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Nachrichtenarchiv August 2006


Donnerstag 31.08.06 - 17:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 28 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 65 % Luftdruck 1018 hPa
Höchsttemperatur heute: 28,6 Grad, niedrigste Temperatur: 22,6 Grad

Kommt er, kommt er nicht?

Die Frage gilt dem "Calima" und weil wir bislang in diesem Jahr noch nicht in den zweifelhaften Genuss gekommen sind solch ein saharianisches Phänomen bei uns zu beobachten, wäre es eigentlich an der Zeit. Der bisherige Sommer war ja von den Temperaturen eher angenehm frühlingshaft, bislang kein Tag über die 31 Grad Marke. Das wird sich in den nächsten Tagen ändern, ob nun mit Calima oder auch ohne. Dabei muss man immer wieder darauf hinweisen, dass nicht jeder unter Calima das gleiche versteht. Einfach nur heiß und trocken reicht eigentlich nicht, zum echten und copyrightfähigen Calima gehört auch noch Sand aus der Sahara der einem das Leben ziemlich körnig machen kann. - Dabei sind die Afrika näheren Inseln deutlich heftiger betroffen, bei echtem Calima können dann mit dem Sand auch noch die Wüstenheuschrecken dorthin geweht werden. - Auf La Palma ist das meist weniger schlimm, wir sind mal wieder zu weit weg.

Das, was mal ein Azorenhoch war, wandert im Kern nun bis auf das spanische Festland. Folgerichtig erreicht uns nun der Wind weiter aus Nordost, aber diese Luft weht dann über, oder knapp an Afrika vorbei zu uns und nicht mehr gekühlt über den Atlantik. Diese, dann kontinentale Luft ist natürlich deutlich trockener und wärmer. Zunächst gelingt es den untern Luftschichten noch ihre Feuchte zu halten, aber zunehmend vermischt sich die trockene und heiße Luft auch mit den bodennahen Schichten und dann wird es auch in den niedrigeren Lagen heiß. Ob nun Sand dabei sein wird und aus heißem Wetter Calima macht, das hängt ganz davon ab, ob dieses "Rumpfazorenhoch" sich weiter aufs Festland schiebt und somit der Wind gänzlich über Afrika zu uns kommt. - Das schlimmste Szenario wäre für uns eine Zusammenarbeit der Ex Azorenhochs und dem recht stabilen Hochdruck über dem westlichen Maghreb, dann bläst der Wind aus Ost bis Südost zu uns und da braucht man dann nicht mehr abwarten ob Sand in der Luft ist oder nicht, da wo dann der Wind herkommt da ist nur Sand. Noch ist die Luft angenehm feucht und wie heftig es kommt, das weiß noch nicht einmal der Kachelmann, das hängt von der Entwicklung in den nächsten zwei Tagen ab.



Donnerstag 31.08.06 - 08:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 22 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 67 % Luftdruck 1019 hPa

Ammotragus lervia palmensis

Warten wir noch fünfzig Jahre, dann gibt es dieses Tier vielleicht. In den siebziger Jahren brachte man Mähnenschafe - Muflons - Arruís - Ammotragus lervia, vom spanischen Festland nach La Palma. Einige, besonders helle und weitsichtige Köpfe, wollten auch hier eine Großwildjagd installieren. - Übrigens stammen die hiesigen Mähnenschafe zum Teil aus deutscher Zucht, die dann über den Umweg Andalusien auch zu uns gebracht wurden. - Mit der organisierten Großwildjagd wurde es aber nie richtig etwas, aber das Mähnenschaf fühlte sich besonders im Nationalpark pudel, Verzeihung, schafwohl und vermehrte sich dort hervorragend. Irgendwann entdeckte man aber, dass dieses Pflanzenfresser sich nicht besonders solidarisch mit vielen bedrohten Pflanzen im Nationalpark verhielt und das Arruí hat nun seit vielleicht 10 Jahren, den Status "Animal non grata" erhalten. Es gilt als Invasor, die heimische Flora aber auch Fauna bedrohend und muss weg, "robuste" Maßnahmen sind angesagt.

Das Mähnenschaf denkt aber nicht daran sich kollektiv von der Klippe zu stürzen, es muss bejagd werden und das ist gar nicht so einfach. An die dreihundert Mähnenschafe wähnt man in und um den Nationalpark und auch wenn man jedes Jahr einige zur Strecke bringt, die Gesamtpopulation will einfach nicht weniger werden. Die Nationalparkverwaltung erklärt immer wieder, das Schaf sei so fies, dass es sich nicht an die Grenzen des Nationalparks hält und außerhalb dürfen die Parkranger das Tier nicht mehr jagen, da müssen andere ran. - Da hat man sich ein dickes Ei eingefangen und irgendwie will man sich nicht daran gewöhnen, dass dieses Tier nun schon seit mehr als einer Menschengeneration auf dieser Insel lebt. - Die Frage, wann wird etwas endemisch ist ja nicht konkret geklärt, aber es braucht nicht mehr lange und das hiesige Mähnenschaf hat sich durch den Einfluss unseres Klimas, der Nahrung und den Geländegegebenheiten so weit verändert, dass geneigte Biologen bald feststellen werden, das palmerische Mähnenschaf hat unverwechselbare Merkmale gegenüber dem andalusischen oder dem seiner eigentlichen Heimat, Nordafrika. Wie könnte das aussehen? Hörner eher mehr linksgedreht, Fell länger und seidenmatt und die Losung im Abgang eher körnig anstatt bröselig. - Dann müssten wir es plötzlich schützen und aus den bezahlten Jägern würde man Heger machen, die aufpassen, dass dem Arruí kein Hund ans Bein pinkelt.



Mittwoch 30.08.06 - 19:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 28 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 66 % Luftdruck 1017 hPa
Höchsttemperatur heute: 29,1 Grad, niedrigste Temperatur: 22,6 Grad

Alles was hier noch ankommt

La Palma liegt nicht auf der Flüchtlingsroute von Afrika nach Europa, man muss nur einmal auf die Landkarte sehen und man weiß warum. Das ist auch der Grund, warum bei uns bislang nur ein einziges Boot mit Schwarzafrikanern angekommen ist, das war im vergangenen Jahr und wir haben mit Neugier diese 48 Menschen begutachtet, die einfach nur das Pech hatten woanders als wir geboren zu sein. - Nun kommt doch noch was auf La Palma an, die kläglichen Überreste eines Cayucos, besser gesagt nur noch ein paar Planken und Holzfetzen, die eine stille Anklage über ein ungern diskutiertes Thema erheben, keiner weiß, wie viele Menschen bislang bei dem Versuch ertrunken sind, die Kanaren und später damit das europäische Festland zu erreichen.

Fischer haben vor Puerto de Tazacorte einiger Trümmer aus dem Wasser gezogen und andere Teile hat man im Süden an der Playa Zamora bergen können. Die Suche nach Opfern wurde schnell wieder eingestellt, das Cayuco kann sonst wo untergegangen sein, die Planken sind schon einige Zeit im Wasser und die Strömung hat die Teile bis vor die Küste La Palmas geschwemmt. - Langfristig gibt es natürlich nur eine Lösung, man muss irgendwann dahin kommen, dass niemand mehr flüchten muss. Wie das gehen soll und wer wirklich daran interessiert ist an einer Angleichung der Lebensverhältnisse, denn das wäre nötig dafür, das ist ein unendlich komplexes Thema in dem wir uns selbst, kritisch hinterfragt, auch nicht unangetastet lassen können. - Wenn alle das gleiche haben, dann haben die allermeisten mehr und nur Wenige müssen auf etwas verzichten. Schöner platter Satz, damit sind wir schon vor 25 Jahren mit noch langen Haaren vor die Paläste gezogen. Wie naiv, - wir haben doch - und gehören zu den Wenigen die abgeben müssten und da bekommt unser Gewissen plötzlich unheimlich pragmatische Kratzer. - Sollen die doch selber ihren Hintern in die Höhe bekommen, wir haben das doch auch geschafft, nur wer ist bereit, jedem den Lohn in der Stunde zu bezahlen, den man gerne für sich selbst einfordert? - Dann wird ja alles zu teuer und es lohnt sich nicht mehr billige Arbeitskräfte, um nicht Sklaven sagen zu müssen, von Schleppern nach Europa schicken zu lassen. Geiz ist geil und nachdenken ungesund, das schlägt ganz furchtbar aufs Gemüt.



Mittwoch 30.08.06 - 08:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 23 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 71 % Luftdruck 1019 hPa

Alles Käse in der Käserei

Da steht sie ganz friedlich und unschuldig in der Landschaft, gleich neben dem Inselschlachthof und wartet darauf, dass Prinz Camembert kommt und sie aus dem Dornkäschenschlaf küsst. Seit zwei Jahren ist bereits der Bau fertig, aber das war es dann auch schon, keine Maschinen sind vorhanden und man ist weit davon entfernt Milch, Joghurt, Käse und andere Leckereien aus Ziegen und Kuhmilch dort zu produzieren. Es liegt auch nicht am Geld, das ist da, aber dennoch geht nichts weiter und auch der dafür zuständige Rat der Inselregierung muss traurig die Schultern zucken und zugeben, wir wissen nicht, wann dort die erste Milch entgegengenommen werden kann. Zuerst gab es Probleme mit der Baufirma, die war pleite und man musste das gesamte Projekt neu planen, aushängen, vergeben um schließlich den Bau endgültig fertig stellen zu können. Das kostete zwei Jahre.

Nun gibt es Probleme mit der Beschaffung der technischen Ausrüstung, so heißt es lapidar, man will aber nicht genau damit herausrücken, welche Probleme das sind. So lässt man uns mit Vermutungen alleine und die beziehen sich auf zwei mögliche Ursachen, entweder hat man bürokratische Fehler gemacht, welche einen Betrieb der Anlage so nicht genehmigen lassen, oder man ist immer noch in Verhandlungen mit der neuen Firma, welche die Käserei ausstatten soll. - Dabei hätten wir die "Central Lechera" so nötig, seit dem wir die europäischen sanitären Knüppelauflagen in Sachen Milch und Käseproduktion erfüllen müssen, arbeiten sicher die Hälfte aller Kleinbetriebe hier ohne diese Auflagen erfüllen zu können oder zu wollen. Genau dafür war aber die Molkerei gedacht, wer nicht in seine eigene Käserei so viel investieren kann, dass die EU Technokraten dort vom Boden essen können, der sollte seine Milch einfach dort abgeben und gut. - Was nicht ist, dass kann ja noch werden und man könnte nun Wetten annehmen, wann der erste Käse aus der Inselmolkerei zum Busbahnhof gerollt wird.



Dienstag 29.08.06 - 18:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 28 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 67 % Luftdruck 1017 hPa
Höchsttemperatur heute: 29,6 Grad, niedrigste Temperatur: 22,8 Grad

Jungfräulicher Schlussspurt

Bis zum kommenden Sonntag geht die Fiesta de Nuestra Patrona de El Pino noch, dann muss dringend Alltag in El Paso einkehren. Donnerstagabend findet gegenüber dem Rathaus eine erneute Ehrung der Jungfrauenstatue, la Loa a la Virgen, "Loa" = Lobpreisung statt. Dazu wird sie erneut aus der Kirche geholt und mit einem feierlichen Konzert unserer Stadtmusikanten vor dem Rathaus empfangen. Danach gibt es ein dickes Feuerwerk, Böller dürfen bei uns nicht fehlen, eine probate Möglichkeit seiner Frömmigkeit genügen auditive Aufmerksamkeit zu verleihen. Übermorgen kommt dann sogar der Bischof aus Tenerife, Bernardo Álvarez, der aber auch Palmero ist und nimmt an einer Eucharistiefeier statt, mit Chor und Prozession. Freitag ist dann der El Paso eigene Feiertag der "Día Típico" an dem im Palmenpark mitten im Ort der traditionelle Alltag nachgespielt wird und Tradition heißt bei uns leider immer noch fast, so wie es früher war. Am Samstag tritt das Satiretrio "Trío Zapatista" auf, schweinegut und frech, allerdings muss man gut spanisch verstehen um deren meist ganz aktuelle Anspielungen auf Gesellschaft und Politik zu verstehen. Am Sonntag in aller Frühe bricht dann der Pfarrer mit einer sehr viel kleiner gewordenen Schar an "Mitläufern" wieder mit der Jungfrau den Heimweg an, in die Eremita. Gegen Nachmittag wird dann noch mal oben an der Kapelle ein Bergfest gefeiert und wer dann noch kann, der bekommt eine Ehrennadel und einen dreiwöchigen Kuraufenthalt in einer garantiert atheistischen Region.

Zu einer der vielen Rahmenveranstaltungen gehörte auch die "Fiesta de Principios de Siglo", war zuerst nichts anderes heißt als Feier des Jahrhundertbeginnes und jetzt bitte nicht zu deutsch sein, wir meinen dabei natürlich das vergangene Jahrhundert, auch wenn wir es nicht explizit erwähnen. - Wieder mal durften die Schönen der Stadt sich in Kostüme drängen, Charleston tanzen und anstatt Bier und Wein gab es Champagner (von mir aus auch Cava oder Schaumwein) zu trinken. Das gefällt unseren Damen, sich ständig neu zu kleiden und solch ein Motto beflügelt natürlich auch wieder die Phantasie. Stilecht, zumindest in einigen Fällen, präsentierte dazu die Vereinigung der Oldtimerliebhaber einen großen Autokorso durch El Paso und auch wenn das Modell des Fahrzeuges und das Kleid der beifahrenden Dame nicht jede Epochenprüfung überstehen würde, Fest zu feiern, das versteht man in El Paso in schier nicht enden wollender Aufsässigkeit. - Muss man eigentlich noch erwähnen, dass der Oldtimerclub El Pasos der mit den meisten alten Wägelchen der Insel ist? - Wer sich die Kutschen und die Damen näher ansehen will, der klickt HIER.


Nostalgie in El Paso



Dienstag 29.08.06 - 08:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 23 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 55 % Luftdruck 1020 hPa

Ausnahmen bestätigen die Regel

Nicht, dass mir nichts anderes einfällt, aber jeden Tag über Politiker oder das Flüchtlingsdrama auf den Kanaren zu berichten, das macht depressiv... Der August liegt fast hinter uns und reiht sich nahtlos in einen Sommer, der von den meteorologischen Werten so etwas von unspektakulär war, dass man den deutlich stattfindenden Klimawandel eigentlich wieder ins Reich der Spekulationen drängen will. Der Nordostpassat war eigentlich fast immer präsent, mit ein paar normalen Absenzen, aber das ihn antreibende Azorenhoch ließ doch frühere Kraft vermissen. Anstatt eines strammen Kerndrucks von an die 1040 hPa und damit unerschütterliche Festung auf dem Nordatlantik, zeigte sich das große nordatlantische Hoch eher schwächlich und meist unter 1030 hPa und damit nicht immer ganz Herr der Dinge. Für uns bedeutete das zunächst nichts anderes als weniger starken Wind, nicht dramatisch aber auf Dauer würde das zu großen Änderungen um den Wasserhaushalt der Insel führen, wir brauchen auch im Sommer die dicken und feuchten Passatwolken die im Norden und Osten der Insel, vom Passat getrieben, dort ihre nasse Fracht mit uns teilen.

Sieht man sich die Temperaturen diesen Sommer auf La Palma an, dann gab es bislang nicht einen einzigen Tag, an dem das Thermometer über die 31 Grad Marke gelangte, für unsere Breiten ein spektakulär unspektakuläres Ergebnis. - Man kann in jeder Suppe ein Haar finden und Spezialisten tun da sogar selber eins rein, wenn man trotz aller Miesepeterei keines entdecken konnte, aber Klimawandel muss nicht mit Donner und Blitz auf uns zukommen oder mit Überschwemmungen und Hurrikanen, leise, still und heimlich ist mindestens so wirkungsvoll und auf die Dauer auch ein Fakt. - Man misst das gerne immer an extremen Wettersituationen und da gibt es einen weltweiten klaren Trend, der meist aber von der Statistik wieder zurecht gestutzt wird. Klimawandel gab es immer und der findet auch immer statt, zu jeder Epoche der Weltgeschichte nur mehren sich die Anzeichen, dass wir da heftig mitgeholfen haben und nun dem Wandel eine Geschwindigkeit verliehen haben, der uns alle ratlos macht und nach Normalitäten suchen lässt. Dazu könnte dieser Sommer auf La Palma dienen, aber der war auch nicht normal. - Da wir das Klima ja nicht spüren, sondern nur das Wetter, kann man sich hervorragend auf die Bauernregeln verlassen, die da so einsam weise Dinge von sich geben wie: Steigt der Hahn auf den Mist, ändert sich das Wetter oder es bleibt wie es ist. Ich halte mich lieber an das Global Forecast System und das meldet dann doch mal Hitze für das Wochenende, das Azorenhoch nimmt sich Ausgang und geht zum Hahn, um mal über das Wetter zu reden.



Montag 28.08.06 - 18:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 28 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 62 % Luftdruck 1021 hPa
Höchsttemperatur heute: 29,4 Grad, niedrigste Temperatur: 22,8 Grad

Frontex oder Taktik

Auf einmal kommen viel weniger "Cayucos" auf die Kanaren als noch in der letzten Woche, es gab sogar mal einen Tag, an dem völlige Ruhe herrschte. Das ist auch gut so, denn inzwischen gibt es ernsthafte Probleme mit einigen Festlandsprovinzen, die wollen keine Flüchtlinge mehr aufnehmen, obwohl sie nach einem Gesetz dazu verpflichtet sind. - Dabei handelt es sich aber um politisches Gebrüll, es sind Provinzen in denen die regierenden Sozialisten nicht auch die Mehrheit in der Provinzregierung haben. - So können wir von Glück sprechen, dass entweder der Einsatz der europäischen Frontex uns davor bewahrt, dass unsere Auffanglager überquellen, oder aber die Schlepper lediglich eine neue Taktik formulieren. Nachrichtendienste wollen mitbekommen haben, dass die Schleuser noch vor dem Beginn der Frontex Präsenz so viele "Cayucos" wie möglich auf den Weg gebracht haben, das würde für den ganz massiven Zustrom an Flüchtlingsbooten in den letzten Wochen sprechen. Als "Cayucos" bezeichnet man die langen und schlanken, aber hochseetüchtigen Fischerboote aus dem Senegal und Mauretanien, im Gegensatz zu den eher gedrungenen und nicht ganz so flotten "Pateras", welche in den Maghrebländern gebräuchlich sind.

Auf jeden Fall spielt die Abmachung mit dem Senegal, auch dort die Seegrenzen kontrollieren zu können eine mit entscheidende Rolle. Nächster Schritt wäre die Zusage des Senegal alle Flüchtlinge, die von dort gekommen sind auch wieder zurück zu nehmen, auch wenn es sich dabei nicht um senegalesische Bürger handelt. Sollte das gelingen, dann müssen die Schlepper völlig neu überlegen und entweder noch weiter südlich aus Westafrika starten, oder die Kanaren als Sprungbrett nach Europa aufgeben. - Aber so weit sind wir noch nicht, selbst aus dem eigentlich "abgedichteten" Marokko und Mauretanien schaffen es noch Boote zu uns, werden aber immer häufiger noch an deren Küsten aufgebracht und wieder an Land verwiesen. Die nächsten Wochen werden es zeigen, ob die Frontex ihre Aufgabe besser erledigt als befürchtet, oder die Schlepper eine neue Taktik ausbaldowern. - Denn eines ist klar, die Verschiffung von extrem billigen Arbeitskräften nach Europa ist ein lohnendes Geschäft und das gibt man nicht einfach auf. Ich darf daran erinnern, dass die UNESCO über Studien verfügt, aus denen hervorgeht, dass mit dem Menschenhandel inzwischen deutlich mehr Geld verdient wird als mit Drogen. - Auf Tenerife ist man den Geschehnissen wieder einmal voraus, man will ein "Cayuco" im geschichtlichen Museum der Insel aufstellen. Da gehört es auch sicher hin, das ist ein Teil unserer Geschichte, aber meist kommen doch Exponate erst in Geschichtsmuseen, wenn dieser Teil der Historie abgeschlossen ist. - Na ja, vielleicht wissen die auf der "Mutter aller Inseln" mal wieder mehr als wir.



Montag 28.08.06 - 08:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 23 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 55 % Luftdruck 1020 hPa

Wer hat Angst vorm PGO ?

Was ein Glück, oder Pech, je nach Lage der Dinge. Auf La Palma kommen keine schwarzafrikanischen Flüchtlinge an, so gelingt es unseren Politikern schlecht vom Tagesgeschehen abzulenken. - Wie leicht ist es große Reden zu schwingen und internationale Solidarität zu fordern, wie schwer ist es den Nachbarn zu erklären, warum gerade durch ihr Grundstück eine Straße geplant ist oder warum sie kein Zimmer mehr für die Kinder anbauen dürfen. - Die an die Gemeinden gerichtete Aufgabe, schnellstmöglich lokale Flächennutzungspläne zu entwerfen, die einen Planungszeitraum von an die dreißig Jahren zu berücksichtigen haben, erweist sich nun als gewaltiger Stolperstein und wohl maßgeblich für die Kommunalwahlen im Mai 2007. - Man kann sich mit diesen Papieren nur Ohrfeigen einhandeln, gefundenes Fressen für alle Oppositionsgruppen die da ganz einfach fordern können: Zeigt her euren Plan und wir deuten dann mit dem Finger darauf, was ihr alles für Blödsinn gebaut habt.

Dabei muss man den Gemeindepolitikern zugute halten, die Pläne werden von Architekturbüros erstellt und sind von den Texten her für Normalbürger völlig unverständlich, die Mitarbeit der lokalen Politiker beschränkt sich darauf aus verschiedenen Vorschlägen der Architekten einen auszusuchen. - Noch bevor dieses hässliche Wort Bürgerbeteiligung (colaboración ciudadana) in unserem Sprachgebrauch Einzug gefunden hat, erschienen Zukunftspläne wirklich erst wenn diese unterschriftsreif waren und wurden in den Plenen der Gemeinden unter freiwilligem Ausschluss der Öffentlichkeit abgenickt. - Noch gibt es keine wirkliche Bürgerbeteiligung, alle lokalen oder inselweiten Pläne sind still und dunkel und kryptisch so verfasst worden, dass kaum einer sich die unendliche Mühe gemacht hätte, diese profund zu studieren. Seitdem die "Schlange von El Paso" nun erst die Bürger und dann die, die von den Bürgern gewählt werden aufgeweckt hat, tut sich so einiges. Bislang beschränkt sich zwar das Wort Bürgerbeteiligung als wunderbare Wahlkampfhilfe für alle lokalen Oppositionskräfte, die brauchen den Bürger noch nicht zu fürchten und fordern nun unisono die nachträgliche Beteiligung der Bürger, als würde das noch etwas nützen, denn sie haben ja die Pläne nicht gemacht. - Ganz gespannt ist man nun auch auf den Flächennutzungsplan von Los Llanos, von dem wird bislang nur getuschelt und am liebsten hätte man 10 Flüchtlingsboote pro Tag in Puerto de Naos, dann könnte man den Plan unbeobachtet aushängen und verabschieden, ohne dass jemand davon Notiz nehmen würde. - Es wird furchtbar spannend die nächsten Jahre auf La Palma.



Sonntag 27.08.06 - 19:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 29 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 51 % Luftdruck 1018 hPa
Höchsttemperatur heute: 29,5 Grad, niedrigste Temperatur: 20,5 Grad

Wir haben noch eine Bürgermeisterin

Nicht erschrecken, politisch wird sich nichts in El Paso tun, die neue Bürgermeisterin ist das ehrenhalber, aber dafür perpetua, also lebenslang, oder besser für immer. - Denn es handelt sich dabei um Nuestra Señora de El Pino, ohnehin schon Schutzpatronin dieses fröhlichen aber auch frommen Ortes El Paso und damit bestens geeignet unserer weltlichen Bürgermeisterin Loli oder feierlicher, Maria Dolores Padilla Felipe in allen Belangen unter die Arme zu greifen. - Wie kann man so etwas schöner und bunter zelebrieren als mit einer kreolischen Messe unter freiem Himmel, die bei uns sehr gerne aufgeführt wird, zeigt sich doch hervorragend unsere tiefe Verbundenheit zur religiösen amerikanischen Kultur. - Wenn wir Amerika sagen, dann meinen wir grundsätzlich die süd und mittelamerikanischen Staaten und nicht die Estados Unidos (EEUU) wie das Gringoland bei uns genannt wird.

Man kann eine "Misa Criolla" einfach nur aufführen und sich am Gesang und den südamerikanischen Klängen erfreuen, man kann aber auch eine richtige Messe daraus machen, mit all der notwendigen Liturgie versehen. So wird das natürlich bei uns gemacht und die Stadt macht daraus ein mittelgroßes Fest mit feinem Zwirn und großem Bahnhof. - Meine Frau meinte nur zu mir: Gehst du wieder nach Ascot? - Wer sich die Photos ansieht, der wird bald merken was meine Frau damit meint. - Auf jeden Fall ist solch eine Misa Criolla wunderbar dazu geeignet jegliche europäisch aufgezwungene Frömmigkeit einfach weg zu singen. Auch für die vielen südamerikanischen Mitbürger El Pasos ist das ein kleines Stückchen einer, vielleicht manchmal vermissten Heimat. Was ich immer ganz lustig finde, sind die weißen "gorras", also Baseball Käppchen welche das klerikale Hauptpersonal dabei zum Schutz gegen die sengende Sonne trägt. Diese Mützen gelten hier auch als das Erkennungszeichen der Südamerikaner, kaum ein Palmero trägt sie. - Was ich noch gerne gehört habe ist die Ansprache von Loli unserer weltlichen Bürgermeisterin. Dabei hat sie ganz besonders hingewiesen, wie eng verknüpft die Geschichte unserer Schutzpatronin auch mit dem Respekt vor der Umwelt verbunden ist. Das war vor 150 Jahren so und die Virgen de El Pino möchte uns auch heute noch beistehen und Vorbild sein, wenn es darum geht, auf unsere Umwelt besonders zu achten. - Da stehen ganz konkret einige Dinge auf der Tagesordnung und anders kann das Loli nicht gemeint haben. - Einen kleinen photographischen Sonntagausflug nach El Paso und der kreolischen Messe gibt es HIER.


Misa Criolla en El Paso. Agosto 2006



Sonntag 27.08.06 - 09:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 21 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 62 % Luftdruck 1019 hPa

Niemand riecht sich selber gerne

Die Umbauarbeiten an der Kläranlage in Puerto de Tazacorte sind abgeschlossen und nun könnte man meinen, dieses wenig appetitliche Thema "ad locum" packen zu können. Nach jahrelangen Auseinandersetzungen, wer denn das bezahlen würde, hat man endlich die Finanzierung zwischen dem Wasseramt und dem Rat für Infrastruktur aufteilen können. Eine neue, mehr als doppelt so große Turbine ist jetzt installiert und rührt nun kräftig, so dass der Betreiber der Kläranlage "Canaragua" geklärten Vollzug an die Gemeinde melden konnte, diese will nun das Wasser dazu nutzen, die Grünanlagen im Hafen von Tazacorte zu gießen.

Da in Puerto de Tazacorte aber nichts ohne Probleme oder wenigstens Polemik abläuft, melden nun die unmittelbaren Anwohner der Kläranlage in Ortsteil "El Carmen" weiterhin Geruchsbelästigungen zu bestimmten Tageszeiten. "Canaragua" behauptet felsenfest, die Anlage läuft korrekt und es sei eines der am besten geklärten Abwässer der gesamten Insel. Die Anwohner sagen aber, es stinkt uns weiter und nun scheint man seitens der Gemeindeverwaltung auf den Grund des ungeklärten Geruchs gekommen zu sein. Die Kläranlage in Puerto de Tazacorte nimmt ja nicht nur die Abwässer aus dem Hauptort Tazacorte auf, sondern auch noch die eigenen. Da die Kläranlage aber etwas höher liegt als die meisten Häuser, muss das Abwasser mittels Pumpen in die Kläranlage geschickt werden. Der Geruch käme nun nicht aus der Kläranlage, sondern aus den Pumpstationen, welche die unmenschlich riechenden menschlichen Überbleibsel zu der Kläranlage transportieren. Da die Geruchsbelästigung immer nur zeitweise auftritt, ist man sich über Stinkepumpentheorie einig und will diese, sobald Geld vorhanden ist, an anderer Stelle aufbauen. - Auch in Puerto de Tazacorte fließen Abwässer von alleine nicht nach oben, das wäre aber dann vielleicht das vom Vatikan geforderte Wunder, um endlich den Jesuitenpater Acevedo und seine 39 Glaubenskollegen auf einmal heilig sprechen zu lassen. Böse Zungen behaupten nun, es wäre besser eine gut funktionierende Kläranlage zu haben als 40 Heilige auf einmal, so viel republikanischer Freigeist weht bereits durch Tazacorte. Da kommt die Aufklärung noch vor der Klärung der eigenen Hinterlassenschaften und eines bleibt immer das Gleiche, vor seinen eigenen Absonderungen, aus welcher Körperöffnung die auch immer kommen, ekelt der Mensch sich am allermeisten.



Samstag 26.08.06 - 18:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 28 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 63 % Luftdruck 1018 hPa
Höchsttemperatur heute: 29,8 Grad, niedrigste Temperatur: 21,7 Grad

Kerosin wird nicht billiger

Heute mal wieder ein Gastkommentar zum Thema Zukunftsplanung La Palmas. Der Kommentar gilt zwar für alle Kanaren, aber La Palma steht noch davor, vielleicht kurz davor, eine endgültige Abhängigkeit vom Massentourismus einzugehen. - Liest man die Pläne der Inselregierung von 25.500 Hotelbetten für die nächsten Jahre, dann kann man das einfach nicht anders betiteln. Abgesehen von den ganzen negativen Folgen für die gewachsenen sozialen Strukturen und nur knapp vorhandenen Ressourcen gibt es auch noch folgende Zukunftsperspektive zu beachten:

Die Asociación Canarias ante la crisis energética (nennen wir es einfach Energiekrise-Vereinigung) sieht eine ernsthafte Gefährdung des Tourismus auf den Kanaren durch steigende Ölpreise, und zwar weniger durch macht- oder kriegsbedingte Verknappung des Rohstoffs, sondern langfristig insbesondere durch die ganz natürliche Erschöpfung der Erdölreserven.

Verfolgt man die Gedankengänge, erscheint die Sorge nachvollziehbar.

Auf der einen Seite bringen immer mehr Billigticket-Airlines immer mehr Billigticket-Touristen auf die Inseln. Sämtliche Gedankenspiele, durch Erweiterung der Billigflug-Airlines den Tourismussektor ausbauen zu können, bezeichnet die Asociación Canarias ante la crisis energética als eine "Flucht nach vorn und Selbstmord", denn zunehmende Treibstoffverteuerung führt gleichzeitig zu einer Verteuerung der Flugpreise wegen der notwendigen Erhebung von Treibstoffzuschlägen, um noch halbwegs rentabel zu arbeiten.

Eine weitere Verteuerung wird dann wiederum verursacht durch einen daraus resultierenden Rückgang der Besucherzahlen. Die nicht mehr ausgelasteten Billig-Airlines verschwinden wieder vom Markt, da nicht rentabel. Die letztendlich wenigen verbleibenden Airlines teilen den Kuchen unter sich auf und nutzen die vorhandene (relativ große) Nachfrage bei gleichzeitiger Verknappung des (begrenzten) Angebots für Preiserhöhungen.

Letztendlich reduziert sich das Besucherkontigent (wobei insbesondere die Besucher aus Great Britain und Deutschland genannt werden) auf eine Zahl von (relativ) wenigen Besuchern, für die nicht der Preis, sondern das Ziel ausschlaggebend für die Wahl des Urlaubslandes ist. Das Ergebnis wird nach Einschätzung der Asociación Canarias ante la crisis energética langfristig ein Ende des Massentourismus sein, ein immenser Verlust an Arbeitsplätzen auf den Inseln und damit verbunden eine massive Verschlechterung der Wirtschaftslage droht.

Mit dieser Einschätzung konfrontierte die Asociación heute die kanarische Regierung.




Samstag 26.08.06 - 10:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 22 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 74 % Luftdruck 1020 hPa

Zwei Nummern zu groß

El Paso bleib bei deinen Leisten. Das Konzert von gestern Abend, nein, von heute Früh, denn erst kurz vor eins kam die Girlieband auf die Bühne um uns endlich von der grausamen Vorstellung eines einsilbigen DJs zu retten. Nur bei Alzheimerkranken hinterlassen zwei Stunden Da Da Da oder sprachlich virtuell vorgetragen Da Da De De De keine bleibenden Schäden, ich mache mir echte Sorgen um die Volksgesundheit. (Aber das war immer so, some call it music, some call it Krach) Dazu herrschte ein derartiges Gedränge, die Leute waren von überall hergekommen und auch sehr viele Besucher der anderen Inseln und vom Festland, dass uns, meiner großen Tochter und mir, nur noch die mühsame und lange Flucht durch die hüpfenden Menschenmassen blieb. Erst als ich den vertrauten Kirchturm von El Paso wieder schemenhaft erkennen konnte wusste ich, wir sind in Sicherheit, das ist kein Traum und jetzt schnell nach Hause.

Andere werden Zahlen nennen können, es waren sicherlich mehr als beim auch engen, aber sehr diszipliniert abgelaufenen Konzert von Ana Torroja. Da die Polizei und die Sicherheitskräfte alle um den Festplatz versammelt waren, war der Rest des Ortes und auch die Hauptstraße ein großer und phantasievoller Parkplatz geworden, wer den Knoten wieder gelöst hat weiß ich nicht, an manchen Stellen hatten, von unendlicher Parkplatzsuche genervte Wagenführer ihr Gefährt einfach dort stehen lassen wo es nicht mehr weiter ging und aus Straßen so Fußgängerzonen gemacht. - Die Kombination, aktuelle Stars, große Ortsfeierlichkeiten und Wochenende zusammen ist wohl nicht ganz das passende für unsere kleine Stadt, das war deutlich zwei Nummern zu groß. - Gut, wir wollten das ausprobieren und tun alles um die Fiestas de Nuestra Señora de El Pino zu einem großen Volksfest werden zu lassen, aber ob man sich, als Stadt und Bevölkerung so ein überzogenes Rahmenprogramm noch mal antun muss, das möchte ich deutlich in Frage stellen.



Freitag 25.08.06 - 18:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 29 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 60 % Luftdruck 1017 hPa
Höchsttemperatur heute: 29,5 Grad, niedrigste Temperatur: 19,5 Grad

Zappelnde Weltstars in El Paso und wir sind dabei

Weltstars definieren sich immer auch an der Größe der eigenen Welt... An mir ist mal wieder etwas vorbei gegangen, mag am Alter liegen. Reggaeton nennt sich ein junger Musikstil, ursprünglich aus Mittelamerika und nur noch schwer an die Reggae Musik erinnernd, die uns auf unserem blumigen Weg in den Konformismus begleitet hat... Zum Reggaeton gibt es ausführliche Erklärungen bei Wikipedia, aber ich bin mir sicher, für Sie ist das ein alter Hut. - Um nicht völlig alttrottelig vor meinen Kindern dazustehen habe ich mir mal ein paar Videos angesehen und Lieder angehört und ich muss schon sagen, genau die richtige Begleitmusik in einem Rahmenprogramm für devote Jungfrauenverehrung. - Nicht vergessen, das gehört immer noch zur Fiesta unserer Schutzpatronin Virgen de El Pino. Zwanzigjährige Zwillinge aus Tenerife zappeln leicht, bis kaum bekleidet zu einem angenehmen Rhythmus der mit wenig Begleitmusik auskommt aber sehr fesselnd ist. - Oder waren es die leicht bekleideten Mädels?

Wenn es in der aufregenden Welt der lateinamerikanischen Musik noch so etwas wie bürgerliche Namen gibt, dann sprechen wir über Gara und Loida Hernández, die als Duo "K-Narias" einer der erfolgreichsten Musikexporte der Kanarischen Inseln sind. Hier redet alles unter 25 seit Tagen von nichts anderem , K-Narias kommen nach El Paso, für lau und wir können ganz nah dran sein. - Man erwartet sogar noch mehr Zuschauer als bei dem, für El Paso historischen Konzert von Ana Torroja, dort sollen es an die 8.000 Menschen gewesen sein und eigentlich glaube ich ja, dass mehr gar nicht mehr geht. Allerdings lockte die gute Ana eher unser Alterskaliber und K-Narias auch die ganz Jungen und da muss dann tutorisches Begleitpersonal anrücken, ich lasse meine Mädels nicht ohne Aufsicht unter mehreren Tausend zappelnden Teenies. - Ich bin jetzt schon müde und angekündigt ist das Konzert für 23:00 Uhr, fängt also wohl Mitternacht an, aber Müdigkeit hin und her, meine Damen fordern es und ich werde schon einen ruhigen Platz am Kiosk von Patt und Pattachon finden. - Wenn es morgen die Nachrichten etwas später gibt, dann wissen Sie warum.



Freitag 25.08.06 - 09:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 20 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 77 % Luftdruck 1016 hPa

Horrormeldung für La Palmas Weinbauern, drei Rekordernten in Folge

Wo bleibt der Sturm, wo die Schädlinge, Bacchus hat kein Einsehen und erschlägt unsere Winzer mit der dritten Rekordernte in Folge. - Wer aus der Landwirtschaft kommt der weiß, dass es keine Idealzustände gibt und wenn man nicht über Hitze, Trockenheit und Missernten schimpfen kann, dann schlägt die Überproduktion gnadenlos zu und die Preise für Trauben sinken ins Bodenlose. - Selber Schuld könnte man sagen, hat man doch kräftig nachgeholfen in den letzten 10 Jahren dem Weinbau auf La Palma zum zweiten Zugpferd nach der Banane zu machen. An der Qualität kann es nicht liegen, der Verkauf ist auch steil angestiegen und der "Consejo Regulador de la Denominación de Origen de Vinos de La Palma" hört nicht auf zu verkünden, dass Flaschenweine aus La Palma inzwischen auf dem gesamten kanarischen Archipel konsumiert werden. Das hilft alles nichts, man muss nicht nur produzieren, sondern auch verkaufen, sonst muss man alles selber trinken und das wollen wir uns aus gesundheitlichen Gründen nicht antun.

Die Weinlese hat bereits begonnen, traditionell zuerst in der Küstenzone von Mazo und bis die letzten Trauben in den hohen Regionen von Garafía im Keller sind, vergehen drei Monate in denen auf La Palma Wein geerntet wird. Wenn alles gut geht, dann schätzt man die diesjährige Traubenmenge auf runde 2 Millionen Kilo und viele der 16 zertifizierten Bodegas aus La Palma haben noch Wein aus dem Jahr 2004 in den Kellern liegen. - Unser Wein wird aber, von kleine Ausnahmen abgesehen, jung getrunken und will und kann sich nicht mit den Senatorklasseweinen aus dem Bordeaux oder Rioja vergleichen, da heißt es nach den Gesetzen der Marktwirtschaft, runter mit den Preisen, sonst bleibt man auf seinem Wein sitzen. Das Wetter ist wie immer daran Schuld und da muss ich einhaken, es klingt fast aberwitzig, wir haben einen idealen Sommer hinter uns (und sind noch mitten drin) keine meteorologischen Eskapaden gefährdeten die Weinfelder und schon wieder gibt man dem Wetter die Schuld. - Dieses Mal aber weil es keinen Mist gebaut hat und so die Winzer vor das Problem der Überproduktion stellt. - Bürger trinkt mehr Wein aus La Palma, sonst werden die Winzer traurig und für das kommende Jahr müssen wir uns irgendein Unwetter ausdenken, so kann das nicht weiter gehen...


vino de La Palma



Donnerstag 24.08.06 - 19:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 27 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 52 % Luftdruck 1016 hPa
Höchsttemperatur heute: 27,6 Grad, niedrigste Temperatur: 20,4 Grad

Und wir qualmen weiter

Gut, dass ich mich noch nie als vernünftigen Menschen bezeichnet habe, das stünde auch in trefflicher Dissonanz mit meiner, noch legalen Droge, dem Tabak. - Man macht es uns aber auch nicht wirklich schwer, hier auf La Palma rauchen immer noch mehr Menschen als im nationalen Schnitt und man lässt uns gewähren, das Pharisäertum ist hier auch nicht sonderlich verbreitet. Seit Januar ist das neue Anti-Tabak Gesetz in Kraft und alles was sich bis jetzt getan hat, ist dass manche Speiserestaurants auf quarzende Gäste verzichten und wir im Umkehrschluss auf diese. Da habe ich aller größtes Verständnis für, reine Speiserestaurants und dann vielleicht noch ohne Terrasse, können Nichtraucher nur schwer von unserem Qualm schützen. Wer da zweigleisig fährt, weil es die Räumlichkeiten erlauben, der muss um dem Gesetz genüge zu tun peinlich darauf achten alle Vorschriften zu erfüllen. So darf zum Beispiel nicht im Eingangsbereich eines Restaurants geraucht werden, jeder Nichtraucher muss ohne einen Raucherbereich betreten zu müssen in seinen rauchfreien Raum gelangen und auch auf die Bäder. Da haben viele Restaurantbetriebe noch großen Nachholbedarf und in ein paar Tagen läuft die Schonfrist ab, nämlich am 1. September.

Die spanische Verbraucherschutzorganisation weist darauf hin, dass nach ihren Schätzungen bis zu 90% aller gastronomischen Betriebe die Auflangen nicht erfüllen oder zum teil falsch interpretieren. Ab dem 1. September werden Kontrollen angekündigt, ohne zu wissen, wer das denn kontrollieren soll. Der Strafenkatalog ist so lang und dick wie die Queen Mary II und ich bin mal gespannt wer hier und besonders von wem, seine erste Zigarre verpasst bekommt. - Für Restaurationen die unter einer Gastraumfläche von 100 qm² liegen gilt das eh alles nicht, die können frei wählen, Tee und Mineralwasserpublikum oder quarzende Zecher. - Hier auf La Palma gibt es kaum noch Nichtraucherbars, nur einige reinrassige Speiselokale halten das durch und finden auch das entsprechende Publikum. Denn eines ist klar, der Wirt müsste schon militanter Nichtraucher sein, wenn er mit der Entscheidung gegen die Raucher die Zukunft seines Etablissements aufs Spiel setzt. Ich habe einige Lokale gesehen, die nach ein paar Wochen plötzlich wieder auf Raucher gesetzt haben, ganz einfach weil der Umsatz an einer Nikotinmangelversorgung litt. - Nun fordern manche schon, die Gesetze noch weiter zu verschärfen und italienische oder gar amerikanische Verhältnisse auch hier zu implantieren. Wir sind aber nicht in Italien und schon gar nicht in Nordamerika, tut uns das nicht an, oder erst wenn ich das Rauchen aufgegeben habe.

Noch eine Empfehlung in fast eigener Sache. Kalle Körner hat mit seiner Firma "Slice Production" immer auch mal wieder La Palma aufs Korn genommen. Herausgekommen sind dabei sehenswerte Bilder und Filme in professioneller Qualität und in einem kommt sogar Kater Paul drin vor. (Professionelle Darsteller sind halt auch wichtig). Ich kann einen längeren Blick auf die Seite wirklich nur empfehlen, der hat ein gutes Gespür für diese Insel und spektakulär unscheinbare Dinge eingefangen. Allerdings sollten User, die nicht die Gnade der schnellen Leitung haben sehr, sehr viel Geduld mitbringen.



Donnerstag 24.08.06 - 08:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 20 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 76 % Luftdruck 1016 hPa

Platano versus Banana

Auch wenn diese Insel zum großen Teil vom Bananenanbau ihren Schmierstoff für das volkswirtschaftliche Gelingen erzielt, ist man hier auf Bananas nicht gut zu sprechen. Hier nennt man die kleine, gelbe und Glück bringende Frucht Platano und grenzt sich damit schon verbal und auch phonetisch von der größeren südamerikanischen Banane ab. - Diese, von welchem Onkel auch immer, ist seit jeher das Schreckgespenst der kanarischen Bananenproduzenten, produzieren diese doch derart billig, dass trotz der viel weiteren Verkehrswege die "Dollarbanane" ein entscheidendes Stück billiger ist als unsere Platanos. - Wie versucht man der Landwirtschaft in Hochlohnländern das Überleben zu sichern? Nachdem Protektionismus nicht mehr haltbar ist, macht man das mit Hilfen staatlicher Seite, von vielen verächtlich als Subventionen beschimpft. Bei den europäischen Bananen, auch Frankreich, Portugal und Griechenland produzieren Bananen, schwanken die Zukunftsaussichten Jahr für Jahr hin und her, letztendlich entscheidet die Welthandelsorganisation darüber ob unsere Bananen überleben werden, oder der Konsument.

Erst Januar dieses Jahres hatte man sich geeinigt, dass die süd und mittelamerikanischen Produzenten pro Tonne eingeführte Bananas einen Strafzoll von 176.- Euro zu bezahlen haben. Damit schrumpft der Preisvorteil ein bisschen und aus diesen Zöllen sollen auch die notwendigen Hilfen für die europäischen Bananen bezahlt werden. - Davor gab es Kontingente die ohne Abgaben eingeführt werden konnten und überschritt man diese, dann wurden saftige Zölle fällig. - Der jetzige "tarifa única" wurde über fast zwei Jahre ausgehandelt, die europäischen Produzenten wollten den "arancel" allerdings bei knappen 300,- Euro wissen, die Amerikaner bei unter 100,-. Man hat schluchzend, beide Seiten haben große Bananentränen vergossen, den Kompromiss 176,- Dollar angenommen und nun kommt die nächste Attacke aus Costa Rica und Ecuador, dort will man, dass die Welthandelsorganisation erneut verhandelt und die Abgaben drastisch senkt. - Da müssen nun die Europäer zusammenhalten und genau da liegt das Problem. Nur die Länder welche selbst Bananen produzieren sind daran interessiert, die Mehrzahl der europäischen Länder aber will den Unterschied zwischen Banana und Platano nicht akzeptieren, denen ist es egal was mit unseren Landwirten wird. - Ist nicht böse gemeint, kein kanarischen Bananenbauer interessiert sich im Gegensatz dazu, was zum Beispiel der mitteleuropäische Landwirt für einen Liter Milch erhält. - Europäische Solidarität, ein naiver Traum angesichts globaler Angebote und Dumpingpreise die nur auf Grund erheblicher Lohnunterschiede zustande kommen können. Freude schöner Götterfunke...



Mittwoch 23.08.06 - 19:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 27 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 62 % Luftdruck 1019 hPa
Höchsttemperatur heute: 27,6 Grad, niedrigste Temperatur: 18,3 Grad

Was wohl Herr Reich-Ranicki sagen würde

Bei uns zuhause wird viel gelesen, meine Frau die Literatur, meine Kinder Bravo, Girls und andere erbauende Lebensratgeber, ich die Telefonrechnungen und Kater Paul liebt Bilderbücher. Aber nicht alles, was gedruckt auf unschuldigem Papier steht, taugt auch wirklich etwas, nicht alles kann fesseln und einem den Tag im Fluge rauben. - Meine Telefonrechnungen mit den Kinderhandys sind allerdings wohl tagesfüllend, aber wirklich erbauliche Literatur ist das auch nicht. - Meine Frau ist Platinmitglied mit Exlibris am blauen Band bei einem bekannten Internetanbieter, für alle Art von Literatur der uns fast täglich solch nette Nachrichten zukommen lässt mit der Betreffzeile: Ihre Bestellung wurde versandt. Ich warte nur noch darauf, dass Herr Amazon hier anruft und sich nach meiner Frau erkundigt, wenn sie mal zwei Tage nichts bestellt hat. Aber auch für die Kinder bestellt sie hin und wieder etwas, die sollen nicht nur spanisch lesen, sonnßt scraiben di speta so. - Ich habe auch schon mal ein Buch bekommen, das hatte den eher peinlichen Titel: Wie werde ich ein effektiver Shoppingbegleiter, Autogenes Training gegen Testosteron.

Paul stört sich weniger an Titel oder Sprachen, ihm ist die bunte Welt der Bilder angenehmer, das soll ihn wohl mit der Hälfte der mitteleuropäischen Bevölkerung eng verbinden, lesen ist eins, verstehen etwas anderes und begreifen die hohe Schule der Lesekunst. - Man kann auch so weit gehen und zu den nachmittäglichen Talkshows in Privatsendern das "Buch zur Sendung" anbieten, ich bin dann mal gespannt, ob das auch so viele kaufen wie das Buch in dem ein blonder Sängerknabe über sein gebrochenes Fortpflanzungsorgan berichtet hat. - Nicht so viel lästern, Paul ist auch nicht sehr viel anspruchsvoller und hat in letzter Zeit sogar das Jagen auf Mäuse und Enten durch zweifelhafte Literatur ersetzt. Micky Maus und Donald Duck sind seit Wochen bei ihm auf der Bestsellerliste, lesen scheint nicht so anstrengend zu sein wie das robuste Auftreten gegenüber kleineren Beutetieren. (Das Wort robust steigt bei mir stündlich in der nach Westen hin offenen Vergewaltigungsskala für Worte, seit dem klar ist, dass unrobuste Menschen wohl Pazifisten sein müssen. - Noch hat dieses Wort aber Kollateralschaden nicht von der Spitze verdrängen können) Abschweifen ist meine Lieblingsmuse, wir waren bei den literarischen Vorlieben des Herrn Paul. Was gut ist bei diesen kleinen bunt bedruckten Heftchen, man muss den Text nicht unbedingt lesen und die Büchlein sind so handlich, dass Paul mich nicht mehr als Umblätterhilfe rufen muss. Das habe ich aber eigentlich immer gerne gemacht, dann komme ich mal von dieser komischen Kiste weg, an der ich viele Stunden des Tages verbringe. - Das letzte Heftchen welches wir ihm gegeben haben muss aber ziemlich langweilig gewesen sein, der Schlaf holte ihn eigentlich sofort. - Für alle Paulfans, die ersten Paulgeschichten habe ich jetzt mal zusammengefasst, dann muss man sich nicht durch die komplette Seite hangeln. HIER geht es zu Paul kompakt.


Donald Duck and spleepy Paul



Mittwoch 23.08.06 - 08:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 19 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 71 % Luftdruck 1020 hPa

Déjà-vu

Wir brauchen keine Autobahn, auch keine "autovía", wir brauchen ein gut ausgebautes Verkehrsnetz und dazu kann man die vorhandenen Trassen hervorragend nutzen. So klingt es nun aus der Ostseitengemeinde Breña Alta, auch dort sind nun die Bürger auf die Straße gegangen und haben ihren Protest gegen dieses völlig unnötige Prestigeprojekt vorgetragen. In Breña Alta liegt nun der lokale Flächennutzungsplan vor und auch dort taucht die "Schlange" auf, die uns laut den Aussagen der Provinzregierung Zukunft und Prosperität für Generationen versprechen. - Was wir an Gütern auf dieser Autobahn transportieren sollen, das sagt niemand dazu. - In Breña Alta hat man versucht aus El Paso zu lernen und die Landreserve für eine mögliche Schnellstraße zuerst gar nicht in den lokalen Flächennutzungsplan eingezeichnet. Das musste man aber nach einem schweren Rüffel von der Raumordnungsbehörde nachholen und nun steht man vor dem gleichen Schlamassel wie in El Paso. Eines hat man aber besser gemacht, weil ganz einfach aus El Paso gelernt, seitens der Gemeinde will man den eigenen Plan verwerfen und auch die Trasse aus dem Flächennutzungsplan entfernen, noch bevor man die lokalen Politiker in einen Topf mit dem Autobahnbau werfen kann.

In aller Deutlichkeit noch mal, weil es auch hier immer noch nicht alle verstanden haben, keine Gemeinde oder Bürgermeister kann eine Autobahn planen, bauen und auch nicht ablehnen. Der Bau solcher Straßen liegt ausschließlich in der Hand des Gobierno de Canarias und schreibt den Gemeinden vor, dass diese das Gelände zur Verfügung stellen müssen. Die einzige Möglichkeit sich gegen diese Art von angeordneten Infrastrukturmaßnahmen zu stellen ist politischer und gesellschaftlicher Druck. Ganz interessant dabei ist zu beobachten, dass lediglich in den Gemeinden Breña Alta und El Paso bislang die Landreserve auftaucht, beide Gemeinden werden nicht von der im Provinzparlament herrschenden Coalición Canaria regiert, sondern von den Sozialisten. - Man könnte nun vermuten, und ich bitte dabei den Konjunktiv zu beachten, um diese Gemeinden ist es nicht schade, wenn man Versuchsballons loslässt um mal auszuloten, wie weit man gehen kann. Denn eines ist klar, man verhindert damit auch die Durchsetzung der lokalen Flächennutzungsplane, die absolut notwendig sind um klare Rechtssicherheit für die Bürger der Gemeinde zu schaffen. - Das alles geschieht 9 Monate vor den Kommunalwahlen und man stellt damit die regierenden Gruppen in den beiden Rathäusern auf eine schwere Probe. - Allerdings glaube ich nicht, trotz fehlender kritischer Presseberichte, dass dieses Mal die Rechnung so einfach aufgeht, die "Zeit der Schuldlosen" ist auch hier auf La Palma bereits vorbei.



Dienstag 22.08.06 - 17:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 23 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 71 % Luftdruck 1020 hPa
Höchsttemperatur heute: 24,1 Grad, niedrigste Temperatur: 18,5 Grad

Estamos en crisis

Der Kater ist weg, aber die Katerstimmung noch da. Nachdem sich El Paso heute wieder mit reichlich Leben gefüllt hat, man muss ja irgendwann wieder so etwas erleben und abarbeiten wie Alltag, beginnt ein jährlich bereits bekanntes wie gefürchtetes anderes kollektives Phänomen, die Schulutensilien für den Nachwuchs müssen besorgt werden. - Das kommt dieses Jahr besonderes heftig, haben wir uns doch die letzten Wochen nicht gerade an Finanzplanungen gehalten, sondern meist heftig und über die eigenen Verhältnisse gefeiert. - Nicht jeder, aber jeder öfter... - Ein Kind mit Schulbüchern, Heften und weiteren Utensilien für die neue Klasse auszustatten kostet je nach Jahrgansstufe 150,- bis 250,- Euro. Dazu kommt eventuell noch eine Schuluniform dazu, oder aber gesellschaftlich dringend gefordertes neues "Outfit", man will seinen Bengel oder Bengeline doch nicht unzufrieden oder gar sozial auffällig gekleidet ins neue Schuljahr schicken. Dann noch Trolley, dabei braucht meine kleine Tochter wirklich jedes Jahr einen neuen, das ist das angesagte Schulbuch und Butterbrotbeförderungsgerät bis hin zur Mittelstufe, danach sind ganz individuelle Behältnisse angesagt.

Zwischen 600,- und 900,- Euro pro Schulgänger kostet diese Ausstaffierung mit notwendigen und weniger notwendigen Dingen, das reißt bei ganz vielen Familien derbe Löcher in den Haushalt, nicht alle haben nur zwei Kinder. Banken bieten jedes Jahr um diese Jahreszeit extra Kredite an um neben den Schulbüchern den Kindern auch noch zeitgemäße Kleidung zukommen zu lassen, ob diese Kredite tatsächlich häufig in Anspruch genommen werden, das kann ich aber nicht sagen. - Vor den einschlägigen Verkaufsstellen in denen es die Bücher gibt haben sich längst Schlangen gebildet und jeder Zweite möchte erst Mal wissen, wie viel er dann mitbringen muss um die gesammelte Ladung an Schulbüchern auch aus dem Laden tragen zu dürfen. - Die andern haben sich schon mit ihrem Schicksal abgefunden und verabschieden die bunten europäischen Bauwerke auf flachen Papierschnipseln fast schon lethargisch. - Draußen vor der Tür hört dieser gelähmte Zustand aber schnell auf und das gemeinsame Schimpfen auf die ungehörigen Ausgaben die man nun zu tätigen hätte werden zur überall hingetragenen vox popoli. - Meine Frau war heute Schulbücher und Hefte besorgen, knappe 400,- muntere Mücken und es fehlen sogar noch zwei Bücher und allerlei Kleinkram wie Gummis (Radiergummis), Zirkel, Schnappmesser und Buntstifte. - Dafür darf ich heute Abend jammern gehen, da ergänzen sich meine Frau und ich prächtig. - ¡Estamos en crisis!



Dienstag 22.08.06 - 09:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 19 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 65 % Luftdruck 1021 hPa

Gemeinsame Bootsausflüge vor dem Senegal

Endlich hat nun auch der Senegal erlaubt in seinen Hoheitsgewässern zu patrouillieren, damit könnte nun die Frontex, (auf deutsch: Europäische Agentur für die operative Zusammenarbeit an den Außengrenzen) ihre Arbeit dort aufnehmen. Unser Innenminister, Alfredo Pérez Rubalcaba ist mal ganz nach Außen gegangen und hat das mit seinem senegalesischen Kollegen besprochen. Unserem Provinzpräsident scheint das wohl nicht gelungen zu sein, der war vor kurzem auch da, aber ein Rat ist halt kein Minister. - Ziel ist es, die Flüchtlinge gleich nach dem diese in See gestochen sind, wieder zurück an Land zu schicken, noch bevor die Cayucos, wie man die schmalen aber hochseetüchtigen Fischerboote der westafrikanischen Länder nennt, internationale Gewässer erreichen. Wäre das der Fall, dann müsste Spanien diese Leute aufnehmen oder man kreiert ein virtuelles Schiffbruchszenario, um dann die Menschen wieder im nächsten Hafen und der wäre dann auch im Senegal an Land bringen zu dürfen. Eines war aber immer klar, ohne die Zustimmung des Senegal geht überhaupt nichts.

Die Frontex alleine wird aber nichts aufhalten können, für die gesamte Küste des Senegal stehen seitens der EU ein italienisches Küstenwachschiff und ein Flugzeug bereit. Nicht viel für 700 Kilometer Küste, deshalb schickt die Guardia Civil 2 weitere Patrouillenboote und einen Hubschrauber. Aber auch senegalesische Schiffe sollen an der Überwachung der eigenen Küste teilnehmen, dazu werden sie von der Guardia Civil mit modernen Funkgeräten und Nachtsichtoptik ausgerüstet. - Dabei soll ja auch der Trick liegen, sichtet man eines der Cayucos, auch außerhalb der Hoheitsgewässer, dann will man senegalesische Schiffe dorthin dirigieren und dann gibt es keine Probleme die Flüchtlinge wieder zurück an Land zu schicken. - Mit Mauretanien klappt das schon relativ gut, dort werden inzwischen mehr Flüchtlingsboote wieder zurück geschickt, als sie es tatsächlich bis auf die Kanaren schaffen. Allerdings hat das auch noch nicht dazu geführt, dass die Zahl der ankommenden Flüchtlinge spürbar abgenommen hätte, man zählt nun bereits in diesem Jahr mehr als 18.000 Schwarzafrikaner, die auf dem Weg nach Europa die Kanaren als erste Station nutzten. - Dabei darf man aber auch eines nicht vergessen, die Anzahl an illegalen Einwanderern liegt bedeutend höher und die kommen nicht mit einer Nussschale über den Atlantik gefahren, sondern mit dem Flugzeug. Vor allem aus den südamerikanischen Ländern kommen viele auf Touristenstatus und bleiben dann einfach und die haben es viel leichter. Können diese doch die Sprache, fallen nicht so schnell auf und haben meist bereits Familie oder Bekannte hier in Spanien, welche die ersten und weiteren Schritte möglich machen. - Politisch nutzt man aber die schwarzafrikanischen Flüchtlinge aus um plumpen Wahlkampf zu betreiben, nach ganz unten tritt es sich halt doch am einfachsten.



Montag 21.08.06 - 19:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 25 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 56 % Luftdruck 1021 hPa
Höchsttemperatur heute: 26,0 Grad, niedrigste Temperatur: 19,6 Grad

Heiliger Kater

Nein, nichts gibt es von Paul zu lesen, ich glaube kollektiv für den Ort El Paso sprechen zu dürfen, wir haben alle einen unkastrierten Kater und den nicht auf vier Pfoten, sondern im Schädel. - Es gibt natürlich auch Asketen in unserer Stadt, aber für die konnte ich noch nie sprechen, mangels Erfahrung, wer also heute keinen Kater hatte oder hat, dem gratuliere ich unbekannterweise. - In El Paso war natürlich Feiertag, in den anderen Orten nicht, aber nach dem zaghaften Autoverkehr zu urteilen, haben sich viele Leute diesen Tag frei genommen oder konnten einfach nicht zur Arbeit gehen. Man darf jetzt aber nicht daraus schließen, dass die katholische Kirche oder gar Jungfrauen die als Schutzpatroninnen dienen müssen immer einen höllischen Kater verursachen, das wäre ungerecht. Die katholische Kirche hinterlässt manchmal einen schalen Nachgeschmack, allerdings in den oberen Regionen, das Fußvolk, also die Pfarrer vor Ort, die stehen ganz dicht bei ihren Leuten. Und dass Jungfrauen schädlich für die körperliche Konstitution sind, daran kann ich mich beim besten Willen nicht mehr erinnern, es ist so lange her.

Es muss also an uns liegen und dieser andauernden Verwechslung von geistigen und geistlichen Getränken. - Es ist richtig, bei uns wird auf solchen Festen oft heftig gefeiert und gebechert, aber wir machen das kollektiv, ohne Schuldzuweisungen, Vorwürfen und was das allerschönste ist, es geht eigentlich immer ganz friedlich zu. Ich möchte nicht direkt von einem Gruppenzwang sprechen, aber auf der Romería alkoholfreies Bier oder Multivitaminnektar zu trinken, das geht nur in Ausnahmefällen. Als wir gestern oben aus dem Bus ausgestiegen sind hatte ich kaum meine Kamera umhängen können, schon drückte mir jemand ein kaltes Bier in die Hand und dieser Vorgang wiederholte sich öfter bis wir nach Stunden endlich im Ort angekommen sind. Es haben so viele Leute viel zu viel zu Essen und zu Trinken dabei, ich habe mich, nur mit Photoapparat und Wasser bewaffnet fast geschämt, nichts zurückgeben zu können. Das stört hier aber niemanden, es macht Spaß zu geben an solchen Tagen, dafür sind die Leute aus El Paso auch inselweit bekannt. - Apropos Kamera, trotz teilweise heftiger Kopfschmerzen habe ich mich an die Bilder der Romería gemacht, ich denke da geht auch gut dabei hervor, warum wir heute alle einen heiligen Kater haben. HIER geht es zu den drei Kapiteln Romería-Photos.


Romería in El Paso



Montag 21.08.06 - 09:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 20 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 66 % Luftdruck 1022 hPa

¡ Viva la Virgen !

Leider hat eines nicht sonderlich gut geklappt, die Webcams, etwa 20 an der Zahl waren nur schlecht, oder gar nicht zu erreichen. Da darf man noch mal nachfragen, weil Technik grundsätzlich funktionieren kann. - Das war auch schon die einzige Kritik, ansonsten hat alles wunderbar funktioniert, man musste sogar eine künstliche Verspätung einbauen um die Statue der "Nuestra Señora de El Pino" nicht wieder grausam pünktlich im Ort eintreffen zu lassen. - Ab 12:00 Uhr gab es Shuttlebusse aus dem Stadtkern zu den "Hotspots" der Romería, wer versuchte mit dem eigenen Auto dorthin zu gelangen, der hatte einfach selber Schuld. - Es hat ja nicht jeder das ausgesprochene Glück in El Paso zu leben, von den 20 bis 25 Tausend Besuchern der Romería musste die Großzahl ja irgendwie zu uns kommen, gegen Abend standen die Autos vom Besucherzentrum bis runter nach Tajuya am Straßenrand geparkt, die paar erschreckten fahrenden Verkehrsteilnehmer, die nicht auf die Romería wollten kamen nur noch im Schritttempo voran, das wird den Autobahnbefürwortern endlich ein Argument zuspielen.

Als die Jungfrau in den Ort einzog, waren die letzten "Carrozas" noch bei "Cruz de Canales", der Umzugstross war genau so lang wie die gesamte Strecke, immerhin 5 Kilometer. - Bei den Umzugswagen ist die Phantasie der Leute deutlich zu spüren, obwohl es dort auch eine Mehrklassengesellschaft gibt. So haben manche ortsansässige Firmen große Karossen gebaut, die in perfekter Ausführung natürlich die Potenz des Gewerbebetriebes widerspiegeln soll und manch kleiner Freundeskreis hat nur einen Einkaufswagen dezent geschmückt und zieht damit genau so fröhlich hinter der Jungfrau her, als die Turbodiesel angetriebenen Monsterwagen. - Die Wagen sind deshalb so wichtig, weil kein Mensch die vielen notwendigen Getränke und das viele Essen so weit und so lange schleppen kann und die beiden Supermärkte im Ort werden morgen Leute ausschicken müssen, um ihren Bestand an Einkaufswagen wieder aufzufüllen. Im Ort selbst versuchten manche Kneipen das Geschäft ihres Lebens zu machen und hatten Tresen auch außerhalb aufgestellt, andere erst gar nicht aufgemacht, diese Wirte gehören zu der erfahrenen Generation, man kann an solchen Abenden nicht wirklich mehr von der Möglichkeit anspruchsvoller Gastronomie sprechen. - Darum geht es aber auch gar nicht, sondern die Leute sollen feiern und sich zusammen freuen und das hat bis in die frühen Morgenstunden friedlich ausschweifend und bestens funktioniert. - Bilder gibt es erst heute Abend, wenn die Kopfschmerzen nachlassen.


Nuestra Señora de El Pino



Sonntag 20.08.06 - 10:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 20 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 65 % Luftdruck 1022 hPa

Jetzt geht´s looos

Ganz wichtig, Hut dabei haben, Rucksack mit reichlich Wasser bestücken, die Kamerabatterien bis zum Anschlag aufladen und das Auto zuhause lassen. Die Romería ruft und nur wer taub oder menschenscheu ist oder Probleme damit hat, dass andere Menschen sich ausschweifend freuen können, der darf heute zuhause bleiben, ist vielleicht dann auch besser so. Drei Wochen Rahmenprogramm haben wir bereits hinter uns, aber das ist alles nur Beiwerk zu dem, was heute auf dem Programm steht. Der Zug der vielen tausend fröhlicher Menschen von der Wallfahrtskirche "Eremita de Nuestra Señora de El Pino" in den neuen Ortskern von El Paso ist der absolute gesellschaftliche Höhepunkt in unserer Stadt, noch angereichert durch den Umstand, dass dieses Fest nur alle drei Jahre so aufwendig gefeiert wird. - In den beiden Jahren dazwischen feiert man an der Wallfahrtskirche, lässt die Jungfrau aber in ihrer gewohnten Umgebung, vielleicht auch aus Selbstschutz, ein solch gigantischer Aufmarsch mit so vielen Menschen ist nicht jedes Jahr zu verkraften, auch finanziell nicht.

Das ist ein Thema welches man, sogar im stillschweigenden Einvernehmen mit der Opposition, besser undiskutiert lässt, es grenzt an Blasphemie nach den Kosten solcher Veranstaltungen zu fragen oder diese zu kritisieren. - Ich will es auch nicht wissen, das verdirbt einem nur den Spaß an der Freude und damit den Sinn eines solchen Festes. - Ganz im Gegensatz zu den, oft dunklen und schweigsamen religiösen Festen um Ostern herum, ist die Romería in El Paso zwar auch religiösen Ursprungs, aber schon bei der Bezeichnung Romería zeigt sich der Unterschied zu vielen anderen "Bajadas" (die lokale Schutzpatronin steigt zu den Menschen herab), hier in El Paso steht die Freude und Feierlaune der Menschen im Vordergrund und nicht religiöse Devotion. - Abgesehen davon, dass Weihwasser nicht ätzend ist, wie es uns manche Zeitgenossen vormachen wollen, um an diesem Fest teilhaben zu wollen, bedarf es keinerlei religiöser Zugehörigkeiten oder gar Glaubensbekenntnisse. Religion und Dogmen besitzen, zumindest bei uns in El Paso, keinerlei Urheberrechte auf gemeinschaftliches Feiern und in Gruppen erlebter Freude. Feiern und feiern lassen, so war das immer in El Paso und so kann es weiter gehen. - Heute Abend gibt es keinen weiteren Eintrag, wie denn auch...



Samstag 19.08.06 - 19:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 25 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 55 % Luftdruck 1021 hPa
Höchsttemperatur heute: 28,0 Grad, niedrigste Temperatur: 20,4 Grad

Katzenzungen

So ziemlich alles was man über Katzen im Allgemeinen wie im Besonderen hört, gilt für unseren Haushaltsmittelpunkt Paul nicht oder nur in begrenzten Maßen. - Das hängt grundsätzlich sicher damit zusammen, dass Paul nicht als Katze aufgewachsen ist, sondern in der Obhut von Menschen, die allesamt nicht wussten, wie man mit Katzen umgehen soll. - Woher sollen wir es wissen, bin ich doch Hundefreund und meiner Familie war es nicht erlaubt, sich Katzen zu halten und so ist Paul zu dem geworden was er nun ist, der Paul. Katzen warten abends nicht am Hauseingang stundenlang bis das letzte humanoide Familienmitglied auch endlich von der Fiesta kommt. Der Paul macht das, gerade so als wollte er seinem Kumpel auf den letzten schweren Metern vom Tresen ins Bett noch beistehen. - Ob er das mit dem Alkohol von mir hat? Kann aber eigentlich nicht sein, Paul trinkt nur Rioja und ich nur Bier, das ergibt keinen tieferen Sinn. - Und noch bevor jetzt alle Tierschützer mich verdammen, Paul raucht nicht, er hat nicht alle negativen Eigenschaften von mir übernommen, zumindest lässt er sich dabei noch nicht erwischen.

Paul isst (das Wort Fressen wäre bei Pauls Ernährungsweise völlig unangebracht und diffamierend) Landjäger, Babybel, Pizza, Croissants, trinkt Wasser aus Sektschalen, nicht aus dem handgetriebenen Napf aus Feinsilber. Paul guckt stundenlang fern, mal vor der Waschmaschine, mal Telenovelas in denen auch nur ausgeprägte Schönheiten ihr Fell aufplustern und ebenso brillante wie intelligente Konversationen betreiben, da kann er mitreden. - Nein, ich will Sie nicht auf den Arm nehmen, Paul kann nicht wirklich reden, aber er erklärt mit einem Blick treffend die Zusammenfassung von dreieinhalb Stunden Telenovela und nimmt mir damit eine Menge Arbeit ab und ich habe noch ein gemeinsames Anschweigethema mit meinen Teenies. Überhaupt heißt es doch immer, Katzen seien nicht sonderlich sozial eingestellt, das kann ich dem Paul wirklich nicht nachsagen. Allerdings teilt er nur Mäuseköpfe und Eidechsenschwänze mit mir, das Whiskas will er mir wohl nicht zumuten, da sind zu viele Geschmacksverstärker und Parfums enthalten. So sorgt er sich sogar um meine Gesundheit, edel sei der Paul, hilfreich und gut. - Selbst eine sehr menschliche Marotte hat Paul vortrefflich verfeinert. Während Menschen nur im Auto an Ampeln stehend, oder in Gedanken versunken aber meist alleine und versteckt umständlich und ungeschickt den Finger zum Nasebohren in eines der Nasenlöcher rammen, schlabbert sich der Herr genüsslich mit der Zunge die angesammelten Leckereien aus der Nase. - Seine Finger macht es für so etwas nicht schmutzig, Paul würde doch keinen Popel in die Hand oder Pfote nehmen, so etwas machen doch nur Menschen und er ist doch weder Katze noch Mensch, sondern der Paul.


Katzenzungen



Samstag 19.08.06 - 10:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 21 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 71 % Luftdruck 1018 hPa

25.000 Besucher erwartet El Paso morgen

Es gibt seit Tagen nur noch ein Thema in El Paso. Morgen wird die Schutzheilige des Ortes, "Nuestra Señora de El Pino" von ihrer Wallfahrtskirche in den Ort getragen. Solche "Bajadas" gibt es in vielen katholischen Gemeinden der Welt, aber es gibt wohl nur ganz wenige, auf denen so viele begeisterte Pilger die Figur der Jungfrau begleiten. Bei uns heißt die Bajada einfach nur "Romería" und dieser Ausdruck alleine reicht, um ganz vielen Menschen wohlige Schauer in Rücken und Magen zu verabreichen. Alle drei Jahre findet dieser Umzug statt und ist zwar religiös motiviert, aber ordentlich vom Volk fürs Volk aufbereitet. Fast 200 "carrozas" sind angemeldet, das sind geschmückte Wagen und Fahrzeuge, auf denen viele Leute sitzen, Musik machen, Wein trinken und diesen unter den anderen Pilgern verteilen und das über viele Stunden lang.

Um 12:00 Uhr mittags treffen sich die Besucher oben bei der Wallfahrtskirche zum Gottesdienst und etwa um 13:00 Uhr soll sich dann der kilometerlange Zug in Richtung neue Ortsmitte bewegen, immer durch den alten Teil der Stadt, mit ihren schmalen und winkeligen Gassen. Rechts und links des Weges sind die Häuser geschmückt und viele haben Proviant gehortet, um diesen an die Pilger zu verteilen, allerdings habe ich es noch nicht erlebt, dass jemand auf diesem Umzug an Durst oder Hunger aufgeben musste, eher an Müdigkeit oder durch die Folgen von zuviel Messwein. Pünktlich wäre 19:00 Uhr Ankunft der Jungfrau samt riesigem Gefolge im Ort und gegen 20:00 Uhr dann die offizielle Begrüßung vor dem Rathaus. - Pünktlich ist ein sehr dehnbarer Begriff bei uns, aber was machen schon ein oder zwei Stunden außer Takt, wenn es um unsere Schutzpatronin geht. Die wird, Hand aufs Herz, auch von vielen Feierabendatheisten und sonst wortgewaltigen Republikanern verehrt.- Das Geheimnis dabei ist nicht die Person der Jungfrau selbst, es geht wie bei all diesen Festen um die Gemeinschaft der Feiernden und wenn man dazu ein Sinnbild braucht, dann ist das mehr als in Ordnung.

El Paso ist auch modern und so will man mit 20 Webcams den Umzug begleiten, soll nicht nur eine touristische Attraktion sein, sondern auch der Sicherheit dienen. (Die Links zu den Webcams sind noch nicht verfügbar, so bald das soweit ist, erscheinen diese hier.) Man darf nie vergessen, wenn 25.000 Menschen in einem Ort feiern, der sonst für nicht mal 8.000 Bewohner ausgelegt ist, dann herrscht für die Sicherheitskräfte höchste Alarmstufe. Fast 200 Polizisten, Sanitäter und Hilfspersonal werden morgen ihren längsten Tag haben und Domingo, unser Pfarrer ist auch schon ganz aufgeregt, es ist für ihn Premiere. - Eine kleine Anekdote zur "Romería" von vor drei Jahren noch. Man lastete einen Fauxpas dem gerade frisch ins Amt gewählten Bürgermeister Jesus an, der sehr viele Leute vor den Kopf stieß. Es gab ein wirkliches Problem, die Jungfrau war pünktlich um 19:00 Uhr im Ort und nicht wie üblich, oder sollte man sagen traditionell, mit einer Verspätung von mehr als einer Stunde. Viele Leute hatten diese Verspätung aber einkalkuliert und standen noch unter der Dusche als die Jungfrau um die Ecke bog. - Jetzt haben wir wieder eine neue Bürgermeisterin und ob Loli dafür sorgen kann, dass die Jungfrau sich an Traditionen hält, das werden wir morgen alles erleben.


El Paso La Palma Romería 2006



Freitag 18.08.06 - 18:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 26 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 71 % Luftdruck 1017 hPa
Höchsttemperatur heute: 27,0 Grad, niedrigste Temperatur: 20,2 Grad

Polizeihubschrauber muss Notwassern

Der dritte Flugunfall innerhalb von ein paar Wochen auf und bei Tenerife, man könnte fast meinen, dort herrsche sehr dünne Luft. Im Gegensatz zu den anderen beiden Unfällen ging es dieses Mal aber glimpflich für die beiden Besatzungsmitglieder aus, die Polizisten konnten unverletzt aus dem Wasser geborgen werden. Gegen Mittag meldete der Hubschrauber Probleme mit dem Treibstoff und man alarmierte die Luftrettung, den "Servicio Aéreo de Rescate". Ein weiterer Helikopter sichtete kurz nach dem Notruf den auf dem Meer treibenden Apparat und die beiden Piloten in Schwimmwesten neben dem notgewasserten Hubschrauber. Ein Küstenwachboot der Guardia Civil nahm die beiden Besatzungsmitglieder an Bord und den Hubschrauber will man nach Los Cristianos schleppen. - Dabei taucht bei mir die Frage auf, ob denn so ein notgewasserter Hubschrauber sich so lange über Wasser halten kann. - Der Hubschrauberabsturz vom 8. Juli, auch auf dem Meer vor Tenerife, bei dem 6 Menschen ums Leben gekommen sind ist immer noch nicht aufgeklärt und der vermisste Kopilot noch nicht gefunden worden. Man spricht inzwischen aber sehr laut davon, dass der verunglückte Sikorsky S-61N wegen eines technischen Defektes eigentlich nicht flugtauglich war, Pilot und Betreiberfirma das wussten und dennoch zu einem Flug von La Palma nach Gran Canaria aufgestiegen waren. - Bis zur endgültigen Aufklärung, die heftig seitens der Familienmitglieder der Opfer gefordert wird, bleibt das aber eine Vermutung.

In eigener Sache: Ein Bild sagt mehr als 1.000 Worte sagt man so schön, wie viele Worte ersetzen dann 75 Bilder dieser Insel und ihrer Menschen. - Da kann man sich ja zukünftig das Schreiben sparen und nur noch fotografieren. - Ich denke die Mischung macht es, Fotos sprechen für sich und was wäre diese Welt ohne Worte, seien sie nun geschrieben oder gesprochen. HIER geht es zu den beiden neuen Rubriken der Inselbilder, viel Spaß beim virtuellen Besuch auf unserer Insel. Vielen Dank an Jutta Eichner, die uns an ihren Urlaubserinnerungen teilhaben lässt.


El Tablado, von Jutta Eichner



Freitag 18.08.06 - 09:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 21 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 62 % Luftdruck 1016 hPa

Angemessene Fahrweise

Ein Millimeter Regen im August bringt für die Pflanzenwelt vielleicht ein bisschen Oberflächenreinigung der Blätter, zu den Wurzeln gelangt davon nichts, wären da nicht die vielen Unfälle, könnte man diese kleine Wettereskapade eigentlich völlig ignorieren. - Nach mehreren Monaten ohne jeglichen Niederschlag verwandeln sich unsere Straßen bei den ersten Niederschlägen in wahre Rutschbahnen und wer da weiter auf dem Gas bleibt, das Lenkrad nicht zarter zwischen den Händen gleiten lässt oder gar abrupt bremst, der kann sich einreihen in die lange Liste von Blechschadenopfer des gestrigen Tages. - Von Verletzten ist mir nichts bekannt, aber es gibt wieder Arbeit für die Werkstätten und so manche Leitplanke bedarf auch erneuter Aufmerksamkeit der Gemeindearbeiter. - Dabei kennen wir das ja, es ist ja nicht das erste Mal, dass plötzlicher Niederschlag unseren Straßen eine völlig andersartige Oberfläche verleiht, als wir es sonst gewohnt sind.

Was ist denn da passiert, Regentropfen im August sind alles andere als bekannt für diese Jahreszeit und gestern gab es sogar ein richtiges Gewitter auf der Ostseite, ein ganz seltenes Wetterphänomen bei uns. Ganz einfach, wenn der Chef nicht da ist, dann macht das Wetter bei uns was es will und wäre der Westwind nur ein bisschen motivierter gewesen, dann wäre noch sehr viel mehr drin gewesen als der lächerliche Millimeter Regen. Der Chef ist bei uns das große nordatlantische Hoch und das hat sich so weit in den Norden verkümmelt, dass auf dem Atlantik völlige Unordnung herrschte. - Das wird jetzt aber wieder geändert, auf den Wetterdiagrammen baut sich gerade wieder der beruhigende Hochdruck nordwestlich von uns auf und gibt den vielen kleinen Wolkenansammlungen auf dem Atlantik wieder eine klare Richtung und schiebt diese weit in den Norden. - Eigentlich keine Meldung wert, aber seit mehr als drei Monaten der erste Ausrutscher des Azorenhochs und schon gibt es reichlich Blechschäden, als würde ein Satz immer wieder Bestätigung suchen, für uns taugt kein Wind, der nicht aus Nordost kommt.



Donnerstag 17.08.06 - 18:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 26 Grad, Niederschlag: 1 mm, Luftfeuchte 67 % Luftdruck 1016 hPa
Höchsttemperatur heute: 26,6 Grad, niedrigste Temperatur: 22,4 Grad

"Ruta de Gallo" stößt nicht nur auf Lob

Drei Gemeinden, eine Handelskammer und eine große Brauerei haben sich zusammen eine nette Aktion überlegt, wie man denn freilaufende Touristen mehr in die Kneipen und Bars bekommt. Dazu dient ein Angebot welches sich "Tapa und Caña" für 1,80 Euro nennt, das kann sich sehen und schmecken lassen. - Was eine Tapa ist, das muss ich wohl niemandem erklären und "Caña" oder "Caña de cerveza" nennt sich ein kleines Glas Fassbier. Wer ordentliche Glasgrößen will, der ordert eine "Jarra", also einen Krug, der aber meist auch nur das unbayrische Maß von 0,4 Litern trägt. - An die Gäste werden Scheckhefte verteilt und wenn man, durch Stempel und Unterschrift bewiesen, in mindestens 15 Lokalen der drei Gemeinden El Paso, Los Llanos und Tazacorte ein Bierchen und ein "Deckelchen" verzehrt hat, dann kann man noch an der Verlosung eines Wochenendaufenthaltes in einem großen Hotel teilnehmen. - Diese, von den anonymen Alkoholikern nicht unterstütze Werbeaktion läuft noch bis zum 24. August, man muss sich jetzt also ranhalten, sein Scheckheft, Magen und Leber auszulasten.

Allerdings sind manche Wirte nicht besonders glücklich mit dieser Aktion, gerade in El Paso sind aufgrund der großen Fiesta die Kneipen eh voll und wenn sich dann in einem Restaurant die Tische abends mit 1,80 Euro Gästen füllen, dann bangt so mancher Wirt um seine anderen Gäste die nicht auf Schnäppchen aus sind, sondern volle Schüsseln ordern wollen. - Es fehlt ja einfach noch die Erfahrung mit solchen Aktionen und reinrassige Restaurants eignen sich wohl nicht besonders dafür, denn auch die Schnäppchenjäger wollen ihr Bier und ihre Tapa dann haben, wenn Essenszeit ist. - Manche Wirte haben sich auch richtig Mühe gegeben und spezielle Leckereien dafür ausersonnen, schließlich gibt es auch noch einen Preis für das Lokal welches die besten Tapas bereitet hat. - Insgesamt sind die Gäste mit dieser Aktion wohl zufriedener als die Wirte und es fällt auf, dass es fast nur Festlandsspanier sind, die mit dem großen Faltblatt/Scheckheft, in welchem die Nachweisstempel eingetragen werden müssen, die Kneipen stürmen und siegessicher "Ruta de Gallo" in dieser zischenden Sprache einfordern, die wohl Hochspanisch sein muss. - Ein Wirt, dessen Namen ich hier nicht nennen will, flüsterte mir nicht ganz vertraulich zu, denn es konnten alle im Raum hören: Die nächsten die hier reinkommen und "Ruta de Gallo" bestellen, die bekommen von mir ein lauwarmes Dosenbier und ein paar Erdnüsse. - Ich ließ mein Scheckheft in der Hosentasche...


Ruta de Gallo



Donnerstag 17.08.06 - 09:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 23 Grad, Niederschlag: 0,5 mm, Luftfeuchte 72 % Luftdruck 1018 hPa

La Palma nur am Rande

Umgeben von vielen Schaulustigen und Wichtigen dieser Insel, spulte Zapatero sein Besuchsprogramm auf La Palma gestern ab. Im Gefolge waren aber auch noch Adán Martín, Präsident der Provinzregierung der Kanaren und Juan Fernando López Aguilar, Justizminister in Madrid und möglicher Gegenkandidat im Mai 2007 um das höchste Amt der autonomen kanarischen Provinzregierung. Mag es diese Begleitung gewesen sein, dass die angesprochenen Themen weit über das lokale Interesse La Palmas hinausgingen. - So kam er doch nicht umhin über die Immigration zu sprechen und bittet dabei weiter für Geduld und Vernunft, bis die Maßnahmen der "Frontex" greifen dauert es einfach und außerdem müsste man dringend die Verhandlungen mit dem Senegal abschließen, damit Repatriierungen auch dorthin möglich sind. - Darüber hinaus lobte er die Bevölkerung und Behörden der Kanaren, wie professionell und menschlich man mit den vielen Flüchtlingen hier umgehe. - Der Flüchtlingsstrom aus Afrika ist seitens der nur auf den Kanaren antretenden Provinzpartei Coalición Canaria zum Hauptwahlkampfthema ernannt, obwohl die Menschen hier gar nicht bleiben, sondern alle weiter aufs Festland gebracht werden.

La Palma Thema waren die Bananen und Zapatero versicherte den Vertretern der Asprocan (Asociación de Organizaciones de Productores de Plátanos de Canarias) alle Unterstützung zu, wenn man erneut mit der Europäischen Union verhandeln muss, wie es denn mit unserer Haupteinnahmequelle weiter gehen soll. Im Oktober wird es ein Arbeitstreffen geben in Madrid, um gemeinsam eine Strategie zu entwerfen, um die europäischen Bananen gegenüber der Welthandelsorganisation zu vertreten. - Die möchten uns eigentlich nicht mehr haben, landwirtschaftliche Produkte aus Hochlohnländern sind kaum noch ohne Subventionen zu vermarkten und außerdem stören wir Dole und Chiquita bei der wundersamen Geldvermehrung. - Ob es uns und den Europäern gelingt, die kanarischen "platanos" weiterhin als Alternativprodukt zu den amerikanischen Bananen anbieten zu können, das ist auf die Dauer nicht sicher. Leider spielt dabei die Diskussion um Subventionen die erste Geige und die progressive Vermarktung tritt in den Hintergrund. Blickt man zurück auf das Jahr 2005, dann zeigt sich, dass Subventionen nicht nötig sind, wenn der Erzeugerpreis hoch genug ist um dem Landwirt ein Auskommen zu ermöglichen. Gelänge es, in ganz Europa ein einigermaßen dichtes Angebot an kanarischen Bananen zu verwirklichen und man könnte diese für fast lächerliche 15% mehr an den Endverbraucher abgeben als die großen Bananen aus Südamerika kosten, dann bräuchten wir über Subventionen überhaupt nicht mehr sprechen.



Mittwoch 16.08.06 - 18:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 28 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 58 % Luftdruck 1017 hPa
Höchsttemperatur heute: 28,6 Grad, niedrigste Temperatur: 20,5 Grad

Wandern für Weicheier

Angetrieben von der edukativen Notwendigkeit am Geburtstag der kleinen Tochter auch Bewegung anzubieten, lautet der kleinste gemeinsame Nenner zwischen Gewaltmarsch und Sofakissen quälen bei uns immer, der "Oreganopfad". Da kann keiner der Familie Nein sagen, da weiß man was auch einen zukommt und was es danach als Belohnung gibt, man läuft dort durch derart viel Oregano, dass anschließend zwingender Pizzaverzehr angesagt ist. Der kleine Rundweg ist aber auch wirklich nett und einfach zu begehen und verlangt vom chronisch fahrunlustigen Vater auch keine weiten Touren, gleich hinter dem "Refugio El Pilar" geht es los. - Das liegt noch in meinem Wirkungsbereich, auch wenn eigentlich schon auf dem Hoheitsgebiet von Breña Alta, also eigentlich schon auf der Ostseite der Insel. In der ersten Kurve nach dem Refugio biegt man links auf einen Feldweg ein und lässt das Auto dort stehen. Nun geht man den Forstweg Richtung Norden und nach vielleicht 1,5 Kilometer schlägt man sich rechts in die Büsche. Es ist der einzige Pfad der rechter Hand auftaucht, man kann es eigentlich nicht verfehlen.

Jetzt beginnt der eigentliche "Oreganopfad", besonders im Frühjahr nach reichlich Regenfällen, ist der Weg voll dieses unabdingbaren Pizzakrauts, aber auch jede Menge andere duftende Küchenfreunde gibt es dort. Jetzt mitten im Sommer sprießt es nicht so üppig, der Oregano ist aber immer da, genau so wie Thymian, Pfefferminze, Nanaminze, Rosmarin, Melisse und eine Pflanze die ich nicht bestimmen kann, aber so kräftig nach einem alt bekannten Fußbad riecht, dass wir sie Efasit getauft haben. Der Weg schlängelt sich durch den dichten und niederen Wald der Breñas, meist mit Lorbeer und reichlich Baumheide durchsetzt. Erst wenn man weiter zurück in Richtung Süden kommt, setzt sich wieder der lockerere Kiefernwald durch. Die Düfte ändern sich alle hundert Meter, erst kräftige Baumheide, dann die vielen Kräuter und schließlich wieder der harzig trockene Duft unserer Pinien. - Geht man den Düften weiter nach, dann landet man irgendwann bei gebratenen Koteletts, Sonnencreme und Wein und man ist am Refugio El Pilar angekommen. Da halten wir uns aber nach dem Oreganopfad selten lange auf, der Pizzadrang meiner Damen ist dann meist so groß, dass wir schleunigst nach El Paso müssen. - Pizza schmeckt ja auch nur besonders gut, wenn sie geflogen ist, durch die erfahrenen Hände eines Pizzagroßmeisters und den wiederum findet man in der Churreria in der es keine Churros gibt, aber Pizza. - So kommt man prächtig um Topfschlagen und aggressive Brettspiele wie Mensch ärgere dein Gegenüber herum und für das Abendmahl, da kann ich mir bei meiner kleinen und ab heute schon so großen Tochter sicher sein, wählt die Dame sich auch meinen Favoriten aus. Die Großmutter wartet schon...


Mauri, der Pizzagroßmeister

Waldteenies




Mittwoch 16.08.06 - 09:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 21 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 67 % Luftdruck 1017 hPa

Wettervakuum

Die meteorologische Langeweile wird für ein paar Tage unterbrochen, das Azorenhoch hat Ausgang und überlässt uns so den unvorhersehbaren Launen im Grenzbereich von Afrika und dem Atlantik. Kein Wind aus nirgendwo, mal sind wir dem schwarzen Kontinent näher, mal wabern wieder feuchte Nebel die Hänge hinauf. Keine frische Brise will Ordnung in diesen Eintopf bringen und als Kompott kann es sogar ein paar Tropfen regnen. Zwei ziemlich kleine und unmotivierte Tiefdruckgebiete drehen ihre Runden nordwestlich von uns und haben Madeira bereits nass gemacht, ob sie auch uns die Abwechselung eines Schauers bereiten, wer kann das angesichts der Unordnung auf dem Nordatlantik schon sagen. - "Tiempo raro" sagt man hier, wobei das "raro" nicht nur für selten steht, sondern öfter für komisch oder gar falsch, in Bezug auf menschliches Verhalten gelten für dieses Wort übrigens die gleichen Eigenschaften, einem "Tío raro" geht man besser aus dem Weg. - Woher kommt das nun, unser komisches Wetter? - Ganz einfach, der Wetterdirigent auf dem Atlantik, von uns allen immer Azorenhoch genannt, ist nicht auf seinem Platz und so spielen alle Wettermusiker ein buntes Potpourri und dabei kommt heraus: Nichts. - Das Global Forecast System ist allerdings überzeugt, dass noch vor dem Wochenende der Bummelstreik des Azorenhochs vorbei sein wird und wieder "Wetter" bringt. Das heißt für uns, immer schön Wind aus Nordost, damit können wir was anfangen und dann wird aus "tiempo raro" wieder "nuestro tiempo.



Dienstag 15.08.06 - 18:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 26 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 72 % Luftdruck 1016 hPa
Höchsttemperatur heute: 26,4 Grad, niedrigste Temperatur: 20,4 Grad

Mary Skygo

So hat heute jemand versucht einem Engländer zu erklären, warum bei uns fast alle Läden zu haben. (Wäre vielleicht ein netter Namen für eine christliche Billigairline) - Stimmt, irgendwie sind wir auf die Globalisierung nicht richtig vorbereitet, allein sprachlich haben wir da schon Defizite, aber ich werde die Hoffnung nicht aufgeben, man übersieht uns einfach, genau so wie das die schwarzafrikanischen Flüchtlinge beflissentlich tun, gerade so als wüssten sie, hier ist außer Frömmigkeit und Bananen nichts zu wollen. - Stimmt natürlich nicht, aber ich fürchte bei La Palma die Globalisierung viel mehr, als Schwarzafrikaner die arbeiten wollen. - Ich schweife ab, ich wollte den heutigen Feiertag etwas näher erklären. Dass Mariä Himmelfahrt ist, das weiß man sogar in streng antiklerikalen Regionen, aber wie der Feiertag in Spanien wirklich heißt, das wissen selbst hier wenige Leute. Asunción de la Santísima Virgen María heißt das offiziell und wie aus dem "Santísima" hervorgeht, handelt es sich dabei nicht nur um die heilige Jungfrau Maria, sondern um die hochheilige Jungfrau, klerikale Wortspiele, die ich mir von Don Domingo mal bei einem Bier erklären lassen werde. (Domingo ist unser Pfarrer und Spezialist für Jungfrauen, was ich von mir nicht behaupten kann.)

Kompliziert wird es aber nun, wir haben viel zu viele Jungfrauen. Letztendlich gehen alle unseren lokalen Schutzpatroninnen auf die Maria, also die Mutter Jesus zurück, aber wir wollen das handfester und vor allem lokaler und endemischer. Heute feiert man im Grunde alle "Virgenes", wie immer die auch heißen mögen, welches Wunder sie auch vollbracht haben und eigentlich hat jede Gemeinde hier auf den Kanaren ihre eigene Patronin. Jetzt machen wir es aber noch verwirrender. Neben dem globalen Jungfrauentag, der heute ist, hat jede einzelne Schutzpatronin auch noch ihren speziellen Tag (manche sogar ihre Tage, ich meine das nicht "menstruativ", sondern abhängig von der Dauer der Feierlichkeiten.) und dann müssen wir auch noch die jungfräulichen Hierarchien beachten. Neben den ganz lokalen Patroninnen gibt es noch übergeordnete, die sich inselweit oder nach Diözesen geordnet aufstellen und darüber wandelt die Schutzpatronin aller Kanarischen Inseln, die "Virgen de Candelaria", eigentlich auf Tenerife beheimatet. Diese Alphajungfrau wird so auch häufiger genannt als Grund für diesen Tag, "Día de La Candelaria" sagt man öfter als Asunción de la Santísima Virgen María. Ginge man noch weiter, dann müsste man auch noch die La Santísima Virgen del Pilar nennen, die ist für den gesamten spanischen Raum zuständig. - Allerdings nicht, wenn man aus Los Llanos kommt, da feiert man heute den "Día de La Angustia" und in ganz vielen anderen Gemeinden hat der Tag auch wieder einen anderen Namen.

- Wer jetzt noch nicht verwirrt ist von den vielen Jungfrauen, dem kann ich noch einen Jungmann präsentieren, den San Miguel. Der heilige Michel hat aber auch wieder eine Doppelfunktion, er ist Patron Tazacortes, aber auch der gesamten Insel La Palma, da kommt es schon mal zu Eifersuchtsszenen zwischen strengen Lokalendemiten und freigeistigen Inselglobalisten. - Es gibt tatsächlichen ein Scharmützel zwischen der Inselverwaltung und dem Rathaus von Tazacorte, es geht darum ob der heilige Michel ein Schwert oder eine Lanze in der Hand hatte, wer welche These vertritt, das weiß ich nicht mehr, ich bin nicht aus Tazacorte. - Aber immerhin, diese Insel heißt gar nicht La Palma, sondern San Miguel de La Palma und die erste Dame der Insel ist die Jungfrau vom Schnee, die Virgen de Las Nieves, die kommt aber nur alle 5 Jahre und überhaupt, ich bin aus El Paso und da kann es nur eine geben, die Virgen de El Pino. Schluss jetzt mit Jungfrauen, die machen mich immer so nervös.



Dienstag 15.08.06 - 09:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 20 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 76 % Luftdruck 1016 hPa

Höflichkeitsbesuch

Hauptstadt bleibt Hauptstadt und viel mehr wird Zapatero wohl auch dieses Mal von La Palma nicht zu sehen bekommen. Es wird sein erster Besuch als Regierungspräsident auf La Palma sein, bei seinem letzten, ebenso kurzem Aufenthalt, war er noch Herausforderer auf das zweithöchste Amt im Königreich Spanien. Laut der Nachrichtenagentur "EFE" kommt Zapatero gegen 17:30 am Mittwoch nach La Palma und wird sich dann mit den Inseloberen im Cabildo treffen. Weitere Abendordnungspunkte soll ein Treffen mit den Vertretern der Bananenproduzenten der Insel sein, so wie ein Spaziergang durch den historischen Stadtkern von Santa Cruz de La Palma, bevor er sich wieder per Flugzeug von der Insel bringen lässt.

Wir dürfen nicht zu viel erwarten, schließlich ist Zapatero auf Urlaub und hat diesen bereits des Öfteren unterbrechen müssen, nicht nur für geforderte Höflichkeitsbesuche auf anderen Inseln, sondern auch für einen Aufenthalt in der Waldbrandzone im Nordwesten Spaniens. - Ein bisschen schade ist das schon, La Palma hat sehr viel mehr zu bieten und sehr viel mehr Probleme als man nur von der behüteten Hauptstadt aus sehen kann. Immerhin, die Bananenproduzenten kommen zu der Ehre gehört zu werden, bei uns seit jeher der einzige produktive Sektor der so etwas wie eine Lobby hat und deshalb wahrgenommen wird. Man wird schon die richtigen Leute ausgesucht haben um das passende Bild darzustellen. Auf jeden Fall wird für José Luis Rodríguez Zapatero der Besuch auf La Palma in einem Punkt deutlich angenehmer werden als auf den anderen Kanareninseln, hier muss er sich nicht zu den vielen schwarzafrikanischen Flüchtlingen äußern, bei uns sind keine angekommen.



Montag 14.08.06 - 18:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 22 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 81 % Luftdruck 1015 hPa
Höchsttemperatur heute: 23,8 Grad, niedrigste Temperatur: 18,4 Grad

Durchhalten Pedro!

Wer gute vier Wochen Fiesta abreiten will der braucht eine Bärenkondition und eigentlich ist das alles nur zu schaffen, wenn man dies und das auslässt, selektive Feierei hilft gegen den schnellen körperlichen Verfall. Was für die Gäste der Fiesta gilt, man kann auch mal einen Tag Nein sagen, gilt für die Veranstalter und Arbeiter der Gemeinde nicht. - Bei den Angestellten kann man noch was mit Sonderschichten und Überstunden machen, aber unsere Bürgermeisterin und die beiden Räte welche direkt impliziert sind, die können sich nicht verstecken. Die Hauptlast trägt Pedro, mal höflich auch mit komplettem Namen genannt Pedro Manuel Martín Pérez, der ist für alles zuständig was mit der Fiesta zusammenhängt und nur selten gelingt es ihm, irgendwelche Dinge auf andere abzuwälzen. - Es ist ja nicht nur die ganze Organisation, man erwartet natürlich auch von ihm und den anderen, dass sie sich auch sehen lassen auf den einzelnen Spektakeln und wenn die "Fiesta Brasileña" anstatt um 22:00 Uhr erst um 0:30 Uhr beginnt, weil die Leute einfach so spät kommen, dann muss da Pedro auch noch sein und lächeln, den Satz, ich bin müde darf er sich während der Fiesta nicht erlauben.

Der Arme kann einem Leid tun und ich traue mich schon gar nicht mehr ihn anzusprechen wegen irgendwelcher Dinge die ausnahmsweise mal nichts mit dem Fest zu tun haben, das muss alles warten. Heute beim Versuch einen Cortado zu trinken dauerte der Fußweg vom Rathaus bis ins 150 Meter entfernte Café eine reichliche Viertelstunde, jeder Zweite spricht ihn an, alle drei Meter klingelt das Handy und von A nach B müssen noch Stühle gebracht werden, an C fehlt ein Lautsprecher und die Polizei will endlich wissen, wann sie wo und welche Straße wie lange sperren sollen. Während des Cortados bimmelte der moderne zerebrale Schraubstock dreimal und ich kann Ihnen garantieren, dass es nicht an fragwürdigen Inhaltstoffen des Kaffees liegt, dass Pedros Gesichtsausdruck inzwischen fatalistische Züge annimmt. Auf dem Weg zurück die selbe Mangel und im Rathaus angekommen warten schon wieder reichlich fragewillige Bürger und raunen unmutig, wie man denn so lange Kaffeetrinken kann. - Da muss man durch und weiter lächeln, auch wenn die Magensäure schon am Kehlkopf zippelt und eigentlich ein befreiender Fluch angemessener wäre. - Und wehe es geht etwas schief, dann Gnade die Virgen del Pino dem wackeren Aufrechten, dann trifft ihn der Volkszorn und es wäre nicht das erste Mal, dass eine misslungene Fiesta die steile und bislang brillante Karriere eines Lokalpolitikers beendet hat. - Noch ist alles im grünen Bereich, durchhalten Pedro und Chapeau!


durchhalten Pedro



Montag 14.08.06 - 09:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 20 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 69 % Luftdruck 1017 hPa

Der Bürger und der Flächennutzungsplan

Ich weiß nicht, welches der beiden Substantive aus der Überschrift den lokalen Politikern mehr Kopfzerbrechen bereitet. Nun kommt ja auch noch erschwerend hinzu, dass die Politik selbst eine Bürgerbeteiligung einfordert, die lokale Agenda 21 hält komplizierte Überraschungen für Planungsstrategen in der Hand. Bislang hält sich aber das Wort Bürgerbeteiligung eher als virtueller Wahlkampfknüppel in unserer Gesellschaft auf, so richtig weiß noch keiner damit umzugehen, am wenigsten die Bürger. Flächennutzungspläne sind derzeit ein wirkliches Reizthema auf der Insel, angefacht durch den großen Protest gegen den PGO El Pasos, der in seiner ersten Version eine Landreserve für eine vierspurige Schnellstraße oder Autobahn enthielt und nun zurück auf die Tische der Architekten und Vorschriftsdeuter gewandert ist. - Im Laufe des öffentlichen Aushangs entdeckte man derart viele weitere "Fehlerchen", dass mehr als 1.500 Proteste gegen diesen Plan eingingen, ein Rekord der reichlich Kopfschmerzen im Technikbüro bereitet. Nun ist die Phase der Beantwortung der Eingaben und danach muss der, oder ein völlig neuer Plan wieder das gesamte Prozedere durchlaufen. Ob es dieses Mal auch eine Bürgerbeteiligung geben wird und zwar während des Erstellen des Planes und nicht erst ab dem Aushang, das steht noch in den vielen Sternschnuppen, die sich zur Zeit am Nachthimmel La Palmas tummeln.

Breña Alta hat nun auch seinen PGO veröffentlicht und siehe da, wieder taucht die ominöse Landreserve auf, die als Zukunftsprojekt eine Schnellstraße von Santa Cruz zum Welthafen von Puerto de Tazacorte beinhaltet. Das war nicht immer so, ursprünglich wollte man den Plan ohne die eingezeichnete Trasse publizieren, aber man machte den lokalen Architekten und Politikern klar, dass das gegen die "Directrices" verstößt und nun taucht die Schlange auch im Osten der Insel auf. - Ob es nun in Breña einen ähnlichen Protest geben wird, das wissen wir noch nicht, aber der bereits heftig rumorende Wahlkampf setzt auch dort schon wieder bunte Polemik. Die bürgerliche Opposition im Rathaus von Breña Alta will dem PGO nur ihre Zustimmung geben, wenn es eine Bürgerbeteiligung gibt. Nun darf man doch einfach mal die Frage stellen, wie man denn die Bürger an einem Plan beteiligen will, der längst fertig ist. - Hinsehen, staunen und protestieren, mehr Bürgerbeteiligung geht bei einem fertigen Plan nicht und wie man in Zukunft mit solchen Herausforderungen fertig werden soll, das weiß noch niemand. Leider macht der drohende Wahltermin diese ganzen Bemühungen um die lokale Agenda 21 zur Farce und auch wir selbst, die Bürger, haben noch nicht bewiesen, dass wir uns wirklich einbringen und mitarbeiten wollen. - Wer hat gesagt, dass Demokratie einfach ist?



Sonntag 13.08.06 - 18:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 25 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 69 % Luftdruck 1019 hPa
Höchsttemperatur heute: 25,8 Grad, niedrigste Temperatur: 19,0 Grad

Kaffee trinken ohne Fluglärm

Auf unserer Nachbarinsel La Gomera macht ein feister Witz die Runde, man könne bald in der teuersten Cafeteria der Welt seinen Kaffee auch ohne Fluglärm trinken. Gemeint ist damit das Etablissement im Flughafen der kleinen runden Insel, die einzige verbleibende Fluggesellschaft möchte La Gomera ab dem September nicht mehr anfliegen. Gemeint ist damit die Binter Canarias, die bislang je nach Wochentag zwei bis vier Verbindungen von und nach Gran Canaria und Tenerife anbietet. Es sei schlicht weg nicht rentabel nach La Gomera zu fliegen, bei durchschnittlich nur knapp 50 Passagieren pro Tag die nach La Gomera wollen ist ein Flugbetrieb nicht aufrecht zu halten heißt es seitens der Binter Canarias. Im Monat kommt der Flughafen auf 1.200 bis 1.500 ankommende Fluggäste, zum Vergleich, auf La Palma sind es etwas mehr als 44.000 pro Monat. Gut, La Palma hat knapp viermal so viele Einwohner, aber selbst wenn man die höhere Zahl 1.500 mit 4 multipliziert, dann ergibt das immer noch keine Erklärung. Selbst auf El Hierro, mit nur knapp halb so vielen Einwohnern wie La Gomera, kommen immerhin noch durchschnittlich 6.500 Fluggäste pro Monat an.

Sicher haben die Gomeros nicht alle Flugangst, auch wenn man immer geneigt ist über die Gomeros Witze zu machen, irgendwann hat irgendjemand angefangen, La Gomera einen ähnlichen Status innerhalb der Kanaren zu geben wie es Ostfriesland in Deutschland hat. La Gomera hat einen gut funktionierenden Fähranschluss nach Tenerife, alleine die Reederei Fred Olsen schickt pro Tag 5 Schiffe von Los Cristianos aus nach La Gomera, die Reederei Armas je nach Wochentag ein bis drei Schiffe und die kleine Gesellschaft Garajonay Express bietet auch noch 3 bis 4 Verbindungen pro Tag. Die Überfahrt dauert, je nach Schiffstyp nur 40 Minuten bis zu einer Stunde und die Preise liegen für kanarische Residenten zwischen 12,- und 16,- Euro pro Überfahrt. Für den einfachen Flug muss man aber 33,- Euro berappen und ist mit dem ganzen Ein und Auschecken nur knapp schneller. Auch haben sich die internationalen Reiseveranstalter nie dafür begeistern lassen auf La Gomera zu landen, der gesamte Gästetransfer findet über den Hafen Los Cristianos statt, der Südflughafen liegt auch in verlockender Nähe. Nun rebelliert man natürlich auf La Gomera, Inselregierung und andere Einrichtungen verlangen eine Fortführung des Flugverkehrs, bei unter 50 Reisenden pro Tag geht das aber verdächtig in Richtung Prestigedenken. - Mal sehen was daraus wird, der Flughafen selbst war auch nie unumstritten, man sprach seinerzeit von einem Denkmal welches sich "gewisse Leute" setzen wollen und Gegner des Flughafens sagten genau dieses Szenario voraus, der Flughafen wird nicht benötigt. Mich erinnert das an ähnliche Prestigeobjekte auf unserer Insel, 5 Golfplätze, 25.000 Hotelbetten, mehrere Sporthäfen riechen auch verdächtig nach Fehlplanung. - Noch ein zynischer Witz über den Flughafen von La Gomera geht auch schon um, inzwischen landen mehr Schwarzafrikaner in Booten auf der Insel als Leute mit dem Flugzeug. Jede Ära hat ihre Witze und manch ein Flughafen auch.



Sonntag 13.08.06 - 09:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 20 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 74 % Luftdruck 1017 hPa

Warum San Lorenzo weint

Irgendwie schaffen wir es immer einen Heiligen in Dinge zu verstricken, die nicht rein weltlicher Herkunft sind. Bei uns nennt man die Perseiden auch "Lágrimas de San Lorenzo", also die Tränen des Heiligen Lorenzo. Was für die Astrophysiker banale Abfallprodukte eines Kometen sind, löst bei uns terrestrischen Laien wohligen Schauer aus, bis hin zu reinster Verzückung. Sternschnuppen, hier auch Sternenregen - lluvia de estrellas - genannt, lassen sich auf La Palma bestens beobachten und in diesen Tagen weint San Lorenzo besonders heftig. Der Komet Swift-Tuttle hat seine Überbleibsel im Weltall liegen lassen und die Erde saust nun als gigantischer Staubfänger durch dieses galaktische Müllfeld. Jedes Jahr findet das Schauspiel statt, noch bis Ende des Monats kann man die Perseiden beobachten, so nennen die Wissenschaftler die Hinterlassenschaften des Kometen Swift-Tuttle.

Bis zu 60 Schnüppchen pro Stunde sollen heute Nacht zu sehen gewesen sein, ich habe sie nicht gezählt, war ich doch viel zu sehr damit beschäftigt mich auf meine Wünsche zu konzentrieren. - Weil das mit dem Weltfrieden irgendwie viel zu naiv ist und aus gesamtwirtschaftlichen Gründen eigentlich auch gar nicht wünschenswert, versuche ich mich auf ganz banale Dinge beim Wünschen zu beschränken. Heiliger Lorenzo, mach bitte, dass meine Frau nie merkt, dass ich mit einem Wischmopp umgehen kann. - Heiliger Lorenzo, mach bitte, dass meine Kinder wenn sie groß sind, mir bloß nicht ähnlich sehen. - Heiliger Lorenzo, wenn du schon eine Autobahn auf La Palma bauen willst, dann reserviere bitte eine Fahrspur nur für mich. - Heiliger Lorenzo, mach bitte, dass Tropical, Whiskas und die Abuela nie Pleite gehen. - Heiliger Lorenzo, sorge bitte dafür, dass ich einen eigenen Fressnapf bekomme. - Heiliger Lorenzo, schick Weisheit und Vernunft ins Inselparlament. - Jetzt wird es auch klar, warum der heilige Lorenzo weint, daran würde auch ich verzweifeln, denn manche Wünsche sind wohl einfach nicht erfüllbar. - Ich meine natürlich den mit dem Fressnapf!



Samstag 12.08.06 - 19:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 22 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 76 % Luftdruck 1018 hPa
Höchsttemperatur heute: 23,8 Grad, niedrigste Temperatur: 19,4 Grad

Alarm für Puma 1

So richtig haben wir uns noch nicht an das völlig andere Geräusch des großen Hubschraubers gewöhnt, welchen uns das Umweltamt in Madrid für diesen Sommer zur Verfügung gestellt hat. Wenn bei uns ein Hubschrauber fliegt, welcher auch immer, dann ist fast immer etwas passiert und meist nichts Gutes. Kommt dann auch noch der Wassersack unter dem Fluggerät zum Vorschein, dann ist es klar, irgendwo auf der Insel brennt es. Allerdings suchten unsere Augen völlig vergebens nach Rauchzeichen und der große Puma verschwand auch nicht in den bewölkten Norden um dort vielleicht einen Brand zu löschen, er flog hinter die "Montaña Gamez" und ließ dort die nasse Fracht ab. Dort brannte es auch gar nicht, man wollte ganz einfach nur trainieren, ich habe mir sagen lassen, es sei nicht unkompliziert mit solch einem dicken Brummer Wasser aus einem Tank aufzunehmen und dann zielgerecht wieder abzuwerfen. Mehrfach wiederholte man die Übung und schließlich legte man den Wassersack wieder hinter dem Hügel ab und dann war die Flugshow zu Ende und der Puma flog wieder auf seine Basis in Puntagorda.

Wir können uns also beruhigt zurücklehnen, die beherrschen das und der Helikopter macht schon deutlich mehr her als unser Kleiner der "GIE", mit dem wir sonst Wasser auf die Brandstellen werfen. Was aber nun, wenn es dieses Jahr auf La Palma gar nicht brennt, bekommen wir den Hubschrauber dann nächstes Jahr nicht wieder fragt man fast schon zynisch. Der Zynismus kommt daher, weil eigentlich dieser Hubschrauber und die Profifeuerwehrleute dringender in Galizien gebraucht würden und wir uns hier an einer gelungenen Übung erfreuen. - Klingt fast surreal, aus Tenerife und Gran Canaria werden Waldbrandprofis auf die Halbinsel geschickt um gegen die großen Feuer in Galizien zu kämpfen und unser geliehener Puma und die Feuerwehrleute vom Festland machen Übungen und gießen Unkraut. Trotzdem bin ich froh, dass dieser Hubschrauber hier bei uns ist, der Sommer ist noch nicht vorbei und das Floriansprinzip auch uns nicht unbekannt. Sie kennen das Floriansprinzip nicht? Macht nichts, Heilige sind nicht für jedermann etwas. Das heißt: Heiliger Sankt Florian, verschon´ mein Haus, zünd´ andere an... HIER gibt es Photos vom dicken Puma.


Löschhubschrauber über La Palma



Samstag 12.08.06 - 09:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 20 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 69 % Luftdruck 1018 hPa

Wo ist Sara Morales?

Überall auf den Kanaren sucht man die 14 jährige Sara Morales aus Las Palmas de Gran Canaria, die seit dem 30. Juli aus völlig ungeklärten Gründen verschwunden ist. Obwohl die Polizei bereits mehr 260 Hinweise per Telefon erhalten hat, gibt es überhaupt keine heiße Spur, man tappt absolut im Dunkeln. Kein ungewöhnliche Verhalten seitens Sara, nichts deutet irgend wie darauf hin, warum Sara verschwunden ist, seit dem 30. Juli ist sie einfach nicht mehr da. Die Familie erlebt schreckliche Tage der Ungewissheit, findet aber großes Echo in der Presse und viel Solidarität der Nachbarschaft und auch der Institutionen. Überall hängen Photos der 14 jährigen, die Presse berichtet täglich, das Fernsehen auch und die Polizei hat eine Ermittlungsgruppe eingerichtet. Allerdings muss man nach allen Seiten ermitteln, die Befragungen der Freunde, die Auswertung der Handygespräche und sogar der Chatroom in dem Sara öfter teilnahm wird analysiert, ob man auf irgendeine Spur stoßen könnte.

Anfänglich suchte man Sara nur in der näheren Umgebung, es gab eine Spur die in ein Einkaufszentrum führte, aber die Auswertung der Überwachungskameras ergab leider, dass man dort ein anderes Mädchen gefilmt hat, welches Sara nur sehr ähnlich war. Andere Anrufe meinten Sara gar auf El Hierro gesehen zu haben, aber auch das war eine Verwechslung, man kann aber überhaupt nicht ausschließen, dass Sara sich nicht auch auf einer anderen Insel aufhält. Die Familie hofft natürlich auf eine "Eskapade" des Mädchens, aber je länger der Zeitraum ihres Verschwindens anhält um so unwahrscheinlicher wird das. Auf den Bussen in Las Palmas hängt ihr Bild und fast an jeder Ecke der Hauptstadt Gran Canarias, selbst der Fußballclub "UD Las Palmas" lief bei einem Freundschaftsspiel mit Hemden auf, welche das Photo Saras trugen.


Sara Morales



Freitag 11.08.06 - 19:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 25 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 61 % Luftdruck 1018 hPa
Höchsttemperatur heute: 25,8 Grad, niedrigste Temperatur: 20,2 Grad

Afrika einzäunen

Die Frontex soll es nun richten, nach Monaten immerhin bemüht sich die Europäische Union auch um ihre Außengrenze an den Kanarischen Inseln. Frontex heißt hier, Agencia Europea de Fronteras und etwas ausführlicher auf deutsch: Europäische Agentur für die operative Zusammenarbeit an den Außengrenzen. Ob es dieser Agentur gelingen wird, den inzwischen nur noch als massenhaft zu bezeichnenden Exodus schwarzafrikanischer Menschen auf die Kanaren zu stoppen ist fraglich. Ziel ist es, mit Schiffen und Flugzeugen zu verhindern, dass die Boote überhaupt von der Küste ablegen, oder noch in der Hoheitszone des Spenderlandes zu stellen und die Flüchtlinge zurück zu schicken. Dazu benötigt man aber die Genehmigung der Länder, vor deren Küste man die Flüchtlinge einfangen will. Das klappt mit Mauretanien, Marokko erledigt das inzwischen selbst, die Kapverden machen auch mit, aber Senegal hat noch nichts unterschrieben und somit bleibt das Flugzeug und das Küstenwachschiff der Italiener, die diesen Küstenabschnitt Westafrikas bewachen sollten vorerst auf den Kanaren.

Das Problem dabei ist, erwischt man die Boote außerhalb der Hoheitsgewässer, dann muss man die Flüchtlinge zuerst auf die Kanaren bringen und dann versuchen sie wieder auf dem Weg der Ausweisung und Rückführung in die Heimaltländer erneut nach Afrika zu bringen. Oft klappt das aber nicht und verstreicht erst die Frist in welcher die Abschiebung vorgenommen werden muss, dann bleiben die Leute in Spanien. - Da setzt auch die harte Kritik an der liberalen Haltung Spaniens an, andere europäische Länder und die eigene Opposition kritisieren, Spanien lüde die Flüchtlinge geradezu ein, über sein Territorium nach Europa zu gelangen. Angesichts der mafiösen Strukturen und der ausgefeilten Organisation der Menschen oder Sklavenhändler muss diese Kritik schon aufgenommen werden. In den wenigsten Fällen handelt es sich um Kriegsflüchtlinge oder in der Heimat durch Gewalt bedrohte Menschen. Es sind meist bitterarme Menschen, die um ihre Familie zu ernähren, den Schlepperbanden auf den Leim gehen die den Transport nach Europa als Kredit geben, den sie dann hier abarbeiten müssen. Entziehen sich diese Flüchtlinge hier ihrer Schulden, dann wird die Familie in der Heimat bedroht, ohne dass irgendwelche hiesigen Behörden etwas unternehmen können.

Durch die Mitarbeit Marokkos und der Kollaboration Mauretaniens sind nun die Schlepper gezwungen immer weitere Wege auf dem Atlantik zu unternehmen. Damit verteuert sich der Transport der "verderblichen Ware" und auch das Risiko für die Flüchtlinge steigt enorm an. Fahrzeiten von 8 bis 12 Tagen haben manche Boote hinter sich, es bedarf großer Mengen an Treibstoff und Wasser um den Weg vom Senegal aus auf die Kanaren zu schaffen. Die Flüchtlinge berichten immer öfter von Zwischenstopps auf den Kapverden oder irgendwo an der afrikanischen Küste, dort hätte man neuen Treibstoff und Wasser aufgenommen, die Schleuser haben ein funktionierendes Netzwerk an Depots zur Verfügung. - Die Frontex soll es also verhindern, dass weitere Boote mit Flüchtlingen auf die Kanaren gelangen. So lange der Senegal nicht mitmacht bleibt ein Scheunentor offen und wenn man sich die Zahl der Schiffe und Flugzeuge anhört, die an dieser Aktion teilnehmen und dazu mal auf der Landkarte die westafrikanische Küste betrachtet, dann wächst die Skepsis enorm. Italien hat ein Flugzeug und ein Patrouillenboot geschickt, Finnland ein Flugzeug. Spanien hat zwei Schiffe, die "Río Duero" und die "Petrel" vor der der mauretanischen Küste und Portugal fährt mit einer Korvette vor den Kapverden. Ein ziemlich frustrierter Kapitän der Guardia Civil hat angesichts dieser lächerlichen Armada auch schon zynisch festgestellt, es wäre vielleicht hilfreicher Afrika einzuzäunen, anstatt mit 4 Schiffen kleine Nussschalen im Atlantischen Ozean zu suchen.



Freitag 11.08.06 - 09:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 21 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 77 % Luftdruck 1017 hPa

Kurznachrichten

8.000 Zuschauer werden von den Veranstaltern bei dem Ana Torroja Konzert gemeldet. Die wichtigste Nachricht aber dabei bleibt, es kam zu überhaupt keinen Problemen für die Sicherheitskräfte, obwohl der Festplatz und die Umgebung von dem Besucheransturm völlig überfüllt war. El Paso hat als Gemeinde gerade mal 7.300 Einwohner und nur die Hälfte davon wohnt auch im Stadtgebiet, das nur um die Relation zu begreifen, was 8.000 Konzertbesucher auf einmal für uns bedeuten. "Chapó para este público ideal" schreibt "El Día" heute, ich habe das gestern irgendwo schon gelesen...

Brasilien gegen Kuba. Kein Fußball, wir bleiben bei der Musik. Es wird schwer sich am Wochenende zu entscheiden. In El Paso findet heute Nacht die "Fiesta Brasileña" statt, mit kernigen Trommlergruppen (Batucadas) und in der Hauptstadt, also überm Berg, bietet das "Festival der kubanischen Musiksolisten" bedächtigere Klänge. Wer noch einen draufsetzen will, der kann auch noch in Puerto de Naos Folkloremusik der Gruppe "Tuhoco" hören. Alles um 22:00 Uhr, Sie müssen sich entscheiden.

Rafas Resterampe in El Paso. Unsere wirklich rührige Handelskammervertretung in El Paso lässt sich immer etwas neues einfallen. Im "Recinto Ferial", also neben der Guardia Civil, gibt es seit gestern den "I Feria de Saldos" statt, das könnte man vielleicht am besten als gemeinschaftlichen Sommerschlussverkauf der Einzelhändler El Pasos beschreiben. Mode, Werkzeuge, Bücher, selbst ein Devotionalienhandel und viele mehr bieten dort alles an, was es sonst auch gibt. Nur eben in anderem Rahmen und mit anderen Preisen. Kauft Leute kauft, morgen schon kann das Geld alle sein!



Donnerstag 10.08.06 - 19:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 23 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 70 % Luftdruck 1016 hPa
Höchsttemperatur heute: 26,2 Grad, niedrigste Temperatur: 20,2 Grad

Ein Sommer macht noch kein Jahr

Weise Worte spricht unser Rat für Tourismus Jaime Sicilia, es fehlt nicht an Betten auf der Insel, sondern an Flugverbindungen. Recht hat er, das sage ich seit Jahren schon, nur mit dem Unterschied, dass er die Zahl der Betten erhöhen will. - Natürlich läge ihm auch eine Erhöhung der Flugverbindungen am Herzen, da gehen wir wieder in eine Richtung. Da hat aber die so oft gepriesene wie angeklagte Marktwirtschaft ein gewaltiges Wort mit zu reden, die Fluggesellschaften müssen Geld verdienen und ein öffentliches Sponsoring, was es übrigens bereits gegeben hat, damit man zu uns fliegt, lässt sich auf die Dauer gesellschaftlich und politisch wohl nicht aufrecht erhalten. Man fliegt so oft nach La Palma wie man damit Geld verdienen kann, das macht die Marktwirtschaft ja so einfach zu verstehen, da muss man sich nicht mit Ideologien oder Verantwortung oder gar humanistischem Gedankengut abgeben, so was stört beim Geld verdienen enorm.

Die Iberia macht da immer kurzen Prozess mit uns und sagt klar und deutlich, es lohnt sich nicht, öfter nach La Palma zu fliegen, also machen wir das auch nicht. - Das ist im Sommer immer anders, für zwei bis zweieinhalb Monate klappt das mit dem nationalen Tourismus inzwischen sehr gut. Es gibt wöchentlich nun mehrere Charter aus Madrid, Barcelona, Bilbao und neuerdings auch Sevilla. Die Hotels melden sehr gute Auslastungen und überall auf der Insel hört man diese komisch anmutende Sprache die wohl spanisch sein muss, bei unserem Slang möchte man fast sagen, das kommt uns spanisch vor. Diese touristische Fröhlichkeit und Badehochsaison hat aber einen empfindlichen Haken und der piekst immer in der zweiten Septemberwoche oder spätestens in der dritten. Da ist der Urlaub nämlich zu Ende und bis man die Festlandsspanier dazu bekommt, nicht genau in den Sommermonaten Urlaub zu machen, sondern über das ganze Jahr verteilt, darauf können Generationen nach uns warten.

Jetzt schäkert man mit der Regionalfluglinie "Air Nostrum", einem Iberia Kind, herum und setzt neue Hoffnungen auf die Verbindung mit Sevilla. Das wäre Klasse, eine direkte wöchentliche Verbindung in den Süden Spaniens und noch dazu Sevilla, das klingt doch ganz alleine schon nach großer Welt. - Jetzt übersetze ich mal frei aus einem Artikel im Diario de Avisos: "Der Verantwortliche von Air Nostrum erklärt, man stelle sich auch andere Verbindungen vom Festland nach La Palma vor und das nicht nur im Sommer, sondern auch zu anderen Zeiten." Hurra! Wir haben gewonnen, die Festlandsspanier werden unsere touristische Zukunft. - Dumm nur, dass ich immer weiter lese. - "Zum Beispiel könnte man Ostern mal nach La Palma fliegen, da gibt es auch immer mehr Passagieraufkommen", heißt es im nächsten Satz und ich bin mir ganz sicher, dass dieser zweite Satz in weiteren Interviews öfter mal abhanden kommen wird. So grausam ist die Marktwirtschaft, auch ein Sommer plus ein Ostern machen noch kein Jahr.



Donnerstag 10.08.06 - 09:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 21 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 75 % Luftdruck 1015 hPa

Alte Frauen singen einfach besser

Vielleicht kennt man das ja schon als "Tina Turner Effekt" oder aber das war nur die subjektive Einschätzung eines Publikums, welches sich altersmäßig voll und ganz mit Ana Torroja solidarisiert hat. Junge Leute waren eher die Ausnahme, wenn dann ganz junge, die als Pflichtprogramm die Eltern zu begleiten hatte. - Es ist alles gut gegangen, sieht man von ein paar Stromausfällen ab, dann war das ein sehr gelungener Auftritt der Mecano Sängerin und El Paso hat eine harte Belastungsprobe überstanden. Erst gegen elf kam Ana Torroja auf die Bühne, also mit extrem kurzer Verspätung und da strömten immer noch mehr Menschen heran, die Parkplätze waren das Hauptproblem, manch einer zog viele Kreise um den Ort um dann schließlich am Fußballplatz zu parken und so lange wollte nicht mal die erfahrene Sängerin warten. - Hätte man gestern Abend Strafzettel für Falschparken verteilt, der Gesamthaushalt El Pasos wäre für Jahre gesichert gewesen.

So etwas macht hier aber keiner in solchen Situationen, Policía Municipal und die Guardia Civil waren voll und ganz damit beschäftigt die Ströme effektiv zu kanalisieren und das haben die gut gemacht. Es gab kein Knurren und kein Geschimpfe, die Polizei wollte den Abend ohne Migräne überleben und die Zuschauer "mitten drin" sein, was dann ja auch gelang. So nah kommt man selten an das Geschehen und wer ein bisschen strategisch geplant hat, der kam früh genug und sicherte sich mit seinen Freunden eine Kioskecke, von der man aus, immer mit der Sicherheit eines Tresens im Hintergrund, das gesamte Treiben bestens beäugen konnte. Ich kann das nicht gut abschätzen, wie viele Menschen sich da getummelt haben, aber mehrere Tausend ist wohl vorsichtig genug ausgedrückt. - Eigentlich war das alles eine Nummer zu groß für uns, aber bei El Paso weiß man ja nie so genau, was wir eigentlich alles können. Chapeau Ana Torroja und El Paso.



Mittwoch 09.08.06 - 18:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 25 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 66 % Luftdruck 1014 hPa
Höchsttemperatur heute: 25,7 Grad, niedrigste Temperatur: 19,0 Grad

Ein mulmiges Gefühl vor dem großen Konzert

Ob man sich da nicht übernommen hat, Ana Torroja einzuladen, keinen Eintritt zu kassieren und das Ganze auf einem noch unerprobten Festplatz. Mit besorgten Minen verfolgen die Verantwortlichen die Vorbereitung für das Konzert auf La Palma, mit dem größten Star welcher in diesem Jahr La Palma seine Aufwartung macht. Keiner weiß, wie viele Leute denn kommen werden, Ana Torroja ist sehr beliebt und berühmt und nicht nur von den ganz jungen Leuten, die Dame geht bereits langsam auf die 50 zu (1959 geboren) und hat schon viele Jahre Dienst auf der Bühne hinter sich. In Deutschland kennt man Ana Torroja wohl eher noch aus der Zeit, als sie mit Mecano einen großen Hit landete, "Hijo de la luna", muss so etwa 1990 gewesen sein. - In Konzerten mit Eintritt weiß man ja was auf einen zukommt und kann so entsprechend planen, angefangen von Parkplätzen über sanitäre Anlagen bis hin zu den wohl unerlässlichen Sicherheitsdiensten. Der dafür ausgesuchte Platz kann vielleicht zweitausend Personen aufnehmen, die anderen müssten auf die Zufahrtswege ausweichen und wollen natürlich auch nah an die Bühne und Ana Torroja sehen.

Das ist nicht das erste große Konzert welches in El Paso stattfindet, dafür hat man aber bislang immer das Fußballstadion genommen, Eintritt kassiert und dann war alles ohne Probleme zu organisieren. Im Moment sind sehr viele Festlandsspanier auf der Insel und von denen wollen sich sicher auch sehr viele den Star ansehen und man befürchtet ein Verkehrschaos in den späten Abendstunden. Um zu großen Andrang auf den Festplatz zu verhindern, will man auch eine Videoleinwand aufstellen, die auf die größere der Zufahrtstraßen zeigt. - Ganz El Paso ist aufgeregt, das Fernsehen ist auch da und wir wollen uns doch nicht blamieren mit unserem Mut, solch ein Gratiskonzert mitten im Ort zu machen. - Ich bin immer noch am Grübeln, wie ich denn strategisch am günstigsten parke, vielleicht gleich in Los Llanos, da gibt es heute Abend sicher Parkplätze...


Vorbereitung für das große Konzert



Mittwoch 09.08.06 - 09:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 20 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 77 % Luftdruck 1015 hPa

Dem Vulkan auf den Puls gefühlt

Die Kanaren sind bekanntlich sehr junge Vulkaninseln und besonders auf den westlichen Inseln kommt es immer wieder zu Eruptionen, die jüngste davon 1971 als der "Teneguía" im Süden La Palmas die Insel erzittern ließ. Seit dem ist es ruhig auf La Palma, wir leben in Zeiten mit sehr geringer vulkanischer Aktivität, aber jeder weiß auch, dass die ruhigen Phasen auch nur vorübergehend sind. Wann es wieder zu einem oberirdischen Austreten von Lava kommen wird, das kann niemand vorhersagen, Statistiken taugen für geologische Zeiträume nicht. Aber man kann einen nahen Vulkanausbruch inzwischen sehr gut vorhersagen, dazu dienen 3 Überwachungsmethoden. Zuerst überwacht man die seismische Aktivität. Steigt Lava aus dem Erdinneren in die Kavernen unter den Inseln, dann rumpelt das gewaltig und das kann man messen. Das Aufsteigen von flüssiger Lava wäre das erste Anzeichen, dass sich unter der oder den Inseln stärkere Aktivität anbahnt.

Mit dem Aufsteigen der Lava erhöhen sich die Gasemissionen und aus der Mischung und Konzentration können die Wissenschaftler schon sehr gut Schlüsse ziehen, wie bedrohlich denn die Situation sein kann. Letzte Messmöglichkeit ist das Aufspüren von Bodendeformationen, ist die Lava schon weit nach oben gestiegen, dann wölbt sich über ihr das Gelände. Wenn es soweit ist, dann kann man schon sehr genau vorhersagen, wo es denn zu einer Eruption kommen wird. Allerdings gehen diesem letzten Stadium der Vorhersagen immer erhöhte seismische Aktivität voraus und auch eine Vervielfachung des Gasemissionen. Auf La Palma gibt es sein eineinhalb Jahren eine wöchentliche Zusammenfassung des Zustands unter unserer Insel, das "ITER" (Instituto Tecnológico de Canarias) in Zusammenarbeit mit dem Nationalen Geographischen Institut erstellt ein Diagramm mit den Ereignissen und stellt dieses auch der Öffentlichkeit zur Verfügung. "Guayota La Palma" heißt diese Schautafel, auf der man zunächst die Standorte der Messgeräte sehen kann und eine große Ampel, die bei uns auf grün steht. Darunter befinden sich die Werte der Emissionen der Gase und ganz rechts unten wird die seismische Aktivität angezeigt. Wenn man sich nun beunruhigt sieht, weil es im Jahr 2005 drei seismische Einträge gibt und davor keine, dann dient dazu ein Vergleich mit der Insel Tenerife, die hatten Ende 2004 eine "vulkanologische Krise" und nicht wenige Wissenschaftler waren davon überzeugt, dass es zu einem Ausbruch kommt. Dort scheint sich aber die Magma nicht weiter nach oben gezwängt zu haben und ist wohl zur Ruhe gekommen. - Bei uns finden solch aufregende Ereignisse nicht statt, noch nicht.



Dienstag 08.08.06 - 18:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 24 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 69 % Luftdruck 1016 hPa
Höchsttemperatur heute: 25,4 Grad, niedrigste Temperatur: 17,4 Grad

Man müsste Christo mal fragen

Der rote Palmenrüssler, ein bohrender Käfer der es wie der Name schon sagt, seine Wohnstatt in Palmen sucht, ist seit längerem hier auf den Kanaren gefürchtet. Das Vieh hat man sich eingeschleppt, entweder direkt aus Nordafrika als ungewollte Beiladung oder vom spanischen Festland, wo der Unhold schon seit Jahren allen Pflanzenschützern den Schlaf zumindest schwer macht. Früher, als alles immer besser war..., gab es den roten Palmenrüssler auf den Kanaren noch nicht, unsere endemisierten Palmen, die kanarischen Dattelpalmen waren frei von diesem Insekt. Dann begann man im großen Stil aus Nordafrika und vom Festland die afrikanische Dattelpalme zu importieren, ganz einfach weil diese schneller wächst und auch größer wird. - Meist pflanzte man die Palmen dort, wo man nackte Landschaften touristisch schneller stilecht erscheinen lassen wollte, obwohl man um die mögliche Gefahr wusste. Der "picudo rojo", wie man ihn hier nennt, macht langsamen aber endgültigen Prozess mit jeder Palme die er heimsucht, die Larven der bis zu 500 Eier die er in das Palmenmark setzt, fressen sich gierig durch das Palmenherz und unterbinden so die Wasserversorgung.

Bislang kannte man nur ein probates Mittel, Kettensäge aus dem Sack und die Palme dann verbrennen, nur so konnte man eine weitere Ausbreitung verhindern. - Umweltschützer verlangten sogar über 13.000 Palmen abzusäbeln, alle im Umkreis von 5 Kilometer um von Palmenrüssler befallenen Pflanzen. - Jetzt gibt es wieder Hoffnung, Pflanzenschützer aus Valencia haben eine Methode entwickelt, dem Rüssler den Garaus zu machen, ohne die Palme zu schädigen und auch die Umgebung nicht zu vergiften. Wie das angewandte Gift heißt, das lassen sie uns noch nicht wissen, aber wie man es anwendet, das schon. Man stülpt den Palmen luftdichte Planen um die Krone, gibt das Mittelchen ein und nach drei Tagen kann man die Palmenduschhaube wieder abnehmen. In Versuchen hat sich gezeigt, dass sämtliche Larven nach drei Tagen abgestorben war. Wer nun weiß, wie groß und ausladend manche Palmen sind, dann ist das technisch eine ziemlich große Anstrengung und daran will man noch ein bisschen feilen und basteln, das auch alltagsgerecht handhaben zu können. - Man könnte ja vielleicht die Planen mit Werbeaufschriften versehen, nach dem Motto, wir retten nicht nur den Regenwald sondern auch noch die Palmen auf den Kanaren, für jeden Kasten Bier den Sie kaufen bezahlen wir 0,5 cm² Plane. So etwas gibt es doch schon, oder wir fragen Christo und seine Frau, die kennen sich doch bei solch monumentalen Verpackungsproblemen aus. Das wäre doch mal richtig was, Christo hat Arbeit, die Kanaren Werbung und auch der Käfer bekommt seinen Teil ab.



Dienstag 08.08.06 - 09:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 19 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 73 % Luftdruck 1018 hPa

14.589

Auch wenn mich gestern Abend bereits der erste Weihnachtslotterieverkäufer angesprochen hat, das sind nicht die Glückszahlen für den 22. Dezember. - Nimmt man den gestrigen Tag mit hinzu, dann sind seit dem ersten Januar 14.589 illegale Immigranten aus Afrika auf die Kanaren gekommen und damit dreimal so viele wie im gesamten Jahr davor. Nur wenige davon bleiben auf den Kanaren, die meisten werden schnell aufs Festland gebracht und von dort zurückgeflogen in ihre Heimatländer. Gelingt den Behörden nicht, innerhalb von 30 Tagen alle Papiere für eine Rückführung fertig zu bekommen, dann können die Flüchtlinge bleiben und ihre Schulden abarbeiten. - Schulden, die sie aufnehmen mussten, um sich die Überfahrt erkaufen zu können, das ist alles bestens organisiert und wer das Pech hat wieder nach Hause geschickt zu werden, der muss noch mal los, oder es erwarten ihn und seine Angehörigen im Heimatland schwere Repressionen seitens der Schlepper. - Das Bild welches wir haben, von den armen Flüchtlingen, die halb verdurstet auf den Kanaren ankommen ist wohl richtig und bedauernswert, dahinter steckt aber eine internationale Mafia, welche den reichen Ländern Europas billigste Arbeitskräfte anbieten. Dahinter steckt meist eigenes Profitstreben, aber auch sind viele Betriebe, besonders in der Landwirtschaft und der Hotellerie, inzwischen auf diese modernen Sklaven angewiesen, anders können sie die geforderten Preisvorgaben auf dem Markt nicht mehr erreichen. - Das Wort Schwarzarbeit erfährt, angesichts der Hautfarbe der Flüchtlinge, eine höchst zynische Bestätigung.

Die Kanaren bleiben Einfallstor Nummer eins nachdem Marokko seine Grenzen fast gänzlich abgeschottet hat und der Weg über Malta und Sizilien ist auf Grund dichter Präsenz von Wachbooten kaum noch erfolgreich. So bleiben geographisch die Kanaren das Ventil um den Drang nach Europa zu bündeln, wer hier lebendig ankommt und nicht gleich wieder zurückgeschickt wird, der hat es geschafft. Die Schlepper sind äußerst flexibel in ihrer Logistik und reagieren sofort, wenn es darum geht neue Wege zu finden, ihre "Ware" bis nach Europa zu verschiffen. Früher waren Fuerteventura und Lanzarote die Inseln mit dem höchsten Flüchtlingsaufkommen, ganz einfach weil deren geographische Lage so nah an Marokko es anbot. Heute kommen die Schiffe aus dem Süden, aus Mauretanien, Guinea und dem Senegal und nun sind plötzlich andere Inseln einfacher und schneller zu erreichen. So sind auf Tenerife, welches früher nur ganz selten mit der Flüchtlingsproblematik zu tun hatte dieses Jahr bereits 7.997 "Boatpeople" gelandet. Danach folgt Gran Canaria mit 3.058, La Gomera mit 1.456, Fuerteventura nahm 1.391 Flüchtlinge auf und in El Hierro kamen 604 an und auf Lanzarote nur noch 83. - La Palma ist die einzige Kanareninsel, welche in diesem Jahr noch keinen schwarzafrikanischen Flüchtling aufnehmen musste, wir liegen nicht direkt auf dem Weg von Afrika nach Europa und ob man sich darüber freuen sollte oder nicht, das bleibt jedem selbst überlassen.



Montag 07.08.06 - 19:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 22 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 74 % Luftdruck 1019 hPa
Höchsttemperatur heute: 23,9 Grad, niedrigste Temperatur: 18,9 Grad

Immerhin wissen wir jetzt was "BRIF" heißt

Wenn die Umweltministerin nach La Palma kommt, dann hofft man ja auf einen kritischen Blick auf unsere geballten Fortschrittsmaßnahmen, die alle über eine gut geölte Autobahn (pardon, Schnellstraße mit Überholspur) bis in den letzten Winkel dieser Insel kommen sollen. Alles was bislang seitens der Presse verlautet, beschränkt sich aber auf die Bereitstellung des großen Puma Hubschraubers in Puntagorda. Das ist wunderbar, die dicke Kiste kann 2.500 Liter Wasser auf einmal über Bränden abwerfen und zudem hat uns ja das Umweltamt die "BRIF" geschickt. Das heißt Brigada de Refuerzo contra Incendios Forestales und diese professionellen Brandbekämpfer sollen auch schnell mit dem Hubschrauber an ihren Einsatzort gelangen. Das ist ein Novum, dass den Kanaren außer Geld auch Personal und Technik zur Verfügung gestellt wird und das aus Vorsichtsmaßnahmen, nicht erst wenn er brennt und dann eigentlich zu spät ist. - Allerdings fragt man sich jetzt, wären die Feuerwehrleute jetzt nicht besser in Galizien, dort kämpft man einen schier aussichtlosen Kampf gegen mehr als 80 Brandherde. - Auf La Palma hat es diesen Sommer noch kein Feuer gegeben, da werden einige Leute in Galizien die Frage stellen, was machen die "BRIF" auf La Palma, wenn es bei uns brennt.

Ohne zu wissen, ob es weitere Gespräche zu anderen Themen mit Frau Narbona gegeben hat, lauern noch ganz andere Gefahren für die Umwelt auf La Palma. Da stecken wir meist selbst dahinter und was die Waldbrände angeht, da gibt es nicht wenige die behaupten, es schadet unserem Wald überhaupt nicht, wenn es ab und zu mal brennt. Das allerdings ist eine Diskussion, die ich nicht fertig führen kann, oft richten die gegen Brände grundsätzlich sinnvollen Brandschneisen ein wahres Desaster an, dort wo es gebrannt hat regeneriert der Kiefernbestand schnell, dort wo man die Brandschneisen geschlagen hat allerdings nie mehr. Bodenerosion ist oft die Folge und ein hässlicher Kahlschlag, allerdings haben sich die Schneisen oft als wirksamstes Mittel gegen ein Ausbreiten der Brände erwiesen. Das richtig einzuschätzen traue ich mir nicht zu: Opfere ein paar Hektar Wald und rette damit viele Hektar sagen die einen und die anderen meinen, lasst den Wald doch ruhig brennen, der hat über Jahrtausende immer mal wieder gebrannt und erholt sich schon von ganz alleine. Das hat aber auch was mit uns Menschen zu tun, brennt es dann wirklich, dann sind alle solche Diskussionen schnell erstickt und alle wünschen sich nur eines, dass der Brand bald gelöscht wird. Darüber hinaus könnte sich kein Zuständiger, sei es aus dem politischen Lager oder der Umweltbehörde, im Brandfall leisten, vor die besorgten Bürger zu treten und eine Grundsatzdiskussion beginnen. Dann heißt es nur löschen, schnell schnell und reden tun wir später. Das machen wir aber dann nie, so sind wir eben und das muss wohl menschlich sein.


Brandschneise im Norden La Palmas



Montag 07.08.06 - 09:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 19 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 67 % Luftdruck 1019 hPa

Warum? - Darum!

Die Fiesta zu Ehren der Schutzpatronin El Pasos geht in die nächste Runde. Ab heute ist Kinderwoche, das heißt auf dem Sportplatz gegenüber dem Rathaus ist jeden Tag reichlich Programm für unterforderte Teens und darunter. Malkurse, Handarbeiten, Spiele, Clownvorstellungen werden dort angeboten, mit irgend etwas muss es doch möglich sein die zukünftigen Hoffnungsträger unseres Rentensystems vom Fernseher weg zu locken. Abends gibt es dann Freiluftkino und das alles umsonst, selbst für das Konzert von Ana Torroja am Mittwoch muss man keinen Cent geben, El Paso lässt es richtig krachen. Allerdings sind nicht alle Anwohner gänzlich begeistert, wer in Richtung oder Umgebung des Friedhofs wohnt, der sehnt vielleicht schon den 4. September herbei, dann kann man wieder ruhig schlafen.

Um die berechtigten Bemühungen, solch ein eigentlich kirchliches Fest auch für alle interessant zu machen, hat man einen probaten Kompromiss gezogen und feiert auf zwei Schauplätzen gleichzeitig. Die traditionellen Veranstaltungen finden vor dem Rathaus statt und der größte Teil des lauten Rahmenprogramms auf dem extra dafür frisch asphaltierten Platz beim Friedhof. Dort hat man eine riesige Bühne aufgebaut und wenn gerade kein Star oder Sternchen dort singt, dann bemühen sich kolossale Lautsprecher dort um kollektives Redeverbot. Der neue Festplatz nennt sich ¡X Ke Sí!, das bedeutet zunächst nichts anderes als "darum, oder deshalb". Das X steht für das Malzeichen, also por, Ke steht für qué und Sí bleibt so wie es ist. Zusammen heißt das ¡por qué sí! und das ist eigentlich immer nur als Antwort zu benutzen auf ¿por qué no?, was folgerichtig warum eigentlich nicht heißt. - Wenn also genervte Anwohner die Veranstalter fragen, warum macht ihr fünf Wochen lang diesen Krach bis in den frühen Morgen, dann muss man nur antworten: DARUM, oder hier, ¡X Ke Sí! - Dass man mit solchen sinnreichen Inhalten hier sogar mal Kommunalwahlen gewinnen konnte, das ist ein Gerücht, welches ich heftig dementieren will und muss, oder: ¿X Ke No?



Sonntag 06.08.06 - 19:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 22 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 73 % Luftdruck 1018 hPa
Höchsttemperatur heute: 24,3 Grad, niedrigste Temperatur: 19,1 Grad

Kanarische Küche, kein Renner in der Gastronomie

Zum Pizzaessen nach La Palma, das kann man ruhig machen, auch mir schmecken diese dünnen Teigfladen mit Ornamenten besetzt und ich habe mir sagen lassen, die Pizzerien dieser Insel brauchen den Vergleich mit Wanne-Eickel nicht zu fürchten. - Des weiteren gibt es sogar Döner auf der Insel, unverzichtbar inzwischen für mitteleuropäischen Pluralismus, auch die Berliner sollen sich wohl fühlen auf La Palma. Ein weiterer Trend scheint ungebrochen, immer mehr "Tascas" finden Einfluss auf unsere gastronomische Landschaft. Eigentlich ist eine Tasca nichts anderes als eine Kneipe, aber im Gegensatz zum deutschen Pendant ist bei einer Tasca das Essen mindestens genau so wichtig wie Kommunikation und der nie enden wollende Kampf gegen die körperliche Dehydratation. Oft wird in diesen Tascas eher auf kleine Häppchen gesetzt, der Trend zu 4.000 Kalorienmahlzeiten scheint gebrochen, aber meist zeigen die Tascas nicht unbedingt auf eine bestimmte Stilrichtung oder Landesprägung, es wird dargeboten was schick ist und darf sogar gesund sein. - Das ist eine nette Bereicherung unserer gastronomischen Landschaft, dagegen ist überhaupt nichts auszusetzen. - In El Paso gibt es schon wieder eine neue Tasca, ganz "chachi", das steht für schick hier, heißt ganz passend "Kenia" und dort soll es den besten Orgasmus der Insel geben. - Das ist der Namen eines Drinks und warum der so heißt und die Kneipe Kenia, ich werde es irgendwann im Selbstversuch herausfinden.

Auf der Strecke zu bleiben scheint die traditionelle kanarische Küche, ich kann nur wenige Restaurants anführen, in denen man tatsächlich noch nach echten hiesigen Rezepten in den Töpfen rührt. So klagt meine Lieblingszeitung, "La Voz de La Palma" in einem flammenden Artikel eine Tatsache an, man könne in der Hauptstadt kein Lokal mehr finden, in dem man kanarisch kocht. - Im Umland von Santa Cruz wohl, da laden solche Institutionen wie das "Chipi Chipi" zum Kampf mit den Fleischportionen. Die Frage muss aber auch gestellt werden, zeigt man uns da nicht einfach nur eine Nuance der kanarischen Küche, nämlich die der gegrillten Fleischberge aus einer Epoche, in der es endlich genügen Proteinnahrung für schwer arbeitende Landbevölkerung gab. Schmeckt Klasse, aber es ist oft einfach eine Frage der Fleischqualität und des Händchen des Kochs, was unsere "Parillas" von einem mitteleuropäischen Gartengrillfest unterscheiden. Dazu gereichte papas arrugadas machen die Endemie auch noch nicht wasserdicht, gegrillte Fleischberge sind nur ein Teil, eigentlich ein kleiner Teil der kanarischen Küche. Wie in viele ländlichen Küchen ist auch die Inselküche hier, eine von Armut und wenigen Rohstoffen gezeichnete Maßnahme gewesen, die Familie satt zu bekommen. Da galt es Phantasie zu entwickeln, aus kärglichen Grundstoffen leckere Zubereitungen zu schaffen und daraus entstanden solche Leckereien wie "Rancho, Potaje, Sopa de trigo, Gofio caldado, arroz caldado, Sopa de Ajo y Huevo, Escaldon de Gofio, Caldo de Invierno und noch viele Gerichte mehr, die heute bereits manchen Burger geschulten Jungpalmero dazu bewegen, mit den Schultern zu zucken. - Und wer ist es Schuld? Die Wirte! - Aber nicht alleine, es gibt genügend Beispiele, dass man es versucht hat, auch diese wirklich traditionelle Küche anzubieten, aber für das einheimische Publikum ist das eher Armenküche und für die mitteleuropäischen Gäste oft zu fremd. - Na ja, ein paar Refugien gibt es noch und wenn man die Wirte auch ab und zu anfeuert und sie es wagen, auf solch alte Rezepte zurückzugreifen, dann wird es diese Leckereien auch weiterhin geben. Ánimo Kiko, noch sind Gofio und Chicharones nicht verloren...



Sonntag 06.08.06 - 09:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 20 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 74 % Luftdruck 1018 hPa

Cristina was soll es bedeuten?

Cristina Narbona ist Umweltministerin der Zentralregierung in Madrid und wird morgen nach La Palma reisen, im Handgepäck den großen Hubschrauber, der uns den Sommer über besser gegen Waldbrände schützen soll. - Der Hubschrauber, ein französischer Puma, ist bereits seit Freitagabend auf der Insel, es ging dann doch mal schneller als befürchtet.- Offiziell heißt es, Cristina Narbona soll den mächtigen Hubschrauber hier "in Betrieb nehmen", nach dem ein anderer Apparat Anfang letzten Monats ins Meer gestürzt ist. - Interessant kann aber ihr Besuch auch deshalb werden, weil sich Frau Narbona in einem Interview mit Joaquín Anastasio (La Provincia - La Opinión) sehr kritisch zu der bisherigen Politik des Küstenamts äußert, ein Amt, welches letztendlich ihrem, dem Umweltamt untersteht. - In dem Interview wird nicht explizit La Palma erwähnt, es geht um alle Kanareninseln, Kernpunkt sind die urbanistischen Auswüchse im Küstenbereich.

Sie teilt die Sorge vieler Menschen, dass künstlich angelegte Küstenwanderwege letztendlich nur dazu dienen, die Zonen für weitere Urbanisierung interessanter zu machen. Das eigentliche genannte Vorhaben, die Regeneration der Küstenlinie, die ja auch immer genannt wird wenn es um die "alegalen" Siedlungen auf La Palma geht, dient häufig eher urbanistischen als ökologischen Vorhaben. - Das sind ziemlich klare Worte und nun muss man sehen, ob man über Jahre geplante Vorhaben, noch aus der Zeit als in Madrid andere am Steuerknüppel saßen, noch mal ganz kritisch betrachten und diskutieren kann. - Cristina Narbona stellt damit eine Behörde in Frage, die ihrem Ministerium untersteht, da könnte man doch meinen, das dürfte kein Problem sein. So einfach ist das aber nicht, alleine auf den schmalen Küstenstreifen hat das Ministerium Zugriff, was ein paar Meter weiter hinten geschieht, das liegt bereits wieder in autonomer Provinzverwaltung. - Die Umweltministerin kommt, der Regierungspräsident auch, alle in den nächsten Tagen (Wochen), ich hoffe nur, die halten die Augen mal ganz weit offen und erkennen, dass diese Insel andere Umweltprobleme bekommen wird mit den rasanten Plänen der Provinzregierung, als ein paar unbequeme Hütten am Strand. ¡Ánimo Cristina! Merece la pena para La Palma.


La Bombilla, La Palma

Umweltprobleme sehen anders aus. La Bombilla auf La Palma.



Samstag 05.08.06 - 19:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 26 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 65 % Luftdruck 1015 hPa
Höchsttemperatur heute: 27,2 Grad, niedrigste Temperatur: 19,8 Grad

Pure Langeweile

Wenn mir so gar nichts einfallen will, weil ich mich dem kollektiven Gedöse im Aridanetal angeschlossen habe, dann kommt eigentlich immer etwas über das Wetter. - Nur, was kann man über dieses Wetter schreiben, welches seit nunmehr 3 Monaten nichts als pure Langeweile produziert? Keine Hitze, keine Kälte, kein Regen, kein Sturm, keine Rekorde. - Halt, doch, keine Rekorde, das hatten wir noch nicht, es ist gerade so, als ob die letzten drei Monate auf La Palma den Klimawandel ad absurdum führen wollten. Ist natürlich Quatsch, wir haben in den letzten Jahren auch Wetterphänomene hinnehmen müssen, die nicht mehr den positiven Makel des Zufalls haben können. - Geht man da noch phantasievoller ran, dann ist solch eine 3 monatige Stabilität auch bereits wieder etwas ungewöhnliches, aber das will ich Ihnen so nicht verkaufen und außerdem ist das nicht der erste Sommer auf La Palma der sich derart langweilig verhält und darüber hinaus ist der Sommer auch noch nicht vorbei.

Das alles hat einen einfachen Hintergrund, heißt Azorenhoch und der daraus entstehende Passat, der bei uns aus Nordost weht. Da kann die Sonne knallen wie sie will, die feuchte und kühlende Luft, hat auf ihrem langen Weg über den Atlantik die Eigenschaften einer gewaltigen Klimaanlage übernommen. Ein Glück für uns, dass gerade hier der Vulkan seine Blähungen bekam und uns dort hinspuckte, wo wir heute sind. Selbst im Juli kletterte das Thermometer nur an ein paar Tagen knapp über die dreißig Grad Marke, schon lange schweben wir aber wieder um die äußerst angenehmen 27 Grad herum. - In der Sonne ist das etwas anderes, die brennt gefährlich auf den Pelz und da kommt es oft zu unangenehmen Rötungen, weil der kühlende Wind einen die Gefahr nicht spüren lässt. - Mein Tipp am Rande, auch wenn es nicht jedem steht, eine weitere Kopfbedeckung zu tragen als das Haupthaar, ohne Hut oder Kappe sollte man hier nicht auf Wanderschaft gehen, das kann zu unlustigen Ausfallerscheinungen führen. Wenn Sie unsere Langeweile als Tabelle genießen wollen, dann klicken Sie HIER, in den mageren Sommerkalenderblättern ziehe ich immer eine Monatsbilanz.



Samstag 05.08.06 - 09:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 19 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 68 % Luftdruck 1015 hPa

Erhöhte Jungfrauendichte

Heute ist Feiertag und kaum jemand hat es gewusst. Vielleicht liegt unsere Überraschung ja ein bisschen darin begründet, dass es diesen freien Tag erst seit wenigen Jahren gibt und bis wir uns an etwas gewöhnen, müssen mehr als wenige Jahre vergangen sein. Da fangen gestern Abend, unter Beteiligung tausender Menschen, die Feierlichkeiten zu Ehren der Virgen de El Pino an und heute ist Feiertag, "Día de Las Nieves", also der noch bekannteren Schutzpatronin von der anderen Inselseite. Solch geballte Jungfräulichkeit lässt dann schon mal das gesellschaftliche Leben der Insel ersterben, die aus El Paso werden vor Mittag nicht wach, weil zu viel gefeiert und auf der Ostseite muss man zur Wallfahrtskirche von Las Nieves pilgern, um zusammen mit dem Bischof der Jungfrau vom Schnee zu huldigen. Ich bin ja nur froh, dass ich kein Atheist bin, sonst müsste man doch glatt mal eine Rechnung aufmachen, welcher volkswirtschaftliche Schaden durch diese Jungfrauen auf La Palma angerichtet wird.

Allerdings rettet uns der bereits von der UNESCO verbriefte Pragmatismus, unsere Weltbiosphärenreservatssupermärkte öffnen dafür am Sonntag, so dass außer vieler verdutzter Gesichter vor den geschlossenen Läden heute nicht weiter viel passiert. - Die Eröffnung der "Fiestas de la Bajada de Nuestra Señora de El Pino" verlief standesgemäß, ich kam zu allen Programmpunkten zu spät, weil ich pünktlich sein wollte. Ich habe da noch nicht den richtigen Rhythmus gefunden. Wer zu einer bestimmten Uhrzeit an Punkt A steht, weil laut Programm nun der Akt F ausgeführt werden soll, der kann nicht gleichzeitig an Punkt B sein, um dem Akt G beizuwohnen, der eigentlich vor einer Stunde hätte beginnen sollen. Das sind aber nur Anlaufschwierigkeiten, wer sich mit Terminen das Leben künstlich schwer macht, dem kann man auch von Jungfrauen und Schutzpatroninnen nichts erzählen.



Freitag 04.08.06 - 19:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 27 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 66 % Luftdruck 1014 hPa
Höchsttemperatur heute: 27,5 Grad, niedrigste Temperatur: 20,8 Grad

Wenn der Kater einen Kater hat

Die Frauen sind wieder im Haus, da macht man so einige erneute Erfahrungen. Es ist wahr, man kann auch mittags warm essen, der Kühlschrank füllt sich erneut in wundersamer Weise selbst auf und endlich weiß ich wieder, was in diesen weißen Kasten auf der Küchenablage gehört, nämlich Brot und kein Whiskas oder Zigaretten. - Paul war völlig verwirrt die ersten beiden Tage, irgendwie hatte er wohl seine weibliche Dienerschaft schon abgeschrieben und sich auf ein wenig aufregendes Leben mit dem alten Zausel eingestellt, der so einfach manipulierbar war. Bei den Frauen ist die Geschichte härter, die beiden Kinder wollen immer spielen mit ihm und das immer wenn er keine Lust und hat er dann mal Lust zum Spielen, so um 02:47 Uhr, dann ist mit denen nichts, aber auch gar nichts anzufangen. Meine Frau liebt er zwar abgöttisch, aber die hat ein sehr gutes Gedächtnis und kann sich merken, wie viele Schälchen parfümierte Tierkadaver an einem Tag bereits in seinen gierigen Schlund gewandert sind. Mit der muss er richtig diskutieren wenn er mehr will als üblich und welcher Mann diskutiert schon gerne mit Frauen, die sich alles besser merken können als man selbst. - Da ist es an der Zeit mal wieder auf den Putz zu hauen und ordentliche Duftmarken zu setzen, wie denn so ein Wohnarrangement zwischen Kater und humanoiden Besatzungsmitgliedern auszusehen hat.

Da hilft meist eine Heldentat, da steht man wieder im Mittelpunkt und bislang erlangte er immer das größte Aufsehen, wenn er etwas großes, wichtiges oder wenigstens unersetzliches zerstört hat. - Dann kümmern sich alle um ihn und wenn er eine wirkliche Heldentat begangen hat und einen mittelgroßen Rattenkopf unter das Kopfkissen legt, dann laufen alle weg, wie soll das der Kater also jemals kapieren. - Zerstören will aber auch gelernt sein, man muss sich schnell selbst noch aus der Schuss oder Falllinie bringen, sonst kann so etwas unerfreuliches passieren, wie sein eigener Kollateralschaden zu werden. - Auf amerikanisch "very friendly fire" bei den Nazis "Wehrkraftzersetzung" und im Volksmund Dummheit genannt. - Über unserem Kühlschrank, und der ist pragmatisch groß und hoch, gibt es einen kleinen Mauersims, auf dem meine Lieblingsköchin den Kochwein aufbewahrt. Bei uns ist alles Kochwein, wir trinken diesen vergorenen Traubensaft nicht wirklich gerne. Mehrere Flaschen warten dort immer auf ihren Einsatz, um in wunderbaren Soßen und Ragouts einen köstlichen Tod zu sterben. - Warum der Kater mit einem gewagten Sprung diesen Mauersims erklimmen wollte, da kann ich nur Vermutungen anstellen von wegen Eitelkeit und Machtdemonstration, aber vielleicht lernt der, nun gefallene Kater, dass man auch eine Landebahn benötigt und die Physik hat uns ja gelehrt, wo ein Körper ist, kann kein Anderer sein. Also mussten die Flaschen weg, alle runter, aber dennoch war der Bremsweg nicht ausreichend und Paul landete in einer gewaltigen Weinlache, die Alfred Biolek augenblicklich in die Weinsteinstarre versetzen würde, wie unköstlich.

Plitschenass das Vieh und die Kamera liegt im Auto, daran erkennt man, dass ich kein Profi bin, ich hätte gnadenlos draufgehalten. Die Frauen waren natürlich schon wieder am Zetern, der arme Paul, der hat sich bestimmt weh getan und sicher hast du, in meine Richtung gesprochen, die Flaschen da oben auf den Sims gestellt. - Gegenseitige Schuldzuweisungen sind innerhalb der Familie so nützlich wie Nachrichten auf RTL 2, zumal man dabei noch die entscheidenden Minuten verliert, das Vieh aus seinem berauschenden Weinmantel zu befreien. Der Kerl hat sich doch tatsächlich das ganze Fell abgeschleckt und wir haben nicht so schnell die möglichen Konsequenzen bedacht und schon war es geschehen. - Wenn Kater singen, dann ist was falsch gelaufen mit der Evolution, oder mit dem Alkohol. - Man kann einen wunderbaren Spruch von Erich Kästner für diesen Fall leicht umändern. Man darf nur soweit nicht sinken, den Wein den man auf den Boden schmeißt auch noch zu trinken. - Paul hat dann, nach rituellen Waschungen viel geschlafen heute und wir haben schon einen Termin bei den schnurrenden Anonymikern für ihn gemacht, die kleine Suffbirne erholt sich aber schon wieder, nie wieder, könnte sein Gesichtsausdruck auch bedeuten. Haut voll rein, die 99er Reserva Rioja Katzenschwingel Südhang. Im Abgang aber etwas räudig.


Brummschädelpaul



Freitag 04.08.06 - 09:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 21 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 78 % Luftdruck 1015 hPa

Kunst und Handwerk

Im besten Fall ergibt das Kunsthandwerk. Eines ist aber allen gemein, den Handwerkern, den Künstlern und auch den Kunsthandwerkern, letztendlich hängt ihr Erfolg vom Kunden, Kenner und Gönner ab. - Man könnte jetzt sogar abschweifen und behaupten, es sei eine Kunst auf La Palma mit dem Handwerk zu überleben, aber das geht zu weit, die Grenzen sind schon fließend genug um nicht noch Wortspiele nutzen zu müssen. - Jedes Jahr findet auf La Palma eine Kunsthandwerksmesse statt, auf der die vielen Bastler, Tüftler und Traditionsbewahrer ihre Produkte präsentieren können. Ziel ist es natürlich die Aufmerksamkeit eines unter Umständen geneigten Kundenkreises zu erhöhen. Zwar ist das Kunsthandwerk auf La Palma äußerst präsent, aber die Wenigsten können ihre Produkte so vermarkten, dass es für ein Auskommen reicht und unter Umständen sogar eine Familie ernährt.

Dieses Jahr ist Mazo auserwählt die Kunsthandwerksmesse zu beherbergen, am 10. August geht es los und es haben sich fast 250 Interessierte gemeldet um auf dieser Messe ihr Können und Schaffen dem Publikum zu präsentieren. Es ist bereits die 19. Auflage einer Messe dieses Charakters, man kann nicht behaupten, für diesen Sektor würde nichts getan. Die Palette ist riesengroß, der ungeschützte Begriff Kunsthandwerk macht das möglich. Ganz traditionell sind Stickereien und weitere textile Handarbeiten ganz vorne in der Zahl der Aussteller, etwa die Hälfte aller Stände der Ausstellung ist von diesem Sektor belegt. Was gibt es noch, eigentlich so ziemlich alles, was es nicht auch im Rest der Welt gibt, vielleicht kann man die Blechbieger und Vogelkäfigbauer noch herausstellen, so wie die Seidenproduzenten, die Zigarrenmanufakturen und die Töpfer, welche sich um die berühmte schwarze Keramik bemühen. Das alles und noch viel mehr gibt es vom 10. August bis zum 16. des gleichen Monats in Mazo zu sehen und vieles davon auch zu kaufen. - Die eigentliche Kunst besteht in den nächsten Wochen aber daraus, aus den unendlich vielen Programmpunkten, welche diverse Organisationen und Fiestas den Sommer über hier anbieten, sich seine Stückchen heraus zu suchen.



Donnerstag 03.08.06 - 19:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 28 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 65 % Luftdruck 1014 hPa
Höchsttemperatur heute: 28,5 Grad, niedrigste Temperatur: 20,2 Grad

Einen Monat Schicht im Schacht in El Paso

Morgen geht es endlich los, das zweitgrößte Inselfest hat El Paso nun heftig im Griff. Wir feiern alle drei Jahre die Herabkunft (Niederkunft ist etwas anderes) unserer Schutzheiligen, der Jungfrau der Pinie oder weniger stimmvoll der Kiefer. Das wäre natürlich nur die deutsche Bezeichnung, besser man nennt die scheue Dame und das rauschende Fest beim richtigen Namen, "Fiestas de la Bajada de Nuestra Señora de El Pino". Das kann man ruhig auswendig lernen. Das größte Inselfest ist zweifelsohne die Bajada einer Kollegin unserer Jungfrau, die de "Las Nieves" und ist sogar weit über die Inselgrenzen hinaus bekannt. Allerdings kommt die Jungfrau vom Schnee nur alle 5 Jahre ihren Dienst in der schutzbefohlenen Hauptstadt zu verrichten, da haben wir in El Paso richtig Glück, unsere ist deutlich fleißiger und macht sich alle 3 Jahre auf den Weg nach El Paso. - "Con todo el debido respeto" - bei allem gebührenden Respekt, es gibt nicht wenige die behaupten, unser Fest sei schöner als das in der Hauptstadt, ganz einfach weil ursprünglicher und deutlich volksnäher. - Das sagen nicht nur Lokalpatrioten aus El Paso, obwohl ich den Schuh schon lange trage.

Absoluter Höhepunkt ist natürlich der 20. August, da kommt unsere Schutzpatronin aus ihrer Wallfahrtskirche zu uns in den Ort. Sie kommt aber nicht alleine, der gesamte Ort scheint sie begleiten zu wollen. In Trachten oder auch ohne, jeder der was auf sich hält oder für etwas Wichtiges gehalten werden muss, der begleitet die Jungfrau in einem nicht enden wollenden Tross an geschmückten Karren und Folkloregruppen und Musikkapellen in den Ort. Vorbei durch die obere Altstadt, wo man jedes Tür und jedes Fenster geschmückt hat um der vorbeikommenden Karawane seine Aufwartung zu verleihen. Von den Wagen aus werden Wein und Köstlichkeiten gereicht, ebenso zurück aus den Häusern zu den fröhlichen Pilgern des Umzuges. An die sieben Stunden schlängelt sich der Zug von der "Eremita" bis vor das Rathaus. Pünktlich wäre die Ankunft im Ort um 19:00 Uhr, aber das hat man nur ein einziges Mal geschafft, genau vor drei Jahren und so haben ganz viele die Ankunft verpasst, weil man mit einer deutlichen und traditionellen Verspätung gerechnet hat. - Eine Jungfrau muss nicht pünktlich sein, sondern standhaft.

Dieser Umzug, bei uns einfach Romería genannt ist ein absolutes Muss, auch für die Besucher der Insel, wenn diese einen Eindruck unserer Gesellschaft wirklich haben wollen. Bei diesem Umzug ist nichts aufgesetzt und kein Firmensponsor überdeckt die tatsächliche Freude an diesem, wirklich fast wilden und losgelösten Treiben. - Darüber hinaus hat El Paso es sich wohl zur Aufgabe gemacht, mit Rahmenveranstaltungen die Konkurrenz aus der Hauptstadt überflügeln zu wollen. - Stunden habe ich an der Übersetzung und der Fertigstellung der Webseite für das Programm der Fiesta gesessen, aber dafür wird nun 4 Wochen gefeiert. - Da sind auch so manche fragwürdigen Programmpunkte dabei, aber ohne Schaumfest und rhythmische Sportgymnastik scheint sich die Jungfrau bei uns im Ort nicht mehr wohl zu fühlen. - Für ein paar Steinzeitnostalgiker sind diese ganzen Rahmenveranstaltungen immer ein Sakrileg, aber die große Mehrheit der Bevölkerung erfreut sich an Musik und Tanz in allen Stilrichtungen. Für die Jüngeren hat man sogar an der Straße zum Friedhof einen Nebenschauplatz geschaffen, man hatte die Befürchtung, dass Rockkonzerte mit den Folkloredarbietungen auditiv nicht kompatibel sind. - Ich habe das Programm für Sie übersetzt, damit Sie wissen was in El Paso die nächsten vier Wochen los ist. Das ist auch als Einladung gedacht, in El Paso sind Volksfeste noch vom Volk für das Volk und man freut sich über jeden der kommt und mitmacht, bei uns ist es eine Ehre, viele Gäste zu haben. HIER geht es zum Programm.


Bajada de Nuestra Señora de El Pino



Donnerstag 03.08.06 - 09:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 21 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 78 % Luftdruck 1014 hPa

Schichtwechsel

Mit einem weinenden Auge aber mit einer vollen Geldbörse überstehen die Ausflugsrestaurants auf La Palma die sommerliche Saison. - Sind für etwa 10 Monate im Jahr die mitteleuropäischen Urlauber eindeutig quantitativ überlegen, so gilt für die beiden Sommermonate Juli und August ein völlig anderes Bild, die "Godos" sind da. "Godos" nennt man hier die Festlandsspanier, das heißt zunächst nichts anderes als "Goten" und kann somit nicht gänzlich als Schimpfwort bezeichnet werden, aber so richtig gerne hören das die Leute vom spanischen Festland nicht. - Allerdings sorgen sie oft selbst für die Bestätigung gar nicht richtig vorhandener Vorurteile, auf jeden Fall kennen sie die natürliche Zurückhaltung nicht, die Kanarier recht gut kleidet, wenn sie sich auf "fremdem Terrain" bewegen. Das stört hier aber nicht wirklich, man lehnt sich zurück, beobachtet das manchmal wilde Treiben und freut sich seiner eigenen zurückhaltenden Lebensweise. - Mich erinnert das immer ein bisschen an die Berliner im Bayrischen Wald, man kommt seine Kolonien besuchen, sondert das eine oder andere Anerkennende über das Fortkommen der regionalen Primaten ab und bleibt unter sich.

Nachts Sonnenbrillen aufsetzen gehört genau so zu den äußerlichen Erkennungszeichen wie das zwanghafte Tragen von kurzen weißen Hosen. Dazu kommt noch permanente Rudelbildung, gerade so als traute man sich alleine nicht unter das Volk der Benahoaritas, die vor guten 500 Jahren nicht mit Speis und Trank auf die "peninsulares" warteten, sondern mit Knüppel und Lanze. Ausflüge ins Hinterland, (das ist überall dort, wo keine Küste ist) sind eigentlich eher selten und meist Pflichtprogramm und manchmal scheint die Enttäuschung riesengroß, wenn man erfahren muss, dass der Teíde doch auf einer anderen Insel ist und bei uns Schnee nur im wirklichen Winter auf den Bergen liegt. Wie andere uns sehen, das ist ein extrem interessantes Schauspiel, in dem man wieder mal nicht genau sagen kann, wer auf welcher Seite des Käfigs steht und der Beobachter ist. Lernen kann man dabei immer, auch wenn es meist nur eine Selbstbestätigung ist. - Die Wirte der Ausflugsrestaurants müssen in diesen beiden Monaten nicht um ihre Existenz bangen. Kommen um Punkt 19:00 Uhr die Mitteleuropäer um sich Labsal nach einem anstrengenden Wandertag zu gönnen, erscheint die zweite Schicht ab 22:00 Uhr um verbrannte Kalorien zu ersetzen. Um die Uhrzeit werden bei uns sonst bereits die Stühle hochgestellt, aber eben nicht im Sommer. - Müde Augen und ein süffisantes Lächeln darunter, so laufen unsere Wirte durch den Sommer und schade, dass ein Sommer bei uns immer nur zwei Monate dauert.



Mittwoch 02.08.06 - 17:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 27 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 66 % Luftdruck 1014 hPa
Höchsttemperatur heute: 27,4 Grad, niedrigste Temperatur: 20,0 Grad

Wenn der Hubschrauber fliegt...

...dann ist meistens etwas passiert. Heute Vormittag drehte der, am Flughafen Mazo stationierte Hubschrauber der GIE "Grupo de Intervención en Emergencias", reichlich Pirouetten um den Birigoyo, ohne dass es dafür einen ersichtlichen Grund gab. Keine Rauchsäule in Sicht und auch könnte man vermuten, dass sich in der übersichtlichen Zone, weil dort oben keine Bäume mehr wachsen, sich niemand verlaufen kann. - Vielleicht erfahren wir ja bald, warum der Hubschrauber da flog, aber das lässt mich zu einer anderen Frage kommen, wo bleibt der Ersatz für den am 8 Juli vor Tenerife abgestürzten Hubschrauber. - Das war ein sehr großer Apparat, mit dem man auf La Palma extra vom Umweltministerium abgestellte Brandbekämpfer vom "Helipuerto" in Puntagorda, die Feuerwehrleute zu möglichen Waldbränden fliegen wollte. Ursprünglich war sogar mal die Rede von zwei zusätzlichen Hubschraubern um schnellstmöglich viele Einsatzkräfte an die "Feuerfront" bringen zu können.

Die Frage hat nicht nur mich beschäftigt, die heutige Presse gibt gleich Auskunft darüber. Eigentlich sollte bereits Mitte Juli der Hubschrauber hier sein. Auf Anfrage des Inselpräsidenten an den Vertreter der nationalen Behörden auf La Palma versicherte man ihm, der Hubschrauber sei bereits an das Umweltamt überstellt und man müsse nur noch die Papiere regeln um Überflugs- und Landerechte mit Marokko aushandeln. In den nächsten Tagen solle der neue Hubschrauber aber auf La Palma ankommen. - Dabei kommen auch noch ganz neue und interessante Details zum Vorschein, der verunglückte Hubschrauber war ursprünglich überhaupt nicht für den Einsatz auf La Palma vorgesehen, er diente lediglich als Ersatz für den jetzt kommenden Helikopter. Das Umweltamt hatte für den Dienst auf La Palma einen Hubschrauber vom Typ "Puma" vorgesehen und genau dieser soll jetzt auch kommen, wenn denn die Marokkaner keine Zocken machen und alle Papiere absegnen. Derweil trainieren die Einsatzkräfte in Puntagorda eben am Boden und nicht mit dem Fluggerät und nur das bislang extrem stabile Passatwetter hat geholfen, dass diese Feuerwehrleute noch nicht zum Einsatz gekommen sind. In den kommenden Tagen wird es allerdings wohl wieder ein bisschen wärmer und dann wäre es schon ein beruhigendes Gefühl, dass da ein großer Hubschrauber zur Brandbekämpfung zur Verfügung steht. - Bei den Ermittlungen um den Unfall vor fast einem Monat ist man noch kein Stück weiter. Der Kopilot ist immer noch nicht geborgen und wenn man nun weiß, dass dieser andere Hubschrauber hier nie fliegen sollte und noch dazu einen technischen Defekt hatte, dann stellen sich immer neue Fragen.



Mittwoch 02.08.06 - 09:00 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 20 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 79 % Luftdruck 1013 hPa

Bürokratie und Sommerpause

Die Angehörigen der 13 Bürgerkriegsopfer in Fuencaliente müssen weiter auf Gewissheit warten. - Dort hatte man im Juli Reste von drei Leichen entdeckt und vermutet dort ein Gemeinschaftsgrab von 13 Opfern der Franco-Schergen. Siehe 27.7.) - Nachdem Angehörige selbst und später mit Hilfe von Gemeindearbeitern die ersten Knochenfunde ans Tageslicht beförderten, mussten natürlich auch die Behörden informiert werden. Zunächst Polizei und Staatsanwaltschaft, die gaben aber "den Fall" bald wieder ab, es war offensichtlich, dass es sich bei den Leichen nicht um Opfer neueren Datums handelt. Nun liegt das weitere Prozedere in den Händen der Inselregierung, die hätten sich in der Sommerpause auch sicherlich etwas anderes auf der Tagesordnung gewünscht. Jetzt liegt ein Eilantrag bei der Abteilung historisches Erbe im Provinzparlament vor, man beantragt dort überhaupt erst mal die Genehmigung von Ausgrabungen und gleichzeitig auch Fachkräfte, um nach archäologischen Gesichtspunkten und professionell die Umgebung nach vermuteten weiteren Leichen abzusuchen.

Sehr zum Unmut der Angehörigen passiert im Moment überhaupt nichts an der Fundstelle, die inzwischen zumindest mit einem Zaun abgesperrt ist, nachdem sich keine offizielle Stelle betroffen fühlte, den Ausgrabungsort zu bewachen. - Auch wenn es makaber klingt, man fürchtet Souvenirjäger, aber es soll Menschen geben, die sammeln einfach alles. - Jorge Pais, unser Inselarchäologe, glaubt inzwischen, dass sich vor September überhaupt nichts tut, zu lange dauern die bürokratischen Abläufe und auch das nötige Personal ist wohl in Urlaub. So lange werden also die Angehörigen auf Gewissheit warten müssen, ob es sich denn bei den bisherigen Resten von drei Menschen, auch tatsächlich um die dort vor 70 Jahren verscharrten Franco-Gegnern handelt. Selbst das ist nicht sicher, es können auch andere Leute dort begraben sein, man vermutet noch einige Überraschungen unterhalb La Palmas Grasnarbe, oder treffender gesagt, noch einige Leichen im Keller.



Dienstag 01.08.06 - 17:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 26 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 67 % Luftdruck 1017 hPa
Höchsttemperatur heute: 26,5 Grad, niedrigste Temperatur: 19,5 Grad

Familienzusammenführung

Es ist vollbracht, dieses Haus hat wieder Leben. Ich weiß nicht, wer sich mehr gefreut hat, der Kater, der Kühlschrank oder gar die Waschmaschine, dass jetzt wieder Spezialisten das tägliche Treiben übernehmen. Paul hat schlimme Stunden hinter sich, es war für ihn völlig unbegreiflich, warum ich plötzlich hektisch durch das Haus flitze, Sachen wegräume (aufräumen wäre anmaßend), Müllsäcke mit Coladosen fülle und versuche meine drei Wochen klebrige Einsamkeit innerhalb von 2 Stunden unsichtbar zu machen. Aber er ahnt auch was und macht jetzt ganz auf leidend, so ist ihm sofort wieder die Hauptrolle sicher wenn meine Frauen um die Ecke kommen und mir ein Vorwurf gewiss. Da nutzen die drei Wochen maskuliner Harmonie zwischen Paul und mir nichts mehr, wenn er seine Weibchen wittert, dann bin ich abgesagt, wieder zurück auf dem rotierenden Substitutenplatz.

Allerdings hat das auch was Gutes, morgen werde ich wohl nicht um halb sechs Uhr in der Früh von einer rauen und fordernden Katzenzunge geweckt, wer hat sich eigentlich mal diesen Blödsinn ausgedacht, zarten Schokoladenstäbchen den Namen von schlabberndem felinen Sandpapier zu verleihen. - Einige Dinge muss ich nun erklären. - Wieder hat sich die Zahl der Topfpflanzen im Wohnzimmer auf seltsame Art und Weise dezimiert und warum es mir nicht möglich war, leere Bierkisten auch mal wieder zum Kaufmann zu bringen und nicht ungeschickt hinter der Bougainvillea zu stapeln. OK, es ist nicht besonders schön, dass jetzt alle Handtücher diese berüchtigte Kommuneneinheitsfarbe haben, so zwischen dumpfrosa und himmelgrau, dass ich die roten Kinderturnschuhe nicht zusammen mit den ehemals weißen Handtüchern waschen darf, auf so was muss man doch erst mal kommen und ich habe nie behauptet, der Weiße Riese oder gar Onkel Proper zu sein. - Immerhin, die Waschmaschine geht noch, der Kater lebt und man muss es mir einfach glauben, ich habe ganz oft daran gedacht, den Müll rauszustellen, aber mir ist beim besten Willen nicht mehr eingefallen, wann denn nun die Müllabfuhr kommt. - Iss doch erst Mal einen Landjäger, das beruhigt und hat mir auch immer geholfen, wenn ich vor lauter Arbeit nicht mehr weiter wusste. - Noch 350 Tage bis Drachenflugtag.


Condor landet auf La Palma

Condor landet auf La Palma

Condor landet auf La Palma

Condor landet auf La Palma

Condor landet auf La Palma

Condor landet auf La Palma

Gracias Condor, bringing the folks back home



Dienstag 01.08.06 - 09:30 Uhr - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 19 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 78 % Luftdruck 1018 hPa

Tapa und Bier, ein Euro achtzig

Wer wird schon so kleinlich sein und jede Werbemaßname nach ihrem späteren Nutzen für die Beteiligten messen. Vom 4. bis zum 28. August wird es in 35 Bars des Aridanetals ein Gläschen Fassbier mit einer Tapa zum sensationellen Preis von 1,80 Euro geben, man will damit besonders die Besucher vom Festland ansprechen und ins Hinterland und seine Bars locken. Dazu werden fleißige Helfer Scheckhefte verteilen, in denen die Bars aufgelistet sind die an der Aktion teilnehmen und man kann sich sogar Prämien ertrinken, wenn man in mindestens 15 verschiedenen Bars ein Bier und eine Tapa zu sich genommen hat und das auch im Scheckheft ordentlich vermerkt ist, dann nimmt man an einer Verlosung teil. Gegen Ende August wird dann der Hauptgewinn ermittelt, ein Wochenende für 2 Personen in einem großen Hotel im Süden der Insel. Wenn man nun bedenkt, dass die durchschnittliche Aufenthaltsdauer der Gäste von der Halbinsel nicht mal eine Woche ist, dann wird es für die "peninsulares" ein hartes Stück Arbeit, sich die Stempel in ihrem Scheckheft zu ertrinken. Man hat da noch ein kleines Handicap eingebaut, man muss mindestens 6 verschiedene Bars in El Paso, 8 in Los Llanos und eine in Tazacorte besucht haben, sonst wird das nichts mit den Stempeln und einem möglichen Hauptgewinn.

Dieses Staffeltrinken mit Anstandshäppchen nennt sich "I Ruta Gastronómica El Gallo" und das will erklärt sein. "Ruta Gastronómica" muss ich nicht übersetzten und viele wissen auch, dass "Gallo" Hahn heißt. Man könnte jetzt meinen, dass die zu dem Bier gereichten Tapas alle mit Hähnchenfleisch drapiert sind, aber dem ist nicht so. "Gallos" werden verächtlich die männlichen Bewohner des Aridanetals genannt und nicht von uns selbst, sondern von den Einwohnern der Gegend um die Hauptstadt. Dabei spielen die "Städter" auf unsere bäuerliche Herkunft an, das kommt aus einer Zeit, in der Santa Cruz noch absolutes Monopol städtischen Treibens hatte, jetzt dient es dazu harmlose "Godos" völlig zu verwirren. - Unsererseits nennen wir die Bewohner der Hauptstadt "Portugeses", ein kleiner Hinweis auf die vielen portugiesischen Zuwanderer auf La Palma, aber auch wieder aus einer Zeit, die lange zurück liegt. - Damit diese "I Ruta Gastronómica El Gallo" keine fröhliche Aufforderung wird betrunken über die Insel zu fahren um Stempel zu sammeln, weist der Verkaufsleiter von "Dorada" (Hauptsponsor der Aktion) beflissentlich darauf hin, dass man auch alkoholfreies Bier zur Tapa ordern kann. - Wir haben sonst keine Probleme.





Familie Ingrid & Mathias Siebold
Calle el Torreón 5/7
E-38750 El Paso
La Palma, Islas Canarias, Spanien
Tel & Fax von Deutschland: + 34 922 497216
email: m.siebold@la-palma-urlaub.de
Kanarische Ferienhäuser auf La Palma