Gastbeiträge von Rose Marie Dähncke

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Always

Da sitze ich nun auf meiner Insel, weit ab vom Rest der Welt, und ein großer Teil des Zeitgeschehens geht an mir vorbei. Aber zum Glück genieße ich das deutsche Fernsehen und damit die unübertrefflich fantastische Fernseh-Reklame! Was da alles angeboten wird, von dem man bislang nicht wusste, dass es existiert, und dass man es unbedingt besitzen muss, wie die Werber behaupten. Wie eindringlich man unterwiesen wird, auch wirklich nur den 'echten Steinberger', den mit dem kleinen goldenen Steinberg, zu verlangen, da man von der Konkurrenz mit dem unechten Steinberger doch nur angeschistert würde. Was, das Wort kennen Sie noch nicht? Das kommt von anscheistern, was viel feiner ist als die vulgäre Version mit den zwei S, sogar ältere Damen dürfen es benutzen.

Da bin ich nun - fernsehgesteuert umworben und bearbeitet von schick herausgeputzten Damen und Herren - unfehlbar auf dem Laufenden, und ich weiß, welchen 'Kick ich mir holen' muss und bedaure nur, dass diese Bildungssendung immer wieder durch das aktuelle Programm störend unterbrochen und mein Wissensstand nur häppchenweise vervollkommnet wird.

Heute fand ich ganz toll, durch die Werbesendung den großartigen Fortschritt auf dem Gebiet des weiblichen Höschens kennenzulernen und bin begeistert, welchen Standard die Frau heute von jung an für sich beansprucht und für selbstverständlich hält. Wir Kriegskinder hatten zeitweise nicht einmal Höschen, und jetzt gelten diese sogar als Prestigeobjekt, aber natürlich nur, wenn sie wirklich mit der Originalhygienisierung ausgestattet sind ( bei der Konkurrenz sind Sie auch in diesem Falle nur angeschistert, wie ich am Ende).

Es geht, kurz gesagt, um Slip-Einlagen, die, dem (englischen natürlich) Namen nach, immer getragen werden müssen. Um das glaubhaft zu machen, lässt man sich schon etwas einfallen, und in der reich aufgemachten und keine Unkosten scheuenden Werbung kommt nun ein Vögelchen angeflogen und trägt ein hauchdünnes, federleichtes Dingelchen im Schnäbelchen. Auf das kann man blaues Wasser gießen, das sichtbar ins Nirgendwo verschwindet. Dieses Wunderding überbringt es einem gezeichneten Strichmännchen-Mädchen (Strichmädchen wäre falsch ausgedrückt), das sich daraufhin in eine Traumgestalt von einer jungen Dame verwandelt. Märchenhaft! Welch´ Wunder durch die Berührung eines dünnen Blättchens an versteckter Stelle. Und sie ist plötzlich umgeben von weiteren solcher Zaubergeschöpfe, alle in fleckenloses Weiß gekleidet, auf einem großen, fleckenlosen, weißen Schiff. Sie lächeln, vor sich hin und manchmal auch eine der anderen zu, und manchmal auch mir, dem Zuschauer. Sie gehen nicht, sie schreiten, langsam, maßvoll, mit Würde, durchdrungen von Selbstbewusstsein, sie fühlen sich, wie sie sagen, "rein, sicher, einfach gut, sauber und trocken" (man möchte gar nicht wissen, wie sie sich sonst gefühlt haben). Sie scheinen stimuliert und vollendet aufgebaut durch dieses eigentlich nicht gut vorzeigbare Etwas in ihrem Höschen. Man ist tief beeindruckt.

Fortschrittlich - ausgerichtet auf das neue Jahrtausend und hauptsächlich vermutlich zur Hebung des Umsatzes ins wohl erhoffte Unermessliche - wurde der Artikel jetzt noch bis zum äußersten avantgardistisch aufgepeppt und als Sortiment in drei Versionen auf den Markt gebracht. Da heißt es 'für leichte Tage', 'für schwere Tage' und 'für die Nacht', und da fängt der denkende Mensch zu grübeln an und merkt bald, dass es ein abendfüllendes Programm wäre, diesen ungeklärten Andeutungen auf die Spur zu kommen: Welche Relation hat dieses feine, federleichte Dingelchen z.B. zu einem sitzenden Büromädchen? Hat es dadurch einen 'leichteren Tag' als wenn dieses in Bewegung wäre? Spielen das Gewicht oder Übergewicht der Sitzenden eine Rolle und sorgen vielleicht für einen 'schweren Tag'? Und bei der Fortbewegung - muss man zwischen Langsamlaufen und flotterem Tempo möglicherweise die Einlage wechseln und sie 'leicht' oder 'schwer' anpassen? Wo liegen die Probleme des Produktes? Ist es anfällig für Luftfeuchtigkeit, Höhenlage, allgemeinen Straßenlärm, sauren Regen? Und was soll dieses 'für die Nacht'? Darf man sich damit umdrehen, und es dreht sich dann mit? Und was machen schlüpferlos schlafende Damen? Unters Kopfkissen damit? Man guckt da ja nicht so richtig durch.

Ich finde, wenn schon ein Sortiment, um den Absatz zu heben, dann doch lieber in der Form 'jedem Wochentag seine eigene Einlage', und für den Sonntag ' nimm zwei', da wüsste man, woran man ist. Ein Blick in die Hose und das erspart den Zimmermann --- pardon, ich meine den Kalender, das andere war ja die Axt im Hause.

Als allerneuesten Schrei gibt es jetzt die Alltäglich-Einlage auch in schwarz - igitt. Unter uns, wie finden Sie das? Ist das nun für Schwarze Schafe oder dunkle Nächte, für den schwarzen Freitag, Schwarzfluss oder einfach für den hoffnungslosen Fall? Nicht zu fassen, was der deutsche Markt so zu bieten hat, und nicht auszudenken, was da noch alles auf uns zu kommt.

Und die Herren der Schöpfung? Wollen sie sich nicht auch zeitgemäß durch eine kleine hygienische Aufpeppung seelisch und moralisch aufbauen, alle ein echter Boss-Typ werden? Es sollte doch möglich sein. Der Mann ist zwar ein anatomisches Wunder, aber ja, nicht etwa eine anatomische Missgestaltung. Da dürfte doch einem cleveren Wirtschaftsforscher etwas einfallen, um auch bei ihm auf Umwegen und durch einige Drehungen, Windungen und Verrenkungen an den Kern des Übels ranzukommen. Die pfiffigen Japaner sollte man damit beauftragen, und dann alles eine Nummer größer machen.

Also, ich warf noch einen Blick auf die weißen, lächelnd schreitenden Traummädchen mit dem reinen, zarten Teint, den großen wissenden Augen, die auch ein ganz klein wenig herablassend blicken auf diejenigen, die ihre angepriesene Einlage noch nicht tragen.

So eine Werbung tut ihre Wirkung. Ich wollte mir nun auch solche Dinger kaufen. Ich war zwar 50 Jahre älter, als diese zauberhaften Gestalten, aber so konnte ich doch wenigstens auf einem kleinen Gebiet etwas mit ihnen gemeinsam haben. Die gleiche Herstellermarke gab es hier auf La Palma nicht, und ich kaufte eine andere.

Das hätte ich nicht tun sollen, denn es hätte mich beinahe das Leben gekostet!

Nämlich clever wie ich bin, prüfte ich die neue Errungenschaft auf alle ihre angepriesenen Fähigkeiten. Wollte ich mich nun gänzlich diesem Ding anvertrauen, mich davon merkbar aufbauen lassen und eine ganz andere werden, musste ich erst einmal voll von seiner einwandfreien Wirkungskraft überzeugt sein. Ich lasse mir nicht gerne das Blaue vom Himmel versprechen, nein, ich probiere alles gründlich aus (auch das Kleingedruckte). Und so machte ich unter anderem schließlich auch den Versuch, durch die kleine weibliche Körperöffnung, jetzt von dem neuen Statussymbol gekrönt, zu atmen, aber ich kriegte überhaupt keine Luft, und so kam es, dass ich beinahe erstickt wäre. Ich hatte natürlich die falsche Einlage gekauft, sie war nicht a t m u n g s a k t i v .







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