Gastbeiträge von Rose Marie Dähncke

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Pappstreifen gegen Weltnorm

Als ernsthafter Pilzler hat man viel Korrespondenz. Einerseits mit Gleichgesinnten, im besonderen aber auch mit solchen Wissenschaftlern, die mehr wissen als man selbst, bei denen man Hilfe bei der Bestimmung schwieriger Funde erbittet, denen man nach Anfrage die Diapositive nebst Beschreibung des Pilzes schickt, das Trockenmaterial, später Fragen zum Pilz an sich beantwortet und schließlich seinen Dank zum Ausdruck bringt. Und wenn von einem selbst angenommen wird, dass man einiges zum Thema weiß, kommen auch häufig Anfragen herein, die beantwortet werden müssen.

Heute ist das ja nun, Gott sei Dank, kein Problem mehr, denn wir können uns schnell und problemlos über Internet verständigen, und niemand wird bei einer Mail die Höhe als zu groß und die Breite als zu lang reklamieren und dafür Sonderkosten berechnen. Nicht einmal die Poststelle von La Palma, der ich damals in die Falle ging.

Wie gesagt, vor der Internetzeit hatte ich viel Korrespondenz. Mein Leben lang habe ich die längliche Form der Briefumschläge bevorzugt, weil ich ein Schriftstück nur zweimal quergefaltet sauberer finde als doppelt gefaltet, um auf ein Viertelmaß zu kommen. So hielt ich es immer und hatte gerade wieder einen Karton davon mit 500 Stück gekauft.

Auf der Post rechnet man ja nicht jedes mal nach, ob das Porto für eine Serie unterschiedlichen Postgutes richtig abkassiert wird, man vertraut dem Beamten. Auf unserer neuen Poststelle hatten sie jetzt sogar moderne Computer, die ihnen das Rechnen und Denken abnahmen, und nur im Notfall wurden noch die Finger zum Zählen herangezogen. Aber eines Tages, als es sich um eine runde Summe hätte handeln müssen, fiel mir doch auf, dass selbst bei dem ultramodernen System etwas nicht stimmte. Man wollte erheblich mehr haben, als ich im Kopf kalkuliert hatte.

Der Postangestellte war ein alter richtig muffliger Typ. Er konnte uns, Mutter und Tochter, auch nicht besonders leiden und behauptete, wir würden immer Umstände machen. Es kostete mich darum Überwindung, ihn zu fragen, warum das Porto so teuer ist, teurer als normal. "Zu groß" muffelte er. Das sagte mir gar nichts und ich fragte noch einmal nach. "Zu groß" nuschelte er nun abgewandt in den rückwärtigen Raum, und auch das brachte mich nicht weiter. Ich forderte ihn nun höflich auf, unter Hinweis auf meine Schwierigkeiten der Verständigung als Ausländerin, mir zu erklären, warum mein Umschlag mehr Porto erfordert als normal. Da wurde er richtig gesprächig, das erste Mal, und auch das einzige Mal während der 20 Jahre, die wir ihn nun schon kennen. Er holte einen primitiv selbst geschnittenen, schmuddeligen Pappstreifen hervor, abgewetzt und unansehnlich vom ständigen Gebrauch, und legte ihn meinem Umschlag als Maß an. Er war tatsächlich in der Länge etwas kürzer. "Sehen Sie, Ihr Briefumschlag ist länger und kostet daher mehr. Am besten verwenden Sie die kleinen rechteckigen Umschläge".

Mir kam hier schon manches 'spanisch' vor, aber um nicht wieder unangenehm aufzufallen, kaufte ich die kleineren Umschläge und kniffte meine Briefe zweifach und hässlich. Man musste sich schließlich dem Gastland etwas anpassen. Aber welche Überraschung, der Postmann nuschelte "zu groß". Was denn, der auch??? Wieso? Er legte einen anderen Pappstreifen an und sagte "in der Höhe, einen halben Zentimeter". Na, wenn es weiter nichts war, dem konnte man leicht abhelfen. Man schneidet etwas vom Brief ab und knifft die Klebekante am Umschlag ein bisschen weiter rüber, und schon stimmt das Maß.

Beim nächsten Einkauf von Briefumschlägen konnte ich mir jedoch nicht verkneifen, den Ladeninhaber nach genormten Umschlägen zu fragen. Dieser Fachmann holte einen eindrucksvollen fünf Zentimeter dicken Katalog hervor mit Modellen aller möglichen Versandbeutel und Umschläge und zeigte mir die Größen, die der Weltnorm entsprechen. Darunter war natürlich die von mir bevorzugte längliche Form, aber auch die kleinere rechteckige. Norm mit Garantie, nach neuestem Stand, der immer noch derselbe ist seit Ewigkeiten.

Da ließ ich alle Scham beiseite und es auch darauf ankommen, wieder ins Fettnäpfchen zu treten und sprach den Postmann auf seine Pappstreifen an und erklärte ihm, dass es eine Weltnorm für Briefumschläge gibt, über die Kanarischen Inseln hinaus, bis Amerika, und Honolulu und bis wo der Pfeffer wächst, eine Weltnorm, gegen die er mit seinen selbstgemachten Pappstreifen nicht ankommt. Dass ich so forsch auftrat, bestürzte ihn etwas und kleinlaut sagte er: "ich werde mal in der Nachbargemeinde anfragen, wie sie es dort halten".

Mein Porto stimmte seitdem.



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