La Palma Aktuell
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Nachrichtenarchiv August 2010


Dienstag 31.08.2010 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 32 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 5 % - Luftdruck 1017 hPa
Höchsttemperatur heute 36,2 Grad - niedrigste Temperatur 31,0 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 38,7 - Temp. Min 22,2 - Feuchte 5 - 5 % Niederschlag 0 mm

Das kleine Neptungras -
- und der große Vorwurf

Wir verlassen dazu mal die Insel und stellen uns irgendwo zwischen Granadilla auf Tenerife und Madrid auf. - Der "Puerto de Granadilla" sagt Ihnen ja vielleicht was, wenn nicht, auch nicht schlimm. - Dort soll ein Industriehafen entstehen, um Santa Cruz de Tenerife zu entlasten, allerdings haben viele Menschen etwas dagegen, dass dort ein neuer Hafen entsteht. - Die Menschen dort vor Ort erwarten sich aber auch viele Arbeitsplätze, zumindest beim Ausbau des Hafens, und hoffen eben später auch auf mehr wirtschaftliche Bewegung in ihrer Region. - Dagegen haben die meisten Umweltschützer etwas, und eben auch die Leute in den Häfen von Santa Cruz und Los Cristianos, die um ihre Arbeitsplätze fürchten, wenn in der Nähe plötzlich ein neuer und großer Hafen entstehen soll. - Die Umweltschützer sind natürlich generell gegen Landverbrauch, in diesem Falle "Küstenverbrauch" zur Schaffung neuer Infrastrukturen, wenn diese eben woanders bereits vorhanden sind. - Und viele Bürger, auch EU-Bürger regen sich einfach auf, dass da ihr Geld in den Atlantik geschüttet wird, obwohl man die Notwendigkeit dieses neuen Hafens mehr als anzweifeln kann. - Die Polemik ist also gesät und das geht auch schon über Jahre, aber irgendwie setzt sich das Gobierno de Canarias immer wieder durch und nun hat der Bau des Hafens auch bereits begonnen. - Aus Europa stoppte man dann den Bau erneut, denn das kleine Neptungras (Cymodocea nodosa) taucht nun in der Diskussion auf, und da das kleine Neptungras eine geschützte Spezies ist und dort wo der Hafen von Granadilla hin soll weite Seegraswiese existieren, darf dort natürlich kein Hafen hin. - So droht das kleine Neptungras eine millionenschwere Investition zu Fall zu bringen, und damit auch den Bezug so lecker geschenkter Dinge wie Millionen aus Brüssel. - Also, wie kommt man nun dazu, den Hafen dennoch zu bauen, denn unser Gobierno de Canarias hat ja ihrer Klientel, bestehend aus Gewerbetreibenden der Inseln und einflussreichen Magnaten versprochen, dass hier gebaut und verkauft werden kann wie wild.

Wenn das kleine Neptungras schon nicht weg kann, aber dann doch bitte der Status des Seegrases im Artenschutzkatalog, so müssen sich das ein paar "Amigos" in einschlägigen Bodegas ausgedacht haben, und wer regiert, der schafft an.- So hat man flugs einen neuen kanarischen Artenschutzkatalog aufgelegt, weniger unter strikter Beobachtung wissender Biologen, sondern eher unter freundlicher Abnickstellung einiger Techniker aus den eignen Reihen. - Das Ergebnis, nicht nur das kleinen Neptungras ist zukünftig kein Schutzbefohlener auf den Kanaren mehr, sondern mit ihm gleich noch weitere 50 Spezies, die bislang wohl schützenswert waren, nun aber wohl irgendeinem Bauvorhaben im Wege standen. - Großes Gebrüll und Aufschreien überall, und auch die Sozialisten haben angekündigt, gegen diesen neuen Artenschutzkatalog vorzugehen. - Das war vor ein paar Wochen, und nun hört man Interessantes aus Madrid. - Die bestärken nun die kanarische Regierung, und nehmen ihrerseits das kleine Neptungras aus dem Katalog der geschützten Arten, dem Weiterbau des Hafens von Grandilla steht also nichts mehr im Wege. - Ich kann mir nicht auferlegen zu wissen, ob denn nun dieses Seegras wirklich schutzbedürftig ist, oder sich vielleicht die Bestände so weit erholt haben dass man darauf verzichten kann, dieses Unterwassergewächs weiter zu schützen, diese Diskussion bleibt Meeresbiologen vorbehalten. - Allerdings kommen die meist in dieser Diskussion überhaupt nicht zu Wort, sondern nur die Politik und die wirtschaftlichen Interessen. - Der fast schön bösartige Verdacht lautet nun, in Madrid hätte man als Zugeständnis an die Coalicón Canaria, weil die ja so brav bei den Abstimmungen um Sparkurs, Arbeitsmarktreform und Haushalt mit den Sozialisten gestimmt haben, gewisse andere Vorhaben einfach abgewinkt, so zum Beispiel die Entkatalogisierung der Seegraswiesen, damit der Hafenbau von Granadilla nicht gefährdet wird. - Ein schwerer, und auch sehr unschöner Vorwurf, der aber bislang natürlich nur im Stadium einer Vermutung stecken bleiben kann, denn was nahe liegt muss noch lange nicht richtig sein, aber nach frischem Seegras riecht das alles nicht, sondern schon ziemlich faulig. - Die Sozialisten sind da nun schwer in Erklärungsnot geraten, und müssen profunde Argumente liefern, um den Verdacht des Handeltreibens mit geschützten Arten wieder loszuwerden. - Auffällig ist die Unterstützung der Sozialisten in Madrid seitens der Coalición Canaria schon lange, aber man konnte auch bislang meinen, das machen die, weil die nächstes Jahr regional mit den Sozialisten koalieren wollen. - Möglich ist es, aber es ist auch möglich, dass eine Hand von der Anderen gewaschen wird. - Und wenn Sie nun wieder meinen, typisch Spanien, dann sage ich nur Stuttgart 21, oder FDP und gesenkte Mehrwertsteuersätze für Hoteliers, und dann sind wir locker wieder quitt…



Dienstag 31.08.2010 10:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 28 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 5 % - Luftdruck 1016 hPa

Bitte warten, bitte warten…
Neue Straßensperrungen im Norden der Insel

Gebuddelt wird auf La Palma immer, mal hier, mal da. - Im Focus dabei ist auch immer der große Inselring, die Straße eben, auf der es uns gelingt, diese Insel komplett zu umrunden. Dabei fällt auf, dass nur kleine Strecken dieser Straße wirklich stark frequentiert sind, so ist zum Beispiel die Inselumrundung über den Norden eigentlich eine komplett touristische Angelegenheit, oder aber die paar Anwohner die noch "hinter" Barlovento wohnen, begeben sich woanders hin. - Das liegt auf der einen Seite an der Tatsache, dass der Norden der Insel immer mehr Bewohner verliert, aber eben auch an den vielen Kurven und Engstellen welche diese Straße aufweist, so dass als Hauptverbindungsweg von Ost nach West und umgekehrt die Straße durch die Cumbre-Tunnels weiterhin konkurrenzlos ist. - Weil wir so viel Geld übrig haben, wird aber an der Nordstraße nun seit gut einem Jahr wieder heftig gebaut. - Von Santa Cruz bis nach Los Sauces ist ja die Strecke bereits vor Jahren breit ausgebaut worden, Barrancos wurden "weggetunnelt" oder per Brücke beschnitten, so wie das die gewaltige Einbogenbrücke kurz vor Los Sauces eindrucksvoll beweist. - Nun geht es weiter mit dem Ausbau, von Los Sauces über Barlovento bis "Cruz de Castillo" ist der nun in Angriff genommene Teil der Nordumfahrung, und wenn man der Presse und den dahinter Auskunft gebenden Stellen glauben darf, dann geht der Ausbau dieses Streckenabschnittes zügig und planmäßig voran. - Allerdings sind solche Baustellen halt immer auch ein Verkehrshindernis für die Anwohner, denn ohne sich auf der Straße zu bewegen kann man eine solche Arbeit auch nicht ausführen, das leuchtet wohl jedem ein. - So hat man immer die Wahl, entweder geht der Bau schnell voran und man sperrt die Straße, oder aber man geht den pragmatischen Weg die Arbeiten neben dem laufenden Verkehr durchzuziehen, was aber dann eben auch bedeutet, dass man nur langsam vorankommt und nicht alle Technik oder viele Arbeiter gleichzeitig einsetzen kann.

Ein Komplettsperrung kommt aber nicht in Frage, da diese Straße für viele Siedlungen die einzige Möglichkeit ist, zu diesen zu gelangen, eine Umleitungsmöglichkeit gibt es da einfach nicht. - So geht man den Weg der temporären Sperrungen, stundenweise wird die Straße gesperrt und dann wieder für den Verkehr geöffnet. - Solch ein Kompromiss muss dann aber gut überdacht werden, die Anwohner dort müssen ihren Tagesablauf auf den Sperrungen ausrichten, so dass der Weg zur Arbeit oder zur Schule schon mal kräftig neu geplant werden muss. - Die Bewohner Barloventos haben das über Monate bereits erfahren müssen und nun drohen für einen weiteren Monat diese Teilsperrungen, weil man an Arbeitsabschnitten angelangt ist, die eben nur ohne laufenden Verkehr machbar sind. Den gesamten September über, von morgen an, ist ab Kilometer 25 bei der "Cueva de la Virgen de Candelaria" die Weiterfahrt nur noch temporär möglich und man sollte das beachten, wenn man nicht Stunden auf der Straße warten will. - Von Montag bis Freitag ist die Straße zu von 09:45 - 11:15 Uhr von 11:45 - 13:15 Uhr und am Nachmittag von 16:00 - 19:00 Uhr. - Samstags gibt es nur die beiden Vormittagssperrungen, Sonntag, Feiertags und nachts ist die Straße offen. - Krankentransporte sind immer zugelassen und die Feuerwehr darf auch durch, sollte irgendwo gezündelt worden sein. - Die Zeiten der Sperrung sind schon sehr auf die Anforderungen der Einwohner ausgerichtet worden um die Beeinträchtigungen so gering wie möglich zu halten. - Die Sperrungen gelten vorerst bis Ende September. - Weiterhin ist auch die Straße von Tajuya nach Fuencaliente stundenweise gesperrt, und es sieht so aus, als baue man dort gleich die neue Trasse und repariere nicht nur die von den Erdrutschen betroffenen Teile.



Montag 30.08.2010 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 35 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 5 % - Luftdruck 1018 hPa
Höchsttemperatur heute 36,2 Grad - niedrigste Temperatur 31,0 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 41,8 - Temp. Min 23,8 - Feuchte 5 - 5 % Niederschlag 0 mm

Amerika neu erfinden,
hier!

Jetzt hat es den Siebold erwischt. - Zu viel Hitze, oder sein Lieblingskater ist schwanger geworden oder sonst was ist passiert, der will Amerika neu erfinden. - Es ist wirklich heiß, aber schon nicht mehr so heftig wie gestern, Paul ist nicht schwanger, und für viele, besonders für FDP-Wähler oder Golfspieler war ich ja immer schon suspekt, und das mit dem Amerika erkläre ich Ihnen jetzt gleich. - Tomás Ramos, ein befreundeter "Denker" und Unterschichtenphilosoph schreibt öfter mal aus Zeit,- und Schlechte-Laune-Vertreib in der Zeitschrift "La Voz de La Palma", dem einzigen Blatt hier auf der Insel, welchem man zarte Versuche eines engagiertem Journalismus zuschreiben darf, witzigerweise immer von Laienreportern dargestellt. - Tomás Ramos erinnert mich immer an Heiner Geißler, obwohl bei Tomás keine Wandlung vom Saulus zum Paulus notwenig war, aber er spricht ähnlich und beide sind eben streitbare Globalisierungsgegner. - Sorry für den Vergleich Tomás, aber ich mag den Heiner… Der Satz "Amerika neu erfinden, hier" der stammt nämlich von Tomás, wenn auch leicht abgeändert. Aber korrekt übersetzt würde der lauten: "wir müssen die Amerikas hier machen - hacer las Américas aquí" und das versteht niemand, welcher den spezifischen Umgang und auch Gebrauch, welchen man hier mit dem Wort Amerika verbindet. - Auch müssen wir uns von der Vorstellung verabschieden, irgendjemand hier würde die USA meinen, wenn er von Amerika spricht, hier ist immer Südamerika gemeint, Teile Mittelamerikas, und die Antillen. - "Hacer las Americas aqui" ruft Tomás Ramos aus, nachdem er die alten Geschichten erzählt hat von dem Fleiß und dem Können der Palmeros, und deren bereits legendären Ruf dort in Amerika. "Schenk einem Palmero eine Wüste, und er wird einen blühenden Garten daraus machen, schick ihn in den Urwald und er wird einen Bauernhof daraus machen" - So etwas erzählt man sich dort in "Amerika" und das kommt nicht von ungefähr, haben die vielen Emigranten doch seinerzeit in Kuba und Venezuela aus Wüsten Gärten gemacht und aus Urwäldern große Farmen. - Das muss jetzt wieder hier geschehen, und nun verstehen Sie auch den Zusammenhang und warum wir Amerika neu erfinden müssen, und das eben hier.

Hintergrund dieser Ausführungen Tomás sind die ewige Fragen nach unserem zukünftigen Auskommen auf der Insel, nachdem uns die Monokultur Banane in eine Sackgasse geführt hat, und der konservative Tourismus (Pakete und All-inklusive) kaum Wertschöpfung in den lokalen Wirtschaftskreislauf schicken, da die Gelder woanders verdient werden und die Margen in der ausgelutschten Branche zu gering sind. - Außerdem stehen wir da in einem immer noch wachsenden Preiskampf mit anderen Regionen, so wird zum Beispiel in Marokko, zum Teil auch mit kanarischem Kapital, gerade eine Tourismus Infrastruktur aus der Wüste gestampft, die natürlich gegen den kanarischen Markt gerichtet ist und mit Preisen aufwarten kann, die uns in den Ruin treiben werden. - Tomás kann auch keinen dritten Weg oder Revolution aus dem Hut zaubern, die uns nun breites Volkseinkommen versprechen, aber er fordert eben eine Rückbesinnung der Leute hier auf das, was sie gut können. - Und da steht vor allem die Landwirtschaft im Focus, aber eben mit klar veränderten Vorzeichen, welche der Entwicklung der letzten 15 Jahre allerdings entgegenstehen. - Qualität statt Quantität fordert Tomás, und das ist schon fast revolutionär, nachdem uns meine und seine "Lieblingspartei" ja bei den Bananen aufgefordert hat, eher Masse als Klasse zu produzieren, nachdem man die Ausgleichszahlungen nun nach Kilo abrechnet und nicht mehr nach angebauter Fläche. - Und weiter, nicht nur die landwirtschaftliche Produktion muss sich wieder an Qualität ausrichten, sondern wir müssen auch endlich das Marketing erlernen und die Abwicklung unserer Geschäfte endlich in unsere eigenen Hände nehmen. - Kommt Ihnen vielleicht alles schon ein bisschen bekannt vor, kommt vielleicht daher, dass ich ähnlich denke, ich wollte Ihnen damit einfach mal nur zeigen, dass es hier wohl auch Menschen gibt, die längst auf einem anderen Weg angekommen sind. - In kleinen Kreisen merkt man aufkeimenden Mut ja auch schon andere Wege zu gehen, und wenn man endlich so mutig und bedeutend sein könnte, als Palmero diese Insel nicht mehr verlassen zu müssen um erfolgreich zu sein, dann steckt doch jede Menge Zukunft in dieser Insel. - Allerdings ist Tomás Ramos da sehr pessimistisch was unsere politische Führung angeht, er traut es keinem von den vorhandenen Politkern zu, inklusive der Opposition, zu diesem Gelingen auch nur das Geringste beitragen zu können. - Also doch neu erfinden unser Amerika, dann wird es aber Zeit, dass wir anfangen. - Den Originalartikel von Tomás gibt es HIER zu lesen.




Begossene Kater




Montag 30.08.2010 09:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 32 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 5 % - Luftdruck 1018 hPa

Die Hitze bestimmt weiter unseren Tagesablauf
Morgen soll es besser werden

Einmal Bettwäsche auswringen, das ist morgens unsere erste Tätigkeit. - Die dritte Nacht mit Temperaturen über 30 Grad zeigt Wirkung, der morgendliche Kaffee wird zwar noch angetrunken, aber bald schon gegen ein kaltes Glas Orangensaft ausgetauscht. - Die Mär, alte Häuser würden die Hitze besser abhalten als Neubauten, die gilt, aber eben nur einen Tag lang, und kommt dann noch Wind dazu, dann ist es hinter den dicken Mauern bald genau so warm wie hinter Hohlblocksteinen. - In den sonst eben kurzen Hitzeperioden sind da die alten Häuser schon im Vorteil, aber dauert so etwas eine Woche lang, dann findet die Hitze in jeden Winkel des Hauses, ohne Ausnahme. - Die Katzen leiden besonders und haben den Schlafanteil am Tag von 14 auf 22 Stunden ausgedehnt, die restlichen Momente werden für kurze und mürrische Nahrungsaufnahme verwendet und deutliches zur Schau stellen groben Missfallens. - Allerdings gibt die Hitze auch wieder sicheres Geleit für Eidechsen, Geckos und Mäuse, die können nun ohne Eile über die Terrasse spazieren, mehr als einen zornigen Blick der Katzen ernten sie nicht, gejagt wird erst wieder, wenn es frischer wird. - In Mazo ist nichts passiert, man hat das Fest durchgezogen und gibt so wiederum den Verharmlosern Recht, welche da immer wieder stehen und behaupten, es passiert schon nichts, wir haben das alles im Griff. - Glück gehabt, nichts weiter, aber wir wissen doch aus eigener Erfahrung, dass auch Glück eine Halbwertzeit hat.

Was macht man jetzt eigentlich mit den 30 VIP-Gästen die gerade auf der Insel weilen. - Sie wissen schon, die ausgesuchten Profis der deutschen Tourismusbranche, die wollte man doch auf die Berge zum Wandern schleppen. - Das ist sicher nichts geworden, aber die Bootsfahrt konnte man durchführen, wohl auch den schwitzenden Besuch auf dem Roque de Los Muchachos, aber ob die dann tatsächlich bei 40 Grad mit Buggys durch die staubige Landschaft geprescht sind, und das wohlmöglich sogar noch gut finden konnten, das weiß ich nicht und kann mir das auch gar nicht vorstellen. - Schade eigentlich, dass nun diese Hochkaräter der deutschen Tourismusbranche die Insel gerade in einem solchen Ausnahmemoment zu sehen und zu spüren bekommen, Momente in denen die beliebtesten Ausflugspunkte Kneipen mit Klimaanlagen sind. - Immerhin ist meine "Sommergrippe" vorbei, der Husten hat sich abgemeldet, und die täglich mehrfache Schlacht um die Einnahme des teuflischen Zwiebel-Honig-Saftes ist auch vorüber. - Zwei Feuer gab es gestern noch auf Tenerife, aber alles sofort im Griff, ebenso wie der Brand auf La Gomera. Spät abends konnte man die beiden hier stationierten Helikopter schon wieder auf seinem Heimflug beobachten, im letzten Büchsenlicht schlich der sich die Küste entlang nach Puntagorda. - Diesen Tag noch, und wohl ein Stückchen morgen noch, dann atmen wir wieder auf und erfreuen uns erneut an der frischen Brise des Passats.




An der optimalen Trinktemperatur basteln wir noch...




Sonntag 29.08.2010 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 38 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 5 % - Luftdruck 1019 hPa
Höchsttemperatur heute 39,4 Grad - niedrigste Temperatur 30,8 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 42,9 - Temp. Min 25,1 - Feuchte 5 - 24 % Niederschlag 0 mm

Ein Jahr nach dem großen Feuer,
aber in Mazo will man nicht weise werden

Zugegeben, letztes Jahr am letzten Julitag war die Wettersituation noch ein bisschen dramatischer, wir wollen das nicht unterschlagen, aber jetzt ist es fast genau so schlimm. - Temperatur bei fast 40 Grad, Luftfeuchte unter der Nachweisgrenze, und unberechenbare Windböen mit Ausrutschern bis 60 Stundenkilometern. - Das ist die Suppe aus der Feuer gemacht wird, und letztes Jahr brach ja auch in Mazo der Brand aus, der schließlich zu einer der größten Feuerkatastrophen geführt hat, welche diese Insel jemals erlebt hat. - Damals sollen unsachgemäß abgeschossene Feuerwerkskörper das Feuer verursacht haben, und nun dürfen Sie mal raten, was man in der Gemeinde von Mazo heute Abend vorhat? - Stimmt, die machen Feuerwerk! - Jetzt nicht so mit Raketen und Böller, sondern so ähnlich wie bei dem Teufelstanz in Tijarafe. - Die in Mazo haben nämlich ein ähnliches Fest, nicht ganz so berühmt, aber das gleiche Schema, eine Figur, bestückt mir jeder Menge Feuerwerkskörper springt wild tanzend durch eine breite Menschenmenge, wobei das "breit" durchaus doppeldeutig auch den Sinn trifft. - Passend heißt die Figur, "el Borrachito Fogatero", was so viel bedeutet, wie der betrunkene Feuermacher. - Historisch handelt es sich bei der Figur nicht um eine simple Kopie des Teufels der Fiesta in Tijarafe, sondern es ist schon eine ganz eigene Geschichte aus Mazo, allerdings hat man sich über die Jahre hin schon die geballte Feuerkraft des Teufels aus Tijarafe angesehen, und man meint fast, beide Figuren würden nun um Üppigkeit und Gefährlichkeit geradezu konkurrieren. - Dabei ist diese fremde Benutzung von Feuerwerkskörpern eigentlich verboten, aber in diesem Verbot gibt es eben auch einen Passus, welcher lokale Traditionen, welche eben mit dem Feuer spielen, unter sachgemäßer Aufsicht doch durchgeführt werden können.

Tradition hin, oder her, sicherlich gilt es Traditionen zu bewahren, aber wenn die Ausübung einer Tradition Gefahr für die Allgemeinheit oder auch nur den nahen Kreis der Beteiligten mit sich bringt, da spätestens müsste eine Autorität mutig einschreiten, und diesen Blödsinnn zumindest momentan einfach verbieten.- Gut, die Plaza auf der der Betrunkene seinen Feuertanz aufführt, die ist nicht mitten im Wald, sondern befestigt und es sind viele Menschen da, welche Flammen sofort löschen könnten. - Aber dennoch ist das ein blitzgefährliche Geschichte, da geht auch nur ein Böller daneben, oder die Jungs in ihrem besoffenen Delirium meinen, nun selbst noch Feuerwerk machen zu müssen, und dann eben halt da, wo ihnen keiner auf die Finger haut, und schon ist es passiert. - Feuerwehrleute sind natürlich auf dem Fest anwesend, aber bei solchen Massen an Menschen, die eben auch noch wild feiern, da ist nicht viel zu erreichen mit Mahnung zur Vorsicht. - Vielleicht zieht ja noch ein Verantwortlicher da in Mazo rechtzeitig die Reißleine und man nimmt die Feuerwerkskörper aus dem Festprogramm heraus, vor Mitternacht tritt der Betrunkene seinen Tanz ja auch gar nicht an. - Ansonsten brauchen wir wieder mal mehr Glück als Verstand, wenn das alles gut gehen soll. - Auf La Gomera hat man gestern Abend weniger Glück gehabt. - In der Gemeinde Vallehermoso wurde gegen 22:00 Uhr ein Feuer gemeldet, welches sich zunächst schnell ausbreiten konnte. - Einige Anwohner der Siedlungen Tazo und Cubaba wurden evakuiert, konnten aber inzwischen in ihre Häuser zurückkehren. - Heute tagsüber konnte man aus der Luft, mit Unterstützung aus Tenerife und La Palma das Feuer aber wohl so weit unter Kontrolle bringen, dass keine nervösen Pressemeldungen mehr von unserer Nachbarinsel kommen, sondern eher beruhigende Nachrichten. - Man spricht davon, dass man das Feuer einkesseln konnte und ist guter Zuversicht, morgen dann das "gelöscht" vermelden zu können.- Und dann unsere Hubschrauber bitte schnell wieder zurück nach La Palma…



Sonntag 29.08.2010 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 31 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 5 % - Luftdruck 1017 hPa

Was die Krise übrig lässt
Hauptstadtstrand ist nicht gefährdet

Das "nicht gefährdet" bezieht sich übrigens auf die Finanzierung, nicht auf die launischen Attacken des Atlantiks. - Viele große Pläne hat man die letzten Jahre für die Insel erdacht, geschehen ist herzlich wenig, manchmal dankenswert wenig, da wir zwischen respektvoller Verbesserung unseres Umfeldes und brutaler Veränderung noch nicht wirklich unterscheiden können. - Auch das hat Ursachen, und die stecken in dem aufgezwungenen Wirtschaftswachstum der neunziger Jahre, welches zwar auf Pump, Beton und Schwarzgeld erbaut wurde, aber dennoch bei vielen Menschen, und mehr noch bei den öffentlichen Korporationen, einen fragwürdigen Wachstumsdruck ausgelöst haben, der leider ohne Seil oder Netz verbaut wurde. - Die Krise rückt uns jetzt wieder zurecht, und auch wenn kleinere Brötchen nicht wünschenswert sind, sie sind immer noch größer als die vor 25 Jahren, und auch das sollte man vielleicht in seine "Krisenbewältigung" mit einkalkulieren. - Die öffentlichen Sparmaßnahmen wollen konkret noch gar nicht so benannt werden, regional steht man ein paar Monate vor den nächsten Wahlen, und am liebsten würde man sämtliche Diskussionen um Ressortkürzungen absolut vermeiden, denn man hat einfach nichts zu verteilen. - So liegen viele Projekte des "Gobierno de Megalomanía" schlichtweg auf Eis, oder auf Zinsen, und die Konkursverwalter der Nachwohlstandsgeneration verschieben eher Finanzierungslücken als noch vorhandene Mittel. - Ganz abgebrühte Kreise sind ja gar klammheimliche Fans der Krise, hofft man doch einfach, dass viele Wahnsinnsprojekte, wie zum Beispiel die Weltbiosphärenreservatsautobahn auf La Palma, nun einfach nicht mehr finanzierbar sind. - Das könnte sogar klappen, auch wenn es dafür keine Garantien gibt, die Weiterführung des Ausbaus der Nordumfahrung, sowie das Pendant im Süden, bringen bereits jetzt die Haushalte für Infrastruktur des Regionalparlaments reichlich in Bedrängnis. - Eine Garantie gegen den Bau der Autobahn ist das allerdings noch nicht, aber im Moment spricht mehr gegen dieses Vorhaben, weil die Mittel einfach erschöpft sind, als für diese unnütze Geldausgabe.

Gerettet hingegen ist die Finanzierung des Stadtstrandes von Santa Cruz de La Palma, das konnte man gestern aus dem Mund des palmerischen Oppositionsführers vernehmen, Manuel Marcos, Chef der Sozialisten La Palmas. - Wie kommt nun der Sozi zu dieser Information, das erklärt sich ganz einfach, die Finanzierung des Strandes übernimmt Madrid, und Manuel Marcos weiß das vom Generalsekretär des Ministeriums für Umwelt, das auch für Küsten- wie Meeresangelegenheiten zuständig ist. - Ob es denen in Madrid einfach gefallen ist, diese knappen 29 Millionen Euro jetzt zu bestätigen, das werden wir in den kommenden Tagen noch zwischen den Zeilen lesen werden, auf jeden Fall haben es die Sozis sich nicht nehmen lassen, das neue Kleid der Hauptstadt als ihr Werk auftreten zu lassen. - 20 Firmen sollen bereits ihr Interesse an der Bauausführung bekundet haben, die Ausschreibung läuft jetzt an, und Ende des Jahres will man den Auftrag auch bereits vergeben, so dass noch im Frühjahr 2011 mit dem Bau begonnen werden soll. - In der Hauptstadt freut man sich grundsätzlich über diese Pläne, einen gewaltigen Strand, geschützt von zwei großen Deichen, direkt vor die Haustür gesetzt zu bekommen, das wird ein Hauch von "Las Canteras" und nicht nur die Stadt, sondern die ganze Insel kann von diesem neuen Angebot profitieren. - Allerdings wird so langsam auch vielen klar, dass es während der Bauphase, aber eben auch danach, zu deftigen Einschnitten im bekannten Alltagsleben kommen kann, denn viele gewohnte Wege sind dann neu zu belegen. - Der große Parkplatz am Meer kommt weg, das alleine ist schon ein gewaltiger Einschnitt, und noch hat man keine Vorstellung, wie man das kompensieren soll. - Ein weiteres Parkhaus am südlichen Ende der Stadt ist vorgesehen, aber noch kein konkreter Plan vorhanden, geschweige denn eine Finanzierung oder ein Investor, welcher solch ein gewagtes Projekt übernehmen will. - Aber das ist auch der Preis den man als Hauptstädter irgendwie zu tragen hat, wer einen großen Hafen will, einen Strand und jede Menge Geschäfte, der darf sich über ein bisschen Krach und Enge auch nicht aufregen.



Samstag 28.08.2010 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 34 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 5 % - Luftdruck 1017 hPa
Höchsttemperatur heute 34,8 Grad - niedrigste Temperatur 28,9 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 41,9 - Temp. Min 25,3 - Feuchte 5 - 5 % Niederschlag 0 mm

Es ist zum Weinen,
mit dem Wein

Landwirtschaft als Broterwerb ist ein heikles Geschäft, wenn es denn überhaupt ein Geschäft ist. - Die Weinernte ist nun auf der Ostseite bei Mazo in vollem Gange, aber was man sieht, das sind leere Körbe. - Man wusste ja bereits, dass die Ernte nicht gut werden würde dieses Jahr, aber was die Winzer dort aus der Zone nun zu melden haben, das hört sich drastisch an..- Gut, man wird uns wohl auch immer nur den "worst case" berichten, weil Normalitäten keinen interessieren, aber man spricht dort von Verlusten welche an 90% gehen. - Manche Weinbauern dort sprechen von der schlechtesten Ernte welche sie jemals hatten, und rund um Mazo ist die schlechte Laune nun perfekt. - In den anderen Zonen steht die Lese der Reben noch bevor, aber auch in Fuencaliente und El Paso argwöhnt man deutlichere Verluste als die 30%, welche man noch vor ein paar Wochen geschätzt hatte. - Wie das dann endgültig in den anderen Zonen aussieht, das wird man endgültig erst nach der Erne wissen, aber der Norden der Insel, welcher die seit ein paar Jahren immer beliebter werdenden trockenen Weißweine liefert, der scheint weniger schlimm von den Ausfällen betroffen zu sein. - Allerdings sind das ja auch die letzten Regionen in denen gelesen wird, das zieht sich noch bis Oktober und in einzelnen Fällen gar in den November hinein. - Der Winter war zu warm und der fehlende Kälteschock hat die Blüte schon beeinträchtigt, die verlief zögerlich so dass es auch Probleme bei der Befruchtung der Blüten gab. - Dann war das Frühjahr kühl und feucht, mit weniger Sonne als sonst, was dem Mehltau sehr gut passte, nicht aber den Reben. - Und schließlich die anderthalb Tage heißer Wind Anfang diesen Monats, welcher das Blattwerk und auch die bereits ausgebildeten Trauben heftig verbrannt hat.

Für Mazo katastrophal, hatten die eh schon Schwierigkeiten mit ihrer Marke "Hoyo de Mazo", und wenn noch jemand Geld am diesjährigen Wein verdienen will, dann müssten die Preise derart steigen, dass man sicherlich nur extrem treue Kunden am eigenen Schoppen halten könnte. - Gut für die meisten professionellen Winzer, dass man seit Jahren bereits eine Ernteausfallversicherung abgeschlossen hat, die nun natürlich zahlen muss. - Für diese "Agroseguros" machen sich die Landwirtschaftsberater seit langer Zeit bereits stark, und bei den Bananen zum Beispiel ist diese sogar Pflicht, denn alle Kooperativen welche Bananen ankaufen haben sich abgesprochen, nur Früchte von Landwirten anzunehmen, welche solch eine Versicherung aufweisen können. - So weit ist man bei den Winzern noch nicht, weil eben die meisten auch nur im Nebenerwerb diese Tätigkeit betreiben, und es eher als ein familiäres Zubrot betrachten. - Wie weise! - Gehen wir mal davon aus, dass die anderen Regionen der Insel nicht derart heftig getroffen wurden, aber mit deutlich geringerer Menge wird auf jeden Fall zu rechnen sein, was sich sicherlich auch dann auf den Preis des Endproduktes auswirken wird. - Das wiederum sorgt erneut für höheren Konsum an importiertem Wein und diese Maßnahme zwingt die hiesigen Bodegas dann wieder dazu, den Preisanstieg mit Bedacht zu wählen. - Vor Jahren hatten wir mit furchtbaren Überkapazitäten zu kämpfen, das ist nun in den letzten Jahren besser geworden, denn so erfreulich wie eine Rekordernte erst mal klingen mag, wenn nachher keine Bodega die Trauben mehr abnehmen will, oder nur noch Centbeträge für das Kilo bezahlt, dann weiß man manchmal nicht, ob man sich lieber eine Rekordernte als eine gediegene Missernte wünschen soll. - Die unschöne Begegnung der Landwirtschaft mit der Marktwirtschaft, und der Dumme ist immer der Bauer.



Samstag 28.08.2010 10:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 30 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 5 % - Luftdruck 1016 hPa

Durchhalten bis 1. September
Der Wind bringt keine Freude

Früher als angekündigt ist der Nordost zurückgekommen, aber leider nicht als feuchter und kühlender Passat, sondern als Abgesandter Afrikas. - Hatten wir doch gehofft, wegen der relativen Windstille in den unteren Luftschichten die Hitze nicht so heftig spüren zu müssen, was ja die ersten Tage auch geklappt hat, so nimmt uns der Wind nun dieses Privileg und beschert uns auch unten des Nachts Temperaturen von über 30 Grad. - Nach oben werden wir die 40 Grad hier wohl nicht schaffen, aber nach unten wird es auch kaum frischer werden. - Das Ganze soll noch bis Mittwoch so gehen, wer Klimaanlagen zu verkaufen hat der freut sich darüber, wer draußen arbeiten muss bekommt schlechte Laune und Sommergrippe ist bei dm Wetter auch suboptimal… - Schuld daran ist ein Tiefdruckgebiet, und was für ein schönes und dickes Exemplar seiner Zunft, welches genau dort liegt, wo eigentlich unser Azorenhoch seinen Dienst tun sollte, um uns permanent kühle und feuchte Atlantikluft heranzuführen. - Das "Azorenhoch" hat sich nun von dem Tief weit in den Norden drücken lassen, und bei uns herrscht eigentlich überhaupt kein Wetter, wir sind im Niemandsland der Drücke angelangt und so ein willfähriger Spielball für Temperaturen die unseren Breiten eigentlich angemessen sind. - Das Tief zieht sehr langsam nach Westen, obwohl es so kompakt und kraftvoll daherkommt, so dass wir die afrikanische Note an unserem Dasein noch ein paar Tage weiter spüren werden.

Eigentlich wiederhole ich mich immer wieder, wenn ich von der nun potenzierten Waldbrandgefahr schreibe, aber mit dem Wind zusammen ergibt die Hitze und die Trockenheit ein wahrhaft diabolisches Dreigestirn, und man kann es wohl nicht oft genug sagen. - Extreme Vorsicht ist nun wieder angesagt, und viele Augen sehen die entstehende Gefahr noch schneller, und können so die vielen in Bereitschaft stehenden Kräfte rechtzeitig informieren, wo denn trotz aller Vorsicht ein Feuer ausgebrochen ist. - Wen ruft man an, die 112 natürlich, das ist der allgemeine Notruf, und dort gibt es auch Telefonisten, welche englisch sprechen und manchmal auch deutsch, so klappt das dann mit der Verständigung auch. - Bislang hat das in den heißen Tagen ja wunderbar funktioniert, schnelle Meldungen und schnelles Eingreifen haben aus zahlreichen kleinen Feuern keine Katastrophe werden lassen und so kann man doch durchaus guten Mutes sein, dass wir das weiterhin so gut organisiert durch den heißen Sommer ziehen.





Freitag 27.08.2010 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 33 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 5 % - Luftdruck 1016 hPa
Höchsttemperatur heute 33,6 Grad - niedrigste Temperatur 23,0 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 41,3 - Temp. Min 24,6 - Feuchte 5 - 5 % Niederschlag 0 mm

Endlich offiziell,
Sommergrippe!!

Männer sind wehleidiges Pack, so heißt es oftmals aus den Reihen der Begünstigten der Chauvi-Kassen. - Ich plädiere hier an dieser Stelle offen für die sofortige Einführung einer Mater-Kasse, oder einer Emanzensteuer, die immer dann erhoben werden kann, wenn infame bis widerliche Geschichten über Männer, und solche die es werden wollen, verbreitet werden. - Wenn wir schon über Gleichberechtigung reden, dann bitte ganz und auf kompletter Stufe, auch wir haben Gefühle, wollen ernst genommen werden, und wenn wir Zahnweh haben oder eben erkältet sind, dann leiden wir halt ein bisschen mehr als Frauen, das liegt bestimmt an den Genen. - Zumindest würde Herr Sarrazin das so sagen, der alte Türkenversteher, ansonsten erzählt der ja nur noch kompletten Blödsinn und müsste längst in eine Kasse einzahlen, die wir eigentlich schon längst geschlossen glaubten. - Ich schweife ab, es geht doch um das große Leidensvermögen von Männern, und wenn wir eben krank sind, dann machen wir das richtig, und nicht so nebenher, mit multitasking und so. - Seit Tagen quälen mich fiebrige Attacken und eben dieser Husten, und meine drei Frauen machen sich einen Spaß daraus, mich einerseits mit diesem furchtbaren Zwiebel-Honig-Trunk zu schlimmsten kulinarischen Albträumen zu leiten, und auf der anderen Seite machen die sich permanent über mich lustig, wenn ich mal wieder husten muss oder mir für alle sichtlich leidend den Schweiß von der Stirne wischen muss. - Nein, ich leide noch wische ich ostentativ, wie man mir immer wieder vorwerfen will, ich höre bloß nicht auf zu leiden, weil nun plötzlich ein Familienmitglied neben mir steht. - Hinter mir tuscheln die dann was von Weicheiern und Schlappschwänzen und verstecken ihren Verdacht gar nicht, ich sei ein Hypochonder. - OK, leise im Bett vor mich hinheulen, das ist nicht wirklich mein Ding, wenn ich krank bin, dann können alle gerne was davon abhaben und wenn verhärmte weibliche Körper einfach keinen Schmerz oder Leid mehr verspüren bei solch unangenehmen Geschichten wie Husten oder fiebrigen Schreckmomenten, dann kann man uns Männern, da doch keinen Schlappstrick draus zwirbeln. - Manchmal habe ich sogar das Gefühl, die verlustieren sich an meinem Leid und äffen mich wohlmöglich sogar noch nach, sollte ich gerade mal nicht anwesend sein.

Das gibt ordentlich was in die Mater-Kasse, nur bin ich meist zu sehr mit Husten und Leiden beschäftigt, als dass ich diese frevelhaften Spielchen meiner weiblichen Mitbewohner immer überwachen könnte. - Gestern wollte ich meinen Zustand dann endlich offiziell anerkennen lassen, ich habe das Sommergrippe getauft, mit einer dreiflügligen Bronchitis, das wurde aber dreist und infam abgeschmettert und als einer der besten Witze betitelt, welche ich seit langem gebracht hätte. - Auch das hat mich getroffen, denn eigentlich bin ich ein guter Witze-Erzähler, auch wenn meine Kinder immer behaupten, die allermeisten würden über meine Witze nur aus Anstand lachen, oder sich die Kellner ein besseres Trinkgeld erhoffen, wenn sie mir denn einen lächerlichen Gefallen täten. - Sie sehen also, es ist nicht leicht mit solch geschlechtsbewussten Familienmitgliedern ordentlich krank zu sein, man läuft permanent Gefahr, sich lächerlichen Vorwürfen aussetzen zu müssen oder die eigenen Fettnäpfchen zu häufig zu besuchen. - Dieser Teufelskreis, Husten - Zwiebelsaft, der ist ja schon kaum noch an diabolischem Charakter zu überbieten, wer leiden will, der soll dann auch schlucken, und würde ich das grausame Zeug nicht in mich hineinschütten, dann nähme ich mir selbst die Rechfertigung krank zu sein. - Clausewitz hätte noch seine Freude gehabt an solch raffinierter Taktik, und ich kann einfach alle Armeen dieser Erde nur warnen, niemals Frauen an solche Positionen wie General oder sonst was gelangen zu lassen, da wäre kein ordentlicher Krieg mehr möglich mit Siegern und Verlierern, das würde alles irgendwann in irgendeiner riesig großen Verarsche enden. - Die Amerikaner und die Taliban, die wissen das längst, und haben beide so ihre Möglichkeiten gefunden, Frauen aus diesen ehrenwerten Geschäft herauszuhalten. - Es gibt zwar Frauen in der amerikanischen Armee, aber keine, die sagen wo es lang geht, das wäre denen viel zu gefährlich. - Zurück zu meinem Husten, da bin ich inzwischen positiv fündig geworden, Sommergrippe gibt es wirklich, auch wenn vielleicht nur in El Paso. - 4 weitere Mitleidende habe ich noch gefunden, welche allesamt die gleichen Symptome aufweisen wie ich, Husten, fiebrige Unlust, und abendliche Durstattacken, welche mit spagyrischen Aufgüssen unter Zusatz von Gerste und Hopfen kalt zu sich genommen werden müssen. - "Gripe de verano" heißt das Zauberwort, höchst offiziell, anerkannt sogar bei der Seguridad Social, so dass die ersten drei Bier auf Krankenschein ausgegeben werden, allerdings nur an Männer. - Irgendwann ist dann doch wieder die Zeit der Gerechten, und wenn dann mehrere Rekonvaleszenten am Tresen gemeinsam therapiert werden, dann kann man sich auch noch prima dabei über die weiblichen Misshandlungen in dieser schweren Zeit beklagen. - Aber Zwiebelsaft mit Honig, das haben die Frauen der anderen Mitkränkler noch nicht gebracht, so bleibt mir wieder mal nur erstaunt auszurufen, meine Frauen sind die Besten!




Man darf nur so weit nicht sinken, den Saft durch den man einen zieht, auch noch zu trinken...




Freitag 27.08.2010 10:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 24 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 21 % - Luftdruck 1015 hPa

Noch eine Fiesta,
und noch ein Missverständnis

Ob nun die Zwerge tanzen oder der Teufel, der steckt im Detail. - Die populäre Mischung klerikaler Feste mit lockenden weltlichen Akzenten bringt die Hackordnung manchmal ganz schon durcheinander. - Da weiß dann irgendwann niemand mehr, warum man das Ganze eigentlich feiert und nennt das dann Tradition. - Man kennt das ja auch in der großen globalisierten Welt, denn kaum noch jemand fragt sich doch wirklich, was Santa Claus denn eigentlich mit Weihnachten zu tun hat. - Nichts hat diese Kunstfigur damit zu tun, diese ökonomisch trainierte Metamorphose aus Nikolaus und Knecht Ruprecht, aber Tradition hat das allemal schon. - Ganz so heftig sind wir nicht drauf, aber auch bei dem größten Inselfest, der Bajada de la Virgen de Las Nieves müssen wir ja beobachten, dass das Rahmenprogramm die eigentliche Devotion an die Marienfigur bereits deutlich überholt hat. - Der Zwergentanz ist es in dem speziellen Fall, welcher auch ursprünglich gar nicht mit der Verehrung der Patronin der Hauptstadt und inzwischen der ganzen Insel zu tun hatte. - "Los Enanos", also "Die Zwerge"; so nennen viele bereits dieses Gesamtkunstwerk, wobei man halt Gottes Werk und Zwergens Beitrag in der Zusammensetzung munter verrührt. - Gottes Werk und Teufels Beitrag, das haben wir auch zu bieten, und gehen schnell auf die Nordwestseite der Insel, nach Tijarafe. - Da tanzt der Teufel nämlich einmal im Jahr, und jeder hat von dem Fest schon einmal gehört, dem Teufelsfest. - Und schon sind wir wieder reingefallen, es gibt gar kein Teufelsfest, auf jeden Fall hier auf La Palma nicht, sieht man von internen Feiern in der Inselregierung mal ab.

Was es gibt, das ist der Tanz eines Teufels, (Danza del Diablo) der ist aber nur dazu da, um die Stärke und Kraft der "Virgen de Candelaria" zu demonstrieren, welche den Teufel locker und im vorbeigehen besiegt. - Meist aber bekommt den Auftritt der Schutzpatronin der Gemeinde Tijarafe schon gar keiner mehr mit, denn wer den Tanz mit dem Teufel gewagt hat, der befindet sich meist bereits in eine Delirium von Müdigkeit, höllischen Getränkemischungen und Wundschmerz von den vielen Verbrennungen, welche man sich beim Tanz mit dem Leibhaftigen zugezogen hat. - Es ist also vielmehr Teufels Werk, und Gottes Beitrag bekommt schon keiner mehr mit, weil der Teufel bei vielen Gelegenheiten einfach den besseren Unterhaltungswert besitzt. - Aber wir müssen das alles nicht so eng sehen, selbst die Kleriker der Insel kommen mit diesem leicht verrutschten Ablauf der Liturgie klar, was regen sich da eventuelle Zentraltraditionalisten auf, die keine Ahnung haben von mehrdimensionalen Devotionen. - Die Feierlichkeiten zu Ehren der "Virgen de Candelaria" beginnen offiziell heute, und enden am Mittwoch den 8. September. - Der Teufel hat seinen Auftritt in der gleichen Nacht, oder besser früh morgens, so gegen 03:00 Uhr. - Eine bizarr bis grotesk geschmückte Figur, gespickt mit Feuerwerkskörpern der Taliban-Klasse springt dann johlend und tanzend durch eine große Schar von Bewunderern und Mutigen, welche sich ihren "Schmiss" vom Teufel auch gerne holen, und noch tagelang danach die Brandverletzungen wie Trophäen unter ihren Kumpels umherzeigen. - Ein wilde, extrem ausgelassene Geschichte dieser Teufelstanz, für zarte Seelen oder Leute mit Angst vor Feuer oder großen Menschenmengen absolut ungeeignet, aber eine der großen Aufmerksamkeiten der Insel. - Wie gesagt, den Auftritt der Virgen de Candelaria bekommt dann meistens keiner mehr mit, und ich glaube, die allermeisten die sich da dem Teufel hemmungslos hingeben, die wissen auch schon gar nicht mehr, warum man dieses Spektakel veranstaltet. - Müssen die auch gar nicht, es geht doch schlichtweg um Spaß und Unterhaltung, und wenn wir so verkrampft sind, und jedes "Event" immer noch mit einem klerikalen wie frommen Hintergrund verknüpfen müssen, dann entgeht uns sicher so mancher Heidenspaß. - Wer sich das mal von weitem ansehen will, der kann das HIER tun.



Donnerstag 26.08.2010 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 31 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 29 % - Luftdruck 1015 hPa
Höchsttemperatur heute 31,2 Grad - niedrigste Temperatur 21,8 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 41,7 - Temp. Min 23,4 - Feuchte 5 - 5 % Niederschlag 0 mm

Der Kulturbeauftragte gibt bekannt
Janetta Ledell gibt am Samstag ein Konzert in El Paso

Die Kulturunlastigkeit dieser Kolumne ist fast schon bedauernswert. - Gut, dass Ödi Jonitz ab und zu dagegen anschreibt, und uns aus dem tiefen Tal Alltagstal der Politik und Wirtschaft zu befreien weiß. - Danke Ödi!

Es ist an anderer Stelle schon mal über die hingebungsvolle Arbeit von ACAPO, der Asociación Cultural Amigos Palmeros de la Ópera berichtet worden, die seit sechs Jahren in Folge als Kulturhighlight jeden Sommer Opern im Hof des alten Franziskanerklosters in Santa Cruz veranstaltet.

Lucia Mazzaria, eine der Hauptdarstellerinnen der letzten Jahre - unvergesslich La Traviata 2008 - war von unserem Opernverein derart begeistert, dass sie zusammen mit ihrem Ehemann, dem grossartigen Pianisten Alessandro Pierfederici, in ihrer Heimatstadt Treviso den Verein Musicaemozioni gründete. Die mittlerweile offiziell verbrüderten Vereine verfolgen ähnliche Ziele, u.a. steht die Arbeit mit jungen Talenten ganz oben auf der Liste. Bereits im April reiste eine kleine Delegation von hoffnungsvollen palmerischen Musikern nach Norditalien und nahm höchst erfolgreich an der Veranstaltung "La Storia della Spagna Nell'Opera Lirica" teil. Nun schwingt das Pendel zurück.

ACAPO und Musicaemozioni veranstalten in diesem Sommer eine Meisterklasse Gesang in Santa Cruz de La Palma, als Kursleiter stellen sich Lucia und Alessandro persönlich zur Verfügung. Es überrascht nicht, dass kurz nach Veröffentlichung das Schild "Overbooked" vor die Tür gehängt werden musste. Der Kurs ist wunderbarerweise ausgesprochen international besetzt, die Teilnehmer kommen u.a. aus Griechenland, Polen, Armenien, den USA und natürlich aus Italien und Spanien, zukunftsträchtige palmerische Stimmen sind natürlich auch dabei.

Damit der Belcanto nicht nur in den Gemäuern der Escuela Insular de Música zu hören sein wird, begibt sich der gesamte Kurs am kommenden Montag, den 30.August, um 21 Uhr auf die Bühne des Teatro Chico der Inselhauptstadt, um dem geneigten Publikum zu demonstrieren, was man so alles gelernt hat.

Eine der Teilnehmerinnen, die Sopranistin Janetta Ledell aus den Vereinigten Staaten, wird vorab ihr Können in El Paso unter Beweis stellen. Am Samstag, 28. August, um 21 Uhr wird sie in der Casa de la Cultura mit einem ausgesprochen anspruchsvollen Programm zu erleben sein. Sie trägt u.a. Lieder von Dvorak, Berg und Weill vor. Maestro Alessandro Pierfederici übernimmt die Begleitung am Klavier.

Beifall ist das Brot des Amateurmusikers. Und so würden sich die jungen Künstler über ein volles Haus so richtig freuen!




Donnerstag 26.08.2010 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 22 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 30 % - Luftdruck 1016 hPa

Bis Dienstag nur noch gekämmt auf die Straße
30 "Professionelle" aus der Tourismusbranche besuchen La Palma

Unsere Tourismusrätin hat das Abwarten satt, die Krise dröselt sich dann doch nicht von alleine auf, und nur auf Brosamen aus dem Gobierno de Canarias zu warten, ob denn noch irgendeine Subvention für Reiseveranstalter und Chartergesellschaften abfällt, damit ist jetzt Schluss. - Geld muss ja noch da sein, nachdem wir erfahren haben, dass aus dem Haushalt für Tourismus inzwischen Festplätze getackert werden. (San Antonio del Monte, siehe 20.8. 10:00 Uhr) - Auf den anderen Kanareninseln gibt es ja in diesem Jahr bereits eine leichte Erholung, nachdem man zum Teil drei Jahre hintereinander derbe Rückschritte hinnehmen musste, aber auf La Palma will das einfach noch nicht funktionieren. - Hauptgrund hierfür sind die vorsichtigen Abschlüsse der Reiseveranstalter für die Insel, und damit sinken auch die Angebote bei den Charterfluggesellschaften, so dass es immer schwieriger und auch teurer wird, diese Insel überhaupt zu erreichen. - Aber wollen wir bitte nicht hypochondrisch werden, es gibt immer noch Flüge, auch für den Winter noch, nur eben Schnäppchen, die gibt es halt woanders. - Man könnte nun hingehen, und weitere Angebote an die Reiseveranstalter machen, damit wieder mehr Pakete verkauft werden, und da ist man sicher bereits am arbeiten. - Viel vernünftiger aber wäre, die Nachfrage für einen Besuch unserer Insel zu erhöhen, dann setzen die automatisch wieder mehr Flüge ein und die Veranstalter buchen wieder höhere Kontingente. Verstärkte Werbung in den Spenderregionen, also zunächst Deutschland, Niederlande, Belgien, Österreich und der Schweiz. - Da erinnere ich mich an eine gute Veranstaltung, als der CIT "Tedote" mit Unterstützung des Patronato de Turismo wochenlang durch deutsche Städte gereist ist, und in den Karstadt-Kaufhäusern die Kunden direkt auf La Palma angesprochen haben. - Das hat mir gut gefallen, auch wenn man den Erfolg eben nicht genau messen kann, meiner Meinung ist der direkte Kontakt zum möglichen Gast immer noch die beste Methode Werbung positiv anzubringen. - Ich habe nichts davon gehört, dass diese Aktion wiederholt werden soll, aber ich höre eben auch nicht alles.

Unsere Inselrätin für Tourismus, Beatrix Páez, die versucht nun auch einen anderen Weg, und hat 30 Fachkräfte aus dem Bereich Tourismus nach La Palma eingeladen, zur freundlichen Zielgebietskunde, wie man in der Branche auch sagt. - Mitarbeiter oder Chefs von Reisebüros, Führungskräfte der großen Reiseveranstalter und auch Redakteure der Fachzeitschrift für Touristik, der FVW-Mediengruppe. - Das wäre natürlich auch gut, wenn die einen positiven Artikel dort über unserer Inselchen schreiben, der Bekanntheitsgrad La Palmas ist halt doch nicht so weit verbreitet, wie man sich das von touristischer Seite hier wünschen kann. - Aus der Pressemeldung erfahren wir auch Teile des Programms, Tauchen, Bootsfahrt, Wanderungen, Mountainbiken, Besuch des astrophysikalischen Institutes, und schließlich ein touristischer "Workshop" mit Gewerbetreibenden der Insel aus dem Sektor. - Ein Programmpunkt hat mich dann doch überrascht, man will mit den Leuten auch eine "Buggy-tour" unternehmen, oder zumindest anbieten, und da ich mal annehmen, dass das kein Ausflug mit Kinderwagen durch die Hauptstadt sein wird, sondern es sich wohl um Gefährte der Klasse "Beach-Buggy" handeln muss, kann man gleich noch ein bisschen das Weltbiosphärenreservat umpflügen. - Verzeihen Sie mir bitte meinen kleinen Ausflug in die Polemik, aber jeder hat halt seinen Blickwinkel. - Ansonsten verspreche ich, ab morgen, da reisen die 30 VIPs an, nur noch gekämmt und rasiert aus dem Haus zu gehen, und hoffe, alle anderen werden sich meinem Vorhaben anschließen. - Wir wollen doch gut dastehen vor den Götterboten der Branche, denn wir wissen doch, es gibt niemals eine zweite Chance für einen ersten Eindruck.



Mittwoch 25.08.2010 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 29 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 31 % - Luftdruck 1013 hPa

Nur getarnte Antennen sind gute Antennen
Tijarafe müht sich um die Ästhetik der Landschaft

Die Diskussion um Funkantennen und deren schädliche Wirkung gibt es nicht nur in Deutschland, sondern auch hier. - Allerdings nicht so heftig geführt, und mit so viel Inbrunst, aber in manchen Regionen, besonders auf Tenerife, sind nun die Mobilfunkbetreiber bereits dazu übergegangen die Funkantennen zu tarnen, um Diskussionen mit der Nachbarschaft zu vermeiden. - Ich muss zugeben, dass ich mir kein Urteil über Gesundheitsgefährdung solcher Funkeinrichtungen erlauben kann, in den zum Teil heftigen Auseinandersetzungen zwischen Verharmlosern und Überbesorgten sind stechende Argumente und klare wissenschaftliche Beweise eigentlich nicht mehr zu finden. - Die Antennen einfach verstecken, das könnte zumindest eine Placebowirkung haben, aber eine aufrechte Geschichte ist das auch nicht. - In der Gemeinde Tijarafe hier auf La Palma wird zukünftig aber die Tarnung von Funkantennen sogar Pflicht. - Man betont aber seitens des Rathauses, dass es dabei nicht um das ängstliche Verstecken solcher Anlagen geht, sondern um den negativen Einfluss diese bizarren Geräte gegenüber der rustikalen Landschaft. - Optische Umweltverschmutzung will man damit bekämpfen, dennoch bleibt ein komischer Nachgeschmack bei mir über solche lokalen Richtlinien vorhanden. - Der Nachgeschmack kommt aber vielleicht nur von dem grausamen Zwiebel-Honig-Saft, den mir meine getreueste aller Ehefrauen nun gegen meinen hartnäckigen Husten verschrieben hat. - Sie meint ja der hilft bereits, aber ich habe ihr verschwiegen, dass ich es einfach in ihrer Nähe nicht mehr wage zu husten, sonst kommt die sofort wieder mit einem Glas dieser kulinarischen Umweltverschmutzung an. - Ablenkungsmanöver beiseite, wir sprachen über Antennenmimikry in Tijarafe. - Technisch müssen die Anlagen natürlich auch alle in Ordnung sein, nicht nur äußerlich versteckt, wobei man halt immer wieder auch befürchten muss, dass wir zumindest auf Inselebene überhaupt keine Instanz haben, welche in der Lage ist die einwandfreie Funktion und die abgegebene Leistung wirklich zu messen.

Doch muss man der Gemeinde Tijarafe zustimmen, schön sind diese Antennen nicht, und im ländlichen Raum wirken die schon wie Aliens mitten im Panaorama. - In den Orten ist es eigentlich eh egal, ob private Parabolantennen an den Balkonen oder Mobilfunkantennen die Kunde von der allgegenwärtigen Information künden, aber auch in den Orten müssen zukünftig diese Antennen versteckt werden. - Wie die das machen sollen, dazu bietet die "ordenanza municipal" keine direkten Vorschriften, angemessen und effektiv muss es halt sein und da kann man den Mobilfunkbetreibern ja vorschlagen, die gucken sich das von Tenerife an, da haben die solche Antennen in Wasserbehältern auf den Dächern versteckt aufgestellt. - Die Wasserbehälter auf den Dächern sind meist auch nicht schöner, allerdings gehören die schon lange zu unserem Landschaftsbild, und keiner würde es wagen, solche Notwendigkeiten zu verbieten. - Da sind wir dann schon bei den Vergleichen, denn uns fallen sicherlich noch mehr optische Sakrilege in unserer Landschaft ein, und da natürlich sofort die Gewächshäuser der Bananen. - Da gleich wieder ein Lob nach Tijarafe, die haben seit geraumer Zeit schon den Neubau von Gewächshäusern für Bananen verboten, allerdings wäre das gar nicht notwendig gewesen, denn nachdem man die Subventionen für den Bau weiterer dieser Bananensaunas gestoppt hat, sind keine neuen Anlagen mehr entstanden. - Gerade gestern stieß jemand auch die Diskussion an, dass Windkraftanlagen auch optische Umweltverschmutzung seien, zumindest wenn sie eben in wirklich landschaftlich reizvollen Ecken aufgestellt werden sollen. - Allerdings wird diese Diskussion sicherlich von dem Wunsch nach mehr alternativen Energiequellen überschattet werden, denn an dem Punkt, dass auch die Erzeugung alternativer, also umweltgerechter Energie, auch zu negativen Einflüssen auf die Landschaft und die direkten Anwohner führen kann, sind wir noch nicht angekommen. - Es gibt noch so viel mehr Quellen optischer Umweltverschmutzung, große Hotelanlagen, Allradfahrzeuge von Kia und Daewoo, die Ochsenknecht-Brut, RTL 2, die Obstabteilung in einem ziemlich bekannten und nahen Supermarkt, und jeder könnte dieser Liste sicherlich noch viele Dinge hinzufügen. - Es wird uns sicherlich nicht gelingen, über all das den Mantel der Tarnung zu stülpen, aber einen Wunsch habe ich noch. - Am Strand, da muss sich nicht jeder ausziehen, das ist nicht Vorschrift, das hat auch was mit Ästhetik zu tun und ich gehe ja schon kaum noch dorthin, weil ich sonst wochenlang wieder kein Fleisch mehr essen kann….




Das Honig-Zwiebelsaft Attentat. - Nach Diktat geflohen




Mittwoch 25.08.2010 10:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 21 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 52 % - Luftdruck 1014 hPa

Ciudad de El Paso
100 Jahre Stadt El Paso

Alfonso XIII war es, welcher den bislang als "Villa" bezeichneten Ort El Paso 1910 die Stadtrechte verliehen hat. - So etwas kommt durchaus vor, allerdings hatte damals der Ort an die 3.000 Einwohner, verteilt über das größte Gebiet aller Gemeinden dieser Insel. Aber wirklich städtischen Charakter hat man in El Paso nie gehabt. - Ich fahre in die Stadt, das sagten selbst die Einwohner El Pasos noch vor 15 Jahren, wenn sie nach Los Llanos fuhren, aber das hat sich inzwischen immerhin geändert. - El Paso profitiert als langsam gewachsener Speckgürtel im Einflussbereich der "Boomtown" Los Llanos, und hauptsächlich die kurzen Wege und die angebotenen Parkplätze haben aus El Paso inzwischen eine kleine, aber wirkungsvolle Einkaufsstadt gemacht. - Das aber konnte Alfonso XIII noch nicht wissen, als er die Stadtrechte vergab, aber wohl war ihm die strategische Bedeutung El Pasos bekannt, jeder der von der Ost- auf die Westseite wechseln wollte und den direkten Weg über die Cumbre nahm, der musste durch El Paso, vorbei an dem Pino de la Virgen, hinab den Camino Viejo, bis er dann auf der steilen Straße bei Hermosilla, die man heute "La Cuesta" nennt, dann in das Stadtgebiet von Los Llanos ankam. - Daher stammt ja auch der Name des Ortes, El Paso ist zunächst einfach nur "der Weg", aber eben auch "der Schritt". - El Paso ist auch eine der ältesten Siedlungen der Insel, ich meine seit der Neubesiedlung durch Spanier, Mallorquiner und Portugiesen, auf dem Weg von Ost nach West brauchte man halt vor oder nach der brüsken Passüberquerung des El Reventón einen Ruheort, einen Platz zum Sammeln, zum Viehtränken und eben auch ausruhen. - Puerto de Tazacorte war noch früher, keine Frage, Alonso Fernández de Lugo, der Eroberer der Insel im Jahre 1492 war halt kein Fallschirmspringer, sondern man musste die Insel wie seinerzeit üblich von See aus erobern, und dazu wählte man den Ort, der heute Puerto de Tazacorte heißt. - Nicht wirklich schlüssig kann man feststellen, ob denn nun El Paso zuerst als Siedlung bekannt war, oder Los Llanos, allerdings zog auf jeden Fall in der landwirtschaftlichen-, und damit seinerzeit auch in der wirtschaftlichen Entwicklung Los Llanos schnell und dauerhaft an der kleinen "Jausenstation" El Paso vorbei, da dort auf den flachen Feldern des Aridanetals die Landwirtschaft viel einfacher zu betreiben war. - So entstand als erste bürokratische Maßnahme der Flächenordnung der Ort Los Llanos, und El Paso, genau so wie das heutige Tazacorte waren ein Teil dieser großen Gemeinde im Aridanetal. - Allerdings gibt es viele Leute, meist natürlich aus El Paso, welche der Meinung sind, das könne man so nicht sagen, weil viele der Großgrundbesitzer und Regierungsbeamten die seinerzeit den Handel im Aridanetal verwalteten, aus El Paso waren. - Aber das kann man ruhig als lokalpatriotische Animosität stehen lassen, der Name Los Llanos stand bis 1812 vor allen Siedlungen im Aridanetal, und das änderte sich erst in genau diesem Jahr, mit der "Constitución de Cádiz", einer für seine Zeit revolutionäre und fast schon als liberale Verfassung für die spanische Nation.

Basierend auf den Rechten welcher dieser Verfassungsentwurf bot, spalteten sich auf La Palma die Großgemeinden in 11 kleinere Organisationen auf, und eine davon war eben El Paso, jetzt unabhängig von Los Llanos. - Das war dann im Jahr 1837. - Aus der Zeit gibt es heute übrigens kaum noch Dokumente, die Aufteilung des Gemeindengebietes und die Grenzen sind später mal durch Tatsachen festgehalten worden, Originalpläne oder für ein Kataster verwertbare Papiere aus der Zeit sind kaum noch zu finden. - Das führt bis heute noch zu Streitereien der Gemeinden untereinander, allerdings beteiligt sich El Paso nicht daran, auch wenn einige "Lokalhistoriker" immer noch der Meinung sind, damals hätte El Paso auch einen Zugang zum Meer gehabt, und das wäre die Ecke von Charco Verde bis El Remo gewesen. - Remo drüber, oder Schwamm, das kann am Tresen bleiben, El Paso ist somit eine der wenige Gemeinden der Kanaren welche keinen Zugang zum Meer hat, und auf La Palma die einzige mit diesem Charakter. 1878 verlieh dann der König Alfonso XII den Titel "Villa" an El Paso, und wie wir jetzt wissen, erhöhte dann sein Sohn, der Halbösterreicher Alfonso XII diese gern gesehene Bürde auf die bis heute geltende Würde des Stadtrechtes.

Irgendeinen Narren müssen die beiden Alfonsos an unserem Ort schon gefressen haben, oder sie haben eben die Wichtigkeit El Pasos wohl erkannt, als Dreh- und Angelpunkt zwischen den beiden Inselhemisphären Ost- und Westseite. - Nachdem man dann von Eselbetrieb auf Kraftfahrzeuge umgestellt hatte schwand die Bedeutung El Pasos wieder, man konnte nur noch durch Landwirtschaft überzeugen, aber da mit den wohl besten Tabaksorten auf der Insel und einer unvorstellbar großen Anzahl an Nutzvieh, natürlich meist Ziegen. - Aus dieser sehr ländlichen Zeit, die eigentlich erst in den späten 80ern des vergangnen Jahrhunderts endete, stammt auch noch der "rurale" Ruf der "Pasenses", die bis heute als bäuerlich, verstockt, engstirnig und grantlerisch gelten, aber man schrieb ihnen auch den Ruf zu, ehrlich zu sein, arbeitsam, niemals arrogant oder ignorant, angenehm bescheiden, mit einem kleinen Stich zur Kunst, besonders was Musik und Malerei anbelangt. - Der Ruf ist noch da, allerdings hat die große Wohlstandsrevolution auf La Palma in den Neunzigern die Charaktere abgeschliffen, und ständiger Austausch der Bewohner mit den anderen Gemeinden wird diese Eigenständigkeit sicherlich in Kürze völlig verschwinden lassen. - Dennoch ist ein Stück rebellischen Zorns in El Paso geblieben, noch nie gab es dort eine Stadtregierung, die durch eine Partei in absoluter Mehrheit vertreten war, und ein wachsames Völkchen begreift hier Demokratie wohl aufmerksamer als anderswo auf der Insel. - Ich darf erinnern, dass die großen Proteste gegen die Autobahn und die globalen Wirrträume unserer Fortschrittsplaner in El Paso entstanden sind, einem für Streitkultur und Basisdemokratie also äußerst nahrhaftem Boden. - Einen erneuten wirtschaftlichen Aufschwung und eine Befreiung aus den exklusiven Fängen der Landwirtschaft erfolgen in den neunziger Jahren, und es klingt nun äußerst profan, durch den Zuzug des damals ersten großen Supermarktes der Insel, dem San Martín, mit seinem Parkplatz. - Man möchte nun natürlich nicht die wirtschaftliche Prosperität der drittgrößten Stadt der Insel einem einzigen Supermarkt mit seinem Parkplatz zuschreiben, aber hinter vorgehaltener Hand werden Ihnen die aufrechten Pasenses das wohl bestätigen. - El Paso als Alternative zu dem ungeordnet gewachsenen Los Llanos, das trieb dann schnell viele Geschäftsleute wieder dazu sich in El Paso anzusiedeln, und die heutige Politik hat wohl die Aufgabe, auch weiterhin an diesem Speckgürtelmodell festzuhalten, zurück zur rein landwirtschaftlichen Ausrichtung der Gemeinde, das kann man sich nicht erlauben. - El Paso ist also nicht nur der Weg, oder der Schritt, es ist auch vielmehr ein Symbol für die ständigen Wandlungen welche eine Zweckgemeinschaft "Gemeinde" so durch die Jahrhunderte führt. - 100 Jahre Stadt, ich gratuliere, 500 Jahre Geschichte, davor ziehe ich meinen Hut.









Dienstag 24.08.2010 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 27 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 33 % - Luftdruck 1014 hPa
Höchsttemperatur heute 27,8 Grad - niedrigste Temperatur 19,6 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 38,8 - Temp. Min 19,4 - Feuchte 5 - 5 % Niederschlag 0 mm

Kurz angestrahlt
Pfarrer, Kälte und Hitze

Demokratie ist eh ein schwieriges Ding, und manchmal auch nicht wirklich überall anwendbar. - Im politischen Sinn gibt es Demokratie ja anscheinend bis scheinbar, wenn aber die Kirche mit ihren "unergründlichen Wegen" einher kommt, dann sollte man das gleich stecken lassen. - In San Andrés y Sauces möchte man am liebsten die Bürgermeisterin loswerden, nicht aber den Pfarrer. - Die Bürgermeisterin kann aber eben nur abgewählt werden, aber denen fällt schon noch was ein, um kurz vor den Wahlen die Leute wieder in Richtung CC-Raison zu bewegen. - Nun soll aber der Pfarrer der Gemeinde ausgetauscht werden, und mit dem ist man doch so zufrieden. - In einem auch öffentlich gemachten Schreiben richten sich nun enge Mitglieder der Kirchengemeinde an den Bischof in Tenerife, und bitten diesen, ihnen doch den Pfarrer zu lassen, auch wenn der Hirte schon 80 Lenze und Sommer auf seinem zölibaten Rücken hat. - Don Juan José hätte so viel bewegt in der Gemeinde, und es gäbe noch so viel zu tun, und ohne seine behütende und leitende Hand wäre das alles nicht zu realisieren. - So bittet man um einen zweiten Pfarrer, wenn auch nur für ein paar Jahre, welcher die körperlich anstrengende Arbeit übernehmen soll, denn immerhin gibt es in der Gemeinde San Andrés y Sauces 3 Kirchen die betreut und bebetet werden wollen. - Vielleicht erhört ja der Bischoff, der übrigens ein Palmero aus Mazo ist, die Wünsche der Gemeinde, aber ist wohl zu befürchten, dass dieses ein frommer Wunsch bleiben wird. - Man sollte dem Bischoff anbieten, im Tausch für einen zweiten Pfarrer die Bürgermeisterin in die Diözese zu entsenden, so als Versuchsmaterial für politische Exorzismen und Gelderaustreibung.

Wer von "frio" spricht, der meint die Kälte. - Wer in Puerto de Tazacorte allerdings vom "frio" spricht, der meint das alte Kühlhaus im wiederum alten Hafen des Städtchens. - Dieses Kühlhaus ist schon lange nicht mehr in Betrieb, so wie der ganze alte Hafen schon lange zur Badebucht umgewandelt wurde und nur noch entfernt an einen Fischerhafen erinnert. - Über die Verwendung dieses Gebäudes hat man schon lange spekuliert, schließlich liegt das in allernächster Nähe zur Strandlinie und man könnte das so fast schon als immobiliäres Schmuckstück betrachten. - Abreißen, und dann ein kleines Hotel dahin bauen, das kommt so manchem in den Sinn, wenn er vor der ungenutzten Infrastruktur steht, aber so einfach ist das nicht, denn das ist ein öffentliches Gebäude.- Die Finger darauf hat das Gobierno de Canarias, aber die wollen damit nichts anfangen, so soll es nun in den Besitz der Gemeinde übergehen, aber eben mit der Gebrauchsanweisung, ein interaktives Meeresmuseum daraus zu machen. - OK, jedes Museum nutzt der Insel, doch erinnern wir uns an die vielen Stolpersteine, die allesamt mit Finanzierung und Kompetenzen zu tun haben, wenn es darum geht, unserer noch brüchigen Museumslandschaft eine weitere Perle hinzuzufügen. - So spricht die Gemeinde auch davon, dass man vielleicht in den kommenden 5 Jahren anfangen könnte, aber Geld hätte man sowieso nicht, man müsste sich also erst das Gebäude schenken lassen, (jetzt) und dann in 5 Jahren die Finanzierung für den Umbau, und dann in weiteren 5 Jahren hätte man auch geklärt, wer denn für das Personal dafür aufkommt. - Ich darf dabei daran erinnern, dass wir bereits ein solches Museum haben, nämlich im alten Leuchtturm in Fuencaliente. - Das ist gleich mit staatlichen Mitteln errichtet worden, und dreht sich hauptsächlich um die "Reserva Marina" der Insel.

In der Presse glänzt man bereits wieder mit "Alerta amarilla" (Gelber Alarm - danach folgt orange, und über 40 Grad in den unteren Luftschichten gibt es roten Alarm) wegen der zu erwartenden Hitze. - So ganz verkehrt ist das nicht, es wird wieder warm, bis heiß. - Allerdings ist es nicht zu erwarten, dass die Hitze schnell auch in die unteren Luftschichten vordringen kann, es herrscht so gut wie fast kein Wind, so dass die atlantische Kühlung weiterhin funktionieren kann. - Was aber ein bisschen Sorgen macht ist die mögliche zeitliche Länge dieses afrikanischen Wetterbesuches. - Das kann durch aus die ganze Woche so gehen, bis mindestens Wochenende, und eben mit zunehmender Hitze auch in den bewohnten Regionen der Inseln. - Mit bewohnten Zonen der Inseln meine ich Gebiete die unter 800 Metern Meereshöhe liegen, denn da tummeln sich locker 95% der Bevölkerung. - Darüber kann man auch wohnen, keine Frage, allerdings ist man denn eben der Sommerhitze wie der Winterkälte deutlicher ausgeliefert, weil der moderierende Einfluss des Atlantiks nicht so weit reicht. - Die Waldbrandgefahr steigt nun wieder deutlich, allerdings weht kaum Wind, was dann wieder für eine weitere feuerlose Zeit auf der Insel spricht. - Hier auf unter 600 Metern Höhe haben wir heute die 30 Grad noch deutlich nicht erreicht, und es wird auch nur langsam wärmer werden, kritisch könnte der Donnerstag sein.




Der alte Leuchtturm an der Südspitze der Insel




Dienstag 24.08.2010 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 21 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 38 % - Luftdruck 1015 hPa

Spezialkinder
Neue Kindertagesstätte für spezielle Kinder

"Niños Especiales" ist auf einer Seite eine gelungene Umschreibung für geistig behinderte Kinder, wobei das die Kinder weniger interessiert, sondern eher die Eltern, die auch Licht und Machbarkeit in einem eigentlich harten Alltag haben wollen. - "Niños Especiales" so heißt aber gleichzeitig auch eine Organisation, welche sich um die Belange dieser Kinder und den Notwendigkeiten der Eltern bemüht, welche eben diese speziellen Kinder betreuen müssen. - Diese Organisation gibt es seit 14 Jahren auf der Insel, und es ist nicht die einzige dieses Charakters, allerdings die bekannteste und so hat sich der Ausdruck "Niños Especiales" längst als gebräuchliches Synonym auf der ganzen Insel gegen die trockene Bezeichnung "geistig behindert" durchgesetzt. - Diese Organisation ist von betroffenen Eltern gegründet worden und ist den Statuten nach eine "ONG", also eine Organisation ohne Beteiligung von Regierungsstellen, also eine "Organización no Gubernamental". - Allerdings findet "Niños Especiales" reichlich Hilfe seitens der Inselregierung und auch den Gemeinden auf La Palma, darüber hinaus haben sich viele Firmen und Privatleute auch mit zumeist finanziellen Hilfen beteiligt, damit man auch handlungsfähig ist und seine Arbeit auch verrichten kann. - Jetzt krönt man die lange Arbeit mit einem Begegnungszentrum in Los Llanos, welches noch im September eröffnet werden soll. - Büroräume, Sportsäle, Einrichtungen für Physiotherapie, Logopädie und Psychotherapie, vervollständigt von einem kleinen Hallenbad, dem Stolz der Organisation, und einem Begegnungssaal, in dem man auch zukünftig weitere Aktionen organisieren kann, welche letztendlich auch dem finanziellen Unterhalt dieser Einrichtung dienen.

Man könnte meinen, keine große Sache, aber das ist es doch, denn hart und ausdauernd über so viele Jahre hin zu arbeiten, Fest und Konzerte organisieren und eben immer wieder Benefizveranstaltungen abhalten und den Buckelgang durch die Behörden, das ist schon eine beachtliche Leistung hier auf dieser kleinen Insel. - Da sind die richtigen Leute an den richtigen Posten innerhalb der Organisation, geht es doch dabei auch immer wieder darum, die anderen Mitglieder bei der Stange zu halten, und sich nicht im Alltag verstecken lassen. - Jetzt will man im September langsam anfangen dieses Zentrum mit Leben zu füllen. Langsam deswegen, weil man natürlich nicht einfach hingehen kann und Psychologen und Physiotherapeuten und weitere Spezialisten dort hinpacken kann, das kostet zu viel Geld, und man muss auch erst organisieren, wie viele Kinder sind von der eigenen Organisation zu betreuen, und wie viele kommen nun neu dazu, weil das geschaffene Angebot natürlich allen "Spezialkindern" zur Verfügung stehen soll. - Bis Mitte nächsten Jahres will man dann den gewünschten Vollbetrieb erreicht haben und man kann nur hoffen, dass auch für den Unterhalt dieser Einrichtung dann die Gelder zur Verfügung stehen, und nicht nur für den Bau der Anlage. - Aber wie man diese Organisation kennt, die schaffen das schon, und werden so auch weiterhin ein Vorzeigemodell für private Organisationen sein, die viel erreichen können, so lange die sich nur hart arbeitend und engagiert einsetzen. - Chapeau, keine Frage!



Montag 23.08.2010 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 27 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 34 % - Luftdruck 1015 hPa
Höchsttemperatur heute 27,2 Grad - niedrigste Temperatur 20,6 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 38,7 - Temp. Min 19,8 - Feuchte 5 - 38 % Niederschlag 0 mm

Der Strom kommt vom Dach
Alter Hut auf neuen Köpfen

Unserer Versuche hier auf der Insel mit alternativen Energien unseren Stromverbrauch mal komplett zu befriedigen sind nicht komplett eingeschlafen, haben nur einen kleinen Rückschritt erlitten…. Nachdem man seitens der spanischen Zentralregierung die Einspeisevergütungen deutlich gekürzt hat, sind viele interessierte Investoren mit ihrem, meist hart verdienten Geld, dann doch lieber woanders hin gegangen, da wo die Rendite dann doch wieder zweistellig locken. - Da ist Spanien seinerzeit in eine Falle getappt, haben die doch an die 30 Cent für eine eingespeiste Kilowattstunde an die Lieferanten bezahlt, was zunächst ja auch so gedacht war, um eben Investoren zu locken. - Allerdings lässt sich bei uns dann doch so viel elektrische Energie damit erzeugen, dass diese Anlagen wie Pickel aus dem Gesicht eines Pennälers sprossen, der gerade seinen vierten Cheeseburger verzehrt hat. - Allerdings ging der Großteil dieser Gelder schnell wieder ins Ausland, da die meisten Investoren von dort kamen, und die erhofften Synergieeffekte rund um diese lustige Art Geld zu verdienen damit nicht gegeben waren. - Private Investoren, welche weitere Photovoltaikanlage hier auf der Insel erstellen wollen, scheint es momentan nicht zu geben, aber es gibt weiterhin ein paar öffentliche Projekte, wovon eines mindestens besondere Erwähnung verdient. - Vor ein paar Jahren kam man mal auf die tolle Idee, Dächer von Gebäuden der öffentlichen Hand mit Solaranlagen zu bestücken, und verkaufte uns das seinerzeit wie die Neuerfindung des Rads, allerdings müssen wir ja zugeben, dass es selbst in "blassen Ländern" wie Deutschland inzwischen gang und gäbe ist, diese Anlage auf die Dächer von Gebäuden zu setzen. - Was wir seinerzeit ein bisschen belächelt haben, und an Kleinvieh dachten, welches gerade einmal fürs Mittagsleuten reicht, hat sich in El Paso an die Megawattgrenze erhoben. - Auf dem Gebäude der alten Tabakfabrik, da hat man nun eine Photovoltaikanlage stehen, welche eine Maximalleistung von 1 Megawatt bringen kann. - So zumindest die Aussage der zuständigen Herren und Damen des Büros für neue Technologien und erneuerbare Energien, denn solch eine Anlage ist dann schon etwas größer und muss Kosten in Millionenhöhe verursacht haben.

Allerdings sagt man uns nicht, was das Ganze gekostet har, vielleicht einfach weil man gleich wieder Volkes Stimme um die Ohren geschlagen bekäme, was man denn sonst mit dem Geld alles hätte machen können. - Aber rausgeschmissenes öffentliches Vermögen ist das ja gar nicht, selbst mit der abgesenkten Einspeisungsvergütung kann man noch Geld verdienen, halt nicht mehr so locker wie früher. - Das Gebäude der alten Tabakfabrik ist eben schon riesig groß, da bietet es sich an, eine solche Fläche zu nutzen, allerdings fällt uns im nächsten Moment auch gleich wieder ein, warum man das nun unter einer Solaranlage liegende Gebäude gar nicht nutzt. - Das steht leer, wurde zwischendurch mal sporadisch von einer Firma genutzt die sich "Sotexcan" nannte, und deren Schicksal und Verbleib bis heute manchem dicke Fragenrunzeln in die Stirne bläst, denn die wollten Billigtextilien hier auf La Palma produzieren, um diese dann später auf dem Festland zu verkaufen. - Das war alles ein großer Schwindel, die haben auch nie produziert hier, und auch wenn man es nicht genau beweisen konnte oder wollte, das roch auf allen Seiten nach Subventionsbetrug. - Dann fand da drin mal die Kunsthandwerksmesse statt, war ein Erfolg, aber seit dem ist das Ding zu, obwohl man wohl gewerbliche Nachfragen nach Industrieräumen hat, bleibt dieses Gebäude innerlich ungenutzt. - Noch erstaunlicher ist es daneben, dass die Inselregierung jetzt drei Hallen im Industriegebiet von Los Llanos baut, um eben diese Nachfrage nach Räumlichkeiten zu befriedigen, obwohl man die nur ein paar Kilometer weiter doch bereits hätte. - Müßig danach zu fragen, aber vielleicht können die überall lauernden Spötter ja Licht in die Unwissenheit einfließen lassen. - Bei winterlichem Regen, da tropfte es immer durch die Dächer der alten Tabakfabrik, und da ist man vielleicht auf die Idee gekommen, einfach ein zweites Dach drauf zu setzen und das eben gleich aus Photovoltaikpaneelen. - Jetzt regnet es nicht mehr rein, auf dem Kopf produziert man Strom, vielleicht nutzt man ja denn endlich diesen großen Industriekomplex wieder aus, anstatt anderswo neue Infrastrukturen zu schaffen.



Montag 23.08.2010 09:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 21 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 47 % - Luftdruck 1017 hPa

Die Opposition beginnt ihre Arbeit aufzunehmen
In neun Monaten soll etwas Neues geboren werden

Kinder wie die Zeit vergeht. - In neun Monaten bereits ist es so weit, da finden die nächsten Kommunalwahlen statt, gleichzeitig werden auch die Inselregierungen neu besetzt und auch das Gobierno de Canarias. - Wahlen in Madrid gibt es erst wieder 2012, die haben also noch ein Jahr mehr, um etwas Ordentliches abzukochen. - Spricht man von Opposition, dann meint man hier auf den Kanaren meist die Sozialisten der PSC/PSOE, und hier auf La Palma ganz besonders. In nur wenigen Gemeinden sind die Sozis am Ruder, lediglich in Puntagorda, Garafía und Breña Alta. - In Puntallana sind die Sozis in einer Koalition mit der PP an der Macht, der Rest der Insel hält aber eisern und fast schon bemerkenswert treu an dieser Erfolgsgeschichte Coalición Canaria fest. - Also ist Oppositionsarbeit meist Angelegenheit der Sozialisten, allerdings erhalten die seit geraumer Zeit bereits auffällige Unterstützung der Partido Popular, die, auch wenn sie Koalitionspartner auf Ebene des Gobierno de Canarias mit der Coalición Canaria sind, meist sogar noch heftiger auf die CC einkloppen, als die Sozialisten das zustande bekommen. - Aber das liegt wohl eher daran, dass man von den Bestrebungen der CC weiß oder ahnt, dass die im kommenden Jahr lieber mit den Sozis ihre Macht teilen möchten, als mit den auf den Kanaren traditionell nicht so gut aufgestellen Konservativen der Partido Popular. - Kein Wunder, absorbiert doch die Coalición Canaria auch große Segmente konservativer Politik, und das noch geschickt eingefädelt mit Lokalpatriotismus, und schon ist man für sehr breite Schichten der Bevölkerung seht gut wählbar. - Die Sozialisten tun sich da meist etwas schwerer, steht denen doch die inzwischen sehr diskutierbare Fracht der Ideologie oft als Hemmschuh im Wege, und wie bei allen Sozis auf der Welt, man ist sich auch nie einig, was man denn so machen soll. Das bezieht sich aber mehr auf die Ebene der großen Inselregierungen Gran Canarias und Tenerifes und dem Gobierno de Canarias. Auf kommunaler Ebene kommt der Faktor Mensch dabei immer noch sehr zum Tragen, da zählt die Person meist mehr als die Partei, wobei die Qualifikation als Lokalpolitiker wohl eher charakterliche Eigenschaften wie Dickfell und ignorante Unberührbarkeit fordert, als idealistische Gutmenschen.

Der Wahlkampf macht nun aber auf Gemeindeebene auf, und wenn man die ersten scharfen Attacken der Sozis in San Andrés y Sauces und Tazacorte hört, da möchte man fast schon meinen, man kenne nun bereits das übergreifende Thema der Sozis für den folgenden Wahlkampf, nämlich das Geld. - Wenn Sozis über Geld reden, das ist manchmal ziemlich kompliziert, aber in diesen Fällen geht es nicht um Geld an sich, sondern eben um Gelder, die nicht vorhanden sind. - In San Andrés y Sauces behaupten die Sozis nun, dass die Gemeinde mit mehr als 5 Millionen Euro verschuldet sei, eine Summe, die höher ist als der jährliche Haushalt. - Dabei bezieht die Bürgermeisterin der Gemeinde ein fürstliches Gehalt, sowie die Ratsherren und Damen auch, und keiner weiß, wie die Gemeinde jemals von einer solchen Schuldenlast wieder herunterkommen soll. - Allerdings sind Pleitegemeinden auf den Kanaren und in ganz Spanien keine wirkliche Seltenheit, Barlovento, Garafía, Fuencaliente, theoretisch San Andrés y Sauces, sowie Los Llanos, wenn die ihre Schulden in Millionenhöhe an das Consorcio de Aguas bezahlen würden, dann ginge es denen auch nicht anders. - Die Polemik darüber ist nun in San Andrés gesät und es wird interessant werden, wie die Coalición Canaria dort diesen "Schuldenfall" erklären will. - Auch in Tazacorte geht es nun ums Geld, hier aber wirft die einzige sozialistische Rätin im Stadtparlament den Regierenden vor, von gewissen Unternehmen die städtische Gebühren nicht zu kassieren, von anderen aber ja. - Und in einem Fall rechnen die nun vor, dass ein Bauunternehmer der Gemeinden inzwischen an die 400.000 Euro schuldet, sich diese Beträge über Jahre hin angesammelt haben, man sich aber seitens der Gemeinde wohl nie bemüht habe, die fälligen Gebühren auch zu kassieren. - Aus Tazacorte sind wir Vieles gewohnt, ein bekannt großes politisches Sumpfgebiet der Insel, aber irgendwie stellen die Einwohner des Ortes im Aridanetal dieses Sumpfgebiet bei jeder neuen Wahl wieder unter Naturschutz. - Auch in diesem Fall wird Aufklärung verlangt, und langsam erwacht La Palma wieder aus der sommerlichen politischen Agonie, die Sozis haben sich zurückgemeldet aus dem Urlaub, und mal sehen, ob das die Anderen überhaupt interessiert.

Übrigens wird es wieder warm bis heiß die kommenden Tage, aber nicht windig und auch werden keine neuen Temperaturrekorde angesagt, aber die 30 Grad tagsüber können wir locker überschreiten. - Und immer daran denken, noch hat es kein großes Feuer auf der Insel in diesem Jahr gegeben, und es wäre einfach an der Zeit, dass wir einen Sommer mal ohne Feuer überstehen. - Jeder kann dazu beitragen!



Sonntag 22.08.2010 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 27 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 36 % - Luftdruck 1018 hPa
Höchsttemperatur heute 28,6 Grad - niedrigste Temperatur 19,4 Grad

Wie Hund und Katz
Die Dreierbande gegen canine Übermacht

Vielleicht haben Sie es ja schon mitbekommen, unsere Familie besteht aus einem symbolisch und repräsentativ eingesetzten Familienoberhaupt, das bin ich, drei Frauen und drei Katzen. - Das war´s, Mäuse, Eidechsen, Schaben und Hundertfüßer sind nicht eingeladen, also meist nur zufällig da. - Allerdings belagern unsere Eingangstür meist auch mehrere Hunde, obwohl wir grundsätzlich nicht über canine Familienmitglieder verfügen, sind wir dennoch nicht hundelos. - Da sind die drei Straßenhunde, Margarita, Arturo, meist Erwin, oder die Presswurst genannt, und seit neuestem auch noch Letizia. - Margarita und Letizia sind von Antonio und seinen Söhnen, und Arturo ist von José, dem anderen Nachbarn, aber ein Großteil ihrer Freizeit verbringt die Hundeschar bei uns, oder bei unseren Apartmentgästen. - Ich glaube eh, der Großteil der Gäste wird meinen, das seien unsere Hunde, denn immer bei Ankunft der neuen Gäste stehen Arturo und Margarita am Parkplatz bereit, um die Ankömmlinge zu begrüßen. - Ich habe keine Ahnung, woher die Hunde das wissen, dass jetzt keine gebellte Verfolgungsjagd gegen den Eindringling in unsere kleine Straße angesagt ist, wie sie das gnadenlos gegen jedes andere unbekannte Auto machen, welches sich, meist versehentlich, in unsere Straße verirrt hat. - Brav und wohlerzogen deuten die beiden Hunde sofort ihr näheres Interesse an den ankommenden Gästen an, keine Frage, gehört das mögliche 14-tägige Glück bei den Urlaubern auf der Terrasse etwas abzustauben doch zu den vielen Freuden, welche unsere Nachbarschaftshunde hier haben. - Die meisten der Gäste werden schwach, spätestens wenn Margarita ihre Behindertennummer aufführt, und mit irgendeinem humpelnden Bein ankommt. - Die alte Simulantin hat das schon öfter gemacht, sind die Gäste schwer zu knacken, dann wird temporär gehumpelt, das hilft fast immer, und die Wunderheilung über Nacht, oder bereits sehr schnell nach dem ersten erhaltenen Wurstzipfel, freut dann alle noch mehr. - Arturo ist zu blöd für solche eigenen Taktiken, der macht immer alles Margarita nach. Der bellt nur, wenn sie bellt, fängt an zu laufen wenn sie läuft, und trollt sich auch immer nur gemeinsam mit ihr. - Der ist viel jünger als Margarita, allerdings erinnern die beiden schon sehr an ein altes Ehepaar, mit klaren matriarchalischen Tendenzen, hätten Hunde Hosen, dann trüge diese Margarita. - Ein sorgenfreies Leben führen unsere drei Hunde hier, und die dritte im Bunde, die Letizia, die hat sich gerade gestern ihre erste wirklich wichtige Lehrstunde eingefangen, die von dem Umgang mit Katzen.

Besser gesagt, mit unseren Katzen. - Es laufen hier eine ganze Menge an Katzen herum, allerdings nicht mehr so viele wie früher, nachdem unsere Nachbarin unterhalb sich zur Aufgabe gemacht hat, alle streunenden Tiere hier einzufangen und beim Tierarzt sterilisieren zu lassen. - Das hat hervorragend geklappt, die Population ist übersichtlich geworden, nur eine graue Kätzin die war einfach nicht zu fangen, auch der Tierarzt mit dem Betäubungsgewehr hat das nicht geschafft, und so kommen immer mal wieder ein paar Kätzchen nach, welche dann aber von unserer Nachbarin wieder eingefangen werden, um auch beim Tierarzt dann ihrer "Sorgen" befreit zu werden. - Katzenjammer kennen wir so auch nicht in der Umgebung, es ist manchmal eher ein kleiner Eunuchenchor, aber nie mehr. - Die Katzen sind aber wohl auch zeitweiliges Spielzeug der Hunde, da wird gejagt, am liebsten junge Katzen die Bäume hoch, oder andere in die Kakteen, scheint ja wohl die Aufgabe aller Hunde zu sein, Katzen nicht zu mögen. - Bei unseren Katzen ist das allerdings anders, die werden nicht gejagt, sondern von Margarita und selbstverständlich dem Blödi Arturo auch respektiert, bis gefürchtet. Wer bei uns vor der Tür stehen will, oder bei den Apartments die Gäste anbetteln will, der muss sich mit der felinen Dreierbande zunächst auseinandersetzen, und wer da zuckt oder aufmuckt, der bekommt Krallen sofort mitten auf der zarten Hundenase verpasst platziert, und wenn es sein muss auch mehrfach hintereinander. - Natürlich hat das was damit zu tun, dass die Hunde wissen, es sind unsere Katzen, geschützte Lebewesen also, welche einflussreiche Freunde haben, die auf zwei Beinen gehen und wohl Einfluss auf das Wohlergehen der Hundeschar haben. - Woher aber unsere Katzen wissen, dass man ungestraft den Hunden eins auf die Nase geben darf, aber man vor fremden Hunden eher mal überlegt, das weiß ich nicht. - Gestern war nun Letizia sich ihre Lektion abholen, und da das noch eine junge Hündin ist, haben sich unsere beiden Kater erst gar nicht dafür interessiert, sondern die kleine dreibeinige Lucky geschickt, die solle das mal klar machen. - Hat sie auch, zu nah an unserer Eingangstür kam zuerst der Buckel, und als Letizia immer noch weiter getappst ist, da kam die Kralle, und schon ist die Angelegenheit geklärt. - Wenn Paul schräg darauf ist, dann gibt es auch schon mal prophylaktisch was auf die Nase, deshalb behalten Margarita und Arturo den Paul auch immer im Auge, wenn er an ihnen vorbeigeht, und meistens nicht mal eines Blickes würdigt, die Arroganz der schnellen Pfote könnte man meinen, oder einfach auch das Wissen, mit den humanoiden Freunden im Hintergrund, da kann mir nichts passieren. - So kommt das schon öfter abends vor, dass wir nicht nur von drei Katzen vom Parkplatz abgeholt werden, sondern auch noch von drei Hunden. - Paul wird dann auf der Schulter ins Haus getragen, zwischen unseren Füßen springen die beiden anderen Katzen nach Hause, und hinter uns, da laufen dann die Hunde in respektvollem Abstand bis vor unsere Eingangstür, und geben uns dort ab. - Manchmal glaube ich wirklich, dass Hunde ein bisschen doof sind, die lassen sich das von den Katzen einfach gefallen, und unsere feline Dreierbande, die feixt sich eins, über diese liebenswerten Trottel.






Sonntag 22.08.2010 10:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 63 % - Luftdruck 1019 hPa

¡ Compramos oro !
Versilbern Sie Ihr Gold

Der Goldrausch geht um, und das wohl aus einer Katerstimmung heraus. - Seit geraumer Zeit bereits haben sich aller Orten, zumindest in den größeren Städten und Dörfern der Inseln diese kleinen Läden breit gemacht, die als Überschrift, Firmenlogo und Motto zugleich nur als "¡ Compramos oro ! über dem Laden stehen haben. - Die gab es vor Jahresfrist noch nicht diese Läden, da musste man noch zu den angestammten Juwelieren gehen, wenn man seinen Goldschmuck wieder in zahlbare Münze umwandeln wollte. - Aber wer hat das schon getan, wer arm war und ist wie eine Kirchenmaus, der hat ja auch kein Gold, und richtig gelohnt hat sich das doch auch nicht, wenn man für ein Stück sentimentales Andenken an Verflossenes, sei es nun die Große Liebe gewesen, oder auch der Große Irrtum, nur 40 Euro bekommt. - Den reinen Goldwert eben. - Aber genau der ist ja in letzter Zeit fast ausnahmslos gestiegen, und irgendwie hängt es auch wieder mit den Chinesen zusammen, so lange die immer noch deutlichen Wachstum haben, so lange sind auch Edelmetalle gefragt, und eben auch so lange das Vertrauen in die großen Währungen dieser Welt nicht wieder richtig hergestellt ist. - Die Händler des Goldes können also inzwischen schon brauchbare Preise dem Kunden anbieten, zwischen 17 und 24 Euro pro Gramm reinen Goldes, da wird schon so manches schwach werden und den Silberling gegen eine emotionale Erinnerung tauschen. - Besonders eben wenn es klamm wird, die Hypothek zwickt, die Raten für das neue Auto und die Waschmaschine gar in dem Moment noch den Geist aufgibt. - Das ist die Stunde der Goldjungs, diese Kunden sind ihnen am liebsten, und die Zeiten sind halt einfach auch danach, wer in den guten Zeiten keine Rücklagen angelegt hat, der kommt halt jetzt ins Schleudern.

Kleine, schmucklose Zimmer sind diese Goldläden, und hinter einem Tresen mit Panzerglas sitzt dann eine Expertin, die allerdings meist gar nicht so aussieht. - Die Goldprobe wird dann mit einem schwarzen Stein und Säure gemacht, die Feinwaage tut den Rest dazu, und dann muss das Schmuckstück auch noch feinsäuberlich registriert werden und die Ankäufe wöchentlich bei der Polizei angegeben werden. - Das ist nämlich das nächste Thema, bislang lohnte sich der Diebstahl von Schmuck ja nicht, weil man solch einen Kram einfach nicht weiterverkaufen konnte, oder eben nur an spezielle Hehler, welche so lächerlich wenig für die Schmuckstücke zahlten, dass es sich eigentlich nicht gelohnt hat.- Kann man diese Wertsachen aus Gold aber nun unkompliziert in klingende Münze verwandeln, dann könnte sich das Beuteschema der "Chorizios" sehr schnell auch ausdehnen. - "Chorizos" nennt man hier fast verharmlosend Gauner, meist kleine Gauner, die sich eben durch Gelegenheitsdiebstähle das Leben hinbiegen wollen. - Dabei darf man aber nicht auffällig werden, denn wenn ein Jugendlicher plötzlich mit drei Goldketten ankommt, deren Stilrichtung eher auf geriatrische Abteilung schließen lässt, dann läuten sofort die Alarmglocken und meistens, aber eben nur meistens, lehnen dann die Ankäufer das Geschäft ab, denn sie müssen ja Buch führen über jedes angekaufte Stück. - Und sollte sich herausstellen, dass dieses oder jenes Teil aus einem Diebstahl stammt, dann kann es schnell zu größerem Ärger kommen. - Reichtümer werden in diesen kleinen Buden des schnellen Geldglücks eh kaum über den Tresen gereicht, meist sind die Leute momentan klamm und müssen eine Durststrecke überbrücken, also trennen sie sich von einem Schmuckstück, und vielleicht in weiteren 2 Monaten von noch einem Teil. - Gerne gesehen wird man auch nicht beim Eintritt in solche Etablissements, lässt doch der Verkauf von Schmuck eventuell einen Rückschluss auf die konjunkturellen Daten des Betroffenen schließen. - So ärgert sich zum Beispiel der Goldankäufer in El Paso, dass gleich nebenan eine Pizzeria ihre Tische auf dem Gehweg stehen hat, und jeder der dort einen solchen italienischen Glücksfladen ordert, der kann genau beobachten, wer denn den kleinen Goldschuppen betritt. - So fahren dann auch die Leute von El Paso lieber in die Hauptstadt, um solche goldigen Geschäfte zu tätigen, und wiederum Besucher aus anderen Orten bringen in El Paso ihren Schmuck in die Anonymität. - Mal sehen, wie lange es diese Goldgruben gibt auf der Insel, wie gesagt, das hängt von den Chinesen ab, und auch davon, ob wir uns selbst, aus unserem ranzig gewordenen Aufschwung, wieder neuen Schwung geben können.



Samstag 21.08.2010 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 27 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 33 % - Luftdruck 1019 hPa
Höchsttemperatur heute 27,3 Grad - niedrigste Temperatur 18,8 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 43,5 - Temp. Min 19,3 - Feuchte 24 - 29 % Niederschlag 0 mm

Schon wieder ein Jahr um
Alles Gute zum Geburtstag, Mercadillo de Puntagorda

Der erste Bauernmarkt neuer Zeitrechnung der Insel ist er dennoch nicht, dieses Prädikat steht immer noch dem Markt in Mazo zu. - Mit neuer Zeitrechnung meine ich übrigens, die Auferstehung der Idee, lokalen Produkten wieder mehr Bedeutung zu verschaffen und damit auch die Landwirtschaft wieder zu stärken. - Früher, als alles anders war, und nur manches besser, da gab es viele Bauernmärkte, die musste man aber auch gar nicht groß organisieren, das machten die Landwirte und die Marktflecken unter sich selber aus. - Dann kam die große Schwemme an billigen und globalen Produkten, und reihenweise warfen die Landwirte ihre Hacke ins Korn, denn kaum noch jemand sah es ein, dass man für lokale Produkte einfach ein bisschen tiefer in die Tasche greifen muss, als wenn Lebensmittel in großen Mengen importiert werden, die entweder aus Massenproduktion stammen, oder eben aber unter dem Wirkungseinfluss von Billiglöhnen hergestellt werden. - Dabei muss man den Fehdehandschuh übrigens gar nicht immer nach Westen über den Atlantik werfen, auch in auf dem spanischen Festland, Frankreich und Italien sind es oft unter schlimmsten Bedingungen lebende "Gastarbeiter", welche Fronarbeit verrichten, die nahe am Sklaventum steckt. Aber lassen wir dieses globale Problem, das würde zu weit führen heute, und der geneigte Leer fürchtet ja eh meine oft ausladenden Abschweifungen. - Über die Jahre hin hat sich aber auch wieder eine Gegenbewegung gebildet, die anfänglich eigentlich aus der "Grünen Ecke" stammt, aber nach und nach wird der lokale Gedanke familienreif und erwachsen. - Es werden immer mehr Menschen, vielleicht durch eigenes Nachdenken getrieben, oder aber auch durch die vielen Lebensmittelskandale von der Presse aufgeschreckt, welche gerne den Weg der Nahrungsmittel transparent wissen wollen. - Weiter geht es über Umweltgedanken, weil man sich eben die Transporte über Kontinente hinweg sparen kann, und dann kommt noch ein Schuss Lokalpatriotismus hinzu, und schon hat man ein keimendes Süppchen einer Erholung der lokalen Wertschöpfungskette.

In dieses immer noch sanfte Geflecht stach vor nunmehr 8 Jahren der Markt in Puntagorda fast als wagemutiges Projekt hinein, denn nicht wenige sahen darin schlichtweg eine Konkurrenz für Mazo und es war wirklich nicht klar, ob aber ein paar "Ökos" und neugierige Besucher aus fremden Länden so reichlich auf der Insel wären, damit man zwei dieser Märkte auf La Palma erfolgreich betreiben kann. - Aber inzwischen ist es eben auch Pedro Normalnichtlandwirt, der immer häufiger nach lokalen Produkten verlangt, und inzwischen ist der Mercadillo von Puntagorda gar nicht mehr aus der Geschäftswelt wegzudenken. - Es war wohl nicht immer ganz leicht, aber die Gemeinde hat auch ihren Teil dazu beigetragen, dass dieses Aushängeschild des Ortes nun gesund und prächtig dasteht, und am Wochenende auch immer reichlich Besucher aus anderen Orten anzieht. - Ganz zu schweigen von den vielen Herstellern der dort angebotenen Produkte, welche diesen Markt natürlich als Einkommensplattform brauchen, denn es ist immer noch nicht einfach hier auf La Palma, seine landwirtschaftlichen Produkte zu einem einigermaßen rentablen Preis an Mann oder Frau zu bekommen. - Auch das blecherne Kalb der Demokratie, die Bürokratie spielt da eine gewaltige Rolle, alles ist geregelt, alles muss tausend Papiere besitzen, sonst darf man nicht mal seine Melonen am Wegesrand verkaufen. - Da ist auch noch reichlich politische Nacharbeit zu leisten, allerdings wissen wir ja schon immer, dass die meisten Versuche der Legislative, die Bürokratie zu verringern, nur in neuen Vorschriften und weiteren Auflagen enden. - Der Mercadillo von Puntagorda ist ein lebendiges Beispiel dafür, dass wohl seitens der öffentlichen Verwaltung die Plattformen für lokalen Handel bereitet werden müssen, und richtig gemacht lässt der Erfolg dann auch nicht auf sich waren.- Morgen am Sonntag wird man den Geburtstag des Mercadillo so in Puntagorda auch richtig feiern, während der normalen Öffnungszeiten zwischen 11:00 und 15:00 Uhr gibt es noch eine Reihe von interessanten Veranstaltungen. - Es lohnt sich, nicht nur morgen ein Ausflug dorthin. - Alles Gute zum Geburtstag Mercadillo!






Samstag 21.08.2010 10:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 53 % - Luftdruck 1019 hPa

Kurz durchgerührt
El Tablado, Biosphärenbüro und Teufelsbier

El Tablado - Vielleicht der meist fotografierte Ort der Insel. - El Tablado, ein kleines Dorf im Norden der Insel, mit nur noch an die 30 Einwohnern, wird jetzt unter Naturschutz gestellt. - Nicht nur der Ort, sondern auch die Landschaft drum herum, aber eben mitsamt der pittoresk wie malerisch wirkenden Siedlung, und das hat auch Folgen für die Einwohner. - Die dürfen dann in Zukunft nicht mehr einfach so tun was sie wollen, sondern müssen sich an bestimmte Vorgaben halten, unter denen die Verbote für Telefon- oder Fernsehantennen besonders herausragen. - Auch dürfen keine Plakate mehr angebracht werden, kein Krach gemacht, keine neuen Wege angelegt, und wie es heißt, auch keine aggressiven landwirtschaftlichen Methoden angewandt werden. - Wie muss man sich das jetzt vorstellen? - Nur noch zart mit der Sense das Gras mähen, oder gleich besser so lange streicheln bis es vor Lachen von selbst umfällt? - Aber wir wissen ja, kein Bier wird so kalt getrunken wie es aus dem Kühlschrank kommt, und die Einwohner von El Tablado fühlen sich doch schon seit vielen Jahren im Grunde in einem Museumsdorf, und von den alten Leuten die da wohnen, da wird schon keiner auf die Idee kommen, ein Hochhaus bauen zu wollen, oder des nachts eine Disko-Kugel zu beleuchten, und dann die Rente verrocken. - Ob man die Einwohner El Tablados vorher gefragt hat, ob sie denn unter Naturschutz gestellt werden wollen, das weiß ich nicht. - Muss eine lustige Erfahrung für die Leute dort sein, denn wer kann schon von sich sagen, fass mich nicht an, ich stehe unter Natusschutz…

Biosphärenbüro. - Die Krise hat wirklich noch nicht ausreichend gewütet, es ist immer noch Geld übrig. - Das leitende Konsortium des Weltbiosphärenreservates La Palma ist in neue Büroräume umgezogen. - Wie es in einer Presserklärung heißt, wollte man damit näher am Bürger sein, denn die neuen Geschäfts- und Büroräume lägen nun im "neuralgischen Zentrum" der Stadt, in der "Calle Francisco Abreu". - Das war zwar vorher auch nicht anders, aber was neuralgisch ist, das ist ja dann doch Definitionssache und wirklich darüber diskutieren, das macht die Sphäre dann auch nicht biologischer. - Die haben auch ein Anrecht auf schöne Büroräume, und lobend muss man erwähnen, dass man keinen Neubau extra hingestellt hat, sondern aufwendig ein ehemaliges Erwachsenenbildungszentrum renoviert. - Das allerdings hat 160.000 Euro gekostet, und wer im Moment hier öffentliches Geld ausgibt, der wird sofort scharf kritisiert. - Dabei ist das gar nicht so viel, wenn man bedenkt, ein 180 Quadratmeter großes Gebäude auf 3 Stockwerken grundsaniert, dann kommt wohl mindestens solch eine Zahl bei rum. - Die Weltbiosphäre will eben auch schmuck daherkommen, uns wundert halt immer wieder nur, dass die noch so viel Geld haben, nachdem man uns seit 2 Jahren sagt, wir seien alle Pleite, und müssten uns die Hose an den Knien festnageln.

Teufelsbier. - Jahrelang, eigentlich jahrzehntelang kämpften hier mehrere Generationen an Bierbrauern, und solchen die es werden wollten darum, auf La Palma eine Brauerei zu installieren. - Hat immer nicht sollen sein, warum, das wäre ein Roman, aber ich habe heute nicht so viel Zeit… - Wenn alles gut geht, dann haben wir aber ab November gleich 2 Brauereien auf der Insel, weil dann nicht nur in Los Llanos das "Garimba" gebraut wird, sondern nun auch noch in Tijarafe eine Brauerei aufmachen will. - "Garmiba" gibt es schon seit Monaten, und findet immer mehr Verbreitung in den Lokalen der Insel. - Das neue Bier soll nun was ganz Interessantes werden, ein Bier nach belgischer Art. - Die zukünftigen "Macher" des Bieres sind ein Palmero aus Tijarafe, und wohl ein belgisch-polnisches Pärchen, man darf sich also auf eine internationale Spezialität freuen. - Im Rathaus von Tijarafe will man diesen Versuch auch unterstützen, und es kommt auch ein Lokal hinzu, wo dieses Bier ausgeschenkt wird und Tapas dazu gereicht werden. - "Cervecería Isla Verde" soll der ganze Spaß dann mal heißen, und vorab, so zu sagen als Reminiszenz an das große Ortsfest der Gemeinde Tijarafe, will man zum Teufelsfest schon mal einen Extratrunk brauen, mit der Bezeichnung "Danza del Diablo", was unschwer mit Teufelstanz zu übersetzen ist. - Ein dunkles Bier soll das werden, mit 6% Alkohol, und wer sich ein paar davon einverleiben will, der wird das schon hinbekommen, das mit dem Teufel. - Aber der hat ja nur den Schnaps gemacht heißt es doch immer wieder, aber mein Lieblingsreim bei Bier der geht anders und lautet so: Bleibe deiner Heimat treu, trinke Falter Bürgerbräu. - Zum Wohl!



Freitag 20.08.2010 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 24 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 42 % - Luftdruck 1017 hPa
Höchsttemperatur heute 24,8 Grad - niedrigste Temperatur 19,5 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 34,8 - Temp. Min 15,8 - Feuchte 20 - 56 % Niederschlag 0 mm

Schwesternschule auf La Palma
Ein erster Schritt dem weitere folgen müssen

So ganz sicher waren wir uns ja nicht, ob die das schaffen noch für dieses Jahre die versprochene Krankenschwesternschule hier auf La Palma zu eröffnen, aber wir greifen uns beschwörend an den Chapeau. - Ende September soll der Unterricht beginnen, und wer sich einschreiben will, der muss das bis zum 6. September erledigt haben, in dem Centro Insular der "Información Juvenil del Cabildo de La Palma", in der Calle O´Daly. - Maximal 50 Ausbildungsplätze stehen zur Verfügung und der Unterricht wird im alten Inselkrankenhaus erteilt, dort hat man Hörsäle errichtet und auch weitere Räume für praxisnahe Übungen. - Die Dozenten kommen von der Universität La Laguna auf Tenerife, unter deren "Fuchtel" überhaupt diese Ausbildung nur durchgeführt werden kann, denn Krankenschwestern werden hier an den Universitäten ausgebildet und erhalten ihre praktische Ausbildung dann auch an der Uniklinik auf Tenerife. - Nun mag man ja sagen, keine große Sache, so eine Schwesternschule, aber zunächst ist das für unsere Insel ein sehr gutes Angebot und man lockt damit sicher auch die eine oder andere Unentschlossene noch dazu, eine gehobene Berufsausbildung zu machen, weil man eben nicht von der Insel herunter muss. - Darüber hinaus hat man ja hier, und mich natürlich eingeschlossen, auch noch den Traum, weitere Fakultäten auf die Insel zu holen, und damit den Bildungsstandort La Palma langfristig zu stärken. - Von einer "Universität La Palma" zu träumen, das wäre dann doch wohl zu verwegen, aber eben Außenstellen der Uni in La Laguna auf Tenerife, das würde uns schon reichen. - Hier auch nicht nur wieder, weil man damit den ansässigen Kindern das Studieren erleichtern könnte, oder den Eltern der Studenten, weil die sich vielleicht keine Zweitwohnung für ihren Spross auf einer anderen Insel leisten können, sondern man hofft eben auch, fremde Studenten hier anlocken zu können, welche dann sowohl die Konjunktur, wie auch den allgemeinen Bildungsstatus hier auf der Insel heben könnten.

So ist diese Schwesternschule auch nur als Anfang weiterer Arbeit zu betrachten und man wird abwarten müssen ob es uns gelingt, der Uni auf Tenerife noch mehr Fakultäten abluchsen zu können. - Hier schwebt einem ja immer sofort vor, man könnte Fächer wie Physik oder Mathematik anbieten, Ressorts die sich eben auch mit dem führenden europäischen Standort der Astrophysik gut koppeln ließen. - Weiter bietet sich an, landwirtschaftliche Studiengänge anzubieten oder alles was mit Umwelttechnologien zu tun hat. - Daraus könnte man dann gleich wieder einen großen Feldversuch basteln, eine ganze Insel wird "Grün", und hunderte von Studenten begleiten diesen Strukturwandel über die Jahre. - Mir fällt noch mehr ein, keine Frage, aber so ein bisschen Bescheidenheit sollte auch noch bleiben, und die Universität La Laguna wird es sicherlich nicht zulassen, dass man sich selbst breite Konkurrenz auf einer anderen Insel schafft. - Aber es lohnt sich doch nicht nur darüber nachzudenken, sondern auch daran zu arbeiten, aus La Palma langfristig mehr zu machen als nur eine Insel die zwischen Tourismus und Banane aufgehängt bleibt. - Im Fall der Schwesternschule muss ich ohne Neid und Polemik die gute Arbeit unserer Inselpräsidentin hier mal loben, die sich das Gelingen, und vor allem das schnelle Gelingen dieses Vorhabens zur Chefsache gemacht hat. - Aber by the way Guadalupe, da sind noch viel mehr Sachen auf der "to do Liste", das Tierheim oder einfach die Auffangstation für streunende Tiere, die hat uns schon ihr Vorgänger versprochen, und so manch anderes Ding auch. - Jetzt, wo sie bewiesen hat, welche Durchsetzungskraft in ihr steckt, da wachsen dann natürlich auch die Erwartungen.



Freitag 20.08.2010 10:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 21 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 51 % - Luftdruck 1016 hPa

Es ist ja doch noch Geld da
"Vergnügungspark" San Antonio del Monte erhält 600.000 Euro

Krise, Krise aller Orten, so eng können wir uns den Gürtel gar nicht schnallen wie man uns das immer weissagt, aber gewisse Ressorts haben immer noch reichlich Geld, um dieses unter das Volk zu bringen. - "San Antonio del Monte" ist für alle Palmeros ein fest stehender Begriff, handelt es sich dabei doch um ein jährlich stattfindendes Spektakel, welches als Viehmarkt getarnt eine der größten Fiestas des Jahres darstellt. - Anfang Juni lädt man dazu Tausende ein, von der ganzen Insel, und dann werden der Heilige Antonio von Padua geehrt, auch der Heilige Isidro und Landwirte aus allen Ecken der Insel karren ihre Rinder und anderes Nutzvieh an, um gemeinsam ein großes Fest unter freiem Himmel abzuhalten. - Traditionell übernachten sehr viele Besucher dort auf dem doch recht großen Areal, in Zelten, in den Autos, oder einfach nur im Schlafsack auf dem staubigen Boden, nachdem man bis in die frühen Morgenstunden dort getanzt hat. - Früher, als alles anders war, und nur manches besser, da waren diese Viehmärkte ein wichtiges Instrument der Landwirte aus ihrer Tätigkeit auch finanziellen Ertrag zu erreichen, heute sind das reine nostalgische Tierschauen, die sich aber weiter großer Beliebtheit erfreuen, aber eigentlich nur noch als Rechfertigung für danach ausschweifende Fiestas herhalten müssen. - Fast jede Gemeinde hier auf der Insel hat ihren Viehmarkt, in El Paso ist das "Cruz de Canales", in Los Llanos die "Feria" im Rahmen der Feierlichkeiten der Virgen de los Remedios, und in Garafia, seit jeher eine Gemeinde welche landwirtschaftlicher Prägung ist, eben San Antonio del Monte.

Aber die Gemeinde Garafía ist eben sehr klein, und hat so gut wie keine eigenen finanziellen Mittel zur Verfügung, die lokale Infrastruktur aufrecht zu erhalten. - So ist die Aufgabe des Bürgermeisters eigentlich hauptsächlich, sich bei der Inselregierung oder dem Gobierno de Canarias zu bemühen, irgendwelche Finanztöpfe zu öffnen, die man dann über der Gemeinde wieder ausschütten kann. - In der Tat ist diese Fiesta "San Antonio der Monte" auch eine Inselangelegenheit, die Gemeinde stellt lediglich die Tradition und den Platz zur Verfügung, das Vergnügen selbst, und die Tierausstellung, die wird eigentlich von Bürgern sämtlicher Gemeinden ausgetragen und kann nicht komplett zu Lasten der Gemeinde Garafía gehen. - Jetzt ist wieder ein netter Coup geglückt, man konnte dem Rat für Tourismus der Provinzregierung 600.000 Euro abschwatzen, damit diese in die Verbesserung und Erhaltung des Geländes fließen, auf dem das jährliche Junifest dort stattfindet. - Eine stattliche Summe möchte man meinen, und so mach einer fragt dann natürlich auch sofort, ob denn aus Geldern, welche eigentlich für die Tourismusförderung vorgesehen sind, dörfliche Festplätze instand gehalten werden sollen. - Wir haben das auch schon bei anderen Gelegenheiten festgestellt, dass gerade aus diesem Topf viele Gelder fließen, die man fast als zweckentfremdet betrachten könnte. - Gerade wo wir hier deutliche Rückschritte in Sachen Gästezahlen zu verzeichnen haben, und die Chartergesellschaften uns einen Flug nach dem anderen wegnehmen, möchte die Tourismusbranche diese Gelder lieber anderswo investiert sehen. - Das sieht der Bürgermeister von Garafía natürlich anders, und man muss ihm zu seinem Geschick gratulieren, diesen Topf erfolgreich angezapft zu haben und kann nur hoffen, dass dieses Geld dort vernünftig eingesetzt wird, und man nicht einfach eine große Schüppe Zement dafür kauft, und alles in Fortschrittsmanier einebnet. -

Apropos Charterflieger. - Da warten wir immer noch gespannt darauf, dass die Condor und die Air Berlin ihr Winterkontingent nach La Palma noch erhöhen, da überrascht uns die Condor mit dem Hinweis, dass nun bereits die ersten Verbindungen des kommenden Sommerflugplans nach La Palma buchbar sind. Frankfurt, Stuttgart, Düsseldorf und München sind jetzt bereits buchbar, und das zu ganz harmonischen Preisen. Immer Dienstag bietet Condor diese Verbindungen an, und wer sich jetzt schon entscheiden kann und Termine klar hat, dem kann man nur empfehlen, jetzt bald zuzuschlagen.




Auf dem Fest, San Antonio del Monte





Donnerstag 19.08.2010 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 25 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 37 % - Luftdruck 1014 hPa
Höchsttemperatur heute 25,8 Grad - niedrigste Temperatur 19,7 Grad

Auf gepackten Koffern
Hugo Chávez und die Castro Brüder, Garanten unseres Wohlstandes

Ein gewagter Untertitel, als ob die politische Halbseide aus Mittelamerika hier investieren würde oder sonst wie die Finger krumm machen würde. - Dennoch sind beide wenig demokratisch geführten Regierungen mit dafür verantwortlich, dass die Kanaren viele neue Bürger erhalten haben, und im Falle Venezuelas auch reichlich Kapital.- Natürlich gibt es auch viele Menschen, welche diese große Einwanderungswelle aus Mittelamerika bereits argwöhnisch betrachten, so mit dem Hintergrund des leergefegten Arbeitsmarktes, aber das ist eben eine sehr einseitige Sicht der Dinge, denn die vielen Immigranten leisten doch auch ihren Beitrag zur Volkswirtschaft hier. - OK, nicht alle sind legal hier und auch an der Kriminalstatistik sind Ausländer auch hier überproportional vertreten, aber das scheint überall auf der Welt so zu sein, vielleicht nur in Nordkorea nicht… - Legal oder illegal, das ist sowieso mindestens diskutabel, denn letztendlich ist es doch eine moralische Frage, ob man es wagt, Menschen überhaupt als illegal zu bezeichnen. - Aber das sind eben nationale Gesetzesreglungen und auch sich illegal in einem Land aufhaltende Menschen sind immer noch Konsumenten, und tragen so, wenn auch nur in geringerem Maße zur lokalen Volkswirtschaft bei. - Die meisten aber stehen in Lohn und Brot, in der Gastronomie, zahlen ihre Steuern, ihre Krankenversicherung, und vor allem füllen sie die Lücken der demographischen Pyramide, welche hier auf La Palma durch die sinkende Einwohnerzahl gerissen werden. - Seit vielen Jahren bereits liegt hier die Mortalität über der Geburtenrate und wenn die Immigrantenkinder hier nicht die Schulklassen auffüllen würden, dann wäre so manche Schule und so manches Institut bereits geschlossen. - Auch wandern eben viele Palmeros ab, weil sie sich woanders bessere Karrierechancen erhoffen, und leider sind das meist die gut ausgebildeten Kräfte und Akademiker, so dass auch hier die Immigration dieses Manko wieder schließen muss. - Und besonders Hugo Chávez hat ja dafür gesorgt, dass gerade wohlhabende Bürger seines Landes lieber dieses verlassen, und der Kapitalfluss aus Venezuela auf die Kanaren und nach La Palma ist heute noch bedeutend und spürbar.

Und wo wäre unser Gesundheitssystem, ohne die Ärzte aus Kuba oder Kolumbien, und das viele andere Personal, die auch gerne mal für ein paar Euro weniger arbeiten. - Wir müssen aber immer bedenken, dass die allermeisten dieser Immigranten immer weiter auf gepackten Koffern sitzen und sich nicht darauf eingestellt haben, ihr gesamtes Leben hier zu verbringen. - Da warten tausende an venezolanischen Immigranten, dass Hugo endlich geht, und ein paar weniger Kubaner, dass die ewige Revolution doch irgendwann endet. - Die Kolumbianer und Ecuadorianer warten darauf, dass es in ihrem Land endlich wieder sicherer wird, respektive die ökonomische Situation sich verbessert. - Na ja, das wird vielleicht sogar der härtere Teil der möglichen Veränderungen die es geben kann, aber auch die sind meistens nicht hier her gekommen, um für immer zu bleiben. - Geht man mal von dem Fall aus, dass Hugo und Raul irgendwie nicht mehr das Sagen in ihrem Land haben, dann muss man hier auf La Palma mit einem heftigen Exodus an Kapital, Arbeitskräften und auch Konsumenten klar kommen, man kann im ungünstigsten Fall damit rechnen, dass diese Insel bis zu 10% ihrer Bevölkerung verlieren könnte, und das in relativ kurzer Zeit. - So etwas kann keine lokale Volkswirtschaft einfach so wegstecken, sind doch auch wir hier längst in den globalen Zwang der dusseligen Marktwirtschaft gefangen, welche nur durch Wachstum weiteren Wohlstand garantieren will. - So entsteht ein kleines Paradoxon hier, von mir das Chávez-Paradoxon genannt, keiner kann den Bengel hier leiden, und wenn der noch so viel von Sozialismus faselt, aber eigentlich wissen wir genau, dass ohne ihn die Insel ziemlich leer werden wird, und das können wir uns sicherlich gar nicht erlauben. - Und dann gibt es ja noch eine große Gefahr, wenn die FDP sich mangels Masse selbst auflöst, dann verschwinden auch noch die ganzen Teutonen wieder. - Und das wäre dann doch ganz schlimm, wenn es dann keine hier mehr gäbe, die uns immer sagen, wie wir alles besser machen sollten…



Donnerstag 19.08.2010 10:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 19 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 56 % - Luftdruck 1015 hPa

Zweimal Brito gegen die Petrijünger
Unnötige Erklärungsversuche

Alejandro und Tamia Brito, wobei die Duplizität des Nachnamens keine Verwandtschaft ausdrückt, sondern reiner Zufall ist. - Alejandro Brito ist der Kontaktmann der Zentralregierung in Madrid hier auf der Insel, und muss alle Fragen der staatlichen Organe hier auf der Insel gegenüber den lokalen Behörden und der Öffentlichkeit vertreten. - Meist handelt es sich dabei um Angelegenheiten rund um die Guardia Civil und die Policía Nacional, aber in diesem Fall geht es um die "Reserva Marina" der Insel La Palma, und damit kommen wir auch schon zur zweiten Brito in diesem Zusammenhang. - Die "Coordinadora", besser gesagt die Chefin der Schutzzone vor der Westküste, Tamia Brito, ist die andere Hauptperson in einem dann doch als unnötig zu bezeichnenden Erklärungsversuch vor laufender Kamera, die vor zwei Wochen beschlossenen Restriktionen in der "Reserva Marina" zu rechfertigen. (Siehe 8.8. abends) Nicht nur die Ausbildung als Meeresbiologin, sondern eben auch die Tatsache, dass diese Frau die Geschicke der hiesigen Meeresschutzzone von Anfang an beobachtet und kennt, wären eigentlich schon ausreichend um jegliche ergriffene Maßnahme dort ungefragt zu unterstützen, aber so einfach läuft das eben bei uns nicht. - Die nur lokal in Fuencaliente agierende "UPF" (Union Progresista de Fuencaliente), hat in einer Presseerklärung die verschärften Fischfangverbote in der "Reserva Marina" kritisiert, und mit fadenscheinigen Argumenten von Tradition und Kultur die Einrichtung der "Reserva Marina" gar komplett in Frage gestellt. - Dabei hat man lediglich an einigen Tagen in der Woche den Hobbyfischern verboten dort ihre Angeln ins Wasser zu halten, von einem generellen Verbot, wie es in vielen anderen Marinen Schutzzonen Spaniens üblich ist, kann aber keine Rede sein. - Es war auch von der "UPF" nur ein populistischer Versuch wieder mal auf sich aufmerksam zu machen, unterstützt von dem ewigen Misstrauen der Menschen hier, gegenüber Einrichtungen welche direkt der Zentralregierung in Madrid unterstehen und somit nicht dem weichen Pragmatismus unserer lokalen Regenten ausgeliefert sind.

Meiner unverschämten Meinung nach, hätte man seitens der Zentralregierung und der "Reserva Marina" überhaupt nicht auf das öffentliche Geblöke der "UPF" reagieren sollen, man wertet damit diese Amateurtruppe die sich politische Gruppierung nennt, nur auf und unterstützt mit Gegenthesen letztendlich nur noch die fadenscheinig vorgebrachten Unargumente. - Wie kann man sinnig auf Unsinn eingehen, wobei der einzige Hintergrund der verschärften Restriktionen ja eigentlich ganz einfach ist, man will den Einfluss von außen auf die Marine Schutzzone weiter verringern, weil sonst die gesamte Einrichtung ja ihren Sinn verliert, wenn immer mehr Hobbyfischer die Fische wieder wegfangen, welche man aufwendig vor dem Zugriff des Menschen schützen will, damit die Meeresfauna vor der Küste La Palma ein Refugium hat, wo sich die Bestände regenerieren können. - So eiern die beiden auch argumentativ ein bisschen herum und sprechen von den sieben Toten Anglern, die in den 9 Jahren "Reserva Marina" dort an der schroffen Felsenküste umgekommen sind, und rechnet in einem ziemlich fragwürdigen Beispiel vor, dass die Hobbyangler pro Jahr 28.000 Kilo Fische aus der Meeresschutzzone fischen. - Das ist alles gut gemeint, und man will damit der Öffentlichkeit beweisen, dass man eine transparente Einrichtung ist, aber man begibt sich damit eben auch auf die Argumentationsschiene der Tresenfraktion, und das geht meistens nicht gut. - Man sollte nicht jedem Rüpel der sich an einem schubbert so viel Aufmerksamkeit schenken, die Diskussion um die verschärften Bestimmungen dort wären auch von selbst wieder abgeklungen, wer diese Marine Schutzzone in Frage stellt, der hat da schlichtweg etwas nicht verstanden, und wer seine persönliche Freiheit bedroht sieht, oder seine Kultur und seine Traditionen, weil er an einer ganz bestimmten Stelle dieser Insel nun nicht mehr am Montag sondern am Dienstag erst wieder angeln darf, der hat ganz andere Probleme zu bewältigen, welche eher auf medizinischer Ebene anzugehen sind.



Mittwoch 18.08.2010 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 23 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 39 % - Luftdruck 1017 hPa
Höchsttemperatur heute 25,2 Grad - niedrigste Temperatur 19,6 Grad

Auf La Palma ändert sich gar nichts
Leider auch nicht in der Politik

La Palma hat eine ganze Reihe an Stammgästen zu verzeichnen, die oft bis immer wiederkommen. - Vom großen Erholungswert ist da bei den meisten zu berichten, und wenn man dann weiterfragt kommen fast alle zu dem Ergebnis, das hat auch was damit zu tun, dass man sich nach dem 3. Aufenthalt hier einfach komplett zu Hause fühlt, weil sich kaum was ändert und man immer gleich weiß mit wem man es zu tun hat und wie man sich hier bewegt. - Konservatives Gedankengut und Handeln muss nichts Falsches sein, das Erhalten angestammter Werte und Traditionen spricht für diese Gesellschaft, aber manchmal hat man auch das Gefühl, dass dieses konservative Denken über den reinen Auftrag der Erhaltung von Werten hinausreicht. - Böse Zungen sprechen auch von Phlegmatismus, aber meine böse Zunge richtet sich nie gegen diese Gesellschaft als Ganzes, sondern eigentlich nur gegen die Strategen, die aus Kalkül die Hingabe zur konservativen Grundstimmung der Palmeros ausnutzen und zum Teil sogar mit populistischen Mitteln korrumpieren. - In der Tat gehen die "Dinge" hier auf der Insel meist einen sehr langsamen, oft mühseligen Weg, welcher Agitatoren und Fortschrittsfanatiker blind werden lässt, und Workaholics sowie Schaffe-schaffe Virtuosen entweder heilt, oder verzweifeln lässt. - Bevor wir uns hier ändern, wird Nordkorea zur Ponyranch, und die FDP eine ernst zu nehmende Partei. - Das hat, wie bereits angedeutet, seine guten Seiten, aber natürlich eben auch diesen trägen Kloß der Unbeweglichkeit, der einen schon ab und zu an den Rand der Verzweiflung treibt, wenn wieder mal nichts anderes als Gejammer herauskommt, und doch keiner was an den bekannten Missständen ändert. - Positiv ist dabei sicherlich, dass wir gesellschaftlichen Veränderungen, die nun einfach mal stattfinden, und jetzt angeheizt von globalen Gedanken, eben einfach mal auf unsere Art und Weise platt drücken und so lange darauf herumrutschen, bis der ganze globale Brei endlich unseren konservativen Stallgeruch hat. - Damit kann man umgehen, damit kann man rechnen, und bei unserer manchmal bereits manischen Harmoniesucht, gibt uns das Geborgenheit. - Mir auch, das gebe ich frank und frei zu, hindert mich zwar nicht daran Dinge ändern zu wollen, es bringt mich aber auch nicht um, wenn wir uns eingestehen müssen, dass Veränderungen einfach nicht unser Ding sind und gesellschaftlicher und familiärer Frieden wichtiger sind als Ideologien.

Wenn wir schon bei Ideologien sind, dann geht es gleich weiter in die Politik, und unsere lustige Interessenvereinigung kanarischer Geschäftsleute, die Coalición Canaria gewinnt ja bei uns gerade, weil sie eben nicht die Last irgendeiner Ideologie schultern muss. - Da spielen "linke" oder "rechte" Grübeleien überhaupt keine Rolle, sondern eher meine oder deine Geldbörse, und das auf eine Art und Weise erfolgreich, dass man fast schon wieder den Hut ziehen muss. - So ein bisschen wie die CSU in ihren besten Jahren, mit dem schlitzäugigen Franz Josef Strauß, an dem sich auch viele reiben durften, dem aber niemals jemand wirklich was anhaben konnte, und viele Leute, obwohl wir alle wussten, dass die Schmuddeleien betreiben, diesen Menschen und seine Bauernschläue auch noch verehrt haben. - Allerdings geht das nur gut, so lange es etwas zu verteilen gibt, und dazu muss mindestens der Transferrubel, besser noch der Euro rollen. - Und das ist eben momentan das Problem der Coalición Canaria. - Es wird immer schwieriger die ganzen Versprechungen zu erfüllen, die man eben seinen unterstützenden Gefolgsleuten aus dem erlauchten Kreis der Geschäftswelt gemacht hat, ohne bei Pedro Normalverbraucher aufzufallen. - Wie gut, dass es da dieses Ruhebecken La Palma gibt, trotz Unfähigkeit viele Politiker, trotz augenscheinlicher Vorteilgabe gegenüber den Gefolgsleuten, die Angst vor Veränderung verhindert es auf dieser Insel, dass politische Wunder geschehen, und ein politisches Wunder auf La Palma wäre, wenn die Coalición Canaria nicht mehr die stärkste Partei der Insel wäre. - Tenerife und El Hierro sind ähnlich gestrickt, aber nirgendwo sonst auf den Kanaren regiert die Coalición Canaria das Cabildo Insular in absoluter Mehrheit, nur eben auf La Palma. - Eine neue Umfrage belegt das nun wieder, wobei sich diese Werte nun ausschließlich auf die Zusammensetzung des Gobierno de Canarias bezieht, also das Parlament der beiden Provinzen Gran Canaria und Tenerife. - Zur Zusammensetzung dieser höchsten kanarischen Korporation gibt jede Insel ihre Stimmen extra ab, die Inselregierung sowie die Kommunen werden auf separaten Wahlzetteln ermittelt. - Demnach bleibt seitens La Palmas alles beim alten, die Sozis gewinnen zwar ein ganz bisschen hinzu, und die Coalición Canaria verliert marginal, dann werden weiterhin 4 Abgeordnete der CC ins kanarische Parlament einziehen, drei Sozis, und ein Gesandter der Partido Popular. - Manchmal tun einem die Wähler der CC richtig leid, das schimpfen die 4 Jahre lang über die Unfähigkeit unserer Regierung, um dann am Wahltag wie ein geschlagener Hund aus dem Wahllokal zu kommen, mit den Schulter zu zucken und dann entschuldigend stammeln: Ich konnte einfach nicht anders, alles Andere macht mir Angst.



Mittwoch 18.08.2010 11:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 21 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 53 % - Luftdruck 1017 hPa

Was ich schon immer nicht wissen wollte…
… und wie doch noch eine Nachricht daraus wird

Wir Schreiberlinge haben es schwer im Moment. - Die üblichen Geschichtenlieferanten der Politik sind allesamt im Urlaub, das Unwetter ist nicht gekommen, und ansonsten ist unser Alltag hier halt doch eben eher unspektakulär. - Vielleicht sollte ich etwas über unseren gestrigen Ausflug in ein bekanntes Abendrestaurant schildern, aber das brächte mich wieder an den Rand einer schlechten Nachricht, also lasse ich das lieber auch. - Es bringt auch einfach nichts, kaum etwas ist subjektiver als das Empfinden über ein Restaurant. - Der eine fühlt sich übers Ohr gehauen, der andere schwärmt von der guten Küche, und das alles innerhalb von 2 Minuten, also lassen wir das lieber, und jeder soll nach seiner Facon glücklich werden. - Ein rascher Blick durch die Tagespresse bringt auch keine Entspannung, da ist einfach nichts, worüber es sich zu berichten lohnen würde. - Neidisch blicke ich da nach Tenerife oder in die Welt hinaus, wo doch immer gerade so viel passiert, dass die Zeitung voll wird und hier auf La Palma, da genügt ein Blatt, und links unten ist auch noch eine weiße Fläche frei geblieben. - Oder interessiert es Sie etwa, dass während der Haupttage der "Bajada de la Virgen de Las Nieves, "Semana Grande" genannt, 2.000 Autos am Tag mehr durch den Cumbre-Tunnel gefahren sind als sonst? - Mich hat das zunächst weder verwundert noch interessiert, ist es doch klar, dass beim absoluten "Hauptfest" der Insel das Verkehrsaufkommen stark ansteigt, wen soll das also interessieren. - Aber mitten im Text ist eine wohl interessante Zahl zu lesen, nämlich die durchschnittliche Anzahl der Fahrzeuge, die jeden Tag von der West- auf die Ostseite fährt, und diese wird mit 3.900 angegeben. - Da habe ich dann doch gestutzt, denn hat man uns nicht wissen lassen, als es immer um die Notwendigkeit einer Autobahn ging, dass weit über 10.000 Autos täglich die LP3 befahren? - Man muss nun die 3.900 mal zwei nehmen, dann kommt man auf knapp 8.000 Autos, welche täglich auf dieser Straße hin und her fahren, denn man darf ja nicht annehmen, dass mehr Menschen von Ost nach West fahren als umgekehrt.- Da bekäme die Insel ja irgendwann Schlagseite, wenn keiner mehr auf der Ostseite ist.

Ich habe die genaue Zahl nicht mehr im Kopf, aber ich glaube mich zu erinnern, dass es um die 12.000 Fahrzeuge sind, die man uns damals eingeredet haben, welche die LP3 täglich nutzen, und das mit steigender Tendenz. - Da herrscht nun aber eine gewaltige Lücke zwischen der von den Befürwortern der Autobahn genannten Zahlen und denen, welche die Tunnelaufsicht nennt, und denen kann man ja nicht unterstellen, dass die irgendwelche Hintergründe hätten, uns da Fahrzeuge in der Statistik zu unterschlagen. - Interessant dabei ist auch noch, dass man uns wissen lässt, allerdings ein bisschen versteckt im Text, dass der Transitverkehr im Sommermonat Juli 2010 gegenüber dem gleichen Monat des Jahres 2005 leicht abgenommen hat. - Man vergleicht hier nur die Zahlen der beiden Jahre in denen eine Bajda de la Virgen de Las Nieves stattgefunden hat, nicht aber die anderen Jahre. - Auch interessant, wo man doch auch noch zu bedenken hat, dass dieses Jahr die alternative Route über den Süden der Insel zeitweise gesperrt ist und daher eigentlich gar nicht mehr als Alternative zu bezeichnen ist. - Vielleicht trügt uns unser "Bauchgefühl" da ja gar nicht, wenn wir behaupten, dass der Individualverkehr auf der Insel zumindest stagniert, angeregt von der "Krise", den auch bei uns gestiegenen Spritpreisen und eben auch der langsam sinkenden Bevölkerungszahl. - Alles nicht schneidend, auch nicht beweisbar, denn die Bevölkerungszahlen welche uns die Gemeinden nennen, die sind mit größter Vorsicht zu genießen. - Die sind eigentlich alle aufgebläht und die allerwenigsten Menschen melden sich ordentlich ab, wenn sie woanders hin ziehen. - Gerade erst kürzlich ist eine enge Bekannte von uns endgültig von der Insel gegangen und wollte sich ordnungsgemäß auf der Gemeinde Los Llanos abmelden. - Da war man Kontrabass erstaunt über diesen Wunsch, und wusste gar nicht wie das überhaupt geht, und zum guten Schluss legte man ihr einen Antrag auf Einbürgerung vor… Von den Autobahnplänen redet eh kein Mensch im Moment hier, was aber weder positiv, noch negativ zu bewerten ist, vielleicht tendenziell sogar eher negativ, denn das gibt den Interessengruppen Zeit, im Hintergrund ohne Publikum neue Pläne zu schmieden, ohne dass die "Gegenseite" darauf reagieren kann.- Aber wollen wir nicht pessimistisch sein, das, was die Politik aus nicht vorhandener Vernunft nicht hinbekommt, das glättet die Krise mit ihren leeren Fingern schon wieder, und wenn die erst mal die Südumfahrung neu gemacht haben, dann ist eh kein Geld mehr da für weitere Schmutzitäten.



Dienstag 17.08.2010 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 27 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 39 % - Luftdruck 1017 hPa
Höchsttemperatur heute 27,5 Grad - niedrigste Temperatur 21,4 Grad

In der Kürze soll ja die Würze liegen
Eben nix Großes

Die Gewerkschaften haben hier auf der Insel einen schweren Stand in letzter Zeit. - Als Kompott unterlief ihnen dann noch bei einer Sternfahrt per Auto für den geplanten Generalstreik ein ziemlich peinliches Manöver. - Es waren eh nur wenige Autos gekommen, und die Parade der Wagen führten ausgerechnet drei Luxusgeländewagen der Preisklasse zwischen 70.000 und 100.000 Euro an. - Man kann sich die Sympathiewelle der Arbeiter und Arbeitslosen denken, welche den Gewerkschaftlern da entgegen schlug. - Mensch, das kann man doch nicht bringen, ein bisschen nachdenken müssen die doch auch, wie sie auftreten. - Aber nun kommt eine gute Geschichte, die beweist, dass doch noch rudimentäre Ideologie bei den Gewerkschaften vorhanden ist. - Zwei Beratungsbüros hat man aufgemacht, eines in Sana Cruz, und eines in Los Llanos, welche zugereisten Immigranten als Beratungs- und Anlaufstation dienen sollen, wenn diese noch keine Ahnung mit den hiesigen Abläufen und Gepflogenheiten im Arbeitsleben haben. - Angesprochen sind natürlich dabei vorwiegend die vielen Einwanderer aus südamerikanischen Ländern, die zwar nicht mehr in Scharen kommen, aber dennoch den deutlichen Großteil der arbeitswilligen Immigranten stellen. - Offen steht das natürlich auch für Hartz IV oder FDP-Flüchtlinge, aber die haben eh weniger Probleme, da sie ja als Angehörige der Schengen-Zone sowieso schon mit allen Rechten versehen sind. - Aber wir wissen ja, in den heutigen Zeiten bedeutet eine Arbeitserlaubnis noch lange nicht, dass man auch Arbeit bekommt. - Gute Sache der Gewerkschaft "CC:OO:" (Comisiones Obreras) und wenn man dann bei der Beratung vielleicht auch gleich noch ein neues Mitglied werben kann, dann ist das vielleicht sogar für beide Seiten interessant.

Am 20. und 21. August dieses Jahres geht es hier auf La Palma wieder auf Tauchstation. - "III Open de Fotografía Isla de La Palma" ist dafür das Zauberwort und gemeint ist damit ein Wettbewerb der Unterwasserfotografie. - Das hört sich gut an, und wenn man die Pressemeldung liest, dann kommen auch gleich noch reichlich Superlative da zum Tragen, so wie die besten Fotografen der Welt seien auf dem Weg zu uns, und La Palma böte sowieso das beste Revier für Unterwasserfotografie. - Namen der Fotografen werden zumindest in der Pressemeldung aber nicht genannt, aber ein bisschen Rütteln und Übertreiben gehört auch zum Geschäft, denn wenn wir sagen: Es kommen ein paar gute, aber auch viele mittelmäßige Fotografen, um ein ansprechendes Tauchrevier zu fotografieren, dann klingt das nicht so wirklich ansprechend. - Aber wir sind ja mündige Bürger und können mit der Werbesprache längst umgehen und lassen uns nicht von ein bisschen Schamlosigkeit die Freude an solchen Geschichten verderben. - Geld gibt es auch zu gewinnen, 1.000 Euro für den ersten Preis, und später sollen die Fotografien auch im Internet den braven Bürgern der Insel und den Freunden La Palmas in der Welt zur Ansicht zugänglich gemacht werden. - Ich freue mich darauf!

Weniger erfreulich ist das Hickhack um den letzten Wetteralarm hier auf den Kanaren wegen möglichen Regens. - Ich hatte ja ausführlich darüber geschrieben, und das es letztendlich doch noch richtig auch von den lokalen Wetterfröschen dargestellt worden ist, allerdings hatte man zuvor der Presse auch schon den "worst case" vorgestellt, und die Presse ist nun mal so, dass man lieber eine Meldung bringt die Unwetter prognostiziert, als eine die laues Alltagswetter verkündet. - Unfähigkeit, Alarmismus, und was man nicht den Leuten der "AEMET" noch so alles vor die Berufsehre geknallt hat, dabei haben die nur ihre Arbeit gemacht und von einer Möglichkeit gesprochen, dass wir einen dicken Regenschauer mit Gewitter abbekommen können. - Das ist immer noch Konjunktiv, und einen Alarm haben die Jungs aus der Wetterfroschgilde auch nicht herausgegeben, sondern nur gesagt, dass es dazu kommen könnte. - Das hat man aber in der Presselandschaft falsch aufgefasst, und eben gleich wieder geschrieben, wir hätten bereits Alarmstufe Orange, "Alterta Naranja". - Was man aber hätte tun können seitens der "AEMET", einfach eine Pressemeldung loszulassen, worin man das noch mal erklärt, dass man nur von der Möglichkeit gesprochen habe, dass es zu einer Unwettersituation kommen könnte, diese sich aber inzwischen aufgelöst hat. - Was halt übrig bleibt ist eine erneute Niederlage der "AEMET" gegenüber dem "GFS", die zwar auch das gleiche Unwetter bereits Tage früher haben kommen sehen, aber eben rechtzeitig genug auch wieder errechnet haben, dass es nicht kommt. - Und die Presse müsste lernen, nicht gleich aus jeder Möglichkeit eine Tatsache zu basteln, dann würden wir alle viel ruhiger leben können. - Aber wer ruhig leben will, dem kann die Presse sowieso nichts bieten, also werden wir zukünftig auch weiterhin alles schlucken was uns vorgesetzt wird.



Dienstag 17.08.2010 10:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 22 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 63 % - Luftdruck 1019 hPa

Mein Dorf soll schöner werden
Lokale Egoismen

Bei 14 Gemeinden auf einer Insel mit nur 84.000 Einwohnern gibt es jede Menge Spielraum für lokale Egoismen, und so ganz unverständlich ist das auch gar nicht. - Es ist ja schließlich die Aufgabe der lokalen Korporationen, sich um Wohlstand und Zukunft der eigenen Gemeinde zu kümmern, was mit den anderen passiert, das ist egal und die sollen doch selber dafür sorgen, dass es ihnen gut geht. - Das allerdings widerspricht oft dem Gesamtbild unserer Insel, die wohl durch solche lokalen Bemühungen leidet, weil eine Gemeinde der anderen mit öffentlich finanzierten Einrichtungen die Einkommensquellen abspenstig macht. - Um solche Auswüchse zu verhindern, dazu wäre eigentlich die Inselregierung eine richtige Adresse, aber auch die haben Lieblingsgemeinden und andere Lokalitäten werden schlichtweg marginalisiert. - Dem Ganzen könnte man immer noch mit einer, zugegebenermaßen wohl nicht so einfach installierbaren Gemeindereform entgegentreten, und aus dem ganzen lokalen Palmerischen Allerlei ein gut verzehrbares Gericht zu zaubern. - Ich muss aber wohl befürchten, dass daraus nichts wird, die Krise zwingt uns zwar schon zu solchen Ideen, aber der fast schon riechbare Aufschwung wird solche vernünftigen Gedanken dann wohl wieder auf die lange Bank der Geschichte drücken. - Ein fast schon herausragendes Beispiel für geschickte Politik der Sorte, Mein Dorf soll schöner werden, ist die Gemeinde Breña Baja mit seinem touristischen Aushängeschild Los Cancajos. - Was in diesen, aus dem Boden gestampften Betonklotz schon alles an öffentlichen Geldern investiert wurde, das grenzt schon fast an Beleidigung der anderen Gemeinden der Insel, aber Jaime Sicilia, der Bürgermeister und Ex-Inselrat für Tourismus, der versteht es eben hervorragend, Gelder für sein "Klein-Marbella" immer wieder von anderen Instanzen, meist dem Cablido Insluar locker zu treten.- Dabei ist allerdings noch nicht viel herausgekommen, was diesen Ort aus der Retorte irgendwie Charme oder Schönheit verleihen würde, trotz aller Bemühungen bleibt es eine lose Ansammlung von Staub und farbig getünchtem Beton, aber eben mit dem Vorteil den Speckgürtel der Hauptstadt darzustellen und die fast schon boshafte Nähe zum Flughafen der Insel.

Sie wissen ja sicherlich schon, dass ich keine lügenhafte Sucht nach Objektivität habe, sondern alles was aus meinem Mund und meiner Tastatur kommt eben nur meine Meinung darstellt, aber ein paar Fotos dieser Siedlung beweisen es eigentlich schon, schön, und typisch palmerisch ist etwas Anderes. - Dennoch, Los Cancajos hat wahrscheinlich den schönsten, sichersten und gepflegtesten Strand der Insel, und wohl auch das beste Hotel, mit der Hacienda San Jorge. - Viel mehr ist da aber nicht mehr hervorzuheben, und die Auslastungszahlen der anderen touristischen Betriebe in der Garagensiedlung sprechen auch eine deutliche Sprache. - Aber man hat weiter viel vor, und will zunächst das alte Projekt einer Schausaline wieder vorantreiben, wo man dann Kreuzfahrerpublikum die Prozedur der Salzherstellung anschaulich machen will. - In der Tat hatte Los Cancajos mal eine Saline, und ein paar Trocknungsfelder sind auch noch da, aber den Rest müsste man wieder aus dem Boden stampfen, und spricht dabei von lockeren 400.000 Euro die wohl schon zur Verfügung stünden. - Alles erlaubt, allerdings sollten wir doch mal beachten, dass es bereits eine immer noch funktionierende Saline auf der Insel gibt, die auch nicht aus Pappmaschee besteht und nicht erst erstellt werden müsste, sondern so richtig funktioniert und auch anfassbar ist. - Weiter träumt man ja von einem Erlebnispark mit Thalasso-Charakter, Konzertsaal, Badehaus und Kurpromenade, und spricht auch schon wieder von Geld, von an die 4 Millionen Euro, welche wohl bereits fröhlichen Stallgeruch auf den Konten der Inselregierung annehmen. - Dabei übersieht man beflissentlich, dass eine der aussichtsreichsten natürlichen Ressourcen der Insel, die Fuente Santa bei Fuencaliente, ganz ohne Finanzierung dasteht, und nach nun fünf Jahren der Wiederentdeckung weiterhin noch nicht einmal zum Publikumsbesuch hergerichtet wurde. - Daraus könnte man eine touristische Attraktion der Sonderklasse machen, welche nicht in einem betonierten Umfeld der All-inklusive-Glocke nach Retortenunterhaltung ruft. - Aber darum geht es ja nicht, sondern nur darum, dass mein Dorf schöner wird. - Manchmal stehen wir uns aber auch furchtbar selbst im Weg.




Reste der Verdungstungsbecken in Los Cancajos





Montag 16.08.2010 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 27 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 31 % - Luftdruck 1019 hPa
Höchsttemperatur heute 28,2 Grad - niedrigste Temperatur 21,1 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 35,3 - Temp. Min 20,2 - Feuchte 20 - 63 % Niederschlag 0 mm

Schnelle Rettung in Garafía
Von wegen, passiert nichts auf La Palma…

Vorneweg muss man aber wieder mal die Warnung schicken: Auf keinen Fall alleine oder ohne Mobiltelefon an kleine Strände der Insel gehen, die auch noch schlecht erreichbar sind. - In dem Fall war das Gott sei Dank nicht so, so dass man Hilfe leisten und dann auch professionelle Hilfe holen konnte, die dann auch schnell, sehr schnell und in erstaunlich großem Umfang kam. - Und das an einem Sonntagnachmittag, wo doch auch noch Fußball in Garafía war… - Es ist ein weitere Beweis dafür, dass unser so oft gescholtenes Gesundheitssystem doch auch seine guten Seiten hat, und das ist auf jeden Fall in der Personenrettung und der Notfallmedizin so. - Ich kann auch nur aus eigener Erfahrung sprechen, und man kann genervt sein davon, dass man für einen Facharzttermin sehr lange warten muss, aber im Notfall funktioniert alles schnell, hervorragend, professionell, und dabei auch noch menschlich sehr angenehm. - Was da passiert ist, und wie sich das dann alles gut auflöste, das kann am besten einer erzählen, der dabei war. - Namen sind verändert, ist ja auch egal, wer da Glück und gute Hilfe erfahren hat.

Hallo Mathias

Mann-o-Mann, wir hatten vielleicht einen Sonntag!!!

Also, wir waren mit Carla und Peter nebst Tochter (wobei letztere 2 erst später dazustießen) am Strand da oben bei Garafia (der von dem wir nicht mehr verraten, wo er ist), als Carla beim Baden plötzlich von einer Welle zerlegt wurde. Heike hat sie dann erwischt und wir haben sie aus dem Wasser geschleift. Sie war völlig benommen, bekam kaum Luft und hatte extreme Rückenschmerzen. Nachdem die Schmerzen sich nach geraumer Zeit nicht gebessert hatten hat Peter den Notruf gemacht, denn Carla konnte nicht aufstehen und wir konnten sie nicht transportieren. Und was dann kam hat uns doch alle überrascht.

Nach etwa 20 Minuten kam zunächst mal ein Polizist von der Policía local zur Bestandsaufnahme, und es ist weit weg, sehr weit weg vom Ort. Nach dessen Meldung erschienen 2 Rettungssanitäter, denen kurz darauf 4! Mitarbeiter des Cabildo folgten. Als nächstes kam dann noch ein Arzt, der weitere 3(?) Mitarbeiter des Cabildo im Schlepptau hatte. Nach ersten Untersuchungen gab es dann eine Scheißegal-Spritze und Carla wurde von dem Trupp auf einer Bergungstrage flotten Schrittes den Hang hochbugsiert, und ins Centro de Salud nach Garafia gebracht. Dort wurde sie durchgecheckt und schon nach etwa 1 Stunde mit dem vorläufigen Befund einer heftigen Rippenprellung wieder entlassen. Nähere Infos und bei Bedarf Fotos vom Rettungsteam gibts bei Peter.

Was uns so überrascht hat? Na gut, weder ein Hubschrauber noch ein Boot hätten bei dem Wind und beider Brandung besser helfen können. Aber dass da bei Garafia an einem Sonntag in kurzer Zeit fast ein Dutzend Hilfskräfte antraten, das war schon erstaunlich. Zumal in Garafia gerade ein Fußballspiel lief (ok, das war jetzt unsachlich). Und die Leute waren noch nicht mal schlecht gelaunt. Alles easy, sehr entspannt, kompetent und freundlich.

Gruß,
Klaus










Montag 16.08.2010 09:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 21 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 45 % - Luftdruck 1019 hPa

Heute mal ganz familiär
Die eigene Brut steht jetzt im Vordergrund

Die Eine feiert heute Geburtstag, die Andere kommt zurück von ihrer ersten Auslandsreise alleine, da ist der Montag doch schon vorbestimmt. - Ein bisschen Arbeit wird noch dazwischen gepackt, aber wohl dosiert, denn auch wenn die Kinder bereits ein gewisses Alter erreicht haben, in dem sie sehr wohl schon eigene Entscheidungen treffen, heißt das noch lange nicht, dass sie nicht weiter die Aufmerksamkeit der Eltern verdienen. - Nur wenden wir meist einen ziemlich fiesen Trick an, Bescherung oder besser Geschenkeübergabe, ist gleich nach dem Frühstück, dann haben wir Alten eine Weile Ruhe, die an dem Tag nebensächlich erscheinenden Alttagsflecken zu erledigen. - Die große Tochter kommt erst heute Mittag nach La Palma, die haben die Nacht jetzt in einem Hotel im Süden verbracht und werden dann zum Nordflughafen gebracht, um von dort aus dann auf unsere Insel zu fliegen. - Wäre da nicht die äußerst komplizierte Anreise, die sich auch wieder bei der Rückreise über 2 Tage erstreckte, dann könnte man die ganze Geschichte als kompletten Erfolg vermelden. - Die Organisation war hervorragend, alles hat geklappt, und auch wenn es gestern Abend noch einen Schreckmoment gab, als man unserer Tochter und ihrer Freundin zunächst in Madrid sagte, die Maschine nach Tenerife sei überbucht und sie auf der Warteliste. Das hat dann aber doch ein Mitarbeiter von EF lautstark und ohne Kompromisse gegenüber der Iberia klären können. - Wäre ja noch schöner, die buchen die Tickets Monate vorher, und wollen dann zwei Minderjährigen vor einem Nachtflug sagen, sie kämen nicht mit und müssten dann am kommenden Tag fliegen. - Nur mit dem Wetter in England, daran muss wohl noch gearbeitet werden, beide Mädels sind nun seit 2 Wochen erkältet, aber dennoch nicht zu bremsen, wir werden es in den kommenden Tage schwer haben, sie wieder in den dann doch müßigen, aber eben auch langweiligen Alltag auf diesem kleinen Inselchen wieder zu integrieren. - Das Geburtstagskind kennt diese Schwierigkeiten im Moment noch nicht, und ist schon dabei die Bücher visuell anzuknabbern die meine Frau ausgesucht hat, schließlich ist die ja Buchhändlerin, und auch wenn die seit Jahren diesen Beruf nicht mehr ausübt, einmal rein gefasst das reicht für immer.

Auf La Palma ist eh nicht weiter was passiert über das ich noch nicht geschrieben hätte, und überfahrene Hühner in Tijarafe interessieren meist nur das Huhn selbst. - Das Wetter sieht noch lustig aus, und so ganz von der Hand zu schieben ist die Geschichte nicht, dass heute doch noch ein paar Tropfen Regen fallen könnten, auch wenn die Vorhersagen das ja nun ausgeschlossen haben. - Auf jeden Fall ist da draußen, südwestlich von uns etwas Größeres unterwegs, aber wenn wir davon noch etwas abbekommen sollten, dann sicher nur ein paar Tropfen.



Sonntag 15.08.2010 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 26 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 26 % - Luftdruck 1017 hPa
Höchsttemperatur heute 26,5 Grad - niedrigste Temperatur 19,6 Grad

Eine Stadt wacht auf
Sonntagsmarkt bringt Leben nach Los Llanos

Sonntagvormittag in Los Llanos, das war bislang die große Öde auf dieser Insel. - Nichts dagegen einzuwenden, wenn eine Stadt durchatmen will, aber so tief kann doch keiner bei der sauberen Luft hier einatmen, ohne sich eine Sauerstoffverbrennung zu holen. - Wie man nun Leben in die Bude bekommt, das hat man jahrelang auch überlegt, aber Stadtplaner und Politiker haben das nicht auf die Reihe bekommen, solche Dinge müssen einfach wachsen. - Geburtshilfe für eine bewegte, bunte und auch umtriebige Innenstadt hat nun seit ein paar Wochen der Bauernmarkt gebracht, der bislang zwar erfolgreich aber doch marginalisiert, am oberen Ende der Stadt unter den Eukalyptusbäumen an der Ausfahrt nach El Paso ein staubiges Dasein fristete. - Zunächst holte man die an die 30 Marktstände in die Fußgängerzone, auch bereits mit Erfolg, dann fand man den eigentlichen Platz dafür, nämlich unter den mächtigen Lorbeerbäumen in der Calle Dr. Fleming. - Das ist die Straße wo die Taxis stehen, sollte Ihnen das Straßenschild noch nicht aufgefallen sein, oder Sie die Aridanemetropole nicht wie Ihre Hosentasche kennen. - Am Sonntag stört dann auch nicht, dass viele Anbieter aber auch eilige Einkäufer auf jeder Seite eine Fahrspur blockieren, es ist ja noch eine weitere da, und weil kein Berufs-, oder Los Llanostypischer Chaosverkehr am Sonntag herrscht, braucht die zunächst mürrisch dreinblickende Ordnungsmacht in Form zweier grünbefrackter Guardia Civiles auch nicht eingreifen. - Pragmatische Lösungen sind seit jeher gefragt hier auf dieser Insel, und wenn die Leute eine Fahrspur zur Parkzone erklären und das gleich massenhaft, und der Verkehr trotzdem noch einigermaßen fließt, dann wird man sich als Exekutive nicht die Nase am Volkswillen verbrennen. - Das ist halt so ein bisschen der Nachteil des neuen Standortes, direkt am Markt sind die Parkplätze von den Lieferanten belegt, und leider fällt es den Allerwenigsten ein, dass vielleicht 200 Meter weiter ein fast völlig leeres Parkhaus auf Besucher wartet und das Unterstellen eines Autos dort für eine halbe Stunde nicht mal 50 Cent kostet. - Aber so sind wir halt.

Lassen wir gleich noch den nächsten kleinen Nachteil heraus, die Stände stehen sehr eng dort aneinander, gegebenenfalls sogar gegenüber, so dass oft nur noch einen kleine Flanierpassage offen bleibt, die selbst bei geringem Käuferaufkommen schon zu kleinen Staus führt. - Das macht dann keinen Spaß sich entspannt vor einem solchen Stand aufzubauen und die Ware langsam und sorgsam zu betrachten, man will unwillkürlich weiter, um kein Verkehrshindernis darzustellen. - Aber auch hier könnte man ohne Probleme Abhilfe schaffen, man kann die ganze Marktmeile noch Richtung Norden entzerren, dann rückt auch das Parkhaus noch näher, und manch ein Händler könnte so seinen Stand auch strecken, um nicht so weit in die Zone der Käufer hineinbauen zu müssen. - Das sind nur kleine Kritiken und kratzen überhaupt nicht am Gesamtkonzept, welches prima aufgegangen ist, die Anbieter des Erzeugermarktes dort finden noch mehr Publikum als früher schon, und die Innenstadt von Los Llanos blüht plötzlich sogar Sonntagvormittag. - Man muss sich eigentlich schon fragen, warum man nicht früher schon darauf gekommen ist, den Markt dahin zu bringen wo er hingehört, nämlich ins Zentrum einer Stadt. - Der Markt bleibt dort auch vorerst, allerdings will man sich für den Winter noch etwas überlegen, das ist noch nicht ganz ausdiskutiert zwischen den Händlern und der Stadtverwaltung, vielleicht zieht man im Winter wieder zurück in die halboffene Mehrzweckhalle dort unter den Eukalyptusbäumen. - Das werden wir abwarten und beobachten, auf jeden Fall hatten auch noch viele andere Läden rund um den Markt geöffnet, die auch auf Käufer hofften, welche eben nun angelockt von den bunten bis duftenden Markt in großen Scharen kamen. - Dabei hätte es heute mich sogar fast erwischt, da der einzig mir bequeme Herrenausstatter heute auch plötzlich offen hatte und meine Frau der Meinung ist, ich müsste meinen Dienstpark an Jeans wieder mal erneuern. - Vielleicht lag es an der 11 Kilo schweren Wassermelone die wie schleppen mussten, oder aber an der Grundgnädigkeit der Mutter meiner Kinder, diesen Sonntag bin ich noch ohne für mich quälenden Beinlangkleiderkauf wieder aus Los Llanos entwischt, aber für nächste Woche hat sich meine Frau da etwas vorgenommen.

Fotos bin ich Ihnen schuldig, aber ich habe die Kamera nicht dabei gehabt. - Dafür entschädigt uns Gabi heute reichlich, die hat wieder mal einen ganz nervösen Finger am Abug gehabt. - Und wenn ich von vielen Menschen in Los Llanos schreibe, dann toppt uns Gabi locker mit sommerlichen Eindrücken aus der Olympia-Stadt. - HIER


Sonntag 15.08.2010 10:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 52 % - Luftdruck 1015 hPa

Splitter
Wirres, zusammenhangloses Zeug

…..Jetzt rechnen auch die staatlichen Meteorologen damit, dass nichts von dem ausgelobten Regengebiet die Kanaren erreicht. - Somit war erneut die ganze Aufregung umsonst, oder noch schlimmer, denn wer zu oft vor möglichen (Un)Wettern warnt, dem glaubt man irgendwann nicht mehr. - Die Zeitungen sind auch noch voll von der Meldung über die Warnstufe Orange wegen schwerer Niederschläge, dabei hat die "AEMET" das schon gar nicht mehr auf dem Kasten.

…..Unsere große Tochter sitzt jetzt gerade im Bus von Torquay nach London. - Schluss mit Lustig, die Lernferien sind vorbei, und seit gestern Nachmittag geht dort eine heulige Verabschiedungszeremonie nach der anderen. - Die Rückreise nach La Palma wird jetzt wieder ein über 24 Stunden dauerndes Abenteuer, schade eigentlich, dass London so abgelegen liegt…

…..Unsere kleine Tochter, obwohl die länger ist als die "Große", die hat sich gestern wieder mit ihrer Freundin in Jedey vergnügt. - Die schlafen dann immer bei gutem Wetter auf dem Flachdach des Hauses und haben in kürzester Zeit mehr als 50 Sternschnuppen aus dem Perseidenkatalog gezählt. - Wir haben hier überhaupt keine gesehen, das lag aber nicht an den Schnuppen, sondern an unserer Müdigkeit und der neuen Straßenlaterne bei uns.

…..Die Gewerkschaften proben den Aufstand gegen die Arbeitsmarktreform hier in Spanien. - Am 29.September will man zu einem Generalstreik aufrufen, hat aber Volkes Stimme nicht auf seiner Seite. - Die "reforma laboral" erscheint nicht nur vielen, sondern sogar sehr vielen, hier auf den Kanaren 89,1% (Umfrage der "CES" Seite 82) notwendig. - Die Gewerkschaften werden also alle Mühe haben die Leute für den Generalstreik zu animieren, wollen damit aber in den kommenden Tagen bereits beginnen.

…..44,8 Megawatt, das ist das neue Anforderungsmaximum an elektrischer Energie, welches das Kraftwerk bei Santa Cruz verzeichnen musste. - Das war am 12.8. gegen 21:30 Uhr, als bei knapp 40 Grad die Leute alle ihre Klimaanlagen voll aufdrehten. - Der bisherige Rekord lag bei 44,4 Megawatt am 30. Juli des vergangenen Jahres, das war ein Tag vor dem großen Waldbrand im Süden. - Der Verbrauch an elektrischer Energie ist aber insgesamt im ersten Halbjahr 2010 um 6% zurückgegangen hier auf La Palma.

…..Das lokale Gesundheitsamt führte im Jahr 2009 insgesamt 185 Untersuchungen der Wasserqualität an Stränden und in Schwimmbädern durch. - Schön, dass wir das heute erfahren, und nicht die neuesten Ergebnisse der laufenden Untersuchungen in diesem Jahr.

…..Wer auch immer diese Statistik macht. - 45 internationale Gäste konnte La Palma diesen Juli mehr begrüßen als noch im gleichen Monat des vergangenen Jahres. - Nicht viel, aber immerhin mal ein Plus, nachdem wir im ersten Halbjahr die einzige Kanareninsel waren, welche im Sektor internationaler Tourismus ein Minus von 3,6% gegenüber dem Vorjahr hinnehmen mussten.

…..El Paso haut auf die Pauke. - Vom 16.8. - 25.8. dieses Jahres findet das 15. internationale Musiktreffen statt. - Das Orchester der Stadt, aber eben auch internationaler Besuch wird diese Tage dazu nutzen, sich dem interessierten Publikum der Stadt und seiner Besucher zu stellen. - Den Auftakt übernimmt der Tenor Juan Manuel Padrón, begleitet vom Pianisten Juan Antonio Álvarez Parejo und man trägt argentinische Lieder vor. - Den Rest des Programms gibt es HIER.





Samstag 14.08.2010 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 26 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 43 % - Luftdruck 1015 hPa
Höchsttemperatur heute 27,3 Grad - niedrigste Temperatur 21,2 Grad

Der Wolfsbarsch wird zum "caso lubinas"
Und niemand weiß etwas Genaues

Im Februar dieses Jahres ging bei schwerem Seegang ein Schwimmkäfig einer Fischzucht vor der Küste von Tazacorte kaputt. - So etwas soll vorkommen, auch wenn immer alle sagen, dass es eigentlich nicht vorkommt. - Ausgebüchst waren wohl an die 150.000 Fische, und eben alles Wolfsbarsche, also Raubfische, die nun vor der Westküste der Insel den heimischen Fischen das Futter, oder gleich sie selber wegfressen. - Sehr groß waren die Wolfsbarsche noch nicht, zwischen 400 Gramm bis hinauf zu maximal einem Kilo, das ist das einzige Glück dabei, sonst wären die Auswirkungen noch drastischer, welche man in der Region erwarten könnte. - Allerdings kennt keiner so wirklich die möglichen Folgen dieses massenhaften Einfalls einer nicht hier vorkommenden Art, und die Fischer fürchten um drastische Einbußen der Fänge bei ihren "Brotfischen" Makrelen, Sardinen und Stöcker, und es wird auch behauptet, das die Bestände bei diesen Fischen bereits zurückgegangen sind. - Wissen oder gar beweisen kann das aber keiner so richtig, und deshalb fordert man seit langem bereits eine wissenschaftliche Studie, wie es denn im Ökosystem Westküste La Palma eigentlich so bestellt ist nach der massenhaften Flucht der Zuchttiere. - Jetzt war die Vizechefin der Fischereibehörde der Kanaren auf La Palma, und hat sich zusammen mit ihren Technikern und den betroffenen Parteien in Tazacorte getroffen. - Das wären die Fischereibruderschaft, die Firma welche die Fischzucht betreibt und die Biologin der "Reserva Marina", die weiter südlich an der Westküste gelegen ist. - Offiziell hat man nichts von dem Treffen an die Presse weitergegeben, wie es heißt, weil man zu dem Thema jetzt noch nichts sagen könne, aber die anwesenden Fischer berichteten sehr wohl, was auf diesem Treffen verlautet wurde. - Demnach gibt man jetzt erst, 7 Monate nach dem Vorfall, eine Studie in Auftrag, welche die Folgen dieser Massenflucht an Fischen untersuchen soll. - Mit einem Ergebnis sei dann nicht vor Jahresende zu rechnen. - Man muss nicht lange überlegen, ob die Fischer denn "amused" waren über diese Ankündigung, war man doch der Meinung diese Studie sei längst in Auftrag gegeben worden. - Was man jetzt versucht ist, so viele der Wolfsbarsche zu fangen wie möglich, um den Schaden in Grenzen zu halten. - Auf dem Markt hier bekommen die Fischer die Fänge aber kaum verkauft, denn die meisten Fische sind zu klein um "gastronomische Größe" zu erreichen, und Hobbyangler und deren Freunde haben längst die Tiefkühltruhen mit Wolfsbarschen voll, die man ohne große Probleme rund um Tazacorte fangen kann. - Sieben Monate braucht man, um die Entscheidung zu fällen eine Untersuchung zu beginnen, wie lange muss es dann noch mal dauern, bis man dementsprechend dann auch Maßnahmen einleitet?

Das Wetter hält nun doch größere Rätsel für uns bereit, nachdem die beiden "Schwergewichter" in der Wetterprognose, die staatliche "AEMET" und das "GFS" komplett unterschiedlich das Montagwetter vorhersagen. - Die "Agencia estatal de Meteorología" sieht ab Sonntagabend die Gefahr von starken Niederschlägen auf uns zukommen, das "Global Forecast System" aber nicht. - Blickt man auf deren Diagramme, dann fällt am Sonntag und am Montag hier kein Tropfen, und ein solch großer Unterschied in der Auswertung, das kommt selten vor. - Allerdings hatten die globalen Kollegen vom "GFS" dieses seltene Phänomen von Niederschlägen im August auf den Kanaren auch schon auf dem Kieker, und auch genau für Montag, nahmen aber diese Prognose je näher wir an diesen Zeitpunkt kamen immer weiter zurück, bis dann gestern die ersten Vorhersagen des "GFS" auftauchten, wo überhaupt keine Niederschläge mehr vorhergesagt wurden. - Der prognostizierte Regen kommt aus Afrika, zieht in einem kühnen Schwung von Süden her über die Kanaren, und landet dann wieder an der marokkanischen Küste. - So die Kollegen der "AEMET" und man hat hier auch bereits zumindest für Tenerife und Gran Canaria Wetterwarnungen dementsprechend herausgegeben. - Jetzt wird es spannend, was denn nun wirklich Sonntagnacht und Montag hier passiert, denn wenn die lokalen Wetterfrösche Recht behalten, dann kann es ungemütlich werden mit starken Schauern bis hin zu Gewittern. - Beide Vorhersagen sind sich aber einig, dass kaum Wind auftreten wird, und das ist die gute Nachricht in der großen Wetterverwirrung die kommenden Tage. - Die drei unteren. Diagramme zeigen zunächst die Niederschlagsvorhersage der "AEMET" für Montag den 16.8. und die beiden unteren Diagramme zeigen die Vorhersagen des "GFS" für La Palma, wo von Regen keine Spur mehr zu sehen ist. - Jeder darf nun seine eigenen Schlüsse daraus ziehen.




"Gefunden" bei der "AEMET"







Die beiden unteren Diagramme sind von der Wetterzentrale "ausgeliehen".




Samstag 14.08.2010 10:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 22 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 46 % - Luftdruck 1016 hPa

Ein Strolch war´s, und nicht der Böller
Waldbrandnachlese in der Kneipe

Zum Löschen gehen Feuerwehrleute erst in den Wald, und dann in die Kneipe. - Das muss überall auf der Welt so sein, und nur die Kollegen rund um Moskau haben wohl in diesen Tagen anderes zu tun. - Hier ist alles gut gegangen, auch wenn es gestern noch mal drei Brände gab, die aber auch wieder bereits im Entstehungsstadium gelöscht werden konnten. - Das Wetter spielt auch wieder mit, und weite Teile der Insel sind auch bereits wieder in atlantische Frische gehüllt, viel schneller als wir und die Voraussagen das erwartet haben. - So sind die Waldbrandbekämpfer auch deutlich entspannter und gönnen sich nach einer normalen 12 Stunden Schicht auch wieder das Feierabendbier, weil die Rufbereitschaft hier für das Aridanetal bereits gestern wieder aufgehoben wurde. - Im Norden sah das gestern noch anders aus, da sind die Temperaturen zwar auch schon gesunken, aber der trockene Wind pfiff da gestern immer noch gewaltig, nachdem die Windrichtung stark auf Nord gedreht hatte. - Wirklich Entwarnung kann man also noch nicht wieder geben, aber die Stimmung unter den Verantwortlichen gegen die Waldbrände ist prächtig, nicht zuletzt, weil man eben diese kritische Situation gestern und vorgestern wohl meisterhaft gehandhabt hat. - So sind die Feuerwehrleute auch voll des Lobes für die Einsatzleitung der "Cecopin", (Centro de Coordinación de extinción de incendios del Cabildo Insular), die wohl über die Jahre endlich effektive Handlungsstrukturen und Befehlsstränge beherrscht, nachdem vor ein paar Jahren diese wichtigen taktischen Grundlagen noch fehlten. - Vielleicht liegt in dieser positiven Bewertung auch ein bisschen Stolz, denn schließlich ist man als Feuerwehrmann auch Teil dieser ganzen Geschichte, aber der Erfolg eben gibt der ganzen Sache einfach Recht. - Die Bevölkerung habe auch prima mitgearbeitet, die Anrufe über Feuer kamen schnell und präzise, so dass eben der Faktor Geschwindigkeit auch voll ausgeschöpft werden konnte. - Dann eben noch die Taktik, mobile Trupps mit Pumpenwagen überall auf der Insel verteilt zu stationieren, damit die Anfahrtswege klein gehalten werden. - Die bereits gestern beschriebene Portion Glück, dass die Brände aber eben gut erreichbaren Stellen ausgebrochen waren, die ließ man auch nicht unerwähnt, und das führt gleich zu dem nächsten, am heftigsten diskutierten Teil des abendlichen Treffens, warum eigentlich diese ganze Feuer immer ausbrechen.

In der Presse kann man nachlesen, dass die Einsatzleitung der "Cecopin" in den meisten Fällen dafür Verantwortungslosigkeit von Verkehrsteilnehmern vermutet, was nichts anderes bedeutet, dass irgendwelche Autofahrer ihre noch brennenden Zigaretten aus dem Auto schnipsen. - Das kann man sich eigentlich gar nicht so richtig vorstellen, dass es solch ignorante Zeitgenossen geben kann, aber die Lage vieler Brände deutet halt einfach darauf hin, weil die Entstehung deutlich den Straßengraben gleich neben dem Fahrweg aufzeichnet. - Diese These gefiel aber nicht allen Feuerwehrleuten so richtig, die meisten vermuten dann doch eher Brandstiftung als Grund, und gerade so, als sei es das absolute Lieblingsthema der Brandbekämpfer, auch für das Feuer letztes Jahr am 30. Juli im Süden der Insel vermutet die Mehrzahl einen anderen Grund, als den von der Umweltpolizei ermittelten, es sei ein Böller einer Fiesta gewesen. - Dieser heftige Waldbrand im vergangenen Jahr beschäftig diese Leute immer noch mehr als alles andere, so beeindruckend muss das damals gewesen sein, dass es keine 20 Minuten gedauert hat, obwohl man gerade von anstrengenden Einsätzen zurückgekommen ist, bis man wieder vom Feuer des letzten Jahres anfing zu erzählen. - Das Feuer soll demnach nicht in verlassenen Gärten unterhalb der Waldzone ausgebrochen sein, sondern wohl im Wald, und Funkenflug später tiefer liegende Flächen erreicht haben. - Zwischen der ersten Meldung des Feuers und dem Eintreffend der ersten Brandbekämpfer lagen zwar nur etwa 12 Minuten, (das ist das Mittel aller Aussagen), aber als die Feuerwehr eintraf, war schon nichts mehr zu wollen vom Boden aus, der Brandherd unerreichbar, die Hubschrauber wegen der Dunkelheit nicht einsatzbereit, und der heftige Wind trug das Feuer in echter Windeseile von Tigalate bis nach Fuencaliente. - So weit könne ein Böller gar nicht fliegen, sagen die Feuerwehrleute, die damals dabei waren, und auch sie vermuten bei dem Feuer letzten Jahres Brandstiftung. - Das aber nicht als offizielle Zeugen oder Sachverständige, sondern einfach nur beim Bier, und zu jedem der es hören will. - Dem entgegen steht natürlich das Ergebnis der monatelangen Ermittlungen der "Seprona", die eben genau diese Böller einer nahen Fiesta ausgemacht haben. - Ich kann mir natürlich kein Urteil erlauben, sondern höre mir einfach alle Seiten immer wieder an, war aber beeindruckt, wie tief sich das Feuer vom letzten Jahr, auch wenn es bei weitem nicht das größte Feuer auf dieser Insel war, in die Gedankenwelt der Feuerwehrleute eingegraben hat. - Allerdings beunruhigt mich auch der Gedanke, dass da draußen irgendein Feuerteufel herumlaufen soll, aber ein anderer Feuerwehrmann hat mir auch mal gesteckt, dass es einfach zum Wesen ihrer Berufsgruppe gehört, immer gleich an Brandstiftung zu denken. - Soll uns auch egal sein, so lange die ihre Arbeit so hervorragend verrichten wie in den beiden letzten Tagen, dürfen die von mir aus denken was sie wollen. - Das dürfen wir ja auch, oder?



Freitag 13.08.2010 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 31 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 5 % - Luftdruck 1018 hPa
Höchsttemperatur heute 33,6 Grad - niedrigste Temperatur 29,5 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 31,9 - Temp. Min 22,0 - Feuchte 5 % Niederschlag 0 mm

Zeitungsschnipsel
Wetter, Kiosk und Vulkankegel

Sieben Brände hat man alleine für gestern gemeldet, die aber allesamt noch von Feuerwehr und Mitarbeitern der Brigaden gegen Waldbrände an einer Ausdehnung gehindert wurden. - Lediglich bei Velhoco bestand kurzzeitig die Gefahr, dass man dem Feuer nicht schnell genug Herr werden könnte, aber weitere eintreffende Kräfte konnten den Brand dann doch noch unter Kontrolle bringen. - Das hat also funktioniert, schnell melden, schnell bekämpfen und auch die Taktik viele mobile Löschtrupps über die Insel zu verteilen ist dabei aufgegangen. - Allerdings hatte man auch das Glück, dass alle Brandherde von der Straße her zu erreichen waren und so schnelle Bekämpfung überhaupt möglich war. - Trotz dieses "Glücks", Chapeau an die Verantwortlichen und die vielen Helfer, die eben gerade für diesen Zweck eingesetzt werden. - Das Wetter ist deutlich angenehmer heute, der Wind hat auch abgenommen, aber die Luftfeuchte bleibt immer noch unter der Nachweisgrenze. - Ich schreibe da nicht 0%, sondern eben deren 5, aber meine Wetterstation meldet immer wenn der Wert unter 10 sinkt einfach nur das Wort "low" und daraus mache ich dann eine salomonische Fünf. - Wie geht es weiter mit dem Wetter? - Die Temperaturen werden weiter sinken, und spätestens am Sonntag dann haben wir unser "normales" Wetter wieder zurück. - Was sich aber hartnäckig hält, das ist eine hohe Regenwahrscheinlichkeit für den kommenden Montagabend, aber nicht mehr in Form eines Gewitters mit Wind aus Südost, sondern mit Wind aus Nordost. - So ganz klar ist mir das noch nicht, wo denn dieses Niederschlagsgebiet so plötzlich herkommt, eigentlich ist alles frei auf dem Nordatlantik, und plötzlich zeigen die Vorausdiagramme plötzlich eine gar nicht mal so kleine giftige Zelle an. - Wir werden das weiter verfolgen und dann spätestens Montag auch spüren.

In Puerto de Naos ist man stinkig auf die Stadtverwaltung, und die gibt den Schwarzen Peter weiter an eine beauftragte Firma. - Ein Büro als Touristeninformation sollte in den Badeort kommen, ob das nun notwendig ist oder nicht, darüber kann man geteilter Meinung sein, aber jeder Service am Tourismus kann doch nur positiv auffallen. - Dafür beauftragte man eine Firma welche solche Fertigstände oder Kioske vertreibt, und als dann das Exemplar für sage und bezahle 43.000 Euro aufgestellt wurde, da gab es sofort härteste Kritik der Einwohner und Gewerbetreibenden des Ortes, denn solch einen hässlichen Kasten hatte man nicht erwartet. - In der Tat sieht das Ding aus wie eine ockerfarbene Tiefkühltruhe mit Klappfenstern und könnte vielleicht als Informationsstand auf einem großen Friedhof stehen, aber bitte doch nicht auf der Promenade des Hauptbadeortes der Westseite. - (HIER geht es zum Fotos, man muss ein bisschen herunterscrollen) - Die Stadtverwaltung reagiert auch sofort auf die Kritik der Menschen aus Puerto de Naos und behauptet nun, dieser Kiosk sei nicht derjenige den man bestellt hätte und ließ das Ding auch gleich wieder abholen. - Allerdings bleibt vorerst offen, ob das Ding wirklich nicht bestellt wurde und ob man nun einen anderen Kiosk dafür bekommt, oder ob die Stadt auf den 43.000 Euro sitzen bleiben wird. - In El Paso gibt es ein ähnliches Problem, da gibt es inzwischen auch einen neuen Kiosk, den so kein Mensch bestellt hat. - Nur war der noch viel teurer und wird im Volksmund immer nur der "Bunker" genannt. - Das ist aber dann noch mal eine eigene Geschichte wert.

Zum Schluss noch mal wieder ein bemerkenswertes Beispiel an Transparenz behördlicher Entscheidungen und die Luftblase von dem Ding, welche Bürgerbeteiligung genannt wird. - Für die Vulkankegel hier im Aridanetal, die von Argual über Los Llanos, La Laguna und Todoque verteilt sind, hat man jetzt eine neue Schutzverordnung erarbeitet. - Die "Consejería de Medio Ambiente y Ordenación Territorial del Gobierno de Canarias" hat das für uns gemacht, und soll die bereits 1987 aufgelegte Schutzverordnung der vier Vulkankegel als Naturdenkmal ersetzen. - Wer etwas dagegen hat, oder überhaupt mal wissen will um was es da eigentlich geht, der hat nun 2 Monate Zeit, seine Einsprüche dagegen vorzubringen. - Allerdings wird das kaum jemanden interessieren, und wer die Pläne einsehen will, der muss auch erst mal nach Tenerife fliegen, denn nur dort sind die Pläne ausgehängt. - Das hat man seinerzeit auch so mit den Genehmigungen für die Asphaltwerke gemacht und alleine schon aus diesem Grund, sollte man da eigentlich mal nachhaken.

Zu guter Letzt noch die gute Nachricht, die Fluglotsenstreik hier in Spanien scheint nun vom Tisch zu sein, man meldet gerade, dass sich die Lotsen und die "AENA", der staatlichen Behörde welche den Flugdienst und die Flughäfen hier betreibt, hätten sich geeinigt. - Noch ist das wohl nicht unterschrieben, aber mündlich haben die Verhandlungspartner bereits den Frieden verkündet. - Das ist sehr gut, denn ein Fluglotsenstreik der hätte dem bereits angeknacksten Tourismussektor in Spanien noch weiter geschadet. - So bestand wohl auch öffentlicher Druck auf der staatlichen "AENA" (Aeropuertos Nationales) aber auch auf den Losten, denn bei der Bevölkerung kam die Streikandrohung der Lotsen gar nicht gut an. - OK, ist vom Tisch.



Freitag 13.08.2010 10:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 30 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 5 % - Luftdruck 1018 hPa

Windige Entspannung
Nur noch 29 Grad

Der Wind pfeift weiter in heftigen Böen über die Insel, aber die Temperaturen sind wie erwartet zurückgegangen. - Waren es gestern Nacht noch 32 Grad, so sind es jetzt nur noch 29 Grad, eine echte Erleichterung. - Mehrere kleine Feuer gab es gestern wohl, wobei die Feuerwehr und die Leute von der "Cecopin" (Centro de Coordinación de extinción de incendios del Cabildo Insular) sofort zur Stelle waren und die Entstehungsbrände löschen konnten. - Von einem Vorfall in Velhoco bei Santa Cruz haben wir noch keine weiteren Nachrichten, aber das bedeutet auch, dass nichts weiter passiert ist. - Man könnte also sagen, dass wir das Schlimmste bereits überstanden haben, aber genau das haben wir im vergangenen Juli auch gemeint und uns dabei so furchtbar geirrt. Wir müssen so weiter aufmerksam bleiben und alles vermeiden was nur irgendwie dazu führen kann, dass ein Feuer bei diesen meteorologischen Bedingungen Ausbreitung findet.

Abseits vom Wetter geschehen auch noch andere Dinge auf der Insel. - Am Sonntag findet ein äußerst empfehlenswertes Spektakel in Barlovento statt, man stellt die Seeschlacht von Lepanto nach. - In Barlovento eine Seeschlacht, was soll das denn darf man ruhig denken, denn diese Gemeinde hat keinen Hafen und schon gar keine marine Geschichte auf ihrem historischen Kalender, und dennoch ist dieses Volksschauspiel eines der aufwendigsten und bekanntesten der Insel. -"Moros y Cristianos" nennt man diese Aufführung und Hunderte von Freiwilligen aus Barlovento aber auch angrenzenden Gemeinden stellen sich als Darsteller zur Verfügung, um dem Ort am Sonntag so richtig was zu bieten. - Das Warum habe ich Ihnen noch nicht beantwortet. - Alle drei Jahre stellt man in Barlovento die Schlacht von Lepanto nach, in der die christliche Flotte 1571 unter der Führung von Juan de Austria die osmanische Flotte Ali-Paschas besiegte. Papst Pius V, erklärte die "Virgen de Rosario" zur Schutzheiligen dieses marinen Kreuzzuges. Die "Virgen de Rosario" ist auch die Patronin des Ortes Barlovento, so entsteht der Zusammenhang zwischen der wenig marinen Geschichte der Gemeinde Barlovento und der Schlacht von Lepanto. Man weiß nicht genau, wann das erste Mal dieses Spektakel in Barlovento stattgefunden hat, sicher ist nur, dass die Aufführungen im gesamten letzten Jahrhundert bereits durchgeführt wurden.

Der kleinste gemeinsame Nenner ist also immer irgendeine Heilige, und schon führt man in einem Bergdorf eine Seeschlacht auf. - Aber das Spektakel ist nicht von schlechten Eltern, die geben sich da richtig Mühe und bauen gewaltige Kulissen auf, um die Zuschauer an diesem Festtag nach Barlovento zu locken. - Wieder ein gutes Beispiel dafür, wie der eigentliche Feiertagsgrund, eben der Tag der "Virgen del Rosario" durch ein Rahmenprogramm in der Bedeutung aufgewertet werden soll. - Das klappt aber hervorragend, keine hundert Mann kämen zu einer Prozession wenn es nur um die Ehrung der "Virgen del Rosario" ginge, aber mehrere tausend Besucher erwartet man am Sonntag in Barlovento, wenn es darum geht, den "Moros" so richtig den Hintern zu versohlen. - Am Nachmittag beginnt die Vorstellung und ich kann allen Besuchern auf der Insel nur empfehlen, am Sonntag nach Barlovento zu fahren und sich diese Vorstellung anzusehen. - Man muss auch keine Angst dann mehr haben wegen der Hitze, das hat sich am Sonntag längst erledigt.





Donnerstag 12.08.2010 10:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 39 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 5 % - Luftdruck 1016 hPa
Höchsttemperatur heute 39,8 Grad - niedrigste Temperatur 30,9 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 43,5 - Temp. Min 29,6 - Feuchte 5 % Niederschlag 0 mm

Ohne lange Unterhosen
Schweißtreibendes Wetter

Die Rekordtemperaturen vom Juli vergangenen Jahres werden wir wohl hier nicht wieder bekommen. - Da hatten wir hier 4 Tage über 40 Grad und an einem Tag gar 44,4. - Bei uns erreichten wir heute nur ganz knapp nicht die 40 Grad, aber es ist nicht nur gut möglich, sondern sogar wahrscheinlich, dass in manchen Zonen El Pasos und in den hohen Regionen von Las Manchas heute weit über 40 Grad waren. - Das kann man einen Tag lang aushalten, was aber nervt, ist der heftige und böige Wind, der mit Geschwindigkeiten von bis zu 90 Stundenkilometer heiße Luft heranträgt. - Dabei entsteht auch das Problem, dass es nachts kaum abkühlen kann, und schlafen bei weit über 30 Grad ist keine angenehme Geschichte. - Das merken besonders alte Menschen sehr, und auch die armen Leute, die heute tagsüber im Freien arbeiten musste, die können einem wirklich Leid tun, wenn die dann nachts auch nicht ausspannen können. - Die Hitze wird auch noch weiter anhalten, wobei heute aber der schlimmste Tag ist, ab morgen rechnen wir bereits damit, dass es angenehmer wird, um dann am Sonntag wieder "normale" Temperaturen zu haben. - Der Wind bleibt aber wohl auch bis Sonntag so garstig, und das macht uns allen Sorgen. - Die Feuerwehr ist ständig unterwegs, die haben alle Ausgangssperre, und die vielen Hundert Mitarbeiter, welche dem Katastrophenschutz unterstehen, und im Falle von Waldbränden eingesetzt werden sollen, die sind auch in Bereitschaft. - Dieses Wetter nämlich fordert Brände geradezu heraus, und man muss höllisch aufpassen, dass nirgendwo ein Feuer entsteht. - In den Bergen und im Wald ist offenes Feuer sowieso schon verboten, aber bei diesem Wind sollte auch kein Anwohner darauf kommen, seinen Gartengrill anzuwerfen, das könnte böse ins Auge gehen. - Und wenn da was passiert, und man kommt darauf wer denn da gegrillt hat, dann wird es teuer und äußerst unangenehm. - Es gibt eine Feuerwehrregel, die nennt sich 30-30-30. Das soll heißen, wenn die Temperatur über 30 Grad liegt, die Luftfeuchte unter 30 Prozent, und die Windgeschwindigkeit über 30 Stundenkilometer, ab da steigt die Waldbrandgefahr überproportional an. - Im Moment haben wir, 40 - 5 - 75, da schaudert gleich jeder Feuerwehrmann und greift automatisch zur Spritze. - Ein Glück haben wir allerdings hier auf der Insel, das Fehlen jeglicher Sommergewitter. - Da unsere Landmasse so gering ist, können im Sommer nur in absoluten Ausnahmesituationen Gewitter entstehen. - Gäbe es Sommergewitter hier, dann würde es unablässig brennen. - Apropos, da war doch noch die meteorologische Störung die Montag kommen soll, wohlmöglich mit Regen und Gewitter? - Die Wahrscheinlichkeit dafür nimmt immer weiter ab, nach jedem Rechengang zeigen die Diagramme des "GFS" eine geringere Neigung, dass uns am Montag solch ein Ausnahmewetter erwischt. - Und das ist gut so, denn jetzt ein Gewitter, und die Insel brennt.

Heute habe ich ja etwas Zeit gehabt, denn im Garten werkeln oder das Haus weiter streichen, das muss ich mir bei 40 Grad nicht antun. - Ich kam jetzt endlich dazu eine weitere Fotogalerie hochzuladen und mit Namen zu versehen, welche einen wunderbaren Ausritt in die Blumenwelt unserer Insel erlaubt. - Bereits bekannte Größen in unserer Galerie, Reimund und Trixi, haben eine bemerkenswert schöne Bildergalerie zur Verfügung gestellt, die auch gleichzeitig noch einen Bildungsauftrag abarbeitet. - Auf 53 Fotos kann die Blumenpracht dieser Insel bewundern, und auch gleich noch lernen, wie dieses oder jenes Pflänzchen heißt. - Da wird sich bestimmt der eine oder andere freuen, dass er endlich Antwort darauf bekommt, was ihm denn hier auf La Palma am Wegesrand noch so ins Auge gestochen ist. - Allerdings steht bei den Aufnahmen nicht die Pflanzenbestimmung im Vordergrund, sondern die Ästhetik, und das ist bestens gelungen. - Ich möchte mich hier so auch noch öffentlich dafür bedanken, dass Reimund und Trixi mir diese vielen Bilder zur Verfügung gestellt haben, die eine absolute Bereicherung unserer Bildergalerie darstellen. HIER geht es in den Botanischen Garten La Palma.





Donnerstag 12.08.2010 10:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 32 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 5 % - Luftdruck 1016 hPa

Der Wind ist da -
- und mit ihm die Hitze

Gestern Abend habe ich Sie angelogen. - Die Höchsttemperatur bei uns war nicht 30,0 Grad, sondern 33,4, aber diesen Wert erreichten wir erst gegen 23:00 Uhr. - Der Wind ist da und vermischt nun unbarmherzig die heißen Luftschichten aus den oberen Zonen mit unserer bislang so nett frischen Meeresluft. - Die Windrichtung bleibt die gleiche, Nordost, aber weil eben das alles bestimmenden nordatlantische Hoch wieder so weit nach Osten gezogen ist, erreicht uns nun auch in den unteren Zonen der heiße Atmen Afrikas. - Eigentlich sollte dieses Wetter erst heute gegen Abend anfangen, aber das Klima schreibt seine eigenen Drehbücher und hält sich eben nicht immer an fromme humane Wünsche. - Die Prognosen rechnen uns die Hitze bis Sonntag vor, und auch den Wind, was keine wirklich positiven Aussichten sind. - Schnuppengucken war somit gestern Abend auch nicht wirklich drin, die Luft war staubig und auf einigen tausend Metern Höhe steht jetzt auch noch eine Wolkenschicht. - Die ist zwar nicht wirklich dick oder stabil, aber es reichte dennoch aus, uns die Tränen des Heiligen Lorenzo nicht betrachten zu lassen. - Heute Nacht soll es ja zu den größten Aktivitäten kommen, was eben den Durchflug der Erde durch den Abfallschweif des Kometen "Swift-Tuttle" angeht und wenn das Wetter so weiter macht, dann wird das auch wieder nichts. - Erfahrungsgemäß lässt der starke Nordostwind im Laufe des Tages nach, und schwillt erst um die Abenddämmerung erneut an, aber man kann auch täglich neue Erfahrungen machen. - Die Katzen lieben dieses Wetter genau so wie wir und machen keinen Schritt mehr vor das Haus. - Klar, die werden auch noch gejagt von ihrem eigenen Trieb jedem raschelnden Blatt hinterher zu jagen und im Moment fliegt auf unserer Terrasse ein mittlerer Mischwald umher. Positiv kann man bei diesem Wetter aber auch noch einflechten, dass alle angesagten Arbeiten natürlich ruhen müssen, keine Wände streichen, kein Garten umpflügen, das alles braucht man heute erst gar nicht beginnen, no hay mal que por bien no venga sagt dazu Kasimiro Normalpalmero. - Es gibt nichts Schlechtes, was nicht für irgendetwas gut wäre, aber man schläft eben nicht gut bei 32 Grad und da ist auch immer noch diese meteorologische Störung, angekündigt für Montag den 16. August, welche uns Gewitter und Regen aus Südosten bringen könnte. - Das ist doch genau der Tag, an dem unsere Tochter aus England wiederkommen soll, und dann solch eine Drohung für diesen Tag! - Meine Frau ist schon leicht hysterisch und denkt daran selbst nach Tenerife zu fliegen, damit unser Kind da nicht alleine darauf warten muss, dass dann irgendwann der Flughafen La Palma wieder offen ist. Aber ich kann sie und Sie da alle nur beruhigen, noch ist es nicht so weit, und auch wenn es, wie zum Beispiel im August 2005 schon mal vorgekommen ist, dass Gewitter und Regen vom westafrikanischen Kontinent bis zu uns vorgedrungen sind, wir müssen noch ein bisschen abwarten, ob diese Drohung über die so weit reichenden Prognosen weiter Bestand haben wird. - Einen hab´ ich noch: Wie nennt man eine intelligente Blondine: Ganz einfach, Golden Retriever. - Das zu unserem Geisteszustand bei dem heißen Wind, den Witz hat mir aber meine Tochter erzählt, und ich habe nur blonde Frauen um mich herum.




Solche Diagramme mit erstaunlicher Trefferwahrscheinlichkeit liefer das Global Forecast System - "GFS". Ansehen kann man sich das unter anderem bei www.wetterzentrale.de




Mittwoch 11.08.2010 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 29 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 35 % - Luftdruck 1013 hPa
Höchsttemperatur heute 30,0 Grad - niedrigste Temperatur 21,0 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 41,4 - Temp. Min 22,6 - Feuchte 5 - 41 % Niederschlag 0 mm

Schnuppen gucken
Wenn es das Wetter denn zulässt.

Irgendwie schaffen wir es immer einen Heiligen in Dinge zu verstricken, die nicht rein weltlicher Herkunft sind. Was für die Astrophysiker banale Abfallprodukte eines Kometen sind, löst bei uns Ungebildeten wohligen Schauer aus, bis hin zu reinster Verzückung. - Heute Nacht soll es wieder besonders heftig gesungen werden, das Lied des Heiligen Lorenzo, was da etwa so geht: "Da! - da! - da! - schon wieder eine - wo? - wo? - wo? - na - da! - da! - da!" (Kann sowohl als Lorenzo-Blues, wie auch als Tuttle-shuffle intoniert werden) Sternschnuppen, hier auch Sternenregen (lluvia de estrellas) genannt, lassen sich auf La Palma bestens beobachten und in diesen Tagen weint San Lorenzo besonders heftig. Der Komet Swift-Tuttle hat seine Überbleibsel im Weltall liegen lassen und die Erde saust nun als gigantischer Staubfänger durch dieses galaktische Müllfeld. Beim Eintritt in die Atmosphäre unseres Planeten verglühen die kosmischen Abfallprodukte und bilden sich am Nachthimmel dann als diese verzückenden Sternschnuppen aus. Jedes Jahr findet das Schauspiel statt, immer Mitte August kann man die Perseiden beobachten, so nennen die Wissenschaftler die Hinterlassenschaften des Kometen Swift-Tuttle. - Gerade diese Tage sollen besonders viele Schnuppen zu sehen sein, allerdings hat uns das Wetter zumindest gestern Nacht einen Strich durch die Rechnung gemacht. - Eine tiefe Wolkenschicht bremste unseren Wunsch nach Sternguckerei und heute ist es wieder heiß geworden, so dass es in den unteren Schichten wieder dunstig ist. - Aber will wollen hoffen, dass heute Nacht die Sicht wieder besser ist, sonst muss man eben oben auf die Berge fahren, um sich die Perseiden anzusehen.

Morgen Abend, also am Donnerstag kann man sich auch von Astronomen beraten die Tränen des Heiligen Lorenzo ansehen, und zwar auf dem Aussichtspunkt am Llano de Jable, wo man vor ein paar Monaten einen "stellaren Aussichtspunkt" installiert hat. - Unter dem Titel "El Taller del Astrónom@" stellt "Astrotour Isla Bonita", eine Vereinigung von Hobby-Astronomen der Insel, dem interessierten Publikum mehrere Teleskope zur Verfügung, damit man die Sternschnuppen noch besser beobachten kann. - Dazu braucht man eigentlich kein Teleskop, und für die frommen und manchmal auch verschwörerischen Wünsche, welche solche Schnuppensichtung doch mit sich bringen auch nicht, aber ist doch nett von den Astronomen, dass die sich um uns kümmern. - Den Llano de Jable findet man ganz einfach, Sie fahren von El Paso aus zum Refugio El Pilar, und ein paar Kilometer vorher gelangt man an weit ausladende Hänge aus Lavagrus. - Dort noch ein paar Meter weiter, genau da wo der Feldweg nach Fuencaliente abzweigt, da ist rechter Hand dieser Aussichtspunkt. - Ich denke aber mal, dass da morgen Abend auch genügend Autos geparkt sind, so dass Sie das nicht verfehlen können. - Die Leute von "Astrotour Isla Bonita" sind von 21:00 - 23:30 dort, und stehen Ihnen mit Rat und Teleskop zur Verfügung. - Wer aber nur die Schnuppen sehen will, der kann das auch überall auf der Insel machen. - Das mit dem Wünschen bei der Sichtung einer Sternschnuppe ist hier genau so: Kurz die Augen zu, den Partner oder Freund an die Hand genommen und kräftig dran glauben. - Man könnte ja nun meinen, nimmt man auch noch die geistliche Hilfe eines Heiligen hinzu, dann muss das ja was werden mit den Wünschen, was mich aber dabei immer kräftig stört, dass man seine Wünschen ja keinem mitteilen darf. - Das ist ziemlich unkommunikativ und kann bei noch jungem Partnerglück auch mal zu Zaudern führen, wenn man dann auf die konspirative Frage, "hast du dir das Gleiche gewünscht wie ich", nicht spontan mit einem umfassenden Ja antwortet. - Da muss man ganz schön aufpassen und deshalb heißen hier so viele Kinder Lorenzo.




Der "Astro Mirador" am Llano de Jable




Mittwoch 11.08.2010 10:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 22 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 58 % - Luftdruck 1015 hPa

Der postbajadsche Blues
Eine Bajada macht noch keinen Sommer

Die Bajada de la Virgen de Las Nieves ist sicherlich das größte Inselfest welches man sich vorstellen kann, und die Magie der Zwerge, sowie die ergreifenden Prozessionen mit der Marienstatue verzaubern Insulaner wie Gäste gleichermaßen. - Aber die Bajada ist auch ein Riesengeschäft, und jeder der versucht seine Artikel oder seine Dienstleistungen irgendwie in diesen Rummel mit hereinzuquetschen. - Dabei kommen zum Teil sogar ganz schrullige Verrenkungen heraus, alles ist Bajada, seien es nun Brötchen, Lokale, die Taxis der Hauptstadt oder einfach nur der Wein. - Überall hat man diese Aufkleber draufgepackt und dann gehofft, mit dem Antlitz der Virgen de Las Nieves verkauft sich dieses Produkt von ganz alleine. - Macht es natürlich nicht, und jetzt, mit ein bisschen Abstand zu den Feierlichkeiten, relativieren sich auch die Versuche im Namen Marias Geschäfte zu machen. - So klagt der "Consejo Regulador de la Denominación de Origen de Vinos de La Palma", also der Weinsittenwächter der Insel, der Abverkauf von Wein sei während der Festlichkeiten nicht so gut gewesen, wie eigentlich erwartet. - Gründe versucht man dafür auch gleich zu nennen und findet diese hauptsächlich bei den schütteren Besucherzahlen von Gästen von der iberischen Halbinsel. - Die Bajada hätte zwar viele Besucher von außerhalb angelockt, aber die wären meist nur ein paar Tage auf der Insel gewesen, und folglich passt dann nicht so viel Wein in den meist gesunden Iberer, als wenn dieser gleich 14 Tage auf der Insel verblieben wäre. - In der Tat leiden wir diesen Sommer schon an Godoschwund, es ist auffällig, wie wenig Festlandsspanier das Inselbild mit ihrer werten Anwesenheit schmücken. - "Godos" nennt man hier die "typischen Spanier", und "godo" ist eigentlich gar kein Schimpfwort, sondern stammt von dem germanischen Stamm der Goten ab, welche ja als Westgoten auch bis auf die Iberische Halbinsel gekommen sind. - Aber die so Betitelten hören es nicht besonders gerne, und genau deswegen sagen wir es auch so häufig.

Aber lassen wir mal diese regionalen Frotzeleien weg, der geringere Weinkonsum ist nicht nur auf die knapperen Touristenströme zurückzuführen, sondern eben auch auf der veränderte Trinkverhalten der Palmeros. - Vielleicht nicht ganz freiwillig ist der Konsum von Alkohol in Gaststätten und auf Festen deutlich zurückgegangen, die extrem häufigen Verkehrskontrollen, und die drakonischen Strafen haben dazu geführt, dass manches Glas hier ungetrunken bleibt, oder die Leute einfach "homedrinking" nach alter bewährter Methode betreiben. - Das sagen ja auch die Gastwirte bereits seit längerer Zeit, es wird einfach nicht mehr so viel getrunken, und wenn man das jetzt mal nicht aus der Sicht der Winzer, Händler und Wirte sieht, dann ist das doch auch gar nicht schlecht. - Da muss man also in der Branche die Erwartungen etwas zurückschrauben, denn die Polizei wird sich nicht von sinkenden Umsatzzahlen aus dem Starktrinkermilieu beschwatzen lassen, doch zukünftig die Leute wieder einfach durchzuwinken. - Und was die sinkenden Besucherzahlen angeht, dieses Thema haben wir ja bereits auf anderen Ebenen ausführlich behandelt. - Da kann man sich dann entweder mit kleineren Brötchen, sprich Umsätzen abfinden, oder dann doch mal das Thema mit dem Export unserer Weine angehen, denn es gibt immer noch einen sehr wunden Punkt in der Branche, wir schaffen es einfach nicht unsere hervorragenden Wein auch außerhalb der Insel zu verkaufen. - Der Punkt dabei ist, dass wir es auch gar nicht ernsthaft versuchen, Marketing war noch nie unsere starke Seite, und ich warte immer noch auf den Tag, wo sich ein paar Bodegas mal zusammenschließen und zum Beispiel auf der Anuga vorstellig werden, und einen Importeur für unsere Weine suchen. - Da kommt die Meldung aus der Winzerfront ganz gelegen, dass auch der Jahrgang 2010 keine Rekordernten bringen wird. - 30% weniger erwartet man in einigen Zonen, das Wetter sei daran schuld und auch aufgetretene Rebkrankheiten. - Bloß nicht wieder einen Weinsee aufkommen lassen, wie das noch in den Jahren 2004 und 2005 war, als man sich durch Rekordernten blenden ließ, und hinterher feststellen musste, dass man Geld nur mit Wein verdient den man verkauft, und nicht einfach nur keltert.



Dienstag 10.08.2010 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 25 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 42 % - Luftdruck 1015 hPa
Höchsttemperatur heute 25,6 Grad - niedrigste Temperatur 19,6 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 37,0 - Temp. Min 15,8 - Feuchte 5 - 70 % Niederschlag 0 mm

Kurz angeknabbert
Klärungsbedarf, Seidenspinner und Seeigelgrippe

Und ist die Kläranlage voll, dann riecht´s nicht mehr so toll. - Es ist immer das gleiche mit den phlegmatischen Kläranlagen, die wollen einfach nicht von selber mitwachsen und müssen erst immer teuer aufgemöbelt werden, damit das, was hinten vom Fortschritt und Wachstum herauskommt, uns nicht gewaltig stinkt. - Wieder mal im Gespräch, eine neue Kläranlage für Puerto de Naos und den gesamten Küstenstreifen bis nach El Remo. - Da hatten wir doch vor Jahren schon darüber gesprochen, zwischen Charco Verde und El Remo sollte eine neue Kläranlage erstellt werden, welche dann die gesamten Abwässer der Zone behandeln soll, einschließlich der vielen Hotels, die da noch entstehen sollen. - Ob der Witz mit den Hotels besser war, oder der mit der Kläranlage, das müssen wir jetzt mal außen vor lassen. - Für beides scheint kein Geld da zu sein. - Die Investoren haben längst die Klammerbeutelkrankheit für weitere touristische Investitionen bekommen und blicken immer häufiger auf unser Nachbarland Marokko. - Da kann man noch ohne Bedenken Zement und Golfplätze in die Wüste klatschen und die stolzen Söhne und Töchter Arabiens arbeiten auch noch für ein Drittel von dem, was wir verdienen müssen, um uns das Brot unter die Butter zu knallen. - Und für die Kläranlage ist auch kein Geld da, weder die Zentralregierung in Madrid zeigt sich zuständig für unseren peristaltischen Überdruck, noch hat die Provinzregierung dafür Gelder im Haushalt, und auch das Wasseramt der Insel ruft ein keckes Nein nach Puerto de Naos.

Seidenspinner scheiden auch was aus, aber das muss nicht in die Kläranlage, sondern man kann wunderbare Stoffe daraus machen. - Die Seidenproduktion auf den Kanaren, und vorwiegend hier auf La Palma gab mal sehr vielen Menschen Brot. - Allerdings verlor man im Kampf gegen die Massenproduktion in asiatischen Ländern bald die Konkurrenzfähigkeit, und heute ist die Seidenproduktion auf La Palma eigentlich nur noch als nostalgisches Spiel vorhanden. - In El Paso gewinnt man aber noch Seide aus den Raupen und durchschreitet dann auch alle Prozesse der Weiterverarbeitung bis hin zur fertigen Krawatte, oder eben den kunstvoll gestickten Accessoires für die typischen Trachten. - Auch kommt es langsam wieder mehr in Mode, sich einige Stücke aus Seide hier fertigen zu lassen, wer was auf sich hält, und die nötigen Gelder dafür im Beutel hat, der lässt sich auch schon mal seidene Vorhänge fürs Schlafzimmer weben oder andere exklusive Textilien. - Diese Arbeit übernehme die Damen von der kleinen Manufaktur "Las Hilanderas" in El Paso, die gleichzeitig das Seidenmuseum in ihren Betriebsräumen beherbergen. - Da steht dann auch groß "Seidenmuseum", Verzeihung, "Museo de Seda" dran, aber eigentlich ist das gar nicht das echte Museum. - Das wird nämlich seit, na ja, vielleicht genau so vielen Jahren bereits eingerichtet und ausgestattet wie Puerto den Naos auf eine neue Kläranlage wartet, es fehlten halt immer noch Gelder das fertig zu stellen. - Nun kommt wieder eine leckere Partie an seidigen Euros, und zwar zusammengebettelt beim Cabildo Insular, der Zentralregierung in Madrid und dem Wirtschaftsministerium des autonomen Gobierno de Canarias. - (Ministerium heißt das eigentlich nicht, sondern Wirtschaftsrat, aber das klingt für Deutsche immer so fremd, deshalb habe ich den Begriff Ministerium verwendet.) - Zusammen sind das 380.000 Euro die da fließen werden und nun verkündet man, dass man es mit diesem Geld endlich schaffen wird, das Museum fertig zu stellen. - Ich hoffe nur, die haben gut nachgerechnet, es gab schon mehrfach die Meldung, mit dem Geld wird das fertig, und immer wieder war das Geld vor dem fertig alle.

Und dann noch eine lustige Meldung von der Weltgesundheitsorganisation. - Die Schweinegrippe ist einen qualvollen Tod gestorben, verhungert aus Desinteresse und weltweiter Ignoranz. - Gut, aber die hat ja auch ihren Zweck erfüllt, die Pharmakonzerne konnten endlich wieder Großaufträge starten und Heerscharen von Experten in wissenschaftlichen Magazinen der RTL 2 Klasse durften über diesen aggressiven Virus unsere Vorstellungskraft beflügeln. - Was machen die jetzt eigentlich alle mit dem viel zu viel eingekauften Impfstoff? - Geht der jetzt über Sonderpostenhändler als Schnupfenspray raus, oder landet als Gleitmittel für Schweine bei der Niederbayrischen Besamungsgenossenschaft? - Vielleicht nehmen uns die Pharmakonzerne den ganzen Tüddelkram auch wieder ab, und basteln aus dem Wirkstoff einen neuen Erreger, falls mal wieder Ebbe im Auftragsbuch der Konzerne herrscht? - Seeigelgrippe soll fürchterlich ansteckend sein, oder Breitmaulnashorninfluenza. - Phantasie ist da gefragt meine Damen und Herren, und die Frage ist sicherlich nicht, ob uns eine neue pandemische Seuche droht, sondern nur eben wann.



Dienstag 10.08.2010 10:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 59 % - Luftdruck 1014 hPa

Vox Populi
Das Archipel der Pessimisten

Früher war alles besser. - Den Satz kennt man ja zur Genüge, wobei das völliger Quatsch ist. - Früher war alles anders, und sicherlich nur manches besser, aber das habe ich Ihnen ja schon oft genug erklärt… Also lassen wir das mit den Volksweisheiten und wenden uns Volkes Stimme zu, die hier auf den Kanaren schon einen beträchtlich nostalgischen Unterton besitzt. - Eine ziemlich repräsentative Umfrage des "Consejo Económico y Social de Canarias" belegt seit Jahren immer wieder, dass alles schlechter wird, und unsere Erwartungen an die Zukunft grauer nicht sein können. - Jedes halbe Jahr wird eine umfangreiche Umfrage gestartet, bei denen zufällig ausgewählte Personen einen gewaltigen Fragenkatalog zu beantworten haben. - Ich habe das im Jahr 2008 einmal mitgemacht, das dauerte fast eine Stunde diese Fragen zu beantworten, und wenn man sich dann das Ergebnis ansieht, dann weiß man auch warum. - Jetzt ist die frischeste Ausgebe der Umfragen veröffentlicht worden, also das erste Halbjahr 2010 und siehe da, wir erwarten weiterhin das alles immer nur noch schlimmer wird. - Der Arbeitsmarkt, die Sicherheit, Erziehung und Gesundheitssystem, überall warten wir auf böse Dinge die uns da noch drohen und man darf dann irgendwann mal fragen, ob es uns denn irgendwann mal wirklich so schlecht gehen wird, wie wir das jedes halbe Jahr aufs Neue voraussagen. - Keine Frage, hört man sich auf der Straße mal um, dann merkt man schon, dass man irgendwie der modernen Zeit nicht besonders traut, und der abgrundtiefe Vertrauensverlust, den man besonders hier in die Politik hat, spielt den pessimistischen Grundgedanken einen Ball nach dem anderen zu. - Fast geht dieser Pessimismus schon in Melancholie über, gewürzt mit einer Prise Selbstmitleid, aber auch der Verdacht eines angeknacksten Selbstwertgefühls kann nicht ganz ausgeräumt werden. - Darüber hinaus ist kollektives Jammern hier aber auch ein Gesellschaftsspiel, fast schon eine Tradition, und wer hier immer mit guter Laune und freudiger Zukunftserwartung herumläuft, der macht sich zumindest verdächtig.

So ganz will man das dann auch nicht alles glauben was man da in den Tabellen und Graphiken zu lesen bekommt, denn eigentlich geht es uns doch gar nicht so schlecht. - Zumindest wenn man das mit blanken Zahlen von Anno Tobak vergleicht, dann geht es uns doch richtig gut. - Die Einkommen sind gestiegen, die ärztliche Versorgung hat sich deutlich gebessert, nie haben so viele Kinder studiert und wenn man sich den Fuhrpark hier auf den Kanaren ansieht, dann könnte man meinen, die Tendenz zum kleinen Drittwagen ist deutlich zu erkennen.- Vielleicht haben wir auch nur ständig Angst, wir könnten all das wieder verlieren, und in den letzten Jahren ist ja tatsächlich so etwas wie eine Krise aufgetaucht, welche unseren Anspruch auf andauerndes Wachstum etwas erschüttert hat. - Dennoch, auch schon vor der Krise haben wir immer darauf gewartet, dass alles schlechter wird, und jetzt am vielleicht unteren Ausgang der Krise, erwarten wir noch schlimmere Dinge. - Glauben Sie uns nicht alles was wir glauben, weil wir uns selbst auch kaum glauben. - Wäre der Satz nicht so verteufelt mehrdeutig, dann könnte man daraus vielleicht so etwas wie einen soziologischen Anfangskurs in mentaler Kanarität daraus basteln. - Vielleicht aber kämen wir uns auch einfach unverschämt vor, wenn wir mit einer rosaroten Brille durch den Alltag laufen, es gehört sich einfach nicht vor anderen, auf glücklichen und zufriedenen Maxen zu machen. - Wenn dir einer vor seiner Krankheit erzählt, dann erfinde schnell eine noch schlimmere, dann fühlt sich doch dein Gegenüber gleicht wieder viel besser, und wenn dir ein anderer erzählt, dass er mit seinem Einkommen kein Auskommen hat, dann lass ihn von deinen enormen Schulden wissen, schon steht dein Visavis wie ein kleiner Krösus da. - Wir trauen uns einfach nicht so richtig glücklich zu sein, auf jeden Fall nicht laut und in der Öffentlichkeit. - Ob es der Vulkan ist, die Muttermilch, oder die Coalición Canaria, ich weiß es nicht so ganz genau, aber wir wollen Sie doch nicht mir unserem ausgesprochenen Glück überfordern. - Die ganze Umfrage samt teilweise überraschenden Antworten gibt es als PDF hier auf Spanisch, oder hier auf Englisch. - Nur mal so im Voraus, die Glücklichsten der Unglücklichen, die leben hier auf La Palma, das kann man da nachlesen…





Montag 09.08.2010 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 22 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 45 % - Luftdruck 1013 hPa
Höchsttemperatur heute 23,8 Grad - niedrigste Temperatur 18,8 Grad

Im Park, da spielt die Musik
Abendliche Konzerte in Los Llanos

Das Chapeau gibt es gleich mal vorab, dann weiß jeder gleich, dass wir uns heute mal nicht in Sarkasmus ergehen. - Der "Parque Antonio Gómez Felipe" ist eine der neuen Attraktionen der Stadt Los Llanos geworden, das steht spätestens seit der Wiedereröffnung des Parks fest. - Ein Augenschmaus, fast kitschig, auf jeden Fall aber verspielt, wird uns da geboten. - Kunstvoll angerichtetes Vulkangestein, Wasserspiele, fast ein botanischer Garten mit bereits altem Baumbestand, das lässt sich hervorragend an, gelungener noch als die "Plaza la Glorieta" in Las Manchas, wo ein deutliches Übergewicht an harten Materialien so ein bisschen die Harmonie stört. - Da hatte man halt den Nachteil eben nicht auf alten Baumbestand zurückgreifen zu können, aber der "Parque Antonio Gómez Felipe" war ja schon mal ein Park, bevor dieser vor gut 20 Jahren geschlossen wurde und dessen Sanierung eigentlich genau so lange gedauert hat. - Mit Unterbrechungen natürlich, immer wieder ging das Geld aus, dann war man sich mit dem Architekten nicht mehr einig und schließlich vor ein paar Monaten schaffte man die Wiedergeburt dieser Parklandschaft. - Nachteil des Parks kann sein, dass er nicht wirklich im Zentrum liegt, aber dieser Nachteil gilt ja nur für diejenigen, die ihn deswegen nicht finden. - Und wer in Los Llanos oder hier im Aridanetal wohl, der weiß natürlich wo dieser Park ist. - Sollte das nicht der Fall sein, dann aufgepasst: An der Straße von Los Llanos nach Puerto de Naos, gegenüber der Stadtpolizei, also nur ein paar Meter nach dem Abzweig.

Um das Glück jetzt noch perfekt zu machen gibt es am Wochenende nun immer Konzerte oder Theateraufführungen im Park, und das noch bis in den September hinein. - Immer Samstagabend kann man nun den Konzertsaal mit dem Park tauschen und dort der tönenden Künste lauschen. - So, jetzt reimt es sich sogar, da wird einem doch noch ganz blümerant vor lauter Muse. - Und Muse braucht Muße und Konzerte beim Sonnenuntergang im Park, das kratzt doch schon langsam an Gesamtkunstwerk was man uns da seitens der Gemeinde Los Llanos die Wochenenden spendiert. - Am 14. August spielt "Ghagó" kubanische Musik, dann am folgenden Samstag den 22.8. bringt "Ziriab" seine jazzige Varianten von Flamenco-Musik, und am 28. August spielt "Buenavá", das soll ein Liedermacher sein, von dem ich allerdings noch nichts gehört habe. - Aber ich bin da ja auch ein Banause und höre schon seit langer Zeit nur noch das, was mir gefällt, oder meine Töchter mich hören lassen. - (Im Moment ist Lady Gaga dran, schon eine gewaltige Steigerung gegenüber diesen Ochsenknecht-Jungs die noch vor einem Jahr dran waren, oder dem Eunuchengesang von Kevin Otter, pardon, Justin Bieber, wie "unsere" Gabi immer zu sagen pflegt.) - Abschluss dieser Konzertreihen ist dann am 3. September die Schlussfeier des V Masterclases de Canto La Palma. - Da wird einem doch richtig was geboten in der Aridanemetropole und schade eigentlich, dass wir erst jetzt davon erfahren haben, denn die Konzerte gibt es schon seit dem 17. Juli. - Besser spät als nie, aber mir sagt ja keiner was…







Parque Antonio Gómez Felipe in Los Llanos




Montag 09.08.2010 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 44 % - Luftdruck 1012 hPa

Die nachhaltige Banane
Gedankenspiele um eine kleine, gelbe Frucht

Ohne Zweifel ist die Banane Fluch und Segen gleichzeitig für diese Insel. - Der Segen liegt ganz klar auf der Hand, oder besser in der Börse, und niemand hier möchte sich auch nur annähernd vorstellen was los wäre auf La Palma, wenn wir auf unsere Einkommensquelle Nummer eins verzichten müssten. - Der Fluch der Bananen ist aber fast ebenso gut sichtbar, großer Land- und Wasserverbrauch, und eben die chemische Keule lasten auch auf den Anbaugebieten. - Nachhaltigkeit läge hier nun zumindest in einer positiven Aufrechnung beider Parameter, und das will nicht immer gelingen. - Allerdings sieht es hier auf La Palma und den anderen Kanareninseln bereits sehr gut aus, was den sozialökonomischen Hintergrund angeht, die Renditen und Gewinne aus dem Geschäft Banane fallen hier auf eine breite Bevölkerungsschicht zurück, und werden nicht, wie in manch anderen Anbauregionen, von wenigen Großgrundbesitzern und Vermarktern alleine aufgesogen. - Ein paar Großkopferte gibt es hier auch, aber der Löwenanteil der exportierten Bananen kommt von kleinen und selbstständigen Landwirten, die über Genossenschaften recht flexibel agieren können. In diesem Aspekt haben wir hier unsere Hausaufgaben gemacht, aber es gibt eben noch mehr Herausforderungen im Streben aus dem Bananenanbau eine nachhaltige Geschichte und vor allem ein Geschäft zu machen. - In Antwerpen fand nun ein Treffen des internationalen "Bananenforums" statt, auf dem Produzenten, Verteiler und auch Vermarkter dieser Früchte über die Einführung nachhaltiger Grundgedanken im Umgang mit dem Massenahrungsmittel Banane diskutiert haben. Hier von den Kanaren nahmen die "Asprocan" (Asociación de Productores de Plátanos de Canarias) und die "UGAP" (Unión de Ganaderos y Agricultores de La Palma) teil, und Letztere sind es nun, welche die dort in Antwerpen diskutierten Themen auch an die Öffentlichkeit hier auf der Insel tragen wollen.

Eine gute Idee, und eben für uns auch mit dem interessanten Gesichtspunkt versehen, dass man hier auf den Kanaren den anderen Produktionsstandorten eben auf der Ebene des sozialökonomischen Feldes ein ganzes Stück voraus sind. - Das alleine reicht aber nicht, um aus einer Monokultur eine nachhaltige Einkommensquelle zu machen, es gibt noch deutlich mehr Faktoren die dabei bedacht werden müssen. - Allem voran der Umweltaspekt, und auch wenn wir hier mit unseren vergleichbar kleinen Parzellen gezielter und effektiver Schädlinge bekämpfen können, es wird immer noch heftig und zum großen Teil auch falsch mit Pestiziden umgegangen. - Anfangserfolge mit breiter Ausbildung der Landwirte um Umgang mit phytosanitären Produkten können nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Bananenanbau eines unserer größten Umweltprobleme darstellt, und vielleicht gleichauf mit der Landschaftsvernichtung durch Siedlungsbau einhergeht. - In dem Zusammenhang prangert man dort in Antwerpen die unvernünftige Sucht nach Massenproduktion an, welche eben dazu führt, dass aus minimalen Flächen maximale Erträge gewonnen werden müssen. - Auch findet bei Bananen in der Regel kein Fruchtfolgewechsel statt, sondern diese Stauden werden immer, und ohne Pause zur Regeneration, auf den gleichen Flächen gezogen, was eben die Ausbreitung spezifischer Schädlinge noch begünstigt. - Das trifft uns hier auf der Insel besonders mit dem Hintergrund, dass eben die genau so diskutierbaren Ausgleichszahlungen der Europäischen Union an unsere Bananenproduzenten nach Kilo abgerechnet werden, und eben nicht nach Anbaufläche. - Da muss dringend umgedacht werden, und anfänglich hat man das auch schon getan, allerdings noch nicht konsequent genug. - Der Faktor Abbaufläche findet bei der Abrechnung der Hilfen nur kleine Berücksichtigung, die produzierten Kilo sind weiterhin maßgebend. - Weiterer angesprochener Punkt in der Diskussion um die Nachhaltigkeit bei der Bananenproduktion zu finden, ist eben der Zusammenhang der Bananen mit anderen Bereichen des Primärsektors. - So glaubt man auch in der Verfütterung sämtlicher Abfälle der Bananenproduktion, und das sind viele, einen guten Weg zu finden unsere gelbe Monokultur nachhaltiger zu machen. - Das wird hier auf den Inseln ja auch bereits praktiziert, eigentlich immer schon, aber das Problem der angewandten Pflanzenschutzmittel wandert ja so auch weiter in die Nahrungskette. - Also führt kein Weg an ökologischen Grundprinzipien vorbei auf der Suche der Nachhaltigkeit bei den Bananen, und das wird eben bei einem solch billigen Massenprodukt ein wirkliches Problem. - Kein Fazit des Treffens in Antwerpen, aber das muss man auch mal bedenken, man muss den Landwirten auch die Chance lassen, ein sauberes Produkt herzustellen, und nicht die Erzeugerpreise immer so weit zu drücken, dass sich nur noch massenhafte und eben mit allen negativen Einflüssen behaftete Produktion lohnt. - Weniger, aber besser, das wäre dabei gefragt. - Alles in allem eine gute Anfangsdiskussion und auch ein bisschen schmeichelhaft für die Kanaren und La Palma. - Nicht, dass bei uns der Bananenanbau bereits eine nachhaltige Freude wäre, aber bei den Problemen, die andere Länder wie Ecuador, Panama oder Kolumbien mit dem Bananenanbau haben, da sind wir Einäugige bereits wie strahlende Nachhaltigkeitskönige unterwegs.





Sonntag 08.08.2010 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 25 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 35 % - Luftdruck 1013 hPa
Höchsttemperatur heute 25,4 Grad - niedrigste Temperatur 19,4 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 34,5 - Temp. Min 17,9 - Feuchte 5 - 43 % Niederschlag 0 mm

Missverstandene Marine Schutzzone
Man kann es eben keinem Recht machen

Seit dem Jahr 2001 gibt es an der Westküste La Palmas, genauer gesagt zwischen etwa Charco Verde im Norden, und La Zamora im Süden der Insel, ein Meeresschutzgebiet, hier eben "Reserva Marina" genannt. - Dieses Schutzgebiet ist noch mal unterteilt in 2 Zonen, wobei die innere Zone "integral" genannt wird, und dort darf man wirklich keinerlei Aktivitäten auf oder unter dem Wasser nachgehen. - In der äußeren Zone aber wohl, allerdings unter starken Auflagen und immer in Absprache mit dem Personal, welches diese Schutzzone von Puerto de Tazacorte aus überwacht. - Dabei geht es auch um Sporttauchen und natürlich auch Fischen. - Registrierte Berufsfischer dürfen dort auch per Boot Fische fangen, allerdings nur mit Haken und Leine, auf keinen Fall mit Netzen. - Auch müssen über die Fänge dort Bücher geführt werden und die Behörde darüber informiert werden. - Sportangeln ist nicht erlaubt, auch nicht in der "gemäßigten Zone". - Allerdings darf dort wiederum von Land aus mit einer Angel pro Person gefischt werden, also so ganz strikt ist die Geschichte auch nicht. - Sinn und Hintergrund der ganzen Aktion ist natürlich in diesem Meeresschutzgebiet die Flora und Fauna sich ohne Störungen regenerieren zu lassen. - Dahinter steckt aber auch der Wunsch, eben gerade für die Berufsfischerei interessante Arten wieder ungestört heranwachsen zu lassen, welche dann später auch außerhalb der Zone wieder der Fischerei zur Verfügung stehen. - Es geht also nicht ausschließlich um Naturschutzbemühungen, die sind in diesem Falle Mittel zum Zweck, sondern darum, für die Berufsfischerei Zonen zu schaffen, wo sich deren Beute in Ruhe regenerieren kann. - Das hört sich dann auf einmal nicht mehr so heroisch an, sondern fast ein bisschen makaber, auf der einen Seite schützt man die Fische vor den Fischern, aber nur aus dem Grund, damit die Fischer in Zukunft auch noch etwas zu fangen haben. - Das hat aber etwas mit Nachhaltigkeit zu tun, die Überfischung selbst ist ja der größte Feind der Fischerei, also muss man dagegen angehen, auch und gerade im Interesse der Fischer.

Jetzt zum 1. August hat man bestimmte weitere Beschränkungen für die Fischerei dort in der Zone erlassen, welche hauptsächlich das Fischen von Land aus regeln sollen. - So darf man jetzt nur noch in der gemäßigten Zone Dienstag, Donnerstag, Sonntag und Feiertag seine Angel ins Wasser halten. - Wollen Berufsfischer nachts auf Beutezug gehen, dann muss das nun vorher mit den Verantwortlichen abgeklärt werden und weiterhin regelt man die Zonen und die Zahl der zugelassenen Taucher erneut. - Keine großen Einschnitte möchte man meinen, man wundert sich ja sowieso, dass überhaupt so viele Aktivitäten dort durchgeführt werden dürfen, aber diese Verschärfung der Bestimmungen hat nun einige Angelsportler und auch die Politik in Fuencaliente aufgeschreckt. - Die dort nur im Süden vorkommende "UPF" (Unión Progresista de Fuencaliente) hat nun in einer flammenden Presseerklärung die Marine Schutzzone grundsätzlich in Frage gestellt, und fordert die Verantwortlichen auf, die verschärften Bestimmungen zurückzunehmen und viele der bestehenden Verbote aufzuheben. - Es wird argumentiert mit Tradition und Kultur, und vergisst dabei grundsätzlich, dass Sportfischerei ausschließlich dem privaten Vergnügen einiger weniger dient, die Aufgabe der Meeresschutzzone aber deutlich höhere Ziele hat. - Man kann das Vorgehen dieser Lokalpartei nur als populistischen Versuch werten, ihre gesunkene Wählerzuneigung mit solchen platten Forderungen gegen ein staatliches Programm wieder aufzubessern. - Dabei hat man den Sinn und den Hintergrund der Marinen Schutzzone überhaupt nicht begriffen, oder es ist denen egal, ob die Fischerei auf La Palma in wenigen Jahren sich selbst die Lebensgrundlage entzieht. - Neben der Unwissenheit steckt halt auch noch viel Misstrauen gegenüber allen staatlichen Programmen die man hier auflegt, und eben aus Madrid direkt gesteuert werden, und kein Lokalfürst hier noch seinen endemischen Senf dazugeben kann.- Dabei schützt diese Zone uns nur vor uns selbst, und wie trotzigen Kindern, gefällt das halt nicht allen.

Über die "Reserva Marina" hier auf La Palma gibt es auch ein Faltblatt mit Informationen auf Deutsch, das man sich als PDF-Datei hier runterladen kann.





Sonntag 08.08.2010 11:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 53 % - Luftdruck 1014 hPa

Die Hoffnung liegt in Weeze
Wie bitte? - Wo? - Was?

Noch nie im Leben vorher gehört, Weeze. - Ein Blick auf die Karte bringt Aufklärung. Nordwestlich von Moers und Oberhausen, südlich von Emmerich, ganz dicht an der holländischen Grenze, da hat irgendjemand einen Flugplatz mal gebaut und von dort ist jetzt auch eine Maschine wöchentlich im Winterflugplan nach La Palma avisiert. - Die Hamburg International, in Zusammenarbeit mit der Condor wird den Vogel fliegen, und dagegen haben wir gar nichts, kennen wir doch diese kleine deutsche Fluggesellschaft bereits von dem Dienst aus Friedrichshafen. - Eigentlich ist das so ein kleiner Flughafen für Billigflieger, und nennt sich so auch etwas fehlfarben "Düsseldorf-Weeze", aber das kann man getrost stecken lassen, korrekt heißt dieser Flughafen nach dem Einzugsgebiet "Verkehrsflughafen Niederrhein" (NRN) oder aber auch schlicht und global, Airport Weeze. - Warum nun ist dieser Flughafen so wichtig für La Palma möchte man fragen, und die Antwort ist ganz einfach, wir brauchen dringend mehr Flieger um den Winterflugplan für die Insel einigermaßen erträglich zu gestalten, nachdem die Condor und auch die Air Berlin unsere Insel für das schlechte Wetter im vergangenen Winter wohl bestrafen wollen. - Nachdem man den Winterflugplan für die kommende Saison rekordverdächtig früh aufgelegt hat, fehlen immer noch viele Verbindungen und langsam werden wir ein bisschen unruhig, ob die beiden Schwergewichtler des Ferienflugverkehrs denn die noch fehlenden Strecken einbauen. - Sollte das nicht mehr kommen, dann wird diese Wintersaison klamm bis lau, um nicht zu sagen grottenschlecht, weil die La Palma Interessierten einfach keine Plätze mehr in den wenigen Maschinen ergattern können, oder wenn, dann eben zu einem Preis, der nur noch Hardcore-Gästen den Flug auf die Insel erlaubt. - Nach dem schlechten Sommer, weil eben auch die Verbindungen vom spanischen Festland stark reduziert wurden, könnte so eine ebenso schlechte Wintersaison folgen, mit dramatischen Auswirkungen auf eine sowieso schon angeschlagene Branche.

Ich höre zwar politisch immer gerne das Gras wachsen, aber ob die Condor und die Air Berlin die noch fehlenden Verbindungen noch nachreichen, das kann ich beim besten Willen nicht sagen. - Da schwirren zu viele Fragezeichen herum. - Die Air Berlin möchte sich ja gerne immer mehr zur Lufthansa Konkurrenz aufschwingen und braucht vielleicht ihre Maschinen um die innerdeutschen Kurzstrecken und internationalen Langstrecken noch besser zu bedienen, und hat dann eben nur noch Randinteresse an solchen drittklassigen Zielen wie das La Palma nun mal ist. - Die Position der Condor dabei kenne ich gar nicht, aber wer eben den letzten Winter erlebt hat, mit sage und schreibe 16 Tagen an denen unser Flughafen wegen schlechten Wetters gesperrt war, und den daraus negativen und auf jeden Fall teuren Folgen für die Fluggesellschaften, der kann sich schon vorstellen, dass man seitens der Betriebswirte der Firmen unseren Flughafen nur noch mit Arbeitshandschuhen anfasst.- Dabei kann man sich eigentlich sicher sein, dass solch ein schlechter Winter nicht gleich mehrmals hintereinander folgt, aber die negativen Erfahrungen sind halt nicht einfach so wegzuwischen. - Als Alternative bleibt für den Gast immer noch der Weg über Madrid, oder eben eine der großen Nachbarinseln, Tenerife oder Gran Canaria.- Letztere, obwohl weiter weg von La Palma ist da immer noch der bessere Weg, weil man eben den Flughafen nicht wechseln muss, wie das leider auf Tenerife der Fall ist. - Dort landen fast alle internationalen Maschinen im Süden der Insel, "Tenerife Sur" (Reina Sofía - TFS) und die interinsularen Maschinen der Binter und Islas fliegen allesamt vom Nordflughafen "Tenrife Norte" (Los Rodeos - TFN) ab. - Das kostet den Umsteiger locker 2 Stunden und eine lange Bus- oder eine teure Taxifahrt, oder aber man nutzt die Fähren die im Süden von Los Cristianos täglich außer Samstag nach La Palma abfahren. - Dann kommt man allerdings auf La Palma erst gegen 22:30 Uhr an und ist dann meist erst gegen Mitternacht in der Unterkunft, modernes und unbeschwertes Reisen geht anders. - Lange schon fordert man nun einen Direktflug vom Südflughafen Tenerifes nach La Palma, besser gesagt morgens einen von La Palma zum Südflughafen, und abends eine Maschine von dort hier her, aber die Regionalfluggesellschaften wollen diese Strecke einfach nicht bedienen.- Diesen Dienst gab es früher nämlich schon mal, aber eben leider mit schlechter Auslastung, und nun traut sich da keiner mehr ran. - Die Politik ist da nun gefragt, und unter Umständen muss man auch mit lockenden Subventionen diesen Zubringer basteln, sonst könnten die Tourismuspläne auf der Insel schneller vorbei sein, als man darüber sowieso lachen wollte. - Aber ich bin mir ja fast noch sicher, dass ein paar neue Flugstrecken aus Deutschland noch dazukommen, und Weeze macht den Anfang und wenn Air Berlin und die Condor merken, dass die Nachfrage groß genug ist, dann schicken die auch wieder mehr Flieger zu uns. -



Samstag 07.08.2010 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 25 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 41 % - Luftdruck 1015 hPa
Höchsttemperatur heute 25,5 Grad - niedrigste Temperatur 18,9 Grad

Fish and Chips unter dem Regenschirm
Kurz belichtet aus allen Himmelsrichtungen

Die Lage dort am Meager Creek bleibt weiter angespannt, auch wenn "unsere" Leute dort noch nicht evakuiert worden sind, sitzen sie dennoch auf gepackten Koffern. - Wir hören inzwischen neben der Arbeit Radio Mountain FM, da gibt es immer wieder neueste Informationen über den Lauf der Dinge dort. - Auch gibt es erste Fotos vom großen Erdrutsch dort, so dass wir uns halbwegs eine Vorstellung von dem machen können was dort passiert ist. - Was man natürlich nicht wirklich nachvollziehen kann, unter welcher Anspannung sich die Leute dort befinden und mit welcher Entwicklung die da zu rechnen haben. - Daumen drücken ist weiterhin angesagt, damit das da alles gut geht und man sich dort die kommenden Tage wieder den, ohnehin schon aufregend genug agierenden Alltag wieder stellen kann.

Außenstelle England meldet Fröhlicheres. - Die sitzen gerade unter einem aufgespannten Regenschirm an der Hafenmole und knabbern ihre 3. Tüte Fish and Chips. - Der Regenschirm bedeutet dabei nicht, dass es regnet, sondern man hat das Ding da ja sowieso immer dabei, und nutzt es nun aus, um die gefräßigen und großen Möwen abzuwehren, welche auch ihren Tribut an den Fischportionen fordern. - Überhaupt, Essen in England, da warnt doch immer jeder davor, aber weit gefehlt, meine große Tochter warnt uns sogar vor, sie habe bereits zugenommen, so lecker schmecken ihr dort die Sachen. - Mir ging das nie anders, ich habe auch immer sehr gut gegessen in England und vielleicht kommt unsere Vorstellung vom schlechten Essen dort ja von den grausamen Hotelbuffets, welche man immer hier in Spanien bereit stellt, wenn man all-inklusive für britische Besucher erwartet. - Meine Rückgedanken an eine Woche Fuerteventura in einem solchen Etablissement brennen mir heute noch grausam in Enddarm und Bauchspeicheldrüse. - In England läuft also alles prächtig, die machen da permanent Programm, so dass für Flausen wie Heimweh oder schlechte Stimmung überhaupt keine Zeit bleibt und wir dürfen uns jetzt wohl schon mal darauf einstellen, dass unsere Prinzessin eher zu Fernweh neigt als zu Heimweh. - Wir denken natürlich auch pragmatisch an den Rückflug und die Androhung vom Streik der Fluglotsen in Spanien. - Allerdings wird ja noch verhandelt und nun meldet man, vor dem 20. August sei nicht mit Ausständen zu rechnen, was dann die Eltern wieder verzückt zurücklehnen lässt. - Wobei mal ganz unter uns, ein Fluglotsensstreik, das wäre das allerletzte was Spanien in diesen schwierigen Zeiten braucht und die Tourismusbranche generell schon schwer atmet. - Aber das wissen auch die Verhandlungsführer der Fluglotsengewerkschaft und scheinen sich so große Hoffnungen zu machen, ihre Forderungen durchsetzen zu können.

Ein bisschen wenigstens muss ich ja auch noch zu La Palma schreiben und da wäre noch hervorzuheben, dass die Autoritäten erneut vor der großen Waldbrandgefahr warnen. - Da es ja in den unteren Regionen der Insel sehr feucht und angenehm kühl ist, könnte man ein bisschen die Vorsicht sinken lassen. - Allerdings herrschen ab 1.000 Meter Höhe nun seit einem Monat bereits Temperaturen von um die 40 Grad tagsüber, die nachts dann auch nur auf an die 25 Grad abrutschen. - Positiv ist im Moment, dass der dritte Risikofaktor für Waldbrände, der Wind noch fehlt. - Das wird allerdings zum kommenden Wochenanfang anders, dann erwarten wir auch wieder mehr Wind, was dann eben die gefährliche "Dreifaltigkeit" des Feuers, Hitze, Trockenheit und Wind, komplett macht. - Also bitte, auf keinen Fall in den hohen Lagen offenes Feuer machen, nicht rauchen im Wald und wer unterwegs ist und auch nur das kleinste Feuer beobachtet, der soll sofort die 112 anrufen und nicht nur hoffen, dass jemand anders das schon gemacht haben wird. - Es reicht doch, wenn die da in Whistler und Pemberton nicht wissen was auf sie zukommt, da muss La Palma nicht auch noch Schlagzeilen produzieren.



Samstag 07.08.2010 10:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 54 % - Luftdruck 1014 hPa

Daumen drücken für Whistler
Sommerloch ohne Tiefe

Gerade gestern Abend haben wir noch überlegt, wie unspektakulär bislang dieses Jahr, oder zumindest dieser Sommer verlaufen sind. - Vermuteten wir, oder vielleicht auch nur ich, dass letztes, und auch Teile des vorletzten Jahres irgendwelche Dinge schief bis schräg gelaufen sind auf La Palma, so hat sich diese "Bauchvermutung" wieder in üblicher Seelenperistaltik aufgelöst. - Keine Angst, ich werde nun weder transzendental, noch stülpt sich eine Empathieglocke über mein Haupt, das liegt mir einfach nicht und mir ist auch sonst Leberwurst näher als Sushi. - Auch wenn die Probleme hier auf der Insel nicht wirklich kleiner geworden sind, wirtschaftlich sogar noch drängender, insgesamt bessert sich die Allgemeinstimmung hier auf der Insel erfreulich, nachdem wir unangenehme Monate erlebt haben. - Das kann man nicht an Fakten festnageln und an keinem Index ablesen, aber die Insel läuft wieder runder als noch vor einem Jahr, und die Leute sind auch wieder auf einem anderen Pfad unterwegs. - Vulkan, schlecht ausgewuchtetes Chakra, oder einfach nur kollektive schlechte Laune, ich weiß es einfach nicht, welche Laus uns da anderthalb Jahre über ein Innenorgan gelaufen ist, aber manchmal war es kaum noch zu ertragen, wie miesepetrig hier der Alltag verlaufen ist. - Viele haben es bemerkt, aber kollektive Depression das lässt ja keiner gelten, also hat man persönliche Gründe dafür gesucht und sicher auch immer gefunden, im täglichen Kampf mit den eigenen Dämonen bietet sich immer Erklärungsüberfluss. - Aber da kann und muss ich so manch einen Zauderer beruhigen, nicht immer sind es persönliche oder private Gründe, warum die Dinge einfach schief laufen oder sogar schief laufen müssen, manchmal sind die Koordinaten auch einfach schon schief auf die Tagesschablone genagelt, und dann kann man einfach nichts mehr machen. - Letztes Jahr kulminierte der ganze Blödsinn ja in den radikalen Waldbrand im Süden der Insel, und zum Jahresende hin sorgte ein eigentlich recht normaler Winter dann auch noch für Erdrutsche und weitere Sauerteigstimmung am zu oft geschlossenen Flughafen, und keiner wollte eine Ende dieser schrillen Begebenheiten sehen noch voraussagen. - Irgendwie ist diese schlechte Stimmung aber wieder von uns gegangen, als wäre ein Fluch von uns genommen worden, und ohne wirklich zu wissen was passiert ist, atmet es sich auf dieser Insel wieder deutlich leichter, als noch vor einem Jahr. - Nein, ich habe nicht getrunken oder mich sonst wie berauscht, außer vielleicht, dass die zweite Tasse entcoffeinierter Nescafe zu stark geraten sein kann.

So blicke ich allerdings mit Sorge nach Whistler, da braut sich im Moment Unheil zusammen, wenn Gabi schon anfängt "Sondersendungen" zu produzieren, dann macht mich das unruhig. - Von Evakuierungen ist da die Rede und mächtiger Ärger droht vom "Meager Creek" und wir wollen alle hoffen, dass sich da die Leute keine nassen Füße oder Schlimmeres holen werden.- Gabi, wir sind bei euch und du weißt ja was wichtig ist, immer zuerst Hunde, Katzen und Männer in Sicherheit bringen, dann wird schon alles gut gehen.



Freitag 06.08.2010 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 24 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 48 % - Luftdruck 1014 hPa
Höchsttemperatur heute 26,0 Grad - niedrigste Temperatur 19,6 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 36,7 - Temp. Min 21,0 - Feuchte 5 - 20 % Niederschlag 0 mm

Der Hafen von San Borondón
Seid verschlungen Millionen

Hier im Aridanetal waren wir immer schon ein bisschen neidisch auf die Hauptstadt. - Seit nun vielleicht einhundert Jahren prosperieren wir hier deutlicher als auf der Ostseite, und in den letzten 15 - 20 Jahren muss man sogar davon sprechen, dass die Region Aridanetal ständiges Wachstum hingelegt hat, wobei die Hauptstadt eher zur Stagnation bis hin zum Verlust von Einwohnern neigt. - Unser Neid kommt nun daher, dass trotzdem fast alle Behörden dort in Santa Cruz liegen, und wir uns, wenn überhaupt, mit Zweigstellen zufrieden geben müssen.- Und dann auch noch die anderen Kisten, das Inselkrankenhaus ist dort auf der Ostseite, der Flughafen und dann eben auch noch der Hafen. - Allerdings hat man sich beim Thema Hafen ja etwas ausgedacht, da wollte man dagegen anstinken, und unternimmt gerade den dritten Versuch aus dem verschlafenen Fischereihafen Tazacorte einen Welthafen für Fähr- und Frachtbetrieb zu basteln. - Der erste und der zweite Versuch, die waren ja irgendwie verständlich, warum soll die Westseite denn keinen vernünftigen Hafen haben, der sich auch dazu anbieten kann, die schweren LKW mit den Bananenladungen zu verschiffen. - Es hat aber auch beim zweiten Anlauf nicht geklappt, die Bananen werden weiterhin über die Cumbre nach Santa Cruz gefahren und von dort verschickt. - Einmal, weil viele Bananen den Umweg über Tenerife machen, und das liegt nun mal anderthalb Fahrstunden näher an Santa Cruz, und darüber hinaus ist der Hafen der Hauptstadt auch im Winter fast immer sicher anfahrbar, was man von der Westseite nicht behaupten kann. - Also werden Frachter der "Superfast" Klasse auch weiterhin von Santa Cruz aus ablegen, auch weil man dort die gesamte Infrastruktur für Lagerung und Logistik einfach schon herumliegen hat, die zum großen Teil auch mit Europäischen Strukturfonds permanent modernisiert worden sind. - Schön wäre es ja schon, wenn man sich den dummen Weg der LKW aus den Bananenanbaugebieten rund um Tazacorte nach Santa Cruz sparen könnte, aber auf der anderen Seite müssten ja dann die Früchte aus der Region San Andrés y Sauces dann auf die Westseite gekarrt werden. - Und bei einem kann man sich sicher sein, nur weil es einen zweiten Frachthafen auf La Palma gibt, deswegen baut man hier nicht mehr Bananen an, geschweige denn, könnte mehr verschicken. - Es ginge also nur darum, das Frachtaufkommen von einem Hafen in den anderen zu verlagern, und da muss man dann schon fragen, wer kann auf solche Ideen kommen und wer glaubt im Ernst daran, dass die Hauptstadt sich das wegnehmen lassen würde. - Mit der übrigen Fracht verhält sich das ähnlich, alle logistisch notwendigen Einrichtungen sind bereits dort in Santa Cruz und auch die beiden Fährschiffe kommen dort an, welche eben auch viel des Frachtaufkommens von und nach La Palma erledigen.

Das ist ja der zweite Punkt der die Verantwortlichen immer bewegt für einen dritten Ausbau des Hafens von Tazacorte zu werden.- Man möchte auch eine Fährverbindung von der Westseite aus haben, doch müssen wir da einfach die Frage stellen, wo soll es denn hingehen? - Tenerife, dafür liegt Tazacorte einfach auf der falschen Inselseite, und sowohl die Fähren von Olsen wie auch von Armas müssen schnell und knallhart kalkuliert fahren um Gewinne zu erwirtschaften, die werden, einfach weil wir das hier so wünschen keinen großen Umweg über Tazacorte nach Tenerife machen. - Da bleibt noch El Hierro als mögliches Ziel, denn in der Tat liegt die Westseite La Palmas näher an El Hierro und diese Fährverbindung hat man ja bereist zwei Sommer lang über praktiziert, übrigens angeregt und subventioniert von der Inselregierung. - Die "Volcán de Tauce", ein moderner "RoRo-Frachter" fuhr die Strecke El Hierro - Tazacorte - Santa Cruz de La Palma und dann weiter nach Tenerife. - Das Schöne für uns war dabei die Möglichkeit eine Inselumrundung von Tazcorte nach Santa Cruz mitzumachen, aber das Fracht- und Passagieraufkommen von El Hierro war katastrophal gering, so dass es keine weiteren Bemühungen von irgendeiner Seite gab, solch eine Linie wirklich aufzulegen. - Marktwirtschaftlich geht das nicht, es gibt dafür keinen Bedarf, das Verkehrsaufkommen zwischen El Hierro und La Palma ist dermaßen gering, dass man nicht mal mehr einen kleinen Flieger mit 40 Sitzplätzen dorthin schickt, und sicher keine Fähre. - Die Bemühungen also den Hafen von Tazacorte zu einem Fracht- und Fährhafen werden zu lassen, die sind gescheitert, und das wusste man eigentlich bereits nach dem zweiten Ausbau, umso unverständlicher kommt jetzt eben die als dritte Ausbaustufe betitelte Erweiterung. - Für Kreuzfahrschiffe ist Puerto de Tazacorte auch uninteressant, wo will man denn die 2.000 Passagiere hinschicken? - Einmal zum Strand und wieder zurück?

Was bleibt, das ist der Fischerei- und Sporthafen. - Wobei die paar Fischerboote sowohl mit der ersten, wie auch der zweiten Ausbausstufe schon allemal bestens untergebracht sind. - Nun aber interessiert nur noch der Sporthafen, und dafür gibt die EU eigentlich keine Subventionen, deswegen wird das Ganze ja auch als Fähr- und Frachthafen getarnt. - Noch witziger dabei ist ja auch der Hintergrund, dass der gesamte Hafenbetrieb wie auch die gesamte Infrastruktur des Hafens von Tazacorte inzwischen von der privaten Firma "Satocan" übernommen wurde. - Die bauen die Infrastruktur des Hafens noch kräftig aus, mit Geschäften und solchen Kinkerlitzchen, dass man zukünftig nur noch gegen eine Gebühr dort parken kann, und im Gegenzug erhalten die dann die Liegegebühren und die Mieten von den Geschäftsleuten, welche die Gewerbebetriebe in dem Hafen dann nutzen wollen. - Somit muss man ja fürchten, dass die EU-Subventionen einfach nur dazu nutzen, einem privaten Betreiber eines Sporthafens beste Bedingungen zu unterbreiten, und eben nicht mehr wie ursprünglich mal angedacht, Wohlstand und Arbeitsplätze durch die Schaffung eines gewerblichen Hafens zu bringen. - Und bitte, das alles wussten wir spätestens nach der zweiten Ausbaustufe, bei der die Mole sogar noch Architekturpreise erhalten hat, die jetzt im Zuge der Erweiterung wieder abgerissen wird. - Solche Fehlplanungen kommen leider immer wieder vor, und auch habe ich grundsätzlich nichts dagegen, wenn man uns Geld auf die Insel schickt, damit hier über 2 oder 3 Jahre Arbeitsplätze entstehen, nur ist das dann mit der Begründung halt so eine Sache und man fragt sich wirklich, ob solche Summen von 50 - 70 Millionen Euro nicht sinnvoller in die Inselvolkswirtschaft gepumpt werden können.- Es haben sich auch schon mehrere Europaabgeordnete für diesen Hafen interessiert, allerdings ist ja bereits alles längst unterschrieben und der Baubeginn läuft, so dass man eigentlich auch gar nichts mehr stoppen kann. - Umweltbedenken gibt es auch wenige, man verlängert die Mole ja nur, und dort war immer bereits ein Hafen.- Interessant aber ist nun schon, die Reaktion eines Europaabgeordneten, der sich immerhin die Mühe gemacht hat, auf das Schreiben eines besorgten Europäers zu reagieren. - Die Antwort besingt eben die hier auch für den Ausbau genannten Gründe, beweisen damit aber schon, dass niemand aus der EU sich die Arbeit gemacht hat, hier vor Ort die wirklichen Bedingungen zu prüfen. - Den Namen des Abgeordneten lasse ich mal außen vor, hier aber nun ein Auszug der Übersetzung, denn die Antwort war auf Englisch verfasst:

Sehr geehrter Herr xxxxxxxxxx, anbei die versprochenen weitergehenden Informationen zum Thema Subventionskontrolle bei einem EU-geförderten Projekt auf der Insel Gran Canaria. Sie finden im Anhang eine Zusammenfassung der wirtschaftlichen Aussichten für Tazacorte durch den neugebauten Hafen von der Generaldirektion REGIO der EU-Kommission.

Laut GD REGIO bestehe durch das Bergmassiv nur eine unzureichende Verbindung von Tazacorte mit der östlichen Seite der Insel, auf der der bisher einzige Hafen der Insel (Santa Cruz de la Palma) liegt. Daher bedeutet der Hafen essentielle infrastrukturelle Verbesserungen. Von dem dadurch ermöglichten Wirtschaftswachstum erhofft man sich positive Auswirkung in Bezug auf die hohe Arbeitslosigkeit von 25% auf der westlichen Seite der Insel. Außerdem sollen neue Verbindungen zu Nachbarinseln geschaffen werden, durch die Einführung regelmäßiger Seeverbindungen, die sowohl den Transport von Gütern als auch von Passagieren einschließen. Momentan ist der Hafen zu 80% einsatzfähig, da zur Zeit ein neuer Deich geschaffen wird. Ansonsten ist das einzige, was die Effektivität des Hafens einschränken kann, stürmisches Wetter, welches die Schifffahrt beeinträchtigt.

Ich hoffe, Ihnen mit diesen Informationen geholfen zu haben.

Mit freundlichen Grüßen xxxxxxxxx





Die "Volcán de Tauce" im Hafen von Tazacorte, 2006




Und wenn der "Blanke Juan" kommt?





Freitag 06.08.2010 09:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 65 % - Luftdruck 1013 hPa

Arbeitscalima
Dicke Luft in Los Llanos

Das Wetter ist seit ein paar Tagen aufmüpfig, und kann sich gar nicht so richtig entscheiden, ob man denn nun auf Sommer machen soll oder nicht. - In den unteren Luftschichten staut sich so viel Feuchtigkeit, dass man tagsüber den strahlenden Sommerhimmel vermissen will. - Der fehlende Wind trägt hierbei die Hauptschuld, ohne diesen Wind lässt sich die Sperrschicht auf etwa 1.000 Meter Höhe nicht auflösen, und so bleibt die feuchte Luft eingesperrt in den unteren Regionen. - Was die Fotografen zur Verzweiflung treibt, hat aber einen sehr positiven Nebeneffekt, die Temperaturen bleiben angenehm frisch, weil die heiße und trockene Luft aus den oberen Schichten einfach nicht nach unten gelangen kann. - Das vergisst man dabei immer schnell, wenn man strahlenden Sonnenschein fordert hier auf dieser Höhe, dann muss man auch die entsprechende Hitze dabei in Kauf nehmen. - Mit Calima hat die augenblickliche Wettersituation überhaupt nichts zu tun, oben ist das Wetter Afrika, und unten Atlantik, und wir sollten froh sein, in dem etwas dunstigen Atem des Atlantiks zu stecken.

Dicke Luft herrscht trotzdem in Los Llanos, aber das hat eher was mit dem verkorksten Arbeitsklima im Rathaus der bevölkerungsreichsten Gemeinde zu tun. - Auch schon unter dem alten Bürgermeister Juan Ramón Hernández gab es zahlreiche Konflikte zwischen dem reichlich vorhandenen Personal der Gemeinde und dem politischen "Korps", mit dem neuen Bürgermeister aber, mit Juan Ramón Marin scheint die Situation aber zu eskalieren. - Nicht nur, aber besonders die Lokalpolizei ist besonders sauer auf die Verwaltung. - Ging es doch ursprünglich mal über nicht bezahlte Ausgleichsstunden für Sonn- und Feiertagsarbeit, die mal versprochen wurden, dann aber wieder zurückgezogen, so ist das Klima heute derart vergiftet, dass man eigentlich gar nicht mehr miteinander spricht und den persönlichen Kontakt meidet. - Zwei wilde Streiks in Kleinstformat gab es da noch, die dann zu personellen Konsequenzen führten und mit der Suspendierung von 6 Polizisten den Höhepunkt fand, bis ein Gericht diese temporären Suspendierungen wieder rückgängig machte. - Aber eben auch andere Bereiche im großen Angestelltenpool der Gemeinde fühlen sich schlecht behandelt, und als Folge davon stieg der Krankenstand innerhalb der Gruppe der Gemeindeangestellten auf einen Höchststand an, der einmalig in der Geschichte der Gemeinde war. - Die Vermutung liegt nun nahe, dass viele dieser Krankschreibungen eher durch große Unlust und Frustration geleitet werden als durch wirkliche Krankheit, und der Bürgermeister reagierte darauf hin nicht mit einem Versuch das Arbeitsklima zu verbessern und dieser Frustration mal auf den Grund zu gehen, sondern der setzt nun Inspektoren auf alle Angestellten an, welche sich krank gemeldet haben. - Es gibt tatsächlich eine Gruppe von Inspektoren der Provinzregierung, welche genau dafür ausgebildet wurden, und eigentlich routinemäßig bei Beamten und öffentlichen Angestellten stichprobenweise die Krankmeldungen prüfen.- Nun aber sind diese Inspektoren exklusiv für die Untersuchungen nach Los Llanos geholt worden, und wenn man dem Bürgermeister glauben kann, dann haben die bereits auch erfolgreich gearbeitet. - Nicht etwa, dass die Simulanten gestellt hätten, die zwar krankgeschrieben sind aber dennoch in ihrem Garten Gemüse pflanzen, aber der Krankenstand sei mit dem Auftauchen dieser Inspektoren plötzlich aber nicht ganz unerwartet wieder deutlich gesunken.- Süffisant berichtet man auch von dem Umstand, dass genau an dem Tag, als die Inspektoren ihren Dienst in Los Llanos aufgenommen haben, plötzlich 6 Angestellte nach einer Wunderheilung wieder zur Arbeit erschienen. - Die Wahrheit liegt allerdings irgendwo in einer nicht zu definierenden Mitte.- Auf jeden Fall ist der eingeschlagene Weg der falsche, wer seine Angestellten nur noch unter Strafandrohung zur Arbeit bewegen kann, der sollte sich mal grundsätzliche Gedanken zu seiner Personalführung machen. - Solch dicke Luft die tut auf lange Sicht keinem gut und den eigenen Angestellten Inspektoren hinterher zu schicken, ob die nun wirklich krank sind, das erinnert eher an neoliberale Auslegung von Mitarbeiterführung, als an eine moderne Gemeinde, welche für öffentliche Aufgaben und zum Gemeinwohl tätig sein soll.



Donnerstag 05.08.2010 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 26 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 43 % - Luftdruck 1013 hPa
Höchsttemperatur heute 26,9 Grad - niedrigste Temperatur 20,5 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 39,8 - Temp. Min 23,9 - Feuchte 5 - 34 % Niederschlag 0 mm

Quergelesen
Was die Tagespresse so hergibt

Keine Parkplätze am Krankenhaus. - Was denn da nun hin soll, oder ob die Parkplätze nun bald wieder geöffnet werden, so ganz verstehen wir das immer noch nicht. - Auf jeden Fall erklären uns nun nach und nach alle Beteiligten an dem Schildbürgerstreich, dass jeder alles richtig gemacht hat und Schuld überhaupt nur die Anderen haben.- Heute ist die Krankenhausleitung dran uns zu erklären, dass es nicht die Sache des Krankenhauses ist für Parkplätze zu sorgen, sondern man sich ausschließlich damit beschäftigt, dass die Arbeit im Krankenhaus funktioniert. - Gut, prinzipiell ist es mir auch wichtiger, dass dort gute Ärzte Dienst tun, als dass ich einen schönen und bequemen Parkplatz benutzen kann, aber so ganz kann man sich doch da auch nicht heraus stehlen aus der Verantwortung, denn die Infrastruktur rund um das Krankenhaus lässt sich doch nicht vom Betrieb völlig entkoppeln.- War ist wohl auch, dass es immer hieß, das Gelände wo der Parkplatz bis zum 1. August war, das überlässt die Gemeinde dem Krankenhaus übergangsweise, bis eine endgültige Lösung gefunden ist. - Und da die Verwaltung sich nie um ein neues Terrain bemüht hat, verlässt man sich halt darauf, dass diese Vereinbarung ewig gilt. - Patienten und Besucher des Krankenhauses, die interessieren keinen, wie schade. - Aber es gärt inzwischen schon mächtig bei den Nutzern der Klinik, die nun mehrmals um den "Pudding" fahren müssen, keinen Stellplatz finden um dann schließlich auf dem alten Flughafen ihr Auto abzustellen.

Die gute Meldung. - Die Arbeitslosenzahl auf La Palma ist im Juli gesunken, und zwar dieses Mal sogar spürbar. - Gegenüber dem Vormonat sank die Zahl der Arbeit suchenden Personen um 2%, was in blanken Zahlen 198 Menschen ausmacht, die im letzten Monat Arbeit gefunden haben. - 9.381 Menschen sind nun auf La Palma noch arbeitslos, was einer Quote von knapp 25% der aktiven Bevölkerung entspricht. - Im Juni dieses Jahres waren es noch 9.575, da hat sich also wirklich etwas bewegt.- Allerdings nimmt bei uns die Arbeitslosigkeit im Sommer immer etwas ab, so dass man vorsichtig sein muss, gleich von einer Trendwende, oder gar einem Ende der Massenarbeitslosigkeit zu sprechen. - Vergleicht man die Zahlen des Juli 2010 mit dem gleichen Monat des Vorjahres, dann bleibt da nämlich immer noch ein unangenehmer Anstieg der Arbeitslosenzahlen stehen. - Juli 2009 waren 8.920 Menschen ohne Arbeit, Juli 2008 7.385 und wieder der gleiche Monat im Jahr 2007 zählte man 5.984 Arbeitslose auf einer Insel mit etwa 85.000 Einwohnern. - Dieser Trend ist halt noch nicht gebrochen, aber man kann bereits eine Kurve zeichnen, welche deutlich macht, dass der rasante Anstieg gebremst ist und man inständig hofft, die magische Zahl von 10.000 Arbeitslosen doch nicht zu erreichen. - Dennoch möchte ich immer wieder auf einen Vergleich zu den beiden östlichsten Inseln hinweisen, Lanzarote und Fuerteventura. - Dort haben sich die Zahlen der Arbeitslosen vom Jahr 2000 bis heute etwa verachtfacht, hier auf La Palma aber "nur" verdoppelt. - Aber auch von dort meldet man für den Juli einen sanften Rückgang gegenüber dem Vormonat gemessen, es besteht also noch Hoffnung. - Nur auf einer einzigen Kanareninsel ist die Zahl der Arbeitslosen in diesem Monat nicht gesunken, sondern angestiegen, nämlich auf El Hierro. - Dort stieg die böse Zahl von 861 auf 863 Menschen die Arbeit suchen, und wer die beiden Lümmel sind, welche der Insel den ganzen Schnitt versauen, das wird man dort auf der kleinen Insel sicherlich schon herausbekommen haben.

Was es sonst noch zu berichten gibt, die Sonne scheint, meine Tochter hat bereits angerufen, Paul ist zu doof Mäuse zu jagen und heute bleibt die Küche kalt, wir gehen in den Omawald.



Donnerstag 05.08.2010 10:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 21 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 63 % - Luftdruck 1013 hPa

Gipfeltreffen
Besucherzentrum auf dem Roque wieder im Gespräch

Seit 1987 verspricht man uns ein Besucherzentrum auf dem Roque de Los Muchachos, welches natürlich einen direkten Bezug zu der dortigen Arbeit der astronomischen Einrichtungen des "IAC" (Instituto Astrofísico de Canarias) haben soll. - Keine Frage, der große Komplex der astrophysikalischen Beobachtungsstationen auf unserem höchsten Berg ist ein großer touristischer Magnet, und man könnte diese Attraktion noch deutlich verbessern. - Aber nicht nur für die Inselgäste wäre das eine interessante Geschichte, sondern auch für die Bewohner der Insel selbst, beklagt man sich hier doch öfter, dass wir gar nichts von den vielen Observatorien auf dem Berg haben. - So stimmt das natürlich nun auch wieder nicht, denn alleine unser Ruf, als führender europäischer Standort in der Beobachtung des Sternenhimmels, beschert uns positive Presse und Image. - Allerdings können wir bislang nur an den Tagen der Offenen Tür den Besuchern auch wirklich etwas von der Arbeit der Wissenschaftler dort zeigen, den Rest des Jahres, und besonders im Winter, wenn diese Insel hier Hauptsaison hat, da gibt es keine Möglichkeit sich näher über die Arbeit der Astrophysiker zu informieren. - Und noch ein Punkt kommt hinzu, nach sehr langer Anfahrt möchte man vielleicht dort oben auf dem höchsten Berg auch ein wenig Rast machen, vielleicht sogar eine Rast mit Kaffee, Kuchen oder sonst was, es muss ja nicht immer gleich Currywurst sein, aber der weit gefahrene oder auch gewanderte Besucher findet dort ja noch nicht mal ein Toilettenhäuschen vor. - Vor 23 Jahren, als man das Gelände dort oben dem "IAC" zur Verfügung stellte, da muss es ein Missverständnis gegeben haben, denn unsere reichlich bis ziemlich erlauchte Inselregierung scheint in diesem fast Viertel Jahrhundert immer davon ausgegangen zu sein, dass sich das Instituto um ein solches Besucherzentrum kümmern muss und man auch davon ausging, das die das eben vor 23 Jahren versprochen haben. - Haben sie nicht, da muss man halt immer aufpassen, wie so etwas formuliert wird, Sie kennen das doch auch noch, "Die Rente ist sicher" - "Alle reden vom Wetter, wir nicht" und so weiter.

Verstanden hat man nun seitens der Inselregierung, dass das "IAC" gar nichts macht, außer die Ideen zu geben und die wissenschaftliche Beratung beisteuern wird, wenn dieses Besucherzentrum denn mal entstehen sollte. - Die Gemeinde Garafía macht auch nichts, außer dass sie das Gelände dazu gibt, denn genau dieser Teil des nördlichen Kraterrandgebietes gehört zu der Gemeinde Garafía. - Übrig bleibt die Inselregierung, und die hat nun versprochen, sich intensiv um die Finanzierung zu bemühen. - Es gab nämlich ein Gipfeltreffen, nicht auf dem Gipfel, aber immerhin trafen sich unsere Inselpräsidentin, begleitet von der Tourismusrätin mit dem Präsidenten des "IAC" und dem Bürgermeister von Garafía zu einem "fruchtbaren" Gespräch, und wenn man die Pressemeldung so liest, dann könnte man eigentlich auch von einem Durchbruch sprechen, und dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, wann denn nun dieses Besucherzentrum auf unserem höchsten Berg auch entsteht.- Wären da nicht diese Formulierungen, bei denen jedem erfahrenen Beobachter gleich wieder die Synapsen glühen, und zwar in der Bauchgegend, da wo man auch das Gras wachsen hört. - Da ist von einem Ideenwettbewerb zu hören, was nichts anderes bedeutet als, man hat noch nicht die geringste Vorstellung von dem, was man da eigentlich auf dem Berg machen will. - Auch spricht man von Modulen, in welchen diese Einrichtung entstehen soll, was nichts anderes heißt, dass man sich bereits vor der Ideenaufnahme dazu entschieden hat, Stückwerk zuzulassen, und wenn man ausspricht, dass diese Einrichtung ausbaufähig sein soll, dann traut man dem eigenen Fähigkeiten zur Finanzierung nicht besonders viel zu. - Und überhaupt, man hat ja nur garantiert, dass man sich um die Finanzierung bemühen will, und das heißt ja nun sicherlich nicht, dass man das Geld schon in den Händen hält. - So bleibt die Frage nach dem Wann auch weniger als unbeantwortet, "en un tiempo razonable" was eigentlich "in einem vernünftigen Zeitrahmen" heißt, aber "keine Ahnung" bedeutet. - Der Präsident des "IAC" war da noch ausdrucksstärker im Nichtssagen, der kündigte das Besucherzentrum für "pronto" an, also für "bald", und das nach 23 Jahren intensivster Bemühungen. - Ganz ohne Polemik jetzt, es ist nicht einfach in diesen Zeiten ,Geld für solche Geschichten aufzutreiben und das wird noch ein steiniger Weg, aber es wäre doch deutlich geschickter erst dann an die Öffentlichkeit zu gehen, wenn man irgendetwas Handfestes hat, und nicht nur die Hundertste Absichtserklärung.





Mittwoch 04.08.2010 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 27 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 39 % - Luftdruck 1014 hPa
Höchsttemperatur heute 27,4 Grad - niedrigste Temperatur 20,0 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 40,1 - Temp. Min 23,6 - Feuchte 5 - 35 % Niederschlag 0 mm

Und tschüüüs
Bis 2015, Jungfrau vom Schnee

Morgen wird die beliebteste Dame der Insel wieder zurück in ihre Wallfahrtskirche gebracht und damit ist die "Bajada de la Virgen de Las Nieves" vorbei.- Aus diesem Grund ist morgen auch auf ganz La Palma Feiertag, der "Día de la Virgen". - Gegen 08:00 Uhr geht es bereits mit dem Auszug aus der Kirche "Matriz de El Salvador" los, und über mehrere Stationen geht es dann wieder hinauf nach Las Nieves, wo die Dame dann für die nächsten 5 Jahre wieder ihre Ruhe haben wird. - Damit endet hier auf der Insel, und natürlich allem voran in unserer Hauptstadt Santa Cruz die "Mutter aller Feste" und man wird noch lange darüber zu reden haben. - Im Großen und Ganzen ist alles sehr gut gegangen, keine aufregenden Ereignisse haben den Ablauf dieser nur alle 5 Jahre stattfindenden Feierlichkeiten unterbrochen, und so sind auch alle reichlich zufrieden, welche mit dem Gelingen der Fiesta irgendwie was zu tun hatten. - Positiv ist dabei wieder mal unser Busunternehmen aufgefallen, die Kooperative "Tranportes Insular", welche an den vielen großen Tagen mit Konzerten oder Sonderveranstaltungen mit Nachteinsätzen diese Feier auch den Besuchern aus anderen Teilen der Insel zugänglich gemacht hat. - Da spielt es dann auch keine Rolle, dass man für die Nachtfahrten, die zum Teil bis 04:00 morgens gingen, ab Mitternacht dann 4 Euro für die Busfahrt genommen hat, anstatt deren 2 Euro, man war einfach nur froh, nicht mit dem eigenen Auto angereist zu sein.- Sei es nun wegen der überaus chaotischen Parkplatzsituation in der Hauptstadt, oder einfach auch, weil man sich zum Fest auch ein oder mehrere Schlücke geistiger Frohsinnsbeschleuniger gönnen wollte. - Viel Polizei war unterwegs, für manche gar zu viel, das wird auch noch berichtet, und eben auch die umstrittene "Prätorianergarde" der Provinzregierung, die neu gegründete "Policía Autonómica Canaria", welche hier auf La Palma ihren bislang einzigen Einsatz nun auch abschließen konnten. - Dabei kann auf Großveranstaltungen eigentlich gar nicht zu viel Polizei sein, und man muss dann auch einmal die Gegenfrage stellen, wer kritisiert eigentlich, dass "zu viel" Polizei anwesend ist.

Negatives gibt es auch, allerdings bei weitem nicht in dem Maße wie es Lob über die Organisation der Bajada gibt. - Gemeckert wird, und wohl auch mit Recht, über das Nichteinhalten der Zeitpläne bei vielen Großveranstaltungen, und besonders bei den Zwergentänzen, wo man irgendwann bei über zweieinhalb Stunden Verspätung angekommen war. - Das gab dann ein riesiges Gedränge, weil eben Zuschauer für gleich mehrere Vorstellungen dort auf den Straßen warten mussten, um endlich "ihre" Vorstellung besuchen zu können - Und eben auch der spätere öffentliche Auftritt der Zwerge auf den Straßen verzögerte sich dann um drei Stunden, und endlich gegen 04:30 tanzten die Zwerge auf den Straßen. - Da aber waren die letzten Busse gerade abgefahren, und so erfüllte sich für viele Zuschauer der Traum nicht, die Zwerge einmal tanzen zu sehen. - Auch entstand durch die Verspätungen oft ein ziemliches großes Verkehrschaos wenn die Halter der Autos ihre Wagen wieder aus dem Parkhaus fahren wollten.Da hat man geschlafen und nicht dafür gesorgt, eine schnellere Abwicklung für die Ausfahrt aus dem Parkhaus zu organisieren. - Daran wird man arbeiten müssen, aber Verspätungen gehören bei uns eigentlich wohl zum Alltag, und werden deshalb auch immer noch als Kavaliersdelikt hingenommen. - Eine allgemeine Kritik steht da auch noch im Raum, aber nicht nur bei dieser Ausgabe der "Bajada de la Virgen", manche Traditionalisten beklagen das große Übergewicht der Rahmenveranstaltungen, die eigentlich überhaupt nichts mehr mit dem klerikalen Hintergrund dieser eigentlichen Wallfahrtsveranstaltung zu tun haben. - Aber man hat halt ein Volksfest daraus gemacht, und die Kirche an sich kommt gut damit klar, dass weltliche Vergnügen mit allen Ausschweifungen solche christlichen Traditionen begleiten, schließlich erhöht das ja auch die Zahl der Teilnehmer an diesem eigentlich kirchlichen Fest. - Morgen früh nun beendet die "Subida de la Virgen" dieses rauschende Fest in Santa Cruz, dessen Rahmenprogramm mit einem Fußballturnier bereits im Mai begonnen hat, so zumindest meldet es das offizielle Programm der Bajada. - Danach war in der Hauptstadt "alles Bajada" und vielleicht tut uns nun ein bisschen Alltag auch mal wieder ganz gut.



Mittwoch 04.08.2010 09:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 21 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 60 % - Luftdruck 1014 hPa

Krankenhaus ohne Parkplätze
Und keiner hat Schuld

Die Krankenhausleitung gibt sich unwissend, die Inselregierung verweist auf die Gemeinde Breña Alta, und die sagen, dass man jahrelang die Krankenhausverwaltung darauf aufmerksam gemacht hätte, dass der Parkplatz nur vorübergehend zur Verfügung gestellt wurde, bis dort eine definitive Lösung gefunden wird. - Endergebnis ist, der Parkplatz ist am Montagmorgen geschlossen worden, und rund um das Krankenhaus bildet sich nun täglich ein Verkehrschaos aus, was einen krank macht. - Abstellen kann man sein Auto wohl noch, unten am alten Flughafen, aber dann ist das ein Fußmarsch von 10 - 15 Minuten, und viele die ein Krankenhaus besuchen müssen oder wollen, sind halt einfach krank, und da ist es eine Zumutung, vor der Sprechstunde noch eine Wanderung durchführen zu müssen. - Schuld an der Situation hat niemand, wie könnte das auch anders sein, und benachrichtigt wurde auch keiner, dass plötzlich kein Parkplatz mehr zur Verfügung steht. - Zum Anfang. - Als das neue Inselkrankenhaus gebaut wurde, stellte die Gemeinde Breña Alta eine Fläche als Parkplatz zur Verfügung, was aber nur als Übergangslösung dienen sollte. - Von Anfang an war, zumindest für die Gemeinde klar, dass das Krankenhaus sich einen eigenen Parkplatz suchen muss, und man hätte das auch wiederholt den Direktoren der Klinik klar gemacht. - Die Schließung des Parkplatzes hat aber jetzt die Inselregierung veranlasst und glaubt man dem Direktor des Krankenhauses, werden dort nur Umbaumaßnahmen vorgenommen und der Parkplatz stehe ab September wieder zur Verfügung. - Das aber wiederum steht gegen die Aussage der Gemeinde Breña Alta, welche den jetzigen Parkplatz des Krankenhauses als Teil des Industriegebietes am alten Flughafen im lokalen Flächennutzungsplan längst anders verplant hat und eben auch die Aussagen des Bürgermeisters, dass man eben jahrelang die Krankenhausverwaltung informiert hätte, sich endlich einen eigenen Parkplatz zu suchen. - Das Problem an der Geschichte aber ist, dass es keinen anderen Platz dort gibt, wo die Patienten, Angestellten und auch Besucher der Einrichtung ihre Autos abstellen können, ohne eine eindrucksvolle Wanderung ihrem Krankenhausbesuch voranstellen zu müssen.

Die Informationen die man sich nun aus diversen Interviews zusammenbasteln muss, ergeben kein klares Bild. - Der Krankenhausdirektor ist überzeugt, dass der Parkplatz bald wieder seine Dienste anbietet, der Bürgermeister der Gemeinde weist beflissentlich darauf hin, dass man den Parkplatz längst anders verplant hat, und die Inselregierung, welche dort Arbeiten durchführt, die sagt gar nichts. - Ob nun der Parkplatz im September wieder offen ist, oder schon in ein paar Tagen, auch das kann man nicht erfahren, irgendwie weiß da keiner was der andere tut, und wie man meinen könnte, manche wissen sogar gar nicht was sie selber tun, wie man das vom Bürgermeister der Gemeinde Breña Alta vermuten darf und dem zuständigen Rat für Infrastruktur der Inselregierung. - Was da passiert, einfach den Parkplatz des Krankenhauses zu eliminieren, ohne jegliche Vorwarnung an Patienten, Angestellte und Besucher, das ist wirklich ein gewaltiger Hammer an Inkompetenz, den man doch deutlich aufrollen müsste, wer denn da was beschlossen hat und angeordnet, ohne die übergeordnete Funktion des Inselkrankenhauses zu bedenken und ernst zu nehmen. - Ich darf daran erinnern, dass unser Krankenhaus nicht nur die Funktion eines Spitals oder Pflegeinstitutes erfüllt, sondern zugleich noch Gemeinschaftspraxis alle Fachärzte der Insel ist, welche dem staatlichen Gesundheitssystem angeschlossen sind. - Das bedeutet, dass dort immer sehr großer Publikumsverkehr herrscht, und auch ein gewaltiger Bedarf an Parkplätzen. - In den kommenden Tagen wird man vielleicht noch die Möglichkeit haben, die ganzen Vorgänge aufzuklären, und bis dahin wünsche ich allen an der unkoordinierten Nichtinformation Beteiligten, einen raschen Facharzttermin im Inselkrankenhaus.



Dienstag 03.08.2010 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 25 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 43 % - Luftdruck 1013 hPa
Höchsttemperatur heute 26,1 Grad - niedrigste Temperatur 19,9 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 41,5 - Temp. Min 20,6 - Feuchte 5 - 31 % Niederschlag 0 mm

Tunnelblick
Wer möchte Tunnelwärter werden?

Unser schöner Cumbre-Tunnel, der mal vor ein paar Jahren als zweitsicherster Tunnel ganz Europas vom ADAC bewertet wurde, kostet die Inselregierung zu viel Geld. - So hört man die Rufe aus der Inselkorporation, welche eben bislang den Unterhalt des Tunnels organisiert. - Solch ein Bauwerk will bewacht sein und eben auch "betrieben", man kann den Tunnel nicht einfach so stehen lassen wie man das von einer normalen Straße her kennt. - Da sitzt wirklich Aufsichtspersonal 24 Stunden am Tag und überwacht den Verkehr. - Darüber hinaus müssen permanent Wartungsarbeiten durchgeführt werden und wenn notwendig, eben dann auch Reparaturen oder Notfalleinsätze, sollte irgendetwas im Tunnel passieren. - Das kostet Geld, viel Geld, und am liebsten möchte man diese Last loswerden, aber die Betreuung ist nun mal Inselsache und man wird das nicht auf andere abschieben können. - Aber man denkt daran, eben den Betrieb des Tunnels an eine geeignete Firma zu übergeben, welche dann zu kleineren Kosten das Ding betreiben kann. - So heißt es wirklich, und wie das überhaupt möglich ist, das kann man sich dann doch nur durch billigeres Personal und Einsparungen bei den Instandhaltungsarbeiten vorstellen. - Im Moment übergibt man den Betrieb an die Inseleigene Firma "Sodepal", welche eigentlich auch noch Salat verkauft und Gofio, und als Lückenausfüller für alle möglichen weiteren Ideen herhalten muss, wenn einem Politiker wieder mal eine nette Idee eingefallen ist, was man hier denn auf La Palma noch alles ausprobieren könnte. - Für drei Monate zunächst übergibt man den Tunnel an "Sodepal", und währenddessen will man eine Ausschreibung starten, um dann einen geeigneten Partner zu finden, welcher den Tunnel dann zukünftig betreibt. - Etwas mehr als 30.000 Euro kostet der Unterhalt des Tunnels im Monat, allerdings muss man davon 6 Angestellte bezahlen, alle Betriebskosten, und jede Menge Material für den permanenten Unterhalt der Röhre. - Ob sich das lohnen kann für einen privaten Betreiber, das könnte man nur aus den Bücher lesen, aber ich könnte mir auch vorstellen, dass da wieder die immer gleichen halböffentlichen Firmen auftreten, welche auch die Häfen betreiben wie "Satocan" und andere Betriebe, welche durch ganz enge Bindungen an die öffentliche Hand irgendwie immer lustig Geld verdienen. - Ob sich dann an der Sicherheit oder überhaupt am Betrieb etwas ändert, das werden wir sehen, und sicherlich kommt irgendwann auch mal die Idee auf, man könnte eine Tunnelmaut kassieren, so wie man später mal im Hafen von Tazacorte selbst für die Autoparkplätze Parkgebühren kassieren will. - Aber was unke ich, Autobahngebühr in Deutschland ist ja auch längst Fakt, gut, zunächst nur für LKW, aber ich könnte wetten…



Dienstag 03.08.2010 09:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 21 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 59 % - Luftdruck 1013 hPa

UIOs
Wer bezahlt, schafft an, oder ab

Manchmal, oder vielleicht sogar öfter fragen wir uns, warum stehen so viele öffentliche Bauvorhaben einfach so herum und keiner scheint sich darum zu kümmern. - Dabei spielt es keine Rolle, ob diese Gebäude bereits fertig gebaut sind oder sich noch im Rohbau befinden, und bei vielen weiß man obendrein auch nicht mal, für was diese Gebäude eigentlich gut sein sollen. - Beispiele hierfür gibt es reichlich, eigentlich hat jede Gemeinde ein oder mehrere UIOs (Ungenutzte Immobiliäre Objekte), und irgendwie kommt jede Legislaturperiode eines hinzu. - (Übrigens soll es in vielen Privatwohnungen auch UIOs geben, oft fälschlicherweise als Schlafzimmer untertitelt…) - In Los Llanos stapeln sich die Konferenzsäle, und gleichzeitig baut man noch ein Kongresszentrum, allerdings in einer Geschwindigkeit, welche noch viele Überraschungen in der demographischen Entwicklung der Gemeinde offen lassen. - In El Paso hat man nun den Rohbau eines "Interpretationszentrums" für Petroglyphen endlich fertig, allerdings liegt das Gebäude gar nicht dort wo die Steinmalereien sind, hat auch keine Parkplätze, und stellt damit auch keine zukünftige Konkurrenz zum archäologischen Inselmuseum in Los Llanos dar, welches übrigens auch geschlossen ist. - Nicht ganz, ab und zu finden dort Kongresse und Vorträge statt. - Über den dritten Ausbau des Hafens von Tazacorte schweigen wir an dieser Stelle hier lieber einmal, nur so viel dazu, die Bürger aus Schilda würden uns um so viel phantastische Geschichten beneiden. - Allerdings kann man Ähnliches auch im jährlichen Bericht des Bundesrechnungshofes nachlesen, wir sind also nicht alleine im wirren Umgang mit Projekten, die bar jeder Vernunft sind. - In Santa Cruz steht nun die Mehrzweckhalle "polideportivo", welche auch oft "centro multiusos" bereit, eigentlich schon seit März dieses Jahres und wartet auf den Musenkuss der Daseinsberechtigung. - Allerdings weiß man eigentlich gar nicht so recht, was man denn mit dem Sportplatz/Halle/Begegnungszentrum so alles anstellen soll, schließlich ist das Angebot an öffentlicher Infrastruktur bereits gut bestückt. - Darüber hinaus gibt es aber auch noch bürokratische Hindernisse, welche auch nicht so ganz ohne Zynismus abgegangen werden können.

Begonnen hat man mit dem Bau dieser Mehrzweckhalle bereits vor mehr als 10 Jahren, und das auf Anregung der Stadt Santa Cruz. - Die damalige Stadtregierung wollte solch ein Ding haben, das war eben so die Zeit, als man noch Mehrzweckhallen als notwendige Maßnahme für eine moderne Stadt forderte. - Allerdings ging denen schnell das Geld aus, trotz sorgfältiger Planung, und immer wieder scheibenweise konnte dann mal ein bisschen weitergemacht werden, wenn man wieder mal einen Griff in irgendeinen Topf einer anderen Korporation machen konnte. - Inselregierung, Gobierno de Canarias und letztes Jahr dann schließlich brachte man noch Gelder auf aus dem staatlichen "Plan E" und einer Sonderspritze in Millionenhöhe vom Tourismusrat der Provinzregierung. - Das genügte dann, um dieses Gebäude zumindest außen fertig zu stellen, und eigentlich träumte man bereits davon, einige Akte der Bajada de la Virgen de Las Nieves dort stattfinden zu lassen. - Aber man entschied sich dagegen, einerseits, weil traditionell die Akte alle im unteren Teil der Stadt ablaufen und auf der anderen Seite, weil man die Papiere schlicht und ergreifend noch nicht zusammen hat. - Da kommt nämlich der kleine Bürokratieteufel angeschlichen, wenn man sich Geld von allen möglichen Seiten besorgt, alle die müssen nun auch wieder ihre Rechenschaftsberichte abgeben, und dazu alles verbrieft, versiegelt und abgesegnet sein. - Und das ist es einfach noch nicht, die Provinzregierung kann das Gebäude noch nicht an die Stadt übergeben, weil eben der Papierkram noch nicht erledigt ist. - Nach 10 Jahren Übungszeit sollte das aber doch machbar sein, und warum es keinen "Kleinen Dienstweg" da gibt, das kann man ganz einfach damit erklären, dass die Institution "Consejería de Turismo" in den Händen der Partido Popular ist, die Stadt Santa Cruz aber von der Coalición Canaria regiert wird. - So wird noch ein bisschen Zeit ins Land und in die Stadt gehen, ein bisschen Polemik über Papiere hin und her ausgeschüttet werden, und wenn dann das Gebäude endgültig an die Stadt übergeben wird und zuerst eingeweiht, und dann eröffnet wird, dann kann man sich auch Gedanken machen, was man denn überhaupt mit diesem Gebäude anfangen will. - Und nun bin ich ganz böse, dann wird vielleicht auch jemand darauf kommen, dass es sogar Geld kostet, solche ein Gebäude zu unterhalten. - Ja, ich bin böse, sehr böse…



Montag 02.08.2010 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 26 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 37 % - Luftdruck 1013 hPa
Höchsttemperatur heute 27,0 Grad - niedrigste Temperatur 19,9 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 40,4 - Temp. Min 20,2 - Feuchte 5 - 5 % Niederschlag 0 mm

Kurz und gut ist
Tapas, Marihuana und Stress in England

Ja, mein Kind hat schon angerufen, so wie jeden Tag, sonst werden die Alten doch nervös. - Aus dem Bus muss das arme Kind anrufen, weil die Tage dort so stressig sind und sie sonst keine Zeit findet anzurufen. - Morgens Unterricht, bis in den Nachmittag hinein, dann mit dem Bus zur Gastfamilie, wo es dann zwischen 17:00 und 17:30 Uhr Abendessen gibt, um dann das Kleine Schwarze überzuwerfen, weil man um 19:00 Uhr schon wieder gestriegelt vor der Disco stehen muss. - Nicht mal gestern am Sonntag konnte sie ausschlafen, die hatten sich so früh am Strand verabredet, dass wieder nichts mit sonntäglichem Ratzen geworden ist. - Dafür war es wohl so kalt am Strand, dann nur die Hälfte der Leute kurz in Wasser gegangen ist, wohl eher als Mutprobe. - Sonnenbrand, keine Gefahr, aber das Wetter soll dort im Südwesten Englands nun besser werden, eine gute Nachricht. - Das Essen schmeckt ihr prächtig, die hat halt Glück gehabt mit der Gastfamilie, die sind so ein bisschen auf einer Linie mit der Ernährung, bloß nicht so viel Gemüse und gesundes Zeugs. - Hauptsache es schmeckt, und Madame hat nichts zu meckern und bekommt ihr strammes Programm irgendwie geregelt, geschlafen wird dann wieder auf La Palma, für irgend etwas sind wir also auch gut.

Eine kleine Meldung und seine Folgen. - Die Guardia Civil aus El Paso hat bei einem Pärchen hinter dem Haus 5 Pflanzen mit Cannabis gefunden, diese weggenommen und dem Paar eine Anzeige wegen Verstoßes gegen die öffentliche Gesundheit verabreicht. - Das stand in der Online-Zeitung "elapuron" und dort kann man auch Kommentare veröffentlichen, wenn man sich angemeldet hat. - Über diese kleine Meldung, die nun wirklich nichts Aufregendes hat, entwickelt sich aber ein aufregender Diskussionsfaden, und fast alle Kommentatoren sind da einhellig der Meinung, dass man wegen der 5 Pflanzen nicht so groß am Rad drehen sollte. -Das sei doch Eigenkonsum, und das ist nicht verboten, und überhaupt solle die Guardia Civil sich um wirkliche kriminelle Geschichten kümmern, und nicht um ein Pärchen, was ein bisschen Gras im Blumentopf anpflanzt. - Auch kommt dabei die Frage wirklich auf, ist der Besitz von Marihuana zum Eigenbedarf erlaubt? - Das wohl, ist man der Meinung, aber wer setzt die Mengen da fest, und können 5 Pflanzen ein Blattgewicht von 5 Kilogramm ergeben, wie das in der Pressemeldung der Guardia Civil geschrieben steht. - Da gibt es sogar ein Photo von den Pflanzen, und in der Tat, das ergibt keine 5 Kilo, sondern deutlich weniger. - Zu entscheiden hat sowieso ein Richter über die Geschichte, aber die Meinung des Volkes ist hier ganz klar zu dem Thema, lasst die Leute doch ihren kleinen "Kräutergarten" haben…

Die Tapas krähen wieder. - Seit gestern läuft nun die 5. Ausgabe der "Ruta del Gallo" und endlich funktioniert auch die Webseite der diesjährigen Ausgabe. - Das ist ganz gut, da kann man sich nämlich vorbereiten, welche Restaurants und Kneipen da überhaupt teilnehmen, und auch, was denn für Tapas in den einzelnen Etablissements gereicht werden. - Gute Vorbereitung macht da eh Sinn, denn bei dem immer noch großen Polizeiandrang der auf La Palma herrscht, weil immer noch Bajada ist, sollte man seine Kneipenbesuche mit Tapas, Wein oder Bier schon irgendwie planen. - Auf der Seite werden die Teilnehmer vorgestellt, und zu jedem Restaurant gibt es eine Beschreibung und auch ein Foto des zu erwartenden Gerichtes. - Leider sind die Fotos wieder sehr klein und von nicht gerade großer Professionalität, mit ein bisschen Photoshop hätte man die Leckerbissen auch so präsentieren können, dass man Appetit darauf bekommt. - Aber das ist nur eine kleine Kritik am Rande, Essen zu fotografieren ist nicht einfach, aber ein bisschen heller machen, das bekommt man doch hin… Auf der Seite gibt es dann auch alle Informationen, wie man an die Preise kommen kann, die es zu gewinnen gibt. - Das ist zwar sicher nicht der Hauptgrund sich durch die Gastronomie im Aridanetal zu schlemmen, aber mancher findet es doch auch immer ganz nett, etwas geschenkt zu bekommen. - Also, auf geht´s dem "Gallo" hinterher, zwei Euro fuffzich für ein Bier und eine Tapa, da kann doch nun wirklich keiner meckern!





Montag 02.08.2010 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 48 % - Luftdruck 1013 hPa

Weisheit mit den großen Löffeln
"Sommeruniversität" schickt Propheten ins eigene Land

Alle Jahre wieder findet auf unserer Insel eine interessante Reihe an Vorträgen statt, welche auch so ein bisschen den Charakter von Vorlesungen haben. - "UNAP" (Universidad Ambiental de La Palma) heißt dieser sommerliche Besuchsreigen an akademischen Titelträgern und meist sind es Professoren oder Wissenschaftler, welche an der Universität La Laguna auf Tenerife arbeiten und lehren. - Das Lehrpersonal kann sich so ein bisschen sommerlichen Urlaubszuschuss verdienen, und wir kommen in den Genuss, mal meist sehr vernünftige Leute zu hören, welche nicht aus dem Blickwinkel der Politik die Entwicklung dieser Insel betrachten können und auch gefälliges Gehör finden. - Allerdings ist der praktische Nutzen dieser Prophetenreisen nicht sonderlich groß, das interessierte Publikum hört gerne zu, die Presse kann dem Sommerloch entgegentreten, und die Politik sieht gefällig aber doch beflissentlich darüber hinweg, was Leute, die es eigentlich besser wissen sollten, denn so über die Möglichkeiten und Machbarkeiten rund um unsere Insel zu erzählen haben. - Allerdings sind die meisten Themen auch nicht wirklich neu, oft handelt es sich um mehrfach aufgebrühte Ideenbeutel aus der virtuellen Welt der nicht beweisbaren Vorschläge, denn man kann sich sicher sein, dass die sicherlich gut gemeinten Vorschläge niemals verwirklicht werden. - Dennoch sind solche "Hirnstürme", welche auf Neudeutsch auch "brainstorming" genannt werden, natürlich erlaubt, und fehlende Praxisnähe kann ja durchaus auch bedeuten, dass die Praxis zu weit weg ist, nicht immer nur die Idee. - Schwierig wird es bei solch komplexen Themen welche die Gesamtsituation der Insel versuchen zu beleuchten, und die Dozenten sich in einer schwer verständlichen Allgemeingültigkeit vom Alltagsboden so weit abheben, dass konkrete Aussagen über einzelne Konzepte gar nicht mehr diskutiert werden können. - Da kommt dann immer dabei heraus, dass diese Insel irgendwie einzigartig ist und eigene Konzepte entwickeln muss, aber Butter bei die Fische oder Salz in der Suppe gibt es dabei nicht.

Über die Einzigartigkeit dieser Insel haben wir bereits so viel gehört, dass wir es aus Trotz eigentlich schon gar nicht mehr glauben wollen. - Schade eigentlich, aber das ist genau so wie bei den Pennälern, die viel zu oft gehört haben, dass sie eigentlich "nicht unklug" sind, sich aber mehr Mühe geben müssen. - Die andere Seite der Medaille sagt ja auch, dass wir uns, alleine aus diesem Grund der Einzigartigkeit nicht mal im wahrsten Sinne des Wortes etwas kaufen können, und die Geschäfte irgendwo anders ablaufen und meist mit sehr profanen und alltäglichen Hintergründen. - Da treffen sich nun, allerdings auf verschiedenen, und leider erneut unkompatiblen Ebenen, sogar die "Weisen aus dem Wissensland" und die Politiker wieder. - Auch nach deren Meinung ist diese Insel, und wir sowieso, alle ganz einzigartig, und alleine aus diesem Grund heraus machen die das ja alles mit der schleichenden Pragmatisierung einer ganzen Gesellschaft, die nun so glatt gerubbelt und gelobt werden soll, bis sie alle Errungenschaften der globalen Einheitspampe endlich konsumiert, aber im elitären Glauben gelassen wird, etwas Einzigartiges zu sein. - Da der Elfenbeinturm der wunderbaren akademischen Analysen mit einem Praxiswert nahe "nicht unwenig", und auf der anderen Seite die gern gehörten Lügen unserer politischen Bodentruppe, die Meins und Deins grundsätzlich zu Ihrem machen wollen. - Pedro Normalverbraucher und Carmen Hartzo Cuatro bleiben dabei mindestens ungefähr, auf jeden Fall aber außen vor, und nur gut, dass wir von Brot und Spielen zumindest so viel Spiele übrig haben, dass das auch nicht weiter auffällt. - Eine gelungene Bajada ist fast schon eine gewonnene Wahl, und Leute, was wollen wir eigentlich mehr…



Sonntag 01.08.2010 19:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 26 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 35 % - Luftdruck 1013 hPa
Höchsttemperatur heute 27,0 Grad - niedrigste Temperatur 21,0 Grad

Puntagorda 1.260 Meter - Temp. max. 39,8 - Temp. Min 22,6 - Feuchte 5 - 24 % Niederschlag 0 mm

Stilllegungsprämien für nicht ausgelastete Hotelbetten
Man muss den Wahnsinn pragmatisch nehmen

Über die schwierige touristische Situation der Insel haben wir ja schon öfter parliert, und schwer wird es da sein, einen brauchbaren Kompromiss zu finden zwischen rein merkantilen Interessen der Hoteliers, und den Notwendigkeiten dieser so fragilen Insel. - In einem sind wir uns alle einig, die Krise hat uns nicht gut getan, und auch der heftige Preiskampf der diversen touristischen Destinationen weltweit macht es immer schwieriger, mit diesem Geschäft noch Geld zu verdienen. - Unsere besonderen Umstände obendrein, die doppelte Insellage, die wenigen Strände und eben dann auch noch die im Winter manchmal schlechte Erreichbarkeit, schließen für uns eigentlich den üblichen konservativen Pakettourismus aus. - Dass man es trotzdem macht und versucht, ist nicht wirklich gelungen, und die Aufstockung der Bettenzahlen in den letzten Jahren hat auch überhaupt nicht dazu geführt, dass mehr Gäste gekommen sind, diese verteilen sich eben einfach auf mehr Etablissements und senken somit wieder die Auslastung der einzelnen Anbiete. - Das führt zu einer unangenehmen Situation, viele Komplexe und Hotels arbeiten längst an der Untergrenze des marktwirtschaftlichen Sinns und haben in der Schlacht um Gäste auch bereits solche geschäftstötenden Maßnahmen wie "all-inklusive" im Angebot. - Gedanken machen müssen wir uns hier dringend mal, wie man mehr Gäste auf diese Insel locken kann, und wie die Fluggesellschaften und die Reiseveranstalter mehr von La Palma zu begeistern sind. - Dazu gehören sicherlich auch mehr Freizeitangebote für die Gäste der Insel und weitere touristische Attraktionen, die allerdings noch ein bisschen mit den Eigenheiten dieser Insel zu tun haben sollten, und eben auf keinen Fall den Landschaftsverbrauch weiterhin beschleunigten sollten. - Auch da sind sich eigentlich alle einig, aber schon im nächsten gedanklichen Umlauf geht es bereits um das Geld, und da unser öffentliches Händchen meist ziemlich leer ist, sucht man sofort nach privaten Investoren - Das ist erlaubt, keine Frage, auch nicht unbedingt schlecht, allerdings müssen die ja auch ihr investiertes Geld wieder hereinholen, oder es mindestens versuchen, und werden so sicherlich nicht einfach nur in die Verbesserung unserer touristischer Ressourcen investieren. - Paradebeispiel dafür sind ja die Golfplätze, wobei man sich durchaus vorstellen könnte, dass ein solcher Platz auf der Insel keine schlechte Idee wäre. - Darüber hinaus müsste man sich Gedanken machen, wie man denn die Aufgabe Weltbiosphärenreservat mit dem Bau eines Golfplatzes verbinden kann, denn grundsätzlich ist die Anlage eines solchen Golfplatzes ein ökologisches Desaster. - Kommen Sie mir jetzt nicht mit dem Thema die Bananenpflanzungen sind noch schrecklicher, denn ein Verbrechen rechtfertigt noch nicht die Begehung einer weiteren Schandtat, und Bananenplantagen gibt es bei uns seit mehr als einhundert Jahren und sind aus der Inselvolkswirtschaft weder kurz, noch mittelfristig ersetzbar. - Ein Golfplatz auf der Insel, zumindest an ökologische Grundlagen angelehnt, und vielleicht muss man ja nicht immer nur auf Rasen spielen, sondern kann auch noch andere Herausforderungen schaffen, damit kann man sich doch wohl anfreunden. - Aber kein privater Investor baut einen Golfplatz alleine, sondern mindestens noch ein großes Hotel dazu und weitere Immobilien, durch deren Weiterverkauf er sein investiertes Geld wieder hereinholen kann. - So kommt letztendlich nur eines dabei heraus, ein Hotel und eine neue Siedlung, mit angeschlossenem Golfplatz, der nur die Entschuldigung dafür ist, weitere Immobilien aus dem Boden gestampft zu haben. - Uns liegen Papiere vor, wo die Vermarkter eines Golfplatzes hier auf der Insel auch schon im Angebot schreiben, dass es wohlmöglich dazu kommen kann, dass der vorgegebene Golfplatz gar nicht gebaut wird, es aber alleine durch die darum entstehenden Immobilien eine sichere Geldanlage sei..

Natürlich sollen die ihr investiertes Geld nicht verlieren, aber wir dürfen dann doch auch fragen, was bringt das der Inselvolkswirtschaft und wie viele neue Arbeitsplätze entstehen durch noch mehr Immobilien. - Da führt kurzfristiges Denken zu langfristigen Schäden, "pan para hoy, hambre para mañana" sagt man hier dazu, Brot für heute, und den Hunger für morgen heißt dieses brillante Bild übersetzt. - Darüber hinaus würden ja die neuen Hotels auch noch das Angebot auf dem bereits völlig übersättigten "Bettenmarkt" der Insel noch weiter anheizen, was keine gute Idee in einer solchen Angebot/Nachfrage-Situation darstelle. - Darüber hinaus ist es überhaupt fragwürdig, ob es denn genügend Golfpublikum überhaupt für La Palma gibt. - Golfplätze gibt es in Spanien bereits viel zu viele, und die Europäer sind einfach nicht geneigt, diese Betätigungsart zu einem Breitensport werden zu lassen. - Eigentlich wollte ich hier aber gar nicht über Golfplätze direkt sprechen, sondern über die 4 weiteren Hotelanlagen, die neben den 4 angedachten Golfanlagen noch auf La Palma entstehen sollen. - Zumindest hat die oberste Raumordnungskommission des Gobierno de Canarias, die so oft genannte "COTMAC" nun ihren Segen gegeben, für insgesamt 2.400 weitere Hotelbetten auf La Palma, aufgeteilt auf 4 Hotels. - Alle diese Hotels haben allerdings eine Auflage erhalten, die müssen ein "Thema" mitbringen, sich also selbst rechtfertigen, um quasi den Selbstzweck einer drastischen weiteren Erhöhung des Angebotes zu erklären. - Grundsätzlich keine schlechte Idee, allerdings wage ich zu behaupten, dass diese 2.400 weiteren Betten in keiner Weise von neu auf die Insel gelockten Gästen ausgefüllt werden, sondern sich das Angebot dadurch noch weiter erhöht und die Konkurrenzsituation für das bereits etablierte Gewerbe noch weiter erhöht. - Zumal man bei der Auswahl der Themen auch nicht exklusive palmerische Angebote schafft, sondern dabei auf bereits in der globalen Tourismusindustrie bewährte wie umkämpfte Ressourcen.

Vielleicht mal abgesehen von dem Thema Botanischer Garten, welcher ein Hotel in Puntallana die Absolution geben soll, wobei ich mal, bei allem gebührenden Respekt behaupten will, dass man alleine mit diesem Thema 480 Gäste dauerhaft neu nach La Palma locken kann, wo doch eigentlich jeder Besucher unserer Insel weiß, dass das ganze Eiland ein Botanischer Garten ist, wenn auch nicht sonderlich gut beschildert. - Weiter lässt man nun den Bau eines Hotels in Mazo zu, welches an das Thema Wassersport gebunden ist, und zu dem Zweck will man gleich noch eine "Marina" also einen Jachthafen dort bei Mazo erbauen. - 500 Hotelbetten werden da angezeigt, auch wieder sehr üppig ausgelegt, und ob es gelingt, so viele neue Gäste auf die Insel zu locken, damit die hier ein paar Runden mit Booten fahren können oder Wasserski oder mit dem Jetski Wellen platt fahren, auch das wage ich zu bezweifeln. - In Las Manchas soll ein Hotel entstehen mit dem Thema Gesundheit, was sicherlich für "Wellness" steht, und so weitere 500 Betten anbieten, damit sich Madame die Runzeln aus der Stirn fräsen lassen kann und Ihmchen der Schmerbauch ein bisschen geglättet wird. - Sicher nichts blasphemisches was die da machen wollen, aber der Wellness-Markt ist auch schon längst an seine Grenzen gestoßen, und was das Ganze mit La Palma zu tun hat, das frage ich mich obendrein. - Auf jeden Fall steht auch hier wieder das Dilemma an, auch dieses Hotel wird nicht in der Lage sein die Auslastung alleine mit Neugästen zu erbringen, und wieder erhöht sich die Gefahr der leeren Kassen in den anderen Etablissements. - Last, but sicher not least, steht dann noch das Hotel in "Las Hoyas" in der Gemeinde Tazacorte an, welches als Placebo die Rechfertigung mit Tauchsport erhält. - 900 Taucher will man so nach La Palma locken und dafür vor der Küste extra ein Schiff versenken, um ein interessantes Ziel anzubieten. - Sicher ist Tauchen auf La Palma eine interessante Geschichte, aber ich habe mir von hiesigen Unterwassersportlern sagen lassen, dass es deutlich schönere Tauchreviere gibt als gerade dort in Tazacorte. - Darüber hinaus gibt es ja auf La Palma bereits mehrere Tauchbasen welche alle Dienste rund um diesen schönen Sport anbietet, man erfindet damit also das Rad zum einundsechzigsten Mal neu und ist davon überzeugt, dass wir das alles glauben. - Sicher wird man damit ein paar mehr Gäste auf die Insel locken können, sicherlich, das will ich gar nicht abstreiten, aber niemals so viele neue Gäste, dass sich die klemmende schlechte Auslastung generell hier im Tourismus ändern wird. - Der Bürgermeister von Tazacorte schoss dabei übrigens mit seinem bekannten Selbstbewusstsein auch noch den Vogel ab und verlautete, dass mit der Schaffung dieses Hotels das "Tauchrevier" La Palma noch über den Angeboten rund um diesen Sport am Roten Meer, Südamerika und Neuseeland stellen wird. - Ich finde selbstbewusste Menschen grundsätzlich in Ordnung, aber wer vom Tauchen Ahnung hat, der wird sich bei so viel lokalem Überschwang seinen Teil einfach denken. - Allerdings heißt ja einer Ananasfarm in Alaska die Betriebsgenehmigung zu erteilen noch lange nicht, dass man dieses Unterfangen auch angeht und so wird man abwarten müssen, ob die Investoren denn tatsächlich dieses Wagnis auf sich nehmen, in einen bereits übersättigten Markt hinein noch weitere Konkurrenz zu pflanzen. - Man könnte es ja irgendwann so versuchen wie in Teilen der strategisch gesteuerten Landwirtschaftspolitik der Europäischen Union, die ja Stilllegungsprämien für bestimmte Kulturen und Regionen ausschüttet. - Das wäre prachtvoll hier auf La Palma, von solchen Subventionen könnten wir dann noch ein leckeres Geschäft machen. - Erst bauen wir uns ein Überangebot, und dann subventionieren wir das künstlich wieder weg. - Man muss nur diese Logik verinnerlichen, und das haben unsere weisen Zukunftsplaner sicherlich dabei berücksichtigt, als sie uns diese wunderbare Erweiterung der Bettenzahlen hier auf La Palma zugestanden haben.



Sonntag 01.08.2010 11:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
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Es bleiben Abgründe
Öffentlicher Schlagabtausch im Korruptionsskandal

Als hors d'œuvre sollte man den Artikel vom 29.7. lesen, in dem es um eine interessante bis vertrackte Geschichte von Einfluss und Machtspielen hier auf der Insel geht. - Protagonist ist ein als konfliktiv bekannter Geschäftsmann, der einen jetzt öffentlich gemachten Kampf mit den Autoritäten führt. - Allerdings kommt dem Unternehmer nicht so richtig die Rolle eines sympathischen Aufständigen zu, auch mit ehemaligen Kompagnons und Geschäftspartnern gibt es reihenweise gerichtliche Auseinandersetzungen, welche den Freundeskreis dieses Unternehmers stark eingrenzen. - Vermutet aber wird eben, dass er zumindest einen Freund bei der Guardia Civil hat oder hatte, welcher ihn mit internen Informationen versorgte, welche er und sein Anwalt dann in den vielen Verfahren die gegen ihn laufen auch genutzt hat. - Als Gegenleistung dafür soll der Beamte des Guardia Civil Postens in Los Llanos diverse Aufmerksamkeiten erhalten haben, unter denen der Rabatt von an die 40.000 Euro beim Kauf eines Hauses herausragt. - Solche dreisten Anschuldigungen, besonders wenn sie gerichtlich und nun auch in der Öffentlichkeit ausgetragen werden, brauchen natürlich Beweise und Grundlagen, sonst begibt man sich damit auf sehr glattes und brüchiges Eis. - Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung steht so auch ein Beamter der "Seprona", der Abteilung gegen Umweltvergehen der Guardia Civil, welcher wohl den Bauunternehmer hier besonders auf dem "Kieker" hat und diesen mit einer Flut von Anzeigen bereits überzogen hat. - Ob es private Beweggründe für diesen Beamten gibt, eben genau diesen Unternehmer besonders zu verfolgen, das ist und wird nicht ersichtlich, auf jeden Fall steht dem Beamten ein guter Leumund zur Seite und viele erfolgreiche Ermittlungen in Sachen illegaler Bauvorhaben. - Es wird wohl eher so sein, dass der fleißige Beamte der "Seprona" hinter jeder Aktivität des Beschuldigten irgendwelche unfeinen Aktionen vermutet, und dabei auch wirklich fast immer fündig geworden ist.

Wie man jetzt erfährt, liegen die ersten gerichtlichen Befragungen bereits 2 Monate zurück, da ist also bereits einiges geschehen, und nur ein öffentliches Interview des Sprechers der Polizeigewerkschaft hat diesen Fall auch wirklich an die Öffentlichkeit gebracht. - Auch der Unternehmer hat sich inzwischen wortgewaltig gemeldet und klar und deutlich gesagt, das sei alles nichts wahr, was gegen ihn vorgebracht würde. - Aber er fühle sich ungerecht behandelt, denn hinter allem stecke eben nur dieser übereifrige Beamte der "Seprona", welcher wohl persönliche Gründe haben müsse ihn zu verfolgen. - Aber genau das wird eben nicht ersichtlich, man findet da keine Anhaltspunkte, wohl aber eben in einer Verbindung des Bauunternehmers zu einem Unteroffizier der Guardia Civil in Los Llanos. - Vorteilnahme, eventuell Bestechung, alles das steht im Raum, wird aber wohl nicht juristisch verwertbar zu klären sein. - Allerdings gibt es da auch noch den Vorwurf der Weitergabe von internen Ermittlungsakten, und da hat man wohl konkrete Dinge in der Hand, welche den Unteroffizier sehr stark belasten, geheime Papiere an den Unternehmer weitergegeben zu haben. - In den Beschwerden gegen die vielen Anzeigen seitens der Umweltpolizei nutzt nämlich der Anwalt des Beschuldigten polizeiinterne Vermerke und Zahlencodes, die nur in den internen Akten einzusehen sind. - Weitere Ermittlungen ergaben dann, dass eben genau dieser Unteroffizier mit seinem Passwort in dem internen Netzwerk der Guardia Civil diese Akten abgefragt hat, und wahrscheinlich dann auch weitergegeben hat. - Das alleine würde reichen, daraus einen handfesten Skandal zu machen, welcher mindestens einen Beamte der Guardia Civil die Karriere kostet, und auf dem weiteren Erfolgsweg des strittigen Geschäftsmannes eine weitere Anklage wegen, wohlmöglich Betrug oder Bestechung, eingeht. - Auch stehen mehrere Zeugen bereit, ehemalige Gefolgsleute und Geschäftspartner des Unternehmer, die bereits ihre Aussagen zu dem Thema gemacht haben, und welche allesamt nicht sehr positiv für den Geschäftsmann ausgefallen sind. - Es ist ein bisschen so geworden, spätestens seitdem die Zeitung "El Día" fast exklusiv aber durchaus noch objektiv den Fall von beiden Seiten verfolgt, dass die halbe Insel der langsamen aber konsequenten Demontage dieses Unternehmers zusieht und man auch deutlich mehr als klammheimliche Freude bei sehr vielen Zuschauern verspürt, dass es hier nun "einem" an den Kragen geht. - Allerdings möchte ich deutlich vor zu schneller Verurteilung warnen, denn schließlich muss alles gerichtsfest sein und ein Richter das auch noch so sehen, und auf der anderen Seite ist es sehr gut möglich, dass der beschuldigte Bauunternehmer auch noch ein paar weitere Trümpfe im Ärmel hat, als nur einen Unteroffizier der Guardia Civil. - Wir dürfen sehr gespannt sein, wie diese Geschichte weitergeht und wer die Namen der Beteiligten unbedingt lesen will, der kann das in einem der inzwischen vielen Artikeln darüber in der Zeitung "El Día" machen.





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