La Palma Aktuell
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Nachrichtenarchiv April 2008


Mittwoch 30.04.08 - 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 26 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 55 % Luftdruck 1015 hPa
Höchsttemperatur heute 26,6 Grad - niedrigste Temperatur 19,7 Grad

Die dünne Kuh und kleine Brötchen

Vaca flaca heißt das hier und steht so als Synonym für schlechte Zeiten. - Es mehren sich die Anzeichen dafür, dass auch unsere kleine Insel ganz deutlich in eine bedeutende wirtschaftliche Krise steuert. - Allerdings sind die meisten Faktoren, welche uns den Krisenblick aufsetzen lässt nicht unbedingt hausgemacht, auch wir spüren hier sogar in mehrfacher Hinsicht allgegenwärtiger Begleiterscheinungen der globalisierten Welt. - Zusätzlich kommt die Sättigung auf dem Immobilienmarkt einher, noch negativ verstärkt durch die wundersame Erkenntnis der Banken, dass es nicht alleine darum geht Hypothekenkredite zu verkaufen, sondern diese Gelder auch wieder zurückzubekommen. - So lahmt der Bausektor gewaltig und auch die nun drohenden lokalen Flächennutzungspläne werden keinen neuen Boom auslösen sondern sind derart restriktiv, dass keine wirklich neuen Impulse auf diesem Sektor zu erwarten sind. Hinzu kommt, dass der demographische Druck auch nicht mehr greift, die Bevölkerungszahl La Palmas stagniert, wenn sie nicht sogar rückläufig ist. - Ein Phänomen, welches übrigens auf allen kleineren Kanareninseln zu beobachten ist und ein Ergebnis aus den zweifelhaften wirtschaftlichen Zukunftsaussichten dieser Mini-Volkswirtschaften ist.

Auch im Tourismus erleben wir die gleiche Rezession, Wachstum ist im konventionellen Angebot nur noch über den Preis gegen Billigkonkurrenz aus Drittländern zu erreichen, was zur Folge hat, dass die Regionen, und in diesem Fall eben unsere Insel, immer weniger Einkommen mit den Gästen erwirtschaften kann. - Mit Billigangeboten und All-Inklusive senkt man die Rendite derart stark ab, dass man ein Mehrfaches an Gästen in die Region locken muss, um irgendeinen Überschuss zu erwirtschaften. - Das gelingt in den seltensten Fällen und sorgt auch im Tourismus für sinkende Löhne und gefällige Beschäftigung von Arbeitnehmern aus anderen Regionen, die sich billiger anbieten können. - Dritter Motor unserer Volkswirtschaft ist die Produktion landwirtschaftlicher Produkte und da muss man natürlich zuerst die Bananen nennen und danach einen großen Raum freilassen um den respektvollen Abstand zu nennen, mit dem man dann andere Kulturpflanzen als wirtschaftlichen Faktor nennen darf. - Auch bei den Bananen droht Unheil, keiner weiß so richtig, wie lange uns die Welthandelsorganisation noch mit unserem komplizierten Schutzsystem aus Strafzöllen und Ausgleichszahlungen gewähren lässt. - In allen drei genannten Sektoren, Bau, Tourismus und Landwirtschaft sind radikale Zäsuren notwendig, die kaum mehr aufzuschieben sind und allesamt nur ein Ziel haben können, den Aufbau einer soliden Basis welche unser Angebot aus dem Zielgebiet der konfektionierten Massenangebote hinausführt. - So wird sich der Bausektor damit abfinden müssen zukünftig weniger Neubauten zu erstellen, sondern eher auf die Restaurierung bereits vorhandener Immobilien spezialisieren müssen. - Wir haben hier auf La Palma genügend Bausubstanz welche arbeitsintensiv wieder hergestellt werden könnte und dabei gerade Kleinunternehmer eher fordert, als Großunternehmen welche ihre Arbeitskräfte sowieso international rekrutieren. - Im Tourismus wirken die jetzigen Pläne absurd, auf stagnierende Nachfrage mit Angeboten zu reagieren, welche in anderen Regionen bereits in grober Sättigung vorhanden sind und im sinkenden Preisniveau ihr Auskommen suchen. - Auch hier gäbe es die Chance auf die alternativen Möglichkeiten dieser Insel zu setzen und unseren einzigen Rohstoff, die noch reichlich vorhandene Natur, glaubhaft und ernst zu bewerben. - Es gibt sogar einen wachsenden Markt an interessiertem Publikum, welches genau, und das auch noch Europa-nah, alternative Ziele sucht, welches dem unsäglichen Spektakel von Bettenburgen, All-Inklusive und aufgesetztem Freizeitrummel entfliehen wollen. - Auch da müsste man unter Umständen mit der Aussicht leben, vielleicht auf numerisches Wachstum der Gästezahlen zu verzichten und lieber an Netto-Renditen denken, welche direkt der einheimischen Bevölkerung zugute kämen, weil die Bewohner der Insel oder Region selbst die Unerbringung und die Zeit des Aufenthaltes der Gäste bewerkstelligen.

In der Landwirtschaft keimen ab und zu diese kleinen Nischenprodukte und wir sehen ganz klar, dass man auch mit kleinen Stückzahlen Gewinner erwirtschaften kann, so lange man eben ein Produkt anbietet, welches sich dem globalen Preiskampf durch Seltenheit oder besonderer Qualität entzieht. - Das geht auch mit den Bananen und da zeigt die Richtung deutlich auf ökologische Produktion und die Rückkehr zu den kleinen Sorten, die zwar weniger Ertrag bringen, aber richtig vermarktet ein komplett anderes Stück Obst darstellen als die allseits bekannte grüne Dollarbanane, die in den Ländern mit dem größten Bananenkonsum wie Deutschland billiger angeboten werden als Äpfel aus lokaler Produktion. - Die dünne Kuh droht wohl auf La Palma, aber das muss nicht heißen, dass man daraus nicht auch Vorteile ziehen könnte. Allerdings würde das ein große Aufgabe beinhalten und das wäre die geistige Abkehr vom Goldenen Kalb des Wachstums und das kollektive Besinnen auf die berühmten kleineren Brötchen, die übrigens auch von besonders guter Qualität sein können und somit sogar den selben Gewinn verbreiten können als die dicken Dinger, die es überall massenweise angeboten gibt. - Wenn man dann die Brötchen auch noch selber bäckt und verkauft - und das nicht anderen überlässt - dann versprechen die kleinen Brötchen sogar noch deutlich mehr Gewinn und Zukunft, als das geborgte Glück des rasenden Wachstums. - Für La Palma gibt es reichliche Zukunftschancen, aber keine davon verbirgt sich hinter phantasielosen Kopien anderer Regionen oder dem drohenden Rhythmus, welcher den Takt zum Globalisierungswalzer vorgibt. - Mal sehen, ob wir genügend Mut aufbringen unseren eigenen Rhythmus zu finden und nicht die Tänze der Anderen lernen müssen.


Die endemische Kuh der



Mittwoch 30.04.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 21 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 44 % Luftdruck 1015 hPa

Sommerliche Arbeitsplätze

Der große Brand auf La Gomera ist nun zumindest "unter Kontrolle", das ist diese, für die Bevölkerung beruhigende Vorstufe von gelöscht. - Mitgeholfen dieses Feuer zu bekämpfen hat eine vorher noch nie gesehene Armada aus Hubschraubern und Flugzeugen und seit gestern auch das Wetter. - Gegen Nachmittag ließ der Wind spürbar nach und die Luftfeuchte steigt nun seit Tagen erstmalig wieder auf Werte über "nicht messbar" an. - Allerdings sind die Schäden auf La Gomera wohl beachtlich, auch wenn ein Übergreifen des Feuers auf den Nationalpark "Garajonay" verhindert werden konnte, wird man noch geraume Zeit brauchen, den Schreck zu überwinden. - Ausgelöst soll das Feuer ein Bewohner San Sebastians haben, der die Wochenenden in Hermigua verbringt, wo die Familie ein kleines Anwesen hat. - Man wirft nun dem 52 jährigen Mann vor, Unkraut auf der kleinen Finca angezündet zu haben und schließlich die Kontrolle über die Flammen verloren zu haben. - Andere Quellen sprechen von Schweißarbeiten, die der Mann an einem Kaninchenkäfig getätigt haben soll, die Presse ist ungeduldig und phantasievoll. Der Mann ist inzwischen festgenommen, allerdings bestreiten er und seine Familie die Vorwürfe heftig und von so weit weg und in Unkenntnis der dortigen Verhältnisse kann ich mir kein Urteil darüber erlauben, was denn dort nun wirklich passiert ist.

Auf jeden Fall hat das gnadenlos trockene und heiße Wetter, angeschürt von dem großen Feuer auf La Gomera auch auf La Palma die Diskussion angestoßen, mit der sommerliche Kampagne gegen Waldbrände nicht erst im Juni zu beginnen, sondern doch jetzt sofort. - Das ist natürlich vernünftig, die Wetterphänomene halten sich nicht an bestimmte Vorgaben und spätestens nach dieser Hitzeperiode befindet sich die gesamte Vegetation dieser Insel eh im "Sommerzustand". - Noch fehlt allerdings das Personal um die "Positionen" zu beziehen und da wird die Geschichte sofort wieder zu einer Geldfrage. - Das Umweltamt stellt jedes Jahr im Sommer reichlich zusätzliche Kräfte an, die einen zeitlich begrenzten Arbeitsvertrag erhalten, meist durch Subunternehmer, und für die Brandbekämpfung und die Vorsorge gegen die Feuer eingesetzt werden. Dazu muss man aber erst Mal die Mittel frei machen und auch das geeignete Personal finden, welches die medizinischen Prüfungen übersteht und gewisse Ahnung davon hat, um was es eigentlich geht. - Darüber hinaus stationiert die Zentralregierung in Madrid immer ab Mitte Juni noch eine "schnelle Eingreiftruppe" auf der Insel, Profis in der Brandbekämpfung, die mit Hubschraubern im Fall des Falles schnell an den Einsatzort gebracht werden sollen. - Mit dem ganzen Prozedere sollte man nun nicht bis Juni warten, sondern lieber gleich damit beginnen, die langfristigen Wettervorhersagen kündigen keinen Rückfall zu winterlichem Wetter an. - Allerdings muss man auch betonen, dass in den letzten Jahren auf La Palma durch den schnellen und effizienten Einsatz der Kräfte des Umweltamtes große Brände verhindert werden konnten. Man sollte diese Feuerwehrleute nicht immer nur nach den Leistungen bewerten die sie im Falle eines großen Flächenbrandes bringen können, sondern viel mehr danach, wie viele kleine Feuer schnell und ohne Pressebeteiligung gelöscht wurden und so überhaupt kein Großbrand entstehen konnte. - Der Sommer steht nicht mehr vor der Tür, sondern hat bereits die Schwelle im Sprung genommen, also sollten wir uns auch alle entsprechend verhalten. . Und wer nun unbedingt sein Unkraut im Garten verbrennen will, der sollte nicht nur wissen, dass das grundsätzliche verboten, sondern zusätzlich auch noch brandgefährlich ist.



Dienstag 29.04.08 - 19:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 28 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 36 % Luftdruck 1017 hPa
Höchsttemperatur heute 29,7 Grad - niedrigste Temperatur 22,7 Grad

Die Bio-Diesel Falle, auch auf den Kanaren

Eigentlich ist diese Welt ein bisschen zu komplex gestaltet für uns Hobbydenker, anders kann man viele Dinge eigentlich gar nicht erklären. - Es sei denn, man gesteht der Menschheit ein gerütteltes Maß an Rücksichtslosigkeit zu oder gar kriminelle Energie. - Das aber macht schlechte Laune, gibt Pickel oder geht voll auf das Chakra und dann kann es Blähungen der Gefahrenklasse eins geben. - Damit sind wir auch schon beim Thema, Kraftstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen. - Vor Jahren galt ja noch Bio-Sprit als halbdogmatische Lösung, einerseits den dreisten Scheichs in die Ölquelle zu spucken und andererseits das ökologische Gewissen empathisch zu regulieren. - Dabei ist die Gewinnung von Treibstoffen aus tierischen und pflanzlichen Abfällen sicherlich eine wunderbare Idee und kann und muss noch ausgebaut werden, aber bitte beachte man immer den Hinweis, man nehme dazu Abfälle. - Kleiner gedanklicher Umweg über La Palma, wir können erkleckliche Mengen an, zumindest Bio-Gas, aus den Resten unserer Bananenstrickerei gewinnen; - Schön, dass wir darüber gesprochen haben, denn mehr haben wir in der Richtung auch noch nicht unternommen. - Auch in Spanien ist die glorreiche Erfindung mit dem Bio-Sprit angekommen und die Raffinerien wurden aufgefordert, Beimischungen an dem so genannten Bio-Sprit einzuführen. - Auch auf den Kanaren gibt es eine Raffinerie und die hat sich verpflichtet, ab dem Jahr 2009 an die 150.000 Tonnen Biodiesel zu produzieren. - Das will man damit erreichen, in dem man auf 321.000 Hektar Purgiernüsse (Jatropha curcas) anbaut, eine extrem ölhaltige Pflanze aus der Familie der Euphorbien, die für den menschlichen Verzehr allesamt nicht geeignet sind, weil äußerst giftig.

Der aufmerksame Leser hat nun bereits gestutzt, 321.000 Hektar Nutzfläche und das auf den Kanaren, das kann nicht ganz hinhauen, nennt man doch als landwirtschaftliche Nutzfläche auf allen Inseln lediglich die Fläche von an die 53.000 Hektar "unter Pflug" wie der geneigte Landwirt sagt. - Der Trick an der Geschichte dabei ist, die Brechnuss, auch so wird die Purgiernuss genannt, soll auch nicht auf dem wertvollen kanarischen Ackerland angebaut werden, sondern im Senegal. - Die Verträge und die Anbaufläche dafür sind längst vorhanden, im Senegal will man mit der Produktion dieser Pflanze lieber heute als morgen beginnen, erwartet man sich doch Arbeitsplätze, dringend erforderliche Devisen und reichlich Gewinne aus diesem Geschäft, zumindest für einige wenige. - Nun kommen aber die zickigen Grünen, ja auch die gibt es hier rudimentär, und rufen aufgeregt in die Runde: Da nehmen wir doch den eh schon Hunger leidenden Senegalesen eine enorme Anbaufläche weg, damit die den pseudo-ökologischen Treibstoff für unsere Autos und gutes Gewissen produzieren. - Ja, so sieht das aus, unter dem Deckmantel der Investition in arme Länder erreichen wir den vierten Grad der Kolonialisierung, ganz ohne Schießgewehr, sondern mit dem Segen der Vereinten Nationen. - Da kommt man ganz schnell und ohne Poesie-Album zu dem, zu oft vorgetragenen Indianerspruch, der so pathetisch beginnt: Erst wenn der letzte Baum gefällt ist, das letzte Bier getrunken, oder so ähnlich… Ja, das kann man nun so deuten, wenn man im Senegal anstatt dringend benötigter Nahrungsmittel jetzt Brechnüsse für die viel zu vielen Autos auf den Kanaren angebaut werden und das auch noch auf 321.000 Hektar.

Schrecklich - schrecklich, mein Humanismus drückt bei solchen Gedanken immer schrecklich auf mein Chakra, oder umgekehrt, das kann ich nicht so nachhaltig deuten, mir fehlt dazu die linksgedrehte Esoterikdrüse. - Man kann die Geschichte aber auch andersherum sehen, oder einfach nur aus einem anderen Blickwinkel. - Die "Spritnüsse" für das gute Gewissen der globalen kanarischen Autofahrer ermöglichen tausende an Arbeitsplätzen im Senegal und die Rückeroberung vieler ehemals landwirtschaftlicher Gebiete, die man leider auch in bettelarmen Hungerländern immer weiter versteppen lässt, weil die große Landflucht keine systematische Landnutzung mehr zulässt. - Es würde halt auf den 321.000 Hektar sonst nichts anderes angebaut, zumal die Brechnuss, gefällt mir einfach besser als Purgiernuss, obschon das wohl das gleiche bedeutet, kaum Ansprüche an die Bodenbeschaffenheit stellt und mit sehr wenig Wasser auskommt. - Die vielen Senegalesen würden mit dem verdienten Geld dann auch wieder anderes Land unter Pflug nehmen, weil man plötzlich wieder Geld hat um Nahrungsmittel zu kaufen. Dann lohnt sich nämlich der Anbau von landwirtschaftlichen Produkten erst wieder, eben weil nun Geld da ist und die Landbevölkerung muss nicht mehr kollektiv in die Städte flüchten um dort einer, wenn auch ungewissen Zukunft, entgegenzuhungern. - Man könnte natürlich auch mit dem erwirtschafteten Geld Nahrungsmittel aus anderen Ländern kaufen, zum Beispiel Gen-Soja aus Brasilien und so den akuten Hunger im Senegal zu bekämpfen. - Aber das wäre natürlich kontraproduktiv, denn dann verschwindet das wichtige, mit dem dortigen Land verdiente Geld ja wieder ins Ausland und anstatt die eigene Landwirtschaft zu stärken, landet das Geld letztendlich bei den Zwischenhändlern, den Reedern, den Händlern für Rohstoffe auf den internationalen Börsenparketts und Monsanto. - Das sind die pfiffigen Züchter des Gen-Soja. - Irgendwie habe ich nun das Gefühl, das gerät mir alles aus den Händen und dem Sinn und nun fällt mir der erste Satz dieser hilflosen Kolumne wieder ein, das ist alles viel zu komplex für unsere kleinen Schädel, das Ergebnis ist so oder so immer das gleiche, die einen gewinnen immer, die anderen verlieren mal mehr mal weniger. - Es gewinnen aber immer die gleichen und mit sattem Leib und nur zweifelhafter Schamhaftigkeit muss ich gestehen, ich bin auf der Seite der Gewinner. - Das kann man nur mit einem frischen Bier aus lokaler Produktion ertragen und mit gleich gesinnten Gewinnerkollegen dabei über Bananensubventionen plaudern, über Tierschutz nur bei Hund und Katz und ob denn Ökologie ohne Ökonomie überhaupt geht oder umgekehrt und ob das nicht alles peristaltisch egal ist, weil der Chinese oder der Inder an sich so viel Dreck an einem Tag in die Luft und den Ozean schleudern, dass wir in hier tausenden von Jahren nur einen kleinen Beitrag leisten dazu könnten. - Ein Bier reicht da nicht, wirklich nicht…



Dienstag 29.04.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 23 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 5 % Luftdruck 1018 hPa

Gute Noten für La Palma

Liest man eine neue Umfrage über den Grad der Zufriedenheit der Besucher dieser Insel, dann könnten wir uns eigentlich alle zurücklehnen und vor Stolz den Dingen harren, die da kommen. - In der Tat, Tourismus ist ja meine Branche, herrscht doch große Begeisterung unter den Gästen für diese Insel, was uns allerdings nicht wirklich wundert, wir wissen doch, was wir hier haben. Bei Bewertungen von eins bis fünf, wobei fünf die höchste, beste Wertung ist, liegt La Palma als komplettes Ziel mit einer Note von 3,8 weit über dem Durchschnitt. - Hohe Punktzahlen gab es für den Zustand der Städte und Dörfer, sowie der Landschaft. Weniger punkten konnten wir beim kulturellen und dem touristischen Freizeitangebot, das ist aber auch keine Überraschung, dass doch noch eine 3,8 dabei herauskommt, ist somit sehr erstaunlich. - Gut, Umfragen kann man auch suggestiv stellen und oft ist die Fragestellung zumindest diskussionswürdig, aber bei fast 3.000 befragten Urlaubern darf man schon von einer gewissen Repräsentanz sprechen. - Organisiert hat dieses Fragespiel die touristische Vereinigung "CIT Tedote", die deutlich aktivere und realistischere Organisation welche sich den Vornamen "CIT" Centro de Iniciativas Turísticas gibt. - Da gibt es immer einen kleinen Streit zwischen dem Verband der sich einfach nur "CIT" nennt und dessen Alphamann Antonio Sosa ist, aber nicht wirklich etwas zum zukünftigen Gelingen des touristischen Angebotes beiträgt, sondern gebetsmühlenartig Parteipolitik in seinen Ausführungen zitiert und keinerlei Kritik an den zukünftigen Plänen zulässt, welche aus La Palma eine Kopie der anderen Kanareninseln machen wollen. - Daneben gibt es aber eben noch den "CIT-Tedote", der deutlich kritischer aber auch selbstkritischer ist, was denn unsere Insel überhaupt besuchenswert macht.

Ein bisschen erstaunlich ist die große Zahl der Gäste welchen ihren Urlaub auf La Palma wiederholen wollen. - Laut der Umfrage sind das bei den internationalen Gästen 94% und bei den nationalen sogar 99%. Das erinnert ein bisschen an die "Beliebtheit" der SED, falls noch jemand weiß, was das war, allerdings glaube ich eher, dass man den Gästen in der Befragung den positiven Konjunktiv geschenkt hat. - Macht aber nichts, denn der Grad an Wiederholern ist auch ohne repräsentative Umfrage auf La Palma extrem hoch. - In unserer Firma sind weit mehr als die Hälfte aller Gäste bereits mindestens einmal auf La Palma gewesen, manche, besonders treue und "infizierte" Besucher kratzen an der goldenen 20, so oft waren die schon hier. Wer diese Insel in sich aufgenommen hat, der kommt wieder, dagegen könnten nur finanzielle Schwierigkeiten sprechen oder die fast gespenstische Weigerung der Fluggesellschaften, uns mehr Verbindungen zu schenken. - La Palma polarisiert auch sehr stark und es gibt einige Urlauber, die sich hier völlig falsch aufgehoben fühlen und sicher diese Insel nicht wieder besuchen kommen, aber es werden weniger, die hier total fehl am Platz sind. - Das liegt aber nicht unbedingt daran, dass wir besser geworden sind, sondern an dem ungleich größeren Informationsbestand, den man heute zum Beispiel über das Internet abrufen kann, als noch vor 5 Jahren. - Die meisten Besucher informieren sich deutlich besser, bevor sie eine Reise angehen und wer sich selbst einigermaßen gut kennt, der weiß auch abzuschätzen, ob ihm denn ein gewisses Ziel überhaupt zusagen kann. - Daraus müssen wir aber auch lernen, dass man den Gästen nicht unbedingt Märchen erzählen sollte, dazu ist unser Publikum viel zu kritisch und weiß meist sehr genau, was man hier auf La Palma zu erwarten hat. - Ein weiteres interessantes Ergebnis der Umfrage ist, dass lediglich 3% unserer Besucher eine Tourismusbörse als Grund dafür genannt haben uns zu besuchen. - Das könnte man sich also sparen, allerdings geht es auf den großen Börsen meist eh nur darum, den Kontakt zu den Reiseveranstaltern zu halten und nur zufällig kommt man an den "leibhaftigen" Reisenden heran und kann diesen von einem Besuch überzeugen.



Montag 28.04.08 - 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 32 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 5 % Luftdruck 1020 hPa
Höchsttemperatur heute 32,7 Grad - niedrigste Temperatur 24,4 Grad

Paul fordert Hitzefrei

Paul mag vier Dinge nicht. - Hitze, Wind, Kälte und vegetarische Kost. - Eigentlich ist Paul somit ein echter Palmero. - Kälte und vegetarische Kost können wir momentan ausschließen, allerdings haben wir reichlich Hitze und dazu furztrockenen Wind zu bieten. - Wobei ich gerade mal nachfragen will, warum das eigentlich furztrocken heißt, mir bieten sich da andere Bilder als gerade abgehende Körperwinde… - Da Paul von der genetischen Veranlagung ja doch ein Mann ist, fällt es ihm nicht schwer, seine körperlichen und seelischen Leiden ostentativ anzubieten. Jammern bereits vor dem Aufstehen, als wäre der Weg zur Futterschale bereits eine Zumutung und in der Tat habe ich vorhin eine meiner Frauen dabei entdeckt, wie sie dem Kater ein proteinreiches Leckerli zusteckte, da der Arme doch nicht mehr aus seiner schattigen Kühlbox heraus kommt. Das ist ja grundsätzlich auch nicht weiter verwerflich, Paul kommt seinen familiären Verpflichtungen ja dennoch nach, er muss ja einfach nur da sein, mehr verlangt man doch von einer Hauskatze gar nicht. - Es soll ja noch Haushalte geben, da werden die Tiere noch zur Arbeit gezwungen und sollen Mäuse fangen oder ähnliches Ungetier, nein, diesem chauvinistischen Verhalten sind wir mit unserer transzendentalen humanistischen Logik längst erhaben. - Wir halten uns doch hier keinen Söldner, der auf unser Geheiß hin die Biodiversität reduziert und dafür dann wohlmöglich auch noch gelobt wird.

Bei dem Wetter sowieso nicht, da würde er nicht mal einer der frechen Amseln nachsteigen, die sonst keine drei Meter von seinem Antlitz die Efeu-Samen von der Wand picken. - Schlafen und Jammern, immer wieder abwechselnd, wobei in solchen Momenten meine Frau immer unbedingt Parallelen zwischen dem Kater und mir konstruieren will, eine für mich natürlich extrem weit hergeholte Theorie. - Allerdings würde ich ja unter Umständen zugeben, dass mein Neid den faulen Kater nicht nur begleitet, sondern geradezu verfolgt, wir aber in unseren Rollenspielen derart verfangen sind, dass es mir einfach nicht gelingt auf faules und forderndes Haustier zu machen. - Gut, ich habe es auch noch nicht wirklich versucht, einmal kann ich nicht richtig Schnurren und das ist eine fundamentale Grundvoraussetzung Streicheleinheiten zu erhalten, ganz einfach nur weil man anwesend ist. - Vielleicht liegt es ja auch daran, dass ich mich nicht ganz so grazil und sportiv bewegen kann, wobei ich einen Wettstreit mit dem faulen Tier bei diesem Wetter vielleicht sogar wagen könnte, denn ich mag Temperaturen um die 30 Grad und da werde ich auch schnell, weil mich dann endlich keine lange Unterhose mehr in der Bewegungsfreiheit einengt. - Aber es würde ja nichts bringen, selbst wenn ich bei Hitze schneller laufen kann als Paul, vielleicht auch einfach nur deshalb, weil der nicht so blöd ist, wie ich und bei Hitze läuft. Jeder in der Familie hat seinen zugewiesenen Platz und wer schon mal eine Katze wirklich nah an sich heran gelassen hat, der weiß auch, dass das für Katzen nicht zutrifft, sondern die ist für die Zuteilung der Aufgaben verantwortlich. - Immerhin habe ich es damit zum obersten Büchsenöffner geschafft, was immer noch respektierlicher ist als Büchsenspanner… So weit hat uns der Humanismus gebracht, das Vieh darf aufs Sofa und ich muss erst ins Bad und mir die Pfoten, Verzeihung, Hände waschen, es könnten sich ja sonst Flecken auf dem teuren Sofa wieder finden, wenn man die vielen Katzenhaare mal abbürsten würde und so die Grundfarbe des gemütlichen Möbels wieder hervortreten könnte. - Allerdings konnte ich so auch mal einen Länderpunkt für mich einfahren, einen Vorteil habe ich und werde deshalb in der Familie sogar zeitweise respektiert, ich haare angeblich nicht so heftig wie mein feliner Freund, spricht meine Frau und streicht mir zärtlich mitleidsvoll über den stark gelichteten UV-Filter auf meinem Kopf. - Das ist der Moment, in dem das faule Katzenvieh in seinem Unterschlupf dann doch den Kopf hebt und ich könnte schwören, dort ein Grinsen erkannt zu haben.





Montag 28.04.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 25 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 5 % Luftdruck 1019 hPa

Noch zwei Tage schwitzen

Denkt man an den Juli vergangenen Jahres, dann ist dieses Wetter eigentlich noch gar nicht wirklich als heiß oder außergewöhnlich zu bezeichnen, schließlich hatten wir damals 3 Tage mit Temperaturen von über vierzig Grad und mit dem absoluten Rekord von 44,4 Grad auf unserer Höhe, am 29. Juli 2007. - Das nur wegen der Statistik und den vielen Unkenrufen, das Wetter sei verrückt. - Stimmt einfach nicht, das momentane Wetter ist ein ganz normales Phänomen für unsere Breiten, auch wenn diese Situation nur ein paar Mal im Jahr auftritt, so ist der kühlende Passat halt nicht immer zur Stelle und manchmal erreicht uns dann die heiße Umarmung unseres Nachbarn Sahara. Aber es ist halt unangenehm, sehr früh im Jahr und nicht nur das, sondern auch noch sehr gefährlich, wie man an dem großen Brand auf La Gomera erkennen kann. Der Wind, dazu die fast komplett fehlende Luftfeuchte und eben Temperaturen über die 30 Grad trocknen die Wälder sofort aus und es genügt ein kleiner Funke, um daraus eine Katastrophe entstehen zu lassen. - Wir waren gestern im Wald und konnten sehr leicht feststellen, dass bereits nach nur zwei Tagen Hitze das Unterholz völlig vertrocknet ist und die abgefallenen Nadeln der großen Kiefern unter den Füßen bereits zu Staub zerfallen. - Man konnte das direkt riechen, die Trockenheit und es war sogar ein bisschen unheimlich, wenn man sich vorstellt, da kommt jetzt irgendein Trottel an und wirft eine noch brennende Zigarette einfach aus dem Auto.

Auf La Gomera kann man noch nicht aufatmen, die Hitze und vor allem der trockene Wind werden heute sicher noch weitergehen und für morgen ist erst im Laufe des Tages Entwarnung angesagt. - Das aber auch nur mit einem langsamen Rückgang der Temperaturen und einem ebenso langsamen Anstieg der Luftfeuchtigkeit. - Man wird also beim Löschen des Brandes nicht auf die Hilfe des Wetters hoffen können, sondern sich ganz auf die Technik und die Arbeitskraft vieler Profis und Freiwilliger verlassen müssen. - Immerhin ist inzwischen ein Wasserflugzeug eingetroffen um die Hubschrauber bei den Löscharbeiten zu unterstützen, zumindest kann man das in der Presse so lesen. - Eigentlich beginnt ja die Waldbrandsaison erst im Juni und so sind die beiden Löschzüge der "BRIF" (Brigada de Refuerzo contra Incendios Forestales) noch nicht auf den Kanaren eingetroffen, die jedes Jahr im Sommer vom Umweltministerium in Madrid nach La Palma geschickt werden, mit 2 großen Helikoptern und guten 50 Mann, um die hiesigen Brandbekämpfer zu unterstützen. - Man überlegt aber nun schon das vorzuziehen, denn wenn die erste Hitze und Trockenheit bereits so früh im Jahr für ideales "Brandwetter" sorgen, dann sollte man sich nicht an kalendarische Rituale halten, sondern an Fakten.



Sonntag 27.04.08 - 17:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 34 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 5 % Luftdruck 1020 hPa
Höchsttemperatur heute 34,8 Grad - niedrigste Temperatur 24,7 Grad

Die Dummen sind die Schüler und die Eltern

Der Zwist zwischen der "Consejería de Educación" und den gewerkschaftlich organisierten Lehrern geht weiter. - Die Pädagogen fordern, seit etwas mehr als einem Jahr bereits, die Angleichung ihrer Gehälter an die der Angestellten welche auch bei der Erziehungsbehörde arbeiten, aber nicht im Lehramt sind. - Die bekommen nämlich, was wirklich verwundert, besonders in den unteren Einkommensgruppen mehr Geld als das "Front-Personal" und das wollen sich nun die Lehrer nicht mehr gefallen lassen. - So führt man immer mal wieder ein paar Streiktage ein, um den Forderungen mehr Druck zu verleihen, aber die Behörde in Tenerife lehnt die "Homologación" kategorisch ab, mehr Geld sei nicht drin. - Angesichts des geringen Erfolges der Streiktage überlegt man nun seitens der organisierten Lehrerschaft einen großen Streik anzuleiern, der mindestens eine Woche dauern soll. - Abstimmung darüber ist kommenden Dienstag, sollte sich die "Consejería de Educación" nicht vorher mit einem Gesprächsangebot melden. - Auch will man andere Branchen des öffentlichen Dienstes ansprechen, ob man denn nicht Solidaritätsstreiks anleiern könnte, um endlich die Arbeitgeber der Lehrerschaft gefügig zu machen.

Die Dummen dabei sind natürlich die Schüler und die Eltern, die nun gar nicht mehr so genau wissen, wann sie die Kinder in die Schule bringen sollen und wann nicht. - Kommt es dann wirklich zu den längeren Streiks, dann kann man den restlichen Lehrplan vor der Sommerpause gleich vergessen. - Ein Betriebsunfall in den unteren Jahrgangsstufen, eine Katastrophe für die Abiturienten in diesem Jahrgang, die sich jetzt keine Woche Streik leisten können, denn die Abschlussprüfungen werden sicherlich nicht wegen des Lehrerstreiks vereinfacht oder verschoben. - Bei aller Solidarität zur Lehrerschaft, die machen einen guten und schweren Job, den ich nicht machen würde. Ich gönne denen mehr Geld, aber die Schüler dafür büßen zu lassen, ist der absolut falsche Weg. - Allerdings darf man bei seinem berechtigten Ärger nicht die Ursache mit der Wirkung verwechseln, der Schwarze Peter liegt bei der Bildungsbehörde, die auch in Spanien Länder- oder besser Provinzsache ist und bei uns untersteht diese Behörde der politischen Führung der Coalición Canaria, welche bereits des Öfteren gezeigt hat, dass ihnen Prachtbauten und unsinnige Verkehrswege wichtiger sind, als das Bildungs- und Gesundheitswesen. - Wenn eine Regierung ihre Lehrer und Ärzte nicht ordentlich bezahlt, aber genügend Geld vorhanden ist um unnötige Schnellstraßen zu bauen, Auditorien, die kein Mensch braucht, die Grundbedürfnisse der Bevölkerung aber ignoriert und dazu gehört nun mal das Bildungssystem genau so wie das Gesundheitswesen, diese Regierung muss sich nicht wundern, wenn das Volk ihr das Vertrauen entzieht und nach Auswechslung ruft. - Allerdings dauert das noch mal fast drei Jahre bis wieder gewählt wird und so lange wollen wir die Lehrer doch nicht streiken lassen.

Leider muss ich an dieser Stellen noch die traurige Mitteilung über einen Großbrand auf La Gomera einfügen. - Ich bin zwar nicht auf der Nachbarsinsel, aber wir drücken den dortigen Einwohnern und Feuerwehrleuten alle Daumen, damit dieses Feuer baldmöglichst unter Kontrolle gerät. - Das heiße Wetter begünstigt die Flammen natürlich und auch die immer wieder zickigen Böen machen es den Einsatzkräften sehr schwer. - Hier auf La Palma haben wir gestern Glück gehabt, sicher auch das Glück der Tüchtigen, ein beginnender Brand in Fuencaliente konnte sofort gelöscht werden, weil die Einsatzkräfte der Umweltbehörde sofort zur Stellen waren. - Es ist knochentrocken überall und immer wieder wandert der Blick fast ängstlich über das Inselpanorama und man hofft inständig, nicht doch irgendwo die verräterischen Rauchfahnen zu entdecken, welche von einem Feuer zeugen. - Bislang ist auf La Palma aber alles in Ordnung. - Bilder des Feuers auf La Gomera gibt es bei Canarias 7.



Sonntag 27.04.08 - 10:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 25 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 5 % Luftdruck 1020 hPa

Zufahrt nach Los Brecitos bleibt offen

Unverständlich und ganz gegen den Willen der Nationalparkverwaltung und den der Gemeinde El Paso wird nun die Zufahrt nach Los Brecitos doch nicht für den Individualverkehr gesperrt. - Der Inselpräsident himself machte das gestern klar, es soll Kontrollen geben wie viele Fahrzeuge dort hochfahren und auf der Piste sind, eine komplette Sperrung, wie eigentlich schon abgesprochen war, wird es aber nicht geben. - Nachdem man die 11 Kilometer vom Flussbett zum Ausgangspunkt der großen Caldera-Rundwanderung geteert hat, nimmt der private Personenverkehr dort heftig zu. Parkverwaltung und die Gemeinde El Paso fürchten nun nicht nur negativen Einfluss auf die Vorparkzone und den Nationalpark, durch die vielen Fahrzeuge, es gibt auch gravierende Sicherheitsdefizite auf der schmalen Piste. - Nicht auszudenken was passiert, wenn ein Unfall den einzigen Weg aus der Caldera versperrt, oder ein Brand den Fahrzeugen die Ausfahrt verbietet. - So einigten sich die Parkverwaltung und die Gemeinde El Paso darauf, die Zufahrt für den Privatverkehr zu sperren und den Personentransport zum Ausgangspunkt der Wanderung dem öffentlichen Nahverkehr zu überlassen und nur Busse und Sammeltaxen dort hoch zu schicken.

Die Zustimmung der Inselregierung dafür galt als abgemacht, denn auch aus Kreisen der höchsten Inselverwaltung teilt man die Sorge um den stark zunehmenden Privatverkehr in den Nationalpark. - Die Kehrtwende kommt so für alle jetzt überraschend und der Inselpräsident macht auch gleichzeitig deutlich klar, dass nur die Inselregierung dazu eine Meinung haben darf und weisungsbefugt ist. - Welchem Druck da der erste Mann der Insel unterlegen ist, das darf man bislang nur ahnen, denn es macht einfach keinen Sinn für den Individualverkehr diese 11 Kilometer Piste zu erklimmen, um danach einfach wieder herunter zu fahren. - Man hat von dem Befahren der Wegstrecke lediglich das Bewusstsein dort hochgefahren zu sein, um von dort aus zu wandern, das geht eh nicht, denn es gibt nur einen kleinen Parkplatz in Los Brecitos, der sofort überfüllt ist. Diese Straße dient nur den Anwohnern welche dort ein Grundstück haben und zum Teil sehr erfolgreich Landwirtschaft betreiben und den Wanderern als Ausgangspunkt für ihre Caldera-Tour, die sie später wieder zurück an ihr Fahrzeug bringt, welches man im Flussbett abgestellt hat. - Eine Frage ist dabei noch nicht ganz geklärt, die Straße, oder besser das Gelände auf dem die Straße sich befindet, ist Eigentum der Anwohner und nicht öffentliches Gelände. - Man einigte sich vor längerer Zeit, der Inselregierung das Land für eine Straße zu überlassen, ohne allerdings auf den Eigentumstitel zu verzichten. - Nun könnte man überlegen, ob nicht die Landeigentümer auch ein Recht hätten zu bestimmen, wer denn nun die Straße befahren darf und so werden wir noch viele nette Geschichten über diese neuen Verkehrsweg auf La Palma hören. - Bis dahin darf es nicht brennen, kein Unfall passieren, keine Wassermassen den Barranco herunter kommen und frei laufende touristische Mietwagen mitreißen, es muss also alles glatt laufen. - Individualverkehr vor pragmatischen und vernünftigen Lösungen in denen der öffentliche Nahverkehr Aufgaben übernehmen kann. Ein klares und deutliches Zeichen unserer Inselregierung, dass man keinen Handlungsbedarf sieht, den Zugang zu unseren Naturspektakeln so zu organisieren, dass man nur noch mit einem Minimum an Umweltbelastung die Menschen zu ihrem Ziel bringt.


Landwirtschaft in der Caldera de Taburiente



Samstag 26.04.08 - 17:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 32 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 5 % Luftdruck 1019 hPa
Höchsttemperatur heute 33,5 Grad - niedrigste Temperatur 24,3 Grad

Markt sucht Händler

Nicht mehr lange, dann kann es losgehen mit dem Wochenmarkt in El Paso. - Ziel für diese Markthalle ist nicht, ein weiterer Wochenendmarkt zu werden, wie das in Puntagorda und Mazo der Fall ist, man hat größere Pläne und will einen richtigen Wochenmarkt dort etablieren. - Anfänglich soll der Markt erst Mal auf zwei Tage beschränkt werden, ich hoffe nicht wieder Samstag und Sonntag, sonst gibt man ja den Händlern keine Chance, die in Mazo und Puntagorda unterwegs sind, oder am Sonntagvormittag in Los Llanos unter den Eukalyptusbäumen stehen. - 27 Marktstände gibt es zu besetzen, wobei man sich nicht ausschließlich auf landwirtschaftliche Produkte beschränken will, auch das lokale Kunsthandwerk soll Verkaufsfläche finden. - Grundvoraussetzung ist aber bei sämtlicher Ware, sie muss aus La Palma sein, Importware findet keinen Platz in der Markthalle, die muss sich weiter im Supermarkt um Käufer bemühen. - Das Vorhaben dem lokalen Markt zu stärken ist nicht nur chauvinistische Philosophie, sondern kommt auch einer immer größeren Nachfrage nach Produkten aus La Palma entgegen, da das Einkaufsverhalten bestimmter Käufergruppen sich immer häufiger und bewusster in Richtung regionaler Produkte verschiebt.

El Paso scheint ja auch ideal für ein solches Vorhaben zu sein, sind wir doch inzwischen die "Einkaufsstadt" im Speckgürtel des Aridanetals und haben sogar an den Wochenenden noch Parkplätze zur Verfügung, was selbst die Einwohner der Metropole Los Llanos nach El Paso treibt. - Darüber hinaus ist El Paso auch das Zentrum für die ländlichen Tourismus im Aridanetal und man kann sehr gut erwarten, dass genau unsere individuell reisenden Gäste besonderen Wert darauf legen, in ihrem Urlaub Produkte der Insel zu kaufen und keine neuseeländischen Äpfel. - Allerdings liegt die Markthalle nicht unbedingt in einer "Laufgegend", denn gegenüber ist nur doch die Guardia Civil und das Recinto Ferial. - Dazu müsste man halt mit auffälligen Schildern etwas nachhelfen, um auch dem fremden Besucher den Weg in die Markthalle zu erleichtern. - Was auch noch stimmen muss ist das Angebot und da darf man gewissen Zweifel haben, ob man gleich alle Stände ausreichend besetzen kann. - Allerdings hat die Zahl der Gemüse- und Obstbauern auf La Palma bereits wieder zugenommen, der sanfte Trend zur lokalen Versorgung spricht sich langsam herum. - Man könnte auch daran denken die vielen kleinen Bio-Produzenten aus dem Norden der Insel zu begeistern, sich vielleicht zu einer Verkaufsgenossenschaft zusammen zu schließen. - Da hören wir immer wieder von Problemen die Ware auf interessanten Märkten an den Käufer zu bringen und für ein paar Kilo Kartoffeln, 15 Kohlrabi und 10 Kohlköpfe lohnt es sich ja alleine nicht, einen Marktstand zu mieten. - Da sind nun Organisatoren gefragt, vielleicht nach dem Motto, sechs bauen an, einer verkauft und schon kann was daraus werden. - Interessenten sollen sich im Rathaus von El Paso melden beim Rat für "Desarollo Local" Antonio Pérez Afonso. - Die Idee mit der Verkaufskooperative, oder meinetwegen Genossenschaft, die muss ja auch nicht auf Bio-Produkte beschränkt bleiben, auf jeden Fall sollte man mal darüber nachdenken, wer so einen Stand im Markt erst Mal hat, der kann sicher auf eine gute Zukunft hoffen, auch wenn aller Anfang immer schwer ist. - Dass dieser Markt in El Paso Zukunft hat, da bin ich mir ganz sicher, die Käufer sind auf jeden Fall schon da, nun sind die Produzenten und Händler gefragt.



Samstag 26.04.08 - 10:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 26 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 5 % Luftdruck 1016 hPa

We love to entertain you

Es gibt kein Öl unter oder auf La Palma, die Edelsteinförderung hält sich in den strikten Grenzen der Ergiebigkeit eines Kaugummiautomaten und der Erzabbau lohnt sich nicht mehr, seit dem man entdeckt hat, dass in jeder Plastiktüte mehr Erz steckt als in einem Kilo Basalt. - La Palma hat Landschaft, Wasser und Menschen, die etwas damit anfangen können, damit haben wir allerdings auch schon unsere natürlich Ressourcen genannt. - Vielleicht noch der Atlantik, allerdings ist der schon leergefischt und wie wir mit den Möglichkeiten der intensiven Nutzung unserer Gewässer umgehen, darüber wird noch geredet. - Bananenplantagen ja, Fischfarmen nein, Umweltschutz ist oft ein äußerst subjektives Thema, meist eingerahmt von Halbwissen und akuten Diskussionsvorlieben. - Da kommt von außen eine völlig neue Idee, die uns auf einen weiteren Bodenschatz hinweist, den wir bislang noch überhaupt nicht gefördert oder richtig ausgenutzt haben. Dabei handelt es sich um ein wirklich nachhaltiges Potential, absolut umweltverträglich und von weit, sehr weit reichender Wirkung. Als weitere positive Faktoren kann man auch noch den endemischen Ursprung unseres neuen, oder vielleicht wiederentdeckten Bodenschatzes nennen und natürlich den sozioökonomischen Aspekt, unser neuer Bodenschatz bewegt wirklich was.

Uns ist ja allen hinlänglich bekannt, dass diese Insel ein sehr junges Gefüge aus lose aufeinander geworfenem Material vulkanischen Ursprungs ist. - Die Insel ist in Bewegung, wächst auf der Nordseite weiterhin nach oben und im Süden schenken uns die Lavaströme neues Land. - Da bleibt es natürlich nicht aus, dass sich bei so viel Bewegung und progressivem Wachstum gewisser Schwund einstellen will, man munkelt, dass die Westflanke der Cumbre Vieja unter deutlichem Übergewicht leidet und so einfach ins Meer rutschen könnte. - Folge davon wäre, ein Tsunami von bislang völlig unbekannter Größe, an dem selbst Roland Emmerich verzweifeln würde, so viel Natur und so wenig Trick, da fürchtet man um die Fortsetzung, zumal gewissen Einstellungen wohl doch sehr akut und schlecht wiederholbar sein werden. - Die Engländer haben uns auf diese grandiose Idee gebracht, Simon Day heißt der Geologe und Angestellte einer Versicherung, der dieses Szenario so richtig ins rechte Licht, oder besser ins Rollen gebracht hat. - Es folgten die üblichen Verdächtigen im pseudowissenschaftlichem Medienspektakel, Focus, Galileo und eigentlich wundert es uns, dass nicht bereits Stefan Raab mit dem Vulkan kämpft und Heidi Plumps ein Casting vorbereitet mit dem Titel, "Worlds next Supervulcano". - Die BBC bereitet nun die nächste Dokumentation über unseren frei denkenden Vulkan vor und die Inselregierung sah sich leider nicht in der Lage die Dreharbeiten auf La Palma zu verhindern. - So lamentiert man, man sieht das nicht gerne, dass da wieder über unser "kleines Problem" berichtet wird, aber wir sind ja immerhin nicht China oder Nordkorea und können den Fernsehanstalten nicht verbieten, hier auf unserer bewegten Insel zu drehen. - Völlig falscher Ansatz, wir sollten progressiv damit umgehen, die modernen Medien zeigen uns doch die Möglichkeiten deutlich auf. - Die Apokalypse war immer schon ein lohnendes Element und da ließe sich doch hervorragend Geld verdienen, La Palma und seine Einwohner als Statisten der internationalen Katastrophenbühne, solch einen Standortvorteil darf man sich nicht entgehen lassen. - Da kommt Großes auf uns zu, in den ersten Reihen sind noch Plätze zu vergeben und denken Sie bitte daran, dass es keine Wiederholung des Spektakels geben wird. - Photo- und Filmaufnahmen während der Apokalypse sind nicht erlaubt, Sie haben später, gleich links vom Orcus die Möglichkeit Sampler-DVDs zu erwerben. - Popcorn kostet nur einsfuffzich und we love to entertain you.



Freitag 25.04.08 - 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 31 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 24 % Luftdruck 1016 hPa
Höchsttemperatur heute 31,9 Grad - niedrigste Temperatur 17,6 Grad

¡Hay que calor!

Der Sommer ist da und das glaubhaft. - Für die meisten unserer Zeitgenossen ging das mal wieder viel zu schnell, denn heute Mittag, als ich meine Kinder aus der Schule abholte sah man sie schon wieder, die Fächer wedelnde Schar von unzufriedenen Leuten, die niemals mit dem Wetter zufrieden sind. - Vor ein paar Tagen noch schnupften sie unlustig das auch hier berühmte Aprilwetter aus, immer so als kratzen sie am Rande einer brutalen Erkältungskrankheit und heute, wo es maximal 32 Grad warm geworden ist, da kommt die alte Hitzeleier - ¡Hay que calor! - Gut, es gab keine Zeit zur Umstellung der afrikanische Wind brachte sehr schnell die trocken-heiße Luft zu uns und wir stecken ja noch im April, also noch im meteorologischen Winter. - Was die Leute hier sonst so klaglos ertragen, Politiker, Zeugen Jehovas, lernresistente Residenten und Vulkane, beim Wetter sind wir hier allesamt Weicheier. - Als Erklärung kann man vielleicht gelten lassen, dass der Passat, der sonst unser Wettergeschehen bestimmt nur einen kleinen Temperaturspielraum lässt und wir daran gewöhnt sind, dass die Werte sich vielleicht um 10 Grad nach oben oder nach unten orientieren, aber bloß nicht mehr. - 15 bis 25 Grad, das ist unser Ding und dabei feuchte und frische Luft, alles andere haben wir nie gelernt klaglos hinzunehmen.

So taugen wir überhaupt nicht für Gebiete mit kontinentalem Klima, in denen es Temperaturunterschiede von mehr als 60 Grad geben kann, so etwas lehnen wir grundsätzlich ab. - Gut, ich bin da ein bisschen anders und habe mich aber heute dann doch entschlossen die langen Unterhosen abzulegen, denn mir wird erst bei 30 Grad warm, wahrscheinlich ein Kindheitstrauma, zugezogen in den kalten Wintern im Bayrischen Wald… Eigentlich müsste man dieses Wetter, welches uns wohl noch bis Montag begleiten wird, als Unwetter bezeichnen, allerdings hat man ja das Wort Unwetter inzwischen mit Katastrophenwetter belegt und nicht als "Nichtwetter". - So sieht es nämlich im Moment auf dem nahen Nordatlantik aus, kein Hoch, kein Tief, sondern eigentlich nichts. - Schwupps geraten wir in den Einfluss kontinentaler Luft, da gerade kein kräftiges Tief in der Nähe war und da unser Kontinent Afrika heißt, bläst uns nun der Wind aus der Sahara um die Ohren. - Manche nennen das auch Calima, allerdings möchte ich dazu anmerken, dass Calima eigentlich aus einem Hochdruck über der Westsahara kommt, der uns dann mit Wind aus Südost mehr oder weniger beglückt. - Aber der Ausdruck Calima ist von keinem Gralshüter der meteorologischen Phänomene als geschützte Bezeichnung klassifiziert, also darf man ruhig bei jeder afrikanischen Luftinvasion diesen Ausdruck verwenden. - Die Restwindbewegung verdanken wir aber momentan eher dem großen Hoch über dem Europäischen Kontinent, das endlich auch den Frühling in den nächsten Tagen bis Deutschland schaufeln wird und so erreicht uns böiger, manchmal sogar böse-böiger Wind aus Nordost. - Ab Montag oder vielleicht auch erst Dienstag erwartet man dann wieder das Einsetzen unseres Lieblings, des Azorenhochs, welches uns dann auch wieder kühlende und angenehm feuchte Luft zufächeln wird. -



Freitag 25.04.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 33 % Luftdruck 1015 hPa

Nationalpark könnte größer werden

Bislang erstreckt sich der Nationalpark "Caldera de Taburiente" auf etwa 4.700 Hektar und beschränkt sich im Wesentlichen auf die gesamte Fläche eines der größten Senkkrater der Welt und den Namensgeber, die Caldera de Taburiente. - Das sollte sich ändern, so zumindest nach Meinung des Biologen Luis Pérez de Paz, der an der Universität La Laguna lehrt und für die Provinzregierung im Ausschuss der Naturschutzgebiete sitzt. - Auf mehr als 10.000 Hektar würde das neue Konstrukt anwachsen und einen großen Teil der hohen Kiefernwälder des Nordens der Insel mit unter seine Fittiche nehmen. - Irgendwie logisch, schützt man doch bislang mit dem Krater nur einen geologisch abgegrenzten Teil, der es sicherlich verdient zum höchsten Schutzgebiet überhaupt ernannt zu werden, aber auch die Kiefernwälder dieser Insel verdienen gleiche Behandlung. - Allerdings stehen die Kiefern an sich bereits unter Schutz und ein großer Teil der Wälder ist auch schon in irgendeiner Klassifikation als Landschafts- oder Naturschutzgebiet aufgelistet. - Warum also diese Aktion fragen die Gemeinden und auch die Inselregierung, die natürlich um ihren Einfluss auf die betroffenen Gebiete fürchten.

Da gibt es nämlich reichlich Ärger und Diskussionsstoff bereits mit dem bestehenden Park, man kann, wird und will sich nicht wirklich einig werden um die Kompetenzen, der Streit zwischen der Parkverwaltung, der Inselregierung und in diesem Fall bislang der Gemeinde El Paso, zu deren Gemeindegebiet der jetzige Nationalpark zählt, lässt endlose Verwaltungskapriolen entstehen. - Zusätzlich ist eine weitere Frage noch nicht endgültig geklärt. Ein Gerichtsurteil spricht alle spanischen Nationalparks den autonomen Regionen zu und untersagt den Einfluss der Zentralregierung damit, wovon die meisten Provinzregierungen völlig überfordert sind und auch gar nicht über die Mittel und das Wissen verfügen, wie denn solche Parks verwaltet und betreut werden müssen. - So weiß man eigentlich gar nicht, an wen man sich den wenden sollte wenn man den Park vergrößern will, macht das noch die Zentralregierung, oder schon die Provinz und wo kommt das ganze Geld her für das Personal und den Verwaltungsaufwand. - Eine weitere entscheidende Frage steht aus, was passiert mit dem astrophysikalischen Komplex auf unserem höchsten Berg, dem Roque de Los Muchachos. - Da hat man doch noch so viel vor und schließlich sind die dortigen Observatorien unsere einzige hochtechnologische Hoffnung auf La Palma bislang. - Das Gelände wäre ja dann im Nationalpark und man müsste da eine Insel schaffen, sonst kann man alle weiteren Projekte dort gleich vergessen und das Interesse der ESO an La Palma ginge sofort verloren. - So wird diese Idee erst mal auf den Tisch gelegt und rutscht dann sicher in einem unbeobachteten Moment auf die Bank herunter, auf die lange Bank natürlich. - Nicht, weil die Idee an sich schlecht sei, sondern weil sich zu viele Verwaltungsansprüche der einzelnen Korporationen einfach nicht in Einklang bringen lassen. - Und betrachtet man die Aktionen mit dem Baumschnitt im Riachuelo, welche im Nationalpark stattfinden unter dem Motto Brandschutz, dann kann man vielleicht sogar dem Kiefernwald auf La Palma wünschen, gar nicht so viel Ehre und Aufmerksamkeit zu erheischen, wie das unter der Fuchtel eines schlecht geleiteten Nationalparks stattfinden würde. - Lieber in Ruhe gelassen, als schlecht geschützt, da scheint weniger auch mal wieder mehr zu sein.



Donnerstag 24.04.08 - 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 26 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 53 % Luftdruck 1015 hPa
Höchsttemperatur heute 26,4 Grad - niedrigste Temperatur 16,6 Grad

Das, was unter dem Strich bleibt

Auch wenn ich es gar nicht mag, verlassen wir gedanklich diese Insel mal einen kleinen Moment und spähen vorsichtig nach Tenerife, auf die Mutter aller Inseln. - Dort gibt es einen wunderbaren touristischen Ort mit dem gleichen Charme, den vielleicht auch Biarritz oder Nizza ausstrahlen, es pocht so ein bisschen der Geist vergangener Tage, was auf keinen Fall ein Minus sein muss, aber durchaus nicht in den progressiven Takt unserer Tage passt. - Der Vorsitzende der Hoteliervereinigung "Ashotel", José Fernando Cabrera deutet das mit folgenden Worten: Für jüngere Menschen taugt Puerto de La Cruz lediglich für die Assoziation, dass dort ihre Eltern die Flitterwochen verbracht hätten, so dass er einen Imagewechsel für den Ort fordert. - Das kann man mal dahingestellt lassen, denn bald werden die ehemaligen Flitterwöchner wohl dort ihre Goldenen Hochzeiten feiern, ab 50 "sells" nicht nur Sex, sondern auch Nostalgie. - Gut, ganz verzweifelte versuchen es auch mit Golf, aber wir wollen ja nicht immer gleich übertreiben… Man beklagt sich nämlich heftig über die gesunkene Rentabilität der Hotels im Ort und bemüht dabei auffällig die Regeln der Marktwirtschaft, um dieses zu erklären. - Früher, als alles anders und nur manches besser war, mussten die Reiseveranstalter bei den Hoteliers unterwürfig die Diele schrubben, bevor man die raren Zimmer der mondänen Hotelbranche in den Katalog mit aufnehmen konnte, heute ist es umgekehrt, die Hotels müssen sich den Veranstaltern anbieten und so Preise und Bedingungen akzeptieren, die früher nicht denkbar gewesen wären.

Das Überangebot sei dafür verantwortlich, eben in Verbindung mit dem leicht morbiden Image des Ortes, welcher gegen den modernen und kreischend lauten Süden der Insel wohl immer mehr verliert. - Das mit dem Überangebot, das ist natürlich komplett richtig, wer mehr anbietet als er verkaufen kann, der gerät in die Zwangslage seine Preise korrigieren zu müssen, so lautet nun mal eines der unangenehmsten Gesetze der Marktwirtschaft und ist komplett auch für La Palma so zu übernehmen. - Ob sich Puerto de La Cruz aber ein neues Image verschaffen sollte, das wage ich mal zu bezweifeln. Vielleicht sollte man im Gegenteil noch deutlicher auf gewachsene Strukturen bauen und diese Klientel so sehr mit "Corportate Identity" einlullen, dass man endlich wieder aus dieser Renditefalle herauskommt und auf "Stücknutzen" setzen anstatt auf Diskont-trächtige "Mischkalkulation". - Das ist ein bisschen so, wie mit den öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern. - Auch die müssen, wegen erhöhter Konkurrenz im Werbegeschäft Einbußen fürchten und sägen nun an ihrem Image. - Oft kommt dabei leider eine peinliche Angleichung an den "Brot und Spiele-Journalismus" der Privatsender raus, anstatt Eigenheiten so weit zu verfeinern, dass man sich zu absoluten Spezialisten ausbilden kann. - Eben für genau sein Publikum und wer heute nur noch auf Jugend setzt, der hat morgen keine Kunden mehr, denn die heutigen Jungen sind nun mal die Alten von morgen und Nachschub gibt es immer weniger. - Da ich Puerto de La Cruz noch aus der Zeit des Café Columbus kenne und den nachmittäglichen freiwilligen Krawattenzwang auf dem Schlenderweg zwischen Taoro und Tigaiga, sind vielleicht meine Vorstellungen über eine Zukunftsperspektive des schrullig-schönen Ortes Puerto de La Cruz eher subjektiv. - Meine Frau meint dazu einfach, ich werde alt. - Das stimmt schon, aber heute habe ich das Geld, mir diesen ehemaligen Makel, das Alter, "schönzukaufen" und da sind wir doch schon bei der Klientel der Zukunft: Lass keinen unter 50 rein, es könnt´ ein junger Hartzer sein. - Dabei bin ich noch nicht mal 50, nur eben sehr reif für mein Alter…

Noch ein Nachtrag, in eigener Sache. - Scrollen Sie doch noch mal zum 17.4. und dem Artikel "Hundeinseln" runter, ich habe endlich das passende Photo dafür entdeckt. - Dieser anonyme Hilferuf steckte am "Schwarzen Brett" des Supermarktes "San Martín" in El Paso.



Donnerstag 24.04.08 - 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 44 % Luftdruck 1016 hPa

Samenraub

Was hat man darüber nicht schon alles gehört und geschrieben und wie viel Phantasie muss man eigentlich aufbringen, sich das nach der Besenkammermethode alles vorzustellen. - Auf La Palma ist bislang kein derartiger Fall bekannt, wir demonstrieren unsere offenkundige Zugehörigkeit zum Primärsektor eher dadurch, dass man auf La Palma wohl auch Samen klaut, aber die zur Pflanzenzucht dienen und nicht zu Korrektur der demographischen Landschaft. - Jetzt ist ein Fall bekannt geworden, wo man einen fleißigen Landwirt dabei erwischt hat, wie er nach und nach Sämlinge aus einem inseleigenen Gewächshaus geklaut hat, bis nun ein Schaden von an die 3.000 Euro aufgelaufen ist. - Über Wochen dauerte der Primärsubstanzdiebstahl an, immer in kleinen Portiönchen, eben immer gerade so viele, wie der fleißige Landmann wohl anbauen oder weiterverkaufen konnte. - Irgendwann war man der Sache allerdings überdrüssig und installierte eine Kamera, die gibt es gerade gebraucht sehr günstig in deutschen Diskountern zu kaufen, und erwischte so den Dieb auch tatsächlich bei seinen nächtlichen Ausflügen in das Gewächshaus. - Anzeige ist erfolgt und nun wartet auf den Pflanzenliebhaber ein Verfahren wegen Diebstahl.

Das ist nicht der erste Diebstahl im landwirtschaftlichen Umfeld auf La Palma, immer mal wieder verschwinden Teile der Ernte von den Feldern, oder abgeschnittene Bananenstauden, die noch neben der Plantage auf den Abtransport warten. - Das größte Coup allerdings bestand daraus, dass ein Pärchen aus Los Llanos mal 3 Tonnen Avocados geklaut hat. Und das nicht fertig geerntet aus dem Schuppen oder vom LKW, sondern des Nachts mit der Taschenlampe in der Pflanzung. - 3 Tonnen Avocados ernten, dafür muss man sich gewaltig strecken und fleißig sein und es gibt sicher weniger anstrengende Methoden als Krimineller sein Auskommen zu erheischen. - Mit den Avocados wurden die beiden auch nicht glücklich, denn schon beim ersten Versuch diese zu verkaufen wurde der Angestellte in der Kooperative stutzig. - Das Pärchen war ihm bekannt und er wusste genau, dass diese nicht im Besitz einer Avocadopflanzung waren. - Er ging so ein Scheingeschäft mit den beiden ein und sagte ihnen, sie könnten den Scheck nachmittags abholen, dann sei der Chef wieder da zum unterschreiben. - Nachmittags kam das Pärchen wieder, die Polizei war ebenfalls schon da und der rechtmäßige Besitzer der Avocados auch bereits gefunden. - Der Eigentümer der Finca war auch nur bedingt sauer, denn der musste nun die Avocados nicht mehr ernten und konnte den Scheck gleich so einstecken. - Das diebische Pärchen allerdings soll inzwischen nicht mehr landwirtschaftlich orientiert "arbeiten"…



Mittwoch 23.04.08 - 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 21 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 65 % Luftdruck 1018 hPa
Höchsttemperatur heute 21,3 Grad - niedrigste Temperatur 13,1 Grad

Kein Hüttenzauber mehr?

Früher fürchtete man sich in Mitteleuropa zumindest akustisch vor Costa mit Nachnahmen Cordalis. - Heute geht ein, allerdings nicht singendes Gespenst auf La Palma um, welches Costas genannt wird und mit kompletten Namen Dirección General de Costas heißt. - Leider hilft bei Costas kein geschickter Programmwechsel im Fernsehen oder schlicht die Ohren zuhalten, Costas ist ein ziemlich aufdringlicher Kollege, der uns einfach keine Ruhe lässt in unserem süßen Nonkonformismus. - Es geht um die, nach Ansicht der Küstenbehörde illegalen Siedlungen im Küstenstreifen, die nach dem Gesetz aus dem Jahr 1988 einfach nicht sein dürfen. - Der Hintergrund dieses Gesetzes ist verständlich und eigentlich jedem klar, keine Privatperson oder Firma soll außerhalb urbanisierter Gebiete Eigentum im direkten Küstenstreifen haben, einhundert Meter ab der mittleren Wasserlinie wird da gezählt. - Ein gutes Gesetz, schützt es doch den sensiblen Bereich zwischen Meer und Land vor jeglicher Bau- uns Zerstörungswut und darüber hinaus ist das öffentliches Land, also von und für uns alle und niemand außer dem Staat kann Eigentümer dieses Landes sein. - So viel zu Sinn und Zweck dieses Gesetzes, welches nun auf La Palma rauf und runterzitiert wird. - Es ist also alles ganz einfach, was nicht sein darf das kann auch nicht sein und so müssen alle Bauten weg, welche denn diesen Küstenstreifen berühren. - Das war schon mal wieder ein lustiger Satz, denn alle Gebäude scheinen gar nicht weg zu müssen, an gewissen Häusern, Clubs und Hotels sieht man wohl geflissentlich oder einfach aus Versehen vorbei. - Keine Betriebsblindheit oder Finanzpragmatismus zeigt Costas bei den Siedlungen wie Puntalarga, EL Faro und La Zamora im Süden der Insel und den so oft genannten El Remo und La Bombilla an der Westküste. - Aber das sind längst nicht alle Häuser, die im Bannblick der Küstenbehörde sind, eigentlich ist jede Gemeinde der Insel betroffen außer El Paso. - Das ist aber kein Wunder, nicht dass man in El Paso immer alles treu nach Gesetz machen würde, El Paso hat einfach keinen Zugang zum Meer und ist so, zumindest in diesem Fall, vor Polemik geschützt.

Die Abrissverfügungen sind längst verteilt, nicht nur im Süden der Insel, sondern auch in La Bombilla und El Remo, wobei es aber unterschiedliche Illegalitätsklassen geben muss, an einer Stelle wird bereits abgerissen, an andere noch verhandelt und geschachert und keiner wird so komplett schlau, nach welcher Strategie Costas unsere Küsten von illegalem Betonbewuchs säubern will. - Es wird wohl die einfachste Strategie von allen sein, immer da zuerst, wo der wenigste Widerstand zu erwarten ist. - Das erklärt auch den, fast stillen und äußerst effektiven Abriss der Hütten an der Playa de los Guirres, den meisten aber unter dem neueren Namen "Playa Nueva" bekannt. Dort gab es überhaupt keine "Hüttenlobby", keine tragende Persönlichkeit des öffentlichen Lebens hatte dort sein Sommerquartier, also Bagger hin und Hütten weg, so einfach ging das. - Die Nachbarsiedlung La Bombilla bleibt aber vorerst unangetastet, denn dort hat sich seit geraumer Zeit schon geschulter Widerstand etabliert, dort kämpft ein Rechtsanwalt um den Erhalt der Häuser und hat zumindest bislang temporären Erfolg. - Letzter Trickversuch dort lautet, die Siedlung zu urbanisieren, dann würde die geschützte Küstenlinie auf 20 Meter schrumpfen und mit ein paar Bauernopfern könnte man dann dort leben. - Ähnliches ist für El Remo vorgesehen, die allererste Strandlinie müsste fallen, dafür bekämen dann die Anwohner weiter von der Küste weg neues Land zugewiesen, welches die Gemeinde bereitstellen würde.

Diese ganzen Kompromisslösungen sind natürlich nur machbar, wenn genügend Zeit und der erforderliche Druck auf Costas wirken kann. - Das scheint eben im Fall der Siedlungen im Süden nicht gefruchtet zu haben. - Da reden wir seit Jahren über den geforderten Abriss der Siedlungen an der Westküste und im Süden schafft man innerhalb eines Jahres Tatsachen. - Dabei muss auch mal ein Umstand genannt werden welcher gerne in der Diskussion übersehen wird. - Die Forderung der Küstenbehörde nach dem Abriss der Siedlungen ist bereits deutlich älter als die jetzige Regierung in Madrid ihr Glück versuchen darf, es ist also falsch, den Abriss einer Partei in den Bagger legen zu wollen, es ist nun aber einfach mal Tatsache, dass die jetzige Regierung Zapatero viel effektiver und schneller Dinge angeht, als noch die Vorgängerregierung. - Und in der Tat, in Sachen Küstenschutz hat Spanien sehr viel nachzuholen, man betrachte nur mal die komplette Mittelmeerküste aber auch unsere großen Nachbarinseln. Dort auf Tenerife hat man auch schon deutlich mehr Hütten und Häuser abgerissen als hier auf La Palma, aber insgesamt kann man schon eine einseitige Aktivität der Küstenbehörde auf den Kanaren feststellen, über deren Hintergrund nur spekuliert werden kann.

Wie aber wäre es denn möglich, die hiesigen kleinen Siedlungen zu retten? - Da gäbe es die bereits erwähnte Urbanisierung, oder aber man erklärt die Hütten zum Gebiet öffentlichen oder kulturellen Interesses. - Das aber scheint schwer erfüllbar, liegt doch die Aufgabe solch einen Zustand zu erklären wiederum in der Hand der Küstenbehörde und da muss man nun kein Prophet sein, dass das nicht passieren wird. - Urbanisierung kann vielleicht in den Fällen El Remo und La Bombilla noch helfen, für die Siedlungen im Süden kann man eigentlich fast nur noch auf "Gnade" hoffen, man hat einfach viel zu spät damit angefangen für diese kleinen Orte zu kämpfen. Da geht auch ein großes Stück Kritik an unsere Regionalfürsten, die sich zwar angesichts der Abrissbirne schon noch darauf verständigen konnte den Vollzug der Maßnahmen nicht gut zu heißen, aber außer den genannten halbherzigen Vorschlägen mit öffentlichem oder kulturellem Interesse ist nicht wirklich was dabei herausgekommen. - Eine andere Variante könnte man sich auch noch vorstellen, aber das brächte auch wieder viel Zeit und anwaltliche Betreuung. - Da das Gesetz aus dem Jahr 1988 stammt und ganz viele der Hütten bereits vorher dort an der Küste Fischern und Sommergästen Unterschlupf bot, könnte man auf Besitzstandswahrung pochen, denn eigentlich kann man nicht einfach per Gesetz Dinge als illegal einstufen, die vorher bereits vorhanden waren. - Das aber müssen Rechtsgelehrte ausfechten und das bedarf Zeit, viel Zeit und ich fürchte auch viel Geld. - So käme wohlmöglich nur noch Gnade als Rettung in Frage, denn eigentlich muss ein Gesetz ja nicht unbedingt Anwendung finden, denn hier stört sich niemand an den Hütten an der Küste.

Die kleinen Siedlungen sind ja im Gegenteil sogar eine der Wahrzeichen für unseren bislang wenig angepassten Lebensstil und sind durchaus als touristisches Positivmerkmal zu bezeichnen. Man muss bei solchen Gelegenheiten immer wieder fragen, wo oder bei wem denn der Nutzen liegt, wenn diese Siedlungen verschwinden. - Da fällt vielen eigentlich nur eine Antwort ein, es dient einer zukünftigen Erschließung für touristische Infrastruktur. - Erschwerend kommt ja noch dazu, dass die Küstenbehörde zwar als Grund der Maßnahmen angibt, es gehe um die Regeneration der Küstenlinie, als weitere Aktion aber den Bau eines 11 Kilometer langen Küstenwanderweges nennt und damit den eigentlichen Regenerationsgedanken ad absurdum führt. Wir sind ja immer noch auf der geistigen Suche nach den Denunzianten, welche Costas überhaupt erst auf die Idee gebracht haben hier auf La Palma mal nach dem Rechten zu sehen. Gedanklich kommen viele eigentlich nur dahin, dass man seitens der Gemeinden sehr daran interessiert war investorengerechte Küsten zu erhalten, die störenden Bewohner dort aber per Staatsmacht entfernen lassen könnte. - Die Siedler von damals waren ja nicht blind oder blöd, die haben sich schon die nettesten Fleckchen ausgesucht und die wollen andere auch gerne haben. - Es wird nicht aufzulösen sein, ob denn dieser Vorwurf an die lokalen und regionalen Regenten Substanz hat, es wird aber auch niemand den Gegenbeweis antreten können und so bleibt mehr als nur ein unangenehmer Nachgeschmack an diesen Aktionen kleben. - Im Süden der Insel sind bislang ja nur die Hütten abgerissen worden, deren Eigentümer aus Angst vor den Kosten dem Abriss zugestimmt haben. - Zwei Drittel der Häuschen stehen noch und politisch hat man sich zumindest soweit einigen können, Costas erst mal zu bitten, doch zunächst den Abriss der anderen Hütten aufzuschieben. - Ob das fruchtet, wird sich in den nächsten Wochen oder Monaten zeigen, allerdings wird es wohl schon eher ein Wunder benötigen, die Siedlungen noch zu retten. - Na ja, da sind wir wieder bei den Sängern aus der Ära Costa Cordalis, da schmetterte uns doch eine blonde Ponyträgerin auch immer wieder die Weisheit um die Ohren: "Wunder gibt es immer wieder". - Aber bitte zack zack!


Bereits eine historischen Aufnahme



Mittwoch 23.04.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 14 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 79 % Luftdruck 1018 hPa

Erleichterungen bei den Fahrzeuginspektionen

Was in Deutschland der "TÜV" ist, das ist hier die "ITV" (gesprochen ite-uwe), keiner kann sich mit seinem Auto daran vorbeimogeln, technische Prüfung ist Pflicht. - Man erkennt das hier bei uns nicht am Nummernschild, sondern an einem bunten Aufkleber, meist auf der rechten Seite des Windschutzscheibe, auf dem die Fälligkeit der nächsten Untersuchung angegeben ist. - Damit erspart man den Ordnungskräften das mühsame Bücken, da man schon von weitem sehen kann, alleine schon an der Farbe des Aufklebers, ob denn da noch alles in Ordnung ist. - Aber dieser Aufkleber ist nur das äußerliche Erkennungsmerkmal, der eigentliche Nachweis über die erfolgreiche Kontrolle geschieht auf einem Dokument, welches der Fahrer auch immer als Nachweis mit sich führen muss. - Ob die Kontrollen hier heftiger, genauer oder laxer sind als in Deutschland, das kann ich nicht beurteilen, auf jeden Fall ist die Fahrt zur "ITV" nicht unbedingt ein bevorzugter Freizeitspaß, sondern ein unangenehmer Termin, der auch Zeit in Anspruch nimmt. - Ähnlich wie in Deutschland sind die Prüfintervalle. - Neufahrzeuge müssen erst nach drei Jahren zur ersten Unersuchung, danach alle zwei Jahre. - Mit einem Alter von über zehn Jahren reduziert sich der Prüfabstand auf ein Jahr und wer ein Nutzfahrzeug hat, der muss dann sogar jedes halbe Jahr zur Untersuchung. - Da die meisten Pickups hier als Nutzfahrzeug (LKW) zugelassen sind und meistens einfach nicht kaputt gehen und somit auch ganz lange gefahren werden, sind sehr viele Fahrzeughalter ständiger Gast der einzigen Inspektionsstelle auf La Palma, welche sich in El Paso befindet.

Mit der Zunahme der Anzahl an Fahrzeugen auf der Insel nahm natürlich auch die Zahl der Inspektionen zu, so dass man zu Stoßzeiten in der Prüfstelle schnell überlastet war. - Mehr Personal und die Pflicht sich per Termin anzumelden machten das wieder halbwegs wett, aber auch so beträgt die mittlere Wartezeit auf einen Termin an die zwei Wochen. - Wer sich rechtzeitig anmeldet, der hat natürlich kein Problem, aber wer meldet sich hier schon rechtzeitig an, also fahren jede Menge an Autos rum, deren Prüftermin bereits überschritten ist. - Das kostet natürlich Strafe, außer man hat seinen Anmeldezettel für den nächsten Termin von der "ITV" dabei, dann geht man zwar ohne Strafe seines Weges, aber nicht ohne Belehrung, doch nächstes Mal sich früher einen Termin zu besorgen. - Das wird jetzt leichter, denn die "ITV" hat nun deutlich verlängerte Öffnungszeiten und will so den Stau abarbeiten, der sich trotz der notwendigen Anmeldung meistens ergibt. - Ab jetzt kann man von 08:00 Uhr morgens bis 20:00 Uhr, von Montag bis Freitag, seinen Wagen zur Inspektion geben und außerdem wird es eine dritte Kontrollspur geben, so dass man auch die Anzahl der Fahrzeuge pro Stunde, welche untersucht werden, deutlich erhöhen kann. - Damit sollten längere Wartezeiten eigentlich vorbei sein, den bislang hatte man nur bis 14:00 Uhr geöffnet, so dass mit dieser Maßnahme nun auch Arbeitnehmer, die einen "normalen" Arbeitstag haben, noch abends ihr Fahrzeug untersuchen lassen können. - Anmelden muss man sich weiterhin, aber das geht auch ganz bequem über das Internet, unter www.serviciositv.es bekommt man mit ein paar Klicks seinen Termin.



Dienstag 22.04.08 - 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 65 % Luftdruck 1020 hPa
Höchsttemperatur heute 20,6 Grad - niedrigste Temperatur 13,9 Grad

Photowettbewerb nimmt Fahrt auf

Eigentlich war der 20. April als Einsendeschluss gedacht, der wird aber nun nach hinten verschoben, bis wann weiß man noch nicht genau, weil gerade in den letzten Tagen endlich rege Beteiligung am Wettbewerb losgebrochen ist. - Die Gegenüberstellung von Bildern der Insel, einmal so, wie wir sie uns nicht wünschen und eben ein zweites Bild mit unseren positiven Vorstellungen, scheint mir ein hervorragendes Mittel zu sein, seinen ganz eigenen Protest gegen die Bedrohungen der Umwelt und dem fahrlässigen Umgang mit unseren knappen Ressourcen anzuprangern. - Ob das was nutzt, fragt der Realist sofort und mit der immer ernsthaften Miene, die man so gerne als Abgeklärtheit betitelt. - Ob das was nutzt, das weiß ich nicht und muss vielleicht jeder für sich selbst wissen, aber eines weiß ich bestimmt, dass es nichts nutzt, gar nichts zu tun und dem wirren Treiben aus dem intellektuellen Elfenbeinturm miesepetrig kommentierend zuzusehen. - Inzwischen hat sich ein wirklich interessantes und breites Spektrum an Photos und Kommentaren da bei der Asamblea Ecologista angesammelt, welches auch von denen nicht übersehen werden kann, an die es gerichtet ist, nämlich diejenigen, die für viele unserer Ängste und Missstände auf der Insel verantwortlich sind.

Ich bin halt wieder mal dafür da, die deutschsprachigen Gäste und Immigranten der Insel dazu aufzurufen, sich doch an der Aktion zu beteiligen. - Das ist ganz einfach. - Man schickt zwei Photos per E-Mail an die Asamblea Ecologista, (1024 x 768 pixel) eines mit der Wunschvorstellung, wie diese Insel denn sein oder bleiben sollte, ein zweites mit einer tatsächliche Ferkelei oder einem Missstand und die beiden Photos werden dann als Einheit veröffentlicht. - Dazu das Datum der Photos, wo man die Bilder gemacht hat. Einen Titel und einen, oder zwei Sätze die einem dazu noch einfallen. (die können auf Deutsch oder Spanisch verfasst sein, das ist egal.) - Das Bild wird dann unter einem Nickname veröffentlicht, die Asamblea Ecologista braucht aber als Veranstalter des Wettbewerbes ihren kompletten Namen, die Anschrift und die Ausweisnummer. - Diese Daten werden allerdings nicht veröffentlicht, sondern dienen nur dazu, den Gewinner später einwandfrei identifizieren zu können. - Als Hauptpreis gibt es übrigens ein Wochenende in einem Landhaus zu gewinnen, welches komplett mit alternativer Energie versorgt wird. - Wenn Sie aus Deutschland aus an dem Wettbewerb teilnehmen, dann sollten Sie vielleicht Geduld aufbringen oder das Ganze einfach nur sportlich sehen, denn den Flug zu bezahlen, das bekommen die ewig klammen Umweltschutzorganisationen auf La Palma nun wirklich nicht hin. - Kramen Sie doch noch mal in ihren alten Photos aus dem letzten oder vorletzten Urlaub, da wird sicher nicht nur der schiefe Drago aus Puntagorda drauf sein, sondern auch das eine oder andere Motiv, welches wunderbar in diesen Wettbewerb passt.

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I Concurso de Fotografía Socioambiental La Palma Erster Umweltphotowettbewerb auf La Palma



Dienstag 22.04.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 14 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 75 % Luftdruck 1017 hPa

Die Lehrer streiken wieder

Heute und am kommenden Donnerstag sind wieder zwei Streiktage angesagt, es geht, wie bereits seit anderthalb Jahren, um die Angleichung (Homologación) der Gehälter und Karrierechancen des Lehrpersonals, an die der Mitarbeiter der Erziehungsbehörde, welche nicht im Lehramt tätig sind. - Den meisten "Nichtpädagogen" ist und war gar nicht klar, dass es da Unterschiede gibt und in der Tat sind auf den Kanaren die Lehrer der unteren Gehalts- und Karriereleiter nicht nur äußerst schlecht bezahlt, sondern werden auch noch mit Zeitarbeitsverträgen von jeglicher Sicherheit und Aufstiegschance fern gehalten. - Da Bildung auch in Spanien die Provinzangelegenheit ist und nicht zentral aus Madrid geregelt wird, gerät dieser Streit und Streik allmählich zum einseitigen Kampf der Lehrer gegen die Schulbehörde, mit weiterreichenden Folgen, als man zunächst vermuten möchte. - Im Januar gab es zwar Gespräche mit denen die Lehrer vertretenden Gewerkschaften, allerdings hat man ein Angebot der Provinzregierung nicht akzeptiert, weil es nach Aussagen der Lehrer eine peinliche Mogelpackung sei. - Weitere Gespräche gab es nicht und so wollen die Lehrer sich nun wieder ins Gespräch bringen und Druck erzeugen und dazu müssen die Streiktage wohl einfach sein.

Zwar sind die einzigen Leidtragenden die Schüler, allerdings sehen die das natürlich nicht so, aber es sind in diesem Jahr schon 7 oder 8 Tage wegen der Streiks ausgefallen und der Lehrplan sieht grundsätzlich einen solchen Ausfall nicht vor, so dass sich bereits gewisse Unterrichtsdefizite zeigen. - Im nächsten Jahr wird aber das Wissen des kompletten Lehrplans dieses Schuljahres gefordert werden und da kann es wohl zu unangenehmen Überraschungen für die Pennäler kommen. - Gestreikt wird auch nicht wild und ohne Aufsicht in den Schulen, es herrscht weiterhin Schulpflicht, die Kinder müssen auch kommen und werden von einem vorgeschriebenen Mindestkontingent an Lehrern betreut. - Allerdings sieht man es da nicht so wirklich eng, es werden keine negativen Folgen erwartet für die Schüler, welche an den Tagen der Streiks nicht zur Schule kommen. - Wir haben aber auch schon erlebt, dass an einem Streiktag eine Arbeit geschrieben wurde, da der Lehrer keine andere Terminmöglichkeit für diese Bewertungsmaßnahme sag. - Man muss das also abwägen und im Zweifelsfall die Kinder lieber in die Schule schicken. - Manche Schulen haben nun auf die Streikausfälle mit der unangenehmen Methode reagiert und dafür alle Ausflüge und Museumsbesuche gestrichen, so bekommt man wenigstens den Lehrplan wieder halbwegs auf die Reihe, allerdings behält man so den Schülern einige der schönsten Erlebnisse ihrer Schulzeit vor. - Seitens der Lehrer fürchtet man, die "Consejería de Educación" möchte nun die Sache einfach aussitzen, die dreimonatigen Schulferien sind nicht mehr allzu lange weg und in den Ferien hat noch niemand gestreikt, so dass dann vorerst wieder Ruhe herrschen würde. - Da werden aber die Lehrer keine Chance zu geben, die sind fest entschlossen ihre Forderungen durchzusetzen und wollen noch vor den Schulferien eine Entscheidung, wenn nötig mit noch mehr Streiktagen.



Montag 21.04.08 - 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 74 % Luftdruck 1017 hPa
Höchsttemperatur heute 17,7 Grad - niedrigste Temperatur 13,0 Grad

Mit Steuervorteilen zur Diversifikation der palmerischen Volkswirtschaft

Die drei Säulen der palmerischen Wirtschaft sind nicht Bars, Kneipen und Cafeterías, sondern die Bananen, der Bausektor und der, höchst fragile Sektor des Tourismus. - Auf den anderen Kanaren ist die Reihenfolge anders verteilt, aber deswegen nicht weniger anfällig, da unsere Volkswirtschaft auf sehr wenigen Beinen steht, die wie die Banane krumm, die Bauwirtschaft bröckelig und der Tourismus äußerst launisch sind. - Diversifikation ist dann das erlauchte Heilmittel, allerdings gibt es ja für die Kanaren im Allgemeinen und La Palma im Besonderen die beiden gravierenden Standortnachteile, welche die extensive Lage außerhalb des Europäischen Kontinentes sind und die Tatsache, dass es den Bewohnern hier nicht wirklich schlecht geht, weil wir uns hier in der Lohnskala inzwischen einem europäischen Schnitt vorsichtig nähern. - Wie also käme jemand dazu bei uns zu investieren, wenn es sich nicht gerade um Schwarzgeld handelt, welches unbedingt wieder in den Wirtschaftskreislauf muss, auch unter großen Verlusten, weil es sonst wertlos wird. - Dafür hat man eine kanarische Steueroase geschaffen, welche von der Europäischen Union gefördert und anerkannt ist, welche die Körperschaftssteuer auf gerade mal 4% drückt. - Das ist mehr als nur ein Standortvorteil und kann unter den richtigen Umständen die extensive Lage der Kanaren mehr als amortisieren. - "ZEC" nennt sich dieses Steuersparmodell für die Kanaren, was erst mal nichts anderes heißt als "Zona Especial Canaria".

Auf den größeren Kanareninseln haben diese Vergünstigungen bereits zu erhöhter Firmengründung geführt, so haben alleine deutschsprachige Investoren bereits 9,3 Millionen Euro in ZEC-Firmen auf den Kanaren gesteckt und so über 400 Arbeitsplätze geschaffen. - Auf La Palma läuft das "Geschäft" mit der ZEC noch eher schleppend, Schuld daran sind auch die wenigen Information die man in Deutschland darüber erhält, gilt doch dort immer noch der Drang nach Osten um billiger zu produzieren, wobei viele gar nicht wissen, dass man das auch weit im Westen hervorragend kann, sogar noch angenehm unter Palmen. - Als Vorraussetzung, um unter die Begünstigungen der "ZEC" zu kommen, muss man hier eine Firma gründen die als "ZEC-Firma" angemeldet wird und mindestens 50.000 Euro investieren und 3 Neueinstellungen vornehmen. - Das sind nicht allzu große Hürden und wenn man bei der Ausrichtung des Geschäftsfeldes unsere Umstände in Betracht zieht, dann sollte sich so mancher Geschäftsinhaber eine Verlegung oder Neugründung seines Betriebes hier auf La Palma eingehend überlegen. - Wegen der weiten Transportwege aufs Europäische Festland empfehlen sich voluminöse Massengüter sicherlich nicht besonders, wohl aber hochwertige Produkte, bei denen der Faktor Transportkosten keinen entscheidenden Rahmen in der Preisgestaltung erhält. - Daneben gibt es ja auch noch die ganze Palette an Dienstleistungen im IT-Sektor, welche überhaupt keinen "Transport" von Waren nach A und B benötigen, sowie die komplette Palette von Entwicklung und Forschung. - Daneben bieten die Kanaren mit 2 Millionen Einwohnern natürlich auch noch einen interessanten Binnenmarkt, dazu kommen pro Jahr an die 10 Millionen Touristen, die auch ein interessantes Geschäftsfeld sein können. - Weiter bieten sich die Kanaren als Sprungbrett nach Westafrika und mit besten Beziehungen zum südamerikanischen Markt an, Gründe über eine Firmengründung hier mal nachzudenken gibt es reichlich.

Um sich eingehend, auch in deutscher Sprache über die Vorzüge der "ZEC" informieren zu können, findet am kommenden 29, April eine Informationsveranstaltung statt. - Das Konsortium der Zona Especiál Canaira lädt ein, in die "Casa Massieu" nach Argual, um 12:00 Uhr mittags. - Auf jeden Fall sollte man sich telefonisch vorher anmelden, das geht unter der Telefonnummer 922 298256 oder der E-Mail Adresse: pjoverlinares@zec.org - Ich habe gehört, es soll auch Cocktails geben… Grundsätzliches über die Zona Especiál Canaria gibt es auch in der Webseite der "ZEC" zu lesen.



Montag 21.04.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 13 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 76 % Luftdruck 1018 hPa

Ohne Maulbeerbäume keine Seide

Die Produktion von Seide brachte auf La Palma vor mehreren hundert Jahren noch weit über 2.000 Familien Brot und Zukunft. - Auch wenn nicht mehr in der Größenordnung, die Produktion hielt sich bis Anfang des letzten Jahrhunderts auf einem beachtlichen Maß, bis die traditionellen Märkte, das spanischen Festland und die Benelux-Länder als Kunden wegbrachen, weil man nun billige Seide aus Asien in großen Mengen importierte. - Das hatte aber nicht nur etwas mit dem Preis zu tun, auch die Mode änderte sich und man bevorzugte nun die dünneren Seidenstoffe aus Asien, vor dem kräftiger gewebten Material aus La Palma. - So verschwand die Produktion von Seide eigentlich komplett von der Insel, nur in El Paso hielten ein paar Familien diesen ehemaligen Erwerbszweig aufrecht, aber mehr aus nostalgischen Gründen, als mit finanziellem Hintergrund. - Das eine oder andere Trachtentuch wurde noch gesponnen, aber als Gewerbe war die Seidenherstellung praktisch verschwunden. - Bis man das Seidenmuseum, oder besser gesagt einen Teil des Seidemuseums für die Öffentlichkeit zugänglich machte und eine kleine Firma gründete, welche in dem Museum aus Rohseide Stoffe und kleine Pretiosen herstellt, die dann als Auftragsarbeit verkauft werden. - Die paar älteren Menschen, die noch wussten wie das geht, mit dem gesamten Ablauf der Seidenproduktion, also vom Raupenei bis zur Krawatte, konnten ihr Wissen noch weitergeben und so eine der großen Traditionen der Insel La Palma bis in unsere Zeit retten.

Allerdings kann man keine großen Sprünge machen, die 5 Frauen von der Firma "Las Hilanderas" kommen mit dem Verkauf von Seidenprodukten kaum über die Runden und sind darauf angewiesen, dass die öffentliche Hand immer mal wieder eine kleine Subvention verteilt, als echter Erwerbszweig für La Palma scheint die Seidenproduktion nicht mehr in unsere Zeit zu passen. - Die Arbeit mit Seide ist, zumindest nach den hiesigen, alten Methoden, derart zeitaufwendig, dass man niemals konkurrenzfähig wäre gegenüber Importen aus Asien. Bei dem vier, oder fünffachen Preis für das gleiche Stück, fällt fast jedem auch die Nostalgie aus dem Geldbeutel und er bedient sich lieber an der Seide aus den asiatischen Ländern. - So wird man kein wirkliches Geschäft mehr daraus machen können, sondern bei der kleinen Produktion bleiben, die halb aus touristisch interessanter Attraktion besteht und halb aus Brauchtumspflege. - Dazu kommt noch ein Hindernis, es gibt auch immer weniger Raupenzüchter, welche die kleine Seidenwerkstatt mit Rohseide beliefern. Auch das lohnt sich nicht wirklich, sondern wird mehr nostalgisch als marktwirtschaftlich durchgezogen und inzwischen auch immer seltener, denn man findet in El Paso immer weniger Maulbeerbäume, die nicht auf privatem Gebiet stehen und ohne Maulbeerblätter geht in der Seidenproduktion gar nichts. Das kommt von der kulinarischen Vorliebe des Seidenproduzenten, der "Bombyx mori", der Seidenspinner, frisst nun mal überhaupt nichts anderes, als die Blätter des Maulbeerbaumes. - Dagegen will man nun mit der Pflanzung von Maulbeerbäumen auf öffentlichem Gebiet wieder entgegensteuern, damit die letzten Rohseideproduzenten nicht mit dem Auto über die halbe Insel fahren müssen um genügend Blätter für die gefräßigen Raupen zu finden. - Einen direkten Mangel an Rohseide fürchten die Damen der Werkstatt noch nicht, denn der Bedarf ist nicht enorm groß, aber um weiterhin, wenn auch nur auf kleinem quantitativem Niveau, weiterhin Seide in El Paso zu produzieren, braucht man auch wieder mehr Maulbeerbäume.


Seide aus El Paso, kostbare Nostalgienahrung



Sonntag 20.04.08 - 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 73 % Luftdruck 1019 hPa
Höchsttemperatur heute 18,6 Grad - niedrigste Temperatur 13,4 Grad

Rudimentäre Marktwirtschaft in Bacchus Landen

Da soll noch mal einer sagen, wir seien nicht progressiv, sondern phantasielos und altbacken. - Unsere Winzer haben es nun begriffen wie das geht mit der Marktwirtschaft, man denkt in Zukunft daran den Wein zu produzieren, den man auch gewinnbringend verkaufen kann! - Es ist allerdings für Winzer, die ja im Grunde auch irgendwie Landwirte sind, aber eben noch mal eine andere Subspezies, eine fundamentale Erkenntnis, dass man nicht immer nur den Wein produzieren sollte, der eh da schon rum wächst, sondern durchaus auch auf Änderungen im Käuferverhalten reagieren kann und soll. - Dazu werden nun, von der Inselregierung angestoßen und dem Consejo Regulador, also dem Gralshüterverband der Qualitätsweine La Palmas, Marktstudien betrieben und den Winzern konkrete Vorschläge gemacht, welche Rebsorten und Ausbaumethoden in den kommenden Jahren denn vorteilhaft wären. - Gut, das macht man in anderen Regionen schon lange, aber einerseits ist das hier nun mal La Palma und damit eine der letzten Exklaven der störrischen Fortschrittsverweigerung, mit dem einzigen Ziel nicht angepasst durchs Leben waten zu müssen und zum anderen ist das mit dem Wein nicht ganz so einfach wie mit Zuckerrüben oder Kartoffeln. Denn Wein pflanzt man halt nicht einfach jedes Jahrs neu.

Auf längere Sicht muss man aber auch auf dem Sektor so arbeiten und es kann sich durchaus lohnen, auch die Rebsorte mal zu wechseln wenn man erstmal erkannt hat, dass sich diese Massen an langweiligem Listán einfach nicht auf moderne und progressive Zungen träufeln lassen. - Natürlich kann man auch im Ausbau der Moste eine ganze Menge steuern und da hat sich auch schon einiges getan. - Alleine der Verzicht auf die alten Holzfässer machte aus so manchem fiesen Säuerling schon einen trinkbaren Tropfen und durch Impfung mit diversen Reinzuchthefen sind weitere Verbesserungen möglich. - Aber man erkennt ganz gut und genau, dass es einen unangenehmen Verkaufsstau der älteren Jahrgänge an Rotwein aus dem Süden und Osten der Insel gibt, und die leichten Weißweine aus dem Norden absolut im Kommen sind. - Nun wird man natürlich nicht hingehen und nur noch im Norden der Insel Weißwein anbauen, aber eben auch die traditionellen Keltereien in Mazo und Fuencaliente können den Trends Aufmerksamkeit geben und die Winzer dahin steuern, ihr Grundprodukt, also die Weintraube, dem Käuferinteresse anzupassen. - Eigentlich sind da große Marktstudien gar nicht notwendig, die Bodegas wissen sehr wohl auf welchen Tropfen sie sitzen bleiben und welche Weine dem Käufer eher schmeicheln. - Sicher wird man dann die Hand wieder nach Subventionen ausstrecken und sagen, wenn wir schon die alten Reben herausreißen sollen, dann haben wir die ersten Jahre keinen ordentlichen Ertrag, also helft uns. - Sicher wird es auch Subventionen geben, und das ist in dem Fall auch gar nicht verkehrt, wenn man danach wirklich nur noch Weine produziert, welche auf dem heutigen Markt noch eine gute Chance haben. - Wir werden modern, und das auch noch in einem sehr traditionellen Gewerbezweig, das ich das noch erleben darf…


Intensive Marktstudien am trinkbaren Objekt



Sonntag 20.04.08 - 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 14 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 77 % Luftdruck 1016 hPa

Hilfe, die Russen kommen

Und dieses Mal meint man damit nicht die Bolschewiken oder Stalinisten, oder gar die vielen Touristen, die inzwischen Tenerife und die anderen Badeinseln besuchen, nein, hier auf La Palma hat man inzwischen vor den russischen Kapitalisten Angst. - Die drei aktivsten Umweltschutzorganisationen der Insel, die Asamblea Ecologista, La Centinela und Ben Magec, gaben gestern einen Pressekonferenz zum Thema touristischer Sondernutzungsplan und ausländische Investition auf La Palma und dort vermutet man böse Spielchen, Intrigen und jede Menge Stoff aus dem breiten Umfeld der Schwarzgeldunterbringung sowie deftige Korruption. - Dabei kommt ein, immer wieder gefürchteter Komplex zur Sprache, in dem eben durch massive Schwarzgeldunterbringung nicht nur Umweltschäden durch urbanistische Hallobauten entstehen, sondern auch die Gesetze der Marktwirtschaft ausgehoben werden. - Wenn man touristische Einrichtungen erstellt, nicht aus dem Grund um Geld zu verdienen, sondern nur um Geld ominöser Herkunft irgendwie in den Markt zu stopfen, so ruiniert man damit die Arbeit der anderen gewerblichen Betriebe, welche wohl Renditen erwirtschaften müssen, um am Leben zu bleiben. - Das dabei entstehende Überangebot ist ruinös und macht es für "ehrliche" Investoren unmöglich, auf La Palma angemessen zu investieren. - Bildlich kann man sich das so vorstellen, in Marbella passt einfach kein Geld mehr rein, das ist voll und außerdem stehen da bereits jede Menge Staatsanwälte auf den Rathaustüren bereit, um einen enormen Investitionssumpf trocken zu legen . - Das sieht auf La Palma noch anderes aus, hier ist noch jede Menge Platz für fleckiges Geld und unsere Politiker haben noch nicht die rechte, oder linke Erfahrung mit diesem, anfänglichen lockendem Problem, bei dem für hilfreiche Hände und Abstimmungen immer auch gewisse "Fördergelder" übrig bleiben.

Auf der Pressekonferenz beklagt man so, dass es bereits Kontakte mit einschlägigen Investoren gegeben hätte, auch mit hiesigen Politikern, um größere Investitionen in Barlovento zu tätigen, bis hin zum Ankauf des bekannten Hotel Romantica, um dann in der Umgebung einen großen Immobilienpark anzulegen. - Man munkelt etwas von russischen und sogar marokkanischen Investoren, aber man munkelt eben nur, klare Tatsachen gibt es da nicht, oder die Umweltschützer rücken damit noch nicht heraus, um nicht zu viel zu verraten. - Ein weiterer Kritikpunkt ist die Gewichtung des touristischen Sondernutzungsplans "PTE", der über dem noch zu entwickelndem Gesamtordnungsplan der Insel steht, dem "PIOLP". - Da braucht man nicht zu munkeln und vermuten, natürlich ist es ein Fehler, den großen Gesamtplan erst dann zu entwickeln wenn die lokalen Flächennutzungspläne durch sind und eben dieser Sondernutzungsplan, der sehr auffällig Großprojekte zulässt, die nicht wirklich den Gegebenheiten und einem nachhaltigen Wachstum im Tourismussektor der Insel La Palma dienlich sind. - Die Umweltschutzorganisationen verstehen ihre Pressekonferenz deshalb auch als Warnung an alle zweifelhaften Investoren und zu eifrige Lokalpolitiker, man wird ihnen auf die Finger sehen und keine Scheu haben, da auch mit ganz großen Geschützen der Antikorruptionsbehörde gegen fragwürdige Vorhaben anzugehen. - Ob diese Warnung bei den betroffenen Damen und Herren ankommt, das darf man ruhig bezweifeln, denn das große und dunkle Geld kennt eigentlich keine Angst, sondern nur Arroganz, aber man darf keine Zweifel haben, dass es unter unseren Umweltschützern auch harte Nüsse gibt, die vor keiner Auseinandersetzung zurückweichen.



Samstag 19.04.08 - 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 19 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 68% Luftdruck 1014 hPa
Höchsttemperatur heute 21,4 Grad - niedrigste Temperatur 12,2 Grad

Die Tendenz zum Zweitbuch ist ungebrochen

Es soll Familien hier geben, die haben im Haushalt mehr Autos als Bücher. - Diesen Trend zu brechen, auch dazu lädt man jedes Jahr ein, den "Día de los Libros" zu feiern, um so den Menschen das geduldige Medium Buch näher zu bringen. Der 23. April ist der Internationale Tag des Buches, da zeigt sich auch auf La Palma, dass es den digitalen Medien und Möglichkeiten noch nicht komplett geglückt ist, das Buch an sich zu verdrängen. - Es gibt sie weiterhin, diese Anhänger des gedruckten Wortes, zusammengefasst und eingebunden, aus Papier, Pappe, Karton und vielleicht sogar noch Schweinsleder. - Ich habe mich früher immer gefragt, ob es denn statthaft wäre, einem Vegetarier eine Luxusausgabe des Brockhaus in Schweinsleder zu schenken und bin zu dem Schluss gekommen, dass ich wahrscheinlich der einzige Mensch bin, der auf solche tiefgründigen Fragen kommt. - Das mit dem Brockhaus hat sich ja mittlerweile fast schon erledigt, wer schlägt schon noch in diesen dicken Wälzer nach, wenn er wissen will, was der Unterschied zwischen Endemie und Autochthonie ist, da haut man flugs in die Tasten und lässt sich von Googlepedia davon überzeugen, dass es nicht wirklich wichtig ist, so etwas zu wissen. - So muss man Bücher auch nicht unbedingt mit einem Bildungsauftrag verknüpfen, es kann einfach Spaß machen ein Buch zu lesen und wenn man bei der Lektüre materiell etwas in der Hand hält, dann gibt das wirklich noch einen anderen Bezug zur Lektüre und kann schon durchaus mal als sinnlich bezeichnet werden. - Wie anders soll man auch über Bücher denken, wenn man eine Ex-Buchhändlerin zur Frau hat und über die Bücher zu der Frau gekommen ist. - Das Schlimme allerdings an Ex-Buchhändlerinnen ist, die wollen keine Bücher mehr verkaufen, sondern lesen die allesamt und geben sie auch nicht mehr her, so schönen wir in unserem Haushalt die Auto/Buchstatistik dieser Insel mit einem ungefähren Verhältnis von 1 zu 7.000, wobei ich die Zahl der Autos konkret nachgeprüft habe.

Ich schweife ab, das passiert mir immer wieder, wenn ich darüber nachdenke, dass unser Haushalt bei Herrn Amazon schon einen eigenen Sachbearbeiter hat und Roberto, der Briefträger, die Sendungen schon gar nicht mehr zu uns ins Haus bringt sondern immer abwartet bis ich mittags meine Kinder von der Schule abhole, um dann in einem unbeobachteten Moment mir die schweren Pakete einfach ins Auto legt. - Dass ich nicht abschließe, hat sich halt inzwischen herumgesprochen, das kommt aus meiner Anfangszeit hier auf La Palma, wo mich die Nachbarn immer angepflaumt haben wenn ich mal abgeschlossen hatte, dann könnten sie mir ja, wenn ich nicht da bin, keine Eier, keinen Salat und keinen Kuchen mehr ins Haus legen. - Vor das Haus legen geht nicht, da könnte der Nachbar die Eier ja mopsen und ich habe meinen Nachbarn nie verraten, dass der andere Nachbar mir ja den Salat bringt und ein weiterer den Kuchen. - Heute kann ich mir den Kram selber kaufen, die Marktwirtschaft fand doch noch einen Platz für mich, allerdings habe ich die Lehre nicht vergessen, man muss sich auch mal helfen lassen, sonst kann einem keiner mehr helfen. - Über den "Día de los Libros" wollte ich schreiben und dass es viele Aktivitäten dafür in den nächsten Tagen in der Hauptstadt und Los Llanos gibt, aber ich habe mich wieder mal verlaufen. - Also hier noch der Bildungsauftrag: Fernando Delgado und Alberto Vázquez Figueroa kommen in die Hauptstadt und signieren am Mittwoch, Donnerstag und Freitag ihre Werke ab 18:00 Uhr in der Calle Real. - Marina Mayoral ist am Mittwoch in Los Llanos und setzt ihre geneigte Unterschrift um 19:00 Uhr in Bücher aus ihrer Feder, wobei ich mich immer wieder frage, ob es denn ein Sakrileg sei, wenn man auch fremde Bücher signiert. - Man spürt schon, dass ich wieder nicht den notwendigen Ernst aufbringen will an einem Samstagabend. - Auch für unilaterale Leser der deutschen Sprache gibt es einen Bonus für den Tag des Buches, wird die "BILA", die deutschsprachige Bibliothek aus dem fernen Puntallana vom 21. - 24. April mit einem Stand auf der Calle Real in der Hauptstadt vertreten sein. Auch der Westen der Insel bekommt sein Stück Buch auf Deutsch, Andreas Greve, Autor und Bibliothekar der "BILA" in Puntallana, reist den langen Weg extra von dort an, um am 22.4. um 18:30 Uhr in der Casa de La Cultura von Los Llanos aus seinem Buch "In 80 Tagen rund um Deutschland" zu lesen.



Samstag 19.04.08 - 10:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 14 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 79% Luftdruck 1014 hPa

Über Geld spricht man nicht, das gibt man aus

Unser Hauptstadt Santa Cruz de La Palma hat keinen Strand. - Zumindest nicht in deren Stadtgebiet, denn geht man ein bisschen in Richtung Süden, dann tut sich die "Playa de Bajamar" auf, die aber eben in das Gemeindegebiet von Breña Alta gehört, obwohl sie so nah an der Hauptstadt liegt. - Deshalb, und weil das Geld wohl einfach da ist, will sich Santa Cruz nun einen alten Traum erfüllen, und plant direkt vor der gesamten Küstenfront einen künstlich angelegten Strand. - Eigentlich sogar drei Strände, denn Molen sollen verhindern, dass sich das Meer den Sand wieder holt, den man da dann per LKW aufschütten will. - Man muss sich das mal vorstellen, anstatt des gruseligen Parkplatzes, der mit Bauschutt und Erde aufgeschüttet dem Meer ein paar Quadratmeter abgerungen hat, vor der kompletten Küstenlinie der Hauptstadt ein langer Strand und dahinter die prächtigen Fassaden in der ersten Reihe, wahrhaft ein Traumbild. - 15 bis 20 Jahre sind nun vergangen, als man zum ersten Mal diese wunderbare Vorstellung hatte, damals noch eher als schwärmerische Vision, heute nun soll es Realität werden, mit Geld und technischem Hochvertrauen baut man Wasserspielplätze in die Wüste, Eisstadien in Abu Dhabi und Strände dort, wo der Atlantik eigentlich anderes vorgesehen hat.

75 Millionen Euro sind dafür veranschlagt und wenn das Projekt funktioniert und zu finanzieren ist, dann ändert das für de Hauptstadt alle bisherigen Vorstellungen überhaupt. - In der Tat wäre diese Strandlandschaft ein gewerblicher Magnet und würde auch auf dem touristischen Sektor einiges verändern, wobei man da insbesondere an den nationalen Besucherstrom denken kann, der gerne Strand und die Bequemlichkeit einer nahen "Zivilisation" kombinieren will. - 2,5 laufende Kilometer Strand, da wo bisher nie einer war, das ist wirklich visionär und den Naturschützern kräuselt sich bei dem Gedanken nachhaltig die Stirn. - Früher habe ich mich immer gefragt, ob das denn überhaupt geht, rein technisch gesehen und ob der Atlantik nicht andere Vorstellungen von diesem Stück Küste hat und sich vielleicht nicht so einfach zähmen und verbiegen lässt, wie man das auf geduldigem Millimeterpapier so vortrefflich machen kann. - Man kann es sich eigentlich nicht vorstellen, dass das gehen soll, beobachtet man mal die Kraft der Wellen, die an die jetzige Befestigungsmauer der Uferstraße knallen, aber das mit der Mondlandung, das haben wir einfache Köpfe uns ja auch nicht ausmalen können. - Der Hauptstadt sei ihr Strand gegönnt, ganz ohne Frage, auch 2,5 Kilometer Strand, und Tazacorte eine Hafenmole, die fast bis nach San Borondón reicht, Mazo ein Flughafen der größer ist als der auf Tenerife, Los Llanos ein Industriegebiet von Las Manchas bis Todoque und auf alle Fälle 5 Golfplätze, denn Bescheidenheit, das ist der einzig wahre Luxus, den wir uns wohl nicht mehr leisten können. - Vielleicht auch nicht mehr leisten wollen, zumindest lautet so das aktuelle Credo von Fortschritt und Progression, denn Babylon ist uns längst näher als der demütige Blick auf das, was uns da die Natur ganz umsonst an wunderbarer Insel aus dem Atlantik gezaubert hat. - Babylon, nicht Sodom und Gomorrha, wir wollen doch nicht gleich wieder übertreiben…



Freitag 18.04.08 - 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad, Niederschlag 0,5 mm Luftfeuchte 90 % Luftdruck 1012 hPa
Höchsttemperatur heute 18,4 Grad - niedrigste Temperatur 14,0 Grad

Puerto de Espíndola wird ausgebaut

Der Puerto de Espíndola liegt in der Gemeinde San Andrés y Sauces und ist der einzige Hafen der Nordostseite der Insel. - Manch ein Inselgast kennt diesen kleinen Hafen nur von einem Spaziergang an den Naturschwimmbecken "Charco Azul", die sich in unmittelbarer Nähe befinden. - Puerto de Espíndola ist einer der ältesten Häfen La Palmas, brachte es aber an Bedeutung nie wirklich über einen kleinen Fischerhafen hinaus, zu sehr ist man auf die Launen des Atlantik angewiesen, Grundseen aus Nordost bringen das Treiben in der kleinen Einrichtung regelmäßig zum Erliegen. - Nun kommt Geld aus Madrid, genauer gesagt von der Küstenbehörde und damit will man jetzt die Hafenmole verlängern und einen unterseeischen Wellenbrecher einbringen, der die Abhängigkeit vom ruhigen Seegang lindern soll. - 4,2 Millionen Euro stellt Madrid dafür zur Verfügung und nun fehlt lediglich noch die Unterzeichnung des Vertrages mit der Baufirma FCC Construcciones, welche die Ausschreibung für sich entscheiden konnte.

Die Bauarbeiten sollen dann bereits Ende nächsten Jahres abgeschlossen sein, so zumindest hofft man das, ist aber eher unwahrscheinlich. - Eigentlich bei allen öffentlichen Bauaufträgen gibt es vielleicht nach der Hälfte der ausgeführten Arbeiten eine Reflexionszeit, in der Firma dann mit Schreck feststellt, dass die angesagte Summe an Geldern nicht ausreicht, die Arbeit zu beenden. - Dann muss ein Nachschlag vereinbart werden und das kann, je nach Finanz- und Willenslage des öffentlichen Auftraggebers schon mal zu längeren Verzögerungen führen. - Da aber der Zahlmeister in diesem Fall die Zentralregierung in Madrid ist, kann man sicher mit einem Nachschlag rechnen, sind die Gemeinden selbst die Auftraggeber, dann kann das schon mal in die Hose gehen. - Man darf da zweierlei Überlegungen ansetzen. - Einmal muss die Firma ja die öffentliche Ausschreibung gewinnen und da werden dann sehr knapp kalkulierte Angebote gemacht, die eigentlich nicht realistisch sind. - Oder aber die Firma ist des ernsthaften Pokers mächtig und holt sich einfach einen Extra-Aufschlag, weil man gut, besser, oder gleich viel verdienen kann. - Meist erklärt man das dann mit gestiegenen Personal- und Materialkosten, oder mit aufgetretenen Änderungen während der Bauphase, die im ursprünglichen Kostenvoranschlag nicht ermittelt werden konnten. - Muss alles nicht sein, ich möchte aber fast wetten, dass nächstes Jahr um diese Zeit hier ein Bericht über die ersten Verzögerungen beim Hafenausbau von Puerto de Espíndola zu lesen sein wird.


Puerto de Espíndola im Nordosten La Palmas



Freitag 18.04.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 14 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 78 % Luftdruck 1013 hPa

Markttag

Nichts ist schöner, als durch üppige Markthallen zu laufen, sich dem Geruch und der Farbenpracht lokaler Spezialitäten hinzugeben und dazu auch noch die Geräusche einer südlichen Begegnungsstätte zu vernehmen. - Das geht auf La Palma am schönsten in Los Llanos, da stimmt die Harmonie der Farben und Gerüche in der Markthalle und auch das Angebot kann sich wirklich sehen lassen, dort übertönen die fordernden Rufe der Händler noch das öde Piepen der Scanner-Kassen. - Auch in Santa Cruz, der Hauptstadt, gibt es einen Wochenmarkt, allerdings hat man den in den letzten Jahren so auf modern getrimmt, dass genau diese, für einen südlichen Markt geforderte Harmonie deutlich gestört ist. - Eine solche Markthalle muss wachsen und kann wohl schlecht am Reißbrett vorgedacht werden. - Natürlich kann man das alles planen, Wege berechnen, Stände optimal platzieren und dennoch hält zuviel Akkuratesse solch einen Platz der Begegnung steril und macht dann einen Markt austauschbar mit Sonderflächen im Supermarkt. - Üppig bis zum Überschwang muss das sein, frech bunt, nicht geordnet oder gar nach Farbenlehren sortiert und immer ein kleines bisschen verrucht, mit dem Drang zum Feilschen und fast lästerlich lautem Gezeter der Händler, und um Gottes Willen dürfen dort keine Latexhandschuhe ausliegen, mit denen man die Früchte der Erde dann betasten soll. - Ein Markt muss prall sein, sinnlich und damit eben alle Sinne bedienen, dann funktioniert das auch und für die Händler soll es sich ja auch lohnen, sich "zu Markte zu tragen" - Geh doch nach Damaskus könnte man mir jetzt zurufen, da ist das sicher noch so, wir wollen hier moderne und hygienisch einwandfreie Marktverkaufsstände, die keinerlei Grund für irgendwelche Beanstandungen geben, also ein mit Verkäufern bestücktes Supermarktregal. - Wollen wir das wirklich?

Was wir wollen, das weiß ich nicht, denn wir sind ja mindestens schon zwei, aber in den paar Jahren meiner Beobachtungspraxis meine ich erkannt zu haben, was denn funktioniert oder nicht. - El Paso strebt ja seit Jahren zu neuem Selbstbewusstsein und bietet, im wohligen Speckgürtel der Metropole Los Llanos, ein wachsendes Angebot an Läden und Lokalitäten an, das deutlich auf Zuzug ausgerichtet ist, für die paar Leute die im Ort selbst wohnen, ist das Angebot viel zu groß. - So ist El Paso fast schon eine Einkaufsstadt geworden und nun steht der große Sprung an, auch wir wollen eine Markthalle haben und sie diesen Sommer bereits eröffnen. - Im Untergeschoss des etwas deplaziert wirkenden Gebäude mit der Touristikinformation, (deplaziert, weil es einfach nicht gelingen will, diesem Bauwerk echtes Leben einzuhauchen) steht diese Markthalle und nun ruft man die Bauern und Händler der Region auf, sich im Rathaus zu melden, um den Markt auch zu bestücken. - Zunächst will man sich auf zwei Wochentage beschränken, mehr traut man sich anfangs nicht zu, Ziel aber ist die Installation eines echten Wochenmarktes, auf dem nur Waren, Lebensmittel sowie Kunsthandwerk aus heimischer Produktion angeboten werden. - Das kann klappen, auch wenn der Markteingang ziemlich versteckt gegenüber dem Recinto Ferial liegt, auf La Palma funktioniert neben Los Llanos alles was einen Parkplatz hat und ehrlich genug ist, die ersten drei Monate zu überstehen. - Nun kann man nur hoffen, dass unsere lokalen Produzenten noch Ware und Lust übrig haben, sich dem Publikum öffentlich zu stellen und der Gemeinde sei angeraten, da nicht zu große Forderungen an die Händler zu stellen, sonst melden sich zu wenige. - Mit großer Spannung erwarten wir den Wochenmarkt in El Paso, nur muss er bunt sein, prall und üppig, sonst kann man das Gemüse auch abgepackt in Supermarkt kaufen.


Markthalle in Los Llanos



Donnerstag 17.04.08 - 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 22 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 65 % Luftdruck 1017 hPa
Höchsttemperatur heute 22,3 Grad - niedrigste Temperatur 15,6 Grad

Warenkorb

Ich liebe Statistiken, wirklich. - Wenn wieder mal nichts passiert ist auf unserer beruhigend langweiligen Insel, dann kann man sich in diesen Zahlenreihen sudeln, in Trends surfen, um eigentlich letztendlich festzustellen, dass mich der ganze Kram überhaupt nicht betrifft. - Es geht mal wieder um die Preise auf den verschiedenen Kanareninseln und welch Wunder, wie immer sind Konsumwaren auf Gran Canaria am billigsten und auf La Gomera am teuersten. - Das war schon immer so und nur die Testeinkäufer wissen, in welchem Laden sie denn die Vergleichsprodukte kaufen, damit dieses Ergebnis immer wieder bestätigt wird. - Es ist ja sicher nicht so, dass die Tester ein persönliches Interesse daran hätten, eine Insel teurer zu taxieren als die andere, aber man fragt sich auf die Dauer schon, wo das herkommt, dass ausgerechnet La Palma als deutlich billiger eingestuft wird, und das mit häufiger Wiederholung, obwohl wir hier doch auf der Insel die selben Voraussetzungen haben, wie die anderen "nichtkapitalinen" Inseln auch. - Damit meine ich natürlich das Fehlen harter Konkurrenz und das leidige Thema der "doppelten Insellage", welches alle Transporte auf diese Insel stark verteuert, da alle Waren immer erst auf einer der beiden Hauptinseln ausgeladen und dann neu verteilt werden. - In den Preisermittlungsverfahren wird ein kanarischer Durchschnitt ermittelt, um von dieser imaginären Linie aus dann die Differenzen auszudrücken. - So bleiben die beiden großen Inseln beide an die 5 Prozentpunkte unter dem Durchschnitt und La Palma, also unsere heiß geliebte Heimat, als einzige weitere Insel auch noch unter dem mittleren Preisniveau, aber nur noch knapp über 3 Prozent.

Die vier anderen Inseln stehen so über der festgestellten "Mitte". - El Hierro ist noch 2% über dem Schnitt, Lanzarote 2,9%, und Fuerteventura und La Gomera nach dieser Rechnung deutlich teurer, mit 4,3 und 4,7 Prozentpunkten über de Durchschnittspreise aller Kanareninseln. - Eine mögliche Erklärung könnte sein, dass bei uns auf La Palma die Versorgung mit lokalen Produkten, so fatal sie eigentlich in Wirklichkeit ist, immer noch besser funktioniert als auf den anderen "Nebeninseln" und wir gerade auf dem Sektor Frischobst, Gemüse und Fleisch, den Schnitt so weit senken können, um auf die positive Seite der Preisskala zu rutschen. - Allerdings sind solche Zahlen ja immer nur bedingt subjektiv anwendbar, denn wer kauft schon die Waren ein, die im "offiziellen Warenkorb" der statistischen Untersuchungen stecken. - So fordere ich ja immer noch detailliertere Untersuchungen, welche dem tatsächlichen Bedarf der entsprechenden Käuferschichten näher kommt. - So müsste es einen "Asketenkorb" geben, das sind die Leute die nur Billigkram kaufen und Dosenbier aus Holland trinken, einen "Familienkorb" mit Untergruppen prelaktant, prepubertär, pubertär und postmortem, einen "Bacchuskorb" für Rotnasen und einen "Singlekorb" für den ungebundenen Zeitgenossen, der seine Zeit genießt. - Wahlweise natürlich "Homme" und "Femme", wegen der Bewertung der einzelnen Zeitungen, ob Cosmopolitan und Casa y Campo, oder Penthouse und das Sportjournal. - Bei uns zuhause gäbe es den "pubertären Familienkorb" mit felinem Einschlag und wenn meine drei Frauen im Sommer wieder weg sind, dann kommt für diesen Zeitraum nur der "Barbarenkorb" in die Wertung: Bier, Zigaretten, Speck und Katzenfutter und für´s gute Gewissen eine Packung Vitamintabletten. - Für den Kater selbstverständlich.


Das waren noch Zeiten...



Donnerstag 17.04.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 16 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 69 % Luftdruck 1018 hPa

Hundeinseln

Eigentlich war das klar, die Kanarischen Inseln sind die "Hundeinseln", abgeleitet von dem lateinischen Wort "canis", für Hund. - Spätestens seit dem man aber auch die Möglichkeit aufgeworfen hat, dass man diese Inseln vielleicht auch nach dem Berbervolk "Knr" benannte, welches diese Inseln vielleicht als erste besiedelt haben soll, ist das nicht mehr so deutlich und klar. - Auf jeden Fall gibt es hier kaum einen Haushalt ohne Hund, mindestens einen Hund, das gehört zum guten Ton, genau so wie jeder Haushalt mindestens ein Auto haben muss, oder zwei, oder drei. - Allerdings sieht man vorerst von einer Umbenennung der Inseln in "Archipiélago Automovilistico" ab, obwohl es sicherlich mehr Autos gibt als Hunde auf den Kanaren. - Genau so wie für Autos gibt es auch eine Kennzeichnungs- und Anmeldepflicht für Hunde, allerdings trägt Fiffi meist kein Nummernschild, sondern bestenfalls einen Mikrochip in der Schulter und angeleint muss er sein, sonst kann es Ärger geben. - Man lässt ja schließlich auch kein Auto allein auf die Straße, zumindest noch nicht, meist sitzt jemand im Wagen der glaubt, dieses Gefährt beherrschen zu können, um so seiner Umgebung den geringsten Schaden wie möglich zuzufügen. - So scheint alles geregelt und in bester bürokratischer Hand, gäbe es da nicht dieses kleine Problem, dass wohl nur der eigene Hund nicht stört, nie bellt, keine Exkremente auf der Straße hinterlässt und natürlich auch nie beißt, sondern immer nur spielen will.

Gut, das könnte man, laut Werbung auch einem Landrover nachsagen, aber bislang ist wohl noch niemand darauf gekommen, einen Autofahrer anzuzeigen, weil man sich von seinem Auto gestört fühlt, denn das stinkt auch, bellt zwar nicht, aber macht Krach und will ganz sicher nicht spielen. - Natürlich ist der Vergleich weit hergeholt, so wie jeder Vergleich, aber in der kleinen Stadt Tazacorte schreitet man nun behördlich gegen die frei laufenden Hunde ein, oder droht das zumindest heftig an. - Es könne nicht angehen, dass Hunde nicht registriert seien, frei herumlaufen, obwohl es doch einen Leinenzwang gäbe und schon gar nicht, dass Fiffi und Ajax auch noch Kot auf den Wegen der Stadt hinterlassen und kein Herrchen weit und breit, welches man denn für diese Hinterlassenschaften zur Verantwortung ziehen könnte. - So schlimm muss das in Tazacorte sein, dass man nun auf die knallharte Wirkung von öffentlichen Aushängen setzt und man jeden Hundehalter dazu auffordert, der Meldepflicht nachzukommen, seinen Hund anzuleinen und nie ohne Tüte aus dem Haus zu gehen, wenn man mit dem Schnuckelchen eine Runde dreht. - Die Tüte ist übrigens nicht für einen Spontaneinkauf gedacht, wie man vielleicht glauben könnte, sondern sollte möglichst eng über den Auspuff des Autos gezogen werden, damit keine Verunreinigungen mehr auf die Straße gelangen kann. - Der vorletzte aufmerksame Leser hat nun sicher bemerkt, dass ich da etwas verwechselt haben könnte, aber da bin ich mir inzwischen gar nicht mehr so sicher. - Die Stadtpolizei von Tazacorte ist nun angewiesen, exemplarisch gegen frei laufende Autos disziplinarische Maßnahmen durchzusetzen. - Ohne Leine geht gar nichts mehr in Tazacorte, und wer die Exkremente seines Fahrzeuges nicht sofort wieder entfernt, dem droht ein Bußgeld und muss damit rechnen, dass sein Auto in das, noch nicht vorhandene Autoheim eingewiesen wird. - Übrigens ist das mit dem Leinenzwang ernst und scheint auch sinnvoll, da gibt es Autohalter, die würde auch ich nicht ohne Leine auf die Straße lassen.


Am



Mittwoch 16.04.08 - 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 18 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 76 % Luftdruck 1019 hPa
Höchsttemperatur heute 20,4 Grad - niedrigste Temperatur 15,0 Grad

Kleiner Ausflug in die Welt der Autochthonie

Schweres Wort mit ziemlich bindendem Charakter und eigentlich fast immer falsch benutzt. - Die Begriffe "endemismo" und "autóctono" sind allerdings hier in fast allen Mündern und stehen immer für Hiesiges, Bodenständiges, nur hier Vorkommendes, seien es nun Pflanzen, Tiere, Gebräuche und gar Menschen. - Dabei verschwimmt der Unterschied zwischen endemisch und autochthon schnell, wobei der Begriff autochthon auch fast schon philosophische Deutungsweisen zulässt: (Was ist schon von dieser Welt?!) - Ich hoffe, ich mache hier nun keinen Fehler, den Unterschied zwischen endemisch und autochthon nicht zu erklären. - Es würde sonst wohl keiner mehr weiterlesen… Es geht ja auch um Sport, Spiel und Spannung, eben um die "Muestra de Juegos y Deportes Autóctonos y Tradicionales Canarios", die am Freitagvormittag, den 18. April in Puntagorda stattfindet. - Genauer gesagt am Sportplatz "El Fayal", der ein Stückchen nördlich des Ortskerns liegt, ganz nah beim "Mercadillo". Da gibt es so einiges an hiesigen Sport- und Wettkämpfen zu sehen, die größtenteils von Schülern vorgeführt werden. - Am bekanntesten dieser Sportarten ist wohl die "Lucha Canaria", der kanarischen Ringkampf, in dem sich mächtige Leiber gegenüberstehen, an die kurze Hose packen und dann in den Sand zu werfen versuchen. - Das ist eine sehr lebendige Sportart mit Ligen und regelmäßigen Meisterschaften auf allen Inseln. - Dann ist auch noch sehr verbreitet, der "Salto de Pastor", in dem man sich an, bis drei Meter langen Holzstöcken von steilen Hängen hinab lässt oder andere Hindernisse überquert. - Andere traditionelle Sportarten sind deutlicher vom Aussterben bedroht, manche finden nur noch im Rahmen nostalgischer Vorführungen statt. Steine heben gehört auch dazu, genauso wie das Stemmen eines Ackerpfluges, das sind Aktivitäten, die heute niemand mehr ernsthaft betreibt. Eine Art Boccia gibt es auch, "Bola Canaria" genannt, aber so etwas gibt es überall auf der Welt. Ganz interessant sind zwei Fechtarten mit Holzstäben, "Lucha del Garrote" und "Juego del Palo". Erstere Fechtart wird mit den langen Lanzen ausgeübt, die zum Ausrüstungsstandart der Ureinwohner gehörten und mit denen heute noch der "Salto del Pastor" ausgeübt wird. "Juego del Palo" wird mit einem deutlich kürzeren Stock betrieben und geht wohl noch am ehesten als Stockfechten durch.

Eine Sportart die mich am allermeisten begeistert hat und vielleicht wirklich autochthon ist und nicht nur endemisch, ist der "Riego de Calabazo", das dürfte als Sportart auf der Welt auch ziemlich einmalig sein. - Wo bitte auf der Welt gibt es einen Wettkampf, der als Hintergrund den Wasserdiebstahl kennt, das kann nur von hier sein… Es handelt sich dabei um das wettkampfmäßige Gießen von Grundstücken mittels eines ausgehöhlten Kürbisses, der an einer langen Stange befestigt ist. Ich will Sie nicht auf den Arm nehmen, das gibt es wirklich und wer es nicht glaubt, der soll in Argual mal seine Augen offen halten, dort steht sogar ein Denkmal für die wackeren Betreiber dieser, mindestens endemischen Sportart. Die Herkunft ist auch wieder eine eigene Geschichte unserer schrulligen Insel. Im Aridanetal gab es auch vor den Bananen bereits große Plantagen, meist mit Zuckerrohr. Diese Plantagen gehörten einigen reichen Familien und die Arbeiter wohnten mitten in den Pflanzungen und durften dort auch zum Eigenverbrauch auf dem Land Gemüse pflanzen. Um dieses Recht nicht ausufern zu lassen, durften die Bauern das Wasser nicht aus den Bewässerungskanälen leiten, sondern mussten dieses mit Hilfe des besagten Kürbis bewerkstelligen. So war die Anbaufläche ganz einfach dadurch beschränkt, dass nur ganz starke Arme in der Lage waren, viel Wasser in den eigenen Garten zu leiten. Da diese arme Landbevölkerung wenig Kurzweil hatte, machten die Bauern dieses Wasserschaufeln zum Wettkampf, in dem nicht nur der Sieger etwas davon hatte, auch der Verlierer hatte seinen Garten gegossen, wenn auch weniger ehrenhaft. Was die Bauern machten, wenn kein Plantagenbesitzer gerade seine Aufseher in der Gegend hatte, oder des Nachts oder zwischendrin, das ist eine andere Geschichte.





Mittwoch 16.04.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 15 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 78 % Luftdruck 1016 hPa

Privater Entsorger soll öffentliche Probleme lösen

Wohin mit den alten Autos? - Dieses, wirklich wenig weltbewegende Thema, wiederholt sich hier auf La Palma mit einer unangenehmen Penetranz. - Im Weltbiosphärenreservat wissen wir seit Ende des letzten Jahres nun gar nicht mehr, wohin mit unseren Schrottautos, nachdem man festgestellt hat, oder besser nachdem gerichtlich festgestellt wurde, dass wir da, wo wir bislang unsere Autos hingeworfen haben, das überhaupt nicht tun durften. - Wohlmöglich schon seit Jahren nicht tun durften, aber es war die einzige Möglichkeit, sein altes Auto loszuwerden, ohne Probleme damit zu bekommen. - Dazwischen gab es immer mal, vom Rathaus Los Llanos organisierte Hau-Ruck Aktionen, in denen man die am Callejon de La Gata angefallenen Schrottreste einfach in handliche Päckchen pressen ließ und per Schiff aufs Festland brachte. - Allerdings waren diese, aus der Not entstandenen Maßnahmen wohl auch nicht in allen Aspekten korrekt, die Fahrzeuge hätten vorher komplett "ausgeweidet" werden müssen, und das in einer dafür zugelassenen Anlage. - Diese Anlage gibt es bislang nicht auf La Palma und so gehen wir einfach mal davon aus, dass man vorher bereits in Autowerkstätten den Fahrzeugen seinen "Lebenssaft" entzogen hat. - Nicht, weil ich das weiß, sondern einfach, weil ich das Gegenteil auch nicht nennen kann.

Inzwischen schätzt man, dass weit über 1.000 Schrottautos auf dieser Insel ihrer korrekten Entsorgung harren und täglich neue hinzukommen. - Allerdings behauptet nun die Inselregierung, sie sei nicht dafür zuständig und das kann formaljuristisch sogar so sein, aber natürlich ist unser oberstes Inselgremium für alle Probleme dieser Insel zuständig und kann sich da nicht davonstehlen. Allein zum Verteilen der Subventionen braucht man so ein Cabildo Insular nicht, sondern dazu, dass es die täglichen Probleme der Bewohner angeht und löst. - Nun kommt wohl von privater Seite Hilfe, eine Firma in Mirca bietet sich an die Fahrzeuge ordnungsgemäß zu entsaften und auch zu verschrotten um sie dann, gesammelt nach Tenerife zu schicken. - Wenn das so klappt, dann ist das ja wunderbar, man müsste jetzt nur noch wissen wie das gehen soll, ob nun alle Halter von Schrottautos ihr Fahrzeug nach Mirca schleppen müssen und überhaupt, was das kostet, seinen schrottigen Karren dort los zu werden. - Denn eines ist klar, wenn die öffentliche Hand sich schon vornehm zurückzieht, um sich nicht an Schrottautos zu bekleckern, dann muss für die Privaten, die da einspringen, ein Geschäft daraus entstehen, die machen das nicht aus reiner Liebe am Schrott. - Auch wenn der Preis für Metallschrotte unheimlich hoch ist, ich kann mir schlecht vorstellen, dass sich das lohnt, wenn man bedenkt, dass man den Kram noch runter von der Insel schaffen muss und der nächste Hochofen ganz im Norden der Spanischen Halbinsel liegt.




So lange müssen wir hier unsere Autos fahren, weil wir einfach nicht wissen, wo wir diese entsorgen können...



Dienstag 15.04.08 - 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 64 % Luftdruck 1015 hPa
Höchsttemperatur heute 20,8 Grad - niedrigste Temperatur 12,5 Grad

Madrid ist eine große Stadt…

Die Kinderreise ist heute zu Ende gegangen, Otto, Beatrice und Arsenio haben uns die 24 Mädels und Jungs heil und in einem Stück wiedergebracht, dafür sei den dreien elterlicher Dank zuhauf gegönnt. - Was man allerdings ändern sollte an Madrid, das muss wohl das kulinarische Angebot sein, denn da gab es so ziemlich die einzigen Kritiken. - Wie Eltern halt so sind, und wenn die Kinder auf der anderen Seite der Erde wohnen und schon 21 Monate nicht da sind, man fragt trotzdem: "Was hast du gegessen und hat es dir geschmeckt?" und das jeden Tag erneut. - Ich habe mich oft gewundert, dass man als "Elter" so wird, und weiß heute noch nicht, ob das jeder in sich trägt und dieser Blödsinn bei der Geburt des ersten Kindes aus der Großhirnrinde geschossen kommt, oder ob das gesellschaftlich anerzogen ist. - So war das einig gemeinsam gelobte Mahl, auf dem Rückflug die Hamburger von McDonald's am Madrider Flughafen, weil die Lehrer noch Taschengeld übrig hatten und man den Kindern noch was gönnen wollte. - Ich schäme mich öffentlich dafür, da sind elf Jahre Rohkost, Tournedos Rossini, hausgemachte Pizza und stundenlanges gemeinschaftliches Gemüseschnippeln um Ratatatatoulli zu kochen spurlos an unserem Kind vorbeigegangen, die mag Hamburger und ich kann mir nun das Gejammer anhören, wenn wir wieder zu Kiko gehen, um Fisch und Kaninchen zu essen. - Sicher lag es aber an dem ungenügenden Menü welches die Kinder in so einer großen Stadt wie Madrid angeboten bekamen, wenn die dort am liebsten Hamburger essen, dann kann es mit der kastilischen Küche nicht weit her sein…

Was die Kinder nun am meisten beeindruckt hat, das lässt sich noch nicht so genau sagen, allerdings war für alle Fußballfans wohl der Besuch im Bernabeu-Stadion wohl der Höhepunkt und man hatte sogar die große Ehre, von Alfredo di Stefano durch das Stadion geführt zu werden. - Was, Sie kennen Alfredo di Stefano nicht? - Kannte ich bis gestern auch nicht, weil ich von Fußball so viel Ahnung habe wie der Bohlen von gutem Benehmen, aber das war wohl mal richtig ein Superstar (der di Stefano, nicht der Bohlen) und manch ein Junge bekam davon weiche Knie. - So durften die Kinder aus El Paso sogar das heilige Spielfeld betreten, auf dem sich die heutigen Helden unserer Gesellschaft wöchentlich die Schienbeine taub treten. - Unser Kind fand den Ausflug nach Toledo am schönsten, andere wiederum werden den Warner-Park nie vergessen, mit der riesigen Achterbahn, und noch andere erzählen seit Stunden nur vom Go-Kart-Rennen oder von der "Snowzone", wo man auf echtem Schnee und mitten in der Stadt einen künstlichen Hügel heruntergleiten konnte. - Wie dem auch sei, wenn jeder etwas anderes für den Höhepunkt gehalten hat, dann war auch für jeden was dabei und darauf kommt es doch schließlich an. - Für die Eltern, diese unbarmherzige, egoistische und kleinkarierte Rasse, war das Aufregendste, die Jungs und Mädeln heute wieder vom Flughafen abzuholen. - Kein unzufriedenes Gesicht war dabei, bei den Kindern genau so wenig, wie bei den Eltern. - Ende gut, alles gut, El Paso hat sie wieder und drei Wochen munteres Schnattermaterial, welches sich die anderen, zuhause gebliebenen Kinder nun tagein, tagaus anhören müssen. - In diesem Sinne darf ich noch mal allen Spendern, die diese Reise erst möglich gemacht haben, dafür danken! - Mehr Photos von dem Ausflug gibt es in ein paar Tagen.


Schülerreise nach Madrid im April 2008


Schülerreise nach Madrid im April 2008



Dienstag 15.04.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 13 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 73 % Luftdruck 1014 hPa

Straßenbau rettet die Volkswirtschaft

Vielleicht könnte man das bereits als "Spanische Krankheit" betiteln, die brutale Abhängigkeit unserer Volkswirtschaft vom Bausektor. - Sei es nun Hoch- oder Tiefbau, ein großer Teil des spanischen Wirtschaftsaufschwungs in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts und den ersten Jahren dieses Jahrtausends basiert auf einer sehr offensiven Strategie der Förderung von neuen Infrastrukturen jeglicher Art. - Das kann der Straßenbau sein, der private Wohnungsmarkt, aber auch die Erstellung von Sozialbauten, bis hin zu freizügigen Genehmigungsverfahren beim Bau von Anlagen der touristischen Industrie und deren Auswüchse, die da Freizeitparks heißen, Sporthäfen oder die Landschaft fressenden Golfplätze. - Man muss allerdings nicht mal Wirtschaftsweiser sein, um baldige Sättigung vorauszusagen, wenn man sich mal die Mittelmeerküste ansieht, dann weiß man schnell, da ist eigentlich schon klein Platz mehr, um noch irgendwie die "Kiste am Dampfen" zu halten. - Immerhin entwickelte sich in den letzten 10 Jahren auch so etwas wie ein öffentliches Gewissen und zunehmende Bevölkerungsschichten klagen den horrenden Wildwuchs aller Orten scharf an. - Man entdeckte auch eine flott funktionierende "Bau-Mafia" in welche Planer wie Geldgeber unisono miteinander verstrickt waren, ganze Stadtverwaltungen mussten gehen und die Anwälte der Antikorruptionsabteilung der spanischen Justiz fahren Sonderschichten. - Allerdings nicht überall und immer, das geht unter den flotten Meldungen, wer denn nun gerade in Marbella im Knast sitzt, gerne unter.

Was da nun an Infrastrukturmaßnahmen sinnvoll ist und was lediglich dazu dienen soll der Branche weitere Aufträge zu bescheren, das zu entscheiden wäre eigentlich Aufgabe der Politik. - Das ist aber gar nicht so einfach, kaum zwickt es wieder an der Arbeitslosenfront, wandern Milliarden an öffentlichen Geldern in die Bauwirtschaft, um dem goldenen Kalb vom "PIB" (Producto interno Bruto), also dem Bruttoninlandsprodukt weiteres Futter zu verleihen. - Wobei noch nie jemand vom "PIB" satt geworden ist, oder es einem dadurch persönlich besser geht. - So auch jetzt, und bei über 7.000 Arbeitslosen auf La Palma wird jeder Ruf nach Innehalten und Reflektion über die wirklichen Notwendigkeiten dieser Insel und seiner Bevölkerung ganz leicht vom Drohruf einer beginnenden Rezession übertönt. - Mit dem kleinsten Hinweis auf Arbeitsplätze und einem energischen Auftreten gegen die erlahmende Volkswirtschaft, feiert man plötzlich unliebsame Infrastrukturmaßnahmen als Rettungsanker und tauscht auch gerne das Stammvokabular der politischen Heilsdebatten. - Musste man vor zwei Jahren in eine Rede, und sei sie auch nur vor dem Brieftaubenzüchterverband gehalten, immer um die Worte Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Entwicklung einbauen, so geraten diese Stichworte längst schon wieder in den Hintergrund. - Jetzt muss man seinen Text an markanten Stellen auf "unterstützende Maßnahmen gegen die wirtschaftlichen Entschleunigung" konzentrieren und schon hat man dem politischen Zeitgeist genügt. - Das Wort Entschleunigung gibt es im Spanischen übrigens wirklich und heißt hier "desaceleración" und ist keine Erfindung gewitzter Wortsportler. - So kann man nun auf La Palma auch wieder die fetten Straßenbaumaßnahmen stolz verkünden, die südliche Umfahrung der Insel und der nördliche Ring sollen geschlossen werden und zwar energisch, gerade, oft dreispurig und fürs gute Gewissen gibt es eine Fahrradspur obendrein. - Das ist kein neues Projekt, daran arbeitet man nun seit vielen Jahren, allerdings wird nun die Berichterstattung über diese Vorhaben wieder ganz anders. - Musste man vor 10 Monaten vielleicht noch rücksichtsvolle Bauweisen in Einklang mit der Landschaft vorstottern, so genügt heute ein klotziger Hinweis auf die Millionenbeträge, welche diese Maßnahmen in die gebeutelte Volkswirtschaft spülen. - So einfach geht das, so schnell und degradiert Umweltschutz und vorsichtige Planung einer nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung zu einem reinen Luxusproblem, und Luxus können wir uns im Moment nicht leisten.



Montag 14.04.08 - 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 63 % Luftdruck 1014 hPa
Höchsttemperatur heute 20,4 Grad - niedrigste Temperatur 10,9 Grad

Faconschnitt im Nationalpark

Da schickt sich eine grundsätzliche Frage voraus, wie viel Eingriff des Menschen soll in einem Nationalpark überhaupt geduldet sein. - Will man eher die Natur völlig sich selbst überlassen, wie das zum Beispiel im Nationalpark Bayrischer Wald gemacht wird, oder lässt man Pflege und Hege der Flora und Fauna zu, um den Park sicherer und stabiler zu machen. - Diese Frage müsste man den Verantwortlichen des hiesigen Nationalparks mal stellen und ob sich dahinter eine Philosophie verbirgt, oder Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen oder simple Experimentierfreude. - Unser Nationalpark "Caldera de Taburiente" bleibt auf jeden Fall nicht ohne eingreifende Maßnahmen seitens des Menschen, ob das nun gut ist oder nicht, das zu beurteilen steht mir nicht zu. - Man hat nun damit begonnen, die Kiefern im Gebiet des "Riachuleo" (das Tal auf dem Weg zum Aussichtspunkt Cumbrecita) von den unteren Ästen zu befreien, um einem eventuellen Feuer die Nahrung zu nehmen. - Kleine Bäume entfernt man, sobald der Gesamtbestand an Jungbäumen die Zahl von 400 pro Hektar überschreitet, man möchte damit eine zu große Konkurrenz unter den jungen Kiefern vermeiden. - In der Tat sind die meisten Feuer bei uns durch den Brand von vertrocknetem Unterholz motiviert, so dass man mit diesen Maßnahmen schon verhindern könnte, dass die Flammen schnell auf die Bäume übergreifen und so die Gefahr eines Großbrandes verringert wird.

Keine Frage, dass man mit gezieltem und professionellem Baumschnitt dem Wald nutzen kann und eben auch den Gedanken an den Brandschutz einarbeiten kann, aber das erinnert dann bereits wieder an die öden Staatsforste die, gepflegt und gehegt dann auf den Borkenkäfer warten, oder auf die Kettensägen um aus dem Holz auch Ertrag zu erwirtschaften. - Das ist sicherlich alles gut motiviert und niemand wird den Spezialisten dort vor Ort die Kenntnis darüber abschreiben wollen, dass sie wissen, was sie da tun, ich muss dabei aber einfach nur die Frage wiederholen, ob solche Maßnahmen mit dem Sinn eines Nationalparks vereinbar sind. - Ornithologen haben dabei einen weiteren Kritikpunkt gefunden und zwar die Wahl der Jahreszeit des Baumschnitts. - Gerade jetzt in Brutzeit und wenn man nicht die Nester gleich mitsamt der Äste entfernt, wochenlanges Kettensägegerassel im Nationalpark könnte brutwillige Vögel auch verscheuchen und eigentlich wollte man denen doch gerade im Nationalpark ein ungestörtes Plätzchen reserviert wissen. - Die Arbeiten an den Kiefern betreffen nicht das gesamte Schutzgebiet, sondern werden, vorerst nur auf den 9 Hektar vorgenommen, welche das Tal des "Riachuelo" bilden. - Der lange Sommer liegt nun noch vor uns und im Moment denkt noch niemand an die drohenden Waldbrände, aber wenn diese Methode wirklich mal ein Großfeuer verhindern kann, da fragt niemand mehr nach Sinn oder Unsinn oder gar nach einer Philosophie, ob denn der Baumfrisör im Nationalpark tätig werden soll.


El Riachuelo

Zwischen "Bejenado" (links) und "Punta de Los Roques" zieht sich das Tal "El Riachuelo" bis hinauf zur Cumbrecita.


Montag 14.04.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 12 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 42 % Luftdruck 1015 hPa

Wundersame Landvermehrung

Den alten Flughafen La Palmas, gleich unterhalb des neuen Inselkrankenhauses hat jeder schon mal überquert, der von der Ost- auf die Westseite gefahren ist. - Manch einer weiß vielleicht gar nicht mehr, dass das bis in den April 1970 der operative Flughafen der Insel war, kein Wunder, es sind ja nun bald 40 Jahre, dass dort kein Flugzeug mehr geflogen ist. - Das Gelände gehört immer noch dem Verteidigungsministerium, war doch Fliegen und Flughäfen früher in Spanien ausnahmslos unter Militärverwaltung, aber man nutzte den asphaltierten Platz lange nicht mehr und schließlich 1993 entschied man, das Gelände an die früheren Besitzer zurückzugeben. - Alles fein und gut denkt man sich, die damals enteigneten Familien erhalten ihr Land zurück und nun kann dort, in einer der besten Insellagen, endlich gebaut, oder Gewerbe angesiedelt werden. - Vorbereitet und nivelliert ist das Gelände ja bereits und auch hat man den besten Verkehrsanschluss, läuft doch die Lebensader der Insel, die Ost-West Tangente, die LP 3 direkt über die alte Landebahn. - Siebzehn Alteigentümer sind eingetragen und es war auch kein Problem diese, oder die entsprechenden Erben ausfindig zu machen, aber die Aufteilung und Rückgabe des Geländes sind dennoch bis zum heutigen Tag nicht abgeschlossen. - Sechs der siebzehn Eigentümer akzeptierten nämlich den Modus nicht, wie die Gelände aufgeteilt werden sollte, obwohl man doch eigentlich meinen sollte, jeder bekommt das zurück, was ihm seinerzeit weggenommen wurde.

Da aber beginnen die Probleme, in den Papieren, welche die Enteigneten vom Verteidigungsministerium erhalten haben, tauchen sehr viel mehr Quadratmeter auf, als am alten Flughafen überhaupt zur Verfügung stehen. - Wie und warum man seinerzeit "Astralmeter" auf die Enteignungsdokumente geschmuggelt hatte, das kann man nicht genau nachvollziehen, auf jeden Fall ist so viel Land überhaupt nicht zu verteilen, wie die Eigentümer zurückfordern. - In der Gemeinde Breña Alta machte man so den Versuch zwischen dem Verteidigungsministerium und den Grundstückseigentümern zu vermitteln und erarbeitete einen neuen Plan, auf dem man das vorhandene Land so gerecht wie möglich aufteilte. Die Mehrheit akzeptierte das, aber es bleiben eben noch sechs Eigentümer, die auf ihre Quadratmeter bestehen, die seinerzeit irgendwie auf die Enteignungsdokumente kamen. - Nun beschäftigt das die Gerichte bis heute und jetzt wird die Justiz überlegen müssen, was man mit dem erfundenen Land macht, oder wo man es hernehmen will, wenn denn nicht stehlen. - Bis die Gerichte nicht endgültig entscheiden, geht so gar nichts am alten Flughafen und man ist sehr gespannt, ob es denn gelingt, im Streit der wundersamen Landvermehrung ordentliche Urteile zu verkünden. -



Sonntag 13.04.08 - 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 18 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 67 % Luftdruck 1017 hPa
Höchsttemperatur heute 19,1 Grad - niedrigste Temperatur 13,2 Grad

Mit Hammer und Steak-Gabel gegen die Seeigelplage

Seit ein paar Jahren taucht an vielen Küstenregionen der Kanarischen Inseln der Diadem-Seegigel in solchen Massen auf, dass Biologen und Umweltschützer Alarm schlagen. - Eigentlich gehört dieses langspießige Tier gar nicht unbedingt in unsere Regionen, so deutet der lateinische Name auch schon eher auf seine wirkliche Herkunft: Diadema antillarum. - Dieses unterseeische Nadelkissen hat Stachel, die bis zu 20 Zentimeter lang werden können und ernährt sich von Algen und Wasserpflanzen. So schützen diese Seeigel in der Karibik die Korallenriffe in dem sie diese von Algen freihalten, hier auf den Kanaren fressen sie den Meeresboden kahl, besonders eben wenn sie in solchen Massen auftauchen. - Wer sich das hier auf La Palma mal ansehen will, der braucht nur in den Hafen von Tazacorte gehen, da kann man die Seeigel prächtig beobachten und auch erkennen, in welchen Massen die Stachelgeister hier inzwischen auftauchen. - Warum die seit einigen Jahren so massenhaft auftreten, das rechnete man dem menschlichen Einfluss zu, haben wir doch zu viele natürlich Feinde des Seeigels selbst aufgegessen und nun fehlen die Raubfische in Küstennähe, um die Population der Seeigel auf einem erträglichen Niveau zu halten. - Dabei darf ich mal wieder die, wohl inzwischen ketzerische Frage stellen: Haben die Fischfarmen vor Tazacorte die Fressfeinde eliminiert, oder etwa die Überfischung? - Das nur so am Rande, weil man in letzter Zeit dazu übergegangen ist, alles Übel in unseren Meeren den Fischfarmen zuzuschreiben, obwohl diese Einrichtungen in Zeiten des Fischmangels nichts anderes bedeuten, als die logische Fortführung der Landwirtschaft auf dem Meer.

Man ist sich aber einig, dass man den Seeigel hier bekämpfen muss, zu viele Gebiete weisen wohl schon die Spuren der Überweidung durch Seeigel auf. - Nun hat man auf Lanzarote zu einem massiven Gegenschlag ausgeholt und wohl an die 80.000 Diadem-Seeigel erledigt und zwar nicht mit irgendwelchen chemischen Keulen oder Seeigelmassenvernichtungswaffen, sondern nach der guten, alten Gutsherrenart. Mann und Monster stehen sich gegenüber. Aug´ in Stachel, man kann das Schwarze im Stachel seines Feindes erkennen und schließlich, nach langem und heroischem Kampf, gewinnt der Mensch und erschlägt den Seeigel mit einem Hammer, oder mit einer Pieke, und kulinarisch angehauchte Kreuzritter binden sich auch eine Steak-Gabel an einen Stock und machen so dem schwarzen Feind den Garaus. - Apropos gar, anderswo bezahlt man reichlich Geld für diese Seeigel, gelten diese doch regional, aber eben nicht hier, als Delikatesse. Vielleicht könnte man ja aus der Not und dem Igel eine Tugend machen und diese stacheligen Proteinträger Gewinn bringend exportieren. - Immerhin, auf diese Art und Weise hat man auf Lanzarote schon 7.000 Quadratmeter Meeresgrund vom Diadem-Seeigel befreit damit erntet nun der Tauchclub, welcher diese Aktion initiiert hat, viel Lob, so dass man überlegt, auch auf den anderen Inseln in den betroffenen Gebieten solche mörderischen Tauchgänge zu organisieren. - Wenn das was bringt und notwendig ist, dann soll und muss uns das wohl recht sein, allerdings bezweifle ich da mal wieder, ob man sich der Geschichte mit der Ursache und der Wirkung dabei ausreichend angenommen hat. - Wenn es wirklich daran liegt, dass es bei uns inzwischen zu wenig Raubfische gibt, welche dem Seeigel nachstellen, dann sollte man vielleicht lieber den Fang dieser Raubfische verbieten. - Aber bitte, ich will da keine Ratschläge geben, ich verstehe zu wenig davon, ich stelle nur Fragen. - Dennoch, es bleibt ein schaler Nachgeschmack hängen, einer nach altem Seeigel. Solche Aktionen sind immer nur letzter Ausdruck unserer Hilflosigkeit gegenüber dem Ergebnis unseres eigenen Handelns.


Diadem-Seeigel im Hafen von Puerto de Tazacorte



Sonntag 13.04.08 - 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 13 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 69 % Luftdruck 1018 hPa

Falscher Flughafen

Dass La Palma mit Las Palmas oder Palma de Mallorca verwechselt wird, das kommt immer noch mal vor, wird aber insgesamt seltener. - Darum soll es aber heute nicht gehen, sondern um die Komplikationen die für Reisende nach La Palma entstehen, die nicht direkt mit einem Charterflieger auf die Insel kommen können, weil es schlichtweg aus ihrem Land oder Region, keine Verbindung mit La Palma gibt. - Das wird in diesem Sommer auch für einige Regionen in Deutschland akut, die einfach nicht mehr mit Verbindungen nach La Palma bedient werden. - Alternativen gibt es, zum Teil sogar zu Preisen, die oftmals unter denen einer Direktverbindung liegen. - Zuallererst kommt da die Strecke über Madrid in Frage. - Die Iberia verbindet die spanischen Hauptstadt mit La Palma fünf Mal in der Woche und die Spanair schickt weitere vier Airbus auf unsere Insel. - Allerdings muss man bereits früh in Madrid sein, beide Verbindungen nach La Palma fliegen bereits um 11:00 Uhr vormittags ab. - Weitere Möglichkeiten sind Direktflüge nach Gran Canaria oder Tenerife und von dort aus dann weiter mit der Binter Canarias oder der Islas Airways nach La Palma.

Allerdings gibt es da ein Problem auf Tenerife, da landen die internationalen Verbindungen fast ausnahmslos auf dem Südflughafen "Reina Sofía", die kleinen Inselhopper aber verkehren, bis auf zwei Ausnahmen am Freitag und am Sonntag allesamt vom Nordflughafen (Los Rodeos) aus. - Das geschieht so, weil der Nordflughafen direkt neben den beiden größten Städten der Insel liegt, La Laguna und Santa Cruz und die kleinen interinsularen Verbindungen sich nach den Bedürfnissen der hiesigen Bevölkerung richtet und nicht nach den Gepflogenheiten des internationalen Flugverkehrs. - Da im Süden Tenerifes, da wohnen wenige Menschen die nicht ins touristische Geschäft eingebunden sind, es lohnt sich wohl für die Fluggesellschaften nicht, mehr Flugverbindungen von dort aus auf die anderen Kanareninseln einzurichten. - Das bedeutet aber für den Feriengast, der noch weiter will, dass er zuerst den Flughafen wechseln muss und dazu per Bus mit allem drum und dran schon 1,5 Stunden einkalkulieren sollte. - Mit dem Taxi geht das schneller, ist aber eben bedeutend teurer. - Nun hat auch unsere Inselregierung diesen Missstand mitbekommen und versucht nun die beiden Fluggesellschaften Binter Canarias und Islas Airways zu ermutigen, doch tägliche Verbindungen auch vom Flughafen "Reina Sofía" anzubieten, damit könnte man mehr Gäste nach La Palma locken, wenn es dadurch deutlich bequemer wird, zu uns zu reisen. - Man muss wohl insgesamt bereits so demütig sein und diese Alternativen echt studieren und anbieten, weil die direkten Verbindungen aus Mitteleuropa, zumindest im Sommerflugplan, sehr mager sind. - Ob sich die Fluggesellschaften auf mehr Verbindungen aus dem Süden Tenerifes einlassen, das wird man sehen. - Sinnvoll und wünschenswert für La Palma wäre das allemal. - Man kann auch mit der Fähre nach La Palma von Los Cristianos im Süden Tenerifes fahren, nur sind die An- und Abfahrzeiten sehr unangenehm. In Tenerife geht es abends los und man kommt auf La Palma meist erst gegen 23:00 Uhr an und zurück nach Tenerife fährt die Fähre um 06:00 Uhr morgens los, das sind gleich zwei komplett verlorene Urlaubstage, also nur in Ausnahmefällen zu empfehlen.



Samstag 12.04.08 - 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 21 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 50 % Luftdruck 1019 hPa
Höchsttemperatur heute 21,4 Grad - niedrigste Temperatur 11,8 Grad

Samstagabend, der Siebold sitzt im Ohrensessel und Enrique Naumann schreibt.

Stets findet Überraschung stätt, . . .

Das habe ich schon mal gelesen und stößt bestimmt manchem anderen auch auf, die Wortwahl könnte jedoch anders gewesen sein. Ich hätte gern etwas annähernd Analoges auf Griechisch genommen, aber in der Sprache bin ich unterbelichtet. Ansonsten ist mein humanistischer Bildungshindergrund auch nicht mehr, was er mal war. Bei Asterix und Obelix wurde ich ebenso nicht fündig, das hätte ich im Notfall verschämt ins Französische rückübersetzt. Ein passender literarischer Ausdruck sollte her. Wenn ich eine dergestalte Überschrift suche, ist das weil ich mich unlängst heftig mit einer Überraschung abmühen musste, die hatte sich gewaschen.

Wir betrachten uns seit unserem Umzug auf die Insel als der zweiten teutonischen Einwanderungswelle zugehörig. Die war bereits deutlich höher als die erste, die aufschlussreiche kognitive Vorarbeit geleistet hatte und auf Nachfrage die gewonnenen Erkenntnisse auch durchaus freimütig weitergab. So sehr viel war das damals nicht, wirklich überschaubar und deshalb leicht zu merken, aber von einer jeweiligen Subjektivität geprägt; im Vergleich zu heute und hinsichtlich der aktuellen Informationsmöglichkeiten war das eigentlich kaum der Rede wert; um so begieriger nahm man es auf. Wir hatten einen Startvorteil: Wir kamen aus einem Land hierher, wo auch Spanischzwang herrscht, und das hatte Spuren hinterlassen dahingehend, dass wir uns einigermaßen flüssig mit den Hiesigen unterhalten konnten und das wollten wir ja auch nicht vermeiden. Wegweiser waren derzeit noch ziemlich unüblich auf La Palma und die einzige allgemein erhältliche Straßenkarte nicht genügend aktuell. Und die berühmt berüchtigte Militärkarte war so falsch wie sie heute noch ist, so dass sich nicht einmal die Soldaten mit ihr in der Art zurecht finden, wie es eigentlich beabsichtigt ist. Ab und zu musste man also nach dem Weg fragen.

Das waren bisweilen unvergessliche Erlebnisse. Anklopfen, höflich fragen ob man störe, man habe sich verfahren, wie es wohl richtig weiter gehen könnte. Ja natürlich, gleich sage man es uns, aber erst mal sollten wir ins Haus kommen (immer in die gute Stube, sie vom normalen Aufenthaltsort, nämlich der Küche mit Ausgang zu Hof und Garten, zu unterscheiden lernten wir aus den Augenwinkeln heraus dann gleich mit) und ob wir ein Gläschen Wein wollten. Wollten wir in der Regel nicht, denn wir hatten jahrelang keinen getrunken und wussten fast nicht mehr, wie so etwas schmeckt. Ja dann eben einen Kaffee. Ja gern, strahlten wir verlogen. Gleich kommt er. Und der nette Kleine, sagt der auch schon was? Nein, der kann noch nicht sprechen. Die Lüge flog dann auf; der Kleine konnte doch schon, aber nicht auf Spanisch, und das fiel der Gastgeberin (normalerweise eben eine Sie) auf. Sie stockte also etwas in ihrem Redefluss, und das benutzten wir dazu ihr zu erklären, wir seien Deutsche. Jetzt strahlte sie und erzählte uns umgehend, wie viele Deutsche sie kenne und das seien doch eigentlich nette Ausländer; aber unser Spanisch, das klinge nicht so einfach wie Spanisch sondern eher so wie von da drüben, jenseits des Ozeans. Sie hatte uns ertappt: Wir mussten uns erstmal in der Folge damit abfinden, dass wir einen recht unverkennbaren Spanisch-Slang sprachen, der uns auch heute noch zuweilen ungewollt entschlüpft.

Wir lernten schnell, dass vermehrtes nach dem Weg fragen zwar meistens sehr informativ ausging, aber mit unserem körperlichen Befinden nur bedingt zu vereinbaren war. Wir waren noch in der gewohnten Filterkaffee-Mentalität verankert und mit der hiesigen Art der Kaffeezubereitung nicht vertraut. Wenn wir es uns nicht verkneifen konnten, zwei- oder mehrmals nach dem richtigen Weg zu fragen, weil vorherige Auskünfte nicht ausreichend aufschlussreich ausgefallen waren, sagten wir ja zum Kaffee, aber nur einen schwachen bittschön, und machten eine vielsagende Handgebärde auf die linke Brustseite. Irgendwann mussten wir aber sogar Kaffee und Wein trinken. Ich muss gestehen, dass der hiesige, damals im Prinzip einzig zur Verfügung stehende Naturwein zunächst sehr gewöhnungsbedürftig schmeckte. Das Problem löste sich später geradezu simpel, doch elegant in Luft auf unter Anwendung eines anderen Prinzips: alles Gewohnheitssache! Und der nette Kleine – der machte auch schon neue Erfahrungen: Er musste mal Milch trinken. Schön frisch, aus dem Kühlschrank. Gierig trank er und erstarrte geradezu. Frisch? Die Gastgeberin war ganz betrübt, denn unschwer war an seinem Gesichtsausdruck zu erkennen, dass er andere Vorstellungen hatte von frisch. Wie sollte er, der bislang nur Pulvermilch kannte, denn auch wissen, wie unabgekochte Ziegenmilch vom Vortag trotz Aufbewahrung im Kühlschrank schmeckt. Er war sehr beeindruckt von dieser Erfahrung und schnupperte noch tagelang an der gewohnten Pulvermilch misstrauisch, bevor er sie schluckte.

Wir haben nie ein Hehl daraus gemacht, dass wir Deutsche sind, weil wir merkten, dass wir blitzartig als solche ausgemacht wurden. Ich nannte mich hier in Abwandlung meines eigentlichen Namens Enrique, weil das einfacher ist für Spanisch gewöhnte Zungen, und die Nachbarn, mit denen wir uns bis heute recht gut vertragen und nicht etwa nur zusammenraufen, fügten um eines besseren Verständnisses untereinander willen el Alemán hinzu. Dass wir andere Geno- und Phänotypen waren als sie, dafür zeigten sie Verständnis, und uns und unserem netten Kleinen halfen sie und ihre Kinder beispielhaft bei der Lösung von anfänglichen Anpassungs- und Sprachproblemen. Wir kommen hier ganz gut zurecht, so meinen wir jedenfalls, allenfalls irritiert uns eine Frage, welche die Nachbarn immer mal wieder stellen: Wollt ihr denn noch nicht wieder in eure Heimat? Das ist nicht bös` gemeint, wir wissen wohl, es soll nicht bedeuten, man wolle uns los werden. Manchmal betonen sie das noch hastig im Nachhinein.

Aber dennoch hat mich etwas kürzlich in meinem gewohnten und liebgewonnen Alltag aus dem Trott gebracht. Saß ich da Kaffee schlürfend an der Theke in der San-Martín-Cafetería in El Paso und neben mir saß José Luis. Der war der erste Rechtsberater für Behördenkram in El Paso, ein Gestor. Geschäftlich hatten wir kaum etwas miteinander zu tun. Immer gewissermaßen kurz vor Torschluß kam ich regelmäßig bei ihm vorbei und erbettelte – unter Entrichtung einer geringfügigen Summe – ein Formular für die vierteljährlich anfallende Abschlagssteuer auf Einkommen. Dann und wann empfahl ich ihn auch hilfesuchenden Landsleuten. Wir kennen uns schon sozusagen seit Urzeiten. Und weil ich weiß, dass er einige Jahre in der Tabakfabrik als Personalchef gewirkt hat zu Zeiten, als sich die Firma Reynolds noch um die Raucher verdient machte, fragte ich ihn, wie denn das so gegangen sei, mit den Pasenses, die später nach Deutschland übersiedelt waren; man entsinnt sich: 16 Familien aus El Paso waren ihrem nach Trier verlegten Arbeitsplatz nachgefolgt.

„Durchwachsen geht es denen“, meinte José Luis, „das gesellschaftliche Leben dort ist recht ungewohnt. Eine Familie ist zurück gekommen.“
„Aha?“, fragte ich, „und was gefällt denen nicht in Deutschland?“
„Hier in El Paso und überall auf La Palma trifft man sich außerhalb der Arbeitszeit auf der Straße, und bei Regen stellt man sich unter ein Vordach und so; wenn es in Deutschland regnet, dann kann man sich entsprechend anziehen und außer Haus gehen, es ist aber trotzdem kaum jemand da oder wenn doch, dann nur eilig unterwegs. Und im Winter, wenn es kalt ist, man zieht sich gut an, dann fühlt man die Kälte nicht und trotzdem gibt es kein gesellschaftliches Leben auf der Straße. Nun, wenn es etwas draußen etwas zu feiern gibt, dann schon, und das ist dann auch immer ganz toll organisiert“.
„Ja“, gab ich zu, „organisieren können die gut da in Deutschland, kenne ich.“
„Aber ehrlich, was ich gerade gesagt habe, stimmt. In der größten Kälte, ich habe das erlebt, da geht man richtig angezogen außer Haus und friert trotzdem nicht. Richtige Kälte meine ich, null Grad oder ein Grad minus . . .“
„Moment“, unterbrach ich ihn da, „das ist doch nicht richtig kalt. 10, 15 oder gar 20 Grad minus, da geht doch die richtige Kälte erst los“.
„Glaubst du denn wirklich, dass es in Deutschland so kalt werden kann?“
„Ja sicher, das kenne ich doch zur Genüge“.

José Luis schien etwas verunsichert. Und deshalb beeilte ich mich zu sagen, ich sei gerade am Überlegen, wie viele Jahre ich in Deutschland gelebt habe und wie viele nicht in Deutschland und bot ihm ein ungefähres halb-halb an.
„Aha,“ meinte José Luis, „und wo in Deutschland bist du gewesen? Ich kenne die Gegend um Frankfurt recht gut. Warst du in München“
„Nur zeitweise“, sagte ich zu ihm, „die meiste Zeit jedoch ungefähr in der Mitte zwischen München und Frankfurt. Wie bist du denn mit dem Autoverkehr zurechtgekommen?“
„Ach, das ging eigentlich“.
„Also, ich habe davor ziemlichen Bammel, obwohl ich damit aufgewachsen bin“
„? ? ?“
„Ja sicher, ich bin ja Deutscher. Du weiß doch, dass ich bin Deutscher bin?!“.
„Also, das kam mir gerade nicht so vor. Ich rede hier mit dir und du mit mir, wie wenn du von hier wärst, und hier bist du ja auch schon ewig.“
„Aber dass ich Ausländer bin, weiß du doch!?“
„Nnnnja, . . . jetzt, wo du es sagst.“

José Luis verabschiedete sich schnell und ging. Ich war ganz verdattert und erst zu Hause angekommen in der Lage, so recht zu ermessen, was für eine üble Wechseldusche mir da gerade verpasst worden war. Da hatte mir José Luis meine Brust voller Stolz gepumpt, den gleich hernach ganz schnell wieder auf den Normalwert reduziert und mich, vom plötzlichen Druckausgleich mental quasi am Boden zerstört, erbarmungslos zurückgelassen. War ich mit meinen jahrzehntelangen Bestrebungen, einen guten, zur weitestgehenden Integration bereiten Ausländer darzustellen, irgendwie über mein Ziel hinausgeschossen und versehentlich in die Assimilation geraten? Wäre mir peinlich. Aber natürlich könnte es auch sein, dass mich José Luis gekonnt auf den Arm genommen hätte. Wenn es Letzteres gewesen wäre: Alle Achtung! Wirklich clever! Super-spitze-mega-clever! Hätte ich ihm nicht im Traum zugetraut. Weitere mögliche und/oder unmögliche Theorien aufzustellen verbiete ich mir nun und schreibe lieber nur die Überschrift zu Ende: . . . wo ich sie nicht vermutet hätt´.






Samstag 12.04.08 - 08:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 12 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 67 % Luftdruck 1017 hPa

Wenn der Sturm vorbei ist,

dann beginnt immer die große Zeit der Abrechnung. - Vier Tage lang hielt uns ein Tiefdruckgebiet mit Winden aus Südwest in seinen feuchten Fängen und das hat Spuren hinterlassen. - Deutliche Spuren, wie die Landwirte auf der Ostseite sagen. - Alles nicht so schlimm kontert aber gleich wieder das Landwirtschaftsamt und spricht von Ausfällen, welche die 5% bei den Bananen nicht überschreiten. - Dazu muss man wissen, kommt bei uns der Wind aus Südwest, dann entstehen auf der Leeseite der Insel durch das abrupte Landschaftsrelief Fallwinde, die locker die doppelte Geschwindigkeit erreichen, als auf der Luvseite La Palmas. - Die Folgen davon konnte man vom vergangenen Sonntag bis Mittwoch erleben, Sturmböen in den Zonen Mazo, den beiden Breñas, Santa Cruz und bis hinauf nach Puntallana. Dabei waren die eigenen Windgeschwindigkeiten des Tiefs gar nicht so gewaltig, aber nach der bereits erwähnten Regel kommt das auf der Ostseite mit 100 bis 120 Stundenkilometer an, was hier mit 50 - 60 Sachen vom Atlantik her auf die Insel prallt. - Dass der Flughafen fast vier Tage geschlossen war, das haben zumindest die anreisenden Gäste mitbekommen, eine weitere unangenehme Folge der Tiefdruckgebiete mit Wind aus Südwest.

Zurück zu den Schäden in der Landwirtschaft. - Da die meisten Landwirte die ihren Beruf professionell und gewerblich ausüben Agrarausfallversicherungen haben, kommt der Schätzung der Schäden eine besondere Rolle zu. Wer "nur" für den Hausgebrauch oder im lockeren Nebenerwerb seine Scholle bestellt, den interessieren Prozentzahlen nach einem Sturm weniger, der schmeißt den Kram einfach weg, flucht ein paar Mal außerkatholisch und säht erneut aus, in der Hoffnung, dass kein weiteres Ungemach ihn mehr um die Früchte seiner Arbeit bringt. - So gibt es immer einen kleinen Kampf zwischen den betroffenen Landwirten und den Schätzern der "Agroseguros", der eine glaubt immer zu wenig für die erlittenen Schäden zu erhalten und die Angestellten der Versicherung sind immer wieder der Meinung, die Landwirte würden maßlos übertreiben. - Man darf auch hier wohl davon ausgehen, dass die Lösung in der berühmten Mitte liegt und die sich aus einer Mischung der Forderung der Landwirte und dem Angebot der Agrarausfallversicherung errechnet. - Allerdings sind nicht immer alle Schäden sofort sichtbar, sowohl bei den Avocados, beim Wein und bei den Zitruspflanzen müsste man wochenlang die weitere Entwicklung abwarten, um eine echte Schadensbilanz zu erhalten. - Was man aber aus der Seite des Landwirtschaftsamtes hört, klingt nicht so sehr beunruhigend, dass man nun gleich von einer Wetterkatastrophe sprechen muss. - Bei den Bananen erwartet man die bereits erwähnten 5% an Ausfall und bei anderen Kulturen, eben wie Wein, Avocado und Zitrus an die 15 - 20% Verlust. - Das sind aber nur erste grobe Schätzungen und man wird uns in den kommenden Wochen noch viele andere Zahlen vorlegen, je nach Interessenlage.



Freitag 11.04.08 - 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 62 % Luftdruck 1016 hPa
Höchsttemperatur heute 18,0 Grad - niedrigste Temperatur 11,9 Grad

Die Milch macht´s

Um blöde Sprüche war die Werbung nie verlegen. - Allerdings liegt nun bei Milch und Milchprodukten schon eine besondere Verantwortung, ist doch dieser weiße Kuhsaft und seine Derivate hauptverantwortlich für den sprunghaften Anstieg der Lebensmittelpreise. So steigen die Lebensmittelpreise auf den Kanaren innerhalb eines Jahres um 8,1%, das ist fast doppelt so hoch wie die Jahresinflation aller Produkte, welche bei auch sehr stolzen 4,6% für die Kanaren genannt wird. - Milch (27,3%), Eier (12,5%), Brot (11,3%) und Obst (11,1%) sind die stolzen Rädelsführer dieser Inflation, also echte Grundnahrungsmittel, die man nicht so einfach durch andere ersetzen kann um so der Preissteigerung ein Schnippchen schlagen zu können. - Mein Vorschlag, doch den häuslichen Milchkonsum einzuschränken und komplett auf Bier umzustellen wurde vom Familienrat abgelehnt, genau so wie der Verzicht von Brot und Obst zugunsten geräucherter Schweinebäuche, allerdings war hier die Abstimmung knapper, denn da hatte ich Paul auf meiner Seite. - Wer ist nun Schuld an der starken Teuerung der Grundnahrungsmittel, diese Frage stellt sich natürlich sofort und man kann es sich dabei nun nicht so einfach machen und die üblichen politischen Verdächtigen dabei nennen. - Das ist nicht so einfach wie Mariano Rajoy sich das im Wahlkampf noch gegen Zapatero vorgestellt hat, es stimmt einfach nicht, dass einzelne Länder und auch noch deren Politiker den Weltmarkt soweit beeinflussen können, dass die weltweite Teuerung der Lebensmittel spurlos an einem Land vorbeigehen würde.

Hier reichen die Folgen der Globalisierung bis in den kleinen Laden hier um die Ecke, nur weil wir La Palma sind, bleiben die Gesetze der Marktwirtschaft nicht vor unserem Hafen stehen. - Alles das ist eine Frage der Energiepreise und der gestiegenen Nachfrage nach dem Saft, der nicht nur bei uns alles in Schwung hält. Darüber hinaus hat man angefangen, wertvolle Ackerflächen dafür zu nutzen, um Rohstoff für Biosprit zu erzeugen und nun steht man vor dieser irrationalen Situation, dass man Lebensmittel praktisch in den Tank steckt, anstatt diese als Nahrungsmittel bereithält. - In diesem Fall könnte man durchaus der Politik eine Mitschuld geben, denn das was voraussehbar, aber auch da finden wir keine direkten Ansprechpartner hier vor Ort, denn ausgerechnet die Vereinigten Staaten von Amerika sind in der Produktion von Treibstoffen aus Ackerpflanzen ganz vorne. - In Deutschland hat man ja dieses Dilemma erkannt und gibt das sogar fast zu, dass man den Mais und das Soja, welches man für die Produktion von Treibstoffen verbraucht, nicht auch noch auf den Lebensmittelmarkt bringen kann. - Hauptsächlich schlägt sich das in den Preisen für Futtermittel nieder, da gibt es Anstiege die noch nicht mal voll auf den Endverbraucher weitergegeben wurden, so dass man nicht damit rechnen kann, dass der heftige Preisanstieg bald eine Bremse erhält. - Aber auch da öffnen sich sogleich wieder neue Nischen und Möglichkeiten, es kann sich nun durchaus wieder lohnen, das Tierfutter selbst zu produzieren, anstatt einfach und bequem sich das säckeweise ins Haus schicken zu lassen. - Das beziehe ich nun mal ganz egoistisch auf La Palma, wir haben genügend ungenutzte landwirtschaftliche Flächen, wo man ohne großen Aufwand und dem Einsatz von schweren Maschinen Futtermittel für unsere Viehzucht produzieren kann. - Das hat man früher auch gemacht und da gab es sogar noch sehr viel mehr Tiere zu versorgen, allerdings bedeutet das natürlich einen größeren Aufwand für den Landwirt. - Das muss sich eben alles einfach nur rechnen, aber eigentlich brauchen wir hier auf La Palma keinen Import von Futtermitteln und könnten so, im allerkleinsten Rahmen natürlich, der Globalisierung einen mittelgroßen Stinkefinger zeigen.



Freitag 11.04.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 12 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 73 % Luftdruck 1016 hPa

Singende Umweltschützer

Früher, als alles anders war und nur manches besser, da konnte man mit dem Hinweis "Zum singenden Wirt" noch Gäste einfangen. - Heute taugt das nicht mal mehr um Station für Butterfahrten zu sein, vielleicht liegt´s am Wirt, vielleicht an den Gästen, auf jeden Fall ordnet man heute den Gastronomen anderen Aufgaben zu, als uns auditiv zu unterhalten. - Ich bin da ganz ehrlich, ich möchte auch nicht, dass Kiko und Carlos anfangen zu singen, die sollen sich auf das, für Wirte Wesentliche konzentrieren. - Singende Umweltschützer hingegen haben ja immer Konjunktur, das gehört eigentlich sogar fest zusammen. Pete Seeger wusste davon zu berichten und selbst heute singen die jungen Künstler noch vom Klimawandel. - Kann auch sein, dass ich das missverstehe, aber die ostdeutsche Girlieband "Tokio Herberge" interpretiert ihre Version vom drohenden Monsun ja auch entsprechend düster und virtuos sozialkritisch. - So etwas darf ich nur schreiben, wenn meine Kinder verhindert sind, die eine wartet in Madrid auf die Kirmes und die andere schläft noch, hat aber heute eine Mathe-Arbeit, wird sich also nicht herablassen mal wieder zu kontrollieren, ob der Vater erneut Mist verbreitet.

So, jetzt endlich zum Thema: Morgen, Samstag den 12. April, geben verdiente Umweltschützer La Palmas ein Konzert unter dem Thema: "Ecologistas en canción". - Ab 20:30 Uhr werden im Teatro Chico in der Hauptstadt engagierte Künstler auftreten, die allesamt mindestens eines gemeinsam haben, sich laut und deutlich für einen aufmerksameren Umgang für das bisschen Umwelt einsetzen, welches uns auf dieser Insel noch gelassen wird. - Also die Streifen Umkraut zwischen den Bananenplantagen und Golfplätzen hätte ich fast geschrieben, aber das stimmt so natürlich nicht, überall wo der Mensch kein pekuniäres Interesse an der Landschaft dieser Insel zeigt, weil zu kalt, zu hoch oder einfach Naturschutzgebiet, lässt sich hier auf La Palma die unveränderte Naturlandschaft einer, viel zu jungen Vulkaninsel, noch genießen. - Damit das auch so bleibt laden: Angélica Profeta, Avernessus, Carlos Catana, Fodo Pereda, Jorge Guimerá, Los Fenómenos, Pablo Díaz und Yapci Bienes zum gemeinsamen Konzert morgen Abend nach Santa Cruz. - Manche der Namen habe ich auch noch nie gehört, aber genau das kann ja noch ein weiterer guter Grund sein, sich das anzuhören, immerhin wissen wir ja sicher, dass Pete Seeger und die Tokio Herberge nicht auftreten werden, womit der Abend schon mal deutlich gewonnen hat. - Also, Samstagabend ist für die Umwelt da, da geht man in die Hauptstadt und hört sich das Konzert an. - Man bittet übrigens davon abzusehen Feuerzeuge zu entzünden und hochzuhalten, es sei denn, die Feuerzeuge sind mit Biogas gefüllt und haben einen Katalysator und Feinstaubfilter gemäß der EU-Richtlinie IV-Reg-GiE. - Man sieht sich und hört sich!


Ecologistas en canción



Donnerstag 10.04.08 - 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 58 % Luftdruck 1012 hPa
Höchsttemperatur heute 20,2 Grad - niedrigste Temperatur 13,2 Grad

Hallo hier spricht Madrid

Glück gehabt haben die 24 Mädels und Jungs, dass heute endlich wieder gutes Wetter herrscht hier auf La Palma und dass der Flugbetrieb nun wieder normal läuft. - Das wäre ja auch noch der Hammer gewesen, dass nach ein paar Jahren Geld sammeln und überlegen wie man denn so eine Schülerreise hinbekommt, der Wind einem dann einen fetten Strich durch die jahrelange Rechnung macht. - Schwamm darüber, oder besser Wind, eben ist die Maschine mit den 24 kleinen Palmeros und Palmeras in Madrid gelandet und die Señoritas und Señoritos zogen sofort, noch bevor man die Koffer vom Band zupfen konnte, ihre Mobiltelefone und meldeten sich brav bei den Eltern. - Hallo hier spricht Madrid, den süßen Klang durften auch wir vernehmen und dass das Essen an Bord der Iberia-Maschine über 9 Euro kostet, so dass alle Kinder wie Lehrer mit Genuss an ihren mitgebrachten "Bocadillos" knabberten und dem Bordservice so ein gepflegtes Schnäppchen geschlagen haben. - Gelbe Säulenhallen soll es da am Flughafen von Madrid geben und ganz viele Menschen, so viel kann man gerade noch erfahren zwischen dem ganzen Gekreische was da die 24 Kinder anstellen, die nun alle gleichzeitig telefonieren, um ihren Eltern die Geschichte von den gelben Säulen und dem teuren Essen an Bord berichten.

Die sind also schon richtig drin im großen Reiseabenteuer und vor lauter Staunen wird das nun mit dem schlechten Wetter in Madrid nicht so schlimm sein, denn heute passiert ja eh nichts mehr, als dass man sich im Hotel einrichtet und die dortigen Möglichkeiten entdeckt, wie man denn noch einen Haufen Spaß haben kann. - Solchen Spaß, den eben nur junge Menschen noch vollbringen können, denen der Alltag und die lästigen Lebenserfahrungen noch nicht die pure Begeisterung am Entdecken der profansten Kleinigkeiten geraubt haben. - Interessant waren die unterschiedlichen Koffergrößen der Kinder, wobei man schon im zarten Alter von 10 - 12 Jahren einen deutlichen Geschlechtsunterschied feststellen konnte, eben an der Größe der Koffer die da für die knappe Woche angeschleppt wurden. - Was da so alles drin sein mag und wie viel davon wieder ungebraucht nach La Palma zurückgeschleppt wird? - Viele der Mütter, welche die Kinder an den Bus brachten, hatten plötzlich schwarze Sonnenbrillen aufgesetzt, als sich das große Gefährt, welches die Gruppe nun zum Flughafen brachte, in Bewegung setzte. So manche Träne sollten diese Brillen verbergen, denn für viele Kinder war es die erste große Reise überhaupt und für viele Eltern das erste Mal, dass man die Nachkommen alleine weg lässt. Das darf man ruhig auch als Vertrauensbeweis an die drei Lehrer ansehen, die sich nun bis Dienstagabend um die Brut kümmern müssen. Beatrix, Otto und Arsenio werden alle Hände und Nerven voll zu tun haben, die entdeckungswütigen Landeier aus El Paso durch das fremde Madrid zu führen.


Abfahrt des Busses zum Flughafen
Muss i denn muss i denn zum Elpasole hinaus...



Kleiner Nachtrag um 08:30 Uhr. Die ersten Flüge sind nun alle planmäßig gelandet und es gibt keine weiteren Anzeichen, dass der Flugverker nach La Palma wegen des Wetters weiter behindert wird.

Donnerstag 10.04.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 13 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 88 % Luftdruck 1009 hPa

Windstille

Seit gestern Nacht rührt sich kein Lüftchen mehr, so dass man davon ausgehen kann, es wird alles wieder normal am heutigen Tag am Flughafen. - Nur glauben die Wetterkarten noch nicht so ganz an den schnellen und plötzlichen Wandel und wollen die endgültige Verabschiedung des Tiefdruckgebietes erst im Laufe des Tages vollziehen. - Allerdings ist die Nachttemperatur bereits wieder auf Werte gesunken, welche eine nördliche Strömung erkennen lassen und das Fehlen des Windes deutet auch auf eine komplette Entspannung der Situation, alleine der immer noch tief sitzende Luftdruck verunsichert etwas die subjektive Empfindung. - Wir gehen aber mal davon aus, dass nun La Palma auch wieder über den Luftweg erreichbar sein wird und damit die seit Sonntag anhaltende Schlechtwettersituation beendet ist. - Zeit wird es ja auch den Flugverkehr wieder ins Rollen (was für ein schiefes Bild) zu bringen und den großen Stau an Passagieren abzufertigen, der nun seit Sonntag aufgelaufen ist. - Zwar sind inzwischen viele Reisende, auch die touristischen Gäste mit der Fähre von und nach Tenerife gefahren, aber viele Menschen scheuen sich, die Schiffe zu benutzen und warten so eben auf die erste Gelegenheit, wieder fliegen zu können. - Oder eben die Menschen, welche auf Gran Canaria gestrandet sind, die können von dort nicht mit der Fähre nach La Palma fahren, die müssten erst nach Tenerife-Süd fliegen, oder mit dem Schiff nach Tenerife fahren und dann auf die Fähre gehen.

So gab es auch bereits erste Ausfallerscheinungen auf La Palma, nicht nur was Zeitungen und schnellen Medikamententransport angehen, auch Menschen fehlten plötzlich, die konnten einfach nicht kommen und so blieben manche Restaurants geschlossen, Bäckereien machten Notdienst weil der Bäcker noch nicht wieder zurückgekommen ist und in den Schulen blieb manche Stunde ohne Lehre, weil der Lehrer noch auf Gran Canaria oder in Madrid saß. - Dabei schließt sich natürlich immer die Frage an, in wie weit kann man das vorhersehen und beim nächsten drohenden Tief aus Südwest gleich anders kalkulieren und den Wochenendausflug auf eine andere Insel lieber verschieben. - Theoretisch geht das, man müsste sich nur voll und ganz auf die Prognosen verlassen, kann dabei aber auch mal daneben liegen, weil so ein Tiefdruckgebiet durchaus Eigendynamiken entwickeln kann, die nicht auf Tage vorher absehbar sind. - Das gilt insbesondere für bestimmte Lagen auf den hohen Inseln wie La Palma und Tenerife, wo eben durch die abrupte Orographie der Wind zum Sturm komprimiert werden kann. Ein paar Strich weiter südlich, oder auch nördlich und schon wären die Fallwinde nicht dort entstanden wo sie nun heruntergekommen sind. - So einfach das klingt ist es auch, aber das genau vorauszusagen, das ist schlichtweg unmöglich und wer schon verschiebt seine Termine um eine Woche, bloß weil es zu Schwierigkeiten auf La Palma kommen kann. - So mancher, der nun seit Tagen auf einer anderen Insel festsitzt, wird in Zukunft die Wetterkarten auch mit anderem Interesse studieren, bis dann wieder mehrmals nichts passiert, und die Tiefs weniger suboptimal auf die Insel treffen, dann wird man erneut unvorsichtig. - Mal abwarten was wir an landwirtschaftlichen Schäden von der Ostseite gemeldet bekommen, hier im Westen ist, außer tiefen Augenringen vom langen Warten, nichts passiert.


Wolkenspiele auf der Ostseite im Tiefdruckgebiet
Dieses wunderschöne Wolkenbild ist uns aus Mazo geschickt worden, so ein Tief hat also auch seine schönen Seiten, aber unter den Wolken, da pfeift der Wind.



Mittwoch 09.04.08 - 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 18 Grad, Niederschlag 5 mm Luftfeuchte 83 % Luftdruck 1007 hPa
Höchsttemperatur heute 18,6 Grad - niedrigste Temperatur 15,8 Grad

Weiterhin "incomunicada"

Eine Seefahrt die ist lustig, eine Seefahrt… Auf jeden Fall braucht man nicht mehr selbst zu schunkeln, das erledigt das Schiff für die Fahrgäste von ganz alleine. - Die beiden Fährschiffe "Benchijigua Express" der Reederei Olsen und die "Volcán de Taburiente" der "Naviera Armas" sind momentan unsere einzige Verbindung zur "Außenwelt", die sich bei uns auf die Figur der großen Nachbarinsel Tenerife beschränkt. Über den Flughafen geht weiterhin nichts, auch wenn der Wind bereits zart spürbar auf Nordwest gedreht hat, aber eben noch nicht weit genug, um am Flughafen endlich wieder Ruhe einkehren zu lassen. - Das nennt man hier "incomunicada", was nichts anderes bedeutet als "nicht zu erreichen". - Vielleicht geht heute Abend noch was, oder erst Morgen im Laufe des Tages. - Das können wir auch für die Kinderreise nach Madrid nur hoffen, die steht ja morgen an und es wäre doch zu doof, wenn man das alles verschieben müsste, bloß weil der Wind nicht so will, wie wir das wollen.

Es gibt also weiter Scherwinde am Flughafen und für die anreisenden Gäste bedeutete das auch heute wieder eine unplanmäßige Landung auf Tenerife, um dann heute Nacht mit einer der Fähren zu uns gebracht zu werden. - Die hier auf die Abreise wartenden Gäste werden auch mit der Fähre nach Los Cristianos gebracht und fliegen dann vom Südflughafen Tenerifes nach Deutschland zurück. - Was die Fähren betrifft, da entpuppt sich die größte Schnellfähre der Welt als ziemlicher Kotzbrocken, wenn die See so rau ist wie im Moment. - Der Trimaran Benchijigua Express ist zwar rasend schnell, vollführt aber bei den Seegang ungewöhnliche Stampf- und Stoßbewegungen, welche viele Passagier schlechter vertragen als das bekannte Rollen eines Einrumpfschiffes. - So zumindest konnte man das an der Gesichtsfarbe der ankommenden Passagiere ermitteln, die hatten genug geschunkelt, auch wenn es nur etwas mehr als 2 Stunden Fahrt sind. Bei ruhiger See ist der Trimaran der absolute Luxus und man scheint ganz flach übers Wasser zu fliegen, bei der aufgewühlten See im Moment, zeigt er aber für empfindliche Mägen sein anderes Gesicht. - Wer überhaupt die Wahl hat und eben leicht seekrank wird, der sollte vielleicht lieber das Einrumpfschiff der Naviera Armas bevorzugen. Das fährt zwar langsamer, beraubt einen aber nicht so aufdringlich seiner letzten Mahlzeiten. Da ich überhaupt nicht seekrank werde, nicht mal auf einem kleinen Fischerboot hier vor Tazacorte, finde ich die Reise auf dem Trimaran immer als ein ganz besonderes Erlebnis, man merkt aber deutlich die fremden Bewegungen, welche diesen Schiffstyp nun einmal auszeichnet. - Morgen ist ein neuer Tag und wenn der Wind endlich ganz noch Nord dreht oder deutlich nachlässt, dann ist auch morgen schon wieder alles ganz normal am Flughafen. Die Prognosen sind da positiv, allerdings sind Prognosen noch keine Tatsachen. - Das weiß auch der Stoiber Endmund, den können Sie danach fragen, der weiß wie das ist, wenn man auf Prognosen vertraut und nach einer Stunde feststellen muss, dass das Ganze nur ein vorzeitiger Kanzlererguss war.



Mittwoch 09.04.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 16 Grad, Niederschlag 9 mm Luftfeuchte 95 % Luftdruck 1005 hPa

La Lluvia de abril, vale por mil

Gegen 02:00 Uhr waren dann, die mit der Fähre angekommenen Gäste im Haus, gegen 03:00 Uhr auch die Reiseleiter, Mietwagenverleiher und Busfahrer, welche gestern mal wieder eine wetterbedingte Nachtschicht einlegen mussten. - 45 Flüge wurden gestern annulliert am Flughafen La Palma, das sind, bis auf zwei Flugbewegungen alle, es ging einfach nichts mehr wegen des scharfen Windes und so musste man auf die Schiffe ausweichen, die trotz rauer See, ohne Probleme ihren Dienst verrichten konnten. - Auch wenn es im Moment windstill ist, den heutigen Tag kann und wird es weiterhin zu Beeinträchtigungen im Flugverkehr kommen, allerdings arbeitet nun die Zeit für uns, noch im Laufe des Tages wird das Tiefdruckgebiet so weit nördlich stehen, dass der Wind uns dann aus Nordwest erreicht und der Flughafen so deutlich besser geschützt ist.

Es kann aber noch weiter regnen, gerade für den heutigen Abend erwarten alle Wetterämter noch eine letzte Ohrfeige des Tiefs, danach wird Ruhe einkehren und sich bereits morgen wieder Hochdruck und Nordostwind einstellen. - Das heißt aber auch, dass es dann zwar tagsüber wieder sonnig wird und trocken, die Nachttemperaturen aber spürbar absinken werden und zumindest feinfrostige Zeitgenossen auf den Gebrauch von moderner Skiunterwäsche nicht verzichten möchten. - Schäden in der Landwirtschaft werden auch bereits gemeldet, besonders aus der Ecke Breña Alta und Mazo, wobei man das nicht sonderlich überbewerten darf, es kann sich auch um vorsorgliches Meckern handeln und vorbereitende Maßnahmen, um die Agrarausfallversicherungen angemessen zu stimulieren. - In Breña Alta bleiben die Schulen heute erneut geschlossen, auch eine fragwürdige Entscheidung, aber das muss die dortige Korporation verantworten. - Insgesamt darf man nämlich hoch erfreut sein über die Niederschläge, die zwar nicht sensationell ergiebig waren, aber eben in einem sehr effektiven Takt fielen, so dass die Erde in der Lage war, die gesamte Wassermenge auch aufzunehmen und das Wasser nicht in Sturzbächen in den Atlantik rutschte. "La Lluvia de abril, vale por mil" - Aprilregen zählt tausendfach, so heißt ein alter Spruch hier, kann es sich doch um die letzten Niederschläge vor dem langen Sommer gehandelt haben. - Dass Aprilregen hier besonders wertvoll ist, da schließe ich mich komplett mit meiner Zustimmung an, allerdings möchte ich bezweifeln, dass der Atlantik diesen Winter kein Tiefdruckgebiet mehr für uns bereithält.



Dienstag 08.04.08 - 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad, Niederschlag 1 mm Luftfeuchte 95 % Luftdruck 1005 hPa
Höchsttemperatur heute 17,4 Grad - niedrigste Temperatur 16,1 Grad

Eine kam durch

Immerhin ist heute früh so gegen 08:00 Uhr eine Maschine aus Tenerife gelandet. - Danach ging wieder gar nichts mehr am Flughafen, obwohl dort die Sonne schien, machten die heftigen Winde ein Landen der Flugzeuge unmöglich. - Jetzt wird es langsam ungemütlich, denn seit Sonntag ist der Flugverkehr zwischen La Palma und dem Rest der Welt stark eingeschränkt und heute, eben bis auf den tapferen Morgenflieger, völlig zum Erliegen gekommen. - Die Gäste, welche Sonntag per Flugzeug anreisen sollten sind gestern Nacht mit der Fähre gekommen und diejenigen, die Montag und Dienstag dann nach Tenerife beziehungsweise nach Gran Canaria umgeleitet wurden, die kommen heute Nacht per Schiff zu uns. - Das gibt Nachtschichten für Autovermieter und Reiseleiter, denn die Fähre von Olsen wird gegen 22:30 Uhr erwartet und die von Armas eine Dreiviertelstunde später. - Allerdings kann sich das noch verschieben, denn die beiden Fähren werden so voll sein wie nie, und dann dauert die Abfertigung auch viel länger. - Wenn es einen Gewinner gibt dieser widrigen Wettersituation, dann sind es die Reedereien, die endlich mal ihre Schiffe voll bekommen und die Hotels auf Tenerife, welche wegen der vielen "liegen gebliebenen" Urlauber eine ungeahnte Auslastung erreichen.

Die Verlierer sind eindeutig die Reisenden und die Fluggesellschaften, auf die enorme Zusatzkosten zukommen und deren Flugplan ziemlich durcheinander geworfen wird, denn die Maschinen die hier herumstehen und darauf warten, dass sich der Wind auf La Palma endlich legt, die werden eigentlich woanders gebraucht. - Die Gäste und dabei wohl noch heftiger diejenigen, die nur eine Woche auf unserer Insel geplant haben, verlieren nun bereits zwei Tage und da hört irgendwann die Geduld auf. - Zwar werden die Urlauber in Hotels untergebracht bis man La Palma erreichen kann, aber man wird dann meist früh wieder aus dem Hotel abgeholt, um dann einen weiteren Tag auf dem Flughafen zu verbringen, ob denn doch noch was geht mit dem Flug nach La Palma. Aber nicht nur Urlauber sind gestrandet, an die 1.500 Canarios warten darauf nach La Palma zu kommen und haben sich die letzten beiden Tage fast Kämpfe geliefert auf den Wartelisten der Fluggesellschaften, um dann oft genug zu erfahren, dass doch nichts geht. - Manch einer, der nun glaubte es geschafft zu haben der konnte noch einen Rundflug über die Ostseite der Insel ergattern, bis der Pilot endlich Bescheid geben musste, da geht nichts, wir müssen wieder umkehren. - Dass heute nichts geht, das war aber bereits früh abzusehen und so haben sich die meisten auch schon abgefunden mit der Tatsache, eine nächtliche Seereise nun vor sich zu haben, bevor man endlich diese oberzickige Insel erreichen kann. Das Wetter wird sich, wie bereits vorausgesagt, erst im Laufe des morgigen Mittwoch aufklären, dann erwartet man das Drehen des Windes bis auf Nordwest und eine deutliche Beruhigung. - Am Donnerstag soll dann auch wieder die Sonne auf La Palma scheinen und dann tun wir wieder so, als wäre nie etwas geschehen. - Regen wird kaum noch erwartet, das Tief zieht nördlich von den Kanaren in Richtung spanisches Festland, der Wind, der alleine reicht aber schon aus, um La Palma mal wieder ganz unzugänglich zu machen. - Interessant ist noch zu beobachten, was passiert, wenn den ganzen Tag hier auf der Westseite die Sonne mal nicht scheint. - Dann steigt die Tageshöchsttemperatur gerade mal ein läppisches Grad gegenüber der tiefsten Nachttemperatur an, auch das muss man uns erst mal nachmachen…


Karten vom AEMeT, Agencia Estatal de Meteorología


Karten vom AEMeT, Agencia Estatal de Meteorología



Dienstag 08.04.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 16 Grad, Niederschlag 3 mm Luftfeuchte 95 % Luftdruck 1006 hPa

Fischfarmen mit weiterem Gegenwind

Man muss das mit den Fischfarmen sehen, wie mit der Landwirtschaft. - Bislang hat man das Meer geplündert und darauf gesetzt, dass immer genügend Fisch nachwächst, um weiter diesen Rohstoff zur Verfügung zu haben. Das wäre so, als würde man unseren Fleischbedarf einzig und alleine aus der Jagd decken und Viehzucht überhaupt nicht zulassen, weil das zu viel Dreck macht. - Dabei gilt für beide Methoden gezielt Nahrung zu produzieren immer der Grundsatz, man kann das schlecht machen und die Umwelt weit über Gebühr belasten, oder man macht es gut, so gut wie nur eben möglich, wenn man den Ressourcen mehr abtrotzen will, als diese eigentlich und freiwillig hergeben. - Leider haben wir aus langer Erfahrung ja lernen müssen, dass auch in der Landwirtschaft die Grenzen zwischen Verträglichem, vielleicht Sinnvollem und einfach nur Geld verdienen oft willkürlich gezeichnet werden, meist nach rein wirtschaftlichen Aspekten. Darüber hinaus prangert der Vegetarier die Viehzucht als schrecklichen Ressourcenverbrauch und grausame Tierquälerei an, der Durchschnittskotelettesser hingegen interessiert sich meist nur dafür, ob er sein Stück "Lebenskraft" auch billig genug erhält. - Beide Sichtweisen zeigen allerdings Grenzen, ganz einfach in dem man gewisse Aspekte auslässt, welche aber notwendiger Bestandteil einer Gesamtlösung sein müssen.

Das sieht bei den Fischfarmen auch nicht anders aus, da gibt es auch keine generell gültige Aussage, die sind gut, oder schlecht. - Niemand aber wird bestreiten, dass nicht die Fischfarmen dafür gesorgt haben, dass die Fischbestände in den Ozeanen immer mehr abnehmen, sondern die Fischerei selbst und der Versuch, Fisch nun nach rationellen und wirtschaftlichen Methoden zu ziehen, eine Antwort auf die leer gefischten Meere ist. - Wie weit dabei grobe Verletzungen der Meeresfauna und Flora auftreten, das ist nun die berühmte Frage, welche geklärt werden muss und in weitere Planungen mit einbezogen. - Bislang gibt es aber keine unabhängigen Studien über die Belastung unseres Meeresbodens durch die bereits vorhandenen Fischfarmen vor der Küste Tazacortes und Tijarafes. - Es gibt lediglich schlechte Beispiele aus anderen Regionen, die für hier nicht zwingend gültig sein müssen, da wir andere Strömungsbedingungen haben und zum Beispiel die hiesigen Netze in deutlich tieferem Wasser installiert sind als in vielen anderen Fischzuchtgebieten. - Allerdings reicht die Aussage der firmeneigenen Biologen der Zuchtanlagen auch nicht aus, die selbstverständlich von wunderbarer Umweltverträglichkeit sprechen. - Zu den bereits installierten Käfigen, die übrigens leckere Doraden und Wolfsbarsche immer frisch liefern, sollen noch weitere 70 Schwimmkäfige hinzukommen und dagegen formiert sich immer breiterer Widerstand. - Allerdings weiß keiner von uns so wirklich, was da unter den Netzen geschieht und dennoch wollen wir eine Meinung dazu haben, das reicht aber nicht als Diskussions- und Entscheidungsgrundlage, man sollte schon genauer wissen, was dort los ist, bevor man weitere Produktionsanlagen zulässt, oder verbietet. - Ob es wirklich unabhängige Studien gibt, das zweifelt ja auch immer die Partei an, welche als "Verlierer" solcher Untersuchungen dasteht, meist bleibt mindestens ein fader Nachgeschmack, manchmal nach Fisch, meist aber nach Geld. - Weiterhin sollte man aber auch Probleme bedenken, die jenseits der Schwimmkäfige entstehen und vielleicht als Auflagen für die Erweiterung der Anlagen dienen könnten: Woraus wird das Futter gemacht, mit denen die Fische ernährt werden, werden Medikamente verabreicht und welche und warum und nicht zuletzt, kommt das mit den Fischfarmen erwirtschaftete Geld auch wieder der Region zugute, oder fließt das mit den verkauften Fischen irgendwo hin ab. - Nur Fragen, aber die sind Grundlage einer notwendigen und öffentlichen Diskussion über das Für und Wider und nichts anderes geschieht auch hier auf La Palma inzwischen, dass breite Teile der Bevölkerung Fragen stellen und das ist gut so. - Jetzt müssen wir nur noch lernen, wie man aus den Antworten den Rauch vom Braten trennt, oder meinetwegen für Vegetarier, die Spreu vom Bioweizen.



Montag 07.04.08 - 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad, Niederschlag 7 mm Luftfeuchte 88 % Luftdruck 1008 hPa
Höchsttemperatur heute 17,6 Grad - niedrigste Temperatur 13,9 Grad

Die Grüne Insel gibt sich zickig

Kaum Regen, kein wirklich scharfer Wind aus Südwest und dennoch konnten mehrere Flieger gestern und heute nicht landen. - Man braucht aber wegen unserer besonderen Orographie auch keinen handfesten Sturm um den Flugverkehr zu beeinträchtigen, die Insel sorgt selbst für aberwitzige Windverhältnisse und eben diese Scherwinde, welche den Flugzeugen so zu schaffen machen. - Man muss sich das so vorstellen: Die Winde ziehen ungestört über den Atlantik und treffen plötzlich auf ein Hindernis, welches sich beim zweiten Hinsehen als Insel herausstellt. - Die Winde werden nun an den steilen Hängen der Insel nach oben dirigiert und so auch komprimiert und erreicht nun ein mittlerer Wind von zum Beispiel 50 Stundenkilometer den Grat, dann saust der Wind wie befreit den Hang wieder hinunter und nimmt dabei schon mal die doppelte Geschwindigkeit an. - Dann hängt das noch davon ab, woher der Wind gerade weht und welche Täler und Grate da noch im Weg stehen und schon kommt die unberechenbare Bö aus einer ganz anderen Richtung als vorher. - Meist erlebt man dieses Phänomen der Fallwinde auf der Westseite, weil wir eben deutlich überwiegende Winde aus Nordost haben. - Da brezelt dann die berühmte "Brisa" die Cumbre Nueva herab und sorgt im Aridanetal oft für fliegende Terrassenstühle und verlorene Perücken, obwohl der Wind eigentlich nur mit vielleicht 50 Stundenkilometer auf die Insel trifft. - Das war mal ganz extrem beim Hurrikan Delta zu messen, da gab es mittlere Windgeschwindigkeiten von 110 - 120 Stundenkilometer. - Allerdings wurde knapp auf der Ostseite der Caldera an einer Station der Wert von 320 Kilometern gemessen, da der Wind dort vorher wie durch eine enorme Düse zusammengepresst wurde und dann wieder losgelassen wurde.

Klare und einfache Regel ist, kommt der Wind aus dem Osten, dann gibt es Böen im Westen, und eben umgekehrt. - Da bei uns der Westwind eigentlich immer mit einem Tiefdruck einhergeht, kommt es bei diesen Wetterlagen eben nicht nur zu schlechterer Sicht am Flughafen, sondern eben auch noch zu diesen furchtbar tückischen Scherwinden, die völlig unvorhersehbar und plötzlich auftauchen können. - Das kann für Stunden gut gehen, da der Wind gerade mal eine andere Schneise beharkt, dann dreht die Windrichtung vielleicht nur um zwei, drei Grad, schon fallen die Winde auf den Flughafen ein und machen dabei eine Landung unmöglich. - Minuten später kann es wieder bereits anders aussehen, und die Flugzeuge können wieder landen, aber das liegt nicht am Mut oder an der Waghalsigkeit der Piloten, sondern einzig an den in dem Moment auftretenden Winden. - So fragt sich so mancher Urlauber, warum ist gerade meine Maschine nicht gelandet, die andere, die eine halbe Stunde eher kam, aber doch. - Das mag ungerecht erscheinen und niemand will gerne seinen Urlaubsbeginn oder sein Ende auf diese Art und Weise verschoben sehen, aber die Fallwinde fragen nicht nach unserem Wohlbefinden und nach Terminen, sondern blasen wie und wo sie wollen. - Gestern und heute hat es die Condor unglücklich erwischt. - Die Maschine aus Frankfurt musste gestern nach Tenerife ausweichen, und als sie heute, erneut zwei Versuche unternahm, klappte es wieder nicht. - Eine Stunde davor wäre es wohl gegangen, aber da kam man aus Tenerife gerade nicht los. - Auch die heutige Condor aus München wurde nach Gran Canaria umgeleitet, aus dem gleichen Grund. - Ob es vielleicht ein Trost ist, auch die Maschine aus London konnte nicht auf La Palma landen, das ist also kein Problem der Condor. - Aber ein saftiges Ärgernis, nicht nur für die Gäste, die Unterbringung und der ganze Kuddelmuddel der dabei im planerischen Ablauf für die Fluggesellschaften entsteht, ist ein echter Kostenfaktor und mag inzwischen auch ein Grund dafür sein, dass die Carrier La Palma nicht so ganz begeistert in die Zielliste mit aufnehmen als andere, weniger zickige Ziele. - Grundfrage die sich immer wieder stellt, wie oft kommt das im Jahr vor? - Im Sommer gar nicht und in den sechs Wintermonaten vielleicht vier bis sechs Mal.



Montag 07.04.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 14 Grad, Niederschlag 6 mm Luftfeuchte 94 % Luftdruck 1007 hPa

Ungeliebter Rekord

Nicht jeder Rekord vermeldet ein besonders gutes herausragendes Geschehnis, besonders wenn man das auf die Arbeitslosenzahlen beziehen muss. - 7.066 Menschen ohne Arbeit auf dieser Insel ist ein absoluter Rekord, zumindest wenn man die Jahre rechnet, seit dem es Aufzeichnungen darüber gibt. - Zweimal zuvor hatte man die magisch-katastrophale Grenze von 7.000 bereits knapp überschritten, das waren die Monate Mai und Juni 2005, da gab es 7.021 und 7.015 gemeldete Arbeitslose auf La Palma. - Allerdings sanken die Zahlen danach nur selten unter die Zahl von 6.000 Personen welche Maßnahmen vom Arbeitsamt erhalten, niedrigste Zahl waren 5.774 Arbeitssuchende im Dezember 2006. - Von diesem Zeitpunkt an, stieg die Zahl der Arbeitslosen ohne Korrektur unaufhörlich an, um eben jetzt im März 2008 diesen unschönen Rekord zu erreichen.

So ist dieser kontinuierliche Anstieg schon beunruhigend, zumal es scheinbar kein Halten gibt, zieht man allerdings langfristige Vergleiche heran, dann ist die Zunahme der Zahl der Arbeitslosen auf La Palma geringer, als auf den anderen Kanareninseln. - Das kann aber kein Trost sein, nur Teil der Erklärung. Bei uns trifft die Rezession nur einen Sektor, auf den großen Kanareninseln sieht das anders aus, die müssen Rückgänge im Bausektor mit der schwindenden Zahl der Angestellten im Tourismus zusammen verkraften, wovon besonders Lanzarote und Fuerteventura überproportional betroffen sind. - Auf La Palma spielt der Tourismus in der Statistik der Beschäftigungszahlen eine untergeordnete Rolle und so sind die Zuwächse in der Zahl der Arbeitslosen eigentlich komplett der Bauwirtschaft anzulasten. - Das allerdings verwundert nicht, tritt doch auf La Palma auch eine gewisse Sättigung ein, man braucht keinen zusätzlichen Wohnraum mehr, gepaart mit strengeren Auflagen der Baubehörden und der immer schwierigeren Situation auf dem Sektor der Hypothekenkredite. - Da die Zahl der Arbeitslosen auf allen Kanareninseln ungebremst angestiegen ist, kann man auch keine speziellen Aktionen für La Palma erwarten, sondern es wird die üblichen Reaktionen geben. Man wird nun versuchen, dieses so störrisch reagierende "Schiff" mit Namen MS Konjunktur, durch Sonderprogramme wieder auf Fahrt bringen wollen. - Das bedeutet aber wiederum, dass in solchen Zeiten die aufkeimende Vernunft von behutsamen Wachstum und längerfristiger Planung, bis hin zu nachhaltiger Wirtschaft, rasch durch notwendig erscheinende schnelle Erfolge zunichte gemacht wird. - Steigt die Zahl der Arbeitslosen über einen gewissen Wert an, dann bricht immer Aktionismus los, der meist nur auf kurzfristigen Erfolg schielt und nie die Ursachen bekämpft, sondern nur das akute Fieber. Mehr zu dem komplexen Thema kann man Montagmorgen aber niemandem zumuten...



Sonntag 06.04.08 - 17:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 15 Grad, Niederschlag 5 mm Luftfeuchte 95 % Luftdruck 1004 hPa
Höchsttemperatur heute 17,5 Grad - niedrigste Temperatur 15,2 Grad

Ein Tief, von La Palma bis Madrid

Eigentlich wollte ich nur über das Schmuddelwetter meckern, denn seit gestern Nacht haben sich die Wolken nicht mehr aufgetan und wir sind Teil eines sehr großen Tiefdruckgebietes, welches fast den gesamten Nordatlantik ausfüllt. - Nichts wirklich schlimmes, aber der Wind aus Südwest wird wohl noch weiter zunehmen und in den Bergen erwartet man dann sogar Böen die locker die 100 Stundenkilometer überschreiten können. - Wandern ist also nicht angesagt, bis Mittwoch schätzen wir mal, dann schnellt die vorausgesagte Isobarenkurve wieder steil nach oben und kündet so von neuem Hochdruck und unserem "ewigen" Passat. - Allerdings können die Südwestwinde schon zu Beeinträchtigungen im Flugverkehr führen, da drohen tückische Scherwinde. - Die Niederschläge werden sich auch in Grenzen halten, wir verbergen uns am südlichen Rand des Tiefs und bekommen nicht die komplette Wasserladung ab, zumal sich der Tiefdruckkern bereits in nordöstliche Richtung bewegt. - Wetter-Business as usual für den Frühling, da darf uns schon noch mal der Passat verlassen und uns so Oberflächenwasser aus dem Westen bescheren. - Ich darf aber freimütig zugeben, dass dann La Palma auch nicht unbedingt viel anders ist als mitteleuropäische Landschaften bei Hamburger Wetter. - Allerdings finden viele Betrachter die jagenden Wolken interessant und in der Tat kann man auch photographisch da so manches Schnäppchen abknispen, aber ich muss zugeben, dass solch ein Wetter mir nicht viel mehr gibt, als den vermehrten Matratzendrang mit Wolldeckenimpfung und Heißgetränkespülung.

Bis Mittwoch, dann ist alles wieder in Ordnung. - Aber nicht, wenn man gerade am Donnerstag nach Madrid fliegt, so wie es die Schülergruppe aus dem Adamancasis macht, die nun endlich ihre große Reise antreten. Seit Tagen verfolgen wir nun daher 2 Wettertabellen, könnte es aber eigentlich bei einer belassen, denn das Tief, welches uns im Moment so unangenehm nass macht, das begleitet die Kinder weiter nach Madrid. - Von so viel Treue sind die Kinder ganz überwältigt, wollte man doch am Freitag denn 11. April den gesamten Tag im Freizeitpark "WarnerWorld" verbringen und auch wenn viele Museen und architektonische Pretiosen in Madrid lauern, auf den Freizeitpark sind die Kinder halt ganz besonders spitz. - Nun werden in El Paso die elterlichen Schränke durchwühlt, ob da nicht doch noch irgendwo eine Regenjacke zu finden ist und wo ist eigentlich die warme Jacke hin, die uns Onkel Weißnichtmehrwer mal für solche Gelegenheiten geschickt hatte. - Allerdings tippe ich auch darauf, dass ab morgen der Winterschlussverkauf noch mal Hilfestellung für die besorgten Eltern aus El Paso eingeführt werden muss, denn beim genauen Hinsehen, entpuppt sich die warme Jacke als Relikt aus der Zeit da uns der Hurrikan Delta eingeheizt hat und ist längst nicht mehr von angehenden Teenagern tragbar. - Nicht nur wegen der Größe, mit den Farben kann man nicht mal als Landei aus El Paso nach Madrid reisen, das habe ich nun, nach mehreren Stunden des verbalen Großangriffes gelernt. - Morgen Nachmittag ist Abschlussbesprechung wegen der Reise nach Madrid und da wird das Thema Wetter sicherlich den ersten Platz einnehmen, denn auch, wenn es sich um das gleiche Tiefdruckgebiet handelt, welches dann Madrid einspeicheln wird, was hier auf La Palma wärmend und Wasser abweisend ist, das kann dort in Madrid doch sicher nicht taugen. - Ich bin mal gespannt, wie viele Kinder es schaffen, dieses Wetter dort, obwohl es das gleiche ist wie hier, als Anlass dazu verwenden werden, von den Eltern komplett neu eingekleidet zu werden. - Vielleicht hätten wir nicht für die Reise sammeln sollen, sondern für die Klamotten…



Sonntag 06.04.08 - 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 15 Grad, Niederschlag 2 mm Luftfeuchte 86 % Luftdruck 1008 hPa

This land is your land, this land is my land…

…from Amagar City to the Tazacorte coastland. - Woody Guthrie kannte diese Insel sicherlich nicht, auf jeden Fall aber nicht den kuriosen Streit zwischen Tijarafe und Los Llanos, wem denn nun die Nordflanke des Ausgangs der Caldera de Taburiente gehört und damit auch die Siedlung Amagar. - Das ist die Ansammlung von Häusern, der man auf halber Höhe begegnet, wenn man von der Schlucht hinauf in den Norden fährt. - Die meisten Inselgäste erinnern sich dabei sicher an die "Geranienwand" die man bergauf auf der linken Seite bewundern konnte, und inzwischen auch schon wieder ahnen kann. - Zwischenzeitlich hatte der Eigentümer die Geranien zurück geschnitten, denn sie drohten im aus der "Hand" zu gleiten, aber es wächst schon wieder. - Los Llanos beansprucht diese Siedlung für sich, gleiches tut Tijarafe und dort zahlen die Anwohner bislang auch ihre Steuern und wenn man die Bewohner dort befragt, dann ist man auch der Meinung in Tijarafe zu wohnen. - Allerdings sieht man das aus der Sicht der Ratsleute in Los Llanos anders und lässt nun einen Streit wieder hochkommen, der bereits in den 80er Jahren für reichlich Polemik gesorgt hatte, aber danach wieder eingeschlafen ist.

Die Siedlung Amagar hat nun den kuriosen Zustand, in zwei lokalen Flächennutzungsplänen aufzutauchen, eben dem der Stadt Los Llanos, aber auch im PGO der Nordgemeinde Tijarafe. - In Los Llanos beruft man sich darauf, dass es eine virtuelle Grenzlinie gäbe, die damals gesetzt wurde, als man das Aridanetal in die drei Gemeinden El Paso, Los Llanos und Tazacorte aufteilte. Tijarafe sieht das anders und es gibt wohl auf Dokumente welche deren These belegen, dass Los Llanos genau im Barranco de Las Angustias aufhört und deshalb die Grenze dort verläuft. - Südlicher Schluchtteil Los Llanos, nördlicher Tijarafe. - Das würde auch irgendwie Sinn machen, allerdings wird dann wieder die Grenzziehung zu Tazacorte fragwürdig, denn dann müsste ein Teil des Hafens von Tazacorte auch zu Tijarafe gehören, genau so wie die Kirche im Barranco de Las Angustias, die aber kurioserweise die Schutzpatronin der Gemeinde Los Llanos beherbergt, die Virgen de Los Remedios. - Tazacorte und Tijarafe haben aber keine Streitigkeiten, auch nicht Tijarafe und El Paso, denn eigentlich könnte man nach der Reglung auch die Siedlung Tenerra Tijarafe zuschlagen, die heute zu El Paso gehört, aber Tijarafe hat aus pragmatischen Gründen niemals dieses Stück Land gefordert, man hat ja auch nicht mal Zugang nach Tenerra, das geht nur von El Paso aus. - Warum nun Los Llanos den alten Streit wieder hochkommen lässt, das kann in der Person des neuen Bürgermeisters liegen, denn der Vorgänger hatte diesen Streit zwar nicht definitiv beendet, aber ruhen lassen, oder aber vielleicht mit den Brückenplänen zusammenhängen, denn dort im umstrittenen Amagar soll das Nordende der Brücke ja ankommen. - Vielleicht geht es aber auch nur um Rechthaberei, so sind die spätreifen Politikerbengels manchmal eben.



Samstag 05.04.08 - 17:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 21 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 66 % Luftdruck 1010 hPa
Höchsttemperatur heute 22,4 Grad - niedrigste Temperatur 13,6 Grad

Samstagabend, Enrique übernimmt und erzählt uns was.

Stachel im Fleisch

Der tut weh, zumindest meistens, und üblicherweise vermeidet man derartige perforierende Erlebnisse nach Möglichkeit. Zu dieser Menge gehöre, kaum verwunderlich, auch ich. Und ich nehme Unachtsamkeiten meinerseits mir selbst gegenüber übel und ärgere mich nachhaltig darüber. Das geschah jüngst wieder einmal, am Ostersamstag. Mein Timing hatte ich scheinbar perfekt ausgearbeitet: Etwa um die Mittagszeit würde ich noch einige Dinge in der Stadt besorgen, um dann rechtzeitig wieder daheim zu sein. Das rechtzeitig war wichtig, denn die Kids hatten sich zum Mittagsmahl eingeladen. Das machen sie manchmal – brauchen sie schon nicht selbst kochen. Das ist kein Vorwurf ! ! !

Mit der mir angeborenen bedächtigen Art hatte ich bis ins Detail geplant, wie ich vorgehen wollte. Das ist sehr angebracht bei mir, denn, mal ehrlich, es ist doch recht peinlich, wenn man an einer Ladenkasse vergeblich nach dem Geldbeutel sucht. Ich wähnte mich gewappnet für mein Vorhaben, fehlte nur noch das Schuhe-Anziehen. Das nicht zu vergessen ist seit einigen Monaten bei mir sehr verinnerlicht, wurde ich doch mal von jemandem ertappt, wie ich im strömenden Regen in Hausschuhen durch El Paso platschte. Gesehen haben das wohl noch mehr, aber nur jener jemand hat mir gegenüber seine Wahrnehmung auch verbal kundgetan.

Also ging es in die Schuhe, raus aus dem Haus und ins Auto. Nach dem Einschalten des Autopiloten merkte ich: Da war etwas komisch mit der Kupplung. Wenn ich darauf trat, tat es mir höllisch weh an der Sohle. Geht vorbei, dachte ich. Tat es aber nicht. Vergrätzt schleppte ich mich und das Auto wieder nach Hause. Schuh ausziehen, Socken runter und irgend eine vermeintlich heilend wirkende Salbe auf die Sohle, so meine unmittelbare Reaktion. Nach zehn Minuten probierte ich die schmerzlädierte Fußsohle, sie schien spürbar erholt. Sicherheitshalber wartete ich noch ein bischen, unterwarf den Fuß einigen weiteren Belastungsproben und fuhr wieder in den Schuh. Diesmal schaffte ich es nicht einmal bis zum Auto. Noch unter der Haustür musste ich, vom Schmerz neuerlich überwältigt, reumütig umkehren. Dieselben kurativen Maßnahmen wie zuvor mit weiteren Abwarteminuten; danach wieder in den Schuh. Jetzt tat es schon weh nur beim Anziehen.

Nun, der aufmerksame Leser wird spätestens jetzt, wenn er denn bis hierher gekommen ist, denken, so einen selten blöden Hammel wie den Enrique gibt es eigentlich nur im Fernsehen oder bei “Kennste schon den?“, und das ist ganz richtig gedacht. Endlich, erst nach einer bald dreiviertel Stunde langen Reaktionszeit, war mir der rettende Gedanke gekommen: Da ist was in dem Schuh. Bei einer zweckdienlichen Kontrolle mit der Hand riss ich mir fast einen Finger auf. Ein Nagel, wie es schien, und der war nicht nur von innen fühlbar, sondern auch von außen sichtbar. Mit einer Zange zog ich an dem etwas merkwürdig geformt scheinenden Kopf des Nagels und letzteren dann heraus. Ein Prachtstück, konnte ich erkennen, fast würdig, mir in die Sohle zu pieksen. Mit Brille genauer betrachtet erwies sich indes der Übeltäter als ein kapitaler Kaktusstachel. Dessen ehemaligen Inhaber konnte ich sofort dingfest machen, er stammt von einem Acanthocereus horridus im Garten, einem Gewächs ähnlich dem vielen bekannten Schwiegermuttersessel, jedoch mit viel schlimmeren und stark gekrümmten Stacheln, reinste Angelhaken. Wie der nun unter meinen Schuh kam, ist mir rätselhaft. Zunächst verdächtigte ich die Katze, die hätte mit ihrem Fell zu dem Ungemach beigetragen können, aber die ist schon vor einiger Zeit verstorben. Weitere Grübeleien zu dem Treffen Stachel mit Schuh unterließ ich, denn inzwischen hatte ich es eilig.

In der Tat kam ich gewissermaßen folgerichtig zu spät zum Mittagsessen; das mit dem ganz fixen Einkauf klappt in den wenigsten Fällen; manchmal müssen mit Bekannten dringend Neuigkeiten ausgetauscht werden, und vielfach schließen sich wortreiche Gespräche an; oder an der Wurst- und Käsetheke kauft jemand vor einem gerade offensichtlich für einen geschlagenen Monat ein, weiß aber noch nicht so recht, was es denn sein darf. Im vorliegenden Fall kam erschwerend und zeitraubend hinzu, dass es keine Chapata gab; aber die würde man mir liebenswürdigerweise schnell zusätzlich auf ein gerade anfälliges Brötchenblech legen und außer der Reihe mitbacken. Nicht weiters schlimm so etwas; macht man eben so lange einen Abstecher in die Cafetería. Die eine oder andere weitere ursprünglich geplante Besorgung verschob ich hernach jedoch auf den weiteren Nachmittag. Es ist bestimmt nicht gesundheitsförderlich, wenn seit Stunden hungrige Mägen auf die Atzung warten müssen.

Das Zusammentreffen des Stachels mit meinem Schuh konnte deduktiv nicht geklärt werden, auf diese Lesart einigte ich mich und ließ die Angelegenheit auf sich beruhen. Mir kamen jedoch dann besinnliche Gedanken. Ostern war fast vorbei, und der Grund für das feierlich begangene Fest ist mir recht geläufig. Eine Dornenkrone kommt ja in diesem Zusammenhang vor; die kam mir spontan bei der Entfernung des Stachels aus dem Schuh in den Sinn zusammen mit der Tatsache, dass es gerade Ostersamstag war. Diese Krone hat mich in grauer Vorzeit, als Steppke, sehr beeindruckt. Deutlich war sie zu sehen auf einer Zeichnung in einem hauseigenen Gottesbüchlein, in dem sich Kinder seinerzeit einigermaßen frei von Nebensächlichkeiten bezüglich des christlichen Glaubens wenigstens in den Grundlagen informieren konnten. Ich merkte mir das damals gut und konnte deshalb auch mühelos die Frage des Pfarrers anläßlich eines Kindergottesdienst beantworteten: Warum litt Christus viel mehr am Kreuz als die beidseitig ebenfalls gekreuzigten Verbrecher? Wegen der Dornenkrone, klar, und dann noch die Nägel durch die Hände und die Füße – ich hatte wohl gesehen, dass in dem erwähnten Gottesbüchlein die beiden anderen Delinquenten nur mit Stricken befestigt am Kreuz hingen. Der Pfarrer war mit meiner Erklärung nicht zufrieden. Jesus trug alle Sünden der Welt musste es korrekt heißen, wie gleich darauf ein Mitpiefke anführte, der schlauer war als ich. Der Zusammenhang war mir zu abstrakt, und weitere Patzer im kindlichen kirchlichen Rahmen blieben mir nicht erspart. Bei einem Weihnachtsgottesdienst mit Kinderbeteiligung beispielsweise wurde nach der wichtigsten Person bei Christi Geburt gefragt. Josef, antwortete ich ganz schnell und laut, bevor es jemand anderes hätte sagen können. Die ganze versammelte Kirchengesellschaft schmunzelte, aber das konnte ich nicht sehen, weil ich mit dem Rücken zu ihr saß; das Geraune indes hörte ich, und das kam mir vor wie allgemeine Zustimmung. Den Pfarrer allerdings konnte ich gut sehen und wie er seine Mundwinkel verzog und danach trotzdem meine Antwort verwarf: Der Josef, also der sei ja bei der Gelegenheit nicht sooo wichtig gewesen.

In der Folge ließ ich deshalb Vorsicht walten bei zu religiösen Themen gestellten Fragen, besonders wenn Gefahr bestand, ich müsste mich dazu äußern. In weiteren Religionsunterrichten zeichnete ich mich eher aus, indem ich selbst Fragen stellte. Mit den Religionen und den religiösen Kirchengemeinschaften habe ich inzwischen Frieden geschlossen, allerdings erst nach jahrzehntelangen bisweilen sehr kritischen Fragestellungen. Und doch stellte ich mir an dem Ostersamstag wieder einmal eine nachdenkliche Frage: Warum musste dieses Osterfest 2008 Ungemach über uns bringen, indem der Karfreitag sich auch schon von einer unharmonischen Seite gezeigt hatte: Die für das Mittagsessen vorgesehenen Tintenfischringe mussten nach dem Auftauen aussortiert werden. Ein schöner Reis – mit Knoblauch und Petersilie im Öl angedünstet, in etwas Fleischbrühe ausgegart – war bereits fertig, ein grüner Salat angerichtet und hungrig machten wir zwei Konserven mit Hering auf. Eine davon hatte ich mal irrtümlich ohne Sehhilfe erworben und wollte nach dem späteren Bemerken des Fehlkaufs denselben unauffällig der Kompetenz des Verfallsdatums überlassen. Davon hat die Konserve irgendwie Wind bekommen, und so schmeckte sie denn auch.




Samstag 05.04.08 - 09:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 15 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 72 % Luftdruck 1011 hPa

Imagepflege

Der größte Steinbruch der Insel liegt schon ganz knapp am Nationalpark und hat, nicht nur deshalb, gewaltige Zukunftssorgen. - Die Konzessionsvergabe ist bis heute zweifelhaft, aber man kann diese Anlage nicht einfach schließen, denn dann stünden die Bauarbeiten auf der halben Insel still, so sehr ist man auf den Kies und Sand aus der Kiesgrube im Riachuleo bei El Paso angewiesen. - Grobschlächtig ist man dort früher umgegangen mit den Ressourcen der Insel und erst seit einiger Zeit, auch bedingt durch einen Wechsel der Eigentümer, bemüht man sich seitens der Firmenleitung um einen umweltverträglicheren Betrieb. - So gut das eben geht, wenn man einen Steinbruch betreibt, der davon lebt, der Erde ihre Rohstoffe zu entreißen. - Die Gemeinde El Paso wollte die Lizenz bereits entziehen und den Steinbruch schließen, musste aber einen Kompromiss mit dem Betreiber finden, da man sonst ohne Baumaterial dastehen würde und schließlich Kies und Sand sogar per Schiff aus anderen Regionen herankarren müsste. - Allerdings sind mit der jetzigen Verlängerung der Konzession über 8 Jahre Bedingungen verknüpft, die letztendlich dazu führen sollen, dass man die Löcher die man vorne gräbt, hinten wieder zuschüttet und bepflanzt.

Der neue Betreiber hatte damit bereits freiwillig begonnen, da ihm wohl klar war, dass man so nicht weitermachen kann und er darauf angewiesen ist, guten Willen zu zeigen, die schwersten landschaftlichen Sünden halbwegs zu kaschieren. - Daraus entwickelt sich nun ein Geschäft, denn man füllt die tiefen Gräben nicht nur mit Aushub, der zum Beispiel vom Tunnelbau gekommen ist, sondern auch mit Schutt der aus Abrissarbeiten im Baugeschäft kommt. - Das ist erlaubt, so lange es sich um reinen Bauschutt handelt, also um Blocksteine, Zement und alle Derivate, welche letztendlich aus Stein gewonnen werden. - Nicht abgeschüttet werden dürfen Metalle, Holz, Kunststoffe und Glas, so dass die Baufirma beim Abriss bereits eine rigorose Trennung des Materials vornehmen muss, sonst wird der LKW beim Versuch seine Lasten los zu werden, wieder weggeschickt. - So die Theorie, allerdings hörte man auch schon von gewissen Geschäften, die eine laxere Praxis der Kontrolle voraussetzten, aber dabei handelt es sich um Gerüchte, und man hat den Betreiber noch nicht dabei erwischen können, dass er die Auflagen nicht erfüllt, also muss man davon ausgehen, dass er seine Sache ordentlich macht. - Einen reichlich progressiven Schritt nimmt die Firmenleitung auch gerne, man präsentiert sich selbst als Aktivposten im Landschaftsschutz und hat ein Bepflanzungsprogramm ins Leben gerufen, welches die groben Verletzungen der dortigen Landschaft zumindest optisch ungeschehen machen soll. - Dazu werden auch, ganz publikumswirksam, Schulkassen eingeladen, man erklärt den jungen Menschen den Betrieb der Anlage und Höhepunkt ist das gemeinsame Pflanzen junger Bäume, so schön, werbewirksam und gut verkäuflich kann progressive Imagepflege sein. - Dazu werden natürlich auch die Vertreter der Gemeinde eingeladen, die angesichts der wunderbaren Bilder, von Bäume pflanzenden Kindern, ihren Sanftmut über die grausamen Paragraphen siegen lassen sollen. - Es funktioniert und auch seitens der Gemeinde weiß man sehr gut, nimmt man dem jetzigen Betreiber die Lizenz weg, dann ist niemand mehr da, der die bereits bestehenden Riesenlöcher dort nahe am Nationalpark wieder stopft. - Ein gewagter Pakt, aber wohl die einzige Möglichkeit, eine Situation zu vermeiden, in der alle nur verlieren können. - Der moderne Mensch würde dann von einer "lose-lose-Situation" sprechen und wieder mal bin ich heilfroh, nicht modern zu sein.


Steinbruch bei El Paso


Steinbruch bei El Paso



Freitag 04.04.08 - 17:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 22 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 53 % Luftdruck 1011 hPa
Höchsttemperatur heute 22,9 Grad - niedrigste Temperatur 15,2 Grad

Fram kommt

Nein, ich habe mich nicht verschrieben, es soll nicht Fran heißen, die hier übliche Abkürzung für Franzisco. - Schreibt man aber MS Fram, dann weiß man schon eher was gemeint ist. - Ja, ein Schiff wird kommen und eben genau dieses neue Expeditionsschiff der "Hurtigruten". - Nun darf man natürlich fragen, was macht ein Schiff der berühmten "Hurtigruten" hier auf La Palma, die gehören doch nach Norwegen und in die Arktis und so weiter. - Stimmt, aber diese Reederei fährt auch auf besonderen Routen in die Antarktis und genau da kommt die MS Fram auch her und macht auf ihrem Rückweg nach Las Palmas eben auch auf La Palma Station und das heute um die Mittagszeit. - Damit ist die MS Fram auch das erste Schiff welches La Palma als europäischen "Schengen-Hafen" anläuft, denn es kommt von den Kapverden und erreicht europäisches Gebiet zuerst auf La Palma. - So können wir heute beweisen, dass wir den Anforderungen gewachsen sind und den gesamten Papierkram auch hier auf La Palma abwickeln können den es braucht, wenn ein Schiff einen europäischen Hafen anläuft. - Wäre La Palma kein internationaler Hafen geworden, und das ist erst ein paar Wochen her, dann hätte die Fram bei uns auch nicht Station gemacht, sondern wäre nach Tenerife oder gleich nach Gran Canaria gefahren. - Also heute ist Premierentag und es ist sicher gut, dass es sich um ein echtes Luxusschiff handelt mit nur 300 Passagieren und nicht um eine hochseetüchtiger Rentneraufbewahrungsanstalt, welche gleich mehrere tausend weißfleischige britische und deutsche Pensionäre hin und her schippert. - Bei 300 Passagieren wird es keine Überforderung der Grenzbeamten geben, die das ja hier auf La Palma heute das erste Mal diese Einreisekontrollen vornehmen müssen.

Auf der Suche nach ein bisschen Hintergrundinformationen über die MS Fram habe ich auch die Reiseroute entdeckt, welche das Schiff genommen hat, bevor es auf La Palma europäisches Gebiet erreicht. - Die Reisenden wurden nach Südchile geflogen, nach Ushuaia, kennt man doch… und von dort aus ging es weiter durch die "Drake-Passage" in die Antarktis. - Dort besuchte man auf den Spuren Ernest Shackletons einige Inseln um dann wieder nach Norden zu fahren, nach Südgeorgien und zu den Falklandinseln. - Dann weiter nach Montevideo und die südamerikanische Küste hinauf nach Rio de Janeiro, Salvador de Bahia und Recife. - Dann westlich auf den Atlantik, auf die brasilianische Insel Fernando de Noronha um dann in Richtung Kapverden den amerikanischen Kontinent zu verlassen. - Zwei Stationen auf unserem südlichen Nachbararchipel um schließlich, und das ist heute, auf den Kanaren anzukommen, auf La Palma. - Dann geht es weiter nach La Gomera und übermorgen endet die Reise in Las Palmas. - Von dort aus geht es dann mit dem Flugzeug zurück nach Mitteleuropa. - Das ist eine Tour, die mir richtig gefallen könnte und wirklich interessante Stationen besucht hat, wer da nicht auf seine Kosten kommt, dem ist nicht mehr zu helfen. - Apropos Kosten, zwischen 8.000 und 10.000 Euro kostet die 40 tägige Reise in den "normalen" Kabinen für 3 oder 4 Personen, wer ein bisschen mehr Platz haben will und lieber mit seinem Partner sich eine Kabine alleine teilt, der muss dann schon bis zu 23.000 Euro auf den norwegischen Tisch legen. - ¡Pro Person! - ¡Ahoi Fram!



Freitag 04.04.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 16 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 89 % Luftdruck 1011 hPa

Der nächste Schritt des Wahnsinns

Fangen wir mit dem Positiven an. - Man kann Ananasfarmen in Alaska ruhig erlauben, das heißt aber noch lange nicht, dass diese auch wirklich entstehen werden. - Der touristische Sondernutzungsplan für La Palma, der so oft zitierte "PTE" (Plan Territorial Especial de Ordenación de la Actividad Turística), hat gestern in einer Sitzung des COTMAC (Comisión de Ordenación del Territorio y del Medio Ambiente) seine fast endgültige Salbung erhalten, lediglich einige Hotelprojekte gehen zurück in die Warteschleife, denen muss noch ein entsprechendes Thema zugeordnet werden, wozu allerdings eine reine Willenserklärung ausreicht. - Der "PTE" sieht, unter manchen vernünftigen Aspekten, auch eine komplette Hinwendung des touristischen Angebotes La Palmas zum konventionellen Tourismus hin, was zunächst bedeutet, dass man mit großen Infrastrukturmaßnahmen wie Hotels, Golfplätze, Sporthäfen und anderen Projekten, eine entsprechende Plattform schafft. - Damit stellt sich La Palma naht- und willenlos in die Schlange der Regionen, die ohne echtes Nachdenken und Mut in eine touristische Zukunft investieren, die längst durch Sättigungen und Preiskampf an jeglicher Attraktivität für die entsprechenden Regionen verloren hat. - Warum das so ist, da muss man als Erklärung entweder groben Unmut annehmen, oder noch viel unangenehmer, pragmatische Beugung vor investitionswilligen Heuschrecken, die in Marbella oder Mallorca schon keinen Platz mehr für ihr lästig gewordenes Geld gefunden haben.

Grundsätzlich kann Tourismus ein gutes Geschäft sein, und es ist auch nichts verwerfliches daran, wenn eine Region sich dafür bereit macht, allerdings muss dabei immer das Wohl der Region und der Bevölkerung im Vordergrund stehen und die gesellschaftlichen Anforderungen der Gesellschaft berücksichtigt werden. Auch sollte man als Planer die Wirtschaftlichkeit der Projekte im Auge behalten und da steht die größte Kritik an, lässt man mal die ökologischen Konsequenzen außer Acht, welche derart große Infrastrukturarbeiten mit sich bringen. - Da es bereits ein weltweites Überangebot gibt im Sektor des konventionellen Tourismus, und dieses Überangebot in den kommenden Jahren noch wächst, da zum Beispiel auch Marokko nach Jahren des Schlafes nun heftig in den Ausbau von Hotelanlagen, Sporthäfen und Golfplätzen investiert, begibt man sich mit einem vergleichbaren Angebot in den diabolischen Strudel des Preiskampfes. Noch dazu hat La Palma ganz spezifische landschaftliche Eigenheiten, die alles andere als förderlich sind für den konventionellen Tourismus, so stehen unser Mangel an Stränden und das nichtkonforme atlantische Wetter im krassen Gegensatz zu grundsätzlichen Anforderungen im Angebotskatalog des "südlichen Aktivurlaubers". - Es ist schwer nachzuvollziehen, warum gerade diese aufregende Insel den dumpfen Weg der touristischen Pauschalnorm entsprechen soll und wie das Konzept aufgehen wird, wo wir doch heute bereits extrem schlechte Auslastungen unseres schon bestehenden Hotelangebotes haben. - Dem Überangebot noch weitere Konkurrenz hinzuzufügen, ist schlichtweg als unsinnig bis hin zu gefährlich zu bezeichnen und der Glaube, mit neuen Angeboten wie Golfplätzen und Jachthäfen ausreichend neues Publikum auf die Insel zu locken, eigentlich schon fast kindlich naiv. - Gut, damit wachsen auch noch keine Ananas in Alaska und man kann nur hoffen, dass die Investoren sich gut überlegen, ob es denn wirtschaftlich attraktiv ist, hier auf La Palma in einem deutlich gesättigten Sektor zu investieren. - Noch mehr Hotels sind nicht gut, aber noch nicht schlimm. - Ein Golfplatz auf La Palma wäre auch keine Katastrophe, wenn aber diese ganzen Anlagen nicht funktionieren und aus dem entstehenden Preisdruck diese Insel Ziel für Billigtourismus wird, der willfährig überall auf der Welt dahin geht, wo man "´ne Mark" sparen kann, dann beraubt man sich freiwillig und absehbar jeglicher Attraktivität und Exklusivität, die grundsätzlich nötig sind um Qualitätstourismus anbieten zu können. - Erste Vorboten dieses regionalen Ausverkaufs sind anhand der Angebote auf dem "All-inclusive" Sektor bereits deutlich und erkennbar.



Donnerstag 03.04.08 - 17:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 21 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 68 % Luftdruck 1009 hPa
Höchsttemperatur heute 22,5 Grad - niedrigste Temperatur 15,8 Grad

Die Kanarische Kiefer im Film

Erich Plönißen hat uns wieder einen Film geschickt, und ich als Bewunderer der Kanarischen Kiefer bezeichne diesen Film mal ganz subjektiv als sein "Meisterwerk". - Ich biete dazu noch einen Text, den ich mal für eine andere Stelle geschrieben habe und hier noch nicht veröffentlicht. - Der Film ist 18:00 Minuten lang und es dauert ein bisschen das herunter zu laden, aber wer was für La Palma übrig hat und auch die Bedeutung der Kanarischen Kiefer für unsere Insel kennt, der sollte sich den Film nicht entgehen lassen. - Zugleich möchte ich mich noch mal bei Erich Plönißen bedanken, dass er uns seine Filme hier zugänglich gemacht hat, es ist eine Bereicherung für alle La Palma Fans. - HIER geht es zum Film:

Die Kanarische Kiefer

Wann und wie die Kiefer auf unsere Insel kam, das weiß man nicht so recht, unbestritten ist aber, dass diese Insel ohne die "Pinos", wie man sie hier nennt, völlig anders aussehen würde und wohl kahl und unfruchtbar wäre. - Wobei das sicher äußerst interessant wäre, ob denn vor vielleicht einer Million Jahren ein Zapfen angeschwommen kam, oder ein Vogel diesen zukunftsweisenden Samen auf diese Inseln brachte. - Auf jeden Fall kamen die Samen aus Europa, denn die Kanarische Kiefer ist mit den dort heimischen Bäumen eng verwandt. Auf den Kanaren allerdings veränderte sich der Baum, passte sich an die klimatologischen Bedingungen an, genau so wie an das andere Nahrungsangebot, welches nun aus jungem Boden vulkanischen Ursprungs zu suchen war. Inzwischen gilt "Pinus canariensis" als eine endemisch kanarische Pflanze, welche auf allen Kanareninseln außer Lanzarote und Fuerteventura vorkommt. - Auffälligster Unterschied zu den mitteleuropäischen Kiefern sind die bis zu 30 Zentimeter langen Nadeln, die in dicken Büscheln an den eher kurzen Ästen hängen. - Die Länge der Nadeln und der dichte Bestand dieser "Blätter" deutet auch schon auf die hervorragende Eigenschaft dieses Baumes hin, die Kanarische Kiefer ist in der Lage Wasser aus den Wolken zu kondensieren und gießt auf diese Art und Weise nicht nur die eigenen Wurzeln, sondern hinterlässt sogar noch einen Feuchtigkeitsüberschuss im Boden. - Dazu braucht man natürlich nicht nur den Baum, sondern auch noch die entsprechenden klimatologischen Bedingungen und diese liefert der "ewige Passat" mit seiner wasserreichen Wolkenfracht, die er auf seinem Kreislauf über dem Nordatlantik aufgesogen hat. - Man dürfte nun wieder die Frage stellen, wer war zuerst da, der Passat oder die Kiefern und dieses Mal traue ich mir sogar eine Antwort zu, sicher ist das Klimasystem Azorenhoch auf dem Nordatlantik älter als es Kiefern auf den Kanaren gibt, so dass man eindeutig sagen muss, die Kanarische Kiefer ist ein Produkt des Passats. - Aber nicht nur der Passat hat unsere Kiefer verändert, auch die wohl in früheren Zeiten immer wieder verheerend wütenden Waldbrände haben unseren Lieblingsbaum dazu gebracht, sich gegen Feuer zu wappnen. - So übersteht die Kanarische Kiefer selbst heftige Waldbrände und opfert die Nadeln, Äste und die Rinde, um dann nach wenigen Monaten bereits wieder erstaunliches Grün sprießen zu lassen. - Wie prächtig für diese Insel, dass der Baum so wandlungsfähig ist und seit seiner Wandlung, La Palma mit einem stetigen Fluss an Wasser versorgt, ohne dass es regnen muss. - Tropfen für Tropfen lassen die Nadeln der Kiefer ihr so gewonnenes Wasser auf den porösen Vulkanboden sinken und füllen nun die unzählbar vielen Kavernen, welche die gesamte Insel wie einen Tilsiter-Käse durchziehen. - Das meiste dieses Wassers verliert sich wohl irgendwann unter die Meeresoberfläche, mischt sich dort dann mit dem ebenso eingedrungenen Salzwasser und verliert somit den Wert als nutzbares Trink- oder Gießwasser. Allerdings gelangt auch viel von diesem Wasser wieder durch Quellen an die Oberfläche, oder seit dem Menschen diese Insel besiedeln, bohrt man Stollen in die Inselflanke, bis man auf Wasser stößt und das geschieht meist recht flott. - So hat sich auch das, zugegeben völlig schwer verständliche Wasserverteilungssystem auf La Palma entwickelt, welches auch heute noch fast das komplette Wasser dieser Insel in privaten Händen lässt. - Wie groß nun der Anteil des von den Kiefern aus dem Passat "gemolkenen" Wassers im Gesamtwasserhaushalt der Insel ist, das ist nie komplett errechnet worden. Allerdings gehen manche Spezialisten, die sich eingehender mit der Materie beschäftigen davon aus, dass die Kiefern mehr, und vor allem effektiver den Wasserhaushalt dieser Insel gestalten, als die Regenfälle welche meist aus dem Westen auf die Kanaren anbranden. - Dazu muss man sich nur das Relief dieser Insel betrachten und die von den Wolkengüssen geformten Schluchten ansehen, das allermeiste Regenwasser fließt nicht nur ungenutzt ins Meer, sondern richtet auf dem Weg dorthin noch heftige Schäden an und ist der größte Erosionsfaktor auf La Palma und den anderen westlichen Kanareninseln. - Nur wenn der Regen langsam fällt und komplett vom Boden aufgenommen werden kann, dann ist dieses Wasser auch nützlich. - Dagegen sprechen halt die Wolkenbrüche welche sich in so einem Tief aus Westen verstecken und eben die steile Orographie der Insel, welche keine Tümpel, Seen oder gar Bäche zulässt, sondern alles Wasser sofort in Richtung Meer schickt. - Die Bewohner der Inseln kannten den Wert der Kiefern nicht immer so konkret wie heute, so nutzte man das harte Kernholz immer schon zum Wohnungs- und Schiffbau. - Darüber hinaus gewann man auch noch Baumharz aus den Kiefern und Holzkohle, was dazu führte, dass viele Kiefernwälder auf den Kanaren ganz oder teilweise verschwunden sind. - La Palma hat da mehr Glück gehabt, die Gier nach Baumharz und Holzkohle war hier nicht so groß wie auf den stärker besiedelten Inseln, so dass unsere Insel heute den größten zusammenhängenden Kiefernwald der Kanaren besitzt. - Heute darf kein "Pino" mehr ohne Erlaubnis gefällt werden und so bedeckt ein Kiefernwald die komplette Insel ab einer Höhe von etwa 700 Metern und das bis hinauf auf 2.000 Meter. So gibt es keine wichtigere Pflanze für diese Insel und man könnte sich nur widerwillig vorstellen, wie denn unsere Insel und eben auch der Wasserhaushalt dieser Insel aussehen würde, wäre da mal nicht irgendwann ein Kiefernzapfen über den Atlantik geschwommen oder ein Vogel mit seiner zukunftsträchtigen Fracht im Bauch hier gelandet. - Aber eigentlich ist das nur eines der unendlich vielen Beispiele für die augenscheinliche Willkür der Evolution. - Da haben wir aber noch mal Glück gehabt mit unserem Wunderbaum.


Die Kanarische Kiefer bei der Arbeit



Donnerstag 03.04.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 16 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 74 % Luftdruck 1010 hPa

Unfreiwillige Kindesentführung

Auch wenn das hier die Seite La Palma Aktuell ist, manchmal springen einem Dinge ins Auge, welche auf den anderen Kanareninseln passieren und doch irgendwie auch hier her gehören. - Die Geschichte ist fast lustig, jedenfalls gibt es bereits Hollywood-Filme mit ähnlichem Inhalt. - Eine junge Mutter fährt in der Hauptstadt Lanzarotes ihr Kind von der Schule abholen, zusammen mit ihrem zweiten Kind, einem kleinen Sohn, der noch im Säuglingsalter auf der Rückbank des Wagens ein Schläfchen hält. - Von dort wo sie geparkt hat, sind es nur wenige Meter zum Schuleingang, das Kind schläft, da lasse ich es besser im Auto, sonst wacht es auf. Schlüssel bleibt stecken und die Tür sowieso offen, den Moment passiert schon nichts. - Da kommt der 43 jährige Insasse einer Strafanstalt vorbei, der gerade Hafturlaub genießt und ist des Gehens müde und erkennt die einfache Möglichkeit des schnelleren Transportes. - Also rein ins Auto, Schlüssel umgedreht und ab. - Die junge Mutter kommt gerade wieder, sieht, dass jemand mit ihrem Auto und dem Kind darin wegfährt und läuft dem Auto noch schreiend hinterher. - Ich habe doch gesagt, wie in Hollywoodfilmen.

Passanten rufen schnell die Polizei und die schnappt nur kurze Zeit später den Übeltäter, der gar nicht mitbekommen hatte, dass er nicht nur ein Auto gestohlen, sondern auch noch ein Kind entführt hat. - Das Kind schlief übrigens immer noch, der Junge hat einen guten Schlaf. - Der Hafturlaub war hiermit beendet, nun aber brechen über die junge Mutter schwere Vorwürfe herein, sie hätte sich nicht ausreichend um ihr Kind gekümmert und sie sei mitschuldig daran, dass es überhaupt zu dieser Situation gekommen ist. - In der Tat, hätte sie das Kind mitgenommen, den Schlüssel nicht stecken lassen und das Fahrzeug abgeschlossen, dann wäre das nicht passiert. - Allerdings wäre das Ganze auch nicht vorgekommen, wenn der Häftling keinen Urlaub genossen, oder die andere Straßenseite genommen hätte. - Der jungen Mutter aber nun Vorwürfe zu machen, die sicher unvorsichtig war, aber doch nicht verwerflich gehandelt hat, das geht mehrere Stufen zu weit. - Die Situation kennen alle Eltern, und man kann nicht 24 Stunden immer das Kind mitnehmen, besonders wenn man sich nur ein paar Meter vom Auto entfernt und der Säugling gerade schläft. - Besonders die anderen Mütter, welche auch an der Schule auf ihre Kinder warteten, gingen mit der jungen Frau besonders hart ins Gericht, wie man denn so etwas machen könnte, das Kind im Auto lassen und den Schlüssel stecken. - Man sollte mal nachfragen, wie viele dieser Supermütter ihr kleines Kind gerade in dem Moment zuhause alleine gelassen haben und nun noch später zurückkommen, weil man ja noch ordentlich über den Fall diskutieren muss. - Moral von der Geschicht, die gibt es nicht. - Nur eine erschrockene Mutter in Lanzarote die nun ihr Kind mittags nicht mehr schlafen lässt und einen Dieb, der bevor er das nächste Auto klaut, sicher erst die Rückbank inspiziert.



Mittwoch 02.04.08 - 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 24 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 57 % Luftdruck 1011 hPa
Höchsttemperatur heute 24,8 Grad - niedrigste Temperatur 15,4 Grad

Fremdsprache

Neulich durften wir wieder mal eine Nachfrage von Gästen beantworten, die unbedingt wissen wollten, ob man sich mit den Einheimischen besser auf Deutsch, oder Englisch unterhalten könne. - Da ist die Beantwortung nicht wirklich schwer, die Spanier sprechen überraschenderweise am besten Spanisch, wer hätte das gedacht. - Allerdings gibt es auch auf unserer Insel bereits die Speisekarten, meist in sehr lustigen Übersetzungen, da haben "Bable Fish" oder "Google" meistens phantasievolle Wortschöpfungen hinterlassen. - Das ist aber nicht schlimm, aus beobachtender Erfahrung weiß ich sehr wohl, dass anspruchsvolle Individualreisende übersetzte Speisekarten gar nicht so sehr schätzen, weil das am Authentizitätsimage des Lokals kratzt. - Nach Deutsch und Englisch, einfach weil die meisten Urlauber auf dieser Insel aus deutschsprachigen Regionen kommen und Englisch so etwas wie ein internationales Pflichtprogramm ist, gibt es eigentlich keine weiteren Übersetzungen hier. - In Frage käme noch Niederländisch, Flämisch oder Französisch, für die paar Wallonen und Welschen (Romands - französisch sprechende Schweizer), die sich strikt weigern, Flämisch zu verstehen oder Deutsch. - Die Flamen und Niederländer kommen bestens mit Deutsch klar, werden ehrlich gesagt von den meisten Einheimischen auch gar nicht als "Nichtdeutsche" erkannt, wem das nun schmeicheln oder ärgern soll, das überlasse ich ganz und gar Ihnen. - Was wir aber nicht haben, das sind französische Touristen, deshalb ist es auch gar nicht so einfach, hier irgendetwas Geschriebenes auf Französisch zu finden. - Einfach mangels Masse ist das so und keine Unterlassungssünde.

Das ändert sich nun profund, der französische Wanderverein ist hier auf der Insel und wird nun einen Wanderführer auf Französisch erstellen, damit die paar Wallonen und Romands sich nicht mehr sprachlich so weit bücken müssen und andere Dialekte zu probieren, ob sie denn noch auf dem richtigen Weg seien. - Ich finde das toll, auch für sprachliche Randgruppen soll La Palma nicht verschlossen sein, allerdings wage ich zu bemerken, dass es vielleicht sinnvoller wäre, erstmal die Masse der Urlauber sprachlich zu bedienen. Es gibt auf Deutsch und Englisch zwar privates Material in guter Qualität zu erwerben, aber das sind, wie gesagt, gewerbliche Broschüren, einen Wanderplan oder gar Führer der Insel selbst, oder des Alpenvereines, die gibt es nicht. - Den gibt es auch auf Spanisch übrigens nicht, aber bald eben auf Französisch, einer Sprache, die hier auf der Insel muttersprachlich so gut wie nicht vorhanden ist. - Macht nichts, dafür gibt es jetzt neue Schilder in den Bergen, aus Edelstahl und rot und endlich auch mit Kilometeranzeigen, damit der geneigte Bochumer sich etwa eine Vorstellung machen kann, wie lange er noch bergauf oder bergab laufen muss. - Wenn das nicht reicht, dann haben wir noch eine Petition an die koreanischen und albanischen Wanderverbände gesandt und würden auch gerne in deren Sprachen unsere Landschaften und Wanderwege ausdrücken. - Wie immer, weltoffen sind wir und nicht kleinlich, oft lustig und schon gar nicht peinlich…


Wandern auf La Palma



Mittwoch 02.04.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 15 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 77 % Luftdruck 1013 hPa

Abgesang auf eine ehemalige Monokultur

Seit über 100 Jahren nun dominiert uns in der Landwirtschaft nun eine Pflanze, die Banane. - Mehr geachtet als Einkommensquelle als wirklich geliebt, und alles andere was man in die Erde steckt um damit seinen Lebensunterhalt zu bewerkstelligen, scheint fast brotlose Kunst zu sein, so dass man die Bananen wohl als Monokultur betrachten kann, obwohl die überwiegende landwirtschaftliche Nutzfläche entweder brach liegt, oder mit anderen Feldfrüchten belegt ist. - Aber das war nicht immer so, es gab auch Zeiten, da war man eher auf die Cochenille-Zucht angewiesen, oder auf Wein, Tabak und Zuckerrohr. - Ein, über die Jahrhunderte sich wandelndes Spiel von Angebot und Nachfrage, welches bis auf den heutigen Tag anhält und nur durch Ausgleichszahlungen in beträchtlicher Höhe munter so weiter zu gehen scheint. Das Zauberwort in diesen Situationen ist wohl "Diversifikation", was zunächst nichts anderes bedeutet, als dass man ein zweites Bein, mindestens ein zweites, auch stramm auf den Boden bekommt, um nicht den Halt zu verlieren, wenn das andere Beim mal schlapp machen sollte. So ist ja die Frage nach der Gefahr einer Monokultur aus ökonomischer Sicht immer erst dann gegeben, wenn keiner mehr das Produkt kaufen will, welches man da so einseitig produziert und man dann plötzlich, oder auch weniger plötzlich damit umgehen soll, dass der Großteil des volkswirtschaftlichen Einkommens nicht mehr vorhanden ist.

Jedes Mal folgte auf einen solchen Zusammenbruch bislang hier auf La Palma eine heftige Rezession, meist mit der logischen Folge der massenhaften Emigration und der gleichzeitigen Suche nach einem neuen Erwerbszweig, der das nun vorhandene Loch stopfen kann. - Oft genug hat man sich früher von Abhängigkeit zu Abhängigkeit gehangelt, sprich eine Monokultur löste die vorhergegangene an und wenn man damit mehr als 3 Generationen satt bekommt, bevor die nächste Auswanderungswelle her muss, dann ist das zwar nicht unbedingt als nachhaltig zu bezeichnen, wird aber von denjenigen, welche die Monokultur ernährt, nicht wirklich in Frage gestellt. - Nun soll ein Zuckermuseum her, um an die große-bescheidene Zeit der Ära Zuckerrohr auf La Palma zu erinnern. - Groß war die Zeit für diejenigen, welche Handel mit dem Rohr betrieben und das Land besaßen, bescheiden war die Zeit für die anderen, welche auf den Plantagen arbeiten mussten. - Man kann, bis auf ganz rezente Ausnahmen, durchaus davon ausgehen, dass überall da im Aridanetal wo heute Bananen stehen, früher Zuckerrohr angebaut wurde. - Das Aquädukt von Argual, welches heute noch in Teilen erhalten ist, diente ursprünglich nicht dazu die Bananenplantagen in Tazacorte mit Wasser zu versorgen, sondern das Zuckerrohr. - Los Llanos will unbedingt mit einem Museum an die "Ära-Zuckerrohr" erinnern, sucht aber noch Ideen-, Platz- und Geldgeber dafür, also so ziemlich alles, was noch zwischen dem Vorhaben und einer Verwirklichung steht. - Macht aber nichts, so ein Museum ist sicher eine feine Geschichte und kann auch dazu dienen, den Sinn für die Gefahren solch monotoner Wirtschaftskreisläufe zu schärfen. - Kann, muss aber nicht und wenn eine Monokultur erstmal ein Museum erhält, dann kann man ja davon ausgehen, dass es sich um ein Relikt vergangener Zeiten handelt. - Dann allerdings fragt man sich, warum wir bereits ein Bananenmuseum haben und mit Los Cancajos fast eine komplette Siedlung, die man ohne großen weiteren Aufwand als Tourismusmuseum verkleiden könnte.



Dienstag 01.04.08 - 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 25 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 51 % Luftdruck 1016 hPa
Höchsttemperatur heute 25,9 Grad - niedrigste Temperatur 15,8 Grad

Bis dass der TÜV uns scheidet

Gut, bei uns heißt das nicht TÜV sondern ITV (Inspección Técnica de Vehiculos), aber auch hier hat diese Institution schon für so manchen Blechehebruch gesorgt. - Und man sollte nicht meinen, unsere Inspektoren seien nicht so heftig-deftig wie ihre deutschen Kollegen, da wird mit harten Bandagen geklopft, geboten und gemessen, ob denn noch alles in Ordnung ist an unseren Autos. - So muss ich mit meiner, inzwischen 18 Jahre alten Kiste sogar jedes halbe Jahr zur ITV. - Da wir aber hier keinen Rost kennen, es sei denn man wohnt direkt am Meer, ist 18 Jahre für einen Toyota nicht wirklich ein scheidungsfähiges Alter. - Das ist auch gut so, denn im Moment wüsste ich nicht wohin mit den sterblichen Resten meines Autos, denn La Palma hat da ein etwas größeres Problem. - Seitdem man die letzte Schrottmüllkippe in Mazo geschlossen hat, gibt es keine Deponie mehr auf der Insel für Altautos, man weiß nun wirklich nicht wohin mit dem Schrott. - Das wird anders, wenn erst die große und inselweite Müllverwertungsanlage, auch wieder bei Mazo, an die Arbeit geht, aber man rechnet unvorsichtig bis Sommer dieses Jahres, vorsichtig aber bis Jahresende, bis man dort Müll hinbringen kann. - Bis dahin sollte man sein altes Auto weiterfahren, legal kann man es zurzeit nicht entsorgen. - Einfach auf der Straße stehen lassen geht schon, aber eben nur angemeldet und versichert und das geht halt ins Geld.

Die Inselregierung hat sich nun zwei Dinge überlegt. Einmal, dass sie eigentlich nicht dafür zuständig ist, sondern der Präfekt von San Borondón, sollen sich doch die Gemeinden um die alten Autos kümmern, schließlich ziehen die auch die Steuern dafür ein. - Zweite Überlegung ist wieder etwas vernünftiger, denn natürlich ist die Inselregierung für die Müllentsorgung auf La Palma zuständig, man will nun bei Mirca ein Gelände herrichten lassen, wo man die Schrottautos bis zur Eröffnung der Müllverwertungsanlage deponieren kann. - Die Aufgabe mit den Schrottautos den Gemeinden aufzuhalsen hat nicht sonderlich gut funktioniert, man müsste betonierte Flächen schaffen, mit Ölabscheider, bewacht und eingezäunt und das vierzehn Mal auf der Insel, das ist natürlich hilfloser Quatsch, aus der Not heraus geboren. - Wann nun ganz genau die Anlage bei Mirca fertig ist, das sagt man uns noch nicht, aber man ist gerade dabei den Papierkram dafür zu erledigen, denn es ist gar nicht so einfach einen Autofriedhof nach EU-Norm zu betreiben. - Manche Autohändler machen aus der Not nun ein Geschäft, denn eine Tugend ist es sicher nicht, und nehmen dem verzweifelten Neuwagenkäufer sein altes Wrack ab, als Servicedienstleitung. - Wohin nun die Händler das Auto bringen, das lassen wir mal dahingestellt und hoffen halt einfach, dass die über geeignete Flächen verfügen. - Ansonsten fährt man sein Auto weiter, eben bis die ITV das heftig unterbindet und stellt dann seine Kiste irgendwo in die Ecke seines Grundstücks und hofft, dass die Polizei nicht zu gute Augen hat. - Die sind nämlich in den letzten Monaten genau auf Autowracks scharf gemacht worden und sollen die Halter ermitteln, aber wenn der Halter keine Möglichkeit hat, sein altes Auto legal zu entsorgen, dann sollte auch die Exekutive so lange den Strafzettel flach halten, bis die Legislative Möglichkeiten geschaffen hat, legal zu bleiben.



Dienstag 01.04.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 16 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 49 % Luftdruck 1020 hPa

Mehr als drei Kabel sind nichts für Paco

Der Heilige Vater hat wohl am wenigsten mitbekommen, was sich hinter dem strahlenden Besuch seiner Heiligkeit auf La Palma so alles an Unpässlichkeiten eingeschlichen hat. - Vielleicht bemerkte er es aber doch und nur seine, schon sprichwörtliche Gelassenheit, hat ihn dazu gebracht, die Visite hier auf der Grünen Insel als vollen Erfolg zu würdigen. - Alles fing damit an, dass das Papamobil in Tenerife nicht rechtzeitig verladen werden konnte und so die päpstliche Fahrbereitschaft, immerhin vier Mann stark, zwar auf dem Schiff pünktlich ankam, aber das päpstliche Fahrzeug nicht. - Um der weit gereisten vatikanischen Vorhut dennoch Schlaf zu gönnen, versprach man den Fahrern am nächsten Morgen das Papamobil am Hafen bereit zu stellen, sie bräuchten sich bis zum kommenden Mittag um nichts mehr kümmern. - Als dann der umgebaute Mercedes allerdings eintraf, wollte Juan Luis, einer der extra für den Papstbesuch abgestellten Mechaniker noch einen draufsetzen und fuhr das Papamobil eigenhändig nach El Paso, denn dort war die Fahrbereitschaft in den Räumen der Kirchengemeinde untergekommen.

Das hätte Juan Luis besser nicht getan, denn bereits beim Ausparken am Hafen setzte er zu stürmisch und gottesgläubig zurück, dabei verfing sich die päpstliche Stoßstange an einem, sicherlich atheistischen Pick-up, und musste nun mit reichlich Klebeband so weit wieder fixiert werden, dass Juan Luis seine Reise nach El Paso fortsetzen konnte. - Unterwegs rief er bereits Paco an, einen in allen Lagen versierten Karosseriespengler und bat um seinen, sowie Gottes Beistand. - Paco machte sich auch gleich an die Arbeit, konnte aber mit den vielen fremden Kabeln, die wegen der reichlich päpstlichen Umbauten durch das lädierte Heck des Fahrzeuges liefen, nicht wirklich umgehen. Das bekam man allerdings erst später mit, zu spät, wie sich dann herausstellen sollte. - Von außen konnte man den angerichteten Schaden eigentlich nur noch wahrnehmen, wenn man direkt mit der Nase an die Stoßstange entlang fuhr, aber da der neue Papst den Boden nicht mehr küsst und relativ aufrecht durch die Lande schreitet, fürchtete man nur noch die himmlische Fahrbereitschaft. Paco hatte ganze Arbeit geleistet, aber die Angst entdeckt zu werden, trieb die beiden Hallodris dennoch zu einem wahrhaft teuflischen Plan, die vatikanischen Fahrer mussten ausgeschaltet werden .

Zuerst besann man sich auf eine Verzögerungstaktik und behauptete, das Fahrzeug sei immer noch nicht auf La Palma angekommen und deshalb böte man eine kulturelle Führung durch El Paso an. Nun schleppte man die drei wortkargen Italiener und den schwarzafrikanischen Fahrer zu Ramón, wo es bekanntermaßen den schärfsten Mojo der Kanarischen Inseln gibt. - Zu scharf für zarte vatikanische Geschmacksknospen, einer der Fahrer verbrannte sich den Gaumen und ein zweiter verlagerte seine Mojoprobleme in den Enddarm, so dass nach zweieinhalb Stunden die päpstliche Fahrbereitschaft bereits deutlich dezimiert war. - Der halbe Plan war bereits aufgegangen, aber besonders der hünenhafte Schwarzhäutige machte Juan Luis und Paco Sorgen, er hatte nicht nur die Ruhe und Statur eines George Foreman, sondern schluckte mehrere Portionen von Ramons Mojo ohne mit der Wimper zu zucken. - Das haben bislang nur eher weniger fromme Menschen geschafft, allerdings hätte Paco beobachtet, dass der Schwarze nach jedem Bissen ein Kreuz über seinem Magen geschlagen habe. - So entsann man sich einer weiteren List und lud die beiden verbleibenden Fahrer in Pablos Bodega, der hatte einen explosionsartig wirkenden "Bujariego" aus der vorletzten Ernte, der geschmacklich zwar eher einer schüchternen Taube glich, aber schon so manchen Hüne gefällt hatte. - Allerdings widersetzte sich der dunkelhäutige Fahrer lange der Wirkung des Bujariegos, so dass Pablo schließlich noch ein bisschen mit "Tierra" nachhalf, dem ziemlich geschmackneutralen Trester, der hier bei Zahnschmerzen oder drückenden Steuerschulden gerne verordnet wird.

Schließlich gab Bruder Kunta Kinte nach, so hieß der fromme Hüne aus Mosambik, das hatte man noch aus ihm herausbekommen, bevor er endgültig dem Bujariego-Trester Gemisch erlag. - Nein, nicht wirklich tot, aber mindestens 24 Stunden nicht einsatzfähig, denn selbst nachdem man seinen Rausch ausgeschlafen hat, würde es der päpstliche Bruntius sicher wahrnehmen, dass seine himmlische Fahrerschar dem Alkohohl zugesprochen hatte. - Das war also erledigt, kein kundiges Auge würde sich dem beschädigten Papamobil aufmerksam zuwenden, nun brauchte man nur noch einen versierten Fahrer. - Den fand man in Gestalt des José Ángel, treuherziger Papstfreund, der alleine schon durch die Tatsache eine Flasche Papstbier und ein T-Shirt mit dem Konterfei des Pontifex zu besitzen dazu prädestiniert schien. Er arbeitet ja auch noch in einer Autovermietung, das wird dann schon klappen und für ihn ist es doch sicher eine Ehre und wegen der Beulen brauchen wir dem ja nichts zu erzählen, der geht sonst gleich wieder beichten und das ist nicht immer gut. - Auch nicht für Katholiken. - Der Papst kam wie besprochen am nächsten Tag per Hubschrauber und landete am Caldera-Besucherzentrum und José war stolz wie Oskar, hatte sich zweimal geduscht und sein bestes Hemd angezogen, was aber dennoch hinten links immer aus der Hose rutschte, das ist bei dem Mensch und Körperbau einfach so. - Er sollte ja aber auch nicht rumhampeln und einen Laufsteg abschreiten, sondern bloß dieses Gefährt vom Besucherzentrum nach El Paso fahren und dann weiter zur Heimwerkerausstellung Urbi et Obi, welche der Papst gnädig eröffnen sollte.

Die päpstliche Fahrgemeinschaft war zwar inzwischen wieder wach, aber dankbar angesichts der wenig himmlischen Schmach, welche sie danieder gestreckt hatte, dass man bereits einen anderen Fahrer gefunden hatte. - Schließlich kam der Heilige Vater an, stieg in den Wagen und wunderte sich nur kurz über den wenig bekannten schnauzbärtigen Fahrer, allerdings sind Wunder für Päpste ein scheinbar alltägliches Geschäft, so dass er keine Fragen stellte. - Zwölf Motorräder der Guardia Civil setzten sich in Bewegung, davor noch mal eine ganze Kolonne mit Sicherheitskräften und hinter dem Papamobil fuhren weitere drei Wagen der Guardia Civil und danach erst der Pressetross und weiteres weltliches Gefolge, welches immer so auftaucht, wenn der Papst die Provinz besucht. - Endlich ging es los und kaum setzte sich das Papamobil sanft in Bewegung, da krachte es gewaltig im hintern Teil des Fahrzeugtrosses. - Was war da geschehen? - Paco hatte bei seiner Reparaturaktion die Kabel vertauscht, welche Blinker und Rückfahrscheinwerfer bedienen und jetzt glaubte der nervöse Sargento der Guardia Civil in dem Wagen direkt hinter dem Papamobil, der Papst würde rückwärts fahren wollen, legte sofort den Rückwärtsgang ein und brauste los, er wollte auf keinen Fall mit dem Papamobil kollidieren, das wäre doch äußerst peinlich.

Peinlich waren die drei verbeulten Polizeiautos auch und bis heute glaubt dem guten Sargento immer noch keiner seiner Kollegen, dass er ganz deutlich die Rückfahrscheinwerfer gesehen hätte. - So zog die Kolonne aber weiter, nur eben ohne weiteres Geleit von hinten. - José war mächtig nervös, aber Benedikt beruhigte ihn immer wieder, er solle einfach weiterfahren, würde schon alles gut gehen, schließlich habe man beste Kontakte nach ganz oben. - In El Paso aber bog José nach rechts ab, denn er hatte verstanden, dass es zuerst zum Rathaus gehen sollte und danach zur Heimwerkerausstellung, aber das war nur ein weiterer Irrtum an einem ohnehin schon wundersamen Tag. - So stand man völlig alleine am Rathaus, alle anderen waren bei der Heimwerkerausstellung und bis man in der ohnehin schon chaotischen Kolonne den Verlust des Papamobils samt Papa festgestellt hatte, war dieser schon ins Rathaus geeilt, traf aber nur noch Conchita an, die venezolanische Putzfrau, der man frevelhafterweise nicht freigegeben hatte, um den Papstbesuch an der Heimwerkerausstellung verfolgen zu können. - Das Schicksal ist oftmals seltsam gerecht, Conchita wird das nette Plauderminütchen mit Benedikt nicht so schnell vergessen, zumal er ihr noch eine Turbobeichte a la Pontifex abnahm und in einem extra für Reinigungspersonal vorgesehenen Ritual noch Wischmopp und Eimer segnete. - "Wenn hier niemand ist, dann fahren wir halt weiter" wollte der Heilige Vater noch zu José sagen, der hatte sich inzwischen aber verdrückt, nachdem er festgestellt hatte, dass er den gesamten Sicherheitsapparat des Vatikan und der Guardia Civil mit einem Abbiegemanöver ausgehebelt hatte. - Das kann nur Ärger geben, heiligen Ärger dachte er sich und schlich zu Ramón, um sich erst mal den Schreck aus der Magengrube zu spülen.

Dort aber saßen bereits Juan Luis, Pablo und Paco und als sie nun José Ángel durch die Türe kommen sahen, zerrte man ihn sofort hinein, schloss die große schwere Holztür und hängte ein Schild an diese mit der Aufschrift: "Betriebsurlaub, hier ist keiner mehr". - Der Heilige Vater wurde bereits kurze Zeit später von einem jagenden Polizeikonvoi mit heulenden Sirenen wieder abgeholt und weiter zur Heimwerkerausstellung Urbi et Obi gefahren, allerdings nun in einem Polizeiauto, man hatte Angst, den Pontifex erneut zu verlieren. - Das Papamobil stand noch drei Tage vor dem Rathaus, niemand wagte es dem Fahrzeug auch nur nahe zu kommen, bis eines Nachts ein großer schwarzer Mann das Gefährt abholte, ohne weiteren Kommentar, und zur Fähre nach Tenerife brachte. - Es soll beim Rangieren auf der Fähre noch zu mehreren Auffahrunfällen gekommen sein, bei denen seltsamerweise immer die Autos betroffen waren, die hinter dem Papamobil fuhren. - Später berichtete man von einer Exorzismuskommission, welche den Wagen untersuchen sollte, der so viel Böses angerichtet hatte, aber das war dann doch nicht mehr nötig. - Kunta Kinte fand eines Tages einen kleinen zerknautschen Zettel in seinem Gebetbuch, den hatte ihm Paco schuldbewusst zugesteckt, als man in der Bodega von Pablo einen Heidenspaß gehabt hatte. Darauf stand, in umständlichen Buchstaben gekritzelt, man solle sich doch die Verkablung der Rückscheinwerfer ansehen, er könne sich dort geirrt haben beim Zusammenstecken, weil mehr als drei Kabel auf einmal hätte er noch nie an einem Auto gesehen.

Auch der fromme Mann aus Mosambik sprach nie wieder über den peinlichen Vorfall, gab aber danach die Autoschlüssel des Papamobils nie wieder her und schlief sogar in dem Fahrzeug, wenn es wieder mal auf Reisen ging. - Wer nun von den Helden schließlich doch noch gequatscht hat, das weiß man nicht. Juan Luis, Pablo, Paco und José Ángel beschuldigen sich gegenseitig, allerdings grinst Conchita seit jenem Tag immer so fröhlich bei der Arbeit und es könnte auch gut möglich sein, dass sie gesungen hat. - Die Untersuchungskommission der Guardia Civil wurde eines Tages ohne Ergebnis geschlossen und der arme Sargento versetzt, nach El Hierro, denn da sei es unwahrscheinlich, dass der Papst auf Besuch käme. - Allerdings wurde der gute Mann nach dem Aufdecken des Vorfalls rehabilitiert, aber nicht mehr zurück nach La Palma geschickt, man fürchtete um die körperlicher Unversehrtheit unserer vier Helden. - Der Heilige Vater hat aber angekündigt, er wolle in geraumer Zeit diese wundersame Insel erneut besuchen, selten habe er einen offiziellen Besuch abhalten dürfen, auf dem er solch innigen Kontakt mit den Menschen aus dem Volke schließen konnte. - Er könne sich auch sehr gut vorstellen, hier mal Urlaub zu machen, es soll, so habe er aus kundigen Kreisen gehört, allerbesten Weißwein und höllisch scharfen Mojo auf La Palma geben, und wo der Heilige Vater sich doch sonst keine Sünde gönnt…


Der Papst vor dem Rathaus von El Paso





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