Gastbeiträge von Rose Marie Dähncke

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Muss ich die Gegenschwimmanlage heiraten?

Bei meinen Mitmenschen gelte ich als gute Zuhörerin, auch als Ratgeberin bei seelischen Konflikten, einfach als 'alt und weise'. Ich selbst merke das gar nicht so, ich bin einfach, wie ich bin. Aber tatsächlich habe ich wohl schon dem einen oder anderen geholfen, denn ich werde auch manchmal angesprochen: "Seit ich Ihren Rat von damals befolgt habe, ist mein Problem total vergessen".

Na gut. Ich kann mir die von kleinen Schwierigkeiten Belasteten natürlich nicht aussuchen, und diesmal traf es mich - ehrlich gesagt ziemlich hart - mit einer Bekannten, die ich bisher für recht normal gehalten hatte. Sie brachte mir einen Beutel Mandarinen mit, davon hatte sie genug auf ihrer Finka, und kam rasch zum Kern der Dinge. "Seien Sie nicht böse, Frau Dähncke, ich brauche einfach jemand, mit dem ich darüber reden kann. Es ist ein etwas heikles Thema, und Sie müssen mir versprechen, mit niemand darüber zu sprechen". Ich versprach. Schreiben ist etwas anderes. Sie war beruhigt und gestand kurz und schmerzlos: "Ich treibe es mit der Gegenschwimmanlage".

Aua, das war ein Ding! Klar, vorstellbar, aber mir fehlten die Worte. Ihr nicht, sie plauderte munter weiter: "Ich sehe schon, ich gehe das wohl falsch an. Ich sollte nicht mit der Tür ins Haus fallen, sondern Sie langsam in mein Problem einführen. Ich bin wohl ein bisschen aufgeregt, aber im Grunde ist alles ganz einfach. Sie wissen ja, ich bin Witwe, und mein Mann ist tot. Er war so ein Sportstyp und hatte in unser Schwimmbad eine Gegenschwimmanlage einbauen lassen, so in halber Höhe der Seitenwand. Als ich nun eines Tages mal so daran vorbeikam, spürte ich plötzlich so ein sanftes, zartes Streicheln, das mir fast den Atem nahm vor Überraschung. Ich näherte mich ein wenig mehr dem Wasserstrahl, und wonnigliche Gefühle erwachten. Die Gegenschwimmanlage war über mich gekommen, ob ich nun wollte oder nicht. Seitdem gebe ich mich ihr immer wieder einmal hin, denke auch tagsüber an sie und möchte sie nicht mehr missen. Ist das nun Liebe? Und nun meine Frage: muss ich sie heiraten?"

Au-weia. Ich dachte zuerst an Günter Jauch. So eine Frage hatte der noch nie, da waren wir ihm weit voraus. Und dann dachte ich an mich, die eine Antwort finden sollte. Ich hielt sie ein wenig hin: "Lassen Sie mich das reiflich überlegen". Und das tat ich dann auch, seriös wie das meine Art ist. Wie war das denn heute mit dem Treiben und dem Heiraten? Jeder konnte den heiraten, mit dem er es trieb, Männer die Männer, Frauen die Frauen, nur bei Mann und Frau, wie es sich gehört, da gab es eine Ausnahme. Da wurde nicht so schnell geheiratet, das ließ man erst mal, um eine Scheidung zu vermeiden, wenn man das Verhältnis wieder lösen wollte. Man spricht auch kaum noch von Ehepartnern, sondern von LAG (Lebensabschnittsgefährten). Ich glitt etwas ab und stellte mir vor, dass ja auch ein guter Freund den anderen Freund heiraten konnte, einfach so aus Steuergründen oder wegen Rentenvergünstigung, oder eine Freundin die andere, nebenbei konnten sie noch mit entsprechenden Partnern eine Scheinehe führen und Kinder haben. Welch ein Durcheinander. Wurde das nun ernsthaft geprüft? Mussten die schwulen Ehepartner den Nachweis erbringen, dass sie pflichtgemäß das erforderliche Sexleben erfüllten? Oder welche Bedingungen lagen der Eheschließung zugrunde? Oh-oh, ich schweife ab, aber je mehr ich darüber nachdenke, um so weniger kriege ich einen Durchblick in dieser irren Situation.

Und wie war das nun mit dieser Gegenschwimmanlage, sollte man die heiraten? Und kam dazu der Pastor ins Haus - äh Schwimmbad -? Und das Standesamt? Und wie waren da die Steuervorteile? Man musste auch das noch alles gut durchdenken. Und einen Namen musste man finden. Es konnte ja nicht heißen: ...heiratet Gegenschwimmanlage. Nein, ein Name musste her. Ich fand STRULLA für sehr passend, wenn es weiblich betrachtet wurde, und STRULLO für mehr männliche Ausrichtung (nach griechisch-lateinischer Rechtschreibung).

Die Besucherin war wirklich sehr geduldig gewesen, aber jetzt blickte sie doch schon mal fragend und ein Ergebnis fordernd auf. Ich musste, wohl oder übel, zu einer Antwort kommen. "Ja, meine Liebe, das ist nun ein ganz besonderer Fall. Ich bin der Meinung, Sie sollten dieses Liebesverhältnis einfach als Verschönerung Ihres Lebens hinnehmen und nicht gleich an feste Bindung denken. Sie bleibt Ihnen ja, ihre Gegenschwimmanlage, und auch die liebevolle Verantwortung für sie können Sie übernehmen. Wenn etwas kaputt geht, lassen Sie es einfach reparieren. Oder kaufen bei Überalterung gleich eine neue. Ist es da nicht besser, nicht direkt damit verheiratet zu sein? Ihr Gewissen können Sie damit beruhigen, dass doch alle Welt sich mit Sexutensilien beschäftigt, und nicht gleich alles geheiratet wird. Wo kämen wir da hin!"

"Na, wenn Sie meinen".

Ganz überzeugt war sie wohl nicht, aber froh, sich das einmal von der Seele geredet zu haben. Ich hing noch eine kleine Warnung an: "Aber laden Sie am besten niemand in Ihr Schwimmbad mit dem Liebeseffekt ein. Böse Menschen könnten von Zuhälterei sprechen."

Eines Nachmittags, so gegen fünf, klingelte es. Ich griff den Hörer zur Beantwortung: "si". Nichts. "Hallo", nichts. Na, war wohl ein Versehen. Aber warum hatte jemand zweimal geklingelt?

Ein paar Tage später, so gegen fünf, klingelte es zweimal. Ich ran: "si". Nichts. "Hallo, hallo", nichts. Aha, dachte ich, jetzt haben doch die Kinder aus dem Dorf den Spaß eines 'Klingelzuges' entdeckt. Wurde auch Zeit, aber bisher gab es ja nirgends Klingeln. Es ist doch zu lustig, wenn nach dem Klingeln die Leute die Tür aufmachen, und da ist dann niemand. Ich habe das mit Wonne gemacht, als ich fünf oder sechs war. Aber irgendwann wurde das gefährlich. Da war nämlich so ein Herr Meier, der reichste Mann aus unserer Straße. Er hatte eine kleine Fabrik und einen Schäferhund, und er war ein böser Mann. Er fing mal einen von unserer kleinen Bande und sagte: "wenn Ihr noch ein einziges Mal hier klingeln kommt, lasse ich den Hund raus, und der beißt". Er verdarb uns doch den ganzen Spaß, und außerdem hatte er noch ziemlich gemeinen Einfluss auf mein Privatleben, denn wenn ich mal ein kleines bisschen unartig war, warnte mich meine Mutter: "wenn Du nicht artig bist, musst Du zu Herrn Meier klingeln gehen". Kind sein war ganz schön schwer.

Das alles fiel mir so ein, als ich überlegte, wer da wohl klingelte, und was ich nun tun könnte. Ich bin ja nicht dumm und führte meinen intelligent ersonnenen Plan bald aus. Ich wartete nur drei Tage so gegen fünf auf das Klingeln und ging ganz schnell an den Beantworter und fing an, ganz böse zu schimpfen: "Ihr ungezogenen Kinder, so etwas macht man doch nicht. Ich weiß, wer Ihr seid, ich habe Euch gesehen. Das werde ich Eurem Vater sagen, dann kriegt Ihr mächtig Haue". So, nun sollten sie mal zittern vor Angst. Ich war mir sicher, dass sie hinter den Büschen bei der Eingangspforte hockten, um ihren Erfolg zu genießen, jetzt würde sie aber dumm gucken. Und ich wäre wohl von ihrer Klingelei befreit.

Bald klingelte es wieder zweimal. So gegen fünf. Na, das war doch die Höhe. Und es klingelte noch öfter. Das nahm ich dann so hin, wie man hier manches hinnehmen muss, das sich nicht ändern lässt.

Eines Tages sah ich unseren ländlichen Freund und Helfer José auf dem Dorfplatz sitzen. Er war es, der uns zu Anfang stets zur Seite stand, und von dem wir wichtiges Landwirtschaftliches gelernt hatten. Nachdem wir dann recht selbständig geworden waren, sahen wir ihn seltener, und heute wollte ich die Gelegenheit nutzen, ein wenig mit ihm zu plaudern. Er war der gleiche Jahrgang wie ich und freute sich, mich zu sehen. Wir sprachen über seine Familie, die Tiere und er sagte, sein eines Auge sei sehr schlecht, aber das machte nichts, denn da er nicht lesen oder schreiben kann, brauchte er es nicht so dringend. Dann kam er noch allgemein auf das Seelenleben zu sprechen und auch, dass er sich Gedanken um mich mache: "Seit Dein Carlos weg ist, und Du da oben so ganz alleine lebst, bist Du doch bestimmt sehr einsam und brauchst etwas Geselligkeit oder wenigstens Zuspruch. Immer wenn ich mit den Kühen bei Dir vorbeikomme, klingele ich deshalb an Deiner Tür als Gruß, und damit Du weißt, dass ich es bin, klingele ich immer zweimal".




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