Gastbeiträge von Rose Marie Dähncke

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Wer klingelt denn da zweimal?

Sie kennen ja schon meine Lage: das Haus weit ab von der Straße, die Eingangspforte vom Haus aus nicht zu sehen und gerade deshalb mit einem Rufapparat neben der Klingel ausgestattet, damit ich weiß, wer da ist.

Eines Nachmittags, so gegen fünf, klingelte es. Ich griff den Hörer zur Beantwortung: "si". Nichts. "Hallo", nichts. Na, war wohl ein Versehen. Aber warum hatte jemand zweimal geklingelt?

Ein paar Tage später, so gegen fünf, klingelte es zweimal. Ich ran: "si". Nichts. "Hallo, hallo", nichts. Aha, dachte ich, jetzt haben doch die Kinder aus dem Dorf den Spaß eines 'Klingelzuges' entdeckt. Wurde auch Zeit, aber bisher gab es ja nirgends Klingeln. Es ist doch zu lustig, wenn nach dem Klingeln die Leute die Tür aufmachen, und da ist dann niemand. Ich habe das mit Wonne gemacht, als ich fünf oder sechs war. Aber irgendwann wurde das gefährlich. Da war nämlich so ein Herr Meier, der reichste Mann aus unserer Straße. Er hatte eine kleine Fabrik und einen Schäferhund, und er war ein böser Mann. Er fing mal einen von unserer kleinen Bande und sagte: "wenn Ihr noch ein einziges Mal hier klingeln kommt, lasse ich den Hund raus, und der beißt". Er verdarb uns doch den ganzen Spaß, und außerdem hatte er noch ziemlich gemeinen Einfluss auf mein Privatleben, denn wenn ich mal ein kleines bisschen unartig war, warnte mich meine Mutter: "wenn Du nicht artig bist, musst Du zu Herrn Meier klingeln gehen". Kind sein war ganz schön schwer.

Das alles fiel mir so ein, als ich überlegte, wer da wohl klingelte, und was ich nun tun könnte. Ich bin ja nicht dumm und führte meinen intelligent ersonnenen Plan bald aus. Ich wartete nur drei Tage so gegen fünf auf das Klingeln und ging ganz schnell an den Beantworter und fing an, ganz böse zu schimpfen: "Ihr ungezogenen Kinder, so etwas macht man doch nicht. Ich weiß, wer Ihr seid, ich habe Euch gesehen. Das werde ich Eurem Vater sagen, dann kriegt Ihr mächtig Haue". So, nun sollten sie mal zittern vor Angst. Ich war mir sicher, dass sie hinter den Büschen bei der Eingangspforte hockten, um ihren Erfolg zu genießen, jetzt würde sie aber dumm gucken. Und ich wäre wohl von ihrer Klingelei befreit.

Bald klingelte es wieder zweimal. So gegen fünf. Na, das war doch die Höhe. Und es klingelte noch öfter. Das nahm ich dann so hin, wie man hier manches hinnehmen muss, das sich nicht ändern lässt.

Eines Tages sah ich unseren ländlichen Freund und Helfer José auf dem Dorfplatz sitzen. Er war es, der uns zu Anfang stets zur Seite stand, und von dem wir wichtiges Landwirtschaftliches gelernt hatten. Nachdem wir dann recht selbständig geworden waren, sahen wir ihn seltener, und heute wollte ich die Gelegenheit nutzen, ein wenig mit ihm zu plaudern. Er war der gleiche Jahrgang wie ich und freute sich, mich zu sehen. Wir sprachen über seine Familie, die Tiere und er sagte, sein eines Auge sei sehr schlecht, aber das machte nichts, denn da er nicht lesen oder schreiben kann, brauchte er es nicht so dringend. Dann kam er noch allgemein auf das Seelenleben zu sprechen und auch, dass er sich Gedanken um mich mache: "Seit Dein Carlos weg ist, und Du da oben so ganz alleine lebst, bist Du doch bestimmt sehr einsam und brauchst etwas Geselligkeit oder wenigstens Zuspruch. Immer wenn ich mit den Kühen bei Dir vorbeikomme, klingele ich deshalb an Deiner Tür als Gruß, und damit Du weißt, dass ich es bin, klingele ich immer zweimal".




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