La Palma Aktuell
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Nachrichtenarchiv April 2005


Samstag 30.04.05 - 18:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 24 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 71 % Luftdruck 1019 hPa

Kleine Sünder

Die EU will Geld von uns zurückhaben, genauer gesagt 350.000 Euro welche im Jahr 2000 laut deren Rechnungshof zuviel an Beihilfen für die kanarischen Bananenbauern bezahlt wurden. Erwischt könnte man sagen, aber das hatte man erwartet denn unter der Regierung Aznar wurde manchmal mit aberwitzigen Konstruktionen Geld aus EU-Töpfen nach Spanien geleitet. Seit 1997 wird da ermittelt und die Untersuchungsmethoden sind genauso geheimnisvoll wie die dubiosen Geldbeschaffungsmaßnahmen. Mit der Forderung auf Rückzahlung von 350.000 Euro sind wir aber ganz kleine Sünder, von den Franzosen will die EU 14,2 Millionen zurückhaben, so viel Geld soll dort unrechtmäßig in deren Beihilfen für den Bananenanbau auf Martinique, Guadeloupe und Reunion geflossen sein.

Der Gauner aller Klassen bleibt aber für die EU weiterhin Spanien. Rechnet man alle, nach EU Meinung zu viel bezahlten Beihilfen zusammen, dann kommt man auf die stolze Summe von 113,4 Millionen Euro. Der Löwenanteil davon stammt aus Beihilfen für den Flachs-Anbau in den Jahren 1998 - 2000. Insgesamt fordert die EU von ihren Mitgliedsländern die Summe von 227 Millionen Euro zurück, da sind wir doch mit unserer läppischen Summe von 350.000 Euro geradezu Waisenknaben. In Madrid sorgt dieses Geld aber für reichlich Polemik, in scharfer Form greifen die jetzt regierenden Sozialisten die Ex-Regierung an, bei den Beihilfen für den Flachs haben sich viele Leute bereichert, die nie in ihrem Leben eine solche Pflanze in der Hand gehalten hätten, heißt es. Unter anderem wird behauptet, bekannte Familien um die Ex-Landwirtschaftsministerin Loyola de Palacio hätten Unsummen für den Flachsanbau erhalten, für Flachs der nie weiterverarbeitet wurde. Frau de Palacio ist übrigens bekennende Anhängerin der "Opus Dei" Bewegung, die halten fest zusammen und bestimmen selbst, wie weit man weltliche Gesetze dehnen darf.



Samstag 30.04.05 - 09:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 16 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 69 % Luftdruck 1022 hPa

Die ersten Passagiere waren blind

Am Montag nimmt das neue Superschiff "Benchijigua Express" seinen Liniendienst auf und wird auf der Route Los Cristianos - La Palma - La Gomera eingesetzt. Das heißt für uns, dass am Montag gegen 12:00 Uhr Mittag die schnellste Fähre der Welt im Hafen von Santa Cruz einlaufen wird. Mit einer Länge von 127 Metern ist es auch gleichzeitig das größte Schiff welches ganz aus Aluminium gebaut wurde, liest man sich die technischen Details der Benchijigua aufmerksam durch, dann tauchen dort noch mehrere andere Rekorde auf. Wichtig für die Passagiere wird ein Versprechen der Reederei Olsen sein, das Schiff soll bei rauer See deutlich ruhiger im Wasser liegen als die bislang von der Kompanie eingesetzten Katamarane, die nett betitelt, eher abführende Wirkung bei den meisten Reisenden herbeiführten.

Apropos Passagiere, noch vor der eigentlichen Aufnahme des Liniendienstes beförderte die Benchijigua Express bereits die erste beiden Passagiere, gratis von Kapstadt nach Santa Cruz de Tenerife. Auf der Überführungsfahrt von Australien auf die Kanaren bunkerte das Schiff dort den benötigten Diesel. Bei den beiden Premieregästen handelte es sich aber nicht um geladene, sondern um blinde Passagiere, die sich in Kapstadt unbemerkt an Bord geschlichen hatten. Die beiden Männer, einer aus Uganda und der andere aus Tansania, wurden nicht über Bord geworfen, wie man es früher wohl mit nicht zahlenden Reisenden machte, sondern von der Besatzung mit Kleidern und Essen verpflegt. Die Reise endet für die beiden dennoch im Flüchtlingslager von Tenerife, allerdings können sie immer behaupten, schneller als sie, ist noch kein Flüchtling je von Kapstadt übers Meer auf die Kanaren gelangt.



Freitag 29.04.05 - 18:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 22 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 70 % Luftdruck 1019 hPa

Globalisierung ante Portas

Meine lokalpatriotischen Nackenhaare sträuben sich nachhaltig und wenn sie so wollen endemisch. Da sitzt man auf einer Insel die durchweg landwirtschaftlichen Charakter hat und von allen Seiten immer wieder lauthals die Selbstversorgung mit Obst und Gemüse gefordert wird und die Frau kommt vom Einkauf zurück und bringt Kartoffeln aus Israel mit. Sie haben richtig gelesen, Israel. Keine Angst, ich habe meine Frau nicht aus dem Haus gewiesen, sonst müsste ich ja zukünftig selber einkaufen. Spaß beiseite, meine Frau achtet immer darauf, zuerst Produkte von hier zu kaufen und wenn diese nicht vorhanden sind, dann greift sie zu ferneren Provenienzen. Der Beutel Kartoffeln macht auch ganz auf kanarisch, "Papas" werden dort angepriesen, also die kanarische Bezeichnung für das was im Spanischen eigentlich "patatas" heißt.

Eigentlich hätte meine Frau schon stutzig werden müssen angesichts der Größe der Knollen, so dumm sind unsere Bauern eigentlich gar nicht. Das Kleingedruckte verrät es schließlich, nichts mit endemisch, die donnernde Keule der Globalisierung hat bis in unsere Speisekammer getroffen und mich wieder mal aus meinen süßen lokalen Träumen gerissen. Mein frommer Wunsch begleitet alle Kartoffelbauern dieser Welt, war ich doch selber mal einer, wo immer diese auch Knollen aus der Erde graben mögen. Ich möchte aber Kartoffeln von hier, ganz egal ob die ein bisschen teurer sind, denn die Kartoffelbauern La Palmas sind mir ein ganz klein bisschen näher als ihre globalen Kollegen.

Unsere Bauern pflanzen aber immer weniger Kartoffeln an, weil sie sich ständig anhören müssen, eure Knollen sind zu teuer. Natürlich sind Kartoffeln aus Ländern die mit großen Maschinen arbeiten können billiger als unsere, hier macht man das mit der Hacke und einem gekrümmten Rücken. Nun könnte einem ja der Satz einfallen, dann lasst das doch sein mit den Kartoffeln, ihr arbeitet nicht effektiv genug, lasst das doch andere machen die das billiger können. Was wird dann aus uns? Alles was wir machen kann woanders billiger hergestellt werden, das geht in alle Bereiche hinein, auch Tourismus ist woanders billiger. Ich will aber nicht billiger, sondern besser. Ich will gutes Geld verdienen, als angemessenen Lohn für meine Arbeit, damit Kartoffeln zu einem Preis kaufen der es den Bauern ermöglicht davon zu leben, als Wertschätzung ihrer Arbeit. Und sollte ich tatsächlich noch mal Urlaub machen, dann will ich kein Sonderangebot, sondern einen guten und fairen Preis. Aber ich will eh nicht mehr runter von unserer kleinen Insel, da draußen in der großen bösen Welt, da lauert die Globalisierung an jeder Ecke und frisst solche kleinen Träumer wie mich einfach auf.





Freitag 29.04.05 - 08:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 16 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 70 % Luftdruck 1022 hPa

Inseln ohne Gedächtnis

Zentralismus ist auf den kleinen Kanareninseln ein Schreckgespenst, sei es das ferne Madrid oder auch die beiden Provinzregierungen in Gran Canaria und Tenerife. Jahrzehntelang kämpfen die kleinen Inseln um mehr Selbstbestimmung und wollen endlich das Gefühl, nur ein Appendix der großen Inseln zu sein loswerden, da kommt die nächste kapitale Ohrfeige. Alle historischen Archive der kleinen Inseln sollen in einem Zentralarchiv auf Tenerife untergebracht werden und wenn unsereins dann nachforschen will und ein bisschen in der Vergangenheit der Insel stöbern will, dann muss man nach Tenerife fliegen.

Gegen diese Pläne laufen nun alle Sturm, hat man doch gerade erst im Inselarchiv viele neue Dokumente aus 5 Jahrhunderten zusammengetragen, nachdem einem Aufruf folgend, viele alt eingesessene Familien ihre Chroniken dem Inselarchiv übergeben hatten. In seltener Einigkeit protestieren nun politische Gruppen und öffentliche Einrichtungen gegen diesen Identitätsdiebstahl und weisen darauf hin, dass Inseln alleine schon aus der geographischen Situation heraus einen völlig anderen Hintergrund haben, als beispielsweise Landkreise auf der iberischen Halbinsel. Manuel Garrido Abolafia, von der kosmologischen Gesellschaft La Palmas hat dazu einen sehr pragmatischen Vorschlag, man sollte sich die moderne Technik zu Nutze machen, die Archive digitalisieren und dann Daten nach Tenerife schicken. So könnte man den unendlichen Wissensdurst der Provinzregierung stillen und uns doch die dicken alten Wälzer überlassen in denen unsere Geschichte geschrieben steht. Pixel anstatt Patina und wenn sie mehr von uns wollen, dann sollen die doch zu uns kommen und nicht umgekehrt.



Donnerstag 28.04.05 - 18:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 22 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 71 % Luftdruck 1020 hPa

Aufforstung, auf La Palma ein Kinderspiel

Jetzt geht die nächste Wiederaufforstungskampagne los, in den kommenden Monaten werden 1.000 Schüler aus 28 Schulen der Insel in und um den Nationalpark Gärtner spielen. Seit 1991 macht man das so, Parkverwaltung und Erziehungsrat der Insel hatten sich damals darauf geeinigt, das als Versuch zu starten. Der pädagogische Hintergrund ist klar, es gibt keine bessere Methode den jungen Leuten unsere Natur näher zu bringen, als sie selber anpflanzen zu lassen. Die Nationalparkverwaltung rechnet vor, dass in diesem Zeitraum mehr als 10.000 Schüler an diesen Aktionen teilgenommen haben und als Ergebnis stehen 40 Hektar zu Buche, die durch Kinderhand aufgeforstet wurden.

Wiederaufforstung ist aber nur zum Teil richtig, das betrifft nur die großen Flächen die bei dem verheerenden Waldbrand im Jahr 2001 betroffen waren. Im Nationalpark selbst, werden gezielt in die bestehende Vegetation seltene und zum Teil vom Aussterben bedrohte Pflanzen gesetzt um den Bestand zu sichern. Die Pflanzen selbst werden in der inseleigenen Baumschule bei Puntallana gezogen, sind also echte "Eigengewächse". Die Kinder werden nun aber nicht einfach mit einem Blumentopf in der Hand in den Park geschickt, sondern das Ganze geschieht unter Anleitung der Parkverwaltung, die den Kindern auch zeigt, was wohin gehört. Einfach nur einpflanzen gilt nicht, jedes Gewächs hat seinen Standort und soll nicht dort wachsen, wo es die Natur eigentlich nicht vorgesehen hat. In der ersten Aktion wurden jetzt zwei verschiedene Natternköpfe (tajinaste) gepflanzt, Teide-Ginster (retama), die Palma Teline, hier bekannt las "Retamón" (Teline Benehoavensis), die schmalkronblättrige Teline (gacia de cumbre) Teline stenopetala und Zwergginster (tagasaste) der weiß blüht, Chamaecytisus proliferus und seit Jahrhunderten das Hauptfutter für die vielen Ziegen darstellt.



Donnerstag 28.04.05 - 08:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 16 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 69 % Luftdruck 1022 hPa

Arbeitsplätze gegen Drogenkonsum

Ganz neue Wege geht unsere Inselregierung wenn es darum geht, jungen Leuten mit Drogenproblemen die Rückkehr in die Gesellschaft zu ermöglichen. Wer verspricht und dieses auch schriftlich hinterlegt, keine Drogen mehr zu konsumieren, der erhält einen Arbeitsplatz in einer der vielen Firmen die zu diesem Projekt ihre Zustimmung gegeben haben. Wöchentliche Kontrollen in einem der Drogenberatungszentren der Insel müssen die Jugendlichen auch über sich ergehen lassen, so lautet die Abmachung.

Unser Inselpräsident José Luis Perestelo, lehnt sich mit dieser Praxis weit aus dem Fenster und wahrscheinlich auch aus dem rechtlichen Rahmen heraus, das weiß er und deshalb gibt es weder Namen von Beteiligten, noch Zahlen um wie viele Drogenabhängige es sich handelt. Jeder, der sich in eines der drei Drogenberatungszentren er Insel begibt, erhält dieses Angebot. Hut ab vor so viel Zivilcourage, diese pragmatische Methode im Kampf gegen den Drogenmissbrauch auch noch öffentlich zu machen. Der alte politische Fuchs braucht sich keine Sorgen zu machen, dass ihn politische Gegner deshalb vor den Kadi schleppen, niemand hat eine bessere Antwort auf dieses gesellschaftliche Problem. Jetzt müssen wir nur noch dafür sorgen, dass auch Jugendliche die keine Drogenabhängigen sind, einen Arbeitsplatz erhalten.



Mittwoch 27.04.05 - 19:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 23 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 70 % Luftdruck 1020 hPa

Alle Flieger stehen still, wenn dein starker Arm es will

Freitag den 29.4. und am Mittwoch den 4. Mai wollten die Gewerkschaften landesweit das Handling-Personal der Iberia streiken lassen. Grund hierfür ist unter anderem die drohende Entlassung von an die 600 Mitarbeitern auf den kanarischen Flughäfen. Die Gewerkschaft rechnete deshalb gerade bei uns mit einer starken Beteiligung der Belegschaft an dem drohenden Ausstand. Sollte sich das bewahrheiten, dann wäre für diese beiden Tage ein komplettes Chaos auf den Flughäfen der Kanaren zu befürchten gewesen.

Die Zentralregierung in Madrid hat nun ein Dekret erlassen in dem die Flugverbindungen von und auf alle spanischen Inseln unter dem Schutz der Verfassung stehen und der Ablauf und die Abfertigung gewährleistet werden müssen. Dieser ministerielle "Befehl" richtet sich an die Betreiber der Flughäfen, sollten die Handling-Mitarbeiter der Iberia streiken, dann müssen eben andere für den reibungslosen Ablauf sorgen. Da liegt aber das Problem, auf den kanarischen Flughäfen gibt es kaum anderes Personal, welches sich um die Abfertigung am Boden kümmern könnte. Das bringt nun die Gewerkschaften auf die Kokospalme, kommt so ein Dekret doch einem Streikverbot gleich. Nun hat man sich noch einmal zusammengesetzt und seitens der Gewerkschaften spricht man von zufrieden stellenden Verhandlungen. Die Streikdrohung scheint also vorerst vom Tisch, was aber mit den 600 Mitarbeitern wird deren Entlassung ansteht, das wird sich die nächsten Tage entscheiden.



Mittwoch 27.04.05 - 08:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 16 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 72 % Luftdruck 1019 hPa

Der größte Trimaran der Welt

Endlich ist es so weit, die Benchijigua Express wird morgen auf den Kanaren ankommen. Mit einer Länge von 127 Metern ist diese Passagierfähre der größte Trimaran der Welt und mit einer Geschwindigkeit von 45 Knoten auch noch die schnellste Großfähre. Es hat Verspätungen gegeben bei der Erprobung und auch der Überführung dieses Schiffes. Die Benchijigua Express wurde in Australien gebaut von der Werft "Austal Ships" und musste erst mal die über 9.000 Seemeilen bis zu den Kanaren überwinden. Ursprünglich hatte man das enorme Schiff bereits für Januar angekündigt, was im einzelnen die Gründe für diese Verspätung waren, das gibt die Reederei Olsen nicht bekannt.

Wir auf La Palma sind guter Hoffnung, dass die neue Benchijigua auch unsere Insel anläuft, noch macht man ein Geheimnis daraus, welche Routen von den Schiff bedient werden sollen. Es gilt aber als sicher, dass das neue Flaggschiff der Reederei Olsen von San Sebastian de La Gomera aus operieren wird, schließlich ist dort der Stammsitz dieser Firma. Die Reederei Olsen ist die Nummer eins im Passagier und Autotransport zwischen den Inseln und hat als erste auf neue Technik im Schiffbau gesetzt, es fahren bereits mehrere Katamarane aus Aluminium unter deren Flagge zwischen den Kanaren. Aber bislang kein Trimaran und auch kein Schiff mit einer Länge von 127 Metern. Eine Benchijigua Express gab es früher schon, wurde dann aber in Bencomo Express umgetauft, man wollte den Namen Benchijigua für das neue Superschiff frei haben. Für alle die nicht der spanischen Sprache mächtig sind, dieses Wort spricht man: Bendschichigua aus. Nun geht bereits der Witz um, das Schiff ist so schnell und groß, steigt man in La Gomera über das Heck ein und geht dann zum Bug, dann ist man bereits in Tenerife angekommen. Dieser Witz gilt allerdings nur für Gomeros, diese haben den Ruf (und nicht nur den) sich sehr langsam zu bewegen.





Dienstag 26.04.05 - 18:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 19 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 73 % Luftdruck 1020 hPa

Insel-Baumschule wächst und lässt wachsen

Die inseleigene Baumschule bei Puntallana auf der Nordostseite der Insel kann neue Rekorde vermelden, fast 83.000 Pflanzen hat man dort letztes Jahr gezogen und die Mehrzahl davon auch verteilt. Die Baumschule dient dem Zweck die heimische Flora zu erhalten und stellt für Aufforstungsmaßnahmen aber auch für den privaten Garten Pflanzen zur Verfügung, welche unserer Biodiversität entsprechen. Darunter sind auch Kanaren und La Palma Endemiten, also Pflanzen die nur auf den Kanaren oder La Palma vorkommen. Die meisten sind aber Pflanzen, die im gesamten makaronesischen Raum beheimatet sind, also auch auf den Azoren und Madeira zu finden sind.

Die Baumschule hat des Öfteren in Zusammenarbeit mit einzelnen Schulen Aktionen gestartet und gemeinsam mit den Schülern Pflanzen in den Gebieten gesetzt, die vom großen Waldbrand im Sommer 2001 arg betroffen waren. Es gibt aber auch immer mehr Hobby-Gärtner, die sich nicht mehr nur um einen bunten und blühenden Garten bemühen, sondern zumindest eine Themenecke "Kanaren" in ihrem Garten einrichten. Die Hardliner unter den strengen Schützern unserer Flora sehen das nicht so gerne, weil die Pflanzen dann häufig in Regionen gehalten werden, die eigentlich gar nicht dort hin gehören. Hardliner sind aber überall zu finden und auch bei den Schützern unserer Biodiversität wird da manchmal übertrieben, es tut doch keinem weh, wenn ein Bäumchen welches eigentlich auf die Ostseite gehört, auch in El Paso stehen darf. Ich habe das mal ganz hautnah erlebt, Tomás hat in der Anlage seiner Ferienhäuser Casastea extra und mit viel Stolz einen Teil mit ausschließlich Kanarenendemiten bepflanzt. Nun besichtigt ein Bekannter von ihm der bei der Naturschutzbehörde arbeitet seine Anlage und darf auch den Themengarten in Augenschein nehmen. Anstatt Lob und Bewunderung gab es nur Schelte und den fast drohenden Hinweis, es sei Frevel diese Pflanzen in dieser Umgebung zu ziehen und er zählte auf, was eigentlich mitten in El Paso wachsen dürfte. Tomás ist erfahren genug sich nicht von solchen Fachterroristen aus der Ruhe bringen zu lassen, aber ich bin mir ganz sicher, bei der nächsten Fiesta in seiner Bodega wird jemand fehlen.



Dienstag 26.04.05 - 08:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 16 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 72 % Luftdruck 1019 hPa

Alte Träume frisch auf den Tisch

Universität La Palma, das geht doch runter wie weicher Ziegenkäse und ist ein alter Traum der meisten Eltern dieser Insel, ihre studierwütigen Kinder nicht mehr auf eine andere Insel schicken zu müssen. Ob die Kinder genauso denken, lassen wir mal dahingestellt. Jahr für Jahr kommt dieser Wunsch wieder an die Oberfläche gekrabbelt, nun macht sich der Ex-Bürgermeister unserer Hauptstadt, Carlos Cabrera wieder öffentlich mit diesem Gedanken. Nun könnte man meinen, der hat ja jetzt Zeit und will wieder mal in die Presse kommen, aber er steht ganz und gar nicht alleine da, die Idee einer eigenen Universität hat auf La Palma keinen parteipolitischen Hintergrund. Dafür könnten sich alle begeistern, aber wohl nur auf La Palma.

Man muss das mit der eigenen Universität auch ein bisschen einschränken, uns genügte ein Ableger einer der beiden vorhandenen Universitäten auf den Kanaren völlig aus, Vorbild ist da Lanzarote. Dort ist es möglich einige Studienfächer zu belegen, ohne die Insel verlassen zu müssen, die Universität Las Palmas de Gran Canaria "ULPGC", bietet diesen Service dort an. Was auf Lanzarote möglich ist, das muss doch auf La Palma auch zu schaffen sein. Allerdings gehört ja Lanzarote auch zur Provinz Gran Canaria und wir zu Tenerife, die dortige Universität in La Laguna hat aber bereits öfter verkündet, nichts von der Idee zu halten, Universitätsfilialen auf anderen Insel zu betreiben. Also müssen wir weiter mit Gran Canaria flirten unser bestes Argument, man könnte damit mehr Leute zum Studieren bringen ist ja nicht von der Hand zu weisen. Für manche ist es schlichtweg unmöglich, trotz staatlicher Hilfen, Wohnung und Unterhalt der Kinder auf einer anderen Insel zu bezahlen und manche Jugendliche wollen auch gar nicht die Insel verlassen und könnten so dennoch eine höhere Ausbildung erhalten. Leider ist das Ganze immer nur einmal im Jahr ein Thema für arbeitslose Berufspolitiker und geht im süffisanten Grinsen der großen Inseln unter. Träumt mal weiter heißt es dort, machen wir, nächstes Jahr wieder.



Montag 25.04.05 - 18:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 20 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 74 % Luftdruck 1020 hPa

Was machte Karl Dönitz auf La Palma?

Fängt man erst mal an zu graben, da kommen plötzlich Dinge zum Vorschein die kaum jemand weiß und vielleicht auch in der heutigen Zeit nicht unbedingt gerne an die große Glocke hängt. Ursprung dieser Suche war die Frage, warum auf La Palma so viel mehr Deutsche leben und Urlaub machen als andere Nationalitäten, auf den anderen Kanareninseln ist das deutlich gemischter. Auf La Palma hat man immer das Gefühl, das kommt nicht von ungefähr, es muss eine lange Tradition haben und das ist in der Tat auch so. Beginnend mit dem Jahr 1914, als der deutsche Großsegler Pamir hier Zuflucht suchte gab es permanente Kontakte zwischen La Palma und Deutschland, anfänglich meist auf mariner Basis.

Noch in Zeiten der Weimarer Republik, also in den Jahren zwischen 1920 und 1933 besuchten nacheinander die drei deutschen Kriegsschiffe "Berlin", "Amazone" und "Nymphe" La Palma und führten damit die bereits geknüpften Beziehungen zwischen La Palma und Deutschland fort. Karl Dönitz war in der Zeit Offizier auf der "Nymphe". Die Kontakte, welche nach dem 5 ½ Jahren Aufenthalt der Pamir entstanden waren, führten also zu weiteren Besuchen. Nach 1933, Deutschland wurde bereits von der NSDAP regiert, schliefen diese Beziehungen nicht ein. Am 17. November 1934 legte an der Hafenmole La Palmas die Fregatte Emden an, als Kapitän fungierte seinerzeit der spätere Großadmiral Karl Dönitz, der wusste ja schon, wie schön La Palma ist.

Noch fern von irgendwelchen Kriegswirren und noch vor dem spanischen Bürgerkrieg gibt es genaueste Aufzeichnungen darüber, welch großes und festliches Programm für die Besatzung der Emden organisiert wurde. Es gab Konzerte, Fußballwettbewerbe, Ausflüge, Empfänge und sogar die Zwerge tanzten für die Besatzung der Fregatte. Der Tanz der Zwerge ist eigentlich dem größten Fest der Insel vorbehalten der Bajada de la Virgen de las Nieves welches nur alle 5 Jahre stattfindet. Das alleine ist schon Beweis genug dafür, dass es sich bei dem Aufenthalt der Emden um deutlich mehr als einen Höflichkeitsbesuch handelte. In der Chronik wird auch davon berichtet, dass "la colonia alemana", also die ansässigen Deutschen viel zur Organisation des Aufenthaltes der Emden beigetragen hatten.

Der nächste Besuch eines deutschen Kriegsschiffes auf La Palma fällt dann schon in die Franco Ära und in die heiße Zeit der Kriegsvorbereitungen des Dritten Reichs. Am 11. Oktober 1938 legte die "Deutschland" (später in "Lützow" umbenannt, man wollte verhindern, dass irgendwann mal ein Schiff mit dem Namen Deutschland versenkt wird.) in Santa Cruz an, begleitet von zwei U-Booten und dem Obstfrachter "Santa Cruz" der OPDR (Oldenburg-Portugiesische Dampfschiffs-Reederei GmbH). Die "Santa Cruz" wurde später zum Hilfskreuzer "Thor", der für das Nazireich Frachtschiffe aufbringen sollte. Die über 1.000 Mann Besatzung der Deutschland und der beiden U-Boote erhielten einen grandiosen Empfang in La Palma, natürlich auch unter der Tatsache der Beziehungen, welche das Dritte Reich zum Spanien Francos unterhielt. "Palmeros durante tres días", - Palmeros für drei Tage - schrieb damals die Zeitung.

Während des Krieges war Spanien offiziell neutral, wie wir aber wissen mit eindeutigen Tendenzen und es halten sich hartnäckig Gerüchte, dass La Palma im zweiten Weltkrieg häufiger von deutschen Schiffen angelaufen wurde. Man vermutet, dass der Besuch der "Deutschland" zu Vorbereitungen dienen sollte, auf La Palma eine kleine Notbasis für die deutsche Kriegsmarine einzurichten. Darüber berichtet man aber nicht gerne und auch nicht darüber, dass manch "Tausendjähriger" sich nach dem Krieg sicher an dieses kleine Eiland erinnert hat und vielleicht unter dem dunklen Mantel der Franco Diktatur hier auch Unterschlupf gefunden hat. Die deutsche Präsenz auf La Palma ist aber viel älter, auch die Reederei OPDR unterhielt lange bevor der Namen Hitler Angst und Schrecken auf der Welt verbreitete bereits eine Niederlassung auf La Palma.

Das sind alles erst Bruchstücke in der Geschichte, warum und wieso auf La Palma unter den Ausländern so ausgemacht viele Deutsche leben. Das ist alles eine Frage der Kontakte, sind erst mal viele einer Nationalität an einem anderen Ort, dann ziehen diese weitere nach. Ich bin ja auch so gekommen, auch wir kannten jemanden der hier lebt, aber aus Deutschland kam und uns die ersten Schritte auf La Palma erleichterte. Die Dinge liegen aber tiefer, die Deutschen gehören für La Palma annähernd seit einhundert Jahren zum Alltag und für fast alle Palmeros ist es völlig normal, Seite an Seite mit einem "Cabeza Quadrada" zu wohnen. Während Engländer oder Franzosen als absolute Exoten immer noch für Verwunderung sorgen, hat man uns Deutsche hier längst zum Inventar erklärt. Immer noch mit der notwendigen Narrenfreiheit ausgerüstet, aber keiner könnte sich mehr vorstellen, wie denn das wäre, La Palma ohne seine Deutschen. - Die Geschichte wird fortgesetzt, klar, welche Geschichte hat je ein Ende?



Montag 25.04.05 - 08:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 15 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 74 % Luftdruck 1020 hPa

Hoffen für die Saline von Fuencaliente

Nach jahrelangen Bemühungen ist es den beiden Eigentümern der Saline endlich gelungen die Politiker davon zu überzeugen, dass alleine vom Verkauf des Meersalzes die Anlagen nicht erhalten werden können. Im Jahr 1994 erklärte man die Saline und die umgebende Zone für "Gebiet wissenschaftlichen Interesses", verbot mit dieser Maßnahme aber gleichzeitig jeglichen Ausbau oder touristische Nutzung der Salinenanlagen. Der goldene Kompromiss lautet nun, die Betreiber sorgen weiter für den Erhalt des "Sitio de Interés Científico", dürfen aber die Anlagen nun auch touristisch öffnen um aus diesen Einnahmen die Saline weiter zu betreiben.

Angedacht sind drei Projekte. Man will geführte Touren durch die Saline manchen, auf denen Geschichte und Herstellungsprozess der letzten Saline der Provinz Tenerife gezeigt werden, wie auch die reiche Vogelwelt die sich um die Saline angesiedelt hat. Dann soll es noch einen Laden geben, in dem sich Besucher mit Salz und wahrscheinlich auch mit weiteren palmerischen Artikeln eindecken können. Drittes Vorhaben ist ein Aussichtsrestaurant und trotz der beruflichen Herkunft der Betreiber sollte man nicht unbedingt davon ausgehen, dass dort alle Speisen versalzen sind. Das hört sich nun alles ganz gut an, ist aber nur der erste Schritt, zwischen politischen Lippenbekenntnissen und Taten liegt meist noch ein gewaltig langer Zeitraum. Macht nichts, die Geduld sei mit euch! Immerhin hat man nun wahrgenommen, dass man nicht nur neue touristische Attraktivitäten auf der Insel schaffen muss, sondern dass es diese Attraktivitäten bereits gibt. Die heißen dann zwar nicht "Disneyworld" sondern Saline und nicht "Spielcasino" sondern Plaza. Man spart ich damit auch das spätere Aufstellen von Wachsfiguren, welche Einheimische darstellen, die dem Ganzen wieder ein authentisches Ambiente verleihen soll, die Einheimischen sind nämlich schon da.



Sonntag 24.04.05 - 17:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 24 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 73 % Luftdruck 1018 hPa

Neue Besen sparen gut

Auch auf der Insel der Glückseligkeit gibt es so was wie unsägliche Haushaltsdebatten und tiefe Finanzlöcher, dem immer wieder die gleichen Versprechungen folgen, sparen zu wollen. Unsere Hauptstadt Santa Cruz leidet ganz besonders unter einem Defizit und trägt inzwischen eine Schuldenlast von 6 Millionen Euro von Haushalt zu Haushalt. Jetzt weht aber ein frischer Wind in Santa Cruz, nach der Absetzung des seit 14 Jahren im Amt befindlichen Bürgermeister Carlos Cabrera verspricht der neue Mann, Juan Ramón Felípe die Ausgaben im laufenden Haushalt um 17% zu senken. In Zahlen heißt das, anstatt 18,1 Millionen wie im Jahr 2004, sollen nur noch 15 Millionen in diesem Jahr ausgegeben werden.

Juan Ramón Felípe gehört ja der sehr phantasievollen Gruppierung der Coalición Canaria an und die sind immer gut darin, Gelder in irgendwelchen Lücken und Ritzen zu finden. Seien es europäische Fonds-Brösel oder staatliche Gelder, wenn da einer rankommt dann sind es meist die Abgeordneten dieser Partei, die sich selbst die Nationalisten nennen. Dabei bitte ich aber nicht mit deutschem Verständnis an dieses Wort zu gehen. Der Trick an der Sparmasche ist genauso genial wie einfach, die Provinz und Zentralregierungen sollen sich an der Finanzierung solcher Projekte beteiligen, die im Moment den Stadtsäckel so grausam beuteln. Da ist die Baustelle der Mehrzweckhalle, das emblematische Theater "Circo de Marte" sowie die immer noch nicht abgeschlossene Renovierung der Markthalle von Santa Cruz. Frei übersetzt heißt das, die Stadt fängt an zu bauen und Andere bezahlen und wenn das klappt, dann kann ich anderen Gemeinden nur empfehlen, nach dem gleichen Motto zu verfahren. Vielleicht kommt El Paso so zu einem Hallenbad, Puntallana zu einem Opernhaus und Tijarafe zu einer Tiefgarage mit 8.000 Stellplätzen. Es gibt hier einen schönen Spruch: "Que dios te lo page, porque yo no tengo dinero". Möge Gott es dir bezahlen, denn ich habe kein Geld. Vielleicht sollte man das dem Eichel auch mal sagen, Deutschland soll ja nun wieder beste Beziehungen zu einem sehr prominenten geistlichen Kreditinstitut haben.



Sonntag 24.04.05 - 09:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 17 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 75 % Luftdruck 1019 hPa

Rum aus El Paso

Seit fast zwei Jahren spricht man von einer Rumdestille, welche in El Paso aus Zuckerrohr diesen karibischen Lebenssaft herstellen will. Man spricht aber über vieles und ein geübter Zuhörer weiß sehr schnell, was er davon zu halten hat. "Vender humo", Rauch verkaufen sagt man hier dazu, wenn sich mal wieder jemand wichtig machen will mit seinen Zukunftsplänen. Übrigens spielt es dabei keine Rolle, ob dieser Rauch weiß oder schwarz ist. Die ZEC-Zone in El Paso hat schon viele Rauch Verkäufer angelockt, prominentestes Beispiel war die Textilfabrik "Sotexcan", die außer viel Rauch nur Verlust von an die 9 Millionen Euro bei den Investoren hinterlassen hat.

Nun liegt im Rathaus von El Paso das Vorprojekt einer Rumdestille auf dem Tisch, Promotor des Projektes ist die Firma "Destilerías La Palma S.L." und man muss ja nicht immer gleich negativ denken, wenn einer Rum statt Rauch verspricht. Bislang gibt es nur einen Rum Hersteller auf La Palma, "Ron Aldea" in Puerto de Espindola im Nordosten der Insel. Dort wird seit 1963 Rum gebraut, allerdings findet dieser Rum kaum weitere Verbreitung als auf den kanarischen Inseln und ist nur bei echten Spezialisten beliebt. Selbst hier auf La Palma wird in den Bars eher "Ron de Arehucas" aus Gran Canaria oder gar Bacardi und Havanna Club ausgeschenkt, wenn man einen Rum ordert. Bleibt zu hoffen, dass die neue Rumfabrik sich Gedanken gemacht hat über den möglichen Absatz. Beim Qualitätsanspruch ist die neue Firma aber gar nicht bescheiden, man will nur Saft aus frisch gepresstem Zuckerrohr verwenden und nicht haltbare Melasse, wie es die großen Rumfabriken machen. Das wird dann aber teuer, La Palma selbst hat kaum genügend Zuckerrohr um die andere Rumfabrik zu versorgen und dann muss man das frische Zuckerrohr aufwendig importieren. Vielleicht können aber auch die seit kurzem gewährten Subventionen für den Zuckerrohranbau dieser fast vergessenen Feldfrucht wieder zu neuem Leben verhelfen. Rum aus El Paso, ein Versuch ist es allemal wert und wir werden dann schon sehen, ob Rum oder Rauch in die Flaschen gefüllt wird.



Samstag 23.04.05 - 17:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 20 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 74 % Luftdruck 1017 hPa

Ausgezeichnete Schule

Unsere Schule soll schöner werden, so ähnlich lautete das Motto für Lehrer und Schüler der Oberschule "Eusebio Barreto", in Los Llanos de Aridane. Por un centro guapo. Convivir para vivir, so heißt ein nationales Projekt an dem sich ausgesuchte Schulen beteiligten und ein Diplom für hervorragendes Umsetzen dieser Idee erhielt die Schule nun vom Ministerium für Erziehung. Die Idee ist eigentlich ganz simpel, bemüht man sich gemeinsam, also Lehrer und Schüler, ihre Schule so schön und angenehm wie möglich zu machen, dann wirkt sich das positiv auf das Klima aus und damit auch auf die Lernerfolge.

Der Direktor der Schule Eusebio Barreto, José María de Vargas, ist seht stolz auf diese nationale Auszeichnung, würdigt diese doch den ganzen Aufwand und Einsatz den man in den letzten Jahren auf sich genommen hat landesweit. Sicher ist es nicht alleine damit getan, seine Schule äußerlich aufzupolieren, aber wenn man damit erreicht, dass die Schüler sich mehr mit der Einrichtung identifizieren können, dann ist das schon ein großer Schritt nach vorne. Unser Schulsystem gilt eigentlich landesweit nicht als besonders "pisativ", aber man hat aufgeholt in den letzten Jahren und die Zahl der jungen Menschen dieser Insel die anschließend ein Hochschulstudium bestreiten wächst beständig. Leider kommen die meisten von denen dann nicht auf ihre Insel zurück, sondern suchen ihre Karriere auf den großen Kanareninseln oder auf dem Festland. Gegen diese Problem vom Aderlass der Akademiker hilft auch keine schöne und nun ausgezeichnete Schule, sondern dafür brächte man lukrative und interessante Jobs, die auf dieser kleinen Insel nun mal rar sind.



Samstag 23.04.05 - 09:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 17 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 74 % Luftdruck 1020 hPa

Störfaktor Einwohner

Blaue Briefe werden wieder mal verschickt, nun an die Menschen die in Punta Larga, La Zamora und El Faro wohnen, allesamt in der Gemeinde Fuencaliente an der Südspitze der Insel. 122 Häuser sollen abgerissen werden um den Küstenstreifen zu "regenerieren", wie es offiziell heißt. Gleiches geschieht im Moment fast überall auf der Insel, Playa Nueva und La Bombilla sind da die bekanntesten Beispiele. Sicher ist und das ist unstrittig, diese Häuser und Siedlungen sind nach dem Küstengesetz illegal, da in diesen Zonen nicht gebaut werden darf. Die Frage ist nun aber, warum lässt man die Leute seit mehr als zwei Generationen dort wohnen und bauen, versorgt diese von den Gemeinden mit Wasser und Strom und stellt sogar ganz offizielle Straßenschilder auf, für Siedlungen die es laut Gesetz gar nicht geben darf.

Unsere Bürgermeister und Inselpolitiker sind dabei ausgesprochen zurückhaltend und fordern unisono lediglich die Umsiedlung und Bereitstellung von Wohnraum in anderen Zonen. "Uns sind die Hände gebunden, wir können da nichts tun" hört man immer wieder und es ist praktisch, sich hinter nationalen Gesetzen verstecken zu können. Dabei weiß jeder sehr genau um was es eigentlich geht, die Hütten, Häuser und Buden stören investitionswillige Tourismus Konzerne, die sich La Palma nach ihren Vorstellungen konditionieren wollen. In einer Scheinwelt aus Hochglanzprospekten und Shareholder ist kein Platz für solche Siedlungen und die unbeschreiblich wilde Schönheit unserer Insel. Vielleicht fürchtet man ja sogar, dem internationalen Publikum könnte ein solch wilder "Aborigine" begegnen, der die unglaubliche Frechheit besitzt, auf seiner eigenen Insel dort leben zu wollen, wo es ihm gefällt. Nein, das darf nicht passieren, dafür hat man ja schließlich Gesetze und die kommen dann zur Anwendung wenn es "Handlungsbedarf" gibt. - Keine Angst, so weit sind wir nicht, das Umdenken hat längst begonnen.


Punta Larga bei Fuencaliente auf La Palma



Freitag 22.04.05 - 17:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 22 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 77 % Luftdruck 1020 hPa

Jetzt geht das Jammern wieder los

Kaum ist Ostern vorbei und die Gästezahlen sinken wieder auf ein Sommerloch verdächtiges Niveau, breitet sich der ganz normale Katzenjammer über alle die nur im Entferntesten mit dem Tourismus zu tun haben. "No hay gente", es sind keine Leute da hört man aus den Restaurants, den Läden und die Mietwagenverleiher fangen an die Autos zu polieren und die Wanderführer ihre Schuhe. Jedes Jahr das Gleiche und jedes Jahr wieder neu, als wüssten wir es noch nicht, das ist alles ganz normal. Kleinere Brötchen und endlich die Dinge erledigen, die wir die ganze Zeit haben liegen lassen wären angesagt, wir aber nutzen die ungewollte Freiheit fast ausschließlich zum Jammern und Klagen.

Wer jetzt noch schnellen Schrittes über die Ampel läuft, der macht sich verdächtig und bloß nicht erwähnen, dass das Geschäft eigentlich gar nicht so schlecht geht. Da ist der soziale Druck gewaltig, wenn alle klagen, dann muss man da einstimmen, im Jammern halten wir ganz fest zusammen. Das kann auch von eigenen Fehlern ablenken, wenn die anderen auch nicht viel zu tun haben, dann ist das eben so und liegt nicht an uns. Wer jetzt in ein Restaurant kommt und der Wirt beklagt sich über zu wenig Gäste, dann sollte man flugs erwähnen, man habe gerade mit dem Wirt soundso gesprochen, die haben auch ganz wenig zu tun, schon fließt der milde Balsam der Gemeinsamkeit über die geplagt Seele des Wirtes. Ja, auch Wirte haben eine Seele, Wanderführer, Taxifahrer, Souvenirshop-Besitzer, Reiseleiter und all die vielen Menschen, deren Arbeit anderer Leute Urlaub ist. Nicht dass Sie jetzt meinen wir bräuchten Mitleid, weit gefehlt, wir sind Meister im Selbstmitleid und da ist sich die gesamte Branche ganz nah und einig, keiner kann so gut und nachhaltig jammern wie wir.



Freitag 22.04.05 - 08:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 17 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 76 % Luftdruck 1021 hPa

Gut, dass der Papst gerade sehr beschäftigt ist

Madrid erteilt der Welt gerade mal wieder eine liberale Lehrstunde und macht den Weg frei für homosexuelle Ehen. Diese sollen nach Vorstellungen des Kongresses auch nicht als Mogelpackung daherkommen, sondern in allen Belangen der heterosexuelle Ehe gleichgestellt sein. Der Gesetzestext muss jetzt noch im Senat angenommen werden und kann dann Ende nächsten Monats vom Ministerrat endgültig verabschiedet werden. Es gilt aber als sicher, dass dieses Gesetz alle parlamentarischen Hürden überwindet, nur die Anhänger der bürgerlichen Partei, Partido Popular, sind dagegen. Lediglich in den Niederlanden gibt es ähnlich liberale Regelungen, Spanien scheint endlich den dunklen Schatten seiner Vorgängerregierung abwerfen zu können, in deren Reihen sich Hardliner des Opus Dei bewegten.

Die Kirche läuft natürlich Sturm gegen diese Liberalisierung, findet aber keine richtige Unterstützung in der Gesellschaft, es gibt wenig Argumente die gegen eine Rechtsgrundlage für gesellschaftliche Tatsachen sprechen könnten. Die große Auseinandersetzung mit dem Vatikan steht nun noch aus und sicher wird es harsche Kritik aus den Reihen der obersten Kirchenführer geben. Es wird die erste große Probe für Ratzinger werden, er könnte nun beweisen, dass er nicht so dogmatisch ist wie man ihm nachsagt. Es wird natürlich auch eine große Probe für Zapatero, der bislang alle Kirchenkritik an seinem liberalen Stil galant hat abtropfen lassen. Noch herrscht Ruhe, der Vatikan ist gerade mit sich selbst beschäftigt und das ist gut so.

Ein Leser hat mir noch DIESEN LINK gesandt, mit einem schönen Artikel über Zigarren aus La Palma. FAZ-online.



Donnerstag 21.04.05 - 18:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 19 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 77 % Luftdruck 1021 hPa

Muss unser Käse gut sein

Der Medaillensegen reißt nicht ab, nach dem jedes Jahr auf dem World Cheese Award in London Käse aus La Palma mit höchsten Lorbeeren versehen werden, hat jetzt der Ziegenkäse "El Manchón" aus El Paso auf der Landwirtschaftsmesse auf Tenerife alle anderen Käse vor Neid ertrocknen lassen. "El Manchón" aus dem Hause Ana Laura González ist zum besten Käse der gesamten kanarischen Inseln gekürt worden und zwar in allen Kategorien. Meister aller Klassen so zu sagen und das will was heißen bei der starken Konkurrenz von den anderen Inseln und besonders Fuerteventura, welche in früheren Auflagen der Messe immer führend war.

Ein weitere Käse aus El Paso ist auch unter den Gewinnern, "Tajogaite" von Julio César Armas Leal, allerdings dort nur in der Kategorie "semicurado de leche cruda" (halbreif aus Rohmilch). Um nicht nur Käse aus El Paso unter den Siegern zu haben, bekam auch Mazo eine Prämie ab, "Las Lameras" von Juan Vicente Rodríguez Zerpa aus Montes de Luna musste, sich allerdings den ersten Preis mit "El Manchón" in der Kategorie "queso tierno de leche cruda" (Weichkäse aus Rohmilch) teilen. Nun könnte man spekulieren, die Jury sei aus El Paso gewesen oder zumindest aus La Palma, es wird aber versichert dass dem nicht so war und außerdem hätte man "blind" verkostet. Es ist müßig zu erwähnen, dass es sich bei allen genannten Käsen um Produkte aus Ziegenmilch handelt. Vielleicht ist ja doch was dran, dass unsere Ziegen der palmerischen Rasse einfach die beste Milch geben. Wenn das mit den Preisen und Prämien so weitergeht, dann bekommen wir sicher auch bald einen "Käsewanderpfad" nach Vorbild der Weinroute. Es ist also doch nicht alle Käse was wir auf dieser Insel so machen und wenn doch, dann halt erster Qualität.



Donnerstag 21.04.05 - 08:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 15 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 75 % Luftdruck 1022 hPa

80% Auslastung

Über ein ganzes Jahr gesehen wäre das eine stolze Zahl für ein touristisches Unternehmen und ich bin mir sicher, dass kein Hotel unserer Insel diese Quote erreicht. Einfacher ist es für das Inselkrankenhaus und daher stammt diese Zahl, auch unsere größte medizinische Einrichtung macht Inventur und legt nun den Bericht vom vergangenen Jahr vor. 5.336 Menschen wurden dort stationär behandelt mit einer mittleren Aufenthaltsdauer von 9 Tagen, ob alle das Krankenhaus auch wieder eigenen Fußes verließen, steht nicht in der Statistik.

Das Inselkrankenhaus ist aber nicht nur für stationären Aufenthalt ausgelegt, sondern auch noch die größte Poliklinik mit diversen Spielarten der medizinischen Kunst. "Consulta" heißt das hier und bedeutet erst mal viel Geduld, bis einer der Spezialisten Auge und Hand auf das Zipperlein werfen und legen kann. Letztes Jahr war das 84.000 Mal der Fall und manchmal ist spanisch einfach ehrlicher als die deutsche Sprache, "patiente" heißt geduldig und wer geheilt werden will, der sollte das beherzigen. Dann gibt es noch die "Urgencias", das sind die Notbehandlungen also alles was die fleißigen Krankenwagen der Insel ins Hospital bringen, weil manchmal Krankheiten oder Unfälle nicht so geduldig sind wie unser Gesundheitssystem. Diese "Urgencias" werden aber auch schon mal ausgenutzt, jeder der keine Zeit hat tagsüber krank zu werden, der wartet bis 21:00 Uhr und lässt sich dann in die Klinik fahren, übertreibt ein bisschen, kann sich dann aber schneller und effizienter Hilfe gewiss sein. Viele fahren auch selbst und lassen das Auto außerhalb der Sichtweite der Notfallaufnahme stehen und fangen noch auf dem Weg dorthin plötzlich zu humpeln an. So kommt auch die riesige Zahl von 28.000 Notfallbehandlungen zusammen, die unser Krankenhaus im letzten Jahr betreut hat.



Mittwoch 20.04.05 - 17:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 18 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 76 % Luftdruck 1022 hPa

Warum ist La Palma so deutsch ?

Eine Frage die uns schon öfter beschäftigt hat und natürlich nicht gänzlich geklärt werden kann und auch nicht muss, aber es ist doch schon interessant, warum die Deutschen hier den weitaus größten Anteil der europäischen Ausländer stellen. Das trifft sowohl für hier Lebende zu, wie auch für die Gäste, irgendwo muss das ja herkommen. Sind die Kontakte erst mal da, dann ist das nicht verwunderlich, ich möchte mich aber nicht auf die Zeit nach 1970 beziehen, sondern auf die Zeit davor. Ein schöner Zufall ergab nun eine Möglichkeit da tiefer zu bohren und wir sind auf ganz interessante Meinungen und Menschen gestoßen.

Ein österreichisch - berlinisches Filmemacherpärchen weilt zur Zeit wieder auf der Insel und nimmt mich öfter mal auf ihre Touren als Übersetzer und Büchsenspanner mit. - Wie die drauf gekommen sind einen Film über La Palma zu drehen ist wieder eine andere, lange und sehr interessante Geschichte. - Beim Versuch in dem Film auch die große deutsche Präsenz auf La Palma zu erklären, beriefen sich die beiden auch auf die Geschichte, die ich seinerzeit über die Leute der Pamir geschrieben habe, (4.1.2004) und wollten gerne mehr darüber wissen. Endlich war es gelungen den wahrscheinlich einzigen Nachkommen eines der Besatzungsmitglieder des stolzen Seglers aufzuspüren, der von 1914 - 1920 im Hafen von Santa Cruz de La Palma lag, um nicht in die Fänge der Engländer zu gelangen.

Was ein Glück, dass die beiden Filmemacher kein Spanisch können und so wurde mir die Ehre zuteil, diesen Mann interviewen zu dürfen. Fernando Leopold Prats heißt der, inzwischen Viertel-Deutscher und hat gerne und ausführlich über das berichtet, was er aus Erzählungen seines Vaters und der Familie weiß. Sein Großvater, Ferdinand Leopoldt aus Schleswig kam 1914 mit der Pamir nach La Palma und verliebte sich so sehr in Juana García Fernández, dass die beiden 1917 heirateten und noch im gleichen Jahr ein Sohn zur Welt kam. Freud und Leid liegen aber in jeder großen Geschichte nah beieinander, Ferdinand Leopoldt starb, wie auch zwei weitere Besatzungsmitglieder der Pamir 1919 an der Grippe und blieb für immer auf La Palma.

Offiziell soll es keine weiteren Nachkommen deutscher Seeleute der Pamir auf La Palma geben, aber ein gut gesetztes Grinsen wies jedoch wortlos auf den Unterschied zwischen offiziell und "doch möglich" hin. In diesen fast 6 Jahren Aufenthaltes auf La Palma lebte die Besatzung der Pamir mitten unter den Palmeros der Hauptstadt und waren gern gesehene Gäste in den Familien und nahmen an allen Festen und dem öffentlichen Leben wie selbstverständlich teil. Im Gegenzug besuchte man auch das Schiff , die Seeleute luden ihrerseits zu Festen ein und viele schöne Geschichten ranken sich um diese ferne Zeit. Auch wenn es viel zu weit hergeholt scheint, Palmeros und Deutsche waren sich bereits während der Zeit des ersten Weltkrieges keine Fremden mehr und um das noch zu bestärken erzählt Fernando wiederholt davon, wie groß der Einfluss der Besatzung der Pamir auf den Alltag der Palmeros war.

Fernando meint dazu, die Deutschen hätten es auf La Palma immer ein bisschen leichter gehabt als andere Nationalitäten, auch als die Pamir längst wieder weg war, blieb ein positives Stück Erinnerung auf der Insel. Er selbst betrachtet sich übrigens mit Stolz als Nachkomme eines Deutschen, Beweis dafür ist auch den Name seines Sohnes, Fernando Leopold und nun hofft er darauf, dass sein Enkel auch diesen Namen weiter trägt, wir erinnern uns, der Großvater hieß Ferdinand Leopoldt. Eine kleine Geschichte darf ich noch loswerden, bevor ich den ganzen Film verrate. Während dieser Jahre des Aufenthaltes der Pamir auf La Palma hielt sich hartnäckig das Gerücht, dass ab und zu ein deutsches U-Boot die Pamir im Hafen besuchte und Teile der kriegswichtigen Salpeterladung übernahm und im Gegenzug die Besatzung mit Ausrüstung versorgte. Es gibt überhaupt keinen Beweis dafür, aber die Leute berichten, dass mit den Jahren das Schiff immer höher lag und man wohl kaum vermuten konnte, die Seeleute hätten den Salpeter verzehrt. Da drin alleine liegt schon wieder eine neue Geschichte vergraben und wenn mir noch irgendwann jemand erzählt, auf La Palma sei es doch langweilig, dann werde ich das Grinsen von Fernando ganz arrogant imitieren. - Ich übe schon...


Ferdiand Leopoldt von der Pamir 1917 auf La Palma

Ferdiand Leopoldt von der Pamir 1917 auf La Palma



Mittwoch 20.04.05 - 08:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 16 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 72 % Luftdruck 1024 hPa

Mehr Fischzucht als Fischfang

Seit gestern züchtet eine zweite Firma Doraden vor der Westküste der Insel und festigt damit einen Wirtschaftszweig, der erst seit drei Jahren überhaupt auf der Insel vorhanden ist. Bislang war die Firma "Aquibag" alleine auf diesem Sektor und brachte es auf 125 Tonnen Zuchtfisch, der in praktischen Kilo-Häppchen die Reise zum Verbraucher antritt. Der neue Fischzüchter heißt "Aquipalma" und beschickte gestern seinen ersten Schwimmkäfig mit tausenden von Jungfischen. Später will man 12 dieser überdimensionalen Reusen vor der Westküste betreiben und peilt eine Jahresproduktion von 1.000 Tonnen Frischfisch an.

Drei weitere Firmen planen es den beiden jetzt bestehenden Einrichtungen gleich zu tun, sind aber noch mit Planung, Finanzierung und Bürokratischem beschäftigt. Bereits jetzt übersteigt die Wertschöpfung der Fischfarmen vor unserer Küste die der traditionellen Fischerei und die Zeichen stehen ganz klar auf Fischzucht und nicht mehr auf Fischfang. Die Niedergang unserer Fischerei hat mehrere Gründe, nicht nur die immer wieder angeklagte Überfischung. Das Problem liegt auch bei den Preisen, Importe aus dem nahen Marokko oder sogar von noch weiter her, machen es den Fischern schier unmöglich ihren traditionell gefangenen Fisch kostendeckend zu verkaufen. Nur ganz wenige Leute sind bereit, mehr Geld auf den Tisch zu legen um wirklich frischen Fisch aus La Palma auf dem Teller zu haben. Es zeichnet sich also ein Strukturwandel in unserer Fischerei ab, den selbst die traditionsbewussten Petri-Jünger nicht mehr übersehen können. Eine der drei weiteren Firmen welche eine Fischfarm plant, ist die Fischereibruderschaft "Cofradía de pescadores Nuestra Señora de El Carmen" aus Puerto de Tazacorte selbst. Manchen Fischern ist nicht ganz wohl bei dieser Idee und über irgendwelche Umweltprobleme die irgendwann entstehen könnten, wenn mal über 40 Schwimmkäfige vor der Westküste La Palmas stehen, darüber reden wir in 10 Jahren.



Dienstag 19.04.05 - 18:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 19 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 74 % Luftdruck 1021 hPa

Kompetenzstreit um den Nationalpark

Seit längerem ist bereits bekannt, dass die Verwaltung und Betreuung der spanischen Nationalparks in die Hände der Provinzregierungen übergehen sollen. Das Verfassungsgericht hat das so entschieden und nun ist man dabei die Übergabe aus den Händen der Zentralregierung vorzubereiten. So werden aus Nationalparks Provinzparks, aber das ist uns noch nicht genug, nun will die Inselregierung die alleinige Verwaltung übernehmen, ohne die Provinzregierung der Kanaren dabei zu tangieren. Das gleiche gilt übrigens auch für die anderen 3 kanarischen Nationalparks, Teide auf Tenerife, Garajonay auf La Gomera und Timanfaya auf Lanzarote. Auch dort sollen die "Cabildos Insulares" beauftragt werden, sich selbst und ganz alleine um eine Einrichtung zu kümmern deren Namen alleine schon Hinweis genug sein sollte, Nationalpark.

Da entstehen neue Chancen aber auch Gefahren. Sicher hat jeder Nationalpark seine ganz eigenen Hintergründe und niemand sollte besser darüber Bescheid wissen, als die lokalen Einrichtungen. Schnellere Entscheidungen wären möglich, Park und Insel könnten kompatibler gemacht werden. Da genau entsteht aber auch ein Gefahrenpotential weil zu befürchten ist, dass man nun die harten Regelungen eines Nationalparks aufweicht, um der Insel noch besser als touristischer Magnet zu dienen. Darüber hinaus "klüngelt" es auf allen Kanareninsel eh schon gewaltig und manchem wird wohl ganz warm um die Gesäßtasche wenn er daran denkt, welche neuen Aufgaben und Perspektiven plötzlich entstehen. Wenn man das mal konsequent zu Ende denken würde, dann müsste man ja die logische Abstufung von Nationalpark - Provinzpark - Inselpark noch weiter runter drehen zum Gemeindepark. Der Nationalpark Caldera de Taburiente liegt zu über 90% im Gemeindegebiet El Pasos, aber so tief will Gott sei Dank keiner denken. Noch ist das alles nicht "durch" und vielleicht sollte ich als bekennender Lokalpatriot viel mehr Vertrauen haben in unsere Führung und nicht immer gleich hinter jeder Kapelle einen Ratzinger vermuten. - Jetzt habemus den Salat.



Dienstag 19.04.05 - 08:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 16 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 74 % Luftdruck 1023 hPa

Arbeitskämpfe setzen Ausrufezeichen

Das Handling-Personal der Iberia legte gestern für Stunden die Arbeit nieder, die größte Brauerei der Kanaren CCC konnte gestern kein Bier brauen, weil die Mitarbeiter auf die Straße gingen. Die gewerblichen Arbeitnehmer im Gesundheitssystem drohen mit Hungerstreik und die Beamten der Ausländerbehörde wollen wegen Überlastung nicht weiter arbeiten. Nach Jahren der relativen Ruhe beginnt nun eine neue Runde der Arbeitskämpfe und diese konzentriert sich weniger darauf, mehr Gehalt zu fordern, es geht vordergründig um den Erhalt vieler Arbeitsplätze. Die Globalisierung hat uns zwar bereits vor einer ganzen Weile erreicht, die Folgen spüren wir aber erst jetzt. Wir müssen schneller, billiger und besser werden, sonst braucht uns keiner mehr.

Das Handling-Personal der Iberia ist dabei der auffälligste Posten. Es geht um 600 Arbeitsplätze auf den Kanaren, weil unsere Regionalfluggesellschaft Binter Canarias das Handling selbst übernehmen will. Rechnet man die 600 Arbeitsplätze mal auf deutsche Verhältnisse um, dann sprächen wir von 27.600 möglichen Entlassungen. Viele dieser Arbeitsplätze könnten gerettet werden, wenn die Arbeitnehmer bei der neuen Handling-Firma einen anderen Arbeitsvertrag unterschreiben, natürlich zu deutlich schlechteren Bedingungen. Überhaupt keine Perspektive haben 130 Mitarbeiter der Brauerei CCC auf Tenerife, die können nur Aufhebungsverträge unterschreiben und sich mit dem, für uns neuen Wort, Vorruhestand anfreunden. Das perfide dabei ist, dass keine der beiden Firmen unter einem drohenden Konkurs diese Entscheidungen trifft, sondern nur aus dem Grund Gewinne zu steigern. Auf der Strecke werden in beiden Fällen 20% der Belegschaft bleiben, das ist die inzwischen übliche Zahl wenn Unternehmensberater, Betriebswirte und Krawattenträger ihre eigene Zukunft planen. Für La Palma selbst wird es kaum Auswirkungen geben, wir haben keine Brauerei und schon längst keinen Großbetrieb mehr. Der Streik der Handling-Arbeiter führt zu Verspätungen im regionalen Flugverkehr und vielleicht müssen wir mal ein paar Tage anderes Bier trinken. Macht nichts, das Bier der CCC (Dorada und Tropical) hat in letzter Zeit einen komischen Nachgeschmack und irgendwie habe ich das Gefühl, dass in jeder Flasche 20% weniger drin sind als früher.



Montag 18.04.05 - 19:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 19 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 73 % Luftdruck 1022 hPa

Endspurt für illegale Einwanderer

Bis zum 7. Mai haben die Menschen noch Zeit ihre Papiere in Ordnung zu bringen, welche sich nach unseren Gesetzen illegal in Spanien aufhalten. Es ist die dritte große Amnestie in der Geschichte des Landes und ist für Hunderttausende eine gute Chance ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht zu erwerben. Die Anforderungen sind nicht zu hoch gesetzt, allerdings gilt diese Reglung nur für Menschen, die vor dem 7. August 2004 nach Spanien eingereist sind. Für viele stellt sich jetzt die Frage, wie beweise ich, dass ich illegal vor einem bestimmten Zeitraum gekommen bin, wo ich doch mein Kommen eigentlich verschleiern wollte. Inzwischen ist man dazu übergegangen, den Gemeinden freie Hand zu lassen, diese können nun Papiere ausstellen in denen bescheinigt wird, dass der Antragsteller bereits vor dem 7. August 2004 in der Gemeinde wohnte.

Die Zahl der legalisierungswilligen ist auf La Palma sehr gering, bis heute, drei Wochen vor Ablauf der Frist haben lediglich 145 Menschen einen Antrag auf Bleiberecht gestellt. Diese Zahl wird noch ansteigen, man rechnet damit, dass insgesamt etwa 250 Leute von dieser Amnestie Gebrauch machen wollen. Den größten Anteil der Antragsteller bilden die Kolumbianer, gefolgt von Venezolanern und Marokkanern. Man rechnet damit, dass über 90% der Anträge positiv entschieden werden, weiß aber gleichzeitig, dass das Gros der illegalen Einwanderer überhaupt keinen Antrag gestellt hat. Die Legalität bedeutet gleichzeitig eine Meldung bei der Steuerbehörde, Arbeitsamt und Sozialversicherung. Das wollen aber viele nicht, fürchten sie doch ihren Job, der bislang natürlich "schwarz" war, zu verlieren, da viele Arbeitgeber für Billigjobs überhaupt keine korrekt gemeldeten Kräfte wollen. Damit rechnen die Behörden aber auch und wollen nach Ablauf der Meldefrist verstärkt kontrollieren. Wer dann erwischt wird, dem droht die Ausweisung, die Chance sich zu legalisieren hat er ja gehabt.



Montag 18.04.05 - 08:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 15 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 71 % Luftdruck 1022 hPa

Käseweb

Tradition und Moderne müssen Hand in Hand gehen, sonst hat keiner etwas vom anderen. Auf La Palma wird Ziegenkäse nach bester handwerklicher Tradition hergestellt und internationale Preise und Ehrungen beweisen auch die Qualität dieses Produktes. Jetzt bringt die Organisation www.aderlapalma.org (Asociación para el Desarollo Rural de la Isla de La Palma) den Ziegenkäse breit ins Internet. Auf einer einladend gestalteten Seite gibt es jede Menge Information über die Herstellungsmethoden, Tradition und Sorten welche auf La Palma hergestellt werden. Allerdings werden in dieser Seite nur die Hersteller berücksichtigt, welche sich dem Käse-D.O. unterwerfen.

Der "Consejo Regulador de la D.O. Queso Palmero", ist die Organisation welche über die Einhaltung ganz bestimmter Kriterien wacht die befolgt werden müssen, um seinen Käse mit dieser Auszeichnung zu schmücken. Da geht es um ganz bestimmte Herstellungsmethoden, aber vorwiegend auch darum, Milch welche für den Käse genommen wird, darf ausschließlich von Ziegen der autochtonen Rasse "Cabra Palmera" stammen. Das teilt nun wieder die Schar der Käseproduzenten in diverse Lager, viele Hirten haben in den Reihen ihrer Herden auch Ziegen der anderen beiden Rassen welche auf den Kanaren leben, "Cabra Tinerfeña" und "Cabra Majorera", die aus Fuerteventura stammt. Ob das nun wichtig ist, dass es Käse der reinen Rasse gibt, vermag ich nicht zu beurteilen und mit Verlaub, ich habe den Unterschied auch noch nicht geschmeckt. Aber Traditionen werden auf dieser kleinen Insel mit Recht energisch verteidigt. Die Webseite über den Ziegenkäse aus La Palma ist gut gelungen, geht doch, dass man Traditionen auch in einem modernen Umfeld präsentieren kann. Online-Verkauf geht aus verständlichen Gründen nicht, vielleicht noch nicht. Es gibt so viele Gründe nach La Palma zu kommen, unser Ziegenkäse ist einer davon und ein verdammt schmackhafter. www.quesopalmero.es



Sonntag 17.04.05 - 10:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 15 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 69 % Luftdruck 1023 hPa

Inseln des ewigen Frühlings

So betitelt man die Kanaren oftmals und mir ist dabei nicht ganz klar, welchen Frühling man damit meint. Vergleiche sollte man da nicht heranziehen, in St. Petersburg kommt der Frühling sicher in anderem Gewand daher als auf Barbados. Nimmt man es genau, dann haben die Kanaren genau zwei Jahreszeiten und der Frühling kommt darin überhaupt nicht vor. Vielleicht kommt die Bezeichnung mit dem ewigen Frühling von unserem wohltemperierten Sommer, der trotz unseres "saharianischen" Breitengrades feuchte und kühle Luft aus dem Nordatlantik atmet. Vielleicht aber auch wegen unserer milden Winter, in denen westliche Winde die Temperaturen durchgängig zweistellig halten. Nun könnte man fragen, warum dann ewiger Frühling und nicht ewiger Herbst und was bedeutet auf den Kanaren Sommer und warum kann es im Winter weit über 25 Grad warm werden. Selbst dieser Winter, so kalt und feucht er sich im Januar und Februar gezeigt hat, ist gerade im Begriff sich statistisch wieder in die Normalität zu mogeln. Es hat seit dem 5. März nicht mehr geregnet (Sprühregen aus den Passatwolken zähle ich nicht mit) und die Temperaturen liegen seit einem Monat wieder deutlich über dem Schnitt.

Eigentlich haben wir überhaupt keine Jahreszeiten welche man mit den mitteleuropäischen Begriffen von Winter und Sommer in Einklang bringen könnte. Wir haben Passat, oder keinen und wenn man unbedingt will, dann steht der Passat für Sommer und alle anderen Wettersituationen für Winter. Abgesehen von seltenen Südwinden die meist nur Übergangsphänomene sind, dominieren bei uns zwei Wetterlagen - Das nordatlantische Hoch, welches auch Azorenhoch genannt wird. Das schickt feuchte und kühle Luft aus dem Nordatlantik zu uns und sorgt für die bekannte Zweiteilung des Inselwetters, im Osten bewölkt und feucht, im Westen sonniger und trocken. Diese Wetterlage ist im mitteleuropäischen Sommer häufiger und wird deshalb bei uns meteorologische Stabilität genannt. Das Gegenstück hierzu sind die Tiefdruckgebiete, welche uns vom Westen her erreichen. Die können aber nur zu uns gelangen, wenn das Azorenhoch nicht auf seinem Platz ist und das kommt fast nur in den Monaten Oktober bis April vor. Diese Tiefausläufer bringen satte Niederschläge mit sich, aber die Lufttemperatur ist höher als die im Nordostpassat.

Dieses Ausgleichsinstrument ist dafür verantwortlich, dass bei uns die mittleren Temperaturunterschiede von "Sommer" zu "Winter" geringer sind, als die Unterschiede von Tag und Nachttemperaturen. Dazu kommen weitere Faktoren wie Bewölkungsdauer und Höhe. Mit Frühling hat das alles nichts zu tun. Bemerkenswert dabei ist eben die Lage der Kanaren, ganz nah an die Sahara gebaut und dennoch Kind atlantischen Wetters. Ohne den Passat, die Berge und unsere Kiefern die das kostbare Nass aus den Wolken fischen, wären wir deutlich afrikanischer und die beiden Inseln Lanzarote und Fuerteventura sind fast schon ein Vorposten der Sahara. Oder aber umgekehrt, von der Sahara aus gesehen, sind die beiden Inseln schon der Vorposten des ewigen Frühlings. Damit kommen wir zurück zu der Frage, was sind wir eigentlich und was soll das mit den Jahreszeiten, die bei uns gar nicht gelten. Die kanarischen Inseln sind Grenzgänger, nicht Afrika, nicht Europa und auch nicht Amerika. Gäbe es einen Kontinent der sich Atlantik nennt, dann müsste wir uns da einschreiben. Gibt es aber nicht und wir sind nur kleine Nadelspitzen in diesem gewaltigen Ozean, die gerade eben mal über der Wasseroberfläche nach Luft schnappen dürfen. Wir Menschen brauchen aber Vergleiche und Begriffe, das natürliche Chaos macht uns Angst, so haben wir alle 4 Jahreszeiten die es gibt in einen Topf geschmissen, kräftig umgerührt und heraus kam, der ewige Frühling. Wenn es unbedingt sein muss...



Samstag 16.04.05 - 17:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 22 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 67 % Luftdruck 1022 hPa

Umdenken IX oder wie dehnbar ist die Nachhaltigkeit

Wenn unsere Politiker anfangen englische Begriffe zu benutzen, dann meist um irgendeinen Vorgang sprachlich so zu tarnen, dass niemand begreift um was es geht. "Biosphere Destination" ist das neue Zauberwort und da liegen gleich viele linguistische Fallen herum. Diesen Titel möchte man anstreben, vergeben wird er von einer Unesco nahen Organisation und über dieser ganzen Idee steht in großen Lettern Nachhaltigkeit. In den letzten Jahren hat man uns alle nur erdenklichen, aber auch unmöglichen Ideen rund um dieses Modewort verkauft, irgendwann sprachen die sogar von einer nachhaltigen Bevölkerung. Man darf auf dieser Insel Hotels bauen, wenn diese nachhaltig sind, wie das gehen soll ist mir ein Rätsel. Man will auf dieser Insel 4 Golfplätze bauen, vorausgesetzt sie fördern die nachhaltige Entwicklung dieser Insel. Wir haben sogar nachhaltige Brücken, Häfen und Fischfarmen, da kann doch eigentlich gar nichts mehr schief gehen. Ich will Sie nicht langweilen mit weiteren nachhaltigen Aufzählungen, aber wir können uns sicher sein, rutscht unsere Westflanke irgendwann mal ins Meer, dann nach....

Liest man mal weiter, was unter dem Thema "Biosphere Destination" so steht, dann lässt das hoffen, da spricht man von gerechter Verteilung und dem Einbeziehen der Bevölkerung in den Wirtschaftskreislauf des Tourismus. Weiter geht es mit frommen Zielen, Respekt der Biodiversität, das Erhalten von sozialen Strukturen, Rücksicht auf die ökonomischen und ästhetischen Bedürfnisse der Bevölkerung und kulturelle Integrität. Wenn ich das alles so lese, dann hat mich unsere Inselregierung unbemerkt links überholt und das ist eigentlich gar nicht so einfach. Ich weiß auch, dass man Worte von Politikern nicht unbedingt ganz nachhaltig als voraus genommene Taten werten darf, aber vor zwei Jahren haben sich die meisten unserer Politiker so etwas revolutionäres gar nicht aussprechen trauen. Ob dieses Umdenken, immerhin sind wir auf meiner Skala bereits auf IX gekommen, nachhaltig ist, das wird die Zukunft zeigen. Einen kleinen Rückschlag gibt es in dem Text ja auch schon wieder, da spricht man von La Palma als touristischem Produkt. Das kann ich gar nicht leiden, das ist eine Insel, da wohnen 85.000 Menschen drauf und diese wollen nicht verkauft werden. Besuchen kommen darf man uns gerne, sogar anfassen darf man uns, Wein mit uns trinken und Mojo essen, mit uns leben und noch vieles mehr, aber nicht verkaufen.



Samstag 16.04.05 - 10:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 15 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 71 % Luftdruck 1024 hPa

Mojo Picón von Ramón

Schärferen Mojo als den von Ramón gibt es auf La Palma nicht und wer das nicht glaubt, der soll es einfach mal ausprobieren. Ramon ist der Besitzer der Bar "Taburiente" in El Paso, aber dieser Name hilft auf der Suche nach diesem autochtonen Etablissement nichts, man sollte schlicht nach Ramón fragen, wenn man ordentlich und nachhaltig die Darmflora zum blühen bringen will. Ab und zu mache ich mir den Spaß, Gäste dorthin mitzunehmen, aber nur ausgesuchte, dabei spielen weniger psychische Faktoren eine Rolle, sondern eher physische. Für ausgemergelte Vegetarier ist das nichts, genauso wenig für Sauberkeitsfanatiker, die Sagrotan für einen natürlichen Bestandteil der Atmosphäre halten. Die Bar Taburiente in El Paso ist auch kein Tempel der modernen Erlebnisgastronomie, sondern vielmehr ein Zeitfenster in die siebziger Jahre und schon beim Betreten des Lokals merkt man sofort, dass die siebziger Jahre im vergangenen Jahrtausend angesiedelt sind.

Theoretisch kann man in zwei kleinen Speiseräumen sitzen, aber das macht hier keiner, der Tresen ist einziger Halt und Begegnungsstätte mit Ramón. Irgendwie erinnert mich Ramón immer an einen Koala, wenn er in seiner ganz eigenen Geschwindigkeit die fünf Meter Tresen abschreitet um aus der Küche einen neuen Teller mit gebratenem Schweinefleisch zu holen. Geduld ist immer angebracht, wer mit Eile diesen Raum betritt, wird entweder zur Ruhe bekehrt oder braucht bald priesterlichen Beistand aus der nahen Kirche. Speisekarte erübrigt sich, es gibt außer Kartoffelchips in Tüten, so lockt der geschickte Geschäftsmann Ramón bereits die nächste Generation, nur gebratenes Schweinefleisch, Papas Arrugadas und Mojo. Nun aber aufgepasst, vorsichtig die kleinen Stückchen Fleisch in den knallroten Mojo tauchen, wer zu mutig oder angeberisch ist, der wird scharf bestraft. Ganz böse Zungen behaupten, der Mojo müsse so scharf sein, weil man nur mit betäubten Geschmacksknospen diese Mahlzeit übersteht, aber das ist nicht richtig, das gebratene Schweinefleisch von Ramón ist weit über die Gemeindegrenzen El Pasos hinaus berühmt. La Palma ist ja immer auf der Suche nach seiner Historie, wir haben ein Weinmuseum, ein Seidenmuseum, ein Bananenmuseum, bald ein archäologisches Museum und für all das geben wir viel Geld aus. Ganz umsonst dagegen leitet Ramón das Gastronomiemuseum, gleich neben der Kirche von El Paso, nur Mut und ausprobieren, er beißt nicht, sein Mojo aber schon.


Casa Ramón in El Paso



Freitag 15.04.05 - 19:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 20 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 70 % Luftdruck 1022 hPa

Touristische Zahlenspiele

Ganz vorsichtig muss man mit den nackten Zahlen sein, wie viele Gäste uns besuchen kommen. Auch wenn ich hoch erfreut bin, dass wir im März ein Plus von 17,5% in diesem Jahr gegenüber dem März des vergangenen Jahres haben, die Zahl muss relativiert werden. Einmal war dieses Jahr Ostern bereits im März und nicht erst im April wie im vergangenen Jahr, das alleine macht schon 10% aus, mindestens. Nächste Geschichte ist wieder mal La Palma spezifisch, dem März des vergangenen Jahres fehlte ein Donnerstag. Der März 2004 hatte nur 4 Donnerstage der März 2005 aber deren 5. Das bedeutet für uns auf La Palma 7 Chartermaschinen mehr als letzten März, das sind fast die anderen 7%. Immerhin bleibt sicherlich ein kleines Plus, ein Plüschen sozusagen, aber auch darauf können wir stolz sein. Jetzt müssen wir die Zahlen des April abwarten und dann wird abgerechnet und ich bin guter Zuversicht, dass der zarte Zuwachs an Gästen auf La Palma anhält.

Warum wir darauf stolz sein können, das zeigt ein Vergleich mit den anderen Kanareninseln. Außer La Palma hat nur noch Lanzarote ein Plus vor der Statistik und das ist angesichts der Tatsache, dass Ostern mit in den Monat gerechnet wird eine kleine bis mittelprächtige Katastrophe. Anstatt erhofften 10% mehr wegen der Osterferien, kamen auf allen großen Kanareninseln weniger Gäste zu Besuch als noch im März 2004. Die Völkerwanderung des Massentourismus in Billigländer hat längst begonnen, angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung in den mitteleuropäischen Ländern kein Wunder. Diesem Trend entgeht La Palma noch, da wir überwiegend ein anderes Publikum bedienen. Insgesamt sollte uns dieser Trend jedoch eines ganz klar werden lassen, mit Massentourismus ist keine Zukunft für uns möglich, dafür sind wir viel zu klein, zu teuer und nicht angepasst genug. Auch wenn andere anders denken, das wird auch so bleiben.



Freitag 15.04.05 - 08:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 15 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 70 % Luftdruck 1022 hPa

La Esperilla, eine polemische Sackgasse

Bevor es die Straße von Puerto de Naos nach El Remo gab, gelangten die Einwohner von Las Manchas zu Fuß dorthin, über einen Weg der am "Morro de la Cruz" vorbei führt und kurz vor El Remo hinunter zum Meer führt. Dieser Weg wird "La Esperilla" genannt, keiner weiß warum der so heißt, aber das ist dabei auch nicht wichtig. Dieser Zugang zum Meer verlor seine Bedeutung seit dem es die Straße gibt und nur noch ganz wenige Wanderer nutzten diese Möglichkeit zu Fuß nach EL Remo zu gelangen. Nun hat die Inselregierung diesen Weg herrichten lassen und in das Wanderwegenetz eingebunden, aber von Vernetzung kann keine Rede sein, am Ende des Weges befinden sich über 3 Meter hohe Mauern einer Bananenfinca und ein großes schmiedeeisernes Tor, welches mit einem Vorhängeschloss gesichert ist. La Esperilla ist ein Weg mit Wiederkehr, zwangsweise.

Jetzt möchte man meinen das ist ganz einfach, Tor weg und schon gelangt man an das Ziel dieser Wanderung, El Remo. Wer aber sorgt nun dafür, dass dieses Tor geöffnet wird? Die Gemeinde Los Llanos möchte man meinen, aber die wollen erst mal prüfen, ob es dafür überhaupt rechtliche Handhabe gibt, schließlich ist es Privatbesitz und gar nicht sicher, ob der Weg "La Esperilla" den Status eines öffentlichen Weges hat. Das muss erst geklärt werden, sonst will man in dieser Sache nichts unternehmen. Es wird aber noch komplizierter, als die ersten Bananenplantagen dort gebaut wurden, respektierten die Fußgänger diese Anpflanzungen und umgingen die Plantage. Diese alternative Trasse ist jetzt aber auch versperrt und der Eigentümer der Finca sieht überhaupt nicht ein, warum gerade er Leute durch seinen Privatbesitz laufen lassen soll, bloß weil irgendwann der Weg irgendwann eine neue Richtung genommen hat, soll doch der andere seine Finca wieder aufmachen. Die Polemik wird weitergehen und gerade wenn man palmerische Dickschädel an die Öffentlichkeit zieht, wachsen diese über sich hinaus, sogar das Inselfernsehen hat auch schon darüber berichtet. Eine Provinzposse vom Feinsten und wir sind dabei.



Donnerstag 14.04.05 - 18:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 20 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 71 % Luftdruck 1021 hPa

Madrid macht sich beliebt auf La Palma

Mit was kann man sich bei unseren Landwirten beliebt machen, ganz einfach, mit Anerkennung und davon gab es jetzt satt aus Richtung Madrid. Die verständlichste Form der Anerkennung ist die finanzielle. Da kam die Zusage vom Generalsekretär für Landwirtschaft Fernando Moraleda, die Schäden an Citrus und Avocadoplantagen, die während des Calima 2004 entstanden sind zu begleichen. Bis zum 18 April haben die betroffenen Landwirte aus den Gemeinden Los Llanos, El Paso, Tijarafe, Puntagorda, Garafía, Fuencaliente und Tazacorte noch Zeit ihre Verluste zu melden. Gleichzeitig gab er aber auch den Wink mit dem Avocadopfahl, in Zukunft sei es für die Bauern besser auch bei diesen Kulturen der Landwirtschaftsversicherung "Agroseguros" Policen zu zeichnen. Bei Bananen ist das bereits obligatorisch, jede Kooperative zieht dem Produzenten automatisch die Beiträge für die Versicherung ab.

Die nächste Anerkennung wiegt aber sogar noch schwerer, Zapatero hat seine vollste Unterstützung angekündigt was das Interesse für die kanarischen Bananen angeht. (siehe auch 13.04.) "Was das Öl für Jaen, die Milch für Galizien, sind die Bananen für La Palma", so spricht Fernando Moraleda und macht sich dabei über beide Ohren hinaus beliebt bei uns. Das ist auch gut so, denn heute Abend gibt es eine große Versammlung mit dem Landwirtschaftsekretär in Los Llanos und da kommt man am besten mit einem Geschenk in der Hand rüber. Die hohen Herren aus Madrid sind nicht immer so willkommen bei uns, aber es geht ans Eingemachte und da sind wir plötzlich alle Brüder. Zapatero macht Punkte auf den Kanaren, eigentlich tut er nur das, was er bereits im Wahlkampf versprochen hat, aber das scheint ja in der politischen Welt die absolute Ausnahme zu sein. Ein bekannter Journalist hat mal über Zapatero gesagt, er sei der einzige Politiker den er kenne, der das was er sagt auch glaubt. "Viva Zapo"



Donnerstag 14.04.05 - 08:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 17 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 69 % Luftdruck 1020 hPa

Puerto de Tazacockte

Den wenigsten wird es aufgefallen sein, dass in der Überschrift ein Schreibfehler steckt, Sie haben es natürlich sofort bemerkt, Tazacorte muss es eigentlich heißen. Doch vielleicht nicht mehr lange, die Finanzierungsgesellschaft "Cock SL hat vor, in dem kleinen Fischerörtchen 120 Millionen Euro zu investieren. Bei so viel Geld wird jeder Bürgermeister schwach und angesichts der wirtschaftlichen Situation werden wir den Teufel tun, danach zu fragen, wer so viel Geld übrig hat. Angeblich soll es baskisches Kapital sein, immerhin eine der wohlhabendsten Regionen Spaniens.

Was bekommt Cock SL für die Millionen, so ziemlich genau den halben Ort. Auf dem Gelände will man ein 5 Sterne Hotel errichten mit 580 Betten , es wäre das erste der Insel und eine Apartmentanlage mit 350 Wohneinheiten. Für das, seit über 20 Jahren in Bau befindliche Meerwasserschwimmbecken hat man auch eine Lösung, es wird eine Tiefgarage für 400 Autos entstehen mit einer Ladenzeile darüber. Bislang sind alle diese Vorhaben nur projektiert, aber noch nicht genehmigt, es kann also noch eine Weile dauern bis der erste Stein bewegt werden kann, wenn alle daran beteiligten Behörden auch mitmachen. Für keinen Ort auf der Insel würde ein Hotel mehr Sinn machen als für Puerto de Tazacorte, dort gibt es bislang kaum Unterkünfte und für die Gemeinde Tazacorte wäre das Arbeitslosenproblem auf einen Schlag beseitigt. Dennoch beschleicht mich ein ungutes Gefühl bei solch, auf La Palma nie vorher getätigten Investitionen. Die wollen doch ihr Geld irgendwann zurück haben und bislang war die Insel für Großinvestoren immer eine Einbahnstraße. Wir werden sehen, ob diese Pläne irgendwann wirklich realisiert werden und dann ist immer noch Zeit sich darüber aufzuregen.



Mittwoch 13.04.05 - 19:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 24 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 73 % Luftdruck 1016 hPa

Silicon ist keine nachhaltige Lösung

Verabschieden Sie sich ganz schnell von dem Gedanken, dass jetzt hier über die Stabilisierung oder Vergrößerung irgendwelcher Körperteile geredet wird, es geht um unser Allheilmittel beim Bau. Die letzten 20 Jahre könnte man auf La Palma sicherlich als das Siliconzeitalter beschreiben, keine Fuge, kein Riss, kein Dach und kein Haus überhaupt, in dem nicht kiloweise dieser stinkende, aber anpassungsfähige Stoff steckt. Dieses herrliche Leben mit Werkstoffen die uns so geläufig sind wie der tägliche Cortado, scheint aber langsam, doch unaufhörlich zu Ende zu gehen. Wenn man mal ganz ehrlich ist, dann taugt das Zeug höchstens bis zum nächsten Sommer und beim ersten Regen beginnt das Lamentieren erneut. Aber ich hab doch richtig viel reingeschüttet letztes Jahr...

So ähnlich sehen das nun auch die Techniker der Baufirma, welche vor 5 Jahren unser neues Inselkrankenhaus hochgezogen haben. Schön anzusehen, soll für die nächsten 30 Jahre unsere medizinischen Bedürfnisse decken, hat aber einen großen Mangel, es ist nicht dicht. Seit 5 Jahren nun doktert man nun rum, flickt und sucht und fordert Besserung. Nun hatte die Krankenhausverwaltung die Nase gestrichen voll Silicon und ein Expertenteam musste die Baumängel begutachten. Ergebnis, es wurden die falschen Materialien zur Abdichtung verwendet, na was wohl und nun muss die damals ausführende Firma nachsitzen. Die siliconbegossenen Pudel versichern jetzt, alle Schäden zu beheben, aber erst im Sommer, bis Mitte Mai könnte es ja noch mal regnen. Kein Problem, Geduld ist eine unserer größten Tugenden, das hat uns die Insel so gelehrt. Eigentlich finde ich das schade, mir hat unsere semipermeable Bauweise immer gut gefallen, frei vom Druck der Perfektion lebt es sich deutlich einfacher. Da ich aber mit einer Übergangszeit von mindestens 20 Jahren rechne, brauche ich mir keine Sorgen machen um meine großen Vorräte an Silicon. Außerdem gibt es da noch eine soziale Komponente, jeder bei dem es diesen Winter nicht reingeregnet hat, der macht sich der Besserwisserei verdächtig und ein schlimmeres Schimpfwort als "listillo" ist mir kaum bekannt.



Mittwoch 13.04.05 - 08:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 17 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 71 % Luftdruck 1016 hPa

Der liebe Gott muss helfen oder Zapatero

Was das Jahr Zweitausend für die Computerbranche war, ist das Jahr 2006 für die Bananenindustrie der gesamten kanarischen Inseln, aber ganz speziell für La Palma. Auf keiner anderen Insel herrscht eine derart starke Abhängigkeit von der kleinen Gelben, wie auf La Palma. Nächstes Jahr wird der Hauptabsatzmarkt, die iberische Halbinsel für Importbananen aus Mittelamerika geöffnet und dann muss man auf die Käufertreue der "Godos" hoffen, sonst müssen wir unsere 140.000 Tonnen Bananen selber essen und das ist nicht gesund. Um die europäischen Bananenbauern zu schützen, plant man einen Einheitspreis für alle krummen Dinger die nach Europa geschleust werden, aber es scheint wenig aussichtslos sich mit den mittelamerikanischen Produzenten auf einen, für alle Seiten akzeptablen Preis zu einigen.

Nun fordert man Schützenhilfe aus dem sonst so gescholtenen Madrid, für irgendetwas hat man ja auch eine nationale Regierung und immer wenn wir arg in Bedrängnis sind, dann berufen wir uns auf die Pflicht des Staates, uns zur Seite zu stehen. - Sind wir dann wieder oben auf, dann erklären wir uns dreimal pro Woche für unabhängig und kennen Madrid nur noch im Zusammenhang mit "Real". - Zapatero soll es richten und sein starker Arm Gewicht in die Verhandlungen um die Zukunft der kanarischen Bananen legen. Das wird nicht viel helfen können, der beschworene Einheitspreis wird von der Welthandelsorganisation festgelegt und ich glaube nicht, dass wir mit dem Ergebnis leben können. Wir müssen aber auch selbstkritisch sein und haben da seit Jahren den Fehler gemacht, uns viel zu sehr auf die Produktion von immer mehr Bananen konzentriert und viel zu wenig um neue Absatzmärkte gekümmert. So ist die kanarische Banane in Deutschland immer noch ein fast nicht erhältliches Produkt, da müssen Verkaufsstrategen hin, mit Geld in der Hand für Werbekampagnen und dem Eintrittsgeld in die Frischregale der Supermärkte. Was nicht ist, kann ja noch werden und mit diesem fast hoffnungslosen Spruch haben wir gleich wieder den Bogen zum lieben Gott gefunden. Wir werden Kerzen in Bananenform aufstellen und wenn die EU und Zapatero uns nicht helfen können, die Deutschen weiterhin unsere Bananen nicht kaufen können, dann wenden wir uns an den Vatikan, Habemus Bananam.



Dienstag 12.04.05 - 19:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 23 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 71 % Luftdruck 1019 hPa

Charco Verde bröckelt

Am südlichen Ende einer der schönsten Badebuchten der Insel, Charco Verde, ein paar Kilometer hinter Puerto de Naos gelegen, droht heftiger Steinschlag. Die hohe Brandung hat mit der Zeit stetig weiter die Felsen ausgehöhlt und immer wieder brechen größere Gesteinsbrocken aus gefährlicher Höhe auf Teile des Strandes. Der mittlere und nördliche Abschnitt ist davon nicht betroffen, aber immer wieder missachten Badende die leider spärlichen Absperrungen. Nun drohen auch noch Teile der Mauer abzubrechen, welche als Stütze des darüber liegenden Parkplatzes dienen und man kann lediglich dringend raten, nur noch die nördliche Zufahrt zu benutzen.

Dass in Charco Verde an den steilen Stellen immer mal wieder ein paar Gesteinsbrocken runter kommen ist nicht neu, in diesem Ausmaß jedoch schon. Man sollte sich, noch vor der Sommersaison über eine Absicherung Gedanken machen, einerseits ist es gefährlich und auf der anderen Seite bietet man auch nicht unbedingt ein kompetentes Bild, wenn dauerhaft große Strandabschnitte gesperrt werden müssen. Nun müssen wieder Zuständigkeiten gesucht werden und sich Behörden erst einig werden, wer was macht, wie man es macht und die immer wiederkehrende Frage, wer das Ganze auch bezahlt. Leider gibt es keine europäischen Fonds für abbröckelnde ultraperiphere Zonen, sonst wüssten wir schon wie das geht. Da fällt mir doch gerade was ein, die Küstenbehörde will doch unter dem Deckmantel der "Regeneration der Küstenlinie" viele kleine halblegale Siedlungen abreißen lassen. Wie wäre es denn, wenn man von diesem Geld ein bisschen abzweigen würde, die Hütten blieben stehen und Charco Verde auch?



Dienstag 12.04.05 - 08:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 18 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 68 % Luftdruck 1017 hPa

Taxi nach Los Brecitos

Seit Jahren organisiert eine Gruppe von Taxifahrern aus Los Llanos und El Paso den Zubringerdienst vom Parkplatz in der Caldera de Taburiente hoch nach Los Brecitos. Von dort aus kann der geneigte Wanderer eine wunderschöne Rundtour, erst am Kraterrand und später durch die Schlucht zurück zum Parkplatz unternehmen. Diese Wanderung gehört zu den Zielen Nummer Eins für aktive Urlauber, näher kann man den Nationalpark Caldera de Taburiente nicht erfahren. Allerdings ist um diesen Zubringerdienst seit längerer Zeit Unruhe entstanden, die Nationalparkverwaltung steht den Taxifahrern nicht unbedingt positiv gegenüber. Vor ein paar Tagen gipfelte nun diese Auseinandersetzung in öffentlichen Anschuldigungen gegen die Taxifahrer, sie seien zu teuer und würden Gäste selbst dann noch nach Los Brecitos fahren, auch wenn das Wetter es gar nicht zulässt und damit die Wanderer gefährden.

Diese Vorwürfe lassen die Taxifahrer natürlich nicht auf sich sitzen und fordern nun vom Direktor des Parks, er möge seine Vorwürfe konkretisieren, wer von mehreren Beschwerden berichtet, sollt diese auch belegen können. Zum Preis, die einfache Fahrt nach Los Brecitos kostet pro Person 10 Euro, das mag für den relativ kurzen Fahrweg teuer erscheinen, wenn man allerdings weiß, dass sich die Allradgefährte fast eine Stunde die Piste hinaufquälen, dann sieht die Kalkulation wieder verständlich aus. Vorwürfe, die Taxifahrer würden sich eine goldenen Nase verdienen sind weit hergeholt, die Hochrechnungen, wie viel ein Taxifahrer möglicherweise an einem Tag verdienen kann, sind rein theoretisch. Die großen Allradtaxen kosten von der Anschaffung mindestens das Doppelte wie ein Straßenfahrzeug und die Abnutzung auf der wenig europäischen Piste ist enorm. Der zweite Vorwurf, man würde Gäste selbst bei zweifelhaften meteorologischen Bedingungen noch nach Los Brecitos fahren, geht auch an die Nationalparkverwaltung zurück. Am Eingang der Straße in die Caldera steht ein Posten der Verwaltung und dieser entscheidet, ob der Eintritt in die Caldera an diesem Tag sicher ist oder nicht. Dieser, nun öffentlich ausgetragene Streit zwischen den Taxifahrern und der Nationalparkverwaltung wird uns sicher noch länger beschäftigen. Irgendwann wird wohl die Piste nach Los Brecitos auch geteert werden und dann werden eh alle Würfel neu gemischt. Bis dahin bin ich froh, dass es diese Möglichkeit gibt, ohne den eigenen Wagen zu ramponieren nach Los Brecitos zu gelangen.



Montag 11.04.05 - 17:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 25 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 70 % Luftdruck 1019 hPa

Große Pläne in kleiner Stadt

El Paso mausert sich, ist es nicht lange her, dass man diese kleine Stadt eher als uninteressant und rückständig bezeichnete. Früher wohnte man eher bäuerlich in El Paso und nicht wenige Leute sagten, "Ich fahre in die Stadt" und meinten damit Los Llanos. Das hat sich geändert, El Paso hat längst wieder ein selbstbewusstes Stadtleben und auch wirtschaftlich geht es wieder bergauf. Das tiefe Loch der über 200 verlorenen Arbeitsplätze, welches sich nach dem Fortgang der Zigarettenfabrik auftat, ist zwar noch nicht wieder geschlossen, aber auch dort bewegt sich was in eine positive Richtung. Eigentlich hätte man befürchten müssen, El Paso würde irgendwann mal von der großen Schwester Los Llanos assimiliert, aber an El Paso scheitern sogar die "Borg".

Was war der Auslöser für den spürbaren Schritt nach vorne? Darüber gibt es mehrere Theorien und wahrscheinlich ist es eine gelungene Mischung aus all den Ideen. Zweifelsohne war das Auftauchen des damals größten Supermarkts der Insel, der San Martín auch eine Art Startschuss, plötzlich fuhren die Leute nicht mehr nur durch den Ort, sondern hielten auch an und versorgten sich mit Wagenladungen voller Einkaufsglück. Der Parkplatz des Supermarkts machte es darüber hinaus möglich, in kürzester Umgebung zum fahrbaren Untersatz auch weitere Unternehmungen zu starten und das Angebot an Läden und Dienstleistern wuchs ständig. Musste man früher für jedes Teil außer Gofio und Wein bis nach Los Llanos fahren, bekommt man inzwischen in El Paso wirklich fast alles und eben auch einen Parkplatz in erreichbarer Nähe. El Paso hat, als Gemeinde ziemlich genau 8.000 Einwohner und lediglich die Hälfte davon wohnt im Stadtbereich. Dafür sind 4 Banken, 2 Supermärkte und unzählige kleine Läden richtig viel Konjunkturplasma und zieht damit auch Leute von weit her in den Ort. Selbst viele Leute aus Los Llanos fahren inzwischen zum Einkaufen nach El Paso, eigentlich tun sie das nicht gerne, gelten wir doch weiterhin bei den "Llanenses" als grobe Bauern, aber eben als Bauern mit einem Parkplatz und der ist in Los Llanos ein rares Ding. In letzter Zeit kommen die noblen Herren aus der Metropole sogar schon nachts und machen uns die Plätze in unseren Kneipen streitig, aber wir sind tolerant, weltoffen und inzwischen auch wieder mächtig stolz auf unsere kleine, große Stadt.


El Paso La Palma



Montag 11.04.05 - 08:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 18 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 70 % Luftdruck 1019 hPa

Jetzt sind auch die Umweltschützer aufgewacht

Es geht um die Pläne der Küstenbehörde, eine 11 Kilometer lange Promenade am südwestlichen Zipfel La Palmas zu schaffen. Mit diesem Projekt sollen 3 Strände vergrößert werden, 11 Aussichtsplätze an der Küste entstehen und ein Fußweg vom Leuchtturm bis zur Playa Zamora gebaut werden. Daneben sollen noch alle Hütten und Häuschen verschwinden die sich dort angesiedelt haben, keine Bretterbude soll dem verwöhnten Gast den Horizont trüben. Nun melden sich die Umweltschützer zu Wort, hier vertreten durch die Organisation "Ben Magec", das ist Greenpeace mit kanarischer Mundart.

"Ben Magec" klagt nun völlig richtig an, dass alle diese Unternehmungen Vorbereitungen für massentouristische Initiativen sind. Weiter: Die Umgestaltung des Küstenstreifens provoziert Schäden an der marinen Schutzzone, welche irreparabel sind. Noch weiter: Es ist unverständlich, dass man sich mit dieser Aktion für den Massentourismus vorbereiten will, der schon in so vielen anderen Regionen der Welt größte Umweltschäden verursacht hat. Gut gebrüllt und recht haben sie auch, nur diese Kritik kommt fast 2 Jahre zu spät und selbst unser eher konservativ-merkantil angehauchter Inselpräsident, hat sich bereits ablehnend über diesen heftigen Eingriff am wilden Küstenstreifen im Südwesten La Palmas geäußert. Vielleicht tue ich unseren Umweltschützern auch unrecht und die haben das auch schon früher mitbekommen, warum das Ganze dort geschehen soll und erst jetzt traut sich eine Zeitung das auch zu schreiben.



Sonntag 10.04.05 - 17:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 24 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 71 % Luftdruck 1021 hPa

30 Millionen Euro Schulden

Laut der "Banco de España" haben die Firmen und Haushalte der kanarischen Inseln zusammen etwas mehr als 30 Millionen Euro Schulden bei Kreditinstituten. Rechnet man das aus die Einwohnerzahl zurück, dann hätte jeder Einwohner der kanarischen Inseln Schulden in Höhe von 16.000 Euro. Wenn unsere Familie 64.000 Euro Schulden hätte, dann wüsste ich was davon, so darf man diese Statistik auch nicht lesen. Mit 16.000 Euro Schulden pro Einwohner sind die Kanaren auch nur unteres Mittelfeld im nationalen Vergleich. Ganz vorne an stehen die Madrileños mit über 35.000 Euro, gefolgt von den Katalanen, Basken und Balearen. Schlusslicht bei den Schulden bilden die beiden autonomen spanischen Städte auf dem afrikanischen Kontinent, Ceuta und Melilla mit schlappen 9.300 Euro Fehlbetrag pro Einwohner.

Da ja in der Marktwirtschaft andere Regeln als abgegrenzten Familienhaushalt gelten, sind hohe Schulden meist ein Zeichen prosperierender Volkswirtschaften. Die Zahlen sind ganz klar, dort wo mehr Schulden gemacht werden, wird mehr Geld bewegt, mehr Firmen siedeln sich an und mehr Leute können mehr kaufen. Madrid, Katalonien, Baskenland und die Balearen sind Spaniens Vorzeigeprovinzen, da läuft was und dann kann man auch Schulden machen. Im Gegensatz dazu sind Ceuta und Melilla das Armenhaus der Nation, wer kein Geld hat, der kann auch keine Schulden machen, armen Leuten leiht die Bank nichts. Wir brauchen uns also nicht wegen der Schulden zu schämen, sondern dafür, dass wir nicht kreditwürdiger sind. Wie kommt man nur darauf, an einem strahlend blauen Frühlingstag über solch ein trockenes und schwieriges Thema zu schreiben. Ich kann es Ihnen sagen, wer sich den halben Sonntag mit der Steuerabrechnung versaut, der wird so...



Sonntag 10.04.05 - 10:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 16 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 70 % Luftdruck 1021 hPa

Die Insel der verlassenen Frauen

Keine Angst, jetzt kommt kein Situationsbereicht, wer gerade nicht mit wem Bett, Tisch und Konto teilt. Es geht um die Zeit der großen Auswanderungswelle, als jeder dritte Palmero seine arme Insel verließ, um irgendwo anders einfacheres Ein und Auskommen zu suchen. Da haben wir es schon, ich habe Palmeros geschrieben und nicht Palmeras und das trifft die Lage sehr genau, es gingen viel mehr Männer in die weite Welt hinaus als Frauen. Zurück blieben tausende von "abandonadas" wie der Volksmund diese Frauen nannte, "Verlassene" heißt das auf deutsch. Diese Frauen, oft noch mit Kindern belastet, fristeten ein tristes Dasein immer zwischen Hoffen auf baldige Rückkehr oder einfach nur auf eine Nachricht aus der Ferne.

Häufig gingen Jahre ins Land, ohne dass die Auswanderer sich meldeten und vielfach erinnerten sich diese in der neuen, verführerischen Welt nicht mehr daran, dass hier auf La Palma eine Familie auf sie wartet. Die verlassenen Frauen hatten einen schwierigen sozialen Status, weder richtig verheiratet (Mangels männlicher Masse), noch ledig, weder geschieden, noch verwitwet. Dieses, eher dunkle Kapitel aller Kanareninsel soll nun wenigstens öffentliche Aufarbeitung erfahren und damit den verlassenen Frauen von damals, heute die Anerkennung schenken, die ihnen seinerzeit verwehrt blieb. Die Gemeinde Los Llanos hat nun als erstes öffentliches Organ den "abandonadas" ihre späte Würdigung gezeigt. Auf ein Denkmal für die verlassenen Frauen werden wir vergeblich warten, muss nicht sein, Andenken gewahrt, Klappe zu und weiter geht der Alltag. Lobbyisten sind rar wenn es um Frauen geht, die vor 50 bis 100 Jahren verlassen wurden und es hält sich ein hartnäckiges Gerücht, dass viele dieser Frauen richtig froh gewesen sein sollen, dass der Alte in der neuen Welt war.



Samstag 09.04.05 - 16:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 23 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 74 % Luftdruck 1022 hPa

Hurra, hurra, Nordostpassat ist da!

Das nordatlantische Hoch hat sich nun doch noch entschlossen uns UNSER Wetter wieder zu schicken. Einfach noch ein paar Hektopascal im Zentrum zugelegt und schon weht uns wieder unser Wind um die Nase, den ich so lange vermisst habe. Jetzt weiß ich wieder wo wir sind und dass die Himmelsrichtungen doch noch dort sind, wo sie hingehören. Der Nordostpassat ist Quelle unserer reichen Vegetation und sorgt gerade im Sommer dafür, dass unsere gefährliche Nachbarschaft zur Sahara keine zu trockene Angelegenheit wird. Ohne die Kombination aus hohen Bergen, Millionen an kanarischen Kiefern und diesen Feuchtigkeit spendenden Winden, sähen wir genau so aus wie die flachen Inseln Lanzarote und Fuerteventura.

Wir dürfen uns nicht von heftigen Niederschlägen blenden lassen, die aus westlichen Richtungen heftigen Regen bringen können. Das meiste Nass fließt ungenutzt in den Atlantik und sorgt für noch mehr Erosion. Der ständige (hätte ich wohl gern) Nordostpassat mit seinen wassereichen Wolken hat dieser Insel seine enormen Wasserreserven geschenkt. Selbst wenn es auf der Ostseite nicht regnet, "kämmen" die Kiefern den Passat und dieser kondensiert an den langen Nadeln und fällt als steter Tropf zu Boden. In vielen Regionen dieser Welt stellt man sich zum Schutz vor Regen unter Bäume, falls gerade nichts anderes zur Hand ist. Bei uns regnet es unter den Bäumen und das poröse Lavagestein saugt gierig dieses flüssige Leben auf, um später als Quelle oder Galerie in den tieferen Zonen der Insel uns dieses Wasser wieder zu schenken. Ich weiß, dass die Laubsaugerfraktion diesen Wind hasst wie die Queen ihre neue Schwiegertochter. Gegen diesen Wind ist Turbokraft von Bosch ein laues Lüftchen und verwandelt sauber geblasene Rabatten in wilde Gärten. Ich kann da nur zum Pragmatismus raten, man kann Faulheit auch mit naturnaher Gartengestaltung übersetzen, dann lebt es sich ganz tranquilo mit dem Wind. Der braucht uns nicht, wir aber ihn - so lange dieser Wind weht, kann uns nichts passieren.


Brisa



Samstag 09.04.05 - 09:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 17 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 74 % Luftdruck 1021 hPa

Asphaltcowboys

Hin und Her geht es um die vorgesehene Asphaltierung der Straße nach Los Brecitos im Nationalpark Caldera de Taburiente. Die Nationalparkverwaltung und die Inselregierung wollen diesen einzigen Fahrweg auf der Nordseite der Caldera geteert haben und das Geld dafür ist auch bereits da. Die übergeordnete Raumordnungsbehörde lehnt das allerdings in der neuesten Version ab, der Plan liegt jetzt zur Einsicht aus und Einsprüche dagegen können nun erfolgen. Bislang führt eine staubige Piste vom Flussbett die 8 Kilometer hinauf nach Los Brecitos und sorgt, gerade wegen der schlechten Piste, für eine Dosierung des Besucherstroms.

Keiner der sein Auto liebt oder den Mietwagenverleiher nicht ruinieren will, der jagt seinen PKW diese Piste hinauf. Eine kleine Flotte von Allradtaxen übernimmt gegen ein Entgelt den Transport der wanderwilligen Besucher nach Los Brecitos, diese können dann einen wunderschönen Rundweg durch die Caldera machen und landen dann wieder bei ihrem Fahrzeug im Flussbett. Asphaltiert man nun diese Piste, dann ist es mit der natürlichen Dosierung vorbei, PKW-Kolonnen und Busse mitten im Nationalpark sollten auch nicht im Interesse der Nationalparkverwaltung sein. Erst denken, dann asphaltieren, es geht schließlich um das Herzstück unserer Insel. Die Nationalparkverwaltung könnte uns vielleicht mal wissen lassen, wie man sich die zukünftige touristische Nutzung des Nationalparks vorstellt. Gehört haben wir von Überlegungen den privaten Verkehr im Nationalpark ganz zu verbieten und mit Shuttlebussen die Gäste an die Ausgangspunkte der Wanderungen zu bringen, aber auch davon, ein Eintrittsgeld zu kassieren um wirklich nur die Leute in die Caldera zu lassen, die nicht nur eine Spazierfahrt machen wollen. Gehört haben wir schon viel, so viel, dass wir davon fast schon einen Tinnitus haben und ich würde jetzt gerne mal wissen, ob es sich in Zukunft lohnt, in Los Brecitos eine nachhaltige Frittenbude zu installieren, mit Drive-in-Funktion und Dixi-Toilettenhäuschen mit Ausblick auf den Nationalpark.



Freitag 08.04.05 - 18:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 24 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 75 % Luftdruck 1019 hPa

Umdenken VIII

"Go Green" ist ein europäisches Projekt, in dem man sich bemüht den alternativen Tourismus auszubauen und die Verbindung zur Ökologie herzustellen. Es geht weiter um den Respekt der Biosphäre und darum, den Einfluss des Tourismus auf die Landschaft und das Ökosystem so gering wie möglich zu halten. Für das Weltbiosphärenreservat La Palma eigentlich Pflicht. Das sind keine Wünsche eines linksdrehenden Schamanen aus irgendeiner Höhle bei Puntagorda, sondern die Worte unseres Rates für Tourismus, Jaime Sicilia. Weiter geht es mit dem Versuch, Besucher, Bevölkerung und Gewerbetreibende in dieses Programm mit einzubeziehen und alle Beteiligten am Erhalt der regionalen Struktur zu beteiligen.

Das Wort "nachhaltig" kommt ein bisschen häufig in dem Text unserer Tourismusrats vor, aber das muss man verzeihen, kein Politiker kommt mehr um dieses omnipotente Schlagwort herum, da geht es uns nicht anders als den Deutschen. Ich freue mich sehr über diesen weiteren Schritt unserer Lenker in Richtung der Notwendigkeiten unser kleinen und so verletzbaren Insel. Nun muss man mal abwarten, wie diese wunderbaren Ideen zur Regulierung der Küstenstreifen passen und weiteren Hotel und Golfplatzplänen. Das passt dann nicht mehr so richtig zusammen, an einem Fuß den Cowboystiefel und an dem anderen die Birkenstocksandale. Ob aus dieser Mischung mal ein nachhaltiger Halbschuh wird, das will ich noch nicht ganz glauben, aber es tut sich was in Richtung Umdenken auf dieser Insel und mir werden diese Politiker immer sympathischer.



Freitag 08.04.05 - 08:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 16 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 75 % Luftdruck 1015 hPa

Speicherbecken "La Laguna de Barlovento" muss entleert werden

Das größte Staubecken für Wasser auf den ganzen kanarischen Inseln, "La Laguna de Barlovento" im Norden unserer Insel hat ein Problem, es verliert pro Stunde an die 200.000 Liter Wasser. Nach fast zwei Wochen der intensiven Suche nach der Ursache des großen Wasserverlustes, ist man der Sache im wahrsten Sinne des Wortes auf den Grund gekommen. Genau dort, auf dem Grund des Speicherbeckens haben Taucher nun das Leck ausgemacht, der "worst case" ist eingetroffen und man wird zur Reparatur das Staubecken entleeren müssen. Noch prüfen die Techniker eine Möglichkeit, dieses Leck von Tauchern reparieren zu lassen, aber diese elegante Lösung gilt als unwahrscheinlich.

Nun kommt die Frage auf, was macht man mit über 2 Milliarden Liter Wasser? In den Atlantik laufen lassen kommt nicht in Frage, das Wasser soll genutzt werden. Alle anderen Speicherbecken der Insel sind voll, also muss das Wasser aus der "Laguna de Barlovento" direkt zur Bewässerung der Bananenplantagen der Insel genutzt werden. Über den Kanal Barlovento-Fuencaliente soll jetzt das Wasser auf die Westseite geleitet werden und dort in das Bewässerungsnetz eingespeist werden. Jetzt zeigt sich zum ersten Mal der Vorteil der Vernetzung der gesamten Wasserversorgung der Insel, inzwischen kann man Wasser von jedem Teil der Insel dorthin bringen, wo es benötigt wird. "La Laguna de Barlovento" war immer so etwas wie eine eiserne Reserve und neidisch blicken jeden Sommer viele Westseiten Landwirte auf dieses, scheinbar unbegrenzte Wasserreservoir. Es ist kein gutes Gefühl, ohne diese Reserve durch den Sommer kommen zu müssen, seit 5 Wochen hat es jetzt nicht mehr geregnet und plötzlich ist die Definition von gutem Wetter wieder offen.



Donnerstag 07.04.05 - 17:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 23 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 74 % Luftdruck 1018 hPa

Tosca kommt nach La Palma

Fast hundert Jahre ist es her, dass auf La Palma eine Oper dargeboten wurde. Früher gaben große Orchester die auf dem Weg in die neue Welt auf La Palma Station machten, öfter eine Kostprobe im "Circo de Marte". Am 25. und 27. Juni ist es wieder soweit, dieses Mal aber nicht im "Circo de Marte", der wird noch von Polemik begleitet restauriert, sondern im Convento "San Francisco" in unserer Hauptstadt Santa Cruz. Bedanken müssen wir uns bei dem palmerischen Tenor Jorge Perdigón, der dieses Spektakel organisiert hat und bei Miguel Hernández Ventura, ein Geschäftsmann, der das Ganze bezahlt. Ohne Sponsoring scheint Kultur nicht mehr zu funktionieren, wir werden bei der Organisation unseres Betriebsausflugs nach Berlin daran denken.

An die 150 Leute werden an den beiden Tagen auftreten und da sind illustre Namen aus der Welt der klassischen Musik dabei. Neben Jerge Perdigón treten noch auf: Keith Ikaia Purdy (Tenor - USA), Eliane Coelho (Sopranistin - Brasilien), Marina Frattarcangeli (Sopranistin - Italien), Juri Batouskov (Bariton - Russland). Begleitet werden diese Künstler von der Ópera Piccola und dem Orchester der Bad Reichenhaller Philharmonie. Nach den beiden Opernabenden mit Tosca, gibt es noch am 29. Juni, auch um 21:00 Uhr ein Konzert mit 14 Solisten unter Ihnen auch der Organisator selbst. Für La Palma ist das eine große Geschichte und wertet uns als Kulturstandort weiter auf.



Donnerstag 07.04.05 - 08:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 16 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 73 % Luftdruck 1016 hPa

Wer vermisst einen Torpedo?

Sicher weiß fast jeder, dass es sieben kanarische Inseln gibt und ein paar Leute weniger wissen auch, dass das eigentlich gar nicht stimmt. "Lobos" und "La Graciosa" sind auch Inseln, zwar sehr klein und ohne eigene Verwaltung, aber die Charakteristik einer Insel sagt ja wohl nur aus, dass ausschließlich Meer als Nachbar gilt und schon ist man eine Insel. Hier hat man sich aber daran gewöhnt, das Modell 7 + 2 + 1 anzuwenden. Sieben Kanareninseln plus "Lobos", "La Graciosa" und je nach Blickrichtung Venezuela, welches durch die migratorischen Verflechtungen mit den Kanaren oft als achte Insel genannt wird. Das nur vorausgeschickt, sonst weiß wieder keiner worüber wir reden. Nimmt man es noch genauer, dann gibt es sogar noch mehr Felsen im Ozean, die man als Inseln bezeichnen könnte, Alegranza, Roque del Infierno und Montaña Clara. Alle diese kleinen Eilande werden als "Islotes" bezeichnet und haben damit nicht den Status "Isla", wer immer sich das ausgedacht haben mag, aber das wollte ich eigentlich gar nicht erzählen.

Auf "La Graciosa", genauer gesagt an der "Playa Majapola" im Norden des kleinen Inselchens, hat ein Fischer gestern einen gestrandeten Torpedo entdeckt. Ganz frisch war der explosive Aal nicht mehr, nach dem Bewuchs mit Muscheln und Schwämmen, hat der Torpedo bereits ein paar Jahre Atlantik hinter sich. Dennoch kann man hervorragend die Aufschrift lesen, MK-46 5A, also ein Torpedo amerikanischer Produktion, der aber in vielen Marinen der Nato verwendet wird. Im Norden der Kanaren finden öfter Nato-Manöver statt und man vermutet nun, dass irgend ein Schiff vor ein paar Jahren so einen Torpedo abgeschossen hat, oder gar verloren. Heute erst wird man sich an das Entschärfen des Torpedos machen, bei Tageslicht ist es wohl einfach angenehmer sich mit solch bellizistischem Strandgut zu beschäftigen. Man weiß auch noch nicht, ob es sich um einen Übungstorpedo ohne Sprengladung handelt, oder um einen echten "Knaller". Also, wer immer beim Spielen diesen Torpedo vor unseren Küsten verloren hat, möchte sich doch bei uns melden, auf Finderlohn verzichten wir gerne.



Mittwoch 06.04.05 - 17:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 24 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 71 % Luftdruck 1017 hPa

Subzone von Fuencaliente

Bislang kannte ich keine Subzone von Fuencaliente, hätte auch nie gewusst, warum es eine geben sollte. Nun weiß ich es besser, das gesamte Aridanetal mit der größten Stadt der Insel und den beiden kleineren Schwestern, El Paso und Tazacorte gehört zur Subzone Fuencaliente. Zumindest steht das so auf den Schildern, welche unsere "Weinstraße" seit gestern zieren. Ursprünglich hoffte ich ja mal, wir bekämen einen Weinwanderweg auf dem man glückselig von einer Bodega zur nächsten stapfen kann, aber da habe ich in zu kleinen Dimensionen gedacht. Die gesamte Insel wird an den Hauptstraßen mit Hinweisschildern versehen, in welcher Zone man sich önologisch betrachtet befindet und ist man nahe einer Bodega, dann gibt es einen Hinweis in welche Richtung sich diese befindet. Wir sollen also im Auto von Weinprobe zu Weinprobe fahren, so praktisch hatte ich gar nicht gedacht.

Allerdings ist der Hinweis, Sie befinden sich in der Subzone von Fuencaliente am Ortseingang El Pasos nicht unbedingt von großem Nutzen für den vorbeifahrenden Gast, für uns ist es sogar gefährlich, achtet man doch vor lauter entrüstetem Kopfschütteln kaum noch auf den Verkehr. Macht nichts, Hauptsache ist doch man tut was für unsere Gäste und nur gut, dass die Holländer, Belgier, Schweizer, Österreicher und Deutsche meist so viel englisch können, damit sie das Schild auch lesen können und gleich ganz genau wissen, wo sie eigentlich gar nicht sind.

In eigener Sache. Wir haben wieder neue Ferienhäuser im Programm, gleich vier auf einmal und wahre Perlen. Maria Antonia und Tomás haben in El Paso aus einem über einhundert Jahren altem Familienanwesen eine wunderschöne kleine Ferienanlage gestaltet. Die Idee hat mich von Anfang an begeistert, den wunderbaren Charme einer anderen Epoche mit der angenehmen Bequemlichkeit der Moderne zu vereinen. Kommt man mit Tomás länger ins Gespräch, dann fängt er an die Geschichten aus seiner Jugend zu erzählen, von der Kamelie aus Kuba, den Bodenfließen aus Tazacorte und wie sie früher die Ziegen und Schafe gejagt haben, wo heute ein Pool Gäste zum Baden einlädt. Als Clou hat jedes der vier Ferienhäuser über eine ADSL-Flatrate unbegrenzten Zugang ins Internet, Notebook mitbringen, Netzwerkkabel und schon kann man unter Palmen arbeiten, wenn man denn will. Hier kommen Sie zu den vier Häusern die unter dem Namen "Casastea" angeboten werden. Casa Vieja - Casa Nueva - Casa Pajero - Casa Bodega.


Subzonen?



Mittwoch 06.04.05 - 08:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 16 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 72 % Luftdruck 1017 hPa

Wenn der Sommer nicht mehr weit ist

Nach exakt einem Monat mit Sonnenschein und Temperaturen, welche den heftigen Winter dieses Jahres fast schon vergessen gemacht haben, möchte man eigentlich direkt in den Sommer übergehen. Wir haben aber erst Mitte April und sind noch weit entfernt von verlässlicher Stabilität auf dem Nordatlantik. Der Winter ist noch nicht vorbei, auch wenn schmeichelhafte Temperaturen das vorgaukeln wollen, da kommt noch was. Gewagte Aussage, nachdem dieser Winter bislang alles Bekannte einfach ignoriert hat.

Ganz am Rand der Wetterkarte baut sich nun etwas auf, was mal zu einem kräftigen nordatlantischen Hochdruckgebiet werden könnte. Vielleicht sollten wir nur ganz leise darüber sprechen, sonst verschwindet es wieder, aber wir haben gute Aussichten, ab dem Wochenende zurück zu unserem Wetter zu kehren, dem Nordostpassat. Auch wenn dann die Luft kälter werden wird und Fallwinde im Aridanetal auftreten können, ich vermisse unser Wetter seit langer Zeit. Ich traue dem Westwind nicht, auch wenn er im Schafspelz ganz sanft über die Hügel streift. Sommer kann es erst werden wenn der Wolkenwasserfall über der Cumbre Nueva wieder fließt und der Passat mittags seine schützenden Wolken auf die Insel legt. Jetzt geht's los, jetzt meckert er schon über gutes Wetter, bloß weil der Wind nicht aus der richtigen Richtung weht.



Dienstag 05.04.05 - 16:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 24 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 71 % Luftdruck 1018 hPa

Das Fähnlein im Wind

Die Frage was wir eigentlich sind, Nation oder Region macht gerade mal wieder die politische Runde, man verhandelt über das neue Autonomiestatut und dabei brechen an allen politischen Rändern wieder viele neue Fragen auf. Zwischendurch sollte man vielleicht mal erwähnen, dass die spanischen autonomen Provinzen noch mehr Unabhängigkeit gegenüber der Zentralregierung in Madrid haben, als beispielsweise die deutschen Bundesländer. Mehr provinzielle Freiheit geht eigentlich gar nicht, sonst sollte man gleich seinen Pass abgeben und völlig unabhängig werden. Es gibt einige Bewegungen, die ein solches Unternehmen gerne hätten, davon sind viele folkloristische Vereinigungen die eigentlich nicht richtig zielorientiert arbeiten, aber es gibt eben auch die Sammelbewegung Coalición Canaria. Unter diesem Mantel verbergen sich sowohl viele Freigeister aus allen möglichen politischen Lagern, aber auch die Nationalisten der ,"Agrupaciones Independientes de Canarias" AIC, die je nach Insel unter Namen wie ATI "Agrupación Tinerfeña de Independientes" für Tenerife und API "Agrupación Palmera de Independientes" agierten.

Erst der Zusammenschluss von den Hardlinern der AIC, unzufriedenen Politikern aus den beiden Volksparteien und anderen, oft lokalen Gruppierungen brachte die Coalición Canaria hervor und machte diese zur stärksten politischen Gruppe auf den Kanaren. Mit einfachen und populistischen Sätzen wie "Lo Nuestro" = Unseres, ging man geschickt auf Wählerfang, sind doch die Kanaren mit einer großen Portion Skepsis ausgestattet, was die Zentralregierung in Madrid angeht. (Allerdings ließen die Politiker der Coalición Canaria mit dem Spruch "Unseres" immer offen, ob sie dabei nur ihr eigenes, oder das aller Kanaren meinten.) Jetzt sorgt ein neuer Vorschlag der Coalición Canaria für reichlich Wellen, man will im neuen Autonomiestatut auch eine neue Flagge für die Kanaren haben. Dafür schlägt man nun die Flagge vor, welche vom "Movimiento por la Autodeterminación e Independencia del Archipiélago Canario" , kurz Mpaiac im Jahr 1964 kreiert wurde. Dagegen sind nun aber alle, auch die Schöpfer der Fahne mit den 7 grünen Sternen, denen gehen die Autonomiebestreben nicht weit genug. Die Volksparteien lehnen diese Flagge aber aus dem gegenteiligen Grund ab, diese Fahne stehe für Rebellion und gar bewaffneten Kampf. - Tranquilo, warum kann denn nicht einfach alles so bleiben wie es ist, wir behalten unsere Fahne, unseren Pass und das viele Geld welches aus Madrid kommt, ganz einfach deshalb, weil die Kanaren zu Spanien gehören. Interessant fand ich aber doch, dass auch die jetzige Flagge die wir benutzen in der Farbgebung oft nicht regelkonform ist. Das Gelb wird meist viel zu hell dargestellt, richtig muss es aber sein: R 255 G 204 B 0 und dabei kömmt fast ein Ocker heraus.


So ist es richtig Fahne des Anstoßes



Dienstag 05.04.05 - 08:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 14 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 75 % Luftdruck 1019 hPa

Bon Jour

Ich weiß nicht, warum auf unseren Wanderwegen entweder Hola oder Grüß Gott gesagt wird. Das Hola ist ja klar, auch wenn es manchmal lustig ist, wenn hellblonde Hünen mit deutlich gemeinsamer Sprache sich auf spanisch begrüßen um dann in irgendwelchen germanischen Dialekten nach dem Weg zu fragen. Aber immerhin, ein lobenswerter Versuch ethnisch korrekt eine Konversation zu beginnen. Auffällig ist es aber, dass genau dieses blonde Volk, ab etwa 1.500 Höhenmeter immer weiter in die bayrische Form des Grußes rutscht, als ob Mittel und Norddeutsche sich in diesen dramatischen Höhen bereits nicht mehr aufhalten können. Das müssen Sie mal ausprobieren, auf der Vulkanroute begegnet Ihnen ein Wanderer, auch wenn auf dem T-Shirt "Gelsenkirchen for ever" steht, er wird sich Ihrem Grüß Gott anschließen. Ich weiß auch nicht warum, aber vielleicht beginnt ab 1.500 Meter bei Mittel und Norddeutschen bereits die Höhenkrankheit. Bayrisch ist das eh nicht mehr, die begrüßen sich meist mit "Ciao" (das ist die Prosecco und Macchiato Fraktion) oder konservativ mit "Servus" (das ist die Maßkrug und Leberkäsfraktion).

Nun will die Inselregierung neue Grußformeln auf unsere Berge schleppen, man hofft bald schon ein fröhliches "Bon Jour" zu vernehmen. Nachdem das mit dem "Hello" der Engländer nicht funktioniert hat, kein Wunder, tausend bayrische Gebirgsjäger gegen einen Tommy... Nun ist man nach Paris gereist und hat mit einer französischen Wanderorganisation eine Zusammenarbeit beschlossen. Die "Féderation Francaise de la Randonnée Pédestre" (FFRP), will nun unter ihren Mitgliedern auch Werbung für unsere Insel machen und auf die über 1.000 Kilometer Wanderwege La Palmas hinweisen. Wie die Franzosen zu uns kommen sollen, darüber kann man ein anderes Mal nachdenken, bislang gibt es keinen Charter aus Frankreich nach La Palma. Wir werden unsere Bergwelt weiter phonetisch überwachen und ich bin gespannt auf das erste "Bon Jour" zwischen Hoyo Negro und Deseada, oder sagen die dann bald Grü Goo?



Montag 04.04.05 - 18:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 22 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 72 % Luftdruck 1022 hPa

Hin und Her auf dem Arbeitsmarkt

Während im nationalen Schnitt die Arbeitslosigkeit erneut gesunken ist, melden die Kanaren einen leichten Anstieg der Zahl der Arbeitslosen. So klingt die Aussage wenn man sich am Vormonat orientiert, auf den gesamten Kanaren waren im Februar 112.273 Menschen ohne Arbeit, im März 113.068. Diesen saisonalen Anstieg kennen wir aber schon und so soll der Vergleich mit dem Vorjahr eher Resultate bringen. Da sieht es besser aus, im März 2004 waren noch 113.380, eine minimale Verbesserung und die Hoffnung, dass damit nun der negative Trend seit fast 2 Jahren zum stoppen kommt. Zur Erinnerung, im März 2002 gab es auf den gesamten Kanaren lediglich 92.658 Arbeitslose.

La Palma hat eine ähnlich Entwicklung zu verzeichnen, etwas mehr Arbeitslose als im Vormonat, aber weniger als im Vergleich mit dem gleichen Monat des Jahres 2004. Die Zahlen: Im März dieses Jahres meldet man 6.117 Menschen ohne Arbeit, im Februar waren es noch 6.058. Der Vergleich mit dem März 2003 fällt aber auch wieder angenehmer aus, damals waren noch 6.357 Menschen ohne feste Beschäftigung. La Palma bleibt aber die Insel mit der höchsten Arbeitslosenrate, fast genau 20% im Gegensatz zu 12% der gesamten Region kanarische Inseln. Allerdings wird die Arbeitslosenquote sehr unterschiedlich berechnet, die Frage wie hoch der aktive Teil der Bevölkerung ist, wird von unterschiedlichen Behörden auch unterschiedlich bewertet. Letztendlich ist es auch nicht so wichtig ob die Quote bei 19 oder 21Prozent liegt, es sind auf jeden Fall zu viele Menschen ohne einen Arbeitsplatz auf dieser Insel.



Montag 04.04.05 - 08:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 16 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 71 % Luftdruck 1021 hPa

Speläologie

Natürlich wissen Sie was dieses Wort bedeutet, Ihnen muss man das nicht erklären und es bleibt Ihnen auch das peinliche Nachschlagen im Duden erspart, ob sich das Wort tatsächlich mit ä schreibt und wo genau das erste l sitzt. Höhlenforschung ist das bessere Wort, da weiß man, dass man den Kopf einziehen muss und auch mal auf allen vieren durch die Dunkelheit krabbelt. Die Vereinigung Tebexcorade - La Palma, hat jetzt einen Bericht über die Höhlen der Caldera de Taburiente verfasst, vorausgegangen waren zahlreiche Ausflüge in die unterirdische Welt. Dass es auf La Palma sehr viele Höhlen gibt, das ist bekannt, allerdings ist der Vergleich mit dem Schweizer Käse nicht richtig, Tilsiter sollte es eher heißen.

Die größte bekannte Höhle in der Caldera ist die "Honda del Bejenado" mit immerhin fast 1.400 Meter Länge, es gibt aber unzählige mehr, nicht immer mit solch enormen Ausmaßen, aber für die Wissenschaftler ist nicht die Größe interessant, sondern wie diese Höhlen entstanden sind und was darin zu finden ist. Erstaunlich wenig archäologische Funde berichten die Forscher, dafür umso mehr Getier, welches sich in den Höhlen tummelt. Insgesamt 54 Spezies machte der Biologe Rafael García Becerra aus, die meisten davon wirbellose Tiere, 5 davon der Wissenschaft bislang unbekannt. Die meisten Höhlen sind sehr gut erhalten und bislang noch nicht von Hobbyspeläologen ausgeräumt, das liegt aber einfach daran, dass es in fast allen Fällen lebensgefährlich ist, diese Höhlen überhaupt erst zu erreichen. Auch die Gruppe Tebexcorade - La Palma musste zugeben, dass sie längst nicht jede Höhle erforscht haben, viele sind schlicht weg nicht zugängig, die steil abfallenden Hänge der Caldera verhindern eine Besichtigung der meisten Schächte. Dennoch regt man an, einige der leichter zugänglichen Höhlen zu verschließen, man will verhindern, dass zu viel interessiertes Publikum in diese fragile Unterwelt eindringt.



Sonntag 03.04.05 - 18:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 20 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 74 % Luftdruck 1021 hPa

Legenden zum Heulen

Am Ortseingang von San Isidro in der Gemeinde Breña Alta steht ein mächtiger Drachenbaum, der eigentlich aus zwei Bäumen besteht, "Dragos gemelos", also Zwillingsdrachenbäume werden diese genannt. Eigentlich macht sich keiner mehr Gedanken darüber, warum die beiden "Dragos" da stehen und warum diese so genant werden. Nun hilft uns eine hervorragende Geschichtenerzählerin weiter, María Victoria Hernández, Stadtchronistin von Los Llanos und immer auf der Suche nach verborgenem Wissen. Die Geschichte datiert auf die Zeit vor der spanischen Eroberung der Insel, hat als Protagonisten also das hehre Volk der "Benahoaritas" und die Gegend die heute Breña Alta heißt, hieß seinerzeit "Tedote".

Es waren einmal zwei stattliche Brüder, Zwillinge natürlich, groß, gut gebaut und herrlich anzusehen und diese beiden mussten sich natürlich in das gleiche Mädchen verlieben, sonst wird keine Geschichte daraus. Die junge Frau fand auch Gefallen an den beiden Recken, wusste aber nicht, welchem der Brüder sie ihr Herz schenken sollte. Monate um Monate zögerte die Schöne aus Tedote ihre Entscheidung heraus, sie liebte beide Brüder gleich ehrlich und konnte einfach keinem den Vorzug geben. Nun nahmen die Zwillinge den Lauf des Schicksals selbst in die Hand und weil bei den Benahoaritas das Flaschendrehen noch nicht bekannt war und das Diskutieren als unehrenhaft galt, beschloss man die Entscheidung im Kampf zu suchen. Das war keine wirklich gute Idee, beide Brüder waren gleich stark und wegen ihrer innigsten Liebe zu dieser schönen Frau, gab keiner der beiden nach und schließlich lagen beide stumm und mausetot vor den Füßen der entsetzten Schönheit.

Die junge Frau war bestürzt und fühlte sich natürlich schuldig an diesem tragischen testosteriden Unglücksfall und beschloss sich nie einem anderen hinzugeben und ihr ganzes Leben dem Ansehen und der Erinnerung an die beiden Brüder zu widmen. Aus diesem Grund wanderte die junge Frau bis in den mythischen Lorbeerwald und besorgte sich zwei gleich aussehende Ableger des Drachenbaumes. Zurück in Tedote pflanzte sie die Dragos dort, wo die Zwillinge sich endgültig von allen verabschiedet hatten. Von nun an, bis in ihre Ewigkeit, goss sie täglich die beiden Dragos und die wuchsen genauso prächtig heran wie die beiden Brüder. Da aber die schöne Frau die Ableger viel zu nahe beieinander gepflanzt hatte, wuchsen die beiden Bäume zusammen und bald wusste man nicht mehr, wer eigentlich wer war. So, aber auch anders wird die Geschichte erzählt, von Liebe, Verzweiflung, Tod und Drachenbäumen und wenn sie nicht gegossen werden, dann leben sie nicht ewig.



Sonntag 03.04.05 - 09:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 16 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 70 % Luftdruck 1024 hPa

Angst vor Überfremdung

Ein großes Thema auf den Kanaren in den letzten paar Jahren, aber dem Wehgeschrei folgt jetzt Normalisierung und die apokalyptischen Zahlenspiele mancher politischer Gruppen werden nun von der grauen Statistik zerlegt. Alles halb so wild, nach dem starken Anwachsen der Übersiedler aus Südamerika und Jahren mit einem Wachstum der Immigrantenzahl um die 25%, lag der Zuwachs an Bevölkerung welche nicht spanischer Nationalität ist, nur noch bei 3,5%. Die Zahl der europäischen Ausländer sinkt sogar, gegenüber 2003 leben 3.500 EU-Bürger nicht spanischer Herkunft weniger auf den Kanaren. Bei den europäischen Ausländern führen die Deutschen weiterhin mit etwas mehr als 24.000 Bürgern vor den Briten die knapp 20.000 Menschen in die Statistik einbringen.

Für den weiteren, zarten Anstieg der Ausländerzahl auf den Kanaren sorgen fast alleine die Amerikaner, damit sind bei uns natürlich nicht die US-Amerikaner gemeint, sondern Mittel- und Südamerikaner. Aus diesen Regionen kamen immerhin noch 13% mehr Zuwanderer als noch vor einem Jahr, aber auch hier ist der Anstieg bei weitem nicht mehr so rasant. Da diese Statistik aber nur ordentlich gemeldete Ausländer erfassen kann, rechnet man mit einer hohen Dunkelziffer, gerade bei den Einwanderern aus Südamerika. Offiziell leben 72.000 Amerikaner bei uns, geschätzt sind es aber 110.000. Die Experten meinen nun aber sogar, dass der Anstieg bei der Zahl der Immigranten aus Südamerika in Wirklichkeit viel geringer ist als statistisch erfasst werden kann. Viele der illegal eingereisten haben sich im Lauf der Zeit "legalisiert" und tauchen nun in der Statistik als Neueinwanderer auf, lebten aber bereits viele Jahre unter uns. Das Schreckgespenst der Überfremdung ist nun auch aus der politischen Ebene wieder an den Stammtisch gedrückt worden und fristet dort zwischen Bananendiskussionen und Fußball ein eher bescheidenes Dasein. Wirkliche Angst vor Überfremdung kann man auf La Palma in manchen deutsch-residentialen Debattierclubs, Restaurants und Flohmärkten noch erleben, dort tauchen in letzter Zeit vermehrt Palmeros auf und besitzen auch noch die Frechheit nur ausländisch zu sprechen...



Samstag 02.04.05 - 17:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 19 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 72 % Luftdruck 1021 hPa

Wieder Käseweltmeister

Dieses Mal geht der Preis nach Garafía, an Gil Mariano Lorenzo, der mit seinem Käse "El Juncal" die Goldmedaille in London gewonnen hat. Der "World Cheese Award" gilt als der bedeutendste Käsewettbewerb weltweit, über 1.600 Käse aus Eutern aller Welt präsentieren sich in London und fechten ihren Meister in unterschiedlichen Klassen aus. Gil Mariano Lorenzo gewann in der Abteilung halbgereifter Ziegenkäse ungeräuchert. Bereits letztes Jahr gewann die gleiche Marke die Bronzemedaille, aber in einer anderen Klasse und die Goldmedaille ging dort auch nach La Palma. Eigentlich müsste man ja nun meinen, die Welt würde sich jetzt um unseren Käse reißen, aber so ist das manchmal im Leben; Schönen Käse habt ihr da, aber essen müsst ihr ihn selber. Was Mitteleuropa noch verschmäht, das ist auf Tenerife heiß begehrt, die Hälfte unserer gesamten Produktion an Ziegenkäse geht dorthin und besitzt dort ein hohes Ansehen. Wie heißt das so schön aus unserer Sicht, Heute Tenerife, morgen Europa und danach? - Machen wir weiter Käse.



Samstag 02.04.05 - 09:30 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 16 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 71 % Luftdruck 1020 hPa

Öffentlicher Fernverkehr und doppelte Insellage

An die zweimal im Jahr klopfen unsere Politiker auf den Tisch und verlangen von der Iberia Zusagen, diese Insel doch täglich mit einem Flug von und nach Madrid zu beglücken. Im Moment sind es fünf wöchentliche Anbindungen, das variiert aber ganz nach Saison und es kommt häufig vor, dass der Flugplan mit Iberia nach La Palma eher einem Serviervorschlag gleicht, als einem verlässlichen Planungsinstrument. Nach der Privatisierung der Iberia kann diese aber tun und lassen was sie will, es regiert der strenge Finger der Marktwirtschaft und der zeigt uns genau, welchen Stellenwert wir im Zahlenspiel der Betriebswirte haben.

Es geht sogar noch weiter, die Iberia würde am liebsten La Palma gar nicht mehr anfliegen, sondern den gesamten Flugverkehr der westlichen Inseln mit der spanischen Halbinsel über den Nordflughafen Tenerifes abwickeln. Das würde der Iberia eine sichere Auslastung garantieren und uns eine sichere Belastung, aber so ist das nun mal wenn man als kleine Insel permanent unter dem "Tenerife-Appendix-Syndrom" leidet. Zum wiederholten Male will man nun seitens der Inselregierung die Flugverbindung La Palma - Madrid als "öffentlichen Fernverkehr" festschreiben lassen, gute Idee, aber das gibt es überhaupt nicht, niemand kann der Iberia vorschreiben, wo sie wann hinfliegen soll. Nun schlägt unser Inselpräsident vor, die Iberia mit leckeren Euro-Häppchen öfter und nachhaltig nach La Palma zu locken. Solch ein Sponsoring verstünde die Iberia sicherlich, bleibt wieder mal die Frage wer das bezahlen soll. Damit hat sich die ganze Geschichte gleich wieder erledigt, der Inselpräsident ist seinem öffentlichen Auftrag nachgekommen und wir sprechen in einem halben Jahr wieder darüber. Vorgeschobenes Sommerloch nennt man das.



Freitag 01.04.05 - 18:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 24 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 70 % Luftdruck 1018 hPa

Hafenmole von Tazacorte soll noch mal verlängert werden

Ich muss vorausschicken, dass es sich bei dieser Nachricht nicht um einen Aprilscherz handelt, obwohl die Geschichte aus ähnlichem Garn gestrickt ist. Seit mehr als zwei Jahren wartet unser Hafen in Tazacorte auf den Besuch eines Schiffes. Am Eröffnungstag machte der kleine finnische Kreuzfahrer "Kristina Regina" dem Hafen seine Aufwartung und vor ein paar Monaten schickte die "Garajonay Express" 150 Rentner zum Kaffeetrinken nach Tazacorte. Sieht man von zwei Großseglern ab, die um Weihnachten herum noch eine Stippvisite im Hafen machten, kann man von einem statistischen Wert ausgehen, der für die völlige Überbelegung des Hafen spricht, pro Jahr ein Schiff, das muss uns erst mal ein anderer Hafen nachmachen.

Der Traum des Aridanetals vom eigenen Hafen und damit mehr Unabhängigkeit von der, zwar beachteten aber nie ganz geliebten Hauptstadt, ist verständlich, aber wenn man ehrlich ist, dann braucht diesen Frachthafen niemand. Eine Verbesserung der Hafenanlagen war dringend notwendig geworden, die Fischerboote und Freizeitkapitäne waren früher bei jedem Sturm arg besorgt um ihre Boote, das ist jetzt deutlich besser geworden. Warum der Hafen aber noch eine um 190 Meter längere Außenmole erhielt, damit auch Schiffe bis 150 Meter Länge anlegen können, das entzieht sich meinem und dem Verständnis vieler anderer Menschen. Das Argument, man können von Tazacorte aus die Bananen schneller verschicken ist absolut absurd, die Fahrtzeit die ein LKW auf die Ostseite braucht, ist viel geringer als das Schiff bräuchte, um erst nach Tazacorte zu gelangen. Eine Fährverbindung hat man uns versprochen, aber wohin denn, nach Tenerife würde sich die Fahrzeit deutlich verlängern, das macht keine Reederei mit.

Nun liegt ein Projekt vor, die Hafenmole um weitere 110 Meter zu verlängern, dann könnten noch größere Schiffe anlegen, für wen, woher und wohin steht nicht im Projekt. Kein Problem, ich freue mich über das viele Geld und die Arbeitsplätze für Tazacorte, 110 Meter Hafenmole ist ein schönes Stück Infrastruktur. Ich habe nichts gegen einen größeren Hafen und würde mich als "Wessi" (So nennen sich die Deutsch-Westseitenresidenten seit 1989) natürlich freuen, wenn Puerto de Tazacorte Anlaufpunkt für viele Frachter, Fähren und Kreuzfahrer wird. Den Hafen seh´ ich wohl, allein mir fehlt das Schiff, (ziemlich frei nach Goethe). Beruhigend ist allerdings der Hinweis, dass die Verlängerung der Hafenmole weder den europäischen, noch den kanarischen Steuerzahler Geld kosten wird. Private Finanzierung wird angestrebt und da wird mir wieder gleich ganz orientalisch zu Mute, war da nicht mal was mit einem Scheich, der bei uns mit seiner 95 Meter Yacht Thunfische platt fahren wollte? Mir soll es egal sein, wer 10 Millionen Euro in den Atlantik schmeißt und irgendwie bin ich mir gar nicht mehr sicher, welche der beiden Nachrichten von heute der Aprilscherz ist.


Puerto de Tazacorte und Hafen mit Wachstumsdrang



Freitag 01.04.05 - 08:00 - El Paso - Dos Palmas
Temperatur 15 Grad, Niederschlag: 0 mm, Luftfeuchte 70 % Luftdruck 1019 hPa

Eröffnung der U-Bahn muss erneut verschoben werden

Es ist ja nicht ganz neu, dass jedes größere Bauvorhaben viel länger dauert als geplant und meist auch sehr viel teurer wird, als ursprünglich errechnet. Es wäre nun ein Leichtes, sich über planerische Inkompetenz aufzuregen, aber das bringt nichts und auf der anderen Seite muss man auch die Schwierigkeiten, die ein solch epochales Bauwerk mit sich bringt bewerten, bevor man Politikern oder Architekten an die Ehre geht. Alleine die Finanzierung dieses Mammut-Projekts musste so oft neu überdacht werden und stand so oft vor dem endgültigen Aus, dass wir nicht über zwei Jahre Verspätung jammern sollten. Mas vale tarde que nunca, sagt man hier, besser spät als gar nicht sagt man dort.

Kurz noch mal zur Finanzierung. Ursprünglich sollten die 178 Millionen Euro zu zwei Drittel aus den europäischen FEDER-Fonds kommen, die fehlenden 60 Millionen Euro wiederum aus Madrid und von der Provinzregierung. Die tatsächlichen Baukosten werden nun aber auf 271 Millionen Euro geschätzt, ein paar Millionen mehr können es sogar noch werden. Man konnte sich aber nun nicht auf eine gleichmäßige Verteilung der Mehrkosten zum gleichen Schlüssel einigen, ganz einfach, weil die europäischen FEDER-Fonds leer waren. Die Lösung war dann wieder ein Geniestreich der palmerischen Pragmatismuslehre, die U-Bahn erhält nun auch einen Frachtzug, in dem Bananen in den Hafen von Santa Cruz transportiert werden können und schon konnte man die europäischen Töpfe zur Förderung der Modernisierung in der Agrarwirtschaft öffnen. Ob tatsächlich mal Bananen mit der U-Bahn vom geplanten Terminal "El Remo Nord" auf den Weg gebracht werden, das steht auf einem andern Papier.

Die Bauarbeiten selbst kamen gut voran, die extra für dieses Bauvorhaben gegründete Firmenallianz "PalMetro" verfügt über modernste Tunnelbauanlagen und ein wissenschaftliches Team von Geologen hat genaueste Analysen zur Bodenbeschaffenheit der einzelnen Bauabschnitte geliefert. Die zwei Jahre Verzögerung gehen sicher zur Hälfte auf die Verunsicherung der Finanzierung, fast ein Jahr wurde überhaupt nicht gearbeitet und die Aufstockung von ursprünglich 6 Bahnhöfen auf nun 8 für den Passagierverkehr und den bereits erwähnten Frachtterminal "El Remo Nord". Sicher kann man nun darüber diskutieren, ob zwei U-Bahnhöfe in unserer südlichsten Gemeinde Fuencaliente notwendig sind, aber geben wir uns damit zufrieden, dass dieser Ort ja auch auf zwei Inselseiten gleichzeitig liegt und die beiden Stationen "Salinas" und "Cerca Vieja" immerhin fast 8 Kilometer auseinander liegen. Letztgenannter ist sicherlich erfreulich für die Gäste und Mitarbeiter des riesigen Hotelkomplexes, kann man doch nun bald Puerto de Tazacorte in 5 Minuten und unsere Hauptstadt, Santa Cruz, in nur 12 Minuten erreichen.

Neuer Eröffnungstermin, auch wenn keiner sich so richtig festlegen will, soll nun Frühjahr 2006 sein, also ein Jahr sollten wir uns noch gedulden. Ist vielleicht auch ganz gut so, es muss noch viel professionelle Arbeit geleistet werden, welche den späteren Regelbetrieb der U-Bahn ermöglicht. Die Betreibergesellschaft, "Palmtren" lässt zur Zeit die 6 Fahrer in München ausbilden, die ab kommenden Jahr dann die 2 Pendelzüge im Dreischicht-Betrieb sicher um die Insel fahren sollen. Man erwähnt stolz, dass sämtliches Personal aus Einwohnern der Insel rekrutiert wurde, das hört man hier immer gerne und lässt den Politikern Raum für eine zukunftsorientierte Steilvorlage. Bereits jetzt wird hier über die Fahrpreise spekuliert, allerdings hält sich "Palmtren" darüber noch ganz zugeknöpft. Sicher weiß man, dass es auch wieder einen Residentenrabatt nach dem Vorbild der Flugpreise geben wird. Aus den berühmten "gut informierten Kreisen" sickern allerdings ein paar Zahlen an die Öffentlichkeit. Man geht davon aus, dass die einfach Fahrstrecke, Puerto de Tazacorte - Santa Cruz de La Palma für Residenten 6,- Euro und für Nicht-Residenten 10,- Euro kosten soll. Sollten sich diese Preise bewahrheiten, dann ist die U-Bahnverbindung eine absolut konkurrenzfähige Nahverkehrsverbindung und wird so manchen Palmero dazu bewegen, den Toyota öfter mal im Stall zu lassen.


Der U-Bahnbau auf La Palma geht mit schwerem Gerät gut voran





Familie Ingrid & Mathias Siebold
Calle el Torreón 5/7
E-38750 El Paso
La Palma, Islas Canarias, Spanien
Tel & Fax von Deutschland: + 34 922 497216
email: m.siebold@la-palma-urlaub.de
Kanarische Ferienhäuser auf La Palma