Gastbeiträge von Rose Marie Dähncke

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Drei komplikationsträchtige Schlitze

In unserer Hauptstadt Santa Cruz befindet sich die Hauptpost für normale, aber auch für außergewöhnliche Postangelegenheiten wie Telegrammaufgabe, Paketempfang, Ein- und Auszahlungen der Postsparkasse und Aufgabe von komplizierten Briefen mit Übergewicht. Diese besonderen Wünsche können an den Postzweigstellen der kleineren Orte nicht erfüllt werden (h e u t e teils ja).

Auf der Hauptpost wird es allerdings schon zur Schwierigkeit, einen normalen Brief aufzugeben. Im Obergeschoss, das über hohe Freitreppen von rechts und von links zu erreichen ist, steht man zunächst am einzigen Schalter für Briefmarken an, lässt den Brief wiegen und mit dem erforderlichen Porto versehen. Dann muss man ihn wieder in Empfang nehmen, um ihn selbst in den Briefkasten zu stecken. Der befindet sich aussen am Ende des langen Gebäudes. Man schreitet die Freitreppe hinab, hält sich rechts und steht dann vor drei Briefkastenschlitzen in folgender Anordnung:

Kanarische Inseln Briefe ins Ausland Luftpost


Und damit beginnen die Probleme. Als denkender Mensch muss man nun fleißig denken: alle Briefe gehen sowieso per Luftpost, aber wo hinein gehört dann der Brief ins Ausland, der ja auch per Luftpost gehen soll? Oder der nach Teneriffa, auf Kanarische Insel per Luftpost? Ist die Beförderung gefährdet, wenn man den Brief falsch einwirft? Und wo hinein steckt man Ansichtskarten ins Ausland?

Lange Zeit verbrachte ich vor diesen drei komplikationsträchtigen Schlitzen. Bei jeder neuen Konstellation, zum Beispiel bei "Muster ohne Wert" nach Teneriffe auf dem Luftwege hatte ich Schwierigkeiten, rechts oder links? Und eines Tages verspottete das komplizierte Schlitzsystem mein mühsames Entscheiden, ob hier oder dort oder in die Mitte hinein, in höchster Potenz.

Ich hatte wieder einmal ein Päckchen aufzugeben, was in der Hauptpost etwas einfacher zu tätigen ist als in der uns näher gelegenen kleinen Stadt San Pedro. Die Postzweigstelle dort besitzt keine Waage, und wenn dem Angestellten das Gewicht mehr als ein Kilo erscheint, nimmt er das Päckchen nicht entgegen, auch wenn man ihm versichert, es selbst gewogen und es leichter als ein Kilo befunden zu haben. Allerdings räumt er eine Möglichkeit der Annahme ein: man kann mit dem Päckchen zum kleinen Lebensmittelgeschäft fahren. Dort wird es am Gemüsestand gewogen und das Gewicht draufgeschrieben. Wenn man Pech hat, ist die Post aber unterdessen geschlossen, weil sie nämlich auch von halb neun bis elf Uhr, der eigentlichen Öffnungszeit, nur bei Bedarf besetzt ist und der Angestellte Zeit und nichts anderes zu besorgen hat. Aber am nächsten Tag kann man, mit etwas Glück, das Päckchen erneut vorlegen mit dem Hinweis, auch am Gemüsestand sei es weniger als ein Kilo gewesen. Dann wird es anstandslos angenommen.

( H e u t e haben wir in San Pedro eine Postzweigstelle, die alles kann, mehr noch, sie hat sogar Postfächer, und mit meinem Schlüssel lassen sich viele Fächer öffnen.)

Wegen dieser Umstände erledige ich Päckchen, besonders wenn sie eilig sind, lieber in der Hauptpost in Santa Cruz. Das geht folgendermaßen vor sich: nach Lust und Laune die große Freitreppe über links oder rechts hinaufschreiten, am einzigen Schalter für Briefmarken anstehen, Päckchen wiegen und frankieren lassen. Dann bekommt man es wieder in die Hand gedrückt. Mit dem ersten Päckchen stand ich längere Zeit verständnislos herum, bis mir ein Spanier andeutete, es sei irgendwo abzugeben. Unten, um das Haus herum. Ich musste mich führen lassen, denn man konnte von zwei Seiten um das Haus herumgehen. Auch beim zweiten mal fand ich den richtigen Eingang nicht sofort, jetzt bin ich perfekt. Man trägt sein frankiertes Päckchen (von oben kommend) rechts um das Postgebäude herum, tritt durch einen seitlichen Eingang in ein ebenerdiges Untergeschoss ein und hält sich rechts zu einem Raum, dessen Tür immer offensteht. Dort liegen schon viele Päckchen, am Boden, auf Holztischen, in Regalen. Es stehen volle Postsäcke herum, und in hohen Stapeln sind leere Säcke abgelegt. Meist ist dort niemand, und selbst lautes wiederholtes Rufen bringt keinen Angestellten herbei. Durch die offene Tür wirft man nun sein Päckchen auf einen der Haufen, denn dies ist der ordnungsgemässe Gang der Dinge. Als ich das erste Mal in jenem Raum keine Person antraf und nicht recht wusste, wohin mit dem Päckchen, sah ich mich etwas um, und mein Blick wurde automatisch angezogen von drei briefkastenähnlichen Öffnungen in der Wand, durch welche die Sonne einfiel. Sie kamen mir sehr bekannt vor, denn ich hatte ja schon genügend Zeit davor zugebracht, und ich wusste auch gleich, welches welcher Schlitz war, zu oft hatte ich sie studiert. Endlich konnte ich das System nun von innen ergründen. Und was glauben Sie, wie die einzelnen Posten aufgefangen wurden? Überhaupt nicht! Sie fielen alle zusammen auf den kellerähnlichen Zementfußboden und bildeten dort einen einträglichen Haufen. Seitdem habe ich das Denken vor den Schlitzen eingestellt.

H e u t e hat sich im wesentlichen nichts geändert, nur die drei Schlitze sind ganz schick modernisiert worden. Sie haben in die frühere rohe Maueröffnung hinein jeder einen silbrigen Metallrahmen bekommen und eine Verschlussklappe, was sehr gut aussieht aber auch seine Nachteile hat. Durch den Metallrahmen sind die Öffnungen kleiner geworden, so dass stärkere Sendungen, wie z.B. ein Film zum Entwickeln, nicht mehr hineingehen. Und die Klappe mit undefinierbarem Innenleben ist geradezu niederträchtig. Hat man den Brief in der rechten Hand und versucht, mit Hand und Brief unter die leicht angehobene Klappe zu kommen, dann spürt man dort ein Hindernis. Natürlich kann man den Brief nun nicht loslassen, denn er würde ja nicht hinunterfallen auf den gemeinsamen Haufen, er würde überhaupt nicht hineingehen sondern auf halbem Wege steckenbleiben. Wer möchte das schon. So fühle ich erst Mal mit den Fingern vor, was da eigentlich los ist, dann ist es aber auch schon zu spät: etwas schnappt zu, es tut weh, und man weiß nicht, was es ist. Es kann eine Art Gitterrost sein, ein halb- oder vollautomatisch mit der Klappe funktionierender, oder vielleicht auch ein Krokodil, die Hand ist jedenfalls kaputt. Leider passierte mir das mehrere Male, da ich glaubte, das System überlisten zu können, leider nicht, immer Hand kaputt. Ich habe dazugelernt. Wenn mir nichts anderes übrig bleibt, als dort eine Sendung loszuwerden, löse ich das Problem auf die einzig mögliche Weise: ich klemme die Handtasche zwischen die Beine, um beide Hände frei zu haben. Dann hebe ich mit links die Verschlussklappe gänzlich hoch und drücke mit rechts den Brief gegen das jetzt nachgiebige hinterhältige Hindernis. So geht's, aber jedes mal bin ich darauf gefasst, dass wieder etwas zubeißt.




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