestellungen für größere Gruppen, an denen richtig zu verdienen war, reißen bedeutende Löcher in das fest eingeplante Jahresendbudget. - Was früher als kleingeistig oder gar geizig aufgefasst worden wäre, kommt in den heutigen Zeiten als modern und der Krise aufmerksam zugewandt einher, so dass es, außer den Gastwirten natürlich, keine echten Kritiker dieser Sparwelle gibt. - Weihnachten "light" steht also auf dem Programm, eine Vorstellung die bei meinen Kindern nicht wirklich positiv ankommt.

So fordert man in unserer Familie mal wieder antizyklisches Verhalten und nachdem gestern meine Frau mit den beiden blonden Konsumzicken zum Einkaufen in Los Llanos war, fürchte ich nun, unser Familiensäckel muss nun dazu herhalten, das krampfhafte Sparverhalten anderer gesellschaftlicher Schichten wieder auszugleichen. - Das ist immer so, wenn die Einkaufstüten ganz schnell und kommentarlos an mir vorbei getragen werden und ich auf meine obligatorischen Fragen, "Wie war es denn? Habt ihr was Schönes gefunden?" nicht wirklich eine befriedigende Antwort erhalte, sondern sich die Damen ein bisschen genant, aber doch selbstbewusst gegenseitig angrinsen. - Sind alle Knistertüten dann verstaut, bekomme ich meist ein oder zwei Ausstellungsstücke zu sehen, natürlich die, die in einer Preisklasse liegen, die bei mir nicht einen sofortigen Kreislaufkollaps hervorrufen. - Ganz schlimm wird es aber, wenn man mir aus dem Kühlschrank ein Bier bringt, so ganz ungefragt und ohne die Spur eines Hintergedankens, spätestens dann weiß ich, dass mehrere Händler in Los Llanos jetzt noch feiernd und feixend beim Feierabendschoppen sitzen und über diese drei wilden Konsumweiber aus El Paso fröhliche Geschichten erzählen. - Das macht alles nichts, mir ist meine Familie mindestens lieb und sehr teuer und ich bin mir auch der Verantwortung bewusst, die wir als Bürger gegenüber der konjunkturellen Lage wirklich besitzen. - Ein Lump, wer jetzt noch Geld unter der Matratze hortet und nicht ausgibt, Höllenqualen, also ein Abendessen mit Knäckebrot und Claudia Roth sollen die erleiden, die noch auf ihrem Sparbuch sitzen, wo doch die kapitalistische Welt in Flammen steht und dringend nach weiterem Treibstoff hechelt. - Nach dem dritten, von den Frauen immer aufmerksam schnell gebrachten Bier, setzt so allmählich die sedierende Wirkung des Hopfens und des Alkohols ein, gepaart mit aufkommender Altersmilde und echter Müdigkeit, dass mir die wirklich interessante Tüten des Konsumglücks auch vorgeführt werden. - Meine große Tochter hat nun ihr erstes "Kleines Schwarzes" bekommen, was für Sylvester vorgesehen ist und es stimmt wirklich, bei Frauenklamotten steigt der Preis eines Kostüms entgegengesetzt proportional zur Menge des verwendeten Stoffes. - Sie fährt mit Freunden am Jahresende nach Barlovento und wird dort ohne die Eltern Sylvester feiern und dazu muss natürlich ordentlich aufgerüstet werden. Ich dachte eigentlich, für Barlovento seien Gummistiefel und mein alter Bundeswehrparka angebracht, aber was die da gestern anhatte, das sah so ganz anders aus. - Na ja, stolz war ich schon auch, nicht nur, weil meine Tochter eine ganz hübsche ist, ich war auch noch stolz, dass wir uns solchen Fummel noch leisten können…



Donnerstag 04.12.08 - 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 18 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 58 % - Luftdruck 1021 hPa
Höchsttemperatur heute 19,8 (Insubordination!) Grad - niedrigste Temperatur 13,2 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 18,1 - Temp. min. 4,6 - Feuchte 36 - 95 % - Niederschlag 0 mm

Super-Wochenende

Die spanische Verfassung, gequirlt mit ein bisschen Erbsünde und gesellschaftlichem Pragmatismus macht es möglich, dass wir heute bereits das Wochenende einläuten und dieses auch noch bis einschließlich Montag andauert. - Die berühmte Dezemberbrücke ist da, bis Dienstagmorgen bewegt sich hier nun herzlich wenig und böse, oder auch sehr wissende Zungen, sagen schon voraus, heute beginnen psychologisch bereits die Weihnachtsferien. - Aber mal schön der Reihe nach. - Morgen ist überhaupt noch kein wirklicher Feiertag, nur einfach schon schulfrei, morgen ist Pragmatismustag, oder San Pragmato. - Der gewerkschaftlich orientierte San Pragmato sorgt dafür, dass wir auf den wirklichen Feiertag, den sechsten Dezember nicht unvorbereitet auftreffen, sondern wirklich aus zwei Feiertagen einen kleinen Urlaub zimmern können. - Am sechsten Dezember ist dann Nikolaus, allerdings ist das nicht der Grund die Arbeit niederzulegen, sondern in ganz Spanien feiert man an diesem Tag die Verfassung. - Man nennt das auch den "Día de la Constitución" und die jährt sich in diesem Jahr zum dreißigsten Male. - Am 6. Dezember 1978 wurde mit absoluter Mehrheit im Parlament die "Constitución Española" verabschiedet, die bis heute geltende spanische Verfassung, die sich nach wie vor in bester solcher befindet. - Das war ein Erhardtscher Rüttelschleim.

Nun kommt der Sonntag, das ist auch kein Feiertag im eigentlichen Sinn, sondern da müssen wir die Verfassung wieder finden, nachdem wir diese am Vortag so gefeiert haben. - Der Montag, also der achte Dezember ist dann aber wieder Feiertag, nämlich "Inmaculada Concepción", der katholische Beweis dafür, dass man doch im Religionsunterricht aufpassen sollte und nicht nur Papierkügelchen an die Decke schnalzen, oder Zigaretten drehen. - "Immaculada" heißt auf Deutsch die Unbefleckte, damit ist nicht meine neue Hose gemeint, noch kurz vor dem Mittagessen, sondern es geht hier, wie bei fast allen katholischen Feiern, um die Mutter Gottes. - Das unbefleckt beschäftigt sich aber in diesem Fall, wie man vielleicht annehmen könnte, nicht um die immer noch nicht bewiesene Jungfraugeburt, sondern um die interessante Geschichte, dass diese Maria ohne Erbsünde auf die Welt kam, also unbefleckt. - Da ich bei den beiden Geburten meiner Töchter dabei war kann ich nur sagen, reich technisch scheint das mit dem unbefleckt unmöglich zu sein, zumindest was abwaschbare Befleckung angeht. - Aber wir Katholen sind da natürlich nur wieder an innere Werte gebunden, wobei ich immer noch nicht weiß, wie denn die Erbsünde in all die kleinen Kinderchen da reinkommt, aber deswegen werden wir ja alle getauft, waschen das also wieder ab. - Was für ein Umstand, aber wir haben das auch mitgemacht, beide unsere Töchter sind konkret getauft, trotz der heidnisch-protestantischen Mutter, wir Katholiken werden ja auch schließlich nicht fürs Denken belohnt, sondern fürs Glauben. - Am Dienstag hofft die Volkswirtschaft dann wieder auf vollständiges Erscheinen aller Arbeitskräfte, wobei uns die Erfahrung lehrt, dass nach einer Ansammlung von mehreren Feiertagen immer gewisse Kollateralschäden zu vermelden sind. - Nun kommt der praktische Gedanke mit dem Einkaufen natürlich aufs Tablett und da muss man mal wieder sagen, wer in der Gastronomie, im Tourismus oder im Lebensmitteleinzelhandel arbeitet, scheint doch was von der Erbsünde abgekommen zu haben, denn da ticken die Feiertage anders. - Morgen sind alle Läden auf. - Samstag sind alle Läden zu, bis auf die paar kleinen Krauter, die immer offen haben wie auch die Tankstellen mit ihren "Shops". - Am Sonntag sind dann fast alle Läden wieder offen, auch die großen Supermärkte, man kann sich also mit Lebensmittel am Sonntag eindecken. - Montag ist dann wieder alles zu, mit der bereits für Samstag geltenden Ausnahmeklausel, irgendwer hat immer offen. - Für uns ist das nun ein kleiner Urlaub, der vornehmlich in der wunderbaren Tatsache Ausdruck findet, dass wir nicht früh aufstehen müssen. - Ich liebe die Verfassung, Sonntage sowieso und auch die Gnade der unbefleckten Maria, die uns ein paar Stunden mehr Schlaf beschert.



Donnerstag 04.12.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 13 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 69 % - Luftdruck 1022 hPa

Die Situation ist unnachhaltig

Die Nachhaltigkeit hat hier eine ganze Generation von Rednern, Schreibern, aber auch Zuhörern geprägt, wird aber in ihrer Benutzerfreundlichkeit immer wieder überschätzt. - Wir haben von nachhaltiger Müllabfuhr lesen dürfen, von nachhaltigen Immigranten und nachhaltigen Problemen, es gab Zeiten, da waren sogar Parteiprogramme "sostenible" und kein Papier verließ irgendein Rathaus, welches nicht mindestens einmal von Nachhaltigkeit oder dem Adjektivderivat nachhaltig gesprochen hätte. - Noch heftiger, es gab Reden von Politkern, da setzte der Protagonist auf ein leeres Blatt Papier in unregelmäßigen Abständen ein "s" für "sostenible" und ein willfähriger Schreiber musste dazu einen Text einsetzen, egal was, Hauptsache das Ding ist nachhaltig. - So langsam verliert sich allerdings die Vorliebe für dieses Wort, entweder hat irgendwann mal einer ein Wörterbuch aufgeschlagen und nachgesehen, was das eigentlich heißt, oder das Wort ist schlichtweg aus der Mode gekommen, soll ja vorkommen so etwas. - Inzwischen muss man dieses Wort, welches sicher zu den meistvergewaltigten Worten unserer Sprachen gehört, sowohl im Spanischen, wie auch im Deutschen, schon deftig suchen, um noch in seinen Genuss zu kommen. - Meist taucht dieses Wort nun in der Negativform auf, die "crisis" frisst ihre Kinder, unnachhaltig heißt das dann, oder "insostenible". - So meldet sich nun ein Gewerkschaftsvertreter zur erneut gestiegenen Arbeitslosenzahl hier auf La Palma und meint, die Situation sei unnachhaltig. - Wir wissen was er meint, 8.201 Arbeitslose sind ein wahres Alarmsignal und machen schlichtweg Angst, dennoch liegt es nicht an der Situation und deren Unnachhaltigkeit, sondern an dem Ergebnis eines jahrzehntelangen Wachstums, in dem man nicht auf Nachhaltigkeit geachtet hat.

Man hatte befürchtet, dass man vielleicht im Januar oder Februar die grausame Marke von über 8.000 Arbeitslosen knacken würde, dass es nun bereits im November soweit ist, und dann auch noch gleich satt darüber, damit hatten nicht mal die professionellen Schwarzmaler gerechnet. - Es ist ein neuer absoluter Rekord, so viel Menschen auf La Palma die ohne Arbeit dastehen gab es noch nie, zumindest noch nie, seit Spanien den Weg der demokratischen Entwicklung genommen hat. - Man muss sich das nur mal vorstellen, es sind jetzt fast 10% der Bevölkerung arbeitslos, nicht 10% der aktiven Bevölkerung, an der man sonst die Quote misst, das würde auf Deutschland übersetzt bedeuten, dass man dort mit an die 8 Millionen Arbeitslosen klarkommen müsste. - Die Gründe für den rasanten Anstieg kennt man wohl, der Zusammenbruch der Bauwirtschaft, ausgelöst durch feiste Übersättigung und durch die plötzliche Zurückhaltung der Banken, Hypothekenkredite zu verteilen. - Das fing hier in Spanien übrigens weit früher an, dazu musste man nicht erst amerikanische Pleitebanken bemühen, der Bauboom ist hier bereits sei anderthalb Jahren aufgezehrt und nun trifft uns schon die zweite Welle der steigenden Arbeitslosigkeit. - Jetzt sind es nicht nur die vielen, die auf dem Bau keine Arbeit mehr finden, sondern nun trifft es auch bereits andere Sektoren, weil eben Geld fehlt, welches auf dem Bau verdient wurde. - Was man dagegen machen kann ist Bauen. - So einfach ist das, auch wenn wir hierbei das Wort Nachhaltigkeit nicht mal in die Nähe bringen sollten, aber wer schnelle Lösungen verlangt, und keine Zeit, oder kein Geld hat für einen notwendigen Strukturwandel, der pumpt nun Geld in die Bauwirtschaft und hofft auf diese Art und Weise den Rest des Wirtschaftkreislaufes auch wieder anzukurbeln. - Es gibt nun Maßnahmen gegen die steigende Arbeitslosigkeit, die allerdings noch nicht greifen. - Die Provinzregierung gibt Gelder an Firmen, die Überstunden abschaffen und dafür neue Arbeitsplätze bringen und die Zentralregierung schüttet nun bis April nächsten Jahres über allen Gemeinden ein Investitionsfüllhorn aus. - Es gibt pro Einwohner etwa 180 Euro, damit sollen Projekte angeschoben werden, die Arbeitsplätze schaffen und weil das alles ganz schnell gehen muss, ziehen die Gemeinden nun all ihre wegen Geldmangels verschobenen Baupläne aus der Tasche und wir werden im Sommer kommenden Jahres hier ein buntes Treiben in den Kommunen erleben, welches jedes wirtschaftswundergläubiges Herz nachhaltig höher schlagen lässt. - Da kommt viel Geld jetzt wieder in den Umlauf und man kann nur hoffen, dass die in Madrid gut gerechnet haben. - Wie lange das anhält, das werden wir genau beobachten, denn nachhaltig scheint das auch nicht zu sein, irgendwann ist das Geld alle, aber die Grundvoraussetzungen für unsere Krise sind deshalb nicht verschwunden. - Ein wirklich nachhaltiges System scheint es eh nur in der Politik zu geben, es kommen immer genau so viele Politiker von hinten nach, wie man vorne in die Rente, oder noch teurer, nach Europa schickt.



Mittwoch 03.12.08 - 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 54 % - Luftdruck 1023 hPa
Höchsttemperatur heute 22,4 Grad - niedrigste Temperatur 13,2 Grad

Drei Jahre Tabakgesetz und wir qualmen weiter

Am ersten Januar sind es drei Jahre her, dass man uns Raucher mit dem "Ley de Tabacco" erschreckt hat. - Aber es blieb bei dem Schreck, denn Spanien hat, wie so oft in der neueren Geschichte, ein sehr liberales Gesetzeswerk ausgearbeitet, welches das Rauchen nicht grundsätzlich verbieten soll oder Raucher stigmatisieren, sondern dafür gedacht ist, Nichtrauchern es zu ermöglichen, ohne Rauch einzuatmen durchs Leben zu gehen. - Die größten sichtbaren Änderungen gab es in der Arbeitswelt, wo nun an allen Arbeitsplätzen in geschlossenen Räumen das Rauchen verboten ist. - Auch in öffentlichen Gebäuden darf nicht mehr geraucht werden und es bleibt dem Betreiber der Gebäude vorbehalten, abgeschlossene Raucherzonen auszuweisen. - Schwer diskutiert wird ja überall in Europa die Regulierung des Tabakgesetztes in der Gastronomie. - Hier zeigen sich die größten Unterschiede wohl zu anderen Ländern, in den allermeisten Kneipen darf in Spanien weiterhin geraucht werden. - Alle Lokale deren Gastraum unter 100 Quadratmeter misst, dürfen selbst wählen, ob sie ein Raucher, oder ein Nichtraucherlokal werden wollen. - Da die meisten Bars, Kneipen und Cafeterías die geforderte Zahl der Quadratmeter nicht erreichen, sind die meisten Etablissements bei der Raucheroption geblieben, ganz einfach aus wirtschaftlichen Gründen. - Anders sieht es bei den reinen Speiserestaurants aus, dort trifft man die Nichtraucheroption häufiger an, oder eben das Angebot der abgegrenzten Raucherzonen.

Hier wird die Materie aber kompliziert, denn die Raucherzonen dürfen nicht 30% der Gesamtfläche des Gastraumes überschreiten und der Zugang zum Nichtraucherteil des Restaurants sowie auch der Toiletten darf nicht durch den Raucherteil des gastronomischen Betriebes führen. Weiterhin muss der Raucherraum durch eine Tür komplett vom Rest des Restaurants getrennt sein und über eine separate Ablufteinrichtung verfügen. - Da die Einhaltung dieser Vorschriften einfach baulich in vielen Gebäuden nicht zu erreichen ist, bleiben viele Gastwirte von großen Restaurants eben komplett ein Nichtraucherbetrieb. Nun kann man ja vorschreiben was man will, Kontrollen müssen dann auch die Dauer beweisen, ob denn das Gesetz auch eingehalten wird. - Auf den Kanaren meldet man für die vergangenen Jahre 1.800 Kontrollen in gastronomischen Betrieben, wobei die Hälfte aller Etablissements die gesetzlichen Vorschriften nicht komplett erfüllen. - Allerdings findet man die meisten Verstöße in der Kennzeichnung der Raucher- und Nichtraucherzonen, so dass es sich nicht um gravierende Verletzungen der Vorschriften handelt, sondern lediglich um mangelhafte Umsetzung der Kennzeichnungspflicht. - Wirklich schwere Verstöße hat man nicht festgestellt, aber wohl einige Restaurants darauf hinweisen müssen, dass ihre Trennung Raucher/Nichtraucher nicht tauglich ist. - Man gibt den Restaurants aber eine temporäre Chance diese Missstände zu beheben, wenn beim zweiten Kontrollbesuch sich aber nichts geändert hat, dann werden empfindliche Strafen verteilt. - Insgesamt gibt es aber seitens des Gesundheitsamtes in Madrid wohl Kritik an der großzügigen Auslegung des Tabakgesetzes und man hat bereits gedroht, wenn sich die liberalen Vorschriften so nicht durchsetzen können, dann werde man strengere Maßnahmen beschließen müssen. - In der Tat muss man gestehen, selbst als Raucher, dass wir hier so viel mehr Raucherkneipen haben als Nichtraucheretablissements, dass da ein gewisser Proporz nicht gewährt ist. - Wir sind und bleiben eben ein Raucherland.

Zum Fährunglück von gestern Nacht in Los Cristianos: Noch ist es nicht gelungen, das Schiff freizuschleppen, trotz Flut und starker Schlepper bleibt die "Bonanza Express" am Strand von Los Tarajales liegen. - Allerdings versucht man auch nicht auf Biegen und Brechen das Schiff vom Strand zu ziehen, man will weitere Beschädigungen vermeiden. - Die Passagiere sind, soweit nicht auf Tenerife wohnend oder bereits weitergereist, in Hotels untergebracht, so lange sie ihre Reise nicht fortsetzen können. - Viele der Passagiere haben halt ihren Anschluss per Flugzeug verpasst, da sie erst darauf warten mussten, dass ihr Gepäck vom Schiff geholt wurde. Das ist inzwischen geschehen, aber die Fahrzeuge und die Fracht sind noch an Bord, die bekommt man erst vom Schiff, wenn man mit dem Heck an einer Rampe anlegen kann. - In einer Pressekonferenz äußert sich nun auch der Verantwortliche der Reederei zu dem Vorgang der zum Unfall geführt hat. - Das Schiff konnte die Wasserstrahldüsen auf Grund eines noch nicht eruierten Fehlers nicht auf Umkehr schalten, so dass man ohne "Rückwärtsgang" den Katamaran nicht mehr anhalten konnte und so auf den Strand auffuhr. - Erste Meldungen, die über einen Motorschaden berichteten haben sich also nicht bestätigt. - Es seien an die zwei bis drei Tonnen Diesel ausgetreten, da einer der Tanks leckt, allerdings konnte man den Rest des in dem Tank befindlichen Treibstoffes aus eigener Kraft in andere Tanks pumpen. - Die "Blackbox" des Schiffes, moderne Fähren haben so etwas, ist an die Hafenmeisterei von Los Cristianos übergeben worden, die auch die notwendigen Untersuchungen durchführen wird. - Allerdings gibt es nicht viel zu untersuchen, man kann lediglich den Fehler an der Ruderanlage finden, der dazu geführt hat, dass das Schiff nur noch geradeaus fahren konnte. - Über den Ablauf der Evakuierung äußern sich alle Quellen positiv, die Reederei Olsen scheint in dieser Hinsicht professionell gehandelt zu haben. - Auch der Umstand, dass es bereits heute eine Pressekonferenz gab zeugt von dem Versuch, diese Havarie mit Transparenz und in aller Öffentlichkeit zu behandeln. - Wann das Schiff freigeschleppt werden kann, das traut man sich noch nicht zu versprechen und auch kann man noch nicht sagen, wie lange die "Bonanza Express" dann zur Reparatur ins Dock muss. - Das ist aber interessant, weil nun der Reederei eines ihrer 5 Schiffe fehlt und dadurch die anderen Routen nur noch mit Einschränkungen bedient werden können.



Mittwoch 03.12.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 13 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 70 % - Luftdruck 1023 hPa

Olsen Fähre strandet in Los Cristianos

Es ist aber niemandem der 172 Passagiere und den Besatzungsmitgliedern etwas geschehen, alle konnten unverletzt von Bord geholt werden, aber das Schiff, die "Bonanza Express", liegt wohl leicht beschädigt am Strand von Los Tarajales fest. - Mit den Motoren war etwas nicht in Ordnung, so darf man das lesen, warum aber die Fähre nicht an der Mole halten konnte und weiter auf den Strand auffuhr, das müssen nun Untersuchungen ergeben. - Man darf aber ruhig von Glück im Unglück sprechen, da das Schiff fest auf dem Strand aufliegt, bestand keine Gefahr, der Katamaran könnte sinken und die 172 Passagiere konnten ohne Eile vom Heck des Schiffes aus evakuiert werden. - Es dauerte aber wohl lange zwei Stunden, bis alle Menschen von Bord waren, keine wirklich angenehme Situation für die Passagiere, die allesamt mit Schwimmwesten bewaffnet darauf warten mussten, von einem der herangerufenen Rettungsschiffe aufgenommen zu werden. - Heute Vormittag soll die fast einhundert Meter lange "Bonanza Express" von Schleppern freigeholt werden, dann wird man auch abschätzen können, wie schwer die Beschädigungen an den beiden Auslegern sind, auf denen der Katamaran schwimmt.

So ganz ohne kann das aber nicht abgelaufen sein, da man von ausgelaufenem Diesel berichtet, so müssen die Beschädigungen doch an manchen Stellen der Schiffswand so heftig sein, dass die Tanks angegriffen wurden. - Das Schiff war auf dem Weg von El Hierro über La Gomera nach Los Crisitanos im Süden Tenerifes und ist eine der 5 großen Schnellfähren, allesamt Katamarane oder Trimarane, welche die Häfen der Kanarischen Inseln im Liniendienst miteinander verbinden. - Keines der Schiffe ist älter als neun Jahre, so wurde die nun gestrandete Fähre im Jahr 1999 gebaut, so dass man die Probleme mit den Maschinen nicht auf das Alter des Schiffes zurückführen kann, man wird andere Gründe für die Probleme beim Anlegen finden. - Überhaupt genießt die Reederei Olsen hier auf den Kanaren einen guten Ruf, mit den schnellen Aluminiumschiffen hat man den Schiffsverkehr hier zwischen den Inseln wieder wettbewerbsfähig gemacht, nachdem der Flugverkehr bereits fast alle Passagiere auf seine Seite gezogen hatte. - So verbindet auch ein Schiff der Reederei Olsen La Palma mit Tenerife und schafft die Entfernung von unserer Hauptstadt nach Los Cristianos in nur etwas mehr als zwei Stunden. - Allerdings liegen die Fahrpreise auch fast auf dem Niveau eines Flugtickets, diese Schnellfähren verbrauchen unheimlich viel Treibstoff. - Das führte die Reederei auch vor einem halben Jahre dazu auf strengen Sparkurs zu gehen, als der Ölpreis in Schwindel erregende Höhen gestiegen war. - Davon ist momentan nicht mehr die Rede, allerdings hat der harte Konkurrenzkampf mit der Reederei Armas hier im Linienverkehr auch die Olsen-Linien nicht ohne Kratzer gelassen. - Der Unfall jetzt kommt, wie alle Unfälle überhaupt, natürlich zur schlechtesten Zeit, da man gerade wieder durch eine Senkung des Fahrpreises eine bessere Position im Wettbewerb mit der Reederei Armas erringen wollte. - Gerade die Schnelligkeit und die Zuverlässigkeit waren bislang die Aushängeschilder der Reederei Olsen gegenüber der Konkurrenz von Armas, die mehrere Schiffshavarien in den letzten Jahren verzeichnen musste. - Darunter auch der Totalverlust der Fähre "Assalama", die unter sehr fragwürdigen Umständen vor dem marokkanischen Hafen Tarfaya strandete und aufgegeben werden musste. - In den kommenden Tagen wird man die Gründe und den genauen Ablauf der Havarie der "Bonanza Express" sicher erfahren, bislang sind alles noch Mutmaßungen über das, was dort geschehen ist. - Wichtig ist eh nur, dass niemand zu Schaden gekommen ist, außer vielleicht dem bislang makellosen Image der Reederei. - Aber auch hier hat nun die Reederei Olsen die Möglichkeit zu zeigen, dass man ein modernes Unternehmen ist und solche Vorfälle nicht unter den Tisch kehrt, wie das die Reederei Armas immer versucht hat, sondern offen und transparent die Gründe für diese Havarie aufzeigt. - Nur so kann man verloren gegangenes Vertrauen auch wieder zurückfordern.



Dienstag 02.12.08 - 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 16 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 76 % - Luftdruck 1022 hPa
Höchsttemperatur heute 20,2 Grad - niedrigste Temperatur 13,2 Grad

Weltlichsprechung der "Heiligen Quelle"

Man kennt so was ja eigentlich anders herum, so von Selig- oder Heiligsprechungen aber wenn jemand bereits den Zusatz "Heilig" trägt, dann muss man sich ja nur noch um die weltlichen Belange kümmern. - Und nun ist es soweit, die Provinzregierung der Kanarischen Inseln hat nun im offiziellen Bulletin die Erlaubnis erteilt, die Heilige Quelle bei Fuencaliente dürfe mit Recht und Siegel den Namen "medizinische Thermalquelle" tragen. - Woher die das nun wissen, wo doch reichlich Anwälte, Lehrer und sonstige Umschüler Politiker werden, aber eigentlich nie Ärzte, das kann man ruhig dahingestellt lassen, aber so sind nun mal die Verfahren und wenn man in Tenerife bestimmt, dass unser heiliges Wasser Zipperlein heilen kann, dann soll uns das nur Recht sein. - Was wir nun damit machen, das steht wiederum auf einem anderen Blatt und dieses Blatt ist noch nicht wirklich beschrieben. - Die Gemeinde Fuencaliente hat sich auch darum gedrückt, die Quelle selbst auszubeuten, was in diesem Fall "betreiben" bedeuten soll, sondern weise erkannt, dass das ein größeren Investitionsaufwand bedeuten würde, als man selbst als Pleite-Gemeinde stemmen kann. - Also ist die Inselregierung gefragt, welche die Quelle dem Wasseramt untergeordnet hat und nun reift die Quelle dort vor sich hin.

Ohne Frage kann man aus der "Fuente Santa" einen echten Besuchermagnet machen, warme Thermalquellen haben schon ganze Landstriche wohlhabend und berühmt gemacht und in den Zeiten von Wellness und Körperkult muss man schon reichlich blind sein bis völlig unfähig, wenn man ein solches Geschenk der Natur nicht positiv und touristisch ausnutzen kann. - Auf der anderen Seite stellt sich natürlich die Frage, wer wird der Hauptnutznießer dieser natürlichen Ressource und da darf man nur hoffen, dass man weise, solvent und nachhaltig denkend genug ist, die Heilige Quelle keiner privaten Firma zu überlassen, welche die Einnahmen sehr einseitig in die eigenen Taschen fließen lässt. - So dürfen wir auch nicht zu ungeduldig sein, alles was auf ordentlichem Funktionärsweg und zum so genannten Allgemeinwohl tauglich geschehen soll, das dauert eben furchtbar lange. - Aber mir ist nicht bange dabei, jetzt, wo wir den Segen von der Provinzbehörde haben, dass in nicht allzu ferner Zukunft, dort rund um die "Fuente Santa" ein Bad entsteht, welches Gäste auf die Insel lockt und auch der Insel selbst gut tut. - Man müsste jetzt natürlich noch mal ein bisschen die Zielgruppe fokussieren, denn eigentlich soll das Wasser der Heiligen Quelle gegen und für alles gut sein, so hat man das zumindest früher vermittelt, noch bevor der San Antonio vor 328 Jahren mit seiner Lava beschloss, dem bunten Gesundheitstreiben in der Fuente Santa einen eruptiven Einhalt zu gebieten. - Solche Pauschalheilungen sind heutzutage ja nur noch in esoterischen Zirkeln vermittelbar, der scheinbar gesunde Rest der Bevölkerung weiß ja spätestens, seit dem es das Bildungsfernsehen Galileo gibt, in dem auf Yogeshwar getrimmte Quoteninder die Wissenschaft bis in Prekariat tröpfeln lassen, dass jedes Übelchen sein Wurzelchen hat und dass man daran ziehen muss und nicht daneben. - Warum plötzlich im deutschen Fernsehen die Inder, oder das was wir dafür halten, für wissenschaftliche Intelligenz stehen, dieser Frage sollte man noch mal getrennt und aufmerksam nachgehen. - Aber bitte nicht nach dem Motto, Deutschland sucht das Superbrain und als beinharte Jury sitzen da der Turnschuh-Nuschler Jobatey fürs Seelchen, ein selbstkritischer Reich-Ranicki für den Unterhaltungsteil und die Abwatschungen, sowie der quotenfreie Türke Yanar als Quoteninder im Selbstversuch der reinkarnativen Darnell-Persiflage. - Warum aber eigentlich nicht, die Öffentlich Rechtlichen haben doch einiges nachzuholen, da laufen noch viel zu viele interessante Sendungen, in denen es nicht darum geht, sich lächerlich zu machen, bei manchen muss man sogar noch nachdenken und das ist auf die Dauer gefährlich für die Demokratie.



Dienstag 02.12.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 13 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 75 % - Luftdruck 1021 hPa

Das Bürgertelefon klingelt nicht

Knapp zwei Jahre nachdem man das La Palma-Bürgertelefon ins Leben gerufen hat, muss man sich eingestehen, dass diese Aktion nicht auf genügend wissbegierige Frager gestoßen ist. - Unter der Rufnummer 010 konnte und kann man immer noch, alle möglichen Fragen loswerden, welche sich um die Dinge drehen, die irgendeine Behörde hier auf La Palma ausgeheckt hat. - Entweder erhält man sofort eine Antwort, oder aber innerhalb von maximal 48 Stunden, denn niemand kann alles wissen und muss vielleicht erstmal nachfragen. - Das hat in der Regel hervorragend funktioniert, nur waren es viel zu wenige Frager die angerufen haben, so dass man jetzt das Projekt komplett in Frage stellt. - Die Nummer 010 ist weiterhin offen, allerdings wird man in den kommenden Wochen daraus eine Telefonzentrale für die Inselregierung machen, um die letzten Arbeitsplätze die aus dieser Aktion entstanden sind wenigstens noch zu retten. Ursprünglich hatte man diesen Dienst des Bürgertelefons einer Firma anvertraut, die auch mit acht Operatoren anfänglich auf Wellen von eingehenden Anrufen wartete, aber die kamen eben nicht und bald darauf entließ man bereits die hälfte der "Damen vom Dienst". - Jetzt, zum Jahresende läuft der Vertrag mit der Firma aus, die ist nicht daran interessiert weiter diesen Dienst anzubieten und wird die dafür angemieteten Räume in der Hauptstadt auch schließen.

Da schreit alle Welt nach mehr Information und schimpft über die langen Schlangen, die es bei vielen Institutionen gibt, aber keiner greift zum Telefon und lässt sich dort die Fragen mundgerecht und kompetent erklären und man muss nicht mal das Sofa dazu verlassen. - So etwa, auf jeden Fall von dem Zynismus der Niederlage begleitet, resümiert der Direktor für neue Technologien hier auf La Palma den Fall Bürgertelefon, von dem man noch vor zwei Jahren dachte, das Omelett des Kolumbus gefunden zu haben. - Man wollte damit auch die Ämter entlasten, seien es Rathäuser, der Krankendienst oder die Inselregierung, die jeden Tag viele Fragensteller an ihren Schaltern begrüßen dürfen oder müssen, um diese dann oft wieder weg zu schicken, weil sie schlicht und ergreifend bei der falschen Institution nachgefragt haben. - Nun hat man den Salat, der Bürger will zwar alles wissen, aber nicht übers Telefon, so viel haben wir jetzt gelernt und man könnte sich über die nun verlorenen 200.000 Euro ärgern, welche dieses Projekt gekostet hat. - Aber das darf man nicht der Inselregierung ankreiden, denn weiterhin wäre solch ein Telefon eine gute Idee, man hätte es nur besser bewerben müssen, denn die allermeisten wussten überhaupt nichts davon, dass man mit einem Telefonanruf viele Fragen beantwortet bekommt, ohne sich an irgendwelche Schalter anzustellen. - Und die haben sogar zurückgerufen, wenn die gewünschte Information nicht sofort verfügbar war. - So viel zu unserer geforderten Informationsgesellschaft, aber vielleicht wissen wir ja alles und können deswegen auf solch ein Bürgertelefon großzügig verzichten. - Schade drum.



Montag 01.12.08 - 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 64 % - Luftdruck 1019 hPa
Höchsttemperatur heute 19,1 Grad (Feinripp-Alarm) - niedrigste Temperatur 13,4 Grad

Heulen und Autoklappern

Irgendwo muss man ja sparen sagt sich Pedro Normalverbraucher und so wie es aussieht, fährt die alte Schüssel noch hervorragend und ein neues Auto braucht doch kein Mensch. Die negativen Zahlen bei den Neuzulassungen sammeln sich schon das ganze Jahr über, kein Monat will auch nur eine kleine schwarze Zahl erbringen und wenn man denkt, das kann nur noch bergauf gehen, dann kommt der November mit einem absoluten Rekordminus. - Die Vereinigung der Autohändler "FREDICA" (Federación Regional Canaria de Empresarios Importadores y Concesionarios de Automóviles) meldet einen Rückgang der Neuzulassungen bei PKW und privaten Allradfahrzeugen für den November 2008 von sage und heule 60% gegenüber dem gleichen Monat des vergangenen Jahres. - Die nackten Zahlen lauten: Im November 2007 wurden in beiden kanarischen Provinzen 5.884 Autos der genannten Kategorie zugelassen, im November 2008 waren es dagegen nur noch 2.333. - Der Rückgang war in der Provinz Las Palmas de Gran Canaria etwas geringer als in Santa Cruz de Tenerife, der Trend aber ist der gleiche. - Als Hauptfaktoren für diese heftigen Zahlen nennt man die Unsicherheit der Verbraucher durch das andauernde Spar- und Krisengefasel und die Banken geben nicht mehr so leicht Kredite, wie das noch vor einem Jahr der Fall war.

Nun sind ja Autos, nicht wie Lebensmittel, in der Lebensdauer streckbar und die allermeisten kaufen sich ja nicht ein neues Auto, wenn das alte erst keinen Mucks mehr macht, sondern nun fährt man die alte Schüssel halt ein paar Monate oder auch Jahre länger. - Allerdings beklagen sich die Autohändler, dass auch zu viel graue Konkurrenz ihnen das Geschäft verdirbt und Gebrauchtwagen aus Importen von vielen nicht lizenzierten Händlern an den Straßenecken angeboten werden, die eben billiger sein können, weil sie nicht den Verwaltungsaufwand einer "echten Firma" haben und Angestellte oder Steuern bezahlen müssen. - Das gab es immer schon, tut eben jetzt in Krisenzeiten umso mehr weh und deshalb möchte man von den Behörden gerne ein härteres Einschreiten gegen die Straßenhändler. Man sollte sich als Schnäppchenkäufer aber schon im Klaren sein, kauft man ein Auto von einem Händler ohne Lizenz, dann hat man keine Garantien zu erwarten, sondern eben nur den vielleicht niedrigeren Preis. - Aber auch diese ungeliebte Konkurrenz kann nicht über eine heftige Ohrfeige an einen Sektor hinwegtäuschen, der in den letzten Jahren auf den Kanaren, angeheizt von billigen und ungeprüften Krediten, einen Höhenflug erreicht hatte, der ohne wirkliche Basis aufgepumpt wurde. - Ich bin ja für diesen Sektor sowieso der absolute Schrecken, meine Kiste wird im Juni nächsten Jahres 19 Jahre alt und hustet, dieselt und stottert wie sein Fahrer, aber wir haben uns aneinander gewöhnt und wollen auch miteinander alt werden. - Ach ja, mit meiner Frau will ich das auch…



Montag 01.12.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 13 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 69 % - Luftdruck 1020 hPa

Kleinvieh macht auch Nachricht

Eigentlich sollte man ja froh sein, wenn die Nachrichtenlage auf der Insel gen Null und unwichtig tendiert. - Große Zeiten und große Nachrichten haben meist einen unangenehmen Hintergrund und wenn nichts auf dieser Insel passiert, dann sollten wir eigentlich dankbar sein. - Allerdings ist das auch wieder langweilig und man kann nicht jeden Tag über das Wetter, welches im Übrigen auch langweilig daherkommt, oder über pubertierende Katzen schreiben. - Das geht aber nicht nur mir so, auch die "reelle" Tagespresse muss ganz tief in die Talsohle der Information greifen, so dass die Überschrift der heutigen La Palma Regionalausgabe des Diario de Avisos titelt: Seit gestern übernachtet ein Flugzeug der Binter Canarias auf La Palma. - Ich finde es auch gut, wenn Flugzeuge angenehm schlafen können, liegt mir doch das Wohl aller Apparate sehr am Herzen und man muss schon ein bisschen die Hintergründe kennen, warum der Umstand, des lokalen und spontanen Flugzeugschlafes überhaupt eine Nachricht ergeben kann. - Unsere Inselbehörden verstehen darin vornehmlich eine Aufwertung unseres Flughafens, denn bislang flogen alle Maschinen die hier nach La Palma kamen auch wieder weg, nun bleibt eine bei uns und ist damit auch ein bisschen "unser" Flugzeug. - Spürbare Folgen daraus entstehen auch, allerdings nur im Faktor von etwa 20 Minuten, die man nun morgens eher nach Tenerife fliegen kann, nämlich bereits um 08:10 Uhr und die letzte Verbindung mit der "Mutter aller Inseln" verschiebt sich dann auf 20:50 Uhr, anstatt wie bisher 20:30 Uhr.

Nun kommt aber doch noch ein bisschen Außergewöhnliches in diese Geschichte. - Da La Palma bei westlichen Winden ab und zu nicht anzufliegen ist, böse Scherwinde streichen dann über die Landebahn, kommt es halt immer mal wieder vor, dass man weder nach La Palma fliegen kann und eben auch nicht wegkommt hier, weil eben alles was von La Palma fliegen will, erstmal hier landen muss. - Das wäre nun, zumindest mit der einen Maschinen morgens anders, denn die ist ja bereits den Abend vorher gekommen und starten ist auch bei den Scherwinden kein Problem. - Zumindest kommen dann an die 72 Leute weg aus La Palma, was ich grundsätzlich nicht für eine positive Nachricht halte, aber denkt man an medizinische Notfälle oder dringende Termine unserer Politiker in der großen weiten Welt, dann kann man irgendwie fast schon eine Nachricht daraus schmieden. - Vor Jahren erinnere ich mich übrigens daran, dass auch die Fluggesellschaft "Islas Airways" mal eine Maschine hier auf La Palma übernachten ließ, daraus konnte man dann auch eine Nachricht basteln. - Als Zuckerle kommt aber in diesem Fall noch dazu, dass die Maschine hier auf La Palma auch getauft wurde, also ein nigelnagelneues Flugzeug, welches nun auf den Namen "Azeró" hört oder fliegt. - So nannten die Ureinwohner die Caldera de Taburiente, allerdings kennt man hier meist die Schreibweise "Acero", aber da werde ich mich als nicht Muttersprachler sicher nicht einmischen. - Interessant dabei war allerdings, dass der Bürgermeister von Los Llanos Taufpate dieses Flugzeuges war, umrahmt von weiteren illustren Persönlichkeiten wie dem Inselpräsidenten und dem Ex-Bürgermeister von Los Llanos, der heute Rat für Infrastruktur und Transport im Provinzparlament ist. - Alles gut und schön, Schnittchen und Stößchen mit Sekt und nur ein faltiger Guiri kann dann danach fragen, warum denn gerade der Bürgermeister aus Los Llanos ein Flugzeug auf den Namen einer Landschaft tauft, die voll und ganz in El Paso liegt. - Das wäre so, als würde der Bürgermeister von München eine neue Marionette der Augsburger Puppenkiste taufen. - Aber halt, ich gönne unserer Bürgermeisterin den ruhigen Sonntagabend den sie so hoffentlich verbracht hat und es ist eben doch manchmal äußerst angenehm, unwichtig genug zu sein, oder einfach einer anderen Partei anzugehören.





Familie Ingrid & Mathias Siebold
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La Palma, Islas Canarias, Spanien
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Kanarische Ferienhäuser auf La Palma