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Der Himmel über La Palma, von Klaus Fuhrmann


Leben auf anderen Planeten?



Nachdem wir in den letzten beiden Jahren einen gewissen Einblick in die Welt der Astrophysik erfahren haben - angefangen von den Sternen bis hin zu den Galaxien und schließlich der Kosmologie mit der Frage des dunklen Nachthimmels - so ist es natürlich auch immer spannend zu fragen, ob es vielleicht Leben auf anderen Planeten gibt.

Die Frage, inwieweit wir eventuell schon einmal Besuch von Außerirdischen erhalten haben könnten, stellt für viele ja durchaus ein Reizthema dar, das auch nicht selten sehr emotional diskutiert wird. Eine große Mehrheit unter den Wissenschaftlern (ich schätze mal 99.9%, oder so) geht aber eher davon aus, daß es auf unserem Heimatplaneten bislang zu keinen Besuchen oder irgendwelchen Kontakten mit Außerirdischen gekommen sein sollte. Die Frage, inwieweit die "Aliens" nicht schon längst unter uns leben (gar manch einer würde ja skurrile Typen wie Nina Hagen durchaus dazuzählen), läßt sich also mit großer Sicherheit auch verneinen.

Ganz anders schaut es aber aus, wenn unter den Wissenschaftlern die Frage diskutiert wird, inwieweit es Leben im Universum oder zumindest in unserer Milchstraße geben mag. Zwei Zahlen werden hier immer gerne genannt: unsere Milchstraße hat 100 Milliarden Sterne, und es gibt etwa 100 Milliarden Galaxien im Universum. Das macht also 10^11 mal 10^11 = 10^22 Sonnen.

Stünde also die Chance, Leben um Sterne zu finden 1 zu 10^22, so hätten wir nur unser eigenes Sonnensystem mit unserem blauen Planeten.

Stünde aber die Chance, Leben um Sterne zu finden 1 zu 10^20, so hätten wir bereits 100 blaue Planeten zu erwarten. Bei einer Chance 1 zu 10^11, also entsprechend 100 Milliarden "Treffer".

Wir haben aber bereits mit unserem Sonnensystem einen Ort für Leben in unserer Milchstraße gefunden. Heißt das, wir dürfen daraus schließen, daß, wenn alle anderen Milchstraßen die gleiche Trefferquote haben, es nicht weniger als 100 Milliarden blaue Planeten im Universum geben sollte?

Man darf nun an dieser Stelle gewiß einwenden: "Einmal kann immer passieren und ist insofern kein Beweis für die Existenz anderer Welten." Und bedenken Sie: es bedarf ja erst einer Lebensform wie der unseren, damit diese Frage überhaupt gestellt werden kann.

Darüber hinaus sind die beiden oben genannten Zahlen aber auch sehr grob, bzw. man kann sogar sagen irreführend, da es zum Beispiel viel mehr kleine Zwerggalaxien als große Spiralen wie die Milchstraße im Universum gibt. 100 Milliarden Sterne pro Galaxie, das wird sich kaum machen lassen. Andererseits: die Milchstraße selbst mag durchaus 500 Milliarden statt "nur" 100 Milliarden Sterne haben, doch auch hier ist eine genaue Differenzierung wichtig. Einfach nur 10^11 mal 10^11 anzuführen, kann also keiner seriösen Betrachtung standhalten.

Um überhaupt zu ersten Anhaltspunkten zu kommen - und da die Entfernungen zu anderen Galaxien auch nahezu "unendlich" groß sind - reduzieren wir die Frage nach außerirdischem Leben zunächst nur auf unsere eigene Milchstraße. Wir gehen auch noch insofern einen Schritt weiter, als wir uns doch zunächst eher nur mit der Frage beschäftigen wollen, wie die Chancen für "lebensfreundliche" Planeten innerhalb der Milchstraße sein könnten. Dabei werden wir feststellen, daß unter Umständen schließlich nur unser eigenes Sonnensystem übrig bleiben mag, man also die große Zahl von zunächst 10^11 Kandidaten sehr schnell auf 1 herunterbrechen kann. Einige der hier zu machenden Annahmen sind allerdings recht ungenau, entsprechend spekulativ also auch das Ergebnis. Am Ende werden wir zudem sehen, daß die vermutlich vielversprechendste Antwort auf die Frage nach der Existenz von Leben im All jenseits unseres blauen Planeten aus einer ganz anderen - eher unerwarteten - Richtung kommt…

Doch zunächst der Reihe nach. Beginnen wir mit der konservativen Annahme unsere Milchstraße habe nur 10^11 also 100 Milliarden Sterne. Wieso sind nicht alle diese gleich gute Kandidaten für erdähnliche Planeten, auf denen sich Leben entwickeln könnte?

Das hat nun verschiedene Gründe, die wir zum Teil auch schon kennengelernt haben. Weiße Zwerge, zum Beispiel, sind eher schlechte Kandidaten als Heimatsterne für lebensfreundliche Planeten, da sie zuvor als Rote Riesen jegliches Leben auf diesen Planeten zerstört haben sollten. Nehmen wir hierzu unser eigenes Sonnensystem: für uns Erdenbewohner käme es in der Roten Riesen Phase der Sonne darauf an, auf den weiter außen stehenden Mars auszuwandern. Doch auch das wäre nur eine vorübergehende Lösung, da, sobald die Sonne den Übergang vom Roten Riesen zu einem winzigen Weißen Zwerg vollzogen hätte, der Kältetod auf Mars bevorstünde. Nunmehr - umgekehrt - in wärmere Gefilde erneut auswandern, also etwa zur Venus, oder noch besser, den noch dichter bei der Sonne stehenden Merkur, geht aber nicht mehr, da beide Planeten in der Roten Riesen Phase durch die Sonne vereinnahmt wurden. (Das Schicksal der Erde ist in diesem Zusammenhang derzeit eher ungewiß. Doch auch wenn die Erde überlebt, so ist sie als "neue Heimat" in der nun beginnenden Weißen Zwerg Ära der Sonne wegen der jetzt zu geringen Temperaturen nicht mehr akzeptabel.)

Nehmen wir als weitere Kandidaten die massereichen O-, B-, oder A-Sterne. Diese entwickeln sich sehr schnell zu Weißen Zwergen, so daß es vermutlich zu keiner nennenswerten Evolution auf den sie umgebenden Planeten kommen kann. Gehen wir, andererseits, zu den massearmen, langlebigen, und auch sehr zahlreichen roten M-Sternen, so muß jedweder lebensfreundliche Planet sehr dicht an seinem Heimatstern liegen, um überhaupt genügend Energie zu erhalten. Obwohl M-Sterne also leuchtschwache Objekte sind, kennt man sie allerdings auch als vergleichsweise starke Röntgenquellen. Die bewohnbare Zone wäre hier also auch eine sehr mutationsfreundliche Umgebung und vielleicht doch nur eher was für "Freaks", die das locker aushalten.

Beschränken wir uns also doch vielleicht besser nur auf die sonnenähnlichen G-Sterne. Davon gibt es in der Milchstraße immerhin doch einige Milliarden. Nehmen wir aber vorsichtshalber nur diejenigen G-Sterne, welche auch bereits - wie unsere Sonne - einige Milliarden Jahre Zeit für die Evolution hinter sich haben, so gehen wir vielleicht doch besser nur von 10^9, also 1 Milliarden "brauchbaren" Objekten aus.

Eine weitere Einschränkung, die wir auch schon mehrfach erwähnt hatten, liegt in der Tatsache begründet, daß Sterne gar nicht als Einzelobjekte entstehen können. Bei Doppelsternen kann der Platz für Planeten aber unter Umständen sehr eng werden. Darüber hinaus müssen wir auch davon ausgehen, daß ein wesentlicher Teil der Sterne sogar eher kleinen Strukturen entstammt, also Dreifach-, Vierfach-, usw. Systemen. Wollen wir uns also eher auf Einzelobjekte konzentrieren, so sollten wir doch mindestens eine weitere Null aus unserem Vorrat streichen, d.h. wir gehen im Folgenden von 100 Millionen einzelnen und hinreichend alten G-Sternen für die Milchstraße aus.

Nehmen wir nun an, etwa 5% dieser G-Sterne hätten Planeten bzw. Planetensysteme, und nehmen wir weiter an, 10% dieser extra-solaren Systeme hätten tatsächlich auch einen erdähnlichen Planeten in einem ähnlichen Abstand wie die Erde zur Sonne, so erhalten wir 100 Millionen x 0.05 x 0.10 = 500 000 G Sterne mit "blauen Planeten" für unsere Milchstraße.

An dieser Stelle sollten wir nun vorsichtshalber noch einmal den Rotstift mit einem Faktor 10 ansetzen, denn viele der bereits in den letzten Jahren gefundenen extra-solaren Planeten, zeigen exzentrische Umlaufsbahnen um ihre Heimatsterne, d.h. der Abstand Planet-Stern variiert stark bei jedem Umlauf. Auf solchen Planeten gäbe es daher enorme Unterschiede von Hitze und Kälte im jährlichen Rhythmus. Man stelle sich vor, jetzt im Dezember hätte es hier bereits -100 Grad Celsius, und nach Teneriffa oder auf die anderen Nachbarinseln käme man ohne weiteres über den bereits zugefrorenen Ozean. An warmen Sommertagen hingen wären +100 Grad Celsius keine Seltenheit. Das wären gewiß keine Bedingungen, mit denen man sich ohne weiteres anfreunden könnte.

Mit der weiteren Bedingung von eher kreisrunden Planetenbahnen verblieben dann also noch 50 000 lebensfreundliche Planeten im richtigen Abstand zum Heimatstern.

Haben wir jetzt alle wesentlichen Einschränkungen berücksichtigt? Keineswegs! Mindestens zwei vermutlich ganz wichtige Punkte fehlen noch. Und beide führen uns noch einmal drastisch vor Augen, daß wir im Grunde in einem gewaltsamen, lebensunfreundlichen Universum leben.

Schaut man sich unseren Planeten an, so kann man durchaus den Eindruck bekommen, daß das Leben auf der Basis genau dieser Erkenntnis mit einer ebenso unglaublichen "Brutalität" seine Nischen sucht. Wo immer "was geht", da finden sich Lebensformen. Man denke zum Beispiel an Pinguine, die monatelang in der Antarktis im Dunkeln "herumstehen" und sich um ihren Nachwuchs kümmern. Oder nehmen wir Tiere in den Tiefseegräben, die auch ohne irgendwelches Licht ihren Stoffwechsel "durchziehen", oder nehmen wir gewisse Bakterienarten, die es auch schaffen, sich mit dem nahezu 100 Grad Celsius heißen Wasser von Geysiren zu "arrangieren".

Die Sterne, die Energiespender, ohne die ein Leben hier gar nicht möglich wäre, sind selber die Hölle für jedes Leben. Wir könnten uns nicht auf ihnen aufhalten, sondern nur in sicherem Abstand auf Objekten, die wir Planeten nennen. Diese sollten, wie gesagt, auch möglichst auf kreisrunden Bahnen laufen und unser Sonne-Erde System hat genau diese attraktiven Eigenschaften. Aber der Schein trügt, wenn man meint, daß sei doch nun ein beschaulicher Zustand, wo es sich gut aushalten läßt. Schon durch ein einfaches Fernglas läßt der Blick zu dem mit Kratern übersäten Mond uns nichts Gutes verheißen. Ein Narr, wer glaubt die Erde hätte in ihrer Geschichte nicht ähnliches durchgemacht. Vieles deutet heute daraufhin, daß Artensterben und Kometeneinschläge unmittelbar miteinander korreliert sind. Die Suche nach den Spuren der erhaltenen Treffer ist heutzutage mit Hilfe von Satelliten und modernsten Auswerteverfahren so erfolgreich wie nie zuvor. Die meisten Einschläge hat man bei unserem blauen Planeten natürlich in den Ozeanen zu suchen, aber genau das gelingt in den letzten Jahren mit immer größerer Effizienz.

Sicher, der Einschlag eines Kometen kann nicht nur Leben zerstören, sondern auch neue Chancen für neues Leben bieten. Das Aussterben der Riesenechsen durch einen Kometeneinschlag vor 65 Millionen Jahren könnte so, wie gelegentlich behauptet wird, den Säugetieren zum Sieg verholfen konnte. Ob dieses nun letztlich genau so passiert ist, oder nicht, lassen wir mal dahingestellt sein. Prinzipiell sind solche Szenarien aber denkbar. Manche Unternehmen konnten gelegentlich auch nur dadurch gerettet werden, daß man den Präsidenten oder gleich den gesamten Vorstand entließ. Niemand würde aber wohl zustimmen, daß es einer Firma zuträglich wäre, wenn solch erdrutschartige Bewegungen in allzu großer Häufigkeit stattfänden.

Stellen wir uns also vor, gewaltige Kometeneinschläge würden nicht in dem derzeit viel diskutierten Abstand von etwa 30 Millionen Jahren die Erde heimsuchen, sondern mit einer 100fach höheren Häufigkeit. Ob das gut für jegliche Entwicklung auf unserem Planeten wäre? Aber warum sollte diese Häufigkeit so groß sein? Wäre das anzunehmen überhaupt realistisch? In der Tat, das ist es, und vielleicht sind wir auch nur in der Lage, uns jetzt und hier über Sterne und Galaxien zu unterhalten, weil es in unserer Nachbarschaft ein Objekt gibt, das man gemeinhin unter dem Namen "Jupiter" kennt: 99 von 100 Kometen, welche die Erde bedrohen, so eine Schätzung, werden nämlich von Jupiter - einem Riesenstaubsauger gleich - auf dessen Oberfläche "entsorgt". Zwar ist Jupiter auch nicht ganz unschuldig, wenn gelegentlich ein Objekt aus dem zwischen Mars und Jupiter gelegenen Asteroidengürtel Kurs auf unsere Erde nimmt. In der Summe jedoch dürfte Jupiter die Erde eher beschützen als ihr schaden. Jedenfalls steht außer Frage, daß die Existenz von Jupiter eine wesentliche Rolle für die Entwicklung des Lebens auf der Erde gespielt haben muß.

Wenn das also bedeutet "kein Leben ohne Jupiter" oder ähnlich große Gasplaneten, damit die Entwicklung auf Erden eher konstruktiv denn destruktiv verläuft, so dürfte ein weiteres Mal vielleicht nur jedes zehnte Planetensystem in Frage kommen. Wir hätten, so gesehen, jetzt nur noch einige Tausend lebensfreundliche, auf kreisrunden Bahnen laufende "Planeten mit Jupiter" für unsere Milchstraße zur Verfügung.

Doch nun kommt noch eine weitere - und die vielleicht gravierendste Einschränkung - bei all diesen Betrachtungen. Und wieder geht es um Kollision bzw. apokalyptische Zerstörung. Die heute wohl plausibelste Erklärung für die Entstehung des Mondes ist nämlich die einer gewaltigen Kollision mit der Erde in der Frühphase unseres Sonnensystems. Der damals die Erde bedrohende "Brocken" stellte wohl kaum eine Gefahr für das Leben dar, sondern vielmehr für die Existenz der gesamten Erde. Die Erde überlebte diesen Aufprall, und am Ende haben wir uns wohl einiges von diesem Projektil auch einverleibt. Teile der damaligen Erde mögen aber auch aus dieser herausgeschleudert worden sein und zusammen mit weiteren Trümmern wenig später den heute unter dem Namen "Mond" bekannten Himmelskörper gebildet haben, der fortan als unser Nachbarplanet mit uns die Sonne umkreiste.

Wieso ist das nun wichtig, oder anders gefragt, wie könnte es auf der Erde ohne Mond aussehen? Zum einen wäre da die fehlende Ebbe und Flut, zum anderen wohl aber auch die fehlenden Jahreszeiten, denn ein vermutliches Relikt des Zusammenstoßes mit dem "Proto-Mond" dürfte die heute um 23 Grad geneigte Erdachse sein. Die vormals fehlenden Jahreszeiten wären nun freilich kein Grund, die Erde gleich als lebensfeindlich einzustufen. Wie anders könnte es sein, daß so manch einer die hiesigen "Inseln des ewigen Frühlings" als attraktiv erachtet. Doch was wäre, wenn man morgens die Tür aufmacht und der Wind mit 500 km/h bläst? Daß es eine für uns "dunkle Seite des Mondes" gibt, hängt mit der Erde zusammen, die den Mond bereits in eine, wie man sagt, gebundene Rotation gezwungen hat. Das ist letztlich, der oben erwähnte Effekt von Ebbe und Flut. Also nicht nur die Erde "quält" den Mond, sondern auch dieser die Erde. Wegen der unterschiedlichen Massen zwar mit unterschiedlicher Effizienz, aber der Mond wird erst dann "zufrieden" sein, wenn es aus seiner Sicht auch eine "dunkle Seite der Erde" geben wird, das heißt, wenn ein Tag auf der Erde schließlich einen Monat dauert.

Bis es soweit ist, wird die Sonne wohl längst zum Weißen Zwerg geworden sein. Man darf aber auch fragen wie die Tageslänge - also die Rotationsgeschwindigkeit - der Erde ohne den in gewisser Weise stabilisierenden Mond ausschauen würde. Möglicherweise auch 24 Stunden. Ein Vergleich mit dem ähnlich langen Marstag läßt dies nicht unwahrscheinlich erscheinen. Andererseits, die Gasplaneten Jupiter und Saturn brauchen nur etwa 10 Stunden für einen Umlauf. Wegen ihrer wesentlich größeren Durchmesser bedeutet das unmittelbar aber auch extreme Windverhältnisse. Sollte es also nur durch den Mond zu einer verträglichen Rotationsgeschwindigkeit für die Erde gekommen sein? Oder noch etwas allgemeiner ausgedrückt: sollte der Mond am Ende eine entscheidende Rolle für die lebensfreundlichen Bedingungen auf unserem Planeten gespielt haben? Falls ja, so wird es mit der Suche nach "blauen Planeten" für die Milchstraße tatsächlich sehr eng.

Wenn die Bedingung eines jupiter-ähnlichen "Aufpassers" für die Existenz eines lebensfreundlichen Planeten schon eine gewisse Einschränkung von vielleicht 1 zu 10 darstellt, so dürfte, die Erde-Mond Kollision als "weitere Voraussetzung" vielleicht nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 1 zu 1000 - wenn überhaupt - anzusehen sein.

Vieles hängt also an dieser Frage, und diese ist alles andere als sicher zu beantworten.

Letztlich spielt das aber auch keine allzu große Rolle. Wichtig ist nur, zu erkennen, daß die "Rahmenbedingungen" für unsere Milchstraße bezüglich lebensfreundlicher Planeten - trotz 100 Milliarden Kandidaten - am Ende durchaus so sein mögen, daß wir uns mit nur einem einzigen brauchbaren Sonnensystem abfinden müßten…

Und was das Auftreten des Menschen in der Evolution unseres Planeten betrifft: es ist hier durchaus als "erschreckend" zu registrieren, daß diesbezüglich nicht weniger als vier Milliarden Jahre quasi "nichts" passiert ist. Hätte die Sonne nur einige Prozent mehr Masse, so wäre sie längst zum Weißen Zwerg geworden, noch bevor wir auf den Plan getreten wären. Oder anders ausgedrückt, wenn wir das "Leben" der Sonne bis zur Verwandlung in einen Weißen Zwerg auf 80 Jahre umrechnen, dann hätte unser Heimatstern heute ein Alter von 29 Jahren. Und erst seit ein paar "Tagen" gäbe es in diesem Bild auf einem seiner Planeten die Menschen. Das ist ohne Zweifel enttäuschend spät. Wenn, wie doch gelegentlich behauptet wird, die Evolution auch bezüglich höher entwickelter Lebensformen zielstrebig voranschreitet, so haben wir mit unserem Sonnensystem eher einen Fall, wo in den ersten 28 Jahren viel "experimentiert" wurde, bevor dann erst plötzlich der Mensch auftauchte - wie wenn jemand den Schalter umgelegt hätte. Einen hohen Erwartungswert für die Durchführbarkeit oder das Erreichen bestimmter Dinge, würde man aber eher nur dann ansetzen wollen, wenn diese nach, sagen wir, 10% der zu Verfügung stehenden Zeit auch praktisch immer erreicht werden.

Dazu ein Beispiel. Nehmen wir ein Kind, dem man Lesen und Schreiben beibringen möchten. Es gäbe zudem die Behauptung, dies sei praktisch unmöglich innerhalb der zur Verfügung stehenden Zeitspanne eines Menschenlebens von etwa 80 Jahren. Doch dann zeigt sich, daß - ganz im Gegenteil - nahezu alle Kinder, beginnend mit etwa 3 Jahren und bis zu einem Alter von etwa 8 Jahren, das Lesen und Schreiben durchaus erlernen können. Die Schlußfolgerung lautet also, bei entsprechender Förderung ist der Mensch bereits im Kindesalter in der Lage, das Lesen und Schreiben zu erlernen. Nun nehmen wir aber einen Fall, bei dem der Versuch das Lesen und Schreiben zu erlernen nicht gelingt. Auch mit 18 ist bei dieser Person noch kaum ein Erfolg zu verzeichnen. Schließlich ist diese Person bereits 28 Jahre alt, und noch immer ist jeder geschriebene Text ein Buch mit sieben Siegeln. Und dann, auf einmal, sozusagen "über Nacht" und im Alter von 29 Jahren kann diese Person doch lesen und schreiben. "Noch mal Glück gehabt.", oder "Mir kommt das alles vor wie ein Wunder! Ich versteh's nicht, nach den all den Bemühungen, die wir vorher unternommen hatten." So, oder ähnlich, würden die Kommentare doch gewiß lauten. So, oder ähnlich, muß man aber im Grunde auch unsere Existenz auf unserem blauen Planeten Erde bewerten! Wer, wie unser Erde-Sonne System, mehr als Drittel der zur Verfügung stehenden Zeit "nur herum tut", bevor der Mensch auf der Bildfläche erscheint, der wird kaum überzeugend vortragen können, daß vergleichbar intelligentes Leben oder Außerirdische mit Bewußtsein geradezu zwingend von der Evolution vorgesehen sind, wenn man einen Stern wie die Sonne als Energieträger bereitstellt.

Die Lektion, die wir von unserem Sonnensystem lernen, ist daher wohlmöglich die zu sagen: es ist äußerst bemerkenswert zu sehen, wie schnell das Leben sich erfolgreich etabliert, wo immer dies möglich ist. Das Auftreten von intelligenten Lebensformen, im Sinne von Bewußtsein, ist aber doch eher unerwartet, um nicht zu sagen der "blanke Zufall" oder "ein Wunder", so wie obiger "Hans", dem es doch noch irgendwie gelang, das Lesen und Schreiben mit 29 zu erlernen…

Dann sind wir am Ende doch allein in der Milchstraße, vielleicht sogar im gesamten Universum? Vielleicht ist unser Sonnensystem ja auch nur ein schlechtes Beispiel, und überall sonst "funkt" es wesentlich schneller mit den hochentwickelten Lebensformen. Gewiß das ist möglich, aber im Moment doch alles andere als überzeugend.

Es muß aber hier nicht mit der Spekulation enden. Heute, 2007, kennen wir bereits viele nahe Sterne mit extra-solaren Planeten. 47 Ursa Majoris, zum Beispiel, ist so ein G-Stern, der die Voraussetzungen für einen lebensfreundlichen Planeten durchaus haben könnte. Bislang kennen wir ja fast ausschließlich nur die massereichen Gasplaneten. Aber die Entdeckung erdähnlicher Planeten umgeben von sonnenähnlichen G-Sterne steht quasi auch "unmittelbar bevor". Jedenfalls macht es heute schon durchaus Sinn, bei den bereits gefundenen extra-solaren Planetensystemen mit Radioteleskopen nach "sinnvollen" Signalen Ausschau zu halten.

Doch dann gibt es da noch etwas anderes zu berichten. Und das könnte am Ende spannender als jeder Science-fiction-Roman werden. Das ganze hat mit "Europa" zu tun. Nicht mit dem Erdteil auf unserem Planeten, sondern einem der vier großen Jupitermonde, der genau diesen Namen trägt. Es gibt nämlich seit einigen Jahren konkrete Hinweise, daß der Jupitermond Europa nicht nur einen Eispanzer besitzt, sondern darunter auch einen Ozean aus Wasser.

Das Raumschiff dorthin ist bereits in Planung und wird auch sicher in absehbarer Zeit gestartet. Wie erfolgreich man dann auf Europa den Eispanzer wird durchdringen können und wie erfolgreich man mit dem dann einzusetzenden U-Boot operieren kann, ist natürlich eine ganz andere Frage. Dennoch dürfte es - wenn wir die einschlägigen Beobachtungen aus den Meerestiefen unserer Ozeane heranziehen - keineswegs völlig unerwartet kommen, wenn man sodann feststellen sollte, daß dieser Ozean auf Europa voller Leben ist. Auch mit dieser aus wissenschaftlichen Sicht zu begründenden Erwartungshaltung wäre diese Entdeckung zweifellos eine Sensation die ihresgleichen sucht. Wir halten Ausschau nach anderen Sonnen und Leben auf extra-solaren Planeten, und dann tummeln sich am Ende ungezählte Tiere in einer Nische unseres e i g e n e n Sonnensystems. Eine Nische, wohlgemerkt, die ihre Energie aus der Gezeitenwirkung mit dem Jupiter beziehen würde und nicht auf einem Planeten, sondern einem M o n d stattfände.

Vielleicht tragisch, daß keiner der fremden "Europäer" uns jemals sehen würde, denn in der völligen Dunkelheit ihres Ozeans dürften Augen als Sinnesorgane nur unsinnigen Ballast bedeuten. Vielleicht aber auch ganz gut so, denn manches, was wir diesen "Europäern" mit unserem Planeten würden zeigen können, braucht auch nicht unbedingt gesehen zu werden…

Astrophysik auf La Palma mit Klaus Fuhrmann


Abbildung 1: Das andere Europa. Nahaufnahme der Oberfläche des Jupitermondes "Europa" mit der "Galileo" Sonde. Diese etwa vor 10 Jahren erhaltene Aufnahme zeigt die Spuren einer jungen Oberfläche, dem Packeis der hiesigen Polarregionen durchaus vergleichbar. Was in dem darunter befindlichen Ozean konkret zu finden sein wird, ist eine dar ganz spannenden Fragen der nächsten Jahre oder Jahrzehnte.
(Aufnahme: Galileo Sonde)



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