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Nachrichtenarchiv Dezember 2006


Sonntag.31.12.06 - 19:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 22 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 54 % Luftdruck 1032 hPa
Höchsttemperatur heute 23,7 Grad - niedrigste Temperatur 14,7 Grad

Die zwölf Glückstrauben

Man kann Sekt oder Cava, wie wir ihn hier nennen gut zum Jahresabschluss trinken, aber vorher müssen noch zwölf Trauen gegessen werden, also der Ursprung dieses netten Saftes, zu jedem Glockenschlag der Kirchturmuhr eine. - Das mit den Wünschen gibt es ja überall, oder aber auch mit den Vorsehungen für das kommende Jahr, ich will nie wieder Schokolade essen, meine Frau immer aussprechen lassen und nicht mehr begehren meines Katers Futterschale. - Lauter solch Blödsinn ruft man in den letzten Minuten des Jahres in den Himmel, aber keiner ist da, der diese Wünsche oder Vorgaben an eine große Pinwand hängt. - Das mit den Trauben mag ich eh lieber und das muss auch so schnell gehen, dass man sich seine Wünsche vorher bereits überlegt hat. - Das mit dem Weltfrieden und der Zusatzsteuer für laute Laubsauger habe ich schon im Abonnement, aber auch mit zehn Wünschen kann man sich noch reichlich Stress machen. - Dieses Jahr habe ich es mir einfach gemacht, für jede Traube wird ein bestimmter Politiker im Mai nicht wieder gewählt, weggegessen so zu sagen und damit vielleicht auch der erste süße Genuss den mir diese Herren bereiten. - Das mache ich aber nur für hier, wenn Sie der Stoiber stört oder gar die adrette K-Frau, dann müssen Sie das selber machen und bitte, verschlucken Sie sich nicht dabei. - Aber böse Wünsche gehen eh nicht in Erfüllung und solche die man vorher ausposaunt auch nicht. - Da kommt mir doch ein Gedanke, oder mehrere, ich wünsche mir ´ne Autobahn, 11 neue Hotels und alle nur mit all inklusive, reichlich Sporthäfen und mindestens 6 Golfplätze, eine Würstchenbude auf dem Roque, gleich neben dem Avon-Shop und jeden Samstag Tupperparty mit angestaubten Residenten. - So geht das, so kann das nie was werden, denn offen geäußerte Wünsche können doch nicht wahr werden.

Fast banal ist dagegen die Historie, wie ist den der Iberer auf die Idee gekommen, sich zwölf Trauben am Jahresende in den Mund zu schieben? Es ist keine hundert Jahre her, genau im Jahr 1909 klagten die Weinbauern der Umgebung aus Alicante über eine riesige Ernte und viel zu wenig Absatz. Aus reinen Werbemaßnahmen verschenkten nun die Winzer die vielen Trauben und erfanden die Geschichte dazu, dass es Glück bringt, wenn jeder im Land zu den zwölf Glockenschlägen sich eine Traube in den Mund steckt. Wie man sieht, funktioniert Werbung nicht erst seit der Zeit des Fernsehens und den Weinbauern von Alicante hat es wirklich Glück gebracht. Inzwischen werden für diesen nationalen Traubenkult extra riesige Flächen bebaut, meist mit der sehr leckeren und haltbaren Aledo-Traube. In manchen Regionen bei Valencia geht man inzwischen dazu über, die Trauben durch Mandarinenschlitze zu ersetzen, -aus dem gleichen Grund der Werbung, dort wächst viel mehr Zitrus als Wein. Wir haben unsere Trauben längst gewaschen, poliert und abgezählt, wobei meine kleine Tochter da immer zum Schummeln neigt, aber die bekommt auch 30 Trauben in nur 12 Kirchturmschlägen in den Rachen geschoben. - Für La Palma Endemisten muss man 12 Löffel des scharfen Mojo von Ramón hinunterstürzen, oder aber 12 Rapaduras kauen. - Internisten und Zahnärzte werden es Ihnen danken.

Für ganz faule oder Menschen mit Angst vor frischem Obst gibt es auch die Konservenvariante. 12 Trauben in der Dose, da muss man noch nicht mal zählen sondern schüttet den Inhalt einfach in sich hinein. - Heute haben das die Kinder im San Martín an der Kasse geschenkt bekommen, wir gehen also mit der Zeit. - Apropos Zeit, ich lasse die Webcam auf Los Llanos gerichtet, man müsste also so ein bisschen vom Feuerwerk zu sehen bekommen. - Und seien Sie uns auch nächstes Jahr wieder gewogen, wir tun doch keinem was…


Jahrewechsel auf La Palma, aber er will doch nur spielen


Glückstrauben


Glückstrauben




Sonntag.31.12.06 - 09:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 15 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 44 % Luftdruck 1032 hPa

UESPOL

Wir lieben Abkürzungen, die um so schwieriger auszusprechen sind, mehr Aufmerksamkeit und damit mehr "her" machen. Da gab es solche schönen Sachen wie die "BRIF", das waren Feuerwehrleute die auch in den Hubschrauber durften und nun werden wir wieder um ein markantes Stück reicher, die UESPOL. - Kenner unter Ihnen werden das "POL" bereits als irgendetwas polizeiliches erkannt haben und genau so ist das auch, es handelt sich dabei um die "Unidad Especial de Seguridad de la Policía Local". - Diese wird in Santa Cruz aus bereits vorhandenen Lokalpolizisten rekrutiert die eine besondere Ausbildung erhalten, welche die Polizisten für besondere Einsätze in Notfällen befähigt. Vorwiegend denkt man da an Brandbekämpfung innerhalb und außerhalb der Städte, aber auch alle anderen größeren und nicht nur lokalen Notfälle sollen von diesen Supercops besser betreut werden als bisher. - Was nicht aus dem netten Artikel hervorgeht, ob diese Polizisten auch nach dem Vorbild der "UNIPOL" als Einheit gegen aufrührerische Menschen vorgehen soll. Diese "UNIPOL" gibt es in Tenerife und hat in diesem Jahr einen Einsatz auf La Palma hinter sich, vorwiegende Aufgabe dieser vermummten Truppe war das Erschrecken harmloser Pennäler auf dem Weg zur Schule.

Man kann aber auch mal was ohne Polemik betrachten und es ist gut, wenn wir besonders gut ausgebildete Polizisten haben, das kann nie schaden. Zwei Besonderheiten machen diese Polizeitruppe dann auch wirklich außergewöhnlich, diese Lokalpolizisten dürfen in ihrer speziellen Eigenschaft dann auch inselweit eingesetzt werden, das war für Lokalpolizisten bislang nicht möglich, diese durften nur in dem für sie ausgesuchten Lokal Dienst tun.. Dann kommt noch ein interessanter Faktor hinzu, das Geld für die Ausbildung und auch die Gerätschaften und Ausrüstung wird von der Provinzregierung bezahlt, es kommt also keine extra Belastung auf die Gemeinden zu. - Im Alltag bleiben die Kräfte der "UESPOL" aber weiterhin ganz normale "Municipales" wie man im Umgangston sagt, die Stadt muss also keine weiteren Polizisten dafür einstellen. - Keine Mehrheit im Inselparlament erhielt die Schaffung der "POLEmE", die Polizei für Emigration meckernder Extranjeros, man fand niemanden der das bezahlen wollte. - Glück gehabt…



Samstag.30.12.06 - 17:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 23 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 44 % Luftdruck 1029 hPa
Höchsttemperatur heute 23,2 Grad - niedrigste Temperatur 14,6 Grad


Jetzt wieder Bea und Achim, Bea hat Aua!


Centro de Salud

Ach, was für ein herrliches Wetter heute !

Genau richtig für ein paar schöne Stunden an der Playa Nueva. Wir packen also unsere Sachen - ich mein Handtuch und Bea ihr Angelzeug - und los geht`s. Am Strand angekommen verschwinde ich in der nächsten Steinburg, um die kommenden Stunden mit Lesen und Schlummern zu verbringen. Bea macht sich derweil auf in Richtung Leuchtturm, um endlich ihren ersten Fisch zu fangen.

Aber der Weg zum ersten Erfolg ist - wie so oft - steinig und hart. Und genau dieser Weg gibt plötzlich unter ihr nach und zerbröselt unter ihren Füßen. Sie rutscht hangabwärts und holt sich dabei etliche, zum Teil üble Schrammen. So zerschunden steht sie dann plötzlich vor mir und aus ist es mit dem geruhsamen Nachmittag.

Zurück in unserer Wohnung stellen wir sehr bald fest, dass mit dem Schnitt in ihrem Daumenballen nicht zu spaßen ist und beschließen, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Wir fragen Ana, wer wohl für uns zuständig ist. Vom Centro de Salud in Todoque rät sie in diesem Fall ab. Wenn ich sie richtig verstehe, ist der Sanitäter dort eher für Hustensaft und Aspirin zuständig. Sie schickt uns zum Centro de Salud nach Los Llanos. Das befindet sich übrigens am unteren Ende der Durchgangsstrasse links gegenüber der Tankstelle.

Als wir dort gegen 13:30h ankommen, überfällt mich eine böse Vorahnung, denn man muss auch hier eine Nummer ziehen - wie beim Fleischer. Gut ist, dass es gar nicht so lange dauert, bis wir dran sind. Schlecht ist, dass sich herausstellt, dass wir an dieser Patientenannahme falsch sind. 30 Minuten verplempert.

Wir müssen eine Treppe runter zur Urgencia, und dort wird unsere Geduld erstmals so richtig auf die Probe gestellt. Erstmal Platz genommen geht es dann aber auch so gar nicht voran. Bea schickt mich freundlicherweise vor die Tür, damit ich die Wartezeit draußen mit ein paar Coronas überbrücken kann.

Bereits nach guten 2 Stunden ist meine Pause beendet. Bea ist fertig. Fix und fertig ! Eine Krankenschwester hat ihre Fleischwunde von Schmutz und Steinchen befreit, indem sie sie mit einer handelsüblichen blauen Nagelbürste kräftig ausgeschrubbt hat (Aua !). Anschließend hat sie die Wunde dann mit 5 Stichen genäht. Nicht schön, aber zu. Dabei hat dann auch noch die örtliche Betäubung nicht richtig gewirkt (nochmal :Aua !!). Ein solcher Fall muss dort einen gewissen Seltenheitswert haben, denn zwei weitere Sanitäter haben die gesamt "OP" sehr interessiert beobachtet.
Bea meint übrigens, dass die Schwester recht ruppig und unfreundlich war. Das will ich ihr gerne glauben. Wer kennt sie nicht, die Sanitätsdrachen dieser Welt, wie sie in sämtlichen Krankenhäusern und Arztpraxen immer wieder vorkommen ?

Ach übrigens, die Behandlung ist ja nicht umsonst. Da wir noch keine spanische Krankenversicherung haben, wollen wir anschließend am Empfangstresen bar bezahlen. Der junge Mann dort zeigt sich etwas verwirrt, stellt uns aber nach einigen Telefonaten eine Rechnung über 62,60€ aus, die wir dann später bei unserer Auslandskrankenversicherung einreichen können. Das Ganze dauert so lange, dass ich schon befürchte, Bea könnte mir umkippen. Gegen 16:30h können wir endlich gehen.

Morgen soll Bea um 17:00h wieder dort vorsprechen. Man will sichergehen, dass sich keine Infektion gebildet hat. Ich werde mir wohl vorsorglich eine Extraration Coronas und eine kleine Brotzeit einpacken.
Vielleicht fahren wir beim nächsten Mal besser zum Centro de Salud nach El Paso oder gleich ins Hospital.

Zum guten Ende: Beim zweiten Besuch geht es doch etwas schneller. Ich hab meine Brotzeit nicht angerührt. Bea soll noch mal zum Fäden ziehen vorbeikommen, aber das schenken wir uns. Bea zieht die Fäden selbst. Das macht sie immer so. Und mittlerweile ist alles recht gut verheilt. Nur werden wir wohl zukünftig niemals eine blaue Nagelbürste besitzen.

…und nicht vergessen: So schön und lieblich diese Insel uns auch immer wieder erscheint, sie hat doch ihre Tücken !




Samstag.30.12.06 - 09:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 15 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 63 % Luftdruck 1029 hPa

Womit haben wir das verdient?

So ein Tag so wunderschön wie heute. Kaiser, Königs und von mir aus auch Papstwetter bis weit ins neue Jahr hinein, man weiß gar nicht mehr auf welchen Berg man zuerst hinaufsteigen soll um runter zu gucken. - In der Tat, für diese Jahreszeit wirkt der Ausdruck Bauknecht fast ein bisschen zu zögerlich, so schnell bekommen meine Kinder und ich die Wäsche gar nicht mehr schmutzig, wie meine Frau diese mit sorgsamer Hand, Pülverchen, Sonne und Wind wieder in duftende Umstände versetzt. - Das Wetter ist halt jedes Jahr anders und wenn man dann noch ein bisschen über den Tellerrand hinausguckt, dann gibt es überall Überraschungen. - Die Hurrikansaison fand nicht statt, wo man doch letztes Jahr bereits zusätzliche Namen herzaubern musste um den bösen Winden eine Bezeichnung zu geben und wo letztes Jahr die Häuser unter der Schneelast zusammenbrachen, grünt das Gras so grünlich grün, dass man in Kitzbühel bald auf Golf setzen wird anstatt auf Hermann Meier.

Der viele Schnee und die vielen Hurrikans letztes Jahr wurden mit dem Klimawandel erklärt, der wenige Schnee und die fehlenden Hurrikans dieses Jahr auch. - Was aber als anfänglicher Widerspruch dasteht ist ein tatsächlicher Beweis für das immer launischere Wetter und der Hang zu extremen Wettersituationen und die kommen halt nicht immer brüllend und Tod bringend daher, aber gar kein Hurrikan und gar kein Schnee sind auch Wetterextreme. - Ich liebe diese außergewöhnlichen Wetter wenn sie sich derart kleiden, kein Wölkchen am Himmel, klare Nächte die schon eine Decke mehr fordern und dann strahlende Tage an denen man gar nicht mehr zurück in die Bude will. Kein Sturm, kein Unwetter, kein Regen in Sicht, alles das wäre durchaus normal bei uns zu dieser Jahreszeit, das Wetter welches wir jetzt haben ist nicht in der "Norm", aber wir nehmen es gnädig hin… Ach, Neuigkeiten aus Bagdad, man kann auch an Verbrechern Verbrechen begehen.



Freitag 29.12.06 - 19:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 20 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 55 % Luftdruck 1027 hPa
Höchsttemperatur heute 22,0 Grad - niedrigste Temperatur 12,6 Grad

Das Wort des Jahres

So etwas soll es doch geben. Wir brauchen dazu keine Kommission oder Sprachwächter, dieses Jahr ist die Wahl so eindeutig und noch dazu können wir diesen Ausdruck als Wort, wie auch Unwort des Jahres gleichermaßen nutzen. - Sostenibilidad, oder das Adjektiv dazu, sostenible sind ganz klar weit vor allen anderen Sprachnutzungen und auf Deutsch heißt das Nachhaltigkeit oder nachhaltig. - Vor ein paar Jahren gab es dieses Wort noch nicht, jedenfalls nicht im Sprachgebrauch unserer politischen Garde, irgendwann muss dieses Wort von irgendwo her eingeschleppt worden sein und selten hat sich ein Immigrant hier so schnell etabliert und sich solch großer Willkommensfreude sicher sein können. - Seit dem ist alles sostenible und alles wird mit sostenibilidad erklärt, was man denn irgendwo hin noch auf der Insel installieren will, am liebsten in der Aufschwungversion desarollo sostenible, also nachhaltige Entwicklung. - Seit dem haben wir nachhaltige Müllabfuhren, nachhaltige Zukunftspläne, aus Golfplätzen erwächst ein nachhaltiges Handicap und Sporthäfen sorgen für nachhaltige Besucherscharen die nachhaltig gut besattelt sind.

Nicht allen ist die Gabe ihre Wörter auch sprechen zu hören, aber jedes Mal wenn dieses Wort in den Gazetten bei uns auftaucht und ein zukunftheischender Politiker oder Investor mit seinen Psalmen losrüttelt, dann schreit dieses arme Wort vor Schmerzen und ich klappe in eine nachhaltige Depression. - Reden schreiben ist leicht geworden bei uns. In einer A4 Seite muss mindestens über achtmal das Wort Nachhaltigkeit vorkommen, dreimal in Verbindung mit Entwicklung und zweimal auch noch in einer Zeile mit Zukunft und sozialer wie kultureller Integrität vorkommen. Dann noch füllende Worthülsen darum bis es quillt und in der Überschrift wird kurz die Autobahn erwähnt, ohne die es keine nachhaltige Entwicklung auf dieser Insel geben kann. Hier zitiere ich mal die moderne Kurzform von Nachhaltigkeit aus wikipedia: "Diese bezeichnet eine Entwicklung, welche den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen." - Da bleibt wenig Raum für Autobahnen und landfressende Spielwiesen für ein Publikum welches eh nicht kommen wird und wie man weitere Großhotels in einem Weltbiosphärenreservat nachhaltisiert, ich komme einfach nicht darauf. - Aber es geht, natürlich nur so lange wie die Worte sich nicht wehren, aber wie gesagt, die wenigsten hören die Worte, viele sehen diese nur und noch weniger Menschen ist die Gabe des Verstehens gegeben. Das passiert oft aus Ignoranz, seltener aus Dummheit, kombiniert man aber diese beiden sehr menschlichen Eigenschaften, dann kann das nachhaltig gefährlich werden.



Freitag 29.12.06 - 08:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 14 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 66 % Luftdruck 1024 hPa
Höchsttemperatur heute 20,0 Grad - niedrigste Temperatur 12,5 Grad

Hier werden Sie ayudiert*

Pizza gibt es unter der Rufnummer 010 nicht, auch keinen Telefonsex. Ansonsten sollte man mit dieser Telefonnummer alles über die Arbeit der Gemeinden und auch dem Inselparlament zu hören bekommen und was der gemeine Bürger davon wissen muss. - Diese Hotline, zum ganz normalen Ortstarif soll die Informationsstelle Nummer eins werden und von Garafía bis Fuencaliente gleichsam die Einwohner aufklären, wenn diese Fragen an die öffentlichen Institutionen haben. - Wann kommt die Müllabfuhr, wo findet das Konzert von Iglo Langnesias statt und bei uns um die Ecke ist die Glühbirne einer Straßenlaterne defekt und sollte besser ausgewechselt werden. - Wunderbare Zustände stehen uns ins Haus, wir befinden uns am Ende der Durchsage: Wir sind dafür nicht zuständig, da müssen Sie dort und dort anrufen. - So zumindest lauten die Anforderungen an das Bürgertelefon und 10 "Operadores" hat man extra dazu eingestellt um dem Bürger die Wünsche von der Hörmuschel abzulesen. Diesen Dienst gibt es wochentags von 08:00 - 20:00 Uhr und am Samstag von 09:00 - 14:00 Uhr.

Man kann natürlich auch weiterhin die bekannten Rufnummern verwenden wenn man sich direkt an die lokalen Stellen wenden will und darf auch das Rathaus direkt besuchen wenn man ein Anliegen vortragen will. - Wenn das Bürgertelefon aber richtig funktioniert, dann können sich viele Menschen Zeit und Suche ersparen, immer die Kompetenz derer vorausgesetzt, die da am anderen Ende der Strippe die Auskunft geben sollen. Da liegt meine Befürchtung, so einfach ist das gar nicht über alle 14 Rathäuser und deren Befindlichkeiten Bescheid zu wissen und dann auch noch über unergründliche Hallen unserer Inselregierung. Denn eines ist klar, wenn der Bürger eine Information haben will, dass kann er diese nur dann erhalten, wenn der Angerufene über diese verfügt. Wir werden das Telefon also mal testen, nicht gleich heute, das wäre unfair, denn heute ist der erste Tag. Aber so Anfang 2007 kann man ja mal die 010 zu den Öffnungszeiten des Bananenmuseums befragen, oder wann die Fähre von Tazacorte nach San Borondón fährt. - * aus dem Speutschen = geholfen.



Donnerstag 28.12.06 - 19:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 19 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 62 % Luftdruck 1022 hPa
Höchsttemperatur heute 20,0 Grad - niedrigste Temperatur 12,5 Grad

Dezember, Dezember!

April, April wäre das in Deutschland, denn was im nebelgrauen Alemania der 1. April ist, das ist hier in Spanien und ich glaube in vielen weiteren katholisch geprägten Ländern der 28. Dezember. Dieser Tag heißt auch "Día de los (Santos) Inocentes" und wird hier genau so benutzt um Leute in den Dezember zu schicken wie man das in Deutschland am 1. April macht. - Es ist vielleicht nicht so verbreitet, aber zumindest die großen Zeitungen machen da immer wunderbar mit und "Diario de Avisos" hat da heute den Vogel abgeschossen. - Ein halb vergammeltes Wikingerschiff hat man an der Playa de Las Teresitas entdeckt, Wissenschaftler der Universität La Laguna haben das unter ein paar Brocken Felsen ausgemacht und sofort mit den Analysen begonnen. - Wie alt das Schiff ist, das kann man noch nicht genau sagen, aber auf jeden Fall muss die Geschichte umgeschrieben werden, denn bislang haben sich alle Wissenschaftler darauf geeinigt, dass die Ureinwohner der Kanaren Nordafrikaner waren, besser Berberstämme aus dem heutigen Libyen. - Mit dem Fund des Wikingerschiffes erhält nun eine alte These wieder Fundament, welche die Ureinwohner der Kanaren als hellhäutige Hünen bezeichneten und damit auch Thor Heyerdahl wieder mächtig ins Spiel bringen, der den Wikingern ja die Besiedlung so ziemlich der halben Welt nachgesagt hat.

Meine Begeisterung für diesen Dezemberscherz muss ich aber vielleicht noch ein bisschen erklären. - Die Playa de Las Teresitas ist seit Monaten als "Caso (Fall) Teresitas" in der Politik, Justiz und Presse auf dem täglichen Informationsmenü, dort sollen hohe Herren, wie der Bürgermeister von Santa Cruz de Tenerife und auch der Chef der Hafenbehörden reichlich Schmu betrieben haben beim Ankauf von Grundstücken. Nun hat sogar einer obersten spanischen Richter der Audiencia Nacional, Baltasar Garzón die Ermittlungen gegen den Bürgermeister und einige andere Bürdenträger der Stadt eröffnet, was zu einem Skandal sondergleichen hochgejubelt wurde. - (Baltasar Garzón müsste Ihnen vielleicht bekannt sein mit der Akte Pinochet, der sich nach der Anklage des spanischen Richters in England verkriechen musste) - Der Bürgermeister der Hauptstadt Tenerifes Miguel Zerolo gehört der Partei Coalición Canaria an und nun bastelt man aus den Ermittlungen gegen ihn und weitere Parteimitglieder eine Verschwörung von Seiten der in Madrid regierenden Sozialisten, weil der jetzige Justizminister in Madrid auch zukünftiger Kandidat für das Amt des Präsidenten der Kanarischen Inseln ist. - Wäre das mit dem Schiff wahr, dann würde das bedeuten, dass der Strand von Las Teresitas ein Ort historischen Interesses wäre und so nicht ganz in die immobiliaren Pläne der Grundstücksflüsterer passen würde. Es kommen noch ein paar weitere kleine Schmutzitäten in dem Text, welcher auf Seite eins als heutiger Aufmacher prangt und wieder mit Seitenhieben auf unsere honorige politische Klasse. Etwa so, nun wäre man stolzer auf die ursprüngliche Herkunft, man ist nicht so ganz zufrieden mit nordafrikanischen Berbern als Ureinwohner die man ausgerottet hat, so ein paar baumlange Wikinger könnte man als Aborigines deutlich besser touristisch vermarkten. - Ein gelungener Dezemberscherz und ein Chapeau, (ich glaube der erste) für Diario de Avisos.



Donnerstag 28.12.06 - 07:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 15 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 50 % Luftdruck 1023 hPa

Letzte Chance auf Regen in diesem Jahr

Wenn nicht heute, wann dann? Noch ist eine Spur Westwind vorhanden und ein Tiefdruckband zieht seinen unaufhaltsamen Weg von West nach Ost und könnte uns, ganz am Rand noch streifen. Allerdings ist die Tendenz des Tiefs immer weiter auf Nord gewandert, Schuld ist wieder mal ein fettes Hoch welches sich südlich des Tiefs befindet und nun das Regenband immer weiter von uns weg treibt. - Für ein Azorenhoch ist es eigentlich am falschen Platz, viel zu weit südlich, aber wir nehmen gerne alles was Hochdruck ist, außer es kommt vom afrikanischen Kontinent. - Also für heute noch mal Schlechtwäschealarm, aber im Konjunktiv, dann Bauknecht bis ins neue Jahr hinein und wieder mit steigenden Temperaturen. Dieses Jahr können die 12 Trauben also ohne Angoraunterwäsche und Regenschirm auf der Plaza von Los Llanos vertilgt werden, oft hat es genau am Silvestertag geregnet und so den ganzen Cava und Vino arg verwässert. - Weil aber die Damen an Silvester immer das kleine Schwarze tragen wollen kann man dieses Jahr auch darauf hoffen, dass die Urologen nicht wieder Sonderschichten Anfang des kommenden Jahres fahren müssen.

Nun folgt also einem sehr regenarmen November auch noch ein Dezember der kaum Niederschlag gebracht hat und langsam beginnt man die Auswirkungen auf die Natur zu sehen. Vieles was bereits blühen sollte zeigt sich noch nicht und die Mandeln machen schon ganz auf Frühling und werden wohl ihre Blüte so früh wie ganz selten abhalten. Aber wir sind noch davon entfernt Wasserknappheit vermelden zu müssen, das ausgeklügelte Bewässerungssystem sorgt dafür dass noch keine Reserven angegangen werden müssen, nur ein paar alte Leute fangen an sich am Bart zu kratzen. - Das war früher ein Alarmsignal, aber selbst beim Wetter fragt heute niemand mehr die alten Haudegen mit der Guataca in der Hand, die Wetterdienste sind derart gut geworden in den letzten Jahren, dass sich niemand mehr an juckende Kriegsnarben für die Aussaat der Kartoffeln hält, sondern den Sohn fragt, wie denn das Wetter im Internet wird. - Spannend ist immer die Beobachtung der rivalisierenden Wetterdienste, allen voran das nationale Wetteramt und dann noch das Global Forecast System, von vielen immer fast verachtend die "Amerikaner" genannt. Vor ein paar Tagen noch glaubte das "GFS", das Tiefdruckband würde uns voll erwischen und jeden weiteren Tag verringerte sich die angenommene Regenmenge und wenn man nun guckt, dann sind es nur noch drei Tropfen. - Bei den "Spaniern" also dem "INM" war es fast umgekehrt, die waren zuerst trocken hinter den Ohren und nun meldet man von heute an bis morgen Früh eine deutlich höhere Regenwahrscheinlichkeit für La Palma als der große Bruder auf der drübscheren Seite des Atlantiks. - Wir werden sehen…



Mittwoch 27.12.06 - 18:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 19 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 66 % Luftdruck 1021 hPa
Höchsttemperatur heute 21,4 Grad - niedrigste Temperatur 12,4 Grad

Der Herr der Pizza

An manche Dinge gewöhnen wir uns nie. - Vor etwa 15 Jahre hat in El Paso die "Churrería" aufgemacht, eine ganz normale Bar/Kneipe mit Tapas zum Futtern und eben auch diesen, in schwimmenden Fett gebackenen Teigstreifen die man meist mit Zucker isst und dicken, sämigen Kakao dazu trinkt. - Diese Bar hieß Bar Yanes, wurde aber immer die Churrería genannt, weil Bars und den Namen Yanes gibt es häufig in El Paso und so konnte man sich auch nicht vertun, denn Churros gab es nur dort. - Pächter wechseln und mal kommt einer der sich länger hält, mal schmeißt einer früher hin oder muss aus anderen Gründen diesen Beruf an den Kochlöffel hängen. Der Name blieb aber immer gleich, auch wenn es danach nie wieder Churros in der Churrería gab weil man kaum Geld damit verdienen kann und das ganze Lokal immer nach dem heißen Fett riecht oder aber den großen Ventilator anschaltet und aufpassen muss, dass einem dann das Bier nicht vom Tisch fliegt. Nun hat die Churrería wieder einen neuen Pächter und hat auch wieder Churros, es wird Zeit, dass man das weiter erzählt. Die vorhergehenden Pächter hatten ganz auf Pizza gesetzt und die war auch wirklich lecker, trotzdem sagte man weiter, ich geh in die Churrería und hole Pizza. Nun hat aber der neue Pächter dem Lokal einen offiziellen Namen gegeben, "Mi Pueblo", was man mit "meinem Ort", aber auch mit "meinen Leuten" übersetzen kann. - Jetzt kommt eine kleine Wette: Wetten, dass trotzdem niemand diesen Namen je benutzen wird, sondern eher sagt: Ich geh in die Churrería in der es keine Churros gab, jetzt aber wieder gibt und die trotzdem Pizza machen. - Als würde sich das ausschließen, wer Pizza backt, der kann keine Churros machen.

Namen sind bei uns eh Schall und Rauch, alle heißen Miguel, Jorge, Franzisco und wenn man wissen will über wen man spricht, dann kommen solche Bezeichnungen wie, "der Franzisco, der einen roten Pickup hat und seine Frau im San Martín an der Kasse steht". Das grenzt schon mal ein bisschen ein (es stehen viele Frauen an der Kasse im San Martín und einige der Männer heißen Franzisco) aber wenn dann noch von den Prostatabeschwerden des besagten Franzisko berichtet wird, weiß man endlich von wem man spricht. - Nun wird es aber noch komplizierter. Es gibt in der Churrería in der es Churros und Pizza gibt und eigentlich "Mi Pueblo" heißt sogar 2 verschiedene Arten Pizza. Die eine, kleine Placeboversion gibt es den ganzen Tag über, dann ist sogar der Chef Fermín in der Lage eine Pizza zu servieren, denn die sind vorbereitet und werden nur aus dem Tiefkühler gezogen. - Gegen 19:00 Uhr kommt dann aber die Köchin und dann kann man richtige Pizza ordern, so wie man sich das vorstellt und dann ist alles wieder gut. - Das nur als Hinweis an eine einzelne Dame in Tacande, auf den richtigen Zeitpunkt kommt es an! - Für uns ist das eine vitale Geschichte, mindestens einmal in der Woche gibt es einen Fernsehfamilienpizzaabend, an dem sämtliche Erziehungsvorgaben einen Film lang aufgehoben sind, da wird dann Pizza großflächig im Bett verteilt und Paul prüft die Tauglichkeit dieses internationalen Fladens. - Die Churreria in der es wieder Churros gibt und auch Pizza wird als tauglich eingestuft, aber kommen sie ab 19:00 Uhr, nicht weil die Pizza vom Chef so viel schlechter wäre, aber so kann man ihn am besten ärgern.


Paule Pizzaprüfer



Mittwoch 27.12.06 - 09:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 15 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 47 % Luftdruck 1023 hPa

Es ist viel zu viel Geld da

Ich mach mich jetzt mal ganz dumm. Von den 120 Millionen welche wir durch die Autobahn sparen können, kommen jetzt noch mal 70 Millionen hinzu, die wir auf die hohe Kante legen wenn man den geplanten Ausbau des Hafens von Tazacorte einfach sein lässt, es werden auch dann keine Schiffe kommen wenn die Mole 400 Meter lang ist. - Insgesamt haben wir dann 190 Millionen Euro welche wir wie folgt ausgeben: Ein Notfallzentrum in Los Llanos mit stationären Betten, welches einen Weitertransport aller medizinischen Notfälle ins Inselkrankenhaus unnötig macht. - Ein geothermisches Kraftwerk welches die Hälfte unserer Energielast trägt und eine Subventionierung hauseigener Photovoltaik und thermischen Solaranlagen, so lange bis wir unseren Strom aus eigenen Ressourcen gewinnen. Eine Einrichtung einer Forschungsanstalt welche sich um die mögliche Herstellung von Wasserstoff bemüht und später in den Fahrzeugpark La Palmas umsetzt. Darüber hinaus will ich noch ein Toilettenhäuschen am Hafen von Tazacorte und einen Parkplatz in Los Llanos. - Könnte hinkommen, wenn das Geld nicht reicht, dann schicken wir jemand nach Brüssel, holen uns noch mal 190 Millionen oder verzichten auf das Toilettenhäuschen in Tazacorte.

Ich hab doch gesagt, ich mach mich ganz dumm. - Wobei so manches doch ganz nett wäre, besonders auf dieser grünen Insel ein völlig neues Energiekonzept zu starten, da könnte man sogar eine bombastische Werbung daraus machen, wir heißen nicht nur grün, sondern sind sogar grün und lächeln bei jeder neuen Ölpreiserhöhung. - Es ist interessant zuzusehen, wie viel Geld für manche Projekte da ist, auch von der öffentlichen Seite. - Autobahn und der Ausbau des Hafens von Tazacorte, das ist schlicht weg völliger Blödsinn, weil keiner auf La Palma einen zweiten Hafen braucht, der würde nur Sinn machen wenn es die Autobahn gäbe, dann könnte man schneller von einem Hafen zum anderen fahren um dann das Schiff zu nehme um wieder zum anderen Hafen zu kommen. - So dumm kann man sich doch gar nicht machen und gerade deshalb muss es andere Interessen geben, und das nicht nur hier auf La Palma, welche solche Makroprojekte in die Generation des knappen Erdöls und der unabdingbaren ökologischen Orientierung hineinsetzt. - Ebenso ist privat derart viel Geld unterwegs, dass man die Mittelmeerküste mit Appartements zubauen kann und hier auf La Palma Investoren bereits richtig an "Gelddruck" leiden und endlich die behördlichen Genehmigungen haben wollen um sich zu "erleichtern". Da gehören die Golfplätze hinzu, die Yachthäfen die 11 weiteren Hotels und weil das alles kein Mensch je brauchen wird muss man sich fragen warum es trotzdem gemacht werden soll. - Aber ich bin ja dumm und überlasse die Antwort gerne Anderen.



Dienstag 26.12.06 - 17:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 22 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 45 % Luftdruck 1021 hPa
Höchsttemperatur heute 22,8 Grad - niedrigste Temperatur 12,1 Grad

Medizin per Mausklick

La Palma ist, zumindest spanienweit, Vorreiter der verkabelten Medizin. - Geht alles gut, dann kann jeder Arzt in jedem Gesundheitszentrum und auch im Inselkrankenhaus auf die Daten jedes einzelnen Patienten sofort zurückgreifen. - Das ist eine enorme Zeitersparnis und wie oft mussten alte Vorgänge und Untersuchungen von hier nach dort geschickt werden, natürlich vorher beantragt und wenn dann noch alte Befunde aufzufinden waren, dann konnte es gut sein, dass der Patient inzwischen tot war, oder auch überraschend plötzlich geheilt. - Wenn alles gut geht, so steht es noch vorne an, denn jeder Datenspeicher weiß nur so viel wie man ihn wissen lässt und dann gibt es noch einen grausamen Gegner aller Sammler von Daten: Gibt man auch nur eine falsche Nummer oder Buchstaben ein, dann schwirren da Ergebnisse von Blutuntersuchungen genauso hilflos und nicht mehr auffindbar im Datenmeer wie eine Flaschenpost vor San Borondón. Ich spreche aus Erfahrung, ein Untersuchungsergebnis meiner langweiligen Krankengeschichte hat auch der Datengrinch gefressen, wir vermuten einfach mal dass es irgendwo auf dem Weg aus dem Krankenhaus in den Zentralrechner auf Tenerife aus dem Glasfaserkabel gerutscht ist und von einer Muräne verspeist wurde. - Hoffentlich geht es dem armen Fisch noch gut…

Aber meistens klappt es hervorragend und manch ein Patient ist erstaunt wie viel mehr der Arzt über einen weiß, den man vorher noch nie gesehen hat. als man selbst. - Da ist man immer noch sehr konservativ, man muss schon fragen "was" man denn hat und auch nach der Übersetzung vom Ärztelatein ins Spanische fragen. Tut man das aber betont aufmerksam und freundlich sowie gleichsam bittend aber beharrlich, wie es überall auf La Palma angebracht ist, dann erfährt man das auch. - Manch einer hätte lieber nie gefragt, aber das ist wohl überall so. - Nun kommt der nächste Schritt, auch die Medikamente sollen nun auf einem virtuellen Rezept verabreicht werden, der Apotheker weiß also schon vor dem Patienten was dieser verschrieben bekommt, es sei denn man fragt - betont aufmerksam und freundlich sowie gleichsam bittend aber beharrlich - was denn da zukünftig zu schlucken sei. - Der Patient geht dann, ohne Rezept in die Apotheke und erhält sein Medikament, Papier will man dabei überflüssig machen, aber vorher drehen die Daten noch eine Runde durch den Zentralrechner und durchlaufen auch gleich die Rechnungsabteilung. - Im Idealfall kann man so eine ganze Menge Verwaltungsaufwand sparen und für den Apotheker wird die Disposition einfacher, er weiß bereits was er bereithalten muss, noch bevor Pepe seine Kürbistropfen holt. - Weiterer Vorteil soll sein, man muss nicht jedes Mal wieder zum Arzt um ein Rezept zu erneuern, so lange der Arzt ein Dauerrezept nicht zurückzieht oder auf ein anderes Medikament wechselt, kann der Patient ohne Arztbesuch weiter seine Tröpfchen abholen. Das wiederum soll jede Menge Zeit bei den Ärzten locker machen, etwa 20% der Arztbesuche dienen lediglich der Erneuerung eines Rezeptes. - Das sind die Vorteile und was man alles daraus machen kann, zum Beispiel in Sachen Missbrauch und Datenschutz, das will man im Feldversuch nun testen. - Dabei hat sich El Paso wohl ganz gut geduckt, Puntallana ist als Versuchsort auserkoren worden, die sollen nun per "receta electrónica" ihre Placebos bekommen. - Wie immer bei aller Technik, wenn diese funktioniert und wenn die, die damit zu tun haben alles richtig machen, dann funzt es, wenn nicht, dann wird man sich aus Puntallana schon melden.



Dienstag 26.12.06 - 07:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 14 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 55 % Luftdruck 1020 hPa

Nur ein Schiff hat gefehlt

Das Wetter hat sicher auch seinen Teil dazu beigetragen, dass das 11. weihnachtliche Großseglertreffen im Hafen von Santa Cruz wieder ein voller Erfolg war. Immerhin haben uns sieben große Segelschiffe besucht, es waren auch schon mal mehr, aber auch schon mal weniger. Letztes Jahr waren es nur ganze drei Schiffe am ersten Weihnachtsfeiertag und der Regen trug sein Übriges zur lauen Stimmung bei. Dieses Jahr kamen mit der strahlenden Sonne sieben und nur die Alexander von Humboldt fehlte, obwohl auch sie angekündigt war. Dieses Schiff mit den grünen Segeln ist immer ein besonderer Blickfang, aber vielleicht ist denen unterwegs das Bier ausgegangen und man musste erst neu bunkern. Die anderen Segler sind zum Teil fast bereits Inventar dieses Treffens, so kann man auf die Briten zählen, kein Weihnachten ohne die "Lord Nelson" auf La Palma. Ein dreifaches hipp hipp hurra and God shave the queen.

Auch die Roald Amundsen und die Stavros Niarchos waren wieder mit von der Partie, dazu noch die Schiffe Catherina y Tecla und die unter Schweizer Flagge fahrenden Salomón y Ruach. - Man konnte die Schiffe wie immer auch zu bestimmten Uhrzeiten betreten, ein Teil der Besatzungen war an Bord geblieben um den Interessierten das Kielholen zu erklären, die anderen waren mit Bussen zu einer Inselfahrt aufgebrochen. - Am Kai selber war die Musik los und mit dem guten Wetter kamen die Rhythmen auch besser an als im vergangenen Jahr, der Hafen von Santa Cruz erlebte ein Volksfest den ganzen Tag lang. Buden mit Spezialitäten aus mehr Ländern die Schiffe zu uns entsandt hatten sowie Trödel und die neuesten Kunsthandwerksprodukte aus Thailand und China. Sie wissen schon, diese immer blinkenden und quäkenden Staubfänger die man sich nur an strahlenden Sonnentagen kauft. - Kontraste machen den Blick schärfer und vielleicht kann man so besser das Fernweh genießen, wenn man auf den leicht schwankenden Planken so eines Schiffes steht, wenn man sich auf dem Weg dahin durch ein beschwingtes und lautes Volksfest drängen muss. - Natürlich lohnt es sich da hin zu fahren, alle Jahre wieder und es ist schön, dass auch wieder mehr Segelschiffe gekommen sind, die letzten beiden Jahre drohte ein krasses Ungleichgewicht zwischen dem Rummel und dem eigentlichen Hintergrund dieser Veranstaltung, den so unendlich weit und frei riechenden Schiffen unter den großen Segeln.


Großseglertreffen auf La Palma


Großseglertreffen auf La Palma


Großseglertreffen auf La Palma


Großseglertreffen auf La Palma

Photos von Bernd Sachsse



Montag 25.12.06 - 18:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 20 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 50 % Luftdruck 1021 hPa
Höchsttemperatur heute 21,0 Grad - niedrigste Temperatur 10,6 Grad

Wie kann es weiter gehen?

Jaime Sicilia, unser Rat für Tourismus schmeißt hin, er wird nicht mehr für dieses Amt zur Verfügung stehen, selbst wenn seine Coalición Canaria wieder die Inselregierung bilden sollte oder zumindest daran beteiligt ist. - Ein verständlicher Schritt, es gibt keine Lorbeeren zu verteilen für seine 4 Jahre im Amt, gnadenlos oder vielleicht besser nicht wissend hat er den von seinem Vorgänger, Juan de la Barreda eingeschlagenen Kurs weiter verfolgt. Das sind nun schon 8 verlorene Jahre für La Palma, in denen man sehr gut ein Image, eine Marke oder zumindest ein Bild hätte schaffen können, welches unsere Vorzüge aber auch Möglichkeiten nach außen hin deutlich zeigt. - Leider ist genau das Gegenteil geschehen, unter der unsinnigen wie falschen Parole einer "calidad turística" hat man auf Beton gesetzt und sich versucht dem internationalen Standard anzupassen. - Weiter diesem Dilemma folgend, was für mich nichts anderes als Gleichschaltung bedeutet, stehen nun Yachthäfen, Golfplätze und insgesamt 11 weitere Hotels auf der Zukunftsspur La Palmas, die allesamt das Wesen und die Magie dieser Insel nicht im Geringsten berücksichtigen. - Noch weniger die Einwohner selbst, die stören eher im Verteilen des Kuchens an Shareholder, weil störrisch, eigensinnig und derart in ihre Insel verliebt, dass ihnen kein Jubelschrei über die Lippen kommt wenn sich wieder mal ein Gott auftut mit seinen Versprechungen von blühenden Landschaften.

Vielleicht liegt es daran, dass bei uns eh immer was blüht, eher ist es aber die angeborene Skepsis gegenüber Neuem und Dingen die von weit her kommen. - Da sind, witzigerweise Madrid und Barcelona noch weiter weg als Südamerika und Brüssel nimmt so eine Art Gummistellung ein, im Moment ist es wieder ganz nah, weil man unsere Hilfen für die Bananen wieder mal verlängert hat. - Das ist gut so und extrem wichtig, haben wir doch wieder ein bisschen Luft bekommen, unsere Situation erneut zu betrachten. - Der Tourismus ist längst Teil des Inseleinkommens, es ist falsch wenn man behauptet man müsste das erst ausbauen, nur gibt es keine Statistiken welche schlagkräftige Zahlen hergeben, was der Individualtourismus auf La Palma für Einkommen generiert. - Und genau da liegt unsere Lücke in die wir stoßen können, weil wir dazu verdammt sind anders zu sein als die anderen zu sein. Einen Konkurrenzkampf mit den Kanaren allgemein oder gar den neuen Billigzentren die in Nordafrika erstellt werden, halten wir nicht durch. - Oder man macht auf billig, aber dann richtig und sucht dann auch das Personal aus Ländern in denen man für 2 Euro die Stunde arbeitet. - Kein Sieboldlatein sondern Alltag auf Fuerteventura und zunehmend auch auf Gran Canaria und Tenerife.

Die Flugpreise werden in den kommenden Jahren steigen und die Margen auf Kosten der Regionen kleiner werden. Wenn da noch billig verreist werden soll, dann nur im Pauschalarrangement in dem Reiseveranstalter und Carrier und Anbieter vor Ort in einer Hand sind, dann kommt hinten wieder eine Rendite heraus, aber nur noch für den Konzern. Individualreisen werden sich stark verteuern und wer das bezahlen will und kann, der hat noch mehr Anspruch darauf, das von ihm angestrebte Reiseziel auch tatsächlich vorzufinden. Eine Mischpampe, wie sie auch bereits bei uns angeboten wird, All inklusive im Weltbiosphärenreservat und nun auch noch Golf, Wellness und Jetset - Häfen, machen aus unserer Insel einen austauschbaren Spielball internationaler touristischer Interessen. Wir sollten ganz genau überlegen wo wir hin wollen, weil einfach so weiter gewurstelt, ein bisschen hier und ein bisschen da, beraubt uns unserer Individualität und damit auf Dauer auch der vielen Stammgäste die La Palma aus einem Grund besuchen, weil wir anders und etwas rauer und ursprünglicher sind. - Ich habe das nicht nur einmal gehört: "Wie blöd seid ihr eigentlich, mit Autobahn und großen Hotels, dann braucht euch doch keiner mehr und wir gehen auf die Kapverden oder nach Sansibar, weil ihr bald keine Alternative mehr seid."

Es gibt nicht nur Qualitätstourismus, sondern auch Qualitätstouristen und für eine Ferienregion ist es besser, der Gast wartet auf ein Bett, als dass das Bett auf einen Gast warten muss. So kann man vielleicht mal anfangen und dann auch mit den Reiseveranstaltern zusammenarbeiten und denen die Arbeit abnehmen, die hier auf La Palma dann verstreut in kleinen Häuschen wohnenden Gäste zu betreuen. - Das geht, auch die Veranstalter suchen immer Alternativen und vielleicht sollten wir uns von vorne herein damit abfinden nicht jeden Wunsch erfüllen zu können und mit deutlich weniger Gästen zufrieden zu sein. Denen aber glaubhaft das bieten was sie von uns erwarten und keinen Sangría aus Kübeln und abends philippinische Tänzer die auf Hawaii machen, so wie das in manchen Hotels auch hier der Fall ist. - Bislang war eine unserer größten Stärken, uns unseren Gästen nicht anbiedern zu müssen und wenn dann, ehrlich lächelnd auf die Leute zugehen zu können. - Manchmal falsch verstanden als Distanz, aber nicht alle Menschen sind so unaufmerksam ein geschäftsmäßiges Lächeln nicht von einem echten unterscheiden zu wollen. - Da sollten wir anpacken und uns so zeigen wie wir sind, ohne Scham auch unsere Fehler zuzugeben und wer uns so akzeptiert, der kann mittendrin sein und hier wirklich mit den Menschen leben, auch wenn nur auf Zeit, aber das ist eine echte Marktlücke. - Ich neige meist zur Ehrlichkeit, ich weine Jaime Sicilia als Tourismusrat keine Träne nach, auch wenn er ein netter Mensch ist und er es nach den Vorgaben Juan de la Barredas kaum anders machen konnte, aber ich würde es nie wagen so einen Job zu verrichten, wenn ich keine Ahnung davon habe. Es ehrt ihn als Mensch, dass er das begriffen hat.



Montag 25.12.06 - 09:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 14 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 67 % Luftdruck 1021 hPa
Höchsttemperatur heute 22,6 Grad - niedrigste Temperatur 12,9 Grad

Mojo und Konsorten sollen wieder ins Handgepäck

Die stark verschärften Auflagen für das Handgepäck haben viele Geschäfte in den Flughäfen fast um die Existenz gebracht. Seit dem Wein, Mojo, Honig, Käse und andere Spezialitäten in den Koffer müssen, ist der Umsatz stark zurück gegangen. Viele Reisende vertrauten darauf sich mit den landestypischen Produkten noch am Flughafen eindecken zu können, nun muss man ein bisschen planen und viele schrecken davor zurück, irgendwelche Glasbehälter in den Koffer zu packen. - Wer roten Mojo und seine Färbungsqualitäten kennt, der muss das gute Stück wirklich hermetisch von der Wäsche trennen. - Das nationale Flugsicherheitskomitee hat angekündigt für bestimmte Produkte, die nur am Urlaubsort erhältlich sind, Ausnahmen einzuführen. Für Wein gibt es aber weiterhin wohl kein Pardon, den gibt es auch anderswo zu kaufen, wobei das natürlich die regionalen Winzer sehr ärgert, denn ihren Wein gibt es nur in der Urlaubsregion zu kaufen, der wird meist nicht exportiert.

Konkret werden Mojo genannt, Bienmesabe, Käse, Quesillo und die Balearen halten auch eine Spezialität bereit die bald wieder in die Kabine dürfen soll: Sobresada. Bei dieser Streichwurst, die entfernt an Teewurst erinnert kam es wohl bereits öfter zu Sprengstoffalarm, die schmeckt zwar gut, aber wie die aussieht und riecht, würde man zuerst auf alles andere tippen, aber nicht auf eine Wurst. - Noch ist nichts unterschrieben und so manch ein lokaler Produzent will sicher seine Spezialität auch noch auf die Liste bringen, man wird also noch ein bisschen diskutieren, bis man der für die Sicherheit auf den Flughäfen zuständigen "Aena" (Aeropuertos Nacionales) dann erklären kann, was ins Flugzeug darf uns was in die Tonne kommt. - Um auf jedem Fall all diesen Fragwürdigkeiten aus dem Weg zu gehen, darf ich, darf ich nicht, es gibt gute Verfahren auch Dinge in Glasbehältern so zu verpacken, dass selbst ein Weitwurf erfahrener Transportarbeiter auf dem Flughafen keinen Schaden anrichten kann.



Sonntag 24.12.06 - 18:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 17 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 62 % Luftdruck 1022 hPa
Höchsttemperatur heute 20,2 Grad - niedrigste Temperatur 13,2 Grad

Schreibfaul

Die Tanne ruft und die Familie, da darf ich nicht so lange an der Kiste sitzen. Ein paar Photos noch und dann ist Bescherung.


La Palma Weihnachtspaul


La Palma Weihnachtspaul


La Palma Weihnachtspaul


La Palma Weihnachtspaul


La Palma Weihnachtspaul


La Palma Weihnachtspaul



Sonntag 24.12.06 - 09:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 15 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 68 % Luftdruck 1025 hPa

Unsere koreanische Südmanntanne nadelt

Ich dachte auch nicht, dass künstliche Weihnachtsbäume nadeln können, aber was da wie grüner Schnee vom Bäumchen fällt, das kann man von weitem direkt als Tannennadeln betrachten. - Gute zehn Jahre hat dieses Stück aus umweltfreundlichen Polychristmasin nun bereits auf dem Buckel, oder auf den biegsamen Ästen. Die ersten Jahre waren wir ja noch so ignorant und wollten wegen der wichtigen Stimmung immer ein paar Zweige ankokeln, aber es roch so ganz anders als das was man so aus den früheren Jahren, lange vor der Jahrtausendwende kannte. Inzwischen sind wir erfahren genug uns den Schuss weihnachtlichen Geruches eher aus Duftkerzen zu holen. Da gibt es "Norwegische Fischerweihnacht" (verbrannter Tran an Kabelschlau) oder auch, was mir besonders gut gefällt, "Niederbayrischer Christkindlmarkt" (Gyrosgammelfleisch in Glühschwein) und auch die intellektuelle Variante für frierende Künstler mit Pickeln auf der Stirn, "Und ewig ruft der Zauberberg" (feinste Tuberkel in echtem Hornissenwachs). - Mein Gott, wie komme ich da jetzt wieder raus, wir sind doch nicht die Addams Family.

Nun der beschauliche Teil der Nachricht am heiligen Morgen. - Unsere Plastiktanne ist uns wirklich bereits an Herz gewachsen, man kennt sich inzwischen und weiß die kleinen Aussetzer fast schon als schrulliges "Must", die koreanische Südmanntanne kriegt halt nicht mehr alle Äste hoch und wir müssen regelmäßig mit Draht nachhelfen. Das ist besonders schlimm geworden seit dem Paul regelmäßig auf dem geschundenen Bäumchen herumklettert und den armen Weihnachtsmännern aus Schokolade ganz unchristlich den Kopf abbeißt, so wie er es von den Mäusen her gelernt hat. - Nun darf sich der atheistische Zausel nur noch unter Bewachung dem Baum nähern, wir werden ihm schon noch beibringen was ein ernsthaftes und beschauliches Weihnachtsfest für Regeln mit sich bringt. - Es hat sich aber alles ein bisschen gelockert bei und, seit dem ich nicht mehr glaube der Weihnachtsmann zu sein, weil ich die Geschenke bezahlen muss, ist der Umgang mit mir an diesem Tag wohl einfacher geworden. Schön ist ja auch, dass wir inzwischen keine Barbies mehr verschenken müssen, sondern eher anspruchsvolle Technik, die nun die Eltern kaputt machen und nicht mehr die Kinder. - Man verrät ja nicht, was wir unter die koreanische Südmanntanne legen werden, aber wir können ja verraten welche Wünsche nicht in Erfüllung gehen werden. Rosa wird kein rosarotes Pferd bekommen, Lila keinen Bauernhof auf Hiddensee, ich werde weiter Toyota Traktor fahren, der BMW ist gestrichen und Ingrid muss weiter mit mir in die Abuela gehen, Johnny Depp hat keine Zeit. - Nur Paul, der bekommt alles was er will, einen Weihnachtskratzbaum, viele humane Diener mit leckeren Döschen in der Hand und jede Menge Schlaf, Zuneigung und Streicheleinheiten.

Wir verschicken keine Weihnachtspost, das wird einfach zu viel, bitte sehen Sie uns das nach. Wir wünschen Ihnen allen ein wunderbares Weihnachtsfest, lassen Sie es sich gut gehen.
P.S. Das Bild haben die Kinder ausgesucht…


Fröhliche alternative Weihnachten




Samstag 23.12.06 - 19:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 17 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 54 % Luftdruck 1025 hPa
Höchsttemperatur heute 22,6 Grad - niedrigste Temperatur 12,9 Grad

Bea und Achim regeln Papiere

Die mögliche Verwandlung von Bea und Achim in "Residentes" nimmt seinen nicht zu bremsenden Lauf. Nun sind sie mit einem wichtigen Papier ausgestattet welches ihnen die Möglichkeit gibt Gebühren für ein Bankkonto zu bezahlen. Allerdings fehlt ihnen noch ein ganz wichtiges Utensil um als echter Resident bereits von weitem erkennbar zu sein, sie haben noch nicht den verkniffenen und gestressten Gesichtsausdruck, den viele der hier angesessenen Ausländer als notwendig erachten. Sie lächeln noch…



N.I.E. Numero de Identidad (identificación ) de Extranjeros

"Ohne N.I.E. geht hier gar nichts !"

So wurde uns jedenfalls gesagt, und weil wir noch keine N.I.E. haben, hat Bea ja auch fast ihren Angelschein nicht bekommen. Das müssen wir ändern und machen uns deshalb auf den Weg zur Fremdenpolizei (Comisaria de Policia Extranjeros) nach Sta. Cruz.

Die Polizeistation ist ganz leicht zu finden. Man parkt irgendwo am nördlichen Ende der Avenida Marítima (wenn man einen Parkplatz findet, was meistens nicht der Fall ist), und geht zur Santa Maria. Das ist das Holzschiff, das dort als Museum auf dem Trockenen steht. Von dort geht man Richtung Stadtzentrum und biegt gleich in die nächste Straße nach links ab, wo sich schon nach wenigen Metern das Revier befindet.

Wir gehen hinein und finden auch gleich links um die Ecke das Büro für Paßangelegenheiten und Extranjeros. Da nur fünf andere Besucher vor uns dran sind, sitzen wir bereits nach 20 Minuten am Tisch des zuständigen Beamten (Typ: Gene Hackman, die freundliche Variante). Bea versucht, unser Anliegen auf Spanisch vorzutragen, was ihr scheinbar auch ganz gut gelingt. Es stellt sich zudem heraus, dass "Gene" sogar ein ganz klein wenig deutsch spricht. Er kopiert unsere Pässe, guckt sich unseren Mietvertrag an und füllt dann zwei Formulare aus.

Dabei kommt es zu einem kleinen Missverständnis. Er möchte wissen, wofür wir die N.I.E. denn benötigen. Bea sagt, wir bräuchten sie, um ein Konto zu eröffnen (eine falsche Annahme, wie sich später herausstellt), und benutzt dabei das Wort "Corrienta", denn so steht es im Langenscheidt. "Gene" stutzt und fragt: Corrienta ? Dabei zeigt er auf die Deckenleuchte. Verwirrung macht sich breit. Da meldet sich sein jüngerer Kollege und erklärt ihm, dass "Corrienta" zwar eigentlich "Strom" heißt, auf dem spanischen Festland aber durchaus auch eine Bezeichnung für ein Konto ist (so hat Bea das jedenfalls verstanden). "Gene" nimmt`s gelassen und meint mit einem Schulterzucken, dass das auf La Palma aber nicht üblich ist.

So, das ist nun auch geklärt. Wir erhalten zwei Formulare und "Gene" meint, dass wir unsere N.I.E.-Nummern in einer Woche hier abholen können. Er würde sie aber auch auf das Revier in Los Llanos schicken, wenn wir das möchten. Das möchten wir aber nicht. Wir kommen lieber noch mal wieder. Ist ja nett hier.

Das Ganze hat mal gerade 20 Minuten gedauert.

Genau eine Woche später sitzen wir wieder vor demselben Büro und wieder sind nur 5 Palmeros vor uns dran. Plötzlich geht "Gene" auf dem Weg in sein Büro an uns vorbei. Er guckt zwar mürrisch, lässt sich aber zu einem freundlich "Hola" hinreißen. Gleich darauf ruft es aus dem Büro: "Extranjeros ?" Wir gucken uns an. Damit können nur wir gemeint sein. Wir wollen uns ja nicht vordrängeln, aber wenn es so ist: Hinein in die gute Stube. "Gene" sitzt freundlich grinsend hinter seinem Schreibtisch, schnappt sich unsere Formulare von letzter Woche und zieht die offiziellen Schreiben mit unserer N.I.E. ganz oben von einem Stapel Papier. Hat er etwa auf uns gewartet ? Noch schnell zwei Unterschriften und wir sind nach nicht einmal 15 Minuten im Besitz der begehrten Nummern. "Muchas gracias" und "Hasta luego", und schon können wir wieder gehen.

Jetzt kann eigentlich nichts mehr schief gehen.

Eigentlich …



Samstag 23.12.06 - 08:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 14 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 75 % Luftdruck 1024 hPa

Bezirksschornsteinfegerfelingeselle

So einiges muss er noch lernen. Wir übrigens auch. Paul hat sich nun beruflich alternativ orientiert, er will nun doch nicht mehr Tester bei Whiskas werden sondern hat sich für den Beruf des Schornsteinfegers interessiert. - Muss wohl eine Massenbewegung bei uns in der Ecke sein, hier laufen derart viele schwarze Katzen herum, dass dieses Bestreben nahe liegt. Noch dazu haben wir hier auch einen stark gesättigten Anteil an nicht kälteresistenten Deutschresidenten, die allesamt einen Kamin im Hause haben um bei 19 Grad plus die innere Kälte zu bekämpfen. Ich weiß nicht, was mich vor nun etwa 10 Jahren bewegt hat auch einen Kamin in unser Wohnzimmer zu bauen, so einen französischen aus diesen kuscheligen Märchenbüchern, denn um zu heizen gibt es wenig Möglichkeiten die diese Monstren noch in ihrer Effizienz unterschreiten. - Hauptproblem bei diesen Heizungen aus der Zeit der Kreuzritter ist der Faktor, man muss morgens heizen um abends nicht zu frieren. Morgens frieren wir aber nicht weil wir in Hektik und Zeitnot Kinder, Kater und uns selbst waschen, füttern und einkleiden müssen und dann sowieso das Haus verlassen. - OK, Sie haben aufgepasst, der Kater wird nicht gewaschen und eingekleidet, aber er geht etwa mit uns aus dem Haus, um den anderen Kollegen dabei zuzusehen, wie die Kamine der taktisch denkenden Mitteleuroparesidenten bereits morgens mit Holz gefüllt werden. - Nun mögen ja die paar verbliebenen Mitteleuropäer in ihrer frostigen Heimat meinen, wir hier hätten alle einen an der Schüssel, bei 19 Grad plus zu frieren, aber bitte, lassen Sie uns doch auch etwas Eigenes. Kommt man dann abends nach Hause, katzenmüde und dem Erfrierungstod nah, dann lohnt es sich überhaupt nicht mehr Holz in den Kamin zu stapeln, nur die Geckos verbrächten eine angenehm warme Nacht.

Aber dafür sind ja Schornsteinfeger da, sie bemühen sich, die Effizienz und Sauberkeit dieser Kamine zu erhöhen, vielleicht lässt sich ja so auch noch mal erreichen, dass wir diesen Kamin mehr als vier Mal im Jahr überhaupt in Betrieb nehmen. Wenn, dann sowieso nur um dem lustigen Flammenspiel zuzusehen, aber auch nur wenn wir vorher die Muße hatten die Sichtscheibe der Feuerkammer sauber zu machen, sonst sieht das von außen eher aus wie ein Schwelbrand in einer Dunkelkammer. Das alles überlassen wir nun Paul, er hat lange genug bei den vielen schwarzen Katzen hier gelernt und darf sich nun als Anerkennung seines erworbenen Wissens auch bereits mit einem Kohlestaubfleck im Nacken zieren. Das ist unter Felinfegern das Erkennungszeichen für eine abgeschlossene Berufsausbildung, erst mit den Jahren und wachsender Erfahrung werden die Katzen dann ganz schwarz und geben auch den Kohlenstaub von ihrem Fell nicht mehr an die Umwelt ab. Unseren Kamin hat Paul nun auch im Griff, nach einer eingehenden Inspektion hat er uns wissen lassen, dass man die ganze Asche da unten nach ein paar Jahren auch mal entsorgen könnte, das täte der notwendigen Sauerstoffzufuhr nur gut und wir könnten so über das Stadium des stinkenden Schwelbrandes herauskommen. - Frau und Kinder standen um mich herum, ich konnte also niemand anderen für diese Tätigkeit maßvoll brüllend gewinnen und siehe da, außer drei LKW Ladungen Asche kamen noch alte Münzen zum Vorschein, eine lange Klinge die wohl ein Konquistador hier mal vergessen haben muss und übergroßen Heftklammern, die mal unseren Ehevertrag haben halten müssen. - So findet Paul alles wieder und nun heizen wir uns mächtig ein und wenn wir es schaffen, dass drinnen im Zimmer die gleiche Temperatur herrscht wie draußen in der Sonne, dann erhalte ich eine späte Bestätigung auf La Palma einen französischen Kamin gebaut zu haben und Paul erhält die Ehrennadel des Berzirksverbandsfelinschornsteinfegerdachundkellerverbands e.F. (e.F. = eingetragene Ferkelei)


Paul auf dem Weg zum Schornsteinfeger



Freitag 22.12.06 - 19:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 17 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 60 % Luftdruck 1026 hPa
Höchsttemperatur heute 19,7 Grad - niedrigste Temperatur 13,5 Grad

Wir müssen weiter arbeiten

Eigentlich ist das eine gute Nachricht für uns nicht in der Weihnachtslotterie gewonnen zu haben, sonst gäbe es heute Abend nichts zu essen. - Wir haben nämlich die gleiche Losnummer die auch unser Lieblingswirt hat und die deutet ganz klar darauf hin, dass weiterarbeiten angesagt ist. - Nicht mal ein Trostpreis der uns zwar ein bisschen Weihnachtsgeld gebracht hätte aber so wenig, dass Kiko aus der Abuela doch weiter am Herd stehen muss. - Auch die berühmten Glücksorte in Katalonien sind leer ausgegangen, die vielen Hauptgewinne haben sich prächtig über die gesamte Nation verteilt. Die Kanaren werden, wie fast üblich von der Glücksfee wieder Mal nur gestreift, ein vierter Preis landete in San Bartolomé de Tirajana auf Gran Canaria und ein paar Lose des Hauptgewinnes, man spricht von vier, auch auf Tenerife. Diese Lose wurden von einer Familie aus Sevilla mitgebracht, da macht doch Reisen gleich wieder sehr viel mehr Spaß. Die Gewinnnummern lauten: 1. Preis (El Gordo) 20.297, zweiter Preis 37.368, der dritte Preis 79.735 und die beiden vierten Preise: 47.272 und 60.379. Dann gibt es noch 8 fünfte Preise und die lauten: 59.236 - 60.534 - 27.274 - 13.044 - 58.915 -64.303 - 73.199 - 19.151. Wie alles im Leben und besonders bei Pazifisten, ohne Gewehr. Wer genau wissen will, ob er denn einen der vielen kleineren Preise gewonnen hat, der muss unter http://navidadlae.terra.es/t_lae/home/home.aspx (Link entfernt, da nicht mehr aktuell) nur seine Nummer eintippen und dann weiß man flugs, ob man zu den glücklichen Gewinnern gehört.

Was gehört noch zum 22.Dezember, da ist meist der letzte Schultag vor den Weihnachtsferien und die Stimmung unter den Pennälern und Lehrern steigt auch ohne Hauptgewinn ins euphorische. Man kann wirklich sagen, mit der Weihnachtslotterie beginnt das große spanische dreigeteilte Fest, erst Weihnachten, dann Sylvester und schließlich noch der Dreikönigstag, hier Reyes genannt, an dem die Geschenke an die Kinder verteilt werden. - In diesem, etwas mehr als drei Wochen langem Zeitfenster sollte man sich nicht zu viele organisatorische Aufgaben vorgenommen haben, einige öffentliche Einrichtungen aber auch private Firmen nehmen dieses Dreigestirn der Festivitäten gerne zum Anlass eines kapitalen Urlaubes. Alle anderen die arbeiten müssen sind aber auch gestresst und den, von einer abwinkenden Handbewegung begleiteten Ausspruch: "Despues de las Fiestas", (Nach den Festen) hört man nun vermehrt und aller Orten. - Jetzt noch ein paar praktische Tipps, der große Supermarkt in El Paso hat am 24. bis 18:00 Uhr geöffnet, am ersten Weihnachtsfeiertag ist alles zu und am 26.12. wieder alles ganz normal, denn den zweiten Weihnachtsfeiertag kennen wir hier gar nicht. - Das Wetter macht vortreffliche Anstalten allen Urlaubern über die Weihnachtszeit auf La Palma zu gefallen. Heut noch und wohl auch morgen bläst der kühle Passat noch ein bisschen, dann aber gibt es wieder eine Tendenz auf südliche Winde und ganz wenig Bewölkung. Der Bauknecht angerichtet, schade, dass Sie nicht hier sind…



Freitag 22.12.06 - 08:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 15 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 61 % Luftdruck 1025 hPa

Gesungene Milliarden

Der 22. Dezember ist wie alle Jahre in Spanien ganz einer singenden Kinderschar hörig. Die 36 Jungs und Mädels aus der Klosterschule "San Ildefonso" sind seit 1771 die Glücksbringer der Nation, sie sind es welche die Prämien und Losnummern der Weihnachtslotterie tatsächlich singen und nicht einfach nur sprechen. Es ist zwar eher ein Sprechgesang und enthält keine Liebesschwüre oder sozialkritischen Texte, so etwas will heute auch keiner hören, die richtigen Zahlen und den Hauptgewinn, den "Gordo". So nennen wir den Hauptgewinn der mit 300.000 Euro dotiert ist, ist eigentlich gar nicht so viel Geld und ob man sich damit bereits zur Ruhe setzen kann, das sollte man sich gut überlegen. - Das ist aber genau der Trick an der Geschichte, man soll nicht so viel Geld gewinnen können, dass man locker von den Zinsen leben kann, dann ist das Geld ja weg von der Straße und es wird nicht ausgegeben. - Warum aber dann so viel Aufhebens um eine Lotterie in der man "nur" 300.000 Euro gewinnen kann? - Nun kommt das System mit den Zehntellosen und den Serien ins Spiel. Den Hauptgewinn gibt es 1.800 Mal und ist damit sehr breit gestreut, es gewinnen also sehr viele Leute ziemlich viel Geld. Es werden 180 Serien verkauft mit 85.000 verschiedenen fünfstelligen Nummern. Grundsätzlich besteht ein Los aus 10 Einzellosen, eben "Décimas" und das pro Serie und das muss man dann eben mal 10 nehmen und schon kommt man auf die Summe von 1.800 "Gordos" a 300.000 Euro. Somit ist der Hauptgewinn die enorme Summe von 540 Millionen Euro, allerdings halt gut verteilt.

Es gibt auch noch zweite Preise, 100.000 Euro pro Zehntellos, dritte Preise mit 50.000 Euro und vierte Preise mit immerhin noch 20.000,- Mit allen möglichen Trostpreisen werden heute in Spanien 2,14 Milliarden Euro unter die Leute gebracht, da bekommt so manch Finanzminister feuchte Augen. Natürlich strebt aber jeder nach dem "Gordo", was auch dicker Mann heißen kann und der Terminus dafür, dass einen der Hauptgewinn getroffen hat lautet: Te tocó el Gordo, was an jedem anderen Tag des Jahres so übersetzt wird: "Dich hat der dicke Mann angefasst" und bis zur Ohrfeige gehen kann, nur eben heute nicht. - Seit August sind die Losverkäufer bereits unterwegs und preisen Ihre sicheren Treffer an und bringen auch schon mal ganze Serien aus anderen Landstrichen Spaniens mit, um besondere Provenienzen der Lose vorweisen zu können denn das Glück scheint in Spanien Katalonien zu bevorzugen, in Orten wie "Sort" (heißt übrigens Glück) oder "Vic" wie letztes Jahr, sind dicke Männer heute besonders beliebt und häufig anzutreffen. - Aber wer weiß, vielleicht trifft es ja heute La Palma?



Donnertag 21.12.06 - 07:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 17 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 74 % Luftdruck 1022 hPa

Gemüsestreif am Horizont

Was der Bauer nicht kennt, das isst er nicht. Mag sein, aber noch schlimmer ist, was der Bauer nicht verkauft, das baut er nächstes Jahr nicht mehr an. - Funktionierende Landwirtschaft auf La Palma fängt mit B an und hört mit E auf und dazwischen dreht sich alles um die Banane. Dabei hat diese Insel an die 5 Mal so viel landwirtschaftliche Anbaufläche als momentan bewirtschaftet wird, positiv ausgedrückt könnte man von einem großen Wachstumspotential sprechen. - Noch dazu mangelt es nicht an Wasser und auch die Handarbeit (manpower mag ich nicht) wäre vorhanden, Selbstversorgung der Insel und gar Export von Obst und Gemüse wäre absolut möglich, findet aber außer bei den Bananen und Proteen nicht statt. - Nur wenn man anderswo auf den Inseln der Nachschub zwickt, dann gelingt es uns Avocados und ein paar Zitrusfrüchte zu verkaufen, ansonsten sind wir diejenigen die importieren. Warum das so ist kann man ganz einfach erklären, Importfrüchte und Gemüse sind billiger als unsere, per Hand und Hacke aus der Erde gegrabenen Gaben, so bricht zuerst der Absatz ein und danach schmeißt der Landmann die Hacke in die Ecke weil keiner mehr seine Kartoffeln kauft. Die Inselregierung hat wohl versucht dagegen zu steuern, sich aber mit Kleinsubventionen total verzettelt und sogar das Unheil vergrößert, in dem man bestimmte Kulturen so lange subventionierte, bis plötzlich ein Überangebot produziert wird, wie es beim Wein nun der Fall ist.

Einzig ein paar kleine Läden und Markthallen bemühen sich darum dem Käufer auch die hiesigen Produkte näher zu bringen und eine Kooperative die gute Zahlen vermelden kann, die "Cocampa". Seit dem Jahr 2002 übernimmt die Kooperative die Lagerung, Sortierung und Verkauf für fast 900 Landwirte und ist inzwischen bei 4 Millionen Kilo Obst und Gemüse pro Jahr angekommen, welches weiter an die Großhändler abgegeben wird. - Das entspricht immerhin einem Wachstum von fast 15% gegenüber dem Vorjahr. - Mit den Preisen ist man nicht ganz zufrieden, denn immer noch ist man auf die Großhändler angewiesen und erreicht nicht direkt die Ladengeschäfte. Das liegt einmal an der fehlenden Organisation, man hat keinen Fuhrpark, aber auch daran, dass die Großhändler sich ihr Geschäft nicht nehmen lassen wollen und sollte Cocampa hingehen und seine Produkte direkt an die großen Läden verkaufen, dann wird man mit billigeren Importen dagegen angehen und Cocampa bleibt auf seinen Produkten sitzen. So funktioniert die Marktwirtschaft und so bleibt das nur ein Silberstreif am Horizont, der aber größer wird, wenn auch ganz langsam. So ist das Ziel der Kooperative auch, Produkte von hier zu einer Handelsmarke auszubauen und ganz da vorne, dort wo Jimmy den Regenbogen sucht, da steht dann auch der Export auf der Wunschliste der Cocampa und dafür kann man nur gutes Gelingen wünschen.



Mittwoch 20.12.06 - 19:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 19 Grad, Niederschlag: 2 mm, Luftfeuchte 73 % Luftdruck 1023 hPa
Höchsttemperatur heute 21,5 Grad - niedrigste Temperatur 15,2 Grad

Weihnachtsmenü

Das ist abgeleitet von dem Wort Hamsterkäufe und da wir keinen Hamster haben muss dieser Umstand zumindest verbal seine Wertung finden. Weihnachten ist nah und endlich kommt auch so ein bisschen Stimmung auf nach Baum, Braten und Familienstreit, bislang war wegen des strahlend guten Wetters der Blick auf die Krippe, oder das Importpendant Santa Claus dann doch noch etwas getrübt. Nun regnet es und ich habe mich vorhin schon per Augenschein abgesichert, Schiesser Tausendsassa lang und grau liegt entsichert im Schrank und wartet nur auf den beherzten Zugriff im Eingriff. An dieser Stelle darf ich mal eine nicht La Palma bezogene Frage stellen: Welcher Unterhosendesigner hat sich diesen Blödsinn mit dem "Eingriff" ausgedacht? Wenn es soweit ist und vorher gehen Männer nie aufs Klo, dann zieht man die Unterhose einfach bis unter den Eichstrich und entlässt das Wasser eine Station höher. Niemand würde sich die Mühe machen den Drainagenippel durch dieses doppelt überlappende Tor zu manövrieren, das ist einfach uncool und bedarf auch noch einer Mindestfähigkeit an Fingerfertigkeit welche zur fortgetrunkenen Stunde oft nicht mehr vorhanden ist. - Mir ist seit langem egal ob man mich für ein Weichei hält, Hauptsache ich friere nicht und der Winter mag kalendarisch ja beginnen, von mir aus auch meteorologisch längst da sein und Weihnachten schon in der Tür, erst jetzt, mit dem Regen und der angedeuteten Kälte kann ich mich auf DAS FEST einstimmen.

Zu einem gelungenen Familienfest gehört natürlich immer auch ein kulinarischer Mittelpunkt und bitte abseits von solchen Gebrechen wie Würstchen und Kartoffelsalat, man muss sich ja nicht in allem Mitteleuropa nähern. Nun ist es aber gar nicht so einfach den Geschmack aller Mitglieder dieser Bande zu treffen und Jahre hat sich meine Frau durch Kompromisse gekocht und poeliert, aus diesem Dilemma entreißen wir sie dieses Weihnachten, wir kochen alle zusammen. Einer macht die Vorspeise, eine das Hauptgericht, eine die Beilage und dann bleibt noch eine für den Nachtisch übrig, nur Paul der muss nicht ran, darf sich dafür seine Dose selbst aussuchen und öffnen. - So ist zumindest klar gestellt, dass immer nur drei meckern und eine oder einer beleidigt ist, nimmt man Statistiken über familiären Weihnachtstress zur Hand wird man feststellen, dass das ein ganz passabler Wert ist. Solch ein Unterfangen will natürlich geplant sein, Königinpasteten ohne König taugen nicht, genau so wenig wie Zwiebelsuppe ohne Suppe und wer muss das alles besorgen? - Ich nicht! - Es wird doch nicht so schwierig sein eine frische Bodenseefelche zu besorgen, ein bisschen Pimpinelle, ein paar Weinbergpfirsiche und eben gepulte Nordseekrabben, daraus will ich meine Vorspeise zaubern, ein kulinarisch nachempfundenes Süd-Nord Gefälle. - Irgendwie traf mich ein poloniumhaltiger Blick meiner Frau, den ich noch nicht deuten kann. - Na gut, dann mache ich eben Erasco an Maizena, ist auch was Deutsches und lasse mich von den phantasievollen Kreationen meiner Brut überraschen. - Nur, meine Frau weigert sich im San Martín Fertiggerichte zu kaufen, sie könnte ja gesehen werden und das gibt unendlichen Tratsch, Sie wissen schon: "Schau, was die Sieboldsche da für Weihnachten kauft, hätten wir uns denken können…" Für mich ist das einfacher, ich geh da in den Supermarkt, fülle den Wagen mit Katzenfutter, Toastbrot, einem Kasten Bier und ganz oben auf lege ich eine Dose Linseneintopf "Gutsherrenart" und schon geht das Getratsche los: Schaut mal, was der arme Siebold sich für Weihnachten kaufen muss, das hätten wir uns denken können…" Wer sagt dass Weihnachten eine gerechte Sache ist?



Mittwoch 20.12.06 - 07:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 17 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 64 % Luftdruck 1025 hPa

Höchststrafe Nichtbeachtung

Man muss dabei aber auch selbstkritisch sein, außer einer kleinen Ankündigung in "El Día" vor ein paar Tagen wusste wohl niemand, dass Rebecca Harms, Europaabgeordnete von den Grünen einen Vortrag in der Casa de la Cultura in El Paso hält. - Jetzt fasse ich mich an meine eigene Nase und werde die gleiche Entschuldigung anbringen wie andere, ich dachte das wüsste jeder und habe so darauf verzichtet, das anzukündigen. - So konnten Rebecca Harms und der sie begleitende Juan Francisco Rodríguez Báez, der auch mal das werden will was Frau Harms bereits ist, ganz familiär im großen Auditorium mit uns plaudern. - Es waren vielleicht 20 Besucher da und eigentlich hätten wir Kaffee und Kuchen ausgeben sollen, es war beschämend mit wie wenig Audienz der Besuch einer Europaabgeordneten bei uns gedankt wird. - Allerdings konnte ich Frau Harms versichern, dass noch mehr Besucher da waren als bei David Hammerstein, sie hat es sicher nicht getröstet und wir müssen uns endgültig fragen, ob wir in vielen Themen, die wir so lauthals anklagen und beteuern, nicht ganz nah am Maulhelden kratzen. - Schlechte Publikmachung, keine Werbung für den Vortrag hin und her, es bleibt beschämend wie wenig Resonanz dieses Angebot einer Europaabgeordneten fand, uns ihre Zeit im Urlaub zu opfern. - Wasser auf die Mühlen unserer satten politischen Nomenklatura, jetzt können die mit Fug und Recht wieder trällern: "Das sind doch nur ein paar Erleuchtete". - Mit dem Wort "Erleuchtete" hat vor kurzem Antonio Sosa all die abgekanzelt, welche nicht so ganz einverstanden sind mit der Metamorphose La Palmas in eine Miniaturausgabe Tenerifes.

Also, ein erleuchtetes kleines Grüppchen ewig nörgelnder Weltverbesserer konnte nun dem Vortrag sehr nah und intim lauschen und danach auch ganz einfach Fragen loswerden, wir waren ja unter uns. Juan Francisco sprach zuerst und konnte noch zwei interessante Daten liefern, laut seinen Aussagen sind die Kanarischen Inseln die Region Spaniens mit der meisten "schwarzen Fläche", also bebaute Fläche, sei es nun als Urbanisierung oder Straße. - Weiter, und das habe ich seit Jahrhunderten bereits vermutet, Los Llanos hat die größte Fahrzeugdichte Europas, oder war es sogar der ganzen Welt und wir können von Glück sagen, dass diese Autos meist überhaupt nicht bewegt werden sondern nur da herumstehen, weil ein Mensch gleichzeitig nicht mehrere Autos führen kann. - Frau Harms wollte weniger mit Rekorden Eindruck machen, sondern mit gar nicht so freundliche Fakten für unsere Zukunft. - Wir sprechen ja über Energie und da sieht es eng aus für eine Ferienregion die auf Tourismus angewiesen ist, der das Flugzeug braucht, um zu uns zu gelangen. Das trifft die andern Kanaren noch härter als uns. - Es wird deutlich teurer werden in der Zukunft, entweder durch eine Kerosinsteuer, oder durch Abgaben welche die Fluggesellschaften entrichten müssen wegen des hohen CO² Ausstoßes der Flugzeuge. - Das sollte auch uns zu denken geben, vielleicht wäre es angesichts dieser Entwicklung angebracht eine drastische Erhöhung der Gästebetten noch einmal zu überlegen, besonders wenn man weiß, dass die vorhandenen heute bereits sehr schlecht ausgelastet sind. - Als langjährige La Palma Besucherin konnte sie aus eigener Erfahrung ihre Verwunderung darüber nicht zurückhalten, warum wir denn hier noch nicht weiter sind mit der konsequenten Nutzung der Solarenergie und die meisten Häuser immer noch mit Gas oder elektrischer Energie ihr Warmwasser erzeugen, wo man das doch ganz anders haben könnte. Auch dort will man zukünftig europaweit Normativen überlegen, die zwangsweise beim Bau eines Hauses diese Energien mit einbeziehen. - Eine mögliche Antwort, warum wir die Sonnenenergie noch so wenig nutzen gab sie selbst, bei uns sind Gas, Strom und Treibstoffe immer noch mit ganz geringen Steuern belastet und so deutlich billiger als in anderen Regionen der Europäischen Union. - Als düster kann man das Zukunftsbild nicht betiteln welches uns da vorgezeigt wurde, eigentlich wissen wir das ja, stehen aber mal wieder wie gelähmt vor der Schlange. - Wie praktisch, dass es da gewiefte Rauchverkäufer gibt die einem etwas anderes vorgaukeln, damit kann man Wahlen gewinnen. - Man kann sich abschließend nur entschuldigen bei Frau Harms und hoffen, dass Sie La Palma weiter zugeneigt bleibt, aber bei der geringen Beteiligung muss man ja annehmen, dass wir das Perpetuum mobile irgendwo im Inselparlament herumstehen haben und dieses nur anwerfen müssen.


Rebecca Harms, La Palma, El Paso im Dezember 2006



Dienstag 19.12.06 - 17:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 20 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 54 % Luftdruck 1022 hPa
Höchsttemperatur heute 23,0 Grad - niedrigste Temperatur 14,6 Grad

Wenn das Nähkästchen offen steht

So sagt man doch wohl und plaudert daraus und das werde ich heute zu unserem Jubiläum ausnutzen. Genau heute vor 4 Jahren hat die Tastatur unter meinen Finger derart angefangen zu jucken und diese Kolumne ist entstanden. - Anfänglich beschämend wortkarg und eigentlich nur mit dem Hintergedanken endlich mal etwas Aktuelles bringen zu können. Über die Zeit hat sich das in eine Einrichtung verwandelt und außer wenn ich Urlaub habe, was selten genug vorkommt weil wir ja immer Urlaub haben... bemühe ich mich zweimal am Tag Ihnen etwas über das tägliche Leben auf La Palma zu erzählen. (Manchmal musste es auch wegen einer Fiesta und daraus folgendem Siechtum ausfallen, aber das muss auch schon mal gehen) - Nicht ohne Stolz, den habe ich auch, kann diese Kolumne auf an die tausend Zugriffe am Tag zählen, was sich nach Wochentagen allerdings sehr unterschiedlich verteilt. Am Wochenende ist deutlich weniger los und Montag und Dienstag dafür wieder mehr. Auch das Wetter spielt seine Rolle, Sonnenschein macht klickfaul und wenn es draußen neblig, trüb und düster ist, dann kommen viel mehr Besucher und lassen sich ein Stück virtuellen palmerischen Wein einschenken. Heute nennt man so etwas eigentlich einen Blog, aber weil es diesen Ausdruck noch gar nicht gab als dieses "Tagebuch" seinen Anfang nahm, bleibe ich bei Kolumne und auch die äußere Form wird sich keiner Netzmode beugen.

Dass diese Kolumne überhaupt so geführt wird und, so Gott oder die Aminosäuren es wollen auch weiter geht, das habe ich nur den Lesern zu verdanken. Gäbe es nicht das große Interesse das ich an den Zahlen ablesen kann und die vielen Zuschriften, dann würde ich das sicher nicht machen, ich selber schreibe mir nicht, rede höchstens mal mit mir, aber das machen wir alle, manche laut, manche leise. - Dafür möchte ich mich brav bedanken, zeigt es doch, dass es viele Menschen gibt, denen La Palma nicht Wurst ist oder gar all inclusive egal, denn an dieser Insel hängt, nach meiner Familie zu der auch Paul gehört wie auch meine Freunde, mein ganzes Herz. - Da kann schon mal was zu böse sein und ab und zu bekomme ich die La Palma Brille auch nicht von der Nase, aber so ist das eben wenn man Dinge aus seiner Sicht erzählt und nicht den drahtigen Mantel einer nur anscheinend möglichen Objektivität über seine Worte stülpt. Den Einen interessiert Politik nicht, der Andere mag keine Katzen, allen es recht zu machen das geht nie und so sollte man das auch gar nicht erst versuchen sich zu verbiegen. Vielen Dank, dass Sie so treue Leser sind und manchmal gnädig über meine Launen hinweg lesen. Auf ein weiteres Jahr, es wird spannend auf La Palma.



Dienstag 19.12.06 - 07:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 16 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 57 % Luftdruck 1024 hPa

3 von 13

Eigentlich sollten es 13 sein, man fand aber nur 6 und auch nur 3 davon konnten bislang identifiziert werden. So sieht die Bilanz aus des spektakulären Fundes eines Gemeinschaftsgrabes in Fuencaliente, nichts scheint einfach in der Aufgabe den spanischen Bürgerkrieg auch nur halbwegs aufzuarbeiten. - Den Erzählungen nach liegen dort im Wald oberhalb Fuencalientes die menschlichen Überreste der "Trece de Fuencaliente", aber nichts, aber auch gar nichts was aus diesen dunklen Zeiten überliefert und erzählt wird lässt sich einfach und konkret nachvollziehen. - Der rechte Terror führte kein Tagebuch und keine Karte verzeichnet die Stellen an denen man die Körper verscharrt hat und so ist man heute auf die letzten Hinterbliebenen als Faktenträger angewiesen, eine fast unmögliche Aufgabe angesichts der Geheimniskrämerei und der vielen Gerüchte die seinerzeit das Tagesgeschehen bestimmten. Die Zeit nach dem Bürgerkrieg gab den Franco Schergen und denen, welche die zweifelhafte Gunst der Stunde für ihre privaten Abrechnungen nutzen alle Möglichkeiten die Spuren zu verwischen und noch mehr Fragezeichen aufzustellen, an denen das bisschen Wissen welches wir über die damaligen Geschehen haben noch mehr verwirren.

Immerhin weiß man nun, dass man wirklich auf das Grab der 13 von Fuencaliente gestoßen ist, DNA-Proben haben Übereinstimmung mit Gegenproben dreier Hinterbliebener ergeben, bei den anderen wird der Test wiederholt um sicher zu gehen. Die Angehörigen erfahren erst nach dem Abschluss der letzten Tests, wer denn da identifiziert worden ist und wer nun, mit einem Namen und einer Identität versehen auf einem Friedensfriedhof bestattet werden kann. - Auf jeden Fall wird die Diskussion weitergehen, ob man in Fuencaliente erneut die Erde umgräbt um die berühmten "13 von Fuencaliente" zu finden, ein nicht ganz unumstrittenes Unterfangen. - Warum? Werden noch mehr Körper gefunden, dann müssen auch diese einen Namen erhalten und man fürchtet, irgendwann überall auf der Insel graben zu müssen, weil Angehörige ihr Recht einfordern auch Klarheit zu erlangen. Große Gesellschaftsschichten fürchten aber das Wühlen in der Vergangenheit, damit einher geht auch das Aufreißen der alten Wunden und man traut dem Frieden noch nicht so ganz, ob diese Gesellschaft schon in der Lage ist diese Prüfung zu bestehen. Andere fordern die lückenlose Aufklärung aller Verbrechen die dort unter dem schwarzen Mantel Francos geschehen sind, aber die Historiker warnen, zu diesem Thema sind mehr Gerüchte und auch vorbereitete falsche Spuren vorhanden als wirklich verwertbares Material.



Montag 18.12.06 - 19:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 23 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 44 % Luftdruck 1024 hPa
Höchsttemperatur heute 25,0 Grad - niedrigste Temperatur 15,1 Grad

Lasst bloß die Guataca nicht verrosten

Jammern aller Orten, der Tourismus will nicht so wie er sollte, die Geschäfte klagen über geringe Umsätze und bei den Wirten geht die Warnung reihum, gebt mehr Wasser in den Cortado, die Zeiten werden schwer. Ich persönlich kann mich dem kollektiven Gezeter nur bedingt anschließen, aber man muss schon eingestehen, es könnte runder laufen und wenn wir unsere Bananen nicht hätten und die noch schützende Hand aus Straßburg und Brüssel, dann sollte man schon so manche polemischen Ratschläge die in letzter Zeit verbittert an den Tresen fallen auch berücksichtigen. - Es ist halt nicht so einfach mit dem Tourismus, Betten anbieten alleine bringt noch keinen Segen für die Volkswirtschaft, man muss diese auch noch vermieten und das fällt angesichts der Gesamtsituation gar nicht mehr so einfach. Vor ein paar Jahren war Weihnachten eine Bank, da hätte man die Betten versteigern können auf La Palma, aber nun gibt es sogar in dieser Jahreszeit noch Vakanzen und jeder der sich den Umbau seines Hauses oder die Renovierung in ein Ferienhaus von der Bank hat sponsern lassen, der wird langsam nervös.

Wie das Jammern ausfällt, das ist oft nicht mal eine subjektive Geschichte, das wird oft von der Gruppe vorgegeben. Das kann schon mal in derbe Polemik abrutschen und natürlich gibt auch Alkohol als Gefühlsbeschleuniger noch sein Pünktchen mit hinzu. - Was da teilweise an Bilder auf den Tresen gemalt wird ist wirklich wenig erbaulich, in letzter Zeit scheint viele der Mut verlassen zu haben und das Vertrauen in die Zukunft bröckelt spürbar. Vielleicht ist es die Nähe zur kommenden Wahl und das Eingeständnis, dass die anderen es wohl auch nicht besser machen können, vielleicht aber auch nur ein bisschen angenehmes und hier latent vorhandenes Selbstmitleid in dem man sich gemeinsam am besten aufgehoben fühlt. - "Lasst die Guataca nicht verrosten" war einer der Aussprüche. Die Guataca ist unsere Hacke und Allzweckwerkzeug auf dem Feld, die auch mit unseren vielen Steinen fertig wird und sowohl als Spaten wie auch als Schaufel bedient wird. Soll heißen, grabt eure Gärten wieder um, reißt die Rosen und den Rasen raus, pflanzt wieder Kartoffeln und Salat, die Zeiten werden härter. - Noch kecker war der Spruch von einem, der es eigentlich nicht mehr nötig hat und den langen Weg La Palma - Venezuela und zurück schon hinter sich hat und den ganzen Komplex um Auswanderung und Rückwanderung schon kennt: "Verbrennt bloß nicht weiter die Cayucus und Pateras, vielleicht brauchen wir die bald um nach San Borondón auswandern zu können." Pateras und Cayucos sind die Flüchtlingsboote mit denen Nord und Westafrikaner zu uns kommen um ein besseres Leben zu haben und diese werden üblicherweise verbrannt. - Nur, wo sollen wir denn dieses Mal hin auswandern, den sonst üblichen Zielen der Canarios geht es deutlich schlechter und so hebt sich die Stimmung wieder ganz gewaltig. Na dann können wir doch auch hier bleiben, da wissen wir wenigstens was wir haben. Auch eine Art von Steigerung des Selbstbewusstseins, so lange es noch Flüchtlinge gibt die zu uns kommen muss es doch Leute geben denen es schlechter geht als uns. - Ist das dann geklärt, steigen die mit der schlechtesten Laune und der meisten Zukunftsangst wieder in ihre Mercedes, BMW und dicke Geländewagen, um der Frau zuhause weiter die Ohren abzukauen. - Kleiner Ratschlag für Menschen die einen fröhlichen Abend in der Kneipe verbringen wollen, sprechen Sie nie über die Zukunft, da sind wir wie die kleinen Kinder und haben immer Angst davor.



Montag 18.12.06 - 17:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 16 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 42 % Luftdruck 1024 hPa

Tragödien ohne Fernsehbilder

Der Zuzug von schwarzafrikanischen Flüchtlingen auf die Kanaren hat stark nachgelassen. Da spielt sicher das raue Wintermeer seine Rolle, aber auch die Überwachung der Küsten des Senegal und Mauretaniens und eines scheint sich auch langsam herumzusprechen unter den Flüchtlingen, Spanien schickt inzwischen viel mehr illegale Einwanderer zurück als noch vor einem Jahr. - Die "das Boot ist voll" Parolen haben zum Teil gefruchtet, hier auf den Kanaren ist das Flüchtlingsproblem immer noch gegenwärtig und zwei politische Parteien nutzen den Zuzug der meist senegalesischen Flüchtlinge als Wahlkampfthema und malen ein absurdes Bild von Überbevölkerung und Entfremdung. - Dabei machen die schwarzafrikanischen Flüchtlinge nur einen Bruchteil der Immigranten aus, die echten Zahlen sehen Südamerikaner und Osteuropäer als größte ausländische Gruppen, aber so ein Boot voll hungernder und frierender Schwarzen macht einfach mehr her. Mit dem oft tödlichen Versuch, Europa zu erreichen, billigen und fast rassistischen Wahlkampf zu betreiben, spricht eigentlich für sich, trifft aber in vielen Fällen bei den Wählern sprichwörtlich ins "Schwarze".

Die Europäische Union hat unter der Leitung der Grenzpolizei "Frontex" Schiffe und Flugzeuge vor die westafrikanische Küste geschickt, man will, in Zusammenarbeit mit Mauretanien, Marokko und auch dem Senegal von vornherein verhindern, dass sich Flüchtlingsboote, die berühmten "Cayucos" mit ihrer menschlichen Fracht und zum Teil Handelsware auf den Weg nach Europa machen. Europa, das sind erst Mal die Kanarischen Inseln und von dort aus hofft man weiter aufs spanische Festland zu gelangen und in andere Länder wo man auf Arbeit und ein besseres Leben hofft. - Viele der Flüchtlinge haben bereits einen "Arbeitsvertrag" in der Hand und sind zu Frondiensten auf dem Bau oder in der Landwirtschaft eingeplant, wer die Überfahrt nicht selber bezahlen kann der muss zu solchen Mitteln greifen. - Viele europäische Firmen sehen diese ganz billigen Arbeitskräfte sehr gerne und manch ein spanisches oder französisches Preiswunder, besonders aus der Landwirtschaft in den Regalen der Discounter wäre ohne die billigen Arbeitskräfte gar nicht machbar. - Nur noch vereinzelt kommen Boote an, aber mit immer mehr Toten, da die Fahrt auf die Kanaren länger geworden ist. Um die Patrouillen zu umgehen muss man große Umwege nehmen und wenn man die Schiffe mit Wasser und Proviant füllen muss, dann passen nicht mehr so viele Leute auf das Boot und das ist dann schlecht für das Geschäft. - Von vielen Tragödien bekommen wir überhaupt nichts mehr mit, wie viele Boote spurlos im Atlantik versunken sind das weiß kein Mensch und wenn man das nicht ordentlich mit spektakulären Bildern unterlegt, dann ist die Tragödie nicht nah genug um überhaupt Wirkung bei den Nachrichtenempfängern zu erzielen. - So kann man gespannt sein, ob die Meldung über die 102 Toten es überhaupt in die Weltpresse schafft, so viele sind auf einer einzigen Odyssee gestorben, als sie vom Senegal aus die Kanaren erreichen wollten. - Die meisten fielen verdurstend über Bord als man immer wieder versuchte die Patrouillen zu umschiffen und man kam gar nicht weiter als nur vom südlichen Teil des Senegal bis an die mauretanische Küste. Immerhin haben etwas mehr als 20 Flüchtlinge überlebt die uns diese Geschichte erzählen konnten, aber nächstes Mal müssen wir unbedingt ein Fernsehteam mit an Bord haben, und jeden Tag darf das Publikum wählen, wer denn nun als nächster verdurstet. - Brot und Spiele.



Sonntag 17.12.06 - 19:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 23 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 28 % Luftdruck 1025 hPa
Höchsttemperatur heute 28,1 Grad - niedrigste Temperatur 16,0 Grad

Ja iss denn scho Frühling?

Haben wir eben mal den Winter ausgelassen? Die ersten Mandelblüten sind da und es scheint, als läge bereits ein Hauch von Frühling in der Luft. - Schuld daran ist das warme Wetter der letzten Tage und nun bringt uns der Südwind auch noch Temperaturen die über die 28 Grad Marke reichen, kein Wunder dass die Mandeln da ganz außer Tritt geraten. Es ist einen guten Monat zu früh mit der Blüte und eigentlich ist das auch gar nicht gut, dass jetzt bereits die ersten Bäume blühen. Erst sollten sich die Bäume komplett vom alten Laub befreit haben um dann nach reichlichen Niederschlägen mit der ersten lauen Brise blühen, nun lockt der warme Wind bereits im Dezember und es ist eher auf die anhaltende Trockenheit zurückzuführen, dass manche Mandelbäume jetzt bereits die ersten Blüten starten. - Eine verständliche Panikreaktion auf das wenige Wasser, droht Trockenheit, dann schickt man schnell ein paar Blüten los um die Fortpflanzung zu sichern, das kennt man nicht nur bei den Mandelbäumen so, das gibt es sogar bei Politikern. - Kurz vor den Wahlen, wenn bereits alles verloren scheint, holt man noch schnell mal einen Trumpf aus dem Ärmel…

Wer wird denn bei solch schönen Wetter über Politiker schreiben und ich verspreche, es heute auch weiter nicht mehr zu tun. - Die Mandelbäume haben für mich immer eine ganz besondere Faszination besessen, weil in der Blüte dieser manchmal ganz krüppeligen Bäume die ganze Pracht und Lebenskraft der Natur sehr eindrucksvoll gezeigt wird. - Da gibt es Bäume, die sehen aus als dienten sie nur noch als Brennholz. Kein Blatt, krumm, abgebrochen und struppig oder nur noch aus einem schiefen Zweig bestehend und plötzlich blüht dieses Geschöpf in wildesten Farben und zeigt allen Unkenrufen einen blühenden Stinkefinger. - Die hohen Temperaturen werden noch ein paar Tage anhalten und auch die Mandeln noch ein paar mehr Blüten hervorbringen, erst für die Weihnachtstage selber soll es wieder der Jahreszeit angepasst kühler werden. Auch wenn man weiß, die Bäume sind noch gar nicht an der Reihe mit dem Blühen und dadurch wird die eigentliche Mandelblüte Ende Januar und im Februar wohl nicht mehr so spektakulär ausfallen, mich ziehen diese Blüten immer magisch an und sei es auch nur eine einzige an einem ganzen Baum.


Die erste Mandelblüte



Sonntag 17.12.06 - 09:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 17 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 35 % Luftdruck 1022 hPa

Guter Gedanke, fast am falschen Platz

Irgendwie hat man sich ja längst daran gewöhnt gewisse Menschen immer nur zu kritisieren weil von denen eigentlich immer nur Rauch oder Schlimmeres kommt. (Hier sagt man "vender humo", Rauch verkaufen wenn man leere Versprechungen macht.) Das mit dem Schlimmeren bezieht sich dann auf solche Geschichten, dass man wirklich ernst machen will oder wollte mit der Inselautobahn von Santa Cruz nach Puerto de Tazacorte. - Auch wenn das Projekt bereits älter ist als Antonio Castro Cordobez Fäden in der kanarischen Provinzregierung zieht, ist es doch eines seiner Lieblingsprojekte. Einmal weil er selbst Palmero ist und man sich mit einem solch monumentalen Bauwerk für immer in die Historie dieser Insel schreibt. - Gut, da gibt es mindestens zwei Seiten im Buch der Geschichte und wer eine unnötige Autobahn durch ein Weltbiosphärenreservat bauen will, der braucht seinen Schuh an Nikolaus erst gar nicht vor die Tür zu stellen. - Ich nehme ernsthaft an, dass Antonio Castro nur das Beste für seine Heimatinsel will, verstehe aber im Gegenzug dann nicht, warum er ihr das Beste nehmen will, seine Landschaft und seine, noch ungezähmte Natur. Mag es an der säuselnden Weihnachtsstimmung liegen, an der manchmal aufkeimenden Restvernunft oder an den, für die Coalición Canaria schlechten Umfragen für die Wahlen im Mai 2007, Antonio Castro zeigt sich denkbereit und das alleine ist bereits erwähnenswert.

Soweit zu gehen und die Autobahn in den Passat zu schreiben geht er natürlich nicht, aber er hat versprochen ein Alternativprojekt zu prüfen, welches einen Ausbau der Südtrasse der Insel vorsieht, also über Fuencaliente. Man hört von Überholspuren und der Begradigung einiger Stellen um schneller und sicherer in die südlichste Gemeinde zu gelangen oder auch wieder weg, je nach Standpunkt. - In der Tat ist die LP1, die geht rund um die Insel, ist zwischen Fuencaliente und dem Aridanetal ziemlich kurvig und an vielen Stellen auch sehr unübersichtlich. Da könnte man schon Hand anlegen und wie man liest will man auch die vorhandene Trasse respektieren also keine neue Schneise in die Cumbre Vieja oder Tamamca reißen. Damit könnte man sich ja sogar anfreunden und die Frage darf gestellt werden, warum wendet man dieses System nicht auf die so oft besprochene Ost-West Tangente an, die LP2. Dagegen hätte eigentlich niemand etwas, die Straße auszubauen, hier und da neue Überholmöglichkeiten anzulegen, vorausgesetzt man respektiert die bereits vorhandene Straßenführung. Damit könnten fast alle gut leben oder stimmt etwas an der Vorstellung, die EU bezuschusst nur einen Straßenneubau und keinen Ausbau. - Wie dem auch sei, Antonio, legt dir und uns kein asphaltenes Ei ins Netz, wunderbar ein schonender Ausbau der Südverbindung und nun gib dir einen patriotischen Ruck, weil Weihnachten ist und denk an deine und unsere Insel und auch mal darüber nach, dass solch ein Ausbau anstatt einer Autobahn sogar deine Wiederwahl retten könnte. - Ob sich das jemand wünschen soll, das hast du in den Händen.



Samstag 16.12.06 - 18:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 22 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 30 % Luftdruck 1020 hPa
Höchsttemperatur heute 25,3 Grad - niedrigste Temperatur 11,8 Grad

Bea und Achim

Herzlich Willkommen auf La Palma! Samstagabend habe ich jetzt frei, weil Achim uns, so lang die Worte tragen, seine ersten Wochen und Monate hier auf La Palma schildern wird. - Das wird sicher sehr interessant, von Anfang an die Beiden auf den ersten Schritten als mitteleuropäische Flüchtlinge im "gelobten Land" zu begleiten. Also ab jetzt jeden Samstagabend: Die Auswandererkolumne in der Kolumne.



Vorwort

Wir sind seit Kurzem "immigrantes"auf La Palma. Wir, das sind meine Frau Bea und ich, Achim. Nach mehreren Urlaubsreisen auf die "Isla Bonita" war uns (wie so vielen anderen) irgendwann klar, daß wir sehr gerne hier leben würden. Und irgendwann hatten wir dann genug Mut gesammelt, um diesen Wunsch in die Tat umzusetzen.

Jetzt sind wir also hier und bereit, am eigenen Leib festzustellen, wie es sich hier lebt. Gehört und gelesen haben wir darüber ja schon viel, allerdings gehen die Meinungen doch sehr auseinander. Viele haben vor Schwierigkeiten mit den Einheimischen, mit der Sprache, mit den Ämtern und mit dem Alltag überhaupt gewarnt. Andere sahen das gelassener. Freunde sagten: "Kommt her, und probiert es aus." Und das tun wir jetzt.

Mathias hat mich gefragt, ob ich nicht ein wenig über unsere Erfahrungen als "Neuinsulaner" schreiben möchte. Wenn es denn andere interessiert, dann will ich das gerne machen und die wichtigen, die interessanten und die schwierigen Schritte unserer "Einbürgerung" festhalten. Wenn etwas zum Schmunzeln dabei ist - um so besser.



Die Anmeldung

Kurz nach unserem Einzug in unsere neue Wohnung erhalten wir von Ana und Jose, unseren liebenswerten Vermietern, unseren ersten Mietvertrag auf La Palma. Von ihnen erfahren wir auch, daß wir damit zum "ayuntamiento" (Rathaus) gehen müssen, um unseren neuen Wohnsitz anzumelden. Montags gegen 11:00 Uhr stehen wir dann also vor dem Rathaus in Los Llanos. Nur Mut und hinein in die Höhle der palmerischen Bürokratie.

Der erste Weg führt uns zum Informationsschalter im Erdgeschoß. Die dort von uns erwartete Menschenschlange besteht überraschenderweise gerade mal aus 4 Personen. Bea, die schon ein wenig spanisch spricht, fragt gleich mal eine wartende Palmera, ob wir denn hier richtig sind, um uns anzumelden. Die freundliche junge Dame legt dann auch gleich auf spanisch los, merkt aber, daß sie uns (mich sowieso) damit überfordert und wechselt ins deutsche, das sie recht gut beherrscht.

Sie erklärt uns, daß wir hier richtig sind, aber wir müßten anschließend noch zur Fremdenpolizei nach Sta. Cruz, um uns auch dort anzumelden. Sie wünscht uns alles Gute und falls noch etwas unklar ist, sollen wir zu ihr kommen. Gleich um die Ecke im nächsten Gang könnten wir sie finden. Muchas gracias !

An der Informationstheke werden wir freundlich in das direkt rechts daneben liegende Büro zu einer (wiederum sehr freundlichen) jungen Dame geschickt. Bea übernimmt wieder das (spanische) Wort, erklärt unser Anliegen und wir legen unsere Personalausweise und den Mietvertrag vor. Die Ausweise werden kopiert, ein Formular ausgefüllt und nachdem wir dies unterschrieben haben, werden wir damit in das Büro nebenan geschickt, wo lediglich ein Stempel auf das Formular gedrückt wird. Von dort schickt man uns nun zur Kasse, wo wir die unglaubliche Bearbeitungsgebühr in Höhe von 1.-€ zahlen dürfen.

So weit, so gut, nach insgesamt ca. 25 Minuten sind wir fertig. Nur eine Anmeldebestätigung kann man uns noch nicht mitgeben, weil die entsprechenden Formulare gerade ausgegangen sind. Macht nichts, die können wir uns in ein paar Wochen dort abholen.

Wo wir nun schon mal im ayuntamiento sind will Bea gleich mal nachfragen, wie man denn an einen Angelschein (für Bea !) kommen kann. Gesagt, getan, und schon schickt man uns in den 1. Stock zu einem Herrn, der wohl so etwas wie der Sportbeauftragte ist. Bea muß nur ihren Ausweis vorlegen und 3 Formulare unterschreiben. Dann allerdings erklärt uns der freundliche Señor, daß nun zunächst eine Einzahlung von 13,55 € bei irgendeiner Bank notwendig ist und daß wir eine Kopie von Bea`s Ausweis besorgen müssen. Na gut, wir sind ja mitten in Los Llanos, das dürfte schnell erledigt sein noch bevor die Mittagspause beginnt. Denkste !

Wir gehen also schnurstracks über die Plaza zur nächsten Bankfiliale. Die junge Dame dort hat aber bereits eine Kundin und scheinbar die Absicht, sich ausgiebig mit dieser zu beschäftigen. Egal, dann eben nach nebenan zur Caja Canarias. Für uns neu ist, daß man dort wie beim Fleischer eine Nummer ziehen muß. Schlecht ist, daß Bea die Nummer 134 gezogen hat, wobei gleichzeitig aber erst die Nummer 87 an der Reihe ist. Dieser Umstand veranlaßt Bea, es nochmals bei der benachbarten Bank zu versuchen. Die Dame hat nun Zeit, erklärt aber, daß eine Einzahlung nicht möglich ist, sofern man keine N.I.E. besitzt. Was nun ? Egal, bei der Caja Canarias geht es zwischenzeitlich voran und Bea versucht dort nochmals ihr Glück. Aber auch hier heißt es zunächst: Keine Einzahlung ohne N.I.E..

Wie gesagt: zunächst. Denn Bea gibt nicht auf. Sie will ihren Angelschein ! Heute !! Vor der Mittagspause !!! Und deshalb verkündet sie der Bankmitarbeiterin mit unschuldigem Blick: "Der Herr im ayuntamiento hat aber gesagt, das ginge auch ohne N.I.E.". Und siehe da, es geht tatsächlich.

Nun aber schnell den Ausweis kopieren. Aber wo ? Ein Bekannter, den wir zufällig vor der Bank getroffen haben, schickt uns zum unteren Ende der Plaza. Dort soll ein Fotoladen sein, der auch Kopien anfertigt. Wir finden ihn aber nicht ! Bea hat`s eilig. Also fragt sie kurzerhand 3 Schülerinnen nach einem Copyshop. Es dauert etwas bis die 3 sich einig werden, aber dann führt uns eine der Señoritas wieder zurück, die Plaza hinauf bis fast zu unserem Ausgangspunkt und dann zu einem Kopierladen. 20 Meter von der Bank entfernt ! Na prima.

Beim Betreten des Ladens fällt mir auf, daß der nur bis 13:30 Uhr geöffnet hat. Es ist aber bereits 13:40 Uhr. Egal, die Tür steht offen, also hinein. Da wir schon mal hier sind, legen wir gleich beide Ausweise und meinen Führerschein auf den Tresen. Der Inhaber, ein älterer Herr, nimmt sie sich wortlos und legt sie auf den Kopierer. Das dauert etwas, und als sie fertig sind, schnappt sich Bea ihre Kopie und düst ab zum Rathaus.

Ich möchte nun die 3 Kopien bezahlen, aber der gute Mann guckt auf die Uhr und bekommt es plötzlich sehr eilig. Er schiebt mich höflich zur Tür und aus dem Geschäft und nuschelt einen Betrag, den ich weder verstehen noch erraten kann. Dann schließt er erstmal ab und geht in Richtung Plaza. Ich bleibe hartnäckig und frage nach dem Preis für die Kopien. Endlich verstehe ich ihn. Es kostet "sesenta centimos", also 60 Cent. Da ich es nicht klein habe, halte ich ihm 2.-€ hin. Die weist er aber zurück und sammelt sich statt dessen aus den Münzen in meiner Hand alle Centstücke heraus (zusammen 48 Cent), grüßt und strebt mit schnellem Schritt der Mittagspause zu. Man muß halt Prioritäten setzen.

Ach ja, Bea hat es noch rechtzeitig geschafft. Freudestrahlend kommt sie kurz vor 14:00 Uhr mit ihrem provisorischen Angelschein aus dem Rathaus gelaufen. Den richtigen kann sie in einigen Wochen dort abholen. Nun müssen wir wenigstens die nächsten 5 Jahre (so lange ist der nämlich gültig) nicht verhungern.





Samstag 16.12.06 - 09:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 13 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 51 % Luftdruck 1020 hPa

Man darf nur so weit nicht sinken…

…den Kakao durch den man einen zieht auch noch zu trinken. - Da läuft etwas falsch im Umgang mit den Politikern. Wir, also das Volk, manchmal störend, manchmal Wahlvolk verlangen viel zu viel von unseren Vertretern, denn nichts anderes sind diese, meist schlecht vorbereiteten Alphabürger. Was soll denn ein Jaime Sicilia schon von Tourismus verstehen und was bitte kann dieser Jurist dafür, dass andere Ferienregionen dieser Welt einfach billiger sind und dass uns in Mitteleuropa langsam aber sicher die Gäste ausgehen. Nichts - und nur wir, verantwortungslosen Mitbürger haben diesen Leuten ihre schweren Ämter aufgedrungen, denn ohne uns gäbe es diese Abgeordneten gar nicht und wären auch nicht dorthin gesetzt auf diese zugegeben, sehr unbequemen Sessel. Da soll der gute Mann gegen die Globalisierung angehen, auf einer schwarzgrünen kalten Insel für Massentourismus sorgen und keiner hilft ihm dabei, außer vielleicht noch Märchenonkel Antonio Sosa, das ist der mit der kritischen Masse. (Wir brauchen unbedingt noch mehr Hotels, erst wenn 85% Überangebot und Leerstand herrschen, dann haben die Chartergesellschaften Lust zu uns zu fliegen). - Nein, ich würde es nicht besser können und da ist der einzige Unterschied, ich weiß, dass ich es nicht kann.

Man kann doch auch nicht von diesen gutgläubigen Menschen verlangen, dass sie die Zusammenhänge erkennen sollen wie das mit den Golfplätzen ablaufen soll. - Da lässt das gute alte Bauherrenmodell grüßen und sollte wirklich einer, ein einziger dieser Greens der verschluckten Millionen mal stehen und die Nordkoreaner, ganz entgegen aller Erwartungen und Prognosen, doch nicht Mitglied im Golfclub werden wollen, dann kann man ja den billig erworbenen und nun urbanisierbaren Grund weiterverkaufen. - Wir überfordern diese Menschen, die selbstlos angetreten sind eine kleine schwarzgrüne Insel im Atlantik zu einem Hawaii der Großinvestoren zu machen einfach und es ist unsere Schuld, dass diese nun an ihren schweren Aufgaben zerbrechen. - Wie gut, dass man in Straßburg noch schützend die Hand über uns hält und uns ein paar weitere Jahre der subventionierten Gnade schenkt, vielleicht kommen wir ja zur Vernunft und leisten uns mal ein paar Spezialisten. - Wenn man mal ernsthaft daran geht, dann stimmt einiges von dem ich da geschrieben habe sogar, wir reden über Dinge, von denen wir B keine Ahnung haben und C auch gar nichts daran ändern können. - So zum heftigen Beispiel die fast letzte Sitzung vor dem Weihnachtsfest im Inselparlament: Alle Parteien haben einstimmig beschlossen, dass am palmerischen Gesundheitswesen etwas nicht in Ordnung ist. Gemeinsam will man nun erforschen lassen, was das denn sein könnte und dann geeignete Maßnahmen empfehlen. - Vielleicht kommt man sogar darauf, dass wir zu wenig Ärzte haben, aber das war schon wieder zu viel Hilfestellung. - Der Witz daran ist, oder besser der Moment in dem die Herren da oben den Kakao doch noch austrinken und wir diesen mitschlucken müssen, das alles liegt überhaupt nicht in der Macht des Inselparlaments, da kann Perestelo noch so mit dem Fuß aufstampfen, wir bekommen nur mehr Ärzte wenn die Provinzregierung das dem Gesundheitsdienst sagt. - Unser Problem dabei ist, dass wir wirklich noch glauben, Bürgermeister könnten Autobahnen bauen oder verhindern, Golfplätze erstellen, alegale Siedlungen retten und Inselpräsidenten sogar Wunder vollbringen. Da stellt sich manchmal für mich die Frage, wer von uns denn mehr Kakao trinkt, "die" da oben, oder "wir" da unten. - Ich geh mir jetzt einen Muckefuck machen, ganz ohne Kakao…



Freitag 15.12.06 - 19:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 20 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 55 % Luftdruck 1020 hPa
Höchsttemperatur heute 22,0 Grad - niedrigste Temperatur 11,5 Grad

Terra oder persona non grata

Mein Verhältnis zu Los Llanos bleibt diffus. Da sind einerseits die wirklich schön gestaltete Plaza und die angrenzende Altstadt, die man hervorragend restauriert hat und sicher zu den Bummeljuwelen dieser Insel zählen kann. Jetzt ist die Calle Real auch fertig und die Avenida Venezuela Sackgasse geworden, so entstand ein weiteres Stück angenehmer Fußgängerzone. Allerdings wird man noch abwarten müssen, welche langfristigen Folgen das für manche Geschäfte haben wird, wer die Autos ganz wegsperrt, der vertreibt immer einen Teil des Gewerbes. Auf meinem verordneten Spaziergang heute Morgen hatte ich aber nicht das Gefühl es fehlt an Publikum, die für Los Llanos unübliche Zeit knapp nach neun Uhr in der Früh konnte auch nicht verhindern, dass schon reichlich Leute unterwegs waren. - Gut, es ist Vorweihnachtszeit und das war ja schließlich auch der Grund, warum ich nach Los Llanos gedrungen wurde. Gezwungen kann ich nicht sagen, aber Sie kennen doch sicher auch die Aufgaben vor denen man sich am liebsten drücken würde, das aber nicht ohne Gesichtsverlust machen kann. - Also durch, noch schnell ein eigenes Thema mit aufgegeben, die Krippe photographieren und dann geht es los. - Mein Frau ist gnädig und erspart mir dieses erniedrigende Tütenschleppen im gebührenden Abstand, ich darf sogar frei rumlaufen und muss nur zu bestimmten Uhrzeiten an bestimmten Stellen sein, mehr Freiheit sollte man auch nicht erwarten.

Los Llanos war immer schicker als andere Orte dieser Insel, ganz sicher moderner und strahlender als El Paso, aber nie werde ich das Gefühl los, es handele sich in der Aridanemetropole auch immer um ein bisschen mehr Schein als Sein. - Da sind viele Menschen viel zu offensichtlich geschäftlich unterwegs und mein kleines Pensum Lebens und Menschenkenntnis hat mir diesen Typus schon viel zu oft als Luftblase geschildert. Diese so ostentativ zur Schau gestellte Dynamik und selbst beobachtende Körperhaltung ist abgekupfert von den Hochglanzseiten bei "Schöner Wohnen" und "Eure Armut kotzt uns an". (Internes Arbeitspapier des Siemensvorstandes für eine Weihnachtsansprache vor BenQ Mitarbeitern.) - Dabei wissen wir ja, dass die meisten Leute die heute in Los Llanos wohnen irgendwann aus dem Norden der Insel gekommen sind oder aus Südamerika, kaum jedoch in den Bann der Plaza geraten, das Kinn ganz automatisch ein kleines Stück zu hoch tragen. Trotzdem war es ein netter und lehrreicher Bummel und für meine Frau und unseren Gabentisch auch höchst erfolgreich, Los Llanos ist eine schöne Stadt im Innenbereich und El Paso eine ehrliche Stadt und wenn ich auf meine "Schönheit" angewiesen wäre, dann würde ich vielleicht sogar in Los Llanos wohnen. - So passt aber El Paso viel besser zu uns und ich fahre die Straße wieder hoch viel lieber, als runter. - Für Sie, ein paar Bilder der berühmten Krippe in Los Llanos, wieder mal sehr schön gemacht, aber was soll man anderes in Los Llanos schon erwarten. HIER geht es zu den Bildern.


Belen 2006 en Los Llanos



Freitag 15.12.06 - 07:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 11 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 73 % Luftdruck 1019 hPa

Keine weiße Weihnacht auf La Palma

Hört sich erst mal nach einem Witz an, aber wer im Winter schon auf La Palma war, der weiß sehr gut, dass es hier wohl Schnee geben kann, im Normalfall ab 1.500 Meter Höhe. - Sieht aber nicht danach aus, eher macht sich die nächsten Tage eine südliche Strömung breit, die wärmere Luft zu uns heranbringt. - Süd kann aber Niederschläge bedeuten, besonders wenn die ungeliebte Windrichtung West mit ins Spiel kommt, da kann schon mal der eine oder andere Schauer unseren bislang trockenen Winter unterbrechen. - Der Oktober fing ganz gut an mit den Regenmengen, aber der November blieb bereits deutlich unter der langjährigen Niederschlagsmenge und im Dezember ist noch überhaupt kein Regen gefallen. - Die Werte stehen immer für den Westen der Insel, da "drüben" ist sowieso anderes Wetter. - Zurück zum Schnee. Eigentlich liegt jeden Winter, mal für ein paar Tage, mal auch für eine paar Wochen zumindest das nördliche Massiv um den Roque de los Muchachos unter einer Schneedecke begraben, in selteneren Fällen liegt sogar Schnee auf der Cumbre Vieja und noch seltener auch auf der Cumbre Nuva. - Da erinnern sich noch viele Mitverfrorene an den Winter 2004/2005 als die Schneegrenze für 2 Tage unter die 800 Meter Marke rutschte und die Kinder auf dem Llano de Jable Schlitten fahren konnten. - Die einen sprachen damals vom kältesten Winter seit über 40 Jahren, andere von lediglich 27 Jahren, selbst Wetterextreme sind also rein subjektiv. - Bislang haben wir einen ganz lauen Sommer hinter uns und einen sehr milden Winter, heute Nacht erreichte das Thermometer das erste Mal einen Wert von unter 12 (Plus), aber nur weil der Himmel sternenklar ist und sich so die ganze Wärme des Tages nach oben verflüchtigt. Tagsüber hatten wir in dieser Winterperiode noch keinen Tag unter 20 Grad und wenn es nach mir geht, dann kann das so bleiben.

Zu der Nachricht von gestern Abend. 3 Millionen Euro sollen es sein und ein Mann hat sich gemeldet es sei sein Geld, ehrlich und aufrichtig beim Kartenspielen gewonnen. Der Mann ist der Mieter der Wohnung in dem man das Geld gefunden hat und wurde erst mal festgenommen um hinter die wirkliche Geschichte zu kommen. 3 Millionen beim Kartenspielen, klingt nicht unbedingt glaubwürdig und irgendeinen Beweis dafür werden die Behörden sicher sehen wollen. - Heute wird das Geld gezählt, warten wir mal ab um wie viel es sich tatsächlich handelt, oder "noch" handelt.



Donnerstag 14.12.06 - 18:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 19 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 63 % Luftdruck 1020 hPa
Höchsttemperatur heute 22,8 Grad - niedrigste Temperatur 14,5 Grad

Haben Sie 5 - 9 Millionen Euro auf Gran Canaria vergessen?

Alles erscheint komisch in dem Fall einer richtigen Räuberpistole, die man sich seit ein paar Tagen erzählt, man weiß noch nicht einmal um wie viel Geld es da geht über welches man an der Tankstelle, in der Kneipe und sonst wo gerade spricht. - Mehrere Sporttaschen, prall gefüllt mit Euroscheinen fand man in einer Wohnung in "Siete Palmas", einem Stadtteil der Hauptstadt Gran Canarias. Wem das Geld gehört, wo es herkommt und auch, warum die Lokalpolizei die das Geld gefunden hat überhaupt in die Wohnung eingedrungen ist, alles gibt bislang Rätsel auf. Allein eine Tatsache scheint klar, das Geld kann nicht ganz sauber sein, sonst hätte sich der Eigentümer sicherlich gemeldet, davon gehe ich in meiner angeborenen Naivität mal aus. Man vermutet Drogenhandel oder Geldwäsche, vielleicht soll es auch die erste Rate für den Golfplatz auf La Palma sein, wir wissen es nicht, nur dass einer oder mehrere Leute sich in den letzten Tagen wohl ganz tierisch ärgern müssen über den Zufallsfund der Polizei. - Aber auch da muss man vorsichtig sein, man weiß nicht mal ob es sich um Inspektor Zufall handelt.

Immerhin hat man jetzt eins beschlossen, man will das Geld zählen und auch auf Drogenspuren oder sonstige Hinweise überprüfen. - Dabei muss man beachten, dass Schwarzgeld auch bunt sein kann und die Noten nach der Geldwäsche auch nicht eingelaufen sind und die wenigsten Leute schreiben ihren Namen auf die Scheine. - Angefangen hat das alles mit einer Meldung, es würde in der Wohnung brennen und die Lokalpolizei, aber auch die Nationalpolizei wurden, von wem auch immer dorthin geschickt. Die Lokalpolizei war zuerst am Ort und konnte kein Feuer feststellen, hat aber dennoch wohl die Tür aufgebrochen und die Taschen mit dem Geld entdeckt. Die Nationalpolizei muss kurz nachdem oder gleichzeitig gekommen sein, aber auch da widersprechen sich die Quellen. - Unser aller Gedanke war nun dabei, warum haben sich die beiden, meist schlecht bezahlten Lokalpolizisten nicht die Taschen einfach geschnappt, oder ging das nicht mehr oder waren es am Ende sogar noch mehr Taschen voller Geld? - Keiner weiß nix, aber das Geld ist da und wartet auf seinen ehrlichen Besitzer und wenn Ihnen gerade wieder einfällt, doch mehrere Millionen Euro in einer Wohnung auf Gran Canaria stehen gelassen zu haben, dann wenden Sie sich doch bitte umgehend an die Polizei. Dann erspart man denen das Zählen. - Wie sagte schon so schön Karel Gott: Einmal um die ganze Welt und die Taschen ….



Donnerstag 14.12.06 - 07:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 15 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 73 % Luftdruck 1020 hPa

Neue, alte Traditionen

Glühwein und blonde Engel. Was hat das mit La Palma zu tun? - Gegen die Mammutkrippe in Los Llanos kommt eh keine andere Gemeinde an, was da viele Hände jedes Jahr zaubern ist gewaltig und gehört sicher zu den Magneten jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit für die Aridanemetropole, dafür hat Los Llanos einen Sonderländerpunkt verdient, das muss man neidlos anerkennen. - El Paso geht da einen anderen Weg, das muss so sein, sonst wäre man nicht El Paso und reaktiviert eine alte Tradition, die der lebendigen Krippe. - Das kenne ich auch noch aus meiner Niederbayrischen Heimat, so etwas haben wir auch gemacht und ich war nie ein Engel oder der Josef oder gar die Hauptperson, ich war immer ein Esel oder der Ochs, so entstehen Prägungen… Die einzelnen Stadteile El Pasos, angetrieben und unterstützt von dem rührigen Kulturrat Andres Carmona bekommen eine Hütte, Kakao und Kuchen gestellt und müssen (dürfen, sollen) dann ein Krippenspiel aufführen. - So etwas ist nichts Neues, man hat es einfach die letzten Jahrzehnte vergessen oder nicht wieder angeleiert, weil man dazu die Nachbarn und die Schulen aufscheuchen muss und jeder seinen kleinen Teil dazu beitragen soll.

Wie schwierig und zeitaufwendig ist, Nachbarschaften dazu anzuregen mal wieder etwas gemeinsam auf die Beine oder die Krippe zu stellen, davon kann immer der oder die ein Weihnachtslied singen, wer das schon mal probiert hat. - Über die Schulen geht das noch am besten und über die Kinder und so gelingt es ein bisschen dieser Magie auch an die Eltern weiter zu leiten. - Oft spielt da bei der Magie auch der Glühwein eine Rolle, welcher nach angeschlossener Integration mitteleuropäischer Bräuche inzwischen auch auf endemischen Weihnachtsfeiern verabreicht wird. Wir sind einfach da und gestern Abend war es so frisch, dass jeder gerne den Becher Glühwein oder Punsch genommen hat und wenn es nur darum ging, sich die Hände zu wärmen. Dazu einen echten deutschen Weihnachtskeks, schon lebt die Völkerverständigung. - Ich habe mich immer gefragt wie es denn in Haushalten mit doppelt atheistischem Elternanteil zugeht, wie erklärt man denn da Weihnachten? - Das muss nicht meine Sorge sein, Tajuya, unser "Barrio" verlangt kein Glaubensbekenntnis um gemeinsam zu feiern und wenn man ganz ehrlich ist, dann sind blonde importierte Engel aus dem Morgenland (Deutschland liegt von uns aus gesehen im Orient) auch noch die richtige Zutat dafür. - Die lebendigen Krippen werden in alles Stadteilen aufgeführt, immer um 19:30 Uhr. Heute in Tendiña, morgen in Paso de Abajo, am Montag in Tacande; Dienstag in Las Manchas und am Mittwoch in La Rosa. - Die Meldung, Ochs und Esel würden von der Inselregierung gespielt hat sich als nicht durchführbar erwiesen, man hatte sich wohl andere Rollen vorgestellt, aber weder Gott, noch der Papst kommen im Krippenspiel vor.



Mittwoch 13.12.06 - 18:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 21 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 54 % Luftdruck 1021 hPa
Höchsttemperatur heute 23,6 Grad - niedrigste Temperatur 12,9 Grad

Durchatmen

Die Banane, Fluch und Segen dieser Insel hat die erste europäische Hürde genommen, wir können vorerst mit den gleichen Hilfen (von manchen abfällig nur als Subventionen betitelt) rechnen, wie auch die Jahre zuvor. Alles Paletti oder alles platano. - Zäh hatte man gerungen, die Zahl der Gegner der europäischen Bananen hat sich seit der Erweiterung von 15 auf 25 in der EU sprunghaft erhöht. Die Zeit als die Achse Frankreich/Spanien mit freundlicher Duldung Deutschlands diese Hilfen immer abgenickt hatten scheint vorbei und wieder einmal war es Deutschland welches das Zünglein an der Waage spielte, Tor für die Kanarischen Inseln und alle anderen europäischen Bananenproduzenten wie Frankreich, Griechenland, Portugal und wir. - In Euro und Cent heißt das, die Kanaren können nächstes und übernächstes Jahr mit jeweils 141 Millionen Euro rechnen, davon würden an die 55 Millionen an La Palma gehen, so viel etwa halten wir am Gesamtmarkt der kanarischen Banane. - Allerdings ist das noch nicht unterschrieben, das soll am 19. Dezember geschehen wenn der Europäische Ministerrat zusammensitzt und Spekulatius oder Turrón knabbert, verhandelt wurde vorher, das ist wohl so üblich.

Natürlich feiern wir das als Sieg, aber nur als kurzen Sieg, denn die Mittel und Südamerikanischen Länder lassen vor der Welthandelsorganisation nicht locker gegen den Strafzoll auf ihre Bananen zu klagen, der momentan bei 176 Euro pro Tonne liegt und den sie natürlich weiter unten sehen wollen, oder am liebsten ganz abschaffen. - Dabei muss man wissen, dass hinter den Bananenproduzenten in Mittelamerika große Konzerne sitzen die nicht nur den Beinamen "Dollarbanane" verständlich machen, sondern auch ganz klar in den Händen des großen Bruders liegen. - Warum soll man aber ein landwirtschaftliches Produkt subventionieren, wenn es dieses anderswo billiger gibt fragt da natürlich der Normalverbraucher, sollen die sich doch die teuren kanarischen Bananen sonst wo hin schieben, wir kaufen die billigen Amerikaner. - Dazu sollte man begreifen, dass das Lohngefälle zwischen Mittelamerika und Europa dafür sorgt, dass diese Früchte dort so billig produziert werden können, was letztendlich auch eine Subvention für die großen Handelskonzerne darstellt, auf Kosten der dortigen Arbeiter. - Bei gleicher Lohngestaltung käme unser Standortvorteil zum Tragen und schließlich sind wir in die EU eingetreten mit der Bedingung, dass man als Europäische Union unsere europäischen Produkte schützt. - So haben wir uns das mal gedacht und da darf man uns ruhig Naivität vorwerfen und man kann voraussagen, dass die Hilfen für die europäischen Produzenten nicht mehr in Jahrzehnten zu zählen sind, sondern irgendwann auslaufen werden und wir müssen das endlich begreifen. - So lange man die Hilfen haben kann, um so besser, da sind wir uns näher als die anderen, aber dennoch muss das komplette Marketing der kanarischen Banane heftig überdacht werden, so können wir auf die Dauer nicht weitermachen. - Für La Palma könnte das auch eine Chance sein, sich alleine zu profilieren, bislang werden alle kanarischen Bananen gemeinsam vermarktet und kein Verbraucher kann wählen ob er denn Platanos aus Tenerife, El Hierro oder La Palma im Körbchen mit nach Hause trägt. - Darüber wird auch diskutiert, soll man zurück zu den alten Sorten, soll man ganz auf Bio gehen und wer wagt es, die palmerische Banane von den anderen abzukoppeln und damit eine weitere Front im "Bananenkrieg" zu eröffnen. - Fragen über Fragen und im warmen Segen der Hilfen der EU geht so manche gute Antwort einfach verloren. - Es bleibt dabei, Fluch und Segen dieser Insel und das seit über hundert Jahren.

Aus gegebenem und fröhlichem Anlass. Alle die sich so wunderbar um die Unterschriftensammlung gegen die Golfisierung der Insel bemühen möchten bitte beachten, dass die Unterschriftenlisten hier im Original vorliegen müssen. Bitte senden Sie mir die Listen nicht per E-Mail oder Fax, das lässt man nicht gelten. - Ich weiß, das habe ich nicht ausdrücklich geschrieben in meinem Pamphlet, ist aber so. - Bitte den guten alten Postweg beschreiten, auch wenn kaum noch einer weiß wie das geht… Unten auf der Seite steht unsere Adresse. Vielen Dank und bitte weiter so!



Mittwoch 13.12.06 - 07:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 14 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 64 % Luftdruck 1023 hPa

Starker Tobak

Fuencaliente ist immer für eine Geschichte gut. Doch vorsichtig, die Erzählung stammt aus dem Blatt El Día, man muss dann auch auf die Antwort des hier "Angeklagten" reagieren, zunächst handelt es sich um eine völlig subjektive Erzählung ohne den Wahrheitsgehalt überprüfen zu können. - Ein Einwohner Fuencalientes steht vor den Trümmern seines Lebens, sein Haus, von immerhin 150 qm wurde von der Umweltbehörde platt gemacht weil es im Naturpark Tamanca gebaut wurde und zusätzlich will man von ihm auch noch 60.000 Euro Strafe kassieren und die Kosten des Abrisses. - Nur ein kleiner Hinweis für Investoren des Golfplatzes "Aridanegolf", auch der liegt zum Teil im "espacio natural protegido de Tamanca" und man sollte bei solchen Geschichten immer wissen wem man vertrauen kann. - Der Fuencalentero, dem man sein Haus abgerissen hat vertraute auf die Aussagen des immer noch Bürgermeisters der südlichsten Gemeinde der Insel. Er half ihm bei der Auswahl des Grundstückes, regelte die Papiere für ihn, da der gute Mann in Italien sein Geld verdient und einfach nur selten vor Ort ist.

Irgendwann kommt ein Schreiben der Umweltbehörde, das Bauvorhaben sei illegal, da aber war das Haus bereits fertig und der Bürgermeister empfahl dem, nun geprellten Bauherrn, einen bestimmten Anwalt in Los Llanos, der sich der Sache annehmen würde. - In erster Instanz verlor man, 60.000 Euro Geldstrafe und der Abriss wurden verfügt. Wieder hörte der Bauherr auf das Wort des Bürgermeisters, legte Einspruch gegen den Entscheid ein und man schrieb Briefe an den Inselpräsidenten und den obersten weltlichen Hirten der Kanaren, den Präsidenten der autonomen Kanarischen Provinz. - So wollte man Zeit gewinnen, bis die urbanistische Planung sich in Fuencaliente ändern würde, daraus wurde aber wohl nichts und nun ist guter Rat, auch wenn der von einem Bürgermeister kommt, sehr teuer geworden. - Der Bürgermeister wird sicherlich die Möglichkeit erhalten seine Version davon zu äußern und das wird sicher interessant. - Eines muss der Bürgermeister aber nicht mehr fürchten, drastische Stimmenverluste bei der Kommunalwahl im Mai, er tritt dort nicht mehr an. - Das kann man an viele Investoren so weitergeben, auch Bürgermeister sind letztendlich nur Menschen und das Wort dieses zählt auch nur im Rahmen eines übergeordneten Gesetzes. - Wenn Ihnen also jemand erzählt, dieses oder jenes Projekt mit 18 Löchern hat die Zustimmung und Unterstützung des Bürgermeisters, in welcher Gemeinde auch immer, dann ist das schön für Sie, aber nicht mehr und kann (muss allerdings nicht) dazu führen, dass der freundschaftliche Umtrunk in einer Bodega letztendlich sehr teuer wird.



Dienstag 12.12.06 - 19:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 19 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 61 % Luftdruck 1023 hPa
Höchsttemperatur heute 20,8 Grad - niedrigste Temperatur 14,3 Grad

Das "Festivalito" im Netz

Das" Festivalito" ist das internationale Filmfestival des digitalen Films und findet nun seit 3 Jahren immer auf La Palma statt. Meist junge Autoren und Regisseure bevölkern dann eine Woche lang die Insel und drehen, was die Festplatte hergibt. - Ungezwungen geht es her, rebellisch, die konservative Geld-Welt des Zelluloid ist nicht deren Ding und fabriziert hat man reichlich Kurzfilme und Filmchen die man auch während des Festivals dann betrachten kann. - Nun haben wir ja aber das monströse Projekt "La Palma Digital", welches sich zur Aufgabe gemacht hat, diese Insel aus dem digitalen Analphabetismus zu katapultieren. - Anfänglich mit viel Polemik verbunden da immer nur Geld ausgegeben wurde und kein fassbares Ergebnis zu verzeichnen war, inzwischen hat man aber einiges auf die Beine gestellt wie öffentliche Internettankstellen und auch eine eigene ambitiöse Webseite. - Zusammen mit dem Festivalito bringt nun La Palma Digital alle Kurzfilme des Festivalito ins Netz und man kann sich bequem bei Weißdorntee und Reiswaffeln aus dem Bioladen die Ergebnisse des Filmfestivals ansehen.

Um den Server nicht in die Knie gehen zu lassen beschränkt man sich auf eine Größe von 320 x 240 Pixel und die Komprimierung ist kräftig zu spüren, aber es laufen halt große Datenmengen über den Server und ich weiß aus eigener Erfahrung, dass die meisten Betrachter lieber das schnelle Bild wollen und nicht gerne warten. Ob solch ein Kompromiss gelingt, dennoch ordentliche Qualität abzuliefern, das muss jeder für sich entscheiden. - Auf jeden Fall eine gute Idee, jeden Tag bringt man einen neuen Film und die bereits gezeigten bleiben im Archiv. - Mir ist beim Ansehen der ersten Filme aufgefallen, dass unheimlich viel Gewalt darin vorkommt, auch wenn diese zum Teil als Komik versteckt wird. - Da ich aber alles andere bin als ein Filmkritiker freue ich mich immer wieder daran im Hintergrund diese Insel und viele Ecken La Palma auf den Streifen wieder zu erkennen und das reicht mir dann. - Interessant ist auch, dass beim digitalen Film die Benutzung eines Stativs wohl als bourgeois angesehen wird, mich erinnert das nostalgisch an die Parkinsonsche Krankheit der alten Super 8 Streifen, ist aber eben Kunst, und davon verstehe ich nichts. Aber man nimmt sich dabei oft selbstironisch auf die Schippe und dann macht das wieder richtig Spaß. - Spanisch zu können wäre nicht schlecht, dann kann man auch die Texte verstehen und wenn ich mich richtig erinnere hatten Sie doch vor einen Kurs bei der Volkshochschule zu belegen…



Dienstag 12.12.06 - 07:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 17 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 70 % Luftdruck 1024 hPa

Das muss man sich auf seiner grünen Seele zergehen lassen

Der Flächennutzungsplan Breña Altas wurde genau so zur Zerreißprobe wie das gleiche Dokument aus El Paso, prinzipiell weil in beiden Gemeinden eine Landreserve für eine mögliche Autobahntrasse gegen den Wunsch und Willen der Bevölkerung auftaucht. - Von den Protesten dagegen und den jeweils weit über tausend Eingaben haben wir andauernd berichtet, nun kommt eine donnernde Ohrfeige gegen dieses Stück lokale Zukunftsplanung aus einer Richtung, aus der man das nicht erwartet hätte. - Der Plan liegt nun wieder bei der Inselregierung, genauer gesagt bei der Kommission für Territorialplanung und die hat kein gutes Haar an diesem Plan gelassen und wird einen sehr negativen Bericht an die oberste Raumordnungsbehörde in Tenerife, die "COTMAC" weiterleiten. - Das bedeutet im Allgemeinen das Aus für solch einen Plan, besonders wenn es sich um derart prägnante Fakten handelt, welche die Kommission nun gegen den Plan aufführt. - In der Kommission sind überwiegend Techniker, Architekten und Jusristen beschäftigt, Politiker halten sich immer da wo es um faktisches Wissen geht, lieber an die oft zitierten Spezialisten und nicht an ihr eigenes Unwissen.

Man höre und staune, in Breña Alta basiert der Flächennutzungsplan auf einem möglichen Bevölkerungswachstum von nunmehr etwas über 7.000 Einwohnern auf an die 25.000 Breñuscos in nur 10 Jahren. - Solch wahnsinnige Wachstumszahlen werden in Normalfällen oft toleriert, auch wenn diese fern jegliches Denkens sind, aber die Gemeinden wollen sich Möglichkeiten offenlassen Gelände zu urbanisieren und das muss in diesen Plänen mit Bevölkerung aufgewogen werden. - Ich weiß nicht, ob die Bevölkerung La Palmas, nimmt man alle 14 PGOs mal zusammen nicht eine halbe Million möglicher Einwohner beträgt, dabei ist die tatsächliche Einwohnerzahl der Insel seit nunmehr 3 Jahren am Sinken und kratzt nun von oben an die 80.000 Frau/Mann Marke. - Das wird aber oft geduldet, in diesem Fall aber nicht, vielleicht auch deshalb weil viel zu viel Land als urbanisierbar ausgewiesen wurde. Mit dem Hinweis auf die landwirtschaftliche Vergangenheit Breña Altas wischen die Kommissionäre diese möglichen urbanen Flecken vom großen Tisch, nix da zurück auf Feld. - Neben so einigen weiteren abstrusen Planungskapriolen fällt aber auch der Golfplatz bei den Technikern durch, viel zu viel Landverbrauch und außerdem sei der Fußballplatz mit 18 Löchern viel zu nah am Naturpark Cumbre Vieja und beißt sich auch noch mit einer geplanten Erweiterung eines Vogelschutzgebietes für endemische Arten. - Nun kratzen sich viele am Kopf und so mancher wird ganz schnell zum Telefon greifen wenn er die Nachricht in der Zeitung El Día liest und seine Bodegaamigos anrufen, da läuft was nicht wie gewünscht und dieses Mal kommt die Gefahr nicht von grünen Welt und Inselverbesserern, sondern aus den eigenen Reihen und die glaubte man doch fest in der Hand zu haben.



Montag 11.12.06 - 19:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 20 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 54 % Luftdruck 1025 hPa
Höchsttemperatur heute 23,4 Grad - niedrigste Temperatur 14,4 Grad

Der schwere Weg der Vernunft

Wen interessiert schon die Lokalpolitik in El Paso? - Mich und deshalb müssen Sie da jetzt durch, oder Sie blättern gleich weiter bis zum nächsten Paul… Seit nun fast vier Jahren zieht in El Paso eine ziemlich ungewöhnliche Koalition die Fäden, die natürlichen Feinde in der nationalen Politik, die Partido Popular und die Sozialisten von der PSC haben gemeinsame Sache gemacht um die "Regionalnationalisten" der Coalición Canaria endlich vom Sockel zu stoßen. - Im Rathaus von El Paso gibt es 13 Plätze für Stadträte, 6 davon gingen an die Coalición Canaria (CC), 4 an die PSC und 3 an die Partido Popular (PP). Das ergibt eine Minimalmehrheit von einer Stimme und jede Menge Ärger mit der Mutterpartei der drei Räte der PP. - Man hatte in der gesamten Provinz Kanarische Inseln abgesprochen eine Koalition von PP und CC zu bilden und in EL Paso machte man da einfach nicht mit und musste dann irgendwann, als der Druck aus Gran Canaria zu groß wurde sogar aus der Partei austreten. Bis jetzt sitzen also drei parteilose Räte im Rathaus, Obdulia, Pedro und Jesús, der auch als Bürgermeister fasst drei Jahre tätig war. - Parteilos aber nur noch der Papierform nach, fast die komplette Riege der PP El Paso trat geschlossen in die neue Partei "Centro Canario Nacionalista (CCN) ein und wird bei den nächsten Wahlen auch unter dem Mantel dieser Mitte/Halbrechts Partei wieder antreten.

Allerdings hat Obdulia die Nase von der Lokalpolitik voll und wird nicht wieder antreten, die beiden anderen Räte schon, aber in neuer Reihenfolge. Jesús Manuel Rodriguez Pérez, bislang die unumstrittene Nummer eins der Gruppierung wird nicht erneut als Nummer eins der Liste für El Paso auftreten, sondern direkt für das Cabildo Insular kandidieren. - Das ist nicht etwa ein Aufstieg, sondern ein kalkulierter Rückzug aus der Bürgermeisterkandidatur für El Paso, zu Gunsten des zweiten Mannes Pedro Manuel Martín Pérez. - Die Rechnung war schließlich ganz einfach, auch wenn Jesús diese Entscheidung überhaupt nicht leicht gefallen ist, aber seine Kandidatur als Nummer eins hätte auch die Karriere der Nummer zwei gefährdet, da Jesús durch das unglückliche Agieren in der "Sache Autobahn" nicht ohne Schaden zu nehmen herausgekommen ist. - Auch wenn er rechtlich und in den Abfolgen der Veröffentlichung und schließlich dem Rückzug der Autobahntrasse aus dem lokalen Flächennutzungsplan alles korrekt gemacht hat, bei ganz vielen Leuten aus El Paso blieb ein mulmiges Gefühl übrig und viele scheinen nicht mehr geneigt, Jesús Vertrauen zu schenken. - Er hatte das Pech, genau im falschen Moment am Ruder zu sein und ist voll in die Falle der Provinzregierung getappt und schließlich hatte auch keiner damit gerechnet, dass die neue Verkehrstrasse solch große und breite Ablehnung hervorruft. - Da reagierte er nicht immer geschickt und ließ Fragen offen und Gemeinderatswahlen sind Personensache, besonders wenn man einer solch unbekannten politischen Gruppierung angehört, wie es die CCN nun mal ist. - Da weiß man noch nicht was man hat und es gibt noch keine Stammwähler, die vom Abitur bis an die Urne die gleiche Partei wählen. - Jesús als Nummer eins der Liste El Pasos hätte bedeuten können, dass keiner dieser Partei mehr ins Rathaus gekommen wäre. Pedro, der immer etwas im Schatten Jesús stand ist ein sehr beliebter Stadtrat und mitten im Geschehen, der kann viel eher seiner Person wegen Wähler dazu bringen eine noch ziemlich unbekannte Partei zu wählen. Das ist so der Typ Schwiegermuttertraum und einfach ein netter Kerl, eben so einer dem man gerne das Vertrauen ausspricht. - Wer noch auf die Liste dieser Partei kommt, das ist noch nicht klar, aber auch die anderen Gruppierungen arbeiten noch an ihren Wahlvorschlägen. - Alles hängt von der neuen Hoffnung von El Paso ab, der jetzigen Bürgermeisterin und Frontfrau der PSC, María Dolores Padilla Felipe, eigentlich immer nur Loli genannt. - Der traut man zu, die Machtverhältnisse in El Paso völlig zu kippen und die Sozialisten als größte Gruppierung aus den nächsten Wahlen kommen zu lassen, allerdings hat sie noch keine definitive Aussage getätigt, wieder antreten zu wollen. Loli ist bei fast allen sehr beliebt und als ehemalige Kulturrätin auch nicht in den Strudel der Autobahngeschichte verstrickt, die könnte wirklich was reißen und so die ewig mächtige Coalición Canaria auch als meist gewählte Gruppierung ersetzen. - Aber antreten muss sie dazu.



Montag 11.12.06 - 07:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 15 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 65 % Luftdruck 1024 hPa

War es der Streik oder war es der Wind

Kräftig bläst der Nordost seit nunmehr fast drei Tagen und es sieht so aus, als hätten wir noch einen weiteren windigen Tag vor uns. - Mit aller Macht möchte uns der Passat zeigen wer denn der Herr über dem Nordatlantik ist und eindruckvoll beweist er seine Vormachtstellung. - Erst Morgen wird er nachlassen, das Azorenhoch wandert in Richtung Iberische Halbinsel und der Wind wird die nächsten erst auf Ost drehen und später vielleicht sogar nach Süden und so erneut Warmluft zu den Kanaren pusten. - Regen ist für die West und Südseiten der Inseln nicht in Sicht, aber auf den Ost und Nordseiten wird der Passat weiter für Niederschläge sorgen.

Der scharfe Wind beeinträchtigt auch den Flug und Schiffsverkehr zwischen den Inseln und nun weiß man nicht mehr so genau, ob denn der Streik des Bodenpersonals der "Atlantica Handling" für mehr Verspätungen und Stornierungen gesorgt hat als der Wind. - Insgesamt wurden gestern 8 Flüge gestrichen, La Palma war davon nicht betroffen und ab der Mittagszeit lagen die Verspätungen bei um die 60 - 90 Minuten. - Die Gewerkschaft sagt, das waren wir und die Binter Canarias sagt, das war der Wind, so hat jeder was dazu zu sagen und fühlt sich bestätigt. - Es bleibt zu betonen, dass die Flüge anderer Gesellschaften nicht vom Streik betroffen sind und es gab auch keine Ausfälle im internationalen Flugverkehr wegen des Windes. - Ist halt unser Wind und unser Streik. - Nicht beeindrucken lassen vom Wind hat sich die erste Maschine der Ryanair die in Los Rodeos gestern Früh gelandet ist. Immerhin hatte die Boeing 737 aus Dublin kommend 141 Passagiere an Bord, für den Rückflug konnte man aber lediglich 53 Gäste begeistern. Die anreisenden Gäste müssen geglaubt haben, der Pilot wäre ein Witzbold und hätte sie wieder zurück nach Irland geflogen, so ungemütlich war das Wetter auf dem Nordflughafen von Tenerife und so irisch.



Sonntag 10.12.06 - 19:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 17 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 49 % Luftdruck 1025 hPa
Höchsttemperatur heute 21,8 Grad - niedrigste Temperatur 12,6 Grad

Es ist nicht alles Golf was glänzt

Es kommt mal wieder eine Deadline auf uns zu, wir wollen doch nicht aus der Übung kommen mit dem Protestieren und Eingaben schreiben, beziehungsweise unterschreiben. - Da ist einmal die konkrete "Alegación" gegen das Erscheinen des Golfplatzes im Flächennutzungsplan Fuencalientes, die noch bis zum 14. Dezember abgegeben werden kann. - Wie immer kann man sich bei der "Asamblea Ecologista", im praktischen Wordformat, kompakte 4 Seiten herunterladen und bei den auch auf der Seite angegebenen Stellen abgeben. - Das Ganze sollte natürlich noch vor dem 14. Dezember geschehen. - Dann kommt noch ein "globaler" Aufruf der höchst interessant sein könnte. - Ebenfalls wieder auf der Seite der "Asamblea Ecologista", nun auch auf deutsch und englisch kann man mit seinen Daten und seiner Unterschrift auch aus der Ferne seinen Unmut gegen die Vergolfung La Palmas Kund tun, denn ohne die entsprechenden Gäste und Golfer können wir uns eine zukünftige Diskussion sparen, die um eine mögliche Zukunft La Palmas welche auch ein touristisches Bein aufzuweisen hat. - Da gibt es immer den guten Spruch, man kann die Rechnung zwar ohne den Wirt machen, aber nicht ohne die Gäste. - Dabei ist zu beachten, wer besonders aktiv sein will im Unterschriften sammeln soll bedenken, immer eine Seite mit dem Text und auf die Rückseite dann die Unterschriftenkästchen auszudrucken, nicht einfach weitere Unterschriftenlisten anhängen. HIER kann man sich die Seite als PDF-Dokument auf Deutsch herunterladen. - Unterschreiben können alle Menschen dieses runden Erdenballs, auch Ananaszüchter in Alaska, Bananenbieger auf den Bahamas und besonders Menschen denen eine alternative und wirkliche Zukunft dieser Insel am Herzen liegt. - Wenn Sie weitere Menschen davon überzeugen können und das dürfte nicht schwer fallen, dann lassen Sie die Unterschriftenlisten in Ihrem Bekanntenkreis kreisen wie weiland den Lambrusco am Lagerfeuer. - Schicken Sie die Unterschriftenliste an uns, Adresse unten auf jeder Webseite, wir geben diese dann weiter an die Asamblea Ecologista.

Natürlich sollte man nichts unterschreiben von dem man nicht überzeugt ist und einfach Nein sagen und ohne Begründung ist was für notorisch Oppositionelle. - Wenn Sie öfter diese Kolumne lesen, dann wissen Sie bereits einiges über die fatalen und hochtrabenden Pläne die man mit dieser Insel hat, die letztendlich nur dazu führen, dass La Palma seine Eigenständigkeit an einige Investoren aufgibt und zu einer faden und manipulierbaren Kopie vieler anderer Ferienregionen macht. - Es scheint im Interesse vieler Kapitalgeber und deren schlecht beratenen Politikern zu liegen, dass man diese Pläne verfolgt. - Dass man mit dieser Internationalisierung und Vermarktung der Insel La Palma des einzigen touristischen Profaktors berauben würde, eben anders und unvergleichbar zu sein, wird mit platten Sprüchen von Nachhaltigkeit und Fortschritt betitelt. - Leider haben wir kaum Presse welche sich parteiunabhängig um die wirklichen Belange dieser Insel kümmert und mindestens ein Pro und Kontra drucken würde. Nachfolgend zitiere ich ein Arbeitspapier der Asamblea Ecologista in dem ich lediglich einige spanische Ausdrücke übersetzt habe. In den nächsten Wochen gibt es den gesammelten Kontra Golf Text auch bebildert und ordentlich betitelt, so lange wird uns dieses Arbeitspapier auch zum Nachdenken anregen: Ich habe ein paar Namen ausgeXt, um niemandem vorzugreifen.

Im Rahmen einer Studie wurden die Böden La Palmas untersucht und es hat sich gezeigt, dass die Böden von Mazo bis El Remo stark verseucht sind (ich glaube es war Nitrat + Phosphor). Das würde durch die Golfplätze noch schlimmer werden und in Fuencaliente eines Tages die Fuente Santa kontaminieren.

Es gibt in Spanien nur 4-5 Golfplätze, deren Betrieb allein profitabel ist. Das sind wohl die, wo auch die Profis spielen (Ryders-Cup?). Das Geschäft liegt in der Urbanisierung von Gebieten, wo man sonst niemals bauen dürfte. Einerseits Hotels, aber vor allem die Luxusvillen die normalerweise um die Golfplätze angesiedelt werden. Da verdienen die Immobilienhändler, die Bauunternehmen und die Gemeinden. Nicht umsonst werden 90% der Golfplätze von Inmobiliarias promoted.

Golfplätze werden oft mit Diversifikation begründet. In Wirklichkeit ist es eben genau das Gegenteil: Urbanisierung, Bau + Tourismus = So wie immer, die ganze spanische Mittelmeerküste ist voll davon.

Es stimmt nicht, dass z.B. Amerikaner auf die Kanaren zum Golfspielen kommen. Das können die billiger und besser in den Staaten.

Golftouristen verhalten sich ähnlich wie AI-Touristen (oft sind sie es auch). Sie bringen im Durchschnitt wenig für die lokale Wirtschaft, da sie (außerhalb der Anlage) kaum Geld ausgeben. Wanderer + Individualtourismus bringt mehr.

Mir hat folgende Formulierung gefallen: "Privatisierung landschaftlich ansprechender Gelände" (oder so ähnlich). Das trifft doch den Nagel auf den Kopf. Zum Beispiel in Fuencaliente: Öffentliches Hügelland soll privatisiert werden.

Interessant war die Erzählung eines jungen Mannes der von Gomera stammt: Dort hat XXXX angeblich 100% der Wasseraktien der einzigen Galerie einer Region aufgekauft um Golfplatz, Hotel und Luxus-Chalets zu versorgen. Nun haben seine Angehörigen und ihre Nachbarn kein Wasser mehr. Angeblich hat XXXX. nun versprochen eine Entsalzungsanlage zu bauen (auf Gomera!). Das Wasser wird dann aber mindestens 20% teurer sein. Da kommt natürlich Freude auf - bei den Bauern.

Der Golfplatz Buenavista (auf Tenerife) sollte 150 Arbeitsplätze schaffen. Da der Andrang der Golfer ausblieb gibt es nur etwa 15 Angestellte. Im "Restaurante" gibt es nur bocadillos, geplante Hotels wurden z.T. gar nicht erst gebaut und die Leute aus der Gegend fahren in den Süden um dort für ein paar € Appartamentos zu putzen. In der Nebensaison gibt es Sonderangebote für Jugendliche, die können dann für 1 € einen ganzen Tag spielen. Da denen das Warten (bis sie dran sind) aber zu langweilig ist, spielen sie lieber Fußball (auf dem Golfplatz).

Die Bilder von den Baustellen der Golfplätze (Teneriffa + Gran Canaria) sind erschreckend. Da wird erstmal alles (Pflanzen, Steine, Hügel) weggemacht, eine neue Landschaft "designed", eine Drainage (Picón) gemacht und dann 30 cm Erde aufgetragen (woher auch immer). Wenn man solche Bilder sieht, sollte man eigentlich annehmen, dass so etwas in einer Reserva Mundial gar kein Thema sein kann!

XXXX (er ist Palmero, lebt und arbeitet aber auf Teneriffa für die Provinzregierung, hält die Pläne für La Palma für Wahnsinn. Er erinnerte daran, dass früher der Bus nach Fuencaliente oft in Tigalate warten musste, bis sich der Nebel verzogen hatte. Sein Kommentar zu La Pavona: In El Llanito ist es im Winter kalt, so dass man heizen muss. In La Pavona ist es auch im Sommer kalt.

Es ist für XXXX wohl etwas schwierig in der Öffentlichkeit Stellung zu beziehen. Schließlich ist er Beamter. Aber dafür waren seine Kommentare knallhart. An einer Stelle hat er den Tourismusrat vom GobCan zitiert (ich glaube, der wollte 100? Golfplätze auf den Kanaren) und meinte dazu: Ésto no es corrupción. Ésto es peor todavía ... Das ist keine Korruption, das ist viel schlimmer….

Fuencalenteros haben sich beschwert, dass sie als Bürger nicht über die Pläne informiert werden und kein Politiker Veranstaltungen macht, wo er die Pläne erklärt und Fragen beantwortet. (Erklärung eines anderen Teilnehmers: Weil sie dann nicht Grundstücke für 4€/m2 kaufen können, vor allem, wenn die Leute wissen, dass sie für einen (privaten) Golfplatz nicht enteignet werden können.)


Ich darf noch ein lustiges Zitat anbringen, stammt aus der Bibel der deutsch-spanischen Übersetzungen, dem Wörterbuch von Slaby/Grossmann/Illig.

Golfo: Gassen - Straßenjunge, Gauner, Ganove, Strolch, liederlicher Mensch, Vagabund, Chaos, Durcheinander. - Ich darf daran erinnern, dass Golfspieler auf spanisch Golfista heißt und mit der Bezeichnung Golfo überhaupt nichts zu tun hat, nur klammheimlich…



Sonntag 10.12.06 - 09:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 14 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 60 % Luftdruck 1025 hPa

Feigheit vor dem Wetter

Ich kann es jetzt noch nicht glauben, dass wir derart vernünftig sein können. Die Vorbrater des Schweins sind unverrichteter Dinge wieder vom Berg heruntergekommen und haben beschlossen, dass es unmöglich ist, dort mit so vielen Kindern im strömenden Regen irgendetwas auf die Beine zu stellen. - Die Suche nach Alternativen gestaltete sich ziemlich schwierig, weil jemand den Bus wieder weggeschickt hatte, also blieb nur ein Heimspiel übrig. - Die Kinder waren von so viel Vernunft überhaupt nicht angetan, da oben im Dreck und Schlamm wühlen zu können und den Eltern so eines auszuwischen, das wäre es schon gewesen. - Mitten in El Paso sind sie jeden Tag und das Schlimmste an Erwachsenen muss wohl ihre vorgetäuschte Vernunft sein, die nichts anderes ist als klare Feigheit vor dem Wetter und schweren Erkältungskrankheiten. - Da kommt noch ein Punkt hinzu, eine ordentliche Erkältung, mit dem Zusatz sich "gripe" nennen zu dürfen, schützt ein paar Tage vor der Schule und das haben die "vernünftigen" Eltern wieder mal höchst pädagogisch versaut. - Da kommt unser Problem wieder, wo grillt man mitten in El Paso eine halbe Sau, die soll doch nicht verkommen oder wieder am Haken des Metzgers baumeln?

Eine Schlosserwerkstatt wurde schließlich zur Großküche umfunktioniert, da kann am wenigsten abbrennen haben wir uns gesagt und die halbe Sau in kleine handelbare Häppchen transferiert, welche nun in Spieße, Suppen und lustige Fleischwürfel verwandelt wurden. Auf eilig herbei geschleppten Dreibeinen brodelten die Kichererbsen, die als hervorragende Grundlage für allerlei Getier herhalten können, nur die enorme Garzeit war sehr hinderlich und die Kinder mussten bis halb Drei Uhr warten, bis man endlich diese, dann aber köstliche Suppe, besprochen und beglückt von vielen kundigen Köchen, genießen konnte. - Die Fähigkeit zur Improvisation ist hier schon sprichwörtlich und wer ausgereifter Hygienefanatiker ist, der wird sich vielleicht an den Metallspänen und Kühlmitteln stören, die gefährlich nahe an den Kochtöpfen und Platten zu finden waren, aber 6 Köche und der fast gesamte Weinvorrat der Pilarexpedition 2006 lassen Gnade in solchen Sachen aufkommen. - Irgendwie haben die Hauptakteure während des 5 stündigen Kochhappenings sowieso mehr getrunken und gegessen als die gesammelte Kinder und Elternschar später, die fußball- und bingospielend im ausgeliehen Gemeindesaal auf uns warteten. - Domingo, der Pfarrer hat uns den Raum zur Verfügung gestellt, das war schon immer so, für einen Teller warme Suppe kann man fast alles von denen haben… Immerhin hat Domingo uns dafür zugesagt beim Bischof ein gutes Wort für uns einzulegen damit man zukünftig Weihnachten in den August legt und wir unsere Sau bei strahlendem Sonnenschein in den Bergen brutzeln können.

HIER gibt es noch ein paar Photos von dem improvisierten Schmaus und besonders der Zubereitung. Ich gebe es zu, es ist natürlich interessanter die diejenigen die auf den Photos sind oder wenn man diese kennt. - Aber Sie waren halt nicht dabei...



Samstag 09.12.06 - 09:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 15 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 78 % Luftdruck 1022 hPa
6 Grad auf 1.400 Meter, Sturm aus Nordnordost, Regen und dichter Nebel

Schwere Erkältung mit Ansage

Ein "resfriado" gibt es hier eigentlich nicht, das würde Erkältung bedeuten, wenn überhaupt, dann hat jeder hier "gripe" und deckt mit dieser Bezeichnung alle Erkrankungen ab, die irgendwie von Wetter herrühren könnten. So etwas kommt nie vereinzelt, wir neigen immer zur Massenhysterie oder auch Palmdemie genannt, dann liefern 40 Tonner Paracetamol durch den Vordereingang in die Apotheken und das Personal verteilt gleich nach Aldi- Manier frisch aus dem Karton an die leidende Bevölkerung. - Ganz beliebt sind solche Brummer wie "Frenadol", reinstes Paracetamol mit Vitaminzusatz welches auch als Heißgetränk zu sich genommen werden kann, drei Gläser Rotwein oben drauf und man sieht so krank aus, dass einem der Zuspruch der gesamten Gemeinde gewiss ist. - Wehe dem ignoranten Zeitgenossen der bei brausendem Passat mit kurzen Hosen erwischt wird oder mit leicht flatternder Oberbekleidung. Öffentliche Verstöße gegen das Gleichleidegesetz werden mit dem Entzug der Aufmerksamkeit nicht unter mehreren Wochenenden geahndet und wer am Samstagabend alleine am Tresen stehen muss, der weiß wie gesellschaftliche Lepra zuschlägt.

Natürlich fängt man sich eine solch kapitale Erkältung immer zufällig ein, es sei denn man ist wahnsinnig (oder aus El Paso) und möchte bei sturmartigem Passat auf dem Refugio El Pilar eine Weihnachtsfeier abhalten. - Schon von hier unten, im geschützten Aridanetal sehe ich die jagende und fette Wand dichter Wolken die sicher bis 1.000 Meter herab den kalten Nieselfilm hinterlassen, begleitet vom Wind der zwischen 60 und 80 Stundenkilometer schnell jeden Gedanken an tropische Inseln aus dem Resthirn bläst. Da oben auf 1.400 Meter werden Weihnachtsfeierhelden gebacken, Waldschratlegenden geboren und Arbeitsplätze in der Pharmaindustrie gesichert. - Inzwischen bläst der gewaltige Passat die Nieselschauer bis ins Aridanetal herunter und ich nehme Abschied von meiner übergroßen Bettdecke und dem Heizlüfter, die Zivilisation muss leider im Tal bleiben. - Lange Unterhosen, Moonboots (hab gar keine verrät mir meine Frau), mehrere Lagen Angoraunterhemden und ein Parka der grönländischen Armee soll mein Überleben rudimentär schützen. Meine Töchter konnte ich davon überzeugen dass die Stringtangas und die kurzen Röcke doch reichlich underdressed sind für eine Weihnachtsfeier im Hochgebirge sind, aber ich bin mir sicher, dass die pubertierenden Puten anderer Eltern genau in dieser Staffierung dort oberhalb der Schneegrenze auftauchen werden. - Immerhin, wir lassen uns mit dem Bus hochfahren damit die Eltern nicht reihenweise den Führerschein erneut machen müssen und so wie ich die Herren Organisatoren kenne hat man an drei Dinge mindestens gedacht: Das halbe Schwein welches schon auf dem Feuer liegt, mehrere Hektoliter Rotwein, zusammengeschüttet aus den Bodegas aller Eltern und sicher hat Tropical per LKW bereits direkt geliefert. Das Positive an solchen Weihnachtsfeiern, auf denen selbst Herr Nehberg Schnupfen bekommt, man braucht keinen Kühlschrank um das Bier auf trinkbare Temperaturen zu halten, aber vielleicht könnte der das Gefrieren zumindest verhindern… An die hundert Leute werden wir alleine sein und es sind 5 Gruppen für heute angesagt, die weder Tod und Teufel noch Erfrierungen fürchten. - Wahnsinnig sind wir und dennoch traut sich keiner das zuzugeben oder zumindest davon zu sprechen, Weihnachtsfeiern auf 1.400 Meter Höhe doch lieber in den Sommer zu verlegen. - Gut, dass auch eine Apotheke am Sonntag immer auf hat, das gibt "gripe" mit Vorankündigung. - Ich gehe mal davon aus, dass es heute Abend keine weiteren Nachrichten geben wird. - Sollte morgen Mittag immer noch nichts weiter hier im Netz stehen, dann schicken Sie bitte die Hundestaffeln die Schweiz, die mit den Fässchen um den Hals.



Freitag 08.12.06 - 09:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 21 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 66 % Luftdruck 1021 hPa
Höchsttemperatur heute 21,8 Grad - niedrigste Temperatur 13,6 Grad

Landjäger für Paul, Weißdorntee für mich

Das Zeug riecht nach verfaulendem Walfisch. Nicht die Landjäger, sonst würde Paul die ja nicht essen, sondern mein Teechen, welches mir ab und zu von wirklich sorgender Hand neben meine Tastatur gestellt wird, damit ich mich nicht so aufrege und mein Blutdruck auch für haushaltsübliche Messgeräte noch anzuzeigen bleibt. - Mit reichlich Zucker und ganz heiß, so dass die Geschmackknospen noch vor dem ersten Schluck kollabieren geht das auch ganz gut, demütig nehme ich diesen gesunden Trunk entgegen und schiele neidisch auf den fetten Kater der eitel auf dem Schoß meiner Tochter in die Landjäger beißt, die ich mir heimlich zur Seite gelegt hatte. - Das geht halt nicht immer gut mit dem Bunkern, da muss mit Schwund gerechnet werden und immerhin, die Chorizo wasserdicht im Spülkasten der Gästetoilette verpackt, haben meine Gesundheitsapostel, drei plus Paul, noch nicht entdeckt. - War bloß eine Finte, jetzt rennen die alle aufs Klo und ich kann die Wurst aus dem DVD-Spieler nehmen und Herz-haft und schädigend reinbeißen. - Noch tropfen die dicken Fettaugen aus meinen Mundwinkeln, da werde ich auch schon gestellt und der Rest des saftig veredelten Schweins wandert in den nie zu stillenden Ranzen des Katers.

Inzwischen hat sich Pedro, mein Metzger dazu bereit erklärt meine geheimen Vorräte zu beherbergen, der hat seinen Laden ganz praktisch neben der Autovermietung und da kann man ab und zu einen verstohlenen Biss ins verbotene Glück der mehrfach gesättigten und mehrfach sättigenden Fleischeslustprodukte tätigen. - Dass Paul so um meine Gesundheit besorgt sei, das möchte ich mal bezweifeln, bei meinen Frauen ist das etwas anderes. Das Rentenalter noch nicht erreicht bedarf es halt noch der ernährenden Hand und Tätigkeit eines Familienernährerclowns und so ist es besser den Zausel bei Laune und Gesundheit zu halten, wobei das mit dem Weißdorntee und Laune schon eine ziemliche Grätsche bedeutet. - Paul geht das Ganze progressiv an und weiß ganz genau, jede Wurst die der Alte sich nicht in den Ranzen schiebt ist für ihn und die Kinder sind jetzt bereits besorgt um das arme Katzenvieh und haben bei Katzipedia sich schon mal vorsorglich nach einem Blutdruckmessgerät für feline Hypertonie umgesehen. - Das bringt mich wieder zurück ins Spiel und vielleicht kann ich den Spieß umdrehen und auf Paulretter machen und ihn vor der fetten Wurst und schlimmen Folgen für seine Gesundheit retten. - So beginnt der ewige Kreislauf zweier fleischgeiler Kerle die um Proteine buhlen, der Kater zeigt mit glänzendem Fell wie gesund er doch noch ist und ich versuche mit gefälschten Messergebnissen schneller an der Wurst zu sein als mein animalischer Gegenspieler. - Heute Mittag hat das alles nichts genutzt und wir werden uns wohl gemeinsame Reserven anlegen müssen, Whiskas light und einen leckeren, entwässernden Reisauflauf mit feinen Gemüsestreifen gab es. - Fragen Sie nicht was für wen war, ich könnte zur Unwahrheit greifen und dann steigt mein Blutdruck wieder und so muss ich wieder verfaulten Walfisch trinken…


Paul der Jäger vom Land



Freitag 08.12.06 - 09:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 17 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 74 % Luftdruck 1024 hPa

Aufwachen!!

Sie sind natürlich wach, an Sie ist das auch nicht gerichtet, sondern an die Planer und Verantwortlichen für die zukünftige touristische Entwicklung dieser Insel. - Meine Zahlen will ja keiner hören, vielleicht aber erschrickt man sich nun ein bisschen wenn die Handelskammer diese unschönen Fakten noch mal nennt: Seit dem Jahr 2002 ist der internationale Tourismus auf La Palma um 18% zurückgegangen und bringt uns so auf den Boden der Tatsachen zurück. - Man versucht das mit nationalem Tourismus zu kompensieren, was lediglich in den drei Sommermonaten und mit heftigen Angeboten gelingt, aber immerhin, da stehen schwarze Zahlen. - Die 18% Minus im internationalen Geschäft werden aber noch deutlicher wenn man weiß, dass die Zahl der Hotelbetten (Hotel und Aparthotel) im gleichen Zeitraum um etwa 3.000 gestiegen ist und sich damit verdoppelt hat. - Jetzt bereits müssen ältere Anlagen zum definitiven Kollapsprogramm greifen und bieten All Inklusive an um überhaupt noch Gäste zu bekommen. - Das Nettoerlös der aus dem Tourismus so für La Palma erwirtschaftet wird sinkt damit natürlich weiter, All Inklusive Wein kommt nicht von hier, der ist zu teuer und welches Restaurant, welcher Laden und welche Cafetería wird diese Gäste je zu sehen bekommen. Das Schaffen eines enormen Überangebotes an Hotelbetten hat zu einem dramatischen Konkurrenzkampf geführt, der alleine auf Kosten der Ressourcen und Arbeitskräfte dieser Insel geführt wird und unseren Ruf als exklusives Naturerlebnis aufs Äußerste schädigt. - All Inklusive im Weltbiosphärenreservat, bitte jeder nur einen Drink gleichzeitig und haben Sie dafür Verständnis, dass am Pool und im Garten nur noch aus Plastikbechern gekübelt werden darf, die Marokkaner die nachts den Dreck wegräumen müssen, die sollen sich nicht an den Scherben schneiden, die fallen dann ein paar Tage aus und das können wir uns nicht leisten. - Das war jetzt übertrieben, das war mein persönliches Erlebnis in Fuerteventura und bei allem Respekt vor der großen und flachen Insel, so soll es bei uns bitte nicht werden.

Nun kann man verschiedene Schlüsse aus dem touristischen Debakel der letzten Jahre ziehen. - Auch die Handelskammer bevorzugt das "Augen zu und durch und dann noch mehr Hotels" System, genau so wie die jetzige Inselregierung. - Dabei kommen aber auch Worte wie "Differenzierung" von anderen Destinationen vor und man schämt sich noch nicht das Wort "Reserva mundial de la Biosfera" in einem Satz mit einem weiteren Ausbau der touristischen Infrastruktur zu nennen. - Das Problem dabei ist, dass alles was den Planern einfällt olle Kamellen aus einer Zeit des Wachstums sind und man den Gästen einfach nur Sonne, Sand und Sangria hinhalten musste und es genügend Leute gab, die darauf hin angesprungen sind. - Heute aufgepeppt mit Wellness, Golf und einem mondänen Schein der Jetset vorgaukeln soll, eben all dem, was La Palma nicht hat und auch nicht braucht, weil wir einfach anders sind. - So wenig Eigenliebe und Selbstbewusstsein unserer Stärken haben die Zukunftsstrategen, dass man wildeste Kopien anderer Regionen zusammenwirft und daraus einen Fortschrittsmix bastelt und dann solche Sinnsprüche zaubert wie: Erklärt man erst den Himmel über La Palma auch zum Weltbiosphärenreservat, was man übrigens wirklich vor hat, dann kommen auch wieder mehr Flugzeuge mit Gästen. - Von unseren echten Stärken, unserer unvergleichbaren Landschaft die einen gesamten Kontinent widerspiegelt und einer funktionierenden Gesellschaft, die eine lebende Brücke zwischen Südamerika und Europa darstellt und all den vielen Nuancen die darin zu finden sind, dass wir uns bislang noch nicht dem rauen Wind der Globalisierung ergeben haben sondern höchstens dem Passat und das in aller Demut, darüber sollten wir mal sprechen und dort unsere Zukunft suchen, denn da gehören wir hin. - Ganz sicher gibt es genügend interessierte Gäste die dann La Palma besuchen wollen, uns zusehen beim Rumwerkeln und das auch mit uns tun wollen. - Auf Schnäppchenjäger, Handicapzähler, Yachtskipper und Glücksritter können wir ruhig verzichten, für die gibt es "Ocio" (Vergnügen) überall auf der Welt genug, dafür braucht man uns nicht und wir sollten uns nicht so billig machen, dass wir von den Brosamen einer internationalen Touristikmaschinerie abhängig werden, so viel Stolz müssten eigentlich auch unsere Politiker besitzen. - Heute mal wieder zornig!



Donnerstag 07.12.06 - 18:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 22 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 67 % Luftdruck 1022 hPa
Höchsttemperatur heute 22,6 Grad - niedrigste Temperatur 15,6 Grad

Die Azoren leben Hoch

Hoch soll´n sie leben und das dazugehörige Hoch erst recht. Vom Azorenhoch redet man ja auch in Mitteleuropa, ist es doch die große Wettermaschine für den gesamten nordatlantischen Raum und wer weiß, ob man denn in Hintertupfingklein die Azoren überhaupt kennen würde, gäbe es dieses phantastische Wetterphänomen nicht. - Das große nordatlantische Hoch, um mal einen anderen Namen zu benutzen, regelt das gesamte Wetter auf beiden Seiten des Atlantiks und sorgt so für den permanenten Lauf "der Wetter" von West nach Ost. Das wiederum kommt daher, dass Hochdruckgebiete auf der nördlichen Halbkugel den Uhrzeigersinn für ihre Pirouetten bevorzugen. - Die dabei entstehenden Winde, die durchaus stürmischen Charakter entwickeln können nennt man Passat, auf spanisch "alisios" oder pragmatisch britisch empirelich "trade winds". Dieser Ausdruck beruht auf den großen Segelschiffrouten, die südlich des Hochdruckkerns die Barks, Briggs und Windjammer in Richtung Westen bliesen und auf der nördlichen Route wieder zurück. Alleine die Tatsache, dass man diesem Wind so viele Namen gegeben hat deutet schon darauf hin, dass wir es mit einer ziemlich festen Einrichtung zu tun haben und so ist es auch. - In diesem Jahr könnte man die Statistik anfechten, aber eigentlich herrscht an die 300 Tage im Jahr das Azorenhoch vor und nur die restlichen 65 bis 66 Tage lauert das Wetterchaos dort, wo mein geliebtes Hochdruckgebiet seine Runden drehen sollte.

Ich habe öfter darüber geschrieben, aber das muss man auch verstehen, dieses Azorenhoch und damit die Passatwinde sind für die Kanaren im Allgemeinen und für La Palma im Besondern existenziell. - Es ist nicht nur so, dass ohne den Passat La Palma einfach anderes Wetter hätte, La Palma sähe unmöglich so aus wie es heute ist und das fände ich dann doch irgendwie schade. - Fast unser gesamtes Wasser bringt der Passat, hat unsere komplette Vegetation bestimmt und erst beim großzügigeren Blick von oben oder von außen sieht man das so richtig, wie knapp und eng wir an der Sahelzone sitzen, auf gleicher Höhe sogar aber nicht verdursten oder versteppen. Dass die Grenzen da ganz knapp mit dem Rasiermesser gezogen sind erkennen wir, wenn wir den Blick nach Osten richten und uns die beiden Inseln Lanzarote und Fuerteventura ansehen. - Dort ist der Einfluss des Passats bereits geringer, das "gegnerische" nordafrikanische Hoch gewinnt dort bereits an Einfluss und der ewige Zahn der Zeit hat auch bereits an den beiden ältesten Kanareninseln so weit genagt, dass die beiden Inseln nicht mehr hoch genug sind, um die kostbare Fracht der Passatwolken auszunutzen. - Dort ziehen die feuchten Wolken oft einfach darüber, kein hoher Berg mit üppiger Vegetation sorgt dafür, dass die Wolken ihr Wasser hergeben müssen. - Auch La Palma wird dieses Schicksal irgendwann einholen, aber bis dahin haben wir noch Zeit, noch wächst die wohl Jüngste der Kanareninseln. - Anlass für diese erneute Ode an den Passat sind traumhafte Schautafeln des Instituto Nacional de Meteorología auf denen man ein Azorenhoch in absoluter Reinkultur gut erkennen kann und auf der zweiten Tafel die daraus entstehenden Winde an der Oberfläche. - Man darf diese Grafiken inzwischen verwenden, wenn man auf die Urheberschaft des INM hinweist, dem besten Wetterdienst aller Kontinente und Zeiten.


Azorenhoch in Reinkultur

Im Zentrum kann ein feistes Azorenoch über die 1040 Hektopascal erreichten.


Azorenhoch

Ganz klar ist die Windrichtung zu erkennen und warum bei uns der Wind eigentlich immer aus Nordost kommt.


Donnerstag 07.12.06 - 08:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 16 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 86 % Luftdruck 1024 hPa

Stabilisierter Müll

Eigentlich wäre es keine Meldung wert, wen interessiert es schon, dass bei Mendo, der ehemaligen Müllverbrennungsanlage an die 20 LKW Ladungen Müll herumliegen. - Nun allerdings, nachdem die Bürgermeisterin El Pasos damit an die Presse gegangen ist, nun schäumt die Inselregierung und wirft der El Paso Front-Woman vor, sie missbrauche diesen unschönen Umstand für Wahlkampfzwecke. Man stellt die Frage, warum sie nun, ein paar Monate vor den Wahlen diesen Umstand anzeigt und nicht bereits früher. - Nun das ist nicht ganz richtig, man hat die Inselregierung häufiger darauf hingewiesen, dass die Anlage von Mendo ohne Aufsicht dort in der Landschaft herumsteht und von gewissenlosen Mitbürgern weiter mit dem ursprünglichen Rohstoff versehen wird, nämlich Müll. - Allerdings hat darauf nie jemand reagiert und erst als man die Presse einschaltet kommt zumindest eine Reaktion, aber mit der Antwort: Das ist doch nur Wahlkampf. - Den entscheidenden Satz allerdings, den muss man sich ganz langsam auf der Restmüllzunge zergehen lassen: Seitens der Inselregierung erkennt man wohl die Zuständigkeit an, aber man müsse erst abwarten, bis der Müll sich dort stabilisiert hätte, erst dann kann man geeignete Maßnahmen einleiten.

Kein Wunder, dass wir hier manchmal leicht ungläubig auf vollmundige Aussagen einiger Herren reagieren. Da werden seit Monaten medienwirksam und großflächig in Zeitungen Zehntausende von Euro ausgegeben um die "Gelben Tonnen" zu bewerben, die aber weiterhin nicht ausgeliefert werden, weil wir noch keinen Sammelplatz für die Werststoffe haben. - Dass die Müllverwertungsanlage noch nicht fertig ist, das kann man der Inselregierung nicht ankreiden, da haben zu viele mitgespielt, aber dass man nun die nicht vorhandenen gelben Tonnen bewirbt, hinterlässt einen weiteren Sargnagel für eine politikverdrossene Bevölkerung. - Stabilisierter Müll, das kann auch ganz perfide Taktik werden, wahrscheinlich kommen die Sozialisten im Mai 2007 wieder in die Regierung, besser gesagt Mitregierung, dann können die ihren Dreck in Mendo selber wegräumen, so denkt man sich das wohl im hohen Haus und so unrecht können sie damit gar nicht haben. - Ist es nun tröstlich oder peinlich, dass es bei uns genau so zugeht wie bei Ihnen?



Mittwoch 06.12.06 - 17:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 19 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 80 % Luftdruck 1026 hPa
Höchsttemperatur heute 20,6 Grad - niedrigste Temperatur 14,3 Grad

Macropuente

Irgendwie habe ich Ihnen noch nicht erzählt, dass wir schon wieder Feiertage haben. - Heute, der 6. Dezember ist nicht etwa Nikolaus bei uns, sondern der Verfassungstag und da ist unsere Verfassung so hundsmiserabel, dass wir einen Feiertag einlegen können. Morgen am Donnerstag scheint erst mal alles ganz normal zu sein, außer vielleicht, dass nur die armen Dienstleister ran müssen und arbeiten, denn am Freitag ist bereits wieder Feiertag, der "Día de la Inmaculada". Zusammen mit Samstag und Sonntag ergibt das eine "Macropuente", eine gigantische Brücke für die meisten Arbeitnehmer und so liegt das öffentliche Leben ziemlich nahe am Gefrierpunkt. - Der Verfassungstag, muss eigentlich außer den Politikern keiner ran, ein paar schlaue Reden, ein bisschen Vernunft und Wissen in die Kameras blasen und schon kann der Tag seine wunderbare Auszeit weiterführen. Der "Día de la Inmaculada" beschäftigt sich mit solch wesentlichen Dingen wie der unbefleckten Empfängnis, also ein kirchlich motivierter Feiertag und dazu schreibe ich nicht mehr, weil ich sonst exkommuniziert werde, so wie man mir das letztes Jahr angedroht hatte.

Pünktlich dazu gibt es einen Streik des Bodenpersonals der die Flugzeuge der Binter Canarias betrifft, die Mitarbeiter der "Atlantico Handling", es geht um eine Arbeitszeitverlängerung und weitere strittige Punkte. Allerdings war der Streik, wie in vielen Anläufen früher, eher ein Bummelstreik und die meisten Flugzeuge kamen pünktlich in die Luft und wieder runter, man berichtet von 30 verspäteten Abflügen und 6 ausgefallenen Verbindungen, an der Gesamtzahl der Binterflüge am gestrigen Tag eher eine geringe Zahl. Heute will man erneut die Arbeit niederlegen und zwar zwischen 19:00 und 23:00 Uhr und sollte es keine positiven Ergebnisse in den Verhandlungen geben, dann will man noch zwei Wochen stundenweise streiken. Die Binter Canarias ist nicht amused und bezeichnet die Streiks als illegal, genau so wie in allen Streiks zuvor, da gibt man sich wenig phantasievoll und einsilbig.

Weil das so trockene Materie war, hier noch einen aus der Serie: Das kann nur in den USA passieren: Frau furzt Flugzeug vom Himmel. Auf dem Weg von Washington nach Dallas rochen die Passagiere starken Geruch nach verbranntem Phosphor. Der darauf hin alarmierte Pilot entschloss sich nun sicherheitshalber zur Notlandung in Nashville, wo sich der Zwischenfall peristalt auflöste. Eine Frau hatte starke Blähungen und um den fauligen Methangasgeruch zu überflügeln der ihr wohl peinlich war, entflammt sie Streichhölzer die nun den verräterischen Phosphorgeruch hergaben. - Das Flugzeug konnte weiterfliegen, allerdings ohne Frau und dass nun in Nashville Giftgasalarm ausgelöst wurde, das steht nicht in der Agenturmeldung von "EFE".



Mittwoch 06.12.06 - 08:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 15 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 80 % Luftdruck 1027 hPa

Aufräumen bitte

Der letzte Müllverbrennungsofen auf La Palma, bei Mendo in der Gemeinde El Paso steht jetzt seit gut einem Jahr still, eine Umrüstung auf verschärfte EU Normen war nicht zu finanzieren. - Gut für die Luft über La Palma und eines Tages wird auch die Müllverwertungsanlage bei Mazo in Betrieb gehen und dann hofft man den gesamten Inselmüll dort modern und nach neuesten Kenntnissen bearbeiten zu können. - Als "Zwischenlager" dient der Barranco Seco nördlich der Hauptstadt und man versichert uns, dass dort alles getan wurde um dort den Müll ordentlich lagern zu können. - Auf jeden Fall hat man dort ein Drainagerohr verlegt um die Regenfälle unter dem Müll durch zu leiten, ob das genügt, das weiß ich nicht. - Viele Bewohner dieser Insel haben Angst, der Müll dort könnte ins Rutschen kommen wenn der "Barranco Seco" (trockene Schlucht) mal nach starken Regenfällen nicht mehr trocken ist. Auf jeden Fall ist ein Umstand besser geworden, seit dem die dortige Deponie bewacht wird brennt es nur noch ganz selten dort auf der Halde. Das war früher anders und nicht wenige behaupten die Stadtverwaltung von Santa Cruz hätte öfter mal zündeln lassen um so ihr Müllproblem nicht zu groß werden zu lassen. Das sind aber Geschichten aus einer früheren Legislaturperiode und sowieso nur Gerüchte.

Nun liegt aber neben der Verbrennungsanlage in El Paso immer noch reichlich Müll herum und dabei handelt es sich nicht nur um vergessene Altlasten der letzten Tage des Ofenbetriebs, manch ein Zeitgenosse scheint sich derart an den Ort gewöhnt zu haben, dass er lieber die steile Straße dort hoch fährt, den Müll aus dem Auto wirft, anstatt bequem den Hausmüll zu fordern, die vielen Container die überall herumstehen oder den nahen Punto Limpio aufzusuchen. Im Rathaus von El Paso ist man nun sauer, die Anlage ist Inseleigentum und wurde von der Inselregierung betrieben und verwaltet, nur jetzt wo der Ofen aus ist lässt man das Gebäude dort verfallen und den Müll einfach liegen. Die Stadtpolizei hat nun einen Bericht angefertigt und diesen als Reklamation nach Santa Cruz geschickt mit der Aufforderung um schnelle Abhilfe. Man müsste mindestens den Müll entsorgen, das Gelände einzäunen und mit ein paar Pollern verhindern, dass später wieder Fahrzeuge den, nur zur Exverbrennungsanlage gebauten Weg nutzen. - Ob das alles was bringt, wir werden sehen, immerhin liegt die Anlage im Landschaftsschutzgebiet Tamanca und grenzt an den Naturpark Cumbre Vieja an, da könnte man schon mal ein bisschen aufräumen kommen.

Irgendwie hat der Mensch keine Flügel. Gestern Mittag hat es einen erneuten Unfall beim Gleitschirmfliegen gegeben. Eltern vermissten ihre Tochter die zu einem Flug aufgebrochen war. Gegen Mittag kam dann der Hubschrauber um bei der Suche behilflich zu sein und erst am frühen Abend fand man die Frau an der "Playa de El Perdido" im Gemeindegebiet Tazacortes. Die Frau war bereits verstorben und ist somit das zweite Unglücksopfer innerhalb von zwei Tagen. - Eine Pause wäre angesagt.



Dienstag 05.12.06 - 19:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 20 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 61 % Luftdruck 1028 hPa
Höchsttemperatur heute 24,2 Grad - niedrigste Temperatur 15,5 Grad

La Palma per Dschi Pi Eß"

Ge Pe Eß klingt so hausbacken für GPS, also "Güteprüfstelle der Bundeswehr" oder wer unbedingt will, Global Positioning System. - Lange gefordert, oft gewünscht, nun endlich erhältlich, der La Palma Wanderführer welcher 30 Routen vorschlägt die mit 300 "waypoints" gekennzeichnet sind, dass jeder immer weiß wo er ist und dass es sich endlich lohnt dieses wunderbare Männerspielzeug mit in den Urlaub zu nehmen. - Eines ist aber nicht so toll gelungen daran, man muss die Wanderungen immer noch selber machen… und das kann auf La Palma herzhaft in die Beine gehen. - Òscar Pedrianes Garcia und Daniel Martín Gómez haben die schönsten dreißig Wanderungen der Insel neu begangen und einen modernen und ansprechenden Wanderführer geschaffen, der einiges Plus an Information für den Wanderer bringt. Die Gehzeiten und Schwierigkeitsgrade erscheinen gut bestimmt, zu erklimmenden Höhenmeter sind haargenau angegeben und auf besondere Schwierigkeiten wird auch noch mal explizit hingewiesen. - Vorerst gibt es das Büchlein nur auf spanisch, aber das Flaggensymbol auf dem Buchrücken lässt darauf schließen, dass man bald auch in anderen Sprachen nachziehen wird. Was das wirkliche Novum ist, es ist ein Wanderführer, geschrieben von Leute von hier, komisch, dass so etwas eine Seltenheit ist.

Sehr schöne Photos und die Wanderungen sind sinnvoll zusammengefasst, so widmen sich 11 Kapitel in Einzelwanderungen der kompletten Umrundung der Insel, so spart sich der moderne Palmero den inzwischen ziemlich ausgetretenen Jakobsweg. Die "waypoints" lädt man sich aus dem Internet herunter, auf der Seite www.talisca.com kommt man an die Daten heran und gibt diese gleich in sein GPS Gerät ein. - Das ist ein zusätzlicher und kostenloser Service, allerdings fragt man behutsam nach einer Spende, schließlich hat das alles große Mühe gemacht und soll irgendwie auch belohnt werden. Für echte Buchfreaks kommt sowieso nur das Original in Frage, da hat man was in der Hand und auf der Webseite werden auch die Läden angegeben in denen es das Buch "La Palma y sus caminos" zu kaufen gibt. - Die beiden jungen Bergwanderer wollen in der Onlineausgabe auch Verbesserungen und Erweiterungen bringen, das ist zeitgemäß denn Papier ist, einmal bedruckt so geduldig, dass sich alles herum ändert, nur das geschriebene Wort nicht mehr. - Ein Fauxpas, nein gleich zwei "Fauxpässe" sind mir sofort ins Auge gefallen und es ist witzig, die tauchen eigentlich in jedem Reiseführer unisono auf, als hätte vor vielen Jahren jemand mal einen Zettel geschrieben wo man in El Paso übernachten kann und der ist nun einen unumstößliche Bibel geworden. Hotel Monterrey und die Pension Nambroque gibt es nicht mehr, nicht erst seit gestern. An der einen arbeitet man zumindest wieder, die andere scheint einen dornröslichen Erbschaftsschlaf zu führen. Immerhin ist eine der drei genannten Übernachtungsmöglichkeiten reell, die Pension La Tienda. - Das bricht dem Ganzen aber überhaupt keinen Zacken aus der Krone, denn die Texte sind angenehm und zugänglich verfasst und man merkt den Autoren jeden Moment an, dass sie wissen über was sie schreiben und diese Insel lieben. Meine Empfehlung. - Man kann damit übrigens auch sein Spanisch schärfen, bis eine Übersetzung in eine andere Sprache auf dem Markt ist.

Als passende Einstimmung gibt es HIER die neuesten Urlaubsphotos von Walter Stumreich, da weiß man was man hat…


La Palma y sus caminos von Òscar Pedrianes Garcia und Daniel Martín Gómez
La Palma y sus caminos von Òscar Pedrianes Garcia und Daniel Martín Gómez



Dienstag 05.12.06 - 07:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 17 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 73 % Luftdruck 1026 hPa

Kurznachrichten aus der "Polizeispalte"

"Heroinkönig" geschnappt. Der hatte aber noch mehr Namen, Antonio el Gitano wurde er auch genannt und kommt ursprünglich aus Cádiz und soll der absolute Chef des Heroinhandels auf La Palma gewesen sein. Seit langem hatte man den 40 jährigen schon überwacht, aber er agierte so geschickt, dass man ihn selbst nie mit der Droge erwischt hat. - Nun aber, die Polizei feiert den Erfolg überschwänglich, zu lange hatte der Chorizo die Polizei schon an der Nase herumgeführt. - Mit ihm gingen noch zwei "Mulas" mit ins Polizeinetz, weibliche Drogenkuriere, hier wenig nett aber treffend als "Maultiere" bezeichnet. Die Drogen kamen über Gran Canaria und Tenerife nach La Palma.

Deutscher Gleitschirmflieger abgestürzt. Gestern Abend stürzte ein etwa 60 jähriger Mann aus Deutschland mit seinem Gleitschirm in Puerto de Naos ab und verletzte sich derart schwer, dass er später im Krankenhaus verstarb. Trotz des Einsatzes des Rettungshubschraubers kam jede Hilfe zu spät. So berichtet es die GIE und über den Unfallhergang selbst wird offiziell noch nichts berichtet.

Der Sakralkunsträuber der das Teatro Chico in Santa Cruz als Versteck für seine Beute genutzt hat könnte ein Auftragsdieb sein. Als Dieb oder auch Hehler sitzt der Hausmeister des Gebäudes in Untersuchungshaft, nachdem man auch bei ihm Zuhause noch mehr Kunstgegenstände gefunden hat. Es gibt Anzeichen dafür, dass es Verbindungen nach Tenerife gibt und die Bilder, Skulpturen und Juwelen dorthin sollten. - Macht aber irgendwie keinen Sinn, es ist wahrscheinlicher dass die Kunstgegenstände gar nicht aus La Palma stammen, sonst hätte man diese längst identifizieren können. - In allen Kirchen des Archipels wird gerade gefragt, wem denn eine Jungfrau oder ein Heiliger abhanden gekommen sei. - Es ist verwunderlich, wie einfach an die 200 "Stück Kunst" verschwinden können, ohne dass es jemandem auffällt.



Montag 04.12.06 - 20:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 19 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 61 % Luftdruck 1027 hPa
Höchsttemperatur heute 25,4 Grad - niedrigste Temperatur 15,4 Grad

Hugo Chávez Frías, Presidente de la República Bolivariana de Venezuela

Ein kleiner Bauer und militärischer Emporkömmling regiert eines der reichsten Länder Südamerikas, das kann der alten und in vielen Klüngeleien erprobten Oberschicht des Landes nicht gefallen. - Bis nach "unten" haben die vielen Petrodollar in diesem Land nie durchgeschlagen und auch Chávez bleibt den Beweis noch schuldig, den Reichtum "gerecht" verteilen zu können. - Eine Wiederwahl mit fast 62% der Stimmen ist aber wirklich eine historische Aufgabe für den mediophilen Entertainer, das haben nicht alle so vorausgesehen und nun wird es noch schwieriger für den, nun bis 2013 amtierenden Präsidenten, sich zu mäßigen. - Ein Schritt dazu ist allerdings getan, kam aber nicht von seiner Seite, der Oppositionskandidat hat seine Niederlage voll, komplett und nach den Regeln der Demokratie eingestanden und das lässt auf zukünftige Dialoge hoffen. - Die Demokratie hat in den meisten Ländern Südamerikas keinerlei Tradition und auch Hugo Chávez hat schon mal geputscht, wurde schon mal geputscht und nun muss er sich als Demokrat beweisen. - Hat man die vielen Auswanderer aus Venezuela, die hier auf La Palma leben nach Chávez befragt, dann sind die häufigsten Äußerungen kaum druckfähig und zeugen auch nicht von demokratischem Verständnis, kein Wunder, viele der hiesigen Venezolaner sind vor Chávez geflohen und haben versucht ihre Schäfchen hier ins Trockene zu bringen.

Die neue linke Bewegung in Südamerika ist eine logische Antwort auf die vielen Jahre und Jahrzehnte des schamlosen Absahnens derer, die heute als Imperialisten gebrandmarkt werden. - Das ist fast zu viel der Ehre, meist sind es nur kriminelle und mafiöse Strukturen gewesen, die ungeniert die Macht und das Geld unter sich aufgeteilt haben, oft sogar mit handfester Unterstützung der Kapitalschutzmacht USA. - Das wird nicht mehr so einfach werden und auch in den Ländern selbst geht der Informationsfluss an keiner Schicht mehr vorbei. Hätte man vor 15 Jahren einen Chávez noch stummschweigen können, so geht das heute nicht mehr und seine erste demokratisch gewählte Amtszeit errang er auch gegen die fast kompletten Landesmedien, aber genau denen traute schon lange keiner mehr. - Nun berluscont er selber gewaltig rum, aber es halten sich "freie" Kanäle, wen wundert es, auch wieder mit Kapital aus den USA. - Chávez Hauptaufgabe wird es werden, den unendlichen Sumpf an Kriminalität und Korruption zu bekämpfen, der dieses Land immer noch kontrolliert, er hat diesen Zustand nicht erfunden, aber bislang war auch er machtlos dagegen. Hervorragend scheint die Achse Kuba - Venezuela zu funktionieren, Kuba erhält reichlich Wirtschafthilfe aus Venezuela und dafür schickt das Land mit der höchsten Ärztedichte der Welt Tausende von "medicos" in die Elendsquartiere der Großstädte Venezuelas und in die abgelegenen Regionen. - Selbst der Mann hat Licht und Schatten, so wie jeder der es darauf anlegt zu polarisieren und sein allergrößter Trumpf ist sein kindlicher Antiamerikanismus.

Natürlich, die jetzige Regierung des Landes der Tapferen und Freien macht es jedem leicht sich in blumiger Polemik zu verlieren, ob das Gleiche unter einem halbwegs glaubwürdigen nordamerikanischen Präsidenten auch möglich wäre, das wird man abwarten müssen. - Seine Auftritte in denen er der Familie Bush eigentlich direkt und privat in die Suppe spuckt sind schon fast Chruschtschow reif, aber solche Suche nach einem äußeren und damit gemeinsamen Halunken der die "Opfer" eint, funktioniert halt nur so lange wie es den "Halunken" gibt und so wie es aussieht wird sich Chávez in zwei Jahren mit einem oder einer Demokratin in Washington auseinandersetzen müssen und dann taugt das alte Feindbild nicht mehr. - Es reicht nicht auf anderen herumzutrampeln, da klopfen einem zwar viele auf die Schultern, die Arbeit muss aber doch getan werden und da helfen keine kessen Sprüche. - Obwohl, ich habe mich auch ziemlich geschüttelt vor Lachen als Chávez Ärzte und Truppen nach New Orleans schicken wollte, weil die USA wohl "keine haben" und dann noch der legendäre Auftritt vor der UNO vor gar nicht langer Zeit. - Da sprach er einen Tag nach George Bush am selben Pult und schwor Stein, Bein und Voodoo, dass der Pult noch nach Schwefel röche, gestern müsse der Satan hier gesprochen haben. - So bekommt man Stimmen von den ewig Getretenen das ist klar und die gesamte Weltpresse stürzt sich darauf, aber das löst nicht ein einziges Problem im Heimatland und nur daran darf man die neue linke Galionsfigur in Südamerika messen. - Bislang hat sich Chávez mehr als Populist bewiesen, das fällt auf der linken Seite momentan sehr leicht, auch mit kräftiger Hilfe durch die katastrophale Außenpolitik der USA. Was aber, wenn irgendwann der leichte Feind fehlt und die Leute anfangen nach den eigenen Fortschritten zu fragen. - Ein schrecklicher Anachronismus der Politik, GEGEN ist leichter und medienwirksamer als FÜR und das hat auch keine Himmelsrichtungen, da sind sich "Linke" und "Rechte" ausnahmsweise mal einig. -Warum als La Palma Seite so viel über Chávez? Ganz einfach, Venezuela wird hier "La Octava Isla", die achte Insel genannt und olle Hugo ist mehr als Tagsgespräch.



Montag 04.12.06 - 07:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 16 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 74 % Luftdruck 1026 hPa

Kompetenzgezänk

Ohne Frage sind die astrophysikalischen Einrichtungen des IAC (Instituto de Astrofísica de Canarias) auf unserem höchsten Berg auch unser technologisches Aushängeschild gegenüber der Außenwelt, läuft bei uns sonst noch vieles nach dem Motto Dampfradio, so werkelt man dort auf dem Roque de Los Muchachos mit modernster Technik. - Das kann für diese Insel nur gut sein, hofft man doch dass man so noch weitere Sparten anlocken kann, welche sich auch der modernsten Technik bedienen, man sprach sogar schon mal von einem palmerischen "Silicon Mountain", den habe ich aber bislang nur im Baumarkt und fälschlicherweise als Silikon übersetzt gefunden. - Mal Spaß beiseite, es wäre wirklich sehr wünschenswert, weitere Forschungseinrichtungen auf die Insel locken zu können, die modernen Kommunikationsmöglichkeiten machen unseren Standortnachteil wett und ich habe mir sagen lassen, unter der klaren und sauberen Luft La Palmas denkt es sich besonders effizient.

Zurück zu den Einrichtungen auf dem Roque, da herrscht mal wieder angespannte Freundschaft zwischen der Inselregierung und den Institut, das Gezänk hat übrigens Tradition, man ist zwar aufeinander angewiesen, möchte aber dennoch entweder Herr der Insel oder aber Herr des Berges bleiben und das unangefochten. - Ganz früher hatte man sich richtig lieb, die Insel stellt das Land und die Infrastruktur zur Verfügung und das astrophysikalische Institut verbindet uns mit dem Universum, noch bevor wir in Europa angekommen sind. - Dafür versprach man uns mal ein Laienobservatorium und überhaupt sehr viel mehr Möglichkeiten an den dortigen Forschungseinrichtungen Teil zu haben. - Da hat sich das Institut immer ein bisschen jungfräulich und außer den beiden Tagen der offenen Tür, die aber hervorragend organisiert sind, hat der Durchschnittspalmero wenig von den Einrichtungen des IAC. Nun hat man sich darauf geeinigt ein Besucherzentrum auf dem Berg zu erstellen, groß, vielleicht zu groß und mehr Cafetería und Kinderspielplatz als Universum, aber seit unsere Inseloberen mal auf Hawaii Urlaub gemacht haben thinken die nur noch big und von dort oben sieht La Palma wirklich wie ein willfähriges Spielzeug aus. - Eine touristische Attraktion wäre das allemal und wie man liest ist der Gedanke, die Palmeros näher an die Astrophysik heranzuführen damit eigentlich schon wieder vom Tisch, vielleicht möchte man die blassen Engländer von den Kreuzfahrtschiffen dort hinauf fahren, nach den vielen Kurven haben die sicher alle Farbe im Gesicht, oder endgültig im Kotzibag. - Man kann sich aber nicht einigen, wer denn der Chef dort oben auf dem Berg sein soll. Das IAC fordert freie Hand in Planung, Ausführung und späterer Verwaltung des Besucherzentrums und der Inselregierung wie auch der Gemeinde Garafía geht so viel Selbstständigkeit natürlich viel zu weit, man will da oben auch die Finger weiter im Spiel haben, wo gebaut wird da fallen Späne, Brosamen, Almosen und "Teldekrümel" vom Tisch. - Teldekrümel erkläre ich Ihnen ein anderes Mal. - Die Leitung des IAC hat da sicher den längeren Atem, die müssen sich im Mai 2007 nicht der Wahl stellen und haben als Astrophysiker eh ganz andere Zeitabläufe verinnerlicht. Es werden also noch Wetten angenommen, was steht als Erstes: Ein Golfplatz, das Besucherzentrum auf dem Roque, die Brücke über den Barranco de Las Angustias oder ein ausgeglichener Inselhaushalt.



Sonntag 03.12.06 - 18:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 19 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 62 % Luftdruck 1026 hPa
Höchsttemperatur heute 23,8 Grad - niedrigste Temperatur 15,8 Grad

Männer sind farbenblind

Mein Hemd ist dunkeltürkis, natürlich neu und von meiner Frau ausgesucht und soll mir angeblich gut stehen. - Den La Palma Bezug den muss man sich selber basteln, ich wollte eigentlich über die Unabdingbarkeit von Golfplätzen auf La Palma schreiben, aber da ist mir der Blutdruck wieder so hoch geschnellt, dass ich mir das für einen anderen Tag aufheben werde. - Das Hemd ist auch kein Hemd sondern ein T-Shirt, das macht aber nichts, spart man sich doch so das lästige Zu und Aufknöpfen. Da herrscht Einklang, aber die Farbe heißt "Petrol" und nicht Dunkeltürkis oder gar Dunkelmattblaumetallic wie mir noch einfiel und nun frage ich mich wirklich, ob weißhaarige und lispelnde Wandermumien oder gar weißwurstrunde und schwitzende Szenemünchner, die auf die Daisy gekommen sind, bereits unseren Sprachgebrauch invasiv missbrauchen dürfen. Petrol ist eklig schwarz und klebrig, das was die Exxon Valdez in Alaska beim Coming Out verloren hat und Männern wie mir, sollte man lieber etwas anderes verkaufen als eine kolossale Umweltsauerei. - Aber da ist ja der Trick und der hat auch funktioniert, die Hemden kauft ja meine Frau und die können hinter dem Rohöl immer auch die schimmernden Facetten erkennen und Frauen kaufen keine dunkeltürkisen Hemden, das ist viel zu unemphatisch.

Angefangen hat die ganze Misere mit Beige, das ist die virtuelle Farbe die für alles nicht ganz Weiße herhalten muss, also für das was angeblich gewollt nicht ganz sauber sein soll. Clementine, die freundliche Dame aus dem bauknechtschen Gewerbe kannte diese Farbe auch nicht.- Beige, das ist ein Abfallprodukt aus der harten deutschen Nachkriegszeit, hält man weiße Hemden mit Petrol an den Fingern kurz in kaltes Wasser, dann kommen beige Hemden wieder raus. Übrigens soll Beige eigentlich Sandfarben bedeuten und für Menschen die auf La Palma leben wird dadurch die Gesamtpalette an unbestimmten Nuancen der weibliche Farbwelt erst klar. - Wer es nicht besser weiß, wälzen Sie sich doch mal mit einem nassen und beigefarbigen Hemd am Sandstrand von Puerto de Naos, da könnte dann etwas petrolfarbiges bei rauskommen. "Apricot", natürlich apriko gesprochen ist ein ähnliches Verwirrspiel, genau so wie Champagner, als gäbe es das blaublütige Blubberwasser nicht auch als Rosé und neulich hörte ich sogar "Skin" als Farbvariante, großzügig mehrere Kontinente auf dieser Welt ignorierend. - Wobei ich nicht für schwarz weiß plädiere, auch mir sind Farbspiele nicht unbekannt, immer wenn ich im Sommer drei Wochen lang die Wäsche waschen muss, weil die Farbexpertin im verdienten Urlaub ist, dann kommt reichlich mulitikulti aus der großen Trommel, auch unter dem wenig emphatischen Namen Kommunengrau bekannt. - Da muss dann die Farblehre auch neu überdacht werden und Goethe möge mir verzeihen, aber wenn man Petrol, Beige, Aprikot, Skin und welche Farbe auch immer zusammen in die Waschmaschine steckt, bei mir kommt immer Grau heraus. - Paul ficht so etwas nicht an. Der hat jetzt die vierte Farb und Stilberatung hinter sich gebracht und lässt sich nur noch auf Kobalt ablichten, für Männer, auf Blau.


Beigebleu



Sonntag 03.12.06 - 09:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 16 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 72 % Luftdruck 1027 hPa

Politische Restvernunftverwertung

Ein Sporthafen in einer maritimen Schutzzone passt nicht so ganz, das kommt als ganz klare Aussage vom Ministerium in Madrid, sollte Fuencaliente an der Südspitze der Insel seine Marina erstellen, dann ist Schluss mit der größten maritimen Schutzzone vor La Palmas Küste. Im Flächennutzungsplan der Gemeinde taucht dieses umstrittene Projekt auf und obwohl sich der Bürgermeister klar für die Schutzzone ausgesprochen hat, will er dennoch auch am Sporthafen festhalten. Ob man da dann nur im Tretboot fahren soll oder wie man die beiden unkompatiblen Einrichtungen zusammenbringen will, das lässt er uns nicht wissen. - Nun kommt auch von der Inselregierung die Ablehnung gegen den Sporthafen, die Bedrohung der maritimen Schutzzone sei zu groß und man sollte den Sporthafen lieber woanders installieren. - Ob man das dann lieber auf der Ostseite Fuencalientes machen soll, etwa bei der Playa de las Cabras das steht nicht fest, die lange Bank droht diesem Projekt, das macht aber nichts, bislang gibt es noch keine Wartelisten für Yachten die auf La Palma ihren Liegeplatz suchen. - Vielleicht ist denen auch klar geworden, dass manche Projekte nahe des unerklärbaren Wahnsinns liegen, da will man einerseits, keine 2 Kilometer vom eventuellen Standort des Sporthafens über Jahrzehnte gewachsene Siedlungen wie Punta Larga dem Erdboden gleich machen um die Küstenlinie wieder in ihren ursprünglichen Zustand zu versetzen und dann nebenan einen Sporthafen bauen. - Das könnte zu unbequemen Fragen führen oder mehr, 6 Monate vor der Wahl beschleichen langsam Denkprozesse und eine Reaktivierung der Restvernunft unser Inselparlament, nur wird es in den 6 Monate wohl nicht gelingen die fatale "Arbeit" von zwei vorausgegangenen Legislaturperioden wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Fragen werden bereits gestellt, der gewollte Sporthafen im Süden der Insel hat einige Leute dazu gebracht nicht nur nach den Bedrohungen zu sehen welche auf die maritime Schutzzone zukommen könnten, sondern auch darauf, was denn dort bereits steht. So fragt das Koordinationsbüro der "Reserva Marina" wo denn die Abwässer des Mammuthotels an gleicher Stelle entsorgt werden. - Dabei sollte man eines immer beachten, es wäre nicht so, dass La Palma Sporthafen frei sein sollte oder es gar ist, bislang bieten sich die Hauptstadt und Puerto de Tazacorte an, mindestens ein weiterer soll in der Hauptstadt noch entstehen und einer in Los Cancajos. Puerto den Naos hat auch Pläne, die sind aber so groß geraten, dass man die lange Bank noch verlängern muss, Puerto de Espindola will einen haben und dabei fragt man sich langsam, wer will denn all die Boote schicken die dort Wohlstand und Reichtum für die Bevölkerung bringen, denn darum machen wir das doch alles, sagen uns die Politiker. - Nur eines ist sicher, obwohl fehlerhaft sogar im Flächennutzungsplan El Pasos die Möglichkeit eines Sporthafens aufgetaucht ist, (kopieren kann so peinlich sein) wird dort keiner geplant und entstehen. Sollte die Cumbre Vieja nicht abrutschen, dann bleibt El Paso die einzige Gemeinde der Insel ohne direkten Zugang zum Meer und damit ohne baldigen Drang auf eine Marina. Also schon mal notieren, Sternzeit 86112,34 östlicher Langbreite nach Pastafarian, Demo auf Flugplatz El Paso Süd, gegen den Sporthafen und für die Abschaffung der Biersteuer. Wir wollen doch unsere Traditionen wahren…



Samstag 02.12.06 - 18:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 22 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 57 % Luftdruck 1026 hPa
Höchsttemperatur heute 25,5 Grad - niedrigste Temperatur 13,4 Grad

Heute im Zauberwald

Wochenend und Sonnenschein, da zwickt es selbst einen beharrlichen Rekonvaleszenten hinaus in die Natur und ein treffender Grund ist auch noch vorhanden, der notwendige Schmuck für das Adventsgedeck muss besorgt werden. - Seit dem wir Kinder haben leben ja diese ganzen Traditionen wieder auf und auch wenn das Wetter und mein innerer Kalender das überhaupt nicht wahr haben wollen, morgen ist der erste Advent und da wollen wir neben der üblichen Arbeit auch noch ein bisschen angekokelte Tanne haben. - Der angekündigte Passat hat brausend bereits wieder vollständig das Regiment übernommen und dem kleinen Tief seine Wolkenbänke heftig und robust wieder auf den Atlantik zurück geschleudert, es pfeift, heult und windet in den Bergen und es ist ein ehrliche Freude diese wunderbare Landschaft mitsamt den vielschichtigen Gerüchen zu erleben. Da duftet die Baumheide schwer unversucht gegen das Harz der Kiefern "anzustinken", ein paar Meter weiter im dichten Unterholz übernehmen Moos und Pilze die olfaktorische Welt. Da kommt der Wind auch kaum noch an, nur das Brausen über den Wipfeln hört man noch über sich und dieses dichte, von Flechten und krummen Stämmen beherrschte Refugium zieht einen unwillkürlich immer tiefer in den Wald hinein. - Dort gibt es auch die besten Fundstücke für allerlei Advent tauglichen Schmuck, man muss die Augen, die Nase und die Ohren nur aufsperren, schon steht man mitten im Zauberwald und möchte eigentlich gar nicht mehr raus, weil sicher gleich eine Fee oder ein Troll um die Ecke biegt um einem eine Dauerkarte für den Golfplatz von San Borondón anbieten. - Aber wir haben hier gar keine heidnischen Waldgeister, bei uns spuken gemeuchelte Heilige herum und wenn man sich gut genug wie ein Indianer anschleichen kann, dann reicht es immer noch dazu, die eigenen Kinder ein bisschen zu erschrecken. - Die machen ihrem Vater die Freude und tun ganz außer sich vor Angst und Überraschung und lassen mir meine Rolle von Scheusal und Tröster gleichzeitig. - Ich weiß, den Zauberwald gibt es überall, meist muss man nicht mal lange fahren oder gehen um mitten drin zu stehen, man muss nur die Augen und Ohren aufmachen und reingehen, vielleicht ist das der Unterschied zwischen Alltag und Advent.





Samstag 02.12.06 - 07:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 17 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 67 % Luftdruck 1028 hPa

Hauptsache wir werden das Geld los

Wer hat das gleiche Spiel noch nicht gemacht? Wir klopfen dieses Mammutprojekt Autobahn von Santa Cruz nach Puerto de Tazcorte einfach in die Tonne des realexisitierenden Größenwahns und geben das viele Geld für andere Sachen aus, mit denen wir auch was anfangen können. - Da gab und gibt es wunderbare Ideen die mal das Gesundheitssystem so weit auf Vordermann bringen dass man für eine halbwegs normale Operation nicht mehr nach Tenerife fliegen muss, bis hin zu wirklicher Zukunftstechnik die in einem Mix aus Photovoltaik und geothermischer Energie und von den Ölscheichs abnabelt. - Kapitale Freigeister wollen das gesamte Geld auch einfach unter das Volk werfen, drei Tage alle ganz umsonst besoffen wäre immer noch sinnvoller und weniger schädlich als diese Autobahn. - Mein ganz persönliches Konzept sieht ja inzwischen die Produktion von Wasserstoff vor der Südküste der Insel vor, Strömungs und Wellenkraft stellen dort den Zukunftssaft mitten in seinem Ursprung her. - Wie schon gesagt, jeder hat schon mal fremdes Geld ausgegeben und jeder hat dazu seine eigenen Ideen.

So auch die Partido Popular, die will auch mal wieder mit Phantasie glänzen, die ganzen Korruptionsskandale sind ja bereits langweilig und wer von denen nicht in den öffentlichen Säckel gegriffen hat, der läuft in Scharen zur neuen CCN über, das ist alles bereits so langweilig, da kommt der neueste Vorschlag wie frische Butter auf eine heiße Brezel welche die Rentner übersehen haben. - Wenn nun die Autobahn von Santa Cruz nach Puerto de Tazacorte nicht gebaut wird, weil die Gemeinden El Paso und Breña Alta den nachhaltigen Fortschrott (kein Schreibfehler) dieser Insel, von plumpem Wählerwillen manipuliert nicht mittragen wollen, dann kann man ja die Südstrecke der Insel zur Autobahn machen und wenn man dazu die gleichen Planungsbüros und Baufirmen nimmt, dann braucht man auch die ganze Provisionsgeschichte nicht erst wieder neu und umständlich in einschlägigen Bodegas besprechen. - Natürlich muss man die Terminologie beachten, eine Autobahn wollte hier noch nie jemand bauen, sondern eine Schnellstraße mit Überholspur, der Unterschied ist genau so groß wie der eines antifaschistischen Schutzwalles gegenüber einer Mauer. - Dafür möchte man den geplanten Radweg, der eine neue touristische Attraktion auf der Südstrecke werden sollte einfach weglassen, nach dem Motto, All Inklusiv Gäste können nicht mehr Radfahren und Golfer haben Probleme ihr Handicap aufs Rad zu schnallen, also was soll der pseudoökologische Quatsch mit dem Radweg, denen nehmen wir einfach das Rad weg. - Bis Mai 2007 geht das noch so, dann wird gewählt und so lange darf jeder mal viel Geld in den Vulkan schmeißen



Freitag 01.12.06 - 18:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 23 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 58 % Luftdruck 1024 hPa
Höchsttemperatur heute 24,4 Grad - niedrigste Temperatur 13,6 Grad

Brezelrennen, oder warum der Winter hart ist für Residenten

Residenten sind grundsätzlich alle Menschen die irgendwo wohnen, "Residentes Canarios" folgerichtig Einwohner der Kanarischen Inseln, ganz egal welcher Hautfarbe, Gesinnung, Verdauung oder Herkunft. - Trotzdem hat sich eine Unsitte durchgesetzt, die mitteleuropäische Ausländerschar hier auf La Palma "Residenten" zu nennen und das nur auf deutsch, "Residentes" sind wieder ganz andere Menschen, über die müssen wir uns hier aber keine Sorgen machen. - Die Residenten, also die mitteleuropäischen Ausländer sind eine bunte Schar an Individualisten, die Hintergründe warum der oder die sein Asyl auf La Palma gesucht und teilweise auch gefunden hat sind mannigfaltig und nach mehreren Jahrzehnten des predigenden Deutschtums auf La Palma haben sich die echten "Residentes", also die Aborigines, längst an die meist laute und oft schnell verschnupfte Art dieser vielfach wenig spanisch sprechenden Menschen gewöhnt. - Ein Integrationsproblem stellt diese nicht geordnete und uniformablehnende Gruppe nicht dar, so lange das Wetter durch Sonnenschein brilliert und die Versorgungslage mit einer bestimmten Art an Einzelhandelsartikeln gut ist, wird nicht viel Federlesen gemacht und jede Volksgruppe lebt nach eigenen Sitten und Gebräuchen in den knietiefen Tag hinein. - Darüber hinaus haben längst die Süd und Mittelamerikaner die Europäer als auffälligste Gruppe an Immigranten abgelöst, ganz solidarisch jammern bereits die ersten Beutepalmeros (Eigenzwangintegristen) heftig mit Echtpalmeros über die schamlose Zuwanderung der Söhne und Töchter Fidels und anderer Revoluzzer aus Südamerika. - Keine Frage, wenn Deutsche schon die Ausländer und Immigranten sind, dann auf jeden Fall erster Klasse und Güte.

Es war aber schon immer so, der Deutsche an sich steht sich auch gerne mal im Wege. An die vielen Eigenarten die unser gastgebendes Volk hier hat und sich damit Zivilisationskrankheiten, Herzinfarkte und steiles Perfektionsstreben vom Hals hält, hat man sich Not und gedrungener Weise gewöhnt, zumal die Frage, warum bist du denn hier wenn bei dir zu Hause alles besser ist, von Palmeros geschichtsfrei und überhaupt frei von Hintergedanken schnell und richtig auf alle Meckerköpfe einschlägt. Das holt man sich ein par Mal ab, dann fügt man sich und übt die Weisheit, oder geht dahin, wo alles besser ist. - Dann heißt es richtig Adios und nicht Auf Wiedersehen. - Allerdings wartet ein Saisonfeind auf die Residenten, gleiche Rasse, gleiche Kultur und perfider Weise auch gleicher Ernährungsaufwand. - Immer im Winter fallen aberhunderte von meist rüstigen Überwinterern auf La Palma ein und wollen genau das was die Residenten auch wollen, Sonne, ein bisschen palmerisches Leben und Leben lassen und natürlich Bioware, Brezeln und die knappe Frischmilch aus Tacande, die sonst wohl für die Residenten vorbehalten schien. - Jetzt heißt es plötzlich sich sputen wenn der Dickdarm Schwarzbrot fordert, der Quark zur abgerundeten residentialen Diät unerlässlich erscheint und die Laugenbrezeln einen Hauch der fernen Heimat über den San Martín Tresen werfen. - Das Zeug ist alles um fünf nach zehn bereits in den Jutebeuteln hamsternder Überwinterer gelandet, die geduckt wie seinerzeit die Hunnen bereits kurz nach Ladeneröffnung die Regale stürmen und des Residenten Brot nicht nur begehren, sondern einfach kaufen. - Da der normale Resident meist erst aufsteht wenn die Sonne über die Cumbre Nueva streicht, weil es sonst noch unerträglich kalt und dunkel ist, sieht man in letzter Zeit reichlich enttäuschte und bereits aufgebrachte Gesichter noch ziemlich verknitterter Originalimmigranten vor den Ladentresen stehen und in ihrem ganz eigenen gestikulierenden Spanisch nicht mehr vorhandene Lebensmittel fordern. - Donde están die Brezeln y la Frischemilch, aber nicht im zarten Singsang einer jungen Joan Baez, sondern fordernd, denn der oder die andere Originalimmigrantin sitzt zu Hause und hat klare Anweisungen auf Karopapier geschrieben und was geschrieben steht, das ist versprochen und wird nicht gebrochen. - Es ist noch nicht zu großflächigen Übergriffen gekommen, noch können die Überwinterungsgäste meist unbehelligt über die Straßen gehen, aber es empfiehlt sich nicht, die Frischmilchflasche zu übermütig und keck aus dem Beutel lugen zu lassen, ein leer ausgegangener Resident könnte sich in seinem Erstlingsrecht übergangen fühlen. - Warum nun einfach nicht mehr Frischmilch auf den lokalen Markt geworfen wird um alle Notwendigkeiten abzudecken, das liegt an der perfiden Rasse der palmerischen Kühe, die sind so was von dickfellig, dass die auf Knopfdruck einfach nicht mehr Milch geben als sonst. - Der Winter ist schwer für Residenten auf La Palma und ist das Euter erst mal leer, dann gibt es keine Frischmilch mehr.



Freitag 01.12.06 - 07:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 15 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 56 % Luftdruck 1024 hPa

Liebhaber religiöser Kunst

Die Kulturstadträtin aus Santa Cruz, Maeve Sanjuán Duque kam kaum noch aus dem Staunen heraus als sie bei einem routinemäßigen Besuch des "Teatro Chico" in einem Speicherraum Juwelen, Bilder meist mit religiösen Motiven, Porzellan und weitere Kunstgegenstände fand, die eindeutig nicht zu dem Theater gehören. - Da sollte man sich freuen, eine unbekannte Schatzkammer mitten in der Hauptstadt, vielleicht versteckt vor den Piratenangriffen und nun wieder auf wundersame Weise ans Tageslicht gebracht. - Nein, so schön ist die Geschichte nicht, es handelt sich wohl um Diebesgut von dem man bisher aber noch nicht genau weiß, von woher es zusammengetragen wurde. Einen Verdächtigen hat man bereits, der Hausmeister soll der einzige sein der einen Schlüssel zu der Schatzkammer hat, nun wird aber noch überprüft, ob sich vielleicht doch noch andere Personen auch Zugang zu dem Raum haben verschaffen können.

Noch tappt man ziemlich im Dunkeln was es denn mit der Ansammlung der Juwelen und Kunstgegenstände so an sich hat, sollten diese verkauft werden oder wollte sich da jemand ein privates Museum basteln, erst mal will man herausbekommen, woher die Teile überhaupt stammen. Da die Bilder alle religiöse Motive tragen will man nun einen Kunstverständigen aus dem Umfeld des Bischofs in Tenerife holen, vielleicht kennt der das eine oder andere Kunstwerk, welches wohl aus Kirchen stammen soll. Bei den Juwelen gibt es eine warme Spur, ein Armband trägt einen eingravierten Namen und so kann man wohl die Eigentümerin identifizieren, Columbo und Derrick sind unterrichtet und werden bald erste Ergebnisse verkünden. - Tagesgespräch heute auf La Palma, besonders wenn man weiß, dass man einen kompletten Dreitonner mit offensichtlicher Hehlerware da aus dem Teatro Chico abtransportiert hat, wer immer sich da mit religiösem und weltlichen Tand schmücken wollte, bescheiden war er nicht.









Familie Ingrid & Mathias Siebold
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La Palma, Islas Canarias, Spanien
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Kanarische Ferienhäuser auf La Palma